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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000

[Plastikmüll] Unterschriften

CBG Redaktion

Ich unterstütze die Forderungen:

=> Verbot von Mikroplastik
=> umfassende Haftung der Hersteller
=> Offenlegung aller Inhaltsstoffe und sämtlicher toxikologischer Daten von Kunststoff-Produkten

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[Crowdfunding] Erfolg!

CBG Redaktion

taz-Mitdruck der Coordination gegen BAYER-Gefahren erschienen / Weiterer Abdruck am 27. Mai

4-seitige Beilage anlässlich der Hauptversammlung des BAYER-Konzerns in Köln konnte durch gemeinsame Finanzierung realisiert werden.

Unser DANK gilt allen, die diese Aktion durch ihre Spende im Rahmen dieser Crowdfunding-Kampagne möglich machten! Weitere Spenden zur Restfinanzierung erbeten.

Erstmals wird der Propaganda eines der großen Konzerne anlässlich seiner Hauptversammlung ein Tageszeitungs-Mitdruck in hoher Auflage entgegengesetzt.
Heute, am 15. Mai, liegt der tageszeitung (taz) ein 4-seitiger Mitdruck der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) bei. Die taz hat eine Auflage von 64.000. Diese Beilage ist nur in der Printausgabe (und hier auf unserer Internetseite) zu finden.

Themen des taz-Mitdrucks sind unter anderem: Protestaktionen zur Hauptversammlung der BAYER-Aktionäre, Kampagne zum Stopp von Plastikmüll, Pestizidvergiftungen, Steuerflucht des BAYER-Konzerns (und anderer Multis), Gen-Saatgut, lebensgefährliche Antibaby-Pillen.

Heute die taz am Kiosk kaufen!
oder die Beilage hier online lesen.

Nur Dank der Solidarität unserer UnterstützerInnen konnten wir dieses Wagnis eingehen!
Hier bitte für den Rest der Mitdruck-Kosten und die HV-Aktionen spenden:

=> leisten Sie eine einmalige Spende
=> werden Sie Fördermitglied (mtl. ab fünf Euro)
=> per PayPal (auf der website oben links) oder online

=> per Überweisung (Stichwort: taz-Beilage):
EthikBank
IBAN DE94830944950003199991
BIC GENODEF1ETK

Spendenstand 12. Mai: 17.247 Euro
Spendenstand 9. Mai: 15.978 Euro
Spendenstand 7. Mai: 14.455 Euro
Spendenstand 4. Mai: 12.881 Euro
Spendenstand 30. April: 11.944 Euro
Spendenstand 28. April: 11.101 Euro
Spendenstand 24. April: 10.361 Euro
Spendenstand 22. April: 9.901 Euro
Spendenstand 20. April: 9.130 Euro
Spendenstand 17. April: 8.659 Euro
Spendenstand 15. April: 7.045 Euro
Spendenstand 13. April: 5.505 Euro

Am 27. Mai findet die Hauptversammlung von BAYER statt. Am 15. Mai möchte die Coordination gegen BAYER-Gefahren eine vierseitige Beilage in der taz schalten. Die taz hat eine Auflage von 64.000 Exemplaren. Damit wollen wir der allgegenwärtigen Propaganda von BAYER wirksam entgegentreten.

Ob es klappt, hängt von Ihnen ab. Wir müssen diese Aktion per Crowdfunding finanzieren. Wir erhalten keinerlei Förderung und können ohne die Hilfe vieler Menschen solche Vorhaben nicht finanzieren.

Seit 2010 kämpfen wir gegen das finanzielle „Aus!“. Uns wird wegen unserer konsequent konzernkritischen Arbeit bereits seit 1983 die Gemeinnützigkeit verweigert. Die Realisierung der taz-Beilage ist somit ein finanzieller Kraftakt. Alleine können wir ihn nicht stemmen, möglich wird er nur durch die (finanzielle) Unterstützung vieler Menschen.

Gemeinsam werden wir es schaffen!

17.247 Euro haben wir bereits.

19.000 Euro brauchen wir insgesamt (incl. Grafik, Text, Layout, Fotos, Druck), um dieses Projekt zu finanzieren.
Es fehlen also noch 1.753 Euro.

So können Sie helfen:
=> leisten Sie eine einmalige Spende
=> werden Sie Fördermitglied (mtl. ab fünf Euro)
=> per PayPal (auf der website oben links) oder online

=> per Überweisung (Stichwort: taz-Beilage):
EthikBank
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Zur Hauptversammlung der BAYER AG werden wir breite internationale Proteste organisieren. Die HV selbst werden wir nutzen, um die Verantwortlichen des Konzerns mit den Kehrseiten der Profit-Milliarden zu konfrontieren. Unser taz-Sonderdruck soll unmittelbar vor der Hauptversammlung einen medialen Paukenschlag landen.

Hier unterschreiben: Ich unterstütze die Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung

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DANKE

Philipp Mimkes
Brigitte Hincha
Jan Pehrke
Axel Köhler-Schnura
Uwe Friedrich

Vorstand Coordination gegen BAYER-Gefahren

Störfall Institute

CBG Redaktion

30. März 2015

BAYER verkauft „Schwester-Fabrik“ von Bhopal

BAYER hat heute bekannt gegeben, das Werk im amerikanischen Institute zu verkaufen - ausgerechnet an die Firma UNION Carbide, die für die Katastrophe von Bhopal verantwortlich ist.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hatte jahrelang die Sicherheitslage im Werk Institute, der einstigen „Schwester-Fabrik“ von Bhopal, kritisiert. In Institute lagerten bis zum Jahr 2008 große Mengen der hochgiftigen Chemikalie MIC, die in Bhopal Tausende Anwohner tötete.

Trotz der Warnungen kam es im August 2008 zu einer schweren Explosion. In der Pestizidproduktion explodierte ein Vorratsbehälter, über der Anlage stieg ein Dutzende Meter hoher Feuerball auf. Zwei Arbeiter verloren das Leben. Die Erschütterungen waren in einem Umkreis von mehr als 15 Kilometer zu spüren.

Die Arbeitsschutzbehörde OSHA bemängelte nach einer Untersuchung des Störfalls “mangelhafte Sicherheits-Systeme, signifikante Mängel der Notfall-Abläufe und eine fehlerhafte Schulung der Mitarbeiter“. Der US-Kongress kam in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Explosion in Institute das „Desaster von Bhopal in den Schatten hätte stellen können“.

ausführliche Infos zur Kampagne

[Wolfgang Wirschal] Testimonials

CBG Redaktion

Danke für euer Engagement!! Gemeinsam sind wir stark, weiter so. Egal ob Pharmalobby, Lebensmittelindustrie, Monsanto und ihre miese Gentechnologie, die gesamte große Wirtschaft und ihre Politik, denn allen geht es nur um den Profit.
Schön, dass es noch Menschen gibt, die nicht nur ihre eigene Brieftasche im Kopf haben!

Wolfgang Wirschal

[Fake Werbung] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

27. März 2015

BAYER-Hauptversammlung am 27. Mai 2015

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Der BAYER-Konzern beteiligt sich an unlauterer Werbung im Internet. So hat BAYER eine Agentur in Wien beauftragt, unter falschem Namen Kommentare in sozialen Netzwerken zu posten. Beworben wurde u.a. die Hormonspirale MIRENA, obwohl Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist. Inzwischen wurde gegen BAYER Strafanzeige eingereicht.

Wie systematisch die sozialen Medien unterwandert werden, offenbaren Dokumente, die das österreichische Magazin Datum publiziert hat. Demnach veröffentlichte allein die Wiener Agentur Mhoch3 mehrere Hunderttausend gefälschter Postings. Mitarbeiter der Agentur schufen Tausende von Identitäten, die sich im Netz über Reiseziele, Autos, Glücksspiele oder neue CDs ausließen.

Die von Mhoch3 gefakten Kommentare finden sich auf Plattformen und sozialen Netzwerken wie Facebook, GuteFrage.net oder YouTube und auf Nachrichtenseiten wie Spiegel Online oder Focus.de. Die PR-Mitarbeiter geben sich als Privatpersonen aus, die aus Freundlichkeit Unterstützung anbieten. Rechtschreibfehler und persönliche Fragen sollen Authentizität suggerieren. Zur Aufgabe der Agentur gehört es auch, Einträge bei wikipedia „aufzuhübschen“. Vor der Kampagne erhielten die PR-Mitarbeiter eine Schulung von BAYER. Viele der gefakten Kommentare finden sich bis heute im Netz.

Im Fall von BAYER warb Mhoch3 unter anderem für Flohmittel wie Advantix, Advantage und Kiltix aus der Veterinärsparte des Konzerns. Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit sollten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigens ein Haustier erfinden. In Interneteinträgen hieß es dann etwa: „Benny was hast du deiner katze letzt endlich gegeben damit die Flöhe verschwinden? Wir behandeln immer mitn Spot On von Bayer namens Advantage- kennst du das?...wünsch Euch viel Glück!“.

Noch kritischer zu bewerten ist das Marketing für die umstrittene Hormonspirale MIRENA, durch das auch eine Gesundheitsgefährdung der Anwenderinnen in Kauf genommen wird. Denn obwohl für MIRENA Berichte über teils schwerwiegende Nebenwirkungen vorliegen, veröffentlichte die Agentur Postings im Tonfall hilfsbereiter Freundinnen: „also ich hab mir vor einem jahr die hormonspirale mirena einsetzen lassen und ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden damit bin. hatte am anfang angst vor dem einsezten, doch das war halb so schlimm“ (Olivia34, psychologie.at) oder: „Ich habe mir die Mirena einsetzen lassen, ist ebenfalls eine hormonspirale und damit hatte mein Frauenarzt sehr gute Erfahrungen bereits gemacht (…) – das kann ich voll empfehlen“.

