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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

[Chr. Koch] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Christoph Koch: Bienensterben durch Beizmittel nur ein Unfall? ein Zufall? oder ein erneuter Skandal?

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch. Ich bin Berufsimker in Baden Württemberg und spreche zu ihnen im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes. Bereits 2009 und 2010 war ich schon hier um Fragen zu stellen.
Heute feiert die BAYER AG ihre riesigen Geschäftserfolge. Doch dieser Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Eines dieser düsteren Kapitel dieses Konzernes, meine sehr verehrten Aktionären sind die Neonicotinuiede. Das ist die Wirkstoff-Gruppe mit der BAYER CROP SINCE so scheinbar gute Erfolge, vor allem im Bereich der Saatgutbeizung seit etwa Mitte der 90er macht. Hierzu gehören Wirkstoffe wie Imidacloprid und Clothianidin, oder besser bekannt als Gaucho, Poncho, Chinuck oder auch Elado.

Diese Stoffe meine Damen und Herrn Aktionäre schaden unseren Bienen.

Dem Konzern sind diese Vorwürfe nicht neu und auch nicht ganz fremd. Auch was da im Jahr 2008 geschah kam letztlich nicht ganz unerwartet. Das ganze lässt sich leider auch nicht in kurze Worten fassen.

Über 12500 Bienenvölker sind damals nachweislich durch das BAYER Saatgut Beizmittel Poncho bzw. Poncho Pro vergiftet worden, was letztlich auch dazu führte, dass nicht nur der Wirkstoff Clothianidin als Beizmittel am Mais die Zulassung bis heute verloren hat, sondern auch der Wirkstoff Imidacloprid sowie die ganze Gruppe der Neonicitinuiede als Beizmittel.

Diese Neonicotinuiede sind auch inzwischen in Italien verboten. Dort haben diese Nervengifte ingesamt über 50.000 Bienenvölker auf dem Gewissen. Auch in Slowenien gab es riesige Vergiftungen durch diese Neonics.

Ja meine Damen und Herren Aktionäre seit 1997 ist dem Konzern bekannt, dass diese Neonicotinuieden Beizmittel zusammen mit der pneumatischen Sähtechnik ein Problem für Bienen ergeben kann. Denn in Frankreich war so etwas, wie hier am Oberrhein in 2008 geschah, schon 1997 dokumentiert worden. Später in Bolognia nochmals, als 2002 das gleiche in Italien passierte. Was aber haben die Verantwortlichen in diesem Konzern bisher daraus gelernt?

Nichts, ja überhaupt nichts. Im Gegenteil, man konnte immer wieder gerade von Seiten der BAYER AG hören, dass Bienen-Krankheiten mit im Spiel sind und diese eventuell das Problem sind oder es gar verschärfen „bei Sachgerechter Anwendung gäbe keine Probleme“.

Nun gut, meine Damen und Herren Aktionäre wie kann es aber sein, dass ein legal zugelassenes Saatgutbeizmittel derart viele Bienen vergiften kann?
War das in 2008 nur ein kleiner Unfall? Ein zufälliger Unfall mit schlampig gebeiztem Saatgut? Wie es gerade von Seiten der BAYER AG so gerne hingestellt wird?

Und in Italien? Wurde da vor 2008 auch schlampig gebeizt?

Ja wenn dem so ist, dann sollten Sie liebe Anleger sich einmal fragen, warum der Konzern dieses Problem seit her nicht abstellte und wir 2009 und auch 2010 immer noch nachweislich vergiftete Bienenvölker durch Clothianidin gerade in Österreich haben?

Im Gegensatz zu Deutschland ist dort diese Art Saatgutbeizung immer noch erlaubt und dadurch eben diese Vergiftungen entstanden, alles bei Sachgerechter Anwendung?

In der Oberpfalz und auch in Italien haben Imker letztes Jahr (2010) während der Maissaat, durch festgestellte Vergiftungen, illegalen mit Clothianidin gebeizten Saatgut Einsatz aufdecken können. In der Oberpfalz in zwei Fällen und in Italien sogar in 6 Fällen. Also ist 2008 nun doch kein Unfall? Oder wie soll man das verstehen Herr Dr. Deckkers?

Ist es nicht so, dass dieser Vorfall in 2008 die Schwächen der Insektiziden Saatgutbeizung so deutlich offen gelegt hat, als es deutlicher nicht mehr geht?

Warum ruht die Zulassung denn hier in Deutschland immer noch, Herr Dr. Deckkers? Wie können Sie sich das denn eigentlich noch leisten oder besser gesagt verantworten, dass im Heimatmarkt dieses Konzernes die Zulassung ruht und dort wo diese Nervengifte heute noch eingesetzt werden die Bienen immer noch sterben müssen?
Warum Herr Dr. Dekkers gibt es erst seit 2008 das Thema der Deflektoren an den Sähmaschinen? Mit diesen Deflektoren will man erreichen, dass die vergiftete Abluft im Boden verschwinden soll.

Ist das nicht auch ein Eingeständnis dafür, dass diese Technik zuvor schon Bienenvergiftungen verursachen konnte?
Was hier in der Vergangenheit eigentlich nur gefehlt hatte, waren doch lediglich das Zusammenwirken verschiedener Ereignisse und deren Zusammenhang wiederum zu finden?

Wieso wird von den Zulassungsstellen seit 2008 ein sogenannter Heubach-Wert bei der Saatgutbeizqualität verlangt? Hat das nun was mit schlampigem beizen zu tun oder mit der Tatsache, dass die Sähmaschinen alles was nicht am Saatkorn haften bleibt, nach draußen blasen?

Ist nicht auch dies ein Zugeständnis, dass gerade dieses Vergiftungspotential schon lange vorher bekannt war?

Ja meine Damen und Herren Aktionäre diese Dinge sind dem Konzern eben seit genau 1997 bekannt.
Vorsorge bzw. Eindämmung der Expositionen durch die Sähtechnik hat BAYER bis 2008 nicht wesentlich vorangetrieben und das auch mit dem Bewusstsein, dieses Risiko voll in Kauf zunehmen. So hat man letztlich auch die Zulassung für Deutschland ganz bewusst aufs Spiel gesetzt.

Denn meine Damen und Herrn Aktionäre mit der Einführung der weit giftigeren neuen Neonics mit dem Wirkstoff Clothianidin und der breiteren Anwendung in der Fläche zu allem auch noch mit dem deutlich höher dosierten Poncho PRO musste es irgend wann zu diesem Gau kommen. 2008 war es dann so weit.

Die sehr späte Aussaat, nahezu flächiger Einsatz, viele blühende Kulturen neben den Maisäckern, starke gesunde Bienenvölker, schönes warmes Wetter und starker Wind waren für weit über 12500 Bienenvölker zum Verhängnis geworden. Das alles geschehen in der Bienendichtesten Zone von ganz Europa!

Nun wir Imker fragen uns natürlich schon, warum es die gleichen Probleme dann nochmal in 2009 und 2010 geben musste, wo es nun erneut zu großen nachweislichen Vergiftungen in Österreich und auch in der Schweiz gekommen ist. Einzig die Konstellationen wie in 2008 fehlten zu einem weiteren Gau!

Ihr ehemaliger Hauseigener Bienen-Experte Dr. Richard Schmuck sprach zur Frage der Ursachen nicht nur im Frühjahr 2008 den Imkern und Behörden gegenüber immer von Nosema-Krankheit als eine der möglichen in Frage kommenden Ursache für die festgestellten Schäden an den Bienen.

Diese Nosemaerkrankung ist ein Darmpilz der den erwachsenen Bienen im Frühjahr gelegentlich zu schaffen macht. Werner Wenning sagte ihnen sehr geehrte Aktionäre vor 3 Jahren es sei nicht ausgeschlossen, dass Bienen-Krankheiten mit im Spiel seinen bei den Bienen-Problemen da am Oberrhein in 2008 und verwies gleichzeitig auf die Varroa-Krankheit, eine Milbe, die den Bienen über die Brut eigentlich nur im Herbst und Winter zu schaffen machen kann, jedoch niemals im Frühjahr der Zeit der MAISSAAT.

Ich habe nachfragen müssen, was jetzt BAYER bzw. Wenning nun wirklich gemeint hat, oder ob hier Wenning etwas durcheinander gebracht hat?

Vielleicht aber auch, weil WENNING´s Verweis und auch ihrer Herr Dr. Dekkers auf die Varroa Krankheit doch so gut ins allgemeine Bild der Bienenprobleme passt?

Schmuck ist weg und Wenning auch!

Nun frage ich mich, kann es sein, dass BAYER hier bis heute versuchte die wirklichen Vergiftungsprobleme mit dem Verweis auf Bienen-Krankheiten zu legitimieren und die Aktionäre wie auch die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen?

Wir haben durch das Ruhen der Zulassung nun seit 2009 keine Neonicotinuieden Saatgutbeizungen mehr im Oberrheingraben am Mais und für Baden-Württemberg auch keine Clothianidin-haltigen Bodengranulate und wir können bis heute feststellen, dass es unseren Bienen in diesen Mais-Gebieten so gut geht wie seit Jahren nicht mehr. Wohl gemerkt trotz Varroa Milben. Genauer gesagt seit eben Mitte der 90er. Ganz genau dem Zeitraum seit dem Neonics als Maisbeizen bei uns eingeführt wurden.

All diese Vorgänge zeigen doch ganz eindeutig, dass man die Neonicotinuien Wirkstoffe am Saat-Maiskorn bis heute nicht im Griff hat und die viel gelobte Sicherheit den Bienen gegenüber, es vielleicht in den Laboren dieses Konzernes geben mag, aber draußen in der Praxis auf dem freien Feld gibt es diese absolut nicht.
Meine Damen und Herrn, ich habe hier ein Foto eines Maissaatkorns, welches vor wenigen Tagen auf das Feld ausgebracht wurde. Sie sehen auf diesem Bild, dass das Maissaatkorn weiße Flecken hat. An diesen Stellen ist das rote Beizmittel abgesplittert.
Meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre, genau dieser Abrieb dieses Absplittern aber ist der Grund für die immer noch stattfindenden Bienenvergiftungen und nicht nur ich habe sehr große berechtigte Zweifel, ob man dieses Problem je in den Griff bekommen kann.

Bei einem jüngsten Begleit-Monitoring zum Clothianidinhaltigen Bodengranulat SANTANA wurde übrigens Methiocarb, also der Wirkstoff dieser roten Maisbeize Namens Mesurol in den Versuchsvölkern nachgewiesen.

Wie meine sehr geehrten Damen und Herrn ist der da wohl hin gekommen?

Hat das mit Sachgerechter Anwendung zu tun oder ist das die Realität?

Clothianidin ist so extrem Bienengiftig, genauer gesagt 7700 mal giftiger als DDT. Da reichen nur Spuren dieses Wirkstoffes um diese Vergiftungen zu sehen.

Herr Dr. Dekkers sie werben für mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit!

Mit diese Neonics und den damit verbundenen Schäden an unseren Bienen erreichen Sie das nicht! Nehmen sie diese Stoffe schnellstens vom Markt, bevor der Konzern damit letztlich auch noch auf der Börse aufs übelste abgewatscht wird.

Meine Damen und Herrn ich bin sehr gespannt, wie der dritte Clothianidin Großversuch dieses Jahr in Österreich letztlich ausgeht. Die Maisaat ist dort gerade voll im Gang und dem Vernehmen nach gibt es bereits die ersten Vergiftungen.

Ich bin auch sehr gespannt, auf die Antworten des neuen Vorstandes und bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Dekkers Antwort:

Vorne weg sie war nicht nur in meinen Augen sehr sehr spärlich und die Antworten auf Walter Häffekers Rede war noch spärlicher.

Aber hier im Detail:

Deckkers wies zunächst auf die Bedeutung der Biene und erklärte, dass die Bedeutung der Bestäubungsleistung der Bienen auch der BAYER AG wichtig ist. Auch erwähnte er den Weltweiten regionalen Bienenrückgang und verbindet das wie sein Vorgänger auch mit der Varroa Krankheit der Bienen und die vielen Studien die dieses größte Problem der Bienen auch alle belegen. Dekkers verweist dann aber auch darauf, dass seit kurzem die Populationen Weltweit nun auch wieder anwachsen würden.
Dann ging er auf 2008 ein und beschwerte sich, dass man dieses Ereignis, diese Fehlanwendung missbrauchen würde für die Bienenverluste. Auch im Abschluss Bericht der Landesregierung BADEN-WÜRTTEMBERG würde dies ganz deutlich so dargestellt, dass es sich letztlich um eine Fehlanwendung handle. Rückschlüsse in eine andere Richtung seinen schlicht weg falsch.
In der Folge hätte BAYER, so Dekkers ein umfangreiches Sicherheitskonzept entwickelt unter anderem ins besondere bei der Saatgutbeizung und Zertifizierung der damit beauftragten Unternehmen und Betriebe, um diesen Problemen noch deutlicher entgegen zu wirken und so erachtet Dekkers die BAYER Produkte auch weiterhin bei Sachgerechter Anwendung als Bienensicher.

Im Gegensatz zu Wenning hat Dekkers meine Vergleiche mit dem DDT nicht mehr gekontert, demnach frage ich mich ob jetzt BAYER diesen Vergleich nun doch akzeptiert, wenn dem auf der JH nicht deutlich widersprochen wurde?
Das in Folge von 2008 eingeführte umfangreiche Sicherheitskonzept bestätigt im Grunde doch die Schwachstellen dieser Saatgutbeizung, zu mindest für den Zeitraum vor 2008 und was bis dort alles an Vergiftungen schon geschah.

Nun frage ich mich wie die Probleme in 2009, 2010 und nun auch 2011 in Österreich zu erklären sind. Ich betone die Dokumentierten Probleme mit den Bienenvergiftungen durch die Maissaat.
Haben diese Probleme immer noch etwas mit Fehlanwendungen wie denen in 2008 zu tun?
Schon 2002 wurden Bienen in Italien durch die Neonics am Mais vergiftet und dokumentiert. Dies wird im Bericht der ICPBR vom September 2006 in Bolongnia erwähnt. Dort steht unter anderem, dass die pneumatischen Sämaschinen kontinuierlich Beizstaub aus ihren Maschinen in die Umwelt blasen. Auch dann, wenn bereits kein behandeltes Saatgut mehr eingesetzt wird, sind die Maschinen dennoch mit dem Beizmitel kontaminiert und auch später noch in der Lage diese Stoffe aus zu blasen. Der Beizstaub gelangt durch Wind und Abdrift auf blühende Kulturen in der Umgebung und die Bienen können sich dort vergiften.
Es wurde also bereits seit 2002 vor einer Katastrophe gewarnt und in 2006 so auch dokumentiert.

Es ist richtig, dass in 2008 etwas passierte, das nicht mit all dem was in den Jahren zuvor geschehen war, zu vergleichen ist.
Eine Fehlanwendung soll es also gewesen sein?
OK wer oder was war da der Fehler?
Schlampig gebeiztes Saatgut (Orginalton des damaligen Landwirtschaftsminister Peter Haug Baden-Württemberg)?
Wer waren diese angeblichen Schlamper?
Herr Dekkers ich hatte ihren Vorgänger schon gefragt, wer das gewesen sein soll. Und ich fragte auch, warum BAYER nicht gerichtlich gegen diese angeblichen Schlamper vorgeht. Warum der Konzern sich das gefallen lässt durch deren vermeintliche Schlamperei die Zulassung für Deutschland, Frankreich, Italien und Slowenien weg nehmen zu lassen.

Und Sie Herr Dekkers sprechen immer wieder nur von Sachgerechter Anwendung?
Herr Dekkers verstehen sie denn nicht, dass es ein sehr sehr großer Unterschied ist, zwischen dem was man in ihrem Labor und in den vorgegebenen Versuchen feststellen kann und dem was draußen in der Wirklichkeit dann letztlich passiert?

Wollen Sie etwa die dokumentierten Vergiftungen in Österreich nach 2008 immer noch abstreiten?

Und die aus Italien etwa auch?
Oder die aus Slowenien?

