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Beiträge verschlagwortet als “Duogynon”

[Williams] Bayer HV 2012

CBG Redaktion

Rede bei der Bayer Hauptversammlung 2012 von Valerie Williams

Übersetzt und vorgetragen von Karin Riedhammer

Guten Tag meine Damen und Herren.

Mein Name ist Valerie Williams. Einige werden sich an meine Rede von 2009 erinnern.

Seitdem habe ich in den Archiven der Britischen Regierung geforscht und verschiedene Dokumente gefunden. Dokumente, die die Angelegenheit, über die ich heute spreche betreffen.

Ich spreche als Gründungsmitglied der Vereinigung für Kinder, die durch den Hormon-Schwangerschaftstest PRIMODOS geschädigt wurden. Dieser Schwangerschaftstest wurde von Schering, heute Bayer Schering hergestellt und vertrieben. In Deutschland unter dem Namen Duogynon.

Mein Sohn Daniel wurde mit mehrfachen Behinderungen geboren, nachdem ich diesen Schwangerschaftstest 1974 eingenommen hatte.

Als ich Primodos 1975 noch einmal wegen Menstruationsstörungen verschrieben bekam, war der Packung nun eine Warnung beigefügt. Eine Warnung, das Medikament dürfe wegen möglicher Schädigung des ungeborenen Kindes während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Seitdem kämpfe ich um Gerechtigkeit für die Primodos-Opfer. Ich werde nicht aufhören, bis Bayer für das Geschehene Verantwortung übernimmt.

Ich wünsche mir, dass Bayer die Fehler eingesteht und sich entschuldigt. Entschuldigt bei all den Müttern, Vätern und Kindern, die leiden mussten. Bei den Menschen, die immer noch an den Schäden leiden, die ihnen im Mutterleib zugefügt wurden.

Primodos ist ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn dem Profit Vorrang gegeben wird, und nicht der Menschlichkeit.
Medizin wird zur Heilung verwendet, wenn sie aber falsch verwendet wird oder Schäden verursacht bis hin zu Krankheit, Missbildungen und Tod, dann ist sie keine Medizin, sondern Gift.

Das Hormon Norethisteron (wie es in Primodos enthalten war) ist eine Arznei, die verschiedene nützliche Eigenschaften besitzt. Es wird heute weit verbreitet und völlig legitim eingesetzt, zum Beispiel in Anti-Baby-Pillen, wenn es auch hier einige Bedenken gibt. Die Dosis von Norethisteron war in Primodos aber um ein vielfaches höher als in herkömmlichen Anti-Baby-Pillen. Ich bin keine Wissenschaftlerin, aber ich finde es war ein Wahnsinn, solch hohe Dosen in einem so frühen Stadium des Lebens zu verabreichen.

Wir, die Frauen die Primodos einnahmen – auf Verordnung von Ärzten, denen wir vertrauten – taten dies nicht wegen einer Krankheit oder weil wir abtreiben wollten. Wir nahmen das Medikament, weil man uns versicherte, es sei ein sicherer Schwangerschaftstest.

Es gab zu dieser Zeit bereits sichere Schwangerschaftstests, zum Beispiel den Urin-Test. Aber unsere Ärzte informierten uns nicht darüber. Anstatt dessen verordneten sie uns Primodos.

Es war nicht notwendig, dass wir dieses gefährliche Präparat einnahmen. Unser Leben und das Leben unsere Kinder wurde ohne jeden Grund geschädigt.

Stimmen Sie nicht zu, dass es ein Fehler war, dieses Medikament als Schwangerschaftstest einzusetzen?

Schon viele Jahre bevor Primodos als Schwangerschaftstest vermarktet wurde, stellten viele Mediziner die Sicherheit der Anwendung solcher Hormonpräparate in Frage.

1958 schrieb Dr. J. Edwards von der Universität Birmingham, dass hohe Hormondosen während der frühen Schwangerschaft fötale Missbildungen hervorrufen was tätlichen Verletzungen gleichkomme.

1969 schrieb Schering, heute Bayer Schering, dem Britischen Ausschuss für Sicherheit und Medizin, dass Primodos wegen der hohen Rate von Fehlgeburten bei einer Studie mit Ratten zurückgezogen würde. Warum wurde das Präparat trotzdem noch bis 1975 hergestellt und als sicherer Schwangerschaftstest vertrieben?