Auch gehörte es zu den Aufgaben der Agentur, die zahlreiche Berichte über unerwünschte Reaktionen zu entkräften: „@ sporzal: mein tip es könnte auch eventuell nicht von der mirena kommen, sondern eventuell eine Allergie sein, ich hab das leider auch erst mal in vor kurzer zeit festgestellt, ich hatte echt total oft Kopfweh und das ist nicht lustig – das kann ich nachvollziehen“. Die erfundene Userin „MauMau“ begab sich hierfür eigens in das hormonspirale-forum.de, in dem sich betroffene Frauen über ihre Erfahrungen mit MIRENA austauschen.

Für BAYER hat sich die Kampagne offenbar gelohnt. Im internen Fazit heißt es laut Süddeutscher Zeitung: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Internet eine ideale Plattform zur Verbreitung von Informationen zum Thema Verhütung darstellt“. In zahlreichen Fällen hätten die Reaktionen der Nutzerinnen gezeigt, dass sie den freundlichen Kommentaren Glauben schenkten und sich für die Spirale interessierten.

Zwar kennt niemand die Zahl der Agenturen, die Fake-Kommentare anbieten. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass keine Nische des Internets frei von Fälschungen ist. Im vorliegenden Fall sollten offensichtlich auch Gesetze umgangen werden, denn Werbung für verschreibungspflichtige Präparate wie MIRENA ist verboten.

Um das Werbeverbot für Medikamente zu umgehen, betreibt BAYER zudem webseiten wie Pille.com oder testosteron.de, die als „Informationsangebote“ getarnt werden. Insgesamt gibt BAYER pro Jahr rund 11 Milliarden Euro für Werbung und Vertrieb aus. Eine Aufschlüsselung verweigert der Konzern. Häufig überschreitet BAYER dabei die Grenzen des Erlaubten: Strafen für unlautere Werbung werden von vornherein mit einkalkuliert und aus der Portokasse beglichen.

BAYER betreibt für viele Medikamente unverantwortliches Marketing. Aktuell sind auch die Antibabypillen aus der YASMIN-Reihe oder der Gerinnungshemmer XARELTO zu nennen – beides Präparate mit hohem Gefährdungspotenzial. Zudem unterwandert die Pharmaindustrie systematisch Selbsthilfegruppen und Patienten-Verbände.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Für goldene Bilanzen geht BAYER notfalls über Leichen.

[Gegenantrag] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

27. März 2015

BAYER-Hauptversammlung am 27. Mai 2015

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Die Ausgliederung der Kunststoff-Sparte Bayer MaterialScience (BMS) droht zu Lasten der Belegschaft zu gehen, vor allem im Ausland. Zudem entzieht sich BAYER der Verantwortung für die Sicherheit der extrem gefährlichen Anlagen.

Im September 2014 gab der BAYER-Konzern dem Druck der Finanzmärkte nach und verkündete die Ausgliederung der Kunststoff-Sparte Bayer MaterialScience. In der Absicht, die bereits zweistellige Gewinnmarge noch weiter zu erhöhen, hatten Investoren seit Jahren auf diesen Schritt gedrängt. Im Oktober gaben die Private Equity-Firmen Advent, Carlyle, Cinven und KKR ihr Interesse an einer Übernahme bekannt.

Leidtragende dieser Entwicklung sind die mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um die Kunststoff-Sparte im Unternehmen zu halten, waren ihnen in den vergangenen Jahren zahlreiche Zugeständnisse abgepresst worden. So hatte BAYER mittels mehrerer „Effizienz-Programme“ über 2.000 Arbeitsplätze vernichtet, mehrere Werke geschlossen und Bonus-Zahlungen gestrichen. Nun zeigt sich, dass diese Opfer umsonst waren.

Welche Entwicklung langfristig droht, zeigt die ehemalige Chemie-Sparte von BAYER, die vor zehn Jahren unter dem Namen Lanxess ausgegliedert wurde. Mehrere Tausend Arbeitsplätze wurden seitdem vernichtet. Ein großer Teil der Belegschaft erlitt Lohneinbußen oder wurde in andere Werke versetzt. Über die Jahre wurde Lanxess immer weiter parzelliert - mehrere Bereiche wurden geschlossen, andere verkauft. Angesichts einer möglichen Übernahme durch „Heuschrecken“ ist bei BMS eine ähnliche Entwicklung zu befürchten.

Die GewerkschaftsvertreterInnen im Aufsichtsrat haben der Abspaltung nach massiven Drohungen der Unternehmensleitung zugestimmt. Als Gegenleistung konnte zwar eine Arbeitsplatzgarantie ausgehandelt werden. Diese gilt jedoch nur für die deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und nur für fünf Jahre. Die Belegschaft des Werks in Antwerpen konnte erst nach einem Streik und anderen Kampfmaßnahmen eine vergleichbare Vereinbarung durchsetzen. In den USA hingegen, wo BAYER 95 % der Belegschaften einen Tarifvertrag verweigert und wo die Gewerkschaften von BAYER aus den meisten Werken gedrängt wurden, droht ein sozialer Kahlschlag.

Ein weiteres Problem ist die Störfall-Sicherheit: unter dem Dach von Bayer MaterialScience befinden sich zahlreiche hochgefährliche Anlagen. So kommen bei der Produktion von Polyurethan und Polycarbonat riesige Mengen toxischer Stoffe wie Chlor, Ammoniak, Kohlenmonoxid und sogar des ehemaligen Kampfgases Phosgen zum Einsatz.

Die künftigen Besitzer werden versucht sein, den von BAYER eingeschlagenen Kurs fortzusetzen und die Kosten für Wartung, Personal und Feuerwehr weiter abzusenken. Dies führt automatisch zu höheren Störfallrisiken. Da BMS einige der – nach Atomkraftwerken – gefährlichsten Industrieanlagen in Deutschland betreibt, droht ein Anstieg der Gefährdung für die AnwohnerInnen. Es ist unverantwortlich und inakzeptabel, hochgefährliche Anlagen in die Welt zu setzen, ohne für deren Sicherheit dauerhaft die Verantwortung zu übernehmen.

Konsequenzen hat der Schritt auch für die umstrittene CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld, die gegenwärtig durch Gerichtsbeschlüsse auf Eis gelegt wurde. Sollte die Pipeline jemals in Betrieb gehen, so wäre völlig unklar, von wem sie in zehn oder zwanzig Jahren betrieben wird. Auch das Sicherheitsniveau und die maximale Haftung stünden in den Sternen. Ein Argument mehr, dieses unselige Projekt noch vor der Abspaltung aufzugeben.

Zudem drohen Standorten wie Leverkusen, Krefeld und Brunsbüttel Steuer-Verluste, wenn BAYER die Sparte an Private-Equity-Gesellschaften verkauft. Diese bürden den Verkaufspreis gerne ihren Neuerwerbungen als Schulden auf und senken so deren Gewinn und die Steuerlast. Zudem haben die Finanz-Konzerne ihren Sitz häufig in Steueroasen.

Der Aufsichtsrat hat der Ausgliederung von BMS zugestimmt, obwohl für ausländische Arbeitsplätze keine Bestandsgarantie gegeben wurde. Auch gibt es keine Zusicherung von BAYER, dass die Sicherheitsstandards nicht abgesenkt werden. Daher ist dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Abwasser

CBG Redaktion

26. März 2015

BAYER-Geschäftsbericht 2014

VSR-Gewässerschutz: Stellungnahme zu Wasserverschmutzung

Mit „Wassernutzung und Emissionen in das Wasser“ ist ein Abschnitt des Geschäftsberichtes 2014 von BAYER überschrieben. Wer jetzt erwartet, Informationen über die Belastung der an den Standorten vorbei fließenden Flüsse wie dem Rhein zu erhalten, wird enttäuscht. Durch die Zusammenfassung von vielen Daten versucht die Konzernleitung auch diesmal, die von ihrer Produktion ausgehenden Umweltbelastungen zu verschleiern.

Ein Beispiel soll diese Taktik erläutern. So kann der Tabelle 3.12.7 auf Seite 137 entnommen werden, dass BAYER im letzten Jahr 6,8 Tonnen Schwermetalle ins Wasser emittiert hat. Um welche Stoffe es sich handelt, verschweigt die Konzernleitung. Mit der Bezeichnung Schwermetalle wird eine Gruppe von Metallen zusammengefasst. Durch das Fehlen einer eindeutigen, wissenschaftlich akzeptierten Definition des Begriffes „Schwermetall“ gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen - welche BAYER verwendet ist dem Bericht aber nicht zu entnehmen. Sie schreiben zwar, dass sich die emittierte Menge insgesamt verringert hat. Ob sich dadurch auch die Umweltgefährdung reduziert, ist dieser Angabe aber nicht zu entnehmen. Jedes Schwermetall hat ein unterschiedliches Gefährdungspotential. Eine Verringerung der Gesamtmenge kann man auch dadurch erreichen, dass man z.B. die Einleitung weniger gefährlicher Schwermetalle verringert. Wenn sich gleichzeitig die Menge der hochgefährlichen Schwermetalle vergrößert, kann es trotz der Mengenreduzierung zu einer Erhöhung der Umweltgefahren kommen.

Auch ist wegen der Summierung der Schwermetall-Frachten aller BAYER-Werke nicht zu entnehmen, in welche Gewässer diese Stoffe eingeleitet werden und aus welchen Produktionen die Stoffe emittiert werden. Wegen dieser grundsätzlichen Probleme ist eine Bewertung der Umweltgefährdung durch die Emissionen nicht möglich. Die Veröffentlichung dieser Zahlen liefert in der dargestellten Art keine essentiellen Informationen, welche Belastungen z.B. der Rhein oder andere Flüsse durch die Standorte von BAYER ausgesetzt ist. Eine Diskussion über mögliche weitere Reduzierungen ist daher nicht möglich.

Die Salzfracht ist ebenso wenig bewertbar. Denn auch die Gruppe der anorganischen Salze ist sehr groß. Hierzu gehört zum Beispiel Kochsalz (NaCl). In kleinen Konzentrationen ist es ungefährlich, in hoher Konzentrration hochproblematisch (siehe hierzu die Studien auf unserer Seite www.vsr-gewaesserschutz.de/16.html).

