Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Beitrag veröffentlicht im November 2006

[Zulassung GenReis] Zulassung Gen-Reis

CBG Redaktion

Presse-Information vom 29. November 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Nachträgliche Zulassung von Gen-Reis in den USA:

„Blanker Zynismus gegenüber den Geschädigten“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren protestiert gegen die nachträgliche Zulassung der gentechnisch veränderten Reis-Sorte LL 601 in den USA. „So schnell kann aus einem Gen-GAU ein beschleunigtes Zulassungsverfahren werden“, urteilt Jan Pehrke, Vorstandsmitglied des Vereins. Pehrke fordert den BAYER-Konzern auf, alle gentechnisch veränderten Reis-Sorten vom Markt zu nehmen und die betroffenen Bauern, die ihre Ernte nicht mehr verkaufen können, zu entschädigen.

In den USA ist praktisch die gesamte Langkornreis-Ernte mit LL 601 kontaminiert. Die gegen das von BAYER produzierte Herbizid Glufosinat resistente Sorte kam dadurch weltweit in den Handel. Erst nach Bekanntwerden des Skandals im August beantragte BAYER eine Zulassung - nicht, um LL 601 kommerziell anzubieten, sondern um Schadensersatz-Verfahren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Jan Pehrke: „Die US-Behörden machen sich zu Handlangern von BAYER. Eine seriöse Sicherheitsprüfung ist in wenigen Monaten nicht durchführbar – ob von herbizidresistentem Reis langfristige Gesundheitsgefahren ausgehen, ist völlig unklar.“

Ende Oktober wurde in Lieferungen aus den USA auch noch die von BAYER hergestellte Genreis-Sorte LL 62 gefunden. Dieser Fund ist von besonderer Brisanz, da der Konzern eine EU-Importzulassung für LL 62 beantragt hat und die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung stets bestritten hat. In beiden Fällen ist die Ursache der Kontamination unklar. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren forderte die EU in den vergangenen zwei Jahren mehrmals auf, keine Importgenehmigung für genmodifizierten Reis von BAYER zu erteilen.

Auch Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses des EU-Parlaments, kritisiert das Vorgehen von BAYER: „Ein Unternehmen, das sich aus der Verantwortung stiehlt, indem es im Nachhinein eine Vermarktungsgenehmigung für die USA erwirken will, zeigt blanken Zynismus gegenüber den Landwirten, die geschädigt wurden. Der Fall des Gentech Reises zeigt, dass entweder ein gezieltes Interesse vorliegt, den Bäuerinnen und Bauern Gentech-Getreide unterzumischen oder aber, dass die Gentech-Saatgutindustrie nicht in der Lage ist, zu kontrollieren, wo ihre Gen-Konstrukte auftauchen.“

In den Schadensersatz-Prozessen, die hunderte US-Farmer anstrengten, schaltet BAYER bislang auf stur. In einer 30-seitigen Antwort auf die Vorwürfe der Bauern und Bäuerinnen spricht der Konzern von einem „Akt Gottes“ und einer angeblichen „Nachlässigkeit“ der Farmer. „Es ist bedauernswert, dass BAYER, anstatt die Verantwortung zu übernehmen, versucht, den Reisbauern die Schuld zuzuschieben - den Menschen, die am meisten von der Unternehmenspolitik betroffen sind“, so Adam Levitt, Anwalt der Kläger.

weitere Informationen:
Brief an europäische Lebensmittelbehörde EFSA: Gen-Reis von Bayer nicht in der EU zulassen!
Artikel zur Gen-Kontamination von Reis
Briefing about the food safety and environmental risks of Bayer's GMO rice

Gen-Weizen

CBG Redaktion

25.11.2006, junge Welt

Lobbyisten genehmigen Genweizenanbau

Umweltinstitut München leitet rechtliche Schritte gegen Freisetzungsversuch in Sachsen-Anhalt ein

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am Donnerstag einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) genehmigt. Den Antrag für das Experiment hatte das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) gestellt. Die gentechnisch veränderten Weizenpflanzen sind resistent gegen ein sogenanntes Totalherbizid des Bayer-Konzerns und die Antibiotika Ampicillin und Streptomycin. Gegen diesen Versuch hatte das Umweltinstitut München (UIM) dem BVL im September mehr als 30000 Einwendungen überreicht. Es wird nun Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Mitarbeiter des BVL einreichen. Das Institut wirft den beiden mit der Entscheidung befaßten Spitzenbeamten Befangenheit vor. Dies ergäbe sich aus deren langjähriger öffentlicher Parteinahme für die Agrogentechnik, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des Instituts.

