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Veröffentliche Beiträge in “Presse-Infos”

Jan Pehrke
Chefredakteur SWB
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presse@cbgnetwork.org

Pressestimmen: Die Arbeit der Coordination im Spiegel der Medien.

[Iberogast] Presse-Information CBG vom 17.09.20

CBG Redaktion

BAYERs Magenmittel IBEROGAST unter Verdacht

Staatsanwalt weitet Ermittlungen wg. fahrlässiger Tötung aus

Seit Jahrzehnten steht BAYERs Magenmittel IBEROGAST in der Kritik, weil es schwerwiegende Leberschäden verursachen kann. Trotzdem weigerte sich der Konzern lange Zeit beharrlich, auf dem Beipackzettel vor dieser Nebenwirkung des Inhaltsstoffes Schöllkraut zu warnen. Als 2018 eine IBEROGAST-Patientin nach einer Leber-Transplantation verstarb, nahm die Kölner Staatsanwaltschaft deshalb Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf. Zunächst richteten sich diese „gegen unbekannt“. Nun aber nicht mehr: Im Visier der Justiz stehen zwei ehemalige Pharma-ManagerInnen von BAYER VITAL. Zudem erweiterte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer den Tat-Verdacht um zehn Fälle von fahrlässiger Körperverletzung. Das berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Donnerstagsausgabe.

Trotzdem hält das Unternehmen weiter in Treue fest zu seinem Produkt und bezeichnet es als ein „bewährtes, wirksames und sicheres Medikament“. Schon bei der Aufnahme der Ermittlungen hatte die Aktien-Gesellschaft jegliche Schuld am Tod der Frau bestritten. Der 56-Jährigen wurde nach Meinung des Konzerns stattdessen „eine äußerst seltene, dosis-unabhängige Reaktion auf Substanzen, die in der Regel von Menschen sicher toleriert werden“ zum Verhängnis. Im Übrigen verwies der Pillen-Riese auf Studien, die angeblich die Sicherheit und Wirksamkeit der Arznei bewiesen hätten. „Das Nutzen/Risiko-Profil von IBEROGAST ist weiterhin positiv“, resümierte er.

Dagegen lagen den staatlichen Stellen bereits ab den 1990er Jahren zahlreiche Informationen über ein negatives Nutzen/Risiko-Profil des Mittels sowie anderer Schöllkraut-Präparate vor. Die erste Meldung über ein tödliches Leber-Versagen erhielten sie 2002. Das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) leitete wegen dieser Fakten-Lage 2005 schließlich ein Stufenplan-Verfahren ein, welches das Gefährdungspotenzial bestätigte. Darum zog das BfArM 2008 Produkte mit hohen Schöllkraut-Dosierungen aus dem Verkehr und verpflichtete die Hersteller der übrigen, die Liste mit den Risiken und Nebenwirkungen auf den Packungsbeilagen um den Eintrag „Leber-Schädigungen“ zu erweitern. Der damalige IBEROGAST-Produzent STEIGERWALD legte dagegen Beschwerde ein. Und BAYER hielt nach der Übernahme von STEIGERWALD im Jahr 2013 an jener nicht nur fest, sondern gab auch nach der Ablehnung noch nicht Ruhe. 2017 reichte das Unternehmen beim Verwaltungsgericht Klage gegen den Bescheid ein. Erst als das Bundesinstitut 2018, alarmiert durch den Todesfall, mit dem „Sofort-Vollzug“ der Beipackzettel-Änderung drohte, fügte sich der Global Player. Über 100 Millionen Euro Jahresumsatz wollte er nicht so einfach gefährden.

„Der BAYER-Konzern geht für seine Profite über Leichen. Das zeigt die Causa ‚IBEROGAST’ einmal mehr“, konstatiert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Die Coordination fordert jetzt, Konsequenzen aus dem gesundheitsgefährdenden Potenzial der Arznei zu ziehen und ein Verbot anzuordnen, zumals es Alternativen gibt: Der Leverkusener Multi plant im Oktober eine IBEROGAST-Variante ohne Schöllkraut herauszubringen.

Pressekontakt:

Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Kapitol] Presse-Information CBG vom 18.01.21

CBG Redaktion

50.000 Dollar für republikanischen Staatsanwaltsverband

BAYER sponserte Sturm aufs Kapitol

BAYER hat den Sturm auf das Washingtoner Kapitol durch Spenden an den „Verband der republikanischen Generalstaatsanwälte“ (RAGA) mitfinanziert. 50.000 Dollar erhielt der RAGA im letzten Jahr von der Konzern-Tochter MONSANTO, wie Recherchen der taz ergaben.

„Um 13 Uhr werden wir zum Kapitol ziehen (...) Wir hoffen, dass Patrioten wie Sie gemeinsam mit uns weiter kämpfen werden, um die Integrität unserer Wahlen zu schützen“, so lautete der Text der Telefon-Kampagne, mit welcher die RAGA-Unterorganisation „Rule of Law Defense Fund“ für den 6. Januar mobilisierte. Überdies hatten RAGA-Mitglieder den Obersten Gerichtshof der USA bereits am 9. November in einer Eingabe aufgefordert, nicht alle Briefwahl-Stimmen anzuerkennen.

Schon im Wahlkampf hatte das „Political Action Comitee“ (PAC) des Leverkusener Multis mehrheitlich republikanische KandidatInnen gesponsert. Rund 186.000 Dollar ließ ihnen das „BAYERPAC“ zukommen. 24 der vom Konzern unterstützten PolitikerInnen der republikanischen Partei gehörten dann zu denjenigen 147 Abgeordneten, die am Tag der Belagerung des Parlamentsgebäudes durch einen von Donald Trump aufgehetzten rechten Mob gegen die Anerkennung des Wahl-Sieges von Joe Biden votierten.

„Nicht genug damit, dass BAYER seit Dekaden Unsummen in die Pflege der politischen Landschaft der USA investiert. Jetzt tragen die Schecks des Agro-Riesen auch noch mit dazu bei, Trumps Angriff auf demokratische Institutionen zu alimentieren, der bereits fünf Menschenleben gekostet hat. Partei-Spenden von Unternehmen müssen endlich verboten werden “, fordert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren als Konsequenz aus den Ereignissen.

Pressekontakt:
Jan Pehrke 0211/30 58 49

[Klimastreik] Presse-Information CBG vom 20.09.21

CBG Redaktion

CBG beteiligt sich am Klima-Streik

Klima-Killer BAYER

Aus gegebenem Anlass schließt sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren am kommenden Freitag dem Klimastreik an: Der BAYER-Konzern stößt enorm viel klima-schädigendes Kohlendioxid aus. Im Geschäftsjahr 2020 emitierte er 3,58 Millionen Tonnen CO2. Für einen Großteil der Emissionen sorgt die Pestizid-Produktion im Allgemeinen und die Glyphosat-Herstellung im Besonderen. Neben allem anderen ist das Herbizid nämlich auch noch ein veritabler Klima-Killer. Um das Glyphosat-Vorprodukt Phosphor aus dem Sediment-Gestein Phosphorit zu gewinnen, muss der Ofen am US-amerikanischen BAYER-Standort Soda Springs auf eine Betriebstemperatur von 1500° Grad kommen. Und dafür benötigt er Energie en masse.

Seit Langem fordert die CBG eine Umrüstung der dortigen Fertigung ein. Dazu zeigt sich der Global Player aber ebenso wenig bereit wie zur Sanierung oder Ersetzung anderer Dreckschleudern. Und mit einer solchen Haltung steht er im Unternehmer-Lager nicht allein da. „Die Industrien schieben Neuinvestitionen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt auf“, hält die im Auftrag der Grünen erstellte Studie „Wie kann Nordrhein-Westfalen auf den 1,5-Grad-Pfad kommen“ fest. Die Expertise, welche Agora Energiewende in Tateinheit mit BAYER, BASF, BP, SIEMENS und anderen Firmen erstellt hat, drückt das ein wenig vornehmer aus und spricht von „Investitionsattentismus“. Offenbar hat es der immer wieder als marktwirtschaftliches Instrument für mehr Klimaschutz gefeierte Emissionshandel es nicht vermocht, genug Anreize für das Bauen saubererer Anlagen zu schaffen. Für die Multis kam es billiger, CO2-Verschmutzungsrechte zu kaufen, als sauberere Fabriken zu errichten.

„Es bedarf daher staatlicher Anreize und Förderungen“, lautet die Schlussforderung der Agora-Publikation, die dann auch ganz unbescheiden „Klimaneutralität 2050 – Was die Industrie jetzt von der Politik braucht“ betitelt ist. Das Mittel der Wahl in den Augen von BAYER & Co.: Klimaschutz-Verträge, sogenannte „Contracts for Difference“. Ein Pilot-Projekt dazu hat das Bundeswirtschaftsministerium schon auf den Weg gebracht, und selbst die Grünen begrüßen solche Vereinbarungen.

Nach den Vorstellungen des „Verbandes der Chemischen Industrie“ (VCI) müssen diese Instrumente zumindest in der Anfangsphase die vollständigen Differenz-Kosten zwischen neuer und alter Technologie ohne Berücksichtigung eines CO2-Preises kompensieren. Einen Finanzierungsvorschlag hat der VCI auch schon: „Diese Haushaltsmittel könnten durch Einsparungen in anderen Bereichen aufgebracht werden.“

„Was soll das alles? Hier will BAYER nur wieder Geld kassieren. Und dabei munter weiter das Klima ruinieren. Es muss gehandelt werden. Jetzt! Direkt! Sofort! So müssen etwa alle klimaschädlichen Stoffe auf Null reduziert werden – wie es Astrid Kiendler-Scharr, eine der AutorInnen des Welt-Klimaberichts, fordert. Jetzt! Direkt! Sofort! Und auch bei BAYER! Dieser Konzern hat das Klima über Jahrzehnte hinweg zerstört. Jetzt will er in die Staatskasse greifen und sich klima-schonendere Herstellungsverfahren finanzieren zu lassen“, so CBG-Geschäftsführer Marius Stelzmann.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren wird beim Klima-Streik ihre Kritik am Konzern einbringen. Sie schließt sich am 24.09. ab 16.00 Uhr den Aktionen von „Parents For Future“ vor dem Rathaus in Wiesdorf und in der Opladener und Schlebuscher Fußgängerzone an.

Pressekontakt:

Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Wir haben es satt] Presse-Information vom 18.01.22

CBG Redaktion

Die CBG beteiligt sich an den „Wir haben Agrar-Industrie satt“-Protesten

Glyphosat & Co. müssen vom Acker!

 
 
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) beteiligt sich auch dieses Jahr wieder an den „Wir haben Agrar-Industrie satt“-Protesten. Im Zuge der „Staffellauch“-Aktion, die an die Stelle der ursprünglich am 22. Januar geplanten Demonstration tritt, übermittelte die Coordination die Forderung „BAYER muss Glyphosat sofort vom Markt nehmen!“ nach Berlin.
 
„Glyphosat gefährdet die Gesundheit, schädigt die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei, da der Herstellungsprozess extrem viel Energie benötigt. Deshalb darf es nicht weiter auf den Feldern landen“, so CBG-Geschäftsführer Marius Stelzmann.
 
Aber Glyphosat ist längt nicht der einzige Problem-Fall im Pestizid-Sortiment des Leverkusener Multis. Zu 36,7 Prozent besteht das Angebot aus Agro-Chemikalien, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Welternährungsorganisation FAO als hochgefährlich einstufen. Trotzdem unternimmt der Konzern kaum Anstrengungen, nach Alternativen für die „highly hazardous pesticides“ (HHP) zu suchen und weniger giftige Mittel oder gar solche auf biologischer Basis zu entwickeln. „Bereits seit Jahren hat BAYER in Deutschland kein neues, schonender wirkendes Pestizid mehr auf den Markt gebracht. Es lohnt sich offenbar mehr, die Forschungsgelder der Landwirtschaftssparte in Gentech zu investieren, zumal Glyphosat und die anderen Uralt-Produkte weiter Milliarden abwerfen“, kritisiert Stelzmann.
 