Im Geschäftsbericht 2014 von BAYER heißt es:

Emissionen in das Wasser 2010 – 2011 – 2012 – 2013 - 2014
Phosphor (in 1.000 t/a) 0,09 - 0,08 - 0,15 - 0,11 - 0,10
Stickstoff (in 1.000 t/a) 0,49 - 0,53 - 0,70 - 0,69 - 0,76
Schwermetalle (in 1.000 t/a) 0,0114 - 0,0108 - 0,0098 - 0,0091 - 0,0063
Anorganische Salze (in 1.000 t/a) 866 – 926 - 1.048 – 946 – 845

Weitere Informationen finden sich auf der website des VSR-Gewässerschutz

[Duogynon] Duogynon / Primodos

CBG Redaktion

25. März 2015

Hormoneller Schwangerschafts-Test Primodos / Duogynon

Britische Regierung startet Untersuchung möglicher Fehlbildungen

Die britische Regierung startet heute die Untersuchung möglicher Fehlbildungen durch den hormonellen Schwangerschafts-Test Primodos (in Deutschland Duogynon). Der Ausschuss bittet um Zusendung von Beweismitteln, siehe https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/416643/Primodos_public_call_for_evidence.pdf.

Tausende von Kindern erlitten in den 60er und 70er Jahren schwere Fehlbildungen durch die Schwangerschaftstests. Die von der Firma Schering vertriebenen Präparate führten zu Herzfehlern, fehlenden Gliedmaßen, Gaumenspalten und Nierenschäden. Bis heute steht eine Entschädigung oder eine Entschuldigung aus.

Informationen zur Kampagne

Glyphosat

CBG Redaktion

auch BAYER bietet Glyphosat an. Zu den verkauften Mengen macht der Konzern auch auf Nachfrage der CBG keine Angaben

Taz, 23. März 2015

Umstrittenes Pestizid Glyphosat

„Verbietet es!“

Umweltschützer schlagen Alarm wegen Krebsverdacht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bestreitet, sich zu sehr auf Industriestudien verlassen zu haben.

Nachdem Tumorforscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend“ eingestuft haben, fordern Umweltschützer ein sofortiges Verbot der Chemikalie.
„Das Vorsorgeprinzip gebietet, dass die Behörden bereits dann tätig werden, wenn der letzte Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit eines Stoffes noch nicht vorliegt“, sagte die zuständige Referentin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Heike Moldenhauer, am Montag der taz. „Ein Verbot ist umso dringlicher, als Glyphosat das meisteingesetzte Spritzmittel der Welt ist und Menschen ihm nicht ausweichen können.“ Auch die Grünen verlangten, die Zulassung des Ackergifts auszusetzen.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IACR) der WHO hatte das Pestizid vergangene Woche in die zweithöchste ihrer fünf Kategorien für Krebsrisiken eingruppiert. Es gebe „begrenzte Nachweise an Menschen“ und „ausreichende“ an Tieren für das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat. Der Stoff ist zum Beispiel im Unkrautvernichter „Roundup“ des US-Chemiekonzerns Monsanto enthalten und wird in der Landwirtschaft, aber auch in Gärten oder Parks benutzt.
Sowohl der BUND als auch die Grünen kritisierten das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Behörde hatte erst kürzlich bekräftigt, dass von dem Pestizid keine Gesundheitsgefahr ausgehe. Es war erwartet worden, dass die EU auf Grundlage der BfR-Einschätzung demnächst Glyphosat erneut zulässt. „Das BfR hat sich zu sehr auf die von der Industrie vorgelegten Studien verlassen“, monierte Aktivistin Moldenhauer.

In Auftrag der Chemieindustrie
„In diesem Verfahren sind sämtliche Studien berücksichtigt, die überhaupt zugänglich sind“ – auch die von den WHO-Experten zitierten, konterte BfR-Präsident Andreas Hensel im Gespräch mit der taz. Tatsächlich würden viele Untersuchungen von den Chemieherstellern in Auftrag gegeben. Sonst müsste der Staat diese millionenschweren Kosten tragen. Aber die Studien würden von akkreditierten Labors und nach den Richtlinien der Industrieländerorganisation OECD erstellt.
Hensel wies darauf hin, dass das von der WHO und der UN-Agrarorganisation FAO zusammengestellte Expertengremium über Pestizidrückstände (JNPR) „zu einer anderen Einschätzung“ als die Krebsspezialisten des IACR gekommen sei. Der Behördenchef stellte in Frage, ob die Krebsexperten alle Studien zum Thema berücksichtigt hätten. Das BfR könne sich jedoch erst im Detail äußern, wenn der vollständige Bericht des IACR vorliege.
Monsanto argumentierte, dass das „IARC nicht gleich WHO“ sei. Die anderen drei WHO-Programme, die Glyphosat untersucht hätten, würden keine Krebsgefahr sehen, teilte ein Firmensprecher mit. BUND-Expertin Moldenhauer ficht das nicht an. Schließlich sei das IARC das „für Krebsforschung entscheidende Programm der WHO“.

[Bonn] Carl Duisberg

CBG Redaktion

Bonn-Dransdorf: Bürgerantrag zur Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße vertagt

18. März -- Die Kommunalpolitik ist von Pragmatismus und Sachentscheidungen geprägt. Bei Abstimmungen sind Einmütigkeit oder aber wechselnde Mehrheiten nicht selten. Dies ändert sich bei Fragen, die allgemein- oder gesellschaftspolitischen Charakter haben. Hier brechen grundsätzliche Konflikte auf, Unterschiede zwischen rechten und linken Parteien werden offenkundig.
Die Behandlung des Umbenennungsantrags in der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung war brisant. Auf der einen Seite stand Duisbergs Verantwortung für Giftgas-Forschung, Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit, auf der anderen die enge Beziehung Carl Duisbergs und der Bayer AG zur Bonner Universität.

Konfliktreich wurde die Sitzung auch wegen eines kurzfristigen und nicht vorab mitgeteilten weiteren Bürgerantrags der Anwohner („Ablehnung des Umbenennungsantrags“), die sich nicht beteiligt fühlen und erst aus der Zeitung vom Antrag erfuhren. Der Antragsteller teilte mit, 48 der etwa 70 Anwohner zu vertreten, die sich für eine Ablehnung des Umbenennungsantrags ausgesprochen haben. Zur Person Duisbergs wurde nur ausgeführt, dass die Geschehnisse fast 100 Jahre zurückliegen und man mit der Geschichte leben müsse.

Es folgte eine intensive, zum Teil hitzige politische Diskussion (30 Min.): Vertreter von CDU, SPD und FDP lamentierten über zunehmende Umbenennungs-Diskussionen, die die Verordneten belasten und teilweise – da es um politisch-historische Bewertungen geht - überfordern würden. Die Grünen hielten dagegen, dass sich mit Straßenumbenennungen eine der wenigen eigenen Entscheidungsbefugnisse für eine Bezirksvertretung verbinde. Die Linken forderten eine Diskussion von Positivkriterien für die städtische Benennungsliste.

Die Diskussion im Einzelnen:
=> Grüne: Der Antrag ist verdienstvoll und legitim. Die Argumentation des Antragsteller hat Hand und Fuß: Jeder Bürger kann einen Antrag einbringen: Er muss nicht Anwohner sein und sich auch nicht mit diesen abstimmen. Denn eine solche Diskussion ist notwendig und sie hat gesamtstädtischen Charakter: Kann sich Bonn eine solche Benennung leisten. „Ehre nur, wem Ehre gebührt“.
=> CDU: Ignorierte die vorgetragenen Fakten und Zitate. Die Stellungnahme war eher eine Verharmlosung der Taten Duisbergs („lose Behauptungen, die der Lebensleistung Duisbergs nicht gerecht werden“) und eine Glorifizierung des Chemikers und Wohltäters für Uni und Stadt / „erst noch vor kurzem wurde an der Universität ein Raum nach Duisberg benannt“, „Politisch motivierte Kampagne einer Gruppe, die sich selbst anti-kapitalistisch nennt“. Die Stellungnahme machte den Eindruck als sei Bayer der Stichwortgeber gewesen…
• Dies wurde durch den folgenden Redner bestätigt: Der Beitrag des BürgerBundes brachte zutage, dass Bayer einen Brief an zumindest einen Teil der Bezirksverordneten gesandt hatte, um Einfluss zu nehmen. Der BürgerBund regierte denn auch devot: Man müsse auf den größten Steuerzahler und einen der größten Arbeitgeber in NRW Rücksicht nehmen.
=> SPD: Der Antrag verdient Respekt, weil er eine notwendige Diskussion um die Person Duisbergs initiiert. Nur: Man kann Duisberg von zwei Seiten betrachten…
Und: Die Kosten und Aufwendungen für die Stadt Bonn sind angesichts der katastrophalen Haushaltslage hoch. „Deshalb kann die SPD-Fraktion dem Antrag heute nicht zustimmen; sie unterstützt aber den Antrag der Grünen auf Vertagung“.
=> Piraten: Beantragten gleich zu Anfang der Diskussion ein Zusatzschild zum bisherigen Straßennamen; keine weiteren Diskussionsbeiträge.
=> Linke: Vorbehaltlose Zustimmung zum Antrag; argumentierten nochmals zu den historischen Fakten und empfahlen die Überprüfung weiterer Straßennamen sowie die Diskussion von Positivkriterien für die städtische Benennungsliste. Stimmten aus diesen Gründen gegen eine Vertagung.
=> FDP/AfD: Duisberg ist nicht nur der Übeltäter, sondern auch überragender Forscher, Förderer der Wissenschaften und Wirtschaftslenker
=> Der als Gast anwesende rechtsextreme Ratsvertreter von ProNRW: „Giftgaseinsatz wird von der Haager Landkriegsordnung gedeckt“

Vorläufige Entscheidung:
Nachdem CDU, FDP, AFD und BürgerBund ihre deutliche Ablehnung signalisierten und die SPD unentschieden war, beantragten die Grünen eine Vertagung.
Vertagung mit 10 (5 SPD, 4 Grüne, 1 Pirat) gegen 9 Stimmen (5 CDU, 1 FDP, 1 AfD, 1 BürgerBundBonn, 1 Linke)

