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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Kartellstrafen] STICHWORT BAYER 04/2005

CBG Redaktion

Preisabsprachen, Druck auf Zulieferer, manipulierte Angebote:

Erneute Kartell-Strafen gegen BAYER

Gleich zweimal innerhalb weniger Tage wurde der BAYER-Konzern illegaler Kartellabsprachen überführt. Immer wieder muss das Unternehmen Strafen in Millionenhöhe zahlen. VerbraucherInnen und öffentliche Kassen werden um Milliardenbeträge betrogen. Die weitaus meisten Kartelle dürften niemals aufgedeckt werden.

Von Philipp Mimkes

Die portugiesische Kartellbehörde verhängte Mitte Oktober gegen fünf Pharmaunternehmen Strafen in Millionenhöhe. Unter den Firmen befinden sich die Leverkusener BAYER AG, die eine Strafe von 5,2 Mio Euro erhielt, sowie die US-Konzerne ABBOTT und JOHNSON & JOHNSON. Nur wenige Tage später wurden zwanzig Pharma-Unternehmen, darunter erneut BAYER und ABBOTT sowie die Pharmamultis ROCHE, BOEHRINGER und SCHERING PLOUGH, in Brasilien wegen der Bildung eines Kartells zu Strafzahlungen verurteilt.

In Portugal hatten die Konzerne jahrelang bei der Belieferung von Krankenhäusern ihre Preise abgesprochen. Hierdurch sollte der Wettbewerb zwischen den Anbietern „verhindert, beschränkt oder verfälscht“ werden, so die portugiesischen Ermittler. Die Untersuchungen waren aufgenommen worden, nachdem das städtische Krankenhaus von Coimbra, der drittgrößten Stadt Portugals, eine Beschwerde eingereicht hatte: die fünf beteiligten Konzerne hatten in einem Bieter-Verfahren für ein Medikament ein und den selben Preis verlangt.

„Ein Unrechtsbewußtsein ist bei BAYER nicht vorhanden. Der Konzern wird immer wieder bei illegalen Preisabsprachen erwischt – die Rechnung zahlen die VerbraucherInnen und die öffentliche Hand. Es steht zu befürchten, dass die Mehrzahl dieser kriminellen Handlungen unentdeckt bleibt“, so Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Die CBG, die den Konzern seit 25 Jahren überwacht, hat eine Vielzahl ähnlicher Betrugsfälle dokumentiert und mehrfach in der BAYER-Hauptversammlung zum Thema gesprochen. Der Verein fordert juristische Konsequenzen für die verantwortlichen Vorstandsmitglieder des Konzerns.

In Brasilien hatten die Konzerne bereits im Juli 1999 Absprachen getroffen, um den Import preiswerter Generika nach Brasilien zu behindern. Nach einer sechsjährigen Untersuchung und einem sechsmonatigem Prozess verfügte nun die brasilianische Kartellbehörde CADE Strafen in Höhe von ein bzw. zwei Prozent des jeweiligen Jahresumsatzes der Firmen. „Die Unternehmen haben ihre Zulieferer unter Druck gesetzt und sich hierbei abgesprochen“, erläutert Fernando Rigato von der CADE. Hierdurch sollten Generika-Importe unterbunden werden. „Jede Verzögerung bedeutete saftige Gewinne für die Firmen“, so Rigato weiter.

In Brasilien spielen Generika eine große Rolle bei der Behandlung von AIDS-Kranken. Die brasilianische Regierung stellt die Medikamente zur Behandlung der rund 150.000 Infizierten kostenlos zu Verfügung. Die Hälfte der Präparate besteht aus einheimischen - vor allem von staatlichen Pharmafirmen hergestellten - Generika.

Hubert Ostendorf von der CBG ergänzt: „Gesundheit gehört allen. Patentfreie Medikamente müssen allgemein zu Verfügung stehen, die Patentlaufzeiten sollten drastisch verkürzt werden“. Ostendorf weist darauf hin, dass sich wegen des ungehinderten Konzentrationsprozesses immer weniger Pharmaproduzenten auf dem Markt befinden. Dies erleichtert Kartellabsprachen, zumal die zuständigen Behörden mehr und mehr zu Dienstleistern der Pharmaunternehmen degradiert werden.

In der Vergangenheit gab es bereits eine große Zahl von Betrugsverfahren gegen BAYER: Im Sommer 2004 zahlte BAYER 66 Millionen Dollar Strafe, nachdem sich die Firma schuldig bekannt hatte, mit Konkurrenten die Preise für Kautschuk-Chemikalien abgesprochen zu haben. Im Herbst des vergangenen Jahres flog ein Kartell für Kunststoff-Vorprodukte auf, die Strafe für BAYER: 33 Mio Dollar. In den 90er Jahren hatte die damalige Tochterfirma HAARMANN & REIMER mit fünf Wettbewerbern ein Kartell für Zitronensäure gebildet. Dabei hatten die Firmen Verkaufsquoten ausgehandelt und die Endpreise vorab exakt festgelegt. Gegen HAARMANN & REIMER wurden Strafen von 100 Mio Dollar verhängt - die bis dahin zweithöchste Kartellstrafe in der US-Geschichte.

Ebenfalls in den USA hatte BAYER über Jahre hinweg bei Lieferungen an die staatlichen Gesundheitsprogramme „Medicare“ und „Medicaid“ falsche Preise gemeldet. Dem Staat waren jährliche Schäden von rund einer Milliarde Dollar entstanden. Den US-Behörden fielen geheime Firmen-Dokumente zu, in denen die Manipulationen als bewährte „Marketing-Instrumente“ beschrieben wurden. BAYER zahlte letztlich jedoch nur 14 Millionen Dollar Entschädigung - Konsequenzen für die zuständigen Manager gab es nicht.

Gen-Raps

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 2. September 2005

Kanada: Sammelklage von Biobauern zugelassen

Monsanto und Bayer sollen für Gen-Kontamination haften

Der Gerichtshof des kanadischen Bundesstaats Saskatchewan hat eine Sammelklage von rund 1000 Biobauern gegen die Konzerne Monsanto und Bayer CropScience zugelassen. Die Landwirte fordern Entschädigungen für Einnahmeverluste, die durch die Kontamination ihrer Raps-Ernte durch genmanipulierte Sorten entstanden sind. Die Kläger werden von der Umweltorganisation Organic Agriculture Protection Fund unterstützt.

Larry Hoffman, einer der beiden Initiatoren der Klage: „Ein Landwirt wie ich kann es sich nicht leisten, gegen einen Konzern wie Monsanto zu prozessieren, selbst wenn dieser meinen Lebensunterhalt gefährdet. Aber wenn wir uns in einer Sammelklage zusammentun, können wir diese Unternehmen mit gemeinsamer Kraft dazu bringen, für ihr Handeln zu haften“.

Gentechnisch manipulierter Raps wird in weiten Teilen Nordamerikas angebaut. Die gentechnische Veränderung bewirkt, dass der Raps gegen ein zugehöriges Herbizid resistent ist. Bayer und Monsanto sichern hierdurch den Absatz ihrer Agrogifte. Genmanipulierte Raps-Pollen können jedoch durch Wind und Insekten mehrere Kilometer weit getragen werden und herkömmlichen Raps bestäuben. In Nordamerika ist es daher praktisch unmöglich, genfreien Raps anzubauen. Konventionell arbeitende Landwirte verlieren hierdurch ihre Exportmärkte, da in den meisten Teilen der Welt genfreier Raps nachgefragt wird.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Die unkontrollierte Ausbreitung von Gen-Pflanzen ist kein Unfall, sondern wird von Unternehmen wie Bayer und Monsanto bewusst in Kauf genommen. Landwirte verlieren hierdurch die Möglichkeit, gen-freie Landwirtschaft zu betreiben. Die Verbraucher sollen langfristig gezwungen werden, Gen-Pflanzen zu sich zu nehmen“. Auch in Australien kämpfen derzeit Landwirte gegen die Verunreinigung ihrer Ernten durch Gen-Raps von Bayer. Im Juli mussten australische Raps-Lieferungen nach Japan wegen solcher Kontaminationen gestoppt werden.

Eine Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) hatte im vergangenen Jahr für Raps ein hohes Auskreuzungsrisiko festgestellt. Gen-Raps kreuzt sich nicht nur mit normalen Raps-Pflanzen, sondern auch mit Rüben, Kohlrüben oder dem Schwarzen Senf. Kreuzen sich herbizidresistente Pflanzen mit normalen Pflanzen, besteht die Gefahr, dass sich die Resistenzen übertragen. Da Gen-Saat mehrere Jahre im Boden überdauern kann, können sich solche Gen-Übertragungen über Jahre hinweg unkontrolliert fortsetzen. In Kanada sind bereits Pflanzen entstanden, die gegen drei Herbizide gleichzeitig resistent sind. Die kanadische Royal Society befürchtet daher, dass auswildernder, resistenter Raps zum größten Unkraut-Problem Kanadas wird.

Kontakt Organic Agriculture Protection Fund: http://www.saskorganic.com/oapf
Gerne senden wir auch die Entscheidung des Gerichtshofs von Saskatchewan zu

[75 J. Leverkusen] 75 Jahre Leverkusen

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 19. August 2005

Zur Feier des 75jährigen Stadtjubiläums am Sonntag:

„Leverkusen muss sich aus Umklammerung des BAYER-Konzerns lösen“

Anlässlich der Leverkusener Jubiläumsfeier am Sonntag erinnert die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) an die andauernde Abhängigkeit der Stadt vom BAYER-Konzern. Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG: „Leverkusen gehört wie Wolfsburg zu den Städten, die auf Initiative eines Konzerns hin gegründet wurden und die sich jahrzehntelang in einem totalen Abhängigkeitsverhältnis befanden. Der übermäßige Einfluss eines Unternehmens auf ein Gemeinwesen ist undemokratisch - es wird Zeit, dass sich die Stadt aus der Umklammerung von BAYER löst“.

Die BAYER-Fabrik in Wiesdorf, heute Stadtteil von Leverkusen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Die Standort-Entscheidung fiel in erster Linie wegen der Möglichkeit, dort ungehindert Schadstoffe in Luft und Wasser zu emittieren - am alten Werksstandort in Wuppertal war es zu Protesten gegen die anhaltende Verschmutzung gekommen. Für Wiesdorf ergaben sich aus der raschen Expansion des Werkes zahlreiche Probleme: die Ausgaben für kommunale Einrichtungen wie Schulen und Verwaltungsgebäude trieben die Schulden der Gemeinde in die Höhe. Der Zugang zum Rhein wurde über mehrere Kilometer vom Werksgelände versperrt. Und die Infrastruktur wurde vollständig auf die Bedürfnisse des Werks hin ausgerichtet.
Bis vor wenigen Jahren wurde sogar der Haushalt der Stadt Leverkusen vor seiner Verabschiedung dem BAYER-Vorstand vorgelegt. Auch als Besitzer Tausender Wohnungen nahm das Unternehmen Einfluss. Vor einigen Jahren stellte der Konzern dank „kreativer Buchführung“ die Gewerbesteuerzahlungen vollständig ein; die Stadt steht seitdem vor dem finanziellen Kollaps.

Die CBG bemängelt auch die anhaltend hohe Umweltbelastung durch das Leverkusener BAYER-Werk. Aktuell in der Kritik steht die Landesgartenschau in der Leverkusener Dhünnaue, dort hatte das angrenzende BAYER-Werk jahrzehntelang giftige Chemikalien entsorgt und mangelhaft gesichert. In den 50er Jahren wurde das Gelände bebaut, die Bewohner erfuhren jedoch nichts von der Giftfracht auf ihren Grundstücken. Erst als es zu Vergiftungen und Todesfällen kam, wurden die Häuser abgerissen. Entgegen der Forderung von Umweltverbänden wurden die Giftstoffe jedoch nicht abgetragen, sondern nur seitlich abgedichtet. Um den Skandal zu kaschieren, wurde auf dem Gelände nun die Gartenschau eingerichtet, dort findet auch am Sonntag das „Jubiläums-Feuerwerk“ statt.

Uwe Friedrich von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Mit Hilfe der Landesgartenschau soll vergessen gemacht werden, dass der BAYER-Konzern über Jahrzehnte hinweg die Gefahren der Dhünnaue - der größten bewohnten Giftmülldeponie Europas - verharmlost hat. Die Deponie vergiftete das Grundwasser und schädigte die Gesundheit zahlreicher Anwohner. Nur teilweise abgesichert soll nun im wahrsten Sinne des Wortes Gras über den Skandal wachsen.“ Die CBG fordert eine kritische Aufarbeitung der Leverkusener Stadtgeschichte, in der der Einfluss des Konzerns auf die Stadtentwicklung dargestellt wird.

Antibiotikaresistenzen

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 17. August 2005

Internationale Kampagne KeepAntibioticsWorking erfolgreich:

US-Behörden verbieten Tierantibiotikum Baytril

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat das Tierantibiotikum Baytril mit sofortiger Wirkung für die Geflügelzucht verboten. Damit soll der zunehmenden Resistenz von Bakterien gegen die Substanzklasse der Fluorchinolone Einhalt geboten werden. Laut FDA-Sprecher Lester Crawford habe sich herausgestellt, „dass der Einsatz von Baytril für Geflügel nicht sicher ist“.

Der Wirkstoff von Baytril ist identisch mit Antibiotika, die in der Humanmedizin eingesetzt werden. Verbraucherschützer und Ärzte warnen seit Jahren davor, dass der übermäßige Antibiotika-Einsatz im Tierstall zu Resistenzbildungen führt. Die Folge: immer mehr resistente Erreger werden auf den Menschen übertragen und können nicht mehr mit Fluorchinolonen behandelt werden.

Hersteller von Baytril ist der Leverkusener BAYER-Konzern. Schon vor fünf Jahren hatte die FDA gefordert, die fraglichen Tierarzneien vom Markt zu nehmen. BAYER war der Aufforderung als einziger Produzent nicht gefolgt. „Auf ein Einsehen der Firma BAYER war nicht zu hoffen - es wurde daher Zeit, dass die US-Behörden die Notbremse ziehen“, so Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). „Die Resistenzbildung ist in den vergangenen fünf Jahren weiter vorangeschritten, hieran trägt die Firma BAYER durch ihre Verzögerungstaktik eine Mitschuld“, so Mimkes weiter.

Margaret Mellon vom US-Verband Union of Concerned Scientists ergänzt: „Das Einschreiten der FDA zugunsten der Wirksamkeit von Medikamenten ist ein großer Erfolg für den Gesundheitsschutz“. Laut Mellon handelt es sich um das erste Verbot eines Tierantibiotikums wegen drohender Resistenzbildung. Die Union of Concerned Scientists fordert das Verbot weiterer Tierantibiotika.

Coordination gegen BAYER-Gefahren und Union of Concerned Scientists beteiligen sich seit fünf Jahren an der Kampagne Keep Antibiotics Working, die von amerikanischen Gesundheitsinitiativen gegründet wurde. Auf Einladung der CBG sprachen US-Wissenschaftler in der BAYER-Hauptversammlung und forderten vor Tausenden von Aktionären einen freiwilligen Verzicht auf Baytril - vergeblich.

Auch das deutsche Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin fordert dazu auf, den Einsatz von Fluorchinolonen im Tierstall weitgehend einzuschränken. Zu den fluorchinolon-resistenten Keimen gehören u.a. Salmonellen- und Campylobacter-Stämme, die beim Menschen schwere Magen-Darminfektionen auslösen können.

Wegen hoher Krankheitsraten in der Massentierhalten werden in der EU und in den USA mehr Antibiotika im Tierstall eingesetzt als in der Humanmedizin. Die Wirkstoffe sind dabei größtenteils identisch. Baytril wurde von Geflügelfarmern jahrelang für ganze Tierbestände angewandt, selbst wenn nur einzelne Tiere Symptome von Atemwegserkrankungen zeigten. Auch als Wachstumsbeschleuniger wurden die Antibiotika eingesetzt.