So sind der Leiter der Abteilung Gentechnik im BVL, Hans-Jörg Bukh, und sein Stellvertreter, Detlef Bartsch in einem PR-Film der Gentechnikindustrie aufgetreten, der unter anderem von den Konzernen Monsanto und Syngenta finanziert wurde. In diesem Film, der in Ausschnitten in dem Politmagazin »Report Mainz« gezeigt wurde, plädiert Bukh für den Anbau von Genmais. »Von solchen Beamten sind keine abwägenden Entscheidungen bei einem so heiklen Thema wie der Freisetzung genmanipulierter Pflanzen zu erwarten«, kritisierte Harald Nestler, Vorstand beim UIM. Nestler fordert, daß Bukh und Bartsch von ihren Aufgaben entbunden und alle unter ihrer Leitung getroffenen Entscheidungen überprüft werden.

Der Genweizen soll in Gatersleben in unmittelbarer Nähe der Anbauflächen einer der weltgrößten Getreide-Genbanken freigesetzt werden. Dort lagern mehr als 60000 Getreidesorten, die zu ihrer Erhaltung regelmäßig im Freiland angebaut werden müssen. Die Möglichkeit von Auskreuzungen in die Saatgutbestände wird durch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen keineswegs ausgeschlossen. Eine Verunreinigung dieser Pflanzen durch genmanipulierten Weizen wäre ein unersetzlicher Verlust für zukünftige Züchtungsbemühungen und die Ernährungssicherheit folgender Generationen. »Die Genehmigung zum Anbau von Genweizen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Genbank in Gatersleben ist bezeichnend für die Behörde«, so der Agrarwissenschaftler Andreas Bauer vom UIM.

Seit dem Regierungswechsel agiere das BVL »völlig enthemmt« und öffne durch die kritiklose Genehmigung riskanter Freisetzungsexperimente der Agrogentechnik Tür und Tor, so Bauer. Allein in diesem Jahr wurden vom BVL mehrere höchst kontrovers diskutierte Genehmigungen für solche Versuche mit Genpflanzen durchgewinkt. Dazu gehören die Freisetzung von Genraps und von transgenen Kartoffeln zur Produktion von Impfstoffen gegen Cholera und ein Kaninchenvirus. Dabei setzte sich das BVL über schwerwiegende wissenschaftliche Bedenken anderer Behörden, wie des Bundesamts für Naturschutz (BfN), hinweg.

Gen-Weizen von BAYER: Schon 27.000 Einwendungen gegen Freisetzungsversuch

[BIS] Bayer Industry Services

CBG Redaktion

23. November 2006

Zur heutigen Demonstration in Leverkusen:

Solidarität für die Belegschaft von Bayer Industry Services

Der BAYER-Konzern will die Bayer Industry Services (BIS) zerschlagen, sich dabei von wesentlichen Geschäftsteilen trennen und auf diese Weise 3.000 Arbeitsplätze ausgliedern oder vernichten. Anlässlich der heutigen Demonstration der Belegschaft in Leverkusen fordert die Coordination gegen BAYER-Gefahren:

· Keine Entlassungen bei BIS;
· Keine weiteren Ausgliederungen;
· Keine Verlängerung der Arbeitszeit für die Mitarbeiter und keine Lohnkürzungen;
· Chemietarifverträge für alle BIS-Mitarbeiter und –Mitarbeiterinnen;
· Langfristige Sicherung der Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren, deren Wahlspruch lautet „Für Umweltschutz und sichere Arbeitsplätze bei Bayer weltweit!“, kritisiert, dass weder eine mangelnde Auslastung noch rote Zahlen das Unternehmen zu den Einschnitten bei BIS zwingen – im Gegenteil. Die von BIS angebotenen Leistungen werden in den BAYER-Werken benötigt, der Gesamt-Konzern ist hochprofitabel.

Die konkreten Vorschläge zur Zukunft von BIS hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group ausgearbeitet. Sie plädiert wegen erhoffter Rationalisierungsgewinne für das Abstoßen einzelner Sparten. Das BAYER-Management bedient sich gern solch auswärtiger Expertise, da diese mit der Autorität eines unabhängigen Votums daherkommt und sich deshalb hervorragend als Argumentationshilfe eignet. Daher schreiben die BAYER-Chefs in einem Brief an die Belegschaft, dass die Untersuchung gezeigt habe, „dass wir nicht in allen Bereichen wettbewerbsfähig sind. Jetzt geht es darum, wie wir diese Wettbewerbsfähigkeit erreichen“.

Dabei war es nie Sinn und Zweck von BIS, mit Arbeitsfeldern wie dem Chemiepark-Management, Umweltschutz, Entsorgung und Werkschutz Milliarden zu erwirtschaften - im Gegenteil: Im Zuge der Umstrukturierung zu einer Holding hatte BAYER in der Service-Gesellschaft alles geparkt, was keinen Gewinn abwirft, um die anderen Unternehmensteile zu entlasten und um spätere Ausgliederungen zu erleichtern.

Es ist nicht hinzunehmen, dass sich der Konzern jeglicher Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entzieht. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) erklärt sich daher solidarisch mit den Forderungen der Belegschaft.

