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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000

[In Aktion] MONSANTO-Braut und Glypho-SATAN besuchen BAYER

CBG Redaktion

Am 31. Januar wollte das Unternehmen MONSANTO auf seiner Hauptversammlung weitere Vorbereitungen zur Elefanten-Hochzeit mit BAYER treffen. Das „Stopp BAYER/MONSANTO!“-Bündnis nahm das zum Anlass, dem Leverkusener Multi schon einmal die Braut zu präsentieren. Aus Sicherheitsgründen war dazu ein Feuerwehr-Einsatz nötig, denn die Auserkorene hatte gleich ihre Mit-Gift dabei: das laut WHO „wahrscheinlich krebserregende“ Glyphosat, das berühmt-berüchtigte Agent Orange und das Baumwoll-Saatgut, das in Indien so viele LandwirtInnen in den Tod treibt.

Für BAYER trübt das die Anziehungskraft nicht. Im Gegenteil: Der Global Player erkennt darin eine Wahlverwandtschaft, steht es mit seinem Lebenswandel doch ebenfalls nicht zum Besten. Die rund 40 AktivistInnen verwiesen darauf symbolisch, indem sie vor der Konzern-Zentrale die letzte Biene zu Grabe trugen, niedergestreckt durch Pestizide des deutschen Agro-Konzerns.

Auch der Trauzeuge stellte sich bereits vor. Für diesen Posten hatte sich Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Brüssel durch seine Zustimmung zur Glyphosat-Zulassungsverlängerung qualifiziert, die dem Paar in spe die Aussicht auf eine noch praller gefüllte Familien-Kasse eröffnete. Dezent im Hintergrund hielt sich hingegen der von Friedrich Merz vertretende Heiratsvermittler BLACKROCK, der die Partnerschaft mit eingefädelt hatte, da für ihn die Summe immer mehr ist als die einzelnen Teile. Der Vermögensverwalter besitzt nämlich große Aktien-Pakete sowohl von BAYER als auch von MONSANTO, und hat deshalb nichts von einer Konkurrenz der beiden, aber viel von einem Zusammenwachsen, denn BAYSANTO kann mit seiner Marktmacht die Preise und damit auch die Profite in die Höhe treiben.

Zur Feier des Tages zeigte der Leverkusener Multi entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten sogar etwas guten Willen und nahm die Mit-Gift entgegen. Seinen Öffentlichkeitsarbeiter Hans-Bernd Schmitz von der Abteilung für „Corporate Policy and Media Relations“ hatte er für diesen Job ausersehen. Aber so sehr er sich mit seinen rhetorischen Wiederbelebungsversuchen auch mühte: Die tote Biene mochte er partout nicht wieder zum Leben zu erwecken. Ebenso erfolglos blieb sein Bemühen, die Mit-Gift durch Besprechen einer Gesundungskur zu unterwerfen. Und das Geschenk, das er der Hochzeitsgesellschaft überbrachte, war auch nicht dazu angetan, heilend zu wirken: Eine Märchen-Sammlung im „Fakten statt Vorurteile“-Gewand, die Fabulöses über die segensreiche Kraft des agro-industriellen Komplexes für die ganze Menschheit enthielt.

Aus dem Reich der Phantasie mit seinen guten deutschen und bösen US-amerikanische Konzernen und Unternehmen, deren Mission die wundersame Brotvermehrung ist, leitete Jens Wegener von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN in seinem Schluss-Statement wieder in die harte Wirklichkeit über. Er ließ keinen Zweifel daran, dass sich hier die Richtigen gefunden hätten, sollte die Transaktion gelingen. „Dass die Fusion gestoppt wird“, weil die Vermählung von BAYER und MONSANTO die katastrophalen Folgen der vorehelichen Geschäftspraktiken noch zu potenzieren droht, forderte er aus diesem Grund.

Und nach dem gelungenen Protest-Auftakt im neuen Jahr gab sich das „Stopp BAYER/MONSANTO!“-Bündnis, dem unter anderem ImkerInnen, VertreterInnen von ATTAC, FIAN, der ÖkolandwirtInnen-Vereinigung IFOAM, der KRITISCHEN AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE, der PAPPNASEN ROTSCHWARZ und anderer Gruppen angehören, auch zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.

[CBG in Aktion] CBG auf „Wir haben es satt“-Demo

CBG Redaktion

Mit über 30.000 Menschen hatte die „Wir haben es satt“-Demonstration weit mehr Zulauf als im vergangenen Jahr. Die TeilnehmerInnen, die am 20. Januar nach Berlin kamen, unterstrichen damit noch einmal die Dringlichkeit einer Landwende. Sie traten ein für eine Landwirtschaft, die ohne Glyphosat & Co., Massentierhaltung, Antibiotika wie BAYERs BAYTRIL, Land-Konzentration, Export-Orientierung und – last but not least – BAYSANTO auskommt. „Wir wollen, dass Demokratie sich gegen Konzern-Macht durchsetzt, weltweit“, hieß es in einer politischen Erklärung der Veranstalter. „Dämmen Sie die Markt-Konzentration von Großunternehmen ein, weil diese die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung und eine positive ländliche Entwicklung bedroht“, forderten sie deshalb von den PolitikerInnen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) setzte das Thema in Berlin ebenfalls auf die Tagesordnung. „Stopp BAYER/MONSANTO“ war der Aufruf überschrieben, den CBG-AktivistInnen auf der ganzen Strecke zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor verteilten. Er stieß auf so viel positive Resonanz, dass die Demo-Delegation am Samstag Abend mit viel Rückenwind für die Kampagne aus der Hauptstadt zurückkehren konnte.

Unser Aufruf zur „Stopp BAYER/MONSANTO“-Kampagne im PDF-Format

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[Dr. Beate Kirk] Hauptversammlung 2017

CBG Redaktion

Dr. Beate Kirk (Apothekerin) Gefahren der Hormonspirale MIRENA

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Beate Kirk und ich spreche zum Thema Mirena®. Diese auf 5 Jahre konzipierte Hormonspirale enthält das Gestagen Levonorgestrel als einzigen Inhaltsstoff und wird hergestellt und vertrieben von der Fa. Jenapharm, einer 100%igen Tochterfirma des Bayer Konzerns.
Bis 2008 habe ich als Apothekerin gearbeitet und auch heute und in Zukunft möchte ich dazu beitragen, dass Menschen vor schädlichen Arzneimitteln gewarnt werden. Ich wurde 1998 mit einer pharmaziehistorischen Dissertation zum Contergan-Fall promoviert, daher bin ich mit Arzneimittelskandalen vertraut, übrigens auch mit dem „Fall Duogynon“. Vom negativen Kosten-Risiko-Verhältnis der Hormonspirale Mirena® bin ich überzeugt. Ich habe in den sozialen Netzwerken zahlreiche Frauen kennengelernt, bei denen die Hormonspirale Mirena® wie auch bei mir selbst zu schweren Gesundheitsschäden geführt hat. Die Nebenwirkungen kommen schleichend und der kausale Zusammenhang wird meist nicht erkannt. Ich selbst habe 15 Jahre mit der Hormonspirale verhütet. Dann habe ich Anfang Oktober 2015 infolge eines Frauenarztbesuches die Begriffe Mirena® und Nebenwirkungen gegoogelt und mir am nächsten Morgen die Hormonspirale ziehen lassen. Heute weiß ich: Für meine Psyche war die Verwendung der Mirena® eine Katastrophe. Wie viele andere Frauen litt ich unter der Hormonspirale an heftigen Depressionen und Stimmungsschwankungen, weder Antidepressiva noch Gesprächstherapie halfen. Ich hatte über 5 Jahre einen extremen Dauerhusten, Magenspiegelungen, Allergietests, Check in einer Klinik für Lungenkrankheiten brachten kein Ergebnis. Eine Woche nach dem Ziehen der Mirena® war der Hustenreiz verschwunden. Auch andere körperliche Probleme, die ich hier nicht schildern möchte, besserten sich, psychisch geht es mir viel besser, aber „Die Alte“ werde ich in diesem Leben nicht mehr. 15 Jahre Mirena® haben mich auf Dauer geschädigt und massiv zu meiner Berufsunfähigkeit beigetragen. Die Kausalität zwischen dem Levonorgestrel-Input durch die Mirena® und meinen Gesundheitsproblemen wurde mir erst im Rückblick klar, ist aber eindeutig.

Hoffentlich hat eine der in Deutschland betroffenen Frauen die Kraft und den Mut, „im Fall der Hormonspirale Mirena®“vor Gericht zu gehen und für eine Entschädigung zu kämpfen. In den USA wurden bis März 2016 über 3500 Klagen in dieser Sache gegen den Bayer-Konzern eingereicht. Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtete hierüber am 16. März 2016, weiter heißt es, Zitat: „Die Frauen verlangen Schaden- und Strafschadenersatz. Mit weiteren Klagen sei zu rechnen, teilt Bayer mit. Auch in diesem Fall habe der Konzern finanziell vorgesorgt. So hat Bayer 2013 unter anderem Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe für erwartete Verteidigungskosten gebildet.“ Zitatende.

Insgesamt habe ich die folgenden drei Fragen an die Damen und Herren des Vorstandes:
1. Frage:
Welche finanziellen Entschädigungen planen Sie für die deutschen und die europäischen geschädigten Frauen? Allein in den deutschsprachigen Mirena®-Selbsthilfegruppen bei Facebook gibt es zur Zeit ca. 3000 Mitglieder. Gesundheit ist bekanntlich ein unbezahlbares Gut. Dennoch würde es mich interessieren, wie hoch Sie meine persönliche Gesundheit veranschlagen. Ich und auch meine Familie haben massiv unter Ihrem mangelhaften Produkt gelitten.

2. Frage:
Diese Frage betrifft die angeblich „lokale“ Wirkung der Hormonspirale Mirena®. Es mag sein, dass irgendwann mal bei Jenapharm/Bayer wirklich geglaubt wurde, man hätte ein galenisches Wunderwerk geschaffen und eine hauptsächlich lokale Wirkung wäre möglich. Das ist aber längst widerlegt. 2007 wurde im Einvernehmen mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte der Beipackzettel geändert, das Brustkrebsrisiko unter der Mirena® wird heute als ebenso hoch wie das unter oralen Kontrazeptiva eingeschätzt. Wie soll der Wirkstoff das Brustgewebe erreichen wenn nicht über den Blutkreislauf? Viele Frauen berichten in Internetforen darüber, dass die Frauenärzte von einer lokalen Wirkung der Mirena® ausgehen. Meine Frage an den Vorstand: Welche Informationen vermitteln die Pharmareferenten der Fa. Jenapharm/Bayer den Frauenärztinnen und Gynäkologen? Ich als Apothekerin bin wirklich entsetzt, wie hartnäckig sich die Mär von der lokalen Wirkung hält.