Nächste Sitzung der Bezirksvertretung Bonn:
Dienstag, den 21. April um 17 Uhr
im Ratssaal des Stadthauses
Ausführliche Informationen zu Carl Duisberg und der Umbenennung von Duisberg-Straßen in anderen Kommunen: www.cbgnetwork.org/4071.html

Baytril

CBG Redaktion

Vier Bundesländer fordern Verbot des Einsatzes von Reserve-Antibiotika in der Tiermast. Hierzu gehört auch Baytril von BAYER. Weitere Infos auf unserer Kampagnenseite

16. März 2015, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

Minister Remmel: „Lebensrettende Reserveantibiotika müssen in der Tierhaltung verboten werden“

NRW-Initiative: Ministerinnen und Minister fordern auf Agrarministerkonferenz gesetzliche Regelungen für Reserveantibiotika

Nordrhein-Westfalen fordert die Bundesregierung auf, den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten. Auf der Agrarministerkonferenz fordert NRW in einem Antrag gemeinsam mit Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz vom Bund, schnellst möglich festzulegen, welche Antibiotika in der Humanmedizin als Reserveantibiotika benutzt werden und deshalb auch ausschließlich der Humanmedizin vorbehalten bleiben müssen. Diese sollen dann umgehend in der Veterinärmedizin verboten werden. „Der Einsatz von Antibiotika ist ein gesamtgesellschaftliches Problem: Wir beobachten mit großer Sorge, dass sich bei Menschen verstärkt Resistenzen entwickeln und mitunter lebensrettende Reserveantibiotika ihre Wirksamkeit verlieren. Deshalb müssen Reserveantibiotika der Humanmedizin vorbehalten bleiben und gehören in der Veterinärmedizin verboten“, erklärt Verbraucherschutzminister Johannes Remmel im Vorfeld der am Mittwoch in Bad Homburg beginnenden Agrarministerkonferenz. Die Ministerinnen und Minister fordern in ihrem Antrag eine Übersicht, welche antibiotischen Stoffe oder Stoffgruppen konkret als Reserveantibiotika für die Humanmedizin gelten.
Antibiotika sind unverzichtbar für die Behandlung von bakteriellen Infektionen beim Menschen. Sie sind nicht nur wichtig, um Infektionskrankheiten und Infektionen durch Krankenhauskeime zu bekämpfen, sie dienen außerdem dazu, Risiken von Komplikationen bei medizinischen Eingriffen zu senken. Doch inzwischen gibt es immer mehr bakterielle Erreger, die resistent gegen eine Behandlung mit antibiotischen Substanzen sind. Besonders besorgniserregend ist, dass auch die Resistenzen gegen die so genannten Reserveantibiotika zunehmen. Diese können für Menschen lebensrettend sein und sind unverzichtbar für die Humanmedizin. Oftmals werden sie jedoch auch im Veterinärbereich eingesetzt. „Diese Medikamente sind oft das letzte Mittel um menschliches Leben zu retten. In der Behandlung müssen sie deshalb eine lebenswichtige Reserve bleiben. Wenn sie ihre Wirksamkeit verlieren, werden Menschenleben aufs Spiel gesetzt“, so Minister Remmel.

Gesetzliche Regelungen für Reserveantibiotika
Gemeinsam mit den Ministerinnen und Ministern aus Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz fordert Verbraucherschutzminister Remmel, gesetzliche Regelungen zu schaffen, mit denen der Einsatz von Reserveantibiotika, die in der Humanmedizin benötigt werden, in der Tiermedizin untersagt wird. Andere sollen allenfalls eingeschränkt bei Tieren eingesetzt werden dürfen. In Deutschland fehlt bislang eine belastbare Klassifizierung welche Stoffe und Stoffgruppen überhaupt als Reserveantibiotika gelten. Die World Health Organisation (WHO) stuft beispielsweise die Substanzklassen der Fluorchinolone, der Cephalosporine der 3. und 4. Generation, der Makrolide sowie der Glycopeptide als „critically important antimicrobials“ ein. Verbraucherschutzminister Remmel fordert daher: „Der Bund muss konkret festlegen, welche Substanzen der Humanmedizin vorbehalten bleiben und welche in der Veterinärmedizin verboten werden sollen. Nur so können Resistenzen begrenzt und die Wirksamkeit der Medikamente für den Menschen erhalten werden.“

Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung
Der Einsatz von Antibiotika in der Intensivtierhaltung ist hoch. Das belegen unter anderem mehrere Studien des NRW-Verbraucherschutzministeriums. In der Tiermast ist der Einsatz von antibiotischen Substanzen inzwischen gängige Praxis, die antibiotikafreie Tiermast hingegen nur noch die seltene Ausnahme. Dabei kommen zunehmend auch Reserveantibiotika zum Einsatz. „In vielen Betrieben werden fast alle Nutztiere mit Antibiotika behandelt. Ihre gesundheitliche Anfälligkeit ist oftmals das Ergebnis aus Überzüchtung und unzureichenden Haltungsbedingungen. Wenn wir an die Stellschraube wollen, um diesen massenhaften Einsatz antibiotischer Substanzen zu reduzieren, müssen wir vor allem die Haltungsbedingungen verbessern“, so der Minister.
Erst Ende letzten Jahres legte das Ministerium einen Fachbericht vor, der offenbarte, dass in NRW in der Putenhaltung neun von zehn Mastdurchgänge mit Antibiotika behandelt werden. Der Bericht kam zu ähnlichen Ergebnissen wie vorherige Studien. So wurde bereits im November 2011 durch die NRW-Hähnchenmaststudie erstmals in der Bundesrepublik in einer umfassenden Erhebung ermittelt, dass auch bei neun von zehn Masthühnern Antibiotika eingesetzt wurden. Die vertiefende NRW-Verschleppungsstudie ergab im Juli 2012, dass Mastgeflügel in NRW offenbar auch außerhalb von Therapiezeiten und teilweise ohne tierärztliche Verordnung in Kontakt mit Antibiotika gekommen ist: In 26 von 42 (rund 62 Prozent) überprüften Ställen wurden auffällige Rückstände antibiotisch wirksamer Substanzen in Tränkwasser ermittelt. Aktuell bereitet NRW eine Bundesratsinitiative für verbindliche Regelungen für die Haltung von Mastputen vor. Darin soll die Bundesregierung aufgefordert werden, die Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung mit rechtsverbindlichen Regelungen zur Putenhaltung zu ergänzen.

Weiteres Thema auf der Agrarministerkonferenz
In einem gemeinsamen Antrag mit Baden-Württemberg fordert Minister Remmel zudem ein Verfahren zur Kennzeichnung von Fleisch zu entwickeln, mit dem die Haltungsverfahren der Tiere erkennbar werden. Remmel: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen es und haben ein Recht darauf zu erfahren, aus welcher Haltungsart Fleisch stammt. Deshalb ist unsere Forderung, Fleisch zu kennzeichnen, damit Verbraucherinnen und Verbraucher auf einen Blick erkennen können, wie artgerecht oder intensiv und ausschließlich leistungsorientiert Tiere gehalten wurden. Nur wenn auch ausreichend informiert wird, erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher eine echte Wahlmöglichkeit und können aktiv selber entscheiden, zu welchem Produkt sie greifen möchten.“ Remmel erläuterte, dass Verbraucherinnen und Verbraucher eine solche Wahlmöglichkeit wünschen würden, zeige das Beispiel der Kennzeichnung bei Eiern. „Die nicht artgerechte Käfighaltung bei Legehennen wurde schlussendlich nicht mehr vom Verbraucher akzeptiert und ist mittlerweile verboten.“

Aspirin

CBG Redaktion

17. März 2015

Mythos Aspirin

Aspirin ist das bekannteste Schmerzmittel auf der Welt. 776 Millionen Euro setzt der Bayer-Konzern jährlich damit um. Es ist einfach herzustellen. Viele Menschen wenden es bei leichtem Unwohlsein an oder bekämpfen lästige Dauerschmerzen damit. Wird das Schmerzmittel zu leichtfertig genommen, und werden die Nebenwirkungen unterschätzt? Einige Experten schätzen, der Wirkstoff Acetylsalicylsäure könnte für über 1.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein.

Fünf Milliarden Tabletten jährlich produziert Hersteller Bayer am Standort Bitterfeld für den internationalen Markt. Rund 40 Millionen Packungen Aspirin werden jedes Jahr in Deutschland verkauft, mit steigender Tendenz.

„Aspirin muss als Schmerzmittel vom Markt“
Aspirin ist frei verkäuflich in den Apotheken, man braucht kein Rezept dafür und kann daher so viel davon nehmen, wie man will. Dr. med. Friedrich Hagenmüller, Professor für Gastroenterologie in Hamburg, fordert: Aspirin muss als Schmerzmittel vom Markt genommen werden. Dr. Uwe Gessner, Wissenschaftler beim Pharmakonzern Bayer, hält dagegen: Die Kunden wüssten sehr genau, wie sie mit Aspirin umgehen müssten. Unbestritten ist, dass die blutverdünnende Wirkung von Aspirin in niedriger Dosierung für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten lebensrettend ist. Jetzt steht sogar zur Diskussion, Aspirin bereits vorbeugend gegen Herzinfarkt und sogar Darmkrebs einzusetzen.

Magendurchbruch durch Acetylsalicylsäure
Für Christa Karnstedt war Aspirin immer ein harmloses, wohltuendes Hausmittel, das sie ab und zu einnahm. Bis zu dem Tag, als sie plötzlich mit einem blutenden Magengeschwür ins Krankenhaus kam. Ein Drittel ihres Blutes hatte die 64-Jährige da bereits verloren und brauchte eine Transfusion. Was sie nicht wusste: Aspirin ist, wie auch andere Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol), ein Medikament, das erhebliche Nebenwirkungen haben kann. Täglich werden in norddeutschen Kliniken Menschen mit blutenden Magengeschwüren oder sogar Durchbrüchen eingeliefert, die durch den Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der in Aspirin enthalten ist, ausgelöst werden. Er wirkt gleich dreifach: gegen Schmerzen, fiebersenkend und entzündungshemmend. Doch Aspirin kann auch schwere Nebenwirkungen haben. Es kann Geschwüre und Blutungen im Magen oder Darm hervorrufen, weil es die Schleimhäute im Verdauungstrakt angreift. Das Medikament kann zudem Asthmaanfälle und Nierenschäden auslösen.

