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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000

[Rede] Widerstand ist möglich

CBG Redaktion

Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen,

Danke, dass ihr alle gekommen seid. Auch wenn diese herbstliche Frische nicht gerade dazu einlädt, sich hier den ganzen Tag rumzuschlagen, hoffe ich, dass ihr trotzdem Spass daran habt hier zu sein um euch dafür einzusetzen, wie unsere Umwelt gestaltet wird und vor allem wer dies tut. Es tut sehr gut, zu sehen, dass doch noch einige daran Interesse haben, wie die Menschheit langsam aber sicher in das Netz der Riesenkonzerne eingespannt wird. Und ich bin zuversichtlich, dass wir ein Teil des grossen Gegengewichts dazu sind, das
noch etwas daran ändern kann. In der Menschheitsgeschichte hat es sich erwiesen, dass jede Revolution und jedes fortschrittliche Ereignis genau aus solchen Zusammenschlüssen entsteht, wie wir ihn heute hier haben.
Also erst mal ein Lob an uns.

Zunächst möchte ich meinen Fokus, zwei ganz bestimmten Personen und ihren Aussagen widmen: nämlich Werner Baumann und Hugh Grant, den beiden Vorsitzenden von Bayer und Monsanto. Auf der Homepage von Bayer könnt ihr euch alle das Propagandavideo für die Fusion der beiden Global Players anschauen. Leider
konnten wir dieses Video nicht heute projezieren, daher werde ich einfach ein paar Stellen, auch zur generellen Belustigung zitieren. Ich sage mit Absicht Propaganda, da diese beiden Männer uns hier ernsthaft weismachen wollen, dass ihr Hauptinteresse darin besteht, ich zitiere, gemeinsam mit aller Kraft eine der grössten Herausforderungen der Gesellschaft zu bewältigen, nämlich eine stark wachsende Bevölkerung auf ökologisch nachhaltige Weise, zu ernähren. Kleiner Einschub hier: Es werden zur Zeit für 12 Milliarden Menschen Lebensmittel produziert und es hungern trotzdem noch 1 Milliarde Menschen, von daher werden wir hier auch ganz gut ohne Bayers und Monsantos gutgemeinte Unterstützung fertig. Weiterhin das Zitat: Was wir tun, ist gut für unsere Kunden. Wir helfen, genügend sichere, gesunde und erschwingliche Lebensmittel zu
produzieren. Puh, mit so viel Güte und Aufopferung muss man ja erst mal irgendwie zurechtkommen. Doch das passt irgendwie nicht in das Bild dieser beiden Konzerne die auf der einen Seite bewiesenermassen die Artenvielfalt auf diesem Planeten bedrohen und auf der anderen Seite Kleinbauern abhängig von ihrem Saatgut machen und in vielen Fällen ins Verderbnis mit Klagen schicken, um nur zwei von Bayer und Monsantos Gräueltaten zu nennen.
Als ich das erste Mal von der geplanten Fusion der beiden hinterlistigsten Konzerne heutzutage gehört habe, kam ich mir ziemlich machtlos vor. Ich wusste, dass ich das nicht auf meinem Gewissen ruhen lassen konnte, nichts dagegen zu unternehmen, doch was tun, wenn man sich wie ein winziger David vor einem riesigen Goliath fühlt und dieser Goliath einem auch noch zu verstehen gibt, dass der Kampf schon verloren ist. Doch nach und nach kam ich zur Ruhe und fing an mich langsamer mit dem Thema auseinander setzen. Und da stiess ich auf die Homepage der Koordination gegen Bayer Gefahren, unter anderen Grossartigen Projekten, die mir das Gefühl genommen haben alleine und machtlos zu sein.
Im Namen der Koordination gegen Bayer Gefahren, die seit dreissig Jahren harte Arbeit leistet, um unseren Goliath zu schwächen, möchte ich euch allen versichern, dass noch nichts beschlossen ist. Es war und ist ein unfairer Kampf, doch diese Organisation hat mit unzähligen Kampagnen und Demonstrationen grossartige Arbeit geleistet. Und so stehen wir auch heute mit Konsum rEvolution Berlin hier, um unseren Goliath zu bekämpfen.

Es geht diesen machtbesessenen Leuten an der Spitze der beiden Konzerne ganz klar darum, Monopole aufzubauen. Ihr habt euch bestimmt schon gefragt, warum sich Bayer einen so umstrittenen Konzern wie Monsanto aneignen sollte. Na ganz einfach: die beiden Agrarkonkurrenten Syngenta-ChemChina und DOwDuPont werden somit aus dem Spiel verdrängt und diese Fusion würde mit Abstand die Nummer eins
sein, die unsere Lebensmittel und auch unsere Medikamente kontrolliert. Hugh Grant sagt es ja selber; mit Bayers Ernteschutz und Monsantos Saatgut wollen sie die führende Agrarmacht schlechthin werden. Auf unserer Sprache übersetzt heisst das: mit ihren chemisch unschlagbarem Agrargut und ihrem extrem
schädlichen Pestiziden wollen sie einen Grossteil des Marktes in dieser Hinsicht kontrollieren.

In Ghandis Swadeshi Philosophie wird uns schon seit langer Zeit klar gemacht, dass wir die Produktion unserer Kleidung und unserer Lebensmittel wieder zurückfahren müssen und anfangen sollten sie wieder auf regionaler Basis zu produzieren. Der Konsumismus in Deutschland und auch europaweit artet zur modernen Sklaverei aus und um unsere Abhängigkeit von solchen Riesen, wie den Produzenten unserer Lebensmittel zu verringern, müssen wir ihr ständiges Wachstum und ihre Machtgier stoppen. Wir sollten nicht auf Massenproduktion setzen und vor allem sollten wir unsere Ernährung nicht von einem Konzern abhängig machen, der eher davon profitiert, dass wir öfter krank werden (auch durch moderne ernährungsbedingte Krankheiten, und zufälligerweise dann ihre Medikamente kaufen).

Und nun komme ich zum eigentlichen Punkt, wegen dem ich hier stehe. In dem Video, dass ich vorhin zitierte, erscheint am Anfang für genau 3 Sekunden eine Vorwarnung auf sehr technischem Englisch. Ja, das typische Kleingedruckte, das man auch nicht ganz lesen kann, da sich der Playbutton genau in der Mitte befindet, wenn man es auf Pause drücken will. Hauptaussage dieses Kleingedruckten ist, dass, entgegen dem, was man uns weismachen will, diese Fusion noch nicht genehmigt und die Transaktion noch nicht gelaufen ist. Klartext: Wir können noch handeln!

Es hat mich anfangs etwa eine halbe Stunde gekostet, was ja in unserer technologischen Zeit schon sehr viel ist, um im Internet herauszufinden, dass der Abschluss der Transaktion erst gegen Ende 2017 stattfinden soll.
Viele Leute mit denen ich geredet habe, schienen die Motivation verloren zu haben, da sie dachten, dass sich hier nichts mehr ändern lässt, doch genau das ist die Lüge die aufgedeckt werden muss.

Ein Konzern ist wie ein Sandsturm, der die Landschaft verwüstet, über der er hinwegzieht. Er ist nicht greifbar
oder beschimpfter, wie eine einzelne Person. Deswegen müssen wir genau seine Schwachstellen und die Angriffspunkte bestimmen, an denen wir ansetzen können. Es besteht ganz klar die Hoffnung eines Scheiterns und was wir jetzt tun müssen sind genau 3 Dinge: 1. Druck auf die zuständigen Kartellbehörden ausüben. 2.
Druck auf die Aktionäre und Mitbesitzer von Bayer und Monsanto ausüben. und 3. Diese Informationen weiter verbreiten.
Zum ersten Punkt: Es müssen tatsächlich noch rund 30 Kartellbehörden der Fusion zustimmen. Natürlich richten diese sich grösstenteils nach dem Urteil der europäischen und der USamerikanischen Behörde. In der Europäischen Kommission sind vor allem Her Johannes Laitenberger, Generalsekretär und Frau Margrethe
Vestsager, die Wettbewerbskommissarin für diese Entscheidung mitverantwortlich. Ein Appell somit an Frau Vestsager: meines Wissens nach sollte ein Kartellamt mit Hinblick auf das allgemeine Wohl entscheiden, ob eine Fusion zwischen zwei Konzernen zur Monopolisierung und zum Nachteil der Konsumenten führen
könnte.
mm, dieser Megakonzern würde zusammen ein gesamtes Umsatzvolumen von 47,1 Milliarden Dollar machen,nur zum Vergleich das 5 1/2 fache des BIP von Haiti und damit mit Abstand den Markt führen. Diese Entscheidung könnte ein Drittklässler treffen. Sehr wichtig ist weiterhin die Entscheidung der Aktionäre von Bayer und Monsanto. Es gibt ein Projekt in den USA, das derzeit versucht die Macht der Konzerne einzuschränken. Es dreht sich hierbei um SumOfUs; dieses Projekt sammelt derzeit Unterschriften aller Personen, die Anteile von Bayer und Monsanto besitzen, um den Deal zu stoppen. Derzeit haben sie schon fast 540 000 Unterschriften, und es fehlen nur noch rund 212 000,
um die Fusion wahrhaftig zu stoppen.

Letztendlich will ich euch noch dazu einladen weiter mit der Koordination gegen Bayer Gefahren und Konsum rEvolution zu protestieren. Wir werden hier in Berlin in allernächster Zukunft Unterschriften gegen die Fusion sammeln und Infostände organisieren, um die Leute über dieses bevorstehende und vermeidbare Unglück zu
informieren. So können wir mehr Druck auf die zuständigen Leute ausüben, damit sie endlich das tun, wofür wir sie indirekt bezahlen, nämlich im Interesse aller Menschen und der Umwelt zu handeln.

Denkt immer daran, ihr seid nicht alleine und es ist noch Zeit zu handeln, um uns als starker David zu beweisen.

Vielen Dank!

[FotosBerBerl] Stop BAYER and MONSANTO!

CBG Redaktion

Demo Bayer-Monsanto Berlin

Am 16. Oktober 2016 tanzte in Berlin eine Gruppe fröhlicher und sehr motivierter Menschen durch die Strassen, um gegen den bevorstehenden Zusammenschluss der beiden Global Players Bayer und Monsanto zu protestieren. Die Menschen an den Strassenrändern staunten nicht schlecht, als das bunt dekorierte Auto mit lauter Musik, gefolgt von den Plakate schwenkenden Protestierenden, an ihnen vorbeifuhr.

Am Neptunbrunnen, Ausgangspunkt der Demo, gab es ebenfalls exotische Musik von einem Schlagzeugduo, sowie zwei informative Reden, die über die Machenschaften der beiden Multis berichteten. Die Gefahr eines Monopols und weitere Kontrolle durch diese Giganten wurde ebenfalls hervorgehoben. Doch besonders wichtig war es, die Lüge der Konzerne aufzudecken, dass schon alles beschlossen sei. Stattdessen wurde über die bevorstehende Entscheidung der diversen Kartellämter und das Vetorecht der Aktionäre geredet, da diese beiden Faktoren noch dazu führen könnten, dass der Deal verhindert wird.
Dann setzte sich der hübsch dekorierte Wagen in Bewegung und immer mehr Leute schlossen sich ihm an. Nicht zuletzt dank der Musik, die der Demo viel Leben gab. Der Kommentator im Wagen machte sich bei allen beliebt, indem er ständig lustige Bemerkungen zu den Passanten machte, Bsp.: `Ich hoffe doch, dass in ihrem Döner dort keine Gentechnik drin ist! Schliessen sie sich unserer Demo an und verhindern sie dies ein für alle mal!´

Leider wurde die Demo erst zwei Wochen zuvor angekündigt und so nahmen nicht allzu viele an ihr Teil, doch in der Schlussrede wurden zukünftige Infostände angekündigt und jeder zur Teilnahme an weiteren Protestaktionen eingeladen. Mindestens eine weitere Demo ist für März nächsten Jahres in Berlin geplant. Trotzdem war die Stimmung an diesem Tag sehr ausgelassen und man fühlte sich stark und gut gerüstet gegenüber den beiden Riesen Bayer und Monsanto.

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[DemoBerlin] Vorbildlich und kämpferisch

CBG Redaktion

Zeitgleich zum MONSANTO-Tribunal in Den Haag fand mit Unterstützung der CBG in Berlin am 15. Oktober 2016 eine Demonstration statt, die kämpferisch und solidarisch, mit Musik, Charme und starken Inhalten Passanten über die Gefahren der BAYER/MONSANTO-Fusion informierte.
Die überwiegend jungen Teilnehmer bewiesen, dass es selbst im Angesicht der Fusion zweier scheinbar übermächtiger Gegner möglich ist eigenständige Proteste zu organisieren und so den Keim für Perspektiven zu schaffen.