3. Frage:
Wieso enthalten die Gebrauchsanweisungen der Mirena® Hormonspirale in den verschiedenen Vertriebsländern derartig unterschiedliche Aussagen? Was wirklich skandalös ist, ist das Fehlen von psychiatrischen KontraIndikationen in der deutschen Gebrauchsanweisung. In der kanadischen Patienteninformation werden Frauen mit einer „history of depression“ vor der Hormonspirale Mirena® gewarnt. Wenn in Kanada unter der Mirena® eine Depression auftritt, soll dort die Hormonspirale entfernt werden. Die deutschen Frauen sind anscheinend nicht so empfindlich, denn in deutschsprachigen Gebrauchsanweisungen wird auf derartige Warnungen vollständig verzichtet. Warum? Sie könnten vielen Frauen so großes Leid ersparen, warum tun Sie dies nicht? Ich selbst habe mich darauf verlassen, dass die Fa. Bayer ein verantwortungsvolles vertrauenswürdiges Unternehmen der Pharmazeutischen Industrie ist. Heute beurteile ich Bayer ganz anders.

Sehr geehrter Herr Baumann,
auch bei den Zulassungsbehörden in Bonn und London wird man langsam wach: Per Signalverfahren hat sich die Europäische Arzneimittelagentur an Bayer gewandt. Eine Stellungnahme zu Berichten über, ich zitiere „Angstgefühl, Panikattacken, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Rastlosigkeit“ infolge der Verwendung der levonorgestrelhaltigen Interuterinpessare wurde bis zum 06.04.2017 angefordert. Die bisherige Vertuschungspraxis scheint nicht länger aufzugehen, das wird auch wirtschaftliche Folgen haben. In der heutigen Zeit ist es selbst einem mächtigen Pharmakonzern nicht mehr gestattet, so mit Frauen umzugehen. Was mich betrifft: ich werde nicht rasten noch ruhen, um andere Frauen vor den Hormonspiralen der Mirena®Produktfamilie zu warnen. Ich hoffe sehr, dass die Hormonspiralen Mirena®, Jaydess® und die neue Kyleena® in absehbarer Zeit nur noch von pharmaziehistorischem Interesse sind und statt in der Gebärmutter in einer Vitrine im deutschen Apothekenmuseum ihren Platz finden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

[Xarelto] Der Wind wird rauer

CBG Redaktion

Prozessniederlage für BAYER

Xarelto gehört zu den wichtigsten Arzneimitteln aus dem Hause BAYER. Die Erfolge des Präparates werden regelmäßig vom Konzern gefeiert, doch nun hat eine US-Amerikanerin dem Leverkusener Chemie-Multi eine herbe Niederlage bereitet.

Schon seit Längerem klagen in den USA tausende von Menschen gegen BAYER und sein Produkt Xarelto. Der Vorwurf lautet, dass der BAYER-Blockbuster zu erheblichen Nebenwirkungen führt. BAYER selbst hat dies immer wieder bestritten, doch nun gab ein Gericht in den USA einer Frau Recht und verurteilte den Konzern zu einem Schadensersatz von 28 Millionen Dollar.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hat immer wieder auf die verheerenden Nebenwirkungen der Arznei hingewiesen. Neben Blutungen und Leber-Schädigungen gehören auch das „Stevens-Johnson-Syndrom“ (Hauterkrankung) und die Agranulozytose (Bluterkrankung) dazu . Und viele dieser unerwünschten Pharma-Effekte führen zum Tod. Wurden 2012 „bloß“ 58 Todesfälle beim „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) durch die behandelnden Ärzte gemeldet, stieg die Zahl schon 2013 auf 133, 2015 weiter auf 176 bevor sie dann 2016 auf 117 Todesfälle abfiel. Neben diesen Todesfällen kam es im letzten Jahr überdies zu 1.449 Meldungen über Nebenwirkungen in Deutschland. Schon 2013 schrieben wir: „Und so dürfte der Umsatz mit dem Gerinnungshemmer ebenso weiter zunehmen wie die Todesfälle und schweren Blutungen, ohne dass die hiesigen Aufsichtsbehörden daran Anstoß nehmen. Nur aus dem Ausland droht Ungemach.“ Das wir damit Recht hatten, zeigen nicht nur die gestiegenen Todesfälle, sondern auch die Entscheidung des Gerichts in Philadelphia.
Dennoch wird der Konzern dieses Urteil selbstverständlich nicht akzeptieren und in Berufung gehen, denn es ist mit weiterem Ungemach zu rechnen. Insgesamt liegen 20.500 Klagen bei US-Gerichten vor (Stand: 12.Oktober 2017), und in Kanada bahnen sich ebenfalls schon juristische Auseinandersetzungen an. Eine Niederlagen-Serie würde eine weitere Bedrohung für das BAYER-Image bedeuten, welches durch den geplanten Kauf von MONSANTO schon jetzt schwer gelitten hat. Auch die Börse hat auf die Prozess-Entscheidung reagiert und den Kurs der BAYER-Aktie auf ihren tiefsten Stand seit August gedrückt.

Für den Konzern steht damit das Schicksal eines seiner profitabelsten Produkte auf dem Spiel. Für 2017 rechnet der Pharma-Riese mit einem Erlös von 3,36 Milliarden Euro errechnet, für 2020 soll dieser auf 4,85 Milliarden Euro steigen. Eine Prozessniederlagen-Serie dürfte diesem Geldregen aber im Weg stehen. Dabei hatte Landwirtschaftsminister Schmidt gerade erst für gute Nachrichten für den Konzern gesorgt. Sein Ja zu Glyphosat dürfte in Leverkusen zu Freudentänzen geführt haben, die Nachricht aus Philadelphia dürfte diese Stimmung vorübergehend wieder etwas getrübt haben.

Zudem sorgt der Konzern im Zusammenhang mit Xarelto auch selber immer wieder für andere Schlagzeilen. So hat der Global Player in Japan eine Rüge wegen ethisch fragwürdigen Praktiken erhalten. BAYERs Marketing-Abteilung hatte sich Zugang zu über 200 PatientInnen-Daten verschafft und diese für eine Xarelto-Werbung genutzt. Die Einwilligung der PatientInnen hatte sie aber im Vorfeld nicht eingeholt. Ein Whistleblower packte aus und gab an, auf Anweisung von oben gehandelt zu haben. Natürlich wies der Konzern jede Kritik an seiner Führungsebene zurück, ansonsten aber versprach er Besserung. Dennoch zeigt auch dieses Beispiel, dass der Leverkusener Multi nur dann seine zweifelhaften Methoden einstellt, wenn er erwischt wird. Außerdem macht dieses Beispiel auch deutlich, dass BAYER zu allem bereit ist, um seinen Blockbuster Xarelto zu vermarkten. Die Entscheidung des Gerichts dürfte also eine bittere Pille für den Konzern sein.

Auch aus diesem Grund begrüßt die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN die Entscheidung aus den USA. Wir hoffen, dass auch höhere Instanzen das Urteil bestätigen und so den Schutz von PatientInnen vor den Schutz von Konzernprofiten stellt.

Über 4.000 gegen BAYERs Giftmüll

CBG Redaktion

Am Samstag, 18. November folgten über 4.000 Menschen dem Aufruf „Auf die Straße für Leverkusen! – gegen die Öffnung der Giftmüll-Deponie!“, den Fußballfans des Bundesligisten BAYER 04 Leverkusen und die Bürgerinitiative „LEV muss leben“ initiert hatten. Die DemonstrantInnen setzten damit ein deutliches Zeichen gegen den geplanten Ausbau der A1, in dessen Zuge der Landesbetrieb Straßenbau BAYERs altes Giftgrab wieder öffnen will.

[BaySanto] MONSANTO-Übernahme

CBG Redaktion

MONSANTO-Übernahme – Gesundheit spielt keine Rolle

Die EU genehmigte BAYERs MONSANTO-Übernahme vorerst nicht. Stattdessen kündigte die Kommission am 22. August wie erwartet eine vertiefte Prüfung an. Allzu tief dürfte die jedoch nicht gehen. Die Generaldirektion Wettbewerb will nämlich nur Wettbewerbsfragen klären. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN und andere Initiativen hatten dagegen in zahlreichen Offenen Briefen gefordert, in dem Verfahren auch andere Risiken und Nebenwirkungen des Deals zu berücksichtigen. Dem erteilte die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager allerdings eine Absage. „Auch wenn diese Bedenken sehr wichtig sind, bilden sie nicht die Grundlage für ein Fusionskontrollverfahren“, antwortete sie den Organisationen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen vielmehr die Auswirkungen auf Preise, Qualität, Auswahl und Innovation. Dies macht einmal mehr deutlich, dass die EU-Instanzen nicht im Interesse der BürgerInnen arbeiten, sondern lediglich im Interesse von Konzernen.

Tatsächlich stellt die Übernahme eine immense Bedrohung für Mensch und Umwelt dar. BAYER würde zum größten Player in den Bereichen „Saatgut“ und „Pestiziden“ aufsteigen. Dies birgt zwei große Gefahren in sich. Erstens würde BAYER den Markt der Pestizide dominieren. Der Konzern könnte so die Preise bestimmen und den LandwirtInnen überdies die Auswahl erschweren. Dabei stehen Pestizide immer wieder im Verdacht, verheerende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Tierwelt auszuüben. Glyphosat etwa wird von vielen unabhängigen Studien als krebserregend eingestuft. Bauern und Bäuerinnen in Argentinien berichten überdies darüber, dass die Pflanzen, die mit Glyphosat besprüht wurden, immer mehr von dem Pestizid benötigen, weil sich die Unkräuter zunehmend auf die Chemikalie einstellen. Am Ende stehen zerstörte Böden und eine zerstörte Fauna.
Die zweite Bedrohung stellt genmanipuliertes Saatgut dar. Wenn künftig der größte Gentech-Konzern der Welt in Europa seinen Stammsitz hat, steigt der Druck auf Brüssel, mehr Anbau-Genehmigungen zu erteilen. Für die entsprechenden Produkteinführungskampagnen bemüht der Vorstandsvorsitzende der BAYER AG zynischer Weise das Schreckgespenst der zunehmenden Weltbevölkerung. „Das Unternehmen kann einen Beitrag dazu leisten, die Ernährung der Menschheit zu sichern.“ Zerstörte Böden, Insektensterben, Vertreibung von Kleinbauern und -bäuerinnen in der Dritten Welt sprechen eine andere Sprache. Dem Konzern geht es um die Monopolstellung und die dadurch möglichen Extra-Renditen für die Großaktionäre.