Noch dazu wendet das Unternehmen beim Vertrieb der HHPs doppelte Standards an: Die chemischen Keulen kommen hauptsächlich in Ländern des globalen Südens zum Einsatz. Nach Studien der Initiativen INKOTA und PESTIZID AKTIONS-NETZWERK bietet der Agro-Riese allein in Brasilien dreizehn Agro-Chemikalien an, die in der Europäischen Union wegen ihrer Risiken und Nebenwirkungen keine Zulassung (mehr) haben.
 
Von der neuen Bundesregierung erwartet die CBG ein klares Bekenntnis dazu, eine nochmalige Zulassungsverlängerung für Glyphosat auf EU-Ebene nicht mitzutragen. Überdies muss sie ein Reduktionsprogramm auf den Weg bringen, um die Vorgaben der „Farm-to-Fork-Strategie“ zu erfüllen, die bis 2030 eine Minderung der Ackergift-Verbrauchsmengen um 50 Prozent vorsehen. Im Moment geht die Entwicklung nämlich in die gegenteilige Richtung. Im letzten Jahr setzten BAYER & Co. hierzulande 18 Prozent mehr Insektizide und zwei Prozent mehr Herbizide ab, nur bei den Fungiziden sanken die Zahlen. Angesichts dessen hatte der Präsident des Umweltbundesamtes kurz vor Weihnachten Alarm geschlagen. „Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln insgesamt deutlich reduziert werden“, mahnte Dirk Messner.
 
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren sieht SPD, Grüne und FDP in der Pflicht, die gesamte Landwirtschaft gemäß der Vereinbarungen des Koalitionsvertrags an den Zielen des Umwelt- und Ressourcenschutzes auszurichten. „Die Zahl der unter Pestizidvergiftungen leidenden Menschen ist laut der neuen Studie des Pestizid Aktions-Netzwerkes auf 385 Millionen gestiegen. Pestizide töten Jahr für Jahr Tausende Menschen. Auch Glyphosat vergiftet und tötet Menschen. Die Agrarwende muss her, Glyphosat und die anderen Killer-Gifte müssen vom Markt“, hält Marius Stelzmann abschließend fest.

Gegenanträge

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 23. März ´99

Chemie-Unternehmen BAYER in der Kritik:

Kritische Aktionäre reichen Gegenanträge ein

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) übergibt heute 25 Gegenanträge zur Hauptversammlung des BAYER-Konzerns. Gefordert werden darin wirksame Schritte zur Schaffung von Arbeitsplätzen, ein Programm zum vollständigen Verzicht von Schadstoff-Emissionen sowie ein Produktionsstop risikoreicher Stoffe wie Pestizide. Außerdem schlägt die CBG die Schaffung einer unabhängigen Stiftung durch den Konzern für alle Geschädigten von chemischen und pharmazeutischen Produkten vor.
Auf der Hauptversammlung am 30. April wird die CBG die Gegenanträge ausführlich begründen. Zudem werden Augenzeugen über den Missbrauch von BAYER-Pestiziden in brasilianischen Kaffee-Plantagen berichten. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde in Pittsburgh/USA fordert von BAYER eine gerechte Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter und einen ehrlichen Umgang mit der Firmengeschichte - auch der im Dritten Reich.
Philipp Mimkes, Geschäftsführer der CBG: „Das Unternehmen muß daran erinnert werden, daß es in unsere Gesellschaft eingebettet ist und dieser zu dienen hat. Das Allgemeinwohl ist höher zu bewerten als die Interessen von Aktionären und gutverdienenden Vorstandsmitgliedern.“ Mimkes fordert von dem Chemie-Konzern eine drastische Einschränkung des Energie- und Rohstoffverbrauchs, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie einen Produktionsstop risikoreicher Produkte.
Die CBG, die den BAYER-Konzern seit 20 Jahren kritisch begleitet, vertritt über 200 Kritische Aktionärinnen und Aktionäre. Jahr für Jahr lädt sie Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und Betroffene ein, die auf der Hauptversammlung für Umwelt- und Arbeitsschutz eintreten.

[Studie] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

Kinderarbeit im indischen Baumwoll-Anbau

Die Rolle multinationaler Saatgut-Produzenten

Recherche: Dr. Davuluri Venkateswarlu
Glocal Research and Consultancy Services, Hyderabad/Indien

Herausgeber in Deutschland:
Coordination gegen BAYER-Gefahren ( www.CBGnetwork.org , info@cbgnetwork.org )
India Committee of the Netherlands ( www.indianet.nl )
Global March Against Child Labour, deutsche Sektion
( www.globalmarch.org )

Juli 2003

Einführung
Das Institut Glocal Research and Consultancy Services (GRCS) aus Hyderabad erforscht die Arbeitsbedingungen in der indischen Landwirtschaft. In der Studie Child Labour and Transnational Seed Companies in Hybrid Cottonseed Production untersucht Dr. Davuluri Venkateswarlu, Direktor des GRCS, die Produktionsbedingungen im indischen Baumwollanbau, den Rückgriff auf Kinderarbeit sowie die Verbindungen zwischen transnationalen Saatgut-Konzernen und lokalen Produzenten.

Die Einführung von hybridem Saatgut in den 70er Jahren veränderte die indische Baumwollproduktion grundlegend: Qualität, Anbaufläche und geerntete Menge erhöhten sich, und es entstand eine hohe Zahl neuer Arbeitsplätze. Hunderte kleiner und mittlerer Firmen übernahmen den Vertrieb des Saatguts. In den 90er Jahren stiegen große Agrokonzerne in das Geschäft ein, so dass der indische Markt für hybride Baumwoll- Saaten heute von sechs multinationalen Unternehmen dominiert wird: Unilever, Bayer, Monsanto, Syngenta, Advanta und Emergent Genetics. Der sehr arbeitsintensive Anbau des Hybrid-Saatguts erfolgt in Tausenden lokaler Baumwoll-Farmen, die zwar nominell unabhängig sind, jedoch durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie langfristige Lieferverträge an die großen Firmen gebunden sind.

Neben positiven Effekten durch die Einführung neuartiger Anbaumethoden gibt es auch beunruhigende Entwicklungen: die hauptsächlich in Süd-Indien gelegenen Zulieferbetriebe beschäftigen in großer Zahl Kinder, überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren. Viele Kinder befinden sich in Schuldknechtschaft und sind über Jahre auf den selben Farmen tätig, um Vorschüsse abzuarbeiten. Wegen des hohen Einsatzes von Pestiziden ist ihre Gesundheit häufig beeinträchtigt. Die Saatgut-Multis nehmen auf den Farmen mehrmals pro Jahr Kontrollen vor und sind daher mit den Produktionsbedingungen und dem massenhaften Einsatz von Kindern vertraut.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Indien insgesamt rund 450.000 Kinder in der Baumwollsaat- Herstellung beschäftigt sind - allein im Bundesstaat Andhra Pradesh rund 250.000. Diese Zahlen übertreffen alle anderen Bereiche, in denen Kinderarbeit vorkommt (u.a. Teppichherstellung, Diamanten schleifen, Verarbeitung von Kalkstein), bei weitem. Die Autoren der Untersuchung werfen den Saatgut-Multis vor, dass sie den Einsatz von Kinderarbeit nicht nur dulden, sondern für diesen aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise ursächlich verantwortlich sind.

Die Abbildungen in der vorliegenden Studie zeigen Kinder bei der Herstellung von hybridem Baumwoll-Saatgut.

Arbeitsbedingungen und rechtlicher Status
Zunächst werden die Arbeitsbedingungen in den Baumwoll-Farmen, die rechtliche Situation der ArbeiterInnen sowie Schulausbildung und Gesundheit der angestellten Kinder beschrieben. Hierfür wurden von den Wissenschaftlern des GRCS 22 Saatgut- Betriebe ausgewählt und begutachtet. Für die anschließende Abschätzung der gesamten Zahl arbeitender Kinder wurden die Ergebnisse aus über 100 Farmen berücksichtigt.

Art der Arbeit im Baumwoll-Anbau
Hybrides Saatgut entsteht aus der Kreuzung zweier Pflanzen mit unterschiedlichem Erbgut. Die neu entstandenen Pflanzen sind nicht fortpflanzungsfähig, daher wird jedes Jahr neues Saatgut benötigt. Für die Kreuzung ist ein extrem hoher manueller Aufwand erforderlich, da bei jedem Keim der eigene Samen entfernt und der fremde Samen aufgetragen werden muss. Hierfür müssen zunächst das Deck- und Blumenblatt und der Staubbeutel jeder einzelnen Pflanze entfernt werden. Die Produktion von hybridem Saatgut ist daher sehr arbeits- und kostenintensiv - der Arbeitsaufwand ist rund 10 mal höher als bei konventioneller Baumwolle, die Kosten liegen fast 5 mal höher. Trotz der niedrigen indischen Löhne kostet der Anbau eines Hektars hochwertiger Baumwolle daher rund 150.000 indische Rupien (ca. 3.600 Euro; 1 Euro entspricht 42 Rs).

90% des Arbeitsaufwands erfordert dabei die komplizierte Bestäubung: die Pflanzung eines Hektars mit Hybrid-Baumwollsaatgut erfordert rund 5.500 Arbeitstage pro Jahr, 5.000 Arbeitstage werden allein für die Kreuzung der Pflanzen benötigt. Die Ernte eines Hektars hingegen dauert nur 250 Arbeitstage. Neben dem teuren Saatgut benötigt Hybrid- Baumwolle auch größere Mengen Düngemittel und Pestizide.

Die arbeitsaufwendige Kreuzung der Pflanzen wird hauptsächlich von Kindern, meist Mädchen, durchgeführt. Auch für die Ernte und die Aussaat werden Kinder eingesetzt. Die Arbeit Erwachsener beschränkt sich auf Pflügen, Aussähen und die Ausbringung von Düngemitteln und Pestiziden.

Rechtlicher Status der Kinder
Wegen des hohen Arbeitsaufwands bevorzugen die Produzenten von hybridem Saatgut langfristige Arbeitsverträge. Diese werden meist vor der jeweiligen Aussaat geschlossen. Typischerweise erhalten die Eltern Vorschüsse oder Darlehen, zu deren Abtragung langfristige, oft mehrjährige Verträge geschlossen werden. Von 320 im Rahmen der Studie befragten und in Baumwollfarmen beschäftigten Kindern leben 95 % in solcher Schuldknechtschaft. 70 % waren länger als ein Jahr an den selben Arbeitgeber gebunden.

Die Praxis der Schuldknechtschaft wird von den Saatgut-Herstellern bereitwillig bestätigt: „Wir benötigen die Mädchen die ganze Saison lang. Falls die Kinder nach einigen Monaten nicht mehr kommen, erleiden wir Einbußen. Daher schließen wir im Vorhinein Verträge mit den Eltern ab und zahlen ihnen einen Vorschuss. Wenn wir dies nicht tun würden, bestünde die Gefahr, dass die Kinder nach der Hälfte der Saison bei einem anderen Betrieb anheuern“, so ein Farm-Verwalter.

Die Löhne werden für die ganze Saison (von Mai oder Juni bis Januar oder Februar des folgenden Jahres) festgelegt. Sie hängen vom Bedarf nach Arbeitskräften ab und sind regional verschieden. Generell liegen die Löhne von Kindern sehr viel niedriger als die erwachsener Arbeiter - im Schnitt 18 Rupien (Rs) pro Tag (0,42 Euro), gegenüber 26 Rs (0,62 Euro) für Frauen und 40 Rs (0,95 Euro) für Männer.

Auf den Baumwollfarmen werden sowohl Kinder, die bei ihren Familien leben, als auch Kinder, die ohne Familienangehörige direkt auf der Farm wohnen, eingesetzt. In den meisten Betrieben überwiegen Kinder aus umliegenden Dörfern; in diesem Fall wird der Arbeitsvertrag direkt zwischen der Farm und den Eltern geschlossen. In einigen Regionen, in denen die Saatgutproduktion konzentriert ist und in denen Arbeitskräftemangel herrscht, machen „Migranten-Kinder“ aus anderen Distrikten bis zu 50 % der Angestellten aus. Sie werden von Mittelsleuten, die auf die Anwerbung von Kindern spezialisiert sind, angeheuert und in die Betriebe vermittelt. Der Farm-Besitzer ist für Unterkunft und Verpflegung verantwortlich.

