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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

[GenReis] BAYER Hauptversammlung

CBG Redaktion

Hauptversammlung der BAYER AG am 26. April 2013

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Begründung: Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion ungenügend nach und soll daher nicht entlastet werden. So wird vom Aufsichtsrat die Einführung von genmanipuliertem Saatgut mitgetragen, obwohl diese mit immensen ökolo-gischen Problemen verbunden ist.

Im Jahr 2003 hat der BAYER-Konzern erstmals eine EU-Importgenehmigung für genmanipulierten Reis beantragt. Die Sorte Liberty Link RICE 62 ist tolerant gegen das ebenfalls von BAYER produzierte Herbizid Glufosinat.

Bislang wird Liberty Link-Reis nirgendwo in der Welt kommerziell angebaut. Die an-gestrebte EU-Zulassung und der europäische Exportmarkt sollen in asiatischen und südamerikanischen Ländern als „Türöffner“ für dort beantragte Anbaugenehmigungen dienen.

In den bisherigen Abstimmungen hat die Mehrzahl der EU-Staaten Bedenken gegen eine Zulassung geäußert. Zehn Jahre nach Antragstellung liegt daher noch keine Ge-nehmigung vor.

Eine Zulassung von Liberty Link-Reis ist besonders vor dem Hintergrund der von Glu-fosinat ausgehenden Gesundheitsgefahren abzulehnen. Der Wirkstoff ist als repro-duktionstoxisch klassifiziert und kann Missbildungen bei Föten verursachen. Glufosi-nat gehört zur Gruppe der 22 Wirkstoffe, die nach der EU-Pestizidgesetzgebung kei-ne erneute Zulassung erhalten dürfen.
Während BAYER in Deutschland auf die Zulassung des Herbizids Liberty (Wirkstoff: Glufosinat) freiwillig verzichtet hat, kündigte das Unternehmen im Februar 2013 an, die Produktion von Glufosinat für den Export erneut zu erhöhen. Es ist unverantwort-lich, im Ausland eine Anbautechnik zu forcieren, die mit der Verwendung eines hoch-giftigen und bei uns verbotenen Pestizids verknüpft ist. Das Schicksal der Landarbei-terinnen und Landarbeiter in Lateinamerika oder Asien ist dem Konzern augenschein-lich gleichgültig.

Auch die ökologischen Risiken sind immens: Es ist bekannt, dass der Anbau gen-technisch veränderter, herbizidtoleranter Pflanzen zu einem verstärkten Einsatz von Pestiziden führt. Die Verdrängung lokal angepasster Sorten führt zudem zu einer Ver-ringerung des Gen-Pools, was langfristig zu Problemen bei der Bekämpfung von Reis-Krankheiten führen kann.

Im Fall eines großflächigen Anbaus von Liberty Link-Reis wäre eine Kontamination traditioneller Sorten unausweichlich. Sogar die Europäische Behörde für Lebensmit-telsicherheit (EFSA) bezeichnet das Risiko von Auskreuzungen als hoch. (Quelle: EFSA Journal, (2007) 588, 1-25). Da der Anbau nicht in Europa erfolgen soll, war die-ses Risiko jedoch nicht in die Bewertung der EFSA eingeflossen. Auch die Gefahren für die Artenvielfalt und die Gesundheit der Landwirte blieben in der Stellungnahme der EFSA unberücksichtigt.
Wie berechtigt die Bedenken gegen eine Zulassung von gentechnisch verändertem Reis sind, zeigt die Verunreinigung der amerikanischen Reis-Ernte mit der ebenfalls gegen Glufosinat toleranten Sorte LL RICE 601. Die Langkornreis-Sorte war im Jahr 2006 weltweit in den Handel gelangt, obwohl hierfür keine Zulassung vorlag. Der Schaden für Handel und Landwirte betrug über einer Milliarde US Dollar. Erst nach einer langen juristischen Auseinandersetzung erklärte sich BAYER vor zwei Jahren bereit, eine Entschädigung in Höhe von rund 750 Millionen Dollar zu leisten.

Die Einführung von herbizidtolerantem Saatgut ist ein Irrweg. Sie führt innerhalb kür-zester Zeit zur Bildung resistenter Wildkräuter, die mit immer mehr Pestiziden be-kämpft werden müssen. Eine Verbesserung der Ernten wird nicht beobachtet.

Trotz der hohen Risiken für Umwelt, Landwirte und Verbraucher hält BAYER auch zehn Jahre nach Antragstellung an dem Zulassungsantrag für Liberty Link-Reis fest. Die Entlastung des Aufsichtsrats ist daher zu verweigern.

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[Gegenantrag] BAYER Hauptversammlung

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 26. April in Köln eingereicht. Die Gegenanträge werden auch auf der website des Konzerns veröffentlicht.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Die Firma BAYER führt zu ihrem 150. Geburtstag aufwendige Feierlichkeiten durch. Die zahlreichen Konzern-Verbrechen werden in den Festschriften jedoch totgeschwiegen. Statt sich zur Verantwortung zu Zwangsarbeit, Giftgas und tödlichen Pharmaprodukten zu bekennen, wird die Unternehmensgeschichte weißgewaschen.

Zum 150-jährigen Bestehen organisiert die Firma BAYER zahlreiche Festveranstaltungen mit prominenten Gästen. Ein eigens gebautes Luftschiff macht in allen fünf Kontinenten Werbung für den Konzern. Auch eine Ausstellung wurde von Leverkusen aus um die Welt geschickt.

Bei den Jubelfeiern werden jedoch die unangenehmen Teile der Firmengeschichte ausgeblendet. Themen wie Umweltverseuchung, Pestizid-Vergiftungen, Arbeiterproteste oder die Kollaboration mit dem Dritten Reich fallen in der Firmen-Chronik unter den Tisch.

So fehlt in keiner Unternehmens-Broschüre der Hinweis auf die Erfindung von ASPIRIN. Verschwiegen wird jedoch, dass BAYER fast zeitgleich das Präparat HEROIN auf den Markt brachte, u.a. als Hustenmittel für Kinder. Bereits kurz nach der Markteinführung hatten Ärzte auf das Suchtpotential von HEROIN hingewiesen. Trotzdem führte BAYER fünfzehn Jahre lang einen globalen Werbefeldzug für das neue Präparat durch.

Einige weitere Hintergründe zur BAYER-Historie:

=> Der langjährige BAYER-Generaldirektor Carl Duisberg beteiligte sich im 1. Weltkrieg persönlich an der Entwicklung von Giftgas und setzte den völkerrechtswidrigen Ein-satz an der Front durch. Duisberg war mitverantwortlich für die Deportation zehntau-sender belgischer Zwangsarbeiter, auch forderte er die Annexion großer Gebiete Ost-europas.

=> Über Jahrzehnte hinweg betrieb Duisberg den Zusammenschluss der deutschen Chemie-Industrie zur IG Farben. Der im Jahr 1925 gegründete Konzern war der größte Europas. Die Firma stand der Weimarer Republik ablehnend gegenüber; hohe Spenden gingen an nationalkonservative Parteien und später an die NSDAP.

=> Die IG Farben war im Dritten Reich an den grässlichsten Verbrechen der Mensch-heitsgeschichte beteiligt. Sie lieferte Zyklon B für die Gaskammern und baute in Auschwitz eine riesige neue Fabrik. Zur Unterbringung der Sklavenarbeiter betrieben die IG Farben ein eigenes Konzentrationslager. Zehntausende kamen darin ums Le-ben.

=> Die IG FARBEN waren eng in den Eroberungskrieg des Dritten Reichs eingebunden. Der Konzern folgte der Wehrmacht in die eroberten Länder Europas und übernahm meist innerhalb weniger Wochen die dortige Chemie-Industrie, Kohlegruben sowie die Ölförderung. Der spätere BAYER-Vorstandsvorsitzende Kurt Hansen spielte bei die-sem Raubzug eine zentrale Rolle.

=> In den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen beschäftigte sich ein eigenes Verfah-ren mit den IG Farben. Hierin wurde z.B. festgestellt: „Unstreitig sind verbrecherische Experimente von SS-Ärzten an Konzentrationslager-Häftlingen vorgenommen worden. Diese Experimente sind zu dem ausdrücklichen Zweck erfolgt, die Erzeugnisse der IG Farben zu erproben.“

=> Die in Nürnberg verurteilten Manager konnten nach Verbüßung ihrer Haftstrafe ihre Karriere ungehindert fortsetzen. So wurde Fritz ter Meer Aufsichtsratsvorsitzender von BAYER. Bei seiner Vernehmung in Nürnberg hatte er geäußert, den Zwangsarbeitern in Auschwitz sei „kein besonderes Leid zugefügt worden, da man sie ohnedies getötet hätte“. BAYER benannte sogar eine Studien-Stiftung in „Fritz-ter-Meer-Stiftung“.

=> In den Laboren von BAYER wurde auch im Dritten Reich an chemischen Kampfgasen geforscht. Der Erfinder von SARIN und TABUN, Dr. Gerhard Schrader, leitete nach dem Krieg die Pestizidabteilung von BAYER. Während des Vietnam-Kriegs war BAYER an der Entwicklung von AGENT ORANGE beteiligt. Die Produktion erfolgte bei der gemeinsam von BAYER und MONSANTO gegründeten Firma MOBAY.

Symptomatisch für den Umgang von BAYER mit seiner Geschichte ist die Verleihung des Familie-Hansen-Preises im März 2013. Der von Marijn Dekkers in Berlin übergebene Preis wurde von dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kurt Hansen gestiftet. Hansen war bereits 1931 in die NSDAP eingetreten. Bei den IG FARBEN stieg er zum Leiter der kriegswichtigen „Zentralstelle für Rohstoffbeschaffung“ auf (siehe oben). In der Person von Kurt Hansen wird einmal mehr der bruchlose Übergang der IG FARBEN zum BAYER-Konzern deutlich.

Die 150-jährige Unternehmensgeschichte von BAYER wurde von Beginn an von Protesten begleitet. Bereits im 19. Jahrhundert gab es massiven Widerstand von Anwohnern und Belegschaft gegen die anhaltende Luft- und Wasserverschmutzung. In vielen Fällen konnte hierdurch ein besserer Arbeits- und Umweltschutz erkämpft werden. Bis heute hat BAYER jedoch keine unabhängige Untersuchung der Firmen-Historie veranlasst.

Für die verfälschende Darstellung der Unternehmens-Geschichte im Jubiläumsjahr ist der Vorstand verantwortlich. Daher ist ihm die Entlastung zu verweigern.

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Hepatitis

CBG Redaktion

Eine Anhörung im Bundestag bestätigt unsere Sichtweise, wonach Bayer & Co. für die Hepatitis-Infizierung Tausender Bluter mitverantwortlich sind. Der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses Horst Schmidbauer schätzt, dass etwa 80 Prozent der Infektionen hätten vermieden werden können. Die Pharmaindustrie muss daher zu einer Entschädigung gezwungen werden (siehe auch: „Infektionen wurden billigend in Kauf genommen“).

