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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000

[Demo] Demonstration

CBG Redaktion

Brunsbütteler Zeitung, 5. März 2007

Bürger wollen Giftmüll nicht dulden

Protestzug durch die Koogstraße - Pastorin Mahn: Viele Krebstote in der Stadt machen Angst

Brunsbüttel - Zwischen 400 und 500 besorgte Bürger folgten am Sonnabend dem Aufruf zur Demonstration gegen den Transport von 22 000 Tonnen Giftmüll nach Brunsbüttel. Der australische Chemiekonzern Orica will den Abfall, der mit dem krebserregenden und verbotenen Stoff Hexachlorbenzol (HCB) verseucht ist, zur Verbrennung nach Brunsbüttel verschiffen. Von hier soll ein großer Teil nach Nordrhein-Westfalen gebracht werden. Etwa ein Drittel ist für die Verbrennung in der SAVA vorgesehen.
„Kein Giftmüll aus Australien“, „Wir wollen keinen Giftmüll-Tourismus“, „Brunsbüttel: Familien-freundlich, Kinder-freundlich, nun auch Giftmüll-freundlich? Nein Danke!“: So waren einige Protestplakate beschriftet. Um kurz nach 11 Uhr setzte sich der Demonstrationszug, gesichert von sechs Polizeibeamten und zwei Streifenwagen, vom Marktplatz in Richtung Gustav-Meyer-Platz in Bewegung. Die Organisatoren der Demo waren über die große Resonanz erfreut: „Wir zeigen heute, dass es auch hier Widerstand gibt - und nicht nur in Nordrhein-Westfalen“, sagte Dr. Kai Schwonberg von der WIR auf der Kundgebung unter deutlichem Applaus.
Zusammen mit einer Gruppe von Bürgern hatte die WIR und der Umweltverein zur Demonstration aufgerufen. Am Mittwoch war Bürgermeister Wilfried Hansen in der Ratsversammlung eine Liste mit 914 Unterschriften gegen den Giftmüll-Import übergeben worden. SPD und CDU hatten die Resolution der WIR abgelehnt, die sich gegen den Transport des Abfalls ausspricht und vor unkalkulierbaren Risiken für die Region warnt.
Schwonberg, der den Wortlaut der Resolution vorlas, verwies darauf, dass die Sonderabfallverbrennungsanlage (SAVA) ursprünglich nur für heimischen Müll genehmigt worden war. „Heute findet der Bürgermeister dieser Stadt, dass die SAVA selbst schutzbedürftig ist“, betonte Schwonberg und löste mit der Aussage unzählige Buh-Rufe der Protestler aus. Der Arzt kritisierte die Informationspolitik der Stadt und forderte die Ratsversammlung auf, den Widerstand der Bürger nach außen zu tragen. Denn: „Brunsbüttel darf keine Drehscheibe für Giftmüll werden. Mit Giftmüll darf kein Profit gemacht werden. Wir fordern daher die Vermeidung von Giftmüll.“ Der WIR-Politiker forderte weiter, dass der fünfte Kontinent seinen giftigen Abfall selbst entsorgen müsse. „Der Elbehafen darf kein Einfallstor für Giftmüll in ganz Deutschland werden“, so Schwonberg. Sollte der Müll wirklich nach Brunsbüttel kommen, sei dies nur der Anfang eines größeren Umschlags.
Auch Pastorin Birgit Mahn sprach sich gegen das Vorhaben aus und stellte ihre Sorge auch in einen anderen Zusammenhang. „In den letzten Monaten haben wir so viele Menschen, auch jüngere, beerdigt, die an Krebs gestorben sind. Das macht mir Angst.“ Daher könne sie nicht begreifen, warum noch mehr Giftmüll nach Brunsbüttel gebracht werde. Es ginge daher um Giftmüll-Vermeidung. „Wehren wir uns gegen Giftmüll-Transport, Giftmüll-Lagerung und Giftmüll-Verbrennung.“ Pastorin Mahn forderte die Stadt zu einem Umdenken in der Industrieansiedlung aus: „Es gibt so viele Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien. Warum können wir nicht Standort hierfür werden?“ fragte sie und erntete viel Beifall für ihre „Gardinen-Predigt“, der sie zum Schluss eine Kurzpredigt folgen ließ, in der sie die Erde als Schöpfung Gottes bezeichnete, die der Mensch bewahren und pflegen müsse.
Nach eineinhalb Stunden war die Demo zu Ende. Die Veranstalter machten deutlich, dass dies nicht das Ende des Protestes gewesen sei. Wie das weitere Vorgehen aussieht, werde in den kommenden Tagen beraten, hieß es. Von Stefan Schmid

Schleswig Holstein

CBG Redaktion

25. Februar 2007

GRÜNER Parteitag spricht sich entschieden gegen australische Giftmülltransporte nach Brunsbüttel aus!

Auf dem Kleinen Parteitag, der am 24. Februar in Kiel stattfand, sprachen sich die GRÜNEN einstimmig gegen die geplante Verbrennung des hexachlorbenzolhaltigen Giftmülls aus Australien in der Brunsbütteler SAVA oder einer anderen Sondermüllverbrennungsanlage in Deutschland aus.

Auf dem Kleinen Parteitag, der am Wochenende in Kiel stattfand, sprachen sich die GRÜNEN einstimmig gegen „die geplante Verbrennung des hexachlorbenzolhaltigen Giftmülls aus Australien in der Brunsbütteler SAVA oder einer anderen Sondermüllverbrennungsanlage in Deutschland“ aus.
Der Steinburger Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte zu diesem Thema eine Resolution für dem Parteitag eingebracht, nachdem die GRÜNE Landtagsfraktion bereits am vergangenen Donnerstag die geplanten Giftmülltransporte durch einen Dringlichkeitsantrag im Schleswig-Holsteinischen Landtag thematisiert hatten. Dort war zur weiteren Diskussion der Antrag in den zuständigen Fachausschuss weitergeleitet worden. „Mit der Überweisung an den Ausschuss drückt sich die Landesregierung um eine unbedingt nötige und rasch auszuführende Stellungnahme“, kritisiert Dr. Jürgen Ruge von den Steinburger GRÜNEN das Ergebnis der Landtagsdebatte. Es ist auch nicht richtig, dass die deutschen Behörden die Einfuhr des Giftmülls nicht mehr verweigern könnten. Erst vor wenigen Tagen hatte Barbara Helfferich, die Sprecherin des EU-Umweltkommissars Stavros Dimas erklärt: „Aus unserer Sicht ergibt sich aus dem EU-Recht keine Verpflichtung zur Genehmigung für deutsche Behörden.“ Das heißt, dass auch dann, wenn Australien nicht über geeignete Entsorgungsanlagen verfügt und die deutschen Müllanlagenbetreiber zum Verbrennen bereit wären, der Import des hochgiftigen Hexachlorbenzol abgelehnt werden kann. „Wir fordern in der Resolution deshalb erneut die Landesregierung von Schleswig-Holstein sowie die zuständigen Genehmigungsbehörden auf, die geplante Giftmüllentsorgung grundsätzlich nicht zu genehmigen“, erklärt Jürgen Ruge.
Darüber hinaus haben die GRÜNEN dem zuständigen australischen Minister, Malcolm Turnbull, sowie dem Oppositionsführer Kevin Rudd und dem Fraktionschef der australischen GRÜNEN, Bob Brown, von den Aktivitäten vor Ort berichtet und die Politiker gebeten, sich für den Verbleib des Giftmülls in Australien einzusetzen. „Die Lügen der australischen Giftmüll verursachenden Firma ORICA, hier in Deutschland würde es keine Bedenken gegen die geplanten Transporte geben, müssen wir auf allen zur Verfügung stehenden Wegen entgegentrete. Die rasche Kommunikationsmöglichkeit durch Email ist uns da sehr hilfreich,“ freut sich Ruge.

Aber auch vor Ort muss die Widerstand gegen die geplanten Transporte weitergehen. „Wir GRÜNE unterstützen deshalb ausdrücklich die Demonstration gegen den Giftmülltourismus, die am 3.3.2007 , 11:00 Uhr in Brunsbüttel, Koogstraße, stattfinden wird, und rufen alle umweltbewussten Bürgerinnen und Bürger auf, sich an der Demonstration und anschließenden Kundgebung auf dem Gustav-Meyer-Platz in Brunsbüttel zu beteiligen.“

Der vollständige Resolutionstext lautet:

Resolution gegen den Giftmülltransport

Antragsteller: Kreisverband Steinburg (Jürgen Ruge)

Am 24. Februar 2007 auf dem Kleinen Parteitag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN; Landesverband Schleswig-Holstein, einstimmig beschlossen :

1. Der Kleine Parteitag spricht sich entschieden gegen den geplanten Transport nach und die Verbrennung australischen Giftmülls in Deutschland aus. Wenn auch die für die Verbrennung des hexachlorbenzolhaltigen Sondermülls vorgesehenen Anlagen nach Auffassung von Experten zu den modernsten weltweit gehören und die technischen Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Verbrennung dieser Stoffe in diesen Anlage gegeben sind, so bergen lange Transportwege nicht kalkulierbare Risiken. Deshalb müssen solch hoch industrialisierte Länder wie Australien sich grundsätzlich in die Lage versetzen, im Lande produzierte Giftstoffe dieser Kategorie selbst gefahrlos zu entsorgen.

2. Die geplante Verbrennung des hexachlorbenzolhaltigen Giftmülls aus Australien in der Brunsbütteler SAVA oder einer anderen Sondermüllverbrennungsanlage in Deutschland lehnen wir deshalb entschieden ab.
Brunsbüttel darf sich nicht zur Drehscheibe für den Mülltourismus entwickeln.

3. Der Kleine Parteitag fordert die Landesregierung von Schleswig-Holstein sowie die zuständigen Genehmigungsbehörden auf, die geplante Giftmüllentsorgung grundsätzlich nicht zu genehmigen.