GenMais

CBG Redaktion

21. November 2006, Greenpeace Einkaufsnetz

Brasilien will Gen-Saat von Bayer nicht

Brasilien ist kein Versuchsfeld für Gen-Mais, so die klare Botschaft der Greenpeace-Aktivisten vor der Bayer-Niederlassung in Sao Paulo. Mit einen Feld von Gen-Mais-Fratzen zeigen sie, dass Gen-Mais unkalkulierbare Risiken birgt. Bayer versucht für seinen gentechnisch veränderten Mais, der gegen das hauseigene Spritzmittel Gluphosinat widerstandsfähig ist, eine Marktzulassung in Brasilien zu bekommen.

Dieser Mais ist nicht unbekannt: In Österreich wurde er 1999 verboten und kein einziges EU-Land baut ihn an. Zu groß sind die Sicherheitsbedenken gegen diese Gen-Saat. Bayer selbst hat diese Sorte beispielsweise in Großbritannien zurückgezogen - der Anbau würde sich nicht rechnen, wenn alle Maßnahmen zum Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft vor Verunreinigungen umgesetzt würden.

Über die Zulassung in Brasilien entscheidet die „National Technical Biosafety Commission“, die am Mittwoch, dem 22. November, tagt. Zur Vorbereitung gab es Anfang November von Greenpeace ein Paket mit Dokumenten. Studien, die beispielsweise aufzeigen, dass Gen-Mais-Felder wesentlich stärker mit Spritzmitteln besprüht werden als Äcker mit herkömmlichen Mais.

Ein Problem nicht nur für die Umwelt. Auch der Mensch leidet unter dem massiven Pestizid-Einsatz: Übelkeit, Durchfall, sogar Frühgeburten können die Folge sein. Zudem breiten sich Gen-Pflanzen unkontrolliert aus und verunreinigen die Ernte von konventionell und ökologisch arbeitenden Bauern.

Greenpeace steht mit der Ablehnung des Bayer-Mais nicht allein da. Mehr als 7.000 Brasilianer haben seit dem 8. November bereits an einer Cyberaktion teilgenommen und die „Biosafety Commission“ per E-Mail aufgefordert, den Gen-Mais nicht zuzulassen. Eine Kopie ging jeweils an die Bayer-Zentrale in Deutschland.

An Post mangelt es dem Konzern nicht. Auch in Deutschland beteiligten sich Tausende an Protestaktionen gegen Bayer. Der Konzern will in Europa Gen-Reis auf den Markt drängen.

Machen Sie mit! Wie Sie sich gegen die Pläne von Bayer wehren können, erfahren Sie hier.
http://de.einkaufsnetz.org/gentechnik/23844.html

Glosse

CBG Redaktion

saveourseeds, 07.11.2006

Sind Sie Bayer - Kennen Sie den Herrn Winnacker?