Ein großes „Respekt“ und ein herzliches „weiter so“ an die Organisatoren von Konsum rEvolution sowie alle UnterstützerInnen und TeilnehmerInnen. Wir hoffen sehr und arbeiten fleißig daran, dass sich solche Beispiele verbreiten!

Hier der Bericht und Fotos, sowie die Rede der CBG von der Aktion.

BAYER und MONSANTO stoppen!

[Westpol] Die geheime Gefahr

CBG Redaktion

Die geheime Gefahr beim Neubau der Leverkusener Brücke

Von Daniela Becker

Die Leverkusener Autobahnbrücke ist schon lange marode und muss ersetzt werden. Doch für den Neubau soll eine alte Giftmülldeponie geöffnet werden. Interne Dokumente zeigen: Es gibt ungeprüfte Risiken und dubiose Vorgänge bei der Bauplanung.

Das Sprechen fällt Bernward Prinz schwer – eine Krebserkrankung hat die Stimme des ehemaligen Lehrers in Mitleidenschaft gezogen. Es sei „ein Hohn“, sagt er empört, was der Bund da plane: Die neue Autobahnbrücke bei Leverkusen soll mitten durch die Giftmülldeponie hindurch gebaut werden, die ihn krank gemacht hat. Davon ist er jedenfalls überzeugt - auch wenn Gerichte das nie anerkannt haben.

Eigentlich sollte dieser unheilvolle Ort bis in alle Ewigkeiten nicht mehr angerührt werden, dachte Prinz. Nur knapp unter der Erde lagern dort krebserregende Stoffe wie PCB, Dioxine und Schwermetalle. Allein an seiner Schule erkrankten damals innerhalb weniger Jahre 21 Menschen an Krebs: Schüler, Lehrer, der Hausmeister, die Putzfrau.

Wohnsiedlung musste wegen Giftkontamination abgerissen werden

Jahrzehntelang hatten die benachbarten Chemiewerke der Bayer AG und die Stadt Leverkusen das Gelände der „Dhünnaue“ als Giftmülldeponie genutzt. Später entstanden auf Teilen des Geländes Wohnungen und ebenjene Schule. Erst, als in den 1980er Jahren auffällig viele Kinder in der Siedlung an Bronchitis erkrankten, kam heraus, auf welcher tickenden Zeitbombe die Menschen hier lebten. Bodengutachten ergaben eine extrem hohe Giftstoffbelastung, auch im Trinkwasser. Die Stadt sperrte den Spielplatz, Anwohner durften ihre Gärten und andere Freiflächen nicht mehr betreten. 1988 wurde die Siedlung abgerissen.

Straßen NRW will Deponie wieder öffnen: „Kalkulierbares Risiko“

Doch nun will der Landesbetrieb „Straßenbau NRW“ genau hier für 740 Millionen Euro eine neue Autobahnbrücke bauen. Dafür muss die ehemalige Giftmülldeponie wieder aufgerissen werden. Was für Umweltschützer eine Hiobsbotschaft ist, nennt „Straßen.NRW“ ein „kalkulierbares Risiko“: Probebohrungen auf dem Gelände der Dhünnaue hätten ergeben, dass keine Substanzen zu finden waren, „die nicht bereits aus älteren Untersuchungen bekannt waren“. Auch die Schadstoffkonzentration bewege sich „in bekannten Größenordnungen“.

Größenordnungen, die Helmut Meuser, Professor für Bodensanierung an der Uni Osnabrück, nur schaudern lassen: „Ich würde sagen, das ist schon ein extremer Fall von Kontamination. Wenn es eben geht, würde ich die Deponie, die ja gesichert ist, nicht öffnen.“ Die meisten der festgestellten Schadstoffe seien nachgewiesenermaßen krebserregend. So wurden bei Probebohrungen etwa hohe Mengen an Chrom VI gefunden. Wenn an diesen Stellen gebaggert würde, könnte das nicht nur für die beteiligten Bauarbeiter gefährlich werden. Durch ein Öffnen der Deponie könnten giftige Gase in großen Wolken austreten, die der Wind dann auch weit forttragen würde, sagt der Wissenschaftler.

Man habe sämtliche möglichen Bauvarianten für die Brücke vorab untersucht, sagt dagegen Projektleiter Thomas Raithel von „Straßen.NRW“. Dabei habe man festgestellt, dass bei der jetzt gewählten Lösung „die geringsten Eingriffe in die Altablagerung“ vorgenommen würden.

Interne Dokumente: Risiken „nicht mit letzter Akribie geprüft“

Doch die Risiken des Brückenneubaus durch die alte Giftmülldeponie sind offenbar gar nicht voll umfassend geprüft worden. Das geht aus einer internen Stellungnahme der Stadt Leverkusen vom Januar 2016 hervor, die WESTPOL vorliegt. Darin kritisiert das städtische Planungsamt, dass „aufgrund der immensen Dringlichkeit des Vorhabens“ verschiedene Untersuchungen und Planüberlegungen „nicht mit letzter Akribie konzeptioniert und geprüft“ worden seien.

Bayer und Straßen NRW: Bund haftet für Schäden

Besonders zufrieden mit dieser Variante dürfte aber die Bayer AG selbst sein: Um die Brücke auf der Giftmülldeponie bauen zu können, wird schon jetzt in großem Umfang der Steuerzahler haften: „Die Haftung für Schäden, die durch die Baumaßnahmen verursacht werden, trägt die Bundesrepublik Deutschland“, erklärt Bayer schriftlich auf WESTPOL-Anfrage. Und auch Projektleiter Raithel von „Straßen.NRW“ bestätigt: Im Auftrag des Bundes werde „Straßen.NRW“ die Flächen, auf denen der Brückenbau stehen soll, kaufen oder gegen andere tauschen. Noch habe man allerdings keine Grundstücke erworben – schließlich läuft derzeit ohnehin erst noch die Genehmigung der neuen Brücke.

[PM EDC ] Erlaubt die EU weiterhin hormonelle Schadstoffe in Pestiziden und Bioziden?

CBG Redaktion

Pressemitteilung
München, 27.9.2016

Erlaubt die EU weiterhin hormonelle Schadstoffe in Pestiziden und Bioziden?
Abstimmung in Brüssel verschoben – Umwelt-und Gesundheitsorganisationen fordern klare Position der deutschen Regierung zum Schutz von Mensch und Umwelt

Im Juni dieses Jahres legte die EU Kommission einen Vorschlag für Kriterien zur Identifizierung von Hormongiften (Endocrine Disrupting Chemicals, EDCs) vor. Diesen Kriterien sollten Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten in der letzten Sitzung der Fachausschüsse für Pestizide und Biozide zustimmen. Nun musste die Abstimmung verschoben werden, da die umstrittenen Vorschläge auf teils heftige Kritik stoßen. Länder wie Frankreich, Schweden und Dänemark fordern erhebliche Nachbesserungen bei den Vorschlägen der Kommission zum Schutz von Verbrauchern und Umwelt und ziehen im Ernstfall auch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Betracht.

Die Organisationen WECF, PAN Germany, BUND, Umweltinstitut München, CBG, SumOfUs und HEJSupport begrüßen diese Forderung und rufen die Bundesregierung auf, sich ebenfalls für strikte Kriterien im Sinne des vorbeugenden Gesundheits- und Umweltschutzes in den Verhandlungen stark zu machen. Eine gemeinsame öffentliche Online-Petition der Organisationen mit dieser Aufforderung an die Bundesregierung erhielt bereits mehr als 78.000 Unterschriften und wird bis zum Abschluss der Verhandlungen weitergeführt.

Die beteiligten Organisationen fordern die Bundesregierung auf
- das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip zu schützen und sich für Kriterien einzusetzen, die eine gesetzliche Regulierung von potentiellen Hormongiften ermöglichen, bevor diese Mensch und Umwelt schaden können
- auf eine Minimierung der Belastung von Mensch und Umwelt durch Hormongifte gemäß den Vorgaben des EU-Umweltaktionsprogramms 2020 zu drängen
- dafür zu sorgen, dass Deutschland, als eines der größten Chemiestandorte der Welt, zusammen mit Ländern wie Frankreich, Schweden und Dänemark eine Vorreiterrolle beim Schutz von Mensch und Umwelt vor hormonellen Schadstoffen übernimmt

„Zahlreiche Studien belegen die schädigende Wirkung von hormonell wirksamen Stoffen (EDCs) auf Mensch und Umwelt“, so Johanna Hausmann von WECF. „Besonders betroffen von Hormongiften sind schwangere Frauen und Kinder. Der Vorschlag der EU Kommission ignoriert mit seinem Entwurf wissenschaftliche Erkenntnisse, Ergebnisse der öffentlichen Konsultation und das Vorsorgeprinzip. Die deutsche Regierung steht nun in der Pflicht, diese Ignoranz zu unterbinden und ihr Veto einzulegen.“

Bereits vor einigen Jahren wurde die Verwendung von hormonell wirksamen Stoffen in Pestiziden und Bioziden vom Europäischen Parlament verboten. Allerdings fehlte bislang ein abgestimmtes Verfahren zur Identifizierung dieser Stoffe. Deshalb erhielt die EU-Kommission den Auftrag, bis Dezember 2013 entsprechende Kriterien festzulegen.

Der Vorschlag, den die Kommission nun mit fast dreijähriger Verspätung veröffentlichte, zielt darauf ab, geltendes Recht abzuschwächen und das in der Europäischen Union verankerte Vorsorgeprinzip zu untergraben. Die Beweislast für die hormonell schädliche Wirkung eines Stoffes würde so hoch gesetzt, dass kaum ein Stoff als EDC identifiziert und verboten werden könnte. Die EU-Kommission ist damit den Forderungen der Chemieindustrie nachgekommen, die beispielsweise neue Pestizidverbote im Hinblick auf die Verhandlungen zu den transatlantischen Handelsabkommen TTIP und CETA unter allen Umständen zu verhindern sucht.

„Die EU-Kommission ist dabei, das Pestizidrecht in seinen Grundpfeilern zu verändern, so dass selbst für erkannte hormonschädliche Wirkstoffe keine Maßnahmen zur Expositionsminderung umgesetzt werden müssen. Die bestehenden Schutzstandards für Landwirte, Verbraucher und für die Umwelt werden so beträchtlich abgeschwächt. Die Kommission überschreitet damit deutlich ihre Befugnisse. Hier erwarten wir von der deutschen Bunderegierung ein klares Veto“, fordert die Pestizidexpertin Susanne Smolka von PAN Germany.

Weitere Stimmen der Bündnis-Organisationen

„Die Kommission hat Gesetzesänderungen vorgeschlagen, die den Schutz von Umwelt und Verbraucher vor gesundheitsschädlichen Chemikalien um viele Jahre zurückwerfen würden. Ein Hormongift könnte nur dann verboten werden, wenn konkrete Wirkungen bekannt sind und nicht mehr allein wegen seiner gefährlichen Eigenschaften. Das heißt, die Möglichkeit potentiell krank machende Stoffe gesetzlich zu regulieren, bevor sie Schaden anrichten können, wäre nicht mehr gegeben. Die EU-Kommission hat lediglich den Auftrag, Kriterien für hormonelle Schadstoffe vorzulegen, nicht geltendes Recht zu ändern und das Vorsorgeprinzip durch die Hintertür abzuschaffen“, erklärt der BUND-Experte für Chemikalienpolitik, Manuel Fernández.

„Deutschland muss nun dringend weitere Verbesserungen von der Kommission einfordern, denn der vorliegende Vorschlag wird kaum EDCs regulieren. Sie fallen wie durch ein grobmaschiges Netz. Wir brauchen aber eine Regulierung mit höchstem Schutzniveau für Umwelt und Gesundheit“, fordert Alexandra Caterbow, Direktorin von HEJSupport.

„Die Vorschläge der Kommission untergraben einen wirksamen Schutz vor hormonellen Schadstoffen, obwohl diese mit zahlreichen Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Die Bundesregierung muss sich jetzt dafür stark machen, dass die Vorschläge der EU-Kommission grundlegend überarbeitet werden, sodass der Schutz unserer Gesundheit und der Umwelt vor diesen Stoffen im Sinne des Vorsorgeprinzips auch tatsächlich gewährleistet wird“, fordert Christine Vogt, Referentin des Umweltinstituts.

