AKTION & KRITIK
CBG schreibt der Leopoldina
Die Nationale Akademie für Wissenschaften Leopoldina hat die während der NS-Zeit durchgeführten Medizin-Versuche an Menschen in einer Datenbank erfasst. Sie will damit die „Verstrickung von Medizin, biowissenschaftlicher Forschung und nationalsozialistischer Rassen-Ideologie“ aufzeigen, erklärte Leopoldina-Präsidentin Bettina Rockenbach. In speziellen Suchmasken können Interessierte nach Opfern, bestimmten Tests und den dahinterstehenden wissenschaftlichen Einrichtungen suchen. Ein Eingabefeld für die Recherche nach Pharma-Firmen fehlt allerdings, obwohl BAYER & Co. in Auschwitz und anderswo zahlreiche Arznei-Erprobungen unternahmen. So lässt sich dann auf der Webpage auch nur ein einziger Test des Leverkusener Multis – ein Experiment mit Sulfonamid – über die Suchfunktion finden.
In einem Schreiben an die Leopoldina kritisierte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN den Aufbau der Recherche-Plattform. „Die jetzige Form der Datenbank vermittelt Unkundigen den falschen Eindruck, dass nur staatliche wissenschaftliche Einrichtungen Verantwortung für die Medizinversuche hatten“, hieß es darin unter anderem.
Die Institution reagierte und räumte Schwächen ein. „Leider sind die Angaben in der Datenbank nicht immer vollständig und gerade hinsichtlich beteiligter Unternehmen gibt es Verbesserungsbedarf. Ihren wichtigen Hinweis, dass deren Rolle in der Darstellung auf der Webseite nicht deutlich wird, nehme ich gerne so auf“, antwortete ein Leopoldina-Mitarbeiter. „Es war nicht unsere Absicht, diese Beteiligung herunterzuspielen oder gar den Eindruck zu erwecken, es hätte sie nicht gegeben. Im Gegenteil ist uns die Nennung der für die Verbrechen verantwortlichen Personen und Institutionen ein wichtiges Anliegen“, versicherte er.
Zu einer Überarbeitung der Datenbank wird es aber wohl nicht kommen, weil alle finanziellen Mittel in den Aufbau flossen und neue einstweilen nicht bereitstehen.
CBG beteiligt sich an EU-Konsultation
Die EU-Kommission aktualisiert regelmäßig ihre Verordnung über die Aus- und Einfuhr gefährlicher Chemikalien, um bestimmte Stoffe zu streichen oder neu hinzufügen. Bei diesem Prozess ist eine öffentliche Beteiligung vorgesehen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) nutzte das, um eine Erweiterung des Regelwerks einzufordern. Sie mahnte an, dieses um einen Passus zu ergänzen, der die Ausfuhr von solchen Pestiziden verbietet, die innerhalb der EU nicht (mehr) zugelassen sind. „Die EU-Kommission selbst hat sich im Jahr 2020 dazu verpflichtet, ‚sicherzustellen, dass in der EU verbotene gefährliche Chemikalien nicht für den Export hergestellt werden‘ und muss das jetzt auch in praktische Politik münden lassen“, schrieb die CBG.
Zur Begründung verwies sie auf die umfangreichen Schadensbilanzen zu den Ultragiften, die VertreterInnen aus dem Globalen Süden regelmäßig auf den Hauptversammlungen des Konzerns vorlegen. Überdies gefährden die Mittel nach Meinung der Coordination auch Mensch und Umwelt innerhalb der EU, denn immer wieder geraten Produktionsrückstände in die Flüsse. Sogar Reste von BAYERs innerhalb der EU verbotenen Pestizids Imidacloprid finden sich mitunter in den Gewässern.
Und zum Schluss ihrer Eingabe hin wurde die CBG sogar philosophisch. „Aus all diesen Gründen appellieren wir an die EU-Kommission, nicht länger mit zweierlei Maß zu messen und sich stattdessen am kategorischen Imperativ von Immanuel Kant zu orientieren: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
CBG im NRW-Kommunalwahlkampf
Im Vorfeld der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen hatten die PARENTS FOR FUTURE des Bundeslandes für den 9. September zu einem Aktionstag aufgerufen, um dem Klima eine Stimme zu geben. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beteiligte sich und tat dies aus gegebenem Anlass am Stammsitz des BAYER-Konzerns in Leverkusen. Dort setzte sie zusätzlich noch das Thema „PFAS“ mit auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik. Immer wieder nämlich schrecken die Stadt Meldungen über hohe PFAS-Rückstände im Rhein auf.
Protest gegen EU-Deregulierungen
Die EU bereitet ein Maßnahmen-Paket zur Aufweichung bzw. „Entbürokratisierung“ der Lieferketten-Richtlinie, der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und der – Kriterien für ein „Green Economy“-Label festlegenden – Taxonomie-Verordnung vor. Auf Druck von BAYER & Co. hin will Brüssel essentielle ethische, soziale und ökologische Standards abbauen. „Wir können nicht erwarten, dass wir weltweit konkurrieren können, während wir uns gleichzeitig mit unnötigen Beschränkungen und Einschränkungen überfrachten“, so EU-Kommissar Valdis Dombrovskis zur Begründung des Vorstoßes.
Aber dagegen erhebt sich Widerstand. Auf Initiative des CORPORATE EUROPE OBSERVATORY haben sich 470 Organisationen – darunter auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN – mit dem Appell an die EU gewandt, das Deregulierungsprojekt zu stoppen. „In einer Zeit extremer Ungerechtigkeit durch ungleiche Wohlstandsverteilung, soziale und finanzielle Ausgrenzung, Umweltzerstörung, Demokratie-Abbau, Überwachungskapitalismus, Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen (…) fordern wir mehr Schutz, nicht weniger!“, heißt es in dem Statement.
„Parkinson als Berufskrankheit“ im Bundestag
Seit März 2024 ist „Parkinson durch Pestizide“ bei LandwirtInnen als Berufskrankheit anerkannt. Allerdings hat die „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau“ (SVLFG) bisher erst 18 Anträge bewilligt.
Am 7. Juli 2025 setzte der Abgeordnete Karl Bär von Bündnis 90/Die Grünen dieses Vollzugsdefizit auf die Tagesordnung des Bundestages. „Ich weiß nicht, ob das Problem an der Stelle Geiz ist oder die Ideologie, dass Pestizide ja nicht gesundheitsschädlich sein dürfen; aber diese Langsamkeit ist eine Sünde gegenüber den Betroffenen“, sagte er in seiner Rede. Gerade auch, weil die SVLFG hauptsächlich wegen des zu erwartenden erhöhten Finanzbedarfs in Sachen „Parkinson“ ihre Beiträge kräftig erhöht und auch der Bund seinen Zuschuss um 20 Millionen auf nunmehr 120 Millionen Euro angehoben hat, äußerte der Politiker Unverständnis. „Ich finde, ehrlich gesagt, beides nicht gerecht: Weder sollten die Landwirtinnen und Landwirte das bezahlen noch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Das sollte die chemische Industrie bezahlen“, so Bär. Schließlich wandte er sich direkt an den Landwirtschaftsminister: „Herr Rainer, sorgen Sie dafür, dass die Landwirtschaft die Abhängigkeit von der chemischen Industrie überwinden kann! Sorgen Sie dafür, dass es den Menschen, die unsere Lebensmittel produzieren, erspart bleibt, krank zu werden, weil sie glauben, dass sie dafür Ackergifte brauchen!“
KAPITAL & ARBEIT
12.000 Jobs weniger
Bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2025 am 6. August gab der BAYER-Konzern auch bekannt, wie viele Stellen das 2024 begonnene Rationalisierungsprogramm bisher gekostet hat. 12.000 Arbeitsplätze fielen ihm bereits zum Opfer, und BAYER-Chef Bill Anderson sieht noch Luft nach oben. „Ich gehe davon aus, dass es zu einem weiteren Personalabbau kommen wird“, sagte er in einer Telefon-Konferenz mit den InvestorInnen.
Arbeitsplatzvernichter Nr. 2
Der Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungskonzern EY untersuchte die Beschäftigungsentwicklung von 32 der 40 DAX-Firmen im Zeitraum von Juni 2024 bis Juni 2025. Bei BAYER schrumpfte die Belegschaft um 7,3 Prozent. Nur CONTINENTAL vernichtete noch mehr Arbeitsplätze.
BLUEROCK streicht Arbeitsplätze
Zahlreiche auf neue medizinische Felder wie Zell- oder Gentherapien spezialisierte Pharma-Betriebe haben in letzter Zeit Arbeitsplätze vernichtet, so auch die BAYER-Tochter BLUEROCK. Sie strich 50 Stellen, stellte Entwicklungsprogramme ein und machte ihren Standort im US-amerikanischen Cambridge dicht. Eine ähnliche Schrumpfkur hatte BLUEROCK bereits im Jahr 2023 unternommen. Nach der neuerlichen bleiben bloß noch vier Projekte übrig, eine Therapie für ein Augenleiden, zwei zur Behandlung von Parkinson und die Entwicklung einer Zell-Plattform für diverse Erkrankungen des Nervensystems.