1.000 bis 5.000 Todesfälle?
Friedrich Hagenmüller schätzt, dass die Zahl der jährlichen Todesfälle in Deutschland, an denen Aspirin beteiligt ist, vierstellig ist: „Man muss annehmen, dass sich die Anzahl der Fälle zwischen 1.000 und 5.000 bewegt.“ ausgelöst werden. Experten schätzen die Todesfälle auf über 1.000 pro Jahr.
Aspirin wirkt nicht nur schmerzstillend, sondern verdünnt auch das Blut. Die blutverdünnende Wirkung von Aspirin wurde entdeckt, weil Patienten nach Mandeloperationen immer weiter bluteten. Auch heute noch ist Aspirin vor Operationen ein Problem. Deshalb soll fünf Tage vor Operationen kein Aspirin eingenommen werden. Doch bei bestimmten Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ist allerdings genau diese blutverdünnende Nebenwirkung erwünscht.

Verzichtbar oder Wunderwaffe?
Als Schmerzmittel aber haben, so die Meinung vieler Ärzte, Medikamente mit Acetylsalicylsäure ausgedient. „Aspirin zur Schmerzbehandlung braucht man eigentlich nicht. Es hat seine Segnungen und guten Effekte auf anderen Gebieten, aber als Schmerzmittel ist es eigentlich verzichtbar, da haben wir bessere Mittel“, meint Friedrich Hagenmüller. Uwe Gessner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bayer-Tochter Bayer Vital sieht das natürlich anders: „Aspirin ist ein Medikament, das seit über 110 Jahren auf dem Markt ist. Es ist hervorragend untersucht. Es gibt kaum ein Medikament, was besser untersucht ist und es wird auch in Zukunft nach meiner Meinung ein Medikament sein, das gegen Schmerzen und Fieber und Entzündungen seinen Stellenwert haben wird“.

[Carl Duisberg Zitate] Zitate von Carl Duisberg

CBG Redaktion

zum Thema Giftgas

Brief an Major Bauer vom 3. März 1915 (Kühlem, S. 218/219)
„Dieses Chlorkohlenoxyd ist das gemeinste Zeug, das ich kenne. (...)
Wenn man nun stundenlang den Gegner mit diesem giftigsten aller gasförmigen Produkte behandelt, so werden meiner Meinung nach die Gegner sofort ausreißen (…)
Die einzig richtige Stelle aber ist die Front, an der man so etwas heute probieren kann und auch für die Zukunft nicht sobald wieder Gelegenheit hat, so etwas auszuprobieren. (...)
Ich kann deshalb nur noch einmal dringend empfehlen, die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen, ohne auch die Hexa-Granate zu prüfen.“

Brief an Major Bauer vom 13. Dez 1915 (Kühlem, S. 268)
„die K-Granaten (sind) für die besonderen Zwecke des Angriffs mit durchstossender Kraft viel besser. Ähnlich wie das Chlor, nur dreimal giftiger, also gleich dem Phosgen, wirkt der K-Stoff nicht nur beissend auf Augen und Schleimhäute, sondern er ätzt auch die Lunge und vergiftet das Blut“.

Brief an Major Bauer vom 10. August 1916 (Kühlem, S. 292/293)
„Er möge doch eine Füllung nehmen, die zur Hälfte aus Per-Stoff und zur Hälfte aus Phosgen besteht. Diese Mischung ist nämlich meines Erachtens am köstlichsten.“

Brief an Hans-Hasso von Veltheim, 8. Oktober 1915 (Kühlem, S. 254)
Deshalb hat man jetzt für den Oktober grössere Aufträge an T- und K-Granaten erteilt. Von jeder Sorte 48000 Stück. Wir arbeiten mit Hochdruck, um sie fertig zu stellen. Hoffentlich werden weitere Bestellungen für den Monat November und Dezember folgen. Ich will sehen, ob ich nach dieser Richtung hin in Berlin etwas erreichen kann.

Brief an Major Bauer vom 19. Januar 1916 (Kühlem, S. 272)
„nachdem ich mir schon seit Wochen den Kopf vergeblich zerbreche, wie ich noch weiter helfen und neue Reiz- und Gift-Stoffe ausfindig machen kann...“

zum Thema Zwangsarbeit

16. September 1916: Treffen mit dem preußischen Kriegsminister
„Öffnen Sie das große Menschenbassin Belgien!“
Das Reichsamt des Inneren griff den Vorschlag der Industrie auf und ließ rund 60.000 Belgier deportieren

Zitat Duisberg (Timo Baumann, Giftgas und Salpeter; Düsseldorf 2011):
„Es war so: Als wir bei der Übernahme des großen Hindenburg-Programmes Mangel an Arbeitern aller Art hatten (...), erfuhr ich zufällig bei einem Vortrag, den ich bei der 4. Armee hielt, von dem Chef des Stabes, dass er mit Leichtigkeit aus dem ihm unterstellten Teile Flanderns 60.000 bis 80.000 Arbeiter abgeben könne.“

„Wir haben aus Polen Tausende von Arbeitern herausgeholt, aber aus Belgien nicht einen einzigen bekommen. Und die, die wir bekommen haben, sind weggelaufen, weil sie es in Belgien besser haben als bei uns.“

Kriegsproduktion / Sprengstoffe

Brief an Major Bauer im Juli 1915
„Sähen Sie jetzt einmal, wie es hier in Leverkusen aussieht, wie die ganze Fabrik umgekrempelt und umorganisiert ist, wie wir fast nichts mehr als Kriegslieferungen ausführen (...), so würden Sie Ihre helle Freude haben.“

Brief an Prof. Emil Fischer vom 23. Dezember 1914 (Kühlem, S. 212)
Das Leben in der Fabrik ist emsiger wie je zuvor geworden. In den anorganischen Betrieben sind wir ununterbrochen tätig, um die Sprengstofffabriken mit den nötigen Rohmaterialien zu versehen. Die Anilinfabrik hat sich ganz in einen Kriegslieferungsbetrieb verwandelt (….)
…zur Füllung der Granaten, deren wir 10.000 Stück pro Tag fertig machen wollen…

Brief an Major Bauer vom 13. Dez 1915 (Kühlem, S. 270)
„hätten wir uns schweren Herzens zur Aufnahme der Sprengstoff-Fabrikation entschlossen. Jetzt seien wir leider schon soweit gekommen, dass wie ein Drittel der Gesamtproduktion Deutschlands machten und den grössten Teil auch in Granaten füllten.“

Brief an Major Bauer vom 10. September 1916 (zitiert nach Otto Köhler)
«Es war zu lieb und nett von Ihnen, daß Sie mir... Gelegenheit gaben, nicht nur Sie wiederzusehen, sondern auch vor allem den Volksheros Hindenburg und den Moltke dieses Krieges, Ludendorff, persönlich kennen zu lernen. Der neunte im neunten Monat 1916 war ein ereignisvoller Tag in meinem Leben, den ich sobald nicht vergessen werde. Es war nämlich wie damals nach der Marneschlacht im Spätherbst 1914... Auch damals war es der Munitionsmangel, in weit bedrohlicherer Form wie heute, der uns zusammenführte und uns nicht nur menschlich näher brachte, sondern auch praktisch in die Speichen des Krieges eingreifen ließ.«
vier Tage später wurde das „Hindenburg-Programm“ zur massiven Aufrüstung verkündet

Adlon Konferenz, Februar 1917:
Duisberg forderte die Entlassung von Reichskanzler Theobald von Bethmann: „Wir sind ganz auf Krieg und Gewalt eingestellt, und das beste wäre, wenn diese Sachlage auch äußerlich zum Ausdruck käme, dass der Marschall auch Kanzler wäre (...). Denn jetzt ist ‚Politik’ gleich Krieg und Krieg gleich ‚Politik’“.

Mitgliedschaft in der rechtsextremen Deutschen Vaterlandspartei

Duisberg hat bezüglich seiner Mitgliedschaft wiederholt die Unwahrheit gesagt.
Zum Beispiel im Brief an Dr. E.A. Merck vom 31. Oktober 1918 (Kühlem, S. 362):
…sonst müsste er wissen, dass ich mich politisch nie betätigt habe. Ich habe niemals einer politischen Partei angehört und Politik nicht getrieben.
oder im Brief an den Journalisten Maximilian Harden am 22. November 1918 (Kühlem, S. 372): „Ich habe bisher keiner politischen Partei oder Parteirichtung angehört, habe mich nie um Politik gekümmert“

Annexionen

3. März 1915 Brief an Gustav Stresemann (zitiert nach Otto Köhler)::
«So unangenehm es aus politischen Gründen ist, Belgien vielleicht als Kronland oder Kolonie dem Deutschen Reich anzugliedern, der vielen Reichsfeinde wegen, die wir damit übernehmen müssen, aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen werden wir diese Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen haben und uns damit abfinden müssen, da nach meiner Meinung es ein großer Fehler sein würde, dieses durch seinen Reichtum an Kohlen, durch die darauf begründete billig arbeitende Industrie, durch seine günstige Lage wirtschaftlich und landwirtschaftlich so wichtige Gebiet nicht in die Interessensphäre unseres Reichs hineinzuziehen.“

Brief an Hans-Hasso von Veltheim, 8. Oktober 1915 (Kühlem, S. 253)
Deshalb brauchen wir uns auch zukünftig nicht vor Wallonen und Flamen in Belgien, vor Polen, Letten, Esthen und Ukrainern im Osten zu sorgen, wenn wir das von ihnen bewohnte Land der deutschen Interessensphäre angliedern wollen. Wir müssen aber auch Österreich nicht nur zu erhalten, sondern zu erweitern suchen.