Hintergrund:
Hormonell wirksame Substanzen wirken ähnlich wie körpereigene Hormone und können in den empfindlichen Hormonhaushalt von Menschen und Tieren eingreifen. Sie gelten unter anderem als Mitauslöser für Fruchtbarkeitsstörungen, Diabetes, Hoden- und Brustkrebs und können schon in kleinsten Mengen Wirkung zeigen. Besonders gefährdet sind Embryos, Kinder und Jugendliche. Hormongifte finden nicht nur in Pestiziden Verwendung, sondern auch in vielen Alltagsprodukten, wie Kosmetika, Spielzeug, Schuhe, Sportartikel oder Lebensmittelverpackungen. An die 800 Chemikalien gelten derzeit als potentielle EDC. Experten rechnen damit, dass diese Zahl in den kommenden Jahren noch steigen wird.

Kontakte:
Johanna Hausmann, WECF, johanna.hausmann@wecf.eu, Tel 0173 8010040, www.wecf.eu

Susanne Smolka, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Susanne.smolka@pan-germany.org,
Tel 040 399 19 10 24

Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft, Umweltinstitut München, Landwehrstr. 64a, 80336 München, cv@umweltinstitut.org, Tel 089 30 77 49 24

Fabian Holzheid, Vorstand und Pressesprecher, Umweltinstitut München, fh@umweltinstitut.org,
Tel 089 30 77 49 19

Alexandra Caterbow, HEJSupport, alexandra.caterbow@hej-support.org, Tel 0179 5244994,
www.hej-support.org

Manuel Fernandez, BUND, Manuel.Fernandez@bund.net, Tel 030 27586-463

Antonius Michelmann, Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG), Tel 0211 333 911

Wiebke Schröder, SumOfUs, wiebke@sumofus.org, Tel 0163 1617155

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[Westgeschäfte ] Westgeschäfte

CBG Redaktion

Von: german-foreign-policy
22.09.2016

LEVERKUSEN/BERLIN
(Eigener Bericht) - Begleitet von wachsender Kritik treibt der Bayer-Konzern die Übernahme seines US-Konkurrenten Monsanto voran. Durch die Übernahme entstehe ein „Megakonzern“ auf dem Agrarsektor, der entscheidenden Einfluss auf „die Ernährung der Weltbevölkerung“ habe, hieß es gestern in einer Aktuellen Stunde im Bundestag. Während die Kritik im Parlament folgenlos bleibt, fördert Berlin systematisch den Ausbau der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen, die durch den Bayer-Monsanto-Deal noch weiter gestärkt werden. Die Vereinigten Staaten sind der bedeutendste Investitionsstandort der deutschen Industrie und inzwischen auch ihr größter Absatzmarkt: Deutsche Firmen verkauften dort im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 114 Milliarden Euro; die 50 größten in den USA ansässigen deutschen Firmen steigerten ihre Jahresumsätze auf rund 400 Milliarden US-Dollar. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten, die der deutschen Exportwirtschaft immense Profite bringen, sind allerdings zuletzt etwas zurückgegangen; der transatlantische Boom erhält leichte Risse. Auch bei Versuchen, mit US-Konzernen zu fusionieren, um auf dem Weltmarkt eine dominierende Stellung zu erlangen, verzeichneten deutsche Unternehmen zuletzt Rückschläge.
Boom
Die Monsanto-Übernahme durch Bayer erfolgt in einer Zeit, in der die zuletzt boomenden deutsch-US-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen in etwas rauere Gewässer geraten. In den vergangenen Jahren hatten die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten und die dortigen deutschen Investitionen deutlich zugenommen. Der saldierte Bestand unmittelbarer und mittelbarer deutscher Direktinvestitionen hatte 2015 mit - laut Angaben der Bundesbank - mehr als 271 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert erreicht. Die 50 größten in den USA niedergelassenen deutschen Konzerne konnten ihre Umsätze im selben Jahr um zwei Prozent auf rund 400 Milliarden US-Dollar steigern; Bayer lag mit einem US-Umsatz von 14,1 Milliarden US-Dollar nur auf Rang sieben nach Daimler (46,5 Milliarden US-Dollar), Volkswagen (36,7 Milliarden), T-Mobile (32,1 Milliarden), BMW (20,2 Milliarden), BASF (17,4 Milliarden) und Siemens (16,9 Milliarden). Gingen im Jahr 2007 rund 7,6 Prozent der deutschen Ausfuhr in die Vereinigten Staaten, so waren es im Jahr 2015 schon mehr als 9,5 Prozent; mit Käufen im Wert von fast 114 Milliarden Euro lagen die USA damit erstmals seit 1959 wieder auf Platz eins der deutschen Exportrangliste.1
Erste Rückschläge
Inzwischen verzeichnen deutsche Unternehmen allerdings erste Rückschläge. Der deutsche Export in die Vereinigten Staaten ist nach dem Rekordergebnis des vergangenen Jahres im ersten Halbjahr 2016 um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreswert eingebrochen. Ursache ist allgemein die Abkühlung der US-Konjunktur; auch ist der Frackingboom, der eine Zeitlang dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau außerordentlich starke Aufträge beschert hatte, mittlerweile - nicht zuletzt wegen des niedrigen Ölpreises - deutlich abgeflaut. Auf deutsche Lieferanten wirkte sich laut der bundeseigenen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (gtai) zudem speziell ein Rückgang der Nachfrage nach Kraftfahrzeugen aus.2 In den kommenden Monaten wird zwar mit einem leichten Aufschung der US-Konjunktur gerechnet; die deutschen Ausfuhrrekorde des vergangenen Jahres dürften aber dieses Jahr nicht mehr erreicht werden, heißt es bei gtai. Das gilt insbesondere für den Maschinen- und Anlagenbau, der seine Ausfuhren in die USA 2015 um 11,2 Prozent hatte steigern können; die „derzeitige Investitionsflaute im amerikanischen Industriesektor“ werde fortdauern und den Absatz deutscher Lieferanten schmälern, urteilt gtai.3 Darüber hinaus steht auch der Abschluss des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP, von dem sich die deutsche Industrie einen anhaltenden Aufschwung ihrer US-Geschäfte erhofft 4, in Frage.
Nummer eins weltweit
Gemischt ist auch die aktuelle Bilanz bei den Firmenübernahmen. Mit dem Kauf von Monsanto ist Bayer in der vergangenen Woche die größte Auslandsübernahme in der Geschichte der Bundesrepublik gelungen - ein Schritt, der globale Bedeutung hat. Der Leverkusener Konzern zahlt für seinen US-Konkurrenten 66 Milliarden US-Dollar und steigt damit zum weltgrößten Agrarkonzern auf. Insbesondere sichert er sich Schlüsseltechnologien im Bereich genmanipulierten Saatguts sowie beim „digital farming“, einem Zukunftsbereich der Agrarwirtschaft. Man könne langfristig auf überaus lukrative Geschäfte hoffen, heißt es bei Bayer, denn weltweit müssten bis 2050 vermutlich drei Milliarden Menschen mehr als heute ernährt werden. Zudem runde die Monsanto-Übernahme den Umbau des Konzerns „vom chemisch-pharmazeutischen Mischkonzern zum Spezialisten rund um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ab“.5 Letzteres verdankt Bayer ebenfalls einer Großübernahme in den USA: Vor zwei Jahren war es dem Unternehmen gelungen, seinen US-Pharma-Konkurrenten Merck zu erwerben. Der Kauf zählte mit einem Preis von 14,2 Milliarden US-Dollar zu den zehn größten bundesdeutschen Auslandsübernahmen überhaupt.
Transatlantische Marktmacht
Dabei zeigt die Marktmacht, die Bayer durch die Monsanto-Übernahme erhält, exemplarisch das ökonomische Potenzial des transatlantischen Bündnisses. Gemeinsam halten die beiden Konzerne einen Anteil von rund 25 Prozent am Weltmarkt für Pestizide, einen Anteil von rund 30 Prozent am Weltmarkt für genveränderte und konventionelle Agrarfrüchte sowie einen Anteil von mehr als 90 Prozent am Weltmarkt für genmanipulierte Pflanzen.6 Zusammengenommen erzielten Bayer und Monsanto in der Agrarbranche zuletzt einen Jahresumsatz von 23,1 Milliarden US-Dollar; damit liegen sie deutlich vor ihrer gleichfalls fusionierten Konkurrenz. Chemchina hat kürzlich Syngenta aus der Schweiz übernommen; beide gemeinsam erzielten zuletzt einen Jahresumsatz von 14,8 Milliarden US-Dollar. Auf 14,6 Milliarden US-Dollar kamen die US-Riesen Dow Chemical sowie Dupont, die sich ebenfalls zusammenschließen. BASF, der letzte Konzern aus den Top 7 der globalen Agrarbranche, der noch keine Großübernahme vollzogen hat, liegt mit einem Agrarumsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar im Jahr abgeschlagen zurück. Die Monsanto-Übernahme muss nun nur noch von Aktionären und Regulierungsbehörden genehmigt werden.
Gescheitert
Einen Rückschlag in puncto transatlantische Firmenübernahmen hat allerdings vor einigen Tagen die Münchner Linde AG hinnehmen müssen. Der Industriegaseproduzent - 18 Milliarden Euro Umsatz, 64.500 Mitarbeiter in rund 100 Ländern, Jahresgewinn: 1,15 Milliarden Euro - ist unlängst von seinem französischen Konkurrenten Air Liquide von Platz eins der Branchen-Weltrangliste verdrängt worden, nachdem Air Liquide das US-Unternehmen Airgas übernommen hatte. Daraufhin hat der deutsche Konzern sich um die Übernahme der US-Firma Praxair bemüht, deren Umsatz sich zwar nur auf 9,6 Milliarden Euro beläuft, die aber deutlich profitabler wirtschaftet und sogar 1,5 Milliarden Euro Gewinn erzielt. Das Geschäft scheiterte - nicht zuletzt, weil Linde nicht bereit war, seinen Hauptsitz aus Deutschland nach Großbritannien, Irland oder in die Niederlande zu verlegen. Auch bei den Industriegasen ist die globale Konzentration bereits weit vorangeschritten; wäre die Fusion geglückt, dann hätten lediglich drei Großkonzerne den Weltmarkt dominiert - unter Führung einer transatlantisch erweiterten Linde AG.7
Wind aus den Segeln
Wegen ihrer immensen Bedeutung fördert die Bundesregierung die deutsch-US-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen systematisch. Zuletzt waren die Vereinigten Staaten das Gastland der diesjährigen Hannover Messe; US-Präsident Barack Obama wertete die Veranstaltung mit einem Messerundgang in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf.8 Kritik an der höchst profitablen Marktmacht, die einzelne Konzerne wie Bayer durch gewaltige Übernahmen wie diejenige von Monsanto anhäufen, muss gegenüber der Wirtschaftsförderung zurückstehen; sie wird deshalb in der Berliner Politik gewöhnlich nur von der Opposition, von Regierungsparteien wie aktuell der SPD lediglich in Ausnahmefällen und unter strikter Beschränkung auf verbale Äußerungen jenseits praktisch-politischer Bedeutung geübt. Verbalkritik allerdings ist, solange sie folgenlos bleibt, zuweilen sogar recht willkommen: Sie hilft, außerparlamentarische Proteste einzubinden und ihnen damit auf lange Sicht den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Mehr zur deutschen Wirtschaftsexpansion: Ostgeschäfte.
1 S. dazu Die Renaissance des Westens (III) und Billionenschwere Allzeitrekorde.
2 US-Importnachfrage lässt im 1. Halbjahr zu wünschen übrig. www.gtai.de 23.08.2016.
3 Martin Wiekert: Wirtschaftstrends Jahresmitte 2016 - USA. 03.06.2016.
4 S. dazu Ein Kick für TTIP.
5 Der 66-Milliarden-Dollar-Deal ist fix. www.handelsblatt.com 14.09.2016.
6 Jan Pehrke: Bad and ugly. konkret 7/2016.
7 Linde bricht Fusionsverhandlungen ab. www.handelsblatt.com 12.09.2016.
8 S. dazu Von Mittel und Zweck.