„Der Rückzug von Standorten wie Cambridge – einem Zentrum biotechnologischer Innovation – signalisiert, dass selbst gut finanzierte Firmen die Balance zwischen ambitionierter Forschung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit neu justieren müssen. Die Konzentration auf wenige, vielversprechende Programme gilt zunehmend als Voraussetzung, um im kapital-intensiven Umfeld der regenerativen Medizin [ein Zweig, der versucht, geschädigte Bestandteile des Körpers wie Zellen, Gewebe, Knochen oder Organe wiederaufzubauen, Anm. Ticker] langfristig bestehen zu können“, kommentiert das Webportal transkript.
Nord & Süd
MERCOSUR-Deal in der Schlussrunde
Anfang Dezember 2024 schlossen die EU und die MERCOSUR-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay die Neuverhandlungen über einen Handelsvertrag ab. Im September 2025 läutete die EU-Kommission nun den Abstimmungsprozess ein. Als einen „wichtigen Meilenstein für die wirtschaftliche Zukunft der EU“, bezeichnete sie den Deal. Auch die Wirtschaft zeigte sich erfreut. Von „Europas historischer und zugleich letzter Chance, im südamerikanischen Markt als gleichberechtigter Partner aufzutreten“, sprach Dirk Jandura vom „Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). „Wir sollten diese Chance nutzen, bevor andere Mächte die Region vollständig unter sich aufteilen“, mahnte er.
Neben der Auto-Branche profitiert vor allem die Chemie-Industrie von dem Handelsvertrag. Die von den Mercosur-Ländern vorgesehene Abschaffung der Import-Zölle für mehr als 90 Prozent aller Waren verschafft BAYER & Co. bessere Absatz-Möglichkeiten für ihre Waren, denn bisher beliefen sich die Sätze für Chemikalien auf bis zu 18 Prozent und für Pharmazeutika und Pestizide auf bis zu 14 Prozent. Damit nicht genug, verspricht sich der Leverkusener Multi auch von den Vergünstigungen für die Einfuhr von Agrar-Rohstoffen, die Brüssel Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay im Gegenzug gewährt, so einiges. Es ist nämlich ein höherer Genpflanzen- und Pestizid-Absatz zu erwarten, wenn insbesondere das brasilianische und das argentinische Agro-Business besseren Geschäften auf dem alten Kontinent entgegensieht. Der EU-Forschungsdienst hat dafür bereits Zahlen vorgelegt. Er rechnet mit einer Steigerung des Anteils der Mercosur-Staaten an den Lebensmittel-Importen der Europäischen Union von derzeit 17 auf 25 Prozent.
Die Monokulturen dürften sich dadurch noch weiter in die Regenwälder hineinfressen und zu Vertreibungen von Indigenen führen. Zudem verstärkt die Übereinkunft die bestehenden Ungleichgewichte im Handel zwischen Lateinamerika und Europa, weil sie die Rolle der Staaten des Kontinents als Lieferanten billiger Rohstoffe ohne großen Wertschöpfungsanteil verfestigt und die wegfallenden Handelsbarrieren für veredelte Güter aus Europa es den MERCOSUR-Industrien noch schwerer machen, die Rückstände aufzuholen.
Allerdings kann das Abkommen erst in Kraft treten, wenn das Europäische Parlament und die Mitgliedsländer ihr Ja-Wort geben. Da es viel Widerstand gegen den Deal gibt – besonders Nationen mit einer starken Landwirtschaft wie Polen und Frankreich befürchten eine Agrargüter-Schwemme aus Lateinamerika – greift die Kommission zu einem Trick, um ihn durchzubringen. Sie stellt erst einmal nur den Handelsteil des Vertragswerks zur Wahl. Für dessen Annahme ist unter den EU-Staaten nämlich keine Zweidrittmehrheit mehr nötig – es reicht eine qualifizierte Mehrheit.
Das NETZWERK GERECHTER WELTHANDEL, dem die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN angehört, bereitet sich auf einen heißen Herbst vor und plant diverse Protest-Aktionen gegen den Deal.
Mehr Gift-Exporte aus Deutschland
BAYER & Co. dürfen Pestizide, die die EU wegen ihrer Gefährlichkeit verboten hat, weiter herstellen und vertreiben – nur in eben nicht in den Mitgliedsländern. Und das tun sie nicht zu knapp, wie eine neue Studie von PUBLIC EYE und UNEARTH nachweist. Die Ausfuhren beliefen sich 2024 auf 122.000 Tonnen. Export-Weltmeister mit 55.000 Tonnen ist Deutschland. „Das Land hat sich zum wichtigsten europäischen Umschlagplatz für den Handel mit verbotenen Pestiziden entwickelt“, resümieren die AutorInnen. Auf Rang drei der am häufigsten umgeschlagenen Agro-Chemikalien: das auch von BAYER produzierte Mancozeb. Und noch zahlreiche weitere Substanzen, die ebenfalls in den Produkten des Leverkusener Multis Verwendung finden, platzierten sich wie z. B. Tiram, Clothianidin, Acetochlor, Fipronil und Thiophanat-methyl.
Ursprünglich wollte die Europäische Union dieser Praxis der doppelten Standards ein Ende setzen. Aber BAYER & Co. gelang es durch Extrem-Lobbyismus, diesen Prozess zu verzögern. Mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontiert, erklärt eine Sprecherin der Kommission nun, diese prüfe zurzeit „mögliche Optionen“, um „sicherzustellen, dass die gefährlichsten in der EU verbotenen Chemikalien nicht für den Export hergestellt werden können”. „Die Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus für Mensch und Umwelt, sowohl innerhalb der EU als auch weltweit, ist von größter Bedeutung”, hielt sie gegenüber PUBLIC EYE und UNEARTH fest.
POLITIK & EINFLUSS
EU schleift Lieferketten-Richtlinie
Im Februar 2025 hat die EU-Kommission eine Aushöhlung bzw. „Vereinfachung“ der Lieferketten-Richtlinie auf den Weg gebracht, die für Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten und einem Umsatz von über 450 Millionen Euro gilt. Gemäß dem Omnibus-Paket müssen die betreffenden Firmen die Einhaltung sozialer, gesundheitlicher und ethischer Standards nur noch bei ihren direkten Lieferanten kontrollieren und darüber auch nur noch alle fünf Jahre einen Bericht erstellen.
Im Juni 2025 schleifte der EU-Ministerrat die Bestimmungen weiter, indem er den Kreis der Betriebe beschränkte, für den sie gelten. Er will jetzt nur noch solche mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr in die Pflicht nehmen und selbst diese Gesellschaften nicht mehr so ganz. Nur bei Zulieferern aus Sektoren mit einem hohen Risiko für Menschenrechtsverletzungen sind sie noch gefordert, genauer hinzuschauen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Mai bei einem Besuch in Brüssel sogar auf eine Komplett-Abschaffung gedrungen: „Wir werden in Deutschland das nationale Gesetz aufheben, und ich erwarte auch von der EU, dass sie diesen Schritt nachvollzieht und diese Richtlinie aufhebt“, sagte er zur Verärgerung seines sozialdemokratischen Koalitionspartners. Im Koalitionsvertrag hatten die beiden Parteien sich nämlich parallel zur Abschaffung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetzes noch darauf verständigt, die EU-Richtlinie zu den Lieferketten „bürokratiearm und vollzugskräftig“ umzusetzen.
Die SPD versuchte dann im Alleingang über eine Intervention bei der polnischen Ratspräsidentschaft, das Hochsetzen der Schwelle auf 5.000 Beschäftigten abzuwenden, was jedoch nicht gelang. Jetzt kann nur noch das EU-Parlament das Schlimmste verhindern.
Lieferketten-Gesetz aufgeweicht
Die Bundesregierung hat Anfang September 2025 auf ihrer Kabinettssitzung eine Aushöhlung des Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetzes (LKSG) beschlossen. CDU und SPD kündigten an, die Berichtspflichten abzuschaffen und Sanktionen nur noch bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Menschenrechte zu verhängen. Auf diese Weise wollen die Koalitionspartner „Bürokratie zurückbauen“ und „die deutsche Volkswirtschaft stärken“. Damit nicht genug, unterstützt Schwarz-Rot auch noch Forderungen nach „ambitioniertem Rückbau“ der EU-Lieferkettenrichtlinie.
Die Industrie hätte gerne noch ein bisschen mehr gehabt. Vielen Unternehmensverbänden ging der Vorstoß der Koalitionspartner nicht weit genug. Und der Normenkontrollausschuss drängte darauf, alle jüngst auf den Weg gebrachten „Vereinfachungen“ der EU-Lieferkettenrichtlinie (s. o.) – wie z. B. die Beschränkung der von den Regelungen betroffenen Unternehmen auf solche mit mehr als 5.000 Beschäftigten – gleich mit ins deutsche Gesetz zu schreiben. Dazu hätten die Parteien sich nämlich verpflichtet, meinte der Ausschuss und zitierte dazu eine Passage aus dem Koalitionsvertrag: „Bei der Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht schließen wir bürokratische Übererfüllung aus.“
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) reagierte alarmiert. „Die Menschenrechte sind kein Bürokratie-Monster. Zudem hatten es die Konzerne lange selbst in der Hand, über die Einhaltung von ethischen Standards bei ihren Zulieferern zu wachen. Aber die freiwillige Selbstverpflichtung führte zu nichts. Nur darum wurde der lange geduldige Gesetzgeber schließlich doch aktiv und erließ das Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetz. Doch kaum nach dessen Einführung im Jahr 2023 beginnen schon wieder die Abwrack-Arbeiten. Das ist ein Skandal“, hieß es in ihrer Presseerklärung.