Wo auch immer auf der Welt ihre Neonics auftauchen, gibt es innerhalb kürzester Zeit doch Bienenprobleme!
Haben Sie das noch nicht bemerkt Herr Dekkers?

Macht ihnen das etwa keine Sorgen?

Oder sind Sie etwa darauf stolz so viele Bienen zu vergiften?

Die jüngsten Akten aus 2011 sagen, dass es trotz Zertifizierter Saatgutbeizung und eingehaltenem Heubach-Wert immer noch Vergiftungen in Österreich gibt.

Wollen sie Herr Dr. Deckkers sich jetzt immer noch hinter einer Fehlanwendung in 2008 verschanzen? Und was ist mit all den erdrückenden Fakten und Beweisen aus den Jahren nach 2008, die alle doch ganz klar belegen, dass es ihre sachgerechte Anwendung und diese scheinbare Bienensicherheit überhaupt nicht gibt?

Wollen sie das alles weiterhin abstreiten?
Wie lange soll das denn noch gehen?
Wann denken Sie um?
Was für Beweise brauchen Sie eigentlich noch?

Herr Dekkers, sie sagten in der JH, dass die Zulassungsstellen in den einzelnen Ländern im Zuge des Vorsorgeprinzips die Zulassungen haben Ruhen lassen.

Wir Imker fordern sie Herr Dr. Dekkers nun auf endlich ebenfalls in das Vorsorgeprinzip einzusteigen und aus den Neonics aus zusteigen bevor es ganz zu spät ist.

Machen sie endlich Schluss mit den Neonics je schneller desto besser, sonst wird man ihnen bald gar nichts mehr glauben!

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Koch
Imkermeister

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CBG Redaktion
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[Dieter Donner] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Dieter Donner, Stopp-Bayer-CO-Pipeline

1. Auch dieses Jahr haben langjährige, treue Bayer-Aktionäre und bürgerliche Unterstützer der „Stopp-Bayer-CO-Pipeline- Initiative“ mir das Vertrauen geschenkt und die Möglichkeit gegeben, hier in ihrem Sinne zu ihren Mitaktionären zu sprechen.
Lassen Sie mich zunächst an Sie Herr Deckers und auch an den Aufsichtsratsvorsitzenden Schneider eine Frage stellen: „Was würden Sie als verantwortliche Führungskraft einem Qualitäts-kontrolleur antworten, der Ihnen auf das Ergebnis seiner Kontrollen sagt, er habe mit dem Anlagenführer zusammen alles richtig gemacht; nur das Ergebnis sei eben nicht so wie vorgegeben. Allerdings erwarte er dennoch, dass dieses Produkt vom Kunden akzeptiert werde, da es ihm gleichwertig erscheine?“
Sagen Sie bitte jetzt nicht, das sei eine Frage, die sich bei Bayer nicht stelle. Denn genau dies haben die Verwaltungsgerichte und neuerdings auch die Bezirksregierung an der von Ihnen zu verantwortenden CO-Pipeline vielfach festgestellt.

2. Das Gas Kohlenmonoxid , das Sie durch diese Pipeline leiten wollen, ist extrem heimtückisch und im Falle einer Leckage in seiner Wirkung durchaus Auswirkungen eines Atomunglücks vergleichbar. Von Ihrem „Projektleiter“ stammt die Bestätigung, dass im Falle einer Havarie noch in etwa 800 Meter Entfernung von der Leitung die Menschen gesundheitlich schwerwiegend und sogar tödlich betroffen werden.
Was besonders erschreckend daran ist: die Menschen werden überhaupt nicht gewarnt, weil dieses Gas nicht wahrnehmbar ist . Es ist farblos, geschmacklos und es gaukelt den betroffenen Menschen sogar vor, ausreichend mit Sauerstoff versorgt zu sein. Letztlich ersticken die Menschen, ohne sich noch wehren oder gerettet werden zu können.
Das ist der CO-Super-Gau; zum einen in der Wirkung auf Bayers Image nicht nur in Bezug auf die CO-Pipeline, im Besonderen aber gegen Gesundheit und Leben der Menschen entlang der Bayer – CO -Röhre.

3. Eine gerade jüngst gefällte Entscheidung des VG Stuttgart zu einem Baustopp einer Ethylen-Pipeline, wie heute in der Bild-Zeitung zu lesen, sollte Ihnen Herr Deckers und den Aktionären zu denken geben. Dort war der Grund für den Baustopp der zu geringe Abstand zur Wohnung der Kläger. Bei der strittigen Distanz geht es um weniger als 350 Meter. Die Richter fanden diese Entfernung als Orientierungswert in einem Forschungsbericht der Bundesanstalt für Materialforschung und - prüfung aus dem Jahr 2009 über „Risiken des Transports flüssiger und gasförmiger Energieträger in Pipelines“.

Da die CO-Pipeline ohne Rücksicht auf diese Gefährdung in unmittelbarer Nähe sogar zu Schulen, Kindergärten und zu Wohnungen, teilweise sogar durch die Gärten, geplant und durchgedrückt wurde, machte sich Bayer schuldig und handelte dazu noch extrem schludrig in der Bauausführung, wie schon dargestellt.

4. Die zuständigen Feuerwehren und Rettungskräfte entlang der Pipeline weisen seit 2007 darauf hin, dass sie Verletzte aus dem CO-vergifteten Gebiet nicht retten können. Bayer vereinbarte mit der vorhergehenden Bezirksregierung in Düsseldorf lediglich einen Gefahrenabwehrplan, der sich einzig auf den Leitungsschaden, nicht aber auf die Rettung von betroffenen Menschen bezieht.

Der Bayer-Konzern hat zur Kenntnis genommen, dass ca. 170 Kinder- und Jugendärzte bzw. Kinder- und Jugendpsychiater auf die Gefahren und die unzureichenden medizinischen Rettungsmöglichkeiten bei einer CO-Vergiftung hinweisen.
Für ganz NRW gibt es ständig nur zwei Betten für die Rettung und medizinische Behandlung von CO-Vergifteten. Somit sind für den schlimmsten anzunehmenden Unfall mit Hunderten von Verletzten nur zwei Behandlungsplätze vorhanden.

5. Leider zieht Bayer aus all diesem Versagen bisher keine geschäftlich und gesellschaftlich verantwortlichen Schlüsse:
Dabei hat sich der ursprüngliche Überschuss von CO in Dormagen, als Grund für den Bau der CO-Pipeline angegeben, mittlerweile in eine Fehlmenge umgekehrt. Für die neue TDI-Anlage in Dormagen muss nun zusätzlich CO erzeugt werden.
Durch den Protest der Bürger schon in 2007 sah Bayer sich veranlasst, damals die CO-Fertigung in Uerdingen zu modernisieren und war dann im Aufschwung des Jahres 2010 in der Lage die Zusatzmengen Polycarbonat an den boomenden Markt zu bringen. Das hat auch die Dividende der Aktionäre verbessert.

6. Im Bayer-Konzern wird mittlerweile über eine anderweitige Nutzung der Pipeline nachgedacht, allerdings traut man sich offensichtlich noch immer nicht, sich von diesem finanziellen und
Image-Risiko Giftgas-Pipeline zu verabschieden.

Seien Sie sicher; in dieser Frage werden Sie so nur Negatives erreichen! Wir werden mit den 110.000 Unterstützern unserer Forderung weiter kämpfen und die neuen Verfahren werden das Risiko für Bayer immer weiter steigen lassen.

Die uns beauftragenden Aktionäre und auch wir von der Stopp-Bayer-CO-Pipeline Initiative haben nichts gegen Bayer, sondern wünschen uns Bayer als gesellschaftlich verantwortungsvoll agierendes erfolgreiches Chemieunternehmen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

[Axel] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Rede von Axel Köhler-Schnura

Meine Damen und Herren, guten Tag,

mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich bin ehrenamtlich im Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Auch bin ich Gründungsmitglied des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Ich spreche für eigene und ca. 40 Tsd. von uns vertretene Aktien.
Wie diejenigen AktionärInnen unter Ihnen wissen, die schon länger an diesen HVs teilnehmen, stehe ich nun seit fast 30 Jahren als Kritischer Aktionär hier an diesem Mikrofon und thematisiere die politischen, sozialen, ökologischen und anderen Kehrseiten der BAYER-Geschäftstätigkeit. Sicher nicht zur Erbauung der GroßaktionärInnen und der Verantwortlichen im Konzern, die all das lieber unerwähnt lassen wollen.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass der neue Vorstandsvorsitzende, Herr Dekkers, heute vormittag versucht hat, die von uns gestellten kritischen Gegenanträge abzuqualifizieren. Was mich jedoch wundert, das ist, dass er für seine Stellungnahme noch nicht einmal eigene Worte gefunden hat, sondern Buchstabe für Buchstabe die gleichen polemischen Leerformeln seiner Vorgänger in den letzten 10 Jahren benutzt hat. Damit ist Ihr Versuch, Herr Dekkers, die faktengestützten Gegenanträge zu entkräften, kläglich gescheitert. (Die Gegenanträge der Coordination gegen BAYER-Gefahren zur BAYER-Hauptversammlung, finden sich auf der Homepage des BAYER-Konzerns unter http://www.hv2011.bayer.de/de/gegenantraege.aspx /Download).

Meine Damen und Herren,
Sie werden auch heute wieder auf Grund der zahlreichen Redebeiträge hier sehen, dass die von Kritischen AktionärInnen und auch von mir gestellten Gegenanträge sehr wohl begründet sind und Gewicht haben.

Meine Damen und Herren,
im vergangenen Jahr habe ich von dieser Stelle aus gewarnt, dass Herr Dekkers „den Umbau des BAYER-Konzerns hin zu einer der großen internationalen Profit-Maschinen noch brachialer voran treiben wird als das bis dahin bereits der Fall war.“ Und heute, ein Jahr danach sehen wir, wie richtig diese Warnung war:
> Bereits unmittelbar nach der Amtsübernahme als Vorstandsvorsitzender haben Herr Dekkers den sozialen Kahlschlag eingeleitet: 4.500 Arbeitsplätze sollen an den alten BAYER-Standorten vernichtet werden.
> Zugleich fährt der Konzern in geradezu asozialer Weise seine Steuer-Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft - bei steigenden Gewinnen wohlgemerkt - auf ein kaum noch erwähnenswertes Minimum herunter.

111 Tsd. Beschäftigte hat BAYER zur Zeit. Vor 20 Jahren waren es mit 171 Tsd. noch fast 60 Prozent mehr. Und nun soll die Beschäftigtenzahl nochmals um 4 Prozent sinken. Selbst sicherheitsrelevante Bereiche werden von den ständigen Stellenstreichungen nicht ausgespart. Und in den USA und anderswo werden bevorzugt Fabriken mit organisierter Arbeiterschaft geschlossen. Lag zugleich der Umsatz 1990 bei 21 Milliarden Euro so hat er sich bis heute um fast 70 Prozent auf 35 Milliarden Euro gesteigert. Das alles geht auf die Knochen der Beschäftigten.

Herr Dekkers, wie sieht es mit der Arbeitsverdichtung aus? Bitte erzählen Sie uns etwas zu den Überstunden? Und zur „Arbeitsproduktivität“. Wie entwickelt sich diese pro Beschäftigten und pro Arbeitsstunde etwa im Zehnjahresvergleich?
Im Geschäftsbericht verkündet BAYER für das aktuelle Jahr einen Gewinn von sage und schreibe 20,2 Prozent des Umsatzes. Entsprechend der auf 7,5 Mrd. Euro gestiegenen Gewinne sollen den AktionärInnen heute 1,2 Mrd. Euro ausgeschüttet werden. Dazu muss man wissen: Die AktionräInnen halten zusammen ein Kapital von 2,1 Mrd. Euro. Damit beträgt die Ausschüttung 57 Prozent. Das ist nicht anders als unanständig zu bezeichnen.
Insbesondere, wenn zugleich die von BAYER gezahlten Steuern auf ein lächerliches Minimum sinken: Lagen die Ertragssteuern und damit der Beitrag zum Gemeinwohl zwischen 1997 und 2000 noch bei umgerechnet rund einer Milliarde Euro jährlich, so fielen sie 2009 auf 511 Millionen Euro und wurden nun weiter auf 411 Millionen Euro reduziert. Das ist gerade einmal ein Drittel der Dividendensumme! Der Konzern entzieht sich derart gezielt seiner Verantwortung für die Allgemeinheit. Zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung, die über steigende Steuern und Abgaben die Zeche zahlen muss. Steuern von 411 Mio. Euro decken – das wird auf den ersten Blick deutlich - noch nicht einmal die durch den Konzern hervorgerufenen gesellschaftlichen Kosten der Infrastruktur, Verwaltung, Kontrolle etc..
Nun sagten Sie Herr Dekkers heute morgen in Ihrer Stellungnahme zu unseren Gegenanträgen: Steuern würden nicht von Ihnen, sondern vom Gesetzgeber beschlossen.

Herr Dekkers, das ist lächerlich! - Und ich sage Ihnen auch wieso: Wir alle hier im Saal erinnern uns noch allzu gut daran, wie vor einigen Jahren bekannt wurde, dass der BAYER-Finanz-Experte Heribert Zitzelberger im Bundesfinanzministerium die Steuergesetze geschrieben hat, die nicht nur BAYER goldene Bilanzen bescherten. Und im übrigen, Herr Dekkers, ist es doch für jedes Kleinkind inzwischen klar, dass Steuergesetze von den Konzernen gemacht werden und nicht vom „Gesetzgeber“.
Meine Fragen also: Wann beenden Sie diese geradezu asoziale Bereicherung der AktionärInnen zu Lasten der Allgemeinheit?

Meine Damen und Herren,
wir erlebten seit der letzten BAYER-Hauptversammlung neben vielen verheerenden Desastern und schrecklichen Unfällen aller Art zwei Menschheitskatastrophen, die den Planeten in wirklich dramatischer Weise weiter an den Rand des Kollaps getrieben haben: Die Explosion der Deepwater Horizon und die Kernschmelze in Fukushima. Beides geschah in Verantwortung zweier großer Konzerne, alles geschah vor dem Hintergrund von Shareholder Value, Konzernprofiten und Goldenen Bilanzen.
Ich weiß, dass ich hier an einem BAYER-Mikrofon stehe und die genannten Katastrophen von anderen Konzernen zu verantworten sind. Aber was hier angesprochen werden muss, das ist, dass BAYER gleich mehrere durchaus vergleichbare Menschheitskatastrophen „in der Pipeline“ hat - wie es so schön in Konzerndenglisch heißt; und dass, wenn kein Kurwechsel vollzogen wird, es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie in gleicher Weise über die Welt hereinbrechen wie Fukushima und Deepwater Horizon. Gemeint sind die Gentechnik und die Nanotechnologie. Und gemeint ist die gleich mehrfache Verantwortung des BAYER-Konzerns für das seit nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernde Bienensterben.

Herr Dekkers, auch zum Bienensterben haben Sie heute morgen Stellung genommen. Und ich muss sagen, in ausgesprochen verantwortungsloser Weise. Denn Sie haben die Verantwortung des Konzerns schlichtweg geleugnet.
Ich möchte mit Ihnen, Herr Dekkers, nicht in einen müsigenWissenschaftsstreit eintreten. Gleichwohl möchte ich die Vereinten Nationen als hoffentlich auch von Ihnen unumstritten anerkannte Autorität zitieren. Die UN nennen drei Gründe für das bedrohliche Bienensterben: Pestizide, Industrialisierung der Landwirtschaft und Parasiten. Und nun kommt es: Auf allen drei Gebieten trägt der Konzern die maßgebliche Verantwortung:
> Als Weltmarktführer übergießt BAYER die Welt seit rund hundert Jahren mit jährlich Millionen und Abermillionen Tonnen von Pestiziden.
> Als führender Agro-Konzern treibt BAYER die Industrialisierung der Landwirtschaft seit der gleichen Zeit in brutalstmöglicher Weise bis in den hintersten Winkel des Planeten voran.
> Und schließlich hat BAYER mit Pestiziden und industrialisierter Landwirtschaft dafür gesorgt, dass die Bienen derart vergiftet und geschwächt sind, dass sie den ökologisch ganz normalen Parasiten nicht mehr standhalten können.