Die Arbeitszeiten werden vertraglich nicht festgelegt und variieren stark. Ortsansässige Kinder arbeiten im Sommer rund 9 Stunden täglich, im Winter zwischen 11 und 12 Stunden. „Migranten-Kinder“ unterstehen einer totalen Kontrolle und arbeiten zwischen 12 und 13 Stunden täglich.

Schulbesuch und Gesundheitsrisiken
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Einsatz in Baumwoll-Farmen stark nachteilig auf die schulische Ausbildung und die Gesundheit auswirkt: rund 60% der eingesetzten Kinder haben nur wenige Jahre eine Schule besucht und diese für die Arbeit in den Feldern verlassen, knapp 30% haben nie eine Schule besucht. Die Darlehen der Saatgut-Produzenten werden meist im Sommer angeboten, wenn auf dem Land kaum Arbeit verfügbar ist und viele Familien finanzielle Probleme erleiden.

Die Arbeit in den Feldern birgt zudem große Gefahren für die Gesundheit der Kinder, denn in keinem anderen Bereich werden so viele Pestizide eingesetzt wie im Baumwoll-Anbau (in Indien rund 55% aller Pestizide). Die Kinder sind hochgefährlichen Wirkstoffen wie Endosulphan, Monocrotophos, Cypermethrin und Mythomyl direkt ausgesetzt.

In herkömmlichen Baumwoll-Farmen wird an Tagen, an denen Pestizide ausgebracht werden, nicht gearbeitet. Saatgut-Betriebe hingegen machen keine solchen Pausen. Die eingesetzten Kinder stehen bei der Arbeit bis zu den Schultern zwischen den Pflanzen und beugen sich über diese, um die Blüten für die Kreuzung auszuwählen. Wegen der Nähe zu den behandelten Pflanzen nehmen sie über die Haut und die Atemwege große Mengen Agrogifte auf. Hierdurch erleiden sie Schäden des Nervensystems, die beobachteten Symptome sind Kopfschmerzen, Orientierungslosigkeit, Schwächeanfälle, Krämpfe und Atemprobleme. Zu den langfristigen Schäden liegen keine Untersuchungen vor.

Untersuchungsergebnisse in 22 Betrieben
Die Autoren der Studie besuchten im vergangenen Frühjahr 22 kleine Zuliefer-Betriebe in den Distrikten Mahaboobnagar und Kurnool. Diese produzieren Saatgut für fünf transnationale Konzerne bzw. deren Tochterfirmen: Hindustan Lever (Unilever), Mahyco (Monsanto), Proagro (Bayer), Syngenta und Advanta. Von den 22 Farmen produzieren 12 für Unilever, je drei für Syngenta und Monsanto und je zwei für Bayer und Advanta.

Die durchschnittliche Fläche der Farmen beträgt knapp ein Hektar (9.700 qm). Insgesamt arbeiteten 486 Kinder in den untersuchten Betrieben - etwa 23 pro Hektar. Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren machten 78 % der Arbeitskräfte aus, Jungen 10 % und Erwachsene 12 %.

Der Großteil der Kinder, rund 90 %, befindet sich in Schuldknechtschaft. Das durchschnittliche Darlehen, das die Eltern bei den Farmbetreibern aufgenommen hatten, beträgt dabei 1.500 Rs (35 Euro). Der Vertrag zwischen Eltern und Betrieb läuft in der Regel zwar nur eine Saison (7-8 Monate), aber meist wird die Anstellung durch die Gewährung weiterer Vorschüsse verlängert. So hatten 68% der zum Zeitpunkt der Untersuchung angestellten Kinder bereits im Vorjahr auf den selben Feldern gearbeitet.

Der Großteil der angestellten Kinder stammt aus niedrig-kastigen oder kastenlosen Familien („Unberührbare“). Die Eltern sind größtenteils selbst arme Landarbeiter oder Bauern mit minimalem Landbesitz. Die Saatgut-Farmer hingegen gehören hohen Kasten an; zum Teil stammen sie aus anderen Regionen und haben ihre Betriebe wegen der billigen Arbeitskräfte in den untersuchten Distrikten angesiedelt. Ihre eigenen Kinder gehen überwiegend (74%) zur Schule und arbeiten nicht in den Familienbetrieben.

In den Gebieten, in denen der Arbeitskräfte-Bedarf nicht gedeckt werden kann, werden Kinder aus weiter entfernten Orten (30 - 100 km) angestellt. Sie werden vom Saatgut-Betrieb in eigenen Unterkünften untergebracht, meist in Gruppen von 10 - 30 Kindern. Ihre Arbeitsbedingungen sind schlechter als die der lokalen Arbeitskräfte, meist gehen sie bereits um fünf Uhr morgens auf die Felder und bleiben bis 18 oder 19 Uhr. Zusätzlich müssen einige von ihnen Hausarbeit verrichten. Von den 486 befragten Kindern waren 135 „Migranten“.

Abschätzung der Gesamtzahl arbeitender Kinder
Die Autoren der Studie berechneten die absolute Zahl der in der Baumwoll-Saatgutproduktion arbeitenden Kinder nach der Größe der bestellten Gesamtfläche, der durchschnittlichen Zahl von ArbeiterInnen pro Hektar sowie dem durchschnittlichen Verhältnis von Kindern zu erwachsenen Arbeitern. Dabei beschränkten sie sich auf den Bundesstaat Andhra Pradesh, in dem sie die Entwicklung seit Jahren dokumentieren. Für die vorliegende Studie wurden 22 Betriebe besucht. Mehr als 100 Betriebe wurden in vorhergehenden Untersuchungen begutachtet, die dort gewonnenen Daten fließen in die Abschätzung mit ein.

Im Schnitt werden in der Baumwoll-Saatgutproduktion 25 Kinder pro Hektar eingesetzt. Da die Hauptarbeit wie oben beschrieben in der Kreuzung der Pflanzen besteht und diese fast ausnahmslos von Kindern verrichtet wird, dürfte der Wert in nicht untersuchten Regionen ähnlich hoch liegen. Demnach stieg die Zahl der arbeitenden Kinder allein in Andhra Pradesh von rund 60.000 in der Saison 1990/91 auf 300.000 im Jahr 1999/2000. In der darauffolgenden Saison lag sie bei etwa 250.000.
Aufgrund von Initiativen der Landesregierung von Andhra Pradesh, NGOs wie der M.V. Foundation sowie internationalen Organisationen wie der ILO und Unicef ist die Gesamtzahl der arbeitenden Kinder in der Saison 2002/2003 gesunken. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor.

Fall-Studie einer 12jährigen
Die 12jährige Narsamma arbeitet seit drei Jahren in den Baumwollsaat- Feldern eines Farmers im Distrikt Kurnool. Ihr Arbeitgeber produziert auf einem knappen Hektar die Baumwoll-Sorte „Brahma“ für den Saatgut- Multi Unilever.

Narsamma stammt aus einem Dorf, das in etwa 100 km Entfernung liegt. Dort besuchte sie drei Jahre lang die Schule. Obwohl ihre Eltern rund einen Hektar Land besitzen, reicht der Ertrag des Landes wegen der Trockenheit nicht aus. Von einem Arbeitsvermittler hatten sie 1998 ein Darlehen von 2000 Rs (knapp 50 Euro) erhalten, seitdem arbeitet Narsamma jeweils von Juli bis Dezember im Betrieb ihres Arbeitgebers. Zu Beginn erhielt sie 450 Rs pro Monat, heute sind es 800 Rs (19 Euro).
Zusammen mit anderen Kindern ist sie im Viehstall des Familienbetriebs untergebracht. Dieser besteht aus einem einzelnen kleinen Raum, in dem gleichzeitig Viehfutter aufbewahrt wird. Die Tiere werden während der Saison ins Freie ausquartiert.

Jeweils um sechs Uhr morgens macht sie sich auf den Weg in die Felder, wo sie bis 19 Uhr verschiedene Tätigkeiten ausübt (Kreuzung der Pflanzen, Unkraut jäten, Wasser holen, etc.). Im Tagesverlauf hat sie zwei Pausen von 20 min und 60 min. Um 20.30 Uhr erhält sie Abendessen und schaut mit den anderen Kindern im Haus des Verwalters eine Stunde TV, z.T. sortiert sie hierbei Baumwollsamen.

Mehrmals ist sie bei der Arbeit erkrankt, z.T. nach dem Einsatz von Pestiziden und nach längerer Arbeit im Regen. Ein Arzt wurde nicht hinzu gezogen, sie erhielt jedoch für die Zeit hohen Fiebers arbeitsfrei.

Saatgut-Produktion in Indien
Indien war 1970 das erste Land, in dem hybrides Baumwoll-Saatgut großflächig zum Einsatz kam. Die indische Regierung unterstützte den Wandel, indem sie in staatlichen Forschungsinstituten neue Sorten entwickelte und lizenzfrei anbot. Heute wird auf rund 9 Mio. Hektar Land Baumwolle angebaut, auf rund 40 % mit Hybrid-Saatgut. In Indien befinden sich 21 % der weltweit mit Baumwolle bepflanzten Fläche, rund 12% der Weltproduktion stammen aus dem südasiatischen Land. Die Produktion von Saatgut (nicht nur für Baumwolle, sondern auch für Mais, Sonnenblumen und Reis) ist in dem südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh konzentriert.

Neben den patentfreien Sorten sind zahlreiche Weiterentwicklungen privater Unternehmen auf dem Markt. Größtenteils basieren diese zwar auf den von staatlichen Instituten entwickelten Sorten - trotz der staatlich finanzierten Vorarbeit fließen die Lizenzgebühren jedoch ausschließlich an die Unternehmen. Heute machen lizenzfreie Sorten nur noch 20% des weiter wachsenden Marktes aus.

Die Rolle multinationaler Saatgut-Firmen
Allein in Andhra Pradesh vertreiben rund 100 Unternehmen hybrides Saatgut. Die größten Firmen gehören dabei zu multinationalen Saatgut-Konzernen, die auch Lizenzen eigener, patentgeschützter Sorten besitzen: Hindustan Lever (Unilever), Mahyco (Monsanto), Syngenta, Proagro (Bayer) und Advanta. Knapp ein Viertel der in Andhra Pradesh ansässigen Baumwoll-Farmen beliefert diese fünf Konzerne.
Die Zahl der in diesen Betrieben arbeitenden Kinder liegt bei über 50.000. Die Zulieferbetriebe von Unilever beschäftigen rund 25.500 Kinder, Syngenta: 6.500, Monsanto: 17.000, Bayer: 2.000 und Advanta 3.000.

Die indische Regierung hat im vergangenen Jahr die Zulassung für genetisch verändertes Hybrid-Saatgut erteilt. Als erstes wurde die Aussaat sogenannter Bt-Baumwolle von Monsanto erlaubt. Es wird erwartet, dass ursprüngliche Sorten weiter verdrängt werden und der Anteil multinationaler Unternehmen am indischen Saatgut-Markt weiter wächst.

Es folgen Kurzprofile der wichtigsten „Global Player“:

Syngenta India
Tochterfirma der Schweizer Syngenta AG; eines der führenden Saatgut-Unternehmen in Indien und drittgrößter Anbieter weltweit. Der Umsatz von Syngenta India beträgt 4,2 Milliarden Rs (rund 100 Mio Euro). Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Hybrid-Saatgut für Mais, Gemüse, Jowar und Baumwolle, der Marktanteil für Baumwolle beträgt 5%. Wie die meisten Unternehmen vertreibt Syngenta auch lizenzfreie Sorten.