Pro Herten

CBG Redaktion

Pro-Herten, 23.Febr. 2007

Pressemitteilung: Australische Firmen bewarben sich um Aufträge zur Entsorgung des Orica-Giftmülls

Pro-Herten gingen heute (23.2.2007) aus Australien per mail Unterlagen zu, die sich auf den beabsichtigten Export gefährlicher Abfälle der Fa. Orica beziehen (veröffentlicht unter http://www.pro-herten.de/RZR/16000sm.htm ). Quelle dieser Information ist das National Toxical Network (NTN) in Australien.

Den Informationen liegt die Kopie des Schreibens einer australischen Abfallbeseitigungsfirma bei, die sich im Jahre 2006 um einen Kontrakt mit der Firma Orica zur Beseitigung der HCB-Altlasten bemüht hatte. Es heißt weiter, dieselbe Abfallbeseitigungsgesellschaft entsorge zur Zeit gefährliche POP-Abfälle von den pazifischen Inseln. NTN informiert Pro-Herten auch, dass sich noch zwei weitere australische Firmen um die Altlastbeseitigung in Australien bemüht hätten.

Die Pro-Herten vorliegenden Informationen und das erhaltene Dokument belegen, dass - entgegen den Angaben der Firma Orica - die australische Industrie selbst über Möglichkeiten einer umweltgerechten Entsorgung verfügt und technische Kapazitätsprobleme durch Erweiterung vorhandener Anlagen bewältigt werden könnten.

Von den erhaltenen Dokumenten setzte Pro Herten die Umweltministerien in Düsseldorf und Kiel unverzüglich in Kenntnis.

Pro-Herten geht davon aus, dass die genannten Unterlagen hinreichend belegen, dass Australien in der Lage ist, gefährliche Abfälle im eigenen Lande sicher zu entsorgen. Damit entfällt u.E. - entsprechende den Bestimmungen des Baseler Konvention sowie der geltenden EU-Gesetze - die Genehmigungsgrundlage für den Import des HCB-Giftmülls der australischen Firma Orica nach Deutschland.

Brunsbütteler Zeitung

CBG Redaktion

Brunsbütteler Zeitung, 24. Febr. 2007

EU: Behörde kann Einfuhr verweigern

Giftmüll: Protestmarsch am 3. März

Von Jörg Lotze

Brunsbüttel – „Kein Giftmüll aus Australien“: Unter diesem Motto steht die Demonstration, zu der eine Gruppe von Bürgern mit Unterstützung des Umweltvereins und der „Wählerinitiative für reelle Politik“ (WIR) für kommenden Sonnabend, 3. März, aufruft.

Treffpunkt ist um 11 Uhr am Marktplatz, geplant sind ein Protestmarsch durch die Koogstraße sowie eine anschließende Kundgebung auf dem Gustav-Meyer-Platz. Dieser Tage soll mit Plakaten im Stadtgebiet auf die Demonstration aufmerksam gemacht werden. „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Bürger dafür Zeit nehmen und uns unterstützen“, sagt WIR-Mitglied Ingrid Möller.

Angekündigt hatte die WIR diese Aktion bereits Anfang dieser Woche, musste aber mit der genauen Terminplanung warten. „Die Genehmigung vom Kreis Dithmarschen liegt jetzt aber vor“, so Möller. Die Aktion richtet sich gegen den geplanten Transport von 22 000 Tonnen Mülls aus der chemischen Produktion in Australien – Stoffe, die mit dem krebserregenden Hexachlorbenzol (HCB) belastet sind. Die rund 1200 Container sollen ab Mai im Elbehafen anlanden, dort zwischengelagert und zum Teil nach Nordrhein-Westfalen weitertransportiert werden (wir berichteten mehrfach).

Der Brunsbütteler Protestmarsch solle mit breiter Außenwirkung deutlich machen, dass man in der Schleusenstadt nicht tatenlos zusehe, wie die Stadt sich zu einem Drehkreuz für internationale Giftmülltransporte entwickelt. „Auch wenn das schleswig-holsteinische Landesamt für Natur- und Umweltschutz die Genehmigung für den Transport zunächst nicht erteilt hat, besteht die Gefahr natürlich weiterhin“, sagt Ingrid Möller. Denn wenn die fehlenden Unterlagen nachgereicht werden, müsse das Vorhaben noch genehmigt werden. Hauptproblem ist laut WIR nicht das Verbrennen in der SAVA, sondern der Lagerplatz im Elbehafen, für den sich die Hafengesellschaft gerade grünes Licht bezüglich der Aufbewahrung solcher Gifte geben lassen will. „Wenn das gelingt, werden dort immer wieder fragwürdige Stoffe ankommen und aufbewahrt. Dem wollen wir einen Riegel vorschieben“, sagte Möller gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auch in Nordrhein-Westfalen, wo zwei Drittel des Giftmülls in drei Anlagen verbrannt werden sollen, geht der Widerstand weiter. Landesumweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) hatte wiederholt betont, er lehne den Import wegen der erheblichen Risiken zwar ab, die europäische Abfallverbringungsordnung lasse ihm aber keine Möglichkeit für ein Verbot. Genau das aber wurde gestern von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission dementiert: „Das Fehlen eines allgemeinen Verbots in der EU bedeutet keineswegs, dass der Empfängermitgliedstaat zur Genehmigung des Imports verpflichtet ist“, hieß es aus Brüssel. Die zuständige Behörde vor Ort könne durchaus Einwände erheben und die Einfuhrgenehmigung verweigern.

Pressestimmen

CBG Redaktion

Hamburger Abendblatt
Es war eine E-Mail aus Sydney, die deutsche Umweltschützer erst auf die Giftfracht aufmerksam machte: Die australische Umweltorganisation National Toxics Network meldete sich vor einigen Wochen bei dem Verein „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ in Nordrhein-Westfalen: Vier Schiffsladungen mit gefährlichem Sondermüll seien demnächst auf dem Weg nach Deutschland, stand da in knappen Worten. Der Müll solle in Anlagen des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer verbrannt werden, warnten die Australier.

Kölner Stadt-Anzeiger
BUND und die „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ warnen in einem Brief an Landesumweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) vor den ökologischen und gesundheitlichen Folgen. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine dicht besiedelte und ohnehin mit Umweltproblemen konfrontierte Region wie NRW zum Ziel internationaler Giftmülltransporte wird.

Brunsbütteler Zeitung
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren sieht in dem geplanten Giftmülltransport um den halben Erdball einen Verstoß gegen die Baseler Konvention: „Diese schreibt eine erzeugernahe Entsorgung von Gefahrstoffen vor, die bei einem Transportweg von 16 000 Kilometern in keiner Weise gegeben ist. Vielmehr müssen die kommerziellen Interessen der Verbrennungsanlagen-Betreiber, darunter die SAVA und der Bayer-Konzern, hinter dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung zurückstehen.“ Die gemeinsame Forderung von CBG und Grünen: „Politik und Behörden müssen in dieser brisanten Angelegenheit unbedingt handeln und die Pläne für Transport und Verbrennung stoppen.“

DER SPIEGEL
Wissenschaftler halten dagegen, dass es eine Müllverbrennung ohne schädliche Emissionen nicht gebe. Selbst bei den besten Anlagen würden krebserregende Partikel in die Luft geblasen. Und irgendwann komme der ganze Dreck dann wieder auf die Erde zurück. Die Moleküle würden dort etwa von grasenden Kühen gefressen und so in die Nahrungskette gelangen. Selbst kleinste Giftmengen reichten dann aus, die Gesundheit von Menschen zu schädigen.

WDR Fernsehen
Philipp Mimkes, Coordination gegen Bayer-Gefahren: „Verbrennung von Sondermüll führt zu erhöhten Emissionen. Man darf auch nicht die Schlacken und Filterstäube vergessen, die deponiert werden müssen, die sind ein giftiges Erbe für künftige Generationen. Es kann nicht sein, dass ein dicht besiedeltes Gebiet wie NRW das Ziel internationaler Giftmülltransporte wird und jetzt auch aus Übersee.“

taz
Nordrhein-Westfalens BUND und die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) fordern in einem Brief Minister Uhlenberg auf, die für die Genehmigung zuständigen Bezirksregierungen anzuweisen, den Giftmüllimport zu unterbinden. Nordrhein-Westfalen dürfe nicht „zum Müllklo des gesamten Globus werden“.

Neues Deutschland
„Diese Art von Mülltourismus gehört abgeschafft.“ Mit diesen Worten reiht sich Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) ganz vorne bei den Kritikern ein. Der Haken: Laut Uhlenberg hat die Landesregierung keine Handhabe gegen den Transport von bis zu 22 000 Tonnen mit hochgiftigem Hexachlorbenzol (HCB) verseuchten Stoffen in verschiedene Müllverbrennungsanlagen des Landes. Genehmigungsbehörden seien die Bezirksregierungen und diese seien an EU-Recht gebunden. Eine Argumentation, die Philipp Mimkes von der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ erbost: „Wenn der Minister tatsächlich unserer Meinung ist, dann soll er den Transport untersagen und die Firmen auf den Klageweg verweisen. Dann würde man sehen, ob sie wirklich im Recht sind - ich glaube das nicht.“

Neuss Grevenbroicher Zeitung
Der nordrhein-westfälische Landesverband des BUND und die Coordination gegen Bayer-Gefahren fordern, dass die Vereinbarung mit dem australischen Unternehmen Orica südlich von Sydney rückgängig gemacht wird. Gleichzeitig haben sie Kontakt zu den australischen Behörden aufgenommen. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine dicht besiedelte Region wie NRW zum Ziel internationaler Giftmülltransporte werde. Die wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Unternehmen müssten hinter dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung zurücktreten.

taz
Der Minister bekam gestern einen Brief vom BUND und der Coordination gegen Bayer-Gefahren, in dem die Organisationen ein Verbot des Giftmüllimports fordern. In den Abfallverbrennungsanlagen der Bayer AG in Leverkusen und Dormagen sollen nämlich weitere 6.000 Tonnen des australischen Mülls entsorgt werden. Es sei jedoch nicht hinnehmbar, dass eine dicht besiedelte Region wie NRW zum Ziel internationaler Giftmülltransporte werde, so die Umweltschützer. „Wir verstehen die Bedenken“, sagt eine Ministeriumssprecherin.