Bundestag, Ausschuss für Gesundheit, 13. März 2013

Experten dringen auf Entschädigung der durch Blutprodukte mit HCV infizierten Bluterkrankten

Berlin: (hib/TVW) Der Gesundheitsausschuss hat in einem Expertengespräch über die Situation der durch Blut und Blutprodukte mit Hepatitis C (HCV) infizierten an Hämophilie Erkrankten (Bluterkrankte) beraten. Dafür standen ihm zwei Fachleute als Gesprächspartner zur Verfügung. Das Thema ist im Herbst 2012 Gegenstand zweier Kleiner Anfragen der Fraktion Die Linke (17/10708 und 17/11311) gewesen. Die Linken wollten von der Bundesregierung erfahren, welche Maßnahmen dem Bundesgesundheitsamt (BGA) seit Anfang der achtziger Jahre zur Verfügung gestanden haben, um das Risiko von Blutern, sich durch Blutprodukte mit Hepatitis C zu infizieren, zu minimieren. Nach Angaben der Bundesregierung ist es in den 1970er und 1980er Jahren in Deutschland durch verseuchte Blutprodukte zu einer nicht genau bekannten Zahl von Hepatitis C-Infektionen bei sogenannten Hämophilen gekommen. Diese seien aufgrund ihrer Erkrankung regelmäßig auf die Gabe von Blutplasmaprodukten angewiesen. In ihren Antworten (17/10910 und 17/11934) auf die Kleinen Anfragen der Fraktion Die Linke (17/10708) erklärt die Bundesregierung, dass den Staat keine Verantwortung für diese Infektionen treffe.
Für Horst Schmidbauer, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, früheres Mitglied des Gesundheitsausschusses und seit 2000 Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen, steht zunächst fest: „Den mit HCV infizierten bluterkrankten Menschen ist ohne eigenes Verschulden durch die Einnahme von Medikamenten ein schwerer gesundheitlicher Schaden zugefügt worden.“ Schmidbauer schätzt, dass etwa 80 Prozent der HCV-Infektionen bei Bluterkrankten hätten vermieden werden können, wenn bei der Verwendung von Blutprodukten die in den 1970er und 1980er geltenden Richtlinien streng eingehalten worden wären. Viele Betroffene hätten zwar grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Entschädigung. Dieser könne aber nicht geltend gemacht werde, weil kein Nachweis möglich sei, welches Blutprodukt beziehungsweise welcher Hersteller den Schaden verursacht habe. Um die Schuldfrage zu umschiffen, sei eine humanitäre Hilfe erforderlich. „Für diese Menschen muss es eine Opferentschädigung geben“, forderte der ehemalige Abgeordnete.
Schmidbauer berichtete ferner über die Ergebnisse des im Jahre 1993 vom Bundestag eingerichteten Untersuchungsausschusses „HIV-Infektionen durch Blut und Blutprodukte“, dem er selbst angehört hatte. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass viele mit dem HIV-Virus infizierte Bluterkrankte gleichzeitig mit HCV infiziert gewesen seien. Damals habe man aber die Entschädigung der HIV-Infizierten für vordringlich gehalten. Mit dem HIV-Hilfegesetz (HIVHG) vom 24. Juli 1995 wurde die Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen gegründet, die monatliche Leistungen an HIV-Infizierte und AIDS-Erkrankte zahlt.
Werner Kalnins, Vorsitzender der Deutschen Hämophiliegesellschaft (DHG), schätzt, dass in Deutschland etwa 3.000 mit HCV infizierte Hämophile leben. Von den ursprünglich etwa 4.500 Betroffenen seien mittlerweile 1.500 verstorben. Ferner hätten drei große einschlägige wissenschaftliche Studien ergeben, dass weit mehr als die Hälfte aller an Hämophilie Erkrankten mit dem Virus infiziert sei. Nach Auskunft Kalnins‘ erhalten zwar etwa 400 Betroffene Leistungen der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen, die übrigen seien aber auf normale Sozialleistungen wie Sozialhilfe oder Renten angewiesen. Da ihre Erwerbsbiographie durch die Erkrankung meist erheblich verkürzt werde, hätten sie in der Mehrzahl auch entsprechend verminderte Rentenansprüche.
Nach Auskunft von Schmidbauer ist es dem Untersuchungsausschuss wegen der gebotenen Eile seinerzeit nicht möglich gewesen, auch die HCV-Problematik mit aufzuarbeiten. Mittlerweile würden aber mehr Hämophile an einer HCV-Infektion als an einer HIV-Infektion versterben. „Man muss daher schnell zu einer Entschädigungslösung kommen, die auch den HCV-Infizierten noch Hilfe zukommen lässt“, sagte Schmidbauer. In fast allen anderen Industrieländern gebe es für die Gruppe der HCV-infizierten Hämophilen mittlerweile eine solche Lösung. Außerdem sollten nach Auffassung Schmidbauers die in der ehemaligen DDR durch Blutprodukte mit HCV infizierten Frauen in die Entschädigung einbezogen werden. Auch Kalnins vertritt die Auffassung, „dass die Betroffenen aus der ehemaligen DDR ebenfalls entschädigt werden sollten“.

[Markus Imhoof] Testimonials

CBG Redaktion

Während der 5 Jahre, die ich an meinem Film „More than Honey“ gearbeitet habe, hat BAYER jeden Kontakt mit mir verweigert und bestreitet das jetzt, wo der Film ein Erfolg ist.

Ich bin dankbar für die Arbeit der Coordination gegen BAYER-Gefahren, durch die wichtige Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.

Herzlich,
Markus Imhoof

Markus Imhoof arbeitet seit 1969 als Regisseur und erhielt zahlreiche Preise. Sein Film „Das Boot ist voll“, der das Verhalten der Schweiz gegenüber Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland thematisiert, wurde für den Oscar nominiert. Der Film „More than Honey“ über das globale Bienensterben ist der erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm aller Zeiten.

alle „Testimonials“

[China] Medikamententests

CBG Redaktion

nachdem es wiederholt zu Todesfällen bei Medikamenten-Tests von BAYER in Indien gekommen ist, wurde der Konzern nun in China zu einer Strafzahlung verurteilt. Das erprobte Medikament wird zwar nicht genannt, es handelt sich aber höchstwahrscheinlich um den umstrittenen Gerinnungshemmer Xarelto (alle Infos zur Kampagne)

1. März 2013, China Radio International

Bayer vor Gericht: Werden Chinesen zu billigen Probekaninchen?

Bayer China ist von einer 84-jährigen Chinesin verklagt worden. Sie war bei der klinischen Erprobung eines neuen Bayer-Medikaments fast ums Leben gekommen. Dem Pharmakonzern wird vorgeworfen, bei der Erprobung von Medikamenten im Ausland ethische und moralische Gesichtspunkte außer Acht zu lassen.
Frau Zhang wurde am 24. Oktober 2006 im Renmin Krankenhaus in Peking am linken Kniegelenk operiert. Vor dem Eingriff schlug der Arzt der Patientin vor, sich an der klinischen Erprobung eines neuen Medikaments zu beteiligen. Laut Angaben von Bayer China handelte es sich dabei um ein Präparat zur Vorbeugung von Thrombose. Frau Zhang unterschrieb eine Patientenerklärung. Ihr Sohn, Herr Liao, zitiert einen Auszug aus der Patientenerklärung, in dem es hießt: „Sollte der Patient im Rahmen der Medikamentenerprobung einen gesundheitlichen Schaden erleiden, verpflichtet sich das Unternehmen zu einer Entschädigung.„
Am 7. November 2006 führte das Krankenhaus eine Intravenöse Urographie bei Frau Zhang durch. Im Anschluss an die Untersuchung erlitt die alte Dame einen lebensgefährlichen Schock, konnte jedoch gerettet werden. Frau Zhang erhielt keine Entschädigung von Bayer China. Der Pharmakonzern übernahm lediglich die Behandlungskosten in Höhe von umgerechnet 400 Euro. Die Patientin erhob Anklage und forderte von Bayer China einen Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro.
Während des vierjährigen Verfahrens sah sich Bayer China nicht gewillt, den Versicherungsvertrag für Experimentteilnehmer vor Gericht vorzulegen. Richter Chen Xiaodong kennt die angeführten Gründe von Bayer: „Das Unternehmen begründete sein Verhalten mit dem hohen Aufwand, der mit den zahlreichen Dokumenten einhergehe. Es sei eine Flut an Dokumenten, die alle übersetzt werden müssten. Die Übersetzungskosten und der Zeitaufwand wären immens hoch. Auch die offizielle notarielle Beglaubigung würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen.“
Nach dem jüngsten Urteil soll Bayer China der Klägerin 50.000 Euro als Schadensersatz zahlen. Bislang lehnt Bayer China jegliche Interviews ab und will sich eine Berufung offen halten.
Bayer führt nach Schätzungen des niederländischen Forschungszentrums SOMO jährlich weltweit ca. 60.000 Erprobungen durch. Vor der eigenen Haustür finden sich wohl nicht genügend Kandidaten. In China stehen ihnen ausreichende Probanden oder Probandinnen zur Verfügung – und noch pflegeleichte dazu. „Die Chinesen sind nicht so emanzipiert wie die US-Bürger. Sie zeigen sich eher bereit, Versuchskaninchen zu spielen", heißt es in einer Studie der Beratungsfirma Centerwatch.

CO Pipeline

CBG Redaktion

8. März 2013

Verfahren zur CO-Pipeline von Bayer ziehen sich hin

Oberverwaltungsgericht Münster hat noch keinen Termin für Gerichtsverhandlung. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf sieht einen Erörterungstermin zum Planänderungsverfahren erst im zweiten Halbjahr.

Es ist still geworden um die CO-Pipeline. Die Kohlenmonoxid-Röhre liegt naturgemäß lautlos im Boden. Aber auch die Gegner der Trasse, die das giftige Gas zwischen den Bayer-Standorten Dormagen und Uerdingen transportieren soll, halten sich im Moment zurück. Die Phase der Bürgerbeteiligung ist vorbei. Die Pipeline-Gegner warten auf Ergebnisse der Verfahren.

Erörterungstermin für Einsprüche frühestens im Sommer
Die Bezirksregierung ist gerade dabei, die Einsprüche im Planänderungsverfahren aufzuarbeiten. In diesem Planänderungsverfahren versucht Bayer, der bereits verlegten Trasse im Nachhinein Legalität zu verschaffen. Ob das gelingt, ist völlig offen. 23 000 Menschen hatten im vergangenen Jahr ihre Sorgen vor der Trasse schriftlich festgehalten und bei der Bezirksregierung eingereicht. Nächster Schritt ist ein Erörterungstermin, bei dem theoretisch jeder Gegner seine Sorgen noch einmal mündlich vortragen kann. Bayer hat die Gelegenheit zu antworten.
Der Termin sollte nach alter Planung eigentlich in diesen Wochen stattfinden. Davon ist man mittlerweile weit entfernt. „Der Erörterungstermin wird nicht vor dem zweiten Halbjahr 2013 und nicht in den Schulferien stattfinden“, sagt Bezirksregierungssprecher Volker Klagges. „Ein Termin steht jedoch noch nicht fest.“

Auch noch kein Termin für das Oberverwaltungsgericht
Unabhängig vom Planänderungsverfahren ist vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster eine Klage der Pipeline-Gegner gegen Planfeststellungsbeschluss anhängig. Die Richter könnten mit einem Nein zur Pipeline das Aus für das Großprojekt besiegeln oder zumindest die Inbetriebnahme in sehr weite Ferne rücken lassen. „Es ist noch nicht abzusehen, wann es einen Termin geben wird“, sagt der Vorsitzende Richter Ulrich Lau auf Nachfrage. Er begründet die Dauer mit dem umfangreichen Verfahren, zu dem zahlreiche Einwendungen und Stellungnahmen gehören.
Erich Hennen von der Bürgerinitiative gegen die Pipeline vermutet andere Gründe. Das Gericht wolle wohl den Ausgang des Planänderungsverfahrens abwarten. „Nach meiner Meinung könnte das OVG in dem unwürdigen Spektakel auch schon jetzt entscheiden“, sagt Hennen. Der Ungelsheimer erinnert an eine Gerichtsverhandlung vom Dezember 2007. Damals hatte sich das Gericht vorsichtig auf die Seite der Pipeline-Gegner gestellt. Auch deshalb erwarten die Bürgerinitiativen viel von der Entscheidung. Hennen: „Eine der wichtigsten Aussagen des OVG war ja, dass das Allgemeinwohl nicht ausreichend belegbar ist und damit auch das Enteignungsgesetz keine Berechtigung hat.“

Bienensterben

CBG Redaktion

07. März 2013, PAN Germany

Verbot hoch bienengefährlicher Neonikotinoide durchsetzen

Am 31.1.13 empfahl die EU Kommission, den Einsatz der hoch bienengefährlichen Insektizid-Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid der BAYER CropScience sowie Thiamethoxam von SYNGENTA in bienenattraktiven Kulturpflanzen ab dem 1. Juli 2013 für zwei Jahre zu verbieten und erarbeitete einen entsprechenden Vorschlag zur Abstimmung durch die Mitgliedstaaten (1). Doch die ursprünglich für den 25.2.13 geplante Abstimmung über den Vorschlag der EU Kommission durch die Mitgliedstaaten wurde auf den 14.3.13 vertagt. PAN Germany fordert Bundesagrarministerin Aigner auf, den Vorschlag der Kommission zu unterstützen. Aus Sicht von PAN Germany ist das zeitlich befristete Verbot der drei hoch bienengefährlichen Pestizid-Wirkstoffe ein wichtiger erster gemeinschaftlicher Schritt, dem weitere folgen müssen, um Bienen besser vor den negativen Auswirkungen der Pestizide zu schützen.