Brief an Major Bauer vom 19. Januar 1916 (Kühlem, S. 274)
„Ich natürlich gehöre zu denen, die nicht ruhen und rasten werden, bis wir handgreiflichen massgebenden Einfluss auf diese sonst als Zankapfel kriegerischer Wirren zu betrachtende Brücke zwischen unseren schlimmsten Zukunftsfeinden in England und Deutschland gewonnen haben. Auch aus wirtschaftlichen Gründen dürfen wir uns einen solchen, für die Zukunft allein massgebenden Einfluss auf die Belgier nicht aus der Hand nehmen lassen. Es wäre ein großes Verbrechen an der Zukunft Deutschlands, wenn wir jetzt nicht die Gelegenheit benutzen und wenigstens so lange kämpfen würden, bis wir in diesem Punkte obgesiegt haben.“

Gewerkschaften
1910: In der Tätigkeit von Gewerkschaften erblickte er vor seinen Jubilaren ein «Verbrechen an unserem deutschen Volk«.

USA-Reise 1903: Duisberg störten «die außerordentlich hohen Löhne, die hier herrschen«, und «nicht zuletzt die Unabhängigkeitsbestrebungen Ihrer Arbeiter, welche sich in unangenehmer Weise in den letzten Jahren hier in den ‚Unions‘ bemerkbar machen«. Und weiter: «Der amerikanische Arbeiter hat die Industrie an der Kehle und wird sie erwürgen.«

Unterstützung von Nazis und Expansionspolitik

Duisberg Rede vom 24. März 1931:
„Erst ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa wird Europa das wirtschaftliche Rückgrat geben, dessen es zu seiner Behauptung in der Welt bedarf.“

1931 (Quelle: Carl Duisberg, Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1932-1933, Berlin 1933, S. 135)
„Fortwährend ruft das deutsche Volk nach einem Führer, der es aus seiner unerträglichen Lage befreit. Kommt nun ein Mann, der bewiesen hat, dass er keine Hemmungen hat, so muss diesem Mann unbedingt Folge geleistet werden.“

Brief an den Kölner OB Dr. Günter Riesen vom 16.10.1933:
„Zeit meines Lebens habe ich dem Führerprinzip gehuldigt und mich stets zu dem Grundsatz bekannt ‚Geführt muss werden’ und so hoffe und wünsche ich, dass unter der zielbewussten Führung unserer bewährten Kämpen Hindenburg und Hitler unsere neue Regierung innen- und außenpolitisch von Erfolg zu Erfolg schreitet und es ihr … glücken möge, durch straffe und unentwegte Schulung unseres Nachwuchses die Kräfte heranzuziehen und auszusondern, die durch Höchstleistungen (…) unter Beweis stellen, dass sie ein Anrecht auf Führerschaft besitzen. Nur auf diesem Wege wird unser geliebtes Vaterland den ihm gebührenden Platz an der Sonne unter den Nationen wieder erlangen und die unserem Volke durch Verleumdung und Lüge genommene Achtung unter den Kulturvölkern wieder erzwingen.

Verschmutzung des Rheins

Stefan Blaschke. Unternehmen und Gemeinde. Das Bayerwerk im Raum Leverkusen 1891-1914. Köln: SH-Verlag, 1999
Carl Duisberg bekräftigte, dass technische Maßnahmen zur Abwasserreinigung eine »Vergeudung von Nationalkapital« seien. Duisberg trat für die »Freiheit der fließenden Welle« ein und forderte eine unbeschränkte industrielle Nutzung des Rheins.

Heroin

Als Kritiker die Sicherheit des Präparats in Frage stellten, forderte Carl Duisberg, die Querulanten „mundtot zu schlagen“. Und weiter: "Wir dürfen nicht dulden, dass in der Welt behauptet wird, wir hätten unvorsichtigerweise Präparate poussiert, die nicht sorgfältig probiert sind“.
Obwohl sich rasch die Gefahr der Abhängigkeit herausstellte, führte der Konzern den gewinnbringenden Verkauf über Jahrzehnte hinweg fort.

Bienensterben

CBG Redaktion

11. März 2015

BUND gewinnt vor Gericht gegen Bayer im Streit um Bienengefährlichkeit von Pestiziden

Düsseldorf/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat seinen Rechtsstreit gegen die Bayer CropScience Deutschland GmbH, eine Tochter der Bayer AG, gewonnen.

Nach dem heute verkündeten Urteil des Landgerichts Düsseldorf darf der BUND wieder ohne Einschränkung sagen, dass zwei von Bayer hergestellte Pestizid-Produkte für Bienen gefährlich sind und es sich bei dem darauf abgebildeten Logo mit dem Aufdruck „nicht bienengefährlich“ um eine Irreführung von Verbrauchern handelt.

„Wir freuen uns über diesen Erfolg. Das ist ein Sieg für die Bienen und die Meinungsfreiheit. Uns liegen überzeugende wissenschaftliche Studien vor, die den Bayer-Pestizidwirkstoff Thiacloprid als bienengefährlich bewerten. Bayer muss daher seine Bienen gefährdenden Produkte sofort vom Markt nehmen. Wir fordern ebenso alle Märkte auf, den Verkauf von thiaclopridhaltigen Pestiziden einzustellen“, sagte der BUND-Pestizidexperte Tomas Brückmann. Außerdem müsste die EU die Zulassung des Wirkstoffs Thiacloprid zurücknehmen und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Produktzulassungen aller thiaclopridhaltigen Produkte widerrufen.

Der Pestizidhersteller Bayer CropScience hatte gegen den BUND Ende letzten Jahres eine einstweilige Verfügung in dieser Sache erwirkt. Zur Begründung hatte das Unternehmen angegeben, der BUND habe die Bayer-Produkte „Schädlingsfrei Calypso“ und „Zierpflanzenspray Lizetan“ ungerechtfertigt als für Bienen gefährlich bezeichnet. Der in diesen Produkten enthaltene Wirkstoff Thiacloprid, der zu den sogenannten Neonikotinoiden gehört, habe eine gültige Zulassung und werde vom BVL als „bienenungefährlich“ eingestuft. Auslöser des Streits war der vom BUND 2014 veröffentlichte Einkaufs-Check „Pestizidverkauf in Bau- und Gartenmärkten“, mit welchem der BUND darauf aufmerksam machte, dass Verkäufer in Garten- und Baumärkten die Kunden sehr häufig unzureichend über die Gefahren verschiedener Unkraut- und Insektenbekämpfungsmittel informierten.

Neonikotinoid-Wirkstoffe gelten mit als Auslöser des weltweit zu beobachtenden Bienenvölkersterbens. Daher hatte die EU-Kommission ab 1. Dezember 2013 die Zulassung für drei Neonikotinoide zunächst für zwei Jahre für bienenrelevante Kulturen wie zum Beispiel Raps eingeschränkt. Dagegen klagen die Hersteller Bayer und Syngenta derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof. Bereits rund 20.000 Protestschreiben gegen diese Klage und den umstrittenen Wirkstoff Thiacloprid sind innerhalb eines Monats bei Bayer eingegangen.

ausführliche Informationen zur Kampagne

Holzgifte

CBG Redaktion

2. März 2015

Tausende Häuser mit PCP und Lindan kontaminiert

Holzschutzmittel: Bundesregierung nicht zuständig

Die Bundesregierung hat die Antworten auf die Kleine Anfrage der Fraktion der Linken zu giftigen Holzschutzmitteln veröffentlicht. Hintergrund: Die Firma Desowag, eine frühere Tochterfirma des Chemiekonzerns BAYER, hatte die „Holzschutzmittel“ XYLADECOR und XYLAMON auch dann noch vertrieben, als erkennbar war, dass zahlreiche Personen nach dem Verstreichen im Wohnbereich erkrankten und zum Teil erhebliche Gesundheitsschäden erlitten.

Die Geschädigten wurden niemals entschädigt; auch strafrechtliche Ermittlungen scheiterten letztlich. Die Antworten der Regierung zeigen, dass sich der Bund bis heute nicht verantwortlich fühlt. Fragen nach der Zahl der vergifteten Personen, dem Ausmaß der materiellen Schäden oder der Höhe von Entschädigungen werden nicht beantwortet („keine Kenntnisse“). Die Betroffenen werden auch 35 Jahre nach Bekanntwerden der ersten Vergiftungen im Regen stehen gelassen.

ausführliche Hintergründe

BAYER Desowag: Tausende Häuser mit PCP und Lindan Holzgiften kontaminiert

CBG Redaktion

Etwa 200.000 Menschen in Deutschland wurden durch „Holzschutzmittel“ wie XYLADECOR und XYLAMON vergiftet. Der Hersteller hatte die Risiken von Chemikalien wie PCP und Lindan über Jahrzehnte hinweg gekannt, den Verkauf jedoch nicht eingestellt. Der Fall führte zum längsten (jedoch letztlich gescheiterten) Umwelt- Strafverfahren. BAYER verkaufte seine Anteile an der Firma DESOWAG, um seine Beteiligung an dem schmutzigen Geschäft zu verwischen.

Carl Duisberg

CBG Redaktion

In Dortmund, Frankfurt und Lüdenscheid gibt es erfolgreiche Initiativen zur Umbenennung von Carl-Duisberg-Straßen. Nun steht das Thema auch in Bonn auf der Tagesordnung. Nach hitziger Debatte wurde das Thema zunächst vertagt.

Bonn: Sitzung der Bezirksvertretung am 17. März

Antrag auf Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße

11. März - Die Bezirksvertretung Bonn berät am kommenden Dienstag über einen Antrag auf Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße in Dransdorf. Damit soll dem Vorbild der Städte Dortmund und Lüdenscheid gefolgt werden, die Ende 2014 eine entsprechende Namensänderung beschlossen hatten. Auch in Frankfurt läuft derzeit ein Umbenennungs-Verfahren.