Warum ignorierte Schering den Ratschlag von Dr. Briggs, dem Medizinischen Direktor ihrer eigenen britischen Abteilung, der das Mutterhaus in Deutschland drängte, das Präparat aus Sicherheitsgründen vom Markt zu nehmen?

Welche Gründe hatten Sie, Primodos weiter herzustellen? Während einer Zeit, in der bereits viele Fragen zur Sicherheit des Präparates aufkamen? Wie konnte so etwas passieren? Wieso war man einverstanden, dass es passierte?

Ab 1975 wurde jeder Packung Primodos eine Warnung beigegeben, das Präparat sei wegen möglicher Geburtsschäden nicht während der Schwangerschaft einzunehmen. Das war zu spät für tausende von ungeborenen Kindern, die schon im Mutterleib geschädigt worden waren

Nicht einmal die Packungen, die ohne Warnhinweis in den Vertrieb gegangen waren, wurden zu diesem Zeitpunkt zurückgerufen. Es gab auch keine Ärzteschulungen, um die neuen Sicherheitshinweise bekannt zu machen.

Im Vergleich hierzu verhielt sich das französische Pharmaunternehmen Roussel ehrenhaft und nahm 1969 seinen hormonbasierten Schwangerschaftstest wegen schädlicher Nebenwirkungen vom Markt.

Primodos wurde in England schließlich 1975 und dann noch einmal 1978 verboten.

Die schwerwiegenden Folgen, das Medikament nicht sofort, als Alarmglocken läuteten, vom Markt zu nehmen, wirken sich heute noch auf Familien aus. Die Interessen dieser Menschen wurden auf dem Altar der Profitgier geopfert.

Schwere Schicksale hätten vermieden werden können. Sollte ein Unternehmensgewissen, wenn es so etwas gibt, nicht beinhalten, das Unternehmen die Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidungen übernehmen müssen? Entscheidungen, die diejenigen betreffen, denen das Unternehmen doch dienen will, nämlich den Mitgliedern der Allgemeinheit?

Auch die Britische Regierung muss den Konsequenzen ihrer Fehler ins Auge sehen, weil sie nicht schnell genug handelte, als die potentielle Gefahr von Primodos bekannt wurde.

Eine Kultur der Halbwahrheiten, Lügen und Verschleierung hat diese Angelegenheit 40 Jahre lang umgeben. Auch unsere Regierung muss die Fehler der Vergangenheit einsehen und von ihnen lernen.

Wir bitten Bayer endlich die Verantwortung für unser Unglück und unser Leiden zu übernehmen.

Ich bitte Sie Aktionäre, denken Sie an die Liebe und Fürsorge, die Sie Ihren eigenen Kindern entgegenbringen. Wären Sie gegen uns, wenn Ihr Leben genauso wie unseres betroffen wäre? Denken Sie an all die Eltern, denen es nie möglich war, ihre Kinder zu sehen, zu hören, zu berühren, zu riechen oder sie in die Arme zu nehmen. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie an unserer Stelle wären? Unsere Kinder wurden von einer giftigen Dosis Chemikalien niedergestreckt. Chemikalien, die von Schering hergestellt und vertrieben wurden. Wo ist ihre Menschlichkeit, wenn Sie uns nicht helfen?

BAYER, die Opfer Ihrer Fehler müssen für die Jahre des Leidens entschädigt werden.

Kürzlich ist die Abgeordnete des britischen Unterhauses, Yasmin Querishi, unserer Kampagne beigetreten, nachdem sie sich mit dem Fall ihrer Wählerin Nicola Walton beschäftigt hat.

Yasmin hat bereits einen Antrag ins Parlament eingebracht, um die Unterstützung von weiteren Abgeordneten zu erreichen und eine öffentliche Anhörung dieser komplexen und tragischen Geschichte auf den Weg zu bringen. Wir hoffen, dass diese Debatte im House of Westminster bald stattfindet. Ich werde natürlich an dieser Debatte teilnehmen und die Presse darüber informieren.

Wir Primodos-Opfer fordern von Bayer, die volle Wahrheit über Primodos zu veröffentlichen, einschließlich der Hinweise auf Probleme, die Ihre eigenen Forschungen ans Licht brachten.