Die Pestizidindustrie macht Druck
Der Druck auf die Kommission ist groß, vor allem von Seiten der Pestizidhersteller, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und Arbeitsplätze gefährdet sehen und unterstellen, dem Vorschlag der Kommission fehle die wissenschaftliche Basis. Syngenta bezeichnet den Vorschlag als unangemessen und politisch motiviert; Bayer CropScience kritisiert die „allzu konservative Auslegung des Vorsorgeprinzips durch die EU-Kommission“. (2,3). Mit einer von der Industrie finanzierten Studie zum sozio-ökonomischen und ökologischen Wert der Beizung mit Neonikotinoiden hat das Humboldt Forum for Food and Agriculture e.V. versucht, die Sorge vor massiven Ertrags- und Gewinneinbußen zu schüren (4). PAN Europe hat die Studie unter die Lupe genommen und erhebliche Defizite bezüglich Datengrundlage, Annahmen und Transparenz aufgedeckt (5). Unter anderem prognostiziert die Studie Ertragseinbußen durch den Verzicht auf Neonikotinoiden in Beizmitteln von 40%. Dem hält PAN entgegen, dass selbst bei einem vollständigen Verzicht auf alle chemisch-synthetischen Pestizide, wie bei der Umstellung auf kontrolliert ökologische Bewirtschaftung, die durchschnittlichen Ertragseinbußen in Europa bei nur 20% liegen. Erfahrungen aus Italien, wo seit drei Anbaujahren Mais der ohne Neonikotinoid-Beizung ausgebracht wird, zeigen, dass die Erträge stabil blieben, bei gleichzeitiger Erholung der Bienenvölker.

Wo bleibt die Zustimmung des BMELV?
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) wünscht nach eigenen Angaben ein „europaweit einheitliches Vorgehen auf wissenschaftlicher Basis“ beim Schutz der Bienen. So steht es in der Presseerklärung „Deutschland unterstützt EU-Kommission beim Bienen-Schutz“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 1.2.13 (6). Diese geforderte Basis hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geliefert (7). Das EFSA Panel on Plant Protection Products and their Residues (PPR) prüfte im vergangenen Jahr die gängige Risikoanalyse im Zulassungsverfahren und stellte gravierende Defizite im Bereich Bienenschutz fest. Die Wissenschaftler kritisierten u.a. die Vernachlässigung von Langzeituntersuchungen, die fehlende Differenzierung nach Bienenarten mit unterschiedlichen Verhaltensweisen, Expositionsrisiken und Empfindlichkeiten und das außer Acht lassen von Expositionspfaden (8).
Doch obgleich das BMELV in der o.g. Presseerklärung schreibt „Deutschland unterstützt das Vorhaben der Europäischen Kommission, den Schutz der Bienen im Zusammenhang mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu verstärken“, sucht man vergeblich nach einer eindeutigen Zustimmung des BMELV zu den Vorschlägen der Kommission. Vielmehr wird hervorgehoben, dass Deutschland „bereits frühzeitig“ Maßnahmen zum Schutz von Bienen und anderer Bestäuber vor Neonikotinoiden ergriffen hat und verweist auf Abdrift-mindernde Geräte und das Verbot von Neonikotinoid-Beizungen von Mais und Getreidesaatgut. Dass diese Maßnahmen erst nach der Massenvergiftungen von über 11.500 Bienenvölkern durch das Neonikotinoid Clothianidin ergriffen wurden und keinesfalls als „frühzeitig“ zu bezeichnen sind, erwähnt die Presseinformation des BMELV nicht.
PAN Germany hat Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner in einem offenen Brief dazu aufgerufen, dem Kommissionvorschlag am 14.3.13 zuzustimmen (9). Das von der EU Kommission vorgeschlagene, wenn auch befristete Verbot, wäre ein erster Schritt, Bienen vor weiteren Vergiftungen besser zu schützen. Vielleicht lassen sich bestehende Ungenauigkeiten bei der Ausarbeitung des Kommissionsvorschlags noch schließen. Insbesondere sollte der Fokus auf dem Schutz von Wild- und Honigbienen liegen, hier springt der Entwurf noch zwischen „Honigbienen“ und „Bienen“ hin und her. Doch gerade vor dem Hintergrund der besonderen Empfindlichkeit von Wildbienen, ihrer Gefährdung und ihrer gerade wieder bestätigten großen Bestäubungs- und somit Ökosystemleistung (10), ist es wichtig, die Wildbienen mit einzuschließen. Auch die Frage, was genau eine für Bienen „attraktive Kulturpflanze“ ist, sollte zwingend im Dialog mit Berufsimkern und Wildbienenexperten geklärt werden. Denn die Attraktivität hängt nicht nur vom Pollen- und Nektarwert der Pflanze ab, auch etwa das Vorhandensein von Honigtau kann einen Bestand für Bienen attraktiv machen.

Hoch bienengefährliche Neonikotinoide in deutschen Pestizidprodukten
21 Pestizid-Handelsprodukte mit Imidacloprid, 6 mit Clothianidin und 7 mit Thiamethoxam sind derzeit in Deutschland regulär zugelassen (11). Angewendet werden sie in fast allen Kulturen: Tabak, Apfel, Wein, Zierpflanzen, Gemüse, Futter- und Zuckerrüben, Kartoffeln und Raps. Ausgenommen ist derzeit lediglich die Anwendung in Getreide und Maisbeizen. Fast flächendeckend ist der Einsatz in der Saatgutbehandlung von Raps, Futter- und Zuckerrüben.

Wirkungsweise der Neonikotinoide
In der Pflanze gelangen die Neonikotinoiden Wirkstoffe aufgrund ihrer systemischen Eigenschaft mit den Pflanzensäften in alle Pflanzenteile und Neuzuwächse. Dadurch lassen sich die Wirkstoffe in Blättern, im Nektar, im Pollen und im Guttationswasser nachweisen. Einmal in der Biene angekommen, wirken Neonikotinoide als Nervengifte. Sie blockieren im Insekt wichtige Rezeptoren im Hirn. Bei höheren Konzentrationen kann dies akut zum Tod der Insekten führen, bei geringeren Dosierungen werden überlebenswichtige Funktionen gestört, wie die Fähigkeit zu riechen oder sich zu orientieren. Auch die Anfälligkeit gegenüber anderen Stressoren wie geringe Futterqualität oder Krankheiten steigt, wenn die Tiere gleichzeitig niedrigen Konzentrationen von Neonikotinoiden ausgesetzt sind (12).
Aus Sicht von PAN gibt es ausreichend Evidenz, dass über das nun von der EU Kommission geforderte befristete Verbot von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam hinaus, Neonikotinoide zukünftig generell und dauerhaft verboten werden sollen.
(Susan Haffmans, PAN Germany)

Anmerkungen
(1) http:www.agaca.coop/docs/Draft%20regulation%20restriction%20neonicotinoids.doc%5B1%5D.pdf
(2) http:
www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Pflanze/Syngenta-EU-Vorschlag-Bienenschutz_article1359795657.html
(3) http:agrar.bayer.de/Bayer_CropScience_lehnt_Vorschlag_der_EU_Kommission_entschieden_ab.cms
(4) http:
www.hffa.info/files/wp_1_13_1.pdf
(5) http:www.pan-europe.info/News/PR/130305.html
(6) http:
www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/040-AI-Bienen.html
(7) http:www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3066.pdf; http:www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3067.pdf;
http:www.efsa.europa.eu/en/search/doc/3068.pdf
(8) PAN Germany Pestizid-Brief Juli/August 2012 online unter http:
www.pan-germany.org/deu/ news-1203.html
(9) http:www.pan-germany.org/download/Offener_Brief_Aigner_1303.pdf
(10) http:
science.orf.at/stories/1713544/
(11) Pestizide Online Datenbank des BVL https:portal.bvl.bund.de/psm/jsp/ Abruf am 28.2.2013
(12) PAN Germany (2012): Bienen, Hummeln & Co - Bedeutung, Gefährdung & Schutz.
http:
www.pan-germany.org/download/biodiversitaet/Bestaeuber_Info_2011.pdf

[Kurt Hansen] IG Farben

CBG Redaktion

7. März 2013

Wissenschafts-Auszeichnung nach Ex-Nazi benannt

BAYER vergibt Familie-Hansen-Preis 2013 in Berlin / „symptomatisch für Umgang mit der Geschichte im Dritten Reich“

Der BAYER-Konzern hat gestern den Familie-Hansen-Preis 2013 an Prof. Hans-Georg Rammensee von der Universität Tübingen vergeben. Der BAYER-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers und das Vorstandsmitglied Wolfgang Plischke überreichten den mit 75.000 Euro dotierten Preis im Rahmen eines Festaktes in Berlin.

Die Auszeichnung ist nach Kurt Hansen benannt, der den Preis 1999 stiftete. Kurt Hansen war von 1961 bis 1974 Vorstandsvorsitzender von BAYER. Später wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats sowie Ehrenvorsitzender.

Hansen war bereits frühzeitig, im Jahr 1931, in die NSDAP eingetreten. Bei den IG FARBEN war er Leiter der kriegswichtigen „Zentralstelle für Rohstoffbeschaffung“. Wegen seiner Mitverantwortung für Kriegsverbrechen war Kurt Hansen 1945 von den Alliierten interniert worden.

Die IG FARBEN waren eng in den Eroberungskrieg des Dritten Reichs eingebunden. Der Konzern folgte der Wehrmacht in die eroberten Länder Europas und übernahm meist innerhalb weniger Wochen die dortige Chemie-Industrie. Die von Hansen geleitete Abteilung spielte hierbei eine zentrale Rolle. Auch Kohlegruben, Ölförder-Einrichtungen und andere Rohstoff-Quellen gehörten zur Beute des Konzerns, der zudem Zehntausende von Zwangsarbeitern ausbeutete.

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „In der Person von Kurt Hansen wird der bruchlose Übergang der IG FARBEN zum BAYER-Konzern deutlich. Selbst die in den Nürnberger Prozessen verurteilten Kriegsverbrecher konnten nach kurzer Zeit wieder in den Vorstand aufrücken – symptomatisch für den Umgang deutscher Konzerne mit ihrer unseligen Vergangenheit“. Mimkes fordert BAYER auf, den Preis umgehend umzubenennen oder auf künftige Verleihungen zu verzichten.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat anlässlich des 150. Jubiläums von BAYER eine Kampagne gestartet, mit der auf die Schattenseite der Konzerngeschichte aufmerksam gemacht wird

Xarelto

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 5. März 2013
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Sicherheitsrisiko Xarelto

Erneute Bedenken der FDA gegen Gerinnungshemmer / BfArM: 58 Todesfälle in Deutschland / „kein Vorteil aus Behandlung mit Xarelto“

In den USA verzögert sich erneut die Zulassung von BAYERs Gerinnungshemmer Xarelto zur Nachbehandlung von Blutgerinnseln in der Herzkranz-Arterie. Statt eine Zustimmung zur Vermarktung zu erteilen, hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA in einem „Complete Response Letter“ an BAYER weitere Daten zur Sicherheit des Präparats angefordert. Einen ersten solchen Brief hatte sie dem Leverkusener Multi bereits im Februar 2012 zugestellt, da er in den eingereichten Test-Unterlagen drei Todesfälle nicht dokumentiert hatte.

Schon bei den Genehmigungsprozessen zu den Indikationen „Thrombose-Prophylaxe nach dem Einsetzen künstlicher Hüft- oder Kniegelenke“ und „Schlaganfall- und Embolie-Prophylaxe bei PatientInnen mit Vorhofflimmern“ hatte es in den Vereinigten Staaten Probleme gegeben. Die Aufsichtsbehörden warfen dem Konzern unter anderem vor, die Proband/innen, die in der Vergleichsgruppe das Präparat Warfarin einnahmen (verwandt mit Marcumar), nicht richtig mit dem Medikament eingestellt zu haben.

Wie berechtigt diese Skepsis ist, zeigen die Daten des „Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM), die die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) auf Anfrage erhielt: die Behörde registrierte demnach allein im vorigen Jahr 58 Meldungen über „tödliche Verläufe“ nach der Einnahme von Xarelto und 750 über schwere Nebenwirkungen wie Blutungen. Auch wenn „ein Kausalzusammenhang im Einzelfall nicht sicher belegt ist“, wie das BfArM betont, schockieren diese Zahlen.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es kann nicht sein, dass BAYER nur aus Profit-Gründen ein Medikament in den Markt drückt, an dessen Sicherheit es erhebliche Zweifel gibt. Der Konzern sollte aus den Pharma-Skandalen mit LIPOBAY, TRASYLOL und YASMIN gelernt haben.“ Nach Auffassung der CBG sollten Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, grundsätzlich nicht zugelassen werden.