Original-Artikel

[Rede Eva B.-S.] Aktuelle Stunde im Bundestag

CBG Redaktion

Mega-Konzern: Zugriff auf das Leben

Die Rede als Video

Rede am 21.09.2016 ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Konzentration in der Agro- und Saatgutindustrie durch die geplante Fusion der Bayer AG und Monsanto

Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Wort „Konzern“ steckt schon das Wort „Konzentration“. Was aber jetzt mit der Übernahme von Monsanto durch den Bayer-Konzern entsteht, ist ein bislang nicht gekannter Superkonzern, der größte Agrokonzern der Welt. Das sollte uns das Fürchten lehren. Ich sage Ihnen: Ich empfinde dies als massive Bedrohung. Wir haben damit im Agrarbereich eine bislang nicht gekannte Machtkonzentration und damit eine ungeheuerliche Kontrolle über die Ernährung, die Gesundheit und das Leben von Milliarden Menschen. Ich gebe zu: Das macht mir Angst. Sicherlich geht es vielen Menschen genauso.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Der neue Konzern wird das weltweite Geschäft mit Saatgut und Pestiziden kontrollieren. Die Ernährung der Weltbevölkerung liegt damit in der Hand eines Superkonzerns, und es ist keine Menschenliebe, die diesen Konzern treibt. Es ist der Griff nach dem Leben der Menschen, die totale Kontrolle der Ernährungsgrundlage von Milliarden. Mit dem Geschäftsmodell von Bayer/Monsanto wird es keine Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln mehr geben. Die Sortenvielfalt bei Getreide, Gemüse und Früchten wird beschränkt. Der Konzern wird die Preise diktieren und noch mehr Bauern in Armut stürzen. Für die Soja- und Maismonokulturen werden im gleichen Konzern unwahrscheinliche Mengen an Pestiziden produziert. Der Konzern setzt auf Genmanipulationen in großem Stil. Die Folge dieses Horrors sind auf Jahre kaputte Böden und Gefährdung des Grundwassers. Es sind die Lebensgrundlagen, die mit diesem Chemiekonzern zerstört werden. Dies ist der größte Zugriff auf das Leben, den es je gegeben hat. Das wollen wir nicht zulassen.

(Beifall bei der LINKEN)

Bayer war schon einmal der größte Chemiekonzern der Welt, vor rund 75 Jahren. Ich möchte hier nicht die Geschichte dieses Konzerns aufrollen. Aber eines war schon immer Sache des Bayer-Konzerns und seiner Vorgänger: die Einteilung in richtiges und falsches Leben. Heute sprechen wir von Biopatenten, die genau dafür stehen: das vermeintlich Richtige zu verbreiten und das vermeintlich Falsche auszumerzen. Der Konzern macht damit Profit.

Ich bin schon lange Mitglied im Beirat der Coordination gegen Bayer-Gefahren, die mit den Kritischen Aktionären hervorragende Aufklärungsarbeit leistet. Sie informieren zum Beispiel, welche weltweiten Marktanteile der neue Superkonzern erreicht: Bei Pestiziden sind es 25 Prozent, beim Saatgut für Ackerböden rund 30 Prozent und bei Genpflanzen weit über 90 Prozent. 90 Prozent, meine Damen und Herren! Da frage ich mich: Wollen wir das wirklich? – Sie schon, aber die anderen nicht.

Mit der Fusion ist der Superkonzern dem Weltmarktmonopol für die gesamte Agrarwirtschaft gefährlich nahe gekommen. Ich sage Ihnen: Das dürfen wir nicht zulassen.

(Beifall bei der LINKEN)

66 Milliarden Dollar: Das ist die größte Investition eines deutschen Konzerns im Ausland. Dieses Geschäft wird sich Bayer durch TTIP absichern lassen wollen. Handelshemmnisse sollen fallen, damit der Superkonzern freie Bahn hat und die Märkte in Europa für die Gentechnikprodukte aus den USA geöffnet werden. An dem neuen Superkonzern kommt dann niemand mehr vorbei.

Es geht darum, für Glyphosat die Bahn freizumachen, und zwar möglichst unbefristet. Bahn frei für Gentechnik auch auf unseren Äckern. Nur Monsantos gentechnisch manipulierte Designerpflanzen überleben Glyphosat überhaupt. Alles andere überlebt auf den Äckern nicht.

Es heißt, dass Frau Merkel gute Kontakte zum Aufsichtsratsvorsitzenden von Bayer pflegt. Sie hatte sich im August überraschend für Monsantos Pflanzenschutzmittel Glyphosat ausgesprochen, das die Weltgesundheitsorganisation für wahrscheinlich krebserregend hält.

Ich erwarte jetzt, dass das Kartellamt bei dieser Fusion einschreitet. Wir brauchen genau das Gegenteil der weltweiten großtechnischen Monopolisten, das Gegenteil dieses Irrsinns von Weltkonzernen, die immer größer und gefräßiger werden. Wir sollten unsere Gesundheit sowie die Selbstbestimmung über unsere Ernährung eben nicht diesem Chemie- und Gentechnikkonzern ausliefern.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Die Mehrheit der Bevölkerung hier in Europe wünscht das nicht. Wir wollen keinen Genfraß. Den wollen wir weder aus den USA noch aus anderen Ländern, sondern wir wollen gesunde Lebensmittel. Und wir wollen den Zugriff auf unsere Lebensmittel selbst behalten und ihn nicht Konzernen für deren Profit opfern.

(Beifall bei der LINKEN)

[Aufruf] Aufruf Demonstrationen 17. September 2016

CBG Redaktion

Aufruf zur Demo gegen TTIP und CETA am 17. September

BAYER setzt sich nicht von ungefähr stark für das Freihandelsabkommen TTIP ein, das die EU und die USA abschließen wollen. Allein durch die avisierte Senkung der Zölle erwartet der Leverkusener Multi große ökonomische Vorteile, vor allem bei dem Handel, den er mit sich selbst betreibt. Der Konzern hat seine Wertschöpfungskette nämlich quer über die Kontinente verteilt, die Herstellung von Vorprodukten erfolgt oftmals ganz woanders als die Verarbeitung. „Auch deshalb summiert sich der transatlantische Handel des BAYER-Konzerns jährlich auf einen Milliarden-Betrag, das meiste davon firmen-intern. Durch TTIP könnten wir also in erheblichem Umfang Zollgebühren sparen“, kalkulierte der einstige BAYER-Chef Marijn Dekkers durch. „Am meisten aber würde eine Annäherung von Regulierungen bringen“, sagte er und zählt als Beispiele vereinheitlichte Kriterien für Arzneimittel-Zulassungen und Betriebsinspektionen auf. Auch von laxeren Standards für Pestizide, Gen-Pflanzen und hormonell wirksame Stoffe wie Bisphenol A hofft der Konzern zu profitieren. Summa summarum beziffert er den TTIP-Effekt auf einen Betrag in dreistelliger Millionen-Höhe – im Jahr wohlbemerkt. Und dann wären da noch die Schiedsgerichte, die ihm noch bessere Möglichkeiten zur Durchsetzung seiner Rechtspositionen versprechen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) wendet sich massiv gegen diese Art der Unternehmensbeglückung auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Sie beteiligt sich deshalb aktiv an den Kampagnen gegen TTIP, CETA & Co. und nimmt am 17. September auch an den bundesweiten Protesten gegen die Handelsabkommen teil.

[EDCs SWB] Hormongifte

CBG Redaktion

Politik & Einfluss

Hormon-ähnliche Chemikalien von BAYER & Co.

Eine globale Bedrohung

Chemikalien haben viele gesundheitsgefährdende Eigenschaften. Eine der unheimlichsten: Manche Substanzen wirken ähnlich wie bestimmte körpereigene Stoffe und können damit den menschlichen Organismus gehörig durcheinanderwirbeln. So gleichen bestimmte Pestizide, Weichmacher oder andere Produkte wie etwa Bisphenol A in ihrem chemischen Aufbau Hormonen. Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Unfruchtbarkeit und andere Gesundheitsstörungen beschreiben MedizinerInnen als mögliche Folge. Darum will die EU die VerbraucherInnen besser vor diesen Produkten von BAYER & Co. schützen, aber die Konzerne torpedieren das nach Kräften. Ein Lehrstück in Sachen „Lobby-Arbeit“.

Von Jan Pehrke

Hormone sind die Botenstoffe des Körpers. Sie erfüllen damit eine wichtige Aufgabe in seinem Regulationssystem. Die biochemischen Substanzen steuern beispielsweise das Knochen-Wachstum, den Zucker- und Fett-Stoffwechsel, die Verdauung und die Sexualentwicklung. Stört nun etwas die Signal-Übertragung, so kommen falsche Botschaften an, was die Abläufe gehörig durcheinanderwirbeln kann. Und als solche „Störer“ – sogenannte endokrine Disruptoren (EDs) – hat die Wissenschaft seit einiger Zeit bestimmte Chemikalien ausgemacht. Viele dieser Substanzen gleichen in ihrem Aufbau nämlich Hormonen und haben deshalb ein beträchtliches Irritationspotenzial. Die mögliche Folge: Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Dysfunktionen des Nerven- und Immunsystems sowie Herz-, Leber- und Gebärmutter-Leiden.
Der Leverkusener Multi hat eine ganze Menge dieser Stoffe im Angebot. Und manche davon wie etwa das Antiraupen-Mittel RUNNER sollen sogar hormonelle Effekte entfalten. Es zählt nämich zu den Insekten-Wachstumsregulatoren, die BAYERs europäischer Lobbyverband „European Crop Protection Association“ (ECPA) wie folgt beschreibt: „Pheromone und Insekten-Wachstumsregulatoren werden im Pflanzenschutz speziell wegen ihrer Wirkungsweise als endokrine Disruptoren eingesetzt, um den Fortpflanzungsprozess zu stören oder den Lebenszyklus der Insekten zu verkürzen.“

Bei anderen Agro-Giften des Konzerns fällt die Beeinträchtigung des Hormonsystems hingegen eher in die Rubrik „Risiken und Nebenwirkungen“. Dies ist auch bei den anderen Substanzen mit hormon-ähnlichen Eigenschaften aus der Produktpalette des Global Players der Fall wie z. B. bei Weichmachern oder der Industrie-Chemikalie Bisphenol A, von welcher der Pharma-Riese allein im Jahr 2011 rund 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr herstellte.

Bereits seit den 1990er Jahren warnen WissenschaftlerInnen vor den Gefahren, die durch endokrine Disruptoren drohen. Die Politik blieb jedoch lange untätig. Die Europäische Union brachte 1999 zwar eine „Strategie für Umwelthormone“ auf den Weg, erkannte aber erst in der Dekade nach dem Jahrtausend-Wechsel Handlungsbedarf, wie die französische Publizistin Stéphane Horel in ihrem Buch „Intoxication“ ausführt. Im Rahmen der Neuordnung der Pestizid-Zulassungen nahm die EU 2009 auch die hormonelle Wirkung der Ackergifte in den Blick. Das Europäische Parlament sprach sich dabei für ein Verbot der entsprechenden Substanzen aus. Zu einer entsprechenden Regelung in der „Verordnung 1107/2009“ kam es damals jedoch nicht. Diese sollte erst per Nachtrag erfolgen, wenn die Europäische Kommission genaue Kriterien zur Bestimmung der EDs entwickelt hatte. Bis Ende 2013 gaben die ParlamentarierInnen ihr dafür Zeit.
Mit der Detail-Arbeit betraute die Kommission dann – vorerst – die „General-Direktion Umwelt“. Diese beauftragte zunächst eine Gruppe von WissenschaftlerInnen mit einer Untersuchung zum Forschungsstand in Sachen „hormon-ähnliche Chemikalien“. Anfang 2012 lag der Report „State of the Art Assessment of Endocrine Disrupters“ schließlich vor. Er bescheinigte den Stoffen einmal mehr gesundheitsschädigende Eigenschaften. Diese „rechtfertigen es, die endokrinen Disruptoren als ebenso besorgniserregende Substanzen anzusehen wie krebserregende, erbgutschädigende und reproduktionstoxische Produkte“, hält die Studie fest. Die ForscherInnen schlugen deshalb vor, eine eigene Kategorie für RUNNER & Co. zu schaffen und diese auch nicht wie andere potenziell gefährliche Hervorbringungen der Industrie nach der Wirkstärke zu beurteilen. Ein solches Kriterium erlaubt den WissenschaftlerInnen zufolge nämlich keine Rückschlüsse auf das von den EDs ausgehende Gesundheitsrisiko. Die Dosis macht das Gift – eben das trifft auf die endokrinen Disruptoren nicht zu, weshalb nach Meinung der AutorInnen auch Grenzwerte nicht vor deren Gefahren schützen. Der an der Expertise beteiligte Andreas Kortenkamp hatte das schon 2002 in einem Experiment nachgewiesen. Er mischte Polychlorierte Biphenyle, wie sie BAYER bis zu ihrem Verbot im Jahr 1989 massenhaft produzierte, Bisphenol A und sechs weitere Chemikalien zusammen, die für sich genommen nicht östrogen wirken, und erhielt ein überraschendes Ergebnis. „0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 + 0 = 8“ lautete das Resultat. Also das glatte Gegenteil eines Nullsummenspiels. „Etwas, das aus dem Nichts entsteht“, fasste Kortenkamp den beunruhigenden Befund zusammen. „Schädliche chemische Stoffe in Produkten des täglichen Bedarfs müssen verboten werden. Die Gesundheit steht über dem wirtschaftlichen Interesse“, forderte der Toxikologe deshalb später in einem Zeitungsartikel.