Hindustan Lever Limited (HLL)
Tochterfirma des englisch-niederländischen Konzerns Unilever (Knorr, Omo, Langnese, Lipton tea, etc.). HLL wurde bereits 1956 gegründet; die Firma bietet u.a. Reinigungsmittel, Getränke, Tierfutter und Getränke an und ist mit Haushaltswaren in jedem indischen Dorf präsent; gesamter Umsatz: 114 Milliarden Rs (2,7 Mrd Euro); Unilever hält 51,6% von HLL.
Das Saatgut-Geschäft macht einen Umsatz von 950 Millionen Rs jährlich aus, HLL gehört damit zu den fünf größten Anbietern in Indien; neben Baumwoll-Saat wird Saatgut für Mais, Gemüse und Jowar vertrieben. Besonders erfolgreich ist die hybride Baumwoll-Sorte „Brahma“, die ihre Anbaufläche in den vergangenen Jahren vervierfacht hat. HLL vertreibt auch lizenzfreies Saatgut.

Da sich das Mutterunternehmen aus dem Saatgut-Markt zurückgezogen hat, wurde im Jahr 2002 das Saatgutgeschäft von HLL in das Joint-Venture „Paras Extra Growth Seed Ltd“ ausgegliedert. Hieran hält HLL 26%, 74% liegen beim US-Unternehmen Emergent Genetic.

Monsanto/Mahyco
Der US-Konzern Monsanto ist weltweit der zweitgrößte Saatgut-Hersteller (Umsatz 2000: 1,6 Milliarden US $). Das Unternehmen hält Patente auf Bt-Gensequenzen (Bacillus Thuringiensis) und sogenannte Terminatorgene.
1997 hat Monsanto 26% der Firma Mahyco erworben, eines in ganz Indien präsenten Saatgut-Erzeugers. Ausserdem wurde mit Mahyco das 50:50 Joint-Venture Mahyco Monsanto Biotech (MMB) gegründet. MMB ist die erste Firma in Indien, die die Zulassung für gentechnisch veränderte, hybride Baumwollsaaten (Bt-Baumwolle) erhielt. MMB steht zudem mit Proagro (Bayer) in Verhandlungen über einen gemeinsamen Vertrieb von Bt-Baumwolle.

Proagro Seeds (Bayer)
Die Proagro Gruppe mit Sitz in Neu Delhi umfasst die Firmen Proagro Seed Company, Proagro-PGS India, Hybrid Rice International und MISR Hytech; sie gehört zu den fünf größten Anbietern von Saatgut in Indien. Die Proagro Seed Company ist bei Mais und Sorghum die Nummer eins, bei Sonnenblumen Nummer zwei; die Firma vertreibt auch Viehfutter und hybrides Baumwoll-Saatgut. Proagro-PGS ist auf Gemüse-Saatgut spezialisiert. Hybrid Rice International ist größter indischer Produzent von hybridem Reis, das Unternehmen ist präsent auf allen großen Märkten in Südost-Asien. MISR Hytech produziert hybride Gemüsesaaten und Getreide, vor allem in Nordafrika.

Die Proagro Gruppe gehört seit der Übernahme der Aventis CropScience AG für 7,2 Milliarden Euro zum Bayer-Konzern. Bayer ist weltweit zweitgrößter Anbieter für genetisch veränderte Pflanzen. Auf dem indischen Markt ist das Unternehmen mit Pharmazeutika und Pestiziden seit mehr als 100 Jahren präsent. Stammsitz von Bayer India ist Thale bei Bombay (weitere Infos: www.CBGnetwork.de).

Wie die meisten Konkurrenten vertreibt Proagro auch lizenzfreies Saatgut. Die Produktion von Baumwoll-Saatgut ist auf den Bundesstaat Andhra Pradesh konzentriert.

Advanta India Limited
Advanta India Ltd (früher: ITC Zeneca Ltd) ist die indische Tochter von Advanta B.V., die aus einem Zusammenschluss von Astra Zeneca Seeds (England) und Vanderhave Seeds (Holland) entstandt. Die Firma gehört weltweit zu den zehn größten Saatgut-Herstellern. Advanta India produziert hauptsächlich hybrides Saatgut, der Konzern ist Marktführer bei Sonnenblumen. Das Unternehmen produziert Baumwoll-Saatgut zum größten Teil in Andhra Pradesh.

Selbstverpflichtungserklärungen und Verbindungen zu Zulieferern
Die im vorstehenden Kapitel genannten Firmen nennen sich ausnahmslos „sozial verantwortungsbewusste Unternehmen“. So heißt es in einer Selbstverpflichtungserklärung von Unilever: „Um Erfolg haben zu können, müssen wir uns gegenüber unseren Angestellten, Kunden und der ganzen Gesellschaft zu den höchsten Standards unternehmerischen Verhaltens bekennen. Dies ist unser Weg zu einem nachhaltigen und profitablen Wachstum unserer Geschäfte und der Schaffung langfristiger Werte für unsere Aktionäre und Mitarbeiter“.

Bezüglich des Mindestalters seiner Angestellten und des Problems der Kinderarbeit heißt es im Report „Sozialbericht - Unilevers Ansatz für sozial verantwortungsbewusstes Handeln“: „Unilevers Richtlinien befolgen die “International Labour Organisation Convention on Minimum age„ und die neue “Konvention 182„, die die schlimmsten Formen von Kinderarbeit verbieten. Alle Tochterfirmen von Unilever kontrollieren diesbezüglich regelmäßig ihre Geschäftstätigkeit und haben eine Befolgung der Richtlinien zugesagt. Zum Beispiel gilt in Indien für alle Angestellten ein Mindestalter von 18 Jahren. Unsere Auftragnehmer und lizenzierten Hersteller müssen diesen Standard ebenfalls einhalten.“ (1)

Die Firma Syngenta behauptet: „Als Branchenführer in vielen Bereichen nehmen wir unsere ethische, soziale, wissenschaftliche und ökologische Verantwortung ernst. Das Vertrauen und die Zuversicht von Aktionären, Angestellten und Kunden, wie auch von Regierungen, Aufsichtsbehörden und Nachbargemeinden unserer Werke können wir nur gewinnen und behalten, wenn das Unternehmen bezüglich Fairness, Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit höchste Standards erfüllt.“

Monsanto, Bayer und Advanta bekennen sich in ähnlicher Weise zu sozialer Verantwortung. Unilever, Syngenta und Bayer sind Mitglieder des „Global Compact“, einer gemeinsamen Initiative der Vereinten Nationen und multinationaler Konzerne, mit der Menschenrechte, Sozialstandards und Umweltschutz befördert werden sollen. (2)

Die Aktivitäten der fünf untersuchten Konzerne im indischen Baumwoll-Anbau sind sicherlich nicht mit ihren eigenen Selbstverpflichtungs-Erklärungen vereinbar. Obwohl sie nicht direkt Kinder beschäftigen, kontrollieren sie doch grundlegend den gesamten Herstellungsprozess hybriden Saatguts - insbesondere die lokalen Saatgut-Hersteller, die Kinder tausendfach beschäftigen. Hierauf wird im nächsten Kapitel ausführlich eingegangen.

Verbindungen zwischen Konzernen und lokalen Farm-Betrieben
Die indische Gesetzgebung verbietet sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen den Besitz größerer Mengen Land. Die Agro-Konzerne sind daher bei der Produktion von Saatgut auf kleine landwirtschaftliche Hersteller angewiesen. In der Regel treten die großen Unternehmen mit den eigentlichen Produzenten nicht direkt in Kontakt; stattdessen schließen sie langfristige Lieferverträge mit Zwischenhändlern ab (sogenannten „seed organizers“), die das Saatgut ihrerseits von den Farmen aufkaufen (3). Die „seed organizers“ stellen dabei ein eher junges Phänomen dar: bis etwa 1990 wurden Lieferverträge direkt zwischen Saatgut-Unternehmen und lokalen Produzenten ausgehandelt. Erst durch den gestiegenen Bedarf und die viel höhere Zahl von Anbietern wurde die Einschaltung von Mittlern notwendig.

Die Verträge zwischen Agro-Unternehmen und „seed organizers“ legen vorab alle relevanten Größen fest: verwendete Sorten, produzierte Menge, Qualität, Vorschüsse und insbesondere den Abnahme-Preis des produzierten Saatguts. Die Bedingungen werden von den Zwischenhändlern an die lokalen Farmer weiter gereicht.

„Die Unternehmen sind an der Auswahl der lokalen Betriebe nicht beteiligt. Sie geben uns Zielgrößen vor, und wir wählen die landwirtschaftlichen Betriebe aus, die zu den vorgegebenen Bedingungen liefern können. Die Verträge, die wir mit den Zulieferern schließen, sind praktisch identisch mit denen, die wir mit den Abnehmern unterzeichnen. Wir liefern den Farmern Saatgut und erläutern ihnen die Qualitätsvorgaben der Unternehmen. Sofern wir Vorschüsse der Firmen erhalten, leiten wir diese an die Kleinbetriebe weiter. Das Unternehmen prüft nach der Ernte die Qualität und die Sortenreinheit und zahlt uns aus, wir bezahlen dann die Farmer“, erläutert ein Zwischenhändler von Syngenta. Zwischen der Abgabe der Ernte und der endgültigen Bezahlung der Kleinbetriebe liegen rund 4-5 Monate.

Obwohl also die Saatgut-Konzerne mit den lokalen Produzenten nicht selbst Verträge schließen, üben sie durch die Lieferung von Saatgut, die Bereitstellung von Kapital und die Festlegung des Abnahmepreises eine fast vollständige Kontrolle über die Farmer und die Arbeitsbedingungen aus. Zudem nehmen die Unternehmen direkt auf den Feldern regelmäßige Qualitätskontrollen vor und sind daher mit der Situation vor Ort und dem Einsatz von Kindern bestens vertraut.

Obwohl die „seed organizers“ die Verträge mit den Farmern schließen, sind sie bei der Festlegung der Abnahmepreise vollkommen abhängig - diese werden von den Unternehmen festgelegt. Die Zwischenhändler erhalten schlicht eine Provision (15-20 Rs für ein 750g Paket). Weder die Farmer noch die Zwischenhändler haben das Recht, Saatgut an Dritte zu verkaufen.

Die Gewinnspannen für die Unternehmen sind hoch. Beispielsweise lag der Verkaufspreis der Baumwoll-Saat „Brahma“ von HLL im vergangenen Jahr fast viermal höher als der Betrag, den die Zulieferer erhielten. Syngentas „Sandocot 35“ wurde für mehr als den dreifachen Erzeugerpreis verkauft.

Aufgrund der geringen Erzeugerpreise ist der Einsatz von Kindern fast vorprogrammiert - die Verwendung erwachsener (und damit teurerer) Arbeiter würde den Gewinn der lokalen Betriebe praktisch auf Null senken. Die Kosten für die Produktion eines Kilogramms Baumwollsaat liegen gegenwärtig bei etwa 220 Rs. Der von den Saatgut-Unternehmen gezahlte Preis beträgt etwa 290 Rs, der Gewinn der Farmer also etwa 70 Rs. Etwa die Hälfte der Kosten für die lokalen Betriebe entfallen auf Löhne. Wie oben erläutert liegen die Löhne für Kinder bei nicht einmal der Hälfte derer von Männern (18 Rs zu 40 Rs pro Tag). Eine Beschäftigung von männlichen Erwachsenen würde die Arbeitskosten von 110 Rs pro kg also in etwa verdoppeln - und damit den Farmer den gesamten Gewinn kosten.

Die im Rahmen der Studie befragten Farmer gaben denn auch zwei Gründe für den Einsatz von Kindern an: die niedrigen Löhne und die leichtere Kontrollierbarkeit. Stellvertretend ist die Aussage eines Betriebsleiters, der für Hindustan Lever produziert: „Uns wird ständig gesagt, dass wir keine Kinder beschäftigen sollen. Wenn wir aber Erwachsene einstellen müssten, hätten wir die doppelten Lohnkosten. Die Verkaufspreise machen es unmöglich für uns, erwachsene Arbeiter zu beschäftigen, denn obwohl unsere Kosten von Jahr zu Jahr steigen, bleiben die von den Unternehmen festgelegten Abnahme-Preise praktisch konstant. Zu Beginn der 90er Jahre zahlten wir einen Tageslohn von 8 Rs, und für ein Paket Saatgut (NHH 44 Hybrid) erhielten wir 150 Rs. Heute hat sich der Tageslohn auf 20 Rs mehr als verdoppelt, aber von den Unternehmen erhalten wir trotzdem nur 180 Rs pro Paket. Unsere Einnahmen sind dementsprechend gesunken.“ (4)

Aktuelle Initiativen gegen Kinderarbeit
Die Regierung des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh hat die Abschaffung von Kinderarbeit zu einem ihrer vorrangigsten Ziele erklärt. Unterstützt wird sie von lokalen NGOs und Medien. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO und die UN Entwicklungsorganisation UNDP haben zudem Projekte in den besonders betroffenen Distrikten gestartet. Im Rahmen einer Aufklärungskampagne der Regierung wurden 120 Fälle von Kindern dokumentiert, die in der Baumwollsaatgut-Produktion arbeiten, und ihre Arbeitgeber angemahnt.