Mein letzter Besuch bei der Bayer-Hauptversammlung 2009 brachte mir keine Antworten auf meine Fragen.

Ich habe heute einige meiner Fragen widerholt und hoffe, dass ich heute eine bessere und angemessenere Erwiderung erhalten werde.

Sowohl unsere Zukunft als auch Ihre Zukunft liegt in Ihren Händen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

[HV-Reden] Redebeiträge HV 2018

CBG Redaktion

Kritische Redebeiträge in der Hauptversammlung der BAYER AG am 25. Mai 2018:

=> Annette Seehaus-Arnold (Vizepräsidentin des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes):
Bienensterben

=> Wiebke Schröder(SumOfUs):
Bienensterben

=> Ralf Bertram (Imkermeister):
Die Bienengefährlichkeit des Pestizids BISCAYA

=> Mute Schimpf (Friends of the Earth Europe):
Digitalisierung der Landwirtschaft

=> Keneth Dietrich:
Bayer aus Leverkusener Perspektive

=> Sanjay Kumar:
Reputations- und andere Risiken

=> Thomas Cierpka (IFOAM):
Nachhaltigkeit bei Bayer

=> Silvia Bender (BUND):
Neonikotinoide, Glyphosat, Monsanto, Gentechnik

=> René Lehnherr:
Monsanto

=> Bernward Geier:
Die ökologische Alternative „Sikkim“

=> Dr. Beate Kirk:
Duogynon und die Hormonspirale Mirena

=> Lars-Ulla Krajewski:
Die Gefahren der Dhünnaue-Öffnung

=> Karl Bär (Umweltinstitut München):
Die Gefahren von Sivanto

=> Christoph Koch (Imker):
10 Jahre dokumentierte Bienenvergiftung durch BAYER-Produkte

=> Dr. Gottfried Arnold (Kinderarzt):
Glyphosat, Duogynon und andere hormonähnliche Substanzen

=> Alan Tygel (Permanente Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben):
Bayer in Brasilien

=> Georg Wehr (Gadolinium-Selbsthilfegruppe):
Die Gefahren gadolinium-haltiger Röntgen-Kontrastmittel

=> Tilman Massa (Dachverband):
Die Sustainable Development Goals und BAYER in Lateinamerika

=> Christian Russau (Dachverband):
Pestizide in Brasilien

=> Jan Pehrke (CBG):
Der MONSANTO-Deal und weitere CBG-Gegenänträge

Karl Murphy

CBG Redaktion

Rede Karl Murphy
Bayer HV am 30. April 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Karl Murphy. Ich bin 37 Jahre alt und stamme aus Liverpool. Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht, dass ich im vergangenen Jahr an dieser Stelle zu dem Medikament Primodos gesprochen habe.

Ich bin Vizepräsident der Association of Children Damaged by Hormone Pregnancy Tests, einer Organisation, die sich um Betroffene kümmert, die nach der Einnahme des hormonalen Schwangerschaftstests Primodos von Schering dauerhafte Schäden erlitten.

Auch meine Mutter nahm während der Schwangerschaft Primodos ein. Ich wurde mit einer Reihe von Fehlbildungen geboten: ich habe eine Gaumenspalte und an meinen beiden Händen fehlen Finger. An meinem linken Fuß fehlen alle Zehen, an meinem rechten Fuß fehlt ein Zeh.
Mit mir sind heute mehrere Betroffene aus England angereist.

Hier in Deutschland wurde das Präparat unter dem Namen „Duogynon“ verkauft. Die Zusammensetzung war die selbe. Auch hierzulande gab es viele Fälle von Missbildungen.

Seit dem vergangenen Jahr haben ich mit anderen Geschädigten viele Informationen über Primodos und seine Inhaltsstoffe gesammelt. Nach der Hauptversammlung im vergangenen Jahr wurde ich von Bayer aufgefordert, darzulegen, wie dieses Medikament mich und andere geschädigt hat. Ich habe dem Unternehmen Bayer daraufhin umfangreiche Informationen zu Norethisteron, dem Inhaltsstoff von Primodos, zugesandt.