Sie, kennan Sie fei den Herrn Winnacker? Ja, den kennan Sie nicht? Aber freilich, den müssen’s doch kennan, so a Kleiner, ziemlich Großer, Kompakter, wissen’s aus München, ja, ein ganz ein feiner Herr ist das. Freilich kennt der Sie nicht, aber Sie sollten ihn schon kennan, weil er nämlich ein ganz ein Schlauer und Wichtiger ist.
Also der Herr Winnacker ist ein Professor an der Ludwigs-Maximilian-Universität in München. Nein, einen Nobelpreis hat er nicht. Aber er hat viele Bücher geschrieben, weil er nämlich ein Biochemiker und Gentechniker ist, damit wir das begreifen mit dem Achten Tag der Schöpfung. Sie wissen ja, der Herrgott hat sieben Tage gebraucht um die Welt zu erschaffen. Das glauben in Amerika fei viele bis heute wörtlich. “Smart design” nennans des und glauben, der Herrgott hat das nicht einfach der Evolution überlassen mit dem Leben, sondern richtig sauber geplant und umgsetzt. Aber der Herr Professor, der ist kein solcher Kreationist, wie man sagt, sondern ein ganz ein Rationaler. Der macht den Rest an einem Tag. Und zwar mit der Gentechnik. Da geht nämlich alles viel schneller und so wie wir des woll’n. Sie müssen praktisch nur so ein Gen nehmen und in eine Pflanze rein montieren und dann macht die Pflanze des was sie soll. Ja unglaublich, gell, die tollsten Kunststücke kann man den Pflanzen und Tieren da beibringen, sagt jedenfalls der Herr Professor, wenn man sie nur richtig dressiert, eben mit der Gentechnik. Mit Menschen macht man so was aber nicht, gell, weil das der Herrgott sicher nicht gewollt hätt. Bloss die Stammzellen, die muß man jetzt auch dressieren, sagt der Professor, aber nur zu ethisch hochwertigen Zwecken, also für nix Schlimmes.
Jedenfalls der Herr Winnacker, der hat jetzt zwar keinen Nobelpreis, aber dafür ist er der Chef von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ja, die kennan Sie auch nicht, die De-Ef-Ge? Freilich kennt die Sie auch schon wieder net. Aber Sie sollten die schon kennan, weil da nämlich jedes Jahr viele hundert Millionen Euro von Ihren Steuergeldern durch diese Gesellschaft also praktisch hindurchfließen, in die Forschung. Natürlich nicht direkt hinein, aber doch zu den anderen Herren Professoren, den Kollegen von dem Herrn Winnacker, und die bezahlen damit die Assistenten und die Postdoks und die Sekretärin und die Reagenzgläser und die Computer und die Reisekosten und alles was der Fortschritt sonst noch braucht. Also jedenfalls ist der Herr Winnacker dort Präsident. Aber bald nicht mehr. Warum? Das werd ich ihnen gleich erklären.
Erst noch a andere Frage: Kennen Sie Bayer? Ja, freilich – Leverkusen, des Apotheken-Kreuz, Alka Selzer, Paraquat, Lipobay, und jetzt dieser Reis, dieser gentechnische, der gar nicht erlaubt ist. Ja, Reis von Bayer, da staun’S, gell, nicht vom Dr.Oetker oder Uncle Ben, sondern von Bayer. Schön heißt er ja: “Liberty Link”. Können’s die Freiheit schon schmecken? Des “Liberty” ist nämlich ein Pestizid, pardon ein Pflanzenschutzmittel, von Bayer. Und der Reis ist dressiert drauf, daß er des Liberty verträgt, aber des ganze andere Grünzeug stirbt ab vom Liberty. Bloss der Reis ist hier verboten und in Amerika auch, weil die Professoren noch net genau wissen ob er unschädlich ist. Es gibt überhaupt noch gar keinen schönen Gentechnik-Reis auf dem Markt, weil den nämlich keiner essen will; bloß die illegale Bückware praktisch, die aber keiner will. Deshalb hat die EU-Kommission jetzt gesagt: Einen Reis aus Amerika darf man nur noch einführen, wenn kein Liberty-Reis von Bayer drin ist und die Japaner, die ja sowieso nur Reis essen, hoam des aa gsogt. Mei, des war net gut für den Reis-Preis in Chicago und die Reisbauern in Arkansas und Louisiana ham gleich an Anwalt gnommen und jetzt muß der Bayer für sein Liberty Link an Haufen Geld bezahln. Selber schuld, gell. Aber des Geld kommt schon wieder rein, hofft Bayer, wenn erst mal das Gentechnikgesetz in Deutschland geändert wird. Weil “mit seinen unangemessenen Haftungsregeln behindert das Gesetz einen wichtigen Forschungszweig,” hat der Herr Wenning geklagt. Sehen Sie, dem geht es auch nur um die Forschung.
Das mit dem Reis war den Gentechnikern ziemlich peinlich, weil das mit dem achten Tag der Schöpfung hier praktisch aus Versehen passiert ist bei einem ganz einem wissenschaftlichen Experiment in Louisiana, vor fünf Jahren. Da haben die Wissenschaftler bei der Innovation irgendwie nicht richtig aufgepaßt. Deshalb ist also dieser Liberty-Reis leider aus Versehen ins Saatgut gekommen und niemand hat es gemerkt. Und wie sie es dann doch gemerkt haben bei Bayer, da dachten sie erst, daß das jetzt nicht gleich jeder wissen muß. Weil, man weiß ja was die Medien aus so einer Mücke gleich machen. Aber dann kam es eben doch raus. Wie der Reis da überhaupt rein kam weiß immer noch keiner.