Mehrere NGOs haben außerdem die großen Saatgutkonzerne um Stellungnahmen gebeten. Im Folgenden werden die Antworten dokumentiert:

Hindustan Lever (HLL)
Erstmals im Juni 2001 tauchten Medienberichte über die Verbindung von Kinderarbeit und Saatgutproduzenten auf. (5) HLL reagierte mit einer Pressemitteilung: „HLL arbeitet mit “seed organizers„ zusammen, die ihrerseits mit einer großen Zahl von Farmern in Verbindung stehen. Es gibt keinerlei direkte Kontakte zwischen HLL und Saatgut-Farmern. HLL kontrolliert die Auswahl der Farmer durch die Mittelsleute nicht. Typischerweise stellt der seed organizer den Farmern Saatgut zur Verfügung und vereinbart vorab die Abnahme der Ernte. Die Farm- Besitzer arbeiten in der Regel mit ihrer ganzen Familie in den Feldern und stellen bei Bedarf zusätzliche Arbeitskräfte ein. Weder HLL noch die Zwischenhändler sind bei der Auswahl der Arbeitskräfte beteiligt.“ (6)

Gegenüber der Entwicklungshilfe-Organisation NOVIB stellt ein Sprecher von Unilever fest: „Ich kann versichern, dass HLL im Kontext der Baumwollsaat-Aktivitäten keinen Gebrauch von Kinderarbeit macht. Dies gilt auch für die Unternehmen, die HLL beliefern. HLL führt regelmäßig Ortsbesuche durch, befragt seine Zulieferer und lässt sich den Nicht-Einsatz von Kindern bestätigen. Bezüglich der Situation auf den Feldern ist die Situation weniger eindeutig. Wir nehmen an, dass beim Anbau der von uns gekauften Baumwoll-Saaten keine Zwangsarbeit eingesetzt wird. In Indien - wie auch in anderen Entwicklungsländern - ist es allerdings üblich, dass Kinder auf den Feldern ihrer Familien arbeiten. Dies ist gängig in Gesellschaften, in denen Kinder als tätige Mitglieder der Familie gelten und als solche zum Einkommen der Familie beitragen müssen. Dies unterscheidet sich selbstverständlich von anderen Formen von Zwangsarbeit.“

HLL hat sein Saatgut-Geschäft kürzlich in das gemeinsam mit Emergent Genetics gegründete Joint-Venture „Paras Extra Growth Seed Ltd“ ausgegliedert. Bei einem Treffen von Saatgutfirmen, NGOs und Regierungsstellen am 3. August 2002 erklärte Mohan Rao, Sprecher von Paras Extra Growth: „Wir räumen ein, dass im Anbau von hybridem Baumwoll-Saatgut Kinderarbeit vorkommt. Dies ist ein reales Problem, dem wir uns als Saatgut-Industrie stellen müssen.“

Vertreter von Advanta, Proagro/Bayer und Mahyco/Monsanto äußerten sich auf Anfrage gegenüber dem Autor der Studie fast gleichlautend. Stellvertretend wird hier die Antwort von Mahyco zitiert.

Mahyco
„Unser Unternehmen beschäftigt weder selbst Kinder, noch ermutigt es seine Zulieferer dies zu tun. Wir sind aber nicht verantwortlich für die Zustände in landwirtschaftlichen Betrieben, mit denen wir direkt keine Verträge abschließen. Wir stimmen darin überein, dass Kinderarbeit in der Saatgut-Produktion weit verbreitet ist und dass die Saatgut-Industrie diesem Problem Aufmerksamkeit schenken muss. Wir müssen neue Technologien entwickeln, die den Arbeitsaufwand verringern. Unser Unternehmen hat neue, sterile Sorten entwickelt, die den Arbeitsaufwand halbieren.“7

Advanta
Advanta steht als einziger großer Saatgut-Produzent direkt mit lokalen Betrieben in Kontakt. Das Unternehmen lehnt dennoch jede Verantwortung für Kinderarbeit ab, da es selbst keine Kinder beschäftigt. Ein lokaler Vertreter der Firma äußerte, dass „unsere Firma keine Kinder beschäftigt und wir den Farmern keine Regeln vorschreiben können, da sie nicht bei uns beschäftigt sind. Die meisten Farmer, mit denen wir kooperieren, bestellen ihre Felder selbst. Hierbei werden auch ihre Kinder eingesetzt, der Einsatz von Kindern außerhalb der Familie ist geringer.“8

Obwohl die Saatgut-Farmer keine Angestellten von Advanta sind, übt die Firma in der Realität einen beträchtlichen Einfluss aus. So schreiben die Verträge zwischen Advanta und den Kleinbetrieben eine Kontrolle des Konzerns über den gesamten Produktionsprozess und die Arbeitspraktiken der Farmer fest. Wörtlich heißt es in einem solchen Vertrag, „der Saatgut-Farmer willigt darin ein, dass die gesamte Arbeit auf dem festgelegten Feldern unter Aufsicht und Leitung von Bevollmächtigten der Firma geschieht. Hierzu gehören die Bewässerung der Felder, Düngung, gegebenenfalls Anwendung von Pestiziden, Bestäubung, Entfernung von Unkräutern und schließlich zum vom Unternehmen festgelegten Zeitpunkt die Ernte. Während der Dauer des Vertrages haben Vertreter der Firma Zugang zu den vorher festgelegten Feldern, um den Fortgang der Arbeiten zu begutachten und die Umsetzung aller Abmachungen des Vertrages zu kontrollieren.

Kürzlich hat Advanta in die Verträge einen zusätzlichen Absatz aufgenommen, der die Einhaltung aller Gesetze bezüglich Kinderarbeit fordert. Das Unternehmen hat aber keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, die Einhaltung dieser Klauseln zu erzwingen.

Syngenta
Die Firma Syngenta steht seitens europäischer Investment-Firmen unter Druck, das Problem Kinderarbeit anzugehen. Vertreter der Dresdner RCM Global Investors, einer britischen Tochterfirma der Dresdner Bank, haben in einem Gespräch mit Syngenta verlangt, keinerlei Kinderarbeit bei der Produktion von Saatgut zuzulassen. In Anbetracht möglicher negativer Presseberichte hat die Führung des Unternehmens beschlossen, dem Problem aktiv zu begegnen. Im oben genannten Treffen zwischen Saatgut-Unternehmen, NGOs und Regierungsstellen am 3. August 2002 in Hyderabad äußerte Dr. Shanthu Shataram, Leiter der Abteilung “Stakeholder Relation„: “Wir sind bei Syngenta sehr besorgt wegen des Problems der Kinderarbeit bei der Herstellung von Baumwoll-Saatgut. Wir möchten uns unserer Verantwortung stellen. Obwohl wir keine Kinder beschäftigen sind wir Teil des Problems. Jetzt wollen wir Teil der Lösung sein, um Kinderarbeit zu eliminieren.„

Tatsächlich hat Syngenta im vergangenen Jahr einige Schritte unternommen, um den Einsatz von Kindern zu verringern. In der gegenwärtigen Anbau-Saison wurde in die Verträge mit den “seed organizers„ erstmals ein Absatz aufgenommen, demnach “keine Kinder beim Anbau des Saatguts eingesetzt werden„. Die Zwischenhändler wurden zudem aufgefordert, mit einer größeren Zahl von Klein- und Familienbetrieben zusammen zu arbeiten, da das Management von Syngenta davon ausgeht, dass in Familienbetrieben weniger Kinder eingesetzt werden. Ausserdem wurden Konsultationen mit lokalen NGOs vereinbart.

Resümee
Die meisten transnationalen Saatgut-Unternehmen schließen keine direkten Verträge mit lokalen Saatgut-Produzenten ab. Dennoch ist die Aussage, wonach die Konzerne keinen Einfluss auf die Farmer und den Produktionsprozess ausüben, falsch. Obwohl die Firmen an der Saatgut- Produktion nicht direkt beteiligt sind, geben sie durch die Bereitstellung von Saatgut und die Festlegung von Abnahme-Preisen und Qualitätsstandards die wichtigsten Größen vor. Vertreter der Firmen nehmen zudem mit Hilfe der “seed organizers" häufige Kontrollen auf den Feldern vor (mindestens drei pro Saison), um die Umsetzung aller Vorschriften zu kontrollieren und um technischen Beistand zu leisten.

Es ist nicht wahr, dass kleine Farmen keine Kinder beschäftigen. Wie oben gezeigt, beschäftigen praktisch alle Betriebe Arbeitskräfte außerhalb der Familie - im Baumwoll-Saatanbau macht die Arbeit von außerhalb rund 90% aus. Selbst Kleinbetriebe stellen aufgrund der Arbeitsintensität eine hohe Zahl von ArbeiterInnen ein.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Aktivitäten multinationaler Saatgut-Unternehmen in Indien nicht mit den Erklärungen der Firmen zu sozial verantwortlichem Handeln vereinbar sind. Die Konzerne stellen zwar selbst keine Kinder an, üben aber zentralen Einfluss auf lokale Saatgut-Farmer aus, die ihrerseits Kinder in großer Zahl beschäftigen.

Die Unternehmen Syngenta, Unilever, Advanta und Emergent Genetics haben auf die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung reagiert und angekündigt, mit NGOs und der Landesregierung von Andhra Pradesh zusammen zu arbeiten. Bayer und Monsanto haben bislang nicht reagiert.
Es wäre für die großen Saatgut-Unternehmen ein Leichtes, durch die Zahlung höherer Abnahme-Preise sowie ein vertragliches Verbot von Kinderarbeit und diesbezüglichen Kontrollen das Problem zu lösen. Bislang sind solche ernsthaften Initiativen ausgeblieben.

Übersetzung und Layout: Coordination gegen BAYER-Gefahren
In Kooperation mit: Stiftung Menschenwürde & Arbeitswelt (Berlin) und Stiftung Umverteilen (Berlin)

1 ‚‘Social Review - Unilever‚s approach to corporate social responsibility‘'. (von der Unilever website : www.unilever.com
2 Eine Analyse der von Bayer beim Global Compact eingereichten Musterprojekte findet sich unter: http://www.cbgnetwork.org/home/UN_Global_Compact/un_global_comp act.html
3 von den in dieser Studie genannten Firmen schließt allein die Firma Advanta in einigen Gebieten direkte Verträge mit lokalen Produzenten.
4 Interview mit dem Saatgut-Hersteller Pullareddy am 21. Januar 2002
5 `Even Multinationals Employ Child Labour for Profit`, The Hindu Business Line, 21.6.2001
6 nach The Hindu Businessline, 25.6.2001
7 Interview mit Mr. Bapairaju, Produktionsleiter von Mahyco im Distrikt Kurnool, 21-1-2002
8 Interview mit einem Mitarbeiter von Advanta, der anonym bleiben möchte, Kurnool 22.2.2002

[Klimastreik] Die CBG beim Klimastreik

CBG Redaktion

Widerstand gegen BAYERs Klimasünden- weltweit und lokal

Am Freitag, dem 20.9.2019 ist etwas historisches gelungen: 1.400.000 (Eine Million und vierhunderttausend!) Menschen sind auf die Straße gegangen, um der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen entgegenzutreten. Die Systemfrage war bei den Protesten allgegenwärtig: Systemchange, not Climate Change war die Parole. Die Coordination hatte zu einem Treffpunkt auf der Demonstration in Düsseldorf aufgerufen. Zu dieser fanden mehr als 20000 Leute ihren Weg. Vertreten war die Coordination mit einem Transparent und einem Redebeitrag. Der Redebeitrag thematisierte die Rolle BAYERs in der Klimafrage. Die Daten lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Der CO2 Ausstoß von BAYER stieg von 3,63 Millionen auf 5,45 Millionen Tonnen an. Bei der selbst erzeugten Energie legten die Werte des Konzerns von 2,5 auf 3,9 Millionen Tonnen zu, bei der von RWE & Co. bezogenen Energie erhöhten sie sich von 1,13 auf 1,55 Millionen Tonnen. Der Kohle-Anteil betrug beim selbst erzeugten Strom rund 25 Prozent. Beim zugekauften dürfte er noch höher liegen. Besonders stark nahm beim Agro-Riesen der Verbrauch von klima-schädigenden Flüssigbrennstoffen wie Heizöl zu. Er wuchs von 230 Terra-Joule auf 3.491 Terra-Joule an. All diese Effekte sind Ergebnisse der Fusion mit MONSANTO. Wir zogen in unserer Rede klar den Schluss: Wer die Umweltzerstörung thematisieren will, muss das Wirtschaftssystem grundlegend verändern.