Eine andere Frage, die in der Öffentlichkeit fast gar keine Berücksichtigung findet, ist diejenige, wie es mit den Angestellten der Konzerne weitergeht. In der Vergangenheit hatten Übernahmen immer zu Arbeitsplatz-Vernichtungen geführt. Welche Folgen kommen also auf die Beschäftigten von BAYER und Monsanto zu? Auch diese Frage hat sich die EU zu stellen.

Es steht also zu befürchten, dass die Übernahme durchgeht, da die Interessen der Menschen nicht im Mittelpunkt der EU-Kommissarin stehen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hält es aus diesem Grund für unerlässlich, dass Konzerne wie BAYER unter gesellschaftliche Kontrolle gestellt werden, damit ein Schutz von Mensch, Tier und Umwelt gewährleistet werden kann.

Wenn die EU auch nur ansatzweise die Interessen der in Europa lebenden Menschen ernst nehmen würde, dann müsste sie unserer Forderung folgen.

(Zitate stammen aus der Ausgabe des Kölner Stadt Anzeigers vom 24.08.17, Seite 13)

[NBFA] Gegen die Fusion von BAYER mit Monsanto

CBG Redaktion

National Black Farmers Association (NBFA) gegen die Bayer-Monsanto Fusion

Anbei veröffentlichen wir die Pressemitteilung der National Black Farmers Association (NBFA)

Farmers Ramp Up Campaign Against Bayer Takeover of Monsanto

The National Black Farmers Association (NBFA) last week said it plans to bring an injunction against Bayer to stop the German corporation’s $66 billion acquisition of Monsanto. The announcement comes as farmers and antitrust advocates across the country organize against the looming merger of the two agrochemical giants, which they say would have dire consequences for both conventional and organic farmers.

Dr. John Boyd, the president of the NBFA, has been a leading critic of the merger, one of a series of deals that would concentrate control of the seed and agrochemical industry into the hands of just three multinational companies. “These types of mergers take away all the innovation and competitiveness among companies,” he says. Many experts expect the merger will lead to higher prices for seeds and other inputs, which would especially harm smaller farmers.
African-American farmers are particularly vulnerable to the price hikes, Boyd says. “Monsanto and Bayer are clearly not treating black farmers with dignity and respect,” he says, noting that he hasn’t had meaningful dialogue with either company despite reaching out to both Bayer and Monsanto to discuss their relationship with African-American farmers and asking them to present at the NBFA’s national conference.

On July 26th, the National Farmers Union, Food & Water Watch, and the American Antitrust Institute submitted a letter to the Department of Justice Antitrust Division expressing concerns about the merger. The groups said the two corporations will help pay for the merger by cutting development of the “crop trait profiles that best meet the needs of farmers for specific growing regions and climates.”

Additionally, the groups argue that increased consolidation will reduce the incentive for innovation among the remaining seed and agrochemical companies, possibly resulting in lower quality products. The letter points out that recent research from the Department of Agriculture itself asserts that greater consolidation in this sector could “reduce the incentive to innovate.”
Central to many critics’ concerns about the merger is Monsanto and Bayer’s control of the cottonseed industry. Monsanto and Bayer are the two largest sellers of cottonseed, and together control nearly 60% of the U.S. cottonseed market. Monsanto already controls the genetic traits of 80% of corn and 90% of soybeans grown in the U.S.

But concerns extend beyond Monsanto and Bayer’s control of conventional commodity crops. On August 2nd, 24 farm, rural, and consumer groups submitted a joint letter urging the DOJ to block the merger. The broad coalition included supporters of organic farming, young farmers, and conventional farmers. The coalition estimates that a combined Monsanto/Bayer would control 43% of processed spinach, 33% of cantaloupe, 30% of lettuce, and 29% of carrot varieties.

For Kristina Hubbard, director of advocacy and communications for the Organic Seed Alliance, the merger presents a particular threat to organic farmers. She notes that the National Organic Program’s regulations on organic seeds generally dictate that growers must use organic seeds to grow their crops. But there is an exception granted for non-organic seed when “an equivalent organically produced variety is not commercially available.” Acceptable non-organic seeds are generally owned by the giant seed companies.

“That exemption is important because currently the supply (of organic seeds) isn’t sufficient to meet the diverse and regional needs of all organic farmers,” she says. With continued consolidation in the seed industry, she says farmers that rely on those non-organic seed options may find themselves faced with even fewer options as the merged companies cut down on research and development.
Apart from its pending deal with Bayer, Monsanto also came under fire in the New York Times on August 1st after evidence suggested that it may have ghostwritten articles and influenced research by academics to support its anchor pesticide, glyphosate. Glyphosate is sold commercially as Roundup, a pesticide used by farmers and home gardeners alike. Critics of glyphosate assert that it could have carcinogenic effects. However, extensive research has yet to find a connection between glyphosate consumption and cancer.

Antitrust regulators recently cleared two other mega-mergers in the seed and agrochemical sector. The Federal Trade Commission approved ChemChina’s acquisition of Syngenta in April, and the Justice Department in June cleared Dow’s merger with DuPont.

[Aufruf] Aufruf

CBG Redaktion

Hamburg ist unsere Stadt

Wir wollen unsere Grundrechte nicht zum G20-Gipfel abgeben!

Der G20-Gipfel verändert Hamburg. Die Stadt ist Gastgeberin für die Mächtigen der Welt und bereits lange zuvor wird ein Ausnahmezustand heraufbeschworen: Erst 4.000, dann 8.000 „gewaltbereite Linksextremisten“ werden von Senat, Polizei und Medien an die Wand gemalt. Das muss als Begründung herhalten, um große Teile der Innenstadt zu einer demon- strationsfreien „blauen Zone“ zu erklären. Camps für Menschen, die hierher kommen, um ihre Meinung kundzutun, soll es nicht geben dürfen, weil sie angeblich auch der „Selbst- organisation des militanten Widerstands“ dienten. Massive Polizeipräsenz und –kontrollen im Umfeld des Veranstaltungsortes Messehallen erzeugen ein Bild der Abschreckung, das sich zum G20-Gipfel noch steigern wird – mit hoch aufgerüsteten Polizeikräften von Land und Bund, Sicherheitskräften der Staatsgäste, Bundeswehr und Spezialeinsatzkommandos. Innensenator Andy Grote (SPD) warnt sogar davor, dass ausländische Sicherheitskräfte schon Sitzblockaden als Bedrohung einschätzen würden, die sie zum Schusswaffengebrauch veranlassen könnte. So etwas wolle man verhindern. Das lässt erahnen, wie die Polizei gegen Protestierende vorgehen wird: Höchste Eskalationsstufen mit Versammlungsverboten, Festnahmen, Pfefferspray, Wasserwerfern, Einkesselungen etc. sind zu befürchten. Sicherheit ist der alles dominierende Maßstab. Es herrscht eine Ordnung nach Maßgabe der Polizei in der Stadt. Wer will angesichts solcher Szenarien – ergänzt durch eine groß angelegte Gefangenen- sammelstelle – an den Protesten teilnehmen!? Viele Hamburgerinnen und Hamburger wollen sogar während der G20-Tage die Stadt verlassen. Die Versammlungsfreiheit bleibt bei all dem auf der Strecke. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht im Brokdorf-Beschluss bereits 1985 den Verantwortlichen ins Stammbuch geschrieben, was das Grundrecht auf Versammlungs- freiheit ausmacht: die Möglichkeit der Einflussnahme auf den ständigen Prozess der politischen Meinungsbildung, die sich in einem demokratischen Staatswesen frei, offen und grundsätzlich „staatsfrei“ vollziehen müsse. Als ein Stück „ursprünglich-ungebändigter unmittelbarer Demokratie“ sei sie „ein politisches Frühwarnsystem, das Kurskorrekturen der offiziellen Politik“ möglich mache. Wir erwarten vom Hamburger Senat, dass er sich im Umgang mit den geplanten vielfältigen Aktionen und Kundgebungen zum G20-Gipfel für alle Meinungen gleichermaßen daran ausrichtet. Wir wollen, dass Senat und Polizei das Recht, ohne Angst und unversehrt an Demonstrationen teilzunehmen, schützen und die Versammlungsfreiheit unterstützen – statt abzuschrecken und ein Klima der Angst zu schaffen. Die Welt zu Gast in Hamburg: das sind nicht nur die G20, sondern auch Demonstrierende aus aller Welt, die hier kostengünstige Unterkünfte brauchen. Von Hamburg muss ein klares Signal für Grundrechte und Demokratie ausgehen mit Demonstrationen ohne polizeiliche Kontrolle und Behinderung. Wir wollen keinen Ausnahmezustand, keine Polizeistaatstage in der Stadt. Mögen die G20 sich in den Messehallen treffen – Hamburg bleibt unsere Stadt!

Der Aufruf wird unterstützt von:
attac Deutschland e. V.
Cannabis Social Club Hamburg e. V.
Coordination gegen BAYER-Gefahren
Einwohnerverein St. Georg von 1987 e. V.
Initiative freiheitsfoo (Gruppe für Menschen- und Freiheitsrechte)
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg e. V.
Humanistische Union e. V.
Initiative Versammlungsfreiheit für Niedersachsen
Internationale Liga für Menschenrechte e. V.
Komitee für Grundrechte und Demokratie e. V.
Kritische Jurastudierende Hamburg
NaturFreunde Hamburg e. V.
Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg
Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen e. V.