Das FDA-Verbot im Wortlaut: http://www.fda.gov/oc/antimicrobial/baytril.pdf
weitere Infos: www.KeepAntibioticsWorking.com

09.09.2005, Dow Jones

Bayer akzeptiert FDA-Entscheidung zu „Baytril“

Die Bayer AG, Leverkusen, will ihr Antibiotikum „Baytril“ in den USA nicht mehr zum Einsatz in der Geflügelzucht anbieten. Ein Unternehmenssprecher sagte am Freitag zu Dow Jones Newswires, gegen die Entscheidung der US-Zulassungsbehörde FDA von Mitte August, die „Baytril“-Anwendung bei Geflügel zu untersagen, werde der Konzern keine Rechtsmittel einlegen. Zwar sei Bayer mit der FDA weiterhin unterschiedlicher Meinung, schätze die Erfolgsaussichten vor Gericht aber als zu gering ein. Für andere Tierarten wie Rinder und Schweine werde das Mittel auch in den USA weiterhin eingesetzt. Baytril gehört zu einer Gruppe von Antibiotka, die auch bei Infektionen beim Menschen eingesetzt werden. Kritiker befürchten, dass der übermäßige Einsatz dieser Antibiotika bei Tieren dazu führen könnte, dass die Mittel bei Menschen immer unwirksamer werden, denn bei häufigem Kontakt mit dem Medikament werden die Bakterien resistent. Mit dem Verbot der Baytril-Anwendung bei Geflügel will die FDA nun die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen das Mittel eindämmen.

Australien

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 16. Juli 2005

Australien: Nahrungsmittel mit genverändertem Raps kontaminiert

„Bayer-Konzern muss Haftung übernehmen„

Erstmals ist in Australien die Verunreinigung herkömmlich produzierter Nahrungsmitteln durch genmanipulierte Pflanzen nachgewiesen worden. Australische Behörden fanden in einer für den Export nach Japan vorgesehenen Lieferung die von der Firma Bayer CropScience hergestellte genveränderte Raps-Sorte „Topas 19/2“. Japan besteht auf routinemäßigen Kontrollen, um Gentechnik-Freiheit garantieren zu können.

Bayer hatte vor einigen Jahren im Bundesstaat Victoria Freilandversuche mit herbizidresistentem Raps durchgeführt. Die Herkunft der aktuellen Verunreinigung ist jedoch unbekannt. Australische Landwirte fürchten den Verlust von Absatzmärkten, da in weiten Teilen der Welt nur Gentechnik-freie Nahrungsmittel akzeptiert werden. Australien exportiert jährlich Raps im Wert von 400 Millionen Dollar, landwirtschaftliche Exporte insgesamt liegen bei mehreren Milliarden Dollar.

„Wir wussten, dass dies irgendwann passiert. Jetzt ist die Frage, wer die Haftung für diese grobe Fahrlässigkeit übernimmt. In keinem Fall darf es die mit konventionellem Saatgut arbeitenden Landwirte treffen. Wir brauchen und möchten diese Pflanzen nicht“, fordert Julie Newman von dem Network of Concerned Farmers. „Der Bayer-Konzern muss wissen, dass wir den Verlust von Märkten oder Kosten für zusätzliche Tests nicht hinnehmen werden. Das Unternehmen muss die volle Haftung übernehmen.„ In die selbe Kerbe schlägt die oppositionelle Labour Party Australiens, die weitere Verunreinigungen befürchtet und wirksame Kontrollen fordert.

Australische Umweltverbände bezeichnen die bisherigen staatlichen Kontrollmechanismen als „gescheitert“ und fordern flächendeckende Untersuchungen aller für den Export vorgesehenen Nahrungsmittel. Bob Phelps vom GeneEthics Network: „Niemand weiß, wie weit sich genveränderte Pflanzen in Australien verbreitet haben – sie können überall sein. Nun muss jedes Getreide-Lager und jeder für den Export bestimmte Container untersucht werden. Kontaminierte Proben müssen zerstört werden – nur so können wir langfristig den Status „Gentechnik-frei“ sichern.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die den Bayer-Konzern seit 25 Jahren überwacht, fordert eine Übernahme der Kosten durch das Unternehmen: „Die modifizierte Raps-Sorte stammt zweifelsfrei aus den Laboren des Bayer-Konzerns. Es ist unerheblich, ob die Kontamination durch Freisetzungsversuche oder durch importiertes Saatgut erfolgt ist – das Unternehmen muss die vollständige Verantwortung für seine Produkte übernehmen.“

Weitere Informationen: http://www.cbgnetwork.de/1100.html
Network of Concerned Farmers (Australien): http://www.non-gm-farmers.com

Gen-Pflanzen auf Schleichwegen

30.7.2005, Greenpeace.de

In Australien sind Bauern, Agrarverbände und Umweltschützer gleichermaßen alarmiert: In einer Lieferung konventionell angebauten Rapses für Japan wurden gentechnische Verunreinigungen gefunden

Bei dem genmanipulierten Raps handelt es sich um die Sorte Topas19/2 von Bayer CropScience. Der Gen-Raps ist in Australien nicht für den Verzehr zugelassen.

Australische Greenpeacer haben spontan auf den Fund reagiert: In weißen Anzügen mit dem Schriftzug Gentechnik-Kontrollteam statteten sie der Konzernzentrale in Melbourne einen Besuch ab. Und wurden für diese friedliche Aktion prompt verhaftet. Bayer CropScience war offenbar besorgter über die Kontaminierung des Unternehmens durch Umweltschützer als über die Kontaminierung australischer Äcker und Exporte mit verbotenem Gen-Raps.

“Freiwillig wird Bayer ganz offensichtlich keine Verantwortung für seinen grenzgängerischen Topas19/2-Raps übernehmen„, schlussfolgerte Jeremy Tager
vom australischen Greenpeace-Büro nach dem Besuch. “Jetzt müssen die Länderregierungen strenge Haftungsgesetze erlassen, um Nahrungskette und Umwelt zu schützen.„ Greenpeace warnt seit Jahren vor der Unkontrollierbarkeit einmal freigesetzter Gen-Pflanzen. Der Vorfall in Australien bestätigt die Befürchtungen. Als Quelle der Verunreinigung mit Topas19/2-Raps werden Bayer-Versuchsfelder im australischen Bundesstaat Victoria oder kontaminiertes Saatgut aus den USA vermutet. Bayer selbst bezeichnete nach Bekanntwerden des Skandals Verunreinigungen als unvermeidlich.

Für die australischen Bauern entsteht daraus ein existenzielles Risiko. Was,
wenn die Reinheit des konventionell oder ökologisch angebauten Rapses auch
bei bester Absicht nicht mehr garantiert werden kann? Australien ist nach
Kanada der größte Rapsproduzent der Welt. Der größte Teil der Ernte wird
exportiert - vor allem nach China, Japan und in die EU. Gen-Pflanzen aber
sind in diesen Ländern - wie auf dem größten Teil des Weltmarkts - nicht
akzeptiert. Und auch in Australien selber stößt der Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen auf Ablehnung.

Wie den australischen könnte es bald auch den deutschen Bauern ergehen. Die
CDU hat für den Fall eines Regierungswechsels bereits eine Wende bei der
grünen Gentechnik angekündigt. Das neue Gentechnikgesetz ist den
Christdemokraten zu restriktiv. Die FDP schlägt in die gleiche Kerbe und
führt Medienberichten zufolge die USA als Beispiel an. Dort habe sich
gezeigt, dass die “Koexistenz von konventionellem Anbau, biologischem Anbau
und Gentechnik möglich ist„.

“Wer das behauptet, blendet alles aus, was nicht ins Bild passt„, konstatiert
Henning Strodthoff, Gentechnikexperte bei Greenpeace. “Untersuchungen gerade
in den USA haben längst gezeigt, dass dem konventionellen und dem Bio-Anbau
durch die Gentechnik massive Gefahren drohen. Offensichtlich geht es CDU und
FDP darum, die öffentliche Meinung zugunsten der Gentechnikkonzerne zu
beeinflussen."

Die US-amerikanische Organic Farming Research Foundation (OFRF) hat 1998 und
Anfang 2002 landesweit Biobauern zu den Gefahren durch Gentechnik befragt.
1998 schätzten die Farmer das Risiko noch eher gering ein. Aber schon nach
dem Erntejahr 2001 ergab sich ein ganz anderes Bild: Ein Drittel der Bauern
schätzte die Gefahr einer Verunreinigung ihrer Produkte durch Gen-Pflanzen
als hoch bis sehr hoch ein. 17 Prozent hatten Tests durchführen lassen. Bei
11 der 17 Prozent wurden Verunreinigungen festgestellt.

[Editorial] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin Sprecherin des Network of Concerned Farmers, in dem Landwirte aus ganz Australien zusammengeschlossen sind. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Agrarpolitik. Noch nie jedoch habe ich eine Entwicklung erlebt, die so unfair und korrupt verläuft wie die Einführung von gentechnisch verändertem Saatgut. Gesetze und „fair play“ werden ignoriert, damit die Forderungen multinationaler Konzerne wie Bayer CropScience und Monsanto reibungslos umgesetzt werden können.
Vormals angesehene Wissenschafts-Organisationen wurden durch Spenden der Industrie beeinflusst. Landwirte werden bewusst in die Irre geführt, indem Neuentwicklungen, die nichts mit der Gentechnik zu tun haben, als Vorteile von genmanipuliertem Saatgut ausgegeben werden. Die australischen Landwirtschafts-Verbände werden von den großen Unternehmen heftig umworben, unter anderem durch Sponsoring von Kongressen sowie durch lukrative Anzeigen.
Die Gentech-Konzerne drängen in Australien auf einen großflächigen Anbau von herbizidresistentem Raps – hauptsächlich um den Absatz ihrer Pestiziden zu sichern. Da Rapspollen große Strecken zurücklegen können, droht hierdurch die Kontamination von herkömmlich produziertem Raps. Sowohl der Ökolandbau als auch konventionell arbeitende Landwirte würden ihre Absatzmärkte verlieren, denn in weiten Teilen der Welt werden gen-freie Produkte gewünscht. Schon kleine Verunreinigungen würden dazu führen, dass unsere Exporte als „gentechnisch verändert“ deklariert würden.
Nun ist der Ernstfall eingetreten: Mitte Juli wurde in einer für den Export nach Japan vorgesehenen Raps-Lieferung die von Bayer CropScience hergestellte genveränderte Raps-Sorte „Topas 19/2“ gefunden. Japan besteht auf routinemäßigen Kontrollen, um Gentechnik-Freiheit garantieren zu können. Wir als Landwirte müssen diese Gentechnik-Freiheit garantieren. Die Lieferung wurde gestoppt.
Wir wussten, dass dieser Fall irgendwann eintreten würde. Nun ist die Frage, wer die Haftung übernimmt. In keinem Fall darf es die mit konventionellem Saatgut arbeitenden Landwirte treffen. Wir brauchen und möchten keine Gen-Pflanzen.
Die landwirtschaftlichen Exporte Australiens liegen bei mehreren Milliarden Dollar, diese sind in Gefahr. Der Bayer-Konzern muss wissen, dass wir den Verlust von Märkten oder Kosten für zusätzliche Tests nicht hinnehmen werden. Das Unternehmen muss die volle Haftung übernehmen. Wir lassen uns das saubere, gen-freie image, das australische Produkte genießen, nicht von Bayer zerstören. Die Politik muss strikte Haftungsregeln einführen, damit der Verursacher für den Schaden aufkommt, nicht die Betroffenen.

Julie Newman, lebt in Newdegate/West Australien. Auf ihren Feldern baut sie Raps und Getreide an.

[Pestizidversuche] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

Grünes Licht für BAYERs Menschenversuche

Test the Pest

Seit Jahren drängt BAYER die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, die Ergebnisse von Pestizid-Tests an Menschen bei den Zulassungsverfahren für Agrochemikalien zu berücksichtigen. Die Untersuchungen schätzen das Gefahrenpotenzial der Mittel nämlich deutlich niedriger ein als bisherige wissenschaftliche Arbeiten und müssten deshalb nach dem Kalkül des Leverkusener Multis zu einer Lockerung der Grenzwerte führen. Die EPA beugte sich schließlich dem Druck der Pestizid-Produzenten, obwohl eine jüngst veröffentlichte Studie bei den Menschenversuchen gravierende Verstöße gegen medizinethische Standards festgestellt hat.

Von Jan Pehrke

In den 90er Jahren hat BAYER in Schottland Menschenversuche mit Pestiziden machen lassen. 1998 forderte der Konzern von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA, die Studienresultate in die Prüfungen der Genehmigungsanträge für Ackergifte mit einzubeziehen. Dem Agroriesen zufolge haben sich die menschlichen Versuchskaninchen den chemischen Keulen gegenüber nämlich deutlich widerstandsfähiger erwiesen als von der Fachwelt erwartet, was für einfachere Verfahren und weniger scharfe Grenzwerte spräche. Der EPA-Leiter Lee Thomas ging darauf jedoch nicht ein. Als „unethisch und unnötig“ bezeichnete er die Versuche, womit er nicht allein stand. Die Menschenversuche unterscheiden sich nämlich gravierend von normalen Arzneitests. Zum einen handelt es sich bei den Agrochemikalien im Gegensatz zu Medikamenten um Gifte, und zum anderen dienen sie im Gegensatz zu Pharmazeutika keinem Heilzweck. Damit verstoßen die Experimente von BAYER & Co. gegen den „Nürnberger Kodex“, der 1947 im Eingedenk des grausamen Treibens von Mengele und seinen Helfern in den KZs verabschiedet wurde und Menschenversuche strikt untersagt, wenn sie nicht dem „Wohl der Gesellschaft“ dienen.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton stellte sich hinter Thomas. Er untersagte der EPA bis auf Weiteres eine Arbeit mit den aus Schottland oder anderswoher stammenden Daten und verkündete ein Moratorium. BAYER & Co entmutigte das nicht; unentwegt stritten sie weiter für die Akzeptanz ihrer Verträglichkeitsprüfungen. „Wir stehen (...) unter großem Druck seitens der Pestizid-Industrie“, sagte ein Sprecher der Behörde einem Journalisten der Sunday Herald. Mit dem Wahlsieg der Republikaner witterten die Chemie-Multis dann endlich Morgenluft, hatte George Bush die Entscheidungen der EPA doch immer wieder als zu industriefeindlich kritisiert. Aber selbst die von Bush auf den Chefsessel der Agentur gehievte Christie Todd Whitman hatte moralische Skrupel, die Menschenversuche zu akzeptieren. Weil sie auch sonst nicht ganz auf Parteilinie war, wurde sie schließlich gegangen. Jetzt erst begann das, was Mitglieder der demokratischen Partei als „new permissive policy“ bezeichneten: Die EPA erteilte den Konzernen die Lizenz zu fast allem. Ohne Scheu griff sie unter der neuen Führung bei der Beurteilung der Gefährlichkeit von Ackergiften auf die Ergebnisse der 24 inkriminierten Pestizid-Tests zurück. Drei dieser Versuche stammen direkt von BAYER, an einem vierten war der Gen-Gigant indirekt als Mitglied im Verband der Chloropicrin-Hersteller beteiligt.

Nur die beiden demokratischen PolitikerInnen Waxman und Boxer mochten dem Treiben nicht tatenlos zusehen. Sie gaben eine Studie in Auftrag, die sich die Menschenversuche einmal genauer anschauen sollte. Das Ergebnis war verheerend. „Im Bruch mit ethischen Standards haben die Experimente Menschen Schmerzen zugefügt, die Teilnehmer nicht genau über die Tests aufgeklärt, Nebenwirkungen verschleiert und eine den Anfordungen der Wissenschaft nicht genügende Methodik verwandt“, fasste Babara Boxer die Untersuchung zusammen.

Bei den BAYER-Tests mit dem Organophosphat Azinphos-Methyl erlitten alle acht ProbandInnen Gesundheitsstörungen. Von Kopfschmerzen und Hustenanfällen über Brechreiz und Hautauschläge bis zu Unterleibsbeschwerden reichten die Symptome. Die zuständigen MedizinerInnen haben diese in ihrem Bericht zwar beschrieben, aber nicht etwa das Pestizid dafür verantwortlich gemacht, sondern andere Faktoren wie Virus-Infektionen oder Abmagerungskuren der TeilnehmerInnen. Mit diesem Täuschungsmanöver haben die ÄrztInnen nach Ansicht der AutorInnen der Studie in eklatanter Weise medizinethische Standards verletzt. Es blieb nicht das Einzige. Die Verantwortlichen ließen die Versuchspersonen in dem Glauben, sie erprobten Medikamente und taten alles, um diesen Anschein zu erwecken. So verabreichten sie die Pestizide in Pillenform zum Frühstück mit einem Glas Wasser. Nur im Kleingedruckten fanden die TesterInnen Genaueres über die Versuchsreihen - ein klarer Verstoß gegen den für Experimente dieser Art geltenden Grundsatz des „informierten Einverständnisses“. Auch am beschränkten Teilnehmerkreis nahm die Untersuchung Anstoß, weil auf einer solch schmalen Basis erhobene Daten keine wissenschaftlich belastbare Aussagen erlauben.