Am allerwenigsten natürlich Bayer, weil denen nämlich zwar dieser Liberty-Reis gehört aber eigentlich haben sie ihn ja nur geerbt von Aventis. Sehen Sie die kennen sie jetzt wieder nicht. Die gibt es auch nicht mehr, die wurden nämlich von Bayer aufgekauft und haben vorher Hoechst gehört und Schering. Aber Schering gehört ja jetzt auch Bayer und Hoechst gibt es eigentlich auch nicht mehr. Aber Bayer, sehen’s das hätten Sie jetzt auch wieder nicht gedacht, Bayer ist jetzt der drittgrößte Saatgut-Konzern der Welt und alles was vorher Hoechst und Schering und Rhone-Poulenc und Limagrain gehört hat, heißt jetzt “Bayer Crop Science“. Aber so was steht ja auch nicht auf der Packung, wer jetzt das Saatgut hergestellt hat und wer die Pestizide für Ihr Müsli.
Und was hat das jetzt mit dem Herrn Professor Winnacker zu tun? Sehen Sie, das hätten Sie jetzt vielleicht nicht gedacht, der Herrn Professor ist nämlich im Aufsichtsrat von Bayer. Das darf man nicht falsch verstehen. Eigentlich hat er den Posten sozusagen auch nur geerbt. Der Vater vom Herrn Professor war nämlich ein ganz hohes Tier bei Bayer und den IG Farben im Krieg. Aber das war noch eine andere Zeit und die gehört jetzt eigentlich gar nicht hier her.
Bloss, wundern tut es manche schon, weshalb jetzt ein Professor, der die ganzen schönen Millionen für die Forschung verwaltet, also wie der die Zeit findet, auch noch bei Bayer im Aufsichtsrat zu sitzen und außerdem auch noch bei KWS, also der Kleinwanzlebener Saatzucht. Die ist fei gar nicht so eine kleine Wanze wie man denkt, sondern der fünftgrößte Saatgutkonzern auf der Welt und die gehört auch ein Bißchen dem Dr. Oetker und dressiert mit der Gentechnik Rüben. Jedenfalls, wie macht das der Herr Professor alles? Das ist wahrscheinlich, weil er eben so schlau ist. Deshalb hat er auch noch eine eigene Firma, Medigen, auch mit Gentechnik.
Aber jetzt wird ja alles anders. Da brauchen wir uns also keine Gedanken mehr machen, weil der Herr Winnacker ja bald nicht mehr der Präsident von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist und dann auch nicht mehr dementieren muß, daß er gar keine Interessenskonflikte nicht kennt, weil er ja streng wissenschaftlich vorgeht und eigentlich nur dem Fortschritt verpflichtet ist. Und wenn also jetzt ihr Steuergeld an Bayer geht, daß das dann nur wegen der Wissenschaft und der Innovation ist und nicht weil der Winnacker vielleicht – also so was sollten Sie gar nicht erst denken, weil sonst müßte der Herr Professor vielleicht von Ihnen denken, daß Sie vielleicht ein Feind der Wissenschaft sind und in Wirklichkeit nur gegen die Gentechnik und zwar ganz radikal und fundamental und überhaupt, daß Sie vielleicht gar nicht objektiv denken, sondern emotional und daß sie nur verhetzt sind von den ganzen Umweltschützern und Neidhammeln und Fortschrittsverhinderern …
Aber jetzt sind wir schon wieder abgeschwiffen, weil ich Ihnen doch eigentlich erklären wollte warum der Herr Winnacker jetzt nicht mehr Präsident von der DeEfGe ist. Ja, da werden Sie wirklich staunen. Sie werden mir das vielleicht nicht glauben nach all den gemeinen Sachen, die ich da über den Herrn Professor habe anklingen lassen. Deshalb lesen Sie selbst, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ganz bestimmt nichts gegen den Herrn Winnacker hat:
EU-Forschungsrat - Winnacker wird Generalsekretär
Es kommt nicht häufig vor, daß eine Bürokratie freiwillig Macht abgibt. Doch im Dienst des großen Zieles, Europa im Innovationswettbewerb mit Amerika und Asien zu behaupten, ist die EU-Kommission dazu bereit. Die Forschungsinvestitionen der Gemeinschaft sollen vom kommenden Jahr an nicht mehr ausschließlich von ihren Brüsseler Beamten vergeben werden, sondern zumindest teilweise von der Wissenschaftsgemeinde selbst - nach dem strengen Gutachterprinzip. Allein um herausragende Grundlagenforschung soll es im Europäischen Forschungsrat gehen, nicht wie so oft in Brüssel etwa darum, Fördermittel gleichmäßig zwischen Griechenland und Finnland zu verteilen.
Bis die Idee des Rates reifte und Gestalt annahm, sind sieben Jahre vergangen. Doch nun steht auch fest, wer den Rat leiten und sein Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro verantworten wird. EUForschungskommissar Potocnik und der wissenschaftliche Leiter des Rates, Kafatos, haben bekanntgegeben, daß der Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker zum 1. Januar 2007 die Position des Generalsekretärs einnimmt. Bis dahin wird der 65 Jahre alte Winnacker noch sein Amt als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausüben, das ihn für die neue Aufgabe prädestiniert. Die DFG ist nicht nur die größte Wissenschaftsfördereinrichtung Europas, sie verwirklicht die Selbstverwaltung der Wissenschaft genauso, wie es der Europäische Forschungsrat nun für ganz Europa tun soll.(…)
Als Leiter des Gremiums in seiner Gründungsphase kann Winnacker entscheidende Weichen stellen, damit der Forschungsrat zum Erfolg wird. Es geht vor allem darum, den politischen Einfluß der Kommission auf die Vergabe der Mittel zu begrenzen und sicherzustellen, daß in den geplanten zehn Gutachtergremien mit je zwanzig Mitgliedern geeignete Fachleute der jeweiligen Disziplinen arbeiten, denen man die EU-Mittel anvertrauen kann.

