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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

Strafzahlung

CBG Redaktion

3. März 2000

Wegen ungenehmigtem Export von Chemikalien:

US Handelsministerium verhängt Strafe gegen Bayer AG

Das Bureau of Export Administration, Teil des US-Handelsministeriums, hat am Mittwoch eine Strafe von 200.000 US$ gegen die amerikanische Bayer Corporation verhängt. Die Diagnostika-Abteilung des Unternehmens hatte zwischen 1994 und 1997 Glukose und andere Chemikalien exportiert, ohne die hierfür erforderlichen Ausfuhrgenehmigungen einzuholen. Die US-Regierung reglementiert den Verkauf von Glukose, da diese für den Bau chemischer und biologischer Waffen verwendet werden kann. Insgesamt wurden 57 Fälle beanstandet, u.a. Exporte nach Malaysia, Süd Korea, Taiwan und Südafrika. Das Handelsministerium greift ein, wenn es die nationale Sicherheit gefährdet sieht oder wenn ein Verdacht auf Weitervergabe von Waffentechnologie vorliegt.
Die amerikanische Bayer Corporation ist eine 100%ige Tochter der Leverkusener Bayer AG. Kritiker werfen dem Konzern seit Jahren vor, risikoreiche Chemikalien bedenkenlos zu exportieren. Das Unternehmen wollte die Strafe zunächst nicht kommentieren.
Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren: “Die Firma Bayer ist die Erfinderin chemischer Waffen und hat in beiden Weltkriegen Kampfstoffe entwickelt. Bayer trägt daher eine besondere Verantwortung, die Herstellung von Chemiewaffen zu unterbinden. Der Fall zeigt, dass Exportkontrollen dringend verschärft werden müssen – auch in Europa.” Die neueste Generation chemischer Kampfstoffe, die sogenannten VX-Gase der US Armee, gehen ebenfalls auf ein Patent von Bayer zurück.

UNO-Report

CBG Redaktion

20. Dezember 2001

Bericht der UNO bekräftigt Vorwurf:

Bayer-Tochter H.C. Starck bezieht Rohstoffe aus Bürgerkriegsgebiet

Ein zweiter Bericht der Vereinten Nationen bestätigt den Verdacht, dass die Bayer-Tochter H.C. Starck Rohstoffe aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet bezieht und damit den mörderischen Konflikt am Leben erhält. Nach Angaben der UN wird der Krieg in Zentralafrika wegen des Zugangs zu fünf strategischen Rohstoffen, darunter das in der Elektronik-Industrie verwendete Metall Tantal, geführt. H.C. Starck ist der weltweit größte Produzent von Tantal. Das International Rescue Committee schätzt, dass in Folge der Kriegshandlungen seit 1997 rund 2,5 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben.

Das Mineral Tantalit wird im Osten des Kongo abgebaut, der von der Rebellenarmee RCD kontrolliert wird. Die UN hatte bereits im Frühjahr in einem ersten Bericht ein Embargo gefordert, da sich alle Kriegsparteien mit dem Verkauf von Rohstoffen finanzieren. Nun haben die Vereinten Nationen einen Folgebericht („Addendum“) vorgelegt, der erneut auf die deutsche Mitverantwortung bei der Tantalit-Ausbeutung hinweist und ein Importstop fordert.

H.C.Starck hatte erst im Oktober zugegeben, Tantalit aus dem von Rebellen besetzten Teil des Kongo zu beziehen. Die Bayer-Tochter weigert sich jedoch, ihre Zulieferer zu nennen. Händler und Unternehmen im Osten des Kongo zahlen hohe Abgaben und Zölle an die RCD, die hiermit Soldaten rekrutiert und Waffen kauft. Philipp Mimkes, Sprecher der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „H.C. Starck macht im Kongo blutige Profite. Die Firma trägt Mit-Verantwortung für Umweltzerstörung und grauenhafte Kämpfe. Wir fordern Starck auf, den Tantal-Import aus Zentralafrika umgehend einzustellen.“

Werner Paczian, Sprecher von Rettet den Regenwald, warnt: „Mit den Menschen sterben auch die einzigartigen kongolesischen Urwälder, die von sämtlichen Kriegsparteien rücksichtslos geplündert werden. Als Nahrung dient den Milizen vor allem so genanntes bushmeat, darunter Gorillas, Elefanten und Schimpansen.“
Das Addendum der UN weist zudem darauf hin, dass große Mengen Tantalit aus dem Kongo nach Kasachstan geliefert werden und dort von staatlichen Atomfirmen verarbeitet werden. H.C. Starck kooperiert seit Anfang der 90er Jahre bei der Verarbeitung nicht-eisenhaltiger Metalle eng mit der kasachischen Atomindustrie, was in der Vergangenheit zu großen Umweltschäden führte.

UN-Report: www.un.org/Docs/sc/letters/2001/1072e.pdf

Rettet den Regenwald e.V.
Tel. +49- 40 - 4103804 Fax:+49- 40 - 4500144
eMail: info@regenwald.org www.Regenwald.org

Aufspaltung Bayer

CBG Redaktion

6. Dezember 2001

Zur angekündigten Aufspaltung der Bayer AG:

Konzernkritiker fordern langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen

Kritiker der Bayer AG befürchten, dass die geplante Aufteilung des Konzerns in mehrere unabhängige Unternehmen Nachteile für die Belegschaft nach sich zieht. Der Aufsichtsrat der Bayer AG will nach seiner heutigen Sitzung Details der geplanten Aufspaltung bekannt geben.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Die Erfahrung bei der Zerschlagung der Hoechst AG zeigt, dass die angekündigten Rationalisierungsgewinne zu Lasten der Beschäftigten gehen - Tausenden Bayer-Mitarbeitern drohen Einkommensverluste oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Und erfahrungsgemäß wird durch die Atomisierung des Unternehmens die Arbeit von Betriebsräten und Gewerkschaften erschwert“. Mimkes kritisiert zudem, dass der Gesamtkonzern nicht mehr für Störfälle oder gefährliche Produkte haftet.

Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG ergänzt: „Die Belegschaft zahlt die Zeche für die Fehler des Managements - gleichzeitig haben sich die Gehälter der Vorstandsmitglieder in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.“ Nach dem Lipobay-Desaster im Sommer hatte der Vorstand allein im Bereich Pharma die Vernichtung von rund 4.000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Die CBG fordert eine dauerhafte Beschäftigungs- und Gehaltsgarantie für alle Angestellten des Unternehmens. Betriebsräte im Bayer-Werk Leverkusen rufen für kommenden Montag zu einer Protestdemonstration auf.

Störfall Uerdingen

CBG Redaktion

Pressemitteilung des VSR (Verein zum Schutz des Rheins)

Salpetersäureentsorgung stört BAYER-Produktion

Katastrophe wirft Fragen zum Krisenmanagement bei BAYER und der Landesregierung auf

Die Entsorgung des an der BAYER-Reede in Uerdingen gesunkenen Salpetersäure-Tankers rief BAYER auf den Plan. Nach einer Stunde Abpumpen mussten die Arbeiten am Mittag unterbrochen werden, da ein Ansaugstutzen des BAYER-Werkes in direkter Nähe der Unglücksstelle liegt. Sinkt der pH-Wert wird kein Wasser mehr eingezogen, die Bayer-Produktion liegt lahm. Nicht Gedanken zur Schädigung der Tiere und Pflanzen riefen eine Änderung der Planungen hervor, nein die Anforderungen der Industrie an die Wasserqualität mußten erfüllt werden, erst dann konnte man weiter die giftige, hochaggressive Säure in den Rhein gießen.