Junge Welt
Die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) hat soeben eine Unterschriftenkampagne gegen den Import von Giftmüll aus Australien gestartet. Denn mittlerweile nutzt der Bayer-Konzern seine Müllverbrennungsanlagen längst nicht mehr nur, um die eigenen Giftstoffe zu entsorgen, wofür der Bau der Anlagen eigentlich genehmigt wurde. Inzwischen werden ebenso fleißig auswärtige Aufträge angenommen, allein im Jahr 2004 haben über 300 Firmen ihren Giftmüll in den Verbrennungsanlagen von Bayer entsorgt. Die Entsorgung der 4500 Tonnen HCB aus Australien bringt Bayer einen Umsatz von drei Millionen Euro.

Lev Anzeiger

CBG Redaktion

17.01.07, Leverkusener Anzeiger

Proteste gegen Bayers Gift Handel

VON THOMAS KÄDING

Der Import von 22 000 Tonnen Hexachlorbenzol-Abfällen soll heute den Landtag beschäftigen. Der Abgeordnete Johannes Remmel (Bündnis 90 / Die Grünen) hat eine aktuelle Viertelstunde im Ausschuss für Umwelt und Naturschutz beantragt. In diesem Rahmen soll Umweltminister Eckhard Uhlenberg das Müllgeschäft aus abfall- und umweltpolitischer Sicht bewerten sowie Auskunft zu Stand und Umfang der Genehmigungen geben. Auch Remmels Parteifreund, der Leverkusener Bundestagsabgeordnete Reinhard Loske, wandte sich gestern an den Minister. Unterdessen forderte der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Stopp des Müllgeschäfts. Außerdem hat das australische National Toxics Network Einspruch gegen eine Export-Genehmigung für den HCB-Abfalls eingereicht, der teils seit Jahrzehnten beim Chemiekonzern Orica lagert.
Der Sondermüll soll mit Schiffen zunächst nach Brunsbüttel gebracht werden und dort auf vier Verbrennungsanlagen aufgeteilt werden. Knapp 10 000 Tonnen werden nach den Plänen von Orica mit der Bahn ins Bayerwerk gebracht, dort umgeladen und mit Lastwagen auf die Anlagen in Dormagen, im Hertener Rohstoff-Rückgewinnungszentrum und Bürrig verteilt. Letztere soll nach Bayer-Angaben den Löwenanteil jener 4500 Tonnen HCB-Müll aufnehmen, die auf Bayer entfallen.
Hexachlorbenzol gehört zum „dirty dozen“ gefährlicher Stoffe, die durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten wurden. In Deutschland ist HCB seit 26 Jahren als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen. Die Organchlorverbindung wurde früher vielfältig eingesetzt: in der Arznei- und Düngemittelproduktion, als Pflanzenschutz- und Desinfektionsmittel sowie im Holzschutz. Orica hatte den Export seiner HCB-belasteten Abfälle nach Deutschland beantragt, weil es in Australien keine geeigneten Verbrennungsanlagen gibt. Jahrelange Bemühungen, in der Heimat eine Anlage zu errichten, waren am Widerstand der Bevölkerung gescheitert, die Gesundheitsschäden für Mensch und Tier befürchtete.
Nach Bayer-Berechnungen dauert es rund zwei Jahre, bis der australische Giftmüll-Import in Rauch aufgegangen ist. Mitte des Jahres soll die Aktion beginnen; allerdings liegt für das Transportkonzept noch keine Genehmigung vor: An allen Standorten müssen die Bezirksregierungen ihr Okay geben. Daher sind neben dem Kölner auch die Regierungspräsidenten in Düsseldorf und Münster mit dem Giftmüll-Import befasst.

[Artikel] Artikel zu Giftmüllimporten

CBG Redaktion

gesammelte Pressestimmen

Übersichtsartikel: „Schmutzige Geschäfte mit Hexachlorbenzol“

29. Mai 2007: Reise um die halbe Erde ist nicht akzeptabel / Protest formiert sich

Rh. Anzeiger, 7.3.: „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ kritisiert Landtagsabgeordneten Kress

Kölner Stadt-Anzeiger, 24.2. 2007: Giftmüll-Import auf der Kippe

Hamburger Abendblatt, 18.2.2007: Gifttransport durch Hamburg

Interview junge Welt: »Wir sind kein Giftmüllklo der Chemieindustrie«

DER SPIEGEL: Der Dreck der anderen

Brunsbütteler Zeitung, 17. Februar 2007: Giftmüll: Protest aus Steinburg

WDR, Westpol, 11.02.2007: Giftmüll aus Australien

12.02.2007, Westdeutsche Zeitung: Gift aus Australien in rheinischen Öfen

Neues Deutschland: Giftmülltourismus nach Deutschland

taz, 18. Januar 2007: Australischer Müll für NRW

Kölner Stadt-Anzeiger, taz, NGZ, 17. Januar 2007: Protest gegen Giftmüll-Import nimmt zu

WAZ

CBG Redaktion

Westdeutsche Allgemeine, 23. Februar 2007

Verb(r)annt

Das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium stoppt Giftmüll-Transport aus Australien vorerst

„Mit großer Freude haben wir von dem vorläufigen Verbot der Einfuhr von Hexachlorbenzol (HCB) nach Deutschland gehört“, sagt Notburga Henke, eine der Kreissprecherinnen des BUND.
Das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium hatte den Import von 22 000 Tonnen
hexachlorbenzolhaltiger Abfälle - 5 000 davon sollten im Hertener RZR entsorgt werden - jetzt abgelehnt. Seit Dezember bitte man die Umweltbehörden um Stellungnahme, ob der Giftmüll auch in Australien entsorgt werden kann. „Da wir immer noch kein offizielles Dokument der Australier vorliegen haben, können wir den Import nicht genehmigen“, sagt Christian Seyfert, Sprecher des Umweltministeriums. Schleswig-Holstein habe dieses Recht, weil der Müll im Hafen von Brunsbüttel gelöscht werden soll.
Der Entscheidung vorausgegangen war eine Diskussion im Kieler Landtag am Mittwoch. Darin hatte der FDP-Abgeordnete Günther Hildebrandt erklärt, dass sich Deutschland zu einem der wichtigsten Importländer für Giftmüll aus der ganzen Welt entwickelt habe. „Die Einfuhr der gefährlichen Abfälle hat sich seit 2000 verdreifacht, auf über 2 Mio. Tonnen.“
Und Hildebrand fragte: „Warum müssen die BürgerInnen den Schadstoffen ausgesetzt
werden, die durch die Verbrennung von Müll aus anderen Ländern entstehen?“
Beim Regierungspräsidenten in Münster, der den Transport des Giftmülls nach Herten
genehmigen muss, wusste man gestern noch nichts von dem Stopp. Pressesprecher Thomas
Drewitz erklärte aber: „Wenn der Import über Brunsbüttel verweigert wird, kann von dort
nicht weitertransportiert werden.“ Bei der AGR wollte man es erst gar nicht glauben.
Heinz Struszczynski kommentierte den Stopp zunächst nicht, und später mit den
Worten: „Er (Seyfert, Anm. d. Red.) weiß möglicherweise nicht, was er sagt.“
Beendet ist das Verfahren mit diesem Stopp allerdings noch nicht. „Reichen die Australier
alle geforderten Unterlagen ein, kann das Genehmigungsverfahren wieder aufgenommen
werden“, erläutert Christian Seyfert.

Mustereinwendung

CBG Redaktion

Einwendung gegen das von der Hafengesellschaft Brunsbüttel GmbH geplante „Zwischenlager“ für Giftmüll am Elbehafen Brunsbüttel.

1. Der Inbetriebnahme des Giftmüll- Zwischenlagers verstößt gegen das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 GG).
Bereits geringe Mengen des Giftmülls führen bei nicht auszuschließenden Leckagen zu einer Umweltkatastrophe.

2. Es kann nicht hingenommen werden, dass in einem hoch entwickelten, aber nahezu unbevölkerten Land (Wikipedia: Australien ist sehr stark urbanisiert, 92 % der Bevölkerung leben in Städten, vor allem in den großen Zentren an der Südostküste, auf Tasmanien und im Großraum Perth. Das Zentrum des Landes ist nahezu menschenleer) keine Möglichkeit der Giftmüllvermeidung geschaffen wird, die Entsorgung der Abfälle aber in einem der am stärksten besiedelten Länder Europas stattfinden soll. Selbst die Behandlung in einer Sonderabfallverbrennungsanlage erfordert die Deponierung der Reststoffe mit zumindest einem Drittel der Gesamtmenge.

3. Die vorgesehenen Maßnahmen im Bereich der Prävention von Unfällen im Bereich des innerbetrieblichen Transports sind nicht ausreichend. Der Betreiber verfügt nicht über eine ausreichende Erfahrung im Umgang mit den angelieferten Stoffen und den verwendeten Gebinden und Giftmüllmengen.

4. Der Antragsteller legt sich im Antrag nicht genau fest, wie lange die angelieferten Giftmüllcontainer auf dem Gelände gelagert werden sollen und wie lange das Giftmüll- Zwischenlager betrieben werden soll.

5. Der größere Teil der angelieferten Giftstoffe soll in Sonderabfallverbrennungsanlagen außerhalb Norddeutschlands behandelt werden. Dies führt zu einer hohen Zahl vermeidbarer Transporte und langen Anfahrtswegen und damit zu einem unnötig hohen Gefahrenpotential entlang der vorgesehenen Strecken.

Ich beantrage, dass das Staatliche Umweltamt mir Ort und Zeit des Erörterungstermins mindestens einen Monat vorher schriftlich mitteilt und den Termin entweder auf mehrere Wochenenden legt oder den Einwenderinnen ihre Verdienstausfälle zahlt.