Also jetzt kennen Sie den Herrn Winnacker zwar noch immer nicht und er sie ja auch nicht. Aber, gell, das ist schon ein verdächtiger Zufall mit den sieben Jahren und dem achten Tag der Schöpfung. Ist mir gleich aufgefallen. Ihnen auch?

Fritz ter Meer

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 7. November 2006

Uerdingen: BAYER ehrt Kriegsverbrecher Fritz ter Meer

Der BAYER-Konzern verweigert weiterhin eine öffentliche Distanzierung von dem verurteilten Kriegsverbrecher Fritz ter Meer. An Allerheiligen ließ das Unternehmen an ter Meers Grab in Krefeld-Uerdingen zum wiederholten Mal einen Kranz aufstellen.

Ter Meer, geboren 1884, war seit 1925 Vorstandsmitglied der IG Farben. Während des 2. Weltkriegs war er verantwortlich für den Aufbau des IG Farben-Werks in Auschwitz, in dem rund 30.000 Zwangsarbeiter den Tod fanden. Im Nürnberger IG-Farben-Prozess wurde ter Meer im Juli 1948 wegen Versklavung und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt. In den Vernehmungen äußerte er, den Zwangsarbeitern sei kein besonderes Leid zugefügt worden, „da man sie ohnedies getötet hätte“.

Nach seiner Haftentlassung wurde ter Meer Aufsichtsratsvorsitzender von BAYER. Nach seinem Tod 1967 benannte BAYER eine Stiftung zur Förderung von Studierenden in „Fritz-ter-Meer-Stiftung“.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist unerträglich, dass der BAYER-Konzern einen Kriegsverbrecher wie Fritz ter Meer ehrt und sich zur selben Zeit weigert, die Opfer und ihre Nachfahren angemessen und gerecht zu entschädigen. BAYER muss sich seiner Mitverantwortung für die Terrorherrschaft der Nazis, für Krieg und Zwangsarbeit stellen.“ Köhler-Schnura erinnert daran, dass internationale Proteste und eine Reihe von Prozessen in den USA zwar BAYER (und andere deutsche Konzerne) zwangen, sich ihrer verbrecherischen Nazi-Vergangenheit zu stellen. Aber statt Reue, Einsicht und Wiedergutmachung schufen die Firmen in Geheimabsprachen mit der Bundesregierung die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, mit deren Hilfe die Opfer mit beschämenden Brosamen abgefunden wurden. Die Coordination bleibt dabei: Es gibt für BAYER und andere Konzerne keinen Schlussstrich. Die Opfer von Zwangsarbeit, Menschenversuchen und anderen Verbrechen in Konzernverantwortung sowie ihre Nachkommen müssen angemessen entschädigt werden.

Bitte lesen Sie auch:
Vergangenheitsbewältigung à la BAYER: Wie der Chemie-Konzern mit der IG FARBEN-Geschichte umgeht
Zur „Arisierung“ des Uerdinger Friedhofs: Die Grabschänder
BAYERs Menschenversuche in Auschwitz

[Ausgliederung] Ausgliederung BIS

CBG Redaktion

03.11.06, Leverkusener Anzeiger

„Moralisch ist das ein Armutszeugnis“

Keinerlei Verständnis für die Zerschlagungspläne bei Bayer Industry Services (BIS) hat der Leverkusener SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach.

„Politisch doppelzüngig, entlarvend und moralisch ein Armutszeugnis.“ Das ist das Urteil des in Leverkusen direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach. In einem Telefoninterview mit dem „Leverkusener Anzeiger“ berichtete der Sozialdemokrat gestern, er sei am Dienstag gleich zu zwei Gesprächen in den Bayer-Konzern gebeten worden. Vormittags hätten ihn die Manager der Pharma-Sparte gebeten, in der aktuellen Gesetzgebung zur Gesundheitsreform Politik zugunsten von Bayer und für den Standort Leverkusen zu machen, abends habe ihm der BIS-Arbeitsdirektor Heinz Bahnmüller zu erklären versucht, dass der Standort Leverkusen geschwächt werden müsse, weil anders die Marktsituation für BIS nicht zu verbessern sei.

Von einer Marktsituation, so Lauterbach, könne bei BIS kaum die Rede sein. 75 Prozent der Aufträge kämen schließlich von den Müttern, der Bayer AG und Lanxess. Beide machten Rekordgewinne und seien dennoch nicht bereit, BIS auskömmliche Preise zu zahlen. „Bayer und Lanxess“, davon ist Lauterbach überzeugt, „stecken hinter den Zerschlagungsplänen, nicht etwa BIS selbst.“ „Bayer hat im Jahr 2005 sein Ergebnis um 56 Prozent, Lanxess das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse sogar um 110 Prozent gesteigert.“ BIS könne nicht so gute Zahlen aufweisen. Das aber liege am Verhalten der beiden „Monopolauftraggeber“, die ihre Rekordergebnisse zum Teil auch zulasten von BIS erreicht hätten. Bayer-Chef Werner Wenning und der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Axel C. Heitmann seien nicht bereit, die BIS-Mitarbeiter an den Rekordgewinnen teilhaben zu lassen. „Das soll allein an die Aktionäre gehen.“ Viele BIS-Mitarbeiter dagegen müssten künftig mit reduzierten Einkünften leben. „Und das sind die, die noch Glück haben.“ Er sei sicher, dass es in zwei, drei Jahren in den ausgelagerten Bereichen von BIS zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, weil Bayer nicht bereit sei, Auftragsgarantien zu geben.