Im 1. Weltkrieg entwickelte Carl Duisberg Giftgase wie „Grünkreuz“ und „Senfgas“, testete diese erstmals an der Front und verlangte vehement ihren Einsatz. Die Firma BAYER baute er zum größten deutschen Sprengstoff-Produzenten aus. Auch forderte Duisberg die Annexion Belgiens und großer Gebiete in Osteuropa.

Gegenüber den Generälen Hindenburg und Ludendorff beklagte Duisberg den Mangel an Arbeitskräften und forderte mit dem Ausspruch „Öffnen Sie das große Menschenbassin Belgien“ den Einsatz von Zwangsarbeitern. Das Reichsamt des Inneren griff Duisbergs Vorschlag auf und ließ zehntausende Belgier deportieren; mehrere Tausend starben.

Das Dortmunder Stadtarchiv begründete die Umbenennung wie folgt: „Duisberg gehörte zu den führenden deutschen Industriellen, die während des Krieges die - auch nach dem damals geltenden internationalen Kriegsrecht illegale - Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten. (…) Als Patriarch lehnte er bis zu seinem Tod Gewerkschaften entschieden ab.“ Duisberg war zudem Mitglied der rechtsradikalen und antisemitischen Deutschen Vaterlandspartei.

Das Lüdenscheider Stadtarchiv schrieb in seinem Votum: „Während des Ersten Weltkriegs wurde unter Duisbergs Vorsitz bei Bayer Giftgas für den Kriegseinsatz produziert. Abfallprodukte der Chemischen Industrie, die mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfte, dienten als Rohstoffe. In Leverkusen war das u. a. Phosgen, ein Gas, das besonders grausam wirkt“.

Carl Duisberg war auch die treibende Kraft beim Zusammenschluss der deutschen Chemie-Industrie zur IG FARBEN im Jahr 1925. Während der Weimarer Republik organisierte Duisberg Spenden an nationalistische Parteien, spätestens seit 1930 auch an die NSDAP. Kein anderes Unternehmen kollaborierte in der Folgezeit so eng mit dem Dritten Reich.

Die Bonner Stadtverwaltung spricht sich bislang gegen eine Umbenennung aus. In einer Vorlage heißt es, „Informationsveranstaltungen, kritische Diskurse und gegebenenfalls erläuternde Zusatzschilder“ seien sinnvoller. Diese Argumentation ist sicherlich für kleinere Verfehlungen angemessen. Niemand käme jedoch auf die Idee, eine Ludendorff-Straße oder eine Himmler-Straße mit Zusatzschildern zu versehen. Auch bei Carl Duisberg ist die Grenze der Zumutbarkeit deutlich überschritten.

Desweiteren moniert die Verwaltung, dass sich die Anlieger zumeist gegen eine Umbenennung aussprächen. Dies ist wegen des bürokratischen Aufwands natürlich verständlich. Die Verwaltung kann den Anwohner/innen jedoch entgegen kommen und – so wie in anderen Städten – kostenlos neue Ausweise ausstellen.

Schließlich heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung, dass zu Duisberg „ein wissenschaftlich relevantes Lebensbild noch nicht vorliegt“. Dies ist falsch; es gibt zahlreiche Veröffentlichungen (zum Beispiel „Briefe eines Industriellen“ von Kordula Kühlem; „Und heute die ganze Welt“ von Otto Köhler).

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) unterstützt die Forderung nach einer Umbenennung. „Carl Duisberg ist kein Vorbild für künftige Generationen. Die Stadt Bonn sollte sich deutlich von Kriegsprofiteuren wie Duisberg distanzieren“, so Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG.

Carl Duisberg

„Er ist als Vorbild ungeeignet“

DRANSDORF. Wird die Carl-Duisberg-Straße einen anderen Namen bekommen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Bezirksvertretung Bonn in ihrer Sitzung am 17. März.

6. März 2015 -- Anlass ist die Vergangenheit des Industriellen Duisberg (1861 bis 1935), der auf der einen Seite die Universität Bonn sehr unterstützt hatte. Auf der anderen Seite forderte er im Ersten Weltkrieg den Einsatz von belgischen Zwangsarbeitern und ließ Giftgase an der Front testen. Das steht in einem Bürgerantrag, mit dem sich die Kommunalpolitiker nun befassen werden.

Bereits im Fall von Reichspräsident Paul von Hindenburg (siehe unten) ging es vor einiger Zeit um Straßenbenennungen in Bonn. Nun gerät der Chemiker Duisberg, der bis 1926 bei den Bayer-Werken tätig war und dort bis zum Generaldirektor aufstieg, in die Kritik. Die genannte Straßenbezeichnung sei politisch belastet, heißt es im Bürgerantrag. „Die Person Carl Duisberg ist als Vorbild für künftige Generationen nicht geeignet.“

Die Städte Lüdenscheid und Dortmund haben bereits wegen Duisberg Straßennamen geändert. Unter seinem Vorsitz sei in Leverkusen unter anderem Phosgen produziert worden, „ein Giftgas, das in einem Lehrbuch folgendermaßen beschrieben wird: »Der Atem wird immer kürzer und stoßweiser, bis schließlich der Tod durch Ersticken eintritt«“, so der Wortlaut einer Niederschrift des Dortmunder Bürgerausschusses vom vergangenen September. Der Mensch bleibe dabei bis zuletzt bei vollem Bewusstsein.

„Duisberg gehörte auch - zusammen mit Walter Rathenau und Hugo Stinnes - zu den führenden deutschen Industriellen, die während des Krieges die - auch nach dem damals geltenden internationalen Kriegsrecht illegale - Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten.“ Duisberg war Mitglied im antisemitischen Alldeutschen Verband, heißt es in Dortmund. „Als Patriarch lehnte er bis zu seinem Tod Gewerkschaften entschieden ab. Er war von Beginn an Gegner der Weimarer Demokratie.“

„Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte Carl Duisberg die Vermarktung von Heroin als angeblich harmlosem Hustenmittel betrieben“, ergänzt der Bonner Antragsteller. Die IG Farben, deren Aufsichtsratsvorsitzender Duisberg war, habe eng mit dem Dritten Reich kollaboriert.

Die Bonner Carl-Duisberg-Straße gibt es seit 1970. Wohl deshalb, weil er der Universität Bonn besonders in den wirtschaftlich schweren Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg finanziell unter die Arme gegriffen hatte. „Zwischen 1917 und 1931 war Duisberg der Vorsitzende der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die mittlerweile in der Universitätsgesellschaft Bonn - Freunde, Förderer, Alumni e.V. aufgegangen ist“, teilt die Stadt mit. „1931 wurde Duisberg Ehrensenator der Universität Bonn.“

Das politische und gesellschaftliche Handeln Duisbergs ist nach Angaben der Verwaltung die eine Seite. Die andere sei das Problem einer Straßenumbenennung. Das Stadtarchiv ist der Auffassung, dass Geschichte durch Umbenennung von Straßen weder entsorgt noch bewältigt werde. Informationsveranstaltungen, kritische Diskurse und gegebenenfalls erläuternde Zusatzschilder seien sinnvoller, steht in der Vorlage für die Bezirksvertretung.

An der Carl-Duisberg-Straße in Dransdorf befinden sich 70 Hausgrundstücke beziehungsweise Einfamilienhäuser. Eine Umbenennung hätte für zahlreiche Anwohner und Eigentümer eine Adressenänderung und damit verbundene Kosten zur Folge, so die Stadt. Personalausweise und Fahrzeugzulassungen müssen etwa geändert und andere über die Adressänderung informiert werden. Letztlich handele es sich bei einer Straßenumbenennung um eine Ermessensentscheidung der Gemeinde. Übliche Praxis in Bonn sei, im Vorfeld die Anwohner zu befragen. In der Vergangenheit seien die aber meist gegen Umbenennungen gewesen.

So geht es weiter beim Thema Hindenburg
Still geworden ist es im vergangenen Jahr um die mögliche Umbenennung der Hindenburgallee in Plittersdorf und des Hindenburgplatzes in Dottendorf. Schon längst geplant war - und vom Bürgerausschuss beschlossen - eine breit angelegte Bürgerbeteiligung. Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg hatte nach Ansicht seiner Kritiker Adolf Hitler ohne Not zum Reichskanzler gemacht. 2012 entbrannte zudem eine Debatte, ob man Hindenburg die 1933 verliehene Bonner Ehrenbürgerwürde aberkennen soll.

Zuletzt gab es einen Bürgerantrag, wonach der Hindenburgplatz in „Dr.-Hans-Riegel-Platz“ umbenannt werden soll. Riegel war Inhaber der Kessenicher Firma Haribo, er starb am 15. Oktober 2013. Die Stadt teilte nun mit, dass das sogenannte Hindenburg-Forum doch noch kommen wird, und zwar voraussichtlich im April. Näheres soll bald bekanntgegeben werden.

hier weitere Infos zu Carl Duisberg

PCB

CBG Redaktion

Die Unternehmen MONSANTO und BAYER waren die größten Produzenten hochgiftiger PCB. Bis heute müssen sich die Konzerne nicht an den horrenden Entsorgungskosten beteiligen (siehe Kampagne). Nun droht eine Vergiftung des Grundwassers im Ruhrgebiet.

PCB im Bergwerk: Verdünnt und verharmlost?

Rund 12.500 Tonnen hochgiftiges PCB lagern in deutschen Steinkohlebergwerken. Nach Meinung von Experten bedrohen sie auch das Trinkwasser. Denn die niedrigen Messwerte der Ruhrkohle AG könnten auf einem simplen Trick beruhen.

6. März 2015 -- 2018 ist Schluss mit dem Steinkohleabbau in Deutschland. Bis dahin will der Bergbaukonzern RAG das Grubenwasser in den Zechen nicht mehr wie bisher abpumpen, sondern langsam ansteigen lassen. „Aber immer mit einem großen Abstand zum Trinkwasser“, versichert die Ruhrkohle AG (RAG). Umweltschützer sind alarmiert, denn in den Stollen lagern tausende Tonnen krebserregende Polychlorierte Biphenyle (PCB). „Die Wasserströme werden das giftige PCB früher oder später zu Tage fördern“, davon ist der Wasserexperte Harald Friedrich überzeugt. Friedrich war Mitte der 90er Jahre und noch einmal 2003 bis 2006 Abteilungsleiter im NRW-Umweltministerium. Er befürchtet eine ökologische Katastrophe.