Ich behalte mir vor, meine Einwendungen auf dem anstehenden Erörterungstermin näher zu konkretisieren und zu erweitern.

NDR

CBG Redaktion

NDR Info, 21.02.2007

Giftmüll Transport durch Norddeutschland vorläufig gestoppt

Schleswig-Holsteins Umweltministerium hat den Transport eines krebserregenden Stoffes von Australien nach Deutschland vorerst untersagt. Bei dem umstrittenen Vorhaben geht es um 22.000 Tonnen Hexachlorbenzol, die der australische Chemiekalien- und Sprengstoffhersteller Orica nach Brunsbüttel und dann teilweise weiter nach Nordrhein-Westfalen schaffen wollte. „Wir haben das Genehmigungsverfahren für die Anlandung des Giftmülltransportes in Brunsbüttel gestoppt. Das heißt, die Schiffe mit dem Giftmüll dürfen noch nicht einmal in Australien starten“, sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert dem „Hamburger Abendblatt“ am Mittwoch.

Widerstand in Hamburg
In Hamburg hatten sich zuvor nach einem Bericht von NDR 90,3 Umweltpolitiker aller Parteien, Verbände und Bürgerinitiativen gegen den Transport ausgesprochen. Die erste Fuhre sollte dem Bericht zufolge im Mai ankommen, ein Teil der Chemikalie bereits dort verbrannt werden. Der Weg der restlichen Bestände wäre mitten durch Hamburg verlaufen, sehr wahrscheinlich über die Güterumgehungsbahn, so die Spekulationen unter den Gegnern des Transports. Eine internationale Vereinbarung ächte die Herstellung, Anwendung und den Transport von Hexachlorbenzol, hieß es in dem Bericht weiter.

taz

CBG Redaktion

taz Nord vom 20.2.2007

Giftmülltransport durch Hamburg

Chemiekonzern will 11.000 Tonnen des hochgiftigen HCB auf der Güterumgehungsbahn quer durch die Stadt fahren

Heftige Kritik an einem geplanten Giftmülltransport durch Hamburg hat SPD-Umweltpolitikerin Monika Schaal geübt. Der CDU-Senat solle sich „dafür einsetzen, dass der Müll in Australien entsorgt wird“, forderte Schaal. Der Müll ist mit hochgiftigem Hexachlorbenzol (HCB) verseucht. Deshalb sei ein Transport über die Hamburger Güterumgehungsbahn „zu riskant“, meint Schaal.
Der australische Chemie- und Sprengstoffkonzern Orica will 22.000 Tonnen des Giftmülls per Schiff nach Brunsbüttel bringen. Eine Hälfte soll in der dortigen Sondermüll-Verbrennungsanlage entsorgt, die andere mit der Bahn zu einer Anlage des Bayer-Konzerns in Nordrhein-Westfalen gebracht werden. Der Transport müsste von Eidelstedt über Barmbek bis nach Harburg quer durch Hamburg fahren.
Ein Unfall sei nie auszuschließen, findet Schaal und verweist auf den vor drei Wochen bei Tornesch entgleisten Zug mit Chloressigsäure. Bei HCB, das zu den giftigsten Substanzen überhaupt gehört, „wären die Folgen für Mensch und Umwelt verheerend“. Mit einer Anfrage an den Senat will sie nun erfahren, wie dieser den Transport verhindern wolle.
Auch Manfred Braasch vom Hamburger Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert, den Müll in Australien „direkt vor Ort umweltverträglich zu entsorgen“. SMV

Kieler Nachrichten

CBG Redaktion

21.02.2007 Kieler Nachrichten

Gefahr auf der Schiene

Bürgermeister zu Giftmülltransport.Was in den Güterzügen, die täglich auf den Schienen an Tornesch vorbeirauschen, transportiert wird, weiß Bürgermeister Roland Krügel nicht. Dass es auch gefährliche Chemikalien sein können, ist ihm jedoch nicht erst seit dem Zugunglück vor wenigen Wochen zwischen Tornesch und Heidgraben bewusst. Dass nun sogar australischer Giftmüll quasi an Torneschs Haustüren vorbeifahren soll, sieht er mit großer Sorge.
Von Sylvia Kaufmann

Tornesch. In wenigen Wochen sollen in Brunsbüttel vier Schiffsladungen mit 22000 Tonnen Giftmüll aus Australien eintreffen. Etwa die Hälfte der Fracht soll in der Brunsbütteler Sonderabfallverbrennungsanlage verbrannt werden. Doch die verbleibenden etwa 11000 Tonnen der krebserregenden Lösungsmittelrückstände, die von einem australischen Sprengstoff- und Chemiehersteller stammen, sollen verladen und auf dem Schienenweg quer durch Hamburg ins Ruhrgebiet gebracht werden. Diese Medieninformation hat den Tornescher Bürgermeister Roland Krügel in Sorge versetzt. „Natürlich fahren die Züge bei uns vorbei“, stellt er fest und vermutet, dass es bei dieser Menge 22 Güterzüge sein müssten, die mit der gefährlichen Fracht unterwegs sind und für Menschen und Natur eine Gefahr darstellen. „Neulich hatten wir wirklich noch einmal Glück. Und wenn man die Unfälle aus der Vergangenheit hinzunimmt, ist zu befürchten, dass unser Glück bald aufgebraucht ist. Alle Beteiligten an Genehmigungen für gefährliche Gütertransporte durch Deutschland sollten sich ernsthaft Gedanken zur Gefahrenabwehr machen“, so der Appell des Bürgermeisters.
Er fragt sich auch, warum es verantwortet wird, den Giftmüll von Australien bis nach Deutschland zu bringen, um ihn hier zu verbrennen. „Warum müssen wir uns um den Giftmüll aus Australien kümmern und Gefahren in Kauf nehmen?“, so Krügel.
1500 Einsatzstunden hatten die Tornescher Feuerwehrleute geleistet, nachdem es am frühen Morgen des 23. Januar zu einer Entgleisung von elf Güterzügen zwischen Tornesch und Heidgraben gekommen war. Der Zug war von Dänemark nach Italien unterwegs und hatte Chemikalien, die gefährlich miteinander reagieren, in benachbarten Waggons transportiert. Es war Chloressigsäure ausgelaufen. Ursache des Unfalls: eine lose Stahlbandrolle.

Hamburg

CBG Redaktion

Hamburger Abendblatt, 20. Februar 2007

Opposition setzt sich für die Entsorgung der krebserregenden Lösungsmittelrückstände in Australien ein

Jetzt soll der Senat den Giftmülltransport durch Hamburg verhindern

Der geplante Transport von 11 000 Tonnen Giftmüll auf der Strecke der Güterumgehungsbahn durch Hamburg sorgt weiterhin für Aufregung: „Wir Anwohner haben große Angst vor diesem Transport durch unsere Wohngebiete. Die Bahn hat uns nicht informiert“, sagt Uwe Schröder, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schienenlärm und fragt: „Warum wird um den Giftmüll so ein Geheimnis gemacht?“
Auch die Opposition setzt sich gegen den Transport ein: SPD-Umweltexpertin Monika Schaal appelliert: „Ich erwarte vom Senat, dass er sich auf Bundesebene - gegebenenfalls mit den vom Gifttransport betroffenen Bundesländern - dafür einsetzt, dass der Müll in Australien entsorgt wird. GAL-Umweltexperte Jörg Lühmann will den geplanten Transport heute in der Sitzung des Stadtentwicklungsauschusses der Bürgerschaft thematisieren.
Wie berichtet, will der australische Chemie- und Sprengstoffhersteller Orica 22 000 Tonnen der mit krebserregendem Hexachlorbenzol belasteten Fracht per Schiff nach Deutschland schaffen und verbrennen lassen: Die eine Hälfte in Brunsbüttel, der Rest soll auf dem Schienenweg zur Firma Bayer in Nordrhein-Westfalen gefahren werden.
Vier Schiffsladungen mit dem Giftmüll sollen nach Angaben der australischen Umweltschutzorganisation National Toxics Networks voraussichtlich im Mai in Brunsbüttel anladen. Bahn-Sprecher Ole Constantinescu weist die Vorwürfe zurück. “Es steht noch kein genauer Termin fest.„ Und er weist darauf hin: “Die Aufgabe, die Anwohner über den Transport zu informieren, liegt nicht bei der Bahn, sondern bei den Genehmigungsbehörden genauso wie beim Auftraggeber.„ Giftmülltransporte durch Hamburg sind für die Bahn offensichtlich nichts Ungewöhnliches: “Täglich fahren bis zu 60 Güterzüge auf der nördlichen Route durch Hamburg. Rund jede siebte Tonne Fracht ist Gefahrgut. Dazu zählen zum Beispiel giftige Industrieabfälle oder Chemikalien", so Constantinescu.
ug

Hamburg

CBG Redaktion

22. Februar 2007, Hamburger Abendblatt

Protestaktion vor dem Verwaltungsgebäude der Bahn in Eppendorf

Sie fordern: Stoppt Giftmüll-Transporte

Anwohner der Güterumgehungsbahn haben Angst. Bahn verweigert Auskunft.