Die unter seiner Federführung entstandene Untersuchung für die General-Direktion Umwelt alarmierte die Industrie und trieb sie zu einer beispiellosen Lobby-Offensive, in der BAYER eine Hauptrolle einnahm. Zudem machten noch zahlreiche große Organisationen Druck. So setzte die CEFIC, der europäische Verband der Chemie-Industrie, die endokrinen Disruptoren ganz oben auf seine Liste mit den „Lobbying-Schlüsselthemen“. Und die CEFIC kann sich diesem Schlüsselthema mit einiger Macht widmen: Sie ist mit ihren 29.000 Mitgliedsfirmen die größte europäische Unternehmensvereinigung, hat in Brüssel 150 Beschäftigte und verfügt über einen Jahresetat von 40 Millionen Euro. Damit nicht genug, opponierten noch weitere Verbände der Konzerne gegen allzu weitreichende Regulierungspläne. Zu ihnen zählten etwa die ECPA, der Zusammenschluss der europäischen Pestizid-Hersteller, dessen US-amerikanisches Pendant „Croplife“, das „American Chemistry Council“ und „Plastic Europe“ mit Patrick Thomas an der Spitze, dem Chef der BAYER-Tochter COVESTRO.
Zunächst heuerten BAYER & Co. willige WissenschaftlerInnen an, um Zweifel am Kortenkamp-Report zu säen.

Der vom „American Chemistry Council“ bestellte und bezahlte Text erschien dann Ende Mai 2012 in der Fachzeitschrift Criticial Reviews in Toxicology. Schon ein Blick auf die deklarierten Interessenskonflikte genügt, um sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Kritik, die sich hauptsächlich auf Fragen der Methodik konzentriert, zu ersparen. Alle sechs Autoren verfügten nämlich über beste Connections zu den Multis. Sie arbeiteten beispielsweise als Berater für die BASF oder das „American Chemistry Council“ und veröffentlichten in Tateinheit mit ForscherInnen von BAYER, DUPONT oder MONSANTO Artikel.
Einen ersten Zwischenerfolg erzielten die Konzerne schon bald darauf. Hatten die Unternehmen schon länger daran gearbeitet, den Einfluss der General-Direktion Umwelt zu begrenzen und industrie-freundlicheren EU-Organisationen mehr Gewicht in dem Prozess zukommen zu lassen, so konnten sie im Oktober 2012 Vollzug melden. Die Europäische Kommission übertrug der „Europäischen Behörde für Lebensmittel-Sicherheit“ (EFSA) die Aufgabe, ein wissenschaftliches Gutachten zur Identifizierung und zur Bewertung der endokrinen Disruptoren zu verfassen. Und die Agentur, deren MitarbeiterInnen mehr als einmal mit ihren Beziehungen zur Wirtschaft in die Schlagzeilen geraten waren, versuchte ihrem schlechten Ruf bereits von Anfang an gerecht zu werden: In der von ihr berufenen Arbeitsgruppe befanden sich nämlich überhaupt keine Hormon-SpezialistInnen. Das Ergebnis fiel entsprechend aus: „EDs können wie alle anderen den Menschen und die Umwelt gefährdenden Substanzen behandelt werden.“ Eine Beurteilung nicht einzig nach dem Gefahren-Potenzial, sondern überdies nach dem üblichen Kriterium der Wahl, dem Risiko-Potenzial, schlug die EFSA deshalb vor.

Endokrine Disruptoren fallen für die Agentur also nicht aus dem Rahmen dessen, was sonst so an schädlichen Chemikalien aufläuft, und der Umgang mit diesen kann ihr zufolge daher auch weitgehend in dem bisherigen Rahmen stattfinden. Das war natürlich ganz im Sinne der Industrie. Besonders die Zurückweisung des Gefahren-Ansatzes als einzigem Maßstab zur Beurteilung der EDs fand den Gefallen der Multis. Eine Prüfung der Stoffe auf der Grundlage der Gefahr unterscheidet sich nämlich maßgeblich von einer solchen auf der Grundlage des Risikos. Eine Bewertung anhand der Gefahr nimmt allein die Eigenschaften des Produkts an sich in Blick, eine anhand des Risikos berücksichtigt indes das Ausmaß, in dem Mensch, Tier und Umwelt der Chemikalie ausgesetzt sind. Während die Gefahr einer Substanz also immer absolut gilt und keine Grenzen kennt, ist das Risiko immer relativ. Es ist unter anderem von der Wirkstärke abhängig, und als Maß der Dinge kommt so der Grenzwert ins Spiel, der das Höchstmaß der Belastbarkeit anzeigt. Solche Limits träfen auf die – zähneknirschende – Zustimmung von BAYER & Co., erlaubten diese ihnen doch zumindest, ihre Waren, wenn auch mit mehr oder weniger großen Beschränkungen, auf dem Markt zu halten. Das gelänge bei einer Inventur unter der Maßgabe der Gefahr nicht. Danach müssten etwa alle als EDs identifizierte Acker-Gifte mit einem Verbot rechnen.
Und genau dieses, was der Kortenkamp-Report, ganz im Sinne der Pestizid-Richtlinie von 2009, nahelegte, indem er den endokrinen Disruptoren einen Sonderstatus zuschrieb und das Prinzip der Wirkstärke als Richtschnur für die Bewertung ablehnte, stellte die EFSA jetzt zur Disposition. Die Behörde tat dies wider besseren Wissens, war sie doch kurz vor dem Veröffentlichungsdatum noch drauf und dran, alles zu revidieren. Dass zwei Uno-Organisationen den Stand der Wissenschaft so ganz anders wiedergegeben hatten als sie selber und von den endokrinen Disruptoren als einer „globalen Bedrohung“ sprachen, hatten sie nämlich ins Zweifeln gebracht. „Ich denke, dass wir unseren Bericht (...) leider umarbeiten müssen, damit er besser reflektiert, was der Rest der Welt denkt“, e-mailte ein Mitglied der Arbeitsgruppe aufgestört. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der EFSA schlug indessen vor, wenigstens das Kapitel „Schlussfolgerungen“ zu ändern. Aber am Ende blieb doch alles, wie es war.

Die GD Umwelt hatte also allen Grund, an ihrem umfassenderen Schutz-Ansatz festzuhalten. Das allerdings rief BAYER auf den Plan. Der Leverkusener Multi gelangte vorzeitig in den Besitz des entsprechenden Papiers der GD Umwelt – ein Vertrauter bei der Kommission hatte es dem Chemie-Verband CEFIC durchgesteckt – und setzte im Juni 2013 einen Brief an die stellvertretende Generalsekretärin der EU-Kommission, Marianne Klingbeil, auf. „Die DG ENV (= GD Umwelt, Anm. SWB) favorisiert gegenwärtig ein Konzept, welches durchgängig auf der Basis des Vorsorge-Prinzips konstruiert worden ist (Hazard assessment). Dies bedeutet eine fundamentale Abkehr von den Prinzipien der Risiko-Bewertung und wird in Konsequenz weitreichende, gravierende Auswirkungen auf die Chemie-Branche und Agrar-Industrie (vor allem wegen der bei Pflanzenschutzmitteln angewandten cut-off-Kriterien, die einen Verlust der Zulassung bedingen), nach sich ziehen“, zeigte sich der Pharma-Riese alarmiert. Mehr als 37 Pestizide sieht er von einem Verbot bedroht. Allein der Bann der Antipilz-Mittel aus der Gruppe der Triazole, zu denen etwa die BAYER-Produkte PROVOST OPTI, FOLICUR und NATIVO gehören, würde zu einem Produktivitätsrückgang von 20 Prozent und zu Ernte-Verlusten bis zu 40 Prozent führen, rechnet der Konzern unter Bezugnahme auf zwei Studien vor. Mit Verweis auf die EU-Maxime der „Better regulation“ fordert er die Kommission deshalb auf, bei ihrer Entscheidung über die endokrinen Disruptoren die Auswirkungen auf die Wirtschaft mit zu berücksichtigen und ein sogenanntes Impact Assessment durchzuführen.

Und Brüssel erhörte die Signale. Statt wie vorgesehen 2013 die Kriterien zur Beurteilung der EDs vorzulegen, kündigte die Europäische Kommission erst einmal eine solche ökonomische Folge-Abschätzung an. Der Leverkusener Multi gab sich damit aber nicht zufrieden. Hatte er bereits vor dem Brief an Marianne Klingbeil gemeinsam mit BASF und SYNGENTA ein Scheiben an die EU verfasst und sich darin besorgt gezeigt, die Kriterien zur Bestimmung der endokrinen Disruptoren könnten ihren „komplett sicheren“ Pestiziden den Garaus machen, so setzte er in Tateinheit mit mehreren anderen Konzernen Mitte Oktober 2013 erneut ein Schriftstück auf. Darin gingen die Absender das Vorsorge-Prinzip von einer anderen Seite her an. Sie wollten es nun durch ein „Innovationsprinzip“ ergänzt wissen. Ein Gleichgewicht zwischen Gesundheitsschutz und Innovationsförderung sollte Brüssel nach Meinung der Vorstandschefs anstreben, denn: „Innovationen sind per definitionem mit Risiken verbunden.“

Damit endeten die Lobby-Aktivitäten von BAYER & Co. aber noch bei Weitem nicht. So brachte der willige Wissenschaftler Daniel Dietrich, der immer wieder gerne gemeinsam mit den ForscherInnen von BAYER, DOW oder ASTRAZENECA Studien publiziert, in der Fachzeitschrift Toxicology Letters einen höhnischen Artikel über die mit den endokrinen Disruptoren verbundenen Ängste unter. Darin deklarierte er forsch die den EDs zugeschriebenen Fruchtbarkeitsschädigungen wie etwa die Minderung der Samen-Qualität zu Symptomen einer männlichen Hysterie. „Man kann sich fragen, ob das ganze Thema ‚EDs’ nicht eher in die Kompetenz von Dr. Sigmund Freud fällt als in die der Toxikologie“, meinten Dietrich und seine Co-Autoren. Auf kaum höherem Niveau argumentierten die Konzerne und ihre Vorfeld-Organisationen.

Die CEFIC etwa griff in ihren zahlreichen Eingaben zum Standard-Argument der Industrie und bestritt den Kausal-Zusammenhang zwischen Substanz und Nebenwirkungen. Stattdessen führte die Organisation andere mögliche Ursachen ins Feld wie Umwelteinflüsse und Lebensführung. Zudem erklärte sie die Symptome für reversibel. Allen Ernstes führte sie dafür in einem Schreiben an die EU Horror-Filme als Beispiel an. Diese riefen auch hormonelle Reaktionen des Körpers hervor, allerdings klängen diese bald wieder ab, so die CEFIC.
BAYER versuchte darüber hinaus noch, die LandwirtInnen gegen eine allzu weitreichende Regulation der endokrinen Disruptoren zu mobilisieren. Der Leverkusener Multi entwarf ein Horror-Szenario von Ernte-Verlusten durch bald nicht mehr erhältliche Pestizide und rief die FarmerInnen dazu auf, sich an den Konsultationen Brüssels zu den EDs zu beteiligen. Darüber hinaus ließ der Global Player seine Beziehungen spielen, um direkt mit Karl Falkenberg, dem Leiter der GD Umwelt, ins Gespräch zu kommen. Der heute beim Berliner „Global Forum for Food and Agriculture“ tätige Eckart Guth bat seinen früheren EU-Kollegen Falkenberg um eine Zusammenkunft mit dem BAYER-Manager Franz Eversheim. „Lieber Karl, ich schreibe dir, um dich zu bitten, Herrn (Name in dem EU-Dokument geschwärzt, Anm. SWB) zu treffen, den Leiter Public and Government Affairs Europa von BAYER CROPSCIENCE. Wir haben vor einiger Zeit beim Bier nach dem Tennis über das zur Diskussion stehende Thema gesprochen. Aber ich fürchte, es ist zu ernst, um es dabei belassen zu können. Darum würde ich dir vorschlagen, Herrn (geschwärzt, Anm. SWB) zu treffen, den ich in institutionellen Angelegenheiten berate“, hieß es in dem Schreiben. Und das zur Diskussion stehende Thema, das waren die Kriterien zur Bestimmung der endokrinen Disruptoren. Ob es dann auch wirklich zu dem Tête-à-Tête gekommen ist, das vermochte Stéphane Horel nicht herauszubekommen, dennoch zeigt das Dokument sehr gut, wie Lobbyismus in Brüssel so funktioniert.