Und so sterben die Bienenvölker von Asien und Afrika bis nach Europa, von Amerika bis nach Australien. Immer rascher, immer umfangreicher.
Wobei BAYER sich trotz aller weltweiten und massiven Proteste in beispielloser Unverschämtheit weigert - im Namen der Profite natürlich - die unmittelbar ursächlichen Pestizide wie Gaucho und Poncho vom Markt zu nehmen und seine Agrarstrategie endlich zu ökologisieren. Sie Herr Dekkers, haben da heute wieder ein beschämendes Beispiel dafür gegeben.

Meine Damen und Herren,
auch wenn die Bienen nur kleine Mitbewohner unseres Planeten sind - ohne sie können wir einpacken. Sie sind nämlich maßgeblich verantwortlich für die Bestäubung der Pflanzenwelt und damit für die weltweite Lebensmittelproduktion. Ohne Bienen keine Lebensmittel - so einfach ist das. Und wenn der kritische Punkt überschritten ist, dann haben wir eine BAYER-verursachte Menschheitskatastrophe!
Deshalb meine Fragen:
Herr Dekkers, wann nehmen sie die von Ihnen produzierten und vertriebenen Bienengifte vom Markt? Wann ökologisieren Sie ihren agrarwirtschaftlichen Bereich?
Meine Damen und Herren,
ich könnte hier noch sehr viel über Ihre Verantwortung als AktionärInnen und verantwortliche Manager dieses Konzerns für Umweltzerstörung, Ruin menschlicher Gesundheit bis hin zum Tod, Ausbeutung, Krieg usw. sprechen - allein die Regularien dieser Versammlung erlauben es nicht.
Und so komme ich zu meinen bzw. unseren Anträgen. Die folgenden Gegenanträge zu den Anträgen des Vorstands stellen mit mir die Coordination gegen BAYER-Gefahren, der Dachverband der Kritischen AktionärInnen und viele AktionärInnen, die mich bzw. uns beauftragt haben.

Zunächst zum Gewinnantrag:
Wir beantragen die Kürzung der Dividende von 1,50 Euro auf 10 Cent je Aktie. Die frei werdenden Milliarden sollen verwendet werden
> für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;
> für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;
> für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards.
> und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses an die Opfer bzw. deren Angehörige und Nachkommen.
Es sei wie jedes Jahr angemerkt, daß wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Menschenrechts- und Ökologie-Leistungen beantragen würden, doch nach der Lage der Gesetze ist das nicht möglich.

Meine Damen und Herren,
wir stellen weiterhin die Anträge, den Vorstand nicht zu entlasten und auch dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Wir begründen diese Nicht-Entlastungen damit, dass beide Gremien ihrer Verantwortung im dargelegten Sinne in keiner Weise gerecht wurden und uns zudem hier im Saal in die Irre führen. Ich bedauere es sehr, dass auch die GewerkschaftsvertreterInnen im Aufsichtsrat kein besseres Bild abgeben. Noch nicht einmal hinsichtlich des Schutzes und der Sicherung angemessener Arbeitsbedingungen.
Und an dieser Stelle noch drei letzte Fragen: Weshalb wird eigentlich die Dokumentation der Abstimmungsergebnisse von HV zu HV immer kürzer? Weshalb werden die Enthaltungen nicht sauber dokumentiert? Weshalb werden auf der Internetseite nicht die Abstimmungsergebnisse mindestens für die letzten beiden Dekaden mitgeteilt?

Meine Damen und Herren,
ich wende mich zuvorderst an die Kleinaktionäre und Kleinaktionärinnen hier im Saal. Wenngleich ich weiß, dass wir immer wieder auch von größeren und sogar veritablen GroßaktionärInnen unterstützt werden.

Meine Damen und Herren,
bitte lassen Sie sich nicht von Geld und Dividende leiten. Sie tragen als AktionärInnen Verantwortung für die gesellschaftlichen Folgen der Tätigkeit dieses Konzerns. Stimmen Sie deshalb bitte mit uns bei ALLEN Anträgen mit NEIN. Stärken Sie so mit ihren Aktien das wichtige Signal für soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte.

Meine Damen und Herren,
sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so lassen Sie bitte Ihre Aktien nicht von BAYER unten am Ausgang vertreten, sondern von uns. Lassen Sie sich auch nicht von BAYER-Mitarbeitern bedrängen, die Ihnen die Stimmrechte abfordern, wenn Sie den Saal verlassen. Es ist Ihr gutes Recht, uns Ihre Stimmrechte zu übertragen. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links.
Vielen Dank.

Antwort des Vorstandsvorsitzenden

(auszugsweise, zitiert nach Erinnerung)

Herr Köhler-Schnura, Ihre pauschalen Vorwürfe zeigen, dass Sie etwas gegen soziale Marktwirtschaft, Pressefreiheit und Demokratie haben. Es zeigt ihre kommunistische Gesinnung, die sich grundsätzlich von unserer Haltung unterscheidet. Zudem habe ich mir sagen lassen, ich bin neu im Unternehmen und war bei vorherigen Hauptversammlungen nicht dabei, dass Sie Ihre Vorwürfe schon oft vorgetragen haben. Im übrigen wiederhole ich: Steuergesetzgebung wird nicht von uns, sondern vom Gesetzgeber gemacht. Dass Sie BAYER in die Nähe von Atom-Katastrophen rücken, zeigt wie Sie die Realität verkennen.

[Pehrke] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte zu BAYERs letztem Nachhaltigkeitsbericht sprechen.

In der Vorbemerkung zum Nachhaltigkeitsbericht heißt es, ich zitiere:

Wir bekennen uns zu den Prinzipien des Sustainable Development und zur Rolle eines sozial und ethisch verantwortlich handelnden ‚Corporate Citizen‘“

Die Zahlen des Nachhaltigkeitsberichts geben das jedoch nicht her. So stößt BAYER 8,1 Millionen Tonnen klimaschädigendes Kohlendioxid aus. Und der Konzern will das auch nicht ändern. Geplant ist laut Nachhaltigkeitsbericht vielmehr das Einfrieren der Treibhausgas-Emissionen auf dem Stand von 2007 bis zum Jahr 2020 geplant und keine Reduzierung. Dazu meine Frage:

Warum arbeitet BAYER nicht daran, die CO2-Emissionen zu reduzieren?

Aber auch die Werte für andere klima-schädigende Substanzen stiegen. Sie betrugen 17,5 Tonnen. Als Grund dafür nennt der Nachhaltigkeitsbericht neben der Produktion im Chemie-„Park“ Dormagen das Werk im indischen Vapi. Dort kam es zu einem erhöhten Ausstoß von Tetrachlorkohlenstoff, der noch dazu auch noch krebserregend ist. Im Nachhaltigkeitsbericht 2008 war dieses Werk sogar ganz allein für den größten Teil der Zunahme ozon-abbauender Substanzen verantwortlich. Damit trägt BAYER nicht wenig dazu bei, das die Industrie-Zone von Vapi mit ihren 1.500 Fabriken längst traurige Berühmtheit erlangt hat. Das indische Umweltministerium erklärte die Gegend um Vapi jüngst zur zweit-verseuchtesten Region im ganzen Land.

Dazu jetzt meine Frage:

Warum will BAYER sich trotzdem bis 2015 Zeit lassen, um die Umweltstandards des Werkes in Vapi auf ein halbwegs erträgliches Niveau zu heben und was ist bisher geschehen?

Aber auch in den westlichen Industriestaaten verschmutzt BAYER die Luft. Im letzten April erkor ein Institut aus Massachusetts BAYER zum „Top-Luftverschmutzer“ in den USA. Den Ausschlag dafür gab ein Schadstoff-Ausstoß von über 326 Tonnen und eine Giftstoff-Verbrennung in Höhe von über 4.000 Tonnen, darunter mehr als 1.000 Tonnen des krebserregenden Stoffes TDA im Werk Baytown.

Hierzu meine Fragen:

1.Wie hoch war die Menge des im Werk Baytown verbrannten TDA im letzten Jahr?

2. Plant BAYER eine Reduzierung dieses Volumens?

Auch insgesamt stieg die Menge der gefährlichen Produktionsrückstände. 375.000 Tonnen waren es weltweit. BAYER räumt selbst ein, es nicht geschafft zu haben, diese Menge zu reduzieren. Im Nachhaltigkeitsbericht heißt es, ich zitiere:

Von unserem selbstgesteckten Ziel, die Menge der gefährlichen Produktionsabfälle unter 2,5 Prozent pro Verkaufsprodukt zu senken, haben wir uns weiter entfernt.

Dazu meine Frage:

Was wollen Sie in Zukunft unternehmen, um das selbstgesteckte Ziel doch noch zu erreichen?

Es gibt jedoch nicht nur diese „ganz normale“ Schadstoff-Produktion, es gibt auch die unvorhergesehene. Wir sagen „Störfälle“ dazu, der Nachhaltigkeitsbericht nennt das „Umweltereignisse“. 13 solcher Umweltereignisse zählt der Bericht auf, vier mehr als 2008. In Baytown trat beispielsweise Kohlenmonoxid und Monochlorbenzol aus, im indischen Thane brannte ein Pestizid-Zwischenlager, in Bergkamen explodierte Aluminium-Alkyl und in Dormagen musste gleich zweimal eine Ammoniak-Dampfwand einen Phosgen-Austritt verhindern.

Dazu möchte ich wissen:

1.Wie kam es zu dieser Steigerung?

2. Was will BAYER in Zukunft tun, um die Störfälle zu reduzieren. Allein mit einem veränderten Management-Ansatz, wie ihn der Nachhaltigkeitsbericht ankündigt, ist es offensichtlich nicht getan, denn auch im letzten Jahr gab es wieder eine ganze Menge „Umweltereignisse“, darunter sogar eines mit tödlichem Ausgang - nicht ganz zufällig wieder in Indien?

Es ist jedoch nicht nur kritikwürdig, was im Nachhaltigkeitsbericht steht. Es ist auch kritikwürdig, was im Nachhaltigkeitsbericht nicht steht oder nicht mehr steht, denn das ist eine ganze Menge.

So gibt es im Gegensatz zu früher im Nachhaltigkeitsbericht keine Angaben mehr zu den gefährlichen Quecksilber-Emissionen. Es gibt nur ganz allgemein eine Angabe zu den Schwermetall-Emissionen ins Wasser. 9 Kilogramm betragen sie. Zu den Schwermetall-Emissionen und denm Anteil der Quecksilber-Emssionen daran gibt es keinerlei Informationen. Auch schweigt sich der Bericht darüber aus, was bei der Umstellung der Chlorproduktion in Krefeld auf Quecksilber-freie Verfahren mit den Quecksilber-Rückständen geschieht, obwohl es sich dabei um mehrere hundert Tonnen handelt.

Dazu jetzt meine Fragen:

1. Wie hoch waren im Berichtszeitraum die Quecksilber-Emissionen in die Luft und ins Wasser?

2. Wie geht BAYER beim Umbau des Krefelder Werkes vor und wie wird das Quecksilber entsorgt?

3. Was unternimmt BAYER zum Schutz der beteiligten Beschäftigten?

Generell setzen sich die Beschäftigten in der Chemie-Industrie einem hohen Gesundheitsrisiko aus. Trotzdem gibt es in den letzten Nachhaltigkeitsberichten keinerlei Informationen über die Berufskrankheiten mehr. Die letzten Zahlen zu den anerkannten Berufskrankheiten stammen aus dem Nachhaltigkeitsbericht vom Jahr 2000. Damals führte BAYER 130 anerkannte Berufskrankheiten von ehemaligen Beschäftigten an. Auslöser waren vor allem Asbest und Lärm. Heutzutage findet man solche Informationen nur noch im Geschäftsbericht. Unter der Rubrik „rechtliche Risiken“ erwähnt er etwa Klagen von Beschäftigten, die an Asbestose erkrankt sind und von BAYER Schadensersatz wg. der Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht verlangen. Und in diesem Jahr haben fünf Beschäftigte von BAYER CROPSCIENCE Klage eingereicht, weil sie durch ihre Arbeit an Speiseröhrenkrebs erkrankt sind.

Hierzu jetzt meine abschließenden Fragen:

1. Warum fehlen Angaben zu den Berufskrankheiten im Nachhaltigkeitsbericht?

2. Wieviel Berufskrankheiten von BAYER-Beschäftigten haben die Berufsgenossenschaften 2010 anerkannt und wieviele Anträge gab es insgesamt?

Das Fazit lautet also: Die Nachhaltigkeitsberichte werden immer bunter und umfangreicher, aber paradoxerweise auch immer lückenhafter. Und eines dokumentieren sie sicherlich nicht: Dass BAYER ein sozial, ethisch und ökologisch verantwortungsvoll handelndes Unternehmen ist. Darum möchte ich die Anwesenden bitten, mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

[Bluter] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Andreas Bemeleit, Robin Blood

Guten Tag, verehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Bettina Schneider. Ich verlese eine Rede von Andreas Bemeleit, der aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen kann.

Mein Name ist Andreas Bemeleit, ich bin 49 Jahre alt und wäre da nicht diese alte Geschichte, dann würde nicht Frau Schneider hier stehen und meine Rede für mich vorlesen. Dann säße ich vielleicht neben Ihnen auf dem Stuhl. Ich bin Diplom-Informatiker und war in meinem Beruf sehr erfolgreich. Das ist mehr als 20 Jahre her.

Doch da ist die ungeklärte Geschichte. Ich möchte Sie Ihnen kurz erzählen:

In den 70er und 80er Jahren wurde ich, wie auch 4.500 weitere Bluter durch verunreinigte Blutpräparaten mit Hepatitis-C Viren infiziert. In den vergangenen Jahren sind viele von uns gestorben. Haupttodesursache bei infizierten Blutern ist Leberzirrhose bzw. Leberkrebs.

Wir Bluter hatten darauf vertraut, dass wir mit sicheren Medikamenten versorgt werden. Doch die Konzerne benutzten für die Herstellung der Gerinnungspräparate vor allem preiswertes Blut von Hochrisikogruppen wie Gefängnis-Insassen. Weltmarktführer war zu diesem Zeitpunkt die BAYER-Tochter Cutter.

Die einzige Behandlungsmöglichkeit der Hepatitis-C Infektion ist eine einjährige Interferontherapie. Diese Therapie hat schwerwiegende Nebenwirkungen und führt nur bei einem geringen Anteil der Betroffenen zu einer Heilung. Die letzte Möglichkeit ist eine Lebertransplantation mit ihren hohen Risiken.

Bis heute warte ich gemeinsam mit 3000 noch lebenden Blutern auf eine angemessene Entschädigungsregelung. 2009 gründete ich daher das Netzwerk Robin Blood. Das Netzwerk hat sich dem vorrangigen Ziel verschrieben, die durch HIV oder Hepatitis-C Infizierten zu unterstützen.

Die BAYER AG hat vor wenigen Monaten zusammen mit anderen Pharmaunternehmen einen kleinen Anteil der Infizierten aus 22 Ländern im Rahmen einer Sammelklage in den USA entschädigt. In der Presse war zu lesen, dass die Entschädigungssumme bei rund 50 Millionen Dollar lag.

Ich frage den Vorstand in diesem Zusammenhang:

Wie hoch war der Anteil, den BAYER geleistet hat? An wie viele Betroffene in wie vielen Ländern hat BAYER Zahlungen geleistet?

Warum wird diese Summe nicht im Geschäftsbericht für 2010 erwähnt?

Warum schließt diese wichtige Regelung den größten Teil der betroffenen Bluter in Deutschland aus ?

Für viele der Betroffenen ist es mittlerweile schwer oder unmöglich, sich und ihre Familien zu versorgen. Die Wenigsten von uns sind in der Lage, arbeiten zu gehen, Geld zu verdienen.