„Wir wissen gar nicht, wie viele und was für Gifttransporte vor unserer Haustür vorbeirauschen. Das macht Angst“, sagt Joachim Stein (39) aus Groß Borstel, der unweit der Strecke der Güterumgehungsbahn wohnt. Und Anwohner Uli Heckenberger (47) sagt: „Es darf nicht sein, dass Giftmüll-Transporte auf der Schiene mitten durch unsere Wohngebiete fahren. Und schon gar nicht solche, die extra aus Australien importiert wurden.“ Dieser Meinung schlossen sich auch die rund 30 anderen Menschen an, die gestern vor dem DB Mobility Center an der Eppendorfer Landstraße gegen GiftmüllTransporte auf der Strecke der Güterumgehungsbahn protestierten. Auch Uwe Schröder, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schienenlärm, war dabei: „Der geplante Gifttransport aus Australien ist doch nur die Spitze des Eisberges. Die Bahn muss endlich mal die Karten offenlegen, wie viel gefährliche Fracht täglich durch Hamburg rollt.“ Dazu Bahnsprecher Ole Constantinescu: „Wir sind nicht dazu verpflichtet, über Gefahrgut Auskunft zu geben.“
Wie berichtet, plant der australische Chemie- und Sprengstoffhersteller Orica, 22 000 Tonnen mit krebserregendem Hexachlorbenzol per Schiff nach Brunsbüttel zu schaffen. Die eine Hälfte soll dort verbrannt werden, der Rest auf dem Schienenweg zur Firma Bayer nach Nordrhein-Westfalen geschafft werden. Doch zunächst hat das schleswig-holsteinische Umweltministerium das Genehmigungsverfahren für den Transport gestoppt, unter anderem, weil die australischen Behörden bislang nicht bestätigt haben, dass der Giftmüll nicht in Australien vernichtet werden kann.
Unterdessen beschäftigt das Thema Gifttransporte auf der Schiene durch Hamburg auch die Bundespolitik: Der Abgeordnete Christian Carstensen will in einer Kleinen Anfrage von der Bundesregierung unter anderem wissen, wie viel Gefahrengut, insbesondere Giftmüll, in den vergangenen Jahren über die Strecke der Güterumgehungsbahn transportiert wurde und wie vor dem Hintergrund dieser speziellen Gefahrenlage die Sicherheit der Anwohner entlang der Bahntrasse gewährleistet wird.
ug
erschienen am 22. Februar 2007

Resolution

CBG Redaktion

WAZ, 07.02.2007

Herten: Rat verabschiedet Resolution gegen Giftmüll aus Australien

Der Rat der Stadt Herten hat am Mittwochabend einstimmig eine Resolution verfasst, in der sich die Politiker aller Parteien gegen die geplante Verbrennung von Giftmüll im Rohstoffrückgewinnungszentrum aussprechen. Die Resolution soll an die Bezirks- und Landesregierung, die Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet (AGR) als Betreiberin der Anlage, das Umweltministerium in Australien und an die Firma Orica, die den Giftmüll exportieren will, geschickt werden.

Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
1. Die Stadt Herten spricht sich entschieden gegen den Transport und die Verbrennung australischen Giftmülls nach und in Herten aus. Wenn auch die Hertener Anlage nach Auffassung von Experten eine der modernsten weltweit ist und die technischen Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Verbrennung dieser Stoffe in der Hertener Anlage gegeben sind, so bergen lange Transportwege nicht kalkulierbare Risiken auch für die Bürger Hertens und der Region.
Deshalb müssen sich grundsätzlich solch hochindustrialisierte Länder wie Australien in die Lage versetzen, im Lande produzierte Giftstoffe dieser Kategorie selbst gefahrlos zu entsorgen.
Herten darf sich nicht zum Standort für weltweiten Mülltourismus entwickeln.
2. Die Informationsnpolitik der AGR bei diesem Vorhaben gegenüber der Hertener Politik und der Öffentlichkeit wird missbilligt.
Bei einem solch sensiblen Vorgang müssen die Verantwortlichen der Stadt sowie die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig und umfassend informiert werden. Es liegt im ureigensten Interesse des Unternehmens, eine langfristig angelegte, solide, auf Partnerschaft setzende Informationspolitik zu betreiben. Nur dadurch wird eine Vertrauensbasis hergestellt, die auch in schwierigen Situationen belastbar ist.
3. Alle beteiligten Stellen werden aufgefordert, dieses Projekt zu stoppen. Die Landesregierung wird gebeten, sich für eine gesetzliche Änderung einzusetzen, die solch unnötigen Mülltourismus in Zukunft verhindert.

Podiumsdiskussion

CBG Redaktion

Hertener Allgemeine, 07.02.2007

Diesen Müll will keiner haben

Von Frank Bergmannshoff

HERTEN. Die AGR wird auf die Giftmüll-Verbrennung im RZR nicht verzichten. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit habe man sich nichts vorzuwerfen. Die Bezirksregierung muss den Tansport über 16000 Kilometer genehmigen, wenn Australien und Südafrika ihr Okay geben. Das sind die Kernaussagen der gestrigen Bürgerversammlung.

Schon 20 Minuten vor Beginn werden die letzten Stühle aus dem Bistro zusammengetragen. Im Saal des Glashauses und auf der Empore drängen sich rund 400 Menschen aus Herten, Recklinghausen, Herne und darüber hinaus. Als Moderator Gregor Spohr die Abkürzung „RZR“ übersetzt - Rohstoff-Rückgewinnungs-Zentrum - geht Gelächter durch die Reihen. Als NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg mit der Aussage zitiert wird, Australien als hoch entwickeltes Industrieland solle seinen Giftmüll selbst entsorgen, brandet Applaus auf. Er wird noch lauter, als Pfarrer Andreas Wilkens fragt, warum Deutschland seine hochmoderne Verbrennungstechnologie nicht einfach nach Australien exportiert statt Müll zu importieren. Die Stimmung im Glashaus ist eindeutig.

Zunächst geht es um technische Fragen. Wolfgang Feldmann, für die Genehmigung zuständiger
Dezernent der Bezirksregierung, betont: „Nach meinem Wissen ist die Anlage geeignet für die
Verbrennung von Hexachlorbenzol.“ Sofort hagelt es Kritik: Die stellvertretende Vorsitzende der
Bundestagsfraktion von Bündnis ‚90/Die Grünen, Bärbel Höhn, stellt die Grenzwerte in Frage:
„Das sind politische Werte.“ Alle Grenzwerte und Filter im Kamin seien nur so gut wie der
Widerstand der Bürger.
Dr. Michael Harengerd vom Bund für Umwelt und Naturschutz fragt, warum der Bayer-Konzern
in seiner Anlage mindestens bei 1100 Grad verbrenne, während im RZR nur bei 950 bis 1050
Grad verbrannt werde.
Dr. Thorsten Zisowski, AGR-Geschäftsbereichsleitung für Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft,
hält dagegen, im RZR werde das HCB zu 99,997 Prozent zerstört, den Rest erledige die
aufwändige Filteranlage. Was an Schlacke und Staub übrig bleibe, werde auf Sondermülldeponien
und in den unterirdischen Hohlräumen der Bergwerke gelagert. Bärbel Höhn hakt ein: „Mit dem
Grundwasser kommt alles wieder ‘raus!“
Immer wieder verlieren sich Umwelt-Experten, Verwaltungsrechtler und Vertreter aus Politik und Bürger-Initiativen in Details, so dass eine Kernfrage erst spät Thema wird: Ist der Mülltransport
über 16000 Kilometer nötig und wie kann man ihn noch verhindern? AGR-Mann Dr. Zisowki
verweist auf gültige Verträge mit Orica. Folglich, so Höhn, sei die ausstehende Genehmigung der
einzige „Hebel“: Wenn ihr Nachfolger Eckhard Uhlenberg wirklich gegen Müll-Tourismus sei,
dann müsse er seinen Behörden die Beweise dafür beschaffen, dass der Giftmüll in Australien
entsorgt werden kann. Dann könne die Genehmigung verweigert werden.
Nach dreistündiger Diskussion kündigt Bärbel Höhn an, alles zu versuchen, das Giftmüll-Geschäft zu verhindern.

Besuchen Sie unsere Bildergalerie: www.zeitungshaus-bauer.de/bildergalerien.php -

Pressemitteilung vom 2. Februar 2007, Stadt Herten

Podiumsdiskussion zur Müllverbrennung aus Australien

Referenten stehen Bürgern am 6. Februar Rede und Antwort

Herten. Die aktuelle Diskussion um die geplante Verbrennung von
australischem Industriemüll im RZR Herten schwelt weiter und verunsichert
viele Bürger. Die Evangelische Kirchengemeinde Herten, die Initiative
Pro-Herten sowie die Stadt Herten möchten deshalb gemeinsam zur Aufklärung
beitragen und laden am Dienstag, 6. Februar, um 20 Uhr zu einer großen
Podiumsdiskussion im Hertener Glashaus ein.

Mit den Gästen Bärbel Höhn (MdB), Dr. Michael Harengerd (BUND), Wolfgang
Feldmann (Bezirksregierung Münster) und Dr. Thorsten Zisowski (AGR) sollen
unter anderem folgende Fragen geklärt werden: Verbrennt das RZR wirklich so
sauber, wie es die Betreibergesellschaft immer versichert? Kann man davon
ausgehen, dass keine giftigen Stoffe an die Umwelt abgegeben werden? Warum
wird überhaupt giftiger Müll über so weite Distanzen transportiert?

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich an der
Diskussion zu beteiligen.

Pressekontakt: Pressestelle, Nele Däubler (Pressesprecherin), Tel:
02366/303-357, Mail: n.daeubler@herten.de

Kontaktdaten:
Herausgeberin:
Pressestelle der Stadt Herten
45697 Herten
Telefon: (02366)303-357
Fax:(02366)303-523
Web:http://www.herten.de
E-Mail: pressestelle@herten.de

[Buch] Der Dormagener Störfall

CBG Redaktion

Vor Zensur gerettet

Klas E. Everwyn: Der Dormagener Störfall

Dieser Roman erhielt den Literaturpreis der Stadt Dormagen.Vom BAYER-Konzern gerichtlich 15 Jahre lang unterdrückt. Jetzt ist das Buch über eine fiktive Katastrophe im „Werk“ endlich frei erhältlich.

Ein Artikel zu der Kontroverse erschien im SPIEGEL

Hardcover, ca. 170S.
Erscheinungsjahr: 1997

Bestellen bei: http://www.j5a.de
Bestellnummer: 1 574 108
Preis: 15.80 €

[NGZ 1988] Kritik aus dem Jahr 1988

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren und die GRÜNEN kritisierten bereits Ende der 80er Jahre den Bau der Sondermüllverbrennungsanlage in Dormagen und prophezeiten den nun eingetretenen Mülltourismus.