Darin hob die Coordination auch die große Bedeutung der Berichtspflichten hervor, ohne die die Öffentlichkeit kaum erfahren könne, was sich entlang der weltumspannenden Lieferketten der Unternehmen so tut. Und das ist mitunter eine ganze Menge. So weist BAYERs Lieferkettenbericht für 2024 63 Fälle von „Missachtung von Arbeitsschutz und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren“, fünf Verstöße gegen das „Verbot der Ungleichbehandlung von Beschäftigten“ und elf Verstöße gegen das „Verbot des Vorenthaltens eines angemessenen Lohns“ aus. 2023 kam es sogar zu Kinderarbeit und zur Behinderung gewerkschaftlicher Betätigung.
Die Initiative Lieferketten-Gesetz kritisierte die Pläne ebenfalls. „Die geplante Lockerung des LkSG würde Deutschland weiter vom internationalen Konsens, wie ihn etwa die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte formulieren, entfernen. Eine Abschwächung des LkSG steht zudem im Widerspruch zum europarechtlich und völkerrechtlich verankerten Verschlechterungs- bzw. Rückschrittsverbot beim Menschenrechtsschutz“, hielt sie fest. Das Bündnis, dem auch die CBG angehört, wird alles tun, um die geplanten Deregulierungen zu verhindern.
Spatenstich für Gentherapie-Zentrum
Zell- und Gentherapien stellen einen Schwerpunkt von BAYERs Pharma-Sparte dar. In Deutschland kooperiert der Konzern dabei mit der Berliner Charité. Im Jahr 2022 gaben die beiden Partner bekannt, ein Zell- und Gentherapie-Zentrum aufbauen zu wollen, das auch Start-Ups und anderen Firmen offenstehen soll. Das Ziel der Gründung ist es, den Weg von der Forschung zur Produkt-Entwicklung zu beschleunigen. „Am Nordhafen finden Forscher und Verwerter zusammen“, so formuliert es die Berliner Morgenpost.
Die Politik gewährt großzügig Unterstützung. „Trotz angespannter Haushaltslage in Berlin wird das Zentrum vom Bund und vom Land Berlin mit rund 100 Millionen Euro finanziert“, hält das Webportal transcript fest. Die Verantwortlichen betrachten nämlich Zell- und Gentherapien als „ein wesentliches Element für eine personalisierte Medizin, mit der Krankheiten zielgerichtet behandelt werden können“ und verfolgen mit den Geldspritzen die Absicht, „geeignete Plattformen für diese Zukunftstechnologie und die darauf aufbauende klinische Entwicklungen in Deutschland auszubauen“ sowie „den Biotechnologie-Standort Deutschland wirkungsvoll zu stärken“.
Mitte September erfolgte nun der erste Spatenstich für den Bau mit Politik-Prominenz wie Finanzminister Lars Klingbeil, Forschungsministerin Dorothee Bär und Berlins Bürgermeister Kai Wegner.
Amtshilfe in Sachen „Glyphosat“
BAYERs Entschädigungsprozesse in Sachen „Glyphosat“ beschäftigen wegen ihrer ökonomischen Folgen inzwischen auch die deutsche Politik. So fanden im Bundeswirtschaftsministerium Gespräche dazu statt. „Es gab Austausch mit der BAYER AG, im Zuge dessen das Unternehmen das BMWK zu den aktuellen Entwicklungen informiert und dabei auch die möglichen Auswirkungen der aktuell anhängigen Rechtsstreitigkeiten erörtert hat“, teilte das damals noch von Robert Habeck geführte „Bundesministerium für Wirtschaft und Klima“ über das Treffen im März 2025 mit. Ein Anlass dafür könnte der kurz zuvor vom Leverkusener Multi bekanntgegebene Plan einer Kapitalerhöhung gewesen sein, mit der er sich ein Polster für Vergleiche und „andere Maßnahmen im Zusammenhang mit einer weitgehenden Eindämmung von Klage-Verfahren in den USA“ verschaffen wollte.
Kennedy knickt ein
Der wegen seiner Ansichten zu Impfungen, der Covid-Pandemie und der Schulmedizin im Ganzen sehr umstrittene US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. veröffentlichte im Mai 2025 den Report der von ihm ins Leben gerufenen„Make America Healthy Again“-Kommission. Dieser Bericht, der sich vornahm, „die Ursachen der eskalierenden Gesundheitskrise in Amerika zu untersuchen und zu adressieren“, ließ im Vorfeld BAYERs Aktien-Kurs abstürzen. Gerüchten zufolge sollten darin nämlich die Risiken und Nebenwirkungen von Glyphosat eine prominente Rolle einnehmen.
Es kam dann aber doch nicht so schlimm wie erwartet. Die MAHA-Kommission zitiert zwar Studien, die Glyphosat und anderen Pestiziden sowie diversen weiteren Substanzen wie etwa Weichmachern oder Industriechemikalien ein gesundheitsgefährdendes Potenzial bescheinigen, aber politische Schlussfolgerungen zogen die AutorInnen nicht. Und die enthält auch der im September 2025 veröffentlichte MAHA-Strategiereport trotz seines Namens nicht. Wir lassen alles so, wie es ist, und machen es der Industrie sogar noch ein bisschen netter, lautet stattdessen die Botschaft. BAYER & Co. dürfen sich auf schnellere Genehmigungsverfahren freuen und über das Angebot einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Kennedy erteilt nun Pestiziden im Allgemeinen und Glyphosat im Besonderen die Absolution. „Es gibt eine Million Landwirte, die auf Glyphosat angewiesen sind. Wir werden nichts unternehmen, was dieses Geschäftsmodell gefährden könnte“, sagte er. Die MAHA-Kommission spricht der Zulassungsbehörde EPA in ihrem Report dann auch das vollste Vertrauen aus. Die LobbyistInnen der Agro-Riesen hatten mal wieder ganze Arbeit geleistet.
Entsprechend harsch reagierten die US-amerikanischen Umweltverbände. „Unsere Gesundheit wird der Gier der Konzerne geopfert, hielt das PESTICIDE ACTION & AGROECOLOGY NETWORK fest, und das CENTER FOR FOOD SAFETY bezeichnete den Bericht als „Desaster“.
BAYER bei Wiederaufbau-Konferenz
Der BAYER-Konzern gehört zu den größten Investoren in der Ukraine. Nicht von ungefähr ist sein Ukraine-Chef Oliver Gierlichs auch Präsident der „Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer“. Bei der Wiederaufbau-Konferenz, die am 10. Juli 2025 in Rom stattfand, zeigte der Agro-Riese ebenfalls Präsenz, unter anderem mit einem Stand. Er konnte dort sogar Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßen, „nachdem wir zuvor schon Teil einer Runde mit deutschen Unternehmen und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Kanzleramt waren“, wie das Unternehmen stolz vermeldete. Bei der neuerlichen Zusammenkunft ging es BAYER zufolge „u. a. um die Bedeutung der Ukraine für die globalen Agrarmärkte und unsere Investitionen ins [sic] Land“.
Anderson trifft Selenskyj
„Heute hatte ich auf Einladung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz die Gelegenheit, an einem Treffen mit dem ukrai-nischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj teilzunehmen“, vermeldete BAYER-Chef Bill Anderson auf dem Portal LinkedIn. Diese Einladung kam nicht von ungefähr. Der Leverkusener Multi zählt in dem Land nämlich zu den größten Investoren der letzten Jahre. 2018 errichtete der Konzern in Pochuiky für 200 Millionen Euro eine Fabrik zur Saatgut-Produktion, in deren Ausbau er 2023 noch einmal 60 Millionen Euro steckte. „Dank dieser Anlage basiert ein Großteil des Mais‘, den die Ukraine nach Europa, Asien und Afrika exportiert, auf Saatgut von BAYER“, so Anderson. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Auch KWS, SYNGENTA, CORTEVA, MAISADOUR und REMINGTON SEEDS verstärkten ihr Engagement in dem Staat, den Anderson „als eine der Kornkammern der Welt“ bezeichnet. Allerdings könnten die Geschäfte in diesem Jahr ein wenig schlechter laufen. Die EU will der Ukraine nämlich auf Druck einiger Mitgliedsländer mit großem Landwirtschaftssektor nicht länger Handelserleichterungen für einige Agrar-Güter gewähren.