Die Sorgen und Ängste der Betroffenen betreffen grundlegende Lebensbereiche.
Im folgenden einige Worte von Infizierten:

„Die „HCV Infektion wurde bei mir am 1985 festgestellt und ich spüre, wie sich meine Lebensqualität ganz langsam aber sicher verschlechtert. Alles was ich mir wünsche, ist wenigstens halbwegs sorgenfrei und in Ruhe zu leben....“

Ein anderer Betroffener formuliert es mit diesen Worten: „Ich vergleiche meinen Körper gerne mit einem Akku. Es gab sehr oft Zeiten, in denen mein Akku nahezu ausgebrannt war. Und auch zur Zeit ist solch ein Zeitpunkt gekommen, an dem mein Akku sich dem Ende zuneigt. Ich brauche Ruhe und Frieden und einen klaren Kopf, um ihn wieder aufzuladen.“

Wir leben ein Leben mit ungewollter Krankheit, damit einhergehender Berufsunfähigkeit, und in großer Armut. Es bleibt uns die Aussicht auf frühzeitigen Tod infolge der Infektion. Der Weg bis zum Ende ist elend.

Ist sich der Vorstand bewusst, dass der Ausschluss von der Entschädigungszahlung für einen Großteil der infizierten Bluter folgendes bedeutet:

- Den Betroffenen droht Leberkrebs welcher eine Lebertransplantation notwendig macht.
- Sie sind aufgrund der schon seit mehr als 20 Jahren anhaltenden Erkrankung körperlich stark geschwächt.
- Sie sind nicht mehr in der Lage einen Beruf auszuüben, um sich und ihre Familien zu versorgen. Ohne eine gesicherte Entschädigungsregelung werden sie verarmen.

Die BAYER Tochter Cutter war damals der Hauptverursacher von Tausenden Hepatitis und AIDS-Erkrankungen. Warum will die BAYER AG dennoch, obwohl die monatlichen Zahlungen für die Betroffenen mit zunehmenden Alter überlebenswichtig werden, aus der langfristigen Finanzierung des HIV-Hilfe Fonds aussteigen ?

Bei Robin Blood haben sich infizierte Hämophile, Angehörige und Unterstützer zusammengeschlossen. 63 Menschen auch aus der Schweiz und Spanien haben sich mit ihrem Namen für die gerechte Entschädigung der mit HCV infizierten Hämophilen solidarisch erklärt. Ihnen gebührt unser Dank!

Uns geht es darum, die Menschen zu unterstützen, die durch defizitäre gesundheitliche Versorgung in diesen Zustand geraten sind. Unser Ziel ist es, gegen die profitorientierte Missachtung der Gesundheit der Anwender von Medikamenten angehen zu können.

Viele Geschädigte scheuen sich, öffentlich aufzutreten. Sie kommunizieren daher auf allen heute möglichen Wegen, über das Internet und soziale Netze, dass sie an Hepatitits-C und AIDS erkrankt sind. Sie nennen die Verursacher wie BAYER und mahnen eine Entschädigungsregelung an.

Liebe Aktionäre der Bayer AG, Sie haben immer gute Dividende erhalten. Ein kleiner Teil dieser Dividende wäre ein großer Schritt für uns, Frieden zu finden.

Wäre es für die Außenwirkung der BAYER AG nicht von Vorteil, sich als verantwortungsvolles Unternehmen darzustellen, indem eine für alle Beteiligten annehmbare Regelung vereinbart? Anstatt den Eindruck zu erwecken, sich aus der Verantwortung zu stehlen, indem sie auf den baldigen Tod der Betroffenen spekuliert? Ich appelliere an Ihr Gewissen, diese alte Geschichte zu klären und uns eine Zukunft in Würde zu geben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

[Andre Sommer] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Rede von Andre Sommer zu Geburtsschäden durch hormonale Schwangerschafts-Tests

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Andre Sommer und ich spreche zum Thema Duogynon. Ich möchte Sie bitten mir die nächsten fünf Minuten zuzuhören. Es ist mir wichtig Ihnen unsere Sicht der Dinge zum Thema Duogynon aufzuzeigen.
Duogynon war ein Scheringprodukt. Es wurde fast drei Jahrzehnte unter anderem als hormoneller Schwangerschaftstest eingesetzt. Die Wirkstoffe, die in zwei Tabletten Duogynon enthalten waren, entsprechen heute in etwa zwei bis drei Monatsrationen hormonbasierter Antibabypillen. Die zwei Dragees sollten die Regel einleiten, war dies nicht der Fall, sollte man schwanger sein. Unter der Hand nahm man diese Pillen auch zum gewollten Schwangerschaftsabbruch ein. Dazu musste man dann sechs Tabletten einnehmen. Dies sage ich nur, dass Sie sehen zu was dieses Medikament fähig war. In Normaldosierung (also zwei Tabletten) ein Schwangerschaftstest, in Überdosierung (fünf bis sechs Tabletten) ein unerlaubtes Abbruchmittel. Absurd oder? Liegt es da nicht nahe, dass dieses Medikament auch zu Missbildungen fähig war?
Vor nunmehr 1 ½ Jahren haben wir bei der Bayer AG angefragt, ob wir Auskunft über Duogynon und Informationen über den Verdacht von Missbildungen bekommen. Dies wurde abgelehnt. Erst danach wurde eine Auskunftsklage eingereicht. Aus welchem Grund verweigert Bayer-Schering die Auskunft über Duogynon?
In den mehr als 3.500 Emails und Briefen die mich seit nun zehn Monaten erreichten sprachen sehr viele Frauen über dieselben Symptome: entsetzliche Krämpfe, Bauchschmerzen, Ausfluss....ungewollte Schwangerschaftsabbrüche kurz nach der Einnahme; Totgeburten,.....
Viele Kinder, deren Mütter Duogynon einnahmen, kamen mit schweren Missbildungen zur Welt, wie offenem Rücken, Wasserköpfen, Verstümmelungen an den Gliedmaßen und urogenitale Schäden, wie Nierenschäden, Harnleiterfehlbildungen oder Blasenekstrophien.
Es waren schreckliche Schilderungen:
- Mütter schrieben, dass ihr Kinder nach entsetzlichem Leid aufgrund von Wasserköpfen oder offenem Rücken nach wenigen Tagen oder Wochen starben....
- Die Kinder leiden bis heute unter den Missbildungen. Sie können kein selbstbestimmtes oder glückliches Leben führen, sind auf Hilfe anderer angewiesen und Leben am Rande der Gesellschaft....
à Eines ist aber bei allen Menschen, die uns anschrieben gleich. Sie alle beschäftigt dieses Thema seit über 30 Jahren. Sie leben tagtäglich mit dem Trauma und denken wenn nicht täglich, dann immer wieder daran und stellen sich die Frage nach dem Warum? Warum wurde mein Kind schwer geschädigt oder starb?
Die Menschen wollen nur endlich Gewissheit haben, ob Duogynon schuld an Missbildungen hatte oder nicht. Wie kommt Bayer darauf, dass so etwas jemals für diese Menschen verjährt? Wie kann sich ein deutsches Vorzeigeunternehmen auf die Verjährung berufen? Begreifen Sie nicht was es für die mutmaßlichen Opfer bedeutet, wenn Sie sagen dass dies verjährt sein soll? Das hat juristisch in der ersten Instanz geklappt, aber wenn man es rein menschlich betrachtet, dann ist ein solches Verhalten einfach nur unverständlich, um nicht zu sagen abstoßend. Wo sind denn hier ihre Bayer- LIFE Werte die sie heute morgen vorgestellt haben? Wo sind sie? Wo ist die Integrität? Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Herr Hüppe hat sich vorige Woche persönlich an den Vorstand der Bayer AG gewandt. Wörtlich heißt es : „Aus meiner Sicht wird nicht angemessen mit den betroffenen Menschen umgegangen, weil sie keine Möglichkeit haben, Einsicht in für die Aufklärung eventuell relevante Unterlagen zu erhalten.... Gleichwohl bin ich der Ansicht, dass es gute Gründe gibt, die Haltung Ihres Unternehmens in dieser Angelegenheit zu überdenken..... Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Ihr Unternehmen aktiv diesen Prozess initiieren und auf die betroffenen Menschen zugehen würde, anstatt sich nur auf eine formal korrekte Rechtsposition zu berufen".
Warum sprechen Sie nicht mit uns? Sie haben sogar einen Vergleichsvorschlag abgelehnt, bei dem ich auf alle Schadensersatzansprüche verzichtet hatte, nur um dann die Einblick in die Unterlagen zu bekommen. Wo ist dort die Fairness und die Transparenz, die Sie auf Ihren Firmenseiten propagieren?
Uns liegen unabhängige Tierversuche und Dissertationen vor, die Fragen aufwerfen. Ihre Tierversuche sollen keine eindeutigen Zusammenhänge aufzeigen. Wie hat Schering dieses Medikament geprüft? Zu welchen internen Schlüssen kam man? Wo kann ich die Tierversuche einsehen?
Innerhalb von nur zehn Monaten haben sich 325 deutsche mutmaßlich Geschädigte gemeldet. Zahlreiche Medien wie Spiegel, Stern, Stern TV, Frontal 21, Tagesthemen, heute journal, Br, SWR, RBB und viele mehr... haben darüber berichtet und es werden noch einige folgen....
Immer wieder wurde gefragt, wie Bayer die unterschiedliche Vorgehensweise in England und Deutschland erklärt? Es handelte es sich doch um dasselbe Unternehmen: In England wurde 1970 ein äußerlich gut lesbarer Warnhinweis auf den Packungen angebracht, dass Duogynon (Primodos) nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden darf. In Deutschland erfolgte erst 1978 ein dezenter Hinweis in den Packungsbeilagen. Warum wurde erst so viel später in Deutschland davor gewarnt?
Das Kammergericht Berlin wird sich nun mit dem Fall beschäftigen und es kann sich noch zu einem jahrelangem Rechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof entwickeln. Es wird sich zeigen was vor Gericht passiert und wie sich die Sache dort entwickelt. Wir bieten Ihnen jeder Zeit Gespräche an. Sprechen Sie mit uns und lassen Sie uns den Fall endgültig klären.
Nutzen Sie die Chance und geben Sie den Menschen endlich Gewissheit. Wenn Sie Ihren Weg weiter gehen, dann besteht die Möglichkeit, dass alle Medien in Deutschland in naher Zukunft über den größten Medikamentskandal nach Contergan berichten werden.... Wollen Sie das? Soll Bayer mit so was in Verbindung gebracht werden oder wäre es nicht besser, wenn man miteinander spricht zu einer fairen Lösung kommt?
Wir wollen einfach nur Gewissheit und Antworten. Sollte sich keine Schuld an Missbildungen in allen Unterlagen nachweisen lassen, dann höre ich sofort auf. Sollten dem Unternehmen aber Unterlagen bekannt sein, die auf Zusammenhänge schließen lassen, so muss es eine angemessene Stiftungslösung für alle Geschädigten geben!
Es ist nicht meine Lebensaufgabe hier zu stehen und gegen Bayer vorzugehen. Es gibt gewisse Werte die auch Bayer einhalten sollte! Die auf ihrer Homepage genannt werden... Fairness, Respekt, als eine Richtschnur für das Handeln, Verantwortung übernehmen für Aufgaben und Ergebnisse, Erfolge und Misserfolge.....halten Sie sich daran und reden Sie mit uns!
Wenn Bayer öffentlich die Auffassung vertritt, dass erwiesen sei, dass Duogynon nicht fruchtschädigend gewirkt habe, aus welchem Grund wird denn dann die Auskunft nicht erteilt? Dies ist der Öffentlichkeit nicht vermittelbar und schadet dem Unternehmen. Lassen Sie uns die Diskussion nun gemeinsam beenden.
Nun bitte ich Sie um Ihre Unterstützung! Stimmen Sie für unseren Gegenantrag. Es geht uns um Gewissheit und eine endgültige Antwort. Lassen Sie uns die Akte Duogynon endlich schließen und das Thema beenden. Geben Sie der Wahrheit eine Chance.
Vielen Dank fürs Zuhören und ich wünsche Ihnen noch einen guten Heimweg und ein schönes Wochenende.
Danke.
A. Sommer

Antwort des Vorstandes Herr Dekker

Jeder von ihnen hat uns von seinem Schicksal und dies in Verbindung mit dem Medikament von Schering erzählt. Wir haben im Rahmen von früheren Hauptversammlung unter meinem Vorgänger Herr Wenning schon mehrfach betont, dass wir das Schicksal von Menschen mit Behinderungen bedauern, auch hat er unterstrichen, dass wir die Suche nach den Ursachen der Behinderungen verstehen. Ich kann das nur wiederholen.
Wiederholen kann ich allerdings auch, dass sich nichts an den Fakten geändert hat. Sie sprechen eindeutig gegen ihr Anliegen. Es gibt keinen Nachweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Duogynon bzw. Primodos und den diskutierten embryonalen Missbildungen. Das haben umfangreiche medizinische und toxikologische Untersuchungen und Gutachten ergeben, die auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen waren. Namhafte Experten machten diese Untersuchungen, unter anderem aus Deutschland, Finnland und den USA.
Zu diesem Ergebnis kommt auch der High Court in England im Jahre 1982 und die Staatsanwaltschaft Berlin im Jahre 1980. Es sind keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bekannt die die Gültigkeit der damaligen Bewertung in Frage stellt.
Gemeinsam mit Herrn Wilke (der Redner nach Hr Sommer, der unseren Gegenantrag unterstütze) haben sie auch das Thema Einsichtnahme in Akten in Duogynon angesprochen. Das Landgericht Berlin hat hierzu erst kürzlich eine Entscheidung getroffen und die entsprechende Klage von Herrn Sommer abgewiesen. Noch einmal, aus unserer Sicht ist weder ein Kausalzusammenhang, noch ein verbrecherisches Verhalten von Bayer oder eines seiner Töchtergesellschaften festzustellen. An dieser Überzeugung halten wir fest.

Unsere Rede fand um ca. 16.50 Uhr statt; als ca. 27 Redner von insgesamt 32 (Dauer 5-6min). Die Antwort des Vorstandes gab es um ca. 17.30 Uhr. Die Antwort dauerte 2,40min.

[Antibabypille] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Rede Felicitas Rohrer, Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter

Mein Name ist Felicitas Rohrer und ich möchte über ein wichtiges Thema sprechen: Die Folgen und Nebenwirkungen drospirenonhaltiger Antibabypillen.

Antibabypillen der neusten Generation aus dem Hause BAYER wie etwa Yasmin, Yasminelle, Yaz und Petibelle enthalten den Wirkstoff Drospirenon. Drospirenon wurde ursprünglich als Diuretikum entwickelt, d.h. als Ausschwemmmittel, das Wasser aus dem Organismus ausschleusen soll. Erst später wurde entdeckt, dass der Wirkstoff auch Hormon-Eigenschaften hat und gelangte so in die Antibabypillen der neuesten Generation. Doch gerade diese Wirkungsweise von Drospirenon stellt auch dessen größtes Problem dar. Der Wirkstoff entzieht dem Körper besonders viel Wasser, wodurch sich das Blut verdickt und das Thromboserisiko der Anwenderinnen enorm erhöht wird. Eine solch gesteigerte Thrombosegefahr im Vergleich zu älteren Präparaten haben zahlreiche Studien unabhängiger Wissenschaftler nachgewiesen und belegt: So wurde etwa in einer niederländischen Studie aus dem Jahr 2009 ein bis zu fünffach erhöhtes Thromboserisiko und in einer dänischen Studie aus demselben Jahr ein doppeltes Risiko im Vergleich zu Präparaten ohne Drospirenon festgestellt. Auch zwei erst kürzlich erschienene neue medizinische Studien weisen auf ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln hin. Untersuchungen auf der Grundlage von britischen und amerikanischen Daten ergaben hier ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko gegenüber älteren Pillen.