NGZ, 6. Oktober 1988

Verbrennungsanlage bei Bayer Dormagen

(....) lautet die Konsequenz für das Dormagener Werk, eine eigene Verbrennungsanlage zu errichten.
Ein Vorhaben, zu dem gestern die Kreis- und Stadtrats-Fraktion der Grünen Neuss bei einem Pressegespräch Stellung bezog. Gastredner Harry Kunz vom Landesvorstand der Partei lenkte ein, dass die Errichtung einer Anlage für „dormagenspezifische“ Abfälle, die jedoch auf dem neuesten Stand der Technik beruhen müsse, einzusehen sei. Er hinterfragt allerdings die beabsichtigte Jahreskapazität von 50.000 Tonnen. Eine Menge, die in Dormagen selbst nach seinen Einschätzungen nicht produziert werden könne. Er befürchtet einen „Mülltourismus“. Eine Entwicklung, die laut bisherigen Mitteilungen des Werkes nicht beabsichtigt ist.

Westdeutsche Zeitung, 6. Oktober 1988

Giftstoffe aus ganz Europa

Kritik an geplanter Müllverbrennungsanlage

Nordrhein-Westfalen solle „Giftmüllverbrennungsland“ werden und die geplante Müllverbrennungsanlage des Dormagener Bayer-Werkes solle Kapazitäten dazu beisteuern; schwere Geschütze fuhren gestern die Grünen auf. Harry Kunz vom Landesvorstand der Partei ergänzte, die für die Anlage beantragte Verbrennungskapazität von 50.000 Tonnen Giftstoffen im Jahr läge weit über dem Bedarf. „Zur Zeit werden aus Leverkusen, Krefeld und Dormagen zusammen nur etwa 20.000 Tonnen außerhalb der Werke verbrannt, aus Dormagen stammen davon unter 10.000 Tonnen“, will Kunz von privaten Entsorgungs-Firmen erfahren haben. Die Differenz zwischen benötigter und beantragter Kapazität solle, so argwöhnte Kunz, dazu dienen, Giftstoffe aus ganz Europa hier zu verbrennen. Der Dormagener Werksleiter Dr. Anders hatte indes den Bedarf seines Betriebs vor dem Kreisumweltausschuss auf 30.000 Tonnen Giftstoffe beziffert.

Ein zweiter Vorwurf an den Bayer-Konzern liegt darin, dass die Antragsvorlage an den Regierungspräsidenten dem Umweltschutz unzureichend gerecht werde. „Man findet darin kein einziges Mal das Wort „Dioxin““, kritisierte Kunz. (....) Chronische Folgeschäden durch das „Ultragift“ könnten nicht ausgeschlossen werden, zumal im Großraum Köln neun Verbrennungsanlagen bereits für viel Dioxin in der Luft sorgten.

Dormagen

CBG Redaktion

21.02.2007 , Neuss Grevenbroicher Zeitung

Giftmüll: Misstrauen ist Hauptproblem

Dormagen Mehr als 90 Fragen von Bürgern hatte der Sprecher der Dormagener Agenda 21, Manfred Puchelt, in seinem Büro zum geplanten Giftmüll-Import aus Australien gesammelt und den Verantwortlichen von Bayer am Tag der offenen Tür in der Rückstandsverbrennungsanlage vor zweieinhalb Wochen übergeben. „Die schriftliche Beantwortung der Fragen hat deshalb länger gedauert, weil wir auf jeden Einwand ausführlich eingehen wollten“, erklärte Chemiepark-Leiter Dr. Walter Leidinger gestern bei der „Rückübergabe“ des Katalogs mit den Antworten.

Die Fragen umfassen ein breites Spektrum - von konkreten Messwerten und den Bedingungen der Verbrennung in Dormagen über die Transportbedingungen für den weltweit geächteten Stoff Hexachlorbenzol und die ethische Verantwortung eines Wirtschaftsunternehmens wie Bayer bis hin zu sehr emotionalen Themen wie dem Gesundheitsrisiko für Kinder oder sogar privaten Fragen an Leidinger persönlich. „Wir haben alle Fragen beantwortet und sind weiter um den Dialog mit den Menschen in Dormagen bemüht“, so Leidinger.

Dieser wurde bei der Übergabe gestern dann auch engagiert von beiden Seiten fortgesetzt. „Sie reagieren mit Fakten und Messwerten auf Emotionen - das sind zwei verschiedene Ebenen“, meinte Manfred Puchelt. Denn trotz der ausführlichen Antworten bleibe ein ungutes Gefühl. Die Vergangenheit der chemischen Industrie zeige, dass noch vor wenigen Jahrzehnten Stoffe und Grenzwerte als unbedenklich eingestuft worden seien, von denen heute bekannt sei, dass sie schwere Krankheiten verursachen könnten.

„Wie können Sie sicher sein, dass Ihr Wissensstand heute der richtige ist und nicht in einigen Jahren korrigiert werden muss“, fragte Puchelt. In zehn Jahren werde es noch bessere Verfahren geben als heute, gab ihm Joachim Beyer, Leiter der Verbrennungsanlagen bei Bayer, Recht. Entscheidend sei jedoch, dass sich das Bewusstsein geändert habe. „Wir gehen heute ganz anders mit diesem Thema um“, so Beyer. Und die heutigen Grenzwerte seien mitnichten politische Werte, die sich nur an dem aktuell technisch Machbaren orientierten. Sie hätten in erster Linie den Menschen und seine Gesundheit im Blick.

In den Kindergärten werde der Giftmüll-Import von vielen Eltern kritisch gesehen, erklärte Tanja Frank von der Agenda 21. „Dass Bayer den eigenen Restmüll verbrennt, um den Standort zu sichern, akzeptieren die Dormagener“, sagte sie. „Aber niemand versteht, warum wir mit Gift vom anderen Ende der Welt aus einem Industrieland belastet werden, das selbst für die Entsorgung sorgen könnte.“ Die Belastung durch Bayer sei immer weiter gestiegen, meinte Horst Fox. Beyer widersprach. Es werde zwar mehr produziert und mehr verbrannt, aber mit erheblich geringeren Emissionen als noch vor Jahren. „Was bei uns aus dem Kamin kommt, ist gesünder als alles, was aus dem Auspuff eines Autos in die Luft geblasen wird“, betonte Beyer.

Das Hauptproblem bleibe, dass viele Bürger für die Argumente von Bayer nicht mehr zugänglich seien, weil sie sie einfach nicht glaubten, meinte Puchelt. „Das Vertrauen ist nicht mehr da“, sagte er. „Die große Bayer-Familie gibt es nicht mehr.“ Längst sei bei vielen Bürgern der Eindruck entstanden, es gehe nur noch ums Geschäft - Gesundheit und Risiken spielten eine untergeordnete Rolle. „Das wäre fatal, denn ohne das Vertrauen der Bürger, können wir hier am Standort nicht arbeiten“, reagierte Leidinger.
VON PETRA SCHIFFER

[Dormagen] 90 Fragen von Dormagener Bürgerinnen und Bürgern an die Bayer AG

CBG Redaktion

Gesammelt von der Dormagener Agenda 21 und übergeben am 4. Februar 2007, dem „Tag der offenen Tür“ der Bayer-Sondermüllverbrennungsanlage.

? Wie ist gewährleistet, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen - ausgelöst durch die Verbrennung der Hexachlorbenzol-Verbindungen - garantiert vermieden werden?
_________________________

Es wird stets argumentiert, dass die behördlichen Grenzwerte eingehalten werden. Unbeantwortet bleiben aber die Fragen:

? Welche absoluten Emissionen von Dioxin, HCB und anderen Giftstoffen werden durch die geplante HCB-Verbrennung entstehen?

? Mit welchen Mengen welcher Giftstoffe sind Schlacken und Filterstäube belastet?

? Wie soll über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte verhindert werden, dass toxische Schlacken und Filterstäube Luft und Wasser vergiften?

? Welche Mengen welcher Giftstoffe wurden im vergangenen Jahr verbrannt? Welche Mengen stammten nicht von Bayer?

? Wie hoch ist der Anteil von Fremdmüll im kommenden Jahr?

? Aus welchen Ländern stammt der Sondermüll?
______________________________

In dem Schreiben von Bayer an die Dormagener Haushalte heisst es sinngemäss, das NRW Umweltministerium habe keinen Zweifel an dem Know How von Bayer in dieser Sache. Dies ist eine Beschönigung der Tatbestände, wenn man folgende Antwort von Herrn Dr. Michalzik aus dem NRW Umweltministerium liest: „Herr Uhlenberg teilt grundsätzlich Ihren Unmut über Giftmüllexporte von Australien nach Europa bis hierher nach NRW. Er hat mich gebeten, Ihnen für Ihre e-mail zu danken und Ihnen zu antworten.

? Woher wissen wir, dass nicht in gleichem Maße, wie hier die Aussage des NRW Umweltministeriums beschönigt wurde, auch die Emissions-Grenzwerte verschleiert werden?

? Welche Krankheiten drohen uns nach diesem öffentlichen „Menschenversuch“? Wird hier nach dem Motto agiert: Die Unglücksfälle von heute sind die Grenzwerte von morgen?

? Warum soll die Verbrennung am dichtbesiedeltsten Standort Deutschlands erfolgen zu Lasten extrem vieler Menschen?

? Wieviel Giftmüll und welche Art plant Bayer in den kommenden Jahren zu akquirieren, um diesen in Dormagen zu verbrennen? (Zahlen)

? Welcher Geldbetrag fliesst bei dem Deal zwischen Bayer und Orica?

? Was passiert mit den Abfallprodukten aus der Verbrennung? Werden diese tatsächlich für den Straßenbau eingesetzt?
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Sehr geehrter Dr. Walter Leidinger, Leiter des Bayer-Chemieparks Dormagen,
mit Datum vom 25. Januar 2007 haben Sie mich davon unterrichtet, dass geplant ist, Sonderabfälle aus Australien (Mengen?) zusätzlich zu den bislang 65.000 Tonnen verschiedener Sonderabfälle im Bayer-Chemiepark Dormagen zu entsorgen. Das aus Australien gelieferte Hexachlorbenzol soll verbrannt und die Rauchgase sollen gereinigt werden. Die Rauchgase würden dann die vorgeschriebenen Grenzwerte unterschreiten.