Anderson trifft Merz
BAYER-Chef Bill Anderson gehörte mit zu den 61 ManagerInnen der „Made for Germany“-Initiative, die sich am 21. Juli 2025 mit Bundeskanzler Friedrich Merz trafen. Die Runde könne „ein Baustein sein in unserem fortwährenden Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft“, verlautete aus der Konzern-Zentrale. Eingefädelt hatte das Ganze Alexander Geiser von der – auch den Leverkusener Multi zu ihren KundInnen zählenden – PR-Agentur FGS GLOBAL in Tateinheit mit Christian Sewing von der DEUTSCHEN BANK. Als Vorbild diente dabei das InvestorInnen-Treffen „Choose France“, das Emmanuel Macron alljährlich im Schloss von Versailles abhält.
Stefan Kooths vom Kieler „Institut für Weltwirtschaft“ bezeichnete das Ganze als eine bloße Werbeveranstaltung. „Ich würde den Effekt solcher Initiativen so einschätzen, dass er kaum über den heutigen PR-Tag hinausreicht“, so der Wirtschaftswissenschaftler: „Es wird ja nicht investiert, weil plötzlich eine Art Standort-Patriotismus ausbricht. Am Ende des Tages entscheiden die Rahmenbedingungen darüber, ob in Deutschland investiert wird oder nicht.“
Aber die Bundesregierung hielt dagegen. Das Meeting sei „keine PR-Aktion, sondern es ist eine konzertierte Aktion, mit der Regierung und Industrie zeigen, dass in diesem Land Investitionen möglich sind und sich lohnen“, hielt Regierungssprecher Stefan Kornelius fest. Und Merz sprach von „einer der größten Investitionsinitiativen, die wir in Deutschland in den letzten Jahren gesehen haben“.
Eine Summe von 631 Milliarden Euro hat die Männerrunde, in die sich nur eine Frau verlor, für das „Germany First“-Projekt zugesichert. Allerdings handelt es sich dabei nicht unbedingt um frisches Geld. 500 Milliarden Euro stehen bereits in den Büchern, und Näheres über den Rest ließen sich Anderson & Co. nicht entlocken. „Details? Fehlanzeige. Nachfragen? Nicht gestattet“, monierte die FAZ.
Konkrete Zahlen liegen nur zu den Desinvestitionen vor. Der BAYER-Konzern gab im Mai 2025 die Schließung des Standortes Frankfurt bekannt und vernichtete in den letzten beiden Jahren 12.000 Arbeitsplätze, die DEUTSCHE BANK will 2.000 Stellen streichen, ZF 14.000, THYSSEN KRUPP 11.000 und VW 10.000. Und fast täglich kommen neue Meldungen hinzu.
PROPAGANDA & MEDIEN
300 ÖffentlichkeitsarbeiterInnen
Obwohl die Belegschaft des BAYER-Konzerns über die Jahre beträchtlich auf nunmehr bloß noch 90.000 Beschäftigte schrumpfte, ist die Zahl der Angestellten in der PR-Abteilung gleich geblieben: Nicht weniger als 300 Menschen arbeiten dort Tag für Tag daran, BAYERs Sicht der Dinge unters Volk zu bringen.
NGOs: BAYER & Co. machen mobil
Die Attacken gegen NGOs gehen weiter: Nach der alles anderen als Kleinen Anfrage der CDU zu OMAs GEGEN RECHTS, GREENPEACE & Co. – 551 Fragen umfasste sie – nimmt jetzt die „Initiative Transparente Demokratie“ (ITD) ihre Arbeit auf. Sie schafft es, eine ganze Verschwörungserzählung rund um die NGOs zu stricken. „Neue Macht außer Kontrolle“, „Milliarden aus dunklen Kanälen“ und „Ein verdecktes Netz der Einflussnahme auf das Parlament erschüttert die Europäische Union“ raunt es auf der Website der ITD.
Hinter der Organisation stehen nach Recherchen von LOBBYCONTROL unter anderem die „Initiative soziale Marktwirtschaft“, der ehemalige VW- und PORSCHE-Chef Matthias Müller und viele FDP-PolitikerInnen. Natürlich mischt auch der BAYER-Konzern mit. Sein „Head of Corporate Communications and Media Relations“, Christian Maertin, zählt zu den Gründungsmitgliedern.
Dazu gehört auch Dr. David Zaruk, der dem Agro-Business seit Jahren treu zu Diensten steht. Unter anderem betreibt er den Blog „The Risk Monger“, der Glyphosat-Kritik als „Glyphysteria“ abtut. Darin weiß er sich mit dem ITD-Vorstandsmitglied Dr. Ludger Weß einig. „Jahrzehntelang hatte das 1974 zugelassene Mittel niemanden gestört, dann mutierte es plötzlich zum Erzfeind der Menschheit“, schrieb er in dem Blog „Salonkolumnisten“ über das von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Herbizid.
Die „Initiative Transparente Demokratie“ führt Maertin inzwischen nicht mehr als Gründungsmitglied. BAYER hat ihn nach geleisteter Aufbauarbeit vermutlich abgezogen, um keine Angriffsfläche zu bieten.
DRUGS & PILLS
Deal mit KUMQUAT
Einst galt Deutschland als Apotheke der Welt. Das ist aber schon lange her. Heute konzentrieren sich die Pharma-Konzerne auf wenige, besonders lukrative Indikationsgebiete. Bei BAYER blieben nur noch „Krebs“, „Herz/Kreislauf-Erkrankungen“, „Neurologie“, „seltene Krankheiten“ und „Immunologie“ übrig. Das Segment „Krebs“ stärkt der Leverkusener Multi jetzt durch einen Deal mit KUMQUAT. Das US-amerikanische Biotech-Unternehmen hat eine Arznei entwickelt, die auf tumor-fördernde DNA-Mutationen einwirkt, einen sogenannten KRAS-G12D-Inhibitor. „KRAS-Mutationen treten bei fast 25 Prozent der menschlichen Krebs-Erkrankungen auf“, so der BAYER-Forscher Dominik Rüttinger. Dementsprechend erwartet sich der Pharma-Riese viel von dem Medikament, mit dem KUMQUAT bald Tests der Phase Ia starten will. Sollte die Entwicklung erfolgreich verlaufen, erhält das Unternehmen bis zu 1,3 Milliarden Dollar vom Leverkusener Multi und zusätzlich noch eine Umsatz-Beteiligung.
Neue NUBEQA-Zulassung
BAYERs Arznei NUBEQA mit dem Wirkstoff Darolutamid zur Behandlung von Prostata-Krebs hemmt die Bildung von Testosteron, welches das Tumor-Wachstum befördert. Es findet bereits Verwendung bei noch nicht metastasierendem hormon-sensitiven Prostata-Krebs und – in Kombination mit einem Hormon-Präparat und einer Chemo-Therapie – auch zur Behandlung von bereits metastasierendem hormon-sensitiven Prostata-Krebs. Bei diesem Indikationsgebiet darf der Konzern NUBEQA nun auch lediglich von Hormon-Gaben flankiert anbieten. Die Zulassungsbehörden in den USA und der EU erteilten eine entsprechende Genehmigung. Ein Umsatz-Potenzial von rund drei Milliarden Euro traut der Pharma-Riese dem Medikament nun zu.
Lieferengpass bei KOLVATRY
Seit Jahren schafft es die Pharma-Industrie nicht, die Apotheken in ausreichendem Maße mit ihren Produkten zu bestücken. Auch politische Maßnahmen wie das 2023 verabschiedete „Gesetz zur Bekämpfung von Lieferengpässen bei patentfreien Arzneimitteln und zur Verbesserung der Versorgung mit Kinder-Arzneimitteln blieben wirkungslos. Immer wieder fehlen Pharmazeutika. Aktuell betrifft das dem „Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen“ zufolge über 500 Mittel. Darunter befindet sich auch BAYERs Bluter-Präparat KOLVATRY. „Verzögerung bei der Auslieferung“, führt der Leverkusener Multi wenig aufschlussreich als Grund an.
Auch andere Arzneien des Pharma-Riesen wie etwa ASPIRIN i. v. 500, das Antibiotikum CIPROBAY und das Herz/Kreislauf-Medikament NIMOTOP glänzten in der Vergangenheit schon durch Abwesenheit.
Trump macht Druck auf Arznei-Preise
In den USA versucht die Politik bereits seit Langem, gegen die hohen Arznei-Preise vorzugehen. Die Biden-Administration hatte der staatlichen Gesundheitsagentur Medicare deshalb das Mandat erteilt, mit den Pharma-Riesen Rabatte auszuhandeln. Das stoppte Donald Trump. Er sieht die Ursache des Problems nicht in der Profit-Gier von BAYER & Co., sondern in einem ungerechten, zu Lasten der USA gehenden Welthandel. Der US-Präsident macht ein „globales Schmarotzertum“ aus und benennt dabei konkret die „sozialistischen Gesundheitssysteme in Deutschland und in allen Teilen der Europäischen Union“ als Wurzel des Übels.