Während das BfArM das Nutzen/Risiko-Potenzial von Xarelto (Wirkstoff Rivaroxaban) und dem ebenfalls umstrittenen Boehringer-Fabrikat Pradaxa (Wirkstoff Dabigatran) trotzdem positiv beurteilt, raten medizinische Fachkreise von der Verwendung des Produkts ab. Sie plädieren dafür, weiter an dem bewährten Marcumar, einem zur Gruppe der Cumarine gehörenden Vitamin-K-Antagonisten mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, festzuhalten.

„In der Therapie und Rezidiv-Prophylaxe von Thromboembolien sehen wir Rivaroxaban nur bei Kontraindikationen für Cumarine als Option. Bei Vorhofflimmern ist es unseres Erachtens dritte Wahl nach Cumarinen und Dabigatran (Pradaxa)“, konstatiert das industrie-unabhängige arznei-telegramm. Und die „Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft“ (AkdÄ) stellt fest: „Insgesamt ergibt sich aus Sicht der AkdÄ für Patienten in Deutschland, die zur Prophylaxe kardioembolischer Erkrankungen bei Vorhofflimmern mit Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon gut zu behandeln sind, kein Vorteil aus einer Therapie mit Dabigatran oder Rivaroxaban. Ihr Einsatz sollte sich auf Patienten beschränken, für die Vitamin-K-Antagonisten keine Therapie-Option sind.“

Neben dem Preis – es ist 15-mal billiger als Xarelto – spricht für Marcumar vor allem, dass es zu ihm im Gegensatz zum BAYER-Produkt ein Gegenmittel gibt, das gegebenenfalls schwere Blutungen stoppen kann.

Nur mittels einer riesigen Marketing-Maschinerie gelang es BAYER, das Mittel in den Markt zu drücken. Nicht umsonst hatte es der jetzige Unternehmenschef Marijn Dekkers schon bei seinem Amtsantritt zu einer Hauptaufgabe erklärt, „die Vermarktung unserer Innovationen zu verbessern“. Und so investierte der Pharma-Riese Unsummen in Miet-ExpertInnen, „ÄrztInnen-Fortbildungen“, Anzeigen-Kampagnen in Fachblättern, Pharma-BeraterInnen und Logistik. Er schreckte nicht einmal davor zurück, MedizinerInnen Muster per Post zuzuschicken, obwohl dies bereits seit langem verboten ist.

weitere Informationen zur Xarelto-Kampagne

[Cipro] Antibiotika

CBG Redaktion

5. März 2013

Schädigungen durch das Antibiotikum Ciprobay

Der Wirkstoff Ciprofloxacin ist mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden und sollte daher nur als „Mittel der letzten Wahl“ eingesetzt werden. In vielen Ländern ist das Antibiotikum jedoch frei erhältlich und wird unsachgemäß eingesetzt. Oftmals verkündet die Werbung fälschlicherweise, das Produkt sei „für alle Infektionen“ bestens geeignet. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren veröffentlicht heute ein erschütterndes Fallbeispiel aus den USA (Quelle: www.ciproispoison.com).

Wenn Sie Cipro nehmen, werden Sie vergiftet. Wenn Ihnen Ihre Gesundheit etwas bedeutet, Ihr Körper, Ihre Fähigkeit zu gehen und ein unabhängiges Leben zu führen, dann sollten Sie sich die Zeit nehmen, meine Geschichte zu lesen. Sie ist etwas lang, aber es gibt keinen Weg, mein Leben während der vergangenen drei Jahre knapper zusammenzufassen.

Im Oktober 2009, nur ein paar Tage nach meinem 30. Geburtstag, suchte ich wegen Schmerzen in der Blasen/Prostata/Nierenregion meinen Arzt auf. Keiner der (Urin-)Tests deutete auf eine bakterielle Infektion hin, aber er dachte, ich könne Prostatitis haben, und traf die folgenschwere Entscheidung, mir das Antibiotikum Ciprofloxacin zu verschreiben. Er hatte mir schon einmal Cipro verordnet, ich hatte es ohne erkennbare Probleme eingenommen, also dachte ich, dieses Mal würde es nicht anders sein. Seine einzige Warnung: ich sollte nicht in die Sonne gehen, da Cipro die Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht steigert. Das war vor drei Jahren. Seitdem bin ich vollständig behindert und unfähig zu gehen. Ich habe alles verloren. Meine Mobilität, meine Unabhängigkeit, mein Einkommen, meine Ersparnisse, meinen Kreditrahmen, meine Träume, meine Ziele, meine Hobbies, meine Freunde, meinen schmerzfreien Körper, meine Hoffnung, meine Lebensqualität, mein Auto – alles weg! Auch die kleinen Freuden des Lebens – weg. Alles, was ich jemals hatte oder wozu ich fähig war, alles habe ich verloren.

Aber noch einmal zurück. Tatsächlich habe ich Cipro nur sechs Tage lang eingenommen, 2 × 500 mg täglich, insgesamt zwölf Tabletten. Abgesehen davon, dass es nicht gegen meine Blasenschmerzen half, schien alles in Ordnung zu sein während der Einnahme. Noch gab es keine Vorahnung des kommenden Horrors. Ich machte meine gewohnten Abendspaziergänge, trainierte und tat, was ich immer machte. Zehn Tage nachdem ich die letzte Dosis genommen hatte, platzte die Bombe: Mein Körper begann verrückt zu spielen.

Am Abend des 25. Oktober 2009 liege ich im Bett und sehe fern, als ich einen leichten Schmerz in meiner linken Achillessehne spüre. Gleich denke ich an das Cipro, denn ich hatte im Beipackzettel gelesen, dass Cipro Sehnenentzündungen verursachen kann, und zwar – laut BAYER – meist der Achillessehnen.

An dieser Stelle möchte ich kurz auf den Beipackzettel von Cipro eingehen. Ich bin keiner von den Leuten, die keine Beipackzettel lesen. Ganz im Gegenteil, ich habe ihn ganz bestimmt gelesen, noch in der Apotheke im Walmart, bevor ich ging. Da war die Rede von möglichen Sehnen-„Problemen“ (ha!), die meist bei Leuten über 65 aufträten, Menschen, die eine Leber-, Nieren- oder Herz-Transplantation hatten, oder es zusammen mit Steroiden einnahmen. Nichts davon trifft auf mich zu. Außerdem hatte ich noch im Kopf, dass ich dieses Mittel schon einmal eingenommen und vertragen hatte.

Nirgendwo auf dem Beipackzettel war davon die Rede, dass die Muskelprobleme möglicherweise permanent sein könnten! Noch ist darin die Rede von Cipro’s inzwischen dokumentierter Fähigkeit, Knorpelmasse in den Gelenken aufzulösen. Wussten Sie, dass es das kann? – Ich auch nicht, bis es zu spät war! Wäre ich auch nur von dem kleinsten dieser Risiken gewarnt worden, hätte ich diese Tabletten auf der Stelle zurückgegeben und ein anderes, sicheres Medikament von meinem Doktor verlangt. Unter keinen Umständen hätte ich jemals riskiert, auf Dauer behindert zu sein oder die Knorpel meinen Gelenken aufgelöst zu bekommen, nur um irgendwelche Blasen-, Prostata- oder Nierenschmerzen los zu werden!! Darauf werde ich noch etwas später zurückgekommen, aber zurück zu meiner Geschichte, bevor ich abschweife.

Ich liege also im Bett, inzwischen ist der Schmerz in meiner linken Achillessehne noch ziemlich schwach. Ich denke, vielleicht bilde ich mir alles nur ein, bin bloß paranoid – oder ich bin vielleicht ein bisschen zu lange draußen herumgelaufen an dem Abend. Seltsam, nie im Leben habe ich irgendwelche Muskelschmerzen gehabt. Es mag blöd klingen, aber ich wusste nicht mal, dass Sehnen überhaupt Schmerz empfinden können. Bis zum nächsten Morgen haben sich die Schmerzen verzehnfacht, inzwischen ist auch meine rechte Achillessehne betroffen. Ich muss sehr langsam gehen, selbst in die Küche zu humpeln ist schwierig. Ich habe ein Gefühl, als ob meine Sehnen wie überdehnte Gummibänder reißen könnten. Jetzt wird mir klar, dass das keine Einbildung ist.

Den Rest des Tages verbringe ich mit Onlinerecherche über Achillessehnen-Entzündung, um rauszufinden, wie man die behandelt. Es klingt lächerlich im Rückblick, aber ich habe die Füße hoch gelegt, „Icy Hot“ Schmerzbalsam aufgelegt und so weiter. Hätte ich doch nur eine Ahnung davon gehabt, womit ich es zu tun habe, und was noch kommen sollte. Der Cipro-Beipackzettel sagt, bei irgendwelchen Muskelschmerzen solle man sofort einen Arzt konsultieren. Also mache ich gleich einen Termin beim Podologen. Noch bin ich nicht allzu besorgt – sicher wird der Doktor etwas für mich tun, nicht wahr? Sonst würde BAYER das wohl nicht empfehlen, oder?

In der Nacht wird es bald schlimmer. Beim Gesichtwaschen vor dem Schlafengehen kann ich plötzlich beide Daumen nicht mehr bewegen. Jetzt wird mir plötzlich klar, dass etwas Ernstes mit mir los ist. Auf dem Beipackzettel war von sowas nicht die Rede! Ich flippe fast aus und suche bei Google nach Cipro-Nebenwirkungen. Was ich finde, entsetzt mich. Da ist die Rede von Leuten mit Krücken oder im Rollstuhl, für Monate oder Jahre, nach der Einnahme von ein paar Tabletten. Die haben sogar einen Namen für diesen Zustand: Sie nennen das „gefloxt“. Es gibt sogar Onlineforen für die Betroffenen! Wenn ich nur daran denke, werde ich schon wütend. Warum hat mir mein Doktor nichts davon gesagt? Ich schalte um auf Verdrängung. Na gut, anderen Leuten ist das passiert, aber mir doch nicht! Ich bin doch erst 30 und ich habe nie in meinem Leben Probleme mit den Muskeln gehabt, habe nie irgendwelche Steroide eingenommen. Ich bin in Ordnung. Ich bin nicht „gefloxt“! Die übertreiben doch alle oder sind Hypochonder.

Wie ich so auf meinem Laptop herumscrolle, entdecke ich an mir etwas wie ein spontanes Karpaltunnelsyndrom. Alle Sehnen in meinen Handgelenken spannen sich an, bis ich meine Hände kaum noch bewegen kann. Während der nächsten 8 Stunden entwickeln sich starke Arthritisschmerzen, als wäre ich 150 Jahre alt. Das ist es, was Cipro mit deinem Körper macht.

Am nächsten Tag habe ich den Termin beim Podologen. Naiv wie ich bin, glaube ich, dass der schon das richtige Gegenmittel haben wird. Ich humpele zu meinem Auto, und als ich am Türgriff ziehe, gehen irgendwie meine Fingergelenke auseinander, wie in einem Horrorfilm. Ich kann kaum das Lenkrad halten. Beim Ausfüllen der Anmeldung in der Praxis habe ich Schwierigkeiten, den Stift zu halten. Dem Arzt sage ich, vor zehn Tagen habe ich eine Behandlung mit Cipro abgeschlossen und jetzt habe ich diese Nebenwirkungen. Als ich den Termin gemacht habe, sage ich ihm, waren nur meine Füße betroffen, aber jetzt auch meine Hände und Handgelenke. Man stelle sich vor: er hat nicht nur keine Abhilfe für mich, er streitet einfach ab, dass Cipro die Ursache meiner Probleme sein könnte!

Ich halte ihm den mitgebrachten Beipackzettel vor die Nase, in dem ganz klar von möglichen Sehnenproblemen die Rede ist. Er schickt mich zu einem Rheumatologen für einen Test auf Autoimmunkrankheiten: Lupus, MS, rheumatoide Arthritis und so weiter. Jetzt bekomme ich richtig Schiss.