Katastrophales Krisenmanagement dokumentiert das ständige hin und her bei den Entscheidungen in Uerdingen. Nachdem weder BAYER noch die auf Gefahrguttransporte spezialisierte Reederei innerhalb von vier Tagen in der Lage waren, die noch im Schiffsrumpf verbliebenden Säure aus dem havarierten Schiff abzupumpen, wurden jetzt andere Lösungen gesucht. Damit das Tankschiff bei dem nun seit Tagen wieder steigendem Wasserstand nicht auseinanderbricht und seine schädliche Fracht sich dann plötzlich in die Umwelt ergießt, entschied man sich die Ladung kontinuierlich in den Rhein zu pumpen. Nachdem die Aktion am Montagnachmittag begann, brach man sie nach Stunden ab (DPA- Meldung). Durch den hohen Säuregehalt im Rheinwasser war die Wasserentnahme des BAYER-Werkes gefährdet. Erst nachdem eine über 80 m lange Leitung verlegt worden war, konnte die Salpetersäure weiter abgepumpt werden (Meldung Rheinische Post).
Damit verschwandt die Säure nun doch noch in den Fluten. Die gefüllten Tanks sind scheinbar für unsere hochtechnisierte Industrie ein großes Problem. Wir schicken Menschen auf den Mond und Sonden zu anderen Planeten - aber wir sind nicht in der Lage die Tanks eines Schiffes ohne Gefahren für die Umwelt leerzupumpen ! Noch dazu lag das Schiff nicht irgendwo auf Grund, sondern direkt unterhalb der Pumpanlagen der BAYER-Betriebes in Uerdingen - keine achtzig Meter entfernt!

Wie konnte es eigentlich zum Sinken des Tankers kommen? Es war doch eigentlich kein großer Unfall passiert. Durch eine undichte Leitung liefen nach Angaben von BAYER gerade mal 16 t Salpetersäure der gesamten Fracht von 1800 t zwischen die Tank- und Bordwand. Hierdurch wurden im Schiff liegende Taue und andere brennbare Materialien entzündet. Zusätzlich verursachte die aggressive Säure ein Leck in der Außenwand des Schiffes, das daraufhin sank. Wieso gab es an Bord kein Warnsystem, das frühzeitig diesen unkontrollierten Säureverlust hätte feststellen können? Warum konnte die auslaufende Säure nicht neutralisiert werden? Wenn schon so ein kleines Leck im Inneren des Tankschiffes eine derartige Katastrophe verursachen kann, was würde dann passieren, wenn der Tanker mit eine anderen Schiff kollidiert wäre, dann wären nicht nur 16 t ausgelaufen, sondern wahrscheinlich sehr viel mehr. Das Zusammenstöße auch auf dem Rhein passieren, zeigte die Kollision zwischen einem Schubverband und einem Gastanker auf dem Rhein bei Millingen einen Tag früher. Es stellt sich für uns die brennende Frage, war das Schiff überhaupt sicherheitstechnisch so weit ausgestattet, dass es eine Kollision ohne größeren Verlust an Säure überstanden hätte.

Wegen des seit einigen Tagen durch Regenfälle im Oberlauf des Rheins steigenden Wasserstandes drang weiteres Wasser in das Schiff ein. Durch die erhöhte Fleißgeschwindigkeit des Rheins an der BAYER-Reede soll sich das Schiff auch schon auf dem Grund bewegt haben. Glaubwürdig ist diese Aussage, da die Ladestelle des BAYER-Konzerns direkt am Prallufer des Rheins bei Uerdingen liegt. Jedes Schiff das dort anlegt hat mit der Strömung zu kämpfen. Nach Angaben der Feuerwehr soll jetzt das Risiko bestehen, dass die Verbindungen der einzelnen Tanks brechen und die sich noch im Schiff befindende Säure unkontrolliert austritt. Um die Gefahr zu bannen, soll die Ladung in den Rhein gepumpt werden. Hätte BAYER wie BASF am Oberrhein für die Be- und Entladung dieser sehr gefährlichen Stoffe ein vom Rhein getrennten Becken, so wäre auch diese Gefahr gebannt. Man könnte im stehendem und nicht wie in diesem Fall im stark strömenden Wasser die Bergungsarbeiten durchführen - aber eine Ladestelle im Strom ist halt wesentlich billiger, dafür aber gefährlicher.

Die Salpetersäure, die sich nun in den Rhein ergießt gehört zu den stärksten anorganischen Säuren die wir kennen. Sie wird sich dann, da sie schwerer als Wasser ist zuerst am Boden des Rheins sammeln und mit der Strömung flußabwärts treiben. Auf ihrem Weg über die Sedimente wird sie sämtliches Leben dort abtöten. Nach einiger Zeit wird das turbulente Wasser sie soweit verdünnen und verteilen, dass die akute toxische Wirkung nachläßt. Auf ihrem todbringenden Weg durch die Sedimente wird sie auch die dort angelagerten Schwermetalle mobilisieren und damit den Rhein zusätzlich belasten. Wenn sie weit genug verdünnt ist werden ihre Reaktionsprodukte wie Nitrat zum Problem. Dieses kann mit dem steigendem Wasser zusammen mit den mobilisierten Schwermetallen die grundwasserführenden Schichten im Uferbereich in die flußnahen Brunnen eindringen und zusätzliche Belastungen bei der Trinkwassergewinnung hervorrufen. Die im Wasser des Rheins verbleiben Nitrate werden mit dem Fluß dann in Richtung Nordsee getragen und sorgen dort für eine weitere Düngung der dort in Übermaß schon heute wachsenden Algen.

1300 t Salpetersäure bedeuten für das Ökosystem nicht nur eine extrem hohe Säurefracht, sondern auch zusätzlich etwa 300 t Stickstoff. Bei dem in den letzten Jahren mit hohen Kosten durchgeführten kommunalen Kläranlagenausbau hatte man es gerade mal geschafft, die Stickstofffracht des Rheins täglich um etwa 120 t Stickstoff zu verringern. Nun leitet man ein vielfaches wieder ein.

Kosteneinsparung bei der Sicherheitsausstattung des Schiffes führte zum Sinken und Kosteneinsparung bei der Anlage des Hafens führte zur Gefahr des Auseinanderbrechens. Wir müssen endlich erkennen, dass die Sicherheit beim Transport auf unsere Flüssen erhöht werden muß. Mit der Genehmigung solche ungeeigneten Hafenanlagen und Schiffe für den Transport derart hochbrisanter Ladungen zu verwenden, werden bei größeren Unfällen viele kostenintensive Erfolge im Umweltschutz wieder aufgehoben. Es ist dringen notwendig die entsprechende Investitionen zu tätigen, um die Risiken durch die Gefahrguttransporte zu verringern.