Norethisteron ist ein synthetisches Hormon, ein sogenanntes Progesteron, das auch in Antibaby-Pillen verwendet wird. Jede Primodos-Tablette enthielt 10 Milligramm Norethisteron. Für einen Schwangerschafts-Test nahmen die Frauen damals zwei Tabletten ein. Diese Hormon-Menge entspricht der Einnahme von zwei bis drei Packungen Antibaby-Pillen auf einen Schlag. Ich frage Sie: was würden Sie sagen, wenn Ihr Doktor Ihnen zwei bis drei Packungen Antibabypillen als Schwangerschafts-Test verschreiben würde? Ich denke, wir kennen alle die Antwort. Nur die Verantwortlichen von Bayer beharren darauf, dass diese Hormon-Menge unbedenklich für den Fötus ist.

Ich frage den Vorstand daher: Warum hat Schering damals solch große Mengen von Sexualhormonen in Schwangerschafts-Tests verwendet?

Ich frage den Vorstand: wo sind all die firmeninternen Informationen zu Primodos? Mir wurde gesagt, die Unterlagen wurden zerstört. Wenn das wirklich so ist, warum?

Herr Wenning sagte im vergangenen Jahr, dass Primodos nichts mit Antibaby-Pillen zu tun hat. Ich bin mit dieser Aussage in keiner Weise einverstanden. Dieses Hormon wird auch heute noch dazu eingesetzt, Störungen des Monatszyklus zu behandeln. Außerdem wird es bis heute in Antibaby-Pillen verwendet, und zwar in einer Konzentration von 0,03 bis 1 Milligramm pro Pille. All diese Produkte tragen einen Gefahrenhinweis. Demnach darf dieses Hormon nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Sogar Packungsbeilagen von Bayer empfehlen, vor der Einnahme von Norethisteron eine Schwangerschaft auszuschließen.

Warum bestreitet Bayer bis heute, dass Norethisteron den Fötus schaden kann, wenn dies sogar in Packungsbeilagen zu lesen ist?

Norethisteron ist ein synthetisches Progesteron. Dieses hat viel stärkere Nebenwirkungen als körpereigenes Progesteron. Im vergangenen Jahr hat man sehr viel über Nebenwirkungen und sogar Todesfälle durch Antibaby-Pillen wie „Yasmin“ gehört. Ich frage daher den Vorstand, ob diese erhöhten Nebenwirkungen der Antibaby-Pillen von Bayer mit dem darin verwendeten Progesteron zusammen hängen?

Sie alle haben auch von der „Pille danach“ gehört. Diese Präparate führen einer schwangeren Frau große Mengen Progesteron zu, wodurch die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter verhindert wird. Auch hierfür kann Norethisteron verwendet werden. Es versteht sich wohl von selbst, dass ein solcher Wirkstoff nicht einer schwangeren Frau verschrieben werden sollte.

Die Firma Bayer hat mir versichert, keine wissenschaftlichen Unterlagen zu Primodos mehr zu besitzen. Nachdem ich all meine Materialien zu Fehlbildungen durch Norethisteron an Bayer gesandt hatte, wurden mir von Bayer Schering Unterlagen zu Antibaby-Pillen zugesandt. Diese enthalten aber eine viel geringere Hormon-Dosis, die zudem über 21 Tage verteilt wird. Sie können die Unterlagen von Bayer gerne bei mir einsehen.

Bayer hat mir gegenüber eingeräumt, dass in den 60er und 70er Jahren rund 25.000 Packungen Primodos als kostenlose Proben versandt wurden. Aber schon zu Beginn der 70er Jahre hat die britische Medikamenten-Behörde British Committee on Safety of Medicines empfohlen, Norethisteron nicht an schwangere Frauen zu verabreichen. 1971 änderte Schering die Packungsbeilage, ohne aber die Ärzte hierüber zu informieren. Daher wurde Primodos weiterhin in großen Mengen als Schwangerschafts-Test verschrieben.

Erst 1975, fünf Jahre nach der Empfehlung der britischen Behörden und acht Jahre nach Veröffentlichung der Studien von Dr. Isabel Gal zu Fehlbildungen durch Primodos, reagierte Schering und druckte einen Warnhinweis auf die Medikamenten-Packungen. Dieser lautete: „Es besteht die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen der Verwendung von Primodos in der frühen Schwangerschaft und einer erhöhten Gefahr von Fehlbildungen. Wegen dieser möglichen Folgen darf Primodos nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden.“

Diese Warnung wurde von Schering erstmals auch in Warnschreiben an die Ärzte gesandt.