Während der nächsten drei Monate verschlechtert sich mein Zustand von Tag zu Tag. Jeden Morgen habe ich mehr Schmerzen, bis schließlich alle Muskeln, Gelenke, Nerven und Bindegewebe in meinem Körper angegriffen sind. Am Ende habe ich keine Wahl: ich ziehe zurück zu meinen Eltern nach Michigan, wo ich seitdem lebe. Ich bin 33 Jahre alt, arbeitsunfähig, ans Haus gebunden und mehr oder weniger bettlägerig. Ich hause in einem dunklen, deprimierenden Kellerraum, kein Vergleich mit meinem selbstständigen Leben in San Diego. So etwas hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorgestellt. Und dieser Albtraum geht immer weiter.

Der Podologe schickt mich zum Rheumatologen. Der testet mich auf alle möglichen Autoimmunkrankheiten. Alle Testergebnisse sind negativ. Ich konsultiere noch einen Rheumatologen und lasse die Tests wiederholen. Wieder negativ. Ich habe keine Autoimmunkrankheit, ich wurde mit Ciprofloxacin vergiftet.

Nach meinen Füßen, Händen und Handgelenken kommt buchstäblich jeder andere Teil meines Körpers an die Reihe. Mir bleibt nichts erspart. Sogar meine Zähne sind angegriffen. Davon steht nichts auf dem Beipackzettel. Was auch nicht auf dem Beipackzettel steht: wenn du „gefloxt“ wurdest, dann bekommst du nicht nur ein oder zwei der aufgezählten Symptome – du bekommst die meisten oder alle zugleich.

Alles in allem haben diese zwölf Gifttabletten bei mir über 40 verschiedene gesundheitliche Probleme verursacht, die meisten davon schwer und mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Ich muss noch einmal darauf hinweisen, dass ich, abgesehen von den kürzlich aufgetretenen Blasen-, Prostata- oder Nierenschmerzen, vollkommen gesund gewesen bin. Bevor ich Cipro eingenommen hatte, war ich körperlich aktiv, ging regelmäßig ins Sportstudio, konnte buchstäblich meilenweit schwimmen und hatte nie irgendwelche Muskelprobleme oder Verletzungen gehabt. Ich rauchte oder trank nicht, ernährte mich bewusst, blieb nicht zu lange in der Sonne und passte wirklich gut auf meinen Körper auf. Ich hatte nie einen Knochenbruch, nicht einmal ein Loch im Zahn. Aber mein ganzes gesundes Leben spielte keine Rolle.

Alles, was nötig war, um meinen Körper auf die unvorstellbarste Weise zu ruinieren, waren 6g Cipro. Alles in allem hatten diese zwölf Tabletten die folgenden Auswirkungen:

=> Lähmende Sehnen-, Gelenk- und Bindegewebsprobleme im ganzen Körper jenseits des Vorstellbaren. Mir fehlen die Worte, um zu schildern, wie furchtbar das ist. BAYER nennt das Sehnenentzündung, aber es ist Sehnen-Zerstörung. Sehnenentzündung ist heilbar, das hier nicht! Buchstäblich alle Sehnen in meinem Körper sind betroffen, sogar mein Unterkiefer. Meine Sehnen verspannen und verkrampfen sich. Aber die Sehnen sind nicht das einzige Gewebe, das durch das Zeug zerstört wurde – auch Faszien, Muskeln, Haut und Bindegewebe sind angegriffen. Es hat sich herausgestellt, dass Cipro alle kollagenhaltigen Gewebe angreift.

=> Nervenschädigung: das Gift hat eine schwere periphere Neuropathie in meinen Armen und Beinen ausgelöst. Eine schreckliche Muskelschwäche (manchmal kommt es mir vor, als seien meine Beine gelähmt), Nadelstiche, Kribbeln und Taubheit in den Füßen, Brennen in den Fußsohlen, Schübe von Überempfindlichkeit der Haut wie bei einem schweren Sonnenbrand, unkontrolliertes Muskelzucken, Neuritis, die mir manchmal die Tränen in die Augen treibt, und darüber hinaus alle möglichen anderen verrückten Nervenwahrnehmungen. Meine Arme und Beine schlafen jetzt extrem leicht ein – auch bei einfachen Tätigkeiten, wie etwas länger im Auto sitzen oder auf einem harten Stuhl. Vor der Cipro-Behandlung habe ich nicht mal gern Aspirin genommen. Jetzt muss ich jeden Abend vor dem zu Bett gehen Schmerzmittel einnehmen (Methadon, Tramadol und Neurontin), sonst kann ich nicht einschlafen, denn meine Beine fangen an zu brennen wie von tausenden kleiner Rasierklingen. So wie es aussieht, werde ich für den Rest meines Lebens Schmerzmittel nehmen müssen.

=> Gravierende Sehstörungen: die begannen eines Nachts mit starken Augenschmerzen. Wenn ich zur Seite schauen wollte, musste ich wegen der Augenschmerzen den ganzen Kopf oder den Körper drehen, was an sich schon schmerzhaft genug war. In der Nähe sah ich verschwommen, in der Ferne begann ich alles doppelt zu sehen. Schließlich erlitt ich eine Netzhautablösung an beiden Augen, dadurch entstanden blinde Flecken in meinem Sehfeld. Immer wenn ich aus dem Fenster schaue oder mich draußen im Tageslicht aufhalte, was ich nicht sehr oft tue, da ich so behindert bin, dann schwimmen tausende kleine Objekte in meinem Gesichtsfeld herum. Diese Sehstörungen sind äußerst lästig und erinnern mich ständig daran, dass mit meinem Körper etwas nicht stimmt. Die Netzhautablösung wird sich ständig beobachtet werden müssen für den Rest meines Lebens, damit ich nicht völlig blind werde.

=> Bänderrisse am linken Knöchel, beiden Knien und der rechten Schulter. Die sind schrecklich schmerzhaft, wirken sich auf die strukturelle Integrität der Gliedmassen aus und tragen außerdem zu meiner peripheren Neuropathie bei. Falls Sie es nicht wissen, Faszien sind Bindegewebe, die unsere Muskeln umgeben, sie leichter übereinander gleiten lassen und unseren Körper buchstäblich zusammenhalten. Wenn die Faszien reißen, haben wir ein Problem! Meine sind nicht verheilt, und dadurch habe ich sehr schmerzhafte Bewegungseinschränkungen in meinen Beinen. Stehen Faszienrisse als mögliche Nebenwirkung auf dem Beipackzettel von Cipro? Nein.

=> Verkürzte Beinmuskeln (oder geschrumpfte Sehnen, die wiederum meine Beinmuskeln extrem anspannen – ich weiß es nicht). Alles was ich weiß: meine Oberschenkel und Waden sind permanent angespannt, sie lassen sich nicht strecken, nur zerren! Es fühlt sich tatsächlich an, als ob sämtliche Muskeln und Sehnen in meinen Beinen sich in unflexibles Trockenfleisch verwandelt hätten. Ich kann meinen linken Fuß oder mein Knie nicht mehr belasten oder flach auftreten, weil mein verkürzter linker Wadenmuskel tatsächlich reißen könnte.

=> Fortschreitender Muskelschwund: zur Zeit meiner Vergiftung war ich schon sehr schlank, 75 kg bei einer Größe von 1,88 m. Innerhalb eines Monats wog ich nur noch 63 kg. Die ganze Muskelmasse war weg! Besonders stark betroffen waren die Beine. Vielleicht unabhängig vom Muskelschwund entwickelte sich zu gleicher Zeit ein intensiver Schmerz innen in meinen Beinen. Jedenfalls hält dieser Schmerz bis auf den heutigen Tag an. Manchmal möchte ich mich nur noch aufhängen. Oft fühlen sich meine Muskeln so an als wäre ich halb tot geprügelt worden oder hätte einen fürchterlichen Autounfall gehabt.

=> Ein paar Wochen nach meiner Vergiftung entwickelte sich eine Vasculitis an Unterschenkeln und Füßen – tausende winzige blutige Pünktchen unter meiner Haut. Kurz darauf fielen alle Haare aus. Die Pünktchen bildeten sich etwas zurück, sind aber nicht ganz verschwunden. Etwas später tauchten sie auf der Rückseite der Arme wieder auf, auch auf den Händen.

=> Meine Füße laufen purpurrot und blau an und werden eiskalt, als ob die Blutzufuhr abgeklemmt worden wäre. Sie sehen nicht aus wie meine Füße, viel mehr wie die einer Leiche.

=> Die Zehennägel wurden gelb und bildeten horizontale Aufwölbungen aus (drei Jahre später beginnt das rauszuwachsen). Mein Rheumatologe sagt, das deutet auf einen traumatischen Schock hin. Tatsächlich?

=> Schwere, hartnäckige Entzündung der Fußsohlen (plantare Fasciitis). Auch nicht erwähnt auf dem Beipackzettel.

=> Andauernder Tinnitus: ständiges Kreischen und Klingeln in meinen Ohren, bis zum heutigen Tag, so laut, dass ich manchmal davon aufgewacht bin.

=> Meine Haut, für die ich vor Cipro Komplimente bekommen hatte, bildete gleich nach meiner Vergiftung eine fürchterliche Akne aus, mit hunderten kleiner Pickel wie Sandkörnchen unter der Haut. Nach etwa einem Jahr wurde meine Gesichtshaut, die sonst eher fettig war, buchstäblich hart und sehr trocken. Jetzt erneuert sie sich sehr schnell und schuppt sich auf unansehnliche Art rund um die Uhr. Keine Creme hilft. Meine Gesichtshaut ist ruiniert, krustig und orangegelb verfärbt. Sie schuppt sich manchmal schon beim Abtrocknen.

=> Zu gleicher Zeit wie meine Haut wurde auch meine Augen, Ohren und der Mund trocken (ähnlich dem Sjögren-Syndrom). Ich benutze jetzt ein spezielles Mittel während der Nacht, um ein Festkleben der Augenlider an den Augäpfeln und Schädigung der Hornhaut zu verhindern.

=> Starke Zahnschmerzen. Es ist, als würde elektrischer Strom durch alle meine Zahnnerven fließen. Meine Zähne scheinen auch brüchig zu sein. Sie scheinen sich im Mund zu bewegen, was sehr irritierend ist. Anfangs habe ich mir ständig beim Essen auf die Lippen gebissen, als könne ich nicht länger meine Kaumuskeln kontrollieren. Wussten Sie, dass man durch Cipro alle Zähne verlieren kann? Klar doch! Auch das steht nicht auf dem Beipackzettel. Gottseidank ist noch keiner meiner Zähne abgebrochen, aber ich habe von vielen Cipro Opfern gehört, die nach der Behandlung schwere Zahnprobleme bekommen haben. Ich habe von jemandem gehört, der sich für 40.000 $ alle Zahnwurzeln hat ziehen lassen. Und dabei hatte ich nie in meinem Leben ein Loch in einem Zahn! Nochmal: hätte auf dem Beipackzettel irgendetwas von Zahnproblemen oder Zahnverlust gestanden, dann hätte ich das Zeug ganz schnell in die Tonne befördert, wo es hingehört, oder, noch besser, in den Sondermüll, damit es nicht das Wasser vergiftet!

=> Arthritis an Fingern und Zehen! Ich wusste nicht mal, dass man Arthritis in den Zehen bekommen können. Man kann, glauben Sie mir.

=> Meine Gelenke machen grauenhafte Knirsch- und Knackgeräusche.

=> Extreme Erschöpfung und Schwäche. Jede andauernde Bewegung ermüdet meine Muskeln in kürzester Zeit. Ich habe sogar Schwierigkeiten beim Sprechen, als ob Muskeln oder was auch immer in meiner Kehle müde werden, bis ich aufhören muss zu sprechen. Ich kann auch nicht mehr als ein paar Minuten stehen. Aus diesem Grund dusche ich nur noch alle zwei oder drei Tage. Wenn ich aus der Dusche komme, bin ich fix und fertig.

=> Lockere Rippen! Es ist wie in einem Horrorfilm. Manchmal kann ich nicht auf der Seite schlafen, weil eine meiner Rippen sich lockert und mit einem klickenden Geräusch an das Brustbein stößt. Ich habe mit anderen Cipro-Opfern gesprochen, bei denen die Rippen operativ wieder mit dem Sternum verbunden werden mussten. Das ist eindeutig ein Knorpelproblem, was BAYER in den Warnhinweisen verschweigt.