Um Abhilfe zu schaffen, hat Trump Briefe an die Vorstandsvorsitzenden von 17 Pharma-Unternehmen geschrieben – BAYER-Chef Bill Anderson gehörte nicht dazu – und die Bosse aufgefordert, ihre Pharmazeutika billiger anzubieten. Bei Zuwiderhandlungen drohte er damit, „jedes Instrument in unserem Arsenal einzusetzen“. Eines dieser Instrumente ist die Einführung einer Meistbegünstigungsklausel, die den weltweit günstigsten Preis in einem Industrieland zur Richtschnur für den Pillenmarkt in den USA erhebt.
Bill Anderson gibt Trump recht: „In den USA sind Medikamente teurer. Das bringt den Unternehmen dort ausreichend Geld, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. In Europa erzwingt die Politik hingegen möglichst niedrige Pharma-Preise. Die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen finanzieren also Fortschritt und Innovation in der Medizin, wovon die ganze Welt profitiert.“
„In Europa werden die Preise steigen müssen“, sagt BAYERs USA-Chef Sebastian Guth deshalb. Aber natürlich nur aus moralischen Gründen, wie Anderson beteuert: „Es geht nicht um mehr Gewinne, sondern um Fairness.“
AGRO & CHEMIE
BAYERs neues Herbizid
„Seit über 25 Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr für Flächen-Kulturen entwickelt und auf den Markt gebracht – unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen für neue Herbizide einherging“, sagte der BAYER-Forscher Dr. Hermann Stübler 2012.
Und es sollten noch dreizehn weitere Jahre in Land gehen, bis Big Agro Vollzug melden konnte. Im Sommer 2025 vermeldete der Leverkusener Multi die Entwicklung eines neuen Herbizids auf der Basis der Wirkstoffe Icafolin und Icafolin-methyl und stellte in zahlreichen Ländern Zulassungsanträge.
Seinen ForscherInnen zufolge gibt es Belege dafür, dass die beiden Substanzen einen für die Pflanzen-Zellen überlebenswichtigen Prozess – die Tubulin-Polymerisation – empfindlich stören. Wie das funktioniert, wussten sie allerdings selbst nicht so genau; „wahrscheinlich durch Bindung an ß-Tubuline“, schrieben die WissenschaftlerInnen in einem Fach-Artikel.
Zur Toxizität von Icafolin gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten. Nach Angaben des Konzerns ist das Mittel „für gezielte Spritz-Anwendungen und geringe Dosierungen“ konzipiert, weshalb „eine Antragseinreichung mit einem reduzierten Risiko-Status“ genügte.
Patente auf Pflanzen, die dank alter oder neuer Gentechnik über eine eingebaute Icafolin-Toleranz verfügen, hat BAYER sich auch schon mal gesichert. Als Alternative zu dem von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Glyphosat preist der Global Player Icafolin trotzdem nicht an. Er spricht stattdessen von „einer vollständig neuen Herbizid-Klasse, die bereits bestehende Lösungen sinnvoll ergänzt“.
Umweltkrankheit Parkinson
Seit 2024 ist „Parkinson durch Pestizide“ offiziell als Berufskrankheit bei LandwirtInnen anerkannt. Galten bisher der Lebensstil und eine erbliche Vorbelastung als Hauptrisiko-Faktoren, so geraten Agro-Chemikalien und andere äußere Einflüsse seit einiger Zeit immer mehr in den Fokus. „Es wird jedoch immer deutlicher, dass auch Umweltgifte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen spielen können“, sagt etwa die Medizinerin Eva Schäffer von der Kieler Universitätsklinik. „Bei Parkinson gehen manche Forscher sogar noch weiter, sie halten die Krankheit im Grunde für eine Umwelterkrankung, ausgelöst durch Schadstoffe, insbesondere Pestizide“, schreibt Der Spiegel unter der Überschrift „Schadstofflager im Kopf“.
Parkinson: 18 Anerkennungen
„Parkinson durch Pestizide“ firmiert jetzt zwar offiziell als Berufskrankheit bei LandwirtInnen, aber die Anerkennungen halten sich arg in Grenzen: Ganze 18 waren es nach Informationen der unabhängigen bauernstimme bisher. Dem stehen über tausend negative Bescheide gegenüber. Die Sozialversicherung für die Landwirtschaft (SVLFG) versucht – wie die Berufsgenossenschaften anderer Sparten auch – die Fall-Zahlen aus finanziellen Gründen möglichst gering zu halten. Gerade Parkinson stellt die SVLFG wegen der hohen Behandlungskosten vor große Herausforderungen. Obwohl sie schon satte Beitragserhöhungen vorgenommen hat und die Bundesregierung 20 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln zur Verfügung stellte, reicht es immer noch nicht, denn BAYER und die anderen Pestizidhersteller wollen nichts dazutun. Überdies treten noch spezifische Probleme auf. So fällt es den Betroffenen – oft durch die Krankheit schon gezeichnet – schwer, die verlangten konkreten Nachweise über die Anwendung bestimmter Pestizid-Wirkstoffe an mindestens 100 Tagen im Jahr zu erbringen.
WASSER, BODEN & LUFT
Neue Giftfrachten im Rhein
Nach im Juli 2025 veröffentlichten Recherchen des BUND NRW gelangen vom Leverkusener Chem„park“ aus große Mengen an Pestiziden und PFAS-Substanzen in den Rhein. Die PFAS-Rückstände überschritten den Orientierungswert zeitweise um das 50-Fache. Auch die Konzentrationen der Ackergifte Prothioconazol, Imidacloprid und Cyproconazol erreichten bedenkliche Höhen. Bei Imidacloprid und Cyproconazol handelt es sich noch dazu um Stoffe, denen die EU wegen ihres Gefährdungspotenzials die Genehmigung entzogen hat.
Zwei der Substanzen – Prothioconazol und Imidacloprid – produziert der BAYER-Konzern am Standort Dormagen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass zumindest ein Teil der Giftfrachten daher stammt, zumal es zwischen Dormagen und Leverkusen einen lebhaften Müll-Tourismus – bzw. einen „wechselseitigen Entsorgungsverbund“ – gibt.
Nach Angaben der Bezirksregierung Köln stellt der Chem„park“-Betreiber CURRENTA zurzeit Recherchen über die Herkunft der Stoffe an. „Der Bereich, aus dem der Eintrag resultierte, konnte eingegrenzt, aber kein Verursacher ausgemacht werden“, erklärte die Behörde gegenüber dem WDR. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) ließ diese Aussage aufhorchen. „Das wirft Fragen auf. Nach der Explosion vom Juli 2021, die sieben Menschenleben kostete, hatte die CURRENTA nämlich zugesichert, künftig über alle im Entsorgungszentrum eingehenden Produktionsrückstände genau Buch zu führen, um eine Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Entweder hält sich das Unternehmen nicht daran oder aber es will einfach nur keine Namen nennen. Beides ist nicht zu akzeptieren“, hieß es in ihrer Presseerklärung. Zudem kritisierte die CBG die permanente Wasserverschmutzung durch BAYER & Co.: „Seit mehr als 150 Jahren benutzt die Chemie-Industrie den Rhein nun schon als das, was sie Anfang des 20. Jahrhunderts einmal „Opferstrecke“ genannt hat. Und die staatlichen Stellen haben dem offenbar wenig entgegenzusetzen.“
BUND-Anfrage an die Bezirksregierung
Der BUND NRW nahm seine Recherchen zu den in den Rhein eingeleiteten Giftfrachten (s. o.) zum Anlass, eine Anfrage an die Bezirksregierung Köln zu stellen. Unter anderem wollte die Initiative wissen, woher die per- und polyfluorierten Alkyl-Substanzen (PFAS) und die Pestizide stammen. Als Quellen für die PFAS nannte die Behörde in ihrer im September 2025 erfolgten Antwort das Sickerwasser der Deponie Leverkusen-Bürrig sowie die Firma MOMENTIVE. Zur Herkunft der Ackergifte Cyproconazol, Prothioconazol und Imidacloprid verweigerte sie hingegen die Auskunft und begründete das mit Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.
„Das Bekanntwerden der Information würde das Geschäftsmodell des Betreibers zum Erliegen bringen und somit einen irreversiblen wirtschaftlichen Schaden für diesen verursachen“, schreibt die Bezirksregierung. Sie sieht diese Position durch die Rechtslage gestützt und verweist dazu seitenlang auf entsprechende Urteile von Oberverwaltungs- und Bundesverwaltungsgerichten.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kritisierte diese Mauer-Taktik scharf. „Der Schutz von Unternehmen geht der Bezirksregierung offensichtlich über den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt“, hieß es in ihrer Pressemitteilung.
Aber nicht nur Geschäftsgeheimnisse stehen dem Aufklärungsinteresse entgegen. „Des Weiteren befinden wir uns zum Ursprung des Imidacloprids noch in der Ermittlungsphase“, erklärte die Bezirksregierung. Dass es da seit Juli so wenig Fortschritte gegeben haben soll, erscheint allerdings unglaubwürdig, denn wer die Substanz entwickelt hat, ist kein Geheimnis: Er war der BAYER-Konzern. Und außer ihm produziert in den Chem„parks“ von Dormagen und Leverkusen nur noch LANXESS Pestizide.
