Beitrag veröffentlicht im Januar 2000
Risiken der Hormonspirale Mirena
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist M. Th.
Diejenigen unter Ihnen, die bereits letztes Jahr hier waren, kennen mich noch. Für alle anderen sei gesagt: Herr Dr. Dekkers ist mir einige Antworten schuldig geblieben. Herr Dr. Dekkers, ich hoffe, dass Sie ein paar Minuten ihrer Zeit opfern konnten, um sich zur Mirena (IUS-20) zu informieren.
Die Mirena ist eine Hormonspirale, die sowohl verhütend wirkt als auch bei starken Regelblutungen eingesetzt wird. Und hier möchte ich Sie erneut fragen:
Warum werden in der aktuellen Werbebroschüre bestimmte starke Nebenwirkungen nicht angegeben und andere verharmlost? Warum wird der Libidoverlust dort nicht angegeben? Nach der Charta der sexuellen und reproduktiven Rechte von 1995 ist eine Aufklärung der Frauen verpflichtend! Die Frauen müssen eine aufgeklärte Entscheidung treffen können. Warum klären Sie also in Ihrer Werbebroschüre nicht umfassend auf? Bei einem sicheren Produkt muss doch nichts verschwiegen werden?
Bis Juni 2012 gingen zur Mirena 45 000 Beschwerden (Rottenstein Law Group) bei der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA ein. Sind diese Frauen ausreichend informiert worden? Glauben Sie wirklich, dass Ihre Werbebroschüre die Frauen hinsichtlich der Risiken ausreichend aufklärt?
Allein zwischen 2008 und 2012 gab es im englischsprachigen Gesundheitsportal „e-Health Me“ über 65000 Berichte über zum Teil sehr schwere Nebenwirkungen. Sind diverse Formen von Krebs wie Brustkrebs, Blutvergiftungen, ektope Schwangerschaften, Unterleibsinfektionen mit daraus resultierender Unfruchtbarkeit und sogar Todesfälle nicht erwähnenswert? Mirena stiehlt vielen Frauen wertvolle Jahre an Lebensqualität und macht unzählige davon bleibend krank.
Mütter sind die Zielgruppe der Mirena. Glauben Sie, dass die Mütter auf dieser Basis Ihre Produkte weiterempfehlen? Es gibt schon zahlreiche Erfahrungsberichte im Internet, wie die Videos zur Mirena auf Youtube!
Auf Dauer wird die Rechnung, Nebenwirkungen systematisch zu verschweigen und kleinzureden nicht aufgehen. Ein massiver finanzieller Schaden wird entstehen. Wie gedenken Sie das abzupuffern?
Im Fall der Pillen aus der Yasmingruppe stellte sich heraus, dass Sie sich verkalkuliert haben. Die Rücklagen haben bei Weitem nicht gereicht. Sogar jetzt sind noch lange nicht alle geschädigten Frauen damit abgegolten.
Für die Mirena ergibt sich 2012 ein Plus von 9,4% - aber: Das Plus kommt vor allem in den USA zustande. Also in dem Land, in dem laut Finanzvorstand Werner Baumann eine „Klageindustrie“ vorzufinden ist. Würden Sie sichere Produkte herstellen, glauben Sie nicht, dass die Amerikaner keine Angriffsfläche hätten?
Wieviel Rücklagen stellen sie also für Klagen bezüglich der Mirena zurück? Glauben Sie nicht, dass die Aktionäre davon wissen sollten, dass bereits JETZT zig Rechtsanwaltskanzleien in Amerika Klagen wegen der Mirena organisieren? Diese Frauen wenden sich den Anwaltskanzleien zu. Die Risiken der Mirena wurden verschwiegen und runtergespielt. Die FDA hat Sie diesbezüglich 2009 bereits gerügt. Sind Sie sich sicher, dass dies der richtige Weg ist?
Amerika ist ein Vorbild für europäische Gerichtsverfahren. Können Sie uns Aktionären garantieren, dass in Europa keine Klagen größeren Umfangs hereinbrechen werden?
Gut, wie es aussieht, sind Sie dabei, der Mirena ein neues Gesicht zu verpassen. Laut Dr. Flemming Ornskov hat die Skyla (IUS-12) junge Frauen zur Zielgruppe, die an einer geringeren Hormondosis interessiert sind – bei gleicher Verhütungssicherheit, mit dem gleichen Hormon. („Life PR“ (Berlin 14.12.2011))
Die Skyla kommt mit gut der halben täglichen Hormonfreisetzung als die Mirena aus. Trotzdem brechen über 21% der Skyla-Anwenderinnen die Behandlung in einer Studie wegen Nebenwirkungen ab. Skyla soll doch so eine niedrige Dosis freisetzen.
Auch in der Werbebroschüre zur Mirena wird stets betont, wie leicht dosiert diese sei. International angesehene Fachzeitschriften bestätigen hingegen den vorzeitigen Abbruch (BJOG 2005/2007, Gynecological Endokrinology 2009) der Mirena-Anwendung bei bis zu 60% der Frauen auf Grund starker Nebenwirkungen. Warum kommen Sie hier mit nur gut der halben täglichen Hormonfreisetzung aus als mit Mirena?
Warum wird gerade eine neue 5-Jahresspirale (IUS-16) mit deutlich niedrigerer täglichen Hormonfreisetzung getestet, wenn die Mirena so „light“ und so gut verträglich sein soll? Zweifeln Sie an Ihrem Produkt?
Auch bei einer „light-Zigarette“ muss ein Warnhinweis auf der Verpackung stehen. So kommen Sie doch endlich Ihrer vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Verpflichtung nach, uns Verbraucher umfangreich und wahrheitsgemäß zu informieren. Seit 2007 müssen Frauen vor dem Einlegen der Mirena einen Einverständnisbogen unterschreiben. Warum werden darin häufige und gravierende Nebenwirkungen wie Depressionen, Nervosität und Libidoverlust nicht erwähnt?
Auf zwei eng beschriebenen Seiten wäre doch wahrhaftig genügend Platz dafür! Gerade auf solche unspezifischen Symptome müsste besonders nachdrücklich hingewiesen werden, damit ein Zusammenhang zum Verhütungsmittel überhaupt erkannt werden kann! Gerade bei der neuen Zielgruppe von Skyla bzw. der neuen 5-Jahresspirale, die noch nicht die Zulassung erreicht hat. In dieser Form dient der Einverständnisbogen nicht zur Aufklärung, sondern zum Verschleiern der Nebenwirkungen.
Damit für andere Frauen nicht auch, wie für mich zur traurigen Erkenntnis wird: „Bayer - Science for a horrible life“.
Verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
Guten Tag Herr Wenning und die weiteren AR-Mitglieder und danke für die Einladung,
Guten Tag auch an Sie Herr Dr. Dekkers und weitere anwesende Vorstände,
Die Hauptversammlung ist der Tag der Berichte und der Rechenschaft gegenüber den Aktionären und deshalb hat auch dieses Jahr wieder eine Bayer langjährig verbundene, treue Aktionärsfamilie mich gebeten, hier zu Ihnen zu sprechen, was ich auch gerne tue.
Dazu muss ich zunächst mein Erstaunen darüber ausdrücken, dass Sie Herr Dekkers und Ihre Vorstandskollegen sich in ihren schriftlichen Berichten zu dem langandauernden Problemfall CO-Pipeline mit Informationen so auffällig zurückhalten. Sie sollten es aber als Ihre Pflicht Ihren Aktionären gegenüber betrachten, über Risiken für deren Kapitalanlage zu informieren, diese offenzulegen
statt zu verstecken; Und auch zu sagen, wo Sie deren Geld weiter verbuddeln wollen.
Bayer oder besser BMS hat doch im Jahr 2012 einen umfangreichen Planänderungsantrag zur CO-Pipeline nachgereicht. Die dort angekündigten „Nacharbeiten“ sollen Bayer weitere Millionen kosten und das dürfte den Aktionären gar nicht schmecken. Im letzten Jahr haben mehr als 24.000 Menschen
- weit mehr Menschen als BayerMaterialScience weltweit überhaupt beschäftigt -Einwendungen dagegen bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingereicht. Diese Einwendungen sollen im November diesen Jahres in der GRUGA-Halle diskutiert und verhandelt werden und Bayer wird das ebenso wie die Bearbeitung der Einwände zu bezahlen haben, wie die Bezirksregierung verlauten ließ.
Dazu habe ich in Ihrem Geschäftsbericht nichts entnehmen können, Seltsam!
Ihre im Frühjahr 2007 begonnene Pipeline rottet im rheinischen Boden also seit Jahren vor sich hin und Bayer steht noch in diesem Jahr ein sehr schwieriger Prozeß beim Oberverwaltungsgericht in Münster bevor. Die Richter dort haben bereits im Jahr 2007 mächtige Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens geäußert. weit mehr noch, als das Verwaltungsgericht Düsseldorf, das im Mai 2011 das Verfahren früher als geplant beendete und zu dem Urteil „rechtswidrig und nicht vollziehbar“ aber auch „nachbesserbar“ kam und zur Berufung freigab. Seltsam , dass Sie Herr Dr. Dekkers und wohl auch Ihre Kollegen zu diesen „rechtlichen Risiken“ keine Silbe für nötig halten. Machen sie das, weil sie dazu keine unternehmerische Entscheidung treffen wollen oder möchte der neue Aufsichtratsvorsitzende und ehemalige Verantwortliche für das Desaster Herr Wenning das nicht mehr hören ?
Als drittes Problem möchte ich erwähnen, dass gerade in jüngster Zeit die Bomben-Gefahr wieder virulent geworden ist. So wurde in Duisburg nur 80 Meter neben der CO-Pipeline eine weitere Bombe mit dem hochriskanten, weil unberechenbaren Säurezünder ausgemacht. Bei dem Bombenproblem hat Bayer als Auftraggeber zugesehen, wie die Baufirma Wingas massiv gegen Vorschriften verstoßen und sogar Aufsichtbehörde und Landesregierung belogen hat.
So kann niemand mit Gewissheit sagen, was dort und anderswo nahe oder sogar unter der CO-Pipeline noch an Risiken schlummert. Denn die Trasse wurde niemals ordentlich auf Bomben untersucht.
Das ist für Bayer als Pharma und Life-Science-Unternehmen ein böses Glaubwürdigkeitsloch und droht ein Imagedesaster zu werden?
Das Manager Magazin berichtete jüngst über eine Befragung von 30.000 Studenten in Deutschland. Danach haben speziell bei Absolventen der Wirtschaftswissen-schaften Arbeitgeber aus Süddeutschland einen deutlich besseren Ruf als NRW-Unternehmen. Und auch Bayer gehört leider zu den NRW-Konzernen, die bei vielen Studenten eher unbeliebt sind; Bayer liegt danach erst auf dem 48.Rang! Eine ziemliche Bürde, die Sie sich aufgeladen haben, angesichts des immer schärferen zukunftigen Wettbewerbs um „die besten Köpfe“. Da ist wohl noch Einiges aufzuarbeiten und möge Ihnen das gelingen!
Gelingen wird das aber nur, wenn Bayer es schafft, offen und ehrlich zu informieren.
Sie als Aktionäre haben Anspruch auf klare und vollständige Information. Sie sollten den Vorstand aufforden, von „Toten Pferden wie dem CO-Pipeline-Projekt“ möglichst schnell abzusteigen und dies zu beenden, um weitere Risiken und weitere Geldausgaben und größeren Imageschaden zu vermeiden!
Vor dem seit nunmehr sechs Jahren andauernden Bürgerproteste entlang der Pipelinetrasse scheinen die Verantwortlichen sich hierzu in ein Schweigegelübde flüchten zu wollen. Leider machen sie noch nicht das, was Manager eigentlich tun sollen; nämlich Probleme zu bereinigen und sich nicht von Ihnen gefangen halten lassen.
Mehr als 110 000 Bürgerinnen und Bürger haben sich mit ihrer Unterschrift gegen die Pipeline ausgesprochen. In den Trassenkommunen mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern hat sich die Lokalpolitik eindeutig gegen dieses Projekt ausgesprochen und Bayer wird sich weiter mit mehr als 40 Klagen herumschlagen müssen.
Machen Sie das den Verantwortlichen mit einem Beifall jetzt und später bei Ihrer Stimmabgabe deutlich: Änderung und Konsequenz ist Fortschritt und Festhalten an Verlorenem bedeutet Stillstand - Also schicken Sie die CO-Pipeline in die Wüste! Ich Danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und gerne von Ihnen Minheer Dekkers mit:
Tot ziens! und auf ein hoffentlich weiter erfolgreiches Unternehmen Bayer!
Rede von Dr. Gottfried Arnold
Sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstandes,
sehr geehrter Herr Dekkers, sehr geehrter Herr Wenning,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe hier 1 Schnapsglas und ein Weinglas mitgebracht als Symbol für die Gefährlichkeit von Kohlenmonoxid. Warum? Ich möchte als Kinderarzt einige Bemerkungen zur Bayer-Pipeline für hochgiftiges Kohlenmonoxid von Dormagen nach Krefeld machen. Wenn ein gesunder Mensch 30 ml, die Menge eines Schnapsglases, an reinem Kohlenmonoxid einatmet, wird er bewusstlos und damit fluchtunfähig; 130 ml töten einen Menschen. Zum Vergleich ein mittlerer Atemzug eines Erwachsenen beträgt 500 ml. Dieses Gift soll hochrein durch diese Leitung gehen: 1 ATEMZUG KANN also TÖTEN!
Danke, Herr Wenning, dass Sie schon früh die Landtagsabgeordneten darauf hingewiesen haben, dass CO giftig ist. Herzlichen Glückwunsch an Sie und an den Bayermitarbeiter Karl Kress, der sich als CDU-Abgeordneter im Landtag mit soviel positiver Energie eingesetzt hat. Dadurch ging das Pipeline-Gesetz OHNE JEDE DISKUSSION und OHNE EINE GEGENSTIMME durch den Landtag von NRW.
Alles wäre ja so schön gewesen, wenn da nicht die wachsamen Bürger und Bürgerinitiativen wären. In nur 6 Wochen haben sich im Jahr 2012 mehr als 24.000 Bürger gegen Ihr Projekt ausgesprochen und zwar mit der gleichen Einstimmigkeit: Landrat und Bürgermeister, die Feuerwehren und die lokalen Politiker – alle leisten anhaltend Widerstand gegen Ihr Pipeline-Projekt. Außerdem haben sich mehr als 450 Ärzte gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline ausgesprochen, weil sie das toxikologische Risiko als extrem hoch und die Behandlungsmöglichkeiten als extrem gering einschätzen. Ob das Ihre Aktionäre gut finden, wenn Sie die Multiplikatoren Ihrer Pharma-Produkte in eine zunehmende kritischere Position bringen? In der Pipeline-Region sind Ihre Produkte inzwischen bei vielen Menschen unerwünscht!