=> Insgesamt extreme Gebrechlichkeit. Mein Körper ist so leicht verletzbar, dass ich Angst habe, mich in der Nähe anderer Menschen aufzuhalten, denn wenn mich jemand versehentlich anrempelt oder mir auf den Fuß tritt, würde er mich verletzen. Es ist, als hätte ich den Körper eines Hundertjährigen. Dabei habe ich im Fernsehen schon Hundertjährige gesehen, die weitaus fitter waren als ich es jetzt bin. Wenn ich hinfallen würde, wäre das katastrophal für meine Gelenke und Sehnen. Gott sei Dank ist das bisher noch nicht passiert, denn wenn ich versuche zu laufen, das heißt von einem Raum zum andern in meinem Haus, halte ich mich ständig irgendwo fest.

=> Auch mein zentrales Nervensystem war während der ersten drei Monate nach meiner Vergiftung stark angegriffen. Ich litt unter Panikattacken und mentaler Erschöpfung, wie ich es noch nie erlebt hatte, und unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Ich begann einen Satz und wusste schon nicht mehr, was ich sagen wollte. Ich kam vom Arzt zurück und wusste nicht mehr, was er zu mir gesagt hatte. Ich konnte auf einmal die einfachsten Worte nicht mehr richtig buchstabieren. Ich fühlte mich geistig zurückgeblieben. Auch litt ich während der ersten drei Monate unter Schlaflosigkeit. Das ist eigentlich kein Wunder angesichts der ganzen Schmerzen. Glücklicherweise verbesserte sich das nach einigen Monaten wieder. Das kann leider von einigen anderen Cipro-Opfern nicht gesagt werden. Während es die einen – wie mich – physisch trifft, treten bei anderen schreckliche mentale Probleme auf, die über Jahre oder gar auf Dauer anhalten. Das kann permanente Schlaflosigkeit sein, Panikattacken, Persönlichkeitsverlust und mehr. Auch davon steht nichts im Beipackzettel.

Die psychologischen Auswirkungen dieses andauernden Albtraums kann ich kaum beschreiben. Depressionen aus den Tiefen der Hölle. Ich war in der Hölle. Ich bin in der Hölle. Die Hölle ist hier auf der Erde, und Cipro kann sie dort hinbringen.

Diese schädlichen Wirkungen (und weitere) sind auf nur zwölf Ciprofloxacin-Tabletten zurückzuführen, die ich vor mehr als drei Jahren genommen habe. Ganz schön schwierig zu glauben, nicht wahr? Ich weiß. Ich bin der, dem das passiert, und ich kann es selbst noch immer nicht glauben. Obendrein hat Cipro nicht mal gegen die Schmerzen geholfen, wegen derer es mir verschrieben worden war. Für nichts und wieder nichts bin ich zum Krüppel geworden! Am Ende bin ich zu einem Urologen gegangen, der mir Trimethoprim verschrieb. Harmlos und wirksam. Immerhin bin ich die Schmerzen los. Das war alles, was ich gebraucht hätte. Aber nein, mein Arzt, Doktor N. P. aus San Diego, ignoriert seinen Eid, vor allem Schaden zu vermeiden, und greift direkt in die Kiste mit dem „letzten Mittel“, ohne es erst mit etwas Harmloserem zu versuchen oder mich vor den möglichen Nebenwirkungen von Cipro zu warnen.

Ich sollte auch erwähnen, dass Cipro nur eines der Mittel in der Klasse von Antibiotika ist, die unter dem Namen Fluoroquinolone bekannt sind. Zu den anderen Antibiotika in dieser Klasse gehören Avelox (ebenfalls von BAYER) und Levaquin. Beide sind genauso schädlich wie Cipro.

Jetzt bin ich seit über 1000 Tagen bettlägerig, ohne Aussicht, dass sich das ändert, und das alles nur wegen der Entscheidung meines Arztes, mir Cipro zu verordnen. Das alles war vermeidbar. Es hätte nicht passieren müssen. Die „Kur“ war unendlich viel schlimmer als die Krankheit!

Nichts in meinem Körper funktioniert wie früher. Ich erkenne diesen Körper nicht einmal mehr. Das ist nicht mein Körper! Diese Tabletten haben mich über Nacht um hundert Jahre altern lassen. Das ist keine Übertreibung. Ich kann mich kaum noch rühren. Über Monate musste ich mich zusammennehmen, mich nicht morgens beim Aufwachen zu strecken, weil buchstäblich meine Bizeps vom Knochen abreißen würden. Ich konnte mich kaum im Bett umdrehen. Über Monate hinweg schmerzten meine Füße so sehr, dass ich lieber in eine Tasse neben dem Bett gepinkelt habe als die paar Meter zum Bad zu gehen. Es ist die reine Folter, und ich wollte, jemand von BAYER müsste dasselbe durchmachen. Bis auf den heutigen Tag bin ich nicht fähig, weiter als 20 oder 30 m zu gehen, und dann nur ganz langsam, unsicher und unter Schmerzen. Ich mache mir nicht mehr die Mühe, mich anzuziehen. Ich lebe seit drei Jahren im Pyjama. Ich gehe sowieso nirgends mehr hin. Ich habe immer noch den Schrank voller Kleider, die ich in meinem früheren Leben getragen habe, aber die Person, die diese Kleider getragen hat, ist tot.

Keine Stunde vergeht, in der ich nicht daran denke, diesen verdammten Qualen ein Ende zu machen. Zweimal schon habe ich Abschiedsbriefe geschrieben an meine Freunde und die Familie. Ich war entschlossen, aus diesem kaputten, gequälten Körper rauszukommen. Die zwölf Gifttabletten haben ihn zu meinem ärgsten Feind gemacht. Früher hatte ich Angst vor dem Tod, heute nicht mehr. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich nicht mehr in diesem gequälten Körper aufwachen muss. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, das rückgängig macht, was das Gift mit mir gemacht hat, dann werde ich das nicht mehr lange aushalten. Ich bin körperlich und seelisch ausgebrannt. Am 25. Oktober 2009 bin ich gestorben, das war der letzte Tag meines Lebens. Danach habe ich keinen guten Tag mehr gehabt. Jetzt besteht mein Leben nur noch aus Erinnerungen. Das Haus verlasse ich nur noch alle paar Monate zu Arztterminen. Wenn ich aus dem Haus gehe, ist das wie ein Schritt in eine Parallelwelt. Ich sehe Menschen in ihrem normalen täglichen Leben, aber ich gehöre nicht mehr dazu. Ich war einer von ihnen, jetzt bin ich nur noch Zuschauer. Draußen geht das Leben weiter, ich liege im Bett, Tag für Tag für Tag. Tage werden zu Wochen, Wochen zu Monaten, Monate zu Jahren. Ich liege hier verkrüppelt und hilflos und mit solchen Schmerzen, dass ich mich umbringen möchte.

Unzählige Male habe ich bei BAYER angerufen und verlangt, dass sie mir sagen, was ihr Gift mit meinem Körper gemacht hat, aber sie geben mir keinerlei Information. Sie sagen mir nur, ich soll zum Arzt gehen. Ich war bei Ärzten! Die erzählen mir nichts weiter als das, was auf dem Beipackzettel steht, als wären es Tatsachen. Das ist kein Witz: das Wissen der meisten Ärzte über Cipro und seine Wirkungen ist auf das beschränkt, was auf diesem Zettel steht.

10.000 $ habe ich ausgegeben (die jetzt zwangsvollstreckt werden), um die Mayo Klinik in Minnesota aufzusuchen. Dort erzählt mir ein Dr. Nisha Manek, dass „Cipro so etwas nicht bei Menschen in ihrem Alter verursacht“. Bullshit! Erzählen Sie das mal den tausenden Menschen in den Onlineforen für Betroffene, von denen viele jünger sind als ich! Ich habe auch zahlreiche Versuche unternommen, an Greg Babe ranzukommen, BAYERs CEO. Jedes Mal wenn ich dort anrief, sagte mir seine Sekretärin, er sei den ganzen Tag in Meetings. Sie nimmt meinen Namen und meine Nummer auf und sagt, jemand werde zurückrufen. Niemand ruft zurück. Von BAYER habe ich bisher nicht ein Wort der Entschuldigung gehört. BAYER Pharmaceutical hat mich verkrüppelt und mein Leben zerstört, aber es gibt nicht mal eine Entschuldigung.

Weil ich meine Arbeitsfähigkeit verloren habe, muss jetzt der Steuerzahler für mich aufkommen, dank BAYER und der korrupten FDA. Ich hatte etwas anderes vor als Sozialhilfe zu beziehen und den Rest meines Lebens bei meinen Eltern im Keller zu verbringen. Ich bin so froh, dass ich all die Jahre schuften und sparen durfte, um Geld für ein Haus und ein Geschäft zur Seite zu legen, damit Big Pharma mir meine Träume nehmen kann, um ihr Geschäftsergebnis um sechs Dollar zu verbessern. Sechs Dollar.

Drei Milliarden Jahre hat die Evolution gebraucht, um diesen Körper zu erschaffen, den einzigen Körper, den ich je haben werde – und es dauerte sechs Tage mit Cipro, um ihn zu ruinieren. Drei Jahre sind vergangen, aber ich kann es immer noch nicht glauben. (deutsche Übersetzung: Peter Horn)

Kontakt Jeff: ciproispoison@yahoo.com

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[Nexavar] Generika schützen!

CBG Redaktion

4. März 2013; Ärzte ohne Grenzen

Bayer-Widerspruch gegen indische Zwangslizenz abgelehnt

Ärzte ohne Grenzen begrüßt Entscheidung für bezahlbare Medikamente

Das indische Intellectual Property Appellate Board (IPAB) hat den Widerspruch des Pharmakonzerns Bayer gegen eine Zwangslizenz für die Produktion des Krebsmedikamentes Nexavar abgelehnt. Ärzte ohne Grenzen begrüßt die am Montag bekannt gegebene Entscheidung des obersten indischen Patentprüfungsausschusses in Chennai.

„Die Entscheidung stärkt Zwangslizenzen als wichtiges Instrument zum Schutz der öffentlichen Gesundheit“, sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Wir fordern Bayer auf, die Entscheidung zu akzeptieren und nicht anzufechten. Patente machen lebenswichtige Medikamente für Patienten in armen Ländern oft unbezahlbar, während die Konkurrenz durch Generikahersteller schnell und nachhaltig für deutlich niedrigere Preise sorgt. Im konkreten Fall ging es mit Nexavar um ein Krebsmedikament. Jetzt kommt es darauf an, dass Indien und andere ärmere Länder das Instrument der Zwangslizenzen stärker einsetzen. Dann können bald auch neuere HIV/Aids-Medikamente von Generikaproduzenten zu einem Bruchteil des Originalpreises produziert werden.“
„Neuere HIV/Aids-Medikamente sind heute noch für viele Menschen, die sie bräuchten, unerschwinglich“, so Moldenhauer weiter. „Nicht zuletzt für diese Patienten ist die Entscheidung des IPAB eine großartige Nachricht. Zwangslizenzen sind ein im internationalen Handelsrecht verankerter Mechanismus, den Staaten nutzen können, um Wettbewerb zu ermöglichen und damit den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten sicherzustellen.“
Das indische Patentamt hatte dem indischen Generikahersteller Natco im März 2012 eine Zwangslizenz zur Produktion des in Nexavar enthaltenen Wirkstoffes Sorafenib Tosylate für die nächsten acht Jahre zugesprochen, weil Bayer es versäumt hatte, sein Medikament in ausreichender Menge und zu einem erschwinglichen Preis in Indien anzubieten. Der Preis sank dadurch um 97 Prozent. Natco zahlt dafür eine Lizenzgebühr in Höhe von sechs Prozent der Verkaufserlöse. Damit wurde in Indien zum ersten Mal eine Zwangslizenz für ein patentiertes Medikament erlassen.
Indien ist einer der bedeutendsten Generikahersteller weltweit. Die „Apotheke der Armen“ versorgt sowohl zahlreiche Gesundheitsprogramme in armen Ländern als auch zahlreiche Organisationen mit kostengünstigen generischen Medikamenten. Mehr als 80 Prozent der Aidsmedikamente, mit denen Ärzte ohne Grenzen weltweit 220.000 Patienten in ärmeren Ländern behandelt, sind günstige Nachahmerpräparate aus Indien.
Derzeit steht noch eine weitere wegweisende Gerichtsentscheidung in Indien aus. Der Pharmakonzern Novartis klagt vor dem Obersten Gerichtshof, um eine Bestimmung des indischen Patentrechts zu ändern, die den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten sichert.

alle Infos zur Kampagne

Brunsbüttel: Kritik an neuer MDI-Anlage

CBG Redaktion

Die BAYER AG plant den Bau einer MDI-Produktionsanlage in Brunsbüttel. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat umfangreiche Einwendungen gegen eine Genehmigung der Anlage eingereicht. Kernpunkte der Kritik sind der hohe Ressourcen-Einsatz sowie die Risiken giftiger Chemikalien wie Phosgen, Anilin und Kohlenmonoxid. Als Vorprodukt sollen mehrere hunderttausend Tonnen Phosgen, das im 1. Weltkrieg als Kampfgas eingesetzt wurde, verwendet werden.