Enno Drewes, DIE LINKE. Hamburg-Nord
Michael Ebeling, Initiative freiheitsfoo
Andreas Gerhold, Piraten Hamburg, Erster Vorsitzender Cannabis Social Club Hamburg e. V.
Dr. Rolf Gössner, Rechtsanwalt/Publizist, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte e. V.
Marco Alexander Hosemann, Erster Vorsitzender des Vereins City-Hof e. V.
Marc Meyer, Rechtsanwalt bei Mieter helfen Mietern e. V.
Thomas Michel, Piraten Hamburg, Vorstandsmitglied Mehr Demokratie Hamburg e. V. Michael Joho, Erster Vorsitzender des Einwohnervereins St. Georg von 1987 e. V. Christiane Schneider, MdHBü, Fraktion DIE LINKE. in der Hamburgischen Bürgerschaft
Günter Westphal, Erster Vorsitzender des Vereins Kunstlabor naher Gegenden (KuNaGe) e. V. / Münzviertel

Erlebnisbericht

CBG Redaktion

Im Vorfeld des G20-Gipfels gab es jede Menge Kritik daran, einen solchen Gipfel in einer Großstadt zu veranstalten. Scholz, als erster Bürgermeister Hamburgs hatte noch im Juni dagegen gesagt: „Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist“.
Aber wie war es wirklich in Hamburg? Was konnte man vor Ort erleben und waren es wirklich nur die Krawalle, die den Protest auszeichneten?
Neben den vielen aktiven Mitgliedern der Coordination gegen BAYER-Gefahren, waren wir auch mit zwei Personen von der Düsseldorfer Geschäftsstelle vor Ort. Was wir dort erlebt haben, wollen wir hier berichten. Natürlich ist auch unser Bericht subjektiv, aber er deckt sich mit vielen Erlebnissen anderer Gruppen und Personen.

Mittwoch/Donnerstag

Die Anfahrt

Wir hatten uns entschieden, mit dem Sonderzug zu fahren. Ein solches Projekt ermöglicht es vielen Menschen, zu günstigen Preisen an den Protesten teilzunehmen und wir fanden, dass dies unterstützt werden muss.
Unsere Abfahrt fand in Köln-Deutz statt. Als wir hörten, dass der Zug vier Stunden Verspätung hat, weil er durch Kontrollen massiv behindert wurde, ahnten wir zum ersten Mal Schlimmes. Tatsächlich kam der Zug dann mit einer Verspätung von etwas über zwei Stunden in Köln an. Die Stimmung war gut und man merkte, dass die Menschen ein Zeichen gegen die G20 setzen wollten. Und wie es so ist in einem Sonderzug von politisch Aktiven, es fanden viele Gespräche statt, auch wenn dem ein oder anderem mehr nach schlafen war, schließlich war es 3 Uhr Nachts.

Am Donnerstag kamen wir früh morgens in Hamburg an. Wir stiegen aus und wollten vom Gleis nach oben gehen, weil wir uns noch Tickets für den Hamburger ÖPNV brauchten. Doch an den Treppen standen schon Polizeiketten, die den Menschen den Zugang zum oberen Teil des Bahnhofs verwehrten. Wir hatten Glück. Die Polizei sortierte die Menschen nach bestimmten Stereotypen und wir passten wohl nicht in ihr Bild von „Linksextremen“. Wir konnten uns frei bewegen, die anderen wurden auf der Treppe festgehalten und später geschlossen aus dem HBF eskortiert. Mal eben was Kaltes zu trinken kaufen oder etwas essen war für diese Menschen, nach mehreren Stunden Zugfahrt, nicht möglich. Für uns war es eine Form der Freiheitsberaubung. Denn ein ersichtlicher Grund für dieses Verhalten lag nicht vor.

Am Bahnhof selbst waren wir umgeben von Einsatzkräften der Polizei. An jeder Ecke standen Polizeikräfte und Absperrungen. Schon jetzt kam uns Hamburg vor wie eine Festung.

Der Alternativgipfel

Wir machten uns aus diesem Grund direkt auf den Weg zum Alternativgipfel im Kulturzentrum Kampnagel. Hier erwartete uns das genaue Gegenprogramm zum Hauptbahnhof. Als wir ankamen war alles friedlich, die Sonne schien und wir schlenderten zum ersten Workshop, der etwas entfernt vom Kulturzentrum stattfand. Nirgendwo sahen wir Polizei. Vielleicht war es so extrem am Hauptbahnhof, weil es ein wichtiger Verkehrspunkt für Hamburg ist; dachten wir.
Beim Alternativgipfel nahmen wir an verschiedenen Workshops teil. Diese waren gut besucht und die Menschen beteiligten sich aktiv an den Debatten. Es war ein interessanter Austausch über anstehende Probleme. Im Kulturzentrum Kampnagel war ein Bild des Friedens vorzufinden. Verschiedene Generationen saßen im Freien und diskutierten oder genossen die Sonne. Im Kulturzentrum gab es eine Reihe von informativen Infoständen der verschiedensten Gruppen und Organisationen. In den großen Räumen fanden Podiumsdiskussionen statt.

Es fand ein reger Austausch statt. Friedlich, produktiv und informativ. Hier kamen wir unabhängig voneinander zum Gedanken, dass es vielleicht doch nicht so wild ist in Hamburg, wie es vorher propagiert wurde.

Fahrt zur Unterkunft und die „Welcome to Hell“-Demo

Wenn wir eines ganz gewiss nicht waren, dann Krawalltouristen. Deshalb waren wir froh, dass alles so friedlich wirkte. Unsere gute Stimmung änderte sich bald. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft mitten auf der Reeperbahn sahen wir immer mehr Polizei. An jeder U-Bahnstation standen Polizisten, schwer gepanzert und bewaffnet. Auch wenn wir nicht ins Stereotype-Bild der Polizei passten, wurden wir genau beobachtet, wenn wir an Polizeikontrollen vorbeiliefen. Auf der Straße selbst sahen wir dann jede Menge Einsatzwagen, die entweder rumstanden oder mit Blaulicht umherfuhren. Wir sahen Hubschrauber über uns fliegen. Das gute Gefühl, welches wir auf dem Alternativgipfel hatten, war sehr schnell verflogen.
Wir beschlossen, erst einmal auf unser Zimmer zu gehen, um in den Nachrichten aktuelle Informationen zu erhalten. Die Bilder dort waren wenig beruhigend. Längere Zeit diskutierten wir, ob wir überhaupt zur „Welcome to Hell“-Demo gehen. Wir entschlossen uns dazu, dass wir uns an der Seite aufhalten und uns nicht in Gefahr bringen werden. Als wir am Fischmarkt ankamen waren wir einerseits begeistert, wie viele Menschen dort waren. Der gesamte Innenplatz war voll und die Stimmung war wirklich gut. Es gab Musik, kritische Redebeiträge und nicht eine Spur von Gewalt oder Provokation von Seiten der DemonstrantInnen. Andererseits waren wir beunruhigt, weil der Platz schon jetzt von der Polizei umstellt war. Und wir meinen keine Streifenpolizisten. Schwer gepanzerte Robocops mit Helmen, Schlagstock und Schusswaffe. Wir sahen Einsatzkräfte mit großen Pfefferspray-Kanistern. Wasserwerfer und Räumpanzer standen auch schon gut sichtbar um uns herum.

Zu diesem Zeitpunkt dachten wir, dass es aufgrund der großen Menge an verschiedensten Menschen es friedlich bleiben würde. Ein Irrtum. Die Polizei wurde immer martialischer in ihrem Auftritt und wir entfernten uns immer mehr von der Demo. Freunde von uns schafften es nicht, sich in Sicherheit zu bringen. Sie erzählten uns später, dass die Polizei von allen Seiten auf die Teilnehmer zu gerannt waren und die Menschen geschubst, getreten und geschlagen haben. Unsere Freunde konnten sich mit Mühe und Not zur Seite retten. Oberhalb von ihnen spritze der Wasserwerfer so hart in die Menge, dass einige Personen heftige Verletzungen erlitten.

Dieser brutale Übergriff wurde damit berechtigt, dass einige Teilnehmer sich vermummt hatten. Wir können diese Behauptung nicht bestätigen, da erstens viele ihre Vermummung nach der Aufforderung entfernten und zweitens kann eine Vermummung niemals Anlass für eine solche Gewalt sein. Von Seiten der TeilnehmerInnen gab es vor den Übergriffen der Polizei keine Gewalt, es gab keine bedrohliche Provokation.

Ich habe 2008 einen Überfall von Faschisten auf eine Demonstration miterlebt. Hier, wo wirklich Gewalt ausgeübt wurde, wurde nicht ansatzweise eine solche Polizeigewalt zelebriert, wie an diesem Tag in Hamburg für ein viel kleineres Vergehen.

Die Konsequenz dieser Situation war, dass Hamburg nun wirklich abgeriegelt wurde. Überall war Polizei. Und die BeamtInnen machten keinen Unterschied mehr zwischen offensichtlichen Autonomen und anderen Menschen. Wenn man gerade falsch stand, wurde man weggeschubst und beschimpft. Wir waren zu diesem Zeitpunkt seit fast 40 Stunden auf den Beinen und so entschieden wir uns, dass unsere Unterkunft der sicherste Ort sei. Sicher war er, aber schlafen war nicht möglich. Die ganze Nacht schwebten Hubschrauber über uns und Polizeisirenen waren zu hören. Wir recherchierten im Internet was genau passiert war. Viele Journalisten sprachen davon, dass die Provokation von der Polizei ausging. Wir sahen dies sehr ähnlich.

Freitag

Der nächste Tag

Ohne wirklich geschlafen zu haben, standen wir am Freitagmorgen wieder ganz früh auf. Unser erstes Ziel sollten die Landungsbrücken sein, doch von dort kamen schon weniger gute Nachrichten. Der Wasserwerfer sollte schon im Einsatz sein. Aus diesem Grund gingen wir Richtung Messe. Uns wurde zum ersten Mal klar, dass Hamburg verdammt viele kleine Gassen hat. Wir liefen endlos und irgendwann kamen wir an eine Absperrung, die Polizisten waren jedoch mit einer größeren Gruppe beschäftigt und so schlüpften wir einfach durch und waren mitten in der blauen Zone bzw. direkt an der Absperrung zur roten Zone. Doch unsere Begeisterung war nur kurz. Hinter dem Absperrgitter standen nicht nur jede Menge behelmte Polizisten (Darauf waren wir mittlerweile eingestellt), sondern auch Einsatzkräfte in Tarnuniform mit Maschinengewehren. Als diese Einsatzkräfte uns sahen, verschwanden sie hinter einem Bus und die Minen der anderen Polizisten wurden deutlich finsterer. Der Erste kam in unsere Richtung. Wir liefen zügig weiter und versuchten so schnell wie möglich zu verschwinden. Irgendwie kamen wir ohne Kontrolle aus der Situation.