Geldern, im November 2001

Dipl.-Phys. Harald Gülzow
Pressesprecher Verein zum Schutz
des Rheins und seiner Nebenflüsse (VSR)

Uerdingen

CBG Redaktion

21. November 2001

Tankschiff-Brand am Bayer-Werk Uerdingen

Sicherheits-Überprüfung gefordert

Ein mit 1.800 Tonnen Salpetersäure beladenes Tankschiff ist auf dem Rhein in Krefeld-Uerdingen vor einer Anlegestelle der Bayer-Werke leckgeschlagen. Die Behörden haben internationalen Rheinalarm ausgerufen. Das Einatmen von Salpetersäure-Dämpfen kann zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lungenbläschen führen.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG): „Die floskelhafte Behauptung des Unternehmens, dass für die Bevölkerung keinerlei Risiko besteht, ist zu diesem frühen Zeitpunkt unglaubwürdig.“ Die CBG fordert systematische Untersuchungen der Anwohner, um mögliche Langzeitschäden aufzudecken, sowie eine langfristige Beobachtung der ökologischen Auswirkungen für den Rhein.

Der Chemiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Jürgen Rochlitz ergänzt: „Die vorschnellen Aussagen der Behörden und der Bayer AG sind so nicht hinzunehmen. Salpetersäure ist eine giftige Substanz, deren Risiken nicht unterschätzt werden dürfen.“

Bereits im Mai 1999 war bei der Bayer-Tochter EC Erdölchemie ein Tankschiff explodiert. Drei Menschen kamen damals ums Leben, mehrere Tonnen Benzin flossen in den Rhein. Die CBG fordert daher jetzt eine Überprüfung der Sicherheits-Standards der Tankschiffe und der Verladehäfen von Bayer durch unabhängige Gutachter. Mimkes weiter: „In den Bayer-Werken wird ausgerechnet bei der Feuerwehr und den Kontrolleinrichtungen gespart. Sicherheit muss aber vor Gewinnoptimierung gehen.“

Die CBG beobachtet den Multi Bayer seit über 20 Jahren.
Mit konsequenter Öffentlichkeitsarbeit werden die Bereiche Umweltschutz, Arbeitssicherheit, Probleme in der Dritten Welt und Einflussnahme auf die Politik beleuchtet. Zahlreiche Erfolge wurden verbucht, so ein Sieg vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Leverkusener Multi und die Verhinderung mehrerer umstrittener Werke.

PCB

CBG Redaktion

15. November 2001

The Lancet: PCB verlangsamen Entwicklung von Kleinkindern

„Bayer AG an Entsorgungskosten beteiligen“

Polychlorierte Biphenyle (PCB) stören laut einer Untersuchung der Universität Düsseldorf gravierend die Entwicklung von Kleinkindern. PCB wurden viele Jahre als Weichmacher in Kunststoffen, in Baumaterialien und zur Isolation von elektrischen Bauteilen eingesetzt. Die Chemikalie findet sich in Tausenden öffentlichen Gebäuden, besonders in Schulen. Größter europäischer PCB-Hersteller war die Leverkusener Bayer AG.

Die Ergebnisse des Umwelt-Mediziners Gerhard Winneke finden sich in der aktuellen Ausgabe des Ärzte-Blatts The Lancet. Winneke und seine Kollegen beobachteten über einen Zeitraum von 31/2 Jahren Gesundheit und geistige Entwicklung von 171 Kleinkindern. Sie untersuchten die Kinder in regelmäßigen Abständen und bestimmten den PCB-Gehalt von Muttermilch und Nabelschnur-Blut. Dabei zeigte sich, dass bei erhöhten PCB-Befunden die betroffenen Kinder geistig und motorisch zurückblieben. Als hoch belastet gilt laut Studie etwa jedes zwanzigste Kind.

Die Psychologen Joseph und Sandra Jacobson von der Wayne- Universität in Detroit schreiben in einem begleitenden Kommentar, dass der Unterschied in der Entwicklung zwischen gering und hoch PCB- belasteten Kindern dem Entwicklungs-Abstand von Kleinkindern in einer anregenden Umwelt im Vergleich zu wenig geförderten Kindern entspricht.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.: „Für einen Großteil der heutigen PCB-Belastung sind Produkte der Bayer AG verantwortlich. Das Unternehmen hat Milliarden mit PCB umgesetzt und muss sich heute an den Entsorgungskosten dieser gefährlichen Chemikalie beteiligen“. Axel Köhler-Schnura von der CBG ergänzt: „Bayer weigerte sich bis zuletzt, die Produktion und den Vertrieb der hochgefährlichen PCB einzustellen, selbst nachdem die internationale Konkurrenz die Produktion freiwillig gestoppt hatte.“

PCB sind extrem beständig und reichern sich überall auf der Welt in Lebewesen wie Fischen und Vögeln und Nahrungsmitteln wie Eier, Margarine und Milch an. Seit 1989 ist in Deutschland die Herstellung und die Verarbeitung von PCB verboten. Seitdem geht die Belastung zurück, „doch noch immer nehmen die Menschen relativ hohe Mengen über die Nahrung und in geringem Umfang auch über die Luft auf“, teilt das Umweltbundesamt mit.

Pestizide

CBG Redaktion

17. Oktober 2001

Protest gegen gefährliche Pestizide

Initiativen übergeben 700 Postkarten / Bayer weltweit

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Durch die Übernahme der AVENTIS CROP-SCIENCE AG steigt das Unternehmen BAYER im Bereich Pestizide zur Nummer 2 in der Welt auf. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren und die Solidarische Kirche im Rheinland fordern BAYER zu diesem Anlass auf, alle Pestizide, die Wirkstoffe der Gefahrenklasse 1 enthalten, weltweit vom Markt zu nehmen.

Um der Forderung Nachdruck zu verleichen, übersenden die Vereine heute 700 Protestpostkarten und einen Offenen Brief, der von 200 Organisationen aus 40 Ländern unterstützt wird.

Die BAYER AG hatte 1995 versprochen, alle Pestizide der WHO- Gefahrenklasse 1 durch ungefährlichere Wirkstoffe zu ersetzen, diese Ankündigung jedoch nicht umgesetzt. Noch immer befinden sich daher hochtoxische Wirkstoffe wie Parathion-Methyl, Nemacur und Azinphos-Methyl im BAYER-Sortiment.

Jahr für Jahr treten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehrere Millionen Pestizidvergiftungen auf - hauptsächlich in den Ländern des Südens. Mindestens 40.000 Fälle verlaufen tödlich.

Die Solidarische Kirche und die CBG hatten aktuelle Vergiftungsfälle durch BAYER-Pestizide auf dem Kirchentag in Frankfurt präsentiert. 700 Besucher des Kirchentags unterstützten die Forderung der Vereine.

PROTESTBRIEF an die BAYER AG

Die Unterzeichner fordern die BAYER AG auf, alle Pestizidprodukte, welche aktive Wirkstoffe der Klassifikation 1 der Weltgesundheits-
organisation (WHO) enthalten, unverzüglich weltweit vom Markt zu nehmen.