[Spendenaufruf] Informationsfreiheit statt Konzernabhängigkeit

CBG Redaktion

Kooperationsvertrag zwischen Uniklinik Köln und BAYER offenlegen! / Prozesskostenhilfe notwendig

Konto 3199991 bei der EthikBank, BLZ 83094494 (Empfänger: Coordination geg. Bayer Gefahren)
oder online oder per PayPal

Am 6. Dezember wurde am Verwaltungsgericht Köln die Klage der Coordination gegen BAYER-Gefahren zur Einsichtnahme in den Kooperationsvertrag zwischen dem BAYER-Konzern und der Universität Köln abgewiesen. Die Uniklinik war im Jahr 2008 eine enge Forschungs-Kooperation mit BAYER eingegangen. Der damalige Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) bezeichnete den Vertrag als die „weitest reichende Kooperation, die eine nordrhein-westfälische Universitätsklinik bislang eingegangen ist".

Die Umstände dieser Zusammenarbeit sind intransparent. So ist ungeklärt, wie die Universität an den Ergebnissen gemeinsamer Projekte partizipiert, ob auch künftig noch Medikamente für ökonomisch uninteressante Krankheiten untersucht werden und wie die Publikationsfreiheit sichergestellt werden soll. Wir befürchten eine Ausrichtung der universitären Forschung nach rein wirtschaftlichen Kriterien.

Das Kölner Gericht hat sich über das Votum des NRW-Landesbeauftragten für Informationsfreiheit hinweg gesetzt. Dieser hatte den Vertrag eingesehen und keine Inhalte gefunden, die einer Einsichtnahme entgegen stehen. Jetzt geht das Verfahren vor das Oberverwaltungsgericht Münster.

Anwaltskosten, Gerichtsgebühren und öffentliche Mobilisierung kosten mehr als 10.000 Euro pro Instanz. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren erhält keinerlei öffentliche Unterstützung und arbeitet weitgehend ehrenamtlich. Die Kosten für das Verfahren übersteigen daher die Möglichkeiten des Netzwerks bei weitem. Wir müssen daher zu Spenden aufrufen.

Der Prozess wird bundesweit als Muster-Prozess betrachtet. Aktuell berichteten die Medien auf breiter Front - von der ZEIT, FAZ, Deutschlandfunk und Süddeutscher Zeitung bis hin zum Ärzteblatt, der Taz und den Kölner Lokalzeitungen.

Wir meinen: Eine aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung muss öffentlicher Kontrolle unterliegen - zumal in einem sensiblen Bereich wie der Pharma-Forschung. Eine solche Kontrolle ist nur mit Kenntnis der Vertragsbedingungen möglich. Von vielen Wissenschaftlern erhalten wir dabei Unterstützung. Ein aktueller Erfolg: der Deutsche Hochschulverband, die Standesvertretung der Professoren und Hochschullehrer, hat die Kölner Universität aufgefordert, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens eine Einsichtnahme in die Verträge zu gewährleisten.

Eine vollständige Chronologie mit allen Presseberichten sowie dem vollständigen Urteil findet sich auf unserer Kampagnenseite

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[Busch-Merz] Testimonials

CBG Redaktion

Seit vielen Jahren unterstütze ich - seit letztem Jahr zusammen mit meinem Mann - als Garant die CBG.
Die Schönheit unserer Erde und ihrer Lebewesen ist mir eine große Freude. Genauso schmerzhaft ist es für mich zu sehen, wieviel Zerstörung und Leid da angerichtet wird.
Schon immer war es mein Anliegen, an der Wurzel von solchen Verstößen gegen die Menschlichkeit anzusetzen. Ihr seid die einzige Organisation gewesen, die ich kannte, die einem globalen Konzern auf die Finger klopft, Verbrechen öffentlich macht, Widerstand bündelt und Opfer unterstützt.

Mit herzlichstem Dank und liebevoller Verbundenheit,
Ingrid Busch-Merz
Sozial- und Umweltpädagogin, Heilpraktikerin

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[Groebl] 150 Jahre BAYER – von Zyklon B zu Lipobay

CBG Redaktion

Don´t worry, we care „For Whom the Bell Tolls” kennzeichnet die Unternehmenspolitik des Konzerns mit dem Slogan „HEALTH CARE”, der in diesem Jahr eine weltweite Geburtstagsfeier plant – ein „Kulturereignis“.
Die Fakten, die Lügen, die Opfer weisen jedoch auf eine Tragödie hin, die nicht geboren wurde aus dem Geiste der Musik, sondern aus dem Profitstreben des Konzerns. Das Lipobay- Desaster verwandelte den Slogan „BAYER HEALTH CARE“ für die Opfer in „BAYER DEATH CARE“.

Lipobay - das ungesühnte Verbrechen?

Ein Zeugenbericht zum Fall Lipobay von Adolf Groebl, ergänzt durch die Recherche der Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Politik, Staatsanwaltschaft, Medien. Die Diagnosen, die Lügen, die Opfer.

Einer der weltweit größten Pharmaskandale dringt im Jahr 2001 an die Öffentlichkeit (siehe ZDF, FRONTAL 21 vom 21. August 2001). Der damalige Ministerpräsident von NRW, Herr Clement, stellt sich in den Medien augenblicklich und offensiv vor den BAYER-Konzern. Die Gefährdung von Arbeitsplätzen, seine Konzernbindung und der Aktienkurs stehen auf seiner Werteskala über den tödlichen Nebenwirkungen von Lipobay.

Es gibt keinen Zweifel. Der Konzern hat die Risiken des neuen Cholesterin-Senkers seit Jahren verheimlicht, verharmlost, die Meinungsbildner und Ärzte gekauft. Für BAYER steht der Profit an erster Stelle. Als Folge dieser skrupellosen Unternehmenspolitik werden weltweit mehr als hundert Todesfälle registriert, hinzu eine große Anzahl Menschen, die durch Lipobay schwere und bleibende gesundheitliche Schäden erlitten haben. Aber es geht um einen Milliarden-Umsatz. Dafür nimmt der Konzern jedes Risiko in Kauf und leugnet es.

New York Times vom 22.2.2003

„Newly disclosed company documents indicate that some senior executives at Bayer were aware that their anticholesterol drug hat serious problems long before the company pulled it from the market.“

Zu dieser Meldung der New York Times gesellt sich ein Untersuchungsbericht des US-Kongresses nach einem Störfall im BAYER-Werk Institute (USA) im Jahr 2008, bei dem zwei Arbeiter ihr Leben verloren:
Zitat: „BAYER beteiligte sich an einer Geheimhaltungskampagne. Die Firma hat den Sicherheitskräften entscheidende Informationen vorenthalten, hat den Ermittlungsbehörden nur eingeschränkten Zugang zu Informationen gewährt, hat die Arbeit von Medien und Bürgerinitiativen unterminiert und hat die Öffentlichkeit unrichtig und irreführend informiert“.

Die Staatsanwaltschaft Köln und die Macht des Konzerns
Aus dem Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der BAYER AG, BAYER VITAL GmbH u.a. wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Aktenzeichen 23 Js 1/07 vom 18.1.2007.

Die Ausführungen der Staatsanwaltschaft Köln (Staatsanwältin
Drossé) gehen über 12 Seiten. Sie entsprechen in weiten Teilen der Verteidigungslinie von BAYER und erwecken den Eindruck, einem von BAYER und der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer vorgegebenen Text zu folgen. Ein detaillierter Bezug zur Anzeige des Klägers fehlt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt ein schuldhaftes Verhalten der Geschädigten mit Hinweis auf die Dosierung und die bestimmungsgemäße Verwendung des Medikaments.

Zitat: „Diese strafrechtliche Verantwortlichkeit setzt allerdings voraus, dass das in Rede stehende Konsumgut so beschaffen ist, dass seine bestimmungsgemäße Verwendung für den Verbraucher - entgegen dessen berechtigten Erwartungen - die Gefahr des Eintritts gesundheitlicher Schäden begründet. Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall jedoch gerade nicht erfüllt.“

Zitat: „Eine Verletzung der dem pharmazeutischen Hersteller und Unternehmer obliegenden Sorgfaltspflicht ist somit weder im Zusammenhang mit dem Inverkehrbringen von Cerivastatin-haltigen Arzneimitteln noch im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Entscheidung, die Vermarktung von Cerivastatin abzubrechen, ersichtlich. Hinreichender Tatverdacht besteht somit auch nicht in Bezug auf den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung zum Nachteil einzelner Arzneimittelanwender.“

Bemerkung: Eine fahrlässige Tötung zum Vorteil einzelner Arzneimittelanwender konnte das Gericht demzufolge ebenfalls verneinen.

Die Benachrichtigung über die Einstellung der Ermittlungen gemäß §170 Abs.2 STPO richtet sich an den Kläger, Dipl.-Kfm. Adolf Groebl. Seine Frau hatte nur knapp überlebt - trotz „bestimmungsgemäßer Verwendung“ und „entgegen ihren berechtigten Erwartungen“ (die Dosierung von Lipobay betrug eingangs 0,1 dann 0,2).

Das BAYER-Kreuz leuchtet über der Staatsanwaltschaft. Der Kläger schreibt im August 2010 nochmals an die Staatsanwältin Drossé. Er weist erneut auf die Fakten hin, auch auf die gegenteilige Entscheidung eines spanischen Gerichts zu Gunsten des Klägers. Seine Frage ist: Hält es die deutsche Rechtsprechung mit den Konzernen? Die Antwort der Staatsanwaltschaft vom 19.8.2010 ist unterzeichnet von Staatsanwalt Flöck: „Auf Ihre oben genannte E-Mail hin muss ich Ihnen mitteilen, dass die darin enthaltenen Angaben zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen keinen Anlass geben.“

Die Fakten

Ärztliches Attest der Gemeinschaftspraxis Dr. med. V. Warm, Dr.med. B. Helmreich vom 27.3.2003:

„Frau Groebl wurde am 24.7.1998 Lipobay verordnet. Am 27.12. 1998 erfolgte die stationäre Aufnahme im Kreiskrankenhaus Freising wegen eines Crush-Syndroms mit Nierenversagen. Es folgte am 30.12.98 die Verlegung auf die Intensivstation des KH München-Schwabing. Entwicklung eines schwersten Krankheitsbildes mit Rhabdomyolyse. Entwicklung einer Crushniere, Entwicklung eines Cappilary-Leak-Syndroms. Epiduralblutung und Tachyarrhytmia absoluta bei Vorhofflimmern. Anstieg der CPK bis 10 000 Einheiten. Am 1.2.99 Verlegung in die Klink Wartenberg für ein Anschlussheilverfahren. Die Rekonvaleszenz zog sich bis Mitte Juni 1999 hin... Von April bis Juli 99 verstärkter Haarausfall......Es besteht jetzt immer noch eine Herabsetzung der Muskelkraft an Unterarmen und Unterschenkeln. Sie benötigt deshalb ständig Unterstützung durch ihren Ehemann. An Armen und Beinen haben sich längs verlaufende Narben gebildet, die durch die massive Ödembildung im Rahmen des Cappilary-Leak-Syndroms entstanden sind.“

Aus dem Verlegungsbericht des Krankenhauses Freising vom 30.12.1998 an Dr. Hartmann, Intensivstation des Krankenhauses München Schwabing

Diagnosen: „Myositis unklarer Genese ….Z.n. hämorrhag. Cystitis.
Die Aufnahme der Patientin erfolgte am 27.12. wg. unklaren abdominellen Schmerzen….. Im Verlauf klagte die Patientin über zunehmende Muskelschmerzen, es kam zu einer zunehmenden lividen Verfärbung der Haut sowie einem generalisierten Ödem… Steigende CK auf aktuell 3600U/l“ Vormedikation: Lipobay O-O-1 .

Aus dem Bericht des Krankenhauses München Schwabing vom 1.2.1998 und dito der Klinik Wartenberg vom 9.3.1999.

Rhabdomyolyse, Cruhniere und Cappilary-leak-Syndrom nach CSE-Hemmer-Einnahme.