2013 brachten es BAYER & Co. allein in der zweiten Juni-Hälfte auf sechs Treffen mit EU-Offiziellen; rund 30 Mails der Industrie liefen in diesem Zeitraum auf. Sogar den Profi-AntichambrierInnen von der ECPA begann das alles über den Kopf zu wachsen. Der Druck von Seiten der Mitgliedsfirmen sei „enorm“, schütteten sie Peter Korytar von der GD Umwelt ihr Herz aus. Dazu kam noch Unterstützung aus Übersee. „Croplife America“, der US-Verband der Pestizid-Produzenten, und das „American Chemistry Council“ übten Druck auf die EU-Repräsentanz in Washington aus, weil sie sich Sorgen um ihre Agrogift-Exporte machten. Darum setzten sie die Pläne der EU in Sachen „endokrine Disruptoren“ auch auf die Agenda der TTIP-Verhandlungen. Als mögliches Handelshemmnis und ein konkretes Beispiel für Reform-Bedarf bei der Regulierungszusammenarbeit galten diese den US-amerikanischen Verbänden.
All das ließ die EU-Kommission nicht ungerührt. Sie entzog schließlich der GD Umwelt die Verantwortung in dem Prozess und verschleppte die Arbeit an den Kriterien für die Bestimmung der ED-Kriterien immer mehr. So sehr, dass Schweden schließlich der Kragen platzte. Das Land verklagte die Kommission wegen Untätigkeit und bekam im März 2016 auch Recht zugesprochen.

Nun mussten Juncker & Co. endgültig liefern. Und Mitte Juni taten sie es schließlich. Die Europäische Kommission unterrichtete das Europäische Parlament und den Europäischen Rat „über endokrine Disruptoren und die Entwürfe der Kommissionsrechtsakte zur Festlegung der wissenschaftlichen Kritierien für ihre Bestimmung im Kontext der EU-Rechtsvorschriften über Pflanzenschutzmittel und Biozid-Produkte“.

Bei der Definition der EDs verzichtet die Kommission auf die umstrittenen Kategorie der Wirkstärke, sie greift zur Freude von BAYER & Co. „wohl aber bei der Bewertung des tatsächlichen Risikos, das von endokrinen Disruptoren ausgeht“, auf diese zurück. Und noch eines weiteren „aber“ bedient Junckers Riege sich. Sie will die Verbotsanordnungen grundsätzlich zwar auf der Grundlage des Gefahren-Ansatzes verhängen und nicht dem Risiko-Relativismus frönen, der sich am dem Maß der ED-Dröhnung orientiert, allein: „Es gibt jedoch einige begrenzte Ausnahmen“. Zu diesen zählt die Kommission ein vernachlässigbares Risiko, eine vernachlässigbare Exposition, sozio-ökonomische Gründe und ernste Gefährdungen der Pflanzen-Gesundheit. Eine ganz schön große Auswahl für die Konzerne – da hatte das die wirtschaftlichen Folgen der ED-Regulierung abschätzende „Impact Assessment“ seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlt.

Dementsprechend hart fiel das Urteil von Umweltverbänden und Fachwelt aus. „Das Vorsorge-Prinzip wird durch die Vorschläge mit Füßen getreten“, konstatiert etwa das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN). Hätte ursprünglich der Beleg einer hormon-schädlichen Eigenschaft für eine Regulierung ausgereicht, so müsse nun die Relevanz eines schädlichen Effekts beim Menschen tatsächlich nachgewiesen sein“, moniert die Initiative. Zudem kritisiert PAN die Erweiterung der Ausnahme-Bestimmungen für hormon-aktive Pestizide, die jetzt im Umlauf bleiben dürfen, wenn sie eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten. Als „ganz im Sinne der Pestizid- und Chemie-Industrie“ und „Vorboten von CETA und TTIP“ bezeichnet die PAN-Aktivistin Susanne Smolka die Vorschläge der EU. Die Wissenschaftsvereinigung „Endocrine Society“ lehnt den vorgelegten Entwurf ebenfalls ab. „In Bezug auf die endokrinen Disruptoren noch strengere wissenschaftliche Maßstäbe anzulegen als in Bezug auf die Karzinogene, für die sie schon sehr streng sind, wäre ein Schritt in die falsche Richtung“, so Rémy Slama. Auch das Umweltbundesamt zeigt sich enttäuscht: „Damit verlässt die EU den gefahren-basierten Ansatz, den wir fordern.“ Während bundesdeutsche PolitikerInnen sich mit Kommentaren zurückhielten, bezeichnete die französische Umweltministerin Ségolène Royal die Vorlage aus Brüssel als „extrem enttäuschend“. Gemeinsam mit ihren KollegInnen aus Schweden und Dänemark setzte sie deshalb einen Brief an Jean-Claude Juncker auf, der ein generelles Verbot von endokrinen Disruptoren in Pestiziden zur Forderung erhob.
Die Industrie ließ sich indessen ihre Freude nicht anmerken. Aus taktischen Gründen zog sie es vor, gleichfalls in den Chor der KritikerInnen einzufallen, um die Vorlage der EU als goldenen Mittelweg erscheinen zu lassen und ihre erfolgreiche Lobby-Arbeit nicht durch eine Geste des Triumphalismus zu gefährden.

Die ECPA richtete ihren Tunnelblick einzig auf die Ausnahme-Regelungen und empfand diese als ungenügend. Aus diesem Grund krittelte der Pestizid-Verband an den Kriterien herum, die sich seiner Ansicht nach etwas risiko-freudiger hätten zeigen sollen, statt nur der Gefahr ins Auge zu sehen. „Eine Regulierung durch Ausnahmen ist weder akzeptabel noch wissenschaftlich. Wenn man immer mehr Ausnahmen schaffen muss, ist das ein Anzeichen dafür, dass mit den Kriterien etwas nicht stimmt“, meinte ECPA-Sprecher Graeme Taylor. Der „Verband der Chemischen Industrie“ zeigte sich ebenfalls demonstrativ verstimmt. „Die Kriterien taugen in der Praxis nicht zu einer verlässlichen Unterscheidung in schädliche und harmlose Stoffe“, konstatierte er. Harmlose Substanzen gibt es unter den Chemikalien mit hormoneller Wirkungen nach Ansicht der Lobby-Organisation von BAYER & Co. nämlich wirklich. „Eine sichere Handhabung hormon-aktiver Stoffe ist möglich“, befand der Verband und plädierte einmal mehr für eine Regulierung mit Hilfe von Grenzwerten nach Maßgabe der Wirkstärke der EDs. Und dienten seinem europäischen Pendant CEFIC noch Horror-Filme als Beispiele für hormonell Wirksames mit geringer Halbwertzeit, so rekurriert der bundesdeutsche Chemie-Verband nun auf Vitamin D und Koffein als Substanzen, die unterhalb bestimmter Konzentrationen keine Irritationen im Hormon-System hervorrufen.

Lob erntete Brüssel kaum. Nur das „Bundesinstitut für Risiko-Bewertung“ (BfR) tat sich wieder einmal unrühmlich hervor. Hatte sich das Institut, in dessen Kommissionen VertreterInnen von BAYER, BASF und anderen Konzernen sitzen, schon in Sachen „Glyphosat“ als Anwalt von Unternehmenspositionen hervorgetan, so ging es nun auch d’accord mit dem EU-Entwurf zu den EDs. „BfR begrüßt wissenschaftliche Kriterien der EU-Kommission für die Identifizierung endokriner Disruptoren“, überschrieben die Risiko-BewerterInnen ihre Pressemeldung. Kunststück: Die Bundeseinrichtung hatte in ihren Einfluss in dem ganzen Prozess immer wieder geltend gemacht. So saßen BfR-VertreterInnen etwa in der EFSA-Arbeitsgruppe, welche keinen prinziellen Unterschied zwischen den endokrinen Disruptoren und anderen Chemikalien machen wollte. Darüber hinaus betonte das Bundesinstitut schon früh „die große ökonomische Tragweite“ der Entscheidung über die hormonellen Substanzen und trat deshalb bei der Kommission immer für Grenzwerte statt für Totalverbote ein.

In der belgischen Hauptstadt geht jetzt erst einmal alles seinen EU-bürokratischen Gang. Andere Gremien müssen sich mit dem Kommissionsentwurf befassen, was noch zu einigen Konflikten führen dürfte. BAYER & Co. haben sich dafür schon einmal in Stellung gebracht und im Falle eines missliebigen Ergebnisses sogar mit gerichtlichen Auseinandersetzungen gedroht. Aber auch die Initiativen haben bereits mit Aktionen begonnen. So hat das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK eine Unterschriften-Aktion an den Start gebracht. Und die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN wird ebenfalls nicht untätig bleiben.

Endokrine Disruptoren.

CBG Redaktion

Eine globale Bedrohung

Chemikalien haben viele gesundheitsgefährdende Eigenschaften. Eine der unheimlichsten: Manche Substanzen wirken ähnlich wie bestimmte körpereigene Stoffe und können damit den menschlichen Organismus gehörig durcheinanderwirbeln. So gleichen bestimmte Pestizide, Weichmacher oder andere Produkte wie etwa Bisphenol A in ihrem chemischen Aufbau Hormonen. Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Unfruchtbarkeit und andere Gesundheitsstörungen beschreiben MedizinerInnen als mögliche Folge. Darum will die EU die VerbraucherInnen besser vor diesen Produkten von BAYER & Co. schützen, aber die Konzerne torpedieren das nach Kräften. Ein Lehrstück in Sachen „Lobby-Arbeit“.

[OB EDC] Offener Brief – Hormongifte

CBG Redaktion

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Hendricks,
sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt,

hormonelle Schadstoffe sind eine Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt. Sie wirken wie natürliche Hormone und bringen so die körpereigenen Steuerungsprozesse bei Mensch und Tier durcheinander. Dies gilt insbesondere während kritischer Entwicklungsphasen des Körpers, wie während der Schwangerschaft, der frühen Kindesentwicklung und Pubertät.

Hormonell schädliche Stoffe befinden sich in vielen Produkten unseres Alltags und werden mit schwerwiegenden Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit, Diabetes, Missbildungen und verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht. Auch Wildtierpopulationen sind in hohem Maße durch hormonell schädliche Stoffe gefährdet, da sie ihre Fortpflanzung und das Immunsysten beeinträchtigen können.

Das Europäische Parlament und die EU Mitgliedsstaaten haben deshalb schon 2009 die Zulassung dieser sogenannten endokrinen Disruptoren (EDCs) als Pestizidwirkstoffe und 2012 als Biozidwirkstoffe per Gesetz verboten. Doch ein neuer Vorschlag der EU-Kommission droht das Verbot praktisch wirkungslos werden zu lassen: Die Kommission hat Kriterien zur Identifizierung von EDCs vorgeschlagen, durch die diese Gesetze eigenmächtig verändert und Schutzstandards untergraben werden. Die Hürden für die Einstufung als EDC würden damit so hoch gesetzt, dass nur sehr wenige Stoffe erfasst und verboten werden könnten.

Dieser Vorschlag ist ein Skandal und darf Ihre Zustimmung auf keinen Fall finden!

Unsere Gesundheit und die unserer Kinder sind wichtiger, als die Profitinteressen der Chemie- und Pestizidindustrie! Sie haben es in der Hand: Machen Sie Ihren Einfluss geltend, damit hormonelle Schadstoffe aus unserem Alltag verschwinden. Dazu müssen Kriterien festgelegt werden, anhand derer alle hormonell schädlichen Stoffe auch als solche erkannt, eingestuft und verboten werden können. Sorgen Sie daher für ein deutsches NEIN zum Kommissionsvorschlag.