Im BAYER Geschäftsbericht von 1995 hieß es: „Mit einem “Drei Punkte Programm„ haben wir uns hinsichtlich Forschung, Entwicklung und Vertrieb der Pflanzenschutz-Produkte klare Ziele für die kommenden fünf Jahre gesetzt, um wichtige Aspekte wie Umweltschutz und Produkt-
sicherheit noch weiter voranzubringen. So werden wir die eingesetzte Produktmenge je Anwendung noch weiter reduzieren und Produkte der WHO- Toxizitätsklasse 1 schrittweise durch Präparate mit geringerer Giftigkeit ersetzen.“

Diese Ankündigung wurde bis heute nicht umgesetzt. Uns ist bekannt, dass sich noch immer BAYER Produkte mit folgenden Wirkstoffen im Handel befinden:

Aktiver Wirkstoff WHO Klassifikation
Azinphos-methyl 1b
Carbofuran 1b
Coumaphos 1a
Oxydemeton-methyl 1b
Disulfoton 1a
Ethyl- und Methyl-parathion 1a
Fenamiphos 1a
Methamidophos 1b

Klassifikation „1b“ entspricht „hoch gefährlich“
Klassifikation „1a“ entspricht „extrem gefährlich“

Wir bitten Sie um eine rasche Stellungnahme und fordern den Sie auf,
Ihr Versprechen aus dem Jahre 1995 umgehend einzulösen.

WWF Deutschland, Pestizid Aktions-Netzwerk, Coordination gegen BAYER-Gefahren, Friends of the Earth (USA), Beyond Pesticides/National Coalition against the Misuse of Pesticides (USA), Red de Acción en Plaguicidas y sus Alternativas para América Latina (Peru), Pesticide Action Network North America (USA), Centro de Tecnologias Alternativas da Zona da Mata (Brasilien), Toxics Link (India), Pesticide Action Network Asia & the Pacific (Malaysia) sowie 200 Organisationen und 700 Personen aus 40 Ländern

Terrorgefahr

CBG Redaktion

11. Oktober 2001

zum heutigen Bericht des Magazins stern:

Risiken für Chemiewerke durch Flugverkehr

Das Magazin stern berichtet in seiner heutigen Ausgabe, dass einer der mutmaßlichen Todespiloten von New York, Marwan Al-Shehhi, in Bonn Flugunterricht genommen hat und mit seinem Lehrer über Chemiewerke im Kölner Raum geflogen ist. An der Kölner Stadtgrenze befinden sich die Bayer-Werke Leverkusen und Dormagen, in denen hochgefährliche Chemikalien wie Phosgen produziert werden.

Hierzu Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG): „Chemiewerke sind gegen abstürzende Flugzeuge in keiner Weise gesichert. Die Risiken für die Anwohner sind nur mit denen von Atomkraftwerken zu vergleichen.“ Die CBG fordert ein generelles Überflugverbot für Chemiefabriken und einen Sicherheitsabstand zwischen Betrieben und Wohngebieten. Mimkes erinnert daran, dass bereits Anfang der 80er Jahre ein Sicherheitsabstand zwischen Fabriken und Wohnhäusern vorgeschrieben werden sollte.
Der sogenannte „Abstandserlass“ wurde jedoch auf Druck der Chemie-Industrie zurückgenommen.

Die Werke in Leverkusen und Dormagen liegen in der Einflugschneise des Flughafens Köln-Bonn, Nacht für Nacht fliegen rund 30 große Transportmaschinen über die Fabriken. Beide Fabriken stellen hochgefährliche Chlororganika wie Phosgen, Dinitrotoluol, Toluylendiamin und Toluylendiisocyanat her. Phosgen diente im
1. Weltkrieg als Kampfgas (Senfgas), wenige Gramm können zum Tod führen.

Im Leverkusener Bayer-Werk werden jährlich mehr als 100.000 Tonnen Phosgen produziert. Die CBG weist seit den 80er Jahren auf die Gefährdung der Bevölkerung durch Flugzeugabstürze hin.

EU-Positivliste

CBG Redaktion

8. Oktober 2001

Durch geplante EU-Positivliste:

Wiederzulassung hochgefährlicher Pestizide befürchtet

Umweltverbände befürchten die Wiederzulassung hochgefährlicher Pestizide durch eine von der EU geplante Positivliste. Hierdurch könnten in Deutschland verbotene Stoffe wie Fenthion und Azinphosmethyl, hergestellt von der Leverkusener Bayer AG, wieder regulär in den Handel kommen. Bedenken des Umweltbundesamtes (UBA) wurden vom deutschen Agrarministerium, das die Bundesregierung in Brüssel vertritt, nicht berücksichtigt.

Die EU-Kommission arbeitet momentan an einer Liste von Wirkstoffen, die in allen Mitgliedsländern zulassungsfähig sind. Auf Drängen der Industrie werden darin auch extrem toxische Organophosphate aufgenommen, die eine große Bedrohung für Nützlinge und Vögel darstellen. Das UBA kritisiert, dass die ökologischen Risiken der Pestizide relativiert und bedenkliche Substanzen als tolerierbar angesehen werden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren:
„Die wirtschaftlichen Interessen der Hersteller dürfen nicht höher bewertet werden als Gesundheit und Umweltschutz. Statt hochgefähr-
liche Gifte zu rehabilitieren, muss die EU alle Organophosphate verbieten.“ Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert die „Wiederzulassung durch die Hintertür“.

Azinphosmethyl und Fenthion werden in Kirschplantagen und im Weinbau angewendet. Die Bayer AG, die durch den Kauf der Aventis Cropscience zum weltweit zweitgrößten Pestizidhersteller aufsteigt, stellt die Agrogifte seit über 40 Jahren her.

Fenthion wird für große Vogelsterben in mehreren Ländern verantwortlich gemacht. Die amerikanische Umweltbehörde bezeichnet das Pestizid als „Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt.“ Nach Angaben von Vogelschützern gefährdet die Verwendung von Fenthion 16 Vogelarten in ihrem Bestand.

Rechtsradikale

CBG Redaktion

2. Oktober 2001

Bayer-Mitarbeiter organisiert neonazistische Initiative

Antifaschistisches Bündnis in Krefeld gegründet

Seit Jahren ist in Krefeld und Umgebung eine rechtsextreme Gruppe mit dem Namen Krefelder Forum Freies Deutschland bzw. Krefelder Gesprächskreis - Deutsche Politik aktiv. Die Gruppe unterhält enge Kontakte zu führenden deutschen Rechtsextremisten wie Horst Mahler und Herbert Schweiger. Mahler hatte nach den Attentaten von New York geschrieben: „Die militärischen Angriffe auf die Symbole der mammonistischen Weltherrschaft sind - weil sie vermittelt durch die Medien den Widerstandsgeist der Völker beleben und auf den Hauptfeind ausrichten - eminent wirksam und deshalb rechtens.“

Organisiert werden die neonazistischen Aktivititäten in Krefeld von Hans-Ulrich Höfs, Mitarbeiter der Bayer AG. Höfs, rechtskräftig verurteilt wegen Volksverhetzung, wurde wegen seiner Aktivitäten im Betrieb abgemahnt und versetzt, jedoch nicht gekündigt. Hierzu Axel Köhler- Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Bayer sollte ein Zeichen setzen und sich von Höfs trennen. Neonazismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

Um den Rechtsextremen in Krefelder Raum entgegenzutreten, hat sich das Forum Nazifreies Krefeld gegründet. Ein erster Erfolg des Bündnis war die Kündigung von Versammlungsräumen in einem Krefelder Lokal. Das Bündnis tritt nun mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit, um den neonazistischen Umtrieben in Krefeld ein Ende zu bereiten.