Mir liegt als Wasserwirtschaftler insbesondere die Güte unserer Gewässer am Herzen. Deshalb frage ich Sie:

? Werden beim Rauchgasreinigen auch Wässer mit Schadstoffen belastet?

? Wieviel Schadstoffe gelangen davon gegebenenfalls in die Gewässer?
a) als Konzentration?
b) als Mengen?

? Wie sind Konzentrationen und Mengen in ihrer Umweltwirksamkeit zu bewerten?

Mit freundlichen Grüßen
Edgar Ephan (Diplomingenieur TH), Delhoven

_____________________________________________

? Zwar lassen sich viele chemische Substanzen beim Verbrennungsprozeß bei z.B. bei 1000 Grad Cel. im Ofen spalten, einige fügen sich aber - aufgrund ihrer hohen Affinität zueinander kurz oberhalb des Schornsteins wieder zusammen, so dass sie keineswegs zerstört sind und das Gefährdungspotential somit weiter besteht.
Meine Frage: An welchem Punkt wird gemessen? Grenzwerte lassen sich leicht einhalten, wenn man dazu an der „richtigen“ Stelle mißt. Also: Wo genau wird gemessen?
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? Wenn aus der Anlage nichts herauskommt. Wozu braucht man dann einen Schornstein? Nur für den Störfall?
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Mitglieder des Stadtrates zeigten sich offenbar vom Ausmaß des „Mülltourismus“ der Fa. Bayer überrascht. Manche Ratsmitglieder hatten offenbar das Gefühl, früher „über den Tisch gezogen“ worden zu sein.

? Als die Stadt Dormagen in einer Rats- oder Planungsausschuss-Sitzung Bayer zugestimmt hat, dass Chemiemüll auch von außerhalb des Bayer-Werksgeländes herangeführt und verbrannt werden soll, war da vonseiten Bayer eindeutig transparent gemacht worden, dass auch Giftmüll aus anderen Bundesländern bzw. sogar aus dem Ausland vermarktet werden soll?

? Könnte da nicht- im juristischen Sinne - ein Dissenz zum Zeitpunkt dieses Vertragsabschlusses bzw Genehmigungsverfahrens vorgelegen haben, der diese Überraschung der Ratsmitglieder erklärt und den es aufzuarbeiten gilt?

? Wie hat Bayer dazu in den Entscheidungsgremien aufgeklärt?

Bayer betrachtet mit Stolz seine technologische Marktführerschaft auf dem Gebiet der HighTec-Müllverbrennung. Es steht zu erwarten, dass dieses Geschäft ausgebaut werden soll.

? Welche Kapazität hat die Sondermüllverbrennungsanlage heute?
? Zu wieviel Prozent ist die Anlage ausgelastet?
? Welche Kapazitätserwartungen bestehen für die nächsten 5 Jahre?

Bayer behauptet, sich völlig korrekt im Rahmen aller vorgegebenen Grenzwerte des Umweltbundes- oder Landesamtes zu verhalten.

? Hat Bayer bei der Festlegung der Grenzwerte und Formulierung dieses komplizierten technischen Sachverhaltes zur Genehmigung der Anlage dem Umweltamt mit seinem Sachverstand „beratend“ zur Seite gestanden?
? Steht die Ausweitung des Gefahrgut-Lagers auf dem Gelände in logischem Zusammenhang mit einer möglichen Ausweitung der Sondermüll-Verbrennungsaktivitäten?

„Es gibt immer ein Restrisiko“ sagte der Leiter der Verbrennungsanlage in der ngz vom 27.1.2007.
? Ist dieses Restrisiko quantifiziert worden?
? Bildet Bayer dafür laufend aus seinen Gewinnen (geschätzte 3 Millionen Euro aus dem laufenden australischen Geschäft) Rückstellungen?
? Wer zahlt im Katastrophenfall? Wer hat die Versicherung übernommen?
? Wie ist das Störfall-Management organisiert?
? Was passiert z.B. bei totalem Stromausfall, der sich - trotz vermeintlich getrennt gesicherter Stromnetze - doch noch ereignen könnte?
? Was passiert im Brandfall mit dem Löschwasser?

Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen ist immer ein klassisches Argument für Wirtschafts-aktivitäten, die unter Beschuß geraten sind.
? Wieviele Arbeitsplätze hat die Anlage geschaffen? In wieviel Schichten?
? Sind das Vollzeitarbeitsplätze? Wieviele sind angelernte Arbeitskräfte? Sind das alles Fachkräfte?
? Wenn mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in Großunternehmen üblicherweise innerlich gekündigt haben, woher kommt dann die Gewissheit, dass im Störfall - auch charakterlich - alles richtig gemacht wird und nicht vordringlich die eigene Haut gerettet wird? (vgl. auch den aktuellen Beinahe-Störfall im schwedischen Atomkraftwerk von Vattenfall)

Im Brief des Chemieparkleiters heißt es „Wir leisten mit der umweltgerechten Entsorgung von derartigen Sonderabfällen einen aktiven Beitrag zum weltweiten Umweltschutz.“
? Wird dabei nur die Gewinnsteigerung vor Ort als Handlungsmaxime gesehen und die komplette Umweltbelastung aufgrund des 16.000 km langen Transportes von Australien völlig ausgeblendet, weil man dafür ja nicht zuständig ist und demzufolge keine Verantwortung trägt?
? Auch dieser Transport-bedingte Umweltschaden ließe sich ja als Folge des Bayer-Angebotes quantifizieren?
? Im Schreiben an die Nachbarn verwendet die PR-Abteilung eine Serie von „selbstverliehenen Güte-Siegeln“ als Placebos gegen die Angst vor dem Gefährdungspotential aus der SMV-Anlage: „modernste Technik - verantwortungsvoller Umgang - bestens ausgebildet - umweltverträglich entsorgt - Stoffkreislauf sicher und umweltgerecht entsorgt - unsere Expertise an der Weltspitze - aktiven Beitrag zum Umweltschutz - höchste Sicherheitsstandards - vollständig verbrannt - aufwändige Rauchgasreinigung - Grenzwerte deutlich unterschreiten - permanent gemessen - online zur Verfügung gestellt.“

Vertrauen in die Zusagen der chemischen Industrie als Nachbar muß über Jahre organisch gewachsen sein. „Großes Verständnis für Ungewissheiten ... auch in Bezug auf Ihr eigenes Wohlbefinden.“ äußert mitfühlend der Chemieparkleiter.
? Woher nimmt Bayer den Glauben, mit einem solchen PR-Brief das gewachsene Mißtrauen bei vielen Menschen in der Nachbarschaft verringern zu können?
? Wohnt der Leiter des Chemieparks selbst in unmittelbarer Nähe seines Chemieparks und genießt dort die von ihm verantwortete frische Luft?
? Hat der Leiter des Chemieparks Kinder, die dort im Freien zur Schule oder in den Kindergarten gehen?
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Bei der Verbrennung von HCB ist mit der Entstehung von geringen Mengen Dioxin (2,3,7,8-TCDD, Tetrachlordibenzodioxin; 100.000 mal giftiger als Natriumcyanid) zu rechnen (immerhin 10-1000 ng/kg Abfall http://www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de/alfaweb/berichte/tba18- 95/hcb0068.html

  • Heading5090_ ).

? Liegt der Grund für die Verteilung der relativ geringen Abfallmenge auf 2,5 Jahre darin, dass nur durch die damit verbundene Verdünnung die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden können?

? Warum sollen die Behälter aus Brunsbüttel in Leverkusen umgeladen werden, obwohl Dormagen über einen eigenen Gleisanschluss verfügt? Birgt nicht jedes unnötige Umladen Risiken?

? Wie bewertet Bayer (oder BIS) die Tatsache, dass die australische Verursacherfirma die Verantwortung für die Entsorgung ans Ausland überträgt?
Eine wirtschaftliche Betreibung einer modernen Anlage ist sicher auch in Australien möglich.

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Bezüglich der Giftmülltransfers möchte ich einfach nur wissen:
? Sind alle relevanten Verträge bereits unterschrieben (wovon ich ausgehe)?
? Welche Laufzeiten haben diese Verträge?.

Wenn vertraglich alles unter Dach und Fach ist, halte ich die Sache für unumkehrbar. Damit hätten wir wieder ein Beispiel für profitorientierte Konzernpolitik, die völlig an den Interessen der Bürger unserer Stadt vorbei geht und diese zudem noch belasten bzw. gefährden.
? Natürlich werden durch die Lieferungen auch Arbeitsplätze gesichert. Aber man muß sich fragen, zu welchem Preis und auf wessen Kosten?

Als jemand, der seine Stadt am Fuße der Schornsteine liebt, fühle ich mich sehr betroffen und frage mich zudem:
? Wird mein kleines Grundstück/Häuschen nicht wertgemindert? Wer will denn jetzt noch freiwillig hier wohnen bzw. sich hier ansiedeln?

Ich sehe Schwierigkeiten für die Wachstumspolitik Dormagens voraus. Der Imageschaden ist sicher nicht zu unterschätzen: denn im Bewußt-sein der Menschen ist Dormagen als Wohnstadt weiter unattraktiv geworden.
? Welchen Anteil haben unsere Verwaltungsführung und unsere Ratsherren und -damen daran?
Sie haben schließlich einen Eid geschworen und sich verpflichtet alles zum Wohle der Stadt und ihren Bewohnern zu tun. Damit sind auch und gerade unsere Kinder gemeint, denn sie werden mit den Auswirkungen der Müllvernichtung zu tun haben, wenn es uns schon lange nicht mehr gibt.
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Es ist doch nur logisch, dass sich die Bürger der betroffenen Städte Sorgen darüber machen, wenn einer der 12 giftigsten Stoffe in ihrem direkten Lebensraum in die Luft geblasen werden soll. Es existiert m.E. derzeit noch keine Technologie auf der Welt, die diesen Stoff emissonsfrei entsorgen kann.
? Wie kann es sein, dass die Profitgier der Betreiber der Verbrennungsanlagen vor unserer Gesundheit rangiert?