Nur wenige Meter weiter standen wir wieder an einer Absperrung. Diesmal stand uns ein Wasserwerfer gegenüber. Eine einzelne Frau kletterte auf einem Polizeifahrzeug. Wir sahen wie sie von dem Gefährt per Wasserwerfer heruntergespült wurde. Dann schoss das Wasser auch in unsere Richtung, von oben kam ein zweiter Wasserwerfer und jede Menge Polizisten die sofort schubsten und zuschlugen. Auch hier war die Gewalt der Polizei völlig unverhältnismäßig. Alle waren friedlich und die einzelne Frau konnte unmöglich eine solche Bedrohung für schwer bewaffnete Polizisten sein, dass diese nur noch den Einsatz eines Wasserwerfers als mögliche Hilfe ansehen konnten.
Wir zogen uns zurück und tranken erst einmal einen Kaffee. Dort trafen wir auf eine kleine Gruppe von Journalisten, die offensichtlich ebenfalls schockiert und überfordert waren mit der Situation.

Nur einige Zeit später waren wir an einer anderen Absperrung, hier standen vier Wasserwerfer nebeneinander. Als eine größere Gruppe näher kam, wurden Warnungen von der Polizei durchgesagt. Doch gleichzeitig mit diesen Warnungen spritzte einer der Wasserwerfer eine Gruppe von Menschen an, die völlig unbeteiligt am Rand stand. Für uns wirkten diese völlig überrascht und geschockt. Sie machten eher den Eindruck als seien sie Touristen. Nachdem auch eine Drohung gegen die Straße, in der wir standen, ausgesprochen wurde, zogen wir uns vorsichtig zurück. Auch hier wurde ein Wasserwerfer eingesetzt, ohne dass es irgendeine Provokation gegeben hätte und zwar gegen jeden, der sich auch nur in der Nähe der Absperrung befand.

Wir versuchten nun irgendwie in einen sicheren Bereich zu kommen, um einmal Luft zu holen. Aber Diesen schien es nicht zu geben. Überall war Polizei und jede Gruppe, die in der Nähe auftauchte, wurde kontrolliert und drangsaliert. Besonders Gruppen, die offensichtlich dem Protest angehörten, wurden sofort an die Seite oder in Hauseingänge gedrängt, ohne dass sie irgendetwas getan hätten. Die Versammlungsfreiheit war in Hamburg abgeschafft worden.
Wir versuchten eine Abkürzung durch einen Park, doch plötzlich sahen wir, wie Polizisten eine große Menschenmenge durch den Park hetzten. Pfefferspray zog durch die Luft und Polizisten traten auf am Boden liegende Menschen ein. Wir rannten so schnell wir konnten aus dem Park und brachten uns in Sicherheit.
Eigentlich wollten wir an diesem Abend zu einer inhaltlichen Veranstaltung, denn dafür waren wir nach Hamburg gekommen, um mit anderen Menschen über Alternativen zum kapitalistischen System zu debattieren. Aber wir hatten keine Chance, das Gebiet zu verlassen. Um uns herum war Krieg. Straßen waren nun abgesperrt und wer sich auch nur näherte riskierte seine Gesundheit. Die Bahnverbindungen waren blockiert. Unsere Handys hatten keinen Empfang mehr. Diese Situation war bedrohlich und hat alles übertroffen, was ich bis dahin erlebt habe.
Dann mitten in der Nacht hörten wir einen riesigen Knall. An Böller hatten wir uns schon gewöhnt, aber dieser Knall war lauter, viel lauter. Später erfuhren wir, dass die Polizei Gasgranaten eingesetzt haben soll. In dieser Nacht haben wir auch kein Auge zugemacht.

Samstag

Die Großdemo

Nun endgültig übermüdet fuhren wir am nächsten Tag zum Treffpunkt der Demonstration gegen den G20-Gipfel. Das Bild war dasselbe wie jeden Tag zuvor. Überall Polizei. Schwer gepanzert, schwer bewaffnet.
Als wir die Menge an Menschen sahen, waren wir begeistert. So viele unterschiedliche Gruppen waren gekommen, um ein deutliches Zeichen gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu setzen. Zwar wurde der Beginn der Demonstration von der Polizei verzögert, dennoch setzte sie sich vorerst ohne Störung in Bewegung. Es war eine große Demonstration und eine bunte.
Wir waren einfach nur froh, dass alles friedlich war. Doch dann hörte ich ziemlich direkt hinter mir Geschrei. Hinter mir rannten Polizisten in die Demonstration und zogen mehrere Menschen in eine Seitenstraße. Andere Polizisten riegelten die Straße ab, so dass wir den Menschen nicht helfen konnten. Das einzige, was wir dachten, war: warum? Alles war friedlich, nichts aber auch gar nichts hat einen solchen Angriff gerechtfertigt und es ist der besonnen Reaktion der Demo-TeilnehmerInnen zu verdanken, dass diese Situation nicht wieder eskalierte. Die Polizei hatte jedoch genau dies zum Ziel.

Auf dem Kundgebungsort angekommen, war es ein riesiges Fest der Vielfalt. Es gab Infostände der Gruppen, Konzerte, Redebeiträge und vieles mehr. Es gab sogar etwas zu lachen, als die Polizei einen Demowagen sehr mühevoll eine Wiese hochschob und dieser dann Musik anschmiss, woraufhin eine spontane Tanzdemo entstand.

Als wir gerade zur nächsten Bühne unterwegs waren, hörten wir jedoch wieder Geschrei und sahen Menschen davonrennen. Was war passiert? Ein Wasserwerfer hatte eine Salve mitten in die Menge abgestrahlt, ohne Grund. Es war offensichtlich, dass die Polizei eine Eskalation wollte, aber die TeilnehmerInnen gaben ihnen diese Genugtuung nicht. Es blieb friedlich, und endlich rückte unser Anliegen in den Vordergrund und nicht die Gewalt.

Die Abreise

Die Demo war vorbei und wir wollten nur noch nach Hause. Doch auch die Abreise wurde zur Nervenprobe. Wir hatten uns schon gedacht, dass die Polizei unseren Zug nicht einfach abfahren lassen würde und so waren wir frühzeitig auf unserem Gleis. Es war zwar viel Polizei vor Ort, aber das war ja nicht unnormal in dieser Zeit. Plötzlich kamen aber mehrere Einsatzhundertschaften und riegelten den Zugang zum Bahnsteig ab. Uns forderten sie auf sich nach hinten auf den Bahnsteig zu begeben. Es kamen auch noch andere Züge auf dem Gleis an und so glaubten sie wohl, wir würden mit diesen Zügen fahren wollen. Als unser Zug kam, gingen wir zügig hinein. Dann hörten wir mehrere Gruppen kommen, sie wurden Abgefangen und Erkennungsdienstlich behandelt. Alle wurden abgefilmt, egal ob es konkrete Hinweise gab oder nicht. Es dauerte ewig. Immer wieder gingen Polizisten am Zug entlang und filmten die Menschen die im Zug saßen.
Dann kam die Nachricht, dass die Polizei den Zug zwingen wollte um 0.15 Uhr abzufahren. Jedoch waren die meisten noch nicht durch die Kontrolle. Am Ende konnten alle einsteigen und mitfahren.

Während der Zugfahrt wurden wir von einem Hubschrauber verfolgt und an den Bahnhöfen warteten schon weitere Polizisten auf uns.

Fazit

Wir haben immer wieder gehört, die Polizeistrategie wäre nicht aufgegangen und die Polizei wäre kopflos gewesen. Das können wir nicht bestätigen. Man hatte immer wieder das Gefühl, dass die Polizei sehr gezielt die Eskalation herbeigeführt hat. Man wollte den Bürgerkrieg und man hat ihn bekommen. Wozu dies dient, dürfen wir bestimmt in den nächsten Gesetzgebungsverfahren beobachten.

Es war eine erschreckende Stimmung und diese wurde von der Polizei erzeugt. Sie hat geschafft, dass unsere politischen Inhalte hinter der Gewalt verschwunden sind, nur dank einer riesigen Demonstration konnten wir ein Gegengewicht bilden.
Wir auf jeden Fall sind nach Hamburg gefahren, um uns auszutauschen und um mit anderen Menschen zu diskutieren. Die Gewalt wurde uns aufgezwungen von einer Staatsmacht, die den Aufstand proben wollte.

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Forderungen Bergkamen

CBG Redaktion

unterstützen Sie unsere Forderungen

> BAYER muss das Werk Bergkamen endlich so sanieren, dass die BewohnerInnen
nicht mehr Opfer von Übelkeit und Kopfschmerzen durch austretende Gase werden
> BAYER muss offenlegen, welche Umweltschäden durch die ständigen Störfälle auftreten
> BAYER muss die Belegschaft für die unzumutbaren Arbeitszeiten entschädigen

[contact-form-7 id="13930" title="generisch kontakt"]

Verfassungsbeschwerde zur Polizeigewalt

CBG Redaktion

Bei den Blockupy Protesten 2013 in Frankfurt, zeichnete sich die Polizei durch überzogene Gewalt aus. Dies darf nicht einfach hingenommen werden und aus diesem Grund hat das Gründungsmitglied der Coordination gegen BAYER Gefahren, Axel Köhler-Schnura Verfassungsbeschwerde eingelegt.
Er war 2013 selbst Opfer polizeilicher Gewalt geworden. Seinen Bericht und einen Artikel der Jungen Welt können sie über die folgenden Links erreichen:

Erlebnisbericht

Klage gegen Polizeiwillkür

G20-Proteste

CBG Redaktion

Auch die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat sich an den Protesten gegen den G20-Gipfel beteiligt.
Unteranderem haben wir den Aufruf „Hamburg ist unsere Stadt“ unterstützt.
Was wir genau in Hamburg erlebt haben, könnt ihr in unserem Erlebnisbericht nachlesen.

Erlebnisbericht

Aufruf „Hamburg ist unsere Stadt“

HV Gegenanträge

CBG Redaktion

Wir beantragen die Nichtentlastung des Aufsichtsrats.

Begründung:
BAYER vertreibt zahlreiche Produkte, die hormon-ähnlich wirken und deshalb die
Gesundheit schädigen. Das Vorhaben der EU, diese Stoffe aus dem Verkehr zu
ziehen, versuchte der Konzern durch massive Lobby-Arbeit zu hintertreiben. Diese
Geschäftspolitik ist verantwortungslos. Darum ist dem Vorstand die Entlastung zu
verweigern. Hormone sind die Botenstoffe des Körpers. Sie erfüllen damit eine wichtige Aufgabe in seinem Regulationssystem. Die biochemischen Substanzen steuern beispielsweise das Knochenwachstum, den Zucker- und Fettstoffwechsel, die Verdauung und die Sexualentwicklung. Stört nun etwas die Signal-Übertragung,
so kommen falsche Botschaften an, was die Abläufe gehörig
durcheinanderwirbelt. Und als solche „Störer“ – sogenannte endokrine Disruptoren
(EDs) – hat die Wissenschaft seit einiger Zeit bestimmte Chemikalien
ausgemacht. Viele dieser Substanzen gleichen in ihrem Aufbau nämlich
Hormonen und haben deshalb ein beträchtliches Irritationspotenzial. Die mögliche
Folge: Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, Dysfunktionen des Nervenund Immunsystems sowie Herz-, Leber- und Gebärmutter-Leiden.