„Der kurzfristige Gewinn ist das Ziel, das ist die ganze Geschichte“, empörte sich Lauterbach. Wenn es dem Unternehmen gut gehe, wolle man nicht mit den Mitarbeitern teilen, sei der Konzern aber in der Krise, werde an die Solidarität der Belegschaft appelliert, kritisierte der Abgeordnete unter Anspielung auf die Lipobay-Krise.

Ihn jedenfalls habe das Gespräch mit BIS-Arbeitsdirektor Heinz Bahnmüller in keiner Weise überzeugt, erklärte der SPD-Politiker. Als „nicht dumm“ hingegen bezeichnete Lauterbach einige Gedanken von Bayer Health Care zur Gesundheitsreform. Allerdings hätten die Bayer-Argumente angesichts des Verhaltens des Konzerns in Sachen BIS „bei mir deutlich an Gewicht verloren“.
Die Bundesregierung müsse noch einmal über die Unternehmenssteuern nachdenken. Die bisherigen Entlastungen hätten die in Aussicht gestellten Arbeitsmarkt-Effekte nicht gehabt. Während der Bürger höhere Steuern und Beiträge zu tragen habe, wolle man die Unternehmen netto um weitere fünf Milliarden Euro entlasten. „Ich halte das für falsch“, erklärte Lauterbach und plädierte dafür, stattdessen in Bildung zu investieren. „Ich bin überzeigt, dass das für die Gesellschaft eine höhere Rendite bringt.“ VON RAINER SCHMIDT,

Rheinische Post, 26.10.2006

Bayer Industry Services: Eklat bei Abteilungsversammlung

Die Zukunft der einzelnen Abteilungen bei Bayer Industry Services ist ein sensibles Thema. Das sollte die Arbeitgeberseite spätestens nach der Demo und der großen gemeinsamen Betriebsversammlung am Dienstag erkannt haben.

Doch bei nicht allen Vorgesetzten scheint angekommen zu sein, wie viel an Emotionen sich in den letzten Wochen bei der Belegschaft angesammelt hat.
So kam es in der Abteilungsversammlung der vor dem Verkauf stehenden Technischen Betriebe gestern zum Eklat. Bis auf ein paar Dutzend hätten die rund 700 Teilnehmer demonstrativ die Veranstaltung am gestrigen Vormittag verlassen, bestätigte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Feldmann Informationen unserer Zeitung. Grund des Protestes: eigentlich sollen die Betroffenen in den Abteilungsversammlungen Fragen stellen, die ins Detail gehen.
Doch der Vorgesetzte soll nach RP-Informationen lediglich die Ausführungen der Geschäftsführung von Dienstag wiederholt haben.
Derweil bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass die Geschäftszahlen von BIS in diesem Jahr wegen des Konjunkturanstiegs besser sind als erwartet. So liegt der Umsatz rund zehn Prozent über Plan.
Trotzdem werde BIS am Jahresende mit einem Fehlbetrag von 17 Millionen Euro da stehen, rechnete der Unternehmenssprecher vor: den 18 Millionen Plus stünden Verpflichtungen von 35 Millionen (vor allem für Pensionsaufwändungen) gegenüber.

Stimmen aus dem Werk

Hallo Kollegen
Für mich ist eine Entscheidung gefallen. Ich habe gestern eine Verkaufsorder auf den 24.10.2006 für allen meine Bayeraktien gesetzt. Denn ich brauche keine Aktien von einem Unternehmen das sich nicht (mit mir) mit seinen Mitarbeitern identifizieren kann !
Ist eine persönliche Einstellung und ich hätte ein schlechtes Gewissen wenn ich Dividenden im nachsten April bekomme und dafür mußten so viele Kollegen gehen und Angst um ihre Existenz haben, nur damit der Akienkurs stimmt !!!

Ich denke, dass nun die Ernte eingefahren wird, die schon vor Jahren gesät wurde. Und mit immer derselben Salami-Taktik werden die Kolleginnen und Kollegen auseinander dividiert. So geht es Jahr für Jahr und niemand schreitet von den Funktionären der IGBCE voran. Ich bin der Meinung es reicht, kommt endlich mal hoch mit eurem hochbezahlten Arsch und setzt alle eure Mittel ein, um den betroffenen Kollegen von BIS zu helfen. Jeder der heute meint, es wäre nur ein BIS Problem den kann schon morgen das gleiche Schiksal ereilen. Lasst uns alle gemeinsam gegen diese fadenscheinige Firmenpolitik vorgehen. Unser Unternehmen ist kerngesund und fährt traumhafte Gewinne ein, hieran partizipieren aber nur noch die Kopfgesteuerten. Schluss damit lasst uns am besten zu Millionen nach Berlin maschieren und allen voran die Gewerkschaftsführer.
Ich hoffe für alle Betroffenen auf eine vernünftige Lösung.