Da die Demonstration am Landtag endete, in dem zeitgleich mit der Abschlusskundgebung das Klimakabinett tagte, kritisierten wir auch die Rolle der Politik, die der chemischen Industrie als bereitwillige Lobby dient. Besonders die nordrhein-westfälische Landesregierung betätigt sich als williger Helfer der Konzerne. In ihrem Koalitionsvertrag zögerten CDU und FDP nicht, sich zum Sachwalter der Interessen des Industrie- und Energiestandortes NRW zu machen und namentlich BAYERs Branche ein Wohlergehen zuzusichern: „Wir werden die Energie- und Klimapolitik danach ausrichten, Nordrhein-Westfalen als Energieland Nummer eins zu stärken, um führendes Industrieland, auch für energie-intensive Industrien, zu bleiben und Wertschöpfungsketten zu erhalten.“ Die Stoßrichtung ist klar: Wirtschaft vor Klima.

Auch in anderen Klimastreiks, bundesweit wie international, wurde BAYER in die Pflicht genommen. So zogen in Berlin zahlreiche Protestierende vor die örtliche Firmenzentrale und blockierten die Straßenkreuzung vor dieser rund eine Stunde lang. In Brasilien, demonstrierten mehr als 200 landlose Frauen am Freitagmorgen vor dem BAYER-Firmensitz im Stadtteil Socorro südlich von Sao Paulo. In Brasilien ist der Konzern Teil der Agrarlobby ABAG, die den extrem rechten Brandstifter Bolsonaro hofiert.

Wir blicken zurück auf einen erfolgreichen Tag und gehen mit gestärkter Hoffnung in die Zukunft. Wir werden die Debatte um Widerstandsmöglichkeiten gegen die buchstäbliche Verwüstung der Erde weiter führen und laden euch dazu auch zu unserer Jahrestagung mit dem Thema „Klima, Konzerne, Katastrophen“ ein, die am 5.Oktober stattfindet.

Bitte unterstützt die Kampagne mit eurer Unterschrift:

Hiermit protestiere ich gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch BAYER. Ich unterstütze die CBG in ihrer Kampagne für eine klimagerechte, ökologische Umgestaltung des Konzerns.

[contact-form-7 id="13930" title="generisch kontakt"]

[Repression] Presse-Information CBG vom 02.06.20

CBG Redaktion

Repression gegen AktivistInnen auf BAYER HV 2019

Drastisches Urteil für BAYER ProtestlerInnen

Das Amtsgericht Bonn verurteilte am 19. Mai eine konzernkritische Person, die sich im Jahr 2019 an den Protesten zur BAYER-Hauptversammlung beteiligt hatte, zu einer hohen Strafe. Das berichtete das alternative Nachrichtenportal Emrawi. Die Richterin sah das Aufsprühen von Parolen als Sachbeschädigung an und verhängte eine Zahlung von 120 Tagessätzen à 10 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar fünf Monate Haft auf Bewährung sowie eine Strafe in Höhe von 2.000 Euro gefordert. Diese Maßlosigkeit begründete die Staatsanwältin mit der angeblichen Respektlosigkeit der Angeklagten gegenüber Autoritäten sowie vorangegangenen Verurteilungen wegen Sachbeschädigung.

Die Person hatte auf dem &

  • 8222;Platz der Vereinten Nationen“ vor dem Bonner World Conference Center mit Sprühkreide Slogans wie „Kein Gott, kein Staat, kein Glyphosat“, „System Change“ und „Shame on you“ aufgesprüht. Sie begründete ihre Tat vor Gericht mit der Notwendigkeit von Protest gegen das gesundheitsschädliche BAYER-Produkt Glyphosat und die Gentechnik, die LandwirtInnen in ihrer Existenz bedrohe. Da sie beim Aufbringen der Parolen wohlweislich nur wasserlösliche Sprühkreide verwandt habe, sei es nicht zu dauerhaften Schäden gekommen. Dies bestätigte der Leiter des Messegeländes, welcher als Zeuge geladen war: Es sei zwar eine Reinigung des Platzes mit Hochdruckreiniger notwendig gewesen, aber der Boden sei in seiner Substanz nicht beschädigt worden, auch weil der Regen das Seinige getan hätte. Sogar in der Anklageschrift wurde die rückstandslose Beseitigung der Sprühkreide bestätigt.

Darüber hinaus behauptete die Staatsanwaltschaft, im Zuge der Verhaftung in dem Gefangenen-Transporter sei ein Metallstück einer Gurtschnalle abgebrochen worden. Dieser Anklagepunkt wurde aber aus &

  • 8222;prozess-ökonomischen“ Gründen fallengelassen.

Marius Stelzmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), kommentiert den RichterInnen-Spruch mit den Worten: &

  • 8222;Mit dem überzogenen Urteil zeigen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht, dass sie auf der Seite der Konzernmacht stehen. Diese Entscheidung ist ein Skandal, ein klarer Angriff auf Widerstand gegen BAYER. Sprühkreide ist wasserlöslich und ein häufig vorzufindender Bestandteil von buntem, zivilgesellschaftlichem Protest. Durch eine solche Rechtssprechung sollen AktivistInnen des Konzern-Widerstandes eingeschüchtert werden. Die CBG solidarisiert sich mit den Angeklagten!“

Die Konzern-Kritikerin kündigte an, in Berufung zu gehen. Die Verhandlung gegen eine zweite Person, die sich im Jahr 2019 am Hauptversammlungsprotest beteiligt hatte, steht noch aus.

Pressekontakt:
Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Klimastreik 2020] Presse-Information CBG vom 21.09.20

CBG Redaktion

CBG beim Klima-Streik in Leverkusen dabei

Klima-Killer BAYER

Der BAYER-Konzern stößt Jahr für Jahr Millionen Tonnen Kohlendioxid aus und trägt so zum Klimawandel bei. Darum schließt sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) am kommenden Freitag dem Klima-Streik an, zu dem „Fridays For Future“ aufgerufen hat. Sie beteiligt sich aus gegebenem Anlass dort an den Protesten, wo der Agro-Riese seinen Stammsitz hat: in Leverkusen. „BAYER zählt zu den größten Klima-Sündern der Region. Darum wollen wir direkt am Tatort sein“, erklärt CBG-Geschäftsführer Marius Stelzmann.

Schon das zweite Jahr in Folge wartet der Konzern mit höheren CO2-Werten auf, weil sein Energie-Bedarf zunimmt. 2019 stiegen die Emissionen gegenüber dem Vorjahr um 830.000 Tonnen auf 3,71 Millionen Tonnen. Das Unternehmen macht für diesen Zuwachs hauptsächlich die MONSANTO-Übernahme verantwortlich. Und in der Tat ist Glyphosat neben allem anderen auch ein veritabler Klima-Killer. Um dessen Vorprodukt Phosphor aus dem Sediment-Gestein Phosphorit zu lösen, braucht es am US-Standort Soda Springs nämlich einen enormen Ressourcen-Einsatz. Das gibt der Leverkusener Multi – freilich angemessen verklausuliert – in seinem jüngsten Geschäftsbericht auch zu: „Mit der Übernahme von MONSANTO hat BAYER neben Standorten für die Saatgut-Produktion auch eine Rohstoff-Gewinnung für die Herstellung von Pflanzenschutzmittel-Vorprodukten übernommen, mit der eine energie-intensive Aufbereitung und Weiterverarbeitung verbunden sind.“

Bei einer solch desaströsen Klima-Bilanz wundert es nicht, dass die Aktien-Gesellschaft sich auf Verbandsebene gegen strengere Klima-Ziele ausspricht. So kritisierte der „Verband der Chemischen Industrie“ (VCI) den Mitte September vorgestellten Plan der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den Kohlendioxid-Ausstoß innerhalb der Staaten-Gemeinschaft bis 2030 – bezogen auf das Jahr 1990 – nicht mehr um 40 Prozent, sondern um 55 Prozent zu senken, scharf. Nach Ansicht der Lobby-Organisation gefährdet das Vorhaben die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie. Unverhohlen drohte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup, der lange in BAYER-Diensten stand, mit Abwanderung, wenn die Europäische Union der Branche nicht entgegenkomme. Unter anderem forderte er eine ausreichende Versorgung der Industrie mit kostenlosen Verschmutzungsrechten im Rahmen des EU-Emissionshandels und eine Entlastung bei den Strom-Kosten.

„BAYER & Co. haben den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt. Von selber rühren sie sich nicht. Darum ist politischer Druck von außen nötig, wie ihn der Klima-Streik erzeugen will“, so Stelzmann abschließend.

Klimastreik Leverkusen: 25.09. ab 11 Uhr, Friedrich-Ebert-Platz

Pressekontakt:
Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Zulassungsstudien] Presse-Information CBG vom 05.07.21

CBG Redaktion

Unlautere Methoden bei Zulassungsstudien

Ein neuer Akt im Glyphosat-Verbrechen

Der Toxikologe Siegfried Knasmüller, Professor vom „Institut für Krebsforschung“ in Wien, hat große Mängel in den Glyphosat-Studien festgestellt, die im Jahr 2017 zur Zulassungsverlängerung des Herbizids innerhalb der EU führten. Als „ein Desaster“ bezeichnete er die von der jetzigen BAYER-Tochter MONSANTO und anderen Herstellern eingereichten Untersuchungen gegenüber dem „Spiegel“. Von den 53 Arbeiten, die der Forscher analysierte, sieht er nur vier Prozent als zuverlässig an und 32 Prozent als teilweise belastbar. 64 Prozent hingegen entsprechen ihm zufolge nicht den gängigen wissenschaftlichen Standards. Das „Bundesinstitut für Risiko-Bewertung“ (BfR) hatte während des Genehmigungsverfahrens die Federführung bei der Begutachtung der Studien von BAYER & Co. Er kritisierte die Risiko-Aufsicht deshalb sehr scharf: „Wie derart fehlerhafte Berichte von Zulassungsbehörden wie dem BfR akzeptiert werden konnten, ist mir ein völliges Rätsel“, so der Toxikologe.

Unter den 53 Untersuchungen finden sich laut Knasmüller kaum wirkliche Krebs-Studien. Die meisten widmen sich der potenziellen Gen-Toxizität von Glyphosat, was lediglich Hinweise auf eine karzinogene Wirkung gibt. Noch dazu hat die Industrie diese Tests vornehmlich am falschen Objekt vorgenommen. Sie wählte Knochenmark-Zellen, die viel weniger Aufschluss über eine mögliche Krebs-Gefahr geben als Leberzellen. Zudem kam bei keiner einzigen der Arbeiten die „Comet Assay“-Technik zur Anwendung, die einen genaueren Aufschluss über DNA-Schädigungen gibt. Damit nicht genug, entdeckte der Wissenschaftler in den Versuchsreihen methodische Mängel wie die Verwendung einer zu geringen Zahl von Zellen oder Bakterien-Stämmen.