Freundliche Grüße

[Kurzinfo] BAYER/MONSANTO Fusion

CBG Redaktion

BAYER/MONSANTO Fusion

Mit einem offiziellen Angebot von rund 55 Milliarden Euro will der Bayer-Konzern den US-Agrarriesen Monsanto übernehmen. Die Zusicherung eines Kredites an Bayer für die Übernahme von bis zu 75 Mrd. Dollar durch Credit Suisse, Bank of America, Goldman Sachs, HSBC und JPMorgan unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Fusionspläne. Es droht eine nie dagewesene Monopolisierung des Saatgut-Sektors: Zusammen würden beide Konzerne 90% des weltweiten Gen-Saatguts und 30% des Pestizidmarktes kontrollieren. Einher gehen würden gesteigerte Gefahren für Landwirte, Verbraucher und Umwelt nach dem Vorbild der weltweit berüchtigten Unternehmenspolitik des Konzerns Monsanoto.
Bereits seit einigen Jahren baut sich der Bayer-Konzern zu einem „Life-Science“ Unternehmen um: Im Windschatten des US-Multis ist die Firma BAYER zu einem der größten Agro-Konzerne der Welt aufgestiegen. Bei Pestiziden und Saatgut gehört der Leverkusener Multi bereits zu den führenden Anbietern.
Durch die vereinigte Macht beider Konzerne würde die weltweite Gentechnik-Pestizid Spirale weiter beschleunigt und Lobbyimus für Glyphosat, Gentechnik und TTIP würde weiter zunehmen.

Wir fordern:
Stopp der Fusion von BAYER / MONSANTO!
Stopp der Umweltzerstörung und Vergiftung durch Gentechnik und Pestizide!

Forderung unterstützen

[Aufruf Zentrale] Es geht um MONSANTO.

CBG Redaktion

Es geht um MONSANTO.

Liebe AktivistInnen, Betroffene, WiderständlerInnen,

immer wahrscheinlicher wird es, dass MONSANTO Teil des BAYER-Konzerns wird. Die neue Zentrale von MONSANTO wird dann in Deutschland angesiedelt sein.

Seit 38 Jahren haben wir den BAYER-Konzern unter weltweite Beobachtung gestellt, tragen zur Koordinierung von Widerstand und Protest in allen Teilen der Welt bei, leisten Unterstützung für Betroffenen und dokumentieren die Verbrechen des Konzerns. Keine Google-Suche zu BAYER, bei der wir nicht unter den ersten Meldungen zu finden sind.

Den Protest und Widerstand tragen wir aus aller Welt zurück, mitten ins Herz des Konzerns, auf die BAYER Hauptversammlung. Seit 1982 kann BAYER keine herkömmliche Aktionärsversammlung mehr durchführen: Proteste vor und in dem im Saal von Opfern und Betroffenen, Kritikern, Wissenschaftlern, Journalisten - trotz Polizeieinsätzen, Werkschutz, Tagesordnungstricks - direkt im Angesicht der verantwortlichen Vorstände und Großaktionäre, vor tausenden Zuhörern, klein-Aktionären und Journalisten. Mehr dazu findet ihr in unserem online-Archiv, das jährlich von mehr als 100.000 Menschen besucht wird.

Wenn BAYER den MONSANTO-Konzern schluckt, müssen die neuen MONSANTO-Bosse wissen: Wir stehen bereit. Deshalb rufen wir bereits heute dazu auf: Meldet euch! Heute noch! Wir stehen solidarisch an der Seite der Betroffenen, der Opfer und AktivistInnen.

Wir wollen nicht warten, bis der Deal in trockenen Tüchern ist, wir wollen heute schon vernetzen, Informationen bündeln und verteilen und die Forderung nach Widergutmachung, Entschädigung und sofortigen Stopp der MONSANTO-Verbrechen in die BAYER Hauptversammlung tragen. Schickt uns eure Informationen, Kontakte, Fotos und Geschichten!

Außerdem laden wir euch alle bereits heute ein: Kommt am 28. April 2017 nach Köln/Deutschland zu den Aktionen zur BAYER-Hauptversammlung. Meldet euch bei uns an, wenn ihr in der Versammlung sprechen wollt. Gemeinsam werden wir den Verantwortlichen bei BAYER, den Managern und den GroßaktionärInnnen zeigen, was wir von ihren Verbrechen halten.

Lasst uns den Widerstand gegen BAYER und MONSANTO koordiniert ins „Herz der Bestie“ tragen. Wir zählen auf euch!

Mit kämpferischen Grüßen,
Antonius Michelmann/Brigitte Hincha/Axel Köhler-Schnura
Coordination gegen BAYER Gefahren (CBG)
Kontakt
eMail info@CBGnetwork.org
Fon +0049 – (0)211 33 39 11
Fax +0049 – (0)211 33 39 40

Es geht um MONSANTO

Bitte unterstützen Sie unsere Forderungen!

[Aufruf] Aufruf: BAYER/MONSANTO stoppen!

CBG Redaktion

Aufruf

BAYER/MONSANTO stoppen! Jetzt gemeinsam handeln!

Wir wenden uns an alle, die sich mit MONSANTO kritisch auseinandersetzen. An alle Betroffene, an die Opfer und die Aktivist_Innen.

Wir, das internationale Netzwerk der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), arbeiten auf ehrenamtlicher Basis seit 1978. Wir stellen den BAYER-Konzern unter weltweite Beobachtung. Wir tragen zur Koordinierung von Widerstand und Protest in allen Teilen der Welt bei. Wir leisten Unterstützung für Betroffenen und dokumentieren die Kehrseiten der Profite des Konzerns.

BAYER möchte den MONSANTO-Konzern schlucken. Deshalb ist es an der Zeit, dass wir zusammenarbeiten und gemeinsam handeln.

Wir wollen nicht warten, bis der Deal in trockenen Tüchern ist, wir wollen uns heute schon mit Euch vernetzen. Eure Forderung sind unsere Forderungen. Schickt uns eure Informationen, Kontakte, Fotos und Geschichten!

Meldet euch! Jetzt! Düsseldorf/August 2016

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Bitte unterstützen Sie unsere Forderungen!

Stopp BAYER, TTIP und CETA

CBG Redaktion

CBG bei den Protesten gegen TTIP & CETA

Über 300.000 Menschen haben am 17. September 2016 an den Demonstrationen gegen die Handelsabkommen TTIP und CETA teilgenommen. So ging auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auf die Straße, um gegen die von der EU geplanten Vereinbarungen mit Kanada und den USA zu protestieren, von denen sich BAYER massive Vorteile erhofft. Allein den TTIP-Effekt, der vor allem durch niedrigere Zölle und vereinheitlichte Regulierungsverfahren entsteht, beziffert der Leverkusener Multi auf einen dreistelligen Millionen-Betrag im Jahr. Auch von laxeren Standards für Pestizide, Gen-Pflanzen und hormonell wirksame Stoffe wie Bisphenol A sowie von den Schiedsgerichten hofft der Konzern zu profitieren. „Für Deutschland ist es ein Muss, hier dabei zu sein“, sagt BAYERs Aufsichtsratschef Werner Wenning deshalb. Für die CBG war es so ein Muss, bei den Protesten dabei zu sein.

[Offener Brief] Steigende Gefahren durch Antibiotika

CBG Redaktion

Offener Brief als PDF

Offener Brief

Düsseldorf, den 6. September 2016

an
Christian Schmidt (CSU)
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft


in Kopie zur Kenntnis an
Dr. Helmut Tschiersky
Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)


Betreff: Steigende Gefahren durch Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung


Sehr geehrter Herr Bundesminister,

das zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gehörende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 3. August 2016 die Abgabenmengen von Antibiotika an Tierärzte und Tierärztinnen bekanntgegeben. Demnach ist die Gesamttonnage der Antibiotika für Veterinärzwecke gesunken.

Zugleich weist das BVL in seiner Veröffentlichung darauf hin, dass die eingesetzte Menge „für den Menschen besonders relevanter Antibiotika“ im Erfassungszeitraum deutlich angestiegen ist (Fluorchinolone: + 82 %; Cephalosporine: + 52 %), die Behörde macht aber die schwerwiegenden Folgen dieser Entwicklung nicht deutlich. Bei diesen Antibiotika handelt es sich um hochpotente, so genannte Reserve-Antibiotika, die für die Behandlung beim Menschen gegen resistente Keime zurückgehalten werden.

Da Flourchinolone von der Weltgesundheitsorganisation WHO als für den Menschen besonders wichtig eingestuft werden, sehen die unterzeichnenden Organisationen in dem vom BVL dokumentierten Wirkstoffwechsel keinen Anlass für eine Erfolgsmeldung, sondern deutlichen Handlungsdruck mit Blick auf den steigenden Absatz sogenannter Reserve-Antibiotika für die Verwendung in der Fleisch- und Milchproduktion.

Durch den flächendeckenden Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung ist die Entstehung resistenter Keime unvermeidbar, die z. B. über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus gelangen können. Antibiotika-Resistenzen machen weder vor Grenzen noch vor Stall- oder Krankenhaustüren halt und selbst die Umwelt ist betroffen. Die Resistenzentwicklung in Intensivtierhaltungen und die Übertragung über tierische Lebensmittel sollten aus unserer Sicht weitaus stärker ins Bewusstsein rücken, zumal im staatlichen Zoonosen-Monitoring 2013 in 66 % der Proben von frischem Hähnchenfleisch ESBL-bildende E. coli (Kolibakterium) nachgewiesen wurden.

Ende der 1990er Jahre starben dem US-amerikanischen Wissenschaftler Dudley Williams zufolge weltweit bereits rund 200.000 Menschen, weil Antibiotika ihnen nicht mehr helfen konnten. In den USA sorgte 2005 allein ein multiresistenter „Staphylococcus aureus“-Keim für 18.650 Todesfälle. In der Bundesrepublik Deutschland sterben nach Angaben des Max-Planck-Institutes alljährlich ca. 15.000 Personen, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

Wir sehen dringenden Handlungsbedarf für Nachbesserungen hinsichtlich der Regeln zum Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen. Anlässlich der anstehenden Agrarministerkonferenz vom 7. – 9. September in Rostock-Warnemünde bitten wir um Nachricht, inwieweit die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz vom April 2016 insbesondere zu sogenannten Reserve-Antibiotika umgesetzt wurden.
Das BVL wertet die Zahlen mit dem Verweis auf einen Rückgang der verwendeten Mengen als Erfolg. Das ist aus unserer Sicht voreilig, denn die erwähnte Reduktion um 401 Tonnen erlaubt keinen Rückschluss auf einen sparsameren oder sachgerechteren Umgang mit den Mitteln, da das BVL die höhere Effektivität gerade der neueren Mittel unzureichend berücksichtigt.

Im Zuge dieses Wirkstoffwechsels können etwa mit Antibiotika wie BAYERs Baytril und anderen Arzneien wesentlich mehr Tiere behandelt werden als mit den herkömmlichen Antibiotika-Klassen. Eine Tonne des zur Gruppe der Fluorchinolone gehörenden Baytril von BAYER würde beispielsweise für die Behandlung von über zwei Millionen Mastschweine ausreichen, eine Tonne Tetrazyklin gerade einmal für 39.000 Schweine. Hinter der im BVL-Bericht vorgestellten „Halbierung“ des Antibiotika-Einsatzes in Tierställen kann sich somit tatsächlich sogar eine erhöhte Anzahl der mit Antibiotika behandelten Tiere verbergen.

Aus den genannten Gründen ist die nach der jüngsten Arzneimittelnovelle (16. AMG-Novelle) vorgeschriebene Angabe der Antibiotika-Verordnungen in Tonnen als Gradmesser eines Rückgangs oder Anstiegs des Antibiotikaeinsatzes irreführend und steht im Gegensatz zu einer transparenten Aufklärung, wie es das BVL leisten sollte. Es müssten vielmehr Kriterien verwendet werden, die sowohl die Wirksamkeit der Antibiotika, die Anzahl der behandelten Tiere und insbesondere die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigen.

Um die Risiken für die „Eine Gesundheit“ (WHO: One Health-Prinzip) Mensch, Tier und Umwelt adäquat zu berücksichtigen, fordern wir die folgenden Maßnahmen zeitnah umzusetzen.

• Als wichtigsten Schritt, der die Vergleichbarkeit der Antibiotika-Mengen sicherstellen würde, ist eine Angabe als „Defined Daily Doses“, als Erfassungskriterium notwendig, also der Zahl der pro Tag oder Tier verabreichten Antibiotika-Mengen.

• Erfassung des Antibiotika-Einsatzes in allen Tierhaltungen, nicht nur in ausgewählten Mastbetrieben wie bisher.

• Durchführung eines Antibiogramms (Wirksamkeitstest) als Pflichtvorgabe bei Antibiotikaeinsätzen (anstelle der bisher freiwilligen Durchführung).