Die Verwendung von Drospirenon in der Yasmin-Produktfamilie ermöglichte es Bayer jedoch, die Pillen als Schlankmacher zu bewerben, die dem ganzen Körper gut tun und über einen „Feel-Good-Effekt“ verfügen. Profitgierig hat BAYER damit Millionen junger Mädchen geködert und sie so einer erheblich größeren Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Doch ist eine solche Unternehmenspraxis zu Lasten derer, die Ihnen ihr Vertrauen aussprechen, indem Sie ihre Produkte kaufen, tatsächlich zu rechtfertigen, Herr Dr. Dekkers?

Ihr Haus war im vergangenen Jahr und auch auf der Hauptversammlung 2010, bei der ich ebenfalls hier zu Ihnen gesprochen habe, stets darum bemüht, weiterhin am positiven Risiko-Nutzen-Profil der Yasmin-Pillen festzuhalten. Stets wurde auf die von Bayer selbst initiierten und finanzierten Studien hingewiesen, die von einem vergleichbaren Risiko drospirenonhaltiger Pillen mit den Pillen älterer Generationen ausgehen. Betroffene wurden als bedauerliche Einzelfälle abgetan. Ich möchte gerne von Ihnen wissen, Herr Dr. Dekkers: Sind 12 tote Frauen in Deutschland und rund 200 tote Frauen in den USA nach der Einnahme einer Pille aus der Yasmin-Familie wirklich als Einzelfälle zu bewerten?

Und auch ich bin heute hier nicht allein – ich bin kein anonymer Einzelfall: Ich bin Felicitas, 26 Jahre und erlitt vor eineinhalb Jahren durch die Einnahme der Antibabypille Yasminelle eine doppelte Lungenembolie mit akutem Herzstillstand und einer Überlebenschance von 3%. Ich war für 20 min klinisch tot. Mit mir sind hier: Nana, Lungenembolie mit 30 nach Einnahme der Yaz. Susan, Lungenembolie mit 29 nach Einnahme der Yasminelle. Britta, beidseitige Lungenembolie mit Rechtsherzinsuffizienz mit 32 nach Einnahme der Yasminelle. Antonia, sieben Lungenembolien ab dem Alter von 16 Jahren nach der Einnahme der Yasmin. Und es sind Angehörige und Freunde von jungen Frauen hier, auch von Frauen, die nicht mehr selbst kommen konnten. Weil sie tot sind. Oder schwerst behindert. Auch die Mutter von Celine, der jungen Schweizerin, die im Alter von 16 Jahren die Yaz einnahm und seither spastisch gelähmt ist, nicht mehr sprechen oder laufen kann und künstlich ernährt werden muss, auch ihre Mutter wäre heute gerne gekommen. Sie ist verhindert, weil sie erfreulicherweise gerade in der Schweiz einen Prozess gegen BAYER führt! Auch ein Mann aus Österreich wäre heute gerne hier, der mich eines Mittwochabends anrief und sagte, dass er gerade die Beerdigung seiner 21-jährigen Tochter vorbereitet. Sie nahm ebenfalls eine Antibabypille aus der Yasmin-Familie. Kathrin Weigele, die im vergangenen Jahr hier ebenfalls zu Ihnen gesprochen hatte und die mich beim Verfassen dieser Rede unterstützt hat, wäre heute auch gerne hier. Sie erlitt im Alter von 24 Jahren nach der Einnahme der Yasmin eine schwere beidseitige Lungenembolie mit einer Überlebenschance von 5%. Aufgrund dringend notwendiger Reha-Maßnahmen kann sie heute leider nicht hier sein. Die Liste der Namen ließe sich beliebig weiterführen. Seit Kathrin Weigele und ich an die Öffentlichkeit getreten sind, haben sich zahlreiche betroffene Mädchen und Frauen sowie deren Familien an uns gewandt.
Herr Dr. Dekkers, wie können Sie angesichts der stetig steigenden Anzahl an Geschädigten immer noch von Einzelfällen sprechen? Wie können Sie weiterhin ein positives Sicherheitsprofil der von Ihnen vertriebenen Antibabypillen propagieren? Wie viele Opfer und Todesfälle gibt es wirklich? Warum werden Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und sogar Todesfällen vom Bayer-Konzern weiterhin verschwiegen? Wann legen Sie endlich alle Ihnen gemeldeten Nebenwirkungen und Anwendungsstudien offen?
Wir stehen hier als Betroffene oder als Angehörige im Namen unzähliger Frauen, die durch Ihre drospirenonhaltigen Pillen das Leben verloren haben oder schwer geschädigt wurden. Wir stehen hier - Reagieren Sie endlich auf uns!

Als Marktführer auf dem Gebiet der Antibabypillen tragen Sie mit die Verantwortung für etwa 100 Millionen Frauen, die weltweit mit der Pille verhüten. Auch auf der Homepage der Bayer-Healthcare, einem Ihrer Tochterunternehmen, ist zu lesen: “Wir arbeiten nachhaltig und stellen uns unserer Verantwortung als sozial und ethisch handelndes Unternehmen.“ Gehört zu einer solchen Verantwortung nicht auch die ehrliche und umfassende Aufklärung über die Risiken Ihrer Produkte? Im März 2010 wurden Sie von verschiedenen europäischen Arzneimittelbehörden, darunter auch dem deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, dazu aufgefordert, den Beipackzettel der Yasminprodukte zu ändern. Sie wurden dazu aufgefordert, diesen um Risikohinweise zu ergänzen und auf die erhöhte Thrombosegefahr unter Drospirenon hinzuweisen. Meine Frage an den Vorstand: Warum ist bis heute nichts passiert? Der „aktuelle“ Beipackzettel und die Fachinformation sind auf dem Stand von Mai 2009! Gibt es eine Frist zur Umsetzung der Änderungen? Wenn ja, wann endet diese? Bisher sind Sie Ihrer viel zitierten Verantwortung in keinster Weise nachgekommen. Stattdessen streichen Sie munter weiter Gewinne ein und gefährden weiterhin das Leben junger Frauen.

Ihre Untätigkeit ist allumfassend. Warum werden Studien und Hinweise unabhängiger Wissenschaftler weiterhin nicht ernst genommen? Warum werden Aufforderungen der Behörden einfach übergangen? Auf der letzten Hauptversammlung kündigten Sie an, dass Sie in Zusammenarbeit mit dänischen Wissenschaftlern der vorhin genannten Studie eine weitere Überprüfung des Thromboserisikos anstreben. Doch was ist daraus geworden? Liegen Ihnen da schon Ergebnisse vor?

Herr Dr. Dekkers, Sie sind seit Oktober Vorstandsvorsitzender. Warum haben Sie immer noch nicht gehandelt? Vielleicht etwa weil die Pillen der Yasmin-Gruppe zu Ihren umsatzstärksten Medizinprodukten gehören? Sie machen mit diesen Pillen jährlich einen Umsatz von über 1 Milliarde Euro! Ist das etwa der Grund, warum Sie nicht handeln wollen und lieber den Tod weiterer Mädchen im vergangenen Jahr in Kauf genommen haben? Rechtfertigen Umsatzsteigerungen etwa, dass man Frauen ohne ausführliche und umfassende Aufklärung einer erhöhten Thrombosegefahr und somit auch einer konkreten Lebensgefahr aussetzt?

Wir haben Ihnen vergangenes Jahr ein Gesprächsangebot unterbreitet, haben Sie und Ihr Unternehmen auf der letzten Hauptversammlung dazu aufgefordert, sich dem Thema endlich anzunehmen und auf die Betroffenen zuzugehen. Sie haben nicht reagiert. Wenn Sie so von der Ungefährlichkeit Ihres Produkts überzeugt sind, warum können Sie dann nicht mit uns reden? Und sollte es nicht in Ihrem Interesse sein, die Nebenwirkungen der Pille zu erforschen? Und wer könnte besser über die Nebenwirkungen Auskunft geben als wir Überlebende? Sie schweigen uns tot, im wahrsten Sinne des Wortes, stoßen nach der Aktionärsversammlung mit einem Glas Champagner auf Ihr Unternehmen an und hoffen, dass Gras über solche „Störfälle“ wie uns wächst. Aber da haben Sie sich getäuscht. Sie würden uns Betroffene gerne in die Ecke stellen, dass man uns nicht ernst nehmen kann. Aber wir werden nicht aufgeben, bis BAYER endlich Verantwortung übernimmt. In den USA gibt es meines Wissens mehr als 6000 Klagen gegen BAYER, in Kanada sind es acht. Und in der Schweiz hat der Prozess gerade begonnen. Ich möchte nun von Ihnen wissen, wie viele Klagen Ihnen weltweit bekannt sind, wie viele Vergleiche bereits geschlossen wurden und ob es bereits rechtskräftige Urteile gibt.
Dass sich das Thema nicht einfach mehr unter den Tisch kehren lässt, wie Sie es gerne hätten, zeigt auch ein Urteil aus der Schweiz. Dort haben Sie einen Fernsehsender verklagt, der über das Schicksal von Celine berichtet und somit die Diskussion um das erhöhte Thromboserisiko drosperinonhaltiger Pillen eröffnet hat. Sie warfen dem Sender vor, „manipulativ“ gearbeitet zu haben und sind grandios vor dem Bundesgericht gescheitert. Warum stellen Sie sich nicht einfach den Fakten, sondern versuchen kritische Stimmen mundtot zu machen? Die Frage ist nun, wer hier manipulativ arbeitet...

Wir Betroffenen hier standen allesamt mitten im Leben, hatten gerade das Studium beendet oder waren schon fest im Berufsleben verankert. Wir sind keine unwissenden, naiven Mädchen, die denken, dass die Pillen Süßigkeiten sind. Wir sind Tierärztinnen, Journalistinnen, Juristinnen, Architektinnen, die darauf vertraut haben, dass die Pille ihnen nicht schaden würde, weil wir nicht die Risikofaktoren erfüllen. BAYER hat uns unserer körperlichen Unversehrtheit beraubt, manchen sogar das Leben. Keine von uns wird je wieder ganz gesund. Sie haben unser Leben und das unserer Familien komplizierter und anstrengender gemacht. Sie haben uns schreckliche Qualen durchleiden lassen, uns die Unbeschwertheit geraubt und uns zurückgelassen mit der Angst, dass wieder was passieren kann, fremdbestimmt durch Medikamente und Arztbesuche. Sie haben uns ein gesundes, selbstbestimmtes Leben unmöglich gemacht. Wir müssen nun blutverdünnende Medikamente nehmen, mit denen wir nicht schwanger werden dürfen. Wir sind junge Frauen Mitte/Ende 20 und dürfen keine Kinder bekommen. Die Antibabypille hat in diesem Fall wirklich ganze Arbeit geleistet. Herr Dr. Dekkers, Sie haben selbst drei Töchter. Würden Sie ihnen eine Pille der Yasmin-Gruppe empfehlen?

Ich zitiere: „Ziel von Bayer HealthCare ist es, Produkte zu erforschen, zu entwickeln, zu produzieren und zu vertreiben, um die Gesundheit von Mensch und Tier weltweit zu verbessern.“ Das lässt sich so zumindest Ihrer Homepage entnehmen. Lebensbedrohliche Erkrankungen, lebenslängliche Behinderungen, Medikamenteneinnahme, lebenslange Folgeschäden und sogar Todesfälle. Verstehen Sie DAS unter „Science for a better life?“

Wir werden solange kämpfen, bis Sie die drospirenonhaltigen Pillen vom Markt genommen haben. Wir waren letztes Jahr hier, wir sind dieses Jahr hier und wir werden wieder kommen. Übernehmen Sie endlich Verantwortung!

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[Aspirin] Leserbrief zum Artikel „Die Volkspille“

CBG Redaktion

Süddeutsche Zeitung vom 29. März 2011

Stefan Weber beschreibt in der Serie „Starke Marken“ die Historie von Aspirin und hangelt sich hierbei sorgsam entlang der Verlautbarungen und Anekdoten der Bayer AG. Die Kehrseiten der „Volkspille“ werden in dem halbseitigen Artikel mit gerade mal einem Satz erwähnt.

Aspirin ist unwidersprochen ein hochwirksames Medikament, das aber, anders als die Werbung suggeriert, mit schweren Nebenwirkungen einhergehen kann. Der Wirkstoff greift tief in den biochemischen Haushalt des Körpers ein und kann u.a. Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre verursachen. Trotzdem versucht die Bayer AG das Präparat als „Wunderpille“ zu vermarkten - zum Beispiel mit der website WonderDrug.com. Von den Gefahren findet sich in der Werbung kein Wort. Dabei sterben in den USA mehr Menschen an Aspirin-Nebenwirkungen als beispielsweise an HIV oder Verkehrsunfällen.

Auch die Werbekampagnen, mit denen Bayer schon Ende des 19. Jahrhunderts für das Präparat warb, werden in dem Artikel beschrieben. Stefan Weber zeigt sich auch hierbei ganz als langjähriger Haus- und Hof-Schreiber von Bayer: denn praktisch zeitgleich mit Aspirin brachte das Unternehmen damals das „verträgliche Hustenmittel“ (O-Ton Bayer) Heroin auf den Markt. Weltweit schaltete Bayer Anzeigen, die gleichzeitig für Aspirin und Heroin warben. Hierauf einzugehen hätte wohl aber zu viel Schatten auf die „Volkspille Aspirin“ geworfen.

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Artikel Die Volkspille

[Petition] Agro-Gentechnik

CBG Redaktion

Petition gegen Agro-Gentechnik erfolgreich!

28. März 2011 -- Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute die Petition gegen Agro-Gentechnik unterzeichnet, die der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft beim Deutschen Bundestag eingereicht hat.

Die Petition kann online auf der website des Bundestags unter epetitionen.bundestag.de gezeichnet werden. Sie finden dort die Petition unter der ID-16941 und dem Titel „Zulassungsbegrenzung/regionales Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen“.

Breiter Protest gegen Agro-Gentechnik

Über 100.000 Menschen verlangen einen Zulassungsstopp für Genpflanzen in der EU

Bickenbach, 11. Mai 2011. So ein deutliches Ergebnis hatten die Bündnispartner von Vielfalterleben dann doch nicht erwartet: Über 100.000 Menschen unterstützen mit ihrer Stimme eine öffentliche Petition gegen Agro-Gentechnik, deren Zeichnungsfrist gestern Nacht um 24.00 Uhr zu Ende gegangen ist. Erst ab 50.000 Zeichnern binnen drei Wochen beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages bei einer öffentlichen Anhörung mit den Forderungen. So wird Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Petent, voraussichtlich im Herbst im Ausschuss über einen Anbaustopp für gentechnisch veränderte Pflanzen diskutieren, um Impulse für entsprechende europaweite Gesetzesänderungen zu geben. „Brüssel und die Bundesregierung wollen Gentech-Pflanzen auf unsere Felder bringen, die nicht ordentlich geprüft werden. Die mangelhafte Zulassungspraxis macht Agro-Gentechnik zu einer Risikotechnologie, mit unabsehbaren Folgen für unsere Gesundheit und Umwelt“, so Löwenstein.

Seit der Einführung der öffentlichen Petitionen im Jahr 2005 haben bisher nur zwölf Petitionen 50.000 Unterstützer in den ersten drei Wochen erreichen können. „Die außergewöhnlich große Resonanz auf unsere Petition zeigt: Die Menschen wollen keine Gentechnik auf dem Acker oder auf ihrem Teller“, so Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Alnatura, Initiator von Vielfalterleben. „Das Ergebnis muss auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass jährlich 18.000 bis 19.000 Petitionen eingereicht werden!“, betont Rehn weiter. Mit Bezug auf die rege Diskussion der Petition mit rund 960 Beiträgen im Online-Forum auf der Petitions-Website sagt Rehn: „Mit Vielfalterleben wollten wir eine Bürgerbeteiligung und den kritischen Diskurs anstoßen, um den verantwortlichen Politikern zu zeigen, dass es bei der Agro-Gentechnik akuten Handlungsbedarf gibt.“

Alnatura ist maßgeblich an der Initiative Vielfalterleben (www.vielfalterleben.info) beteiligt, deren zentrale Aktion die Petition gegen Agro-Gentechnik ist. Das Handelsunternehmen hat über 140 Partner an Bord geholt, um mit vereinten Kräften ein deutliches Signal in Richtung Politik zu geben. Die Bündnis-Partner aus Umwelt- und Verbraucherschutz, Lebensmittel-Erzeugung, -Verarbeitung und -Handel repräsentieren die gentechnisch-kritische Mehrheit der deutschen Bevölkerung: Nach einer aktuellen Erhebung des Bundesumweltministeriums vom Oktober 2010 lehnen 87 Prozent der Deutschen Grüne Gentechnik ab.