„Die Unternehmen haben mal wieder Fake Science abgeliefert. Damit versuchten sie einmal mehr das gesundheitsgefährdende und umweltschädliche Glyphosat als ungefährlich darzustellen. Dabei zeigen die firmen-internen Unterlagen von MONSANTO, die bei den Entschädigungsklagen als Beweise dienten, genau, dass sie selbst wissen, wie gefährlich dieses Pestizid-Gift ist“, stellt Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fest.

In den Prozessen hatten die AnwältInnen dem Gericht eMails von MONSANTO-Beschäftigten vorgelegt, in denen es beispielsweise hieß: „Glyphosat ist OK, aber das formulierte Produkt verursacht den Schaden.“ Und als eine Auftragsstudie zur Gentoxizität des Herbizids nicht das gewünschte Ergebnis erbrachte, wechselte der Konzern einfach den Forscher: „Wir müssen jemanden finden, der sich mit dem gen-toxischen Profil von Glyphosat wohlfühlt und einflussreich bei den Regulierungsbehörden ist.“

Nach Ansicht der CBG stellt der Befund Knasmüllers auch das jüngst vorgelegte positive Votum der „Bewertungsgruppe für Glyphosat“ (AGG) in Frage, das im Rahmen der EU-Prüfung auf Zulassungsverlängerung erfolgte. Das Gremium hatte kein „chronisches oder akutes Risiko“ ausgemacht. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA erteilte daraufhin einen Freifahrtschein: „Eine Einstufung für Keimzell-Mutagenität, Karzinogenität oder Reproduktionstoxizität war nicht gerechtfertigt.“

„Diese Bewertung stützte sich auf unwissenschaftliche Studien, wie jetzt erwiesen ist. Ganz offensichtlich greifen BAYER & Co. in ihrer Profitgier auf unlautere Methoden zurück. Sie bringen mit Glyphosat wissentlich Krankheit und Tod über die Menschen und ruinieren Umwelt und Klima. Die Politik an den Lobby- und Korruptionsfäden der Konzerne gibt sich blind und duldet diese kriminellen Machenschaften. Das muss umgehend beendet werden. Glyphosat muss endlich vom Markt! BAYER muss haften! Die Opfer müssen entschädigt werden! Die Verantwortlichen gehören hinter Gitter!“, so Stelzmann abschließend.

Pressekontakt:

Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Klimastreik] Klimastreik in Leverkusen

CBG Redaktion

Am heutigen Freitag waren deutschlandweit zehntausende Menschen unterwegs, um gegen die Zerstörung unseres Planeten durch den Klimawandel zu protestieren.

Die Coordination war in

  • Leverkusen mit dabei- bei einem Die in der Parents for Future. Diese machten mit drastischer Symbolik darauf aufmerksam, was passiert, wenn die CO2-Grenzwerte nicht eingehalten werden.

Die CBG zeigte mit ihrem Transparent die Rolle des größten CO2-Emittenten vor Ort: BAYER.

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Schul-Lehrpläne

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 14. April ´99

BUND Landesverband NRW
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Protest von Umweltverbänden:

Schul-Lehrpläne verharmlosen Gentechnik

Die Umweltverbände BUND und Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kritisieren die nordrhein-westfälischen Schul-Lehrpläne wegen ihrer undifferenzierten Parteinahme für die Gentechnik und andere Risikotechnologien. Der Einsatz von Gentechnik in Medizin und Pflanzenzucht, die Kernenergie und die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft werden in den Lehrplänen für die Sekundarstufe II verharmlost dargestellt. Eine Analyse der Gefahren findet ebensowenig statt wie eine Beschreibung ökologischer Alternativen. Der BUND hat sich mit seiner Kritik an die Landtagsfraktionen und an die Lehrplankommission gewandt. Die CBG ruft ihre Mitglieder auf, bei der Landesregierung zu protestieren.

Claudia Baitinger vom Vorstand des BUND NRW: „Der Biologie-Lehrplan darf nicht als Instrument zur Akzeptanzbeschaffung profitorientierter Hochrisikotechnologien herhalten. Zitate wie „Eingriffe in genetische Informationen eröffnen zukunftsweisende Möglichkeiten für Medizin und Landwirtschaft“ gehören wohl eher in die Werbebroschüre eines Chemie-Unternehmens als in einen Lehrplan“. Philipp Mimkes, Geschäftsführer der CBG ergänzt: „Offensichtlich ist es der mächtigen chemischen Industrie gelungen, Einfluss auf die Lerninhalte an den Schulen zu erlangen. Die Schulen müssen jedoch unabhängig von Profitinteressen eines Wirtschaftszweiges bleiben und eine distanzierte Sicht auf die Gentechnik beibehalten.“

75% der Verbraucherinnen und Verbraucher lehnen Gentechnik im Nahrungsmittelbereich strikt ab. Die Verbände befürchten, dass durch frühzeitige Einflussnahme auf die Schüler dieses für die Chemie-Multis unerfreuliche Ergebnis verändert werden soll und daher Alternativen wie der ökologische Landbau in den Lehrplänen ausgeblendet werden.

Phosgen

CBG Redaktion

gemeinsame Pressemitteilung vom 19. März 2003

„Bayer verweigert Auskunft über Giftgas-Produktion“

BUND und Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisieren Erweiterung der Phosgenproduktion

Düsseldorf: Der NRW-Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Coordination gegen BAYER- Gefahren e.V. kritisieren in einem Brief an die Landesregierung die Erweiterung der Phosgenproduktion im Bayer-Werk Uerdingen. Die Umweltverbände fordern Informationen über die umstrittene Anlage und Einblick in die Sicherheitsanalyse des Unternehmens.

Phosgen gehörte im 1. Weltkrieg zur ersten Generation von Giftgasen und zählt heute zu den giftigsten Industrie-Chemikalien überhaupt. Der Stoff wird hauptsächlich von der Bayer AG als Vorprodukt in der Kunststoffproduktion eingesetzt. Die Phosgenproduktion gehört nach Atomkraftwerken zu den risikoreichsten Industrie-Anlagen in Deutschland.

Im vergangenen Jahr hat die Bayer AG am Standort Krefeld-Uerdingen die Produktion der Kunststoffe Polycarbonat und Methyldiisocyanat um 100.000 bzw. 24.000 Tonnen/Jahr erhöht. Hiermit einher geht eine Erhöhung der Phosgenproduktion um 60.000 Tonnen/Jahr. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung oder Öffentlichkeitsbeteiligung fand nicht statt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Wir kritisieren die Genehmigung dieser Erweiterung, da es technisch möglich ist, Polycarbonat phosgenfrei herzustellen. Für das Unternehmen Bayer ist es aber offenbar preisgünstiger, die bestehenden Verfahren weiter anzuwenden. Bei einer Lebensdauer der Anlagen von 25-30 Jahren wird diese hochgefährliche Produktionsweise damit für Jahrzehnte festgeschrieben.“

Die Bayer AG und die zuständigen Behörden weigern sich bislang, Fragen nach den Risiken der Anlage zu beantworten. BUND und CBG hatten erfolglos nach freigesetzten Phosgen-Mengen im Falle eines worst case, Notfallplänen, zwischengelagerten Phosgen-Mengen und den Gefahren bei Flugzeugabstürzen gefragt. Mit Hinweis auf „Terrorgefahr“ blieben die Nachfragen jedoch unbeantwortet.

Angelika Horster, BUND-Chemieexpertin: „Die Anwohner haben ein Recht auf Informationen, welcher Gefahr sie im Falle eines Störfalles ausgesetzt sind und wie sie sich vor dem Giftgas schützen können. Die Erweiterung der Anlagen war schon vor über zwei Jahren in Planung. Für uns ist damit klar, dass der Gewaltakt vom 11. September 2001 dazu missbraucht wird, unangenehmen Informationspflichten aus dem Wege zu gehen.“ BUND und CBG haben Umweltministerin Bärbel Höhn deshalb gebeten, diesen Missbrauch nicht zu unterstützen.

[HV] CO-Pipeline

CBG Redaktion

Bau-Stopp der Bayer-Pipeline
Keine Risiko-Leitung durch Wohngebiete in NRW

Pressemitteilung vom 27. April 2008

CO-Pipeline-Gegner auf der Bayer-Hauptversammlung - soll der NRW-Landtag Wennings Rechtstreit regeln?

Marlis Elsen, Dieter Donner und Harald Jochums von der Bürgerinitiative „Baustopp der Bayer-Pipeline“ sowie Axel Köhler-Schnura von der CBG stellten dem Vorstand zahlreiche sachlich fundierte Fragen zum Bau der CO-Pipeline.
Werner Wenning blieb uns die Beantwortung der Fragen schuldig, seine Ausfüh-rungen zur Begründung der Notwendigkeit der Pipeline beinhalteten nichts neues. Man kann sie fast wortgetreu den Bayer-Broschüren entnehmen und sie waren nahezu identisch mit den Ausführungen des Projektleiter Werner Breuer auf den früheren Informationsveranstaltungen.
Interessant auch das Demokratieverständnis von Wenning. Axel Köhler-Schnuras Fragen bezogen sich auf die demokratische Legitimation, diese Leitung zu bauen. Bei der Beantwortung kristallisierte sich ein eigentümliches Demokratie- und Rechtsverständnis des Vorstandes heraus. Herr Wenning sieht in der Entschei-dung des Landtages begründet, dass der Bau der Leitung von einer großen demokratischen Mehrheit getragen wird. Ein Jahr Protest, Demonstrationen, Reden und Gegenargumente, Mahnwachen und über 83 000 Unterschriften sieht er nicht als das richtige Mittel einer demokratischen Kultur und wollte dazu auch keinen Kommentar geben. Seiner Meinung nach wird die Frage des Allgemein-wohls der CO- Leitung im Landtag noch einmal behandelt werden und lediglich dessen Votum wird für ihn wegweisend sein. Dass die zwangsweise Inanspruch-nahme von fremdem Eigentum für private Bayer-Zwecke spätestens beim Bundes-verfassungsgericht kassiert zu werden droht und solange der Betrieb der Leitung blockiert wird, scheint ihm gleichgültig zu sein.
Ähnlich realitätsfern ist seine Aussage, dass er angeblich auf eine offene Dialogkultur setzt. Den Beweis dafür ist er bisher schuldig geblieben.
Angebote zum Dialog mit den Bürgerinitiativen waren stets damit verbunden, dass die Presse und Öffentlichkeit ausgeschlossen bleiben sollte.
Zwei interessante Begebenheiten noch:
Zum Ersten war es bemerkenswert, dass während des Redebeitrags von Marlis Elsen im Presseraum bereits nach kurzer Zeit der Strom ausfiel; wobei diese technische Störung in der ansonsten perfekt organisierten Veranstaltung an diesem Tag die einzige war. War dies Absicht oder „gewollter Zufall“? Jeder möge sich selbst dazu seine Gedanken machen.
Zum Zweiten überraschten uns mehrere Kleinaktionäre nach unseren Redebei-trägen mit der Überlassung ihrer Stimmkarten. Das konnte das Stimmenverhältnis nicht wesentlich verändern. Aber es zeigt doch, dass wir mit unseren Argumenten zumindest bei einem Teil der Aktionäre Zustimmung fanden.

Stand der Unterschriften am 25.04.08: 83.500
Dieter Donner (Pressekoordinator der Initiativen Monheim, Hilden, Langenfeld, Erkrath, Ratingen, Solingen, Düsseldorf)
Telefon (02103) 65030 dietersdonner@arcor.de

BAYER-Hauptversammlung am 25. April in Köln:

Einladung zur Protestaktion gegen die CO-Pipeline

Jetzt den neuen Protest-Aufkleber „Stop BAYER-Giftgasleitung!“ bestellen

Das Groß-Feuer im Kölner Norden hat einmal mehr gezeigt, dass Lecks an Rohrleitungen nie ganz ausgeschlossen werden können. Ein hochgiftiges Gas wie Kohlenmonoxid darf daher niemals durch dichtbesiedelte Wohngebiete geleitet werden!

Am 25. April wird der Vorstand der Bayer AG vor rund 7.000 Aktionären und zahlreichen Medienvertretern die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres präsentieren. Kritische Aktionäre haben bereits in den vergangenen Jahren dieses Forum genutzt, um gegen den Bau der CO-Pipeline zu protestieren.