Die Erprobungen der Chemie-Multis verfolgten nur diesen einen Zweck: Mit den Giftgaben bis an die Schmerzgrenze zu gehen und zu beweisen, dass diese weit jenseits der bislang als noch verträglich angesehenen Dosen liegt. Bei den Menschenversuchen, die BAYER zusammen mit anderen Herstellern des Agrochemie- und Tränengas-Wirkstoffes Chloropicrin in Auftrag gegeben hat, mussten sich 127 Studierende der University of California in San Diego vier Tage lang über ein Stunde hinweg in einem geschlossen Raum Chloropicrin-Strömen aussetzen, deren Konzentration den zulässigen Grenzwert um das Zehnfache überschritt. Die Körper reagierten entsprechend. Da BAYER & Co. das geahnt hatten, rangen sie den ProbandInnen schon im Vorhinein schriftlich das Zugeständnis ab, auf Schadensersatzansprüche bei etwaigen Gesundheitsschäden zu verzichten. Wer das alles für 15 Dollar die Stunde auf sich nahm, hatte es dringend nötig. Nur arme Menschen, oftmals ethnischen Minderheiten angehörend, machten sich in San Diego freiwillig zu Versuchsobjekten. In Schottland rekrutierten sich die Pestizid-Schlucker ebenfalls aus der Gruppe der sozial Schwachen. Lynn Goldman, unter Clinton Vize-Chefin der EPA, befürchtet denn auch schon einen Elendstourismus der Konzerne in Sachen „Menschenversuche: “Sie könnten es in Pakistan, Bangladesh oder irgendwo anders in der Welt tun„.

Die Veröffentlichung des Reports erregte großes Aufsehen. Der Kongress forderte die Umweltagentur auf, die Testergebnisse so lange nicht mehr weiter zu verwenden, bis sie Regularien für die Menschenversuche erarbeitet hat, die dem Nürnberger Kodex und den medizinethischen Vorschriften der USA gerecht werden. Die Institution fügte sich kleinlaut und gab überdies bekannt, Versuche mit Schwangeren und Kindern bei den Genehmigungsverfahren nicht länger zu berücksichtigen, wenn dafür keine überzeugende Indikation vorläge. Nicht nur wegen dieser Ausnahmebestimmung blieb Barbara Boxer skeptisch. Sie schrieb dem EPA-Leiter Stephen L. Johnson in einem Brief, der Behörde gelänge es damit nicht, “sicher zu stellen, dass Menschen, die zu den Gefährdetsten unter uns zählen, vor unethischen Tests der Industrie ausreichend geschützt sind„.

Entsprechend positiv reagierte der Pestizid-Verband von BAYER & Co. auf den Vorstoß der EPA. Als eine “klare Zurückweisung von Forderungen nach einem Nutzungsverbot der Pestizid-Daten, die aus Untersuchungen mit Freiwilligen stammen„ betrachtet “CropLife-America„-Sprecher Jay Vroom die Ankündigung der EPA. Er hat allen Grund, sich zu freuen. Wenn die Agentur wie angekündigt im nächsten Jahr ihre humanitär etwas nachgebesserten neuen Regeln für die Tests vorstellt, ist es um das seit 1947 geltende Tabu “Menschenversuche" geschehen. Und der Leverkusener Multi, der während des Faschismus zu den Großkunden von Mengele & Co. zählte, gehört dann auch heute wieder zu den Hauptprofiteuren der unmenschlicher Machenschaften.

[National Geographic] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

Kooperation von BAYER und National Geographic

Trinkwasserschutz: Den Bock zum Gärtner gemacht

250.000 Euro zur Erforschung des Trinkwasserschutzes stellen der BAYER-Konzern und National Geographic zu Verfügung. Mit dem Griff in die Portokasse gelingt es dem Unternehmen einmal mehr, sich als „Partner für den Umweltschutz“ zu präsentieren. Risikoreiche BAYER-Produkte werden im Rahmen des Projekts selbstredend nicht untersucht – und National Geographic gibt sich auch auf Nachfrage als willfähriger Konzernbüttel.

von Philipp Mimkes

„Greenwashing“ heißt die Strategie großer Firmen, sich durch Musterprojekte und Spenden in´s rechte Licht zu rücken. Gerade Bereiche, in denen das betreffende Unternehmen in der Kritik steht, sollen hierdurch positiv besetzt werden: McDonald´s fördert Programme gegen Fettleibigkeit von Kindern, Shell baut ein Solarkraftwerk, Chiquita finanziert Projekte zur Artenvielfalt, und BP macht sich - vorgeblich - für den Klimaschutz stark.
Zu den Meistern des Greenwashings gehört der Leverkusener BAYER-Konzern. Bereits in den 70er Jahren lautete das Motto des Unternehmens „Bayer forscht für den Umweltschutz“, das Logo der Firma war ein grünes Blatt. Das funktionierte so lange, bis der Konzern 1983 vor dem Rotterdamer Wassertribunal wegen fortwährender Wasserverschmutzung verurteilt wurde. Die niederländische Regierung drohte, den Slogan „Bayer forscht für den Umweltschutz“ wegen Irreführung zu verbieten, weswegen BAYER das Logo vorsichtshalber ganz ausmusterte.
Auch bei der Schaffung von Musterprojekten ist BAYER führend: So führt der massenhafte Einsatz des Tierantibiotikums BAYTRIL zur Vermehrung resistenter Keime – kein Problem: BAYER zieht zwar nicht das Präparat vom Markt, startet aber das „Aktionsprogramm Libra gegen die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen“ und finanziert jedes Jahr einige Konferenzen zum Thema. BAYER steht in der Kritik, weil der Konzern aus Kostengründen die Tropenforschung einstellt – das Unternehmen spendet Medikamente an die WHO. Altpestizide des Konzerns bedrohen Millionen Menschen in Ländern des Südens – BAYER beteiligt sich öffentlichkeitswirksam an der Sanierung eines (!) Pestizidlagers in Pakistan. BAYER-Präparate infizierten Tausende Bluter mit HIV – der Konzern wird wichtigster Finanzier von Hämophilie-Tagungen. BAYER-Pestizide vergiften Tausende von Landarbeitern – das Unternehmen verkauft zwar weiter hochtoxische Uralt-Gifte, startet aber Schulungsprogramme in ausgewählten brasilianischen Plantagen.
Beinahe täglich präsentiert BAYER weitere solcher sogenannten „best practice“-Projekte. Sie haben gemein, dass sie wenig bis nichts kosten, an den strukturellen Problemen nichts ändern - und laut in die Welt posaunt werden.
Besonders wertvoll sind dabei „glaubhafte Partner“. So kommt es, dass BAYER das Jugendumweltprogramm der UN-Umweltbehörde UNEP fördert, zahlreiche Kooperationen mit Universitäten eingegangen ist, dem Global Compact der Vereinten Nationen beigetreten ist, unlängst den katholischen Weltjugendtag in Köln unterstützte und sogar Umweltverbände fördert. Die Projekte kosten maximal einige zehn- bis hunderttausend Euro, „peanuts“ für einen Konzern mit 30 Milliarden Euro Umsatz. Zumal BAYER seine Steuerlast in den vergangenen Jahren durch „kreative Buchhaltung“ um Milliardenbeträge gedrückt hat - ein Vielfaches aller jemals getätigten Spenden.

„Wasser für die Welt“
Aktuellstes Beispiel der endlosen Liste substanzloser goodwill-Aktionen ist der Global Exploration Fund, mit dem „Arbeiten von international tätigen deutschsprachigen Wissenschaftlern gefördert werden sollen, die sich mit der Erschließung neuer Wasservorkommen, mit der Verteilung von Wasser und dem schonenden Umgang mit diesem Rohstoff beschäftigen.“ Ausgestattet ist der Fonds mit 250.000 Euro, Partner des Konzerns ist die Zeitschrift National Geographic Deutschland (NGD).
NGD stellte den Fonds ausführlich in seiner Juli-Ausgabe vor, hinzu kamen Anzeigen in großen Tageszeitungen und dem SPIEGEL, eine gemeinsame Pressemitteilung sowie die Verbreitung der 24-seitigen Broschüre „Wasser für die Welt“. Vier Seiten der Broschüre sind der Konzernpropagande vorbehalten – eine einseitige Anzeige der BAYER-Pestizidabteilung, ein Interview mit Vorstandsmitglied Udo Oels sowie zwei Seiten mit Berichten über Musterprojekte des Konzerns in aller Welt. Nicht anders sieht es auf der homepage von National Geographic aus: „Gesundheit, Landwirtschaft, Materialforschung – drei Forschungsfelder, in denen sich die Bayer AG als ‚Erfinder-Unternehmen‘ profiliert. Soziales Engagement und Einsatz für die Umwelt inklusive“, heißt es dort ehrerbietig.
Eine vergleichbar wirksame Werbekampagne wäre für den Konzern in jedem Fall wesentlich teurer geworden. National Geographic wurde dabei nicht zufällig als Partner ausgewählt; das Magazin ist ein bevorzugtes Medium für „Umwelt-PR“ und bei der Auswahl seiner Partner nicht wählerisch. Berühmt wurde eine Anzeigenserie von SHELL in National Geographic, in der das Unternehmen mit dem Schutz eines Korallenriffs warb. Während die Kampagne mehrere Millionen kostete, belief sich die jährliche Unterstützung des Projekts auf ganze 5.000$. Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass Multifunktionär Ernst-Ludwig Winnacker Beirat von NGD ist und zugleich im Aufsichtsrat von BAYER sitzt.

Lobeshymnen auf Brunnenvergifter
In keiner der von NGD vorgelegten Publikationen hingegen wird die Rolle des BAYER-Konzerns als Umwelt- und Wasserverschmutzer dargestellt. Dabei gehört die Firma zu den zehn größten Direkteinleitern Deutschlands - das Unternehmen leitete im vergangenen Jahr rund 760 Tonnen Phosphor, 2.800 to Stickstoff, 1,5 Mio to anorganischer Salze, 73 to Chlororganika und 28 to Schwermetalle in Gewässer ein. Auch der enorme Wasserverbrauch des Konzerns - täglich rund 2,1 Millionen Kubikmeter, das Werk Leverkusen allein erzeugt doppelt so viel Abwasser wie die benachbarte Millionenstadt Köln - bleibt unberücksichtigt.
So überrascht dann auch nicht, dass National Geographic keines der zahlreichen wassergefährdenden Produkte des Unternehmens nennt. Dabei ist BAYER der größte Pestizidhersteller der Welt; langlebige Agrogifte sammeln sich in Grund- und Oberflächengewässern und müssen von den Wasserwerken kostspielig herausgefiltert werden. Jahrelang gehörte BAYER zu den größten PCB-Produzenten – noch Jahrzehnte nach ihrem Verbot finden sich die giftigen Chemikalien in Meeresbuchten und Seen. Und hätte NGD ein klein wenig in die Vergangenheit geblickt, so hätte das Magazin über die Proteste gegen die „Dünnsäureverklappung“ berichten können. Die Blockade des Verlade-Terminals in Leverkusen, an der sich vor 25 Jahren die Coordination gegen BAYER-Gefahren und Greenpeace beteiligten, war einer der Startschüsse der deutschen Umweltbewegung.

Umweltverbände protestieren
Auf Initiative der Coordination gegen BAYER-Gefahren wandten sich Ende Juni deutsche Umweltverbände, darunter der BUND, die Aktionskonferenz Nordsee, der BBU, der Verein zum Schutz des Rheins und das Pestizid Aktions-Netzwerk an National Geographic. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Wir sind der Meinung, dass das sinnvolle Anliegen, Forschung zum Schutz des Trinkwassers zu befördern, durch die Zusammenarbeit mit einem der größten Wasserverschmutzer Deutschlands diskreditiert wird. Fabriken und Produkte des BAYER-Konzerns belasten Grund- und Oberflächenwässer in aller Welt. Sie sollten dem Unternehmen nicht gestatten, dies durch einen Griff in die Portokasse zu kaschieren.“ Die Verbände fordern NGD auf, die Zusammenarbeit mit der Bayer AG einzustellen, da diese Kooperation dem Umwelt- und Trinkwasserschutz schade.
Dem Aufruf schlossen sich auch der Chemiker Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der deutschen Störfallkommission, und Henry Mathews vom Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre an. Peter Willers, Sprecher der Aktionskonferenz Nordsee, appelliert an den Bremer Meeresgeologen Professor Gerold Wefer, der im Auftrag von NGD und BAYER die zu fördernden Projekte auswählt, „Forschung nicht mit schmutzigem Geld aus der Portokasse von BAYER zu finanzieren und sich nicht zu nützlichen Idioten der Chemieindustrie machen zu lassen.“

Sprachrohr des Unternehmens
Eine Reihe von Journalisten begann zu recherchieren, auch einige Abonnenten von NGD richteten kritische Fragen an das Magazin. In der August- und September-Ausgabe greift National Geographic die Kritik jedoch mit keiner Zeile auf. Der Brief der Umweltverbände wird nicht einmal erwähnt – allein ein einziger Leserbrief, in dem einige kritische Fragen gestellt werden, wird abgedruckt.
Die Antwort der Redaktion auf den Offenen Brief kam zwar prompt - machte aber alles noch schlimmer: Chefredakteur Klaus Liedtke verbreitet Unternehmenspropaganda, die sich zum Teil wortgleich auf der BAYER-homepage findet. So „bekenne sich BAYER zu Fehlern der Vergangenheit und sei auf gutem Wege, ein ökologisch verantwortungsbewusst handelndes Unternehmen zu werden“. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hingegen hat in ihrer 25-jährigen Geschichte noch kein einziges Eingeständnis eines Fehlverhaltens vernommen.
Auch verbreitet Liedtke die Zahl von „16 Milliarden Euro, die BAYER für den Bau und Betrieb von Umweltschutzanlagen“ ausgegeben habe – nirgendwo schlüsselt das Unternehmen jedoch auf, wie es zu solchen Zahlen kommt und ob darin nicht auch normale Reinigungs- und Wartungsarbeiten erfasst sind.
Ganz abenteuerlich wird es, wenn Liedtke behauptet, „BAYER konnte dank moderner Recycling-Verfahren den Wasserverbrauch sowie den Ausstoß von Abwasser um bis zu 90% verringern“. Selbst die konzerneigenen Veröffentlichungen geben an, dass der Abwasserverbrauch des Konzerns in den vergangenen zehn Jahren konstant zwischen 2,1 und 2,6 Millionen Kubikmeter pro Tag (!) lag (besonders problematisch dabei: ein Drittel des Wassers stammt aus Bohrungen und Quellen, für die Entnahme von sauberem Grundwasser zahlt BAYER wegen „alter Wasserrechte“ meist noch nicht einmal Gebühren). Woher NGD die Verringerung von 90% nimmt, bleibt ein Rätsel. Und gänzlich naiv argumentiert Liedtke, wenn er auf die Partnerschaft von BAYER mit der UN-Umweltbehörde UNEP verweist, die es „wohl kaum gegeben hätte, wenn sich das Unternehmen nicht gewandelt hätte“.
Hier verweist der eine Konzernbüttel auf den anderen. Die Vereinten Nationen legen – leider – bei der Auswahl ihrer Partner keine noch so niedrige Messlatte an und kooperieren mit Atomkraft-Betreibern, Öl-Konzernen und Chemiekonzernen. Ganz so wie National Geographic Deutschland. Es verwundert denn auch nicht, wenn Chefredakteur Liedtke am Ende seines Schreibens zu dem Schluss kommt, dass „mehr für als gegen eine Kooperation mit BAYER spricht“.

Keine Ergebnisse ohne Druck
Kritische Anfragen von Journalisten oder engagierten Privatpersonen kontert BAYER seit einigen Jahren routinemäßig mit Verweisen auf die Kooperation mit den Vereinten Nationen oder anderen „glaubwürdigen“ Partnern. Hieran zeigt sich noch einmal, dass das vorgebliche Umwelt-Engagement nichts weiter ist als ein Bestandteil des Konzern-Marketings und nur dort betrieben wird, wo Kritik begegnet werden muss. Die Öffentlichkeit und insbesondere die Umweltbewegung ist aufgerufen, diese Aktivitäten als Ablenkungsmanöver zu enttarnen und auf wirkungsvollen Umweltschutz zu beharren. Dieser ist aber weder zum Nulltarif noch durch „freiwillige Selbstverpflichtungserklärungen“ zu haben, wie das aktuelle Abrücken der Industrieverbände vom Klimaschutz einmal mehr zeigt.