Alle die mal „Unser Werk“ waren oder auch noch sind,sollten Ihre Meinung zu einem Streik kundtun.
Auch ich habe mich in über 30 Jahren von Bayer nach Lanxess hochgearbeitet??!!??
Ich persöhnlich habe die Schnauze voll und rufe unsere Gewerkschaft auf , Ihre Zurückhaltung aufzugeben.
Wir werden immer weiter zerschlagen und kleiner gemacht und irgendwann geht garnichts mehr. Wenn nicht jetzt wann dann? Vielleicht ist es unsere letzte Chance.

Es gibt nicht wenige, die endlich wissen wollen, wie es weitergeht. Die ewigen Gerüchte zehren doch an allen, aber die Geschäftsführung macht dicht. Ich habe noch die Parole im Ohr, dass zeitnah informiert wird und die BIS Grundsätze eingehalten werden.
Ein Scheiß wird gemacht, wir stehen nachher wie HR vor den Ergebnissen, und jeder muß schauen was für ihn dabei herumkommt und wie er damit umgeht. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir schon Bundesweit Stellenangebote anschaue, zwar ist mein Job hier relativ sicher, aber ich hab keinen Bock mich unter Wert zu verkaufen.

25.10.2006, Rheinische Post

Leverkusen: IG BCE sieht Dämme brechen

VON ANDREA RÖHRIG

Laut hergegangen muss es sein auf der gestrigen Betriebsversammlung im Leverkusener Werk zu den Plänen der Geschäftsleitung von Bayer Industry Services. 4000 Teilnehmer – allesamt Betroffene des am Montag vorgestellten Strategieprojektes – waren es nach Schätzungen der Gewerkschaft IG BCE. Und viele machten ihrem Unmut gegenüber ihren Chefs Luft.

Von 10 bis ca. 13 Uhr hatte BIS-Geschäftsführer Dr. Klaus Schäfer Rede und Antwort gestanden. Auch dort soll der 43-Jährige noch einmal bekräftigt haben, dass das Programm schnell umgesetzt wird. Bereits Ende des Jahres sollen die Entscheidungen gefällt sein.

Doch der erste Gesprächstermin mit der Arbeitnehmervertretung am morgigen Donnerstag wurde bereits gecancelt, sagte BIS-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Feldmann: „Wir haben als Betriebsrat jetzt erstmal ausführlichen Gesprächsbedarf mit unserer Gewerkschaft.“ Das Thema BIS interessiere die IG BCE bis in die Führungsebene, weil man befürchte, dass in Leverkusen erste Dämme brechen könnten, so Feldmann. Immerhin hatte man sich vor einiger Zeit mit der Unternehmensseite über eine Öffnung des Tarifs für die Logistik-Tochter Chemion mit ihren rund 1200 Beschäftigten verständigt. Nach seiner Information habe die Geschäftsführung beim Thema Chemion gestern etwas zurück gerudert. Hatte Schäfer am Montag noch keine Aussage zu einem möglichen Verkauf getätigt, habe es gestern geheißen, eine Veräußerung sowie die Suche nach einem strategischen Partner sei erst mal vom Tisch. Immerhin arbeite Chemion bereits schon eng mit „Rhenus“ zusammen, so Feldmann.

Tausende demonstrieren vor Bayer-Werk
Aber auch für so manchen Mitarbeiter, der zurück zu Bayer soll, könnte es knüppeldick kommen. Feldmann verwies auf rund 30 BIS-Beschäftigte, die das Erholungshaus managen. Für die sei ein Übergang in die Bayer Gastronomie im Gespräch, die ihre Mitarbeiter nicht nach dem Chemietarif bezahlten. Doppelt betroffen vom Sparpaket sei der Bereich der Flächen- und Gebäudeverwaltung. Diese rund 50 Beschäftigten, die unter anderem Hausmeisterdienste versähen, hätten gerade ein eigenes Sparpaket abgearbeitet. BIS bestätigte gestern einen RP-Bericht, 2008 werde man sich aus der eigenen Berufsschule zurück ziehen. Die Städte müssen Lösungen für 1000 Azubis suchen.

Am Montag trieb auch Mitarbeiter des IT-Dienstleisters Bayer Business Services die Sorge um, dass es im Hinblick auf die Fusion von Bayer und Schering bald ihnen an den Kragen geht. „Bayer Business Services befindet sich nicht in einer Situation, die vergleichbar ist mit der der Bayer Industry Services. Auslagerungen und Veräußerungen von Geschäftsfeldern oder Kündigungen stehen bei uns nicht zur Debatte“, sagte BBS-Sprecher Dietmar Bochert auf Anfrage: Zudem sei die Struktur nicht vergleichbar. BBS hat weltweit 4400 Mitarbeiter, 2000 arbeiten in Leverkusen. Hinzu kommen 500 bei vier BBS-Töchtern.

[gallery]