BAYER hat eine ganze Menge dieser Stoffe im Angebot. Und manche davon, wie
etwa das Antiraupen-Mittel RUNNER, sollen sogar hormonelle Effekte entfalten.
Es zählt nämlich zu den Insekten-Wachstumsregulatoren, die der europäische
Lobbyverband der Agro-Riesen, die „European Crop Protection Association“
(ECPA), wie folgt beschreibt: „Pheromone und Insekten-Wachstumsregulatoren
werden im Pflanzenschutz speziell wegen ihrer Wirkungsweise als endokrine
Disruptoren eingesetzt, um den Fortpflanzungsprozess zu stören oder den
Lebenszyklus der Insekten zu verkürzen.“

Bei anderen Agro-Giften des Konzerns fällt die Beeinträchtigung des
Hormonsystems hingegen eher in die Rubrik „Risiken und Nebenwirkungen“. Dies
ist auch bei den anderen Substanzen mit hormon-ähnlichen Eigenschaften aus
der Produktpalette BAYERs der Fall, wie z. B. bei Weichmachern oder der
Industrie-Chemikalie Bisphenol A, von welcher der Konzern allein im Jahr 2011
rund 1,2 Millionen Tonnen herstellte.
Bereits seit den 1990er Jahren warnen WissenschaftlerInnen vor den Gefahren,
die durch endokrine Disruptoren drohen. Die Politik erkannte allerdings erst in der Dekade nach dem Jahrtausendwechsel Handlungsbedarf. Bis Ende 2013 wollte
die Europäische Kommission genaue Kriterien zur Bestimmung der EDs
entwickeln. Dies rief jedoch BAYER auf den Plan. Mit allen möglichen Mitteln
versuchte der Konzern, in Brüssel Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen und
eine möglichst industrie-freundliche Lösung zu erwirken. So schrieb das
Unternehmen im Juni 2013 einen Brief an die stellvertretende Generalsekretärin
der EU-Kommission, Marianne Klingbeil, auf. „Die DG ENV (= Generaldirektion
Umwelt) favorisiert gegenwärtig ein Konzept, welches durchgängig auf der Basis
des Vorsorge-Prinzips konstruiert worden ist (Hazard assessment). Dies bedeutet
eine fundamentale Abkehr von den Prinzipien der Risiko-Bewertung und wird in Konsequenz weitreichende, gravierende Auswirkungen auf die Chemie-Branche
und Agrar-Industrie (vor allem wegen der bei Pflanzenschutzmitteln angewandten
Cut-off-Kriterien, die einen Verlust der Zulassung bedingen), nach sich ziehen“,
zeigte sich BAYER alarmiert. Mehr als 37 Pestizide sieht er von einem Verbot
bedroht. Allein der Bann der Antipilz-Mittel aus der Gruppe der Triazolewürde zu
einem Produktivitätsrückgang von 20 Prozent und zu Ernte-Verlusten bis zu 40
Prozent führen, rechnete das Unternehmen unter Bezugnahme auf zwei Studien
vor.

Und dieser ganze Lobbyismus von Seiten BAYERs und anderer Chemie-Multis
zeigte Wirkung. Die von der EU nach langer Verzögerung im Juni 2016 schließlich
vorgestellten Kriterien zur Bestimmung der EDs entsprechen weitgehend den
Vorstellungen der Industrie. Dementsprechend hart fiel das Urteil seitens der
Umweltverbände und der Fachwelt aus. „Das Vorsorge-Prinzip wird durch die
Vorschläge mit Füßen getreten“, konstatiert etwa das PESTIZID AKTIONSNETZWERK
(PAN). Hätte ursprünglich der Beleg einer hormon-schädlichen
Eigenschaft für eine Regulierung ausgereicht, so müsse nun die Relevanz eines
schädlichen Effekts beim Menschen tatsächlich nachgewiesen sein, moniert die
Initiative. Als „ganz im Sinne der Pestizid- und Chemie-Industrie“ ausgefallen
kritisiert PAN deshalb die Vorschläge der EU-Kommission zur Definition der EDs.
Die Verantwortung für das In-Verkehr-Bringen und -Halten der
gesundheitschädlichen endokrinen Disruptoren trägt neben dem Vorstand der
Aufsichtsrat. Darum ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung bitten wir gemäß §§ 125,
126 AktG. Die Aktionärinnen und Aktionäre werden gebeten, ihre Stimmrechte der
Coordination gegen BAYER-Gefahren zu übertragen.

Für den Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V.

HV Gegenanträge

CBG Redaktion

BAYER will MONSANTO übernehmen und damit zum mit Abstand größten Agro-
Konzern der Welt werden, der wichtige Glieder der Nahrungsmittel-Kette
kontrolliert. Das hätte schlimme Konsequenzen für die Welternährung. Die
LandwirtInnen müssten mehr für Pestizide und andere Betriebsmittel zahlen und
hätten überdies weniger Auswahl. Der schrumpfenden Sorten-Vielfalt geschuldet,
ständen sich auch die VerbraucherInnen in den Lebensmittel-Läden einem
schrumpfenden Angebot gegenüber. Zudem würde die Transaktion der
Industrialisierung der Landwirtschaft mit all ihren negativen Folgen für Mensch,
Tier und Umwelt weiter Vorschub leisten. Arbeitsplatzvernichtungen und
niedrigere Steuer-Zahlungen seitens BAYERs sind ebenfalls zu befürchten. Da
der Aufsichtsrat der Akquisition trotz allem zugestimmt hat, ist ihm die Zustimmung zu verweigern.

Die Geschäftszahlen von 2015 zugrunde gelegt, erzielen die
Landwirtschaftssparten von BAYER und MONSANTO zusammen einen Umsatz
von 23,1 Milliarden Dollar. Damit kann niemand aus der Branche mithalten. Bei
den Pestiziden erreichen BAYER und MONSANTO zusammen einen Marktanteil
von rund 25 Prozent, beim Saatgut für gentechnisch veränderte und
konventionelle Ackerfrüchte einen von rund 30 Prozent. Allein die Gen-Pflanzen
betrachtet, erlangen die beiden Konzerne vereint mit weit über 90 Prozent sogar
eine Monopol-Stellung.

Der Deal hat jedoch noch weitere Risiken und Nebenwirkungen. „Der Merger wird
den Landwirten wehtun“, sagt Jim Benham von der Indiana Farmers Union: „Je
mehr Konsolidierung wir bei den Anbietern unserer Betriebsmittel haben, desto
schlimmer wird’s.“ Der Chef von BAYER Cropscience, Liam Condon, schloss
gegenüber der New York Times weitere Preis-Steigerungen dann auch gar nicht
erst aus. Allerdings versicherte er scheinheilig, der Konzern würde den
FarmerInnen dafür in jedem Fall einen Mehrwert bieten.
Überdies reduziert die Übernahme die Produkt-Vielfalt bei Saatgut und Pestiziden.

Die oligopol-artigen Strukturen haben jetzt schon einen riesigen Innovationsstau
mit sich gebracht, und die neue Übersichtlichkeit dürfte die Malaise noch
verstärken. BAYERs Glufosinat oder MONSANTOs Glyphosat haben schon über
40 Jahre auf dem Buckel. Deshalb trotzen immer mehr Unkräuter diesen
Substanzen. Den LandwirtInnen bleibt so nichts anderes übrig, als die Gift-Dosis
zu erhöhen. Und BAYER leugnet diesen Tatbestand keineswegs. „Seit über 25
Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr für Flächen-Kulturen entwickelt und auf den Markt gebracht – unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen für neue Herbizide einherging“, so der BAYER-Forscher Dr. Hermann Stübler.
Unter der zunehmenden Konzentration auf dem Agro-Markt hätten auch die
Verbraucherinnen zu leiden, denn sie geht mit weniger Auswahl bei den
Lebensmitteln einher. Und die Beschäftigten von MONSANTO und BAYER
müssen sich ebenfalls auf härtere Zeiten einstellen. Der Vorstand hat die
Synergie-Effekte des Deals auf 1,5 Milliarden Dollar taxiert, und das geht mit
Arbeitsplatz-Vernichtungen einher. So kündigte der Cropscience-Chef Liam
Condon schon einmal die Schließung von Labors im US-amerikanischen
Cropscience-Headquarter an, das in North Carolinas „Triangle Research Park“
liegt. Zusätzliche Stellen-Streichungen im Konzern sind durch die Auflagen der
Kartell-Behörden zu erwarten: Der Vorstand selbst rechnet damit, sich von
Geschäften in einem Umfang von bis zu 2,5 Milliarden Dollar trennen zu müssen.
Diese konservative Schätzung könnte jedoch übertroffen werden. Damit nicht
genug, entsteht zusätzlicher Druck auf die Belegschaft durch die hohen Schulden,
die BAYER sich in Sachen „MONSANTO“ aufgebürdet hat. Das Abstoßen von
Unternehmensteilen zur Erweiterung der finanziellen Spielräume hat BAYER nur
für die Bundesrepublik ausgeschlossen. Darüber hinaus drohen den
Belegschaftsangehörigen mit Rationalisierungsmaßnahmen verbundene Spar-
Programme zur Kosten-Senkung.

Die Standort-Städte müssen sich ebenfalls auf so einiges gefasst machen. Ihnen
ist die letzte Einkaufstour BAYERs noch in denkbar schlechter Erinnerung.
Unmittelbar nach dem Kauf der Merck-Sparte mit den nicht rezeptpflichtigen
Arzneien hatte der Konzern nämlich verkündet: „BAYER rechnet ab dem ersten
Jahr nach dem Vollzug mit signifikanten Steuer-Einsparungen.“
Trotz all dieser negativen Folgen der MONSANTO-Übernahme betreibt der
Vorstand die Transaktion. Damit ist er seiner Verantwortung nicht gerecht
geworden. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung bitten wir gemäß §§ 125,
126 AktG. Die Aktionärinnen und Aktionäre werden gebeten, ihre Stimmrechte der
Coordination gegen BAYER-Gefahren zu übertragen.