Dieses Projekt ist ja auch für Sie nervend, Herr Dekkers, es zieht sich in die Länge mit der vernichtenden Negativ-Reklame. Dann gab es auch noch einen Insider, einen Whistleblower, der Ihre Schandtaten publik gemacht hat. Am 24.2.10 musste Ihr Dr. Hinderer im Landtag in aller Öffentlichkeit zugeben, den Landtag belogen zu haben. Sie haben bewusst die Prüfung auf Kampfmittel im Bereich der Trasse unterlassen. Damit gefährden Sie einerseits die Menschen vom Kampfmittelräumdienst und die Pipeline-Bauarbeiter, andererseits die Bevölkerung an der Pipeline. Besonders die Duisburger Schwerindustrie wurde im 2. Weltkrieg heftig bombardiert. Allein in der Nähe der Duisburger Trasse sind bisher 5 Bomben gefunden worden, zum Teil mit tückischen Säurezündern. Dieses Verhalten steht in krassem Gegensatz zu Ihren Beteuerungen, sie täten alles für die Sicherheit der Bevölkerung.
Besser sieht es mit Ihrem Leckerkennungssystem LEOS auch nicht aus. Ich zeige hier noch mal das Schnapsglas (30ml) für die eingeatmete Kohlenmonoxid-Menge, die bewusstlos und fluchtunfähig macht und das Weinglas (130 ml) als Symbol für Tod. Ihr Leckwarnsystem schlägt günstigstenfalls Alarm, wenn mehr als 100 l CO/Std aus der Leitung verloren gehen. Wenn dieses System aber gerade beim Messen ist, dann können Sie nur ein Leck wahrnehmen, bei dem mehr als 60 m³/Std austreten. Nochmal, dann können 60.000 l Kohlenmonoxid/Std unbemerkt entweichen, wo doch 0.13 l schon töten. Finden Sie das nicht auch kriminell?
Wenn die Leckerkennung so grottenschlecht ist, macht es auch nichts mehr aus, wenn die Leitung und der Leckerkennungsschlauch teilweise in ton- und lehmhaltige Erde gelegt worden sind. Lehm und Ton ? Haben Sie das nicht auch zum Abdichten Ihrer Deponie an der Dhünn benutzt? Richtig, deshalb wird ein Leck vielleicht erst auffallen, wenn das ausgetretene Gas Tausende Opfer gefordert hat.
Folgerichtig hat auch die Bezirksregierung Ihrem AllgemeinenGefahren-AbwehrPlan (AGAP) nach all den Jahren immer noch nicht zugestimmt. Schließlich dürfen die Feuerwehren ihr Personal aus Gründen des Selbstschutzes nicht in die Hölle einer CO-Wolke unbekannter Größe schicken.
Und jetzt zum Schluß kommt der Clou. Der Grund für die CO-Pipeline ist entfallen: Sie wollten für die neue TDI-Anlage in Dormagen den CO-Reformer bauen, den die Bürgerinitiativen Ihnen schon lange empfohlen hatten. Überholt ist zwischenzeitlich auch dieser Plan, da sie jetzt die subventionierten Polycarbonat-Produktion aus CO2 betreiben wollen. Damit brauchen Sie gar kein CO mehr für die Kunststoff-Produktion. Fassen Sie sich ein Herz, Herr Dekkers, und beenden Sie dieses menschenverachtende CO-Pipeline-Projekt, bevor es die Gerichte tun.
Dieses Projekt lassen wir in NRW uns nicht gefallen!
„Zum Wohl“ !
Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren
Liebe Aktionärinnen
Im Foyer sehen wir die Ausstellung zum 150. Geburtstag des Bayer-Konzerns. Über Leverkusen ist kürzlich zum Jubiläum sogar ein Zeppelin aufgestiegen.
Das Thema scheint Ihnen also wichtig zu sein. Und auch der Geschäftsbericht enthält eine Zeitleiste zu „150 Jahren Bayer“.
Darin finden wir u.a.:
1884: Carl Duisberg beginnt seine Arbeit bei BAYER
1899: Erfindung Aspirin
1939: Nobelpreis für Entdeckung Sulfonamide
Lauter schöne Dinge finden wir dort also.
Trotzdem stellt sich mir die Frage:
=> Warum, Herr Wenning, Herr Dekkers, picken Sie sich in Ihrer Selbstdarstellung mal wieder die Rosinen heraus?
=> Warum haben Sie nicht die Größe, auch zu den Schattenseiten Ihrer Geschichte zu stehen?
Fangen wir mit dem eben erwähnten Aspirin an:
Niemand bestreitet, dass Aspirin ein wirksames Schmerzmittel ist. Auch zur Blutverdünnung ist der Einsatz häufig sinnvoll.
Aspirin kann zwar schwere – mitunter tödliche – Nebenwirkungen verursachen. Aber: insgesamt ist Aspirin ein wertvolles Präparat. Das können Sie gerne feiern.
Aber warum lassen Sie unter den Tisch fallen, dass BAYER quasi zeitgleich mit Aspirin das Präparat „Heroin“ auf den Markt gebracht, u.a. als Hustenmittel für Kinder?
Auch zur Behandlung von Schmerzen, Depressionen, Bronchitis, Asthma, Magenkrebs wurde Heroin eingesetzt. => Heroin wurde als wahrer „Tausendsassa“ vermarktet.
Nach nur einem Jahr wurde das Präparat in 20 Länder verkauft und machte 5% des Umsatzes.
Heroin und Aspirin wurden nicht nur zeitgleich entwickelt, es wurde auch eine gemeinsame Werbekampagne für beide Präparate gestartet.
Es ist nicht so, dass die Risiken von Heroin damals nicht bekannt gewesen wären. Schon wenige Monate nach der Markteinführung warnten Ärzte vor dem Suchtpotential.
Und schon damals wurde mit harten Bandagen gekämpft. Carl Duisberg, seinerzeit Bayer-Prokurist, empfahl, die Gegner von Heroin „mundtot zu schlagen“, wenn diese behaupteten, das Präparat sei nicht sicher.
Herr Dekkers: das ist auch Teil Ihrer Historie!
Wo wir gerade bei Carl Duisberg sind:
Warum finden sich nirgendwo in ihren Publikationen Hinweis darauf:
=> Duisberg war im 1. Weltkrieg persönlich an der Erforschung von Giftgasen wie „Grünkreuz“ und „Senfgas“ beteiligt; er testete diese an der Front und forderte vehement ihren Einsatz. Damit verstieß er wissentlich gegen die Haager Landkriegsordnung.
=> Zur selben Zeit, 1916, forderte Duisberg den Einsatz von Zwangsarbeitern aus Belgien. Die Reichsregierung griff den Vorschlag von Duisberg auf; rund 60.000 Belgier wurden deportiert. Historiker bezeichnen diese Deportation als Blaupause für das Zwangsarbeiter-Programm im Dritten Reich.
=> 1. Weltkrieg: Duisberg forderte die Annexion von Belgien, Nordfrankreich und (wörtlich) von: “deutschem Lebensraum in Polen und Russland. Der selbe Terminus wurde später von Nazis verwendet
=> Ende 20er Jahre: Duisberg beteiligte sich an der illegalen Aufrüstung der Reichswehr
Carl Duisberg ist Zeit seines Lebens für Profit über Leichen gegangen
Daher eignet er sich nicht als Vorbild.
Meine Frage an Sie, Herr Dekkers, lautet:
Warum lassen Sie die Unternehmensgeschichte nicht endlich von unabhängigen Historikern untersuchen und ungeschönt darstellen? Damit meine ich explizit nicht Leute wie Ihren Haus- und Hof-Historiker Werner Plumpe, sondern unabhängige Experten.
Herr Dekkers, Sie kommen von außen.
Anders als Ihr Vorgänger haben Sie nicht Jahrzehnte bei Bayer verbracht. Sie hätten die Möglichkeit, die Geschichtsklitterung ihrer Vorgänger endlich zu beenden!
Herr Dekkers: Vor wenigen Wochen haben Sie in Berlin den „Familie Hansen Preis“ übergeben. Benannt nach Kurt Hansen, einem Ihrem Vorgänger.
Kurt Hansen war ein Nazi. Kurt Hansen ist bereits 1931 in die NSDAP eingetreten. Bei den IG FARBEN hatte Kurt Hansen eine zentrale Rolle inne: Er war Leiter der sog. „Zentralstelle für Rohstoffbeschaffung“.
Diese „Zentralstelle“ spielte eine entscheidende Rolle bei der Plünderung der eroberten Länder. Denn die IG Farben folgte der Wehrmacht auf dem Fuße und übernahm in den eroberten Ländern Europas meist innerhalb weniger Wochen die dortigen Chemiewerke, Kohlegruben, Ölförder-Einrichtungen etc.
In Polen, in Frankreich, auf dem Balkan und auch in Ihrer Heimat, Herr Dekkers, den Niederlanden. Organisiert wurde dieser Raubzug u.a. von Kurt Hansen.
Herr Dekkers, ich frage Sie:
=> Wie lange noch wollen Sie den Familie Hansen-Preis verleihen?
=> wie lange will sich BAYER in die Tradition von Kriegsverbrechern stellen?
Kein anderer deutscher Konzern war so eng mit dem NS-Regime verknüpft wie die IG Farben. BAYER als Teil der IG Farben war somit an den grässlichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte beteiligt:
=> ab 1941 baute die IG eine riesige neue Fabrik, und zwar ausgerechnet in Auschwitz. Zur Unterbringung Tausender Sklavenarbeiter betrieben die IG Farben ein firmeneigenes KZ (bekannt aus dem erschütternden Buch von Primo Levi „Ist das ein Mensch“). Die Lebensdauer der Arbeiter auf der Baustelle betrug im Schnitt drei Monate. Ca. 30.000 Menschen kamen ums Leben.
Doch das ist leider nicht alles:
=> Die Firma Degesch, Tochterunternehmen der IG Farben, lieferte Zyklon B für die Gaskammern
=> In den Laboren von BAYER (Wuppertal) wurden auch im Dritten Reich chemische Kampfgase entwickelt und produziert. Der Erfinder von SARIN und TABUN, Dr. Gerhard Schrader, leitete nach dem Krieg übrigens die Pestizidabteilung von BAYER.
=> In den Nürnberger Prozessen beschäftigte sich ein eigenes Verfahren mit den Verbrechen der IG Farben. Ein Zitat aus der Urteilsschrift: „Unstreitig sind verbrecherische Experimente von SS-Ärzten an KZ-Häftlingen vorgenommen worden. Diese Experimente sind zu dem ausdrücklichen Zweck erfolgt, die Erzeugnisse der IG Farben zu erproben.“
An anderer Stelle heißt es in dem Urteil: „Die IG FARBEN waren wissentlich und an führender Stelle am Aufbau und der Produktion des deutschen Rüstungspotenzials beteiligt“.
Das Handelsblatt brachte es kürzlich in einer Schlagzeile gut auf den Punkt: „Der Konzern, der Hitler den Weltkrieg ermöglichte“
Herr Dekkers, bis vor wenigen Jahren hat der BAYER-Vorstand jedes Jahr einen Kranz auf das Grab von Fritz ter Meer legen lassen.
=> Wer war Fritz ter Meer?
Bei den IG Farben war ter Meer für den Bau des Buna-Werks Auschwitz verantwortlich. Bei den Nürnberger Prozessen war er als Kriegsverbrecher angeklagt.
Zum Schicksal der Sklavenarbeiter in Auschwitz fielen ter Meer folgende mitfühlenden Worte ein: „Ihnen wurde kein besonderes Leid zugefügt, da man sie ohnedies getötet hätte“. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe konnte ter Meer seine Karriere ungehindert fortsetzen; u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender von BAYER.
Herr Dekkers, Sie sind relativ neu hier. Wollen Sie sich wirklich in diese Tradition stellen?
In den 90er Jahren haben hier am Podium überlebende Zwangsarbeiter gestanden und haben von BAYER eine Entschuldigung verlangt. Helge Wehmeier, damals Vorsitzender Bayer USA, hat eine solche Entschuldigung ausgesprochen – allerdings nur als Privatperson.
Der deutsche Vorstand hingegen hat einen solchen Schritt abgelehnt.
Daher meine Frage: ist Bayer heute so weit, sich für die Mitverantwortung für den Völkermord im Dritten Reich, für Sklavenarbeit und Giftgasproduktion zu entschuldigen?
Auf der Bayer-website wird in dem Kapitel zur Geschichte die Rolle von BAYER im 2. Weltkrieg verharmlost bzw vollkommen ausgeklammert. Ebenso im Geschäftsbericht und in der Ausstellung, die z.Zt. um die Welt tourt.
Als ausführliche geschichtliche Darstellung liegt von BAYER lediglich das Buch „Meilensteine“ vor. Die „Meilensteine“ sind 25 Jahre alt. Die
Geschichte von BAYER wird auch darin verharmlost. Von Zyklon B, tödlichen Menschenversuchen und Giftgasproduktion ist darin keine Rede. Diese Publikation eignet sich nicht als abschließende Darstellung der Firmen-Historie!
Herr Dekkers, abschließend frage ich Sie:
=> wann stellen Sie sich einer rückhaltlosen und unabhängigen Untersuchung der Firmen-Geschichte?
=> sind Sie bereit, künftig auf Ihrer website und in Geschäftsberichten auf schöngefärbte Darstellungen zu verzichten?
=> sind Sie bereit, sich im Namen von BAYER für die Verbrechen des Konzerns zu entschuldigen?
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit
Fehlbildungen durch hormonale Schwangerschaftstests
Guten Tag. Mein Name ist Valerie Williams und ich spreche heute stellvertretend für die Opfer, die sich im Verein für durch hormonelle Schwangerschaftstests geschädigte Kinder in Großbritannien zusammengeschlossen haben. Ich spreche auch als Mutter eines Primodos-Opfers. Primodos, das in Deutschland unter dem Namen Duogynon auf dem Markt war, ist ein Medikament, das weitreichende Auswirkungen auf tausende Menschenleben, aber auch auf unsere Tier- und Pflanzenwelt hat und hatte.
Ich spreche heute von einer Tragödie, von entsetzlichen Missbildungen, die unzählige Menschen durch ihr Leben begleiten, weil sie in direkten Kontakt mit giftigen Chemikalien in Primodos/Duogynon gekommen sind. Als Primodos/Duogynon in den 50ern auf den Markt kam, konnte man Ihrem Beipackzettel unterschwellig entnehmen, dass dieses Medikament unseren Babys keinen Schaden zufügen würde.
Seither wurde eine Vielzahl an Forschungsergebnissen bekannt, die aufdecken, wie bemüht Sie waren, Ihre Integrität als angesehener Arzneimittelhersteller aufrechtzuerhalten und die erschütternden Auswirkungen, die Ihr Medikament Primodos/Duogynon auf den Fötus hatte, zu verschleiern.