• Verbannung des Einsatzes von Reserve-Antibiotika aus Intensivtierhaltungen.

• Einschränkung der Umwidmungsmöglichkeiten von Wirkstoffen.

Weiterhin ist eine notwendige Voraussetzung für einen deutlich geringeren Antibiotikabedarf in Tierhaltungen in Deutschland die Verbesserung des gesetzlichen Tierschutzes über die Nutztierhaltungs-Verordnung. Die Verwendung von (Reserve-)Antibiotika zur Kompensation von Haltungs-, Management- oder Hygienemängeln in der Intensivtierhaltung widerspricht dem One-Health-Prinzip.
Äußerst bedenklich stimmt uns in diesem Zusammenhang auch der weiterhin dutzende Tonnen betragende Einsatz von Colistin bei Tieren. Die aus humanmedizinischer Sicht unverzichtbaren Reserve-Antibiotika (siehe auch die „WHO list of Critically Important Antimicrobials (CIA)“) der Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation sowie von Colistin sollten nicht in der Massentierhaltung eingesetzt werden!

Wir gehen davon aus, dass Sie unsere berechtigten Sorgen nachvollziehen können und möchten Sie bitten, zeitnah folgende Fragen zu beantworten:

• Welche Änderungen der Kriterien zur Erfassung der Antibiotika-Abgaben an Tierärzte und Tierärztinnen werden Sie veranlassen?

• Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um den Einsatz von Antibiotika in der Massen-Tierhaltung generell und insbesondere der „Reserve-Antibiotika“ nachhaltig zu reduzieren?

• Werden Sie sich für ein Verbot der Verwendung von „Reserve-Antibiotika“ in der Massen-Tierhaltung einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen,

Antonius Michelmann (Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG))
Dr. Jutta Weinmann (Ärzte gegen Massentierhaltung)
Susan Haffmans (Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany))
Alexandra Caterbow (Health and Environment Justice Support e.V. (HEJSupport))
Reinhild Benning (Germanwatch e.V.)
Dr. Claudia Preuß-Ueberschär (Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V.)

Kontakt:
Antonius Michelmann (Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG))
Postfach 150418, D-40081 Düsseldorf, Tel.: 0211 333 911, Fax.: 0211 - 33 39 40)

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[News&Infos] Pressespiegel NEWS und INFOS

CBG Redaktion

Rund um das Thema Monsanto, BAYER, deren anstehende Fusion,deren Produkte und Machenschaften werden hier Nachrichten/Videos/Dokumentationen gesammelt. Einen starken Magen beim Stöbern wünscht Ihr Team der CBG!


Aktuelle Entwicklungen:

Süddeutsche: So prüfen die Wettbewerbshüter in Brüssel die Übernahme von Monsanto

ARD: BAYER wirft Blick in MONSANTOs Bücher

Handelsblatt: BAYER prüft MONSANTO-Bücher


Infos:

Auf keinen Fall kaufen


Videos/Dokumentationen

Monsanto mit Gift und Genen

Chronisch vergiftet - Monsanto und Glyphosat (ARTE Doku)

Aspartam, das Gift aus dem Supermarkt

200.000 Selbstmorde in Indien: Die verheerenden Folgen durch Monsanto

[PK Be CBG-Statm] Pressekonferenz Berlin 27 Juni 2016

CBG Redaktion

Statement der CBG zur Bayer-Monsanto Fusion

auf der Pressekonferenz mit NABU, Navdanya International, dem weltweiten Dachverband für biologischen Landbau IFOAM - Organics International und der Coordination gegen BAYER-Gefahren

vom 27. Juli 2016, Berlin

Statement der CBG:

Der Konkurrenzdruck in der Chemiebranche Branche hat sich in den letzten Jahren erneut deutlich erhöht und beschleunigt derzeit einige Fusionen.
Neben Bayer und Monsanto stehen auch die Fusionen von Dow-Chemical und Dupont sowie von Syngenta (Schweiz) und Chem China an. Die Vorboten dieses Umstrukturierungsprozesses beobachten wir bei Bayer schon länger.

Mit dem Jahre 2001 begannen systematisch Zukäufe von Biotechnologischem Know- durch die Übernahmen von Aventis Cropscience, Plantecc, und weiteren. Es folgte die Ausgliederung der klassischen Chemiesparte unter dem Namen Lanxess und die Übernahme des Consumer-care-Geschäfts des Pharma-Konzerns Merck. Mit der derzeit laufenden Ausgliederung der Kunststoffsparte unter dem Namen Covestro ist dieser Umbau nun fast abgeschlossen.

Was Monsantos Glyphosat ist das ist Bayers Glufosinat, Was die Round up-Ready GMOs von Monsanto das ist Liberty Link und Credenz von Bayer. Bayer hält mittlerweile die meisten Gentechnik-Patente in der EU , Bayer verkauft Pestizide überall auf der Welt und Gen-Pflanzen vor allem in Nord und Südamerika.

Die Übernahme von Monsanto wäre nun die passende Krönung des Ganzen. Bayer würde weltweit über 27% des Weltsaatgutsmarktes beherrschen, 90% des Marktes für Gensaatgut, ca. 25% im Bereich Pestizide und damit weltweit größter Agrarchemiekonzern werden.Eine nie dagewesene Monopolisierung der Nahrungsmittelindustrie würde resultieren.

Mit den absehbaren Folgen wie dem Abbau von Doppelstrukturen und Personalentlassungen einer gesteigerten Marktmacht zur Durchsetzung von Preisen, Patentansprüchen und politischen Interessen. Was aus der Zusammenlegung der Forschungsaktivitäten und Patente beider Konzerne resultieren wird ist ebenfalls abzusehen: Es gibt bereits gentechnisch manipulierte Organismen, die Resistenzen sowohl gegen Glyphosat- und Glufosinat aufweisen.Die Gentechnik-Pestizid-Spirale würde weltweit also weiter beschleunigt. Mit all den längst bekannten Folgen für Umwelt, Gesundheit, Artenvielfalt, Gewässer und Böden.

Was das für die Menschen in Deutschland und Europa bedeutet möchte ich am Beispiel Glyphosat veranschaulichen: Im Jahre 2013 wurde bei knapp 70% der deutschen Bevölkerung Glyphosat im Urin nachgewiesen. Heute (2016) sind es bereits 99.6%

Obwohl sich in den größten Anbaugebieten von Lateinamerika sowohl Krebsarten als auch Fehlgeburten in wenigen Jahren vervielfacht haben, und zahlreiche Studien Erbgutverändernde und Krebsbildende Wirkungen nachgewiesen wollen sowohl die Hersteller als auch öffentliche Behörden davon nichts wissen
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesamt für Risiko-Bewertung(BfR) 2013 von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA eine Verlängerung der Zulassung gefordert.

Wie schon so häufig bei derartigen Verfahren und Studien kam ans Tageslicht, das sich das Bundesamt für Risiko-Bewertung(BfR) hauptsächlich auf manipulierte Untersuchungen der Hersteller beruft. Ein Toxikologe des Pestizid-Aktions-Netzwerks, Dr. Peter Clausing, hat den finalen BfR Bericht zur Widerzulassung von Glyphosat erstmals einer unabhängigen wissenschaftlichen Begutachtung unterzogen und kommt zu dem Schluss:

„Wenn man ... der ausdrückliche Empfehlung der OECD zur mathematisch-statistischen Auswertung von Krebsstudien folgt, ..... zeigt sich“

• dass ein „hochsignifikanter, dosisabhängiger Trend für eine erhöhte Tumorrate“ vorliegt,
• dass „die Schlussfolgerung naheliegt, dass das BfR die Beweislage gegen Glyphosat mit Absicht geschwächt hat“

Bei der Glyphosat-Zulassung wird also die Gesundheit der Bevölkerung ganz bewusst enormen Risiken ausgesetzt. Von Umwelt-Schäden ganz zu schweigen.

Ich möchte auf die Summen verweisen, um die es hier geht und um zu klären, warum mit derartigen Mitteln gearbeitet wird.

Der Weltmarkt Agrar erreichte im Jahr 2015
• Im Pflanzenschutz-Bereich Volumen von ca. 46 Mrd € und im
• Bereich Saatgut einen von 85 Mrd € (Industrieverband Agrar)

((Die EU hat entsprechenden Anteil: 27% aller Höfe weltweit ab Größe von 10 Hektar befinden sich in der EU. (Hinter Amerika mit 46 %)))

Agrarrohstoffe und Agrarprodukte sind das viertwichtigste Exportgut der EU mit Volumen 120 Mrd. Euro im Jahre 2013.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Ruckwied sagte diesbezüglich: Ohne moderne Produktionsmethoden und dazu gehöre der Glyphosat-Einsatz, sei die Landwirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig.

Dementsprechend groß ist das Interesse großer Bauernverbände, der Nahrungsmittelindustrie und der Saatgut und Pestizid-Hersteller Glyphosat für unbedenklich zu erklären.

Ob durch Medienkampagnen von Bayer und Monsanto, durch die Finanzierung und Fälschung von Studien, oder durch massives Lobbying soll daher die Glyphosat Zulassung erhalten bleiben.
Auch wenn wir über das Freihandelsabkommen TTIP reden, speilt Glyphosat eine wichtige Rolle.
Die mögliche Entziehung der Glyphosat-Zulassung wird als Stolperstein gehandelt.
Entsprechend aktiv ist auch die Lebensmittel und Agrar-Lobby: Nach Erhebung von Corporate Europe Observatory (CEO) Kamen Vertreter der der Argrar und Lebensmittelindustrie im Vorfeld der TTIP Verhandlungen auf die meisten aller Lobby-Kontakte mit EU-Vertretern. Mit 126 Delegierten bekamen sie ein Viertel aller Lobbyaudienzen.

Zusammenfassend:
Die Konzernpolitik von Bayer, Monsanto und Co ist selbstverständlich auf Marktanteile, Wettbewerb und die Ausschüttungen für Aktionäre ausgerichtet.
Wir beobachten dass in diesem Sinne immer wieder die Gesundheit von Mensch und Natur riskiert wird - für kurzfristige Interessen.
Was wir aber brauchen ist eine Landwirtschaft die auf die langfristigen gesundheitliche und ernährungs-Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist.
Wir brauchen eine Landwirtschaft, die nicht rücksichtslos mit Gift und Genen in die hochkomplexen und empfindlichen Stoffwechsel der Natur eingreift,
sondern eine Landwirtschaft die die Umwelt, die Lebensgrundlage der kommenden Generationen pflegt und erhält.
Dies widerspricht selbstverständlich den Interessen von Bayer und Monsanto – und dementsprechend sehen wir einer weiteren Monopolisierung des Sektors mit großer Sorge entgegen.
Genauso wie der heute vielleicht anstehenden Entscheidung zur erneuten Zulassung von Glyphosat.
(Ergänzung vom 4.07.2016: Die jetzt ja nun tatsächlich um 18 Monate verlängert wurde)

Ob mit oder ohne Fusion - benötigen wir angesichts der zunehmenden Vergiftung von Mensch und Natur dringend mehr Aufklärung und Aktivität
Und wir benötigen eine Bewegung der einfachen Leute, die sich mit den langfristigen Interessen von Mensch und Umwelt identifiziert und für diese Interessen auch einsteht!

Das Tribunal gegen Monsanto sehen wir als einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieser Bewegungen, ob gegen Monsanto, Glyphosat oder TTIP – wir sehen es als Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft, die diesen Namen auch verdient.

[Unterschriften] Tod auf den Feldern. Gift im Essen.

CBG Redaktion

Tod auf den Feldern. Gift im Essen.

BAYER / MONSANTO stoppen!

Das Geschäftsmodell von BAYER und MONSANTO ist skrupellos: Mit Pestiziden und Gentechnik machen beide ihre Profite, sie schädigen die Gesundheit von Bauern und Verbrauchern, zerstören das Weltklima und die Artenvielfalt und gefährden die Ernährungs- und Lebensgrundlage aller künftigen Generationen. BAYER möchte nun MONSANTO übernehmen und dieses lebensbedrohliche Geschäftsmodell so zugunsten gesteigerter Profite für Großaktionären ausbauen. Widerstand ist daher dringend notwendig: Für eine solidarische Gesellschaft ohne Profitjagd auf kosten von Mensch und Natur!

Wir fordern:
Stopp der Fusion von BAYER / MONSANTO!
Stopp der Umweltzerstörung und Vergiftung durch Gentechnik und Pestizide!

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Bitte Listen kopieren und verbreiten.

Ausgefüllte Listen an:
Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf
www.CBGnetwork.org