Für den Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V.

[HV Gegenanträge] Verwendung des Bilanz-Gewinns

CBG Redaktion

Wir beantragen die Kürzung der Dividende auf 10 Cent je Aktie. Die frei werdenden
Gelder sollen verwendet werden:

- für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial
gerechter Löhne;

- für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der
Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;

- für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne
doppelte Standards.

- und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von
BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses
an die Opfer bzw. an deren Angehörige und Nachkommen.

Es sei angemerkt, dass wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede
Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Menschenrechts- und
Ökologie-Leistungen beantragen würden, doch nach der Lage der Gesetze ist das
nicht möglich.

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung bitten wir gemäß §§ 125,
126 AktG. Die Aktionärinnen und Aktionäre werden gebeten, ihre Stimmrechte der
Coordination gegen BAYER-Gefahren zu übertragen.

Für den Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V.

HV Gegenanträge

CBG Redaktion

Der Gerinnungshemmer XARELTO mit dem Wirkstoff Rivaroxaban ist eines der umsatzstärksten und am meisten umworbenen Arzneimittel der Firma Bayer.
Gegenüber dem Goldstandard Phenprocoumon ist es zwar gleich wirkungsstark, aber erheblich teurer und birgt mehr Risiken. Es wird damit geworben, dass nun Gerinnungskontrollen nicht mehr nötig seien. Die Zulassungsstudien wurden allerdings mit Nierengesunden und Menschen unter 70 Jahren durchgeführt. Hierbei handelt es sich nicht um die typischen PatientInnen, die einen Gerinnungshemmer benötigen. Bei alten und nierenschwachen PatientInnen bedeutet die Therapie mit Rivaroxaban einen Blindflug, der nicht selten tödlich endet. Ein weiterer Nachteil von Rivaroxaban besteht darin, dass kein valides Gegenmittel im Falle einer plötzlich notwendigen OP oder bei einer nicht zu stoppenden Blutung zur Verfügung steht.
Studien, die eine Überlegenheit von Rivaroxaban andeuten, sind unter anderem mit defekten INR-Geräten zur Bestimmung des Blutgerinnungsstatus’ durchgeführt worden. Zudem waren 34 Prozent der Vergleichsgruppe unzureichend auf ihr Medikament, einen Vitamin-K-Antagonisten, eingestellt.
Da es sowohl im Bereich der Vitamin-K-Antagonisten als auch im Bereich der NOAKs Alternativen zu Rivaroxaban gibt, ist es derzeit ethisch nicht vertretbar, dieses Präparat zu verordnen und seitens der Firma Bayer zu vermarkten. Der Vorstand setzt sich jedoch über diese Bedenken hinweg. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.
Der Vorstand der Firma Bayer wird zudem aufgefordert

• die Studiendaten, die zur Zulassung von Rivaroxaban führten, offenzulegen
• dafür zu sorgen, dass zeitnah ein geeignetes Antidot zur Verfügung gestellt
wird
• irreführende Werbung zu Rivaroxaban einzustellen
• Einflussnahme auf Leitliniengremien der Fachgesellschaften zu unterlassen

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung bitte ich gemäß §§ 125, 126 AktG. Die Aktionärinnen und Aktionäre werden gebeten, ihre Stimmrechte der Coordination gegen BAYER-Gefahren zu übertragen.

Für den Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V.

[Clausing/PAN] Hauptversammlung 2017

CBG Redaktion

Peter Clausing (Pestizid Aktions-Netzwerk)

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats.

Mein Name ist Peter Clausing. Ich bin im Vorstand des Pestizid Aktions-Netzwerks e.V., bin Toxikologe und habe mich in den letzten zwei Jahren intensiv mit den krebserregenden Eigenschaften von Glyphosat beschäftigt, dem wichtigsten Herbizid von Monsanto, dessen Übernahme durch BAYER sich laut Geschäftsbericht 2016 auf „gutem Weg“ befindet.

Im Jahr 2015 wurde Glyphosat durch die Krebsagentur der WHO, als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft, die zweithöchste Kategorie der Gefahreneinschätzung. Im Gegensatz dazu bewerteten die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die Europäische Chemikalienagentur Glyphosat als nicht krebserregend und folgten damit unter wörtlicher Übernahme von Textpassagen der im Glyphosat-Dossier formulierten Schlussfolgerung, das von der durch Monsanto angeführten Glyphosate Task Force eingereicht wurde. Der Persilschein, den die europäischen Behörden dem Totalherbizid ausgestellt haben, widerspricht den wissenschaftlichen Fakten. Insofern ist Glyphosat ein Paradebeispiel dafür, wie das Vorsorgeprinzip schon jetzt missachtet wird. Die heute von Herrn Baumann geforderte „Ergänzung“ durch ein Innovationsprinzip wäre mit einer weiteren Aushöhlung des Vorsorgeprinzips verbunden.

Während die Glyphosat Task Force in ihrem Dossier behauptete, dass es keinerlei Beweise für Krebseffekte in Tierversuchen gäbe, musste das BfR in einer Nachauswertung signifikante Krebseffekte durch Glyphosat in sieben Langzeitstudien an Labornagern eingestehen. Diese Nachauswertung erfolgte nur aufgrund der von der Krebsagentur der WHO veröffentlichten Monographie und ihrer Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“. Auch epidemiologische Studien legen eine Assoziation zwischen der Anwendung von Glyphosat und dem Auftreten von Non-Hodgkin-Lymphomen in der ländlichen Bevölkerung nahe.

Doch all diese wissenschaftlichen Belege wurden von den europäischen Behörden mit fünf haltlosen Argumenten unter den Teppich gekehrt. Die Argumente sind deshalb haltlos, weil ihre Konstruktion auf einer gravierenden Verletzung geltender OECD-Richtlinien basiert. In der Konsequenz erstatteten mehrere europäische Nichtregierungsorganisationen im März 2016 Strafanzeige wegen wissenschaftlichen Betrugs sowohl gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung als auch gegen Monsanto und die Glyphosate Task Force.

Mit der beabsichtigten Übernahme von Monsanto würde BAYER einen Konzern erwerben, der sich in den USA mit über 50 Klagen von Krebsopfern konfrontiert sieht. Krebs, der durch Glyphosat verursacht wurde, so die Klage.

Mit der beabsichtigten Übernahme von Monsanto würde BAYER einen Konzern erwerben, der Gerichtsdokumenten zufolge versuchte, direkten Einfluss auf leitende Mitarbeiter der EPA, der Umweltagentur der USA, auszuüben, um eine Krebseinstufung von Glyphosat zu verhindern – etwas, das, BAYER niemals tun würde, so hoffe ich zumindest.

Mit der beabsichtigten Übernahme von Monsanto würde BAYER einen Konzern erwerben, der nach Einschätzung eines aus fünf international angesehenen Richtern bestehenden Tribunals, grundlegende Menschenrechte verletzt hat. Dazu zählen u. a. das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Nahrung und die Freiheit der Wissenschaft.

Ich habe deshalb folgende drei Fragen:

1. Wussten die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats von der Anzeige gegen Monsanto wegen wissenschaftlichen Betrugs und von den laufenden Gerichtsverfahren von Krebsopfern und ihren Hinterbliebenen gegen Monsanto und welche Schlussfolgerungen wurden daraus gezogen?

2. Welche Stellung beziehen die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrats bezüglich einer Einflussnahme auf die Behörden, um die Genehmigung eines Wirkstoffs zu erreichen? Stellt der Versuch einer solchen Einflussnahme durch Monsanto ein Problem für BAYER dar?

3. Wie verträgt sich die beabsichtigte Übernahme von Monsanto mit BAYERs Bekenntnis zu den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen angesichts der Einschätzung des Monsanto-Tribunals, dass dieser Konzern grundlegende Menschrechte wie das Recht auf Nahrung, das Recht auf Gesundheit und die Freiheit der Wissenschaft verletzt hat?
Bis zu einer zufriedenstellenden Klärung dieser Fragen fordere ich die Aktionäre auf, den Vor-stand und den Aufsichtsrat NICHT zu entlasten.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

[Adrian Bebb/FOE] Hauptversammlung 2017

CBG Redaktion

Adrian Bebb (Friends of the Earth)

Meine Name ist Adrian Bebb, und ich arbeite bei Friends of the Earth, dem größten Grassroots- Umweltnetzwerk der Welt.

Ich möchte 4 Fragen zur Fusion mit Monsanto stellen.

Monsanto hat eine der schlimmsten Reputationen von Konzernen in der Geschichte. Kommunen, Bauern und Verbraucher weltweit sind gegen genverändertes Saatgut und Pestizide. Allein in der EU verbieten 19 Länder die Gentech-Saat von Monsanto. Monsanto ist bekannt für seinen Kampf gegen Wahlfreiheit, seinen Kampf gegen Bauern und dafür, die Umwelt massiv geschädigt zu haben. Monsanto wird oft genannt: The world’s most evil corporation.Bayer behauptet trotzdem, dass diese Fusion “substantial value to… society at large” bringt.

In die letzten Wochen haben 200 Organisationen gegenüber der europäischen Kommission ihre Opposition zum Ausdruck gebracht. Sie repräsentieren Bauern, Imker, Kirchen, Entwicklungs- und Umwelt-Organisationen. Sie alle treibt die Sorge, dass die Fusion schlecht für die Umwelt, eine nachhaltige Landwirtschaft und die Länder des Südens ist. In den USA haben 325 Organisationen an die amerikanische Regierung geschrieben. Sie treibt die Sorge, dass Saatgut und Lebensmittel teurer werden und Innovation beschränkt wird. Sie sehen: Die Zivilgemeinschaft glaubt Bayer nicht, dass diese Fusion gut für die Gesellschaft ist. Viele nennen die Fusion “a marriage made in hell”.

Meine erste Frage ist: Lieber Herr Baumann, lieber Vorstand. Akzeptieren Sie, dass Ihre Behauptung, dass die Fusion gut für die Weltgemeinschaft ist, falsch ist und dass die Fusion ein Public-Relation-Desaster für Bayer wird? Sie riskieren, dass Bayer eine „toxic brand“ wird, eine toxische Marke.

Zweitens. Um die Übernahme zu ermöglichen, will Bayer einige Saatgutsparten und Pestidprodukte verkaufen, um die EU-Kommission zufriedenzustellen. Können Sie sagen, auf welchem Markt Bayer diese Verkäufe tätigt, in Europa und weltweit?