BAYERs grüner Ablasshandel
Einen Teil seiner Klimasünden meint der BAYER-Konzern durch „grünen Ablass-Handel“ (Der Spiegel) abbüßen zu können. Er unterstützt Waldschutz- oder Aufforstungsprojekte und schreibt deren positive Effekte seiner eigenen CO2-Bilanz gut. Allerdings halten die Klimaschutz-Maßnahmen oft nicht, was sie versprechen. So berichtete Die Zeit im Jahr 2023 über Fehlbuchungen des für deren Zertifizierung zuständigen Unternehmens VERRA in Höhe von 89 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Teils standen die Wälder nicht mehr, teils hatte die Firma, die auch den Leverkusener Multi zu ihren KundInnen zählte, die Zahlen ein bisschen aufgerundet.
Der Global Player versichert in seinem jüngsten Geschäftsbericht aber, „konkrete Kriterien“ für seine Betätigung auf diesem Gebiet festgelegt zu haben und auf hohe Standards zu achten. Trotzdem fand er noch genug Objekte. „Im Jahr 2024 haben wir im Rahmen unseres Engagements auf den freiwilligen Kohlenstoff-Märkten 0,71 Mio. t CO2-Äquivalente kompensiert“, hält der Agro-Riese fest. Vornehmlich Waldschutz- und Aufforstungsvorhaben in Brasilien, Indonesien, Kolumbien, Malawi, Sierra Leone und Uruguay zählt er dabei auf.
Einiges vermag das Unternehmen dabei auch auf dem eigenen Feld zu ernten. Durch das „BAYER Carbon Programm“ können LandwirtInnen CO2-Gutschriften generieren, wenn sie das im Boden gebundene Kohlendioxid nicht lösen und statt zum Pflug zu Glyphosat greifen. BAYER hat es nämlich allen Ernstes geschafft, das Herbizid als Klimaretter auf dem Markt zu positionieren, obwohl es wegen seines energie-intensiven Herstellungsprozesses für eine enorme Menge von Treibhaus-Gasen verantwortlich ist. 2024 erwarb die Aktien-Gesellschaft Verschmutzungsrechte für 100.000 Tonnen CO2 aus dem Carbon-Programm.
UNFÄLLE & KATASTROPHEN
Trafo-Brand in Dormagen
Am 12. Juli 2025 brach in einem Trafo-Gebäude des Dormagener Chem„parks“ der CURRENTA aus bisher ungeklärter Ursache ein Feuer aus. Das Unternehmen forderte die AnwohnerInnen des Kölner Stadtteils Worringen daraufhin auf, sich nicht im Freien aufzuhalten und in ihren Wohnungen Fenster und Türen zu schließen sowie die Klimaanlagen auszuschalten. Auch die Warn-App Nina sprang an.
Da das Feuer auf Teilen des Geländes einen Stromausfall verursachte, mussten viele Firmen die automatischen Sicherheitssysteme aktivieren und ihre Anlagen „einfrieren“. „Dadurch kann es zu einer Geruchswahrnehmung im Umfeld des Chem„park“-Geländes kommen“, warnte die CURRENTA.
Einen Tag später hieß es, der Luftmess-Wagen habe keine Auffälligkeiten festgestellt. Ob auch der BAYER-Konzern seine Produktionsstätte für Pestizide herunterfahren musste, wurde nicht bekannt.
Stoffaustritt in Wuppertal
Am 27. Juni 2025 kam es im Wuppertaler BAYER-Werk zu der Freisetzung eines Stoffes. Fünf Beschäftigte mussten „vorsorglich“ ins Krankenhaus. Wie immer in solchen Fällen wiegelte der Konzern ab: „Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für AnwohnerInnen und Anwohner sowie die Öffentlichkeit.“ Nähere Angaben zu der Substanz, die austrat, machte der Agro-Riese nicht. Zur Ursache des „Umweltereignisses“ äußerte er sich ebenfalls nicht.
Kabelbrand im Entsorgungszentrum
Auch nach der Explosion im Entsorgungszentrum des Leverkusener Chem„parks“ der CURRENTA am 27. Juli 2021, die sieben Menschen das Leben kostete und zu Dutzenden von Verletzten führte, ereignen sich dort immer wieder Störfälle. So ging im Mai 2024 ein Abfallbunker in Flammen auf, und am 15. September 2025 kam es durch einen technischen Defekt zu einem Kabelbrand.
Die Feuerwehr musste zu einem Großeinsatz ausrücken, aber das Unternehmen beschwichtigte sofort: Kein Grund zur Beunruhigung.
Der ganze Chem„park“ inklusive des Entsorgungszentrums gehörte einmal BAYER. In den 2000er Jahren begann jedoch der Rückzug auf Raten. 2019 schließlich verkaufte der Leverkusener Multi seine zu der Zeit noch 60-prozentige Beteiligung an der CURRENTA an den Investor MACQUARIE. Der Agro-Riese zählt mit seinen Produktionsrückständen aber immer noch zu den größten Kunden.
STANDORTE & PRODUKTION
BAYER kauft Heizkraftwerk
Der BAYER-Konzern hat am Standort Wuppertal 20 Wohnhäuser an der Friedrich-Ebert-Straße verkauft, und dafür das Areal des alten Heizkraftwerks der Stadtwerke erworben. „Wir konzen-trieren uns auf gewerblich nutzbare und betriebsnotwendige Immobilien. Wohnimmobilien können von anderen Akteuren besser gemanagt werden“, erklärte der Chemie-Multi zur Begründung.
Über den Preis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart, doch BAYER gibt sich zufrieden. Standort-Leiter Bert Lorenz freut sich: „Es ist eine strategisch wichtige Fläche für unseren Standort in Wuppertal.“ Der Pharma-Riese will das Gelände nun planieren und nur den Schornstein als eine Art Wahrzeichen verschonen. Über die weiteren Pläne hüllt er sich in Schweigen.
IMPERIUM & WELTMARKT
Neuer Vertrag für Anderson
Im Jahr 2023 trennte sich der BAYER-Konzern von seinem Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann. Er gab damit dem Druck der GroßaktionärInnen nach, die dem Manager nicht mehr zutrauten, den Fall „Glyphosat“ mit den weit über 100.000 Entschädigungsklagen zu den Akten legen und den Kurs der Aktie wieder nach oben bringen zu können.
Das gelang seinem Nachfolger Bill Anderson bisher allerdings auch nicht – trotz diverser von ihm eingeleiteter Maßnahmen. Dazu zählen vor allem ein Rationalisierungsprogramm mit der Vernichtung von bisher 12.000 Arbeitsplätzen und eine millionen-schwere Lobbykampagne in den USA für Gesetze, die Glyphosat einen Immunitätsstatus verleihen sollen. Damit nicht genug, brachen unter der Ägide Andersons auch noch die Gewinne der Agro-Sparte ein.
Trotz allem verlängerte der Aufsichtsrat mit Zustimmung der GewerkschaftsvertreterInnen den Vertrag mit dem US-Amerikaner im Juli diesen Jahres bis zum 31. März 2029. „BAYER ist mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Die Prioritäten sind klar formuliert, die Herausforderungen werden gezielt angegangen und es zeigen sich erste deutliche Erfolge, auch wenn noch viel zu tun ist“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Winkeljohann zur Begründung.
Bill Anderson fühlte sich dadurch in seiner Arbeit bestätigt. „Unser Team hat den richtigen Fokus, den richtigen Plan und die richtige Motivation, um das schlankeste, schnellste und innovativste Life-Science-Unternehmen zu werden (…) Ich freue mich, ein Teil von Team BAYER zu sein und bedanke mich bei den Mitgliedern des Aufsichtsrats – sowohl bei den Anteilseignern als auch den Arbeitnehmervertretern – für ihr Vertrauen“, sagte er.
Winkeljohann zur Weltlage
In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche hat sich BAYERs Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann zur allgemeinen Weltlage geäußert. Sie ist ihm zufolge bestimmt durch die Entwicklung weg von einer unipolaren, von den USA dominierten Ordnung hin zu einer multipolaren mit China als neuem Machtfaktor und der Rivalität zwischen den beiden Ländern. Auch Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika streben ihm zufolge nach mehr Einfluss. Das alles führt seiner Ansicht nach dann zu „einer zunehmend machtbasierten statt regelbasierten Handelsordnung“ sowie zu mehr Protektionismus und mehr Industrie-Politik in den einzelnen Staaten.
Das Ringen um die zunehmenden knapper werdenden Ressourcen und die unterschiedlichen Bevölkerungsdynamiken mit alternden Industrie-Nationen auf der einen Seite und geburtenstarken afrikanischen und asiatischen Ländern auf der anderen Seite verändern die Ausgangssituation für die Profit-Jagd ebenfalls, so Winkeljohann.
Als Reaktion darauf empfiehlt der Manager den „gezielten Aufbau geopolitischer Risikoanalyse“, die „Diversifizierung und Regionalisierung von Lieferketten“, die „Anpassung von Wachstumsstrategien an eine fragmentierte Welt“, „Investitionen in ressourcenschonende, nachhaltige Innovationen“ und „einen aktiven Dialog mit Regierungen in den relevanten Märkten“.
