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Veröffentliche Beiträge in “Allgemein”

[Lateinamerika ] Presse-Information CBG 24.05.19

CBG Redaktion

Lateinamerika-Konferenz setzt falsche Schwerpunkte

Das fatale Treiben von BAYER & Co. gehört auf die Agenda!

Am kommenden Dienstag findet in Berlin die Lateinamerika/Karibik-Konferenz statt. Über 20 AmtskollegInnen erwartet Bundesaußenminister Heiko Maas im Weltsaal des Auswärtigen Amts. Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, die Partnerschaft zu den betreffenden Nationen auszubauen. Die Region sei „zu lange aus unserem Blick geraten“, betont der SPD-Politiker. Vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet strebt er eine Vertiefung der Beziehungen an: „Lateinamerika, die Karibik und Europa dürfen nicht zum Kollateralschaden des Handelsstreits zwischen USA und China werden.“

Aber auch darüber hinaus hat das gesteigerte Interesse für den Raum vor allem geopolitische und geoökonomische Gründe. Die Bundesregierung registriert misstrauisch den wachsenden Einfluss Chinas auf dem südamerikanischen Kontinent. Zudem sieht sie sich durch Donalds Trumps „America First“-Politik dazu veranlasst, nach neuen Bündnispartnern auf internationalem Parkett und nach alternativen Absatz-Gebieten für die deutsche Industrie Ausschau zu halten.

Dieses Programm droht die schon bestehenden Ungleichgewichte im Handel Deutschlands gerade mit den großen südamerikanischen Ländern wie Brasilien und Argentinien noch einmal zu verstärken. Dabei wirkt sich die Geschäftspolitik bundesdeutscher Konzerne wie BAYER und BASF in diesen Staaten bereits jetzt verheerend aus. Beide Agro-Riesen haben einen großen Anteil an den fatalen Folgen der dort im Großmaßstab betriebenen Landwirtschaft. Die Zahl der Pestizid-Vergiftungen steigt von Jahr und Jahr, und die Soja-Plantagen fressen sich immer weiter in den für das Klima so wichtigen Regenwald hinein und gefährden damit auch die Lebensgrundlage der indigenen Völker.

„Deutsche Unternehmen wie BAYER und BASF treiben in Lateinamerika rücksichtslos das agro-industrielle Modell mit seinen Pestiziden, Gentech-Pflanzen und Monokulturen voran. Noch dazu bedienen sie sich dabei einer Politik der doppelten Standards. Viele Chemikalien, die auf unseren Feldern landen, dürfen in Europa wegen ihrer Giftigkeit gar nicht mehr vermarktet werden. Solche Themen müsste Heiko Maas in Berlin auf die Agenda setzen“, fordert Alan Tygel von der brasilianischen PERMANENTEN KAMPAGNE GEGEN AGRARGIFTE UND FÜR DAS LEBEN.

Auf der BAYER-Hauptversammlung am 26. April hatte Tygel dem Vorstand des Global Players die detaillierte Schadensbilanz präsentiert: In Brasilien erhöhte sich die Zahl der von Glyphosat & Co. verursachten Vergiftungen von 2.726 im Jahr 2007 auf 7.200 im Jahr 2017. Über 2.000 Sterbefälle registrierten die Behörden in diesem Zeitraum. Darüber hinaus kritisierte der Computer-Spezialist die politischen Interventionen des Leverkusener Multis: „Im Jahr 2018 dann waren es das große Agro-Business und die multinationalen Gift-Konzerne, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass dieser rechtsextreme Präsident, der heute Brasilien regiert, an die Macht kam. Im Gegenzug wurden in den ersten 100 Tagen seiner Regierung 152 neue Agrar-Gifte (...) für den Verkauf freigegeben.“

In Argentinien stellt sich die Lage ähnlich dar: Tausende Pestizid-Vergiftungen pro Jahr, zahlreiche in der Europäischen Union nicht (mehr) zugelassene Agro-Chemikalien auf den Äckern sowie Grenzwerte, die um ein Vielfaches über denen der EU liegen. Und auch in Buenos Aires üben die Multis viel Druck auf die Regierung aus. „Da geht es um milliarden-schwere Interessen“, konstatiert die Aktivistin Sabrina Ortiz, deren 6-jähriger Sohn an einer Glyphosat-Vergiftung laboriert. Momentan versuchen die Unternehmen, ein Paragrafen-Werk zu lancieren, das die freie Verwendung von Saatgut unterbindet und dem Patent-Regime zur Geltung verhilft. Das „BAYER-MONSANTO-Gesetz“ hat die Öffentlichkeit die Vorlage vielsagend getauft, auf dessen Verabschiedung BAYERs Argentinien-Chef Christophe Dumont dringt. „Die derzeitige Rechtslage ist weder an die moderne Welt noch an den Fortschritt der Biotechnologie angepasst (...) Wir brauchen so schnell wie möglich einen Rechtsrahmen, der es den Unternehmen ermöglicht, eine Investitionsrendite zu erzielen“, so Dumont.

„Obwohl die Bundesregierung derzeit viele Worte über den ‚regelbasierten Welthandel’ verliert, thematisiert sie solche Themen nicht. Lieber stellt sich Bundesaußenminister Heiko Maas an die Seite des brasilianischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro und gibt ausgerechnet mit diesem offenen Verfechter der Militär-Diktatur eine gemeinsame Erklärung ab, die sich für eine ‚Wiederherstellung der Demokratie“ in Venezuela durch den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó ausspricht“, so Axel Köhler-Schnura von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN abschließend.

[Klima-Streik] Presse-Information CBG 16.09.19

CBG Redaktion

CBG beim Klima-Streik dabei

Klima-Killer Glyphosat

Der BAYER-Konzern stößt Jahr für Jahr Millionen Tonnen Kohlendioxid aus und trägt so zum Klimawandel bei. Darum schließt sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) am kommenden Freitag dem Klima-Streik an, zu dem „Fridays For Future“ aufgerufen hat. „Wir gehen am 20. September in Düsseldorf auf die Straße, um den Blick darauf zu lenken, welch immensen Anteil BAYER und andere große Industrie-Betriebe an der Klima-Katastrophe haben“, so Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination.

Durch den MONSANTO-Erwerb stiegen die Kohlendioxid-Emissionen des Leverkusener Multis im Geschäftsjahr 2018 noch einmal von 3,63 Millionen auf 5,45 Millionen Tonnen an – und das, obwohl die CO2-Werte seiner neuen Tochter-Gesellschaft nicht die vollen zwölf Monate mitzählten. Sie flossen erst ab dem offiziellen Vollzug des Kaufes am 7. Juni 2018 mit in die Rechnung ein.

Einen Hauptanteil an diesem Zuwachs hat Glyphosat. Neben allem anderen ist das Pestizid auch ein veritabler Klima-Killer. Um Phosphorit aus Minen zu fördern und zu Phosphor – einem Vorprodukt des umstrittenen Herbizides – umzusetzen, braucht es nämlich einen enormen Ressourcen-Einsatz. „Mit der Übernahme von MONSANTO hat BAYER neben Standorten für die Saatgut-Produktion auch eine Rohstoff-Gewinnung für die Herstellung von Pflanzenschutzmittel-Vorprodukten übernommen, mit der eine energie-intensive Aufbereitung und Weiterverarbeitung verbunden sind“, heißt es dazu im Geschäftsbericht des Konzerns.

Instrumente wie etwa der Emissionshandel haben den Konzern bisher nicht dazu bewegen können, seine Herstellungsprozesse klima-freundlicher zu gestalten. Sie verfehlen offensichtlich ihre Lenkungswirkung. Darum sieht die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hier Handlungsbedarf. „Die Bundesregierung darf den Maßnahmen-Katalog ihres Klima-Pakets nicht auf die Bereiche „Verkehr“ und „Wohnen“ beschränken. Sie muss BAYER und anderen Industrie-Unternehmen ebenfalls strengere Vorgaben machen“, so Köhler-Schnura abschließend.

[Jan Pehrke] Vortrag Jan Pehrke

CBG Redaktion

Vortrag von Jan Pehrke (Coordination gegen BAYER-Gefahren)

Auslaufmodell “BAYER-Familie”

Die Geschichte der betrieblichen Arbeits- und Sozialpolitik bei BAYER

Ende der 70er Jahre stieß die keynesianische Wirtschaftspolitik der sozialliberalen Koalition an ihre Systemgrenzen. Es war der Regierung unter Helmut Schmidt nicht mehr möglich, der wachsenden Arbeitslosigkeit durch staatliche Investitionsprogramme Einhalt zu gebieten, weil die Verschuldung die Währungsstabilität zu gefährden drohte. So schlugen SPD und FDP einen Sparkurs ein und leiteten die Ära der Sozialkürzungen ein. Damit begann der bis heute anhaltende Siegeszug des Neoliberalismus, der die Kräfteverhältnisse deutlich zu Gunsten der Konzerne verschob. BAYER wusste daraus - im wörtlichen Sinn - Kapital zu schlagen. Die verschiedenen BAYER-Chefs erwiesen sich als wahre Meister darin, ArbeiterInnen gegen ArbeitslosInnen auszuspielen. 1997 bespielsweise schlug der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Manfred Schneider in einem Interview vor: “Wir würden unsere Situation in Deutschland auch dann deutlich verbessern, wenn diejenigen, die Arbeit haben, zum Verzicht auf einen Teil der freiwilligen sozialen Leistungen der Unternehmen bereit wären”. Er präzisierte auch gleich seine Vorstellungen: “Zum Beispiel muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob wir nicht den sozialen Standard spürbar reduzieren sollten. Warum reichen nicht 25 Urlaubstage statt der bisherigen 30 Urlaubstage? Warum kann nicht jeder Krankenversicherte eine Selbstbeteiligung zahlen - wie bei der Autoversicherung? Warum kann man die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht mit dem Urlaubsgeld verrechnen? Warum kann das Arbeitslosengeld nicht abgesenkt werden?”.
Rot-Grün gab mit der Gesundheits“reform” und der Agenda 2010 die erwartete Antwort. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) zeigte sich dann auch zufrieden. Nur hätte es für ihn gerne noch ein bisschen mehr “weniger” sein können. Der BAVC-Geschäftsführer Hans Paul Frey empfand die Sozialhilfe-Sätze als “immer noch zu hoch” und forderte Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und beim Kündigungsschutz.
Der Leverkusener Multi wartete aber nicht einfach ab, bis die Mühlen der Politik zu mahlen begannen. Der Konzern ließ den markigen Worten Schneiders gleich Taten folgen. BAYERs damaliger Peter Hartz, Meinholf Stindt, baldowerte als Leiter der Abteilung “Arbeits- und Sozialrecht” den “Eingliederungsvertrag für Langzeitarbeitslose” aus, der die Wirtschaftskreise entzückte. “Löhne unter Tarif, kein Kündigungsschutz und niedrige Personalzusatzkosten - das alles ist jetzt möglich, wenn Unternehmer bereit sind, Langzeitarbeitslosen einen Job zu geben”, jubilierte das Kapital-Blatt Impulse. Ob das Vertragswerk wirklich wieder Leute in Lohn und Brot brachte, interessierte die Konzernherren dabei herzlich wenig, sie betrachteten es lediglich als Einfallstor, um soziale Errungenschaften zu demontieren. “Wenn dieses vereinfachte Arbeitsverhältnis ankommt, ist das wirklich der Beweis dafür, dass die hohen arbeitsrechtlichen Hürden generell Beschäftigung verhindern”, frohlockte ein Unternehmenssprecher.

Der Standort-Vertrag
Aber nicht nur die hohe Arbeitslosigkeit wussten BAYER & Co. zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie lancierten eine Debatte um den “Standort Deutschland” und seine angeblichen Nachteile, die zu Produktionsverlagerungen ins Ausland zwängen, wenn sie nicht behoben würden. Die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) ließ sich diese Diskussion aufzwingen und schloss mit BAYER Ende 1997 den so genannten Standortsicherungsvertrag ab. Damit willigte sie in Arbeitsplatzvernichtung, Lohnkürzungen und den Abbau von sozialen Leistungen ein, während der Konzern lediglich vage Investitionen an den bundesdeutschen Standorten zusagte und betriebsbedingte Kündigungen ausschloss. Wobei er sich im Kleingedruckten noch so einige Möglichkeiten offen hielt, Arbeitsverhältnisse doch vorzeitig zu beenden und diese später auch nutzte. Im Einzelnen besiegelte das “Bündnis zur Standortsicherung” eine Einordnung vieler Beschäftigter in niedrigere Lohngruppen, eine Reduzierung der Bonuszahlungen um 63 Millionen Euro, die Streichung von Wechselschichts- und Treueprämien sowie eine weitere Flexibilisierung der Arbeit.
Die erste Bilanz fiel dementsprechend verheerend aus. Nach einer Umfrage der IG BCE im Vorfeld der Verhandlungen zu einer Verlängerung der Vereinbarung beurteilte die Belegschaft das Abkommen überwiegend negativ. Nach Ansicht der BAYER-WerkerInnen haben ihrem Verzicht auf Lohn und soziale Errungenschaften keine Gegenleistungen von seiten BAYERs entsprochen, die Investitionen hätte der Konzern auch so vorgenommen. Damit übernahmen sie den Standpunkt der KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine oppositionelle Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, die den Standort-Vertrag im Allgemeinen und die zugesagten Aufwändungen an den Standorten im Besonderen kritisiert hatten, weil diese sich lediglich im Rahmen der Instandhaltungskosten für die Anlagen bewegten. Die Gewerkschaft stimmte trotzdem einer Neuauflage der Standortsicherungsvereinbarung zu und opferte so weitere Rechte der MitarbeiterInnen. Ähnlich defensiv ging sie in die kommenden Tarifverhandlungen - und holte jeweils nur 2 bis 3-prozentige Lohnerhöhungen heraus. Dieser Verzicht brachte auch auf längere Sicht nichts ein. BAYER vernichtete fleißig weiter Arbeitsplätze - vor allem durch die Abstoßung von Sparten wie HAARMANN & REIMER, AGFA und jüngst Teilen des Chemie-Geschäfts. Die Belegschaft sank so von 144.600 im Jahr 1997 auf bis dato unter 100.000.
Für den Agro-Riesen ging die Rechnung allerdings auf. Seine Profite stiegen ins Unermessliche, während die Lohnstückkosten sanken. Von 1994 bis 1999 erhöhte sich der Umsatz pro MitarbeiterIn um 40 Prozent. Lag der Anteil der Lohnkosten am Umsatz 1995 bei 18,1 Prozent, so betrug er 1999 nur noch 16 Prozent. Heutzutage dürfte er weiter abgenommen haben.

Die Rolle der Gewerkschaften
Die IG BCE hat diese Umverteilung von unten nach oben klaglos mitgetragen. Traditionell die konservativste Industriegewerkschaft in der Bundesrepublik, begreift sie sich nicht als Verteidigerin der Rechte der Belegschaft gegenüber den Konzernherren, sondern als eine Art von “Co-Management”. Ihre Funktionäre wie Günter Schölzel können es gar nicht mehr verstehen, wenn einzelne Betriebsräte “Konfliktsituationen dazu nutzen, eine Gegenposition zum Management aufzubauen und sich bei Veränderungen warnend vor die Mitarbeiter zu stellen”. Der Betriebsratsvorsitzende des Dormagener BAYER-Werkes, Karl Josef Ellrich, schreitet in solchen Fällen lieber als “Change-Manager” ein und betätigt sich als sozialer Friedensstifter in von BAYER & Co zunehmend unfriedlicher gestalteten Zeiten. Willenlos kapitulieren Ellrich und seine KollegInnen vor dem Kapital und reden der Chef-Etage nach dem Mund. “Wer heute kollektiv und ohne Kompromissbereitschaft an Besitzständen festhält, besitzt bald gar nichts mehr”, gab etwa BAYERs Gesamtbetriebsratschef Erhard Gipperich in reinstem BAYER-Sprech zum Besten.
Von solchen VertreterInnen haben die BAYER-MalocherInnen nichts zu erwarten, und der Einfluss der alternativen Gewerkschaftsgruppen ist zu schwach, um Widerstand organisieren zu können. So stehen die Beschäftigten der Offensive der Konzerne machtlos gegenüber. Was für die Manager “Senkung der Lohnstückkosten” heißt und die Sektkorken knallen lässt, bedeutet für sie mehr Arbeitsverdichtung. Der Stress, der durch zusätzliche Überwachungsaufgaben, wechselnde Arbeitsplätze im Werk, stärkere Konkurrenz und die Verlängerung der Arbeitszeit entsteht, sah der ehemalige Leiter von BAYERs Ärztlichem Dienst, Dr. Manfred Albrod, schon im Jahr 2000 als Hauptbelastungsfaktor für die Gesundheit der MitarbeiterInnen an - und nicht mehr die Gefährdungen durch Giftstoffe. Dabei zerrt nicht nur die Arbeit zunehmend an den Nerven, sondern auch die bange Aussicht, vielleicht bald keine mehr zu haben. “Die Angst sei da, bei so vielen, sie sei Tag für Tag deutlich zu spüren - bei der Arbeit, in der Mittagspause und auch noch in der Familie daheim”, gab die WZ die Worte eines Beschäftigten im Wuppertaler Pharmaforschungszentrum wieder.

Wie alles anfing ...
Aber bei BAYER verschlechterten sich nicht nur die unmittelbar die Lohnarbeit betreffenden Bedingungen. Auch die auf das weitere Umfeld des Werkes zugeschnittene Sozialpolitik des Konzerns veränderte sich. Der Multi verkaufte seine Werkswohnungen, gliederte seine Betriebskrankenkasse aus und übergab seine Kindergärten dem “Deutschen Roten Kreuz”. Zudem trennte er sich von seinem Kaufhaus, schloss die Werksbibliothek, fuhr das Kulturprogramm zurück und kürzte die Sportförderung. Dieses ganze Gefüge hatte einst nicht nur die Arbeit, sondern das halbe Leben dieseits des Werkstores stattfinden lassen. Von der “BAYER-Familie” sprach deshalb der von 1912 bis 1925 als Generaldirektor des Unternehmens amtierende Carl Duisberg gerne. “Die vornehmste Pflicht eines Unternehmers habe ich immer darin erblickt, das soziale Problem der Lösung näher zu bringen”, schrieb er in seinen Memoiren. Allzu vornehm waren seine Motive dabei allerdings nicht; sie entsprangen praktischen Erwägungen. So geschwächt nämlich die Position der Beschäftigten heutzutage in Zeiten des neoliberalen Dogmas und hoher Arbeitslosigkeit scheint, so stark war die in der Anfangszeit der Chemischen Industrie. BAYER hatte damals gehörige Schwierigkeiten, geeignete MitarbeiterInnen zu gewinnen. Das Arbeitskräfte-Reservoir im Einzugsgebiet Leverkusens hatte sich bald erschöpft, so dass der Konzern Anwerber bis nach Schlesien und Polen ausschickte. Für die Chemiearbeit waren die zumeist aus ländlichen Regionen stammenden Neulinge jedoch nicht unbedingt geschaffen. Dazu bedurfte es einer langwierigen Erziehungsarbeit. Viele hielten es nicht lang in den Produktionshallen aus. Wegen der großen Gesundheitsgefahren hatte besonders die Chemieindustrie unter eine hohen Fluktuation zu leiden. Der Multi leitete deshalb diverse Maßnahmen ein. Arbeiter, die von anderen Chemie-Werken kamen, stellte er aus Prinzip nicht ein, und Wanderarbeiter, die schon dreimal in Leverkusen angeheuert hatten, brauchten bei einer erneuten Verpflichtung eine Sondergenehmigung der Direktion. Um Belegschaftsangehörige langfristig an sich zu binden, startete der Chemie-Riese seine “Familienpolitik”. Mussten die Neuankömmlinge aus Polen und Schlesien anfangs neben den Schmelzöfen nächtigen, entfaltete BAYER später eine rege Bautätigkeit. Aber das vergleichsweise kostengünstige Wohnen hatte seinen Preis: Wer seinen Job kündigte, war auch die Wohnung los. Die freien Gewerkschaften und die SPD protestierten vehement gegen dieses Koppel-Geschäft. Darüber hinaus führte BAYER 1873 eine Unterstützungskasse für Krankgewordene ein - “zehn Jahre vor Bismarcks erstem Sozialgesetz”, vermerkt die Unternehmenschronik “Meilensteine” stolz. “Dem patriarchalischen Denken der Zeit entsprechend”, saß ihr allerdings stets ein BAYER-Boss vor, weshalb die Arbeitervertreter in der Kasse “ein Knebelinstrument des Unternehmers sahen”, wie die “Meilensteine” einräumen müssen. Eine fürsorgliche Belagerung der Belegschaft stellten auch die vom Konzern ins Leben gerufenen Berufsvereine dar. Fortbildungsmaßnahmen, Vorträge und Ausflüge sollten Betriebsführer und Arbeiter der einzelnen Sparten einander näher bringen und die Beschäftigten von dem dummen Gedanken abhalten, einer freien Gewerkschaft beizutreten. Der Festigung des korporatistischen Geistes diente auch die Gepflogenheit der Oberen, den Werktätigen höchstpersönlich ihren Lohn auszuzahlen. Als die zunehmend vermittelten Beziehungen dies im entwickelten Kapitalismus nicht mehr zuließen, setzte die Führungsetage Sozialsekretäre und Fabrikpfleger als Wahrer des sozialen Friedens ein. Zudem initiierte der Chemie-Multi eine Reihe von “vertrauensbildenden Maßnahmen”. Er richtete ein Kaufhaus ein, schuf Kindergärten, Kulturclubs, Gesangskreise, gründete eine Bibliothek und Sportvereine. Die “BAYER-Familie” musste so gut wie gar nicht mehr außer Haus. Die Gewerkschaftler durchschauten das Manöver: “(Es) soll unter Anwendung aller äußeren und inneren Methoden der modernen Pädagogik und der angewandten Psychologie, mit Hilfe von Werkschulen, Lehrlingswerkstätten, Lehrlingsvereinen, Unterstützungskassen, Werkskasinos, Werkswohlfahrtseinrichtungen, Sportklubs und anderem mehr die Arbeiterschaft in eine ganz enge innere, seelisch verankerte Verbindung mit dem Betrieb gebracht werden, so dass sie mit der Zeit alles Interesse an ihren Berufs- und Industrieverbänden verlieren soll. Daneben geht man mit Propaganda-Broschüren, Werkzeitungen und anderen, der modernen Reklame-Psychologie entlehnten ‘Aufklärungsmitteln’ darauf aus, die Arbeiter vor dem marxistisch-sozialistischen Geist in den Gewerkschaften graulich zu machen. Fritz Fricke analysierte die Sozialpolitik der Unternehmen auf diese Weise in seinem 1927 erschienenen Buch “Sie suchen die Seele”. Zu diesem Zeitpunkt bekam das traute Familienleben aber schon Brüche. 1916 hatte der Staat die Gewerkschaften anerkannt. Damit war das Arbeitsverhältnis nicht länger bloß eine Sache zwischen dem Arbeiter und dem Werk. Die Gewerkschaften hatte das Recht, im Namen aller Beschäftigten einer Branche die Löhne auszuhandeln, womit das individuelle Vertragsprinzip zu einem kollektiven überging. 1920 folgte dann das Betriebsrätegesetz. Die Weimarer Republik regierte noch in einen anderen zentralen Bereich hinein. Im Interesse des Mietschutzes wollte sie die Verschränkung von Wohnen und Arbeiten nicht länger hinnehmen. So nahm sie den Wohnungsbau von BAYER & Co. von Förderprogrammen aus und gewährte den Konzernen keine günstigen Hypothekenzinsen mehr. Heute kaum mehr vorstellbar, wehrten sich die Unternehmen vehement gegen die Verstaatlichung ihrer Sozialpolitik. Aber sie mussten sich den Zeichen der Zeit beugen. “Die Unternehmen verloren die Konkurrenz mit dem Staat um die gesellschaftliche Einbindung der Arbeiter, das partikulare Sicherungssystem unterlag dem zentralen Wohlfahrtsstaat. Im Kaiserreich, und noch in den ersten Jahren der Weimarer Zeit, hatten die großen Unternehmen den gesellschaftlichen Orientierungsrahmen setzen wollen, indem sie möglichst viele Lebensbereiche erfassen und patriarchalisch gestalten wollten. Die soziale Sicherung mit Hilfe von Konsumanstalt, Haushaltungsschule, Kindergarten, Werkskranken-, unterstützungs- und -sparkasse, Werkswohungsbau und betrieblichen Vereinen etc. bezahlten die Arbeiter mit gesellschaftlicher Unmündigkeit und mit dem Verzicht auf die Durchsetzung von Interessen bei Konflikten”, resümiert Historiker Günther Schulz.

Volks- und Betriebsgemeinschaft
Bei den Nationalsozialisten ging es jedoch wieder “familiärer” zu. Was im Großen die Volksgemeinschaft darstellte, sollte im Kleinen - auf der Ebene der Unternehmen - die Betriebsgemeinschaft sein. Gewerkschaften und Betriebsräte standen dem beschworenen Gemeinschaftsgeist im Weg. Deshalb verbot die NSDAP diese kurzerhand und setzte die “Deutsche Arbeitsfront” an ihre Stelle. Deren Gründungsvater war Robert Ley, der von 1921 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1927 bei BAYER als Chemiker arbeitete. Seine Erfahrungen mit der “Familienpolitik” des Multis haben dann auch seine Konzeption der faschistischen Arbeits- und Sozialpolitik stark beeinflusst. Die VerfasserInnen der “Meilensteine” irrten mit ihrer Einschätzung, Duisbergs “patriarchalische Wohlfahrt” sei seiner Zeit weit voraus gewesen, weniger, als ihnen lieb sein mochte.
BAYERs Aktivitäten auf sozialem, kulturellem und sportlichem Gebiet dienten Ley in vielem als Vorbild für sein “Kraft durch Freude”-Programm. Deshalb lud er zur Jungfernfahrt des Ausflugsschiffes “Robert Ley” nach Madeira auch die Tanzschar der BAYER-Kulturabteilung persönlich zur Mitgestaltung des Unterhaltungsprogramms an Bord ein, und die Gattin des damaligen Werksleiters Dr. Kühne war ebenfalls mit von der Bootspartie. Immer wieder kehrte die Nr. 5 der NSDAP-Hierarchie an seine alte Wirkungsstätte zurück. 1938 hielt Ley die Festrede zum 75-jährigen Bestehen des Leverkusener Werkes. Vom genius loci inspiriert, nutzte er die vom Rundfunk übertragene Ansprache zugleich dazu, das Sparmodell vorzustellen, das die ganze Volksgemeinschaft binnen vier Jahren in den Genuss des Volkswagens, auch “KdF-Wagen” genannt, bringen sollte.
Darüber hinaus fanden Duisbergs Zukunftsinvestitionen zum langfristigen Erhalt der Arbeitskraft der Beschäftigten, die ihren Ausdruck in dem Bemühen fanden, ihnen durch großzügige, helle, saubere und luftige Arbeitsplätze gute Bedingungen zur optimalen Verwertung der Arbeitskraft einzuräumen, Eingang in die NS-Politik. Ley schuf das Amt “Schönheit der Arbeit”, das den Betrieben Anregungen in puncto Belüftung, Beleuchtung und Farbgestaltung gab. Wer dann das “schönste”, also das “sozialste” Unternehmen im ganzen Reich war, ermittelte ab 1936 der “Leistungskampf” um die zweifelhafte Auszeichung zum “NS-Musterbetrieb”.

Fazit
Der historische Rückblick zeigt also, wie sehr die betriebliche Sozialpolitik eine Befriedungsstrategie war, welche die Beschäftigten von dem Gedanken abbringen sollte, dass die Interessen von BAYER & Co. eventuell nicht ihre Interessen sein könnten. Als diese ihre Mission erfüllt hatte und das Gespenst des Kommunismus endgültig gebannt schien, machte der Leverkusener Multi sich an die Abwicklung seines kleinen Wohlfahrtsstaates. So spricht heutzutage niemand mehr von der “BAYER-Familie” und die IG BCE steht politisch sprachlos vor dem Scherbenhaufen und beschränkt sich auf Schadensbegrenzung, weil die Langzeitwirkungen der “fürsorglichen Belagerung” aus der Gewerkschaft die konservativste Beschäftigungsvertretung in der Bundesrepublik gemacht haben. Die hohe Arbeitslosigkeit und die Macht des neoliberalen Dogmas haben die Belegschaften zusätzlich in die Defensive geraten lassen. Die Parteien wollten diese Situation vor der Bundestagswahl schon eiskalt ausnutzen und bereiteten mit dem kurzen Hinweis auf die Globalisierung und andere vermeintliche Sachzwänge schon neue Einschnitte vor, da tauchte plötzlich die Linkspartei auf. Allein ihre Existenz zwang die große neoliberale Koalition, ihre Verzichtsethik weniger großmäulig zu predigen. Die SPD nahm sogar einige programmatische Änderungen vor. Wie immer man zu der neuen Partei im Einzelnen stehen mag, sie hat den Mühseligen und Beladenen wieder eine Stimme gegeben, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und dem der etablierten PolitikerInnen einen Dämpfer versetzt. Nicht nur die objektive Lage bestimmt also die politischen Kräfteverhältnisse, sondern auch der Grad der Bereitschaft, sie hinzunehmen oder zu bekämpfen.

[Aspirin] Leserbrief zum Artikel „Die Volkspille“

CBG Redaktion

Süddeutsche Zeitung vom 29. März 2011

Stefan Weber beschreibt in der Serie „Starke Marken“ die Historie von Aspirin und hangelt sich hierbei sorgsam entlang der Verlautbarungen und Anekdoten der Bayer AG. Die Kehrseiten der „Volkspille“ werden in dem halbseitigen Artikel mit gerade mal einem Satz erwähnt.

Aspirin ist unwidersprochen ein hochwirksames Medikament, das aber, anders als die Werbung suggeriert, mit schweren Nebenwirkungen einhergehen kann. Der Wirkstoff greift tief in den biochemischen Haushalt des Körpers ein und kann u.a. Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre verursachen. Trotzdem versucht die Bayer AG das Präparat als „Wunderpille“ zu vermarkten - zum Beispiel mit der website WonderDrug.com. Von den Gefahren findet sich in der Werbung kein Wort. Dabei sterben in den USA mehr Menschen an Aspirin-Nebenwirkungen als beispielsweise an HIV oder Verkehrsunfällen.

Auch die Werbekampagnen, mit denen Bayer schon Ende des 19. Jahrhunderts für das Präparat warb, werden in dem Artikel beschrieben. Stefan Weber zeigt sich auch hierbei ganz als langjähriger Haus- und Hof-Schreiber von Bayer: denn praktisch zeitgleich mit Aspirin brachte das Unternehmen damals das „verträgliche Hustenmittel“ (O-Ton Bayer) Heroin auf den Markt. Weltweit schaltete Bayer Anzeigen, die gleichzeitig für Aspirin und Heroin warben. Hierauf einzugehen hätte wohl aber zu viel Schatten auf die „Volkspille Aspirin“ geworfen.

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Artikel Die Volkspille

Xarelto

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 5. März 2013
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Sicherheitsrisiko Xarelto

Erneute Bedenken der FDA gegen Gerinnungshemmer / BfArM: 58 Todesfälle in Deutschland / „kein Vorteil aus Behandlung mit Xarelto“

In den USA verzögert sich erneut die Zulassung von BAYERs Gerinnungshemmer Xarelto zur Nachbehandlung von Blutgerinnseln in der Herzkranz-Arterie. Statt eine Zustimmung zur Vermarktung zu erteilen, hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA in einem „Complete Response Letter“ an BAYER weitere Daten zur Sicherheit des Präparats angefordert. Einen ersten solchen Brief hatte sie dem Leverkusener Multi bereits im Februar 2012 zugestellt, da er in den eingereichten Test-Unterlagen drei Todesfälle nicht dokumentiert hatte.

Schon bei den Genehmigungsprozessen zu den Indikationen „Thrombose-Prophylaxe nach dem Einsetzen künstlicher Hüft- oder Kniegelenke“ und „Schlaganfall- und Embolie-Prophylaxe bei PatientInnen mit Vorhofflimmern“ hatte es in den Vereinigten Staaten Probleme gegeben. Die Aufsichtsbehörden warfen dem Konzern unter anderem vor, die Proband/innen, die in der Vergleichsgruppe das Präparat Warfarin einnahmen (verwandt mit Marcumar), nicht richtig mit dem Medikament eingestellt zu haben.

Wie berechtigt diese Skepsis ist, zeigen die Daten des „Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM), die die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) auf Anfrage erhielt: die Behörde registrierte demnach allein im vorigen Jahr 58 Meldungen über „tödliche Verläufe“ nach der Einnahme von Xarelto und 750 über schwere Nebenwirkungen wie Blutungen. Auch wenn „ein Kausalzusammenhang im Einzelfall nicht sicher belegt ist“, wie das BfArM betont, schockieren diese Zahlen.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es kann nicht sein, dass BAYER nur aus Profit-Gründen ein Medikament in den Markt drückt, an dessen Sicherheit es erhebliche Zweifel gibt. Der Konzern sollte aus den Pharma-Skandalen mit LIPOBAY, TRASYLOL und YASMIN gelernt haben.“ Nach Auffassung der CBG sollten Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, grundsätzlich nicht zugelassen werden.

Während das BfArM das Nutzen/Risiko-Potenzial von Xarelto (Wirkstoff Rivaroxaban) und dem ebenfalls umstrittenen Boehringer-Fabrikat Pradaxa (Wirkstoff Dabigatran) trotzdem positiv beurteilt, raten medizinische Fachkreise von der Verwendung des Produkts ab. Sie plädieren dafür, weiter an dem bewährten Marcumar, einem zur Gruppe der Cumarine gehörenden Vitamin-K-Antagonisten mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, festzuhalten.

„In der Therapie und Rezidiv-Prophylaxe von Thromboembolien sehen wir Rivaroxaban nur bei Kontraindikationen für Cumarine als Option. Bei Vorhofflimmern ist es unseres Erachtens dritte Wahl nach Cumarinen und Dabigatran (Pradaxa)“, konstatiert das industrie-unabhängige arznei-telegramm. Und die „Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft“ (AkdÄ) stellt fest: „Insgesamt ergibt sich aus Sicht der AkdÄ für Patienten in Deutschland, die zur Prophylaxe kardioembolischer Erkrankungen bei Vorhofflimmern mit Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon gut zu behandeln sind, kein Vorteil aus einer Therapie mit Dabigatran oder Rivaroxaban. Ihr Einsatz sollte sich auf Patienten beschränken, für die Vitamin-K-Antagonisten keine Therapie-Option sind.“

Neben dem Preis – es ist 15-mal billiger als Xarelto – spricht für Marcumar vor allem, dass es zu ihm im Gegensatz zum BAYER-Produkt ein Gegenmittel gibt, das gegebenenfalls schwere Blutungen stoppen kann.

Nur mittels einer riesigen Marketing-Maschinerie gelang es BAYER, das Mittel in den Markt zu drücken. Nicht umsonst hatte es der jetzige Unternehmenschef Marijn Dekkers schon bei seinem Amtsantritt zu einer Hauptaufgabe erklärt, „die Vermarktung unserer Innovationen zu verbessern“. Und so investierte der Pharma-Riese Unsummen in Miet-ExpertInnen, „ÄrztInnen-Fortbildungen“, Anzeigen-Kampagnen in Fachblättern, Pharma-BeraterInnen und Logistik. Er schreckte nicht einmal davor zurück, MedizinerInnen Muster per Post zuzuschicken, obwohl dies bereits seit langem verboten ist.

weitere Informationen zur Xarelto-Kampagne

[Greenpeace] Hauptversammlung 2013

CBG Redaktion

BAYER-Pestizide töten Bienen

Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers, geehrte Mitglieder von Konzernleitung und Aufsichtsrat, liebe Damen und Herren Aktionäre von Bayer,

Sie haben sicherlich unsere Botschaft am Eingang zum Messegelände wahrgenommen. Leider passen immer nur kurze Wahrheiten auf unsere Banner, erlauben Sie mir daher einige erläuternde Worte.

Mein Name ist Dirk Zimmermann und ich setze mich bei Greenpeace für eine nachhaltige, zukunftsfähige Landwirtschaft ein. Zweifellos ist jede Landwirtschaft auf die Hilfe durch bestäubende Insekten zwingend angewiesen. Mit dem dramatischen Bienensterben, das wir vorwiegend in Nordamerika und Europa mit Sorge verfolgen, steht daher viel mehr auf dem Spiel als die Produktion von Honig. Bienen leisten mit der Bestäubung eines Großteils unserer Kulturpflanzen einen unschätzbaren und vor allem unersetzbaren Beitrag zur Produktion unserer Lebensmittel.

Ihr Motto „Science for a better life“ ist allgegenwärtig. Es steht in krassem Widerspruch zu Bayers Unternehmenspolitik. Eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert und damit ein „besseres Leben“ akut gefährdet. Es liegt eine Fülle von Studienergebnissen zu Bienensterben und Effekten von Pestiziden auf Bestäubungsinsekten vor – und alle weisen in die gleiche Richtung: das Bienensterben hat verschiedene Ursachen. Entscheidenden Anteil aber haben Agrargifte, darunter auch von Bayer produzierte Insektizide. Wirklich überraschen kann das nicht, immerhin werden diese Gifte angewendet um Insekten zu töten. Von daher ist die einfache Wahrheit auf unserem Banner, „Pestizide töten Bienen“, auch richtig. Zudem aber wissen wir immer mehr über die schädlichen Wirkungen von Pestiziden über ihre direkte Tödlichkeit hinaus. Effekte auf das Nervensystem von Bienen etwa gefährden das Überleben der Insekten. Dieses „Gift für das Gedächtnis“, wie es die Süddeutsche Zeitung einmal genannt hat, kann schließlich auch töten. Wenn Sie sich selbst ein Bild von der Datenlage machen wollen empfehle ich Ihnen eine Mitte April veröffentlichte Greenpeace-Studie. Unter anderem werden Sie in dieser den Stand der Forschung zu den Bayer-Giften Clothianidin und Imidacloprid finden, die nach unserer Überzeugung zusammen mit 5 anderen Wirkstoffen, darunter drei weitere auch von Bayer angebotene, umgehend aus der landwirtschaftlichen Praxis verschwinden müssen.

Zu dem Thema könnte ich Ihnen auch Unterlagen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA empfehlen. Selbst die eher für ihre industriefreundlichen Positionen bekannte EFSA konnte in diesem Fall nicht anders und hat aufgrund der akuten Risiken dringenden Handlungsbedarf ausgemacht. Auf Grundlage ihrer Empfehlung hat die Europäische Kommission ein vorübergehendes Verbot von drei besonders gefährlichen Bienengiften empfohlen, das kommenden Montag erneut zur Abstimmung kommt.
Kommenden Montag - das bedeutet: Ihnen bleiben nur noch 3 Tage um den verantwortlichen Politikern in Brüssel zuvorzukommen. Drei Tage Zeit, um Ihrer Verantwortung gerecht zu werden und ihre gefährlichsten Bienenkiller vom Markt zu nehmen.

Ich möchte abschließend ein weiteres Zitat von Ihnen heranziehen. Mit „Diversity is future“, Vielfalt ist Zukunft, werben Sie auf den Internetseiten Ihrer Agrarabteilung. Leider verstehen Sie darunter den Einsatz vielfältiger Unkrautvernichtungsmittel, ansonsten würde ich ohne Einschränkungen zustimmen. Vielfalt ist in einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft – und diese kann nur ökologisch sein – unerlässlich. Aber selbst die industriellste Landwirtschaft ist auf Artenvielfalt angewiesen und kann auf Bestäubung durch Bienen nicht verzichten. Möchte Bayer wirklich die Verantwortung für das Sterben der Bienen übernehmen? Ich glaube kaum dass dies im Interesse des Unternehmens und seiner Anteilseigner sein kann.

Die Bayer-Historie ist reich genug an Skandalen – ich fordere Sie dazu auf, das in Ihrer Macht stehende dafür zu tun, dass nicht auch noch die Ausrottung der Bienen aufgenommen werden muss. Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und nehmen sie bienenschädliche Pestizide vom Markt!

Herr Dr. Dekkers, sie sprachen vorhin von dem Mut, Projekte zu beenden. Beweisen Sie ihn.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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[Greenpeace] Hauptversammlung 2014

CBG Redaktion

Rede von Dr. Dirk Zimmermann, Greenpeace

Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers, geehrte Mitglieder von Konzernleitung und Aufsichtsrat, liebe Damen und Herren Aktionäre von Bayer,

mein Name ist Dirk Zimmermann und eigentlich hatte ich Ihnen heute im Namen von Greenpeace zum Gewinn des „Public Eye Awards 2014“ gratulieren wollen, für den unter anderem Bayer als Anbieter maßgeblich am Bienensterben beteiligter Pestizide zur Wahl stand. Die starke Konkurrenz durch Gazprom verwies Bayer auf den zweiten Platz, von „zweitem Sieger“ oder „Vizekusen“ zu sprechen verbietet sich wohl. Zweifellos hätten Sie den Schmähpreis mindestens genauso verdient gehabt – genau wie Gazprom setzen Sie unersetzliche Ökosysteme fahrlässig aufs Spiel. Es ist außerordentlich bedauerlich, dass Sie auch in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt haben, erneut nominiert zu werden. Ich möchte Sie jetzt und hier darum bitten, keinen falschen sportlichen Ehrgeiz zu entwickeln, und stattdessen endlich Ihr Motto „Science for a better life“ auch auf das Leben und Überleben von Bienen und einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Landwirtschaft zu beziehen.
Im vergangenen Jahr hat die Europäische Kommission 4 Bienen-gefährliche Pestizide mit Teilverboten belegt, mit Clothianidin und Imidacloprid sind 2 Wirkstoffe von Bayer betroffen. Es war dies ein dringend notwendiger und dennoch nur winzig kleiner Schritt in die richtige Richtung. Clothianidin hat erst vor wenigen Wochen seine Giftigkeit bedauerlicherweise spektakulär unter Beweis gestellt und zahlreiche Bienenvölker in direkter Nachbarschaft zum Bayer-Werk getötet. Die subtilen, nicht direkt tödlichen Wirkungen der auch von Ihnen vertriebenen Gifte sind aber mit Sicherheit mindestens genauso gefährlich, und entscheidend mit für das Bienensterben verantwortlich. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ein Verbot akut nahelegen, sind es aber auch die erheblichen Wissenslücken, die einen Einsatzverzicht erforderlich machen. Wissenslücken, die neben den genauen Wirkungen einzelner Chemikalien vor allem auch die von Pestizid-Cocktails betreffen, ebenso wie die konkreten Wege, über die Bienen und andere Insekten mit Giften in Berührung kommen.

Wir, Greenpeace, haben Untersuchungen durchgeführt, um zumindest einen vagen Eindruck vom Ausmaß der möglichen Gefährdung von Bienen durch Pestizide zu bekommen – und der Eindruck ist gruselig. Vor 2 Wochen haben wir die Veröffentlichung von Testergebnissen zum Anlass genommen um vor Ihrer Firmenzentrale in Leverkusen zu protestieren. Auf einem Banner haben wir die von Ihnen geschädigten Bienen selbst ihre Forderung „Stop Killing us“ vorbringen lassen. Und das aus gutem Grund: Wir haben festgestellt dass Pollen, der Bienen und ihrer Brut direkt als Nahrung dient, zum Teil mit bedenklichen Pestizid-Cocktails belastet war. Gleiches gilt für in Baumärkten und Gartencentern erhältliche Pflanzen: wir haben quer durch Europa bis zu 17 verschiedene Agrargifte in einer einzelnen Pflanze gefunden. In allen Fällen waren Bayer-Pestizide prominent vertreten. Die entsprechenden Reports sind online verfügbar. Ich empfehle sie Ihnen allen zur Lektüre.
Die verhängten Teilverbote für bienengefährliche Pestizide gingen maßgeblich auf Empfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zurück. Die EFSA ist alles andere als bekannt dafür, politisch motiviert zu handeln, sie wird im Gegenteil immer wieder für ihre Nähe zur Industrie kritisiert. In diesem Fall war die Sachlage aber zu eindeutig. Unlängst hat sich die EFSA erneut in die Debatte eingeschaltet und sich zu der Gefährdung von Bienen durch kombinierte Stressfaktoren geäußert – soweit dies denn möglich war. Erneut machen Datenlücken eine Bewertung der Gefährlichkeit von zum Beispiel Pestizid-Cocktails so gut wie unmöglich. Die wenigen existierenden Befunde sind aber erschreckend, mit Sicherheit heben sich Gifte in ihrer Wirkung nicht gegenseitig auf – sondern verstärken sich vielmehr. Umso bedenklicher sind die Ergebnisse unserer Untersuchungen – und umso wichtiger ist es, Wirkstoffe, für die schon die Einzelbetrachtung indiskutable Gefährdungen für Bienen zeigt, aus der Praxis dauerhaft und umfassend zu verbannen.

2 Jahre Teilverbot mit viel zu vielen Ausnahmen, für erwiesenermaßen bienengefährliche Agrargifte, sind ein Anfang, aber dennoch nur ein schlechter Witz. Dafür, dass Bayer nun gegen diese Verbote klagt, fehlt mir jeglicher Humor – und es fällt schwer die richtigen Worte zu finden. Arroganz? Ignoranz? Borniertheit? Überheblichkeit?

Wenn Ihnen tatsächlich etwas an Wissenschaft, Bienen und Vielfalt liegt, wie diverse Werbebotschaften von Ihnen glauben machen wollen, dann kann das nur eines heißen: ziehen Sie die Klage gegen die Europäische Kommission zurück und nehmen sie Ihre gefährlichsten Bienenkiller vom Markt – ich kann mir nicht vorstellen dass irgendjemand von Ihnen den Eintrag „Bienensterben“ in der Skandalchronik von Bayer verantworten möchte.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

[Carl Duisberg Zitate] Zitate von Carl Duisberg

CBG Redaktion

zum Thema Giftgas

Brief an Major Bauer vom 3. März 1915 (Kühlem, S. 218/219)
„Dieses Chlorkohlenoxyd ist das gemeinste Zeug, das ich kenne. (...)
Wenn man nun stundenlang den Gegner mit diesem giftigsten aller gasförmigen Produkte behandelt, so werden meiner Meinung nach die Gegner sofort ausreißen (…)
Die einzig richtige Stelle aber ist die Front, an der man so etwas heute probieren kann und auch für die Zukunft nicht sobald wieder Gelegenheit hat, so etwas auszuprobieren. (...)
Ich kann deshalb nur noch einmal dringend empfehlen, die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen, ohne auch die Hexa-Granate zu prüfen.“

Brief an Major Bauer vom 13. Dez 1915 (Kühlem, S. 268)
„die K-Granaten (sind) für die besonderen Zwecke des Angriffs mit durchstossender Kraft viel besser. Ähnlich wie das Chlor, nur dreimal giftiger, also gleich dem Phosgen, wirkt der K-Stoff nicht nur beissend auf Augen und Schleimhäute, sondern er ätzt auch die Lunge und vergiftet das Blut“.

Brief an Major Bauer vom 10. August 1916 (Kühlem, S. 292/293)
„Er möge doch eine Füllung nehmen, die zur Hälfte aus Per-Stoff und zur Hälfte aus Phosgen besteht. Diese Mischung ist nämlich meines Erachtens am köstlichsten.“

Brief an Hans-Hasso von Veltheim, 8. Oktober 1915 (Kühlem, S. 254)
Deshalb hat man jetzt für den Oktober grössere Aufträge an T- und K-Granaten erteilt. Von jeder Sorte 48000 Stück. Wir arbeiten mit Hochdruck, um sie fertig zu stellen. Hoffentlich werden weitere Bestellungen für den Monat November und Dezember folgen. Ich will sehen, ob ich nach dieser Richtung hin in Berlin etwas erreichen kann.

Brief an Major Bauer vom 19. Januar 1916 (Kühlem, S. 272)
„nachdem ich mir schon seit Wochen den Kopf vergeblich zerbreche, wie ich noch weiter helfen und neue Reiz- und Gift-Stoffe ausfindig machen kann...“

zum Thema Zwangsarbeit

16. September 1916: Treffen mit dem preußischen Kriegsminister
„Öffnen Sie das große Menschenbassin Belgien!“
Das Reichsamt des Inneren griff den Vorschlag der Industrie auf und ließ rund 60.000 Belgier deportieren

Zitat Duisberg (Timo Baumann, Giftgas und Salpeter; Düsseldorf 2011):
„Es war so: Als wir bei der Übernahme des großen Hindenburg-Programmes Mangel an Arbeitern aller Art hatten (...), erfuhr ich zufällig bei einem Vortrag, den ich bei der 4. Armee hielt, von dem Chef des Stabes, dass er mit Leichtigkeit aus dem ihm unterstellten Teile Flanderns 60.000 bis 80.000 Arbeiter abgeben könne.“

„Wir haben aus Polen Tausende von Arbeitern herausgeholt, aber aus Belgien nicht einen einzigen bekommen. Und die, die wir bekommen haben, sind weggelaufen, weil sie es in Belgien besser haben als bei uns.“

Kriegsproduktion / Sprengstoffe

Brief an Major Bauer im Juli 1915
„Sähen Sie jetzt einmal, wie es hier in Leverkusen aussieht, wie die ganze Fabrik umgekrempelt und umorganisiert ist, wie wir fast nichts mehr als Kriegslieferungen ausführen (...), so würden Sie Ihre helle Freude haben.“

Brief an Prof. Emil Fischer vom 23. Dezember 1914 (Kühlem, S. 212)
Das Leben in der Fabrik ist emsiger wie je zuvor geworden. In den anorganischen Betrieben sind wir ununterbrochen tätig, um die Sprengstofffabriken mit den nötigen Rohmaterialien zu versehen. Die Anilinfabrik hat sich ganz in einen Kriegslieferungsbetrieb verwandelt (….)
…zur Füllung der Granaten, deren wir 10.000 Stück pro Tag fertig machen wollen…

Brief an Major Bauer vom 13. Dez 1915 (Kühlem, S. 270)
„hätten wir uns schweren Herzens zur Aufnahme der Sprengstoff-Fabrikation entschlossen. Jetzt seien wir leider schon soweit gekommen, dass wie ein Drittel der Gesamtproduktion Deutschlands machten und den grössten Teil auch in Granaten füllten.“

Brief an Major Bauer vom 10. September 1916 (zitiert nach Otto Köhler)
«Es war zu lieb und nett von Ihnen, daß Sie mir... Gelegenheit gaben, nicht nur Sie wiederzusehen, sondern auch vor allem den Volksheros Hindenburg und den Moltke dieses Krieges, Ludendorff, persönlich kennen zu lernen. Der neunte im neunten Monat 1916 war ein ereignisvoller Tag in meinem Leben, den ich sobald nicht vergessen werde. Es war nämlich wie damals nach der Marneschlacht im Spätherbst 1914... Auch damals war es der Munitionsmangel, in weit bedrohlicherer Form wie heute, der uns zusammenführte und uns nicht nur menschlich näher brachte, sondern auch praktisch in die Speichen des Krieges eingreifen ließ.«
vier Tage später wurde das „Hindenburg-Programm“ zur massiven Aufrüstung verkündet

Adlon Konferenz, Februar 1917:
Duisberg forderte die Entlassung von Reichskanzler Theobald von Bethmann: „Wir sind ganz auf Krieg und Gewalt eingestellt, und das beste wäre, wenn diese Sachlage auch äußerlich zum Ausdruck käme, dass der Marschall auch Kanzler wäre (...). Denn jetzt ist ‚Politik’ gleich Krieg und Krieg gleich ‚Politik’“.

Mitgliedschaft in der rechtsextremen Deutschen Vaterlandspartei

Duisberg hat bezüglich seiner Mitgliedschaft wiederholt die Unwahrheit gesagt.
Zum Beispiel im Brief an Dr. E.A. Merck vom 31. Oktober 1918 (Kühlem, S. 362):
…sonst müsste er wissen, dass ich mich politisch nie betätigt habe. Ich habe niemals einer politischen Partei angehört und Politik nicht getrieben.
oder im Brief an den Journalisten Maximilian Harden am 22. November 1918 (Kühlem, S. 372): „Ich habe bisher keiner politischen Partei oder Parteirichtung angehört, habe mich nie um Politik gekümmert“

Annexionen

3. März 1915 Brief an Gustav Stresemann (zitiert nach Otto Köhler)::
«So unangenehm es aus politischen Gründen ist, Belgien vielleicht als Kronland oder Kolonie dem Deutschen Reich anzugliedern, der vielen Reichsfeinde wegen, die wir damit übernehmen müssen, aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen werden wir diese Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen haben und uns damit abfinden müssen, da nach meiner Meinung es ein großer Fehler sein würde, dieses durch seinen Reichtum an Kohlen, durch die darauf begründete billig arbeitende Industrie, durch seine günstige Lage wirtschaftlich und landwirtschaftlich so wichtige Gebiet nicht in die Interessensphäre unseres Reichs hineinzuziehen.“

Brief an Hans-Hasso von Veltheim, 8. Oktober 1915 (Kühlem, S. 253)
Deshalb brauchen wir uns auch zukünftig nicht vor Wallonen und Flamen in Belgien, vor Polen, Letten, Esthen und Ukrainern im Osten zu sorgen, wenn wir das von ihnen bewohnte Land der deutschen Interessensphäre angliedern wollen. Wir müssen aber auch Österreich nicht nur zu erhalten, sondern zu erweitern suchen.

Brief an Major Bauer vom 19. Januar 1916 (Kühlem, S. 274)
„Ich natürlich gehöre zu denen, die nicht ruhen und rasten werden, bis wir handgreiflichen massgebenden Einfluss auf diese sonst als Zankapfel kriegerischer Wirren zu betrachtende Brücke zwischen unseren schlimmsten Zukunftsfeinden in England und Deutschland gewonnen haben. Auch aus wirtschaftlichen Gründen dürfen wir uns einen solchen, für die Zukunft allein massgebenden Einfluss auf die Belgier nicht aus der Hand nehmen lassen. Es wäre ein großes Verbrechen an der Zukunft Deutschlands, wenn wir jetzt nicht die Gelegenheit benutzen und wenigstens so lange kämpfen würden, bis wir in diesem Punkte obgesiegt haben.“

Gewerkschaften
1910: In der Tätigkeit von Gewerkschaften erblickte er vor seinen Jubilaren ein «Verbrechen an unserem deutschen Volk«.

USA-Reise 1903: Duisberg störten «die außerordentlich hohen Löhne, die hier herrschen«, und «nicht zuletzt die Unabhängigkeitsbestrebungen Ihrer Arbeiter, welche sich in unangenehmer Weise in den letzten Jahren hier in den ‚Unions‘ bemerkbar machen«. Und weiter: «Der amerikanische Arbeiter hat die Industrie an der Kehle und wird sie erwürgen.«

Unterstützung von Nazis und Expansionspolitik

Duisberg Rede vom 24. März 1931:
„Erst ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa wird Europa das wirtschaftliche Rückgrat geben, dessen es zu seiner Behauptung in der Welt bedarf.“

1931 (Quelle: Carl Duisberg, Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1932-1933, Berlin 1933, S. 135)
„Fortwährend ruft das deutsche Volk nach einem Führer, der es aus seiner unerträglichen Lage befreit. Kommt nun ein Mann, der bewiesen hat, dass er keine Hemmungen hat, so muss diesem Mann unbedingt Folge geleistet werden.“

Brief an den Kölner OB Dr. Günter Riesen vom 16.10.1933:
„Zeit meines Lebens habe ich dem Führerprinzip gehuldigt und mich stets zu dem Grundsatz bekannt ‚Geführt muss werden’ und so hoffe und wünsche ich, dass unter der zielbewussten Führung unserer bewährten Kämpen Hindenburg und Hitler unsere neue Regierung innen- und außenpolitisch von Erfolg zu Erfolg schreitet und es ihr … glücken möge, durch straffe und unentwegte Schulung unseres Nachwuchses die Kräfte heranzuziehen und auszusondern, die durch Höchstleistungen (…) unter Beweis stellen, dass sie ein Anrecht auf Führerschaft besitzen. Nur auf diesem Wege wird unser geliebtes Vaterland den ihm gebührenden Platz an der Sonne unter den Nationen wieder erlangen und die unserem Volke durch Verleumdung und Lüge genommene Achtung unter den Kulturvölkern wieder erzwingen.

Verschmutzung des Rheins

Stefan Blaschke. Unternehmen und Gemeinde. Das Bayerwerk im Raum Leverkusen 1891-1914. Köln: SH-Verlag, 1999
Carl Duisberg bekräftigte, dass technische Maßnahmen zur Abwasserreinigung eine »Vergeudung von Nationalkapital« seien. Duisberg trat für die »Freiheit der fließenden Welle« ein und forderte eine unbeschränkte industrielle Nutzung des Rheins.

Heroin

Als Kritiker die Sicherheit des Präparats in Frage stellten, forderte Carl Duisberg, die Querulanten „mundtot zu schlagen“. Und weiter: "Wir dürfen nicht dulden, dass in der Welt behauptet wird, wir hätten unvorsichtigerweise Präparate poussiert, die nicht sorgfältig probiert sind“.
Obwohl sich rasch die Gefahr der Abhängigkeit herausstellte, führte der Konzern den gewinnbringenden Verkauf über Jahrzehnte hinweg fort.

[CBG/Mimkes] Hauptversammlung 2016

CBG Redaktion

Philipp Mimkes (CBG)

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Philipp Mimkes, ich spreche für die Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Wir alle hören zur Zeit sehr viel von den Panama Papers.
Aber auch hier in Europa gibt es leider Steuer-Oasen. Und auch BAYER verschiebt seine Gewinne systematisch in solche Niedrigsteuer-Länder.
Mit der Folge: die Finanzierung der öffentlichen Haushalte wird immer mehr den Kleinbetrieben + den Lohnabhängigen aufgebürdet.

BAYER hat sein Eigenkapital zu großen Teilen nach Benelux verschoben.
So entnehmen wir dem Jahresabschluss 2015, dass die Bayer Global Investments in Mijdrecht ein erstaunliches Eigenkapital aufweist: 12,2 Milliarden Euro.
Die Bayer World Investments (ebenfalls Holland) besitzt sogar ein Eigenkapital in Höhe von 14 Milliarden.
Von einer größeren Fabrik in Mijdrecht ist mir nichts bekannt => Es dürfte sich um bessere Briefkastenfirmen handeln.

Bayer World Investments und Bayer Global Investments halten Anteile an rund 70 Tochtergesellschaften von BAYER. Hierdurch werden die Voraussetzungen für interne Verrechnungen und Lizenzierungen geschaffen, mit denen Steuern gedrückt werden.

Erste Frage: wie viele Personen beschäftigen Sie in Mijdrecht?
(Antwort des Vorstands: 300)

Nicht viel anders sieht es in Belgien aus: Bayer Antwerpen besitzt ein Eigenkapital von 11,4 Milliarden Euro.

Der Grund für den Verschiebe-Bahnhof: die dortigen Steuer-Geschenke.
z.B. gewährt Belgien Zinszahlungen auf das Eigenkapital, wodurch fiktive Zinsen steuerlich geltend gemacht werden können.

Apropos Belgien: BAYER hat auch das firmeninterne Bank-Wesen in Antwerpen angesiedelt. So gewährte allein BAYER Antwerpen im Jahr 2014 anderen Konzern-Töchtern Kredite in Höhe von 13,4 Milliarden Euro. Die hierauf berechneten Zinsen werden in Belgien kaum versteuert – der Steuersatz liegt unter 5 %.

Meine nächste Frage: in welcher Höhe hat Bayer Antwerpen 2015 Kredite an Konzern-Töchter in anderen Ländern vergeben?

Das fortgesetzte Steuerdumping ist jüngst sogar der EU-Kommission zu bunt geworden => vor 3 Monaten erklärte sie die belgischen Steuer-Schlupflöcher für illegal und forderte Nachzahlungen von insgesamt 700 Millionen Euro.
Betroffen hiervon sind 35 transnationale Firmen. Wegen angeblicher Geschäftsgeheimnisse hat die EU-Kommission nicht bekannt gegeben, um welche Firmen es sich handelt. In der Presse wurden aber auch Chemie-Konzerne genannt.

=> Frage, Herr Dekkers: ist BAYER eines der Unternehmen, das in Belgien Steuern nachzahlen muss?
2. wenn ja: um welche Summe geht es dabei?

Ich nannte eben Eigenkapital-Beträge in Benelux in zweistelliger Milliarden-Höhe.
Zum Vergleich: die Bayer HealthCare AG mit Sitz in Leverkusen (also der große Gewinn-Bringer von BAYER) weist für 2015 gerade mal ein Eigenkapital von 1,1 Millionen Euro aus, und sogar einen operativen Verlust von 230 Mio Euro.

Herr Dekkers: bitte erläutern Sie, wie dieser angebliche Verlust von Bayer HealthCare zustande kommt.

Die Stadt Leverkusen, immer noch Sitz der BAYER-Konzernzentrale, verliert durch solche Tricks ihre Existenzgrundlage.
Leverkusen befindet sich in der Haushaltssicherung und gehört dem „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ an. Der Steuerzahler muss die Kommune also vor der Pleite retten.

Der Bürgermeister von Leverkusen, Uwe Richrath, fand hierzu im vergangen Sommer deutliche Worte: „Die Weltfirma BAYER beteiligt sich in Leverkusen sehr wenig am Gewerbesteuer-Aufkommen“.

Und noch ein Zitat, diesmal von Norbert Walter-Borjans, NRW-Finanzminister: „Dass eine Stadt wie Leverkusen mit der Weltmarke BAYER aus dem Stärkungspakt gestützt werden muss – das glaubt erst mal keiner. Wir können es uns nicht leisten, dass sich Unternehmen systematisch davor drücken, ihren Anteil an der Finanzierung des Gemeinwesens zu leisten“.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Derweil ist sich BAYER nicht mal zu schade, steuerrelevante Abteilungen von Leverkusen nach Monheim zu verlagern, um Gewerbesteuern zu sparen.
Hierfür hat BAYER zum Beispiel seine Patentrechte ausgegliedert und eigens die Firma Bayer Intellectual Property GmbH gegründet. Steuer-Experten schätzen, dass BAYER allein durch dieses Manöver die Steuerzahlungen um rund 10 Millionen Euro gedrückt hat.

hierzu meine Fragen:
1. wie hoch ist die jährliche Steuerersparnis durch Verlagerungen von Leverkusen nach Monheim?
2. in welchen Ländern werden die Patentrechte und Lizenzeinnahmen von BAYER steuerlich veranschlagt?
3. welche Gewerbesteuer-Zahlungen hat BAYER 2015 an seinen Standorten Leverkusen, Dormagen, Wuppertal und Krefeld geleistet?

um ein klares Bild über Steuer-Vermeidung zu erhalten, benötigen wir dringend ein „country by country reporting“, also eine Auflistung der Umsätze, Gewinne und Steuern pro Land.

Herr Dekkers, warum hat Ihr LobbyVerband „BusinessEurope“ trotz der aktuellen Panama-Enthüllungen noch vor zwei Wochen ein solches „country by country reporting“ abgelehnt?

Ist Bayer bereit, an dieser Stelle voranzugehen und Gewinne und Steuer-Zahlungen länderweise auszuweisen?

Herr Dekkers: wir haben im vergangen Jahr eine Untersuchung zur Steuerflucht von BAYER veröffentlicht. Diese ist wiederholt von Medien aufgegriffen worden.

Ein Sprecher von BAYER äußerte auf Anfrage: „Unser Unternehmen sucht den Dialog – auch mit kritischen Gruppen und Vereinigungen“
Nicht jedoch mit der Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Warum? Zitat BAYER: „Die Haltung der Coordination steht nicht immer mit den Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Einklang. So hat die CBG beispielsweise zum Ziel, Bayer „unter gesellschaftliche Kontrolle“ zu stellen.“

Herr Dekkers: die Zentrale von Bayer steht hier in NRW.
Ich zitiere mal aus der Landesverfassung von NRW:

Artikel 27:
Paragraf 1: Großbetriebe der Grundstoffindustrie, und Unternehmen, die wegen ihrer monopolartigen Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum überführt werden.
(2) Zusammenschlüsse, die ihre wirtschaftliche Macht missbrauchen, sind zu verbieten.

Unsere Forderung, BAYER „unter gesellschaftliche Kontrolle“ zu stellen, geht also viel weniger weit als der Verfassungstext.

Von daher meine Frage, Herr Dekkers: Kennt BAYER den Text der nordrhein-westfälischen Landesverfassung?

Ich komme zu meinem 2. Thema:
BAYER hat seit langem die staatlichen Bildungseinrichtungen im Visier.
z.B. bietet BAYER kostenlose Lehrerfortbildungen an. Auch erstellt BAYER seit vielen Jahren Unterrichtsmaterialien, gerne zu umstrittenen Themen wie Gentechnik oder Pestiziden.

Früher richtete sich diese Beeinflussung nur an weiterführende Schulen, in letzter Zeit immer häufiger auch an Grundschüler.

Die BAYER-Tochter CURRENTA ist nun einen Schritt weiter gegangen:
an den Werks-Standorten wird ein eigens erstelltes „Wimmelbuch“ an Kindergärten verschenkt.

Wir sehen darin das „fröhliche Treiben“ in einer Chemie-Fabrik: Kranfahrer, Taucher, Clowns, bunten Luftballons etc.
Unter anderem wurde das Buch zu Weihnachten in Kindergärten verschenkt.

Herr Dekkers: Dies ist ein Angriff auf die Köpfe der Kleinsten!
Kleinkinder können die Risiken chemischer Anlagen nicht einordnen und sind gegenüber solcher Propaganda völlig wehrlos.

Ein ähnlich verharmlosendes Werk verteilen Sie in den USA zum Thema Bienensterben.

Die Beispiele zeigen, dass Kinder nirgendwo mehr vor der Einflussnahme von Unternehmen sicher sind.

Generell gibt es die Tendenz, dass Bildungseinrichtungen immer mehr für Werbezwecke missbraucht werden.

Dienstleister wie die Deutsche Schulmarketing Agentur bieten das ganz umverblümt an, Zitat: „Ziel ist es „die wirtschaftlichen Interessen werbetreibender Unternehmen mit dem pädagogischen Bildungsauftrag in Einklang zu bringen“.“
Werte wie eine eigenständige Meinungsbildung oder Kritikfähigkeit werden durch solche Manöver untergraben.

BAYER strebt augenscheinlich die Beeinflussung möglichst großer Teile der Gesellschaft an – und macht dabei nicht einmal vor Kleinkindern halt.

Herr Schmitt-Lord von der BAYER Science & Education Foundation hat das sogar offen eingeräumt: (Zitat) „Ich muss gestehen, wir fördern die Schulen nicht ganz uneigennützig. Wir sehen das als langfristige Investition“.

Hierzu meine Fragen:
1. mit welchen PR Agenturen arbeitet BAYER im Bereich Schule + Kindergarten zusammen?
2. wie viele verschiedene Unterrichts-Materialien haben BAYER oder BAYER-Tochterfirmen veröffentlicht? Und für welche Jahrgangsstufen?
3. wie viele Beschäftigte befassen sich mit der Erstellung von Lehrmaterialien? Welchen Etat haben sie?

Aus meiner Sicht müssen Grundschulen und Kindergärten ein Schutzraum sein. Werbung hat in Bildungsstätten nichts verloren.

Da der BAYER-Vorstand die Verletzung dieses Schutzraums zu verantworten hat, möchte ich Sie auffordern, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern.

[Aufruf] Aufruf Demonstrationen 17. September 2016

CBG Redaktion

Aufruf zur Demo gegen TTIP und CETA am 17. September

BAYER setzt sich nicht von ungefähr stark für das Freihandelsabkommen TTIP ein, das die EU und die USA abschließen wollen. Allein durch die avisierte Senkung der Zölle erwartet der Leverkusener Multi große ökonomische Vorteile, vor allem bei dem Handel, den er mit sich selbst betreibt. Der Konzern hat seine Wertschöpfungskette nämlich quer über die Kontinente verteilt, die Herstellung von Vorprodukten erfolgt oftmals ganz woanders als die Verarbeitung. „Auch deshalb summiert sich der transatlantische Handel des BAYER-Konzerns jährlich auf einen Milliarden-Betrag, das meiste davon firmen-intern. Durch TTIP könnten wir also in erheblichem Umfang Zollgebühren sparen“, kalkulierte der einstige BAYER-Chef Marijn Dekkers durch. „Am meisten aber würde eine Annäherung von Regulierungen bringen“, sagte er und zählt als Beispiele vereinheitlichte Kriterien für Arzneimittel-Zulassungen und Betriebsinspektionen auf. Auch von laxeren Standards für Pestizide, Gen-Pflanzen und hormonell wirksame Stoffe wie Bisphenol A hofft der Konzern zu profitieren. Summa summarum beziffert er den TTIP-Effekt auf einen Betrag in dreistelliger Millionen-Höhe – im Jahr wohlbemerkt. Und dann wären da noch die Schiedsgerichte, die ihm noch bessere Möglichkeiten zur Durchsetzung seiner Rechtspositionen versprechen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) wendet sich massiv gegen diese Art der Unternehmensbeglückung auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt. Sie beteiligt sich deshalb aktiv an den Kampagnen gegen TTIP, CETA & Co. und nimmt am 17. September auch an den bundesweiten Protesten gegen die Handelsabkommen teil.

[CBG/Pehrke] Redebeiträge HV 2017

CBG Redaktion

Jan Pehrke (CBG): MONSANTO-Übernahme

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte heute zum Thema „MONSANTO-Übernahme“ sprechen.

BAYER schickt sich an, MONSANTO zu übernehmen und damit der mit Abstand größte Agro-Konzern der Welt zu werden. Käme der Deal vollumfänglich zustande, betrüge der Markt-Anteil beim gen-manipulierten Saatgut weit über 90 Prozent, bei den konventionellen Saaten läge er bei 30 Prozent und bei den Pestiziden ungefähr bei 25 Prozent. Dazu eine erste Frage:

Eine Dominanz von weit über 90 Prozent im Genpflanzen-Bereich kommt einem Monopol gleich. Sieht der Vorstand das genauso so oder hat er vielleicht doch eine Vorstellung davon, wie unter diesen Bedingungen andere Anbieter zum Zuge kommen sollen?

Auf welche Weise BAYER seine neue Wirtschaftsmacht zu nutzen gedenkt, sollten die Behörden den Deal genehmigen, davon hat uns der Konzern im Vorfeld dieser Hauptversammlung schon einmal einen Vorgeschmack geliefert: Er hat versucht, die Hauptversammlung vor den Protesten gegen das Vorhaben abzuschirmen und damit das Demonstrationsrecht zu beschneiden. Stellen Sie sich so etwa den Dialog mit den Kritikern vor, den Sie angeblich führen wollen?

Aber nicht nur für die Demokratie hat die Transaktion Risiken und Nebenwirkungen, sondern auch für die LandwirtInnen, VerbraucherInnen, die Beschäftigten und die Standort-Städte. Die LandwirtInnen müssten etwa mit höheren Preisen rechnen. So sagte Jim Benham von der US-amerikanischen INDIANA FARMERS UNION, ich zitiere:

„Der Merger wird den Landwirten wehtun. Je mehr Konsolidierung wir bei den Anbietern unserer Betriebsmittel haben, desto schlimmer wird’s“

Der BAYER-CROPSCIENCE-Chef Liam Condon hat Preis-Erhöhungen deshalb gegenüber der New York Times auch gar nicht erst ausgeschlossen. Allerdings versicherte er scheinheilig, BAYER würde den FarmerInnen dafür in jedem Fall einen Mehrwert bieten. Dazu jetzt meine Frage:

Plant BAYER im Falle einer Übernahme von MONSANTO wirklich Preis-Erhöhungen oder kann der Vorstand mir hier und heute eine Garantie dafür geben, dass die Preise zumindest in den zwei kommenden Jahren auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben?

Darüber hinaus hätten die LandwirtInnen weniger Auswahl, wenn der Konzentrationsprozess im Agro-Business weiter fortschreitet und nur noch vier Große mit BAYER an der Spitze übrig bleiben. Dabei ist heute schon ein beträchtlicher Innovationsstau zu beklagen. Und der hängt mit den oligopol-artigen Strukturen der Branche zusammen, wie der BAYER-Konzern selbst einräumt. Ich zitiere seinen Forscher Dr. Hermann Stübler:

„Seit über 25 Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr für Flächen-Kulturen entwickelt und auf den Markt gebracht – unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen für neue Herbizide einherging.“

Auch das Angebot beim Saatgut ginge durch die Übernahme zurück. Und die schrumpfende Sorten-Vielfalt bekämen die VerbraucherInnen dann in den Supermärkten zu spüren. Auf die Beschäftigten hätte die MONSANTO-Übernahme ebenfalls Auswirkungen. So sind die bei Transaktionen dieser Art immer viel beschworenen Synergie-Effekte mit Arbeitsplatz-Vernichtungen verbunden. Zudem könnte die durch den Deal enorm angewachsene Schuldenlast BAYER zwingen, sich von Unternehmensteilen zu trennen und/oder Rationalisierungsmaßnahmen einzuleiten, was ebenfalls mit Job-Verlusten verbunden ist. Überdies drohen zusätzliche Stellen-Streichungen durch die Auflagen der Kartell-Behörden, sich von bestimmten Produkt-Linien zu trennen. BAYER rechnete da zunächst mit Geschäften im Umfang von 1,6 Milliarden Dollar Umsatz, erhöhte die Zahl dann aber auf 2,5 Milliarden. Dazu eine Frage:

Was bedeutet die Zahl von 2,5 Milliarden Dollar auf Arbeitsplätze umgerechnet?

Unter der Übernahme hätten schließlich auch die Standort-Städte zu leiden. BAYER pflegt seine Großeinkäufe nämlich immer von der Steuer abzusetzen. Als der Konzern 2014 von MERCK die Sparte mit den nicht rezeptpflichtigen Arzneien erwarb, verkündete er frank und frei, ich zitiere:

„BAYER rechnet ab dem ersten Jahr nach dem Vollzug mit signifikanten Steuer-Einsparungen.“

Auch jetzt hat BAYER laut Geschäftsbericht wieder bestimmte Erwartungen hinsichtlich der – ich zitiere:

„steuerlichen und bilanziellen Behandlung der Transaktion“

Dazu eine Frage:

„Wie sehen diese Erwartungen konkret aus, wie viel Gewerbesteuer hofft BAYER durch den Deal zu sparen?“

Zu allem Übel hat BAYER sich auch noch freimütig zur Geschäftspolitik MONSANTOs bekannt. So findet es der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann legitim, LandwirtInnen Lizenz-Verträge für Saatgut aufzuzwingen und die Gerichte zu bemühen, falls die Bauern und Bäuerinnen es dann wieder aussäen, ohne zu zahlen. Regelrecht begeistert zeigt er sich von diesem Vorgehen, ich zitiere:

„MONSANTO hat ein völlig neues Geschäftsmodell etabliert und marktfähig gemacht.“

Selbst die Klagen gegen FarmerInnen rechtfertigt Werner Baumann:

„Wenn man ein solches Verhalten als Unternehmen toleriert, entzieht man dem Geschäftsmodell die Basis. MONSANTO hat nur seine Rechtsposition verteidigt“.

Auch gegen das Pestizid Glyphosat, das in Verdacht steht, Krebs zu erregen, hat er nichts und nennt das Ackergift, ich zitiere:

„Ein sehr gutes und auch gut erforschtes Herbizid von MONSANTO, das auch weiterhin seine Daseinsberechtigung haben wird.“

Und dass sich in Indien schon hunderttausende FarmerInnen umgebracht haben, weil sie das teure, aber nur wenig Erträge einbringende Gentech-Saatgut von MONSANTO in den Ruin getrieben hat, streitet der Vorstandsvorsitzende schlichtweg ab.

„So etwas wird nicht dadurch wahr, dass NGOs sich gegenseitig bestätigen und in ihrer Kritik noch bestärken“, sagt er.

Dazu jetzt meine Fragen:

Wird BAYER wirklich das Lizenz-System von MONSANTO übernehmen?

Und wird BAYER alle Prozesse fortführen, die MONSANTO in dieser Sache gegen LandwirtInnen führt?

BAYER selber zählt im Geschäftsbericht im Zusammenhang mit der angestrebten MONSANTO-Übernahme zahlreiche Risiken auf, aber zu den Risiken, die aus den zahlreichen Prozessen erwachsen, in die MONSANTO verwickelt ist - ich nenne hier nur beispielhaft die Schadensersatz-Prozesse, die Geschädigte der Chemikalie PCB gegen den Konzern angestrengt haben, findet sich dort nichts. Deshalb meine Frage:

Hat BAYER schon durchgerechnet, welche finanziellen Risiken mit diesen gerichtlichen Auseinandersetzungen von MONSANTO verbunden sind?

Erwähnung finden im Geschäftsbericht hingegen andere Risiken wie etwa die, dass sich die Synergie-Effekte doch nicht im gewünschten Maß einstellen, dass sich die Integration MONSANTOs schwieriger erweist als erwartet, dass die Umsatz-Erwartungen sich nicht erfüllen, dass die Schuldenlast zu einem Problem werden könnte und es mehr Auflagen von Seiten der Behörden gibt, als der Konzern einkalkuliert hat.

Zum letzten Punkt habe ich zwei Fragen:

1. In welchen Ländern hat BAYER bereits die Genehmigung für den Deal beantragt und in welchen Ländern plant der Konzern es noch?

2. Die indische Behörde hat BAYERs Antrag beanstandet und zusätzliche Unterlagen angefordert. Und in Brüssel bei der Wettbewerbsbehörde gestalten sich laut Pressemeldungen schon die Vorgespräche schwierig. Gibt es ähnliche Probleme auch in anderen Staaten?

Zu den Risiken zählt der Geschäftsbericht des Weiteren, ich zitiere

„Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung bestehender Beziehungen mit Arbeitnehmern“.
Das ist aber kein Risiko mehr, sondern schon längst Realität. Als erstes hat Herr Baumanns Vorgänger, Marijn Dekkers, das Unternehmen vorzeitig verlassen, weil er gegen den Kauf war. Dazu jetzt meine Frage:

Warum sträubte sich Marijn Dekkers seinerzeit gegen den Plan, MONSANTO zu übernehmen? Welche Argumente hatte er?

Auch an die AktionärInnen möchte ich appellieren, sich noch einmal in Gedächtnis zurückzurufen, dass sich der ehemalige BAYER-Vorstandsvorsitzende mit Händen und Füßen gegen die MONSANTO-Übernahme wehrte und deshalb sogar seinen Vertrag früher auflöste. Wir haben Marijn Dekkers an dieser Stelle oft kritisiert, während Sie nichts auf ihn haben kommen lassen. Deshalb sollte ihnen seine Haltung in dieser Sache zu denken geben, meine ich.

Und ebenfalls zu denken geben sollte Ihnen, dass BAYER nicht gewillt ist, Sie zu der Übernahme zu befragen. Christian Strenger, der Direktor des Centers for Corporate Governance bezeichnet ein solches Vorgehen als „juristisch umstritten“ und sagt, ich zitiere:

„Wer den mündigen Aktionär will, sollte ihn also in seiner Rolle als Eigentümer und Risiko-Träger gerade bei Mega-Fusionen ernst nehmen“

Nicht zuletzt, weil BAYER das nicht tut, möchte ich Sie auffordern:

Entlasten Sie Vorstand und Aufsichtsrat nicht!!!

Stimmen Sie auch gegen den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zur Gewinn-Verwendung!!!

Folgen Sie auch nicht den Vorschlägen des Managements zur Neubesetzung des Aufsichtsrats !!!

Stimmen Sie stattdessen für die entsprechenden Gegen-Anträge der Coordination gegen BAYER-Gefahren!!!

Wenn Sie die Veranstaltung vorzeitig verlassen, können Sie uns ihren Stimmblock aushändigen. Sie finden uns wie immer vorne links im Saal.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

[PR-Kampagne] Presse-Information CBG 12.11.19

CBG Redaktion

BAYER in Not

PR-Kampagne soll das Image aufbessern

Mit der „

  • voranbringen“-Kampagne versucht der BAYER-Konzern auf die schlechte Publicity zu reagieren, die ihn seit der MONSANTO-Übernahme kontinuierlich in den Schlagzeilen hält. Mittlerweile ist das Unternehmen in ernsthafter Bedrängnis, denn in den USA ziehen immer mehr Geschädigte des Pestizids Glyphosat vor Gericht. Nunmehr sind bereits rund 42.700 Klagen anhängig.

Die Kampagne geriert sich als authentische Stimme der Belegschaft und setzt diese als freudige Konzern-Botschafter*innen in Szene. „Damit überdeckt der Leverkusener Multi die Tatsache, dass er die verheerenden Folgen der MONSANTO-Akquisition auf eben diese Beschäftigten abgewälzt hat. Im Zuge der Transaktion wurden nicht weniger als 12.000 Arbeitsplätze vernichtet“, konstatiert Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG).

Zudem bestreitet der Global Player den Belegschaftsangehörigen das Recht auf freie Meinungsäußerung und drangsaliert sie mit autoritären Methoden. So verpasste er ihnen im Vorfeld des MONSANTO-Deals einen Maulkorb. Von der Geschäftsleitung kam die Anweisung: „Vermeiden Sie Spekulationen und Kommentare zu der Übernahme oder den möglichen Auswirkungen sowohl gegenüber Ihren Kollegen als auch gegenüber externen Personen. Das umfasst auch die sozialen Medien.“ Stattdessen gab der Agro-Riese seinen Angestellten einen Leitfaden mit Sprachregelungen zu dem umstrittenen Deal an die Hand, die er „Argumente für die Hosentasche“ nannte.

In der Image-Kampagne versucht die Aktien-Gesellschaft sogar, sich als Klima-Kümmerer zu inszenieren. Auf einem der Plakate bekennt eine Frau namens Bärbel: „Meine Nichte und ich engagieren uns beide für den Klimaschutz. Sie geht demonstrieren und ich gehe zu BAYER.“ CBG-Geschäftsführer Marius Stelzmann stellt diesem PR-Schachzug die Fakten gegenüber: „Der Versuch, sich positiv auf die Klimabewegung zu beziehen ist vordergründig und unverschämt angesichts eines Kohlendioxid-Ausstoßes, der im Jahr 2018 nicht weniger als 5,45 Millionen Tonnen betrug. Genau dies kritisierten die Schüler*innen von Fridays for Future dann auch auf der letzten BAYER-Hauptversammlung, und der Konzern hatte nach dem Aktionär*innen-Treff nichts Besseres zu tun, als die Forderungen der Aktivist*innen in Tweets als unrealistisch und inhaltslos zu denunzieren.

Dementsprechend wenig Überzeugungskraft kann „

  • voranbringen“ entfalten. In den sozialen Medien fällt die Reaktion auf die Kampagne harsch aus. Unter Fotos von BAYER-Werbeplakaten, welche die User*innen mit ihren Handykameras aufgenommen haben, stehen Kommentare wie „Schämt ihr euch denn gar nicht?“ und „So viel Zynismus muss man sich auch erst mal zutrauen“.

„Nachdem die ‚Wir haben verstanden’-Kampagne vom Juni erfolglos blieb, versucht der Leverkusener Multi sich nun einmal mehr als umweltfreundlich und innovativ darzustellen. Es wird der alte Geist der BAYER-Familie beschworen, der längt verpufft ist – falls es ihn denn je gab – und Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber von hochproblematischen Produkten wie Glyphosat nicht abgerückt“, hält Stelzmann abschließend fest.

Pressekontakt:
Marius Stelzmann 0211/33 39 11

[Aktionsbericht] Bäume, Blumen, BAYER-Gefahrstoffe

CBG Redaktion

Gartenkunst am Giftmüll

Am 16. April 2005 öffnete die Leverkusener Landesgartenschau (LAGA) ihre Pforten und lockte die BesucherInnen mit dem Slogan „Neuland entdecken“ auf das Gelände. Für die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und andere Gruppen war das kein Grund zum Feiern, sondern zum Protestieren. Was nach Ansicht von Konzern und Stadt den krönenden Abschluss der Abdichtungsarbeiten an BAYERs Giftmüll-Deponie bildete, erschien den KritikerInnen nämlich als plumper Versuch, Gras über eine nach ökologischen Kriterien unzureichende Bau-Maßnahme wachsen zu lassen.

Ein buntes Völkchen hatte sich am Eröffnungstag der LAGA vor dem Haupteingang versammelt, um auf die unter der Grasnarbe tickende chemische Zeitbombe hinzuweisen: CBGler, Antifas in weißer Schutzkleidung, DKPler mit Gasmaske, die BUND-JUGEND, AnhängerInnen des Leverkusener Wahlbündnisses LAUF, MLPDler und Unabhängige. Der Polizei wurde es schon bald zu bunt. Sie wollte die COORDINATION mit ihrem Transparent „Neuland entdecken - Giftmüll verstecken“ außer Sichtweite der BesucherInnen auf die gegenüberliegende Straßenseite verbannen, wovon die OrdnungshüterInnen erst zähe Verhandlungen abbrachten. Der Theatergruppe der BUND-JUGEND wiesen sie einen Platz zwischen Nebeneingang und Parkplatz zu. Diese Maßnahme hatte allerdings einen unerwünschten Nebeneffekt. Nicht wenige Gartenschaulustige hielten die pantomimische Darbietung über die Stadt, den BAYER-Müll und den Tod nämlich für einen Teil des offiziellen Rahmenprogramms.

Aber da hatten sie BAYER und Leverkusen zuviel Kritikoffenheit zugetraut. Sie verfolgten mit der LAGA ganz andere Pläne. „Die Leute sollen Frieden mit dem Gelände schließen“, diese Intention verfolgt die Schau laut ihrem Geschäftsführer Hans-Max Deutschle. Leverkusens SPD-Oberbürgermeister Ernst Küchler sah in Blumen, Bäumen und Beeten sogar ein Zeichen dafür, dass BAYERs Hometown keine reine Industriestadt mehr sei und beim Strukturwandel auf einem gutem Weg. Der damals noch amtierende NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück stimmte ihm in seiner Eröffnungsrede zu und lobte, mit der LAGA sei „auf einer der größten Altlasten Europas im wahrsten Sinne des Wortes attraktives ‚Neuland‚ entstanden“. Bärbel Höhn machte im Spätherbst ihrer Zeit als Landesumweltministerin sogar ein neues „Naherholungsgebiet“ aus.

Allzu nah durfte mensch ihm jedoch nicht kommen, dann entpuppten sich die Grünflächen nämlich als potemkinische Dörfer. Auf sehr unsicherem Grund entfaltete sich die Blumenpracht. Die LandschaftsgärtnerInnen konnten keine Bäume mit tiefem Wurzelwerk einpflanzen, weil dieses bis in den Giftmüll gereicht hätte. Teilweise mussten sie bis zu acht Meter hohe Erdschichten aufschütten, um den Blumen festen, guten Mutterboden unter ihren Lebensadern zu gewähren - Natur mit beschränkter Haftung. Hochbauten gestattete die LAGA-Direktion ebenfalls nicht, und Außengastronomie nur in Leichtbauweise. Es sollten auf keinen Fall schwere Fundamente auf die Altlast drücken und so eventuell die schlafenden Chemie-Geister wecken oder den unter der Erde verlegten Versorgungsleitungen der BAYER-Anlagen in die Quere kommen.

Oberirdisch setzt das nur wenig einladende Panorama aus Überlandleitungen und Produktionsstätten des Konzerns dem „Naherholungsgebiet“ enge Grenzen. Auf dem Areal selber stören seltsame Apparaturen, nur unzureichend mit „Kunst“ verkleidet, den Gartenkunst-Genuss. Sechs Brunnen haben auf der LAGA die Aufgabe, den Pegelstand des Wassers zu kontrollieren, bei Erreichen einer bestimmten Marke könnte der Rhein sonst die Produktionsabfälle unterspülen und die Gifte ausschwemmen. Große Messstationen ermitteln überdies permanent, ob sich die Belastung des Grundwassers noch in den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen hält.

Eine Jahrhundert-Aufgabe: „Wie sich das Gelände innerhalb der nächsten 100 Jahre verhalten werde, sei allerdings nicht gänzlich vorherzusehen“, räumt der LAGA-Landschaftsarchitekt Rüdiger Brosk denn auch ein. Die Waz eröffnet ebenfalls wenig schöne Aussichten: „Setzungspegel und Grundwasserkontrollen wird es hier auf ewig geben“. Zwischen Chrom, Chlor & Co. stimmt die Chemie nämlich immer noch - sie reagiert munter miteinander drauflos. Darüber hinaus bilden sich durch Abbauprozesse neue giftige Gase. Dementsprechend sieht das Sickerwasser der Altlast aus. 750 Kubikmeter muss BAYER stündlich abpumpen und im Klärwerk reinigen.

Um ein „Work in Progress“ handelt es sich bei der Dhünnaue also, weil Konzern und Stadt das Areal nicht sanierten, sich stattdessen für eine bloße Absicherung der Altlast entschieden. Den Unterschied erläuterte Klaus Stief vom Umweltbundesamt 1988 auf einem Umweltschutz-Forum in Köln. „Unter Sanierungsmaßnahmen versteht man Maßnahmen, die zu einer Beseitigung des Gefährdungspotenzials der Altlast führen. Unter Sicherungsmaßnahmen werden Maßnahmen verstanden, welche die Gefährdung der Umwelt vermindern oder auch zeitlich befristet unterbinden, die allerdings das Gefährdungspotenzial nicht beseitigen. Man erreicht einen Zeitgewinn. Irgendwann, in der Regel innerhalb von Jahrzehnten, werden die Sicherungsmaßnahmen unwirksam werden. Man wird sie wiederholen müssen“, führte er in seinem Vortrag aus. Aber das verdrängen die Verantwortlichen laut Stief nur allzu gern. „Obwohl durch die Wahl des Wortes ‚Sicherungsmaßnahmen‘ im Gegensatz zu dem Wort ‚Sanierungsmaßnahmen‚ jedermann die zeitlich befristete Wirksamkeit und die ständige Unterhaltungs- und Reparaturbedürftigkeit der Maßnahmen klar werden soll, neigt man in der Praxis wohl immer dazu zu hoffen, dass man das Altlastenproblem ‚vom Halse‘ hat, wenn sie gesichert ist. Das wird sich in der Regel irgendwann einmal als verhängnisvoller Irrtum herausstellen“, stellt der Diplom-Ingenieur fest.

Da hat der Experte die LAGA-Lage richtig erfasst. Im Katalog zur Ausstellung, die sich auf der Gartenschau der Geschichte der Dhünnaue und ihrer Abdichtung widmet, heißt es lapidar: „Aufwändige Technik löst das Altlast-Problem“. Eine Sanierung war nach BAYERs Ansicht nicht möglich. „Aufgrund der früher üblichen ungeordneten Ablagerung der überwiegend festen und im geringen Maße auch pastösen und flüssigen Abfälle sind die Belastungen sehr ungleichmäßig verteilt. Eine gezielte Sanierung einzelner Teilbereiche kommt deshalb nicht in Frage“, schreiben die AusstellungsmacherInnen. Eine glatte Lüge, wie ein Blick auf die Schweizer Deponie Kölligen beweist. 350.000 Tonnen Gefahrgut lagerten dort ein - und Giftmüll-Trennung betrieben die „Entsorger“ ebenso wenig wie in Leverkusen. Trotzdem entschieden sich die Verantwortlichen für eine Komplett-Sanierung mit Auskofferung des verseuchten Areals - und mussten es auch. Die Gesetze des Landes untersagen nämlich Baumaßnahmen, die den Giftaustritt nicht stoppen und als „Langzeit-Provisorien“ eine jahrhundertelange Überwachung erfordern. So kann sich die Schweiz freuen, schon im Jahr 2025 keine gefährlichen Zeitbomben mehr im Boden ticken zu haben.

In der Bundesrepublik sträubten sich BAYER & Co. stets aus Kostengründen gegen eine solche ökologisch sinnvolle Lösung. Einer genaueren Überprüfung halten ihre Argumente indes nicht stand. Sicherungsmaßnahmen erfordern zwar am Anfang keinen so hohen finanziellen Aufwand wie Sanierungsmaßnahmen, rechnet man aber die bei „Langzeit-Provisorien“ anfallenden Betriebs- und Reparaturkosten hinzu, so halten sich die Ausgaben in einem vergleichbaren Rahmen. Allein für die Reinigung des Sickerwassers muss BAYER jährlich einen Millionen-Betrag aufbringen. Was bei der Dhünnaue noch so alles an Ausgaben anfallen könnte, weiß niemand genau, denn Langzeituntersuchungen über die Beständigkeit des verbauten Materials existieren nicht, und viele Entwicklungen sind nicht vorhersehbar. So musste die Stadt Hamburg 1994 unvermittelt bei der bloß gesicherten Altlast auf dem Gelände der ehemaligen Waffenfabrik STOLZENBURG „nachbessern“, weil das nahe gelegene Wasserwerk die Trinkwasser-Gewinnung drosselte und der Grundwasser-Spiegel sich in der Folge gefährlich nah an die giftigen Produktionsrückstände heranschob.

Über diese ganze Problematik findet sich im Katalog zu der LAGA-Ausstellung „Die Dhünnaue gestern und heute“, die „eine offene Chronik über Fortschritt und Verantwortung“ sein will, nichts. Es fängt schon schlecht an. Der Konzern hat angeblich nicht nur nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ sorglos seine Abfälle am Rhein entsorgt, er wollte der Stadt damit auch einen wirksamen Hochwasserschutz bieten. Dass die „gute Tat“ vielleicht doch nicht so gut für Leverkusen war, stellte sich laut Text erst Ende der achtziger Jahre heraus. „Ende 1987 steht fest: Eine Gefährdung der Bewohner in der Wiesdorfer Dhünnaue kann nicht ausgeschlossen werden“. Aber selbst dann ist alles nur halb so schlimm, denn die Wissenschaft hat festgestellt: „Insgesamt kann eine akute Gefährdung der Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden“. Der Herr Professor Einbrodt von der Universität Aachen war so nett. Vorher hat es nach Aussage von BAYER nur einige Klagen wegen Geruchsbelästigung gegeben und „unerwartete Schwierigkeiten“ im Zuge der geplanten Wohnbebauung über der Deponie. Eine Baugrund-Untersuchung meldete nämlich Zweifel daran an, ob der Beton dem chemischen Untergrund standhalten würde und sagte zudem eine Absenkung der Häuser voraus. Sie sollte Recht behalten. Später ergaben Messungen eine hohe Chrom-Belastung von Kellern. Die Stadt Leverkusen quartierte die Mietparteien um und schloss eine Schule. Nach Darstellung der AusstellungsmacherInnen geschah das alles nur „vorsorglich“. Die ungewöhnlich hohe Krebsrate im Umfeld der Schule - laut SPIEGEL fünf Tote, 15 Erkrankungen - verschwiegen sie.

Nicht nur diese Fälle hätten genug Grund für Entschädigungsklage geboten. Die Erleichterung darüber, dass „die Stadt Leverkusen und die BAYER AG juristischen Streit vermieden haben und sich in allen Fragen auf partnerschaftliche Lösungen verständigten“, ist den Konzern-AutorInnen deshalb deutlich anzumerken. Sie vermelden in Sachen Dhünnaue „Mission erfüllt“ und meinen so „eine Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Stadt“ geschaffen zu haben. Das Einzige, was sich auf dem Areal jedoch nachhaltig entwickelt, ist die Last der Altlast für die nachfolgenden Generationen.

taz

CBG Redaktion

taz vom 17.11.2005

Ghostwriter Chemieverband

Eine große deutsche Koalition bereitete die Abschwächung von REACH vor

AUS BRÜSSEL DANIELA WEINGÄRTNER

Vor den Europaabgeordneten steht an diesem Dienstagnachmittag ein Mann, der die Waffen gestreckt hat. Ein Mann, der nicht mehr über 1.200 Seiten Chemiegesetz streiten will, nicht mehr den Kurs halten will zwischen eintausend widersprüchlichen und komplizierten Änderungsanträgen. Guido Sacconi, der sozialistische Berichterstatter für die Richtlinie REACH (Registrierung, Evaluierung, Autorisierung chemischer Substanzen) hält einen grünen, verschrumpelten Apfel in die Höhe und fordert seine Kollegen auf, für seinen Antrag zu stimmen: „Mit Gesetzen ist es wie mit diesem Apfel. Wenn man ihn nicht rechtzeitig pflückt, verdirbt er.“

Vor zwei Jahren hat die damalige Umweltkommissarin Margot Wallström nach heftigen internen Auseinandersetzungen mit der Abteilung von Industriekommissar Erkki Liikanen den ersten REACH-Entwurf vorgelegt. Das Ziel: Informationen über die Verträglichkeit von rund 100.000 chemischen Substanzen, die ungetestet in Umlauf sind, für Mensch und Umwelt zu erhalten. Der Plan brachte die chemische Industrie und die Verarbeiter chemischer Produkte auf die Barrikaden. Noch mehr aber verschreckte sie der zweite logisch folgende Schritt: Wenn Substanzen erst einmal als Gesundheits- oder Umweltrisiko erkannt sind, müssten sie durch weniger gefährliche Stoffe ersetzt werden.

Jahrelang diskutierten die Kommissionsabteilungen Umwelt und Industrie intern über die Details. Im Rat stritten die Länder mit starken chemischen Industrien (ein Viertel des Jahresumsatzes von 440 Milliarden Euro wird in Deutschland erwirtschaftet) mit den ökologisch orientierten Nordländern. Im traditionell verbraucherorientierten Europaparlament beugten sich die Abgeordneten über Krebsstatistiken und Kostenrechnungen. Beidem ist mit den tröstlichen Kategorien Ursache und Wirkung nicht ohne weiteres beizukommen. Weniger Chemie, weniger Krebs, Aller-gien, chronische Müdigkeit, behaupten die Mediziner. Findet ihr ein winziges Problem in unserem Spezialmotoröl, können wir die ganze Autofabrik zumachen, sagen die Industriellen.

Nun sind sich plötzlich alle einig. Eine große Koalition im Europaparlament, vertreten durch den italienischen Berichterstatter Sacconi von den Sozialisten und den Deutschen Hartmut Nassauer, CDU, hat einen Vorschlag gestrickt, dem wohl die Mehrheit heute zustimmen wird. Industriekommissar Günter Verheugen findet den Text noch besser als den Vorschlag der Kommission. Die Chemieindustrie sagt, sie könne damit leben. Die britische Ratspräsidentschaft sieht plötzlich Chancen, ihr Halbjahr immerhin mit einem politischen Durchbruch zu schmücken.

Kurz gefasst beinhaltet der Sacconi-Nassauer-Vorschlag, die Zahl der Stoffe, die getestet werden müssen, drastisch zu verringern, die Anforderungen und die Zahl der Tests zurückzufahren und zugleich den bürokratischen Aufwand für Brüssel und die neue EU-Chemieagentur in Helsinki enorm zu steigern. Da die meisten Stoffe nicht getestet werden, wird man auch nicht erfahren, ob sie sich als Ersatzstoffe für Risikosubstanzen eignen würden.

In Brüssel erzählt man sich, Angela Merkel habe den neuen Vorschlag persönlich ihrem Parteifreund Nassauer in die Feder diktiert. Das ist natürlich übertrieben. Nassauers Ghostwriter sitzen im deutschen Chemieverband. Liest man aber den Passus aus dem Koalitionsvertrag, in dem es heißt, REACH müsse „mit dem Ziel verändert werden, die Chemikaliensicherheit zu verbessern, ohne dabei die Herstellung von Chemikalien zu verteuern oder ihre Anwendung zu behindern“, dann kann man daraus schließen, dass die Koalitionäre in Berlin mit der jetzt vom EU-Parlament ausgetüftelten Version zumindest zufrieden sein werden.

Der klassische Kompromiss zeichnet sich dadurch aus, dass er niemanden so richtig glücklich macht. Den neuen REACH-Text mögen alle - dabei steckt er voll Absurditäten. Der Ansatz, da ja über das Risiko zunächst nichts ausgesagt werden kann, diejenigen Stoffe am gründlichsten zu testen, die in großen Mengen hergestellt werden, ist vom Tisch. Die Bringschuld bezüglich Informationen sollte ursprünglich bei der Industrie liegen - nun muss die neue Chemieagentur den Details hinterherjagen. Die Beweislast für die Unbedenklichkeit, die eigentlich bei den Herstellern liegen sollte, landet auf Umwegen ebenso bei der Agentur.

Die Industrie bekommt eine Frist von elf Jahren, um die Daten abzuliefern, die sie jetzt schon vorliegen hat. Das Prinzip, dass jeder Stoff nur einmal registriert wird und die Basisdaten dann veröffentlicht werden, wird durchbrochen, was den großen Konzernen nutzt und die kleinen Anwender finanziell belastet. Da auch in Zukunft 90 Prozent der Substanzen nicht untersucht werden, wird es unmöglich, unbedenkliche Ersatzstoffe zu finden. Der Standort Europäische Union wird geschwächt, da Importeure noch weniger Auflagen erfüllen müssen als europäische Hersteller.

Kein Wunder, dass Berichterstatter Guido Sacconi mit seinem ramponierten grünen Bioapfel so erschöpft und unglücklich aussah. Sein Gewissen treibt ihn um, weil er zwischen Arbeitsplätzen und der Gesundheit seiner Wähler entscheiden soll. Vielleicht würde ein mutigeres REACH den Standort Europa mittelfristig stärken und die Gesundheitskosten dazu noch senken.

Aber „mittelfristig“ ist für Politiker wohl ein unvertretbares Risiko. Dass ihm seine ungarische Fraktionskollegin Edit Herczog zum Trost einen glänzenden roten Apfel neben sein verschrumpeltes grünes Exemplar legt, macht die Symbolik der Sache nicht besser. Da muss man doch sofort an Schneewittchen denken.

„Man hat starke Kopfschmerzen“

Der Toxikologe Hermann Kruse ist der Ansicht, dass schon geringe Mengen giftiger Stoffe in Infusionsschläuchen oder Kinderspielzeug krank machen. Daher seien umfassende Tests nötig

taz: Herr Kruse, wie viel Gift verträgt der Mensch?

Hermann Kruse: Das kommt auf den Stoff an. Schon kleine Dosen sehr giftiger Stoffe können etwa dazu führen, dass Männer unfruchtbar und Mädchen zu früh geschlechtsreif werden. Sehr bedenklich sind zum Beispiel Stoffe, die den Kunststoff biegsam machen. Weichmacher wie DEHP, die Sie in Infusionsschläuchen oder Kinderspielzeugen finden, wirken wie Hormone.

Wie stark ist die Belastung?

Sie ist schleichend. Die Stoffe gasen zum Beispiel aus dem Bodenbelag im Büro oder aus dem Sofa zu Hause aus. Sie reichern sich in der Umwelt an, wandern in die Nahrungskette. Irgendwann lagern sie sich im Fett, in der Niere und den Knochen des Menschen ab.

Wie krank macht das genau?

Das Immunsystem wird geschwächt, das Nervensystem angegriffen. Eines Tages hat man starke Kopfschmerzen, ist müde oder kann sich nicht konzentrieren. Die Schäden sind langfristig.

Verursacht die Chemie auch Krebs und Allergien?

Die Schadstoffe leisten garantiert ihren Beitrag dazu, dass ein Tumor entsteht oder schneller wächst. Allerdings ist der Zusammenhang - anders als beim Raucher, der Lungenkrebs bekommt - nicht so eindeutig nachweisbar.

Wie müsste ein vernünftiges Chemierecht aussehen?

Für jeden Stoff, der verkauft wird, muss ausgeschlossen werden, dass er Krebs auslöst, dass er Erbgut angreift oder Föten schädigt. Auch allergische Reaktionen müssen getestet werden.

Wie gut ist die EU-Chemiereform?

Wir bekommen ein bisschen Ordnung, weil erstmals alle Substanzen aufgelistet werden. Es gibt also viel Schreibtischarbeit, aber zu wenig wenig Laborinformationen. Das ist der Fehler.

Weil Sie um Ihren Arbeitsplatz fürchten?

Nein, es geht darum, mehr über die Giftigkeit von Chemikalien herauszufinden. Schon kleine Mengen können gefährlich sein. Und Stoffe wirken zusammen anders als allein. Das muss alles untersucht werden.

Mit welchen Tests?

Als Erstes braucht man eine gute Analytik - damit zum Beispiel hochgiftige Stoffverunreinigungen entdeckt werden. Zum Zweiten müssen wir Substanzen an Ratten, Mäusen und Affen testen - über Jahre. Bisher gibt es keine vernünftigen Ersatzmethoden.

Wie wurden bisher die Risiken festgestellt?

Das war immer reiner Zufall - und zumeist war es bei der Entdeckung bereits zu spät. Die Substanzen wurden dann schon im Blut oder im Urin des Menschen gefunden.

Wie können Verbraucher die chemische Mitgift vermeiden?

Der Konsument kann sich nicht schützen. Überall können giftige Stoffe stecken.

INTERVIEW: HANNA GERSMANN

HERMANN KRUSE, 63, ist stellvertretender Direktor des Instituts für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Dort forscht er u. a. über Schadstoffe in Lebensmitteln und in Gebäudeinnenräumen.

Gift-Abc

Die schädigende Wirkung vieler Chemikalien, denen der Mensch im Alltag kaum ausweichen kann, ist längst bekannt. Verboten sind sie oft nicht - weil die letzte wissenschaftliche Bestätigung fehlt, die nur langfristige Tests liefern könnten.

Antimikrobielle Wischlappen gelten als hygienisch. Dafür stecken in ihnen Stoffe, die Bakterien abtöten - und Allergien auslösen.

Babyfläschchen aus Polycarbonat beinhalten Bisphenol A. Wird das Fläschchen erwärmt, gelangt der Stoff in die Milch und dann in den Körper. Er wirkt wie das weibliche Hormon Östrogen - und wird für Frühreife und Unfruchtbarkeit verantwortlich gemacht.

Computer dampfen bromierte Flammschutzmittel aus, die umweltschädlich sind. Sie verhindern, dass Elektrogeräte Feuer fangen.

Deos können synthetische Moschusdüfte enthalten, die die Haut reizen und Allergien verursachen.

Erdbeeren sind oft mit Giften vom Acker belastet.

Filzstifte enthalten Schwermetalle wie Antimon, das als Krebs erzeugend gilt.

Gummipuppen werden durch Phthalate biegsam. Weil diese Leber und Spermien schädigen, sind sie in Babyspielzeug verboten, sonst aber erlaubt.

Hamburger werden oft in fettundurchlässiges Papier gewickelt, das mit perfluorierten Substanzen behandelt ist. Diese stören den Stoffwechsel.

Isomatten sind schlecht für die Nerven, weil in ihnen phosphororganische Verbindungen stecken.

Jogginghosen werden gegen Schweiß geschützt. Als Anti-Mief-Stoff nehmen Hersteller oft Triclosan, das die Leber schädigt.

Kondome sind häufig mit Krebs erregenden Nitrosaminen belastet.

Lederschuhe werden mit giftigen Färbe- oder Gerbemitteln behandelt. Beispiel: Krebs erregende Chromsalze.

Muttermilch ist mit dem giftigen Pestizid DDT belastet, das schon seit gut 30 Jahren verboten ist.

Nachtlager: Aus Matratzen gasen gleich mehrere Stoffe aus, die einem den Schlaf rauben.

Orientteppiche werden mit synthetischen Pyrethroiden unappetitlich für Motten. Die Stoffe lösen Nervenschäden aus.

Plastiklatschen können Tributylzinn enthalten, das das Immun- und Hormonsystem schädigt.

Quietschenten weisen manchmal Kadmium auf, das die Knochen angreift und das Nervensystem schädigt.

Röcke werden häufig bügelfrei gemacht - mit Formaldehyd, das Allergien auslösen kann.

Shampoo kann den Riechstoff Lyral enthalten. Der wird verdächtigt, Allergien auszulösen.

Teflonpfanne: Damit das Ei nicht anpappt, sind sie mit umweltgefährdenden Antifluorchemikalien ausgestattet.

UV-Schutz in Sonnencreme: Chemische Filter stehen im Verdacht, wie Hormone zu wirken.

Vampirblut: Im Menschenblut sind etliche gefährliche Chemikalien nachweisbar.

Waschmittel: Häufig wird Nonylphenol eingesetzt, das den Hormonhaushalt schädigt und Allergien auslöst.

XXL-Hawaiihemden werden mit Organozinnverbindungen UV-beständig. Die Stoffe schaden Leber, Nerven und Immunsystem.

Yps und andere Zeitschriften: In der Druckerschwärze stecken Lösemittel, die die Nerven schädigen.

Zelte können Cyclohexan ausgasen, das Kopfschmerzen und Schwindel hervorruft.

Unterschriftensammlung

CBG Redaktion

Ich fordere, dass Antibaby-Pillen mit einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko wie Yaz, Yasminelle und Yasmin vom Markt genommen werden!

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[PSJM] Kunst gegen Konzernmacht

CBG Redaktion

5. März 2012

spanische Künstlergruppe PSJM:

Widerstand gegen BAYER, Nike und Walmart

Passend zum gegenwärtigen Abriss der alten Konzernzentrale in Leverkusen hat die spanische Künstlergruppe PSJM die Grafik „Struggle Bayer“ veröffentlicht. Diese zeigt ein überdimensioniertes BAYER-Logo, das von einem Hochhaus geworfen wird. In einem weiteren Motiv werden zwergenhafte Personen dargestellt, die ein Deutsche Bank-Symbol umstürzen.

Die Künstler propagieren nicht die Zerstörung der Konzerne. Sie wollen aber aufzeigen, dass es der Gesellschaft möglich ist, sich gegen die scheinbare Übermacht der Firmen zur Wehr zu setzen.

Hinter dem Kürzel PSJM stecken die Künstler Cynthia Viera and Pablo San José, deren Bilder momentan in einer Ausstellung in der Berliner Galerie Whiteconcepts zu sehen sind. Ziel ihrer Arbeit ist es, mit modernen Marketingmitteln die Produktions- und Werbestrategien des globalen Kapitalismus zu kritisieren. Das Duo hat der Coordination gegen BAYER-Gefahren die Grafik zur weiteren Verwendung zu Verfügung gestellt; in einem Schreiben an die CBG heißt es: „Herzlichen Glückwunsch zu Eurer harten Arbeit in den vergangenen 30 Jahren. Wir stehen in diesem Kampf auf der selben Seite!“.

Auch andere Arbeiten von PSJM beschäftigen sich mit dem Treiben der Multis. So wird in „Corporate Armies“ ein Szenario entworfen, in dem Großkonzerne an die Stelle von Nationen getreten sind. Die Firmen sind darin mit eigenen Armeen ausgestattet – angesichts der paramilitärischen Gruppen, die mit Coca Cola in Kolumbien, mit Shell in Nigeria oder mit Gazprom in Russland kooperieren, keine allzu ferne Vision. Auch zeigt die Berliner Ausstellung Science Fiction-Videos, in denen gepanzerte Truppen von Walmart, Visa und Nike um die Vorherrschaft kämpfen. Tuschezeichnungen apokalyptischer Firmen-Kämpfe im Stil historischer Schlachtengemälde sowie 3D-Kampfroboter aus weißem Plastik vervollständigen die Horrorvision eines unternehmerischen Gewaltmonopols.

In anderen Arbeiten von PSJM werden die Logos der Warenwelt künstlerisch bearbeitet: Puma- und Adidas-Schriftzüge enthalten den Aufdruck „Made by slaves for free people“. Mickeymaus-Objekte, die wie fast alles Spielzeug aus asiatischen Billig-Fabriken stammen, werden um den Hinweis „Made by kids for kids“ ergänzt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren arbeitet regelmäßig mit Künstlern zusammen. So hatten namhafte Kunstschaffende wie Bernd Engberding, Otto Piene, Claudia Rogge, Robert Butzelar und Peter Royen Werke zu Verfügung gestellt, mit deren Verkauf Kampagnen der Coordination finanziert wurden. Der bekannte Karikaturist Carlos Latuff aus Brasilien fertigt regelmäßig exklusive Zeichnungen an.

Den vom BDI ausgerichteten Wettbewerb „Vom BAYER-Werk zum Chemiepark“ gewannen gar zwei französische Architekten, die bei der Erstellung ihres Entwurfs eng mit der Coordination kooperierten. Ziel ihrer Arbeit war es, den Umweltschutz fest im Leverkusener BAYER-Werk zu verankern. Dies wurde durch die Idee, auf der Leverkusener BAYER-Zentrale (damals noch das Hochhaus, das nun abgerissen wird), das Büro der Coordination anzusiedeln.

weitere Informationen
=> Website PSJM
=> Kunst gegen Konzerne
=> Vision Stadt 21
=> Karikatur Carlos Latuff

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[Xarelto] Stichpunkte zur Xarelto-Kritik

CBG Redaktion

Grundsätzlich wäre ein verbesserter Gerinnungshemmer sehr wünschenswert. Die bisherige Standard-Therapie ist kompliziert, weswegen viele Patienten das Mittel falsch einnehmen, und mit vielen Nebenwirkungen verbunden. Neue Therapie-Optionen könnten viele Leben retten.

Eine abschließende Bewertung von Xarelto kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vornehmen, da das Präparat erst seit kurzem auf dem Markt ist. Beim Zulassungsprozess haben sich aber viele Probleme ergeben, weswegen wir skeptisch sind, dass Xarelto tatsächlich eine Verbesserung gegenüber etablierten Präparaten darstellt.

=> bisherige Studien zeigen, dass Xarelto das Risiko von Schlaganfällen und Thrombosen zwar senken kann, jedoch nicht zuverlässiger als bisher verwendete Präparate wie Marcumar

=> auch das Risiko schwerer Blutungen liegt bei Xarelto nicht niedriger als bei Marcumar

=> es liegen keine Langzeit-Studien zu den Nebenwirkungen des Präparats vor

=> die Kosten einer Xarelto-Therapie liegen 20x höher als z.B. bei Marcumar, was jährlich zu Zusatzkosten von etwa 1.000 Euro pro Patient führt

=> die von BAYER eingereichte Studie zeigte nur deshalb eine vergleichbare Wirksamkeit von Marcumar und Xarelto, da die mit Marcumar behandelten Patienten nicht die optimale Dosis erhalten hatten. Hierdurch wurden die Testpersonen einem unnötigen Risiko ausgesetzt. Außerdem drängt sich der Verdacht auf, dass Xarelto hierdurch im Vergleich besser aussehen sollte.

=> die Studien für Xarelto wurden u.a. in Indien durchgeführt, wobei es zu einer Reihe von Todesfällen kam. Bayer zahlte den Hinterbliebenen beschämende Entschädigungen von gerade einmal 4.000 Euro

=> Zu kritisieren ist das Marketing für Xarelto. BAYER versendet unverlangte Muster an Allgemeinärzte – ein klarer Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, wonach Muster nur auf schriftliche Anforderung verschickt werden dürfen.

=> uns erreichten Meldungen, wonach Xarelto in mehreren Kliniken routinemäßig zur Schlaganfall-Prophylaxe eingesetzt wird. Eine solche Verwendung ist medizinisch nicht zu rechtfertigen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass BAYER diese Umstellung mit lukrativen Anwendungs-Studien, Prämien, Gratis-Lieferungen oder anderen Tricks befördert.

=> Auf Anfrage teilte uns das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Mai 2012 dass dem BfArM insgesamt 306 Berichte zu „Unerwünschten Arzneimittelwirkungen“ zu Xarelto im Zusammenhang mit Blutungen vorliegen. Dies ist eine recht hohe Zahl, angesichts dessen, dass das Präparat erst seit einigen Monaten im Einsatz ist.

=> ein zusätzliches Risiko ergibt sich dadurch, dass BAYER damit wirbt, dass die Ärzt/innen bei Xarelto-Behandlungen nicht mehr ständig die Gerinnung kontrollieren müssen. Eine solche Kontrolle ist zwar mühselig, vermeidet aber viele Komplikationen

=> 2012 wurde über ganz Deutschland anlässlich der Zulassungsstudie ROCKET für das für die Indikation chronisches Vorhofflimmern (VHF) eine Flut an Fortbildungen und Pharmavertretern ausgesandt, um das Präparat Xarelto vor allem für fragile, alte, polymorbide Patienten als sicheres Medikament zu bewerben. Patienten älter als 70 Jahre wurden in der Zulassungsstudie ROCKET jedoch ausgeschlossen. Genau das Kollektiv, für das später gezielt Werbung gemacht wird, ist in der Zulassungsstudie also nicht getestet worden. VHF ist aber eine im Alter exponentiell zunehmend häufige Erkrankung mit letztendlich 10% VHF bei den über 80jährigen Menschen. Das macht zahlenmäßig die größte Gruppe aus; allein in Deutschland sind rund eine Million Personen betroffen. Weil diese Zielgruppe so lukrativ ist, wurden die Daten unrechtmäßig auf dieses Kollektiv übertragen.

Zusammenfassung:

Wir befürchten, dass BAYER mit zweifelhaften Methoden ein überteuertes Präparat ohne Zusatz-Nutzen in den Markt drückt. Eine derartige Verteuerung ließe sich nur durch eine deutlich verbesserte Therapie rechtfertigen. Die Studienlage liefert hierfür jedoch keine Beweise. Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich eine flächendeckende Umstellung von Marcumar auf Xarelto nicht rechtfertigen. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfiehlt, den Einsatz von Xarelto auf Patienten zu beschränken, für die die bislang verwendeten Präparate wie Marcumar nicht in Frage kommen.

Die zahlreichen Meldungen über Blutgerinnsel, Blutungen und Leberschäden lassen eine breite Verwendung von Xarelto zur Schlaganfall-Prophylaxe nicht ratsam erscheinen. Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, sollten grundsätzlich nicht zugelassen werden.

Uns erreichten bereits mehrere Rückmeldungen von schweren Nebenwirkungen und sogar Todesfällen nach Umstellung auf Xarelto. Wir werden solche Fälle weiter dokumentieren und die Einführung des Präparats kritisch begleiten.

[Kurt Hansen] IG Farben

CBG Redaktion

7. März 2013

Wissenschafts-Auszeichnung nach Ex-Nazi benannt

BAYER vergibt Familie-Hansen-Preis 2013 in Berlin / „symptomatisch für Umgang mit der Geschichte im Dritten Reich“

Der BAYER-Konzern hat gestern den Familie-Hansen-Preis 2013 an Prof. Hans-Georg Rammensee von der Universität Tübingen vergeben. Der BAYER-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers und das Vorstandsmitglied Wolfgang Plischke überreichten den mit 75.000 Euro dotierten Preis im Rahmen eines Festaktes in Berlin.

Die Auszeichnung ist nach Kurt Hansen benannt, der den Preis 1999 stiftete. Kurt Hansen war von 1961 bis 1974 Vorstandsvorsitzender von BAYER. Später wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats sowie Ehrenvorsitzender.

Hansen war bereits frühzeitig, im Jahr 1931, in die NSDAP eingetreten. Bei den IG FARBEN war er Leiter der kriegswichtigen „Zentralstelle für Rohstoffbeschaffung“. Wegen seiner Mitverantwortung für Kriegsverbrechen war Kurt Hansen 1945 von den Alliierten interniert worden.

Die IG FARBEN waren eng in den Eroberungskrieg des Dritten Reichs eingebunden. Der Konzern folgte der Wehrmacht in die eroberten Länder Europas und übernahm meist innerhalb weniger Wochen die dortige Chemie-Industrie. Die von Hansen geleitete Abteilung spielte hierbei eine zentrale Rolle. Auch Kohlegruben, Ölförder-Einrichtungen und andere Rohstoff-Quellen gehörten zur Beute des Konzerns, der zudem Zehntausende von Zwangsarbeitern ausbeutete.

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „In der Person von Kurt Hansen wird der bruchlose Übergang der IG FARBEN zum BAYER-Konzern deutlich. Selbst die in den Nürnberger Prozessen verurteilten Kriegsverbrecher konnten nach kurzer Zeit wieder in den Vorstand aufrücken – symptomatisch für den Umgang deutscher Konzerne mit ihrer unseligen Vergangenheit“. Mimkes fordert BAYER auf, den Preis umgehend umzubenennen oder auf künftige Verleihungen zu verzichten.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat anlässlich des 150. Jubiläums von BAYER eine Kampagne gestartet, mit der auf die Schattenseite der Konzerngeschichte aufmerksam gemacht wird

[Christoph Koch] Hauptversammlung 2013

CBG Redaktion

Bienenschäden seit 1997 durch Neonicotinoide - alles nur Zufälle?

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch und ich spreche zu ihnen im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, aber auch im Namen der EU weiten Imkervertretung dem EPBA.

Also erst muss ich mal ein großes Lob los werden. Auch ich freue mich auf das tolle Geschäftsergebnis und auch auf den ordentlichen Zuwachs meiner Aktien! Ja ich habe selber welche! Ich hoffe nur, dass dieser Bonus nicht so sehr mit Crop Science zu tun hat! Ich hoffe das sehr! Denn das wäre dann für mich als Imker nicht so gut! Ich will Ihnen auch erklären warum! Seit 2009 bin Ich nun schon hier um Fragen zu stellen. Also schon seit 5 Jahren!

Fragen rund um die Bienen.
Fragen zu den BAYER Produkten wie Poncho, Elado, Gaucho, BISCYA usw.
Fragen zu Wirkstoffen mit den Namen wie Thiacloprid, Thiametoxan, Imidacloprid oder Clothianidin! – den sogenannten Neo-Nicotinoiden.
Diese Stoffe nennen wir auch kurzum Neonics!
Übrigens finden Sie meine Fragen auch im Internet!

Meine Fragen sind in all den Jahren nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Immer wieder wird uns hier vom Vorstand mit großer Beharrlichkeit erklärt, dass die Bienenprobleme andere Ursachen haben und bringen die Varroa als eine der größten Herausforderungen gegenüber den Bienen ins Feld.

Imkervertreter hatten letztes Jahr Gespräche mit einigen BAYER Leuten unter anderem mit Frau Dr. Peterson und Dr. Richard Pott. Diese Gespräche am 17.4.2012 verliefen gut und konsequenterweise hat BAYER auch unseren Vorschlag aufgegriffen sich auch bei der Behandlungsmittelfrage bei der Bekämpfung der Varroa Milbe sich zu engagieren. Wir Imkerverbände begrüßen dies ausdrücklich! Und wir bedanken uns auch hier besonders bei Richard Pott!

Draußen sahen wir neben dem großen Banner von Greenpeace auch eines von BAYER! Darauf steht: Wir tun mehr für die Bienen als Ihr denkt!
Meine Damen und Herrn Aktionäre BAYER tut was für die Bienen ja das stimmt!
Die große Frage ist nun ist das genug?

Wenn es darin erhebliche Meinungsverschiedenheiten gibt, ist es nicht immer einfach, trotzdem die Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit möglich ist, zu sehen
Und diese aus den andern Konflikten herauszuhalten!

Worin bestehen nun aber diese Meinungsverschiedenheiten, meine Damen und Herrn Aktionäre?
Seit mehr als 10 Jahren, nein in manchen Gegenden sind es nun bald 20 Jahre, beobachten Imker auf der ganzen Welt Probleme mit den Neonics!
BAYER ist in der Tat einer der Wichtigsten Hersteller dieser Neonics und ein erheblicher Teil des Geschäftserfolges von Crop Science hängt davon ab, dass diese Produkte weiterhin zugelassen bleiben!

Das ist der zentrale Punkt!
Zunächst wurde also behauptet, wir Imker würden diese Neonics zu Unrecht verdächtigen.
Als dann jedoch die ersten Wissenschaftler anfingen, die Behauptungen der Imker zu bestätigen, wurden diese Wissenschaftler schwer angegriffen.
BAYER und auch die anderen Hersteller der Neonics forderten dann kontrollierte Laborstudien! Als diese Studien dann aus verschiedenen Ländern vorlagen, behauptete BAYER nun, diese Studien hätten wiederum in der Praxis keine Relevanz. Es waren aber die Beobachtungen von uns Imkern in der Praxis, durch die der Stein ja erst in Rollen gekommen war.

Wir sind nun an einer Stelle angekommen wo wir uns nun im Kreis drehen!
Seit diesem Frühjahr haben wir aber nun eine neue Situation, meine Damen und Herrn Aktionäre!
Die EFSA ist nun zu der gleichen Erkenntnis gekommen und hat der EU Kommission den Vorschlag gemacht, bei den drei wichtigsten Neonics ein Teilverbot auszusprechen.
Aber selbst davon lassen sich weder BAYER noch SYNGENTA nicht überzeugen und beide behaupten nun auch, die EFSA hätte gravierende Fehler gemacht.
Eines der Argumente ist, dass das Deutsche Bienen Monitoring gezeigt hätte, dass die EFSA Bewertung falsch sei.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, also das ist schon ein spezielles Stück!
Herr Dekkers, ist Ihnen eigentlich bekannt, dass die zuständigen deutschen Behörden an den EFSA Bewertungen mitgewirkt haben?
Und dass besagtes DeBiMo gar nicht erst zur Berücksichtigung eingereicht wurde?
Und wissen Sie auch warum?

Ich kann es ihnen sagen meine Damen und Herrn Aktionäre,
das DeBiMo ist laut den Experten der EFSA für diese Fragestellung total ungeeignet!
Ich komm später noch detaillierter auf das DeBiMo sofern mir dazu die Zeit bleibt.
Meine Damen und Herrn Aktionäre, kann es sein, dass der Vorstand deshalb diese Probleme leugnet, weil versäumt wurde alternativen zu diesen Neonics zu entwickeln und sich bei dem PSM breiter aufzustellen?
Am kommenden Montag könnte das Verbot in der EU kommen. Danach wird die Amerikanische Zulassungsbehörde EPA in Erklärungsnöte geraten, wenn sie nicht ebenfalls Maßnahmen zum Schutz der Bienen ergreift.
Herr Dekkers, nach unseren Unterlagen wusste BAYER schon relativ früh um diese Bienenprobleme im Zusammenhang mit den Neonics!
Aber gegenüber der Öffentlichkeit und uns Aktionären wurden diese stets geleugnet.
Haben Sie damit nicht nur das Risiko für die Bienen falsch dargestellt, sondern auch das für die Aktionäre?

Nun richte ich mich an die Klein Aktionäre unter Ihnen meine Damen und Herrn!

Jeder von ihnen kann nun heute entscheiden, ob er das Risiko für die Bienen und sein Kapital bisher richtig bewertet hat und ob er das auch künftig noch so will!

Bei den Großaktionären meine Damen und Herrn ist die Sache etwas divisibler!

Einige Banken sind in der jüngsten Vergangenheit in die Kritik geraten, weil sie Geld mit Nahrungsmittelspekulationen gemacht haben. Wollen Sie sich jetzt auch noch vorwerfen lassen, dass Sie Geschäfte mit Herstellern von bienengefährlichen Produkten machen?

Warum meine Damen und Herrn Aktionäre, gibt es denn schon jetzt Zulassungsverbote für diese Neonics?
Haben Sie sich das schon mal genauer gefragt?
An der Stelle gleich mal die Frage an den Vorstand: In welchen Ländern sind nun schon diese umstrittenen BAYER-Produkte mit Neonics verboten worden?
Warum sind nun neue Verbote hinzugekommen?
Bei der Frage spielt es jetzt keine Rolle ob das nur BAYER-Produkte betrifft oder die von SYNGENTA oder der BASF! Warum genau empfiehlt nun die EFSA der EU Kommission, bestimmte Neonics zu verbieten?

Wie erklären Sie sich das alles Herr Deckers?

Sind die bereits jetzt schon verhängten Verbote etwa auf Grund frei erfundener Behauptungen ausgesprochen worden? Wohl kaum. Oder waren das alles Unfälle alla 2008? Oh sorry Herr Dekkers sie sagen dazu ja Fehlanwendungen!

Herr Dekkers verzeihen Sie mir bitte dass ich meine Finger immer wieder in diese alte Wunde lege! Daher frage ich jetzt mal etwas genauer:
Seit wann genau weiß eigentlich der Konzern um die Problematiken der Pneumatischen Sä-Technik, verbunden mit den Neonic-Beizen und dadurch mögliche entstehende Bienenschäden? Ich hätte hier gerne ganz genaue Daten! Auch in Bezug auf Internationaler Ebene! Genauer gesagt auch in Bezug auf Frankreich!

Dann würde ich gerne wissen, ob es schon einmal Zahlungen an betroffene Imker gab, die vor 2008 lagen? Wenn ja, wann genau? Und in welchem Land war das?

Herr Dekkers, Sie erklärten hier letztes Jahr und vorletztes Jahr, und ihr Vorgänger auch schon, sehr beharrlich, dass es bei guter Landwirtschaftlicher Praxis, bei Sachgerechter Anwendung Ihrer Meinung nach keine Bienenschäden durch ihre Produkte geben kann.

Wie sollen wir das verstehen?

Zu Melissa aus Österreich, welches 2012 endete und welches Bienenschäden durch Neonic-Beizen festgestellt hatte, sagten Sie Herr Deckers letztes Jahr, dass sich die Bienen-Schäden in den letzten 3 Jahren des MELISA kontinuierlich reduziert hätten.

Wie sollen wir das nun verstehen?

Sie schließen Schädigungen also doch nicht ganz aus?

Aber sagen Sie uns doch hier mal bitte, wie viel Mais-Fläche in all den Jahren speziell im Beobachtungsgebiet des MELISA mit Neonics tatsächlich behandelt waren, wenn möglich getrennt nach den Jahren! Ich möchte hier gerne genaue Zahlen hören!

Vielleicht kommt dann etwas Licht in diese Sache?

Ist es möglich, dass Ihre Interpretation der geringer werdenden Schäden auf einer verkleinerten behandelten Fläche beruhen? und weniger mit der Wirkstoffbindung und der verbesserten Sätechnik zu tun hat?

Meine Damen und Herrn Aktionäre, heute wissen wir, dass 4 Nanogramm, also 4 Milliardstel Gramm Clothianidin eine Biene schon schädigen können!
Meine Damen und Herrn Aktionäre, demnach hat ein Gramm Clothianidin das Potential 250 Millionen Bienen zu schädigen!
Stellen Sie sich das bitte mal vor!

2008 hat der BAYER Mitarbeiter Dr. Richard Schmuck in der ersten Sitzung mit dem MLR Baden-Württemberg uns gegenüber gesagt, dass es durch die pneumatischen Sägeräte einen Wirkstoff Austrag von 1,5g pro ha gäbe!
Diese 1,5g nicht vermeidbaren Wirkstoff-Abrieb aus dieser Sätechnik können also 375 Millionen Bienen schädigen, bezogen auf einen Hektar Mais!
Herr Dekkers und auch sein Vorgänger sind jedoch beide immer noch der Meinung, diese BAYER Produkte sind tatsächlich Bienen sicher!
Als das DeBiMo das Deutsche Bienen Monitorring gegründet wurde eine Propaganda über die Ursachen fest gemacht!
Die Bienenkrankheiten besonders die Varroa sei schuld an dem Desaster!
Nicht eine einzige Analyse in Richtung Pflanzenschutzmittelrückstände war da gemacht worden! Dazu brauchte es erst die Androhung, dass wir Imker aussteigen! Erste Untersuchungen wurden erst nach 2006 gemacht!
Soviel zur Objektivität der AG Bieneninstitute und deren Ursachenforschung nach den wirklichen Ursachen der Verluste! Aber es mag auch daran liegen, dass man lieber nach Krankheiten suchte weil man niemandem weh tat?
Auch denen nicht die das ganze finanzierte?

Wildbienen und Hummeln haben die Varroa Milben nicht!
Und sie verschwinden genauso!
Wo immer die Neonics auftauchen!

Das meine Damen und Herrn Aktionäre sollte Ihnen zu denken geben!
Bienenschutz hat eine besondere Bedeutung und alle, die damit zu tun haben, sollten ihrer Verantwortung bewusst sein!

Sie meine Damen und Herrn Aktionäre haben hier auch eine Verantwortung!

Honig-Bienen in der Hand erfahrener und guter Imker sind hervorragende Umweltindikatoren!

Unterschätzen sie das in Ihrer Entscheidung nicht!

Meine Damen und Herrn, ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und ihre Geduld und verzeihen Sie das Überschreiten meines Zeitlimits.
.
Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de

Deckers Antworten:

Zu EFSA und DeBiMo sagte er, dass diese Studie bei der EFSA eingereicht wurde und dass die EFSA dafür noch Zeit bräuchte, diese noch zu bewerten.
Aussetzungen gibt es in Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien sowie in Brasilien. Diese Einschränkungen erfolgten aus Vorsorgegründen.

Zum Hintergrund der Empfehlung der EFSA bestimmte Wirkstoffe zu verbieten:

Die EFSA hat lediglich potentielle Risiken festgestellt und Datenlücken aufgezeigt. Dies ist keine direkte Folge der Ereignisse in Baden Württemberg von 2008 bei der die BAYER Crop Sience Imkern auf freiwillige Basis finanzielle Unterstützung geleistet hat.

Zu Melissa:

Das Melissa Forschungsprojekt zeigt, dass bei Einhaltung aller Risiko-Mindernden Maßnahmen, Bienen wirksam geschützt werden können. Die von der Österreichischen Zulassungsbehörde verpflichtend vorgeschriebenen Maßnahmen zur Sicherstellung einer guten Saatgutqualität und Aussaattechnik, sowie ein umfassender Anforderungs- und Auflagenkatalog an Insektizid gebeiztes Saatgut, gewährleisten den Schutz der Bienenvölker.

Zur pneumatischen Sätechnik:

BAYER Crops Sience entwickelt mit der Saatgut Industrie und den Maschinenherstellern Kontinuierlich Vorschriften und Begleitmaßnahmen. Diese verbessern die Qualität des Saatgutes und ermöglichen eine sichere Aussaat. In den vergangen Jahren konnte so der Bienenschutz verbessert werden.

Dekkers bittet dann um Verständnis, dass er heute keine Detailinfos geben kann und verweist auf die AGES.

Wie bereitet sich BAYER auf ein mögliches Verbot der Neonics für Europa vor:

Wir sind nach wie vor überzeugt, dass diese Wirkstoffe sicher und Verantwortungsvoll eingesetzt werden können und deshalb sind wir auch sicher, unseren Kunden auch in Zukunft effiziente Technologien und Produkte anbieten zu können.

Mein Kommentar zu den Antworten Dekkers:

Die BAYER AG ist wohl sehr zuversichtlich, dass es zu keinem Verbot der Neonic-Beizen kommt! Dieser Optimismus gegen über den Aktionären könnte noch ein Strick werden für BAYER besonders mit Blick auf die USA! Denn BAYER hat anscheinend keinen Plan B in der Schublade. Zu mindest den Aktionären gegen über.

Dekkers gab keine Antwort auf die Frage zu Zahlungen an Imker die vor 2008 lagen!
Hier verschweigt BAYER etwas! Es gab diese Zahlungen und zwar lange vor dem Jahr 2002, als es dann in Italien ebenfalls zu großen Vergiftungen kam.
Melissa hat gezeigt, dass die Bienenvergiftungen trotz Schutzmaßnahmen nicht in den Griff zu bekommen sind! Wir Imker wissen, dass im Hintergrund fieberhaft an ganz neuen Saatmaschinen mit Filter gearbeitet wird. Doch diese lösen dann nur einen Teil der Vergiftungswege die andern, wie Guttation und giftiger Pollen sind dann immer noch da!

Daher wird BAYER wegen seiner Rolle beim Bienensterben immer mehr unter Druck geraten!

Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
Tel.: +49 7804 3589
E-Mail: vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de

[Köhler-Schnura] Hauptversammlung 2014

CBG Redaktion

Großdeutsche Konzernarroganz!

Meine Damen und Herren,

mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich spreche in eigenem Namen, vertrete aber auch die Coordination gegen BAYER-Gefahren und den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Meine Damen und Herren,
bevor ich zu meinem eigentlichen Thema komme, ein Wort zu dem Stil, wie Herr Dekkers hier heute die Konzerninteressen vertritt. Es ist einfach würdelos, mit welch stereotypen und zynischen Sätzen Herr Dekkers das Leid der Opfer von BAYER-Produkten, die von ihm angerichteten Schäden an der Umwelt, das soziale Elend im Konzern abhandelt. Ist das die Leistung, die für die Millionengehälter der Vorstände zu erbringen ist?

Und noch etwas vorab: Was wir vorhin erleben mussten, als Herr Wenning RednerInnen aus Australien das Mikrofon abstellte und eine junge Frau, deren Vater durch ein BAYER-Medikament zu Tode kam, vom Werkschutz aus dem Saal werfenlassen wollte, nur weil „bei einem deutschen Konzern deutsch gesprochen“ wird, das war Konzernarroganz pur. Und zwar großdeutsche Konzernarroganz.
Bedauerlicher wurde das von einigen AktionärInnen hier im Saal beklatscht. Das ist dem „Dorf Global“ unwürdig.

Herr Dekkers,
Ihre Amtszeit geht zu Ende. Vielleicht erneuern Sie den Code of Conduct der Hauptversammlung und hinterlassen dem BAYER-Konzern endlich ein wenig Weltoffenheit.

Meine Damen und Herren,
nun aber zu meinem heutigen Anliegen. Wir hören und lesen in den Medien derzeit viel zum 100-jährigen Jubiläum des Ersten Weltkriegs. Nur vom BAYER-Konzern, der gerade mit enormem Lärm und Multimillionenaufwand seinen 150. Geburtstag feierte, hören wir nichts dazu. Gar nichts. Hier ist es still. Verdächtig still.

Meine Damen und Herren,
es geht beim Ersten Weltkrieg um Verbrechen. Es geht um Konzern-Verbrechen. BAYER trägt entscheidend Verantwortung für Kriegstreiberei, Massensterben und Kriegsgräuel.
Ich kann hier die Rolle und Verantwortung des BAYER-Konzerns bei weitem nicht umfassend darstellen, dazu reichen die paar Minuten Redezeit nicht, doch auf einige Beispiele, wie ich sie auch in meinem Gegenantrag dargestellt habe, möchte ich schon eingehen. Immerhin trug der Erste Weltkrieg entscheidend dazu bei, dass aus den alten „Farbenfabriken BAYER“ einer der berüchtigtsten Chemie-Konzerne der Welt wurde: Die Zehntausenden von Kriegsverletzten ließen BAYERs chemische Pharmaproduktion explodieren; die Chemiewaffen legten den Grundstein für die BAYER-Pestizidproduktion; die fehlenden Importe auf Grund des Kriegsembargos erzwangen synthetische BAYER-Lösungen aller Art.
Der damalige BAYER-Generaldirektor Carl Duisberg jubelte im Juli 1915: „Sähen Sie jetzt einmal, (...) wie wir fast nichts mehr als Kriegslieferungen ausführen (...), so würden Sie Ihre helle Freude haben.“

Meine Damen und Herren,
wenn im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg von Kampfgasen die Rede ist, dann müssen Sie wissen: Es geht um BAYER, Es war auch hier BAYER-Chef Carl Duisberg persönlich, der die Produktion und den Einsatz von für Menschen tödlichen Abfallstoffen durchsetzte. Er nahm dabei den Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung wissentlich in Kauf, die den militärischen Einsatz von Giftgas seit 1907 verbot.
Selbst bei Giftgasversuchen war Carl Duisberg persönlich anwesend, er pries dabei den chemischen Tod begeistert: „Die Gegner merken gar nicht, wenn Gelände damit bespritzt ist, in welcher Gefahr sie sich befinden und bleiben ruhig liegen, bis die Folgen eintreten.“ Ohne jeden Skrupel trieb Duisberg bei ausschließlich der Profit. Er forderte den Einsatz auch der giftigsten Stoffe.

Meine Damen und Herren,
insgesamt geht die historische Forschung von 60.000 Toten des von Deutschland auf Initiative von BAYER begonnenen Gaskrieges aus.

Meine Damen und Herren,
doch nicht genug: BAYER steht im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg auch für die Erfindung der Zwangsarbeit. Es war erneut der BAYER-Vorstandschef Carl Duisberg, der dafür sorgte, dass rund 60.000 Belgier deportiert und zu Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Was übrigens unmittelbar zu großen internationalen Protesten führte. Was aber wiederum Carl Duisberg nicht anfocht. Er plädierte dafür, die Arbeitsmöglichkeiten und die Lebensmittel in Belgien zu rationieren, um die „Arbeitslust“ der Belgier in Deutschland zu steigern.
Und so ging es weiter. Bis 1918 mischte sich die Führung von BAYER in alle kriegswichtigen Belange ein. Carl Duisberg trat für den unbeschränkten U-Boot-Krieg, die völkerrechtswidrige Bombardierung Englands sowie die Annexion von Belgien und Nordfrankreich ein. Auch forderte er „deutschen Lebensraum“ in Polen und Russland.
Als die Reichsregierung mit zunehmender Kriegsdauer begriff, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war und dass Friedensverhandlungen aufgenommen werden sollten, fürchtete man bei BAYER nichts als ein Ende der Kriegsprofite. Zusammen mit der militärischen Führung forderte Carl Duisberg daher im Februar 1917 die Entlassung von Reichskanzler Theobald von Bethmann: „Wenn es zum Gegensatz käme, entweder Hindenburg oder Bethmann, die Beseitigung Bethmanns wäre sicher (...). Wir sind ganz auf Krieg und Gewalt eingestellt, und das Beste wäre, wenn diese Sachlage auch äußerlich zum Ausdruck käme, dass der Marschall auch Kanzler wäre (...). Denn jetzt ist Politik gleich Krieg und Krieg gleich Politik.“ Wenig später wurde der Reichskanzler tatsächlich entlassen. Friedensverhandlungen fanden nicht statt.

Meine Damen und Herren,
bei all diesen und noch mehr Kriegsverbrechen war es kein Wunder, dass sich BAYER-Chef Carl Duisberg nach dem furchtbaren Untergang der Welteroberungspläne der Konzerne auf den Auslieferungslisten der Alliierten wiederfand und eine Anklage als Kriegsverbrecher fürchten musste. Im Ergebnis wurden in den USA die Tochterfirmen von BAYER enteignet. Dem Konzern wurde in weiten Teilen der Welt das BAYER-Kreuz als Markenzeichen entzogen. Erst 1994 konnte BAYER bekanntlich seine Marke in den USA wieder zurückkaufen.

Herr Dekkers,
wann endlich öffnen Sie die Archive für die konzernunabhängige Forschung? Seit 36 Jahren, seit 1978 bereits. Wenn über Umsätze und Gewinne gesprochen wird, muss auch über die Kehrseiten dieser Gewinne gesprochen werden.

Herr Dekkers,
der Beginn des Ersten Weltkrieges jährt sich zum 100. Mal. Weshalb entzieht sich BAYER der Auseinandersetzung seiner Verantwortung in diesem Zusammenhang? In immer mehr Städten wird beispielsweise der Name Carl Duisbergs von den Straßenschildern getilgt. In immer mehr Fällen distanzieren sich Schulen und andere Institutionen von Carl Duisberg. Wann arbeitet BAYER die Verbrechen dieses BAYER-Konzernchefs endlich auf.

Meine Damen und Herren,
es ließen sich noch viele Fragen im Zusammenhang mit dem Geschäftsbericht stellen, allein die auf 5 Minuten begrenzte Redezeit erlaubt es nicht.
Deshalb komme ich jetzt zu unseren Gegenanträgen. Die Anträge stellen zusammen mit mir die Coordination gegen BAYER-Gefahren, der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sowie viele EinzelaktionärInnen, die uns persönlich dazu beauftragt haben.
Zunächst zum Gewinnantrag:
Wir beantragen die Kürzung der Dividende auf 10 Cent je Aktie. Die frei werdenden Gelder sollen verwendet werden
- für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;
- für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;
- für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards.
- und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses an die Opfer bzw. deren Angehörige und Nachkommen.
Es sei wie jedes Jahr angemerkt, daß wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Menschenrechts- und Ökologie-Leistungen beantragen würden, doch nach der Lage der Gesetze ist das nicht möglich.

Meine Damen und Herren,
wir stellen weiterhin die Anträge, den Vorstand nicht zu entlasten und auch dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Wir begründen diese Nicht-Entlastungen damit, dass beide Gremien ihrer Verantwortung im dargelegten Sinne in keiner Weise gerecht wurden und uns zudem hier im Saal in die Irre führen.
Und schließlich haben wir mit Christiane Schnura, eine der GründerInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren und eine angesehene Aktivistin für Arbeitsrechte, eine Gegenkandidatin zu den Kandidaten des Vorstands aufgestellt.

Meine Damen und Herren,
bitte lassen Sie sich nicht von Geld und Dividende leiten. Sie tragen als AktionärInnen Verantwortung für die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen der Tätigkeit dieses Konzerns. Stimmen Sie deshalb bitte mit uns bei ALLEN Anträgen mit NEIN. Stärken Sie so mit ihren Aktien das wichtige Signal für soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte.
Sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so lassen Sie bitte Ihre Aktien nicht von BAYER unten am Ausgang vertreten, sondern von uns. Lassen Sie sich auch nicht von BAYER-Mitarbeitern bedrängen, die Ihnen die Stimmrechte abfordern, wenn Sie den Saal verlassen. Es ist Ihr gutes Recht, uns Ihre Stimmrechte zu übertragen. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links.
Vielen Dank.