Gemeinsame Erklärung

Warum geschieht eigentlich nichts?

Seit langem existiert im Krefelder Stadtteil Uerdingen eine besonders aktive rechte Szene. Z.B. war das kirchliche Jugendzentrum in Krefeld-Uerdingen in der Vergangenheit durch eine „rechte Gang“ von der Schließung bedroht. Seit langem ist auch bekannt, daß Dr. Hans- Ulrich Höfs einer oder vielleicht sogar der Kopf dieser Szene ist.

Wer ist Höfs?
Dr. Hans-Ulrich Höfs ist seit vielen Jahren politisch aktiv. Früher war er CDU-Mitglied und im CDU-Ortsverband Bockum tätig. Doch bereits lange zuvor war er in rechten Zusammenhängen umtriebig. So war er Bundesvorsitzender des „Gesamtdeutschen Studentenverbandes“, einer Gruppierung in der sich viele ultrarechte Hochschulaktivisten gesammelt hatten.

1989 verließ Höfs die CDU und gründete in Krefeld die „Republikaner“, deren Kreisvorsitzender er wurde. Mehrere Krefelder REP-Mitgründer kamen mit Höfs aus der CDU, andere aus der NPD. Seit einigen Jahren ist Höfs nicht mehr als REP tätig, sondern als Initiator und Leiter des „Krefelder Gesprächskreis - Deutsche Politik“ und des „Krefelder Forum Freies Deutschland“.

Über diese beiden Gruppierungen und Höfs wird auch im Verfassungsschutzbericht NRW informiert. Auch in Krefeld ist sein „Forum“ gerichtsbekannt. Höfs wurde 1996 aufgrund eines Flugblattes, das nach Ansicht des Gerichts an einem Aufruf zum Rassenwahn grenzte, zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt. Auch ist eine öffentliche Äußerung von ihm bekannt, daß er den Begriff „Neonazis“ für einen Ehrentitel hält.

Am 27. Januar 1998 wurde eine Veranstaltung mit M. Friedmann im Krefelder Moltke-Gymnasium zur Eröffnung der Auschwitz-Ausstellung der Villa Merländer von Neonazis gestört. Beim späteren Prozeß gegen den Hauptstörer und Holocaust-Leugner wurde ausgeplaudert, daß das „Krefelder Forum“ über die Taktik der Vortragsstörung bei der Veranstaltung mit M. Friedmann und die zu erwartende Anzeige ausgiebig gesprochen hatte.

Vor einigen Jahren war Höfs Mitveranstalter eines geplanten Treffens in Uerdingen mit Herbert Schweiger, ehem. SS-Mann und Chefideologe der verbotenen NF, der jedoch auf der Fahrt dorthin von der Polizei verhaftet wurde. Höfs ist neben prominenten Rechtsextremen wie Horst Mahler und Franz Schönhuber Erstunterzeichner eines Appells „Ja zu Deutschland - Ja zur NPD“.

Dr. Hans-Ulrich Höfs arbeitet bei BAYER. Er wohnte früher (und heute?) in einer BAYER-Wohnung. Auch seinem Arbeitgeber ist seine politische Tätigkeit nicht unbekannt, da er wegen Aktivitäten im Betrieb abgemahnt wurde.

Wieso reagiert niemand?

In Krefeld, wie im Stadtteil Uerdingen, als auch bei BAYER wird so getan, als gäbe es die neofaschistischen Umtriebe nicht.
Der „Gesprächskreis“ traf sich lange im Uerdinger „Hagschinkel“ und einer weiteren Kneipe, wo sie aber inzwischen verwiesen wurden.

Es muß sich endlich etwas tun. Wir, die Unterzeichner rufen dazu auf, initiativ zu werden gegen die bekannten neofaschistischen Aktivitäten vor allem in Krefeld-Uerdingen. Keine weitere Duldung und indirekte Unterstützung von Höfs & Kumpanen. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Unterzeichner: Antifaschistische Aktion LEVerkusen; „Barrikade“-Libertäres Aktions- und Kommunikationszentrum Moers;
BI „Moerser gegen Krieg“; Coordination gegen BAYER-Gefahren; DFG/VK Krefeld; DKP Krefeld/Viersen; DKP Kreis Kleve/Wesel;
DKP Leverkusen; Junge Linke Wesel; Gruppe Internationale Sozialisten; Krefelder Arbeitskreis Antifaschismus; PDS / Offene Linke Liste Moers; PDS KV Wesel; Solidaritätshaus Krefeld; Stadtteilgruppe KR, Krefeld; VVN / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Mönchengladbach-Grenzland.

Forum Nazifreies Krefeld / Krefelder Gesprächskreis - „Nazis raus“
Anrufbeantworter + Fax: 01212 - 5 112 06 499

I.G. Farben

CBG Redaktion

13. September 2001

Hunderte Demonstranten in Frankfurt-Bergen erwartet

I.G. Farben Hauptversammlung entscheidet über Auflösung

Die Hauptversammlung der I.G. Farben AG in Auflösung am kommenden Montag in Frankfurt am Main wird über die Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Krienke und über die Auflösung der Skandalfirma zum Jahresende entscheiden.

Erzwungen haben diese Tagesordnungspunkte die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) aus Düsseldorf und der Dachverband der Kritischen Aktionäre aus Köln, denen zu diesem Zweck Aktien im Nennwert von 500.000 Euro zur Verfügung stehen.

An Stelle von Krienke schlagen sie zur Wahl in den Aufsichtsrat den Düsseldorfer Diplom-Kaufmann Axel Köhler-Schnura vor, der sich bereits seit 15 Jahren für die Entschädigung der Zwangsarbeiter einsetzt.

Krienke habe sich durch seine „rabiate und undemokratische Verhandlungsführung in früheren Hauptversammlungen als Aufsichtsratschef selbst disqualifiziert“, meint Köhler-Schnura und verspricht: „Im Aufsichtsrat werde ich die sofortige Liquidierung dieser Mordfirma durchsetzen!“

Vor der Versammlung in der Stadthalle Bergen-Enkheim (Marktstr. 15) wollen von 7:30 bis 9:00 Uhr erneut mehrere hundert Menschen gegen die Skandalfirma demonstrieren. Dazu rufen auch das Auschwitz- Komitee, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und antifaschistische Gruppen aus mehreren deutschen Städten auf.

Hintergrund-Informationen: www.kritischeaktionaere.de

Gegenkundgebung

CBG Redaktion

11. September 2001

Gegenkundgebung zur morgigen Propaganda-Show der Bundesregierung:

Kritiker fordern Gentechnik-Stopp

Mit einer pompösen Fernsehshow unter Teilnahme von Bundeskanzler Schröder werden am morgigen Mittwoch in Berlin die so genannten Lebenswissenschaften gefeiert. Die Veranstaltung des Bundesfor-
schungsministeriums (BMBF) zur Eröffnung des Wissenschaftssommers soll den letzten Zweiflern klar machen: Die Förderung der Gentechnik ist ein Muss.