PROFIT & ÖKONOMIE
BAYER erwartet mehr Profit
Bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2025 hob der BAYER-Konzern die Prognose für das Gesamtjahr an. Ein Gewinn vor Sondereinflüssen von 9,7 bis 10,2 Milliarden Euro steht nun in Aussicht. Die wirtschaftliche Gesamtlage beurteilt das Unternehmen allerdings eher skeptisch. Ein „unterdurchschnittliches globales Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich“ erwartet er. „Etwas Erleichterung gibt es durch geringere als ursprünglich erwartete Zölle“, heißt es im Halbjahres-Finanzbericht: „Die zurzeit ermittelten Effekte haben keinen materiellen Einfluss auf unsere Jahresprognose.“ Der Global Player hatte hier vor allem mit höheren Abgaben auf die Einfuhr von Pharmazeutika in die USA gerechnet. Die Unsicherheiten in Bezug auf die globale Finanz- und Wirtschaftspolitik bleiben ihm zufolge jedoch hoch.
RECHT & UNBILLIG
Noch 61.000 Glyphosat-Klagen
Im Juni 2025 hat BAYER in Sachen „Glyphosat“ einen Vergleich mit einer Kanzlei vereinbart, die 17.000 Geschädigte vertritt. Über die finanziellen Details der Vereinbarung schwieg der Konzern sich aus. Die Zahl der noch anhängigen Klagen beläuft sich nun auf 61.000.
Supreme Court: zweiter Anlauf
Die Verurteilungen zu Schadensersatz-Zahlungen in den meisten bisherigen Glyphosat-Prozessen erfolgten, weil BAYER es nach Meinung der RichterInnen versäumte, ausreichend vor den Risiken und Nebenwirkungen des Herbizids zu warnen. Als Rechtsgrundlage dafür dienten entsprechende gesetzliche Bestimmungen der Bundesstaaten. Die VerteidigerInnen des Konzerns führten zur Entlastung regelmäßig die US-amerikanische Umweltbehörde EPA an, die das Pestizid nicht als krebserregend einstuft; sie konnten sich damit allerdings nicht durchsetzen. Darum unternimmt der Leverkusener Multi jetzt den zweiten Anlauf, um diese Frage von dem Obersten Gerichtshof der USA klären zu lassen.
Der erste Anlauf scheiterte im Jahr 2022. Der Supreme Court hatte die vom damaligen Präsidenten Joe Biden eingesetzte Generalanwältin Elizabeth Prelogar – die „Solicitor General of the United States“ – um Rat gebeten. Und Prelogar empfahl dem Gericht, sich nicht mit der Sache zu befassen. Ihrer Ansicht nach steht es den einzelnen Bundesstaaten frei, spezielle Vorschriften zu erlassen, wenn diese dem US-amerikanischen Pestizid-Gesetz FIFRA nicht explizit widersprechen. Eine absolute Kongruenz verlange der Gesetzgeber nicht, so Prelogar, daher dürften die Bundesstaaten auch dann Warnhinweise anordnen, wenn die EPA solche nicht für nötig halte. „Die Genehmigung der EPA für eine Kennzeichnung, die nicht vor bestimmten chronischen Risiken warnt, bedeutet nicht, dass eine amtliche Anordnung, die solche Warnungen vorsieht, außer Kraft gesetzt wird“, hielt die Juristin fest.
Ende Juni 2025 nun hat der Supreme Court Prelogars Nachfolger, den von Donald Trump nominierten Dean John Sauer, zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Wir sehen das als ermutigenden Schritt und freuen uns darauf, die Position der Regierung zu erfahren“, frohlockte BAYER-Chef Bill Anderson. Er hofft offenbar, dass sich die Pflege der republikanischen Landschaft – der Leverkusener Multi unterstützte Trump & Co. im Wahlkampf mit 122.000 Dollar – auszahlt. BeobachterInnen rechnen spätestens bis zum Winter mit einer Entscheidung von Sauer.
BAYERs Gesetzes-Maschine
Mit enormen Lobby-Aufwand versucht BAYER in den USA, Glyphosat per Gesetz Immunität zu verschaffen. In den Bundesstaaten Georgia und North Dakota ist das ist dem Konzern schon gelungen. Nun schaffte er es auch, in dem Entwurf des neuen Haushaltsgesetzes der Trump-Administration einen entsprechenden Passus unterzubringen. Im Juli 2025 scheiterte eine Gruppe von Abgeordneten um die Demokraten-Politikerin Chellie Pingree mit dem Versuch, den Paragrafen wieder streichen zu lassen. Appelle wie „Lasst uns diesen Zusatz in Stücke reißen! Lasst uns eine klare Botschaft senden, dass wir nicht zulassen werden, dass umweltverschmutzende Unternehmen die Wahrheit über krebserregende Chemikalien verbergen, und dass wir immer für die öffentliche Gesundheit kämpfen werden statt für den Reichtum von Unternehmen!“ konnten nichts ausrichten. Verteidiger-Innen der Lex BAYER wie der Republikaner Mike Simpson, der im Jahr 2024 mit 7.500 Dollar auf der Payroll des Leverkusener Multis stand, setzten sich schließlich durch. Die Abstimmung über das Haushaltsgesetz erfolgt nach der Sommerpause des Kongresses.
Glyphosat vor Gericht
28 Schadensersatz-Prozesse in Sachen „Glyphosat“ fanden in den letzten Monaten statt. Davon gingen 14 zugunsten von BAYER aus, in elf Fällen unterlag der Konzern und musste Kompensationszahlungen an die Geschädigten leisten. Zwei Verfahren endeten ergebnislos, und einmal wurde die Klage zurückgezogen.
Zahlreiche weitere juristische Auseinandersetzungen zu den Risiken und Nebenwirkungen von Glyphosat laufen noch. Unbill droht dem Agro-Riesen vor allem im Fall „Anderson et al.“. Hier bestätigte ein Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil, das Zahlungen in Höhe von insgesamt 611 Millionen Dollar vorsah.
„Diese Urteil sprach einem einzelnen Klagenden eine Summe von ca. 380 Mio. USD zu. Dieser Betrag übersteigt die einem einzelnen Klagenden im gesamten Verfahrenskomplex Glyphosat zugesprochene Summe bei Weitem“, klagt der Leverkusener Multi. Deshalb ficht er diese Entscheidung an. Der Pharma-Riese musste aber trotzdem schon einmal Vorsorge treffen und seine Glyphosat-Rückstellungen um 1,2 Milliarden Euro erhöhen.
Glyphosat-Prozess in Frankreich
Théo Grataloup kam 2008 mit schweren Fehlbildungen zur Welt. So war etwa seine Speiseröhre mit der Luftröhre verwachsen. Auch der Kehlkopf wies Deformationen auf; Stimmbänder fehlten ganz. Bis heute musste er über 50 Operationen über sich ergehen lassen. Seine Eltern machten dafür Glyphosat verantwortlich, das die als Reitlehrerin arbeitende Sabine Grataloup regelmäßig auf ihrer Anlage ausgebracht hatte, und reichten im Jahr 2018 Klage gegen die Bayer-Tochter Monsanto ein. Am 31. Juli 2025 erging das Urteil. Das „tribunal judiciaire de Vienne“ entschied im Sinne BAYER und erklärte die Haftungsansprüche der Familie Grataloup „für unzulässig“.
„Das ist natürlich eine Enttäuschung“, erklärten Sabine und Thomas Grataloup nach der Urteilsverkündung. Nicht zuletzt, weil der französische „Entschädigungsfonds für die Opfer von Pestiziden“ die Anomalien Théos eindeutig auf das Mittel zurückgeführt hatte und ihm eine finanzielle Unterstützung gewährte, waren sie zuversichtlich gewesen.
Der Leverkusener Multi reagierte erwartungsgemäß erleichtert. Nachdem der Agro-Riese zunächst pflichtschuldig „sein ganzes Mitgefühl für die Familie Grataloup zum Ausdruck“ gebracht hatte, spulte er wieder routiniert das übliche Glyphosat-Programm ab. Demnach „gibt es zu Glyphosat einen wissenschaftlichen Konsens, der von den europäischen und französischen Gesundheitsbehörden bestätigt wurde. Es ist insbesondere nicht als teratogener Stoff eingestuft, d. h. als Stoff, der angeborene Fehlbildungen verursachen kann, und auch nicht als reproduktions- oder entwicklungsgefährdend“.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) ließ das nicht gelten. „Zahlreiche Studien belegen die frucht-schädigende Wirkung von Glyphosat. Dies hätten die Richter nicht ignorieren dürfen. Aber offenbar trauen sich nur US-amerikanische Gerichte, Urteile gegen Agro-Riesen wie BAYER zu fällen“, hieß es in ihrer Presseerklärung.
Auch die Grataloups gingen in ihrer Erklärung zum Spruch des „tribunal judiciaire de Vienne“ auf diese transatlantischen Unterschiede ein. Zudem klagten sie über den immensen Aufwand, den sie betreiben mussten, um den Nachweis der Vergiftung zu führen. „Es ist dringend notwendig, dass der Gesetzgeber Pestizid-Opfer mit Gesetzen schützt, die diese Beweis-Schwierigkeiten und die Strategien der großen Chemiekonzerne zur Verwässerung ihrer Verantwortung berücksichtigen“, forderten sie deshalb.