28. März 2011, die tageszeitung

Petition gegen Agro-Gentechnik online

50.000 Genmais-Gegner gesucht

Wer den Anbau von Gentech-Pflanzen stoppen will, kann im Netz unterzeichnen. 50.000 Unterschriften sind nötig, damit sich der Parlamentsausschuss damit befasst. VON JOST MAURIN

Internetnutzer können ab Montag auf der Seite des Bundestags eine Petition gegen den Anbau von Gentechnikpflanzen unterzeichnen. Dazu ruft die Initiative Vielfalterleben auf, der 100 Organisationen und Unternehmen wie der Ökobauernverband Bioland, die Umweltstiftung WWF und die Biosupermarktkette Alnatura angehören. Der taz-Verlag ist einer der Medienpartner.
„Wir wollen in den ersten drei Wochen mindestens 50.000 Unterschriften sammeln, um damit eine öffentliche Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestags zu erreichen“, sagt der Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein, der die Petition eingereicht hat.
Demnach soll der Bundestag die Regierung beauftragen, sich bei der Europäischen Union dafür einzusetzen, dass sie keine weiteren Gentech-Pflanzen zum Anbau zulässt. Wenn die EU dennoch – wie allgemein erwartet – neue Lizenzen ausstellt, müsse Deutschland auf seinem eigenen Territorium die Agro-Gentechnik verbieten. Bisher darf in Deutschland nur die Kartoffel Amflora angebaut werden.
„Das Zulassungsverfahren der EU für gentechnisch veränderte Pflanzen ist mangelhaft bei der Prüfung von Umwelt- und Gesundheitsrisiken“, begründen die Petenten ihre Forderungen. So sei nicht untersucht, wie die Organismen langfristig wirkten. „Die oft enge berufliche Nähe“ der EU-Experten zu den großen Gentechnikunternehmen wecke Zweifel an der Unabhängigkeit der zuständigen Europäischen Behörden für Lebensmittelsicherheit (Efsa). Diese stütze ihre Beurteilungen von Gentech-Pflanzen auch „nicht auf selbst in Auftrag gegebene Studien, sondern auf Berichte der antragstellenden Industrie“. Soziale und ökonomische Schäden berücksichtige die EU nicht.
Die seien aber groß, sagt Löwenstein. „Transgene Pflanzen sind ausnahmslos patentiert. Dadurch gerät der Bauer in wirtschaftliche Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen.“ Der ökologische Landbau, in dem Gentechnik verboten ist, sei „mittelfristig in seiner Existenz bedroht“, da sich Gentech-Pflanzen ungewollt auch auf Biofelder ausbreiteten. Wer Gentechnik in seinen Produkten verhindern wolle, müsse dafür immense Kosten tragen.
Die Efsa hat die an sie gerichteten Vorwürfe mehrmals zurückgewiesen. Sie prüfe bei jeder Entscheidung über Gentech-Pflanzen, ob ein Wissenschaftler befangen sein könnte. Zudem kontrolliere sie nicht nur die Ergebnisse, sondern auch den Aufbau der Studien, die die Hersteller einreichen.

[Gegenanträge] Gegenanträge Bayer HV

CBG Redaktion

22. März 2011

Gegenantrag zur Hauptversammlung am 29. April 2011

Hiermit zeigen wir an, dass wir zu den Punkten 2 und 3 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und die anderen Aktionäre veranlassen werden, für die folgenden Gegenanträge zu stimmen. Die Gegenanträge werden auf der BAYER-homepage veröffentlicht.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Begründung: Der BAYER-Konzern ist für massive ökologische und soziale Probleme verantwortlich. Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung. Es folgt eine Auswahl aktueller Problemfälle.

=> Der BAYER-Konzern gehörte zu den treibenden Kräften in Deutschland bei der Einführung der Kernenergie. Schon Ende der 50er Jahre, als das Atomprogramm konzipiert wurde, war BAYER im Präsidium des Deutschen Atomforums vertreten. Dieser Tradition blieb Werner Wenning treu, als er im vergangenen August den Aufruf an die Bundesregierung für längere Laufzeiten unterzeichnete. Aufgrund des Drucks der Industrie wurden die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke nur wenige Monate später drastisch verlängert.
Der mittlerweile abgelöste Vorstandsvorsitzende Wenning ist für die weitere Nutzung dieser unverantwortlichen Technologie daher mitverantwortlich.

=> Konsequent drängt BAYER die Gewerkschaften aus seinen US-Werken. Fabriken mit organisierter Arbeiterschaft wurden reihenweise geschlossen. Nur ein Siebtel der US-Belegschaft besitzt überhaupt einen Tarifvertrag. Und nur in einer Handvoll der rund fünfzig US-Werke sind die Gewerkschaften noch vertreten. In Berkeley gab es im vergangenen Jahr erneut Entlassungen, obwohl die umliegenden Städte kurz zuvor Subventionen in Millionenhöhe gewährt hatten. Das Muster wiederholt sich nun an der Ostküste der USA, wo mehrere Werke geschlossen werden: für den Fortbestand der übrig bleibenden Standorte erhält BAYER trotz des gewerkschaftsfeindlichen Handelns hohe Steuernachlässe. (weitere Infos)

=> Trotz gestiegener Gewinne führte sich der neue BAYER-Vorsitzende Marijn Dekkers mit der Ankündigung ein, rund 4.500 Arbeitsplätze zu vernichten. Schon jetzt ist die Belastung der Beschäftigten weit jenseits der Schmerzgrenze. Selbst sicherheitsrelevante Bereiche werden von den ständigen Stellenstreichungen nicht ausgespart. (weitere Infos)

=> BAYER hat im Herbst eine Rückstellung von 386 Mio Euro vorgenommen. Das Geld soll für Entschädigungszahlungen an US-Landwirte verwendet werden, deren Ernte durch GenReis kontaminiert wurde. Das späte Schuldeingeständnis des Konzerns ist zwar zu begrüßen - dieses kam aber nicht freiwillig zustande, sondern wurde durch eine Serie von Prozessen erzwungen, die BAYER ausnahmslos verloren hat. Allein in dem Verfahren, das die Koope-rative RiceLand angestrengt hat, wurde BAYER am 18. März 2011 zu Strafzahlungen in Hö-he von 136 Mio Dollar verurteilt.
Dennoch hält der Vorstand an dem Vorhaben fest, GenReis in die EU zu importieren. Die Kontamination in den USA zeigt jedoch einmal mehr, dass der Anbau von GenReis zwangsläufig zu Auskreuzungen führt; die Risiken eines großflächigen Anbaus wären schlicht unkalkulierbar. Der geplante EU-Import wäre mit unwägbaren Gefahren für Mensch und Umwelt verbunden und muss daher gestoppt werden. (weitere Infos)

=> Einer der schrecklichsten Skandale der BAYER-Geschichte ist die wissentliche HIV-Infizierung Tausender Bluter. Bis 1986 wurden Hämophile durch Blutprodukte von BAYER infiziert, obwohl seit 1982 Methoden zur Inaktivierung des Virus vorlagen. Noch nach dem Verbot unbehandelter Chargen in Europa wurden diese nach Asien exportiert.
Im Januar machte die Coordination gegen BAYER-Gefahren bekannt, dass BAYER und drei weitere Firmen Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe an Bluter aus 22 Ländern leisten. Dies ist das Ergebnis eines Vergleichs, der Ende vergangenen Jahres in den USA geschlossen wurde. Mehrere Tausend mit HIV und Hepatitis C infizierten Hämophile hatten die Firmen zuvor an einem Bundesgericht in Chicago verklagt. Im BAYER-Geschäftsbericht 2010 findet sich erstaunlicherweise keinerlei Hinweis auf diese Zahlungen, obwohl Konzern-sprecher den Vergleich auf Anfrage von Nachrichtenagenturen bestätigen mussten. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert, dass die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden. (weitere Infos)

=> Der BAYER-Konzern zahlte im Herbst 3,3 Millionen Dollar wegen unwahrer Behauptungen in Werbeanzeigen für Vitaminprodukte. Darin wurde behauptet, dass die Zusätze Selen und Zink das Prostatakrebs-Risiko senken könnten. In einer Klage mehrerer US-Bundesstaaten hingegen heißt es: „BAYER wusste, oder hätte wissen müssen, dass hohe Gaben von Zink und Selen das Risiko der Entstehung von aggressiven und tödlichen Prostata-Tumoren erhöhen können“. Die Klageschrift nennt die Werbeaussagen „irreführend und skrupellos“.
Ob bei Verhütungsmitteln, Schmerztabletten oder nun bei Vitaminpillen - immer wieder setzt BAYER auf unlautere Werbemethoden. Der Konzern gefährdet dadurch wissentlich die Gesundheit von Patienten und Konsumenten. (weitere Infos)

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Begründung: Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion ungenügend nach und soll daher nicht entlastet werden. Es folgen Beispiele der verantwortungslosen Konzernpolitik, die vom Aufsichtsrat mitgetragen wird:

=> Der BAYER-Konzern hat im Dezember die Uralt-Pestizide Nemacur und Mocap an die US-Firma Amvac verkauft. Die WHO stuft beide Wirkstoffe als „extrem gefährlich“ ein (Gefahrenklasse I). Die Agrochemikalien sind für eine Vielzahl von Vergiftungsfällen verantwortlich. In Deutschland sind Nemacur und Mocap seit langem verboten. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert seit den 80er Jahren die Einstellung der Produktion beider Wirkstoffe sowie einen Verkaufs-Stopp für alle Klasse I-Pestizide. BAYER hätte die Produktion längst einstellen müssen, statt diese Ultragifte jetzt noch profitabel zu verkaufen.
Der Einsatz von Nemacur gehört im übrigen zu den wahrscheinlichen Ursachen des „toxischen Öl-Syndroms“, das 1981 in Spanien mindestens 300 Menschenleben und Tausende von gesundheitlich schwer geschädigten Opfern forderte. (weitere Infos)

=> Die US-Aufsichtsbehörde Chemical Safety Board (CSB) veröffentlichte im Januar die Untersuchung zum schweren Störfall im Werk Institute im Jahr 2008. Das CSB urteilt, dass gravierende Sicherheitsmängel zu der Explosion führten. Bei dem Störfall, der die Erde in einem Umkreis von 10km beben ließ, waren zwei Mitarbeiter getötet wurden. Die Fabrik galt als „Schwester-Werk“ von Bhopal, da dort das in Bhopal ausgetretene Giftgas MIC in großen Mengen produziert und gelagert wird.
Laut CSB waren beim Hochfahren einer Produktionsanlage die Sicherheits-Systeme vorsätzlich außer Kraft gesetzt worden. Nur glückliche Umstände hätten die Beschädigung eines benachbarten MIC-Tanks verhindert.
Dr. Rafael Moure-Eraso, Vorsitzender der CSB: „Ein Austritt signifikanter Mengen MIC hätte tödliche Folgen haben können. Diese Sorge wurde von Anwohnern legitimer Weise seit Jahrzehnten geäußert.“ Dr. Moure-Eraso bezeichnet den Tod der Arbeiter als „umso tragi-scher, als er hätte vermieden werden können“, wenn BAYER eine gewissenhafte Schulung der Mitarbeiter vorgenommen und die Anlage vor dem Hochfahren angemessen geprüft hätte. Der Untersuchungsbericht stellt zudem fest, dass die MIC-Messgeräte an der Anlage nicht funktionierten.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) forderte bereits vier Monate vor der Explosion in der BAYER-Hauptversammlung eine Beendigung der MIC-Produktion. Der BAYER-Vorstand hatte das Ansinnen abgelehnt. Erst am 18. März 2011 verzichtete BAYER nach einer Klage von Anwohnern endgültig auf den Einsatz von MIC im Werk Institute.
Der CSB-Bericht wirft insgesamt ein bezeichnendes Licht auf die Sicherheitslage in vielen BAYER-Werken. Wegen der hohen Risiken muss BAYER auf den großtechnischen Einsatz hochgiftiger Chemikalien wie MIC und Phosgen vollständig verzichten. Auch der Betrieb der Kohlenmonoxid-Pipeline quer durch NRW ist nicht verantwortbar. (weitere Infos)

=> Bei den Wahlen zum US-Kongress Anfang November gingen die Spenden großer Firmen überwiegend an Kandidaten, die jegliche Vorgaben für Emissions-Minderungen ablehnen. Von den europäischen Konzernen zeigte sich niemand so spendabel wie BAYER – nicht einmal Ölfirmen wie BP. Greg Babe, der Chef von Bayer USA, gehörte persönlich zu den Spendern. Die Unterstützung von Politikern, die den Klimawandel leugnen, zeigt einmal mehr, dass das BAYER Klima-Programm und der BAYER Climate Award reine Feigenblatt-Funktion haben.

=> Auf dem BAYER-Werksgelände in Krefeld soll ein gigantisches Kohlekraftwerk entstehen. Betrieben werden soll der Klimakiller von der BAYER-Tochter Currenta. Allein der jährliche Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid würde bei 4,4 Millionen Tonnen liegen. Gegen das Projekt wurden im vergangenen Jahr über 22.000 Einwendungen eingereicht. Trotzdem hält BAYER an dem Projekt fest. (weitere Infos)

=> Weiterhin weigert sich BAYER, die Opfer des hormonellen Schwangerschafts-Tests Duogy-non bzw. Primodos zu entschädigen. Tausende von Kinder hatten durch das Präparat in den 60er und 70er Jahren schwere Fehlbildungen erlitten. Der SPIEGEL veröffentlichte nun Dokumente, wonach firmenintern schon frühzeitig gewarnt wurde. So schrieb ein britischer Mit-arbeiter bereits 1967 an die Firmenzentrale: „Die offenkundige Korrelation zwischen der Zu-nahme angeborener Missbildungen und dem Verkauf des Schwangerschaftstests erscheint ziemlich alarmierend.“ Bei der Anwendung des Präparats bei Schwangeren „müssen wir extrem vorsichtig sein“. Beschämenderweise weist BAYER die Ansprüche der Opfer wegen angeblicher Verjährung zurück. (weitere Infos)

=> Der BAYER-Konzern ist einer der größten Hersteller von Bisphenol A. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die Chemikalie das Hormonsystem schädigen kann. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert seit langem ein Verbot risikoreicher Anwendungen, z.B. in Le-bensmittel-Verpackungen, Wasserflaschen und Kinderspielzeug. Seit Anfang März hat die EU den Einsatz von Bisphenol A in Babyflaschen endlich verboten. Trotzdem leugnet BAYER weiterhin die Gefahren der Chemikalie, viele gefährliche Anwendungen bleiben auf dem Markt. (weitere Infos)

weitere Informationen finden sich unter: www.cbgnetwork.org/3720.html

Diskriminierung

CBG Redaktion

Frankfurter Rundschau, 23. März 2011

Bayer'sche Diskriminierung

Weil sie sich im Beruf diskriminiert fühlen, haben sechs Frauen Klage gegen die Bayers US-Tochter eingereicht. Im Unternehmen fürchtet man eine Klagewelle. Die Frauen sollen schlechtere Aufstiegschancen gehabt und deutlich weniger verdient haben als männliche Kollegen.

Die US-Tochter des Bayer-Konzerns fürchtet eine Sammelklage wegen sexueller Diskriminierung. Sechs frühere und aktuelle Arbeitnehmerinnen der Arzneimittelsparte haben Klage vor einem Gericht im Bundesstaat New Jersey eingereicht. Sie werfen dem Konzern vor, er stelle weibliche Angestellte unter anderem in Bezug auf Bezahlung und Beförderung schlechter als männliche. „Bayer hat von der Arbeit meiner Klientinnen profitiert, ohne diese Arbeit entsprechend anzuerkennen“, sagte die Anwältin der Klägerinnen.
Die Frauen verlangen stellvertretend für zahlreiche Betroffene insgesamt hundert Millionen Dollar für entgangene Lohnzahlungen und Anwaltskosten. „Bayer weist die Vorwürfe der sexuellen Diskriminierung zurück und wird sich mit aller Entschiedenheit gegen die Klage wehren“, erklärte eine Sprecherin. Der Konzern sei traditionell einer Gleichbehandlung seiner Angestellten verpflichtet.
In der Begründung der Klägerinnen heißt es, Bayer betreibe eine systematische Diskriminierung seiner weiblichen Angestellten. Ihnen werde weniger gezahlt als ihren männlichen Kollegen, außerdem würden ihnen Aufstiegschancen in besser bezahlte Positionen verwehrt. Das beschränke ihre Möglichkeiten und setze sie einer „anderen Behandlung sowie einer feindlichen Umgebung“ aus.

Diskriminierende Äußerungen
Zwei der Klägerinnen hätten rund 30000 Dollar weniger erhalten als ihre männlichen Kollegen in ähnlicher Position. Bayer habe zudem Artikel in einem internen Newsletter veröffentlicht, die nahe legten, dass Männer für Management-Positionen besser geeignet seien als Frauen, weil diese zu „Stimmungsschwankungen“ und „Hinterhältigkeit“ neigten. Leitende Angestellte hätten sich außerdem negativ gegenüber Mitarbeiterinnen geäußert, die Schwangerschaftsurlaub beantragt hätten.
Wichtig für den Chemiekonzern ist zunächst, ob das US-Gericht die Sammelklage überhaupt zulässt. Bislang sind die Regelungen für solche Fälle in den USA unzureichend. Ändern könnte sich das noch diesen Sommer. Dann entscheidet der Oberste Gerichtshof in Washington über einen ähnlichen Fall gegen den Einzelhandelsriesen Wal-Mart – und trifft damit auch eine Grundsatzentscheidung über die Zulässigkeit von Sammelklagen. Die Richter wollen klären, wie ähnlich gelagerte Fälle von Geschädigten sein müssen, um vor Gericht gebündelt werden zu dürfen und ob etwa die Ansprüche früherer Arbeitnehmer separat von denen aktueller Beschäftigter behandelt werden müssen. Im Fall von Wal-Mart hatten sechs ehemalige Mitarbeiterinnen den größten Arbeitgeber des Landes stellvertretend für rund 1,4 Millionen Frauen wegen Ungleichbehandlung vor den Kadi gezogen. Sollten sie Erfolg haben, könnten Milliardenzahlungen auf das Unternehmen zukommen. Wal-Mart zweifelt die Zulässigkeit als Sammelklage an.

Unternehmen fürchten Klagewelle
In den vergangenen Wochen hatten sich mehr als 20 weitere US-Unternehmen, darunter Bank of America, Microsoft und General Electric, öffentlich auf die Seite der Einzelhandelskette geschlagen. Sie fürchten, je nach Ausgang, eine Welle ähnlicher Prozesse. Am 29. März sind vor dem Supreme Court Anhörungen angesetzt. Ein Urteil über die Zulässigkeit der Sammelklagen wird im Juli erwartet.
„Sollte der Supreme Court die Sammelklage zulassen, könnte das die Unternehmenskultur in den USA nachhaltig ändern“, glaubt Anwalt Joseph M. Sellers. „Das würde den Angestellten eine ganz neue Macht geben.“ Doch auch, wenn das Oberste Gericht die Klagen der Wal-Mart-Beschäftigten in mehrere Dutzend Fälle aufspaltet, sei das für den Konzern nicht unbedingt von Vorteil. Denn dann müsste sich Wal-Mart mit mehreren Gerichten auseinandersetzen. Bis zu einem endgültigen Urteil über die eigentliche Klage wird es auch nach der Entscheidung im Juli noch weitere 18 Monate dauern, glauben Rechtsexperten. Der Einzelhandelsriese beschäftigt in seinen gut 3700 US-Filialen fast zwei Millionen Menschen.
Wie eine Sprecherin des Bayer-Konzerns erklärt, hätten die sechs Klägerinnen zunächst Beschwerde vor der Gleichstellungsbehörde eingereicht. Zwar habe sich das Unternehmen bereiterklärt, „vollständig zu kooperieren“, doch die Frauen hätten die Gespräche abgebrochen und Klage vor Gericht eingereicht. Die US-Tochter des Leverkusener Konzerns beschäftigt insgesamt rund 16000 Frauen und Männer.

22. März 2011, Focus

Diskriminierung

Sechs Frauen wollen von Bayer 100 Millionen Dollar

Die Anschuldigung könnte sehr teuer werden: Mitarbeiterinnen werfen dem Bayer-Konzern in den USA unter anderem vor, sie bei Beförderungen übergangen zu haben. Die Kanzlei, die die Frauen vertritt, hat Erfahrung mit solchen Klagen.
Die Welle an teuren Diskriminierungsklagen in den USA hat den deutschen Pharmakonzern Bayer erreicht. Sechs ehemalige und derzeitige Mitarbeiterinnen von Bayer HealthCare Pharmaceuticals bezichtigen die US-Tochtergesellschaft in einer am Montag eingereichten Klageschrift, Männer bei der Bezahlung und Beförderung zu bevorzugen und überdies Schwangere und Mütter unter Druck zu setzen. Die Frauen verlangen 100 Millionen Dollar (70 Millionen Euro).

„Bayer benachteiligt seine weiblichen Angestellten systematisch – besonders die mit familiären Verpflichtungen“, sagte Anwältin Katherine Kimpel. Sie will das Unternehmen nun mit einer der gefürchteten Sammelklagen unter Druck setzen. Dabei treten die Kläger stellvertretend für eine größere Gruppe auf, was die Schadenssumme in die Höhe treibt.

175 Millionen von Novartis
Der Konzern weist die Vorwürfe zurück und kündigte an, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der Gegner ist allerdings nicht zu unterschätzen: Die Anwaltskanzlei Sanford Wittels & Heisler, die die Frauen vertritt, hatte dem Schweizer Pharmakonzern Novartis in einem ähnlichen Fall im Juli einen Vergleich über 175 Millionen Dollar abgetrotzt.

Nach Angaben der Anwaltskanzlei sind die Klägerinnen ehemalige Beschäftigte oder arbeiten noch bei Bayer in den USA in Führungspositionen. Der Konzern mit Sitz in Leverkusen beschäftigt in Nordamerika nach eigenen Angaben insgesamt 16 400 Menschen an mehreren Standorten. Die Klage ging im Bezirksgericht in Newark nahe New York City ein.

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[GenReis] GenReis stoppen

CBG Redaktion

19. März 2011

Riceland Foods erhält 136,8 Mio $ im Schadensersatzverfahren gegen Bayer CropScience

Ein Berufungsgericht in Stuttgart, Arkansas (USA), sprach am Freitag Riceland Foods Inc. einen Schadenersatz in Höhe von 136,8 Mio US-Dollar in einer Klage gegen Bayer CropScience wegen genverändertem Reis zu. Das Berufungsgericht sprach Riceland eine Entschädigungszahlung in Höhe von 11,8 Mio $ sowie ein von Bayer zu zahlendes Strafgeld zu.

In einer Verlautbarung, die Freitagnacht per E-Mail verbreitet wurde, brachte Bayer CropScience seine Unzufriedenheit mit dem Urteil zum Ausdruck und kündigte an, man wolle mögliche rechtliche Schritte prüfen. Es wurde auch bemerkt, die Gesetze des Staates Arkansas beschränkten Strafzahlungen auf 1 Mio $.

Riceland-Sprecher Bill J. Reed äußerte in einer E-Mail-Stellungnahme: „Wir sind darüber erfreut, dass das Gericht in seiner Urteilsfindung den enormen Schaden anerkennt, der Riceland und der gesamten Branche dadurch entstanden ist, dass der US-Reisbestand von Bayer mit seinem Liberty Link-Reis kontaminiert wurde.“

„Riceland sieht seinen Standpunkt durch das Gericht bestätigt, dass Bayer die alleinige Verantwortung für den Schaden trägt, der den Farmern durch den Verlust des EU-Marktes entstanden ist.“

„Obwohl Riceland weitere Entschädigungszahlungen angestrebt hat, akzeptieren wir die Entscheidung des Gerichts.“

Riceland hatte geklagt, dass Fahrlässigkeit seitens des Unternehmens Bayer CropScience der bäuerlichen Vermarktungsgemeinschaft Riceland seit August 2006 Verluste von 380 Mio $ zugefügt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das US-Landwirtschaftsministerium Bayers experimentellen Liberty Link-Reis in den US-Beständen von Langkornreis entdeckt.

Die Europäische Union, bis dahin namhafter Abnehmer von Reis aus Arkansas, verhängte ein Importverbot gegen Reis mit Spuren genetisch modifizierter Organismen (GMO). Mit Bekanntgabe der Entdeckung durch das Ministerium verloren die Farmer den EU-Markt und damit Umsätze in Millionenhöhe. Arkansas erzeugt mehr Reis als jeder andere US-Bundesstaat. Die EU hat im Juni 2010 die Testprozedur für Reis aus den USA aufgehoben, jedoch konnten in der Zwischenzeit andere Anbieter den EU-Markt übernehmen und die US-Farmer verdrängen, so die Vertreter der Reisanbauern.

Seitdem wurden eine Reihe von Schadenersatzklagen gegen Bayer eingereicht. Im April 2010 hatte eine Berufungsgericht in Lonoke, Arkansas, Bayer zu Entschädigungs- und Strafzahlungen in Höhe von 5,9 bzw. 42 Mio $ an zwölf örtliche Reisanbauer verurteilt. Bayer legte Berufung gegen die Entscheidung ein. (Jan Cottington, Arkansas Business News; Übersetzung: Peter Horn)

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[Gegenantrag] Gegenanträge Bayer HV

CBG Redaktion

16. März 2011

Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren, hat heute einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April in Köln eingereicht. Die Gegenanträge wurden auch auf der website des Konzerns veröffentlicht.

Hauptversammlung am 29. April 2011

Hiermit zeige ich an, dass ich zu Punkt 2 und 3 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für die folgenden Gegenanträge zu stimmen. Um Mitteilung der Gegenanträge sowie der Begründung darf ich gemäß §§ 125, 126 AktG bitten.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Begründung: Die BAYER AG rechnet sich vor dem Fiskus gezielt arm. Hierdurch wird die Höhe der gezahlten Ertragssteuern trotz hoher Gewinne erneut reduziert. Die Zeche wird der arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet, deren Abgaben- und Steuerlast ständig steigt. Es ist nicht hinzunehmen, dass BAYER sich kaum noch an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligt. Zumal die Armrechnerei gängige Praxis aller Konzerne ist.

Der von BAYER tatsächlich erzielte Gewinn lag im vergangenen Jahr bei über sieben Milliarden Euro. Ein Plus von fast zehn Prozent. Der Umsatz stieg sogar um zwölf Prozent. Im Geschäftsbericht verkündet BAYER eine Gewinnquote von sage und schreibe 20,2 Prozent! Die Aktionäre erhalten entsprechend erneut eine höhere Dividende: 1,16 Milliarden Euro (973 Mio Euro im Vorjahr).
Die von BAYER gezahlten Steuern hingegen befinden sich auf Talfahrt: Lagen die Ertragssteuern zwischen 1997 und 2000 noch bei umgerechnet rund einer Milliarde Euro jährlich, so fielen sie 2009 auf 511 Millionen Euro und für 2011 nun auf 411 Millionen Euro. Der Konzern entzieht sich damit immer weiter seiner Verantwortung für die Allgemeinheit. Zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung, die über steigende Steuern und Abgaben die Zeche zahlen muss.
Es ist ein nicht hinzunehmender Skandal, dass ein Konzern wie BAYER immer weniger zur Finanzierung des Gemeinwesens beiträgt. Steuern von 411 Mio. Euro decken – das wird auf den ersten Blick deutlich - noch nicht einmal die durch den Konzern hervorgerufenen gesellschaftlichen Infrastruktur-, Verwaltungs- und Kontrollkosten.
Die von BAYER vorgelegten Bilanzen sind Verschiebe-Bahnhöfe ohne wirkliche Aussagekraft. Der Konzern heuert hochqualifizierte Fachleute an, die oft dank entsprechender Köderzahlungen direkt aus den Finanzdirektionen in die Steuerabteilung des Konzerns wechseln, und hat zusammen mit der übrigen Konzernlobby für eine im wahrsten Sinn des Wortes gemeingefährliche Steuergesetzgebung gesorgt. So wird es für BAYER möglich, sich arm zu rechnen und die Steuerlast zu senken, selbst wenn die Gewinne explodieren.
BAYER machte u.a. Sonderabschreibungen von 1,7 Mrd. Euro geltend, um seinen Gewinn runter zu rechnen. Neben der Abschreibung auf Grund der Tilgung des Markennamens Schering müssen übrigens auch Prozesskosten für die Abwehr von Entschädigungen von Medikamenten-Opfern für Steuersenkungen herhalten.
Die Entwicklung liegt auf bekanntere Linie: Bereits die Unternehmenssteuer-Reform von 2001 hatte wesentlich zum Einbruch der Konzern-Abgaben geführt. BAYER zahlte damals jahrelang überhaupt keine Gewerbe- und Körperschaftssteuern mehr. Das entsprechende „goldene“ Gesetz war seinerzeit von Heribert Zitzelsberger ausgearbeitet worden, einem BAYER-Mann aus der Abteilung für Steuerfragen, den der Konzern in das Finanzministerium entsandte.

Der Vorstand trägt die Verantwortung für die „1000 Steuer-Tricks“ der BAYER AG. Deshalb beantrage ich Nicht-Entlastung.

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

BAYER will in den Werken Dormagen und Brunsbüttel die Herstellung von Polyurethan stark ausweiten. In beiden Fällen soll Phosgen als Vorprodukt eingesetzt werden. Ein Stoff, den BAYER im 1. Weltkrieg als chemischen Kampfstoff entwickelte und der heute zu den giftigsten Industrie-Chemikalien überhaupt zählt. Seit Jahren ignoriert BAYER die Forderung, existierende phosgenfreie Verfahren in die Großtechnologie zu überführen und zementiert stattdessen mit immer neuen Anlagen auf Phosgen-Basis die veraltete, hochriskante Produktionsweise.

Im Werk Brunsbüttel will BAYER die Kunststoff-Produktion mehr als verdoppeln: statt 200.000 Tonnen des Weichschaums TDI sollen künftig 420.000 Tonnen des Hartschaums MDI hergestellt werden. In Dormagen soll die Kapazität von TDI auf 300.000 Tonnen versechsfacht werden.
Mit den geplanten Erweiterungen würde sich auch die Herstellung des tödlichen Gases Phosgen, das in der Polyurethan-Herstellung als Vorprodukt verwendet wird, jährlich um Zehntausende Tonnen erhöhen. Phosgen ist für den Menschen schon in geringsten Dosen tödlich. Seine Inhalation führt zu Luftnot, Lungenödem und dann zum Herzstillstand. Die Phosgen-Chemie gilt als die gefährlichste Technologie in Deutschland nach der Atomkraft.
Der TÜV Rheinland kam in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass bei einem Phosgen-GAU die Bevölkerung in einem Areal von 1,7 Quadratkilometern einer Dosis ausgesetzt wäre, die bei jedem Zweiten zum Tode führt. Das wären bei einer mittleren Bevölkerungsdichte wie zum Beispiel im Raum Köln über 2000 Personen. In der sogenannten B-Zone, einem Gebiet von 6,75 Quadratkilometern, wären die Bewohner (ca. 17.000 Personen) einer Belastung ausgesetzt, die zumindest im Einzelfall zum Tode führen kann. Die Folgen für die Betroffenen: anfänglich Hustenreiz, Brennen der Augen, Kopfschmerzen, Erbrechen, nach einigen Stunden dann Lungenödem.
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert seit Jahren den Einsatz phosgenfreier Verfahren bei der Produktion von Polyurethanen und Polycarbonaten. BAYER hat bislang nicht dargelegt, inwiefern solche alternativen Verfahren untersucht wurden oder ob diese lediglich aus Profitgründen oder wegen fehlender Patente nicht entwickelt werden.
Anfang März hat BAYER angekündigt, in Dormagen ein Polyurethan-Forschungslabor zu bauen. Alle Anstrengungen des Konzerns sollten darauf konzentriert werden, eine phosgenfreie Produktion von Polyurethan und Polycarbonat zur Serienreife zu bringen. Vorher sollten keine neuen Anlagen gebaut werden, denn bei einer Lebensdauer von 30-35 Jahren würde diese gefährliche Produktionsweise sonst für Jahrzehnte festgeschrieben.
Dass die Risiken für Anwohner und Belegschaft nicht theoretischer Natur sind, zeigt der schwere Störfall im BAYER-Werk Institute/USA, in dem ebenfalls Phosgen in großen Mengen als Vorprodukt eingesetzt wird, vor zwei Jahren. Die Explosion war in einem Umkreis von 10 Meilen zu spüren. Ein Untersuchungs-Ausschuss des US-Kongresses kam zu dem Ergebnis, dass nur glückliche Umstände eine Katastrophe wie in Bhopal verhindert hätten.
Im Jahr 2000 trat in Dormagen nach einer Leckage in einem Wärmetauscher Phosgen aus. Dies führte zu Alarmstufe 1. Mehr als 30 Mitarbeiter mussten ärztlich behandelt werden.
Auch in der Polyurethan-Produktion selbst kam es wiederholt zu schweren Störfällen, so in Dormagen 1997 und im US-Werk Baytown 2004 und 2006. Amerikanische Gutachter stellten nach den Explosionen eine Vielzahl schwerwiegender Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen fest und bezeichneten das Vorgehen von BAYER MaterialScience als „grob fahrlässig“. Angesichts des hohen Risikos und der häufigen Zwischenfälle ist ein Ausstieg aus der Phosgenproduktion aus Vorsorgegründen dringend erforderlich.

Der Aufsichtsrat hat keine Schritte in Richtung eines Ausstiegs aus der Phosgen-Chemie unternommen, duldet den Ausbau der hochgefährlichen Phosgen-Produktion und wird damit seiner Verantwortung nicht gerecht. Deshalb beantrage ich Nicht-Entlastung.

Mit freundlichen Grüßen,

Axel Köhler-Schnura
Vorstandsmitglied Coordination gegen BAYER-Gefahren

GenBaumwolle

CBG Redaktion

Testbiotech - 14. März 2011

EU vor Genehmigung von gentechnisch verändertem Mais mit potenziellem Gesundheitsrisiko

Der EU-Agrarministerrat befasst sich am 17. März 2011 mit dem Antrag auf Marktzulassung für die sogenannte Stacked-event-Maissorte MON 89034 x MON 88017 von Monsanto. Auf der Tagesordnung stehen auch eine weitere neue Zulassung für die Baumwolle GHB614 der Bayer AG sowie die Erneuerung der Zulassung von Mais 1507 von Pioneer. Testbiotech fordert, diese Anträge abzulehnen, weil die erforderlichen Standards für die Bewertung der gesundheitlichen Risiken nicht erfüllt sind und neue Veröffentlichungen die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zeigen.

Hintergrund (PDF, 186 kB): http://www.testbiotech.de/sites/default/files/TBT_Background_14_3_2011.pdf

[GAU Japan] Atomkraft – Nein Danke

CBG Redaktion

14. März 2011

MITMACHEN: Mahnwachen in 320 Städten

Wir verfolgen die schrecklichen Entwicklungen in Japan mit Bestürzung und Trauer.

Um der Opfer zu gedenken und um einen weltweiten Ausstieg aus der Kernenergie zu fordern, wird es heute überall in Deutschland Mahnwachen geben. In den meisten Städten finden die Kundgebungen zwischen 18 und 18.30 Uhr statt. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren ruft zur Teilnahme auf.

Die Lügen, die man der japanischen Bevölkerung zur Sicherheit der Atom-Anlagen erzählt hat, sind auf einen Schlag entlarvt worden. Die Nutzung der Atomkraft birgt nicht zu verantwortende Risiken – überall in der Welt! Es ist höchste Zeit, vollständig auf erneuerbare Energien umzusteigen. Auch die deutschen Reaktoren müssen stillgelegt werden.

genaue Termine und Ortsangaben finden sich unter: http://www.ausgestrahlt.de

Wachstumshormone

CBG Redaktion

11. März 2011

Hormonfleisch: Anzeige von Wissenschaftlern von Lobbyverband konzipiert

Eine australische Supermarkt-Kette hat in dieser Woche angekündigt, nur noch Rindfleisch zu verkaufen, das ohne Wachstumshormone produziert wird. Hintergrund: 40% (!) der australischen Rinder werden mit Hormonen behandelt.

Daraufhin erschien in der Tageszeitung The Australian eine ganzseitige Anzeige von 35 Wissenschaftlern, die die Ankündigung als „bad for the environment, bad for people and bad for animals“ diskreditierten. Einen Tag später kam raus, dass die Anzeige von dem Lobbyverband Animal Health Alliance, dem auch Bayer angehört, organisiert wurde.

The Australian March 11, 2011

=Drug companies funded vets hormone ad

SUPERMARKET chain Coles blasted eminent scientists yesterday for lobbying against its hormone-free beef in a campaign bankrolled by drug companies.
Natasha Bita
Thirty-five leading veterinary scientists - including CSIRO livestock industries chief Alan Bell - signed a full-page advertisement in The Australian yesterday branding the Coles hormone ban as „bad for the environment, bad for people and bad for animals“.
They said the chain‚s decision to ban all beef with added hormones would increase farmers‘ production costs, without benefiting consumers.
But the campaign backfired yesterday when it was revealed that the Animal Health Alliance - representing the major veterinary drug manufacturers including Bayer, Pfizer and Novartis - had bankrolled it.
Coles spokesman Jim Cooper said the campaign was „really about protecting the interest of the pharmaceutical companies“.
„It‚s colourful, emotive rhetoric from scientists,“ he said. „The scientists may be well-meaning but we believe they potentially are just being used by a group keen to protect its commercial interests.“
Mr Cooper said Coles had never claimed hormones were unsafe, and cited scientific studies - including one from the CSIRO - that concluded some cuts of hormone-free beef could be more tender.
The scientists‘ spokesman, Ian Lean, adjunct professor at the University of Sydney‚s veterinary school, said the veterinarians had come up with the idea of the campaign and contributed to the cost.
„We went to the animal health companies because there is an overlap of interests, and we‘ve gone to them to get the muscle to present our view,“ he said.
Professor Lean accused Coles of scaring consumers into thinking hormone-free beef was better.
„For Coles to go out and say it's about tenderness is absolutely not correct,“ he said.
About 40 per cent of Australian cattle were injected with growth hormones, testosterone or oestrogen, he said, which meant they consumed a third less food and water.

Bienensterben

CBG Redaktion

10. März 2011

UN-Bericht: Pestizide, Parasiten und zerstörte Lebensräume bewirken Bienensterben

Studie im Volltext (engl) http://bit.ly/h7aKik

Zerstörte Lebensräume, Pestizide und Parasiten machen den Bienen weltweit stark zu schaffen. Das geht aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor, der heute in Genf vorgestellt wurde. Auch der Klimawandel kann dem UNEP zufolge negative Folgen für die Insekten haben – denn dadurch könnte der genau aufeinander abgestimmte Lebensrhythmus von Bestäuber und Pflanze durcheinandergebracht werden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren weist seit den 90er Jahren darauf hin, dass Pestizide eine große Gefahr für Bienen darstellen. Der von BAYER hergestellte Wirkstoff Imidacloprid wurde in Frankreich schon 1999 verboten; auch das Nachfolgeprodukt Clothianidin erhielt dort wegen Bienengefährlichkeit keine Zulassung. Clothianidin war für das große Bienensterben in Süddeutschland 2008 verantwortlich.

Die BAYER-Pestizide Poncho (Clothianidin) und Gaucho (Imidacloprid) werden in dem Bericht als Gefahr für zahlreiche Tiere bezeichnet. Wörtlich heißt es auf Seite 7: “Systemic insecticides such as those used as seed coatings, which migrate from the roots through the entire plant, all the way to the flowers, can potentially cause toxic chronic exposure to non-target pollinators. Various studies revealed the high toxicity of chemicals such as Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam and associated ingredients for animals such as cats, fish, rats, rabbits, birds and earthworms. Laboratory studies have shown that such chemicals can cause losses of sense of direction, impair memory and brain metabolism, and cause mortality.”

Viele Nutzpflanzen, wie Nüsse, Früchte und Getreide sind auf die Bestäubung durch Bienen oder andere Insekten angewiesen. „Tatsache ist, dass von den 100 Nutzpflanzen, die 90 Prozent der Nahrungsmittel weltweit beisteuern, mehr als 70 durch Bienen bestäubt werden“, sagte UNEP-Direktor Achim Steiner heute.

Vor allem Europa und Nordamerika wurden von einem großflächigen Bienensterben heimgesucht. Der Unep-Bericht zeigt nun, dass die Angelegenheit zum globalen Problem wird. Fälle von Bienensterben gibt es nämlich auch in Japan, China und Ägypten. Damit wären mit Asien und Afrika zwei weitere Kontinente betroffen. In Ägypten handelt es sich offenbar noch um isolierte Fälle, die vor allem entlang des Nils beobachtet wurden. In Japan ist dagegen dem Bericht zufolge jede vierte Bienenkolonie von einem Massensterben betroffen. Auch in China seien die Probleme großflächig aufgetreten, berichtet das Uno-Umweltprogramm.

zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April in Köln ist eine Kundgebung von Imkern geplant

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[CO Pipeline] CO Pipeline stoppen!

CBG Redaktion

NRhZ, 10. März 2011

Gefährliche CO-Pipeline von BAYER kommt ab 23. Mai wieder vor Gericht

Kläger: „Bauer Muhr“

Seit mehr als drei Jahren versucht der BAYER-Konzern das 67 Kilometer lange CO-Giftrohr von Köln-Worringen bis nach Krefeld-Uerdingen durchzusetzen. Über die Gefahren für die Anwohner und deren Widerstand gegen das Giftgas-Projekt hat die NRhZ immer wieder berichtet. Nun wurden vom Verwaltungsgericht (VG) Düsseldorf für „die gesamte 21. Kalenderwoche 2011, beginnend Montag, den 23. Mai 2011“, 9.00 Uhr, Verhandlungstermine „gegen die Planfeststellung in Sachen CO-Pipeline“ der Bezirksregierung angesetzt. Einer der Kläger ist der Landwirt Heinz-Josef Muhr.

Der „Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung zur Errichtung und zum Betrieb einer Rohrfernleitungsanlage zum Transport von gasförmigem Kohlenmonoxid von Köln-Worringen bis nach Krefeld-Uerdingen“ mit seinen 478 Seiten trägt das Datum vom 14. Februar 2007. Der Beschluss „regelt“ alles zugunsten von BAYER, kommt aber auf Seite 338 immerhin zu der Feststellung: „Eine absolute Sicherheit ist mit dieser technischen Anlage allerdings niemals zu erreichen und kann weder durch den zukünftigen Betreiber der Rohrfernleitungsanlage noch behördlicherseits durch nochmals weitergehende Auflagen erreicht werden.“ Auf Seite 342 heißt es ergänzend, „dass bei dem Betrieb von Rohrfernleitungen tödliche Unfälle und Verletzungen nicht ausgeschlossen sind.“ Genehmigt wurde trotzdem. Seitdem gab es 27 Planänderungsbescheide und -beschlüsse für die Giftgas-Leitung, weil BAYER immer wieder eigenmächtig „Planabweichungen“ vornahm.

Die Termine für die Verhandlung verfügte der Vorsitzende Richter am VG, Schwerdtfeger, für die 3. Kammer des Gerichts, denn die 3. Kammer ist nach dem Geschäftsverteilungsplan des VG zuständig für „Planfeststellungs- und Enteignungsrecht nach dem Gesetz über Enteignung und Entschädigung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 20. Juni 1989“. 65 „Einwender“ gegen die CO-Pipeline wurden 2007 dokumentiert. Die Befürchtungen der „Einwender“ waren eindeutig. Die Antworten der Bezirksregierung Düsseldorf ebenfalls. Beispiel „Einwender Nr. 61“: „Der Einwender wendet sich gegen die Inanspruchnahme von Flächen.“ Der „Textbaustein“ der Behörde dazu auf Seite 467: „Der Einwand wird zur Kenntnis genommen, eine Abänderung der Trassenplanung bewirkte es nicht.“

Ein „Einwender“, der sich einen solchen Bescheid nicht gefallen ließ, und Kläger in der Auseinandersetzung mit BAYER wurde der 77 Jahre alte Heinz-Josef Muhr. Er ist Landwirt im Monheimer Stadtteil Baumberg und Bürgerrechtler. Als „Bauer Muhr“ wurde er durch seinen Widerstand gegen die Enteignung eines Teils seiner Grundstücke im Trassenverlauf der geplanten Pipeline sogar in überregionalen Medien bekannt. Und die Stadt Monheim koordinierte ihr Vorgehen mit dem “Musterkläger Muhr„, um den Bau der Pipeline für rechtswidrig erklären zu lassen.

Auch die Stadt Düsseldorf war - wie Monheim und andere Städte und Gemeinden entlang der Pipeline-Strecke - nicht bereit, eigene Grundstücke zugunsten des BAYER-Konzerns abzutreten. Dabei musste sie eingestehen, dass sie nur unzureichend von dem “Vorhabenbetreiber“ - also BAYER - und der Genehmigungsbehörde informiert wurde. In ihrer Antwort auf eine Anfrage der DKP im Gerresheimer Rathaus hieß es zum Beispiel: „In welcher Art und Weise die Anforderungen der technischen Regel für Rohrleitungsanlagen (TRFL) - insbesondere hinsichtlich der Hanglage im Bereich des Dahlhofsweges - während des Planfeststellungsverfahrens von der Bezirksregierung Düsseldorf berücksichtigt werden, liegen der Verwaltung keine Informationen vor.“

Als erste Umweltorganisation hatte die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) - die sich bereits seit 30 Jahren mit allen Risiken, die von der Geschäftspolitik der Bayer AG ausgehen, befasst - bereits Anfang 2006 auf die Gefahren der CO-Pipeline hingewiesen. “Wir haben frühzeitig in den Hauptversammlungen der Bayer AG gegen das Projekt protestiert, Flugblätter und Aufkleber gestreut und Demonstrationen mit vorbereitet„, so Philipp Mimkes von der CBG. Gegen die CO-Pipeline gibt es inzwischen mehr als 110.000 Unterschriften. Und es fanden natürlich zahlreiche Demonstrationen gegen die Pipeline statt. - “Bauer Muhr„ ist also nicht allein in seinem Kampf.

Auch die DKP in Gerresheim bei Düsseldorf solidarisierte sich mit ihm. Über mehrere Jahre hat sie immer wieder “Schwachstellen“ im östlichen Düsseldorfer Trassenabschnitt dokumentiert und zur Anzeige gebracht. Ergebnis: Die Polizei gab diese Anzeigen weiter an die Genehmigungsbehörde. Und von der Bezirksregierung gab es bestenfalls einen der oben erwähnten "Textbausteine“ als Antwort. Uwe Koopmann

Alle Infos zur Kampagne der Coordination

Unterschriftensammlung

CBG Redaktion

Vor einer großtechnischen Produktion neuartiger Stoffe muss deren toxikologische Unbedenklichkeit bewiesen werden - sonst darf keine Baugenehmigung erteilt werden! Ich fordere eine unabhängige Erforschung der Risiken von Nanotubes. Für Nanomaterialien in Konsumprodukten muss allgemein eine strikte Deklarationspflicht gelten.

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