[Auschwitz] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

BAYERs Menschenversuche in Auschwitz

„Tiere sind teuer, aber Menschen kosten nichts“

8-jährig kam Eugen Muszynski nach Auschwitz. Er musste dort als Zwangsarbeiter das IG-FARBEN-Werk in Buna mit aufbauen und sich Menschenversuchen mit BAYER-Präparaten unterziehen. Vom Leverkusener Multi hat er dafür nie eine Entschädigung erhalten. Auf der diesjährigen Hauptversammlung des Agro-Riesen konfrontierte er die Vorstandsriege direkt mit seinem Schicksal. Aber BAYER-Chef Werner Wenning sah weiterhin keine Veranlassung, sich der Konzern-Vergangenheit zu stellen.

Von Jan Pehrke

Eugen Muszynski geriet als 8-Jähriger in das Konzentrationslager Auschwitz. Aber kein Massentransport brachte ihn in das KZ, ein Auto der Gestapo lieferte ihn ab. Er war weder Jude noch gehörte er einer anderen der bekannten Opfergruppen an. Sein „Verbrechen“ waren seine Eltern. Die Gestapo nahm diese 1941 fest, weil sie Mitglied einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe waren. „Die Gestapo behandelte mich mit Samthandschuhen“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Sie lockte ihn mit Kakao, Bonbons und Schokolade und setzte ihm dicke Alben mit Fotos vor. Ob er jemanden darauf erkenne, fragten die Geheimpolizisten den Kleinen. „Ich kenne diesen Onkel, wir waren bei ihm“, antwortete der Junge arglos und zeigte noch auf viele andere Personen. Wenn er sich nach seinen Eltern erkundigte, hieß es nur, sie seien auf Dienstreise. Von dieser sollten sie nie zurückkehren: Im Mai 1943 verurteilte der Volksgerichtshof das Ehepaar Muszynski wegen Hochverrates zum Tode.

Als die Beamten Eugen abgeschöpft hatten, übergaben sie ihn dem Lebensborn, der Kinderzuchtanstalt der SS. Dort durften die Zöglinge noch nicht einmal über Vater und Mutter reden. Aber das Kind konnte an nichts anderes denken. Er wandte sich an einen Leidensgenossen: „Weißst Du was, wir gehen jetzt unsere Eltern suchen!“ und scharte schnell eine ganze Gruppe um sich. Sie kam gerade mal ein bis zwei Kilometer weit, bis die NS-Pädagogen sie wieder einfingen. Die Unruhe verließ den kleinen Eugen Muszynski jedoch nie, weshalb er bald als unverbesserlicher Querulant galt. Seine Strafe hieß schließlich: Auschwitz.

Dort angekommen, steckten die Nazi-Schergen den Jungen in den gestreiften Drillich und beorderten ihn als Zwangsarbeiter nach Monowitz, wo die von BAYER mitgegründete IG FARBEN ein großes Werk baute. Den Belastungen war das Kind kaum gewachsen. „Auch die Hilfsarbeit war für mich zu schwer“, sagt Eugen Muszynski. Dazu mussten die Gefangenen noch die Willkürakte der SS-Männer erdulden. Ein Aufseher machte sich einen Ulk daraus, während der Zubereitung der Mahlzeiten in den Kochtopf zu urinieren. Wenn er den KZ-Häftlingen dann später beim Essen zusah, amüsierte er sich ein zweites Mal köstlich. Andere zitierten gern einen Sklavenarbeiter zu sich, warfen ihre Mütze weg und warteten auf das „Apportieren“. Das brachte die KZ-Opfer in eine verzweifelte Zwangslage. Folgten sie der Aufforderung, so hatten sie sich von ihrem Arbeitsplatz entfernt, worauf die Todesstrafe stand. Folgten sie der Anweisung aber nicht, konnte sie der Wachmann wegen Befehlsverweigerung erschießen. Egal, wofür sie sich letztendlich entschieden, viele überlebten das Todesspiel nicht. Die Nazis liebten es, die KZ-Insassen durch solch abgründige Späße zu verhöhnen und zur Verzweiflung zu treiben. So spielte im Morgengrauen zum Ausrücken auf die Baustelle stets ein Orchester auf, das die Gefangenen am Abend auch wieder empfing, wenn sie mit den am Tag Gestorbenen im Schlepptau zurückkehrten. „Tod mit Musik“ - das ist deshalb für Eugen Muszynski die Quintessenz von Auschwitz.

Um dem Jungen wenigsten einen Teil dieser körperlichen und geistigen Höllenqualen zu ersparen, wandte sich eine Bekannte seiner Mutter im Dezember 1942 an das IG-Vorstandsmitglied Dr. Max Ilgner. In einem Brief bat sie ihn inständig, Eugen die Zwangsarbeit zu ersparen. Aber Ilgner kannte kein Erbarmen. „Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht in der Lage bin, Eugen Muszynski (...) aus der Arbeitspflicht zu befreien. Bitte, verstehen Sie, auch die Arbeit für das Vaterland ist die allgemeine Pflicht unseres Volkes. Heil Hitler!“

Die IG FARBEN hat den Jungen dann sogar noch einem weiteren Martyrium unterworfen. Der BAYER-Konzern, dessen Name laut der offiziellen Unternehmensgeschichte „Meilensteine“ „zum Markenzeichen der I.G.-Pharmazeutika“ wurde, hat nämlich Menschenversuche mit Eugen Muszynski durchgeführt. Der seit 1938 beim Pharmariesen arbeitende und 1941 zur Wehrmacht abgestellte, aber immer noch auf der Gehaltsliste des Konzerns stehende Dr. Hellmuth Vetter hat den kleinen Eugen in Auschwitz mit dem Typhus-Erreger infiziert, um das in Leverkusen entwickelte Gegenmittel B 1034 zu erproben. Die Suche nach einem geeigneten Impfstoff war militärisch von einiger Bedeutung, da sich die Krankheit an der Ostfront in den besetzten Gebieten ausbreitete, auf die Truppen überzugreifen und die Wehrkraft zu zersetzen drohte.

Eugen Muszynski und den anderen menschlichen Versuchskaninchen sagte Dr. Vetter lediglich, sie erhielten ein Mittel „zur Stärkung“. Die „Stärkung“ sorgte bei Eugen sofort für einen heftigen Fieberschub und löste eine Ohnmacht aus. Hätten sich unter den Häftlingen nicht Ärzte befunden, die sich selbstlos um den Jungen kümmerten, so wäre er gestorben. Eine zweite Spritze, für die der 8-Jährige ursprünglich vorgesehen war, hätte er aber trotz ihrer Hilfe nicht überlebt. Nur durch einen Zufall blieb sie ihm erspart. „Diese eine Spritze hat mir mein Leben schon so kaputt gemacht, dass ich bis heute krank bin“, sagt der alte Mann bitter. Von Herz-Kreislauf-Problemen und Diabetes über chronische Bronchitis und Magenerkrankungen bis zu seelischen Störungen wie dem posttraumatischen Belastungssyndrom reicht die Liste seiner Leiden.

Weder die heftigen „Nebenwirkungen“ und zahlreichen Todesfälle noch die absolute Wirkungslosigkeit des B 1034 hemmten Vetters Forschungsdrang. „Er hat Lust gehabt, mit uns zu spielen, und er hat gespielt“, so Eugen Muszynski. Immer wieder forderte Vetter Nachschub an. „Ich bitte Sie auf jeden Fall bereits jetzt, den Versand von 20.000 Tabletten à 0,25 Gramm und 5.000 Ampullen à 1 Gramm B 1034 nach Auschwitz zu veranlassen“, schrieb er im April 43 an BAYER. Einen Monat später erstattete er der Pharmazie-Schaltzentrale der IG in Leverkusen persönlich Bericht über seine Experimente. Obwohl er offen über die Todesopfer und den ausbleibenden Heilerfolg sprach, schickte ihm der Konzern weiter B 1034 und andere Substanzen. Er konnte Muszynski zufolge nach Belieben schalten und walten, denn „Tiere sind teuer, aber Menschen kosten nichts“. Begeistert schrieb Hellmuth Vetter deshalb seinen BAYER-Kollegen: „Beim Vergleich mit der jetzt hinter mir liegenden Zeit komme ich mir hier wie im Paradies vor“. Den KZ-Häftlingen aber bereitete er in Tateinheit mit anderen Medizinern die Hölle auf Erden. „Die SS-Ärzte Dr. Richter und Dr. Vetter mordeten kranke Häftlinge nahezu bis zum letzten Tag der Dauer des Lagers ...“, schreibt Hans Marsalek in seinem Buch „Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen“. Den Leverkusener Pharmariesen hinderte das 1946 nicht, Vetter ein gutes Zeugnis auszustellen. „Herr Dr. Vetter hat seinen Aufgabenkreis mit guter Sachkenntnis und energisch angefasst. Er befriedigte uns in seinen Leistungen vollkommen“, heißt es dort. Das amerikanische Militärgericht kam zu einem anderen Urteil und sprach im August 1947 das Todesurteil aus.

Eugen Muszynski ist nach der Befreiung in Polen geblieben. Der damals 10-Jährige hatte auch keine andere Wahl: „Nach mir hat niemand gefragt“. Er wuchs in einer Einrichtung des Militärs auf, machte Abitur, studierte Medizin und praktizierte als Arzt. Aber ein richtiger Pole wurde der „Sauerkraut“ nie. Als der Mediziner sich 1968 an den Studentenprotesten beteiligte, verhaftete die Polizei ihn. „Ich sollte dahin gehen, wo ich hingehörte“, so Muszynski. Er ging in die USA, fühlte sich jedoch auch dort nicht zugehörig. So kam Eugen Muszynski 1982 nach Deutschland.

Er hatte seine KZ-Zeit zwar nie vergessen, aber durch seine jetzt beginnenden Erfahrungen mit dem NS-Nachfolgestaat holte ihn seine Vergangenheit doch in unerwartet massiver Form ein. Die Bundesrepublik verweigerte dem mittlerweile in Bonn lebenden Eugen Muszynski die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit und erteilte ihm keine Arbeitserlaubnis. Sein Antrag auf Einbürgerung läuft bereits seit zwei Jahren. Obwohl der Arzt alle Hebel in Bewegung setzte, um in den Kriegswirren verschollene Dokumente zu beschaffen, reichten den Behörden die Belege nie. Nicht einmal markante Narben akzeptierten sie als eindeutiges Identitätsmerkmal. „Sie bekommen nie die deutsche Staatsangehörigkeit!“, sagte ihm ein Beamter einmal auf den Kopf zu. Auf die Gegenfrage: „Warum?“, antwortete er knapp: „Weil ich es sage“. Eugen Muszynski hat für dieses Verhalten nur eine Erklärung: „Ich vermute, es hat ihm schon gereicht, als er vom KZ, von Auschwitz und vom Hochverrat meiner Eltern hörte“.

Die verweigerte Staatsangehörigkeit ist für den alten Mann mit großen finanziellen Einbußen verbunden. Das Sozialamt hat seine vom polnischen Staat gezahlte, 270 Euro hohe Rente für KZ-Opfer in seine Altersgrundsicherung eingerechnet, weshalb er nur 730 Euro zum Leben hat. Da er nicht gesetzlich krankenversichert ist, muss er davon die Kosten für medizinische Behandlungen und Medikamente tragen. Wofür das Geld nicht reicht: Statt der erforderlichen vier Dosen Insulin am Tag kann Eugen Muszynski sich nur jeden zweiten Tag Spritzen leisten. „So leben ehemalige KZ-Häftlinge in Deutschland“, sagt er bitter.

Mitte der 90er Jahre begann Muszynski Briefe an BAYER mit der Bitte um eine Entschädigung für die grausamen Menschenversuche zu schreiben. Die förmliche Antwort lautete: „Auf ihr neuerliches Schreiben vom 21.12.1995 teilen wir ihnen mit, dass jedenfalls nicht die BAYER AG für die von ihnen beschriebenen Verfehlungen verantwortlich ist“. Der Agromulti konzedierte lediglich: „Unbestritten ist die kollektive Schuld, die mit den tragischen Ereignissen der nationalsozialistischen Diktatur und des Weltkrieges in Zusammenhang steht“. Einzig im Kollektiv mit anderen Unternehmen war der BAYER-Konzern später dann zumindest symbolisch bereit, seiner moralischen Verpflichtung gegenüber den ZwangsarbeiterInnen nachzukommen. Ohne die Angst vor einem den Absatz in den USA gefährdenden Imageschaden wäre der Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft allerdings nie zustande gekommen. 7.500 Euro erhielt Eugen Muszynski aus diesem Topf - aber wiederum erst nach einer entwürdigenden Odyssee durch bundesdeutsche Amtsstuben. „Ich habe den Fonds verflucht“, sagt der Rentner deshalb, „Alles zu erklären - das hat mir gesundheitlich mehr geschadet und mir mehr Probleme bereitet, als das Geld aufwiegen kann“.

Die Summe selbst bezeichnet er als blanken Hohn: „7.500 Euro Entschädigung. Kann man das überhaupt Entschädigung nennen? Ein Abteilungsleiter von BAYER verdient das in einem Monat, und ich habe das für drei Jahre KZ erhalten, für pseudomedizinische Versuche, (...), für umgebrachte Eltern, für das Verpfuschen meines ganzes Lebens, für die Vernichtung meiner Kindheit!“ Aber seine Verbitterung macht sich nicht an der Höhe des Betrages fest. „Das Geld ist nicht so wichtig. So etwas wie eine moralische Unterstützung - das gibt es hier nicht. Ein bisschen Geld und Haß noch dazu“, empört sich Eugen Muszynski.

Eine moralische Unterstützung gab es für ihn auch auf der diesjährigen BAYER-Hauptversammlung nicht, wo er als Vorsitzender des VERBANDES DER IM KINDESALTER INHAFTIERTEN FRÜHEREN HÄFTLINGE DER NATIONALSOZIALISTISCHEN KONZENTRATIONSLAGER eine Gegenrede hielt. Nach ein paar pflichtschuldig geäußerten Worten des Bedauerns über Muszynskis trauriges Schicksal war BAYER-Chef Werner Wenning bald wieder bei der offiziellen Sprachregelung „BAYER ist kein Rechtsnachfolger der IG FARBEN“ angelangt. Darüber hinaus besaß er noch die Kühnheit, die willigen Mediziner in Konzern-Diensten von jeglicher Mitschuld an den Menschenversuchen freizusprechen, indem er auf die Freisprüche im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß verwies, die allein dem Feindbildwechsel in den Zeiten des Kalten Krieges geschuldet waren. Über den Kollegen Vetter verlor er selbstverständlich auch kein Wort. Aber mit Menschen vom Schlage Wennings hat der alte Mann sowieso abgeschlossen. Er setzt auf die kommenden Generationen. „Deutschland wird sich ändern. Da brauchen wir vielleicht noch die nächsten 50 Jahre“, meint Eugen Muszynski. Hoffentlich täuscht er sich nicht.

[Sozialraub] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

CBG-Jahrestagung zu “Sozialabbau”

Auslaufmodell “BAYER-Familie”

Aus gegebenem Anlass widmet sich die Jahrestagung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) am 12. November dem Thema “Konzernmacht und Sozialraub - BAYER & Co. entfesseln den Kapitalismus”. Die ReferentInnen werden eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation vornehmen, die ökonomischen Ursachen für die Kürzungsorgien analysieren und Möglichkeiten des Widerstandes gegen das Verarmungsprogramm erörtern. Stichwort BAYER schafft mit einem am Beispiel “BAYER” orientierten Blick zurück auf die wechselvolle Geschichte der betrieblichen Arbeits- und Sozialpolitik schon einmal eine mögliche Diskussionsgrundlage.