Epiduralblutung Th 11/12 bis S2 mit vollständig zurückgebildeter Paraparese beider Beine. Z.n.

Tachyarrhytmia absoluta bei Vorhofflimmern.
V.a. Glaskörperabhebung links.

Die Aufenthaltsdauer der Patientin:

Krankenhaus Freising 27.12.1998 bis 30.12.1998
Krankenhaus München-Schwabing 30.12.1998 bis 01.02.1999
Klinik Wartenberg 01.02.1999 bis 22.02.1999

Der Ehemann ist als Folge der Ereignisse ebenfalls ein Opfer von Lipobay. Auf der Intensivstation des Krankenhauses München Schwabing verfolgt er über Wochen, auch in der Silvesternacht 1998/99, die Kurven und das Zahlenbild auf dem Monitor über dem Bett seiner Frau. Er erhält die Diagnosen der Ärzte: Auflösung der Muskelzellen, Nierenversagen, Eiweißverlust….zu rechnen ist mit einem Koma. An 60 Tagen und Nächten sitzt er am Bett seiner Frau. Am 2.1.1999 empfängt er den Anruf des Hausarztes nach dessen Rücksprache mit den behandelnden Ärzten des Krankenhauses München Schwabing: „Es steht auf Spitz und Knopf“ .

Ab 4. Januar gibt es dort keinen Zweifel mehr: Verantwortlich ist Lipobay. Ein behandelnder Arzt telefoniert mit BAYER - dort wird abgeblockt, die Vernebelung beginnt. Ärzte und Schwestern des Krankenhauses München Schwabing retten das Leben der Patientin. Es bleiben Schäden - innerlich, äußerlich.

Der Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef des BAYER Konzerns, Herr Wenning, lügt, als er in den Medien allen Geschädigten eine angemessene Entschädigung verspricht. Die international renommierte Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer erhält den Auftrag, die Ansprüche der Opfer abzuweisen. In Amerika zahlt der Konzern in den folgenden Jahren mehr als 1,2 Milliarden Dollar für Vergleiche um ein Schuldanerkenntnis zu vermeiden. In Deutschland hat der Konzern die Gerichte auf seiner Seite.

Freshfields Bruckhaus Deringer - Lügen und Arroganz

Brief der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer vom 12. Oktober 2005 an den Ehemann des Opfers.

„...dass der lebensbedrohende Krankheitsverlauf Ihrer Ehefrau, nicht wie von Ihnen angenommen, auf das Medikament Lipobay zurückgeführt werden kann.“

„...sind die angeführten Erscheinungen nicht als Nebenwirkungen von Lipobay bekannt und lassen sich auch durch die Wirkungsweise von Lipobay nicht erklären.“

„...allenfalls die bei Ihrer Frau aufgetretene und in wenigen Tagen ausgeheilte Muskelerkrankung (Rhabdomyolyse) auf die Einnahme von Lipobay zurückzuführen sein könne.“

„...nicht einmal mit Sicherheit feststeht, dass die Rhabdomyolyse durch die Einnahme von Lipobay ausgelöst worden ist. Dennoch führt BAYER auf der Basis eines für Ihre Frau günstigeren Wahrscheinlichkeitsmaßstabes Vergleichsgespräche mit Ihnen“.

(FERENC MOLNÁR: Wenn die Stunde der Wahrheit kommt, gibt es nur eines: lügen, lügen, lügen.)

In Deutschland macht sich Anwalt Dietmar Knopp von Freshfields Bruckhaus Deringer auf seine Rundreise zu den Opfern, um deren berechtigte Forderungen zurückzuweisen.

Besuch des Anwalts Dietmar Knopp bei den Eheleuten Groebl am 15.9.2005

Herr Knopp stellt vage eine Entschädigung von 2.000 bis 3.000 Euro in Aussicht und verlangt Vertraulichkeit. Die Eheleute Groebl nennen die Ausführungen des Anwalts eine Beleidigung und lehnen das „Almosen“ des Konzerns ab - allein die ihnen bis dahin direkt entstandenen Kosten sind höher. Adolf Groebl fährt den Anwalt von Freshfields Bruckhaus Deringer an diesem 15.9.2005 mit seinem eigenen Auto zum Franz Josef Strauss Flughafen und wünscht ihm einen guten Rückflug.

Am 11. Mai 2006 sendet die Kanzlei eine schriftliche Vergleichsvereinbarung. In dieser bietet der Konzern jetzt eine Entschädigung von fünftausend Euro an. Vorausgesetzt wird jedoch eine strenge Sprachregelung und Schweigepflicht. Der Vertrag enthält ferner die Ankündigung einer Vertragsstrafe.

Zitat: „Frau Groebl trägt dafür Sorge und steht dafür ein, dass das nach Maßgabe der Ziffer 5.1 vereinbarte Stillschweigen in gleicher Weise von Personen aus ihrem persönlichen Umfeld, insbesondere von ihrem Ehemann Adolf Groebl und von den sie behandelnden Ärzten gewahrt wird...Über evtl. Anfragen von Medienvertretern werden Frau Groebl oder die in Ziffer 5.2 genannten Personen die BAYER VITAL GmbH oder Herrn Rechtsanwalt Dietmar Knopp, Frankfurt am Main, sofort informieren....“

Die Eheleute weisen auch dieses Entschädigungsangebot zurück. Sie verweigern einen Maulkorb. Die Folge ist, dass der Konzern keinerlei Entschädigung zahlt.

Der Spiegel und die Abhängigkeit der Medien

„Das Schweigegeld“ in Spiegel Nr. 17 vom April 2007

Die Journalistin Barbara Hardinghaus denkt an die große „Story“. Unter der Rubrik Gesellschaft hatte sie bisher kleine Geschichten geschrieben, weit entfernt von investigativem Journalismus. Die Eheleute glauben noch an das „alte“ Image des SPIEGEL. Aber - so etwa Tina Mendelsohn in Kulturzeit - „Der Spiegel bringt Histörchen, nicht das was ist“.

Die Journalistin besucht viermal die Eheleute, erhält sämtliche Dokumente wie Arztbrief, Krankenhausberichte, Protokoll des Krankheitsverlaufs, selbst Auszüge aus dem Tagebuch des Ehemanns. Und sie sieht bei den Eheleuten auch die Bandaufnahme der Sendung von FRONTAL 21 vom 21 August 2001.

Im Gespräch mit den Hausjuristen von BAYER und Anwalt Knopp von Freshfields Bruckhaus Deringer in der Konzernzentrale lässt sie sich überzeugen, dass die Opfer des Konzerns nur den großen Reibach machen wollen. Noch vor der Hauptversammlung von BAYER erscheint ihr sechsseitiger Artikel. Er erinnert an den Ausspruch des langjährigen Herausgebers der New York Times, John Swainton:

„Wir sind Werkzeuge und Hörige der Finanzgewaltigen hinter den Kulissen. Wir sind die Marionetten, die hüpfen und tanzen, wenn sie am Draht ziehen. Unser Können, unsere Fähigkeiten und selbst unser Leben gehören diesen Männern. Wir sind nichts als intellektuelle Prostituierte“. Der Artikel des SPIEGEL aber hat das intellektuelle Niveau einer Boulevard-Zeitung.

Zitat: „Ein Rentnerehepaar aus Bayern gehört zu den seltsamsten Klägern - es will keine Abfindung...“ Das Ehepaar findet sich nicht seltsam - es hat einen Maulkorb abgelehnt.

Das Urteil: Un juicio inédito a un laboratorio extranjero.

Schon im Februar 2010 wirft der Gerichtshof von Comellà de Llobregat, einem Vorort von Barcelona, dem BAYER-Konzern schuldhaftes Verhalten vor und verurteilt ihn zu einer Strafzahlung von 145.000 Euro an den Kläger Cayo Yánez, der nach der Einnahme von Liposterol ein Nierenversagen erlitten hat.

In Argentinien zieht sich das Verfahren gegen BAYER über neun Jahre hin. Der Kläger, Flavio Rein, hat nach der Einnahme des Cholesterin-Senkers, vergleichbar mit dem hier beschriebenen deutschen Opfer, schwere Muskelschädigungen (Rhabdomyolyse), Sehstörungen und Nierenschäden erlitten. Das Gericht spricht ihm eine Entschädigung von 968.000 Pesos (etwa 160.000 Euro) zu. Der Gerichtshof von Buenos Aires stellt eindeutig die Schuld des Konzerns fest. Die Anwältin von Flavio Rein, Patricia Venegas, Jura-Professorin an der Universität von Buenos Aires:

„Mit außergerichtlichen Vergleichen wollte BAYER bisher den kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Lipobay und schweren Gesundheitsschäden leugnen. Jetzt steht es schwarz auf weiß fest."

Für deutsche Gerichte steht das nicht fest. Das BAYER-Kreuz blendet die Staatsanwaltschaft Köln. Konzerne wie BAYER machen Politik, diktieren Gesetze, sprechen Recht, beherrschen die Medien.

Die Millionensummen, die BAYER weltweit für den Lobbyismus ausgibt - davon im Jahr 2012 in den USA mehr als 260.000 Euro für den Wahlkampf der Republikaner (honi soit qui mal y pese) - hätten sicherlich ausgereicht, die Opfer von Lipobay in Deutschland angemessen zu entschädigen, zählt man noch die Honorare für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Derringer hinzu - unter anderem für die Lipobay-Tournee ihres Herrn Dietmar Knopp.

Epilog

Die Fahne des Konzerns weht nicht auf Halbmast. Wie viele Tote rechtfertigt die Gewinnmaximierung? Müssen in unserem, von Politikern so oft gepriesenen, Wertesystem die Nebenwirkungen von Gewissenlosigkeit und Gier als Collateral-Schäden hingenommen werden? Darf der Aktienkurs das Maß aller Dinge sein?

[Groebl] Lipobay

CBG Redaktion

Der Fall Groebl

Mechthild Groebl erlitt durch die Einnahme von Lipobay eine lebensbedrohliche Rhabdomyolyse. Nach wochenlangem Aufenthalt auf der Intensivstation überlebte sie nur Dank glücklicher Umstände.
Der BAYER-Konzern wies jede Verantwortung von sich. Zwar wurde ein geringes Schmerzensgeld angeboten, dies wäre jedoch mit einem „Maulkorb“ verbunden gewesen: weder Frau Groebl noch ihre Angehörigen hätten sich zu dem Fall weiter äußern dürfen. Die Groebls lehnten ab.
Obwohl firmeninterne Papiere belegen, dass dem Unternehmen die Gefahren des Präparats schon vor der Markteinführung bekannt waren, wurde eine Strafanzeige der Groebls abgewiesen. Der Fall steht somit exemplarisch für den Umgang mit Pharma-Opfern und den Einfluss der Industrie auf Politik, Justiz und Behörden.

=> Das ungesühnte Verbrechen? Zeugenbericht eines Angehörigen

=> Artikel “BAYER speist Lipobay-Opfer ab”

=> Die Ablehnung der Strafanzeige im Wortlaut

=> Artikel: Das LIPOBAY-Desaster

=> Risiken waren BAYER bekannt: Artikel New York Times, weitere Infos, die Klage einer ehemaligen BAYER-Angestellten mit der vollständigen Klageschrift

[Gronewaudt] Testimonials

CBG Redaktion

Mit Hilfe der jahrzehntelangen Aufklärungsarbeit der CBG könnten wir jetzt endlich „mittelalterliche Zustände“ verlassen...
Immer wieder zeigt sich die dringende Notwendigkeit einer weiteren Demokratisierung - insbesondere der Wirtschaft - um den Schutz von Schöpfung und Menschenrechten gewährleisten zu können!

Jens Gronewaudt, langjähriges Mitglied

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[Erika Sievers] Testimonials

CBG Redaktion

Seit 2001 sind wir Mitglied der CBG. Wir sind froh, dass es Sie gibt, denn Sie recherchieren, decken auf und legen den Finger in die Wunde. Ihre Arbeit ist weit gefächert: Sie decken die Risiken von Gerinnungshemmern und die tödlichen Machenschaften um Pharma-Studien auf, entlarven die Profiteure der Massentierhaltung (Antibiotikamissbrauch!), hinterleuchten das Bienensterben, kämpfen gegen Gentechnik etc, etc. Bitte machen Sie weiter! Wir wünschen Ihnen noch viele Mitglieder, die Sie finanziell unterstützen.

Erika Sievers

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