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Veröffentliche Beiträge in “Allgemein”

[Glass] Redebeiträge HV 2017

CBG Redaktion

Verena Glass (brasilianische Kampagne gegen Agrar-Gifte) Pestizid-Gefahren

Rede von Verena Glass (Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida, Brasilien/Rosa-Luxemburg Stiftung São Paulo) auf der Jahreshauptversammlung der Bayer AG am 28. April 2017 in Bonn

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Verena Glass, ich spreche heute hier im Namen der brasilianischen Kampagne gegen Agrargifte, eine Initiative, in der die hauptsächlichen Organisationen von Kleinbauern, Indigenen, Umweltschützern und Verbraucherverbänden gemeinsam organisiert sind.

Brasilien ist derzeit im achten Jahr in Folge Weltmeister im Verbrauch von Agrargiften. Dies hat natürlich mit der kompletten Verfestigung des Agrarmodells transgener Pflanzen zu tun, was auch bedeutet, dass es bei einigen Sorten im ganzen Land nahezu unmöglich ist, überhaupt an nicht-transgen modifiziertes Saatgut zu gelangen. Es ist vor allem der Verbrauch von Herbiziden, der sich mit der Hegemonie der GMO-Pflanzen verdreifacht hat.

Wenn wir die insgesamt im Land je Jahr ausgebrachte Menge auf die Bevölkerung herunterrechnen, so kommen wir auf die erschreckende Menge von 7,3 Litern je brasilianischem Bürger. Um Ihnen die Brutalität dieser Realität anschaulich zu machen, werde ich mich in meiner Rede auf die Munizipien fokussieren, die die Rekordhalter bei der Produktion von Soja, Mais und Baumwolle sind, nämlich die im Bundesstaat Mato Grosso in Zentral-Brasilien. Reden wir also über Gemeinden wie Lucas do Rio Verde, Sorriso, Sapezal, Campos Novos dos Parecis und andere. Auf diese Region fokussieren auch die Universitätsstudien der Forscher der Bundesuniversität von Mato Grosso und der Stiftung Oswaldo Cruz des Gesundheitsministeriums. Die Studien untersuchen die Auswirkungen dieser Anbaugebiete und des Agrargiftverbrauchs vor Ort.

Zuerst müssen wir daran erinnern, dass laut offiziellen Zahlen der brasilianischen Regierung bei der Baumwolle alle transgenen Sorten bis auf eine von Bayer und Monsanto stammen. Diese zwei Firmen beherrschen auch den brasilianischen Markt bei transgenen Soja und transgenen Mais, was Sie – unserer Ansicht nach – mitverantwortlich macht für den Anstieg des Verbrauchs von Agrargiften im Lande.

Im Jahr 2012 wurden neun Millionen Liter Agrargifte im Munizip Sapezal zur Anwendung gebracht, sieben Millionen waren es in Campos de Júlio und vier Millionen in Campo Novo do Parecis, dies sind die letzten verfügbaren Daten des staatlichen Institut für Agrarsicherheit, Instituto de Defesa Agropecuária do Estado de Mato Grosso (Indea). Würde man diese Menge in olympische Schwimmbecken füllen, kämen wir auf acht bis oben mit Agrargiften gefüllte Becken. Um die Dramatik der Situation in
der genannten Region zu verdeutlichen: Rechnet man die Menge an Agrargift auf ganz Brasilien runter, kommen wir auf die erwähnten 7,3 Liter je Person. In Sapezal aber liegt dieser Wert 52 Mal höher: 393 Liter je Person, wenn wir als Basis die Bevölkerungszahl von 2016 nehmen.

Um dieses Panorama zu untersuchen, haben die Universität von Mato Grosso und die Fiocruz zwischen 2007 und 2014 in Lucas do Rio Verde eine Forschung mit den folgenden Ergebnissen durchgeführt:

- in der ländlichen Region fanden die Wissenschaftler in 88 % der
Blut- und Urinproben von untersuchten Lehrern auf dem Land
Rückstände von Agrargiften, vor allem Glyphosat und
Pyrethroide – also synthetische Insektizide;

- es wurden mehrere Agrargifte gefunden in 83 % der 12
Trinkwasserbrunnen, in 56 % der Proben des Regenwassers und
25 % der entnommenen Luftproben während der zweijährigen
Untersuchung;