Ich frage Sie: „Warum haben Sie, in Ihrem Bestreben, den Weltmarkt mit Ihrer Antibabypille zu erobern und eine „Östrogen-Dominanz“ herzustellen, entschieden, die gleichen chemischen Komponenten sowohl für die Pille als auch für Primodos/Duogynon zu benutzen, obwohl es sich um zwei völlig unterschiedliche Indikationen handelt?“
„Können Sie nachweisen, dass sowohl Primodos/Duogynon als auch die Pille vor mehr als 50 Jahren hinreichend als sicher getestet wurden?“
Wie viele Millionen Frauen auf der ganzen Welt glauben heute, dass die Einnahme der Pille als Verhütungsmethode sicher sei, wenn es doch seit 1986 bestätigte Anhaltspunkte gibt, dass der medizinische Leiter Ihrer Zweigstelle in Großbritannien, Dr. Briggs, seine eigenen Forschungsarbeiten vorsätzlich gefälscht hat. Zwei Monate vor seinem Tod im Jahr 2012 gestand Professor Briggs dem angesehenen Journalisten Brian Deer seine Betrügereien und Verschleierungsversuche hinsichtlich seiner gefälschten Studien zu Primodos/Duogynon und der Pille.
Können Sie bestätigen, dass es der Wahrheit entspricht, dass Dr. William Inman, der medizinische Leiter des Ausschusses für Arzneimittelsicherheit CSM in Großbritannien, vor dem Prozess in den 80ern als einer Ihrer Sachverständigen einen Ergänzungsbericht zu Ihren Gunsten geschrieben hat, und wenn dem so war, hat Dr. Inman von seiner Mitarbeit für Sie finanziell profitiert?
Ich möchte Sie gerne fragen, ob es wahr ist, dass Primodos/Duogynon eines Ihrer Hormonpräparate war, die während des Zweiten Weltkriegs im Rahmen von Experimenten an Gefangenen, in diesem Fall an Frauen, in Auschwitz erforscht wurden, als Bayer Teil der IG Farben war.
Ich möchte mich wiederholen: als Primodos/Duogynon in den 50ern auf den Markt kam, konnte man Ihrem Beipackzettel unterschwellig entnehmen, dass dieses Medikament unseren ungeborenen Babys keinen Schaden zufügen würde. Warum leugnen Sie seit den 70ern beharrlich, dass Primodos/Duogynon unsere Babys geschädigt hat? Wir haben mittlerweile hinreichend gegenteilige Informationen, um sagen zu können, dass Chemikalien in Primodos/Duogynon auch verwendet wurden, um Föten abzutreiben, zu töten, zu schädigen.
Wie tausende andere Mütter konnte auch ich zu dem Zeitpunkt, als mir Primodos/Duogynon 1974 als Schwangerschaftstest verschrieben wurde, nicht wissen, dass dies einen solch weitreichenden Schnitt für mein Baby bedeuten würde, ein Schnitt so tief, einhergehend mit furchtbaren Schäden die die Einnahme von synthetischen Östrogenen, die nicht hinreichend erforscht waren, nach sich zog.
Die Opfer von Primodos/Duogynon haben sich diesen Weg nicht ausgesucht, ihr Weg wurde von Primodos/Duogynon vorbestimmt, ihnen mit verheerenden Konsequenzen aufgezwängt. In Großbritannien wurde 2012 eine Mutter schuldig gesprochen und muss eine Gefängnisstrafe absitzen, weil sie wissentlich Medikamente genommen hat, um ihr ungeborenes Baby im achten Schwangerschaftsmonat abzutreiben. Bayer Schering wurde BISHER noch nie rechtlich belangt, obwohl Ihr eigener medizinischer Leiter in Großbritannien Sie drängte, das Präparat Primodos/Duogynon wegen Zweifeln an seiner Sicherheit vom Markt zu nehmen.
Bestreiten Sie, dass Ihre eigenen Forschungsstudien an Ratten zur Erforschung der Sicherheit von Primodos/Duogynon im Jahr 1961 ein hohes Vorkommen von Fehlgeburten bei Ratten ans Licht gebracht haben, und warum hat es dann bis 1969 gedauert, bevor Sie einen Warnhinweis herausgebracht haben, um Ärzte davor zu bewahren, ohne es zu wissen das Schicksal ungeborener Babys zu bestimmen, indem sie Primodos/Duogynon als Schwangerschaftstest verordneten? Ich habe heute eine Kopie dieser Forschungsstudie hier, die die Warnung vor dem Präparat bekräftigt.
Warum haben Sie keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen wie Ihr Konkurrent Roussel Pharma in Frankreich, der 1969 seinen hormonellen Schwangerschaftstest Ammenore Forte sofort vom Markt genommen hat, nachdem er von Ihrer Warnung gehört hatte?
Ist es Ihre Strategie, darauf zu warten, dass die Opfer von Primodos/Duogynon sterben, und diese unschuldigen Opfer so um jede Gerechtigkeit und die ihnen rechtmäßig zustehenden Entschädigungen zu bringen?
Sind Sie sich dessen bewusst, dass das British Medical Journal, dass bereits 1950 die Auswirkung von großen Dosen Stilboestrol und Eithisteron auf die Sterblichkeit von Föten untersucht hat, im Jahr 1980 herausgefunden hat, dass in der Gruppe der Frauen, die den Hormonen ausgesetzt war, mehr Tumoren, großteils gutartige Tumoren der Fortpflanzungsorgane, gemeldet wurden als in der Vergleichsgruppe? Außerdem wurden in der Gruppe der Frauen, die den Hormonen ausgesetzt war, vier Fälle von Brustkrebs gemeldet.
Im Jahr 2010 berichtete der damalige Gesundheits-Staatssekretär Mike OBrien dem Britischen Unterhaus, dass bei den Aufsichtsbehörden über die Jahre 3500 Meldungen über Nebenwirkungen der Wirkstoffe Norethisteron und Ethinylestradiol eingegangen seien, beides Komponenten von Primodos/Duogynon und der Pille. In drei Meldungen von Nebenwirkungen würde Primodos/Duogynon explizit erwähnt.
Haben Sie sich als Pharmaunternehmen und als Hersteller von Primodos klar gemacht, dass dieses Präparat nicht nur bei unseren ungeborenen Babys großen Schaden angerichtet hat, sondern auch in einem viel größeren Umfang unsere Wassersysteme auf der ganzen Welt verschmutzt hat? Ich frage Sie: „In welchem Umfang sind Sie bereit, dazu beizutragen, diese Entwicklung, die eine immer größere Schädigung der Menschen und unseres Planeten durch ihre Produkte bedeutet, umzukehren und ein viel grünerer Pharmakonzern mit einem menschlicheren und ökologischeren Gewissen zu werden?“
Sind Sie sich dessen bewusst, dass das Gremium der Vereinten Nationen hormonhemmende Chemikalien für eine weltweite Bedrohung hält? Hormonhemmende Chemikalien, wie Sie selbst sie herstellen und damit die wachsenden Risiken in Verbindung mit dem Anstieg hormonverändernder Chemikalien in Kauf nehmen.
Sind Sie sich der Bedenken der Europäischen Kommission bewusst, die seit 2001 sieben Milliarden Euro für Wissenschaftler in Cambridge, Großbritannien, für die Erforschung der potentiellen Auswirkungen von Chemikalien in unserer Umwelt zur Verfügung gestellt hat?
Ich bitte Sie als Aktivistin gegen einige Ihrer Chemikalien im Namen der Wissenschaft und im Namen der Menschlichkeit: Bitte hören Sie auf die sachkundigen Spezialisten, die sich mit der weltweiten Bedrohung für unsere Umwelt durch Chemikalien und mit der langfristigen Zerstörung unseres Planeten während der letzten 50 Jahre auskennen.
Ich bitte Sie als Aktionäre, die katastrophalen Veränderungen in unseren Wassersystemen, die einschneidende Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben werden, als direkte Folge der Verwendung von Primodos/Duogynon und der Antibabypille zu betrachten. In dem amerikanischen „Report on Carcinogens“, einem Bericht über krebserzeugende Substanzen aus dem Jahr 2011, wird eine Studie zitiert, die durchgeführt wurde, um die Präsenz von Hormonen in Wasserproben zu bestimmen. Diese gibt an, dass in 8% der amerikanischen Abwasservorkommen Spuren von Norethisteron entdeckt wurden.
Der britische Landwirtschaftsminister wusste schon vor einigen Jahren von den Untersuchungsergebnissen bezüglich dem Vorkommen von Norethisteron im britischen Wassersystem, und davon dass es dazu beiträgt, dass hermaphrodite, also zweigeschlechtliche, Fische hervorgebracht werden. Dennoch schwieg er zwei Jahre lang, bevor diese die Tier- und Pflanzenwelt betreffenden Untersuchungsergebnisse veröffentlicht wurden. Großen Mengen künstlicher weiblicher Hormone ausgesetzt zu sein, kann nur zur Entwicklung einer intersexuellen Generation bei Menschen und in der Tierwelt beitragen.
Sie haben nun von diesen deutlichen Beweisen, die gegen die Verwendung von synthetischen Östrogenen sprechen, gehört, und in Ihrer Funktion als Aktionäre sind Sie nun in einer Position, in der Sie Druck auf Bayer aufbauen können, und wenn es nur dazu dient, weiteren Schaden von zukünftigen Generationen abzuwenden.
Abschließend möchte ich feststellen, dass es falsch ist zu sagen, dass die Opfer von Primodos/Duogynon, besonders die, die in der Erprobungsphase wahllos ausgesucht wurden und das Präparat nehmen mussten - mit der Konsequenz, dass ihre Bays abgetrieben oder getötet wurden, oder aber mit teils schwersten Behinderungen zu Welt kamen - keine Bauernopfer waren. Heute gibt es für die Opfer keine größere Herausforderung als die, ihren größten Widersacher Bayer Schering dazu aufzufordern, zuzugeben, dass es ein Fehler war, die Anwendung von Primodos/Duogynon als Schwangerschaftstest zuzulassen und die Mittäter in der Britischen Regierung, die die Opfer verraten haben, statt sie zu unterstützen, mit den Auswirkungen zu konfrontieren.
Die Überlebenden dieses Horrormedikaments sind dazu bestimmt, voller Stärke und Mut weiterzuleben, und das Gesetz der Gerechtigkeit, die ihnen durch Korruption und Betrug bisher verwehrt blieb, in Frage zu stellen. Sie stellen sich ihrem eigenen Schicksal und denen, die ihnen ein Leben ohne Behinderung geraubt haben, während ständige Kontrolluntersuchungen und medizinische Check-ups sie durch ihr ganzes Leben begleiten werden. Und diese eine bohrende Frage bleibt unbeantwortet: „Wird Primodos/Duogynon auch weiterhin eine Gefahr mit unbekannten Nebenwirkungen für die Opfer und ihre Mütter bleiben, weil das Präparat vor 50 Jahren nur unzureichend erforscht wurde?“
Danke, dass Sie diesem Bericht über das, was wohl der größte Medikamentenschwindel des 21. Jahrhunderts sein dürfte, zugehört haben.
Antje Kleine-Wiskott zu Kohle-Verbrennung
Rede auf der Hauptversammlung der Bayer AG am 26.04.2013
Sehr geehrte Mitglieder des Aufsichtsrats und Vorstands,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre!
Was hat Bayer mit dem Thema Kohle zu tun? In Deutschland wird der Kohlebedarf zu 80 Prozent aus Importen gedeckt. Interessant ist aber, dass man in der Öffentlichkeit sehr wenig über diesen internationalen Kohlehandel erfährt. Oder haben Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, sich schon einmal Gedanken gemacht, welche Arbeitsbedingungen beim Kohle-Abbau vorherrschen und welche ökologischen Folgekosten damit einhergehen? Diese Aspekte werden in der öffentlichen Diskussion um die „Energiewende“ kaum erwähnt.
Auch Bayer importiert große Mengen Kohle, u. a. Steinkohle aus Kolumbien und Kokskohle aus China. Bis heute hat Bayer keine genaue Aufschlüsselung über diese Importe vorgelegt. Eine Tochterfirma von Bayer, die Firma Currenta, ist sogar Mitglied im Verein der Kohlenimporteure. Die umfangreiche Verbrennung von Kohle trägt maßgeblich zum hohen Ausstoß von Treibhausgasen von Bayer bei, und zwar jährlich über 8 Millionen Tonnen CO2.
Allein aus Kolumbien wurden 2012 rund 10,5 Millionen Tonnen Kohle nach Deutschland verschifft. Fast fünf Millionen Hektar wurden in dem südamerikanischen Land innerhalb eines Jahrzehnts für den Rohstoffabbau freigegeben. Dabei sind die Arbeitsbedingungen in den kolumbianischen Minen katastrophal, das Unfall-Risiko ist hoch. Nach offizieller Statistik forderten Grubengas-Explosionen zwischen 2004 und 2010 rund 500 Menschenleben. Viele Minenarbeiter leiden an Staublunge und anderen Berufskrankheiten. Die Bildung von Gewerkschaften wird von den Betreibern der Minen mit allen Mitteln bekämpft. Für Repressionen wurden wiederholt Paramilitärs eingesetzt. Mehrere Gewerkschafts-Mitglieder wurden ermordet. Weder die Minen-Arbeiter noch die örtliche Bevölkerung haben Anteil an den hohen Exporteinnahmen. Tausende Kolumbianer haben ihre Lebensgrundlage verloren. Vor allem die Interessen der indigenen und kleinbäuerlichen Bevölkerung geraten unter die Räder. Selbst der ehemalige kolumbianische Umweltminister Manuel Rodríguez kritisiert, sein Land „prostituiere sich mit mangelnden ökologischen und sozialen Auflagen“.
Durch die Kohle-Importe aus Ländern mit mangelnden ökologischen und sozialen Standards macht sich Bayer mitverantwortlich für die dort entstehenden sozialen und ökologischen Probleme.
Die dringend notwendige Energiewende muss auch bei Bayer ankommen, doch durch den Bau neuer Kohlekraftwerke und durch steigende Kohleimporte aus Übersee blockiert. Der Kohleabbau in Schwellenländern wie Kolumbien verursacht zudem immense Umwelt- und Gesundheitsschäden.
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern den BAYER-Konzern auf, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu senken und den Einsatz regenerativer Energien zu forcieren. Wir fordern von Bayer ein Programm zur Reduktion der CO2-Emissionen um 80% bis zum Jahr 2050. Dabei muss auf risikoreiche Techniken wie CO2-Speicherung (CCS) verzichtet werden.
Und hier meine Fragen:
Können Sie mir eine Aufschlüsselung der importierten Kohle nach Menge und Herkunftsländern im Jahr 2012 vorlegen?
Wie werden Sie in Zukunft bei Kohle-Importen Umwelt- und Sozialstandards sicherstellen? Werden Sie auf Importe verzichten, wenn diese nicht sichergestellt werden können?
Welchen Anteil hat bei Bayer der aus Braun- und Steinkohle gewonnene Strom im Energie-Mix?
Symbolisch ist Bayer sehr aktiv, wenn es um Klimaschutz geht. Da wird ein Klimaschutz-Preis an Wissenschaftler vergeben, ein emissionsarmes Bürohaus gebaut, Dienstautos mit geringerem Benzinverbrauch bereitgestellt. Das sind durchaus sinnvolle und wichtige Dinge. Doch was nutzt das, wenn gleichzeitig die gesamten CO2-Emissionen steigen?? Frage: Wann wird Bayer tatsächlich auf regenerative Erzeuger umsteigen?
Bienenschäden seit 1997 durch Neonicotinoide - alles nur Zufälle?
Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,
mein Name ist Christoph Koch und ich spreche zu ihnen im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, aber auch im Namen der EU weiten Imkervertretung dem EPBA.
Also erst muss ich mal ein großes Lob los werden. Auch ich freue mich auf das tolle Geschäftsergebnis und auch auf den ordentlichen Zuwachs meiner Aktien! Ja ich habe selber welche! Ich hoffe nur, dass dieser Bonus nicht so sehr mit Crop Science zu tun hat! Ich hoffe das sehr! Denn das wäre dann für mich als Imker nicht so gut! Ich will Ihnen auch erklären warum! Seit 2009 bin Ich nun schon hier um Fragen zu stellen. Also schon seit 5 Jahren!
Fragen rund um die Bienen.
Fragen zu den BAYER Produkten wie Poncho, Elado, Gaucho, BISCYA usw.
Fragen zu Wirkstoffen mit den Namen wie Thiacloprid, Thiametoxan, Imidacloprid oder Clothianidin! – den sogenannten Neo-Nicotinoiden.
Diese Stoffe nennen wir auch kurzum Neonics!
Übrigens finden Sie meine Fragen auch im Internet!
Meine Fragen sind in all den Jahren nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Immer wieder wird uns hier vom Vorstand mit großer Beharrlichkeit erklärt, dass die Bienenprobleme andere Ursachen haben und bringen die Varroa als eine der größten Herausforderungen gegenüber den Bienen ins Feld.
Imkervertreter hatten letztes Jahr Gespräche mit einigen BAYER Leuten unter anderem mit Frau Dr. Peterson und Dr. Richard Pott. Diese Gespräche am 17.4.2012 verliefen gut und konsequenterweise hat BAYER auch unseren Vorschlag aufgegriffen sich auch bei der Behandlungsmittelfrage bei der Bekämpfung der Varroa Milbe sich zu engagieren. Wir Imkerverbände begrüßen dies ausdrücklich! Und wir bedanken uns auch hier besonders bei Richard Pott!
Draußen sahen wir neben dem großen Banner von Greenpeace auch eines von BAYER! Darauf steht: Wir tun mehr für die Bienen als Ihr denkt!
Meine Damen und Herrn Aktionäre BAYER tut was für die Bienen ja das stimmt!
Die große Frage ist nun ist das genug?
Wenn es darin erhebliche Meinungsverschiedenheiten gibt, ist es nicht immer einfach, trotzdem die Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit möglich ist, zu sehen
Und diese aus den andern Konflikten herauszuhalten!
Worin bestehen nun aber diese Meinungsverschiedenheiten, meine Damen und Herrn Aktionäre?
Seit mehr als 10 Jahren, nein in manchen Gegenden sind es nun bald 20 Jahre, beobachten Imker auf der ganzen Welt Probleme mit den Neonics!
BAYER ist in der Tat einer der Wichtigsten Hersteller dieser Neonics und ein erheblicher Teil des Geschäftserfolges von Crop Science hängt davon ab, dass diese Produkte weiterhin zugelassen bleiben!
Das ist der zentrale Punkt!
Zunächst wurde also behauptet, wir Imker würden diese Neonics zu Unrecht verdächtigen.
Als dann jedoch die ersten Wissenschaftler anfingen, die Behauptungen der Imker zu bestätigen, wurden diese Wissenschaftler schwer angegriffen.
BAYER und auch die anderen Hersteller der Neonics forderten dann kontrollierte Laborstudien! Als diese Studien dann aus verschiedenen Ländern vorlagen, behauptete BAYER nun, diese Studien hätten wiederum in der Praxis keine Relevanz. Es waren aber die Beobachtungen von uns Imkern in der Praxis, durch die der Stein ja erst in Rollen gekommen war.
Wir sind nun an einer Stelle angekommen wo wir uns nun im Kreis drehen!
Seit diesem Frühjahr haben wir aber nun eine neue Situation, meine Damen und Herrn Aktionäre!
Die EFSA ist nun zu der gleichen Erkenntnis gekommen und hat der EU Kommission den Vorschlag gemacht, bei den drei wichtigsten Neonics ein Teilverbot auszusprechen.
Aber selbst davon lassen sich weder BAYER noch SYNGENTA nicht überzeugen und beide behaupten nun auch, die EFSA hätte gravierende Fehler gemacht.
Eines der Argumente ist, dass das Deutsche Bienen Monitoring gezeigt hätte, dass die EFSA Bewertung falsch sei.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, also das ist schon ein spezielles Stück!
Herr Dekkers, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass die zuständigen deutschen Behörden an den EFSA Bewertungen mitgewirkt haben?
Und dass besagtes DeBiMo gar nicht erst zur Berücksichtigung eingereicht wurde?
Und wissen Sie auch warum?
Ich kann es ihnen sagen meine Damen und Herrn Aktionäre,
das DeBiMo ist laut den Experten der EFSA für diese Fragestellung total ungeeignet!
Ich komm später noch detaillierter auf das DeBiMo sofern mir dazu die Zeit bleibt.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, kann es sein, dass der Vorstand deshalb diese Probleme leugnet, weil versäumt wurde alternativen zu diesen Neonics zu entwickeln und sich bei dem PSM breiter aufzustellen?
Am kommenden Montag könnte das Verbot in der EU kommen. Danach wird die Amerikanische Zulassungsbehörde EPA in Erklärungsnöte geraten, wenn sie nicht ebenfalls Maßnahmen zum Schutz der Bienen ergreift.
Herr Dekkers, nach unseren Unterlagen wusste BAYER schon relativ früh um diese Bienenprobleme im Zusammenhang mit den Neonics!
Aber gegenüber der Öffentlichkeit und uns Aktionären wurden diese stets geleugnet.
Haben Sie damit nicht nur das Risiko für die Bienen falsch dargestellt, sondern auch das für die Aktionäre?
Nun richte ich mich an die Klein Aktionäre unter Ihnen meine Damen und Herrn!
Jeder von ihnen kann nun heute entscheiden, ob er das Risiko für die Bienen und sein Kapital bisher richtig bewertet hat und ob er das auch künftig noch so will!
Bei den Großaktionären meine Damen und Herrn ist die Sache etwas divisibler!
Einige Banken sind in der jüngsten Vergangenheit in die Kritik geraten, weil sie Geld mit Nahrungsmittelspekulationen gemacht haben. Wollen Sie sich jetzt auch noch vorwerfen lassen, dass Sie Geschäfte mit Herstellern von bienengefährlichen Produkten machen?
Warum meine Damen und Herrn Aktionäre, gibt es denn schon jetzt Zulassungsverbote für diese Neonics?
Haben Sie sich das schon mal genauer gefragt?
An der Stelle gleich mal die Frage an den Vorstand: In welchen Ländern sind nun schon diese umstrittenen BAYER-Produkte mit Neonics verboten worden?
Warum sind nun neue Verbote hinzugekommen?
Bei der Frage spielt es jetzt keine Rolle ob das nur BAYER-Produkte betrifft oder die von SYNGENTA oder der BASF! Warum genau empfiehlt nun die EFSA der EU Kommission, bestimmte Neonics zu verbieten?
Wie erklären Sie sich das alles Herr Deckers?
Sind die bereits jetzt schon verhängten Verbote etwa auf Grund frei erfundener Behauptungen ausgesprochen worden? Wohl kaum. Oder waren das alles Unfälle alla 2008? Oh sorry Herr Dekkers sie sagen dazu ja Fehlanwendungen!
Herr Dekkers verzeihen Sie mir bitte dass ich meine Finger immer wieder in diese alte Wunde lege! Daher frage ich jetzt mal etwas genauer:
Seit wann genau weiß eigentlich der Konzern um die Problematiken der Pneumatischen Sä-Technik, verbunden mit den Neonic-Beizen und dadurch mögliche entstehende Bienenschäden? Ich hätte hier gerne ganz genaue Daten! Auch in Bezug auf Internationaler Ebene! Genauer gesagt auch in Bezug auf Frankreich!
Dann würde ich gerne wissen, ob es schon einmal Zahlungen an betroffene Imker gab, die vor 2008 lagen? Wenn ja, wann genau? Und in welchem Land war das?
Herr Dekkers, Sie erklärten hier letztes Jahr und vorletztes Jahr, und ihr Vorgänger auch schon, sehr beharrlich, dass es bei guter Landwirtschaftlicher Praxis, bei Sachgerechter Anwendung Ihrer Meinung nach keine Bienenschäden durch ihre Produkte geben kann.
Wie sollen wir das verstehen?
Zu Melissa aus Österreich, welches 2012 endete und welches Bienenschäden durch Neonic-Beizen festgestellt hatte, sagten Sie Herr Deckers letztes Jahr, dass sich die Bienen-Schäden in den letzten 3 Jahren des MELISA kontinuierlich reduziert hätten.
Wie sollen wir das nun verstehen?
Sie schließen Schädigungen also doch nicht ganz aus?
Aber sagen Sie uns doch hier mal bitte, wie viel Mais-Fläche in all den Jahren speziell im Beobachtungsgebiet des MELISA mit Neonics tatsächlich behandelt waren, wenn möglich getrennt nach den Jahren! Ich möchte hier gerne genaue Zahlen hören!
Vielleicht kommt dann etwas Licht in diese Sache?
Ist es möglich, dass Ihre Interpretation der geringer werdenden Schäden auf einer verkleinerten behandelten Fläche beruhen? und weniger mit der Wirkstoffbindung und der verbesserten Sätechnik zu tun hat?
Meine Damen und Herrn Aktionäre, heute wissen wir, dass 4 Nanogramm, also 4 Milliardstel Gramm Clothianidin eine Biene schon schädigen können!
Meine Damen und Herrn Aktionäre, demnach hat ein Gramm Clothianidin das Potential 250 Millionen Bienen zu schädigen!
Stellen Sie sich das bitte mal vor!
2008 hat der BAYER Mitarbeiter Dr. Richard Schmuck in der ersten Sitzung mit dem MLR Baden-Württemberg uns gegenüber gesagt, dass es durch die pneumatischen Sägeräte einen Wirkstoff Austrag von 1,5g pro ha gäbe!
Diese 1,5g nicht vermeidbaren Wirkstoff-Abrieb aus dieser Sätechnik können also 375 Millionen Bienen schädigen, bezogen auf einen Hektar Mais!
Herr Dekkers und auch sein Vorgänger sind jedoch beide immer noch der Meinung, diese BAYER Produkte sind tatsächlich Bienen sicher!
Als das DeBiMo das Deutsche Bienen Monitorring gegründet wurde eine Propaganda über die Ursachen fest gemacht!
Die Bienenkrankheiten besonders die Varroa sei schuld an dem Desaster!
Nicht eine einzige Analyse in Richtung Pflanzenschutzmittelrückstände war da gemacht worden! Dazu brauchte es erst die Androhung, dass wir Imker aussteigen! Erste Untersuchungen wurden erst nach 2006 gemacht!
Soviel zur Objektivität der AG Bieneninstitute und deren Ursachenforschung nach den wirklichen Ursachen der Verluste! Aber es mag auch daran liegen, dass man lieber nach Krankheiten suchte weil man niemandem weh tat?
Auch denen nicht die das ganze finanzierte?
Wildbienen und Hummeln haben die Varroa Milben nicht!
Und sie verschwinden genauso!
Wo immer die Neonics auftauchen!
Das meine Damen und Herrn Aktionäre sollte Ihnen zu denken geben!
Bienenschutz hat eine besondere Bedeutung und alle, die damit zu tun haben, sollten ihrer Verantwortung bewusst sein!
Sie meine Damen und Herrn Aktionäre haben hier auch eine Verantwortung!
Honig-Bienen in der Hand erfahrener und guter Imker sind hervorragende Umweltindikatoren!
Unterschätzen sie das in Ihrer Entscheidung nicht!
Meine Damen und Herrn, ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und ihre Geduld und verzeihen Sie das Überschreiten meines Zeitlimits.
.
Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de
Deckers Antworten:
Zu EFSA und DeBiMo sagte er, dass diese Studie bei der EFSA eingereicht wurde und dass die EFSA dafür noch Zeit bräuchte, diese noch zu bewerten.
Aussetzungen gibt es in Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien sowie in Brasilien. Diese Einschränkungen erfolgten aus Vorsorgegründen.
Zum Hintergrund der Empfehlung der EFSA bestimmte Wirkstoffe zu verbieten:
Die EFSA hat lediglich potentielle Risiken festgestellt und Datenlücken aufgezeigt. Dies ist keine direkte Folge der Ereignisse in Baden Württemberg von 2008 bei der die BAYER Crop Sience Imkern auf freiwillige Basis finanzielle Unterstützung geleistet hat.
Zu Melissa:
Das Melissa Forschungsprojekt zeigt, dass bei Einhaltung aller Risiko-Mindernden Maßnahmen, Bienen wirksam geschützt werden können. Die von der Österreichischen Zulassungsbehörde verpflichtend vorgeschriebenen Maßnahmen zur Sicherstellung einer guten Saatgutqualität und Aussaattechnik, sowie ein umfassender Anforderungs- und Auflagenkatalog an Insektizid gebeiztes Saatgut, gewährleisten den Schutz der Bienenvölker.
Zur pneumatischen Sätechnik:
BAYER Crops Sience entwickelt mit der Saatgut Industrie und den Maschinenherstellern Kontinuierlich Vorschriften und Begleitmaßnahmen. Diese verbessern die Qualität des Saatgutes und ermöglichen eine sichere Aussaat. In den vergangen Jahren konnte so der Bienenschutz verbessert werden.
Dekkers bittet dann um Verständnis, dass er heute keine Detailinfos geben kann und verweist auf die AGES.
Wie bereitet sich BAYER auf ein mögliches Verbot der Neonics für Europa vor:
Wir sind nach wie vor überzeugt, dass diese Wirkstoffe sicher und Verantwortungsvoll eingesetzt werden können und deshalb sind wir auch sicher, unseren Kunden auch in Zukunft effiziente Technologien und Produkte anbieten zu können.
Mein Kommentar zu den Antworten Dekkers:
Die BAYER AG ist wohl sehr zuversichtlich, dass es zu keinem Verbot der Neonic-Beizen kommt! Dieser Optimismus gegen über den Aktionären könnte noch ein Strick werden für BAYER besonders mit Blick auf die USA! Denn BAYER hat anscheinend keinen Plan B in der Schublade. Zu mindest den Aktionären gegen über.
Dekkers gab keine Antwort auf die Frage zu Zahlungen an Imker die vor 2008 lagen!
Hier verschweigt BAYER etwas! Es gab diese Zahlungen und zwar lange vor dem Jahr 2002, als es dann in Italien ebenfalls zu großen Vergiftungen kam.
Melissa hat gezeigt, dass die Bienenvergiftungen trotz Schutzmaßnahmen nicht in den Griff zu bekommen sind! Wir Imker wissen, dass im Hintergrund fieberhaft an ganz neuen Saatmaschinen mit Filter gearbeitet wird. Doch diese lösen dann nur einen Teil der Vergiftungswege die andern, wie Guttation und giftiger Pollen sind dann immer noch da!
Daher wird BAYER wegen seiner Rolle beim Bienensterben immer mehr unter Druck geraten!
Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
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BAYER-Pestizide töten Bienen
Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers, geehrte Mitglieder von Konzernleitung und Aufsichtsrat, liebe Damen und Herren Aktionäre von Bayer,
Sie haben sicherlich unsere Botschaft am Eingang zum Messegelände wahrgenommen. Leider passen immer nur kurze Wahrheiten auf unsere Banner, erlauben Sie mir daher einige erläuternde Worte.
Mein Name ist Dirk Zimmermann und ich setze mich bei Greenpeace für eine nachhaltige, zukunftsfähige Landwirtschaft ein. Zweifellos ist jede Landwirtschaft auf die Hilfe durch bestäubende Insekten zwingend angewiesen. Mit dem dramatischen Bienensterben, das wir vorwiegend in Nordamerika und Europa mit Sorge verfolgen, steht daher viel mehr auf dem Spiel als die Produktion von Honig. Bienen leisten mit der Bestäubung eines Großteils unserer Kulturpflanzen einen unschätzbaren und vor allem unersetzbaren Beitrag zur Produktion unserer Lebensmittel.
Ihr Motto „Science for a better life“ ist allgegenwärtig. Es steht in krassem Widerspruch zu Bayers Unternehmenspolitik. Eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert und damit ein „besseres Leben“ akut gefährdet. Es liegt eine Fülle von Studienergebnissen zu Bienensterben und Effekten von Pestiziden auf Bestäubungsinsekten vor – und alle weisen in die gleiche Richtung: das Bienensterben hat verschiedene Ursachen. Entscheidenden Anteil aber haben Agrargifte, darunter auch von Bayer produzierte Insektizide. Wirklich überraschen kann das nicht, immerhin werden diese Gifte angewendet um Insekten zu töten. Von daher ist die einfache Wahrheit auf unserem Banner, „Pestizide töten Bienen“, auch richtig. Zudem aber wissen wir immer mehr über die schädlichen Wirkungen von Pestiziden über ihre direkte Tödlichkeit hinaus. Effekte auf das Nervensystem von Bienen etwa gefährden das Überleben der Insekten. Dieses „Gift für das Gedächtnis“, wie es die Süddeutsche Zeitung einmal genannt hat, kann schließlich auch töten. Wenn Sie sich selbst ein Bild von der Datenlage machen wollen empfehle ich Ihnen eine Mitte April veröffentlichte Greenpeace-Studie. Unter anderem werden Sie in dieser den Stand der Forschung zu den Bayer-Giften Clothianidin und Imidacloprid finden, die nach unserer Überzeugung zusammen mit 5 anderen Wirkstoffen, darunter drei weitere auch von Bayer angebotene, umgehend aus der landwirtschaftlichen Praxis verschwinden müssen.
Zu dem Thema könnte ich Ihnen auch Unterlagen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA empfehlen. Selbst die eher für ihre industriefreundlichen Positionen bekannte EFSA konnte in diesem Fall nicht anders und hat aufgrund der akuten Risiken dringenden Handlungsbedarf ausgemacht. Auf Grundlage ihrer Empfehlung hat die Europäische Kommission ein vorübergehendes Verbot von drei besonders gefährlichen Bienengiften empfohlen, das kommenden Montag erneut zur Abstimmung kommt.
Kommenden Montag - das bedeutet: Ihnen bleiben nur noch 3 Tage um den verantwortlichen Politikern in Brüssel zuvorzukommen. Drei Tage Zeit, um Ihrer Verantwortung gerecht zu werden und ihre gefährlichsten Bienenkiller vom Markt zu nehmen.
Ich möchte abschließend ein weiteres Zitat von Ihnen heranziehen. Mit „Diversity is future“, Vielfalt ist Zukunft, werben Sie auf den Internetseiten Ihrer Agrarabteilung. Leider verstehen Sie darunter den Einsatz vielfältiger Unkrautvernichtungsmittel, ansonsten würde ich ohne Einschränkungen zustimmen. Vielfalt ist in einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft – und diese kann nur ökologisch sein – unerlässlich. Aber selbst die industriellste Landwirtschaft ist auf Artenvielfalt angewiesen und kann auf Bestäubung durch Bienen nicht verzichten. Möchte Bayer wirklich die Verantwortung für das Sterben der Bienen übernehmen? Ich glaube kaum dass dies im Interesse des Unternehmens und seiner Anteilseigner sein kann.
Die Bayer-Historie ist reich genug an Skandalen – ich fordere Sie dazu auf, das in Ihrer Macht stehende dafür zu tun, dass nicht auch noch die Ausrottung der Bienen aufgenommen werden muss. Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und nehmen sie bienenschädliche Pestizide vom Markt!
Herr Dr. Dekkers, sie sprachen vorhin von dem Mut, Projekte zu beenden. Beweisen Sie ihn.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Bayer Health Care AG Aktionärsversammlung 2013
Redebeitrag Dr. Angela Spelsberg, Mitglied des Vorstands von Transparency International Deutschland e.V., Mitglied des Beirats der CBG
Sehr geehrte Damen und Herren,
Im Frühjahr 2008 vereinbarte der BAYER-Konzern mit der Universität Köln eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Pharma-Forschung. Die Vertragsbedingungen liegen jedoch bis heute im Dunklen.
Mehr als zehn Verbände aus dem Gesundheitsbereich – und auch der Deutsche Hochschulverband - unterstützen die Forderung, den Vertragstext offen zu legen. Der Beauftragte für Informationsfreiheit des Landes NRW befürwortet nach Prüfung des Vertrags eine Einsichtnahme. Trotzdem verweigern die Universität und BAYER weiterhin eine Offenlegung. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat daher Klage eingereicht. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland unterstützt die Klage und auch die Revision der CBG (Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.) gegen die Universität Köln auf Einsicht in den Vertrag zur Forschungs-Kooperation mit der Bayer HealthCare AG.
Transparency schließt sich der Klage auf Offenlegung an, weil die Gefahr der Abhängigkeit der nach dem Grundgesetz freien Wissenschaft von kommerziellen Interessen nicht ausgeschlossen werden kann.
Die Universität zu Köln ist eine öffentliche, durch Steuergelder finanzierte Einrichtung, die daher der öffentlichen Kontrolle unterliegen muss, auch in ihren Kooperationen mit Dritten. Die Offenlegung des Vertrags ist notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in Forschung und Lehre nicht weiter zu gefährden.
Frage: Welche Nachteile befürchtet der Bayer Vorstand durch die Veröffentlichung des Vertrags? Ist der Reputationsschaden, der der Bayer Health Care AG durch die Nicht-Veröffentlichung entsteht, nicht größer?
Patientinnen und Patienten (und auch ihre überweisenden Ärzte), die die Entscheidung treffen müssen, ob sie sich in der Kölner Universitätsklinik oder in anderen, im Vertrag eingeschlossenen Einrichtungen, untersuchen und behandeln lassen, müssen darüber informiert werden, welche Konsequenzen der Vertrag auf ihre Behandlung bzw. auf Forschungsprojekte hat, an denen sie teilnehmen
Dazu stellen wir folgende Fragen:
Wie viele Klinische Studien mit wie vielen Patienten wurden im Rahmen der Kooperation mit der Uni Köln bislang durchgeführt?
Wie viele Präparate wurden dabei untersucht?
Wie viele Arbeitsgruppen auf Seiten der Hochschule waren daran beteiligt?
Wem „gehören“ die Forschungsdaten und wer entscheidet über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in dieser Kooperation mit der Universität zu Köln? Führte die Zusammenarbeit bereits zu Patentanmeldungen?
Gibt es noch weitere Hochschulkooperationen mit Bayer in Deutschland und weltweit?
Wie viele Stiftungsprofessuren finanziert Bayer weltweit?
In der Verhandlung vor dem VG Köln wurde von den Anwälten der Universität zu Köln das Vertragsdatum mit 28.12.2007 angegeben. Dies widerspricht den bisherigen schriftlichen Verlautbarungen zum Vertragsschluss einschließlich der im März 2013 erteilten Auskunft der Landesregierung NRW auf eine Anfrage der Piratenfraktion, die alle ein Vertragsdatum vom 28.03.2008 angeben
Unsere Frage an den Vorstand: Wann war das tatsächliche Vertragsdatum?
Vielen Dank für die Beantwortung!
Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers,
sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrates,
meine Damen und Herren
rund 200 tote Frauen in den USA, 18 tote Frauen in Deutschland und 14 gemeldete Todesfälle in Frankreich. Zudem zahlreiche Frauen weltweit, die nach der Einnahme einer drospirenonhaltigen Pille wie Yasmin, Yasminelle oder Yaz aus Ihrem Hause schwere Nebenwirkungen wie Thrombosen, Lungenembolien oder einen Schlaganfall erlitten haben. Das ist die traurige und offizielle Bilanz der drospirenonhaltigen Pillen. Die Dunkelziffer ist allerdings hoch, denn nicht jeder Vorfall wird den zuständigen Stellen wie etwa dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet. Oft wird von den Ärzten auch der Zusammenhang von Erkrankung und Einnahme der Pille verkannt.
Mein Name ist Kathrin Weigele. Ich habe selbst nach Einnahme der Pille Yasmin eine schwere beidseitige Lungenembolie erlitten. Ich selbst habe eine Ärzteodyssee hinter mir, weil niemand zunächst erkannte, dass eine junge gesunde Frau von 24 Jahren urplötzlich lebensbedrohlich erkrankte, weil sie sich vertrauensvoll in die Hände von Bayer begab und das tat, was viele Frauen tun: nämlich eine Ihrer drospirenonhaltigen Pillen zu nehmen, die die Thrombosegefahr nach aktueller Studienlage wohl deutlich erhöhen.
Ich habe die Einnahme der Pille Yasmin beinahe mit dem Leben bezahlt. Herz und Lunge waren und sind schwer gezeichnet von den Embolien. Man gab mir eine Überlebenschance von 5%. Lebenslange Folgeschäden und die lebenslange Einnahme von Blutgerinnungsmitteln sind mir geblieben. Eine Schwangerschaft ist damit praktisch ausgeschlossen.
Obwohl sich die Vorfälle häufen und immer mehr Todesfälle und Nebenwirkungen verzeichnet werden, werden Betroffene und Geschädigte wie ich seitens Ihres Konzerns als bedauerliche Einzelfälle abgetan. Doch das sind wir längst nicht mehr. Seit der Gründung unserer Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter im Jahr 2011 haben sich unzählige Frauen sowie Angehöriger verstorbener oder seit der Einnahme drospirenonhaltiger Pillen schwerstbehinderter Frauen bei uns gemeldet und auf unserer Homepage risiko-pille.de ihre Erfahrungen und ihre Leidenswege geschildert.
Ich möchte heute von Ihnen wissen, welche Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und sogar Todesfällen dem Bayer-Konzern tatsächlich vorliegen? Wie viele Todesfälle oder Fälle von schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit der Einnahme drospirenonhaltiger Kontrazeptiva wurden Ihnen in den vergangenen Jahren gemeldet? Wie können Sie angesichts der Klagen von ca. 13 600 Frauen in den USA, Klagen in Kanada, Frankreich, der Schweiz und natürlich auch hier in Deutschland noch von Einzelfällen sprechen?
In den USA haben Sie sich bereits mit rund 4800 Anspruchstellerinnen außergerichtlich verglichen und dabei Zahlungen in einer Gesamthöhe von etwa 1 Milliarde US-Dollar geleistet. Die Frage die sich mir aufdrängt lautet: Warum regulieren Sie in den USA in Milliardenhöhe, während in Deutschland nach meinen Erkenntnissen bisher keine einzige Betroffene entschädigt wurde? Herr Dr. Dekkers, was ist an einer amerikanischen Geschädigten denn bitte anders, als an einer Deutschen? Wir haben alle genau dieselbe Pille eingenommen, mit demselben schädlichen Wirkstoff aus Ihrem Haus und haben alle mit denselben Folgen und Problemen zu kämpfen. Wo genau sehen Sie den Unterschied? Oder hat Bayer etwa in Deutschland bereits die Regulierung von Schadensfällen vorgenommen? Wurden auch hierzulande schon außergerichtliche Vergleiche mit Geschädigten geschlossen?
Stets wurde Ihrerseits betont, dass die Entschädigungszahlungen in den USA ohne Anerkennung einer Haftung erfolgt seien und kein Schuldanerkenntnis darstellten. Sie ließen verlautbaren, die Entscheidung Vergleiche abzuschließen beruhe auf den Umständen des jeweiligen Einzelfalls und auf den Besonderheiten des Rechtssystems in den USA. Doch ist es nicht vielmehr so, dass auch in den USA nur haftet, wer einen Schaden verursacht hat? Wo kein Anspruch, da auch keine Notwendigkeit zu Zahlungen. Sie haben in den USA ohne rechtliche Verpflichtung mit Ausgleichszahlungen begonnen. Haben im vergangenen Geschäftsjahr rund 1,2 Milliarden Euro für Entschädigungen zurückstellen müssen. Diese Summe übersteigt sogar den bestehenden Versicherungsschutz. Trifft es zu, dass Sie bereits jetzt mehr Rückstellungen für Yasmin gebildet haben, als damals für den Cholesterinsenker Lipobay, der 2001 schließlich vom Markt genommen wurde? In welcher Höhe planen Sie für das neue Geschäftsjahr Rückstellungen für den amerikanischen Markt, den europäischen Markt und ganz speziell für Deutschland? Welche Entschädigungssumme haben Sie bei der Kalkulation der Rückstellungen pro Fall veranschlagt? Ich möchte ferner wissen, wie viele Klagen in Deutschland gegen die Bayer AG und Ihre Tochterfirmen aufgrund der drospirenonhaltigen Kontrazeptiva derzeit anhängig sind und in welcher Höhe Sie mit Schadensersatz – und Schmerzensgeldansprüchen in Deutschland rechnen? Trifft es ferner zu, dass auch in der Schweiz schon einzelne Fälle zum Teil reguliert wurden?
Bisher haben Sie in Deutschland keinerlei Verantwortung für die drospirenonhaltigen Pillen der Yasmin-Familie übernommen. Sie zeigen sich unverändert davon überzeugt, dass die Kontrazeptiva bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher und wirksam sind. Doch wir Geschädigten haben seit der Einnahme einer drospirenonhaltigen Pille schreckliche Qualen durchleiden müssen. Wir wurden unserer Gesundheit und Unbeschwertheit beraubt. Zurückgelassen in einem Leben, das von Medikamenten, Arztbesuchen und der ständigen Angst vor einer Verschlechterung unseres Gesundheitszustandes bestimmt wird. Können Sie wirklich angesichts der Vielzahl der bekannt gewordenen Nebenwirkungen, der bereits geleisteten Entschädigungszahlungen und der aktuellen Studienlage weiterhin von einem positiven Nutzen - Risikoprofil der Yasminpillen ausgehen?
Immer wieder werden neue Studien unabhängiger Wissenschaftler bekannt, die belegen, dass drospirenonhaltige Pillen mit einem höheren thromboembolischen Risiko behaftet sind als Präparate mit dem älteren Gestagen Levonorgestrel.