Die Formel „Wissenschaft im Dialog“ erweist sich dabei nach Ansicht von Kritikern als Spiel mit gezinkten Karten. Längst sind die relevanten Entscheidungen gefallen. Der „Dialog“ soll die Entscheidung nachträglich legitimieren. Allein die direkte BMBF-Förderung der Genomforschung macht mehr als ein Drittel des gesamten medizini-
schen Forschungsetats aus, hinzu kommen diverse Förderprogramme und Steuererleichterungen für Gentechnik-Unternehmen.

Da der BAYER-Konzern einer der führenden Gentech-Konzerne ist, der diese neue Hochgefährlichkeits-Technologie mit aller Macht vorantreibt, beteiligt sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) an den Aktionen in Berlin. Axel Köhler-Schnura, Vorstand der CBG: „Es ist kein Zufall, dass der Artikel, mit dem Bundeskanzler Schröder die sogenannte Gentechnik-Wende einleitete, von BAYER-Aufsichtsrats-
mitglied Winnacker geschrieben wurde. In dieser Mobilmachung für die “Lebenswissenschaften„ verbinden sich Interessen von Forschung und Unternehmen mit einer Forschungspolitik, die sich ausschließlich an der Sicherung des ökonomischen “Standortes„ orientiert.“

Der Protest richtet sich nicht gegen einzelne Facetten der Gentechnik. Nach Ansicht der Kritiker werden mit der Gentechnik Menschenzüchtung, Menschenverbesserung und Eugenik in der Gesellschaft durchsetzt. „Eine Querschnittstechnologie, die alle Bereiche des sozialen und physichen Lebens radikal verändern und den Profitinteressen der großen multinationalen Gentech-Konzerne unterwerfen soll“, so Axel Köhler-Schnura.

Gegenkundgebung unter dem Motto „Gentechnik ist nicht sexy“:

Mittwoch, den 12.09. 2001 um 17 Uhr auf dem Marlene-Dietrich-Platz, Berlin

Zu der Kundgebung ruft ein Bündnis verschiedener Organisationen auf: Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche, The Holy Church of DNA, JungdemokratInnen/Junge Linke, Coordination gegen BAYER-Gefahren, BUND-Jugend, BUND AK Gentechnik, diverse antifaschistische, feministische und sexual-emanzipatorische Gruppen.

Offener Brief

CBG Redaktion

06.September 2001

Ehemalige ZwangsarbeiterInnen bei BAYER-Zentrale in Leverkusen

Heute wird von BAYER eine Gruppe ehemaliger ZwangsarbeiterInnen empfangen, die in der Zeit des Hitler-Faschismus in Leverkusen Sklavenarbeit verrichten mussten.

Anläßlich des Empfangs der ZwangsarbeiterInnen überreicht die „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ (CBG) dem Vorstands-
vorsitzenden des BAYER-Konzerns einen Offenen Brief.

In diesem kritisiert das konzernkritische Netzwerk die beharrliche Verweigerung von aufrichtiger Entschuldigung und erneuert ihre Forderung nach angemessener Wiedergutmachung bei allen Opfern des BAYER-Terrors und vor allem auch bei deren Hinterbliebenen.
Weiterhin verlangt die CBG den ihr verweigerten Zugang zu den BAYER-Archiven und den Unterhalt bzw. die Einrichtung von Gedenkstätten durch BAYER.

Noch 1995 ließ der Konzern Redner, die zur verbrecherischen Vergangenheit sprechen wollten, gewaltsam von den Mikrofonen der Hauptversammlung entfernen, noch 1999 verweigerte Vorstandschef
Dr. Manfred Schneider auf der BAYER-Hauptversammlung ausdrücklich eine Entschuldigung für den BAYER-Terror. Axel Köhler-Schnura, Vorstand Coordination gegen BAYER-Gefahren:
„Solange BAYER die offizielle Entschuldigung verweigert, der Coordination gegen BAYER-Gefahren den Zugang zum Archiv sperrt, sich mit lächerlichen Beträgen aus der Verantwortung stiehlt, kann von Wiedergutmachung, Reue und Sühne keine Rede sein. Wir fordern die überfällige Abkehr vom alten Geist.“

Die CBG übermittelte den ZwangsarbeiterInnen eine Kopie ihres Offenen Briefes an BAYER sowie das von ihr herausgegebene Buch
„IG FARBEN - Von Anilin bis Zwangsarbeit“ (Schmetterling-Verlag), Informationen über ihre Arbeit und wünschte ihnen die erhofften Ergebnisse ihrer Reise und eine wohlbehaltene Heimkehr.

Weitere Informationen bei
Axel Köhler-Schnura/CBG 0211 - 26 11 210

Offener Brief

BAYER AG
Dr. Manfred Schneider
51368 Leverkusen

6. September 2001

Zwangsarbeit

Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,

anläßlich des Besuchs ehemaliger ZwangsarbeiterInnen in Leverkusen vom 3. bis zum 10. September und des Empfangs dieser Zwangs-
arbeiterInnen durch BAYER erneuern wir unsere Forderung nach einer rückhaltlosen Entschuldigung des BAYER-Konzerns für die zur Zeit des Hitler-Faschismus an ZwangsarbeiterInnen, KZ-InsassInnen und anderen Menschen begangenen Verbrechen.

Auch fordern wir die Rücknahme des von Ihnen in diesem Zusammenhang auf der Hauptversammlung 1999 geäußerten Satzes: „Ich entschuldige mich für nichts, was geschah, als ich ein Kind war.“

Wir betrachten die von Ihnen in den Stiftungsfonds zur Entschädigung ehemaliger ZwangsarbeiterInnen eingelegte Summe von 100 Mio. DM als völlig ungenügend. Zumal diese Summe zu 50 Prozent als „Betriebskosten“ über die Steuer getragen wird und Sie die Zahlung mit erpresserischen Forderungen nach jeglichem Verzicht auf Ansprüche aus Zwangsarbeit, Menschenversuchen, Enteignung etc. verbinden.

Immerhin war es BAYER-Chef Carl Duisberg, der bereits im Ersten Weltkrieg das „Modell Zwangsarbeit“ erfand und den Einsatz in Leverkusen durchsetzte; auch war es der BAYER-Betriebsteil innerhalb des IG FARBEN-Verbundes, der 1940 als erster bei den Behörden Bedarf an ZwangsarbeiterInnen anmeldete; es gab in Leverkusen öffentliche Hinrichtungen von ZwangsarbeiterInnen; im Uerdinger Werk verleibte BAYER ohne jedes Federlesen einen jüdischen Friedhof dem Werksgelände ein; Sklavenarbeit, Menschenversuche, Raub, Qual und Werksschutz-Terror gegen ZwangsarbeiterInnen - all das gehörte bei BAYER zur gängigen Praxis.

Ihre beharrliche Weigerung, den ehemaligen ZwangsarbeiterInnen und anderen Opfern bzw. deren Hinterbliebenen gerechte und angemessene Entschädigung zu gewähren sowie sich für den Konzern zu entschuldigen zeigt ebenso wie die Tatsache, dass am Grab des IG FARBEN-Verbrechers Fritz Ter Meer stets frische Blumen von BAYER liegen, dass es keine nachhaltige Distanzierung vom Täterbewußtsein und keinen entschiedenen Willen zur Wiedergutmachung gibt.
Dies bedauern wir sehr und fordern endlich überzeugende Schritte zur Abkehr von dieser Haltung.