Von Jan Pehrke

Ende der 70er Jahre stieß die keynesianische Wirtschaftspolitik der sozialliberalen Koalition an ihre Systemgrenzen. Es war der Regierung unter Helmut Schmidt nicht mehr möglich, der wachsenden Arbeitslosigkeit durch staatliche Investitionsprogramme Einhalt zu gebieten, weil die Verschuldung die Währungsstabilität zu gefährden drohte. So schlugen SPD und FDP einen Sparkurs ein und leiteten die Ära der Sozialkürzungen ein. Damit begann der bis heute anhaltende Siegeszug des Neoliberalismus, der die Kräfteverhältnisse deutlich zu Gunsten der Konzerne verschob. BAYER wusste daraus - im wörtlichen Sinn - Kapital zu schlagen. Die verschiedenen BAYER-Chefs erwiesen sich als wahre Meister darin, ArbeiterInnen gegen ArbeitslosInnen auszuspielen. 1997 bespielsweise schlug der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Manfred Schneider in einem Interview vor: “Wir würden unsere Situation in Deutschland auch dann deutlich verbessern, wenn diejenigen, die Arbeit haben, zum Verzicht auf einen Teil der freiwilligen sozialen Leistungen der Unternehmen bereit wären”. Er präzisierte auch gleich seine Vorstellungen: “Zum Beispiel muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob wir nicht den sozialen Standard spürbar reduzieren sollten. Warum reichen nicht 25 Urlaubstage statt der bisherigen 30 Urlaubstage? Warum kann nicht jeder Krankenversicherte eine Selbstbeteiligung zahlen - wie bei der Autoversicherung? Warum kann man die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht mit dem Urlaubsgeld verrechnen? Warum kann das Arbeitslosengeld nicht abgesenkt werden?”.
Rot-Grün gab mit der Gesundheits“reform” und der Agenda 2010 die erwartete Antwort. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) zeigte sich dann auch zufrieden. Nur hätte es für ihn gerne noch ein bisschen mehr “weniger” sein können. Der BAVC-Geschäftsführer Hans Paul Frey empfand die Sozialhilfe-Sätze als “immer noch zu hoch” und forderte Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und beim Kündigungsschutz.
Der Leverkusener Multi wartete aber nicht einfach ab, bis die Mühlen der Politik zu mahlen begannen. Der Konzern ließ den markigen Worten Schneiders gleich Taten folgen. BAYERs damaliger Peter Hartz, Meinholf Stindt, baldowerte als Leiter der Abteilung “Arbeits- und Sozialrecht” den “Eingliederungsvertrag für Langzeitarbeitslose” aus, der die Wirtschaftskreise entzückte. “Löhne unter Tarif, kein Kündigungsschutz und niedrige Personalzusatzkosten - das alles ist jetzt möglich, wenn Unternehmer bereit sind, Langzeitarbeitslosen einen Job zu geben”, jubilierte das Kapital-Blatt Impulse. Ob das Vertragswerk wirklich wieder Leute in Lohn und Brot brachte, interessierte die Konzernherren dabei herzlich wenig, sie betrachteten es lediglich als Einfallstor, um soziale Errungenschaften zu demontieren. “Wenn dieses vereinfachte Arbeitsverhältnis ankommt, ist das wirklich der Beweis dafür, dass die hohen arbeitsrechtlichen Hürden generell Beschäftigung verhindern”, frohlockte ein Unternehmenssprecher.

Der Standort-Vertrag
Aber nicht nur die hohe Arbeitslosigkeit wussten BAYER & Co. zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie lancierten eine Debatte um den “Standort Deutschland” und seine angeblichen Nachteile, die zu Produktionsverlagerungen ins Ausland zwängen, wenn sie nicht behoben würden. Die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) ließ sich diese Diskussion aufzwingen und schloss mit BAYER Ende 1997 den so genannten Standortsicherungsvertrag ab. Damit willigte sie in Arbeitsplatzvernichtung, Lohnkürzungen und den Abbau von sozialen Leistungen ein, während der Konzern lediglich vage Investitionen an den bundesdeutschen Standorten zusagte und betriebsbedingte Kündigungen ausschloss. Wobei er sich im Kleingedruckten noch so einige Möglichkeiten offen hielt, Arbeitsverhältnisse doch vorzeitig zu beenden und diese später auch nutzte. Im Einzelnen besiegelte das “Bündnis zur Standortsicherung” eine Einordnung vieler Beschäftigter in niedrigere Lohngruppen, eine Reduzierung der Bonuszahlungen um 63 Millionen Euro, die Streichung von Wechselschichts- und Treueprämien sowie eine weitere Flexibilisierung der Arbeit.
Die erste Bilanz fiel dementsprechend verheerend aus. Nach einer Umfrage der IG BCE im Vorfeld der Verhandlungen zu einer Verlängerung der Vereinbarung beurteilte die Belegschaft das Abkommen überwiegend negativ. Nach Ansicht der BAYER-WerkerInnen haben ihrem Verzicht auf Lohn und soziale Errungenschaften keine Gegenleistungen von seiten BAYERs entsprochen, die Investitionen hätte der Konzern auch so vorgenommen. Damit übernahmen sie den Standpunkt der KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine oppositionelle Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, die den Standort-Vertrag im Allgemeinen und die zugesagten Aufwändungen an den Standorten im Besonderen kritisiert hatten, weil diese sich lediglich im Rahmen der Instandhaltungskosten für die Anlagen bewegten. Die Gewerkschaft stimmte trotzdem einer Neuauflage der Standortsicherungsvereinbarung zu und opferte so weitere Rechte der MitarbeiterInnen. Ähnlich defensiv ging sie in die kommenden Tarifverhandlungen - und holte jeweils nur 2 bis 3-prozentige Lohnerhöhungen heraus. Dieser Verzicht brachte auch auf längere Sicht nichts ein. BAYER vernichtete fleißig weiter Arbeitsplätze - vor allem durch die Abstoßung von Sparten wie HAARMANN & REIMER, AGFA und jüngst Teilen des Chemie-Geschäfts. Die Belegschaft sank so von 144.600 im Jahr 1997 auf bis dato unter 100.000.
Für den Agro-Riesen ging die Rechnung allerdings auf. Seine Profite stiegen ins Unermessliche, während die Lohnstückkosten sanken. Von 1994 bis 1999 erhöhte sich der Umsatz pro MitarbeiterIn um 40 Prozent. Lag der Anteil der Lohnkosten am Umsatz 1995 bei 18,1 Prozent, so betrug er 1999 nur noch 16 Prozent. Heutzutage dürfte er weiter abgenommen haben.

Die Rolle der Gewerkschaften
Die IG BCE hat diese Umverteilung von unten nach oben klaglos mitgetragen. Traditionell die konservativste Industriegewerkschaft in der Bundesrepublik, begreift sie sich nicht als Verteidigerin der Rechte der Belegschaft gegenüber den Konzernherren, sondern als eine Art von “Co-Management”. Ihre Funktionäre wie Günter Schölzel können es gar nicht mehr verstehen, wenn einzelne Betriebsräte “Konfliktsituationen dazu nutzen, eine Gegenposition zum Management aufzubauen und sich bei Veränderungen warnend vor die Mitarbeiter zu stellen”. Der Betriebsratsvorsitzende des Dormagener BAYER-Werkes, Karl Josef Ellrich, schreitet in solchen Fällen lieber als “Change-Manager” ein und betätigt sich als sozialer Friedensstifter in von BAYER & Co zunehmend unfriedlicher gestalteten Zeiten. Willenlos kapitulieren Ellrich und seine KollegInnen vor dem Kapital und reden der Chef-Etage nach dem Mund. “Wer heute kollektiv und ohne Kompromissbereitschaft an Besitzständen festhält, besitzt bald gar nichts mehr”, gab etwa BAYERs Gesamtbetriebsratschef Erhard Gipperich in reinstem BAYER-Sprech zum Besten.
Von solchen VertreterInnen haben die BAYER-MalocherInnen nichts zu erwarten, und der Einfluss der alternativen Gewerkschaftsgruppen ist zu schwach, um Widerstand organisieren zu können. So stehen die Beschäftigten der Offensive der Konzerne machtlos gegenüber. Was für die Manager “Senkung der Lohnstückkosten” heißt und die Sektkorken knallen lässt, bedeutet für sie mehr Arbeitsverdichtung. Der Stress, der durch zusätzliche Überwachungsaufgaben, wechselnde Arbeitsplätze im Werk, stärkere Konkurrenz und die Verlängerung der Arbeitszeit entsteht, sah der ehemalige Leiter von BAYERs Ärztlichem Dienst, Dr. Manfred Albrod, schon im Jahr 2000 als Hauptbelastungsfaktor für die Gesundheit der MitarbeiterInnen an - und nicht mehr die Gefährdungen durch Giftstoffe. Dabei zerrt nicht nur die Arbeit zunehmend an den Nerven, sondern auch die bange Aussicht, vielleicht bald keine mehr zu haben. “Die Angst sei da, bei so vielen, sie sei Tag für Tag deutlich zu spüren - bei der Arbeit, in der Mittagspause und auch noch in der Familie daheim”, gab die WZ die Worte eines Beschäftigten im Wuppertaler Pharmaforschungszentrum wieder.

Wie alles anfing ...
Aber bei BAYER verschlechterten sich nicht nur die unmittelbar die Lohnarbeit betreffenden Bedingungen. Auch die auf das weitere Umfeld des Werkes zugeschnittene Sozialpolitik des Konzerns veränderte sich. Der Multi verkaufte seine Werkswohnungen, gliederte seine Betriebskrankenkasse aus und übergab seine Kindergärten dem “Deutschen Roten Kreuz”. Zudem trennte er sich von seinem Kaufhaus, schloss die Werksbibliothek, fuhr das Kulturprogramm zurück und kürzte die Sportförderung. Dieses ganze Gefüge hatte einst nicht nur die Arbeit, sondern das halbe Leben dieseits des Werkstores stattfinden lassen. Von der “BAYER-Familie” sprach deshalb der von 1912 bis 1925 als Generaldirektor des Unternehmens amtierende Carl Duisberg gerne. “Die vornehmste Pflicht eines Unternehmers habe ich immer darin erblickt, das soziale Problem der Lösung näher zu bringen”, schrieb er in seinen Memoiren. Allzu vornehm waren seine Motive dabei allerdings nicht; sie entsprangen praktischen Erwägungen. So geschwächt nämlich die Position der Beschäftigten heutzutage in Zeiten des neoliberalen Dogmas und hoher Arbeitslosigkeit scheint, so stark war die in der Anfangszeit der Chemischen Industrie. BAYER hatte damals gehörige Schwierigkeiten, geeignete MitarbeiterInnen zu gewinnen. Das Arbeitskräfte-Reservoir im Einzugsgebiet Leverkusens hatte sich bald erschöpft, so dass der Konzern Anwerber bis nach Schlesien und Polen ausschickte. Für die Chemiearbeit waren die zumeist aus ländlichen Regionen stammenden Neulinge jedoch nicht unbedingt geschaffen. Dazu bedurfte es einer langwierigen Erziehungsarbeit. Viele hielten es nicht lang in den Produktionshallen aus. Wegen der großen Gesundheitsgefahren hatte besonders die Chemieindustrie unter eine hohen Fluktuation zu leiden. Der Multi leitete deshalb diverse Maßnahmen ein. Arbeiter, die von anderen Chemie-Werken kamen, stellte er aus Prinzip nicht ein, und Wanderarbeiter, die schon dreimal in Leverkusen angeheuert hatten, brauchten bei einer erneuten Verpflichtung eine Sondergenehmigung der Direktion. Um Belegschaftsangehörige langfristig an sich zu binden, startete der Chemie-Riese seine “Familienpolitik”. Mussten die Neuankömmlinge aus Polen und Schlesien anfangs neben den Schmelzöfen nächtigen, entfaltete BAYER später eine rege Bautätigkeit. Aber das vergleichsweise kostengünstige Wohnen hatte seinen Preis: Wer seinen Job kündigte, war auch die Wohnung los. Die freien Gewerkschaften und die SPD protestierten vehement gegen dieses Koppel-Geschäft. Darüber hinaus führte BAYER 1873 eine Unterstützungskasse für Krankgewordene ein - “zehn Jahre vor Bismarcks erstem Sozialgesetz”, vermerkt die Unternehmenschronik “Meilensteine” stolz. “Dem patriarchalischen Denken der Zeit entsprechend”, saß ihr allerdings stets ein BAYER-Boss vor, weshalb die Arbeitervertreter in der Kasse “ein Knebelinstrument des Unternehmers sahen”, wie die “Meilensteine” einräumen müssen. Eine fürsorgliche Belagerung der Belegschaft stellten auch die vom Konzern ins Leben gerufenen Berufsvereine dar. Fortbildungsmaßnahmen, Vorträge und Ausflüge sollten Betriebsführer und Arbeiter der einzelnen Sparten einander näher bringen und die Beschäftigten von dem dummen Gedanken abhalten, einer freien Gewerkschaft beizutreten. Der Festigung des korporatistischen Geistes diente auch die Gepflogenheit der Oberen, den Werktätigen höchstpersönlich ihren Lohn auszuzahlen. Als die zunehmend vermittelten Beziehungen dies im entwickelten Kapitalismus nicht mehr zuließen, setzte die Führungsetage Sozialsekretäre und Fabrikpfleger als Wahrer des sozialen Friedens ein. Zudem initiierte der Chemie-Multi eine Reihe von “vertrauensbildenden Maßnahmen”. Er richtete ein Kaufhaus ein, schuf Kindergärten, Kulturclubs, Gesangskreise, gründete eine Bibliothek und Sportvereine. Die “BAYER-Familie” musste so gut wie gar nicht mehr außer Haus. Die Gewerkschaftler durchschauten das Manöver: “(Es) soll unter Anwendung aller äußeren und inneren Methoden der modernen Pädagogik und der angewandten Psychologie, mit Hilfe von Werkschulen, Lehrlingswerkstätten, Lehrlingsvereinen, Unterstützungskassen, Werkskasinos, Werkswohlfahrtseinrichtungen, Sportklubs und anderem mehr die Arbeiterschaft in eine ganz enge innere, seelisch verankerte Verbindung mit dem Betrieb gebracht werden, so dass sie mit der Zeit alles Interesse an ihren Berufs- und Industrieverbänden verlieren soll. Daneben geht man mit Propaganda-Broschüren, Werkzeitungen und anderen, der modernen Reklame-Psychologie entlehnten ‘Aufklärungsmitteln’ darauf aus, die Arbeiter vor dem marxistisch-sozialistischen Geist in den Gewerkschaften graulich zu machen. Fritz Fricke analysierte die Sozialpolitik der Unternehmen auf diese Weise in seinem 1927 erschienenen Buch “Sie suchen die Seele”. Zu diesem Zeitpunkt bekam das traute Familienleben aber schon Brüche. 1916 hatte der Staat die Gewerkschaften anerkannt. Damit war das Arbeitsverhältnis nicht länger bloß eine Sache zwischen dem Arbeiter und dem Werk. Die Gewerkschaften hatte das Recht, im Namen aller Beschäftigten einer Branche die Löhne auszuhandeln, womit das individuelle Vertragsprinzip zu einem kollektiven überging. 1920 folgte dann das Betriebsrätegesetz. Die Weimarer Republik regierte noch in einen anderen zentralen Bereich hinein. Im Interesse des Mietschutzes wollte sie die Verschränkung von Wohnen und Arbeiten nicht länger hinnehmen. So nahm sie den Wohnungsbau von BAYER & Co. von Förderprogrammen aus und gewährte den Konzernen keine günstigen Hypothekenzinsen mehr. Heute kaum mehr vorstellbar, wehrten sich die Unternehmen vehement gegen die Verstaatlichung ihrer Sozialpolitik. Aber sie mussten sich den Zeichen der Zeit beugen. “Die Unternehmen verloren die Konkurrenz mit dem Staat um die gesellschaftliche Einbindung der Arbeiter, das partikulare Sicherungssystem unterlag dem zentralen Wohlfahrtsstaat. Im Kaiserreich, und noch in den ersten Jahren der Weimarer Zeit, hatten die großen Unternehmen den gesellschaftlichen Orientierungsrahmen setzen wollen, indem sie möglichst viele Lebensbereiche erfassen und patriarchalisch gestalten wollten. Die soziale Sicherung mit Hilfe von Konsumanstalt, Haushaltungsschule, Kindergarten, Werkskranken-, unterstützungs- und -sparkasse, Werkswohungsbau und betrieblichen Vereinen etc. bezahlten die Arbeiter mit gesellschaftlicher Unmündigkeit und mit dem Verzicht auf die Durchsetzung von Interessen bei Konflikten”, resümiert Historiker Günther Schulz.

Volks- und Betriebsgemeinschaft
Bei den Nationalsozialisten ging es jedoch wieder “familiärer” zu. Was im Großen die Volksgemeinschaft darstellte, sollte im Kleinen - auf der Ebene der Unternehmen - die Betriebsgemeinschaft sein. Gewerkschaften und Betriebsräte standen dem beschworenen Gemeinschaftsgeist im Weg. Deshalb verbot die NSDAP diese kurzerhand und setzte die “Deutsche Arbeitsfront” an ihre Stelle. Deren Gründungsvater war Robert Ley, der von 1921 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1927 bei BAYER als Chemiker arbeitete. Seine Erfahrungen mit der “Familienpolitik” des Multis haben dann auch seine Konzeption der faschistischen Arbeits- und Sozialpolitik stark beeinflusst. Die VerfasserInnen der “Meilensteine” irrten mit ihrer Einschätzung, Duisbergs “patriarchalische Wohlfahrt” sei seiner Zeit weit voraus gewesen, weniger, als ihnen lieb sein mochte.
BAYERs Aktivitäten auf sozialem, kulturellem und sportlichem Gebiet dienten Ley in vielem als Vorbild für sein “Kraft durch Freude”-Programm. Deshalb lud er zur Jungfernfahrt des Ausflugsschiffes “Robert Ley” nach Madeira auch die Tanzschar der BAYER-Kulturabteilung persönlich zur Mitgestaltung des Unterhaltungsprogramms an Bord ein, und die Gattin des damaligen Werksleiters Dr. Kühne war ebenfalls mit von der Bootspartie. Immer wieder kehrte die Nr. 5 der NSDAP-Hierarchie an seine alte Wirkungsstätte zurück. 1938 hielt Ley die Festrede zum 75-jährigen Bestehen des Leverkusener Werkes. Vom genius loci inspiriert, nutzte er die vom Rundfunk übertragene Ansprache zugleich dazu, das Sparmodell vorzustellen, das die ganze Volksgemeinschaft binnen vier Jahren in den Genuss des Volkswagens, auch “KdF-Wagen” genannt, bringen sollte.
Darüber hinaus fanden Duisbergs Zukunftsinvestitionen zum langfristigen Erhalt der Arbeitskraft der Beschäftigten, die ihren Ausdruck in dem Bemühen fanden, ihnen durch großzügige, helle, saubere und luftige Arbeitsplätze gute Bedingungen zur optimalen Verwertung der Arbeitskraft einzuräumen, Eingang in die NS-Politik. Ley schuf das Amt “Schönheit der Arbeit”, das den Betrieben Anregungen in puncto Belüftung, Beleuchtung und Farbgestaltung gab. Wer dann das “schönste”, also das “sozialste” Unternehmen im ganzen Reich war, ermittelte ab 1936 der “Leistungskampf” um die zweifelhafte Auszeichung zum “NS-Musterbetrieb”.

Fazit
Der historische Rückblick zeigt also, wie sehr die betriebliche Sozialpolitik eine Befriedungsstrategie war, welche die Beschäftigten von dem Gedanken abbringen sollte, dass die Interessen von BAYER & Co. eventuell nicht ihre Interessen sein könnten. Als diese ihre Mission erfüllt hatte und das Gespenst des Kommunismus endgültig gebannt schien, machte der Leverkusener Multi sich an die Abwicklung seines kleinen Wohlfahrtsstaates. So spricht heutzutage niemand mehr von der “BAYER-Familie” und die IG BCE steht politisch sprachlos vor dem Scherbenhaufen und beschränkt sich auf Schadensbegrenzung, weil die Langzeitwirkungen der “fürsorglichen Belagerung” aus der Gewerkschaft die konservativste Beschäftigungsvertretung in der Bundesrepublik gemacht haben. Die hohe Arbeitslosigkeit und die Macht des neoliberalen Dogmas haben die Belegschaften zusätzlich in die Defensive geraten lassen. Die Parteien wollten diese Situation vor der Bundestagswahl schon eiskalt ausnutzen und bereiteten mit dem kurzen Hinweis auf die Globalisierung und andere vermeintliche Sachzwänge schon neue Einschnitte vor, da tauchte plötzlich die Linkspartei auf. Allein ihre Existenz zwang die große neoliberale Koalition, ihre Verzichtsethik weniger großmäulig zu predigen. Die SPD nahm sogar einige programmatische Änderungen vor. Wie immer man zu der neuen Partei im Einzelnen stehen mag, sie hat den Mühseligen und Beladenen wieder eine Stimme gegeben, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und dem der etablierten PolitikerInnen einen Dämpfer versetzt. Nicht nur die objektive Lage bestimmt also die politischen Kräfteverhältnisse, sondern auch der Grad der Bereitschaft, sie hinzunehmen oder zu bekämpfen.

[Ticker 03/2005] STICHWORT BAYER 03/2005 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Berkeley: Ausgliederung gestoppt
Die BAYER-Niederlassung im kalifornischen Berkeley plante, ihre Pförtnerdienste auszugliedern und 54 Angestellte zu entlassen, um sie durch billigere VertragsarbeiterInnen zu ersetzen. Aber die Gewerkschaft INTERNATIONAL LONGSHOREMAN‚S WAREHOUSE UNION kündigte Proteste an und hatte Erfolg. „BAYER wurde klar, dass wir bis zum Streik gehen würden, deshalb sind die Pläne jetzt vom Tisch“, sagte Donald Mahon. Lohneinbußen müssen die PförterInnen künftig nicht hinnehmen, auf die Details der Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Betriebsführung wollte Mahon jedoch nicht eingehen.

FarmerInnen fordern Rechtshilfe
In einer australischen Raps-Lieferung nach Japan fanden sich Spuren der von BAYER CROPSCIENCE hergestellten, genveränderten Raps-Sorte „Topas 19/2“ (siehe auch SWB 3/05), weshalb die Behörden die Ladung beschlagnahmten. Den LandwirtInnen entstand ein beträchtlicher finanzieller Verlust. Das NETWORK OF CONCERNED FARMERS (NCF) appelliert deshalb an die Regierung ihres Landes, gesetzgeberisch tätig zu werden. „Die Politik muss strikte Haftungsregeln einführen, damit der Verursacher für den Schaden aufkommt, nicht die Betroffenen“, so Julie Newman vom NCF.

BUKO für unabhängige Forschung
Die BUKO-PHARMAKAMPAGNE hat in einer Stellungnahme zum geplanten Forschungsrahmen-Programm der EU eine Stärkung industrie-unabhängiger medizinischer Untersuchungen gefordert. „Da sich kommerziell finanzierte Forschung naturgemäß auf Medikamente ausrichtet, müssen verstärkt auch nicht-medikamentöse Ansätze in der Forschung berücksichtigt werden“, heißt es in dem Positionspapier.

BUKO für strengere Arzneiprüfungen
Am 23. Juni 2005 veranstaltete das Bundesgesundheitsministerium einen Workshop zur Pharmapolitik, an dem PolitikerInnen, ÄrztInnen, PharmakritikerInnen und Industrie-EmissärInnen teilnahmen. Ein Vertreter der BUKO PHARMAKAMPAGNE forderte in der Runde mit Verweis auf die von LIPOBAY und VIOXX ausgelösten Arzneimittelskandale strengere Zulassungsprüfungen. Er stieß damit auf Unverständnis bei den TeilnehmerInnen. Die große Pillenkoalition gab zwar zu, dass die Risiken von neuen Mitteln größtenteils nicht bekannt seien, sprach sich aber trotzdem für die Beibehaltung des alten Brauchs aus, die gesamte Bevölkerung zu Versuchskaninchen zu machen.

BUKO schreibt der WHO
Die BUKO-PHARMAKAMPAGNE und andere Initiativen haben in einem Offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Richtungswechsel bei der Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln gefordert. Die Gruppen sprachen sich gegen die preistreibenden Patentschutz-Regelungen aus, weil sie die Präparate für arme Länder unerschwinglich machen und überdies weitere Forschungen erschweren. Demgegenüber traten die Gruppen für eine Pharmakologie ein, welche Gesundheit als ein öffentliches Gut betrachtet und Medikamente im Interesse der Allgemeinheit produziert.

Anti-Umweltpreis an BAYER
Das Grundwasser in der Umgebung des im südafrikanischen Durban gelegenen BAYER-Werks ist stark durch Krebs erregende Chrom-Verbindungen belastet (siehe auch SWB 4/04). Darum haben Umweltverbände des Landes dem Leverkusener Multi wegen fehlender Verlässlichkeit und Verantwortung den „Accountability and Liability Sucks-Preis“ zugesprochen.

Petition gegen Ohioer Werksleitung
Im US-amerikanischen Addyston, dem dieses Jahr von LANXESS übernommenen BAYER-Standort, ereignen sich permanent Störfälle. Erst im Herbst 2004 trat zweimal in kurzen Abständen das Krebs erregende Gas Acrilonitril aus. Die Initiative OHIO CITIZEN ACTION hat deshalb in einer Petition die Ablösung der Werksleitung gefordert. 425 der 790 AddystonerInnen unterzeichneten sie.

Hoppe gegen Arznei-Agentur
Die Bundesregierung plant, das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ durch die „Deutsche Arzneimittel-Agentur“ zu ersetzen und gibt damit Forderungen von BAYER & Co. nach. Die Agentur soll sich durch die Gebühren der Hersteller für die Arznei-Zulassungsverfahren finanzieren und nach Akkord arbeiten: Je mehr Pillen sie in kurzer Zeit auf Verträglichkeit und Heilwirkung hin überprüft, desto mehr Geld nimmt sie ein (siehe auch POLITIK & EINFLUSS). Die Wahrscheinlichkeit von Pharma-Skandalen, wie sie z. B. BAYERs Cholesterin-Senker LIPOBAY auslöste, steigt damit stark an. Entsprechend alarmiert reagierte Bundesärztekammer-Präsident Jörg Hoppe. „Bei einer solchen Agentur, die sich im Wettbewerb mit europäischen Zulassungsbehörden behaupten soll, besteht zwangsläufig die Gefahr, dass Anträge nicht ausreichend geprüft werden und Wirkstoffe vorschnell zugelassen werden“, meint Hoppe. Zudem kritisierte er die unverhohlen marktwirtschaftliche Ausrichtung der Agentur scharf. „In dem Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums ist ohne Umschweife vom Wirtschaftsstandort, von hoher Wertschöpfung, Exportquoten und Wettbewerbsfähigkeit die Rede. Die Zulassung von Arzneimitteln wird als Kerngeschäft bezeichnet. Die Begriffe Patient und Arzt kommen bemerkenswerterweise in der Begründung kein einziges Mal vor“, so der Ärzte-Sprecher.

ISDB kritisiert Arznei-Sicherheitsstandards
Die europäische Sektion der Medizinzeitschriften-Organisation INTERNATIONAL SOCIETY OF DRUG BULLETINS (ISDB) hat sich kritisch zum Stand der Arzneimittelsicherheit geäußert und ausführliche Verbesserungsvorschläge gemacht. Sie fordert eine lückenlose Dokumentation der in klinischen Tests beobachteten Nebenwirkungen und eine Verbesserung des Meldewesens, so dass - wie im Falle LIPOBAY geschehen - nicht zunächst die Börse über Pharma-GAUs informiert wird und dann erst die Öffentlichkeit. Zudem tritt die ISDB dafür ein, MedizinerInnen mit Industrie-Kontakten künftig die Mitarbeit in Kontrollgremien zu verwehren. Darüber hinaus verlangt die Organisation von BAYER & Co., die Sicherheitsüberwachung bei ihren pharmakologischen Prüfungen zu verbessern und die VerbraucherInnen rechtzeitig und umfassend über unerwünschte Arznei-Effekte zu informieren.

CDU-Anfrage wg. Phosgen
Mit der Erweiterung der Kunststoff-Fertigung im Uerdinger BAYER-Werk ist auch die vermehrte Produktion des hoch giftigen Gases Phosgen verbunden (SWB 1/03). Das ist nicht einmal der Uerdinger CDU so ganz geheuer. Die Fraktion der Bezirksvertretung Süd erbat sich von der Stadtverwaltung in einer Anfrage sicherheitsrelevante Informationen. Sie wollte wissen, ob die Verantwortlichen die Stadt an dem Genehmigungsverfahren beteiligt haben und ob es eine Umweltverträglichkeitsprüfung gab. Zudem erkundigten die PolitikerInnen sich danach, wie die Stadt das Risiko-Potenzial der aus Produktionsgründen ständig im Werk gelagerten Menge von 34 Tonnen Phosgen einschätzt und ob sie auf eine weit ungefährlichere „just in time“-Herstellung oder gar eine phosgen-freie Kunststofffertigung drängt. Darüber hinaus verlangten die CDUlerInnen nach Informationen über Katastrophenpläne für den Ernstfall. Fragen ähnlicher Art hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) bereits einmal dem Staatlichen Umweltamts in Krefeld gestellt, aber trotz monatelanger Wartezeit nur unzureichende Antworten bekommen.

CBG ißt gegen BAYER
Am 11. September fand die bundesweite Aktion „tafeln! für Bio - gegen Gentechnik“ statt. An 118 Orten kamen AktivistInnen zu einer Mahlzeit aus ökologischen Lebensmitteln zusammen und protestierten genüßlich gegen das Genfood von BAYER & Co. Allein in Berlin folgten 6.000 Menschen dem Aufruf des BUNDES FÜR ÖKOLOGISCHE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT und anderer Verbände. Für die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) kochte und aß am Kölner Heumarkt Geschäftsführer Philipp Mimkes mit und fand zwischen den einzelnen Gängen noch genug Zeit, um Interessierte über den Gen-Giganten BAYER zu informieren.

Immer mehr Regionen ohne Gentech
Die Zahl der ländlichen Gebiete in der Bundesrepublik, die auf Gentechnik verzichten wollen, steigt immer mehr. Mittlerweile haben sich VertreterInnen von 66 Regionen zu einer Landwirtschaft ohne Gentechnik bekannt.

Meacher warnt vor Pestiziden
Nach Meinung des ehemaligen englischen Umweltministers Michael Meacher schützt die britische Regierung die Bevölkerung nur unzureichend vor den gesundheitlichen Gefahren, die von Pestiziden ausgehen. Mit dem Hinweis auf zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen Agrochemikalien und Krankheiten wie Asthma, Krebs und Parkinson (siehe auch PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE) sehen, kritisierte er die laxe Zulassungspraxis des „Pesticide Safety Directorate“, die der finanziellen Abhängigkeit von BAYER & Co. geschuldet ist.

AKTION & REAKTION

Anerkennung aus Italien
Die italienische Zeitung Il Golem L‘indensabile, zu deren Herausgebern unter anderem der Schriftsteller Umberto Eco gehört, hat im Rahmen eines Artikels über das in Italien weitgehend unbekannte Phänomen der Kritischen AktionärInnen insbesondere die regelmäßigen Aktionen und Gegenreden der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auf den BAYER-Hauptversammlungen als beispielhaft gewürdigt.

Romy Quijano ausgezeichnet
Dr. Romy Quijano hat für die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auf philippinischen Bananenplantagen Recherchen zu der gesundheitsgefährdenden Wirkung von BAYER-Pestiziden gemacht. Nicht einmal von Klagen der Bananen-Barone hat er sich dabei abschrecken lassen. Für dieses Engagement hat der Mediziner in den USA nun einen Umweltpreis erhalten.

KAPITAL & ARBEIT

Wirbel um LANXESS-Betriebsrat
In BAYERs Chemie-Abspaltung LANXESS ist innerhalb der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) eine Kontroverse um den Posten des Gesamtbetriebsratschefs entbrannt. Im Vorfeld der Trennung hatte der Betriebsrat des „Mutterhauses“ Ralf Deitz für diese Position auserkoren. Die LANXESSer fügten sich dieser Entscheidung allerdings nicht und wollten Werner Czaplik an der Spitze ihres Betriebsrates sehen. Darüber waren die BAYER-GewerkschaftlerInnen so erbost, dass sie ihrem Mann trotz gewonnener Wahl das Mandat entzogen. „Ein Machtkampf dieser Dimension ist bislang ohne Beispiel in der IG BCE“, kommentierte die Financial Times Deutschland. Offensichtlich spiegelt sich darin die Unzufriedenheit der permanent von Arbeitsplatzvernichtung bedrohten LANXESS-Beschäftigten mit der Gewerkschaft wider, welche der Herauslösung der Chemie-Sparte weitgehend tatenlos zugesehen hatte.

Arbeitsplatzvernichtung bei LANXESS
Wieder einmal Arbeitsplatzvernichtungen bei LANXESS: Ende Juni 2005 hat sich BAYERs Chemie-Abspaltung ihr Werk im französischen La Wantzenau für Rationalisierungsmaßnahmen auserkoren. Der Vorstand will dort Einsparungen in einem Volumen von 11 Millionen Euro realisieren und 86 Jobs dafür opfern.

Rationalisierungen bei LANXESS
BAYERs Chemie-Abspaltung LANXESS hat am spanischen Standort Tarragona ein Kostensenkungsprogramm gestartet, das unter anderem Flexibilisierungsmaßnahmen und eine Erhöhung der Jahresarbeitszeit vorsieht. Um den Beschäftigten die Verschlechterungen schmackhaft zu machen, kommt auch die obere Etage nicht ganz ungeschoren davon: Die MitarbeiterInnen in Führungspositionen müssen auf ein bis drei Prozent ihres Jahresbonus verzichten.

LANXESS sucht Kunstfaser-Käufer
BAYERs Chemie-Abspaltung LANXESS plant, sich von seinem Kunstfaser-Geschäft zu trennen und damit viele Arbeitsplätze zu vernichten. LANXESS-Boss Axel Heitmann verhandelt bereits mit einem Interessenten, der die Sparte ganz oder teilweise - im Rahmen eines Joint Ventures - übernehmen will.

AGFA: Spaltprozess geht weiter
Trennt sich ein Unternehmen von einem Geschäftsbereich, setzt das oft einen Teilungsprozess bis zum bitteren Ende in Gang. Die von BAYER 1999 an die Börse gebrachte AGFA ist dafür ein Beispiel. Ende 2004 verkaufte die Gesellschaft ihre Leverkusener Fotosparte an Finanzinvestoren weiter, im Juni 2005 stellte diese einen Insolvenzantrag. Im September gab die Geschäftsleitung der AGFA AG nun eine weitere Aufspaltung bekannt. Die Bereiche „Medizintechnik“, „Grafische Systeme“ und „betriebliche Altersversorgung“ firmieren nun als eigenständige Gesellschaften. Nach Beendigung dieses Prozesses geht die Muttergesellschaft AGFA AG in Liquidation, ihre Aktien werden an der Frankfurter Börse nur noch bis zum 18. November 2005 gehandelt. Die strategische Leitung übernimmt dann der belgische Unternehmensteil AGFA GEVAERT NV. Eine ähnliche Entwicklung könnte dem von BAYER in die Selbständigkeit entlassenen LANXESS-Konzern bevorstehen.

Nur noch 500 Jobs bei AGFA-FOTO
Die ehemals zu BAYER gehörende Fotosparte von AGFA stellte Ende Mai einen Insolvenzantrag. Seither verhandelt der Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier mit Investoren. Ging er zunächst davon aus, 850 der ursprünglich 1.787 Arbeitsplätze erhalten zu können, hat er im September die Erwartungen zurückgeschraubt: Es bleiben lediglich 500 Jobs übrig. Wenn der interessierte Finanzinvestor den Zuschlag erhalten sollte, sind die Tage des Standortes Leverkusen gezählt. Dieser Anleger hat es nämlich vornehmlich auf AGFAs Laborgeräte abgesehen, und die produzieren die Werke in München und Peiting.

Verringerung des Sortiments
BAYER CROPSCIENCE plant, sich auf neue und deshalb renditeträchtigere Ackergifte zu konzentrieren und will ältere Agrochemikalien ausmustern. Bis 2008 soll das Sortiment um 20 Wirkstoffe auf 93 schrumpfen - und die Zahl der Arbeitsplätze dürfte da gleich mitschrumpfen.

Erweiterter Drogentest
Im Jahr 2002 hat der VEREIN ZUR FÖRDERUNG DES ÖFFENTLICHEN BEWEGTEN UND UNBEWEGTEN DATENVERKEHRS e.V. (FoeBuD) BAYER den BigBrotherAward verliehen, weil der Konzern bei BewerberInnen Drogen-Tests durchführt (SWB 4/02). Das hat den Leverkusener Chemie-Multi allerdings nicht davon abgehalten, die Nachweis-Technologie zu vervollkommnen. Seine Diagnostika-Apparaturen ADVIA 1650 und 2400 können nun auch Opiate, Barbiturate, Kokain sowie sechs weitere Drogenarten aufspüren.

Wieder nur 1.000 Lehrlinge
Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten fünfzehn Jahren zurückgegangen. Gab es 1990 in den Werken noch 1.600 Lehrstellen, so strich der Konzern diese bis zum Herbst 2005 auf rund 1.000 zusammen. Rund ein Viertel der Lehrlinge stehen dabei gar nicht mehr in den Diensten des Agromultis. Er bildet sie vielmehr im Auftrag von BAYERs Chemie-Abspaltung LANXESS aus, die selbst keinerlei Ausbildungsanstrengungen unternimmt.

Mehr Arbeitsplätze in China
BAYER investiert kräftig in China und schafft dort auch neue Arbeitsplätze. So plant der Konzern, die Zahl seiner MitarbeiterInnen in dem Land auf 5.600 zu verdoppeln.

Roncalli-Direktor bei BAYER
Um seinen Jung-ManagerInnen etwas zu bieten, kaufte BAYER zur Abschluss-Veranstaltung der Führungskräfte-Qualifizierung den Direktor des Zirkus Roncalli, Bernhard Paul, für das Unterhaltungsprogramm ein.

Widerstand gegen Verhaltensvorschriften
Die Niederlassung von BAYER CROPSCIENCE im französischen Lyon will ihre MitarbeiterInnen auf „gesetzmäßiges und verantwortliches Handeln“ verpflichten.. Die Richtlinie hält die Beschäftigten zu „Rechtstreue und ethischem Verhalten“ und zu einem verantwortlichen Umgang mit Chemikalien an. Zudem fordern die BAYER-Gebote von den Belegschaftsangehörigen, den Vorstand über alle eventuelle Verstöße zu informieren, bei Zuwiderhandlungen drohen Geldstrafen und andere Sanktionen. Darüber hinaus verlangt die Lex BAYER von den Angestellten, für die „Wahrung des guten Rufes des Unternehmens“ einzutreten, auch und gerade bei „politischen Aktivitäten“. Mit dem „Compliance Commitee“ hat der Multi sogar eine betriebsinterne Gerichtsbarkeit eingeführt. Die Geschäftsleitung führte die Benimmregeln ein, obwohl der Gesamtbetriebsrat das Vorhaben abgelehnt hatte. Die Gewerkschaft CGT gibt aber nicht auf und organisiert weiterhin Widerstand gegen die undemokratische „Hausordnung“.

Lustig ist das Betriebsratsleben?
Bei VW haben die Arbeitnehmer-VertreterInnen durch „Social Sponsoring“ der Geschäftsleitung auf großem Fuße gelebt. Den BAYER-Betriebsräten geht es aber auch nicht schlecht. So kann zum Beispiel der Dormagener Betriebsratsvorsitzende Karl-Josef Ellrich seinen Mercedes CLS 350 im Wert von 80.000 Euro - with a little help von BAYER - mittels günstiger Leasingbedingungen finanzieren. Seine Arbeit beeinflussen nette Gesten dieser Art nach eigenem Bekunden nicht. „Ich achte streng darauf, meine absolute Unabhängigkeit zu wahren“, behauptet Ellrich. Äußerungen in der Öffentlichkeit lassen an seiner Unabhängigkeit allerdings zweifeln. So betrachtete er in einem Interview mit der Neuß-Grevenbroicher Zeitung die Willfährigkeit der Gewerkschaft als Standortvorteil im internen Wettbewerb der einzelnen Niederlassungen um BAYER-Investitionen. Wenn in Fragen der flexiblen Arbeitszeit und der Bereitschaft zur Weiterbildung „alle Werke etwa gleich liegen, wird auch nach der Umgänglichkeit und Flexibilität des Betriebsrates gefragt. Da ist der Betriebsrat gefordert, sich einzubringen, so der sich selbst als “Change Manager„ bezeichnende Ellrich untertänigst. Deshalb vermutete dann auch ein Leser der Zeitung treffsicher, “dass die Konzernherren wahrscheinlich grinsend hinter der Gardine stehen, wenn Ellrich in seinem BAYER-geförderten Mercedes-Benz 350 CLS anrollt, um dort ‚absolut unabhängig‚ über Betriebsschließungen, die Streichung von betrieblichen Sonderzahlungen, die Ausgliederung von Betriebsteilen in billigere Tarifverträge oder gar in billigere Gegenden dieser Welt zu verhandeln„.

ERSTE & DRITTE WELT

Entwicklungshilfe à la BAYER
Die Bundesrepublik will nach Informationen von “www.german-foreign-policy.com„ die Entwicklungshilfe privatisieren und BAYER & Co. stärker in die konzeptionellen Planungen einbinden. Um “Chancen und Nutzen von Entwicklungspolitik für die deutsche Wirtschaft zu bestimmen„, hat die “Bundesagentur für Außenwirtschaft„ deshalb Ende August 2005 in Köln eine dreitägige “Weltkonferenz„ abgehalten, an der VertreterInnen von 100 Unternehmen teilnahmen. Entwicklungshilfe definierte der Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach bei dem Meeting “als wirtschaftliche Einstiegshilfe in sensible Regionen„. Die Politik hatte im Vorfeld bereits Forderungen der “Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitik„ des “Bundesverbandes der Deutschen Industrie„ erfüllt und Staaten mit aussichtsreichen Märkten wie China, Brasilien, Mexiko und Südafrika zu “Ankerländern„ der Entwicklungszusammenarbeit erklärt.

POLITIK & EINFLUSS

Kahlschlag bei REACH
Die REACH genannte Chemikalien-Richtlinie der EU, die Tausende niemals getestete Substanzen erstmals auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin untersuchen will, gerät unter dem Druck von BAYER & Co. immer industriefreundlicher. Im September 2005 einigten sich Ministerrat und EU-Parlament auf eine erneute Abschwächung. Für Stoffe, deren Produktionsmenge unter zehn Tonnen liegt, brauchen BAYER & Co. fortan nur noch detaillierte Datensätze vorlegen, wenn die Gefährlichkeit der Substanzen bereits bekannt ist. Die unbekannten Chemie-Wesen bleiben also weiterhin unbekannt. Folgerichtig sprach der “Verband der Chemischen Industrie„ nach der frohen Kunde aus Brüssel von einem “ermutigendem Zeichen für die Branche„.

Schröder bei BAYER
Anfang Juni 2005 besuchte Bundeskanzler Gerhard Schröder das Bitterfelder BAYER-Werk und den um die Niederlassung herum entstandenen Chemie“park„.

Wenning bei der CDU
Auf Einladung des Pforzheimer Wirtschaftsrates der CDU hielt der Vorstandsvorsitzende des Leverkusener Agro-Multis, Werner Wenning, einen Vortrag zur Lage der Nation unter besonderer Berücksichtigung der BAYER-Interessen. In routiniert düsterer Manier schilderte er den Zustand des Patienten “Deutschland„, um Zustimmung für eine Roßkur à la BAYER zu erheischen: Weg mit den Windrädern, weg mit den angeblich zu hohen Unternehmenssteuern und weg mit den Gentechnik-Restriktionen. Bei der CDU war er mit diesen Forderungen an der richtigen Adresse.

Wenning VCI-Vorsitzender
BAYER-Chef Werner Wenning hat im September 2005 für zwei Jahre den Vorsitz des “Verbandes der Chemischen Industrie„ (VCI) übernommen.

Wahlerklärung des Konventes
Dem “Konvent für Deutschland„ gehören neben dem BAYER-Aufsichtsratschef Manfred Schneider unter anderem Klaus von Dohnanyi, Roland Berger, Hans-Olaf Henkel, Roman Herzog und Oswald Metzger an. Das Gremium “berät„ PolitikerInnen und versucht sie besonders fürs kapitale Rucks in Sachen Bildung, Finanzen und Föderalismus zu erwärmen. Auch im Vorfeld der Bundestagswahlen meldete sich der Konvent zu Wort. Als dringlichste Aufgabe der neuen Regierung mahnte Herzog einen Kassensturz an, “der diese Bezeichnung wirklich verdient.„ Wortkarger gerieren sich die Konventler, wenn ReporterInnen Fragen nach der Finanzierung ihrer Arbeit stellen. “Da gibt sich der Konvent eher schmallippig, pocht aber auf seine Unabhängigkeit. Der Vermutung, dass die Geldgeber langfristig nichts gegen sichtbare Erfolge ihrer Investition in den Konvent haben würden, wird aber nicht sehr laut widersprochen„, kommentierte der dpa-Journalist Martin Bialecki süffisant.

Neues von der Schneider AG
BAYERs Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Schneider hat dieses Amt auch bei LINDE inne und sitzt außerdem in den Kontroll-Gremien von ALLIANZ, DAIMLER CHRYSLER, METRO, RWE und TUI. Aufsichtsratsausschüsse mitgezählt, kommt Schneider auf 19 Mandate und führt damit die Präsenzliste der Industriekapitäne an. Der ehemalige BAYER-Chef und 17 weitere Top-Manager haben die Deutschland AG quasi unter sich aufgeteilt: Sie bekleiden insgesamt 158 Positionen in DAX- bzw. MDAX-Unternehmen.

Hasta la vista, BAYER
Zum Anlass der Eröffnung einer neuen KOGENATE-Produktionsanlage im US-amerikanischen Berkeley (siehe auch IMPERIUM & WELTMACHT) schickte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger dem Leverkusener Multi ein Grußwort. Darin bezeichnete er BAYER als “hoch geschätztes„ Unternehmen, welches beste klinische Forschung mit medizinischer Innovation zum Wohle des Patienten vereine. Und als ehemaliger Bodybuilder mit reichlich pharmakologischer Erfahrung muss Arni ja wissen, wovon er spricht.

SPDler besuchen BAYER
Die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen aus Wenden besuchte das Leverkusener BAYER-Werk. Neben einer Besichtigung stand ein Treffen mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Erhard Gipperich auf dem Programm.

Für schnellere Arznei-Zulassungen
Während der 90er Jahre ist die Dauer der Zulassungsverfahren für Medikamente auf Druck von BAYER & Co. von drei auf anderthalb Jahren gesunken. Nicht einmal der LIPOBAY-Skandal mit seinen über 100 Toten hat der Bundesregierung intensivere Überprüfungen notwendig erscheinen lassen. BAYER tritt auf Bundes- und EU-Ebene sogar unverhohlen für eine weitere Deregulierung ein. Diesem Zweck diente auch eine Podiumsdiskussion der Fachgruppe Gesundheit im Leverkusener Veranstaltungszentrum “Baykomm„, an der im April 2005 WissenschaftlerInnen, Arznei-KontrolleurInnen und VertreterInnen von Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung teilnahmen (siehe auch AKTION & KRITIK).

Extrem-Lobbying in den USA
Die USA stellen für BAYER und die anderen bundesdeutschen Konzerne den zweitgrößten Absatzmarkt der Welt dar. Deshalb gehören sie auch zur zweitgrößten ausländischen Lobbygruppe in den Vereinigten Staaten. 72 Millionen Dollar investierten sie in die politische Meinungsbildung auf Feldern wie Handels- und Steuergesetze, Gesundheit und Arbeitsrecht. BAYER ließ sich in diesem Jahr vor allem die “Überzeugungsarbeit„ zur Abwendung des Verbotes für das umstrittene Tierantibiotikum BAYTRIL (siehe auch RECHT & UNBILLIG) so einiges kosten.

BAYER in Berliner Landesvertretung
Im Juni 2005 hatte der Leverkusener Multi in der Berliner Landesvertretung Sachsen-Anhalts ein Heimspiel. Der Konzern richtete dort ein Symposion zur Zukunft des bundesdeutschen Gesundheitssystems aus. 100 AkteurInnen des Gesundheitswesens nahmen daran teil. Darunter befanden sich unter anderem der sachsen-anhaltinische Gesundheitsminister Gerry Kley und der BAYER seit längerem freundschaftlich verbundene Leiter des Münsteraner Arteriosklerose-Institutes, Professor Dr. Gerd Assmann. BAYERs Pharmachef Wolfgang Plischke nutzte die Veranstaltung, um mit Abwanderung zu drohen, falls es in der Bundesrepublik nicht bald zu einem Dreiklang zwischen Wirtschafts-, Forschungs- und Sozialpolitik komme.

PROPAGANDA & MEDIEN

Kooperation mit National Geographic
Hoch giftige Einleitungen, Dünnsäure-Verklappung in der Nordsee, Rückstände von BAYER-Pestiziden in fast allen größeren Flüssen - der Leverkusener Multi lässt kaum ein Wässerchen ungetrübt. Deshalb erscheint es besonders wichtig, sich ein Saubermann-Image zu verpassen. Zu diesem Zweck
fördert der Konzern via “Global Exploration Fund„ wissenschaftliche Arbeiten zur Schonung der Ressource “Wasser„ mit einer Summe von 250.000 Euro und lässt die frohe Kunde über das als Medienpartner der Aktion fungierende Magazin National Geographic in einer Auflage von 250.000 Exemplaren bei einer ökologisch sensiblen Klientel verbreiten. Die Zeitschrift findet nichts dabei, dem Multi bei dessen “Greenwashing„-Aktivitäten zu assistieren und den Brunnenvergifter BAYER als Wasserretter darzustellen, weshalb die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gemeinsam mit anderen Initiativen einen Protestbrief an den Chefredakteur geschrieben hat (siehe auch SWB 3/05).

Greenwashing in Polen
BAYER verbindet nach alter Gewohnheit Marktoffensiven mit Imageoffensiven. Seit einiger Zeit setzt die Landwirtschaftssparte BAYER CROPSCIENCE stark auf Polen (siehe auch PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE). Nun sind aber die Pestizide des Agromultis Gift für Mensch, Tier und Umwelt. Deshalb stellt sich der Konzern in dem Land medial als Umweltengel dar. Zusammen mit der größten polnischen Zeitung TV Polen hat er einen Foto-Wettbewerb zum Thema “Umwelt„ ausgelobt und die prämierten Arbeiten auf einer Ausstellung in Warschau präsentiert.

Propaganda-Preis für Heiner Springer
Den Beschäftigten des Leverkusener Chemie-Multis und der Öffentlichkeit eine Zerschlagung des Unternehmens mit der Vernichtung von 20.000 Arbeitsplätzen innerhalb des Konzernverbundes als Wohltat zu verkaufen, stellt eine schwere Aufgabe dar. BAYERs Kommunikationschef Heiner Springer hat sie nach Meinung der “Deutschen Public Relation Gesellschaft„ (DPRG) meisterlich gelöst. Sie zeichnete die flankierenden Maßnahmen von Springer & Co. zur Trennung vom Chemiegeschäft mit dem ersten Preis aus. Als äußerst gelungen betrachtete die DPRG auch die Darstellung der Greenwashing-Aktivitäten im Rahmen von BAYERs Kooperation mit den Vereinten Nationen und die mediale Aufbereitung des Börsenganges der Chemie-Abspaltung LANXESS.

Neue LEVITRA-Werbung
BAYER hat sich von dem Potenzmittel LEVITRA einen Umsatz von einer Milliarde per anno versprochen, im letzten Jahr lag er jedoch nur bei 200 Millionen. Jetzt soll eine neue Werbekampagne helfen, den Marktanteil von 11 auf 20 Prozent zu erhöhen.

Kooperation mit VITA
Die Medizinzeitschrift VITA macht unverhohlen Reklame für LEVITRA, BAYERs Lifestyle-Präparat gegen “Erektile Dysfunktion„ (ED). Ein Artikel über die Einstellung von Männern über 40 zur Sexualität nennt als Quellenangabe freimütig eine “Presseveranstaltung der BAYER HEALTH CARE AG„. Er präsentiert eine “Studie„, nach der sich 46 Prozent der Zielgruppe ein erfüllteres Sexualleben wünscht und weiß auch gleich ein Mittel. “Sie brauchen nur den nächsten Schritt zu tun - einen Arzt aufsuchen - und da es heute mit LEVITRA eine effektive, schnell wirkende ED-Therapie gibt, kann das frühzeitige Ansprechen des Themas eine Menge Stress ersparen„, zitiert das Blatt den Professor Siegfried Meryn, Leiter einer ominösen “International Society for Men‘s Health and Gender„.

Millionen für Hämophilie-Forschung
Seit Mitte der 80er Jahre starben Tausende Bluter an AIDS-verseuchten Blutplasma-Produkten von BAYER, weil der Konzern sich aus Profit-Gründen weigerte, die Präparate einer Hitze-Behandlung zu unterziehen. In der Folge brachten Hämophilie-PatientInnen Präparaten des Leverkusener Multis ein großes Misstrauen entgegen. Der Konzern versucht es durch unterschiedliche PR-Maßnahmen wieder abzubauen. So hat er ein Forschungsprogramm initiiert, das wissenschaftliche Arbeiten zur Bluterkrankheit fördert. Drei Millionen Dollar ließ der Pharmariese sich das in diesem Jahr kosten.

BAYER startet “Bayrad 2005„
Gemeinsam mit der “Deutschen Herzstiftung„ und einigen Krankenkassen hat BAYER die Aktion “Bayrad 2005„ ins Leben gerufen. Sie will auf den gesundheitsfördernden Effekt von sportlicher Betätigung auf dem Fahrrad hinweisen und zum In-die-Pedale-treten animieren. Die geschäftsfördernde Nebenwirkung: Das Unternehmen kann die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens enger an sich binden. Für jeden zurückgelegten Kilometer auf den über 60 im Bundesgebiet aufgestellten Standgeräten überweist der Pharma-Riese der Herzstiftung nämlich 33 Cent, womit er den Verein für seine industrie-freundliche Haltung belohnt. So pries dessen Vorsitzender Professor Hans-Jürgen Becker erst im letzten Jahr ASPIRIN als herzinfarkt-vorbeugend an, obwohl das unter Fachleuten höchst umstritten ist.

Bild kämpft für BAYER
Die Hallensesche Ausgabe der Bild-Zeitung widmete den Schreibtischen der einflussreichsten Manager aus Sachsen-Anhalt eine Serie und stattete dabei auch dem Bitterfelder BAYER-Boss Georg Frank einen Besuch ab. Der nutzte die Gelegenheit, auf seinem Arbeitsplatz gleich drei ASPIRIN-Schachteln vor die Linse des Fotografen zu schieben und Propaganda für die von vielen ExpertInnen bestrittene herzinfarkt-vorbeugende Wirkung des Medikamentes zu machen. “Eine ist gegen Kopfschmerzen, die andere gegen Erkältungen. Die ASPIRIN-PROTECT nehme ich täglich als Vorsorge gegen Herzinfarkt. Daran starb mein Vater„, public-relatete Frank etwas missverständlich.

“Jugend forscht„ bei BAYER
Im Frühjahr 2005 lud BAYER zum Finale des “Jugend forscht„-Wettbewerbs nach Leverkusen. “Es war schon immer ein erklärtes Ziel von BAYER, den Forschungsdrang von Kindern und Jugendlichen zu fördern„, erklärte ein Konzern-Mitarbeiter. Den Forschungsdrang seiner eigenen Beschäftigten schränkt das Unternehmen jedoch drastisch ein. So vernichtete es am Wuppertaler Pharmaforschungszentrum 440 der 3.000 Arbeitsplätze. Zudem fuhr der Multi die Investitionen zurück und engte den wissenschaftlichen Ehrgeiz der PharmakologInnen auf vier Krankheitsfelder ein.

PR-Arbeit in China
Seine Geschäftsabsichten im boomenden China flankiert BAYER auch mit PR-Maßnahmen. So gehört der Konzern zu den finanziellen Unterstützern der Organisation “MercyCorps„, die armen LandwirtInnen und FischerInnen Kredite gibt.

BAYER wäscht grüner
Die Zahl der Störfälle bei BAYER steigt beharrlich, Konzernchef Wenning wettert permanent gegen umweltfreundliche Technologien wie die Windkraft, und der Konzern findet nichts dabei, hierzulande wegen ihrer Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt längst verbotene Ackergifte in Ländern der Dritten Welt weiter zu vertreiben. Trotzdem erdreistet sich das Unternehmen, sich im Rahmen einer Kooperation mit den Vereinten Nationen als Hüter der Schöpfung aufzuspielen und UmweltbotschaftlerInnen auszubilden. 44 der Unglücklichen besuchten im August 2004 Leverkusen und erhielten aus unberufenem Munde Nachhilfe zum Thema “Nachhaltige Entwicklung„. Sogar zum Landesumweltamt führte sie der zum Gärtner gemachte Bock BAYER - “mit dem Ziel, den jungen Menschen ein umfassendes Verständnis für die Rollen und das Zusammenspiel von Industrie, Behörden und privaten Haushalten im Bereich Umweltschutz zu vermitteln„, wie es in der Zeitschrift Sicherheitsbeauftragter heißt. Dass zu diesem “Zusammenspiel„ auch gehörte, den damaligen Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes zu verklagen, weil dieser den Multi zu einer Direktübermittlung von Emissionsdaten an die staatlichen Aufsichtsämter zwingen wollte, vermittelte der Agroriese seinen BotschaftlerInnen vermutlich aber nicht.

Oberlehrer BAYER
Der Leverkusener Multi hat es geschafft, sich den unter knappen finanziellen Mitteln leidenden Schulen im Umfeld der Werke als eine Art naturwissenschaftliche Hilfsschule anzudienen. Ein kurzer Blick auf das Angebot genügt, um festzustellen, welche wirtschaftspädagogische Absicht hinter dem BAYER-Lehrplan steckt. “Spielzeug aus Kunststoff von BAYER„, “Unser Hund hat Flöhe - Was tun?„, und “Wie funktioniert eine Kläranlage„ bietet der Konzern als Projekte an, und ältere Semester können an Diskussionsforen zu den Themen “Gentechnik„, “Tierversuche„ und “Aktiengesellschaft„ teilnehmen.

Fuhlrott-Museum ohne BAYER
BAYER hat sein Publikumslabor aus dem naturkundlich ausgerichteten Fuhlrott-Museum in Wuppertal abgezogen und in sein Aprather Pharmaforschungszentrum verlegt. Nun richtet das Land dort einen außerschulischen Lernort ein - und änderte gleich den Lehrplan. Die Gentechnik, der BAYER durch seine “Museumspädagogik„ zu mehr Akzeptanz verhelfen wollte, ist künftig kein Hauptfach mehr.

Chinesisches Fußball-Projekt
BAYER begleitet sein Engagement im neu-kapitalistischen Eldorado “China„ mit zahlreichen PR-Maßnahmen. So startete der Konzern ein Fußball-Projekt für Jugendliche. Nach Auskunft des Multis ist die pädagogische Absicht dabei, “unsere Ziele wie Fairness und Teamplay zu vermitteln„. Wenn es nicht um die Ziele, sondern die real existierende Unternehmenspraxis ginge, hätte BAYER den jungen Chinesen das Rugby-Spiel näher bringen müssen.

BAYER fördert Vogelstation
BAYERs Pestizide bringen vielen Vögeln den Tod. Die US-amerikanischen VogelschützerInnen der AMERICAN BIRD CONSERVANCY treten deshalb beispielsweise schon seit langem für ein Verbot des Mittels FENTHION (europäischer Handelsname: LEBAYCID) ein. Um so wichtiger ist es für den Konzern, sich in der Öffentlichkeit als Vogelfreund darzustellen. Zu diesem Behufe fördert der Multi in Neuseeland jetzt eine Aufzuchtstation für Vögel.

Umweltprogramm in Neuseeland
BAYERs Greenwashing-Aktivitäten nehmen ein immer größeres Ausmaß an. Jetzt hat der Konzern in Neuseeland gemeinsam mit der “Royal Society„ für 120.000 Dollar auch noch das Jugendumweltprogramm “BAYERBOOST„ gestartet.

Global Reporting mit BAYER
Die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen steht immer noch im Mittelpunkt von BAYERs Greenwashing-Bemühungen - keiner wäscht grüner als Kofi Annan. Darum ist der Leverkusener Multi jetzt auch noch Mitglied der “Global Reporting Initiative„ geworden. Sie kooperiert in Sachen “Nachhaltige Entwicklung„ mit dem UN-Umweltprogramm und dem “Global Compact„, einer weiteren zwecks Image-Aufpolierung mit den Vereinten Nationen verbandelten Organisation von BAYER & Co..

Partnerschaft mit medizinischer Vereinigung
Gewohnheitsmäßig lässt BAYER PatientInnen-Verbänden und medizinischen Vereinigungen große Spenden zukommen. Im Gegenzug erhält der Konzern dann Unterstützung bei der Vermarktung seiner Pillen. So hat die “American Heart Association„ ASPIRIN als Mittel zur Herzinfarkt-Prophylaxe empfohlen, obwohl die US-amerikanische Gesundheitsbehörde dem Leverkusener Multi eine Zulassung für diese Indikation verweigerte. Gleiches erwartet sich das Unternehmen nun von der “World Heart Federation„, mit der es eine dreijährige Zusammenarbeit vereinbart hat. Bereits auf dem “World Heart Day„ waren die Federation und BAYER gemeinsam im Einsatz.

Adolf Muschg in Leverkusen
BAYER hat sich als Festredner zur Eröffnung der neuen Spielzeit des Kulturprogrammes im September den Präsidenten der Berliner “Akademie der Künste„, den Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg, geangelt.

  • TIERE & ARZNEIEN

BAYTRIL verboten
BAYERs Antibiotikum BAYTRIL kommt in der Massentierhaltung massenhaft zum Einsatz. Als Folge davon bilden immer mehr Krankheitskeime Resistenzen gegen den Wirkstoff Fluorchinolon aus. Zu den Fluorchinolon-resistenten Krankheitserregern gehören u.a. Salmonellen- und Campylobacter-Stämme. In den Nahrungskreislauf gelangt, können sie beim Menschen schwere Magen-Darminfektionen auslösen, gegen die Human-Antibiotika auf Fluorchinolon-Basis wie BAYERs CIPROBAY dann machtlos sind. Deshalb treten die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und andere Initiativen seit Jahren für ein BAYTRIL-Verbot ein. Im Sommer 2005 konnte die Kampagne einen Erfolg verbuchen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA untersagte mit sofortiger Wirkung den Gebrauch von BAYTRIL in der Geflügelzucht.

ADVOCATE: präventive Wirkung?
Nichts lässt die Kassen der Hersteller so sehr klingeln wie regelmäßig eingenommene Präparate. Das gilt für menschliche und tierische PatientInnen gleichermaßen. Deshalb behauptet der Leverkusener Multi auch, ADVOCATE, sein neues Antiparasiten-Mittel für Hunde, würde bei permanenter Anwendung prophylaktisch wirken. Dabei dürften seine zwei Inhaltsstoffe Moxidectin und Imidacloprid allerdings nicht nur Parasiten schaden. ImkerInnen auf der ganzen Welt machen Imidacloprid als Wirksubstanz des Pestizides GAUCHO nämlich für ein Bienensterben in großem Ausmaß verantwortlich.

BAYER profitiert von Fischfarmen
Die Zahl der in Fischfarmen gezogenen Shrimps nimmt immer weiter zu. Im Jahr 2003 betrug die Jahresproduktion schon 1,8 Millionen Tonnen. Ohne Chemie geht deshalb in der industrialisierten Fischwirtschaft nichts. So verfügt BAYER HEALTH CARE über ein Sortiment von 30 Produkten für die Aqua-Kulturen, das unter anderem aus Desinfektionsmitteln, Antibiotika und speziellen Bakterien besteht. Allein in Vietnam stieg der Umsatz der Mittel von 2000 bis 2003 um das Fünfzehnfache.

DRUGS & PILLS

Arznei-Ausgaben: plus 19 %
Nach Berechnungen der Krankenkassen werden ihre Ausgaben für Arzneien in diesem Jahr um 19 Prozent gegenüber denen von 2004 steigen. “Nicht nachvollziehbare Mengenausweitungen bei neuen und teuren Arzneimitteln ohne therapeutischen Fortschritt„ nannte der Betriebskrankenkassen-Vorsitzende Wolfgang Schmeinck als einen Grund für die Kosten-Explosion. Aber nicht nur die Überredungskünste der Pharma-DrückerInnen von BAYER & Co. in den Praxen der Republik haben zu den Mehrausgaben geführt. Die Pillen-Produzenten profitierten auch davon, den Krankenkassen nicht mehr 16, sondern nur noch sechs Prozent Rabatt auf ihre Medikamente einräumen zu müssen.

GLUCOBAY hilft dem Herz nicht
Nach Aussage des Leverkusener Multis beugt das Diabetes-Präparat GLUCOBAY mit dem Wirkstoff Acarbose auch Herzinfarkten vor. Anzeigen-finanzierte Spezialzeitschriften wie Der Internist helfen dem Konzern bei der Verbreitung der Mär. So führte ein Artikel in der Augustausgabe 2005 gleich zwei neue Studie zum Beweis der BAYER-These an. Ein im industrie-unabhängigen Fachmagazin arznei-telegramm erschienener Forschungsbericht kam jedoch zu ganz anderen Ergebnissen. “Entgegen den Werbeaussagen der Firma BAYER ist auch bei Patienten mit gestörter Glukose-Toleranz (d. i. DiabetikerInnen, Anm. SWB) (...) kein Einfluss von Acarbose auf kardiovaskuläre Erkrankungen