Ich erhielt von Bayer einen Brief, den Sie gerne einsehen können. Darin steht, dass Schering damals keine Hinweise zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Primodos und fruchtschädigenden Effekten vorlag. Auch steht darin, dass meine Fehlbildungen nicht auf die Einnahme von Primodos zurückzuführen sind. Wenn Sie bei Bayer so überzeugt sind, dass die Inhaltsstoffe von Primodos – Norethisteron und Ethinylestradiol – keine Fehlbildungen verursachen, warum wurden diese Warnungen auf die Primodos-Packungen gedruckt? Warum warnen auch andere Firmen schwangere Frauen vor der Einnahme von Norethisteron?

Wenn Sie im Bayer-Vorstand so überzeugt sind von der Sicherheit dieses Präparats, dann fordere ich Sie auf, eine schwangere Frau aus Ihrer Familie hier vor die Hauptversammlung zu stellen und vor dem Publikum zwei Primodos-Tabletten, von denen ich noch einige besitze, einzunehmen. Ich weiß, dass Sie dies nicht tun würden. Und weil ich ein mitfühlender Mensch bin, würde ich Ihnen die Tabletten natürlich nicht geben. Ich habe durchleben müssen, welche Auswirkungen diese für das ungeborene Kind haben. Niemand mehr soll durch diese Hölle gehen müssen.

Der Bayer-Vorstand wird wahrscheinlich nachher entgegnen, dass die Warnungen auf den Primodos-Packungen nur auf Veranlassung der Behörden angebracht wurden, obwohl tatsächlich gar kein Risiko vorlag. Ich habe aber hier den Original-Brief des Committee on Safety of Medicines, in dem es heißt: „Mehrere Studien zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Östrogenen und Progesteron zur Schwangerschafts-Diagnose und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen“. Warum wurden die Warnungen erst auf die Packungen gedruckt, als bereits Tausende von Babies gestorben waren oder mit schweren Behinderungen geboren wurden?

Ich bin kein Wissenschaftler. Die wissenschaftliche Arbeit muss von einem Unternehmen wie Bayer durchgeführt werden. Warum aber bestreitet ausschließlich Bayer, dass Progesteron den Fötus schädigen kann, während andere Firmen dies zugeben?

Ich frage den Vorstand: als Sie die Firma Schering gekauft haben,
wie waren Ihre Pläne für den Umgang mit Schering-Opfern?

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Jeder, der Interesse hat, kann mich ansprechen und Einblick in meine Unterlagen nehmen.

[AktionärInnenrechte] Presse-Information CBG vom 06.09.21

CBG Redaktion

Bundestag entscheidet über die Fortführung von Online-Hauptversammlungen

Demokratische AktionärInnen-Rechte in Gefahr

Am morgigen Dienstag will die Bundesregierung die Ausnahme-Bestimmungen zu Online-Hauptversammlungen erneut fortschreiben und den Aktien-Gesellschaften damit längerfristig das Recht einräumen, vor ihren AnteilseignerInnen ins Virtuelle zu flüchten. Auf Druck der Unternehmen unterbricht der Bundestag eigens die Parlamentsferien. Die Fortdauer dieser Ausnahme-Regel aus dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie“ soll – gemeinsam mit ein paar weiteren Vorlagen – noch kurz vor Ende der Legislatur-Periode unbedingt durchgebracht werden, Die Online-HV hätte sich „im Großen und Ganzen bewährt“, meinen CDU und SPD.

„Während inzwischen allerorts wieder Präsenz-Veranstaltungen unter Einhaltung der jeweiligen Hygiene-Standards möglich sind, stellt die Große Koalition BAYER & Co. ohne Not einen Blanko-Scheck dafür aus, auch 2022 wieder die Rechte der AktionärInnen-Demokratie auszuhebeln. Wobei es natürlich um die KleinaktionärInnen geht, denn mit den ultrareichen BesitzerInnen, den sogenannten GroßinvestorInnen, die die wesentlichen Anteile an den Konzernen besitzen, stimmen sich Vorstände und Aufsichtsräte natürlich immer und auch weiterhin intensiv ab. Andernfalls wären sie sofort ihren Job los“, meint Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG).