Bereits 2010 musste auf Veranlassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte der Beipackzettel um weitere Risikohinweise und Angaben zu Nebenwirkungen ergänzt und auf Studien aus den Niederlanden und Dänemark hingewiesen werden, die von einer erhöhten Thrombosegefahr ausgehen.
2011 kamen sowohl die Europäische Arzneimittelagentur als auch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zu dem Schluss, dass die Anwendung drospirenonhaltiger Kontrazeptiva mit einem erhöhten Risiko verbunden sei und verlangten eine dahingehende Änderung und Aktualisierung der Produktinformation bzw. die Aufnahme verschärfter Warnhinweise im Beipackzettel.
Der Barmer GEK Arzneimittelreport riet 2011 ebenfalls von der Anwendung drospirenonhaltiger Präparate ab. Auch hier wird von einer erhöhten Thrombosegefahr im Vergleich zu älteren Präparaten der sogenannten 2. Generation ausgegangen.
In den Niederlanden, Belgien, Dänemark, England und Norwegen gibt es offizielle Empfehlungen, levonorgestrelhaltige Kombinationen insbesondere bei jungen Frauen zu bevorzugen.
Derzeit überprüft die Europäische Arzneimittel-Agentur auf Antrag Frankreichs hin die Zulassung kombinierter oraler Kontrazeptiva der dritten und vierten Generation. Die französische Regierung wandte sich mit der Forderung an die EMA, sie möge eine EU-weite Empfehlung für eine restriktive Verschreibung dieser Antibaby-Pillen aussprechen. Gibt es hierzu schon ein Ergebnis oder Zwischenergebnis?
In Frankreich werden zudem die Kosten von drospirenonhaltigen Pillen seit April nicht mehr von den Krankenkassen erstattet. In der Schweiz fordert die Krankenkasse CSS, dass Bayer die Behandlungskosten für eine junge, schwerbehinderte Frau ersetzt, die für ihr Leid die Bayer-Pille Yasmin verantwortlich macht.
Es gibt unserer Meinung nach keinen Zweifel mehr daran, dass drospirenonhaltige Pillen häufiger Thrombosen auslösen. Herr Dr. Dekkers, wie lange wollen Sie die drospirenonhaltigen Pillen noch vermarkten und so mit dem Leben gesunder Frauen spielen? Rechtfertigen hohe Gewinne etwa den Tod weiterer Frauen und Mädchen?
Was sagen Sie dazu, dass Bayer laut des Kessler-Reports, verfasst durch den ehemaligen Chef der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA, schon zu Beginn der Herstellung drospirenonhaltiger Pillen intern eindeutig vor deren Gefahren gewarnt wurde? Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Bayer die FDA unzureichend über die Sicherheit von Yasmin informiert habe?
Laut eines unternehmensinternen Papieres vom Juni 2004 sollen bei Yasmin im Vergleich zu drei anderen Verhütungspillen mehr Thrombose- und Embolieerkrankungen aufgetreten sein. Diese Information soll die FDA nie erreicht haben.
Wir wünschen uns, dass sie sich einmal vergegenwärtigen dass es gesunde junge Frauen sind, die ihre Präparate kaufen und deren Leben sie zerstören indem sie gedanken- und langsam scheint es fast gewissenlos die Präparate weitervermarkten, als wäre nichts gewesen und als wüssten sie von nichts.
Herr Dr. Dekkers, Sie haben Schicksale wie das Meine in den letzten Hauptversammlungen zwar bedauert, doch das hilft uns nicht weiter. Wir möchten kein Mitleid, wir möchten ernst genommen werden.
Bayer hat endlich Verantwortung zu übernehmen!
Bayer hat das erhöhte Thromboserisiko drospirenonhaltiger Pillen anzuerkennen und als Konsequenz daraus die Präparate eigenverantwortlich vom Markt zu nehmen!
Bayer sollte nicht nur in den USA Verantwortung übernehmen, sondern auch in Deutschland auf die Geschädigten zugehen und für eine angemessene Entschädigung der deutschen Drospirenon-Opfer sorgen. Es gibt Gesetze und die Anwender ihrer Präparate haben Rechte. Und daran haben auch Sie sich zu halten. Körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht, das auch Bayer zu wahren hat.
Sie feiern dieses Jahr das 150jährige Bestehen des Konzerns. Vielleicht wäre das doch ein guter Anlass, um sich darüber Gedanken zu machen, wie die Zukunft Ihres Unternehmens aussehen soll: sollte der Mensch oder eher mögliche Profite im Mittelpunkt stehen? Sie propagieren so werbewirksam, dass das Unternehmen mit seinen Erfindungen erheblich dazu beitrage, das Leben der Menschen zu verbessern. Science for a better life? Nicht für uns Betroffene.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir stehen heute vor Ihnen als die AVEP, die Gemeinschaft der französischen Opfer der Antibabypille.
Unser Verein hat mehr als 500 Aussagen von Opfern zusammengetragen, darunter die von 40 Familien, die ihre Tochter, ihre Frau oder ihre Mutter verloren haben. Wir wollen die Stimme derjenigen hörbar machen, die gestorben oder schwerwiegend körperlich behindert sind. Und das aufgrund der Diane 35, der Meliane, der Yaz, der Yasmin oder der Yasminelle. Wir protestieren gegen das verantwortungslose Verhalten der Geschäftsführung von Bayer, deren einziges Ziel ist, den Gewinn zu maximieren, auf Kosten der Gesundheit und dem Leben von vielen Frauen.
Seit mehr als 25 Jahren ist die Strategie von Bayer „gering dosierte“ Antibabypillen der 3. und 4. Generation zu bewerben. Seit 1995 haben aber Experten gesagt, dass diese Pillen gefährlicher seien als diejenigen der 2. Generation und dass sie keine spürbare Verbesserung der Leistung bringen. Dies ist eine Tatsache, die von allen Studien und seit dem letztjährigen März auch von der Französischen Arzneimittel-Agentur bestätigt wurde, ausgehend von den Daten der französischen Krankenhäuser: Die Anzahl der erfassten Nebenwirkungen ist 30 Mal höher als die, die von der Arzneimittelüberwachung angegeben wurde! Ist EINE schwere Erkrankung auf 1000 Frauen pro Jahr immer noch eine „seltene Nebenwirkung“, wenn fast 5 Millionen Frauen in Frankreich diese Pille nehmen und zehn Millionen in der Welt?
Ja, alle Frauen sollten Zugang zu Verhütungsmitteln haben und die Pille ist eine Option unter vielen, aber wie können sie diese Geschäftsstrategie rechtfertigen, die vorsätzlich 3-4 Mal häufiger das Leben von gesunden jungen Frauen opfert?
Die Risiko-Nutzen-Abwägung ist für Bayer natürlich positiv: die Pillen tragen im großen Maße zu den tollen Gewinnen bei, zu denen Sie sich heute selbst beglückwünschen. Und falls es doch schwerwiegende Fälle mit Behinderung oder Tod gibt, wird der finanzielle und moralische Preis doch ausschließlich von der Gesellschaft getragen: lange Krankenhausaufenthalte, unsägliche Leiden, lebenslange medizinische Kosten, Verlust des Berufs und zerbrochene Leben...
Wir wollen Sie vor dem Zynismus der Geschäftsführung von Bayer warnen, die zwar nicht zögert, 2012 bis zu einer Milliarde Dollar zurückzustellen, um Tausende amerikanische Opfer zu entschädigen, aber gleichzeitig jegliche Verantwortung für all diese Dramen zurückweist. Ist das einer Firma wie Bayer würdig?
In Frankreich wurden bereits 100 Klagen gegen Hersteller der Antibabypille eingereicht und mehr als 800 sind in Vorbereitung. Bayer wird bald nicht mehr finanzielle Vergleiche vorschlagen können, während sie behaupten, dass ihre Flagschiff-Pillen Meliane, Diane 35, Yaz, Yasmin, Yasminelle und Qlaira harmlos sind, um deren Ruf und den Verkauf zu sichern.
Die Strategie von Bayer wird angesichts der vielen Opfer scheitern. Die Opfer organisieren sich, um eine Firma zu bekämpfen, die vorsätzlich die Risiken ihrer Produkte verschleiert, die massiv in einen Etikettenschwindel investiert, der von Ärzten verbreitet wird, die wahrhafte Werbevertreter von Bayer sind. Allerdings haben sich die Zeiten geändert: Informationen machen die Runde, Ärzte verfügen nicht mehr alleine über das notwendige Wissen und der Staat hat nicht mehr die finanziellen Mittel, um die Konsequenzen der ganzen Fälle zu übernehmen. Vor allem können wir uns nun informieren und alles verstehen: Wir werden ganz einfach nicht mehr Ihre Produkte kaufen, auch wenn Ihre verlogenen Marketing-Kampagnen weiterlaufen und die verschreibenden Ärzte unter Druck setzen.
In unseren Demokratien, die Unabhängigkeit der Gerichte und Pressefreiheit garantieren, wird eine Strategie, die sich auf Etikettenschwindel und der Verachtung seiner Kunden stützt, nicht von Dauer sein: sie wird aufgekündigt und bestraft werden.
Bayer ist dazu fähig, exzellente Produkte herzustellen, die Krankheiten lindern können, es ist daher sehr bedauerlich, dass dieses Abenteuer mit den Pillen der 3. und 4. Generation den guten Ruf dieser großen deutschen Industrie schmälern wird.
Wir bitten Sie als Aktionäre von den Geschäftsführern Ihrer Firma zu fordern, die Sicherheit der Kunden wieder ins Zentrum der Arbeit zu rücken, für die Ehre Ihrer Firma und den Respekt gegenüber den Opfer.
Hier nun unser Fragen an die Geschäftsführung:
1. Im Jahr 2002 hat die Oberste Französische Gesundheitsbehörde gefordert, einen Bericht über die Toleranz der Meliane innerhalb von 24 Monaten zu präsentieren, da diese Pille damals schon im Verdacht stand, gefährlich zu sein. Bayer hat die Daten nie geliefert, warum?
2. Wie wird die Entschädigung der Opfer Ihrer Pillen in Frankreich aussehen? Besonders für die Diane 35, von der Sie wissen, dass sie besonders oft außerhalb ihrer therapeutischen Indikation verwendet wurde (und zwar zur Behandlung von Akne).
3. Welches Risikoniveau erachten Sie für akzeptabel für ein Produkt, das man gesunden Frauen verschreibt?
4. Wie werden Sie reagieren, wenn die EMA die Diane 35 im Mai und alle anderen Pillen der 3. und 4. Generation im Juli 2013 verbieten wird?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
[gallery]Risiken von „Xarelto“
Sehr geehrte Damen und Herren!
Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren an und möchte heute zum Thema „XARELTO“ sprechen.
Im neuen Geschäftsbericht heißt es zu dem Medikament mit dem Wirkstoff Rivaroxaban, ich zitiere:
„Unser Gerinnungshemmer XARELTO trug deutlich zu den Umsatz-Zuwächsen des Segments Pharma bei. Nach weiteren Ausbietungen und Indikationserweiterungen verzeichneten wir in allen Regionen starke Umsatzsteigerungen, insbesondere in Deutschland, den USA und Japan.“
Dieser Erfolg hat jedoch seine Schattenseiten. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN erreichten viele Berichte von Geschädigten. Aus einem möchte ich zitieren:
„Nach der ersten OP habe ich über zwei Tage XARELTO bekommen. Am dritten Tag erfolgte die zweite OP, also bereits unter Einsatz von XARELTO. Am Folgetag der zweiten OP habe ich dann extreme Nachblutungen an diesem operierten Bein bekommen.“
Bei einem anderen Patienten mussten die Ärzte in einer Not-Operation sogar einen Luftröhrenschnitt vornehmen. Auch die Behörden registrieren immer mehr Zwischenfälle nach der Gabe von XARELTO. Allein im Jahr 2012 gingen beim „Bundesinstitut für Medizinprodukte und Arzneimittel“ 58 Meldungen über Todesfälle und 750 Meldungen über lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Blutungen ein. Das ist eine erschreckende Zahl – selbst wenn es sich bis dato nur um Verdachtsfälle handelt.
Dazu nun meine 1. Frage:
Wie viele Todesfälle und Berichte über schwere Nebenwirkungen gab es in diesem Jahr?
Wegen der Risiken des Medikamentes raten viele Experten von einer Verschreibung ab. So erklärt die „Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft“, ich zitiere:
„Insgesamt ergibt sich aus Sicht der „Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft“ für Patienten in Deutschland, die zur Prophylaxe kardioembolischer Erkrankungen bei Vorhofflimmern mit Vitamin-K-Antagonisten (...) gut zu behandeln sind, kein Vorteil aus einer Therapie mit Dabigatran oder Rivaroxaban.“
Die Fachzeitschrift „arzneimittel-telegramm“ pflichtet dieser Einschätzung bei. Bei der Indikation „Vorhofflimmern“ bezeichnet sie XARELTO gar nur als ein Mittel der dritten Wahl.
Die Schwächen des Medikamentes haben sich schon bei den Zulassungstests gezeigt. Diese ergaben nämlich nur eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber WARFARIN. Und selbst diese Nicht-Unterlegenheit erreichten die Tests nach Meinung einiger Experten nur dadurch, dass die WARFARIN-Probanden nicht die richtige Dosis erhielten. Darüber hinaus warfen die Tests viele Fragen bezüglich der Sicherheit von XARELTO auf. Wegen des erhöhten Risikos von Blutungen, Herz/Kreislaufstörungen, Gefäß-Verschlüssen und Leberschäden sowie der ungeklärten Langzeitwirkung zögerte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA deshalb schon bei der ersten Genehmigung zur Blutverdünnung bei Hüft-OPs. Bei der Indikation „Schlaganfall-Prophylaxe“ sprachen sich einzelne FDA-Experten dezidiert gegen eine Zulassung aus. Und bei dem derzeit laufenden Verfahren - einer Zulassung von XARELTO zur Nachbehandlung von ACS, dem Akuten Koronar-Syndrom, - treten auch wieder Probleme auf. Die FDA verschob die Genehmigung nun schon zum zweiten Mal, unter anderem weil BAYER in den Zulassungsunterlagen den Tod von drei Probanden unterschlagen hat. Nach den Vermutungen der FDA könnten es sogar noch weit mehr verheimlichte Sterbefälle sein. Ich zitiere:
„Diese drei nicht gezählten Todesfälle könnten nur die Spitze des Eisbergs fehlende Daten betreffend sein (...) Wir wissen nicht, wie viele dieser Todesfälle (und andere Endpunkte der Studie) bei den sieben Prozent der PatientInnen, die ihr Einverständnis widerrufen haben (...), gestrichen, außen vor gehalten oder nicht gezählt worden sind.“
In China hat eine Frau, die während der XARELTO-Tests einen lebensgefährlichen Schock erlitten hatte, BAYER bereits verklagt. Sie erhielt vor Gericht ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro zugesprochen.