In Erwartung Ihrer Antwort

(für den Vorstand)
- Axel Köhler-Schnura -

I.G. Farben

CBG Redaktion

17. August 2001

I.G. Farben Hauptversammlung entscheidet über Auflösung

Abwahl des Aufsichtsrats-Vorsitzenden auf der Tagesordnung

Die Hauptversammlung der I.G. Farben in Auflösung am 17. September in Frankfurt muß über die Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst Krienke und über die Auflösung der Skandalfirma zum Jahresende entscheiden.

Vier entsprechende Punkte wurden gegen den Willen der Firmenleitung auf die Tagesordnung der Versammlung gesetzt. Erzwungen haben dies die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und der Dachverband der Kritischen Aktionäre, denen zu diesem Zweck Aktien im Nennwert von 500.000 Euro zur Verfügung stehen.

„Die I.G. Farben AG i.A. muß endlich ihrer Verantwortung für die Verbrechen ihrer Vorgängergesellschaft gerecht werden“, fordert CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes. Da Liquidatoren und Aufsichtsrat diese Aufgabe offensichtlich nicht erfüllten, müsse die Hauptversammlung die entscheidenden Beschlüsse selbst fassen.

Henry Mathews vom Dachverband ergänzt, Krienke sei durch seine „rabiate und undemokratische Verhandlungsführung in früheren Hauptversammlungen als Aufsichtsratschef untragbar geworden“.
An seiner Stelle solle eine Person in den Aufsichtsrat gewählt werden, die “die sofortige Äuflösung der Gesellschaft und die Entschädigung ihrer früheren Zwangsarbeiter garantiert.”

Die Anträge im vollen Wortlaut:
http://www.kritischeaktionaere.de/Konzernkritik/I_G__Farben/IGF-HV2001/TOE-IGF2001/toe-igf2001.html

Lipobay

CBG Redaktion

17. August 2001

Nach dem LIPOBAY-Skandal

„Medikamenten-Kontrolle von Grund auf reformieren“

Nach dem Skandal um den Cholesterin-Senker LIPOBAY fordern Verbraucherschützer eine von Grund auf reformierte Medikamenten- Aufsicht. In der Kritik stehen besonders die Zulassung von Medikamenten ohne Wirksamkeits-Nachweis sowie die fehlenden Kontrollen von auf dem Markt befindlichen Pharmazeutika.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren:
„Kein Arzt kann bei 50.000 Medikamenten den Überblick behalten.
Die Pharmaindustrie nutzt diesen Mißstand aus, um auch unwirksame und gefährliche Präparate auf den Markt zu drücken.“ Mimkes erinnert daran, dass BAYER bis heute keinen Nachweis vorgelegt hat, dass LIPOBAY vor Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Arteriosklerose schützt. „In Norwegen, wo es keine starke Pharma-Lobby gibt, sind nur 2000 Medikamente erhältlich - trotzdem sind Norweger im Durchschnitt gesünder als Deutsche. Neue Medikamente müssen einen therapeutischen Vorteil gegenüber existierenden Präparaten nachweisen, sonst dürfen sie nicht zugelassen werden“, fordert Mimkes.

Ebenfalls in der Kritik stehen die fehlenden Kontrollen bereits zugelassener Pharmazeutika. Nach Ansicht der Verbraucherschützer müssen die Aufsichtsbehörden materiell und gesetzgeberisch gestärkt werden, um in Zukunft Nebenwirkungen von Medikamenten systematisch erfassen und risikoreiche Mittel vom Markt nehmen zu können.
„Die Tatsache, dass BAYER eine kritische Studie zu LIPOBAY über Monate zurückhalten konnte, sagt alles über das Kräfteverhältnis zwischen Pharmaindustrie und Aufsichtsbehörden“, so Mimkes weiter. „Die Politik muss hier eingreifen, denn die Gesundheit von Patienten ist wichtiger als der Profit von Pharma-Unternehmen.“

Nach Schätzungen unabhängiger Wissenschaftler müssen jährlich rund 200.000 Patienten wegen Nebenwirkungen von Medikamenten stationär behandelt werden. Mindestens 5.000 Fälle verlaufen tödlich.

Lipobay

CBG Redaktion

14. August 2001

Vermarktungsmethoden für LIPOBAY in der Kritik:

Gratisreisen und Kopfprämien

Nach dem spektakulären Verkaufs-Stopp des Medikaments Lipobay geraten nun auch die Vermarktungsmethoden des Unternehmens Bayer in die Kritik. Ärzte berichten von Prämien und Gratisreisen, die für die Verschreibung von Lipobay in Aussicht gestellt wurden. Noch im Juli wurde das Produkt von Pharmavertretern landesweit beworben - ohne Hinweis auf die seit langem bekannten Risiken.

Der niedergelassene Arzt Dr. Udo Böhm aus Unterwössen berichtet, dass Bayer ihm eine Reise im Orient-Express offerierte - wenn er mindestens 20 Patienten auf Lipobay einstellen würde. Den Nachweis sollte er über Rezeptkopien und Patientennamen erbringen.
„Die Außendienstmitarbeiter weichen selbst dann nicht von ihren Vorgaben ab, wenn ihnen der Arzt die Unehrenhaftigkeit und Unzulässigkeit solcher Kopplungsgeschäfte und die Verletzung des Datenschutzes aufzeigt“, so Böhm.

Der Arzt Thomas Nasse beklagt, dass noch nach der ersten Warnung im Juni „eine Pharma-Referentin zu mir in die Praxis gekommen ist und das Medikament angepriesen hat“. Schon die Markteinführung von Lipobay wurde mit unlauterer Werbung begleitet: die Aussage, Lipobay könne „im Vergleich zu anderen Präparaten um das 25fache niedriger dosiert werden“, wurde jedoch vom Landgericht Köln untersagt.

Die intensiven Bemühungen von Bayer erklären sich mit dem hohen Preis des Medikaments: eine Packung Lipobay mit 100 Tabletten - ausreichend für vier bis sechs Wochen - kostet in der schwächsten Dosierung 235.90 DM.

Auch bei der Einführung des Antihypertonikums Bayotensin hatte Bayer laut einer Untersuchung der AOK Prämien von 150 Mark pro Patient bezahlt. Hierzu Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es gibt keinen Grund, bei Bayer auf Einsicht zu hoffen - in Zweifelsfällen hat das Profitinteresse Vorrang gegenüber dem Verbraucherschutz. Wir brauchen dringend eine Positivliste zur Abwehr von überteuerten und unsinnigen Medikamenten sowie verstärkte staatliche Kontrollen.“

Lipobay

CBG Redaktion

10. August 2001

Nach dem LIPOBAY-Desaster:

„Weitere BAYER-Produkte gehören auf den Prüfstand“

Nach dem weltweiten Rückzug des Cholesterin-Senkers LIPOBAY fordern Kritiker eine Überprüfung weiterer BAYER-Produkte sowie Konsequenzen bei der Medikamenten-Aufsicht. Zahlreiche Pharmazeutika des Leverkusener Konzerns stehen im Verdacht, wirkungslos oder gefährlich zu sein - darunter die „Blockbuster“ GLUCOBAY und ADALAT.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „BAYER hat mindestens seit Juni von den Problemen mit LIPOBAY gewusst. Die späte Reaktion des Unternehmens ist unverantwortlich.“ Mimkes fordert als Reaktion auf den Skandal eine verschärfte Überwachung durch die Behörden: „Bis heute gibt es kein funktionierendes Meldesystem für Nebenwirkungen, Tausende von Folgeschäden bleiben daher unentdeckt.“ Nach unabhängigen Schätzungen führen Nebenwirkungen von Medikamenten allein in Deutschland zu jährlich 16.000 Todesfällen.

