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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 16. Juni 2026

Keine Lockerung der Gentechnik-Gesetze!

CBG Redaktion

CBG zur Abstimmung des EU-Parlaments

Am kommenden Mittwoch stimmt das Europäische Parlament über den Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zur Aufweichung der Bestimmungen für gentechnisch manipulierte Pflanzen ab. Nach der im Juli 2023 präsentierten Vorlage fallen die neuen Verfahren wie etwa CRISPR/Cas nicht mehr unter Gentechnik, sofern die mit diesen Methoden produzierten Ackerfrüchte natürlichen oder konventionell gezüchteten Exemplaren gleichen. Nur wenn die Unternehmen die Genscheren zum Einbau fremden Erbguts nutzen oder mehr als 20 Eingriffe vornehmen, will Brüssel die Gewächse nicht mehr in die Kategorie I einordnen. Diese Gen-Konstrukte gehören dann zur Kategorie 2, die nach wie vor Risiko-Prüfungen und Kennzeichnungspflichten vorsieht. 

„Der Verordnungsvorschlag der EU ignoriert die von den Neuen Gentechniken ausgehenden Gefahren und gefährdet die bisherige Koexistenz zwischen der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft. Zudem nimmt er den VerbraucherInnen durch den Wegfall der Kennzeichnungspflicht die Wahlfreiheit im Supermarkt. Darum müssen die Abgeordneten mit ‚Nein‘ stimmen“, fordert Brigitte Hincha-Weisel von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG).

Mitnichten können die von den Genscheren eingeleiteten Veränderungen nämlich so „präzise kontrolliert werden“, wie der BAYER-Konzern behauptet, der mit Hilfe der Schnippel-Techniken unter anderem eine Vitamin-D-Tomate, einen Kurzhalm-Mais, einen Senfblätter-Salat und ein Acker-Hellerkraut entwickelt bzw. schon fertiggestellt hat. Allzu oft kommt es bei den Operationen an den beabsichtigten Stellen zu unbeabsichtigten Mutationen und an unbeabsichtigten Stellen zu den beabsichtigten Mutationen. 

Nicht zuletzt deshalb hält das „Bundesamt für Naturschutz“ (BfN) die mittels der Neuen Gentechniken (NGT) hervorgebrachten Gewächse nicht für harmloser als die durch Gen-Übertragungen geschaffenen. „Nach Ansicht des BfN trifft die Aussage, dass NGT-basierte Pflanzen generell weniger Risiken bergen, nicht zu“, erklärt die Behörde. Zudem hält sie fest: „Auch die Art und der Umfang der Veränderung sind nicht geeignete Kategorien, um per se von einem geringen Risiko auszugehen.“

Der BAYER-Konzern hingegen macht gleich die ganze Zukunft der europäischen Landwirtschaft von einer Lockerung der bisherigen Regelungen abhängig. In altbekannter Manier preist er CRISPR/Cas & Co. als Allheilmittel gegen Ernährungskrisen, Klimawandel und übermäßigen Pestizid-Gebrauch. Dabei gibt es noch gar keine Pflanzen mit solchen Wunderkräften. Weltweit stehen gerade einmal drei Laborfrüchte auf den Äckern, während zahlreiche andere die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllten. Auch der Leverkusener Multi macht bisher keine Anstalten, seinen Senfblätter-Salat zu vermarkten.

Gleichwohl betreibt er in Brüssel Extrem-Lobbying. Der Global Player sprach sogar schon persönlich bei Irene Sacristán Sánchez vor, die bei der Generaldirektion Gesundheit die Verantwortung für die Neuen Gentechniken trägt. Überdies gelang es ihm in Tateinheit mit anderen Agro-Riesen bereits, die EU-Kommission zu Änderungen ihres Entwurfs zu bewegen. So wollte diese ursprünglich Laborfrüchte mit eingebauter Immunität gegenüber Glyphosat und anderen Herbiziden weiter Genehmigungsverfahren durchlaufen lassen, weil sie sich vor Auskreuzungen und dem Heranwachsen von Superunkräutern fürchtete. Doch nach der Intervention von BAYER & Co. waren diese Ängste plötzlich verflogen.

Aus all diesen Gründen wendet sich die Coordination gegen die Deregulierung der bisherigen Vorschriften.

Dementsprechend gehört sie auch mit zu den Organisationen, die am Vortag der Abstimmung zur Demonstration in Straßburg aufrufen. Sie beginnt um 8 Uhr vor dem Europäischen Parlament.