Drittens. Im Januar haben die CEOs von Bayer und Monsanto Donald Trump getroffen. Angeblich haben sie sich verständigt, in den USA Jobs zu sichern. Aber: Eine Fusion bedeutet immer, dass Jobs verloren gehen. Können Sie bitte sagen, wieviel Jobs in der USA und Europa verloren gehen werden? Bitte differenzieren sie nach Forschung, Produktion und Administration.

Und weiter: EU-Wettbewerbskommissarin Vestager hat zu den Fusionen in der Agrarbranche gesagt: „First Come, First Served“. Das bedeutet, dass die Kommission bereits grünes Licht für die Fusionen zwischen Dow und DuPont und zwischen Chemchina und Syngenta gegeben hat und jetzt die Bayer/Monsanto-Fusion beurteilen wird. Mit den zwei ersten Mega-Fusionen gibt es im Saatgut- und Pestizidbereich eine große Marktkonzentration. Bedeutet das für Bayer einen Nachteil, weil die EU-Kommission eine weitere Konzentration im Agrarbereich nicht mehr akzeptieren könnte?

Last but not least: Ich stelle den Antrag, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten und bitte die AktionärInnen um ein entsprechendes Abstimmungsverhalten.

[Seehaus-Arnold] Hauptversammlung 2017

CBG Redaktion

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Annette Seehaus-Arnold. Ich spreche als Aktionärin, Imkerin und Kreisvorsitzende der Imker Rhön-Grabfeld.

Auf der Internetseite von Crop Science findet man unter den Blogs aus dem Jahr 2017 einen interessanten Artikel von Jürgen Keppler mit der Überschrift „Bienenstudie in einem noch nie dagewesen Ausmaß“. Dr. Jürgen Keppler wirft einen Blick hinter die Kulissen der Studie in Mecklenburg-Vorpommern, eines der größten Feldversuche an Raps zu den Auswirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen in Europa.

Zu dieser Veröffentlichung habe ich einige Fragen, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen:

Sehr geehrter Herr Baumann, stimmt es, dass das in der Studie verwendete Raps-Saatgut nur 8,0g Clothianidin pro kg Saatgut hatte? Stimmt es auch, dass die käuflich erwerbbare ELADO-Beize mit 10g gebeizt ist?
Was steckt hinter diesem Unterschied?
Herr Baumann, wie können Sie das erklären?

Das ist immerhin eine Mehrbeize von 25 %. Oder ist das auch ein bedauerliches Versehen? So wie 2008 am Rheingraben?

Weiter schreiben Sie: „Die Wirkung auf Bienen auf einer Rapsanabaufläche von 65 km², die vollständig mit Elado® behandelt worden war, wurde mit einem angrenzenden Landstück von ebenfalls 65 km² verglichen, wo keine neonicotinoid-haltigen Mittel Einsatz fanden.“ Bitte erklären Sie uns, warum die Landwirte auf den Kontrollflächen nach eigenem Ermessen! Pyrethroide spritzen durften? Sehr geehrte Aktionäre, Sie wissen, dass Pyrethroide meist als „B2“ eingestuft sind, und wegen der Bienengefährlichkeit erst nach Ende des Bienenflugs ausgebracht werden dürfen? Wer hat das eigentlich überprüft? Und warum wurden diese Pyrethroide überhaupt eingesetzt? Ist dann die Kontrollgruppe überhaupt aussagefähig? Könnte man da eigentlich nicht schon die ganze Studie in die Tonne klopfen?

Bei der Einstufung der Pyrethroide wurde lediglich der Wirkstoff alleine betrachtet. Wie, Herr Baumann, ist die Wirkung, wenn noch Emulgatoren oder gar Wirkstoffverstärker eingesetzt werden? Was ja bei den zu kaufenden Spritzmitteln gängige Praxis ist. Wie bienengefährlich ist dann das Ganze?

Wie hoch ist der Grad an Schädigung an den betroffenen Bienenvölkern, welche die Flächen mit Pyrethroid-Spritzungen beflogen haben? Wurde dies überhaupt ermittelt? Sehr geehrter Herr Baumann, ist ihnen bekannt, dass diese, unter nicht kontrollierten (weil den Landwirten überlassenen) Bedingungen zusätzlich Insektiziden ausgesetzten Völker in der Studie als „Nullproben“ genommen werden?
Was bedeutet bei Ihnen „Nullproben“?
Werden hier einfach geschädigte Völker unter den Tisch fallen gelassen, nach dem Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast?“

Oder wurden hier nur bestimmte Völker nicht berücksichtigt? Wie 2014 bei der Varroamittel-Studie in Hessen? Auf Nachfrage damals bekam ich 2015 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Herrn Dekkers zur Antwort: „Es sind nur einzelne Auswertungen in die Auswertung eingeflossen?“
Ist hier auch so ausgewertet worden?
Ist das der hochgelobte Bienenschutz der BAYER AG?

Wie erfolgte die Messung? Über die sogenannten „Kontrollvölker“? Welche ggf. auch „Flugbienen-Verluste“ durch Spritzungen in die Blüte mit Pyrethroiden erlitten hatten?
Können Sie da Licht ins Dunkel bringen?

Wurden Schwarmkontrollen an den Völkern vorgenommen? Etwa Brutwaben entnommen? Oder was wurde gegen das Schwärmen gemacht? Nichts? Was ist dann mit den abgeschwärmten Völkern passiert? Wie sind die in Ihre Bewertung mit eingeflossen?

Kommt daher die Aussage auf Ihrer Internetseite: „Es wurden keine Anzeichen von schädlichen Wirkungen auf Bienenarten durch Clothianidin-haltige Saatgutbehandlungen gezeigt.“?

Ist der im Rapsbeizmittel Elado® ebenfalls enthaltene Wirkstoff Beta-Cyfluthrin, ein Pyrethroid der Klasse II, in den Völkern nachweisbar?

Und wurde der Pollen, bzw. Bienenbrot, überhaupt auf Rückstände untersucht?
Wie hoch waren hier die Konzentrationen?

Wie sieht eigentlich Ihre Clothianidin-Studie beim Honig aus? Hierzu findet man nichts auf Ihrer Internetseite. Hat das einen Grund? Gab es etwa Probleme mit Rückständen? Oder haben wir da in Zukunft mit Rückständen zu rechnen?

Warum wurden Honigproben nur von den Freilandbienen genommen, nicht aber von den im Tunnel gehaltenen Bienen? Hatten Sie etwa Befürchtungen, dass es Probleme mit den Rückstandshöchstmengen gibt?

Wie erklären Sie sich, dass im Honig sehr unterschiedliche Konzentrationen von Clothianidin, selbst im selben Versuchsfeld, gemessen wurden?

Stimmt es, dass die maximale Konzentration von 2,1 Mikrogramm/kg für Clothianidin im Honig gemessen wurde?

Und dass im Nektar, der einen höheren Wassergehalt als Honig hat, Werte bis 3,5 Mikrogramm/kg nachgewiesen wurden?
Woher kommt das? Haben Sie dafür eine Erklärung?

Wie kommt Dr. Richard Schmuck, der bei der Bayer Crop Science den Bereich Environmental Saftey leitet, obwohl diese Fragen in keinster Weise geklärt, bzw. berücksichtigt wurden, zu der Aussage: „Die Ergebnisse zeigen, dass die früher behördlich zugelassene Behandlung von Rapssaatgut mit Clothianidin Honigbienenvölkern und den getesteten Wildbienenarten keinen Schaden zufügt."

Oder ist die Überschrift mit dem Titel „Bienenstudie in einem noch nie dagewesenen Ausmaß“ zum Feldversuch an Raps zu den Auswirkungen von Clothianidin auf Bienen anders auszulegen? Was ist mit dem Titel dann gemeint? Ist mit dem „nie dagewesenen Ausmaß“ etwa das Ausmaß der ungeklärten Fragen gemeint? Ich frag ja bloß.

Sie schreiben auf Ihrer Internetseite: „Die Untersuchung wurde von einem auf Feldstudien spezialisierten Auftragsforschungsinstitut vorgenommen. Außerdem waren eine Reihe namhafter Bienenexperten für die verschiedenen Bienenarten, darunter Wildbienen, Hummeln und Honigbienen, unabhängig von dem Auftragsforschungsinstitut und von Bayer an der Studie beteiligt.“ Wer war denn da genau beteiligt? Um welche Firmen handelt es sich? Welche Institute? Und welche Forscher? Nennen sie doch bitte Ross und Reiter. Oder vor was fürchten Sie sich?

Stimmt es eigentlich, dass diese Studie von Firmen gemacht wurde, die ausschließlich auf Studien spezialisiert sind, und die Studien dann so ausgelegt werden, wie es der Auftraggeber will? Frei nach dem Motto „Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing?

Oder wollen Sie etwa so mit ihrer Aussage bei der EU-Kommission, die das weitreichende Verbot der Neonicotinoiden ausgesprochen hat, punkten?
Sie schreiben dazu auf Ihrer Internetseite: „Bayer ist mit der ungerechtfertigten Entscheidung der Europäischen Kommission nicht einverstanden und vertritt die Ansicht, dass sie nicht zur Verbesserung der Bienengesundheit beitragen wird.“ Sind jetzt etwa die Neonics auch noch gesundheitsfördernd für unsere Bienen? Wollten Sie etwa mit dieser Studie beweisen, dass es nur mit Neonicotinoiden den Bienen gut geht? Oder versuchen Sie mit dieser „Bienenstudie“ das Bienenkiller-Image loszuwerden?

Meine Damen und Herren Aktionäre,
Sie haben es in der Hand, wie die Entwicklung weitergeht.

Oder ist es nicht an der Zeit, die Aktivitäten von Bayer Cropscience in ökologisch sinnvolle, nachhaltige Forschung, besser noch in Landwirtschaft 4.0, zu investieren? Anstatt an fragwürdige Neonics wie Clothianidin festzuhalten? Sind intelligente Lösungen nicht weitaus sinnvoller als chemische Keulen? Wollen Sie, sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat, weiterhin an alten Techniken festhalten und dann den Anschluss verpassen? Können Sie sich auf Dauer das „Bienenkiller-Image“ noch leisten? Können Sie das verantworten?

Deshalb an alle Aktionäre: Zeigen Sie Flagge und stimmen Sie gegen eine Entlastung des Vorstandes.

Vielen Dank.

Annette Seehaus-Arnold
Kreisverband Imker Rhön-Grabfeld e. V.
Asternweg 11
97724 Burglauer
Tel. 09733/4561
Seehaus-arnold@t-online.de