Entmutigen lässt sich die Familie jedoch nicht. Sie hat viel Unterstützung erfahren und fühlt sich vor allem durch den großen Widerstand gegen das Gesetz Duplomb (s. u.) gestärkt, das unter anderem den Gebrauch zweier bisher verbotener Pestizide wieder erleichtern will. Über zwei Millionen Franzosen haben bisher eine Petition gegen dieses Paragrafen-Werk unterzeichnet. „Wir waren allein, David gegen Goliath, jetzt sind wir Millionen“, hielten Sabine und Thomas Grataloup fest und kündigten an, in Berufung zu gehen.
Frankreich: Loi Duplomb gekippt
Zahlreiche Länder wie z. B. die USA, Brasilien, Deutschland und Frankreich lockern auf Druck von BAYER & Co. ihre Umwelt-Bestimmungen. So brachte Emmanuel Macron im Juli 2025 das „Loi Duplomb“ durch, wobei er sich zahlreicher Verfahrenstricks bediente und eine Parlamentsaussprache umging. Unter anderem lockert das Paragrafen-Werk das nationale Verbot für die Pestizid-Wirkstoffe Acetamiprid und Flupyradifuron, die sich beide auch im BAYER-Sortiment befinden. Zudem schwächt das Gesetz die Tierschutz-Auflagen ab und priorisiert die Bauern und Bäuer-innen beim Zugriff auf die immer knapper werdende Ressource Wasser.
Allerdings erhebt sich ein großer Protest gegen das Paragrafen-Werk. Eine Petition gegen das „Loi Duplomb“ unterschrieben bis Ende Juli 2025 mehr als zwei Millionen Menschen. Und vor dem Verfassungsgericht hatte es auch keinen Bestand. Nach Ansicht der RichterInnen verstößt das Gesetz gegen die französische Umweltcharta. Macron & Co. müssen sich nun an eine Überarbeitung machen.
Einigung in Sachen „PCB“
Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zu den giftigsten Hervorbringungen der Chlorchemie. Die vor allem von BAYER und MONSANTO in Umlauf gebrachten gefährlichen „Alleskönner“ kamen bis zu ihrem vollständigen Verbot 1989 in Elektrogeräten, Fugendichtungsmassen, Farben, Ölen, Lacken und Bodenbelägen zum Einsatz – und stellen wegen ihrer chemischen Stabilität immer noch ein beträchtliches Gesundheits- und Umweltrisiko dar. Darum ist der Konzern mit einer Vielzahl von Schadensersatz-Ansprüchen konfrontiert. Allein LehrerInnen, SchülerInnen und Angestellte des „Sky Valley Education Centers“ im US-amerikanischen Monroe reichten rund 200 Klagen ein. Bisherige juristische Auseinandersetzungen im „Sky Valley“-Komplex, die mit Schuldsprüchen endeten, kosteten den Leverkusener Multi bereits über eine Milliarde Dollar. Deshalb beschloss er, eine Vergleichslösung anzustreben. Eine Grundsatz-Vereinbarung mit den AnwältInnen der KlägerInnen erreichte er im August 2025. Über die finanziellen Einzelheiten machte der Global Player keine Angaben. Ausgenommen von dem Deal sind neun noch schwebende Verfahren.
Staatspflicht Klimaschutz #1
Ende Juli 2025 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag ein Rechtsgutachten zum Klimaschutz. Demnach leitet sich aus den Vertragswerken wie dem Kyoto-Protokoll, der UN-Klimarahmenkonvention und dem Pariser Abkommen für die Unterzeichner-Staaten eine „rechtlich bindende“ Sorgfaltspflicht ab, alles für das Erreichen der vereinbarten Ziele wie der Begrenzung des Temperatur-Anstiegs auf 1,5 Grad zu tun. Andernfalls seien „Entschädigungen zu leisten“, so die RichterInnen.
Angerufen hatte den Internationalen Gerichtshof Vanuatu, ein in besonderem Maß vom Klimawandel betroffener Inselstaat im Südpazifik. Entsprechend groß war dort die Freude über das Gutachten. „Die großen Umweltverschmutzer können nicht weiterhin ungestraft handeln und Entwicklungsländer als Opferzonen behandeln, um die Gier der Unternehmen zu befriedigen“, konstatierte Vanuatus Umweltminister Ralph Regenvanu.
GREENPEACE leitete aus dem 133 Seiten starken Dokument einen unmittelbaren Handlungsauftrag an die Politik ab. „Alle klima-relevanten Entscheidungen – von den geplanten Gas-Bohrungen vor Borkum und in Reichling über das europäische Aus für neue Verbrenner bis zum EU-Klimaziel für die Zeit bis und nach 2035 – all das muss nach dem heutigen Tag neu bewertet werden. Den Haag hat das Ende der fossilen Energien eingeläutet“, hielt der geschäftsführende Vorstand Martin Kaiser fest.
Staatspflicht Klimaschutz #2
Anfang Juli 2025 hat der „Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte“ (IACHR) ein 234-seitiges Gutachten zu „Klimanotstand und Menschenrechten“ veröffentlicht. Nach Einschätzung des IACHR gehört der Anspruch auf ein intaktes Klima zu den Menschenrechten. Als besonders schutzwürdig betrachtete er dabei indigene Gemeinschaften, die in einer engen Beziehung zu den durch den Klimawandel gefährdeten Ökosystemen stehen.
Daher sieht der Gerichtshof die Staaten in der Pflicht, in dieser Hinsicht Druck auf BAYER & Co. auszuüben. Dem Gericht zufolge müssen die Länder „alle Unternehmen, die in ihrem Hoheitsgebiet ansässig sind oder tätig sind, dazu auffordern, wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Menschenrechte zu ergreifen“. Dazu gilt es dem Gericht zufolge Gesetze zu erlassen, Berichtspflichten einzuführen sowie „Greenwashing und den unzulässigen Einfluss von Unternehmen auf die Politik und Regulierung in diesem Bereich zu unterbinden“.
„[E]inen Meilenstein im Kampf für globale Klimagerechtigkeit“ nannte AMNESTY INTERNATIONAL das Gutachten, da es „transnationale Standards, die die Gerichtsbarkeit auf der ganzen Welt prägen könnten“, setze. Das Abweisen einer solchen Klima-Klage, wie sie jüngst der peruanische Bauer und Bergführer Saúl Luciano Lliuya gegen RWE führte, dürfte sich in Zukunft also hoffentlich etwas schwieriger gestalten.
Südafrika: Urteil gegen Genmais
Das oberste Berufungsgericht Südafrikas hat die Zulassung für BAYERs Genmais MON87460 widerrufen und eine Neubewertung der angeblich dürre-resistenten Laborfrucht erzwungen. Es gab damit einer Klage des AFRIKANISCHEN ZENTRUMS FÜR BIOLOGISCHE VIELFALT (ACB) statt. Die Initiative hatte schwerwiegende Mängel im Genehmigungsverfahren geltend gemacht. Ihrer Ansicht nach reichten die von BAYERs jetziger Tochtergesellschaft MONSANTO vorgelegten Dokumente nicht aus, um Gefahren für Mensch und Umwelt auszuschließen. Zuvor hatte das ACB den zuständigen Stellen vorgeworfen, Hinweise auf das Gefährdungspotenzial von MON87460 ignoriert zu haben. „Dieses Urteil hat uns Recht gegeben und die langen Jahre des Kampfes sehr lohnend gemacht“, freute sich ACB-Direktorin Mariam Meyet über die Entscheidung.
SPORT & MEDAILLEN
Einträgliche Verkäufe
Die Fußball-Abteilung des BAYER-Konzerns sorgte für eine Aufhellung seiner Halbjahres-Bilanz. Sie veranlasste den Leverkusener Multi sogar dazu, noch vor Bekanntgabe der Zahlen eine so genannte Ad-hoc-Mitteilung herauszugeben. Eine solche ist immer angezeigt, wenn es den InvestorInnen etwas besonders Positives oder Negatives zu vermelden gilt. In den Augen des Agro-Riesen war es dieses Mal etwas Positives. Er hob die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an und nannte als Grund dafür „höhere Transfer-Einnahmen der BAYER 04 Leverkusen Fußball GmbH“. Nicht weniger als 160 Millionen Euro strich der Global Player durch die Verkäufe von Florian Wirtz und Jeremie Frimpong ein. BLACKROCK & Co. goutierten diesen Sondereffekt allerdings überhaupt nicht. „Der Konzern erwähnte nicht, dass ein erheblicher Teil des verbesserten Ergebnisses auf Transfer-Einnahmen von BAYER Leverkusen beruhte. Das suggerierte Investoren eine bessere Geschäftsentwicklung, die so in diesem Ausmaß nicht stattgefunden hat“, echauffierte sich etwa Markus Manns von UNION INVESTMENT.