Die Coordination sucht bereits seit 1983 die Hauptversammlungen der BAYER AG auf, um den Vorstand mit den Risiken und Nebenwirkungen seiner gnaden- und rücksichtslosen Profitjagd zu konfrontieren. Um solche Kritik zu mindern, nutzte der Leverkusener Multi als erster DAX-Konzern 2020 die Gelegenheit, seine AktionärInnen-Treffen online abzuhalten und feierte sich dafür „als digitaler Pionier“.

Rede-Beiträge seiner AktionärInnen lässt der Global Player seit 2020 in seiner Internet-HV nicht mehr zu. Es sind nur noch Fragen möglich, die überdies vor der HV einzureichen sind. Noch dazu fasst der Agro-Riese die eingegangenen Fragen ohne Namensnennung zu Blöcken zusammen und „beantwortet“ sie in einem nur willkürlich zu nennenden, intransparenten und nicht nachvollziehbaren Verfahren – mit dem wohlkalkulierten Effekt, dass kritische Inhalte kaum noch zu identifizieren sind. Während früher etwa eine Medikamenten-Geschädigte vor das Mikrofon trat, ihre Leidensgeschichte vortrug und sich am Schluss erkundigte, wann BAYER die betreffende Arznei endlich vom Markt zu nehmen gedenke, heißt es jetzt einfach kurz und schmerzlos: „Eine Aktionärin fragte nach dem Produkt DUOGYNON.“

Auch die auf eine Länge von zwei Minuten beschränkten Video-Statements, die der Leverkusener Multi auf massiven öffentlichen Druck u. a. von CBG, Dachverband der Kritischen AktionärInnen und anderer AktionärInnen-Vereinigungen 2021 erstmals zuließ, sichern keinesfalls die gesetzlich verbrieften Kontroll- und Auskunftsrechte der AktionärInnen. Der BAYER-Konzern bzw. dessen Vorstände und Aufsichtsräte entmündigen weiterhin in undemokratisch repressiver und autoritärer Weise die eigenen BesitzerInnen bzw. AnteilseignerInnen. Und nun sollen die ParlamentarierInnen ermöglichen, dass diese diktatorische Praxis fortgesetzt werden kann.

Wobei die Unternehmen sogar beabsichtigen, Online-Hauptversammlungen zum Normalfall auch außerhalb der Corona-Krise zu machen. Sie wollen sich ihre KleinaktionärInnen und Konzern-KritikerInnen auf Dauer vom Hals schaffen. Ein Positionspapier des „Bundesverbands der Industrie“ (BDI) dazu liegt bereits vor. So sollen Reden für immer und ewig „angemessen beschränkt“ und zudem „wegen offensichtlicher Unrichtigkeit, anstößiger Inhalte etc. nicht veröffentlicht“ werden dürfen. Bei den Fragen sollen die Firmen dauerhaft Hand anlegen und auf diese Weise das Auskunftsrecht der AktionärInnen einschränken dürfen. Insgesamt plädiert der BDI dafür, die konkrete Ausgestaltung der virtuellen HVs überhaupt gänzlich der Gesetzgebung zu entziehen und „in die Verantwortung“ der DAX-Gesellschaften selber zu stellen.

„Diese Vorstellungen zeigen, woher der Wind weht. BAYER & Co. wollen lästige Kontrolle und Kritik loswerden. Kritischen AktionärInnen und den KleinaktionärInnen insgesamt sollen ihre Rechte entzogen werden. Nur noch die ultrareichen GroßinvestorInnen zählen und sollen freie Bahn bekommen. Dabei zeigen die Verbrechen der Konzerne von Ruin des Klimas bis zur vorsätzlichen Zerstörung sozial solidarischer Strukturen, wie wichtig eine wirksame Kontrolle wäre. Die Konzerne müssen grundsätzlich enteignet und unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Der Bundestag darf keinesfalls die autoritären und demokratiefeindlichen gesellschafts- und ökologiezerstörerischen Ansinnen der KonzernchefInnen und ihrer Groß-InvestorInnen durchwinken. Die Abgeordneten können auch in Zeiten von Corona für sichere Präsenz-Hauptversammlungen oder zumindest hybride und damit für die Gewährleistung der eh nur minimalen Rechte der AnteilseignerInnen sorgen und sind aufgefordert, das auch zu tun“, so Stelzmann abschließend.

Pressekontakt:

Marius Stelzmann 0211/33 39 11