* Wie ist es rechtlich überhaupt möglich, einen hier seit langem verbotenen Giftstoff vom anderen Ende der Welt einzuführen und zu entsorgen?
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? Kann es sein, dass die Bezirksregierung nicht einschreitet, weil sie einen Prozeß von Bayer mit Schadensersatzansprüchen fürchtet, dem sie nicht gewachsen ist?
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Alle reden über die wachsende Klimakatastrophe durch stetige Aufheizung der Erdatmosphäre:

? Womit wird der Ofen geheizt?
? Wieviel Energie wird dabei verbraucht?
? Wird entstandene Wärme genutzt oder verpufft sie?
? Welche CO2-Belastung ist damit zusätzlich verbunden? Kauft dazu Bayer zusätzlich Verschnutzungsrechte?
? Ist diese Bayer- Müllverbrennungsanlage nicht ebenfalls dazu angetan, das Klima aufzuheizen?
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? Welche Bayer-eigenen und fremden Teilbetriebe auf dem Chemiepark liefern schon jetzt mengenmäßig welche Emissionen? Und welche weiteren sind geplant?
Bitte eine Liste der Teilbetriebe übergeben.

? Können die verschiedenen Emissionen miteinander reagieren und unkontrollierbar in ihren Auswirkungen werden?

? Wie ist gewährleistet, dass die SMV-Anlage nach jeweils neuesten Erkenntnissen weiter entwickelt und ausgebaut wird?

? Wer von den Überwachungsbehörden hat dazu so viel Fachkenntnisse, um das Geschehen bei der Giftmüll-Verbrennung zu beurteilen?

Ist die Genehmigungsbehörde bei solchen von Bayer mit Stolz präsentierten, im Weltmarkt einzigartigen und konkurrenzlosen Chemieanlagen nicht tatsächlich auf die Mitarbeit der Bayer-Spezialisten angewiesen?

Wer gewährleistet dann die dringend benötigte fachliche Neutralität der Prüfinstanzen?
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? Was passiert mit den Rückständen aus der Verbrennung?

? Was wird in Zukunft noch alles auf dem Gelände von Bayer-Industry-Services stattfinden, ohne dass die Bevölkerung davon erfährt?

? Können Kinder bei uns überhaupt noch gesund aufwachsen?
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? Inwieweit übernimmt der Bayer-Konzern noch soziale Verantwortung in der Gesellschaft?

? Reduziert sich etwa inzwischen seine Verantwortung nur noch auf den wirtschaftlichen Erfolg?

? Wer - von neutraler Stelle - quantifiziert die Kosten, die z.B. bei der Verbrennung von Hexachlorbenzol bei der normalen Bevölkerung z.B. durch Atemwegserkrankungen anfallen?
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? Wie sieht der gesamte Zeithorizont im Genehmigungsverfahren der Bayer Sondermüllverbrennungsanlage in Dormagen aus?
Wann wurden welche Stufen von wem genehmigt?

? Und wie sieht die Planung für die nächsten 5 - 10 Jahren aus?
? Wie stark wird dieser lukrative Dienstleistungsbereich ausgebaut?
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? Wie will Bayer nach der PR-wirksamen Serie ...

1. Risiken und Nebenwirkungen des Medikamentes „Lipobay“

2. „mittelbare Beteiligung an gesundheitsschädlicher Kinderarbeit auf Indiens Baumwoll-Plantagen“,

3. „versehentliches Auftreten von Gen-technisch verunreinig-tem Reis aus den USA in deutschen Lebensmittel-Supermärk-ten“

4. der Auflösung des Zugehörigkeitsgefühls der Mitarbeiter zur Bayer-Familie, aufgrund der Zergliederung der Unternehmensteile

5. und jetzt hier vor Ort: das Bekanntwerden des Ausmasses an Verbrennung an gefährlichem Giftmüll für ferne Länder in der Welt mit erheblichem Gefährdungspotentail für die Menschen in der Region.

... das Vertrauen der Dormagener Menschen und Nachbarn zurückgewinnen? ______________________________________________________________

Wirtschaftliche Interessen konkurrieren mit den Zielen der Klimaforscher, deren Schlussfolgerungen inzwischen weltweit Konsens und unbestritten sind.

? „Global denken und lokal handeln“ ist ein Grundsatz der Lokalen Agenda 21 abgeleitet aus dem Kioto-Protokoll und der Konferenz von Rio. Ist diese Aussage auch relevant für Bayer Dormagen?

? Fühlt sich Bayer als Global Player von den Prognosen der aktuellen Klimakonferenz in Paris angesprochen?

? Welchen Beitrag gedenkt Bayer in Zukunft zur Verbesserung des Weltklimas zu leisten? Und würde davon auch Bayer Industry Services berührt sein?
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Bei der Verbrennung von Chemie- und Plastikabfällen bilden sich Dioxine und Furane. Das sind flüchtige krebserzeugende Gase, die - meines Wissens - kein katalytisches Verfahren und kein Filter einfangen kann. Sie werden dabei frei gesetzt. Zum anderen: Der schädlichste Raum liegt um den Kamin in einem Radius von 5 km Umgebung. Hier rieselt das Zeug runter. In diesem Radius ist die höchst belastete Zone. In diesem Radius liegen aber auch - wenn man sich den Stadtplan von Dormagen anschaut, viele Schulen und Kindergärten. Besonders betroffen wären Kinder und ältere Menschen.
? Übernimmt Bayer Industry Services hier die Garantie für eine körperliche Unversehrtheit speziell in dieser Zone? Wer haftet persönlich bei Bayer dafür?
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? Mit der stillschweigenden Ausweitung des Geschäfts- und Bearbeitungs-volumens der Sondermüll-Verbrennungsanlage auf z.B. die Verbrennung von hochtoxischen Hexachlorbenzol-Verbindungen aus Australien (die jetzt die Spitze eines Eisbergs von verborgenen überregionalen Sondermüll-Aktivitäten signalisiert) könnte Bayer Industry Services da nicht eine Fülle von Anfragen zur Wertminderung von nahen privaten und geschäftlichen Immobilien-Eignern auslösen?
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? In welchen Behältnissen soll der Giftmüll angeliefert werden?
? Wie lange lagert der Giftmüll bereits in den Transportbehältnissen?
? Bei welcher Temperatur soll das HCB verbrannt werden?
? Welche Endprodukte entstehen bei der Verbrennung? Dioxine ?
? Was geschieht mit den Dioxinen?
? Welche Schadstoffe bleiben übrig und welche Mengen werden als Emmission in die Luft abgegeben?
? Welche Schadstoffe bleiben in der Schlacke zurück?
? Wie hoch ist der Schadstoffantei in der Verbrennungsschlacke?
? Was passiert mit der Verbrennungsschlacke?
? Warum sollen wenige an der Giftverbrennung gut verdienen und andere die zusätzliche Giftbelastung ertragen?
? Es sollte kein Problem sein geeignete Anlagen für die Entsorgung beim Verursacher des Giftmülls zu erstellen?

Hermann und Ute Kienle,

Offener Brief an Herrn Dr. Leidinger, Bayer Industry Services

Sehr geehrter Herr Dr. Leidinger,

vielen Dank für Ihr Informationsschreiben vom 25.01.2007. Ihre Argumente für eine Verbrennung des australischen Giftmülls in Dormagen konnten uns nicht überzeugen. Anscheinend zählt für Sie nur die wirtschaftliche Seite. Als verantwortlicher Werksleiter kommt uns in Ihrem Handeln die soziale, menschliche Seite zu kurz. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und Versicherungen werden Prozentanteile bei der Verbrennung in die Atmosphäre gelangen. Da wir bereits in einem äußerst belasteten Ballungsgebiet wohnen - angefangen von der Erdölchemie, Braunkohlewerke bis hin nach Alu Norf - sollten keine weiteren Umweltbelastungen hinzukommen. Wo bleibt bei Ihnen die Gesundheitsvorsorge für die Menschen die hier wohnen? Was nützen die schwarzen Zahlen, wenn die Menschen mittelfristig erkranken. Sie können letztlich nicht ausschließen, dass die Verbrennung des hochgiftigen Giftes aus Australien nicht schädlich ist. Ich erinnere nur an verschiedene Bayer Medikamente, die zunächst als vollkommen verträglich verkauft wurden, und nach einigen Jahren stellten sich die hochgradigen Gesundheitsschäden ein. Intuitiv fühlen die Menschen in unserer Region, dass es nicht in Ordnung ist, wenn Sie aus rein wirtschaftlichen Erwägungen den Giftmüll aus Australien hier verbrennen wollen. Insofern haben die Bewohner in Australien die Manager überzeugen können, welche Gefahren von Hexachlorbenzol ausgehen.

Der Hinweis, dass es in Australien noch nicht die hochwertige Verbrennungstechnik gibt, kann letztlich nicht zum Schaden der heimischen Bevölkerung heran gezogen werden. Was in Australien für die Menschen gilt, sollte hier genauso verantwortungsbewusst wahrgenommen werden. Wir schlagen vor, dass die moderne Verbrennungstechnik in Australien ebenfalls gebaut wird. Solange muss der Giftmüll weiter in Australien zwischengelagert werden. Es ist einfach ein Unding, wenn der Giftmüll rund 16.000 KM um die halbe Welt auf Schiffen nach Deutschland transportiert werden soll.

Wir appellieren an Ihr menschliches Gewissen, denken sie in erster Linie verantwortungsvoll an die Menschen die hier Leben! Stoppen Sie die Verhandlungen für den Giftmülltransport von Australien nach Dormagen.
Mit freundlichen Grüßen
Hermann und Ute Kienle