Dazu jetzt meine Fragen:
1. Wie viele Klagen sind in Sachen „XARELTO“ bereits anhängig?
2. Warum hat BAYER die drei Todesfälle nicht gemeldet?
3. Wie viele Tote gab es 2012 insgesamt bei den XARELTO-Tests?
4. Und weil die Arznei-Tests in Entwicklungsländern immer unter besonders prekären Bedingungen ablaufen: Wie viele Tote gab es im letzten Jahr bei XARELTO-Tests in Indien und China?
Die Zweifel der Zulassungsbehörden und die vielen Meldungen über Todesfälle und schwere Nebenwirkungen zeigen, dass XARELTO seinen Verkaufserfolg nicht seiner Qualität zu verdanken hat. Grund dafür ist vielmehr der immense Werbe-Aufwand, mit dem BAYER das Präparat in den Markt gedrückt hat. So sagte etwa Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig von der „Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft“ in der WDR-Sendung „Die Tricks der Pharma-Industrie“, ich zitiere:
„Ohne eine große Marketing-Strategie werden Sie ein Medikament mit einem marginalen Nutzen wie beispielsweise XARELTO nie auf dem Markt platzieren können.“
Im Rahmen einer solchen Marketing-Strategie hat BAYER vielfältige Anstrengungen unternommen: Der Konzern hat die Fachwelt mit PR-Material überschüttet; Der Konzern hat Mediziner eingekauft, die auf Ärzte-Fortbildungen für das Produkt warben; der Konzern hat einen Großteil seiner Pharma-Referenten auf das Produkt eingeschworen und zu diesem Zweck sogar eine Event-Agentur engagiert.
Dabei hat sich das Unternehmen nicht einmal gescheut, zu verbotenen Methoden zu greifen. So hat BAYER kostenlose XARELTO-Proben per Post an ÄrztInnen verschickt, obwohl der Gesetzgeber dies bereits Mitte der 1980er Jahre untersagt hat. Zurecht wurde diese Praxis dann auch ein Fall für die „Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittel-Industrie“
Und aufs Marketing setzt BAYER nicht nur bei XARELTO. Darum hat der Konzern im letzten Jahr seine Vertriebskosten abermals gesteigert. Sie stiegen um 11,5 Prozent auf nunmehr fast 10 Milliarden Euro. Das ist einer der größten Bilanz-Posten, Der Geschäftsbericht widmet ihm aber nicht einmal eine Seite. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hat an dieser Stelle deshalb immer wieder eine genauere Aufschlüsselung dieser Ausgaben verlangt. Ich möchte das auch heute wieder tun, in der Hoffnung, dieses Mal eine Antwort zu bekommen und stelle meine letzten Fragen zu diesem Komplex.
1. Welchen Anteil an den Vertriebskosten hat der Pharma-Bereich?
2. Wie hoch waren die Vertriebskosten für XARELTO im Jahr 2012?
3. Wie viel von dem Etat war für die direkte Werbung bei Ärzten und in Krankenhäusern vorgesehen?
4. Wie viel Geld investierte BAYER in Ärzte-Fortbildungen zum Thema „XARELTO“?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Die Redetexte der Kritischen Aktionäre in der BAYER-Hauptversammlung 2013
=> Jan Pehrke: Risiken des Gerinnungshemmers Xarelto
=> Philip Mimkes: Vergangenheitsbewältigung à la Bayer
=> Axel Köhler-Schnura: Rede und Aktionsbericht
=> Dr Angela Spelsberg (Transparency International) zur Kooperation der Uni Köln mit BAYER
=> Katrin Weigele zu gefährlichen Antibabypillen
=> Elizabeth Walton (Frankreich) zu gefährlichen Antibabypillen
=> Antje Kleine-Wiskott: Kohleimporte von BAYER
=> Dirk Zimmermann (Greenpeace): Pestizide töten Bienen!
=> Christoph Koch: Bienenschäden durch Neonicotinoide
=> Markus Bärmann: Bienenschäden durch Neonicotinoide
=> Andreas Bemeleit: HIV- und Hepatitis-Infizierung durch Blutprodukte
=> Valerie Williams: Fehlbildungen durch Duogynon/Primodos
=> Dr Gottfried Arnold: Gefahren der CO-Pipeline
=> Dieter Donner (BUND): Gefahren der CO-Pipeline
26. April 2013, Greenpeace
Greenpeace: Bayer-Pestizide töten Bienen
Gegen die für Bienen gefährlichen Pestizide protestieren Greenpeace-Aktivisten heute bei der Aktionärshauptversammlung des Chemiekonzerns Bayer in Köln. „Bayer-Pestizide töten Bienen“ steht auf dem 5 x 15 Meter großen Banner, das die Umweltschützer am Eingang zum Messegelände befestigt haben. In der Studie „Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa“ (http:gpurl.de/OCCga) listet Greenpeace sieben Pestizide auf, deren Einsatz zum Schutz der Bienen eingestellt werden muss. Darunter befinden sich auch die Bayer-Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin aus der Gruppe der umstrittenen Neonicotinoide. Ihr Verbot wird derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Die Chemieindustrie bestreitet bislang ihre Mitschuld am Bienensterben. „Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind eindeutig: Pestizide tragen zum Bienensterben bei“, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace. „Bayer muss endlich die entsprechenden Produkte vom Markt nehmen.“
Die Chemiekonzerne Bayer oder Syngenta haben in der Vergangenheit die Tatsachen ignoriert. Auch die deutsche Politik bleibt untätig. Die EU-Kommission schlägt vor, drei für Bienen gefährliche Pestizide – darunter auch die beiden Bayer-Wirkstoffe – vorübergehend zu verbieten. Bisher hat Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sich bei der Abstimmung enthalten und damit ein sofortiges Verbot blockiert. Am 29. April steht eine erneute Abstimmung der EU dazu an. „Frau Aigner muss ihren Industrie-Protektionismus beenden und am kommenden Montag für den Schutz der Bienen stimmen. Die EU muss die für Bienen gefährlichen Pestizide dringend verbieten, um so eine der Ursachen für das dramatische Bienensterben zu beenden“, sagt Huxdorff.
Verbot gefährlicher Spritzmittel dringend erforderlich
Die Gründe für das weltweite Bienensterben liegen unter anderem in der industriellen Landwirtschaft. Die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert deshalb einen Systemwandel hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft. Ein Verbot gefährlicher Pestiziden ist ein erster Schritt - nicht nur, um das Bienensterben einzudämmen.
„Bienen sind mehr als Honigproduzenten. Birnen, Kirschen Erdbeeren, Tee oder Kaffee sind nur einige unserer Lebensmittel, die es ohne Bestäubung nicht gäbe“, sagt Huxdorff. Bienen sind die weltweit wichtigsten Insekten zur Bestäubung. In den vergangenen Jahren starben europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker. In Deutschland waren es teilweise sogar 30 Prozent.
Digitale Pressemappe: http:www.presseportal.de/pm/6343
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KStA, 26. April 2013
Bayer-Hauptversammlung
Bienen-Attacke auf Bayer
Bayers Aktionärstreffen steht im Zeichen einer Greenpeace-Aktion. Vier Umweltaktivisten seilen sich mit einem Transparent ab. Auf dem werfen sie dem Konzern vor, schuld am Bienensterben zu sein. Von Thomas Käding
Die Bayer-Hauptversammlung und Proteste, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel. Am Freitag geht es an den Nordhallen der Kölner Messe aber besonders hoch her: Vier Leute von Greenpeace seilen sich – unterstützt von vier Helfern – vom Hallendach ab und entrollen ein Transparent. Auf 75 Quadratmetern behaupten die Umweltaktivisten: „Bayer-Pestizide töten Bienen!“ Die Konzernkommunikatoren haben so etwas aber schon geahnt und kontern mit einem eigenen Banner: „Wir machen deutlich mehr für Bienen, als Ihr glaubt.“
Auf eine weitere Aktion ist man aber nicht vorbereitet. Ein Protestler hat Hunderte tote Bienen in seiner Aktentasche versteckt und damit tatsächlich die peniblen Personenkontrollen am Eingang überwunden. „Im Scanner konnte man das nicht sehen“, sagt einer der 775 Sicherheitsleute, nachdem sich die toten Tiere im Foyer der Halle auf den Boden ergossen haben: Punktsieg für die Protestierer.
Drinnen geht es zunächst nicht um Bienen – schon eher um Kohle in jeder Form. Bevor aber Antje Kleine-Wiskott von den Kritischen Aktionären Marijn Dekkers über die Importquote von Steinkohle aus Kolumbien – 40 000 Tonnen pro Jahr – ausfragen kann, geht es um Geld. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt sich besorgt und euphorisiert zugleich: Die teuren Vergleiche mit amerikanischen Frauen, die nach der Einnahme von Antibabypillen, die mit der Schering-Übernahme zu Bayer gekommen sind, krank wurden, bereiten dem Aktionärsvertreter ebenso Kopfzerbrechen wie die schwache Leistung von Bayer Material Science. Toll findet Tüngler dagegen den Geschäftsgang insgesamt: „Wir strotzen vor Kraft.“ Und weil Bayer in diesem Jahr 150. Geburtstag feiert, stellt er vor 3200 Aktionären die Getränkefrage: „Wo ist der Champagner?“
Die Antwort gibt der Hausherr. Werner Wenning, seit vorigem Herbst endlich Chef des Aufsichtsrats und damit Versammlungsleiter, macht Tüngler mit den Regeln des Hauses vertraut: „Champagner gibt es bei uns nur zu vollen Jahrhunderten. Sie sind aber herzlich eingeladen“, sagt der 66-Jährige und lächelt leicht. Wenn schon kein Schampus, dann wenigstens eine überschäumende Dividende – aber auch in dieser Hinsicht macht die Bayer-Führung Tüngler keine Hoffnung. Die in den Raum geworfenen 2,20 Euro pro Aktie – in diesem Jahr sind es 1,90 – bleiben ohne Echo: „Die Dividende wird im Frühjahr 2014 vorgeschlagen“, erwidert Vorstandschef Marijn Dekkers kühl.
Ganz so sachlich bleibt Wenning nicht, als es um die Verabschiedung des Arbeitsdirektors geht. Mit Richard Pott verlässt Ende des Monats der letzte Leverkusener den Bayer-Vorstand. Wenning bezeichnet Pott als „kompetitiven Kollegen“. Diese ungewöhnliche Würdigung bleibt seitens der wachsamen Kritiker des Konzerns, die sich wiederum in stattlicher Zahl zu Wort melden, natürlich nicht unkommentiert: „Ich frage mich: Hat der die ganze Zeit an Ihrem Stuhl gesägt?“ So lautet der Kommentar des Aktionärs Ulrich Giebel, der im Zusammenhang mit der Personalie fragt: „Warum darf Herr Pott mit 60 Jahren in Ruhestand gehen, während Herr Plischke noch mit 62 arbeiten muss?“
Die Antwort fällt leicht: Die Vorstandsmitglieder dürfen sich in einem gewissen Rahmen aussuchen, wann sie aufhören. Und Forschungsvorstand Wolfgang Plischke wird nach dem plötzlichen Abgang von Jörg Reinhardt ja auch noch als Chef der Bayer-Pharmasparte gebraucht. Weitere Themen auf dem Aktionärstreffen sind das Bezahlsystem für den Vorstand, die ausbaufähige Frauenförderung, Tierversuche, die schlechtere CO2-Bilanz – daran ist die chinesische Kunststoffproduktion schuld – und natürlich die Kohlenmonoxid-Pipeline: ein Dauerbrenner. Wo es so viel zu fragen, vorzuwerfen und zu beantworten gibt, darf man nicht auf die Uhr schauen. Auch lange Debatten gehören zwingend zur Bayer-HV.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute Gegenanträge zu gefährlichen Pharmaprodukten zur BAYER-Hauptversammlung am 26. April in Köln eingereicht. Die Gegenanträge werden auch auf der website des Konzerns veröffentlicht.
Gegenantrag zu TOP 2: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet
Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion ungenügend nach und soll daher nicht entlastet werden. Es folgen Beispiele einer verantwortungslosen Konzernpolitik, die vom Aufsichtsrat mitgetragen wird:
Importkohle:
Die deutsche Industrie bezieht ihren Kohle-Bedarf zu 80 Prozent aus dem Ausland. Der internationale Kohlehandel findet jedoch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Fragen nach den Arbeitsbedingungen beim Kohle-Abbau und den ökologischen Folgekosten kommen in der Diskussion um die „Energiewende“ kaum vor.
Auch die Firma BAYER importiert große Mengen Kohle, u. a. Steinkohle aus Kolumbien und Kokskohle aus China (eine genaue Aufschlüsselung hat BAYER bislang nicht vorgelegt). Die BAYER-Tochterfirma CURRENTA ist sogar Mitglied im Verein der Kohlen Importeure. Die umfangreiche Verbrennung von Kohle trägt maßgeblich zum hohen Ausstoß von Treibhausgasen von BAYER - jährlich über 8 Millionen Tonnen CO2 - bei.
Allein aus Kolumbien wurden 2012 rund 10,5 Millionen Tonnen Kohle nach Deutschland verschifft. Fast fünf Millionen Hektar wurden in dem südamerikanischen Land innerhalb eines Jahrzehnts für den Rohstoffabbau freigegeben. Die Arbeitsbedingungen in den kolumbianischen Minen sind katastrophal, das Unfall-Risiko ist hoch. Nach offizieller Statistik forderten Grubengas-Explosionen zwischen 2004 und 2010 rund 500 Menschenleben. Viele Minenarbeiter leiden an Staublunge und anderen Berufskrankheiten.
Die Bildung von Gewerkschaften wird von den Betreibern der Minen mit allen Mitteln bekämpft. Für Repressionen wurden wiederholt Paramilitärs eingesetzt. Mehrere Gewerkschafts-Mitglieder wurden ermordet.
Weder die Minen-Arbeiter noch die örtliche Bevölkerung partizipieren an den hohen Exporteinnahmen. Tausende Kolumbianer haben ihre Lebensgrundlage verloren. Vor allem die Interessen der indigenen und kleinbäuerlichen Bevölkerung geraten unter die Räder. Selbst der ehemalige kolumbianische Umweltminister Manuel Rodríguez kritisiert, sein Land „prostituiere sich mit mangelnden ökologischen und sozialen Auflagen“.
Durch die Kohle-Importe aus Ländern mit mangelnden ökologischen und sozialen Standards macht sich BAYER mitverantwortlich für die dort entstehenden gravierenden Probleme.
Wahlkampfspenden:
Der BAYER-Konzern gehört traditionell zu den wichtigsten ausländischen Spendern im US-Wahlkampf. Im vergangen Jahr waren sogenannte „Politische Aktionskomitees“ von BAYER mit Spenden in Höhe von 261.000 Dollar größter deutscher Förderer der Republikanischen Partei. Bei den vorangegangenen Zwischenwahlen hatte BAYER gezielt Kandidaten gefördert, die den Klimawandel leugnen oder wirkungsvolle Klimagesetze blockieren. BAYER gehörte zudem zu den Unterstützern des Heartland-Instituts, das den Klimawandel leugnet und das am Aufstieg der reaktionären „Tea Party“ maßgeblich beteiligt war.