RAG: Keine Gefahr für das Grundwasser
Die Ruhrkohle AG (RAG) bestreitet nicht, dass PCB in die Gewässer geleitet wird, aber die Messwerte seien so gering, dass es „keine Gefahr für Mensch, Tier, Umwelt oder gar Trinkwasser gibt“. Das Grubenwasser, das sich in den stillgelegten Stollen ansammelt oder abgepumpt wird, werde mindestens einmal im Quartal durch unabhängige Messinstitute untersucht: „Überall liegen die PCB-Belastungen unterhalb der Nachweisgrenze“.
Bis Mitte der 80er Jahre sind im deutschen Steinkohlebergbau in Nordrhein-Westfalen und im Saarland rund 12.500 Tonnen PCB eingesetzt worden. Damals ahnte noch niemand, dass es gesundheitsschädigend ist. Im Gegenteil: Nach einem schweren Grubenunglück in Belgien - im Jahr 1956 - setzte man die schwer entflammbare Chemikalie aus Sicherheitsgründen in Hydrauliköl oder anderen Flüssigkeiten unter Tage ein. Gerade einmal für 20 Tonnen davon liegen Papiere vor, die eine ordnungsgemäße Entsorung dokumentieren. Der Rest - 98 Prozent - liegt noch immer irgendwo in der Tiefe. „Das PCB-Öl ist in den Stollen diffus ausgetragen worden und durch Leckagen im Erdreich versickert“, betont Joachim Löchte, bei der RAG verantwortlich für Umwelt und Gesundheit. Der Gravitation zufolge bleibe das PCB so oder so unter Tage. Denn „die Chemikalie verbindet sich mit den Schwebstoffen im Wasser und die sind schwerer als das Wasser und fallen nach unten“. Auch die undurchlässigen Tonschichten würden einen Aufstieg des PCB verhindern.

Kamp-Lintfort: Grenzwert um das 80-fache überschritten
Soweit, so gut. Doch der Schein trügt, meint der ehemalige Abteilungsleiter des NRW-Umweltministeriums Harald Friedrich: Ein Bergwerk sei ständig in Bewegung. „Es ist Quatsch, dass die Tonschichten oder das salzhaltige Grubenwasser das PCB unten halten.“ An einem Kanal bei Kamp-Lintfort, der Fossa Eugeniana, waren die PCB-Konzentrationen im Jahr 2004 schon einmal besorgniserregend hoch. Die Werte lagen hier bei 1600 Mikrogramm PCB pro Kilogramm. Das ist 80 Mal so hoch wie erlaubt. „Auch an anderen Stellen war der Grenzwert von 20 Mikrogramm überschritten“, sagt Friedrich, dem die Analysen vorliegen. Die Fossa Eugeniana sei ein kleines Gewässer und weil dort damals „mehr Grubenwasser eingeleitet wurde, konnte dort auch mehr PCB gemessen werden“: Für die RAG liegen diese Messwerte weit in der Vergangenheit, man habe reagiert und an diesen Stellen gezielt saniert - jetzt liegen die Belastungen wieder unter dem Grenzwert.

PCB wird mit Millionen Kubikmetern Wasser verdünnt
2004 hatte noch jedes Bergwerk sein eigenes Wassersystem, in dem die RAG das Grubenwasser hochpumpte. Dann genehmigt die Bergaufsicht - die in NRW dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist - den RAG-Antrag, diese Wasserströme unterirdisch zusammenzulegen. Das Grubenwasser fließt nun unter Tage über mehrere Kilometer zu zentralen Sammelstellen und wird von dort aus in den Rhein geleitet - jährlich hebt die RAG rund 80 Millionen Kubikmeter Wasser. „In diesen Wassermassen ist das PCB nicht mehr nachweisbar, das Gift vermischt sich mit dem Wasser und wird einfach verdünnt“, meint Friedrich. Diese Form von Abfallentsorgung ist seiner Ansicht nach nicht ordnungsgemäß. „Ich kann doch auch nicht an den Rhein fahren und dort meinen Ölwechsel machen und im Nachhinein sagen, die paar Liter Öl, das verdünnt sich.“ In Deutschland gebe es kein Umweltgesetz, das das Verdünnen von Schadstoffen erlaube. Friedrich fordert, das Wasser vor der Einleitung in die Flüsse zu filtern. Aber dafür müsse die RAG vermutlich zu viel Geld auf den Tisch legen.

Ewigkeitsaufgabe: Das Grubenwasser muss hoch gepumpt werden
Im Moment kostet das Abpumpen der Schächte die RAG Millionen: jeder Kubikmeter Wasser rund einen Euro. Doch dort, wo sich der Bergbau zurückzieht, will sie das Grubenwasser in Zukunft ansteigen lassen. Die RAG will dabei zwischen Trink- und Grubenwasser etwa 150 Meter Abstand lassen, um eine Gefahr durch Schadstoffe wie PCB auszuschließen. Weniger Wasser zu pumpen soll die Folgekosten des Bergbaus verringern. Doch komplett einstellen kann die RAG das Abpumpen nie, denn sonst würde das Ruhrgebiet schlicht und ergreifend absaufen - es ist eine Aufgabe für die Ewigkeit. Und das Zusammenfließen der Grubenwasser samt der von Friedrich kritisierten „verdünnten Abfallentsorgung“ ist auch nicht mehr rückgängig zu machen. Nun lässt die Landesregierung den weiteren Plan der RAG prüfen, das Grubenwasser ansteigen zu lassen.

Haftet am Ende der Steuerzahler für die Altlasten?
Die Opposition in NRW sieht die Pläne der RAG kritisch: „Ich erwarte von der Bergaufsicht, das sie das Grubenwasserkonzept der RAG überdenkt“, sagt der CDU-Abgeordnete Josef Hovenjürgen. Die rot-grüne Landesregierung hat derweil ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, welche Stoffe unter Tage lagern und welche Gefahren von ihnen ausgehen. Ende März sollen erste Untersuchungen vorliegen. Doch die RAG könnte ein Interesse haben, die Entscheidungsprozesse in die Länge zu ziehen. Denn nach 2018 trägt nicht mehr der Bergwerkkonzern, sondern eine Stiftung die Verantwortung. Sollten dieser dann die Gelder für eine ordnungsgemäße Entsorgung oder gegebenenfalls Filteranlagen fehlen, dann haften das Land NRW und der Bund - und damit am Ende der Steuerzahler.

[Wilfried Schmickler] Testimonials

CBG Redaktion

Ich unterstütze die Coordination gegen BAYER-Gefahren, weil gerade ich als Leverkusener weiß, wie wichtig es ist, die Gefahren, die von diesem Moloch ausgehen, so öffentlich wie nötig zu benennen und so koordiniert wie möglich zu bekämpfen.

Wilfried Schmickler
Kabarettist

[Carl Duisberg] Vortrag „Carl Duisberg, Bayer und der Erste Weltkrieg“

CBG Redaktion

Zeit: Mittwoch, 4. März 2015; 18.30 Uhr
Ort: Vortragssaal im Forum Leverkusen, Am Büchelter Hof 9, 51373 Leverkusen

Carl Duisberg setzte im 1. Weltkrieg den Einsatz von Giftgas durch, betrieb die Deportation belgischer Zwangsarbeiter und forderte die Annexion großer Teile Europas. Höhepunkt von Duisbergs Lebenswerk war der Zusammenschluss der deutschen Chemie-Industrie zur IG FARBEN.

Ende 2014 wurden in Dortmund und Lüdenscheid Carl-Duisberg-Straßen umbenannt. Auch in Frankfurt, Bonn, Dormagen und Marl laufen entsprechende Verfahren. In Leverkusen hingegen scheiterten Anträge auf Entzug der Ehrenbürgerschaft Duisbergs sowie auf Umbenennung der Carl-Duisberg-Straße.

Ausführliche Infos hierzu finden sich hier

Der Opladener Geschichtsverein organisiert morgen die Vortragsveranstaltung „Carl Duisberg, Bayer und der Erste Weltkrieg“. Referentin ist Dr. Kordula Kühlem von der Konrad-Adenauer-Stiftung.

In der Ankündigung schreibt der Geschichtsverein: „Carl Duisberg (1863–1935) war von 1900 bis 1925 als Direktor bzw. Generaldirektor der Farbenfabriken Elberfeld, vorm. Friedr. Bayer & Co. (FFB), der heutigen Bayer AG, sowie von 1925 bis 1935 als Aufsichtsratsvorsitzender der I. G. Farbenindustrie AG nicht nur einer der einflussreichsten Industriellen seiner Zeit. Durch seine – bis heute umstrittene – Rolle im Ersten Weltkrieg und seine wirtschaftspolitischen Aktivitäten während der Weimarer Republik erlangte er eine machtvolle Stellung im Deutschen Reich.
Aus Anlass des Gedenkens an den 100 Jahre zurückliegenden Ersten Weltkrieg soll besonders Duisbergs Wirken in diesen Jahren betrachtet werden – von seiner Rolle als Unternehmer über seine Mitwirkung an Entwicklung sowie Produktion von Sprengstoffen und Giftgasen bis hin zu seiner politischen Haltung.
Dieser Spannungsbogen wird auf der Grundlage der umfangreichen Korrespondenz Carl Duisbergs anschaulich dargestellt und mit seinen eigenen Zeugnissen ausgeschmückt.“

Die Referentin, Dr. Kordula Kühlem, edierte von 2007 bis 2011 im Auftrag der Universität Bonn und der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften den Briefwechsel Carl Duisbergs. Das Buch erschien 2012 im Oldenbourg Verlag. Seit 2011 arbeitet sie für die Konrad Adenauer Stiftung e. V.

Kostenbeitrag: € 4,–
http://ogv-leverkusen.de/programm/kamingespraeche/