Auch in diesem Jahr werden die Aktionäre vor den Kölner Messehallen mit Flugblättern und Transparenten empfangen. Alle Gegner der Pipeline sind aufgerufen, sich an diesem öffentlichkeitswirksamen Protest zu beteiligen.

Treffpunkt: Freitag, 25. April 2008, ab 9 Uhr
Köln-Deutz, Messehalle 7, Eingang Nord, Deutz-Mülheimer-Straße 111

Ein Gegenantrag von Axel Köhler-Schnura zur Hauptversammlung, in dem der Bau der Pipeline kritisiert wird, wurde auf der homepage von Bayer veröffentlicht: http://www.hv2008.bayer.de/de/Gegenantraege-2008.pdfx (ab Seite drei). Auch in der Hauptversammlung werden Kritiker das Wort ergreifen und einen Baustopp der Pipeline fordern.

Um die Pipeline zu stoppen, muss der Widerstand weiter verstärkt werden. Sie können helfen. Bestellen Sie Aufkleber und Flugblätter und verbreiten Sie diese im Freundes- und Bekanntenkreis.

Aufkleber gibt es einzeln für 1,50 Euro
ab 10 Exemplare 11,00 Euro
ab 50 Exemplare 40,00 Euro
ab 100 Exempalre 60,00 Euro
zzgl. 2,50 Porto/Verpackung
Flugblätter und Unterschriftenlisten gibt es gegen freiwillige Spende.

email an bestellung@j5a.net
Fon 0211 - 26 11 210 / Fax 0211 - 26 11 220

Weitere Informationen zur Kampagne unter http://www.cbgnetwork.de/1968.html

[Risiko Pille] Presse-Information CBG 23.10.19

CBG Redaktion

ARD zeigt Fernsehfilm über die gefährlichen Verhütungsmittel von BAYER & Co.

... denn sie wissen, was sie tun

Am heutigen Mittwoch strahlt die ARD einen Fernsehfilm über die Risiken und Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln aus. Im Mittelpunkt von „Was wir wussten – Risiko Pille“ steht dabei die erhöhte Thromboembolie-Gefahr, die von den neueren Kontrazeptiva ausgeht. „Wie solche Risiko-Präparate auf den Markt kommen und was in den Leuten vorgeht, die für die Markt-Einführung verantwortlich sind“ – dieser Frage geht das Werk nach Auskunft der Drehbuch-Autoren Eva und Volker A. Zahn nach. Zudem widmet es sich den perfiden Marketing-Methoden von Herstellern wie BAYER, welche die Pharmazeutika mit Versprechungen wie „Gewichtsabnahme“ oder „wirkt gegen Akne“ als Lifestyle-Präparate bewerben. Volker A. Zahn kritisiert das scharf: „Diese Strategie muss man den Konzernen vorwerfen, die nur den Erfolg sehen. Noch heute sind die Pillen der 3. und 4. Generation die meistverkauften Kontrazeptiva in Deutschland. Der BAYER-Konzern hat in den letzten Jahren mit diesen Produkten mehr Umsatz gemacht als mit ASPIRIN.“ Auf 639 Millionen Euro belief sich dieser allein mit den Erzeugnissen aus der YASMIN-Familie.

Der Film basiert auf akribischen Recherchen. Die AutorInnen nahmen Kontakt mit Geschädigten von der Selbsthilfe-Gruppe risikoPILLE auf und konnten sich bei der Darstellung der „Gegenseite“ auf InformantInnen aus der Industrie stützen. So ist es dann auch keine bloße Drehbuch-Idee, wenn die „Was wir wussten“- Hauptfigur Dr. Carsten Gellhaus die Pille, deren Markt-Eintritt er vorbereitet, seinen eigenen Töchtern nicht in die Hand geben will – es beruht auf Tatsachen.

Hunderte von Toten haben die Pharmazeutika schon gefordert. Allein zu drospirenon-haltigen Pillen wie YASMIN, YASMINELLE und YAZ registrierte die Europäische Arzneimittel-Behörde EMA in den letzten zwölf Monaten fast 37.000 Meldungen über unerwünschte Arznei-Effekte.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) warnt bereits seit zehn Jahren vor YASMIN & Co. Immer wieder setzte sie die von diesen Verhütungsmitteln ausgehenden Gesundheitsgefährdungen auf die Tagesordnungen der BAYER-Hauptversammlungen und gab Betroffenen die Möglichkeit, den Vorstand direkt mit ihrem Leiden zu konfrontieren. Die ManagerInnen ließ das jedoch kalt. Sie stehen nach wie vor in Treue fest zu den Millionen-Sellern. So bescheinigte ihnen Konzern-Chef Werner Baumann noch auf dem letzten AktionärInnen-Treffen am 26. April „ein positives Nutzen/Risiko-Profil“. Auf den Beipackzetteln heißt es derweil lapidar: „Alle Frauen, die kombinierte hormonale Kontrazeptiva anwenden, haben ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel in den Venen (venöse Thromboembolie (VTE)) oder Arterien (arterielle Thromboembolie (AT))“. Das spezifische Risiko findet sich nur im Kleingedruckten, wenn der Leverkusener Multi eine Aufstellung präsentiert, die für YASMIN deutlich mehr Thromboembolie-Fälle ausweist als für Wirkstoffe der 2. Generation wie Levonorgestrel. Während sich unter YASMIN bei 9-12 von 10.000 Frauen pro Jahr ein Blutgerinnsel bildet, kommt es BAYER zufolge unter Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat nur bei 5-7 von 10.000 Frauen dazu.

„Wir hoffen, dass der Film noch einmal zu einer Diskussion über das besondere Gefährdungspotential von YASMIN & Co. führt. Die Politik muss endlich reagieren und die Pillen verbieten, damit nicht noch mehr Menschen durch BAYERs Profit-Sucht sterben“, so Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG abschließend.

Pressekontakt:
Jan Pehrke 0211/30 58 49

[Ratspräsidentschaft] BAYER & Co. raus aus Brüssel!

CBG Redaktion

Appell zu Deutschlands Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft

Am 1. Juli wird Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Das CORPORATE EUROPE OBSERVATORY (CEO), LOBBYCONTROL, die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und zahlreiche andere Organisationen haben die Befürchtung, dass dabei die großen Konzerne die Marsch-Richtung vorgeben werden. Diese haben nämlich einen enormen Einfluss in Berlin, wie die von den Initiativen verfasste Studie „Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft – Industrie in der Hauptrolle“ zeigt.

Ob BAYER, BASF & Co., die Auto-Branche, die Finanzwirtschaft oder die Erdgas-Industrie – sie alle widmen sich in der Hauptstadt mit großem Erfolg der Pflege der politischen Landschaft. Darum appellieren die Gruppen in einem gemeinsam verfassten Statement an die Bundesregierung: „Die EU-Ratspräsidentschaft darf Konzern-Interessen nicht über das öffentliche Interesse stellen. Es muss Schluss sein mit privilegierten Zugängen großer Konzerne und einseitigen Klüngelrunden mit mächtigen Lobby-Gruppen.“

Hier findet Ihr die Studie von LobbyControl zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Hier findet Ihr das Statement zivilgesellschaftlicher Organisationen zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft, welches die Coordination mit unterzeichnet hat.

[Nur noch zwei Tage bis zu den Protesten] Vollständiges Programm der Präsenz- und Online-Proteste

CBG Redaktion

Hier vor dem Hintergrund der turbulenten Ereignisse im Vorfeld der BAYER-HV am 27.04.2021 das vollständige Programm aller Proteste zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April 2021.

Nachdem die Coordination geen BAYER-Gefahren (CBG) als Vertreterin Zehntausender BAYER-Aktien dem Vorstand- und Aufsichtsrat wegen der andauernden Glyphosat-Verbrechen mit mehreren Gegenanträgen (siehe www.BAYER.de) die Entlastung verweigert, hat sich nun die DEKA als Großaktionär der Nicht-Entlastung angeschlossen. Nach 2019 droht damit Baumann, Wenning und Co nun die zweite Nicht-Entlastung.

Was BAYER aktuell in Mexico und USA treibt ist skandalös: Der Konzern versucht mit schmierigen Winkelzügen aus der juristischen Rechenschaftspflicht zu entkommen.

Zur Hauptversammlung selbst betreibt der Konzern weiterhin die Flucht vor der Kritik in die virtuelle Irrealität und behindert kritische Stimmen und Proteste mit bürokratischen Stolpersteinen und Schwierigkeiten.

„In vollkommener Verblendung verkennen die Verantwortlichen des Konzerns, Baumann, Wenning & Co, die Zeichen der Zeit. Die Welt ist nicht mehr bereit, die Verbrechen, die die Gesundheit der Menschen Tag für Tag im Namen der Profite millionen- und abermillionenfach schädigen und die Umwelt und das Klima im Weltmaßstab ruinieren, hinzunehmen“ “ so Axel Köhler-Schnura, Mitglied des Vorstands der CBG (seit 1978) zu den anstehenden HV-Aktionen.

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Präsenz-Protest-Kundgebung vor der BAYER-Konzernzentrale in Leverkusen 27. April 9.30 -11.00 Uhr

Protest-Kundgebung vor der BAYER-Konzernzentrale in Leverkusen mit verschiedenen Aktionen, Redner*innen und Kulturbeiträgen.

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Live: Internationale Online- Proteste zur BAYER HV 2021


  • StopBAYER/MONSANTO

Diese eMail enthält das vollständige Programm des internationalen Protest Livestreams zur BAYER HV 2021.

INFOS FÜR PRESSE

Die Hauptversammlung 2021 von BAYER/MONSANTO findet rein online statt. Auch in diesem Jahr hat die Coordination ein internationales Programm mit Geschädigten und Kritiker*innen der Konzernverbrechen BAYERs zusammen gestellt. Zu Wort kommen Glyphosat-Geschädigte aus Lateinamerika, Agent Orange-Geschädigte aus Vietnam und den USA, sowie Duogynon-Geschädigte aus Großbritannien und Deutschland.

+++Noch Fragen? Alle Infos auf +++

cbgnetwork.org/HV

mailto:info@cbgnetwork.org
0211/33 39 11

Hier geht es zum Programm des Livestreams

[Abrechnungsbetrug] Presse-Information CBG vom 13.07.21

CBG Redaktion

Prozess in Italien wegen Abrechnungsbetruges

BAYER vor Gericht

Morgen, am Mittwoch, beginnt in Mailand der Prozess gegen ManagerInnen der Pharma-Unternehmen BAYER, NOVARTIS und MYLAN sowie des Krankenhaus-Konzerns SAN DONATO. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gemeinschaftlich begangenen Abrechnungsbetrug zu Lasten der öffentlichen Gesundheitssysteme vor. SAN DONATO hatte beim regionalen Gesundheitsdienst der Lombardei Arznei-Rechnungen der drei Pillen-Riesen eingereicht, die nicht die wahren Preise auswiesen, da die Firmen der Hospital-Kette unter der Hand Rabatte gewährten. Mehr als zehn Millionen Euro kostete das die Krankenkasse in dem Zeitraum von 2013 bis 2019.

„BAYER ist Wiederholungstäter. Der Global Player fällt immer wieder durch solche Delikte auf. Das ‚Business as usual‘ allein kann seine Profitgier offenbar nicht stillen. Es müssen immer auch ein paar Kapitalverbrechen her“, konstatiert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG).

Anfang der 2000er Jahre hatte der Leverkusener Multi die beiden staatlichen Gesundheitsprogramme der USA – Medicaid und Medicare – in Tateinheit mit anderen Medikamenten-Herstellern, Krankenhäusern, ÄrztInnen und Apotheken auf ähnliche Weise geschröpft. Den Einrichtungen, die Bedürftigen Arzneien zur Verfügung stellen, entstanden so jährliche Mehrkosten von rund einer Milliarde Dollar. Im Jahr 2000 musste die Aktien-Gesellschaft dafür 14 Millionen Dollar Strafe zahlen und 2003 sogar 250 Millionen Dollar.

Pressekontakt:

Marius Stelzmann 0211/33 39 11