Die Spenden von BAYER tragen dazu bei, dass Fortschritte beim Umwelt- und Verbraucherschutz blockiert werden. Das Allgemeinwohl bleibt wegen der Partikularinteressen großer Unternehmen auf der Strecke. Aus dem hehren Ideal der amerikanischen Verfassung “One man, one vote“ ist durch die Abhängigkeit von Konzernen mehr und mehr ein “One dollar, one vote“ geworden.
Sportsponsoring:
Jahrelang ließ sich Bayer 04 Leverkusen vom Rekord-Pleitier TelDaFax sponsern. Auch nachdem die Verantwortlichen im Verein von der Schieflage bei TelDaFax erfuhren, kassierte Bayer 04 noch Millionen. Die rund 700.000 Geschädigten hingegen gingen leer aus.
Im vergangenen Sommer hat der Verein einen neuen Sponsorvertrag geschlossen – ausgerechnet mit dem Poker-Unternehmen Betfair.
Der DFB und die deutschen Fußball-Vereine sollten konsequent gegen Wettbetrug, Schiebereien und Bestechungen vorgehen. Stattdessen nahm Bayer 04 nun ausgerechnet Geld von einem Wett-Unternehmen an. Wie unseriös diese Zusammenarbeit war, zeigt sich an der nach nur wenigen Monaten erfolgten Kündigung des Vertrags.
Tier-Antibiotika:
Erstmals hat die Bundesregierung die Menge der in Deutschland verbrauchten Tier-Antibiotika veröffentlicht. Die Zahlen belegen, dass in der Intensiv-Tierhaltung sieben Mal mehr Antibiotika eingesetzt werden als in der Humanmedizin. Hierdurch wird die Entwicklung resistenter Erreger begünstigt. Immer mehr Menschen sprechen auf eine Behandlung mit Antibiotika nicht mehr an – eine oftmals tödliche Gefahr.
Besonders die Verwendung von Wirkstoffen der 3. und 4. Generation ist abzulehnen, da diese als Reserveantibiotika für die Humanmedizin von großer Bedeutung sind. Der BAYER-Konzern bietet mit Baytril aus der Klasse der Fluorchinolone ein solches Reserveantibiotikum für die Tiermast an. Allein acht Tonnen Fluorchinolone wurden im vergangenen Jahr in deutschen Tierställen verabreicht. BAYER trägt daher Mitverantwortung für das zunehmende Auftreten resistenter Keime.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute Gegenanträge zu gefährlichen Pharmaprodukten zur BAYER-Hauptversammlung am 26. April in Köln eingereicht. Die Gegenanträge werden auch auf der website des Konzerns veröffentlicht.
Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet
Der BAYER-Konzern ist für eine Vielzahl von ökologischen und sozialen Problemen verantwortlich. Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung, weswegen ihm die Entlastung zu verweigern ist. Es folgt eine Auswahl aktueller Problemfälle.
Lipobay:
Mehrfach wurde BAYER im vergangenen Geschäftsjahr zu Entschädigungszahlungen an Lipobay-Opfer verurteilt, u.a. in Argentinien und Italien. Die Gerichte stellten eindeutig ein schuldhaftes Verhalten des Konzerns fest. So belegen firmeninterne Dokumente, dass das BAYER-Management die schweren Gesundheitsschäden der Patienten billigend in Kauf nahm und sogar Warnungen aus dem eigenen Haus missachtete.
Die Entscheidungen der Gerichte sind eine große Genugtuung für die Opfer in aller Welt. Trotzdem weigert sich der Konzern, seine Schuld anzuerkennen und alle Betroffenen fair zu entschädigen.
Blutprodukte:
Im vergangenen Geschäftsjahr ist der Bluter Todd Smith im Alter von 50 Jahren gestorben. Todd Smith hatte sich in den 80er Jahren durch Blutprodukte von BAYER mit HIV und Hepatitis C infiziert. Seine Infektionen wären vermeidbar gewesen, wenn der Konzern rechtzeitig die damals verfügbaren Tests und Inaktivierungs-Verfahren eingesetzt hätte.
BAYER war zu diesem Zeitpunkt Weltmarktführer für Blutprodukte. Nach dem Verbot unbehandelter Blutprodukte in den USA und Europa hatte das Unternehmen die übriggebliebenen Chargen nach Lateinamerika und Asien exportiert, wo es zu weiteren Infektionen kam. Bis heute weigert sich BAYER, eine dauerhafte Stiftungslösung zu finanzieren, die den Betroffenen ein würdiges Leben ermöglichen würde. Stattdessen werden die Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt.
Xarelto:
An der Sicherheit des neuen Gerinnungshemmers Xarelto, den BAYER mit aller Macht in den Markt drücken will, gibt es erhebliche Zweifel. So zeigen Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die die Coordination gegen BAYER-Gefahren auf Anfrage erhielt, dass allein im vorigen Jahr nach der Einnahme von Xarelto 58 tödliche Verläufe und 750 schwere Nebenwirkungen auftraten.
In den USA verzögert sich die Zulassung des Präparats zur Nachbehandlung von Blutgerinnseln in der Herzkranz-Arterie. Wegen des hohen Blutungsrisikos forderte die Gesundheitsbehörde FDA von BAYER jüngst weitere Daten zu den Risiken von Xarelto an. Bereits im Februar 2012 hatte die FDA moniert, dass BAYER in den eingereichten Unterlagen drei Todesfälle nicht dokumentiert hatte.
Schon bei den Genehmigungsprozessen zu den Indikationen „Thrombose-Prophylaxe bei Hüft- und Kniegelenkoperationen“ und „Schlaganfall- und Embolie-Prophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern“ hatte es in den Vereinigten Staaten Probleme gegeben. Die Aufsichtsbehörden warfen BAYER unter anderem vor, die Proband/innen, die in der Vergleichsgruppe das Präparat Warfarin einnahmen (verwandt mit Marcumar), nicht richtig eingestellt zu haben.
Fachleute raten von der Verwendung von Xarelto ab. Sie plädieren dafür, weiter an dem bewährten Präparat Marcumar festzuhalten. So stellt die Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft fest: „Insgesamt ergibt sich aus Sicht der AkdÄ für Patienten in Deutschland, die zur Prophylaxe kardioembolischer Erkrankungen bei Vorhofflimmern mit Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon gut zu behandeln sind, kein Vorteil aus einer Therapie mit Dabigatran oder Rivaroxaban (Xarelto). Ihr Einsatz sollte sich auf Patienten beschränken, für die Vitamin-K-Antagonisten keine Therapie-Option sind.“
Neben dem Preis – es ist 15-mal billiger als Xarelto – spricht für Marcumar vor allem, dass es zu ihm im Gegensatz zu Xarelto ein Gegenmittel gibt, das gegebenenfalls schwere Blutungen stoppen kann.
Es darf nicht sein, dass BAYER nur aus Profit-Gründen ein Medikament in den Markt drückt, an dessen Sicherheit es erhebliche Zweifel gibt. Der Konzern sollte aus den Pharma-Skandalen mit LIPOBAY, TRASYLOL und YASMIN gelernt haben. Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, sollten grundsätzlich nicht zugelassen werden.
Pestizide:
Die drei größten Pestizid-Konzerne BASF, BAYER und SYNGENTA, die fast die Hälfte des Pestizid-Weltmarkts kontrollieren, vermarkten jeweils mehr als fünfzig hochgefährliche Wirkstoffe, die unter anderem Krebs auslösen, Nervenschäden und Unfruchtbarkeit verursachen, das Hormonsystem schädigen oder die Biodiversität gefährden können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der jährlichen Pestizidvergiftungen auf 3 bis 25 Millionen. Rund 99% aller Pestizid-Vergiftungen treten in den Ländern des Südens auf.
15. März 2013, Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Aflibercept bei AMD: Keine Belege für Zusatznutzen
Hersteller-Dossier enthält keine verwertbaren Daten für Vergleich mit Ranibizumab
Der Wirkstoff Aflibercept (Eylea®) ist seit November 2012 zur Behandlung der altersabhängigen feuchten Makuladegeneration (AMD) zugelassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einer frühen Nutzenbewertung gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) überprüft, ob dieser neue Wirkstoff gegenüber der bisherigen Standardtherapie einen Zusatznutzen bietet. Aus dem Dossier lässt sich ein solcher Zusatznutzen jedoch nicht ableiten, da der Hersteller für diesen Vergleich keine geeigneten Daten vorgelegt hat.
Patienten in Kontrollgruppe nicht zulassungskonform behandelt
Als zweckmäßige Vergleichstherapie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Wirkstoff Ranibizumab festgelegt. Zwar führt der pharmazeutische Unternehmer in seinem Dossier zwei Zulassungsstudien von Aflibercept an, die Aflibercept mit Ranibizumab direkt vergleichen. Allerdings wurde Ranibizumab hier nicht so eingesetzt, wie es der Zulassung entspricht. So wurde das Beenden oder das Fortsetzen der Behandlung nicht davon abhängig gemacht, ob die Patientinnen und Patienten eine stabile Sehschärfe erreicht hatten oder nicht.
Zwar führt der Hersteller in seinem Dossier weitere Unterlagen an. Diese sind für die Nutzenbewertung jedoch nicht verwertbar, da sie keine verlässlichen Aussagen zum Vergleich von Aflibercept und Ranibizumab ermöglichen.
Insgesamt lässt sich aus den im Dossier vorgelegten Daten kein Zusatznutzen von Aflibercept ableiten.
G-BA beschließt über Ausmaß des Zusatznutzens
Die Dossierbewertung ist Teil des Gesamtverfahrens zur frühen Nutzenbewertung, das der G-BA leitet. Nach der Publikation von Herstellerdossier und Dossierbewertung führt der G-BA ein Stellungnahmeverfahren durch, das ergänzende Informationen liefern und in der Folge zu einer veränderten Nutzenbewertung führen kann. Der G-BA trifft einen Beschluss über das Ausmaß des Zusatznutzens, der die frühe Nutzenbewertung abschließt.
Einen Überblick über die Ergebnisse der Nutzenbewertung des IQWiG gibt folgende Kurzfassung (PDF, 23 kB). Auf der vom IQWiG herausgegebenen Website gesundheitsinformation.de finden Sie zudem eine allgemeinverständliche Kurzinformation.
Auf der Website des G-BA sind sowohl allgemeine Informationen zur Nutzenbewertung nach §35a SGB V als auch zur Bewertung von Aflibercept zu finden.
NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU, 19. März 2013
Erörterung zur Produktionsumstellung im Brunsbütteler Bayer-Werk:
Einwender sorgen sich um den Umgang mit Phosgen
Brunsbüttel. Es geht um den Standort von Bayer in Brunsbüttel. Und es geht um die Sicherheit von Anwohnern. Gestern begann im Elbeforum die öffentliche Erörterung von Einwänden gegen das 120-Millionen-Vorhaben, mit dem der Chemiekonzern den Standort in der Schleusenstadt fit machen will für die Zukunft. Den Termin, der heute um 10 Uhr seine Fortsetzung findet, hatte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) anberaumt: die Erörterung ist Teil des Genehmigungsverfahrens. 76 Einwender hatten im Vorfeld 63 Einwendungsschreiben an das LLUR verfasst. Vertreter des Werks, Einwender und Experten diskutieren die Kritikpunkte, versuchen, Bedenken auszuräumen.
„Es geht uns um langfristige Entscheidungen, die nicht nur für Bayer Bedeutung haben, sondern auch für die Nachbarn“, betonte Werkleiter Dr. Klaus Gebauer. Gleichwohl müsse man nicht in jedem Punkt einer Meinung sein. Für das Werk hat die geplante Investition auf jeden Fall grundlegende Bedeutung, machte Gebauer deutlich: „Es dreht sich um die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft unseres Standorts.“ Denn die Leverkusener Konzernmutter setze künftig auf die Produktion in Großanlagen. So weit sei das Werk im ChemCoastPark aber noch nicht. Daher die beabsichtigte Produktionsumstellung von MDI (200 000 Jahrestonnen) und TDI als Schaumstoffprodukte auf die alleinige Herstellung von MDI (420 000 Tonen im Jahr) für harte Schäume, wie sie in Dämmstoffen verwendet werden. Ein Knackpunkt aus Sicht der Einwender ist dabei der Umgang mit Phosgen (siehe Infokasten).
Für das Unternehmen kein Problem, betonte Gebauer. „Die Bayer-Sicherheitsstandards gelten inzwischen für die Phosgen-Produktion weltweit“, betonte er. Ohnehin sei das Sicherheitskonzept des Industrieparks sehr hoch entwickelt. Gutachten hätten dies bestätigt. „Wir möchten unseren Beitrag leisten, damit Bayer am Standort investiert und uns eine langfristige Zukunft gibt“, betonte der Werkleiter.
Dr. Karsten Hinrichsen und Eilhart Stelzner äußerten sich jedoch skeptisch, was den Umgang mit einer Substanz angeht, die als „Grünkreuz“ im Ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangte und Zehntausende das Leben kostete.
Hinrichsen betonte gegenüber unserer Zeitung, dass es nicht darum gehe, den Ausbau von Bayer MaterialScience in Brunsbüttel zu verhindern. „Wir sehen uns als Teil der Genehmigungsbehörde“, erklärte er seine Einstellung. Aber, so der Brokdorfer, es solle versucht werden, das höchstmögliche Maß an Investitionen in die Sicherheit herauszuholen und sich nicht mit - für das Werk günstigeren - Mindeststandards zufrieden zu geben. „Einen Jahresprofit kann man hier investieren“, befand er. An die Adresse Klaus Gebauers betonte er, dass er ihm die geäußerte Sorge um die Sicherheit der Nachbarschaft abnehme. Aber Konzern und Aktionäre wollten Geld sehen, und „jedes Mehr an Sicherheit kostet Geld“. Hinter sich wissen Hinrichsen und Stelzner die Umweltorganisation BUND. Das sei zumindest dann wichtig, wenn es doch zu einer Klage kommen solle.
Ganz wichtig ist den beiden Einwendern im Zusammenhang mit Phosgen die Einhausung des Reaktors mit Beton und nicht wie geplant mit Trapezblechen. Diese hielten einer Explosion nicht Stand, sagte Hinrichsen. Da genüge auch nicht, wie im jetzigen Reaktor, eine Wand aus Ammoniak. Offen sind für ihn Folgen von Terrorismus oder eines Flugzeugabsturzes. Selbst ein denkbarer Bruch des Elbdeichs werfe Fragen auf: „Wie hoch steht dann das Wasser auf dem Werksgelände?“
Ohnehin vermisste Hinrichsen einen Sicherheitsbericht bei den Antragsunterlagen von Bayer. Daher müsse dieser Punkt ausgeklammert und gesondert erörtert werden. Das hätte jedoch ein schnelles Ende der gestrigen Erörterung bedeutet, dreht sich doch ein Großteil der Einwände um Gefahren im Zusammenhang mit Phosgen.
Dazu allerdings hatten die Vertreter des LUR eine andere Auffassung. Die Unterlagen genügten den Anforderungen, sonst wäre die Erörterung gar nicht zustande gekommen. Zudem sei der Umweltgutachter Dr. Ralph von Dincklage mit einer weiteren Expertise beauftragt worden. Die sei jedoch noch nicht fertig, erklärte der Fachmann.