Hubert Ostendorf von der CBG ergänzt: „Auch das Präparat GLUCOBAY zur Behandlung von Diabetes wird von Experten als untauglich und unverträglich abgelehnt. Es gehört genauso auf den Prüfstand wie LIPOBAY.“ Das Mittel wurde gegen den Willen von Diabetologen mit einer millionenschweren Werbekampagne auf den Markt gedrückt. Ostendorf fordert, dass die bei der Zulassung neuer Medikamente eingereichten Studien veröffentlicht werden. Bislang werden die Zulassungsunterlagen als geheim eingestuft. Hierdurch wird eine Überprüfung durch unabhängige Wissenschaftler verunmöglicht.

Kritische Berichte gibt es auch zu den von BAYER entwickelten Kalziumantagonisten ADALAT und NIMOTOP. Nach Angaben des US-Wissenschaftlers Prof. Bruce Psaty erhöht ADALAT die Gefahr eines tödlichen Herzinfarkts um 60%. ADALAT ist mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 2 Milliarden DM das zweitwichtigste BAYER-Medikament.

Störfälle

CBG Redaktion

23. Juli 2001

Zwei Jahre nach dem Chemie-GAU in Wuppertal:

Strafanzeige gegen Staatsanwalt

Zwei Jahre nach dem Chemie-GAU im Wuppertaler BAYER-Werk, bei dem am 8. Juni 1999 ein Reaktor explodierte und mehr als 100 Personen verletzt wurden, hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) Strafanzeige gegen den ermittelnden Oberstaatsanwalt wegen des Verdachtes auf Strafvereitelung und Begünstigung gestellt.
In der Anzeige wird der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, trotz eines Gutachtens des Chemikers Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, in dem ein „Organisationsverschulden“ der Werksleitung festgestellt wurde, „keine Ermittlungen aufgenommen und lediglich eine abschlägige Stellungnahme“ abgegeben zu haben.

CBG-Rechtsanwalt Wolfgang Diesing in seinem Schriftsatz:
„Die Verfahrensbeendigung mit einem Strafbefehl für den Schichtleiter über 5.000 Mark lässt vermuten, dass die wirklich Verantwortlichen auf der Führungsebene bei BAYER einer strafrechtlichen Verantwortung nicht unterzogen werden sollten.“ Die völlige Nichteinbeziehung eines von der CBG ins Verfahren eingebrachten Nebenklägers durch den Staatsanwalt sei, so Diesing, „gesetzeswidrig“.

Die COORDINATION äußert Zweifel an der Objektivität des ermittelnden Staatsanwaltes, da dem Nebenkläger erst nach (!) Abschluss des Verfahrens Akteneinsicht gewährt wurde. Der ermittelnde Staatsanwalt war der Strafanzeige gegen den BAYER-Vorstand wegen des Verdachts der schweren Gefährdung durch Freisetzung von Giften und der Körperverletzung in keiner Weise nachgegangen.

„Anzeichen einer unerträglichen Kumpanei zwischen der Strafverfolgungsbehörde und dem mächtigen BAYER-Konzern“ vermutet daher CBG-Sprecher Axel Köhler-Schnura. Eine Antwort des Leiters der Staatsanwaltschaft Wuppertal auf die Strafanzeige sowie ein rechtsmittelfähiger Bescheid stehen bislang aus.

Machtmissbrauch

CBG Redaktion

09. Juli 2001

Bayer AG attackiert kritische Berichterstattung

Wirtschaftliche Übermacht stoppt homepage

Die Leverkusener Bayer AG hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) unter Androhung hoher Verfahrenskosten gezwungen, ihre homepage vom Netz zu nehmen. Die CBG hatte eine domain angemeldet, deren Titel sich an Namen wie Germanwatch, AOLwatch und Human Rights Watch orientiert. Wegen angeblicher Verwechslungsgefahr - trotz eindeutig kritischer Ausrichtung der homepage - leitete der Konzern juristische Schritte ein.

Mit einer zweiten Klageandrohung gegen Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied des Vereins, erzwang das Unternehmen zudem die Löschung der entsprechenden Marke. Köhler-Schnura hatte den beklagten Titel zuvor beim Patentamt München erfolgreich schützen lassen.

Den Streitwert legte Bayer bei beiden Verfahren auf 250.000 DM fest, was zu Verfahrenskosten je Verfahren von bis zu 200.000 DM geführt hätte. Der ehrenamtlich arbeitende Verein musste daher in die Löschung einwilligen. Jeder einzelne Fall einer Zuwiderhandlung, d.h. jede Verwendung des beklagten Titels, zieht zudem künftig eine Strafe von 10.100 DM nach sich. Die CBG weist aber darauf hin, dass die Unterlassungserklärung nur wegen des existenzbedrohenden Prozessrisikos unterzeichnet wurde, inhaltlich hält die CBG den Vorwurf für unbegründet.

Es ist Aufgabe des Titelschutzverfahren des Patentamts, eine Verwechslungsgefahr gründlich zu prüfen. Im vorliegenden Fall wurde keine festgestellt. Die Argumentation von Bayer verschweigt zudem, dass in aktuellen Verfahren (z.B. OLG Hamburg) entschieden wurde, dass der Titel einer Domain nicht losgelöst vom Inhalt der homepage betrachtet werden kann.

Axel Köhler-Schnura: „Das Verhalten von Bayer, das auf den wirtschaftlichen Ruin des Netzwerkes und meiner Person abzielt, ist ein klarer Verstoß gegen demokratische Prinzipien und Meinungsfreiheit. Der Konzern fürchtet offensichtlich die öffentliche Auseinandersetzung und wählt stattdessen Repression und die Macht des Geldes“. Laut Köhler-Schnura will der Verein seine Kraft nicht auf juristische Haarspaltereien um Buchstaben verschwenden, sondern weiterhin den Konzern als Verantwortlichen für Umweltzerstörung, Ausbeutung und Gesundheitsgefährdung in die öffentliche Pflicht nehmen.

Gescheitert ist indes der Versuch des Bayer-Konzerns, die Kritik der CBG im Internet zu unterbinden: alle Veröffentlichungen des Netzwerks sind nun unter der Adresse www.cbgnetwork.org zu finden.

Ein erster Versuch von Bayer, den Verein mundtot zu klagen, scheiterte 1992 vor dem Bundesverfassungsgericht mit einem Sieg der CBG. Die Initiative beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Schattenseiten der globalen Betätigung von Bayer.

Das Verfahren hat bereits zu diesem frühen Zeitpunkt große Summen verschlungen. Die CBG bittet daher dringend um finanzielle Unterstützung gegen die kostenträchtigen juristischen Attacken.

Unser Spendenkonto: Ökobank, Konto 17 96 12, BLZ 500 901 00
Sie können auch online spenden.