- in 100 % der Proben der untersuchten Muttermilch von 62
stillenden Müttern wurden Rückstände von Agrargiften wie DDE,
Endosulfan, Deltamethrin und DDT gefunden;
Parallel dazu stellte die Studie der Bundesuni Mato Grosso 1.442
Fälle von Magenkrebs, Speiseröhren- und
Bauchspeicheldrüsenkrebs in 14 Munizipien fest, eben in denen
zwischen 1992 und 2014 Soja, Mais und Baumwolle angebaut
wurden. In dem Vergleichsmunizip, wo nichts dergleichen
angebaut wurde, lag der Wert der Krebsfälle bei 53.

Und was machen diese Agrargifte mit den Kindern? Die Todesrate
bei Kindern im Alter zwischen 0 und 19 Jahren hat sich von
2,97 % im Jahr 2000 auf 3,76 % im Jahr 2006 erhöht. Im Jahre
2006 wurde Krebs bei Kindern zur zweithäufigsten Todesursache,
8 % aller Todesfälle bei Kindern waren auf Krebs zurückzuführen.
Tendenz weiter steigend.

Wir können nicht im Einzelfall belegen, dass es die Gifte von
Bayer und Monsanto sind, die unsere Leute vergiften und töten.
Aber wir sind uns sicher, dass all diese Studien, die weltweit auf
diese schwerwiegenden Probleme hindeuten, Ihnen bei Bayer
bekannt sind. Ich frage Sie daher: wie gehen Sie als Verkäuferin
von Medikamenten für die Gesundheit mit diesen Vorwürfen um?
Und zum Schluss meine letzte Frage: in Anbetracht der
Möglichkeit von Prozessen um Entschädigung infolge von
Problemen mit dem Anbau von transgenen Pflanzen von Bayer
und Monsanto und angesichts der verwendeten Agrargifte frage
ich Sie nach Ihrer eigenen Risikoanalyse? Welche
diesbezüglichen Erkenntnisse haben Sie?

Ich danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

[March against BAYER ] March against BAYER 2019

CBG Redaktion

March against BAYER in Hamburg - Ein Bericht

Am vergangenen Samstag fanden mehr als 300 Leute ihren Weg zur „March against BAYER“-Demonstration in Hamburg, zu der die Coordination gegen BAYER-Gefahren zusammen mit machbar e.v., Hamburg genfrei, Robin Wood und vielen mehr aufgerufen hatte. Bei strahlendem Sonnenschein demonstrierten die AktivistInnen, darunter viele Jugendliche, für eine nachhaltige Landwirtschaft, die nicht mehr in der Hand von Großkonzernen wie BAYER liegen sollte. Die Route führte durch die Hamburger Innenstadt. Der March wurde mit großem Interesse von den Hamburger BürgerInnen aufgenommen. Als ChemikantInnen mit Schutzanzügen verkleidete AktivistInnen stellten die allgegenwärtige Pestizidbelastung dar, die mit großindustrieller Landwirtschaft einhergeht.

Während der Demo gab es Redebeiträge von VertreterInnen vom Ernährungsrat Hamburg, Soil&More, Gegenstrom, Fridays for Future, Tomatenrettern und dem Chico Mendez Projekt aus Guatemala. Die AktivistInnen dieses Projektes hatten zum Teil den weiten Weg von Guatemala nach Hamburg auf sich genommen, um gegen die fatalen Auswirkungen von Monokulturen, Pestiziden und Konzerneinfluss auf die lokale Politik zu protestieren.

Der Protest, den BAYER nun von der „World's worst Company“ Monsanto geerbt hat, war abermals international. In 65 Städten gingen mehrere tausend Leute auf die Straße, um ein deutliches Zeichen zu setzen: Mit dem Verschwinden des „Monsanto“-Labels verschwinden nicht die unlauteren Geschäftspraktiken. Und auch nicht der Widerstand dagegen!

Die Abschlusskundgebung im Hamburger Park „Grüner Jäger“ eröffnete die CBG mit ihrem Redebeitrag. Wir berichteten von unserer Arbeit seit unserer Gründung im Jahr 1978 und gaben einen kleinen Einblick in den politischen Kampf, den wir mittels Dokumentation, Zusammenarbeit mit Betroffenen der Konzernpolitik, und Organisation von Widerstand führen. Selbstverständlich kommentierten wir auch die aktuelle Konzernpolitik. Wir widersprachen der BAYER-Lüge, dass die Übernahme allen Nutzen bringen würden und zeigten den wahren „Synergie-Effekt“ der Übernahme auf: Die Streichung von tausenden Arbeitsstellen aufgrund der abstürzenden BAYER-Aktie. Klar wurde herausgestellt: Die Fehler des Managements sollen nun den Beschäftigten aufgelastet werden. Unser wichtigster Punkt, mit dem wir die Rede schlossen, war herauszustellen, dass dies kein Zufall oder schlechtes Wirtschaften seitens BAYER war, sondern dass die Misere System hat. In einem Wirtschaftssystem, in dem Unternehmen gegeneinander um den höchsten Profit konkurrieren, haben nur die größten Player eine Chance, sich durchzusetzen. Der Überlebenskampf auf dem Markt drängt zu Monopolen hin. Wer die großindustrielle Landwirtschaft und deren fatale Auswirkungen für Mensch, Tier und Natur kritisiert, muss den Widerstand gegen den Kapitalismus organisieren.

[Abschlussbericht ] Presse-Information CBG 06.09.19

CBG Redaktion

Abschlussbericht zu den MONSANTO-Listen veröffentlicht

BAYER erhält den bestellten Persilschein

Erwartungsgemäß entlastet die von BAYER mit der Aufklärung des „Glyphosate Gate“-Skandals beauftragte Anwaltskanzlei SIDLEY AUSTIN die jetzige Tochter-Gesellschaft MONSANTO. Nach Ansicht der JuristInnen hat sich die millionen-schwere Aktion zur Beeinflussung von JournalistInnen und PolitikerInnen zugunsten einer Zulassungsverlängerung für das umstrittene Pestizid Glyphosat im rechtlichen Rahmen bewegt. Die von MONSANTO engagierte PR-Agentur FLEISHMAN HILLARD hat dem Rechtsanwaltsbüro zufolge nur öffentlich zugängliche Informationen zu den ins Visier genommenen Personen verwendet. „Keine ‚sensiblen’ Daten auf den Listen“, gibt der Leverkusener Multi Entwarnung.

Die der französischen Zeitung Le Monde von einem Whistleblower zugespielten Dokumente, die sehr wohl persönliche Angaben, etwa über Hobbys, enthielten, hat SIDLEY AUSTIN nicht finden können. Was nicht weiter verwundert: Die Kanzlei hatte nämlich keinen direkten Zugriff auf Dokumente von FLEISHMAN HILLARD, auch sprach sie nicht mit den damals involvierten Beschäftigten. Sie musste sich allein auf das Material stützen, das die PR-Agentur BAYER für die anberaumte Untersuchung zur Verfügung stellte. Darüber hinaus hatten die „AufklärerInnen“ nur noch die Möglichkeit, die Kommunikation zwischen MONSANTO und FLEISHMAN HILLARD einzusehen.

Auch konzentriert sich der Abschlussbericht allein auf diese Agentur. Die Arbeit anderer von MONSANTO angeheuerter „Beratungsfirmen“ wie etwa FTI oder HAKLUYT untersuchte der Report nicht. Insbesondere ignoriert er die Arbeitsteilung, die es beim „Aktionplan Glyphosat“ zwischen FLEISHMAN HILLARD und dem Subkontrator PUBLICIS gab. Während FLEISHMAN die Aufgabe zufiel, die öffentliche Sphäre zu überwachen, oblag es PUBLICIS, „Auskünfte und Informationen zu sammeln, die NICHT (Hervorhebung im Original) öffentlich zugänglich sind“, wie es in einem internen Memo hieß. Überdies erfasste SIDLEY AUSTIN nicht den gesamten Zeitrahmen der Aktivitäten. Obwohl der Agro-Konzern FLEISHMAN HILLARD bereits im Jahr 2014 engagiert hatte, beschäftigten sich die JuristInnen bloß mit ab 2016 eingeleiteten Maßnahmen.

Darüber hinaus beschränkt sich SIDLEY AUSTIN darauf, die Frage der Gewinnung von Daten im Hinblick auf eine eventuelle Verletzung von Persönlichkeitsrechten juristisch zu bewerten. Keinerlei Anstoß nimmt sie an dem gesamten Vorgehen und dem Umgang mit den PolitikerInnen. Wenn etwa die damalige französische Umweltministerin Ségolène Royal in den Listen als „null beeinflussbar“ geführt wird und dann die Arbeitsanweisung „isolieren“ erfolgt, so betrachtet das SIDLEY AUSTIN offenbar als „business as usual“ beim „stakeholder mapping“. Und Direktiven wie „Erreiche, dass sie in der sozialdemokratischen Partei für eine Erneuerung (der Glyphosat-Zulassung, Anm. CBG) wirbt“ bewegen sich für die RechtsanwältInnen offenbar ebenso im Rahmen wie Versuche, die damalige deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks über Parteimitglieder, die so „hochrangig wie möglich“ sein sollten, zu einer Meinungsänderung in Sachen „Glyphosat“ zu bewegen.

„BAYER hat einen Persilschein bestellt und den auch bekommen. Diese Aufklärung ist eine reine PR-Aktion und hat mit einer wirkliche Aufarbeitung nichts zu tun. Es ist absurd, die Aufklärung von Konzern-Verbrechen den Konzernen selbst zu überlassen“, so Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Gefragt wären vielmehr staatsanwaltliche Ermittlungen.“

Entschädigung

CBG Redaktion

17. Dezember 1999

Kritik an Unternehmen und Bundesregierung:

Entschädigung unzureichend

Kritische Aktionäre bezeichneten heute das abschließende Angebot zur Entschädigung überlebender Sklavenarbeiter als ”völlig unzureichend”. Sowohl die niedrige Summe als auch die fehlende Entschuldigung seitens der deutschen Konzerne stoßen auf Unverständnis. Kritisiert wird, dass die beteiligten Unternehmen nach Abzug aller Steuern lediglich ein Viertel aller Kosten übernehmen und dass zahlreiche Betriebe der Stiftung fernbleiben.

Axel Köhler Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren: ”Das Verhalten der Industrie ist beschämend. Die Opfer brutalster Ausbeutung wurden zu Bittstellern degradiert.” Die Unternehmen hätten ihre Verantwortung jahrzehntelang geleugnet und letztlich nur auf wirtschaftlichen Druck reagiert, ohne eine moralische Verpflichtung anzuerkennen. ”Die Konzerne haben vom Krieg profitiert. Sie sollten ihre Schuld eingestehen und ein würdiges Zeichen setzen.” Köhler-Schnura kritisiert auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit seinem parteiischen Verhalten die Firmen zu ihrem zögerlichen Verhalten ermuntert hat.

Die CBG dokumentiert seit 15 Jahren die Geschichte der Chemischen Industrie im Dritten Reich und hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema vorgelegt. Der Verein setzt sich für eine gerechte Entschädigung von Zwangsarbeitern und Hinterbliebenen, für eine Entschuldigung der beteiligten Unternehmen und für eine Auflösung der IG Farben in Liquidation ein. Vertreter der Gruppe kamen kürzlich in den USA mit Betroffenen und ihren Anwälten zusammen.

Bhopal

CBG Redaktion

30. November 1999

15 Jahre Chemie-Katastrophe in Bhopal:

Verletzung von Menschenrechten durch die Chemische Industrie

Amerikanische und deutsche Initiativen veröffentlichen anläßlich des 15. Jahrestags der Katastrophe von Bhopal/Indien die Studie “Beyond the Chemical Century: Restoring Human Rights”. Mit Hilfe von sieben Fallstudien wird aufgezeigt, wie Chemie-Konzerne die Umwelt verseuchen, demokratische Strukturen attackieren und Risiken verschweigen. Schwerpunkt der Studie ist die Mißachtung von Menschenrechten in allen Teilen der Welt.
Die Untersuchung soll eine Diskussion über die Kontrolle der chemischen Industrie initiieren. Behandelt werden u.a. die Themen Internationaler Giftmüll-Handel, Zerstörung der Ozonschicht, Gentechnik und Hormonelle Wirkungen von Chemikalien. Ein eigenes Kapitel dokumentiert die grausamen Menschenversuche, die im Dritten Reich im Auftrag der IG Farben durchgeführt wurden. Herausgeber der Studie sind die Organisationen Pestizid Aktions Netzwerk USA, Bhopal Action and Resource Center und Environmental Health Fund. Auf deutscher Seite tritt die Coordination gegen BAYER-Gefahren an die Öffentlichkeit.
In der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1984 strömte Methyl Isocyanat aus einer Fabrik des Unternehmens Union Carbide in Bhopal. Bis heute starben mindestens 16.000 Menschen an den Folgen, eine halbe Million Menschen erlitt Gesundheits-Schäden. Die Opfer wurden von Union Carbide nie entschädigt, die medizinische Versorgung vor Ort ist ungenügend.

Entschädigung

CBG Redaktion

4. November 1999

Treffen von deutschen und amerikanischen Initiativen:

Forderung nach gerechter Entschädigung

Deutsche und amerikanische Initiativen fordern eine angemessene Entschädigung von Zwangsarbeitern und ihren Hinterbliebenen. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren und Hans Frankenthal vom Auschwitz Komitee reisen morgen anlässlich der Verhandlungen zwischen Anwälten und deutschen Unternehmen in die USA. Auf Einladung jüdischer Gemeinden werden sie am Sonntag auf einer Konferenz in Pittsburgh ihre Forderungen vorbringen. Danach kommen sie mit Anwälten von IG Farben-Opfern zusammen.
Philipp Mimkes: “Der Bayer-Konzern darf sich nicht aus seiner Geschichte stehlen. Den Zwangsarbeitern müssen zumindest ihre bis heute ausstehenden Löhne ausgezahlt werden.” Mimkes fordert die Unternehmen auf, ihr Entschädigungsangebot deutlich zu erhöhen und gegenüber allen Opfern eine Entschuldigung auszusprechen. Mimkes weiter: “Bayer soll alle Archive öffnen und seine Geschichte von unabhängigen Historikern aufarbeiten lassen.”
Der Vorsitzende der amerikanischen Bayer-Niederlassung, Helge Wehmeier, sprach auf Druck der US-Öffentlichkeit eine “tiefe Entschuldigung dafür aus, was mein Land und die IG Farben Millionen von Opfern angetan haben”. In Deutschland hingegen leugnet der Konzern jegliche Verantwortung und verweigert bis heute eine Entschuldigung.
In Pittsburgh werden Mimkes, Frankenthal und die Organisation Committee for Appropriate Acknowledgment eine neue Öffentlichkeits-Kampagne vorstellen, Pittsburgh ist der Sitz der amerikanischen Bayer-Niederlassung. Der Bayer-Konzern war als Teil der IG Farben verantwortlich für Sklavenarbeit und grausame “medizinische Experimente”. Hans Frankenthal überlebte zwei Jahre Zwangsarbeit im IG Farben-Werk Auschwitz. Die jüdische Organisation B´nai B´rith, die den Bayer-Konzern mit ganzseitigen Anzeigen in der New York Times attackierte, unterstützt die gemeinsame Aktion.
Zur selben Zeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in Frankfurt gegen ein Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Axel Köhler-Schnura hatte im Vorjahr mit 10 weiteren Demonstranten das Büro der IG Farben in Liquidation in Frankfurt besetzt. Die friedlichen Besetzer wollten der Forderung nach gerechter Entschädigung Nachdruck verleihen.

Carl Duisberg

CBG Redaktion

02. November 1999

Carl Duisberg: Ein verbrecherisches Genie

- 50 Jahre Carl Duisberg Gesellschaft -

Am 02. November 1999 begeht die Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) im Bundeshaus/Bonn ihren 50. Jahrestag. Festredner sind der Bundespräsident und mehrere Minister etc.
Die COORDINATION GEGEN BAYER (CBG) fordert anläßlich dieses Termins die Streichung des Namens der Gesellschaft. Axel Köhler-Schnura, Vorstand CBG:
“Es ist unerträglich, dass die CDG nach einem Mann benannt ist, dessen Name sich mit einem für die gesamte Menschheit verhängnisvollen Lebenswerk und auch mit schwersten Kriegsverbrechen verbindet.”
Carl Duisberg (geb. 1861) war ab 1912 Generaldirektor der BAYER AG. Unter anderem war er persönlich verantwortlich bzw. maßgeblich mitverantwortlich
* für Entwicklung und Einsatz der weltweit ersten chemischen Waffen;
* für Mit-Planung und Betreiben des Ersten Weltkriegs (Duisberg mußte sogar als gesuchter Kriegsverbrecher in die Schweiz flüchten und die die Todesstrafe fürchten, BAYER wurde in weiten Teilen der Erde enteignet);
* für das System der “Zwangsarbeit”, das er in einer Denkschrift “erfand” und bei BAYER erstmals umsetzte;
* für HEROIN, das von BAYER als Hustenmittel auf den Markt gebracht und trotz entsprechender Forderungen u.a. der WHO nicht vom Markt genommen wurde;
* für die Errichtung des Hitlerfaschismus, den er umfangreich förderte.

Aspirin

CBG Redaktion

25. Juni 1999

New England Journal of Medicine warnt:

Tödliche ASPIRIN-Nebenwirkungen

Nach einer Untersuchung der Boston University School of Medicine sterben jährlich 16.500 AmerikanerInnen an Magenblutungen, die durch ASPIRIN und ähnliche Schmerzmittel verursacht werden. Über 100.000 Betroffene müssen stationär behandelt werden. Damit gehören ASPIRIN-Nebenwirkungen zu den 15 häufigsten Todesarten in den USA, die Zahl ihrer Opfer ist ebenso hoch wie die von AIDS (16.685 HIV-Tote 1997). Trotzdem geht der rezeptfreie Verkauf weiter - allein in den USA gehen jährlich 30 Milliarden Tabletten über die Ladentheken.

Einhundert Jahre ist es her, dass Felix Hoffmann in den BAYER-Laboren erstmals Azetylsalizylsäure synthetisierte – der Siegeszug von ASPIRIN konnte beginnen. Erst vierzig Jahre nach der Entdeckung wurde die wichtigste Nebenwirkung des ”Tausendsassas” offenbar: Magenblutungen. Weitere Risiken, die von einem überhöhten Schmerzmittelgebrauch ausgehen, sind Nierenschäden und Magengeschwüre. Obwohl Hunderte von Studien die Nebenwirkungen von Schmerzmitteln untersucht haben und obwohl für die meisten Anwendungen harmlosere Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, herrscht bis heute bei ÄrztInnen und PatientInnen ein mangelndes Risikobewußtsein vor.
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Untersuchung kritisiert, dass 75% aller Patienten, die regelmäßig ASPIRIN einnehmen, die Risiken des Schmerzmittel-Gebrauchs nicht kennen oder ignorieren. Dabei entwickeln sich bei 13 von 1.000 Patienten, die ASPIRIN über einen Zeitraum von einem Jahr verwenden, schwerwiegende Magenbeschwerden. Bis zu 10% der Fälle verlaufen tödlich.
13 Millionen AmerikanerInnen nehmen regelmäßig ASPIRIN oder ähnliche Mittel. Mindestens 103.000 PatientInnen müssen daraufhin in Krankenhäusern behandelt werden, die Kosten für die Volkswirtschaft belaufen sich hierfür auf 2 Mrd. Dollar. Die Bostoner Arbeitsgruppe berechnet, dass mindestens 16.500 Menschen jährlich an den Folgewirkungen sterben – ebenso viele wie an der Immunschwäche AIDS. Da jedoch die Zahl der Schmerzmittel-Opfer in Statistiken normalerweise nicht einzeln aufgeführt wird, nimmt die Öffentlichkeit die Gefahren kaum wahr, obwohl ASPIRIN-Nebenwirkungen dreimal so viele Todesfälle verursachen wie beispielsweise Asthma-Erkrankungen. Die Autoren der Studie sprechen daher von einer ”geräuschlosen Epidemie”.
Azetysalizylsäure wird von den Herstellern breit angepriesen: gegen Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. Bücher wie Michael Castlemans ”Jeden Tag ein ASPIRIN” fördern den unsinnigen routinemäßigen Gebrauch und suggerieren, dass auch gesunde Menschen Azetylsalizylsäure regelmäßig einnehmen sollten. Der Pharmariese BAYER, der jährlich 11 Milliarden ASPIRIN-Tabletten verkauft und dabei 850 Millionen Mark umsetzt, lobt Forschungspreise wie den ”International ASPIRIN Award” aus, um neue Anwendungsbereiche für das Produkt zu erschließen. Dieses Vorgehen verspricht Gewinne ohne Investitionsrisiko: Die Vertriebswege bestehen und die Hersteller benötigen keine neuen Produktionsanlagen und Zulassungen. Die zahlreichen Studien zu Azetylsalizylsäure müssen daher kritisch daraufhin untersucht werden, ob sie nicht gewinnversprechende (Schein-) Indikationen schaffen sollen.
Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft weist darauf hin, dass Schmerzmittel tief in den biochemischen Haushalt des Körpers eingreifen und Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre verursachen können. Die Ärzte haben es jedoch schwer, sich durch das Trommelfeuer der Werbung hindurch Gehör zu verschaffen. BAYER wirbt seit Jahren nicht nur für die Behandlung von Erkältungen mit ASPIRIN (was medizinisch völlig unsinnig ist, da Viren nicht einmal auf Antibiotika ansprechen), sondern auch für ihre Prophylaxe: In einer Anzeigenserie wälzten sich gar sexy Nackedeis im Schnee. Höhepunkt der Kampagne: die Verkleidung des BAYER-Hauptsitzes in eine gigantische ASPIRIN-Schachtel im Frühjahr diesen Jahres.

IG FARBEN!

CBG Redaktion

22. Februar 1999

Kein Neuanfang für IG FARBEN!

IG FARBEN sofort auflösen! Opfer endlich entschädigen!

Die IG FARBEN beabsichtigt, am 25. März 1999 in Frankfurt ihre Hauptversammlung durchzuführen. Auf der Tagesordnung steht die „Einrichtung einer Stiftung“, die Firma spricht von einem „Neuanfang“.
Der Sprecher der Kampagne ‚Nie wieder!‘, Axel Köhler-Schnura: “Für die IG FARBEN kann es keinen Neuanfang geben. Es ist eine Verhöhnung der Opfer und ihrer Angehörigen, daß die Reichsmark-Aktien dieser Gesellschaft noch immer - nun sogar mit einem Euro-Wechselkurs - an der Börse gehandelt werden! Für diesen Blutkonzern gibt es nur eine akzeptable Handlungsmöglichkeit: Sofortige Auflösung und Verwendung des gesamten Vermögens für Entschädigungsleistungen.„
Die gegen die IG FARBEN und die Nachfolge-Gesellschaften BAYER und BASF anhängigen Klagen zeigen, daß es auch mit Stiftungen keinen “Schlußstrich„ geben kann. Kritiker befürchten, dass die geplante Stiftung von der Schuld der Gesellschaft ablenken und eine umfassende Entschädigung verhindern soll. Außerdem wird kritisiert, daß die stadteigenen Firmen AUFBAU AG und SAALBAU GMBH der IG FARBEN Büroräume und Versammlungsräume vermieten.
Die IG FARBEN ist in die Verbrechen der Nazis verstrickt wie keine andere Gesellschaft in Deutschland, deshalb wurde sie 1949 in Nürnberg zur Auflösung verurteilt. Das Unternehmen unterhielt in Auschwitz/Monowitz ein eigenes Konzentrationslager, in dem über 30.000 Menschen vernichtet wurden und lieferte das ZYKLON B für die Gaskammern.
Die die Kampagne ‚Nie wieder!‘ unterstützenden ca. 2'000 Organisationen und Einzelpersonen fordern:
* Kein “Neuanfang„ für IG FARBEN! Die IG FARBEN i.A. muß ihre Geschäfte sofort beenden, der Handel mit diesen “Blut-Aktien" muß unterbunden werden.
* Die Hauptversammlung der IG FARBEN am 25. März 1999 in Frankfurt (Bergen-Enkheim), Stadthalle Bergen, Marktstr. 15 darf nicht stattfinden!
* Die angemessene Entschädigung aller IG FARBEN-ZwangsarbeiterInnen und ihrer Hinterbliebenen durch die IG FARBEN sowie die Nachfolgefirmen muß endlich erfolgen.
* Die IG FARBEN und die Nachfolgefirmen müssen die Finanzierung und den Erhalt der die IG FARBEN betreffenden Gedenkstätten Auschwitz und Schwarzheide sicherstellen.
* Die IG FARBEN und die Nachfolger müssen freien Zugang zu ihren Archiven gewähren.
Weitere Informationen senden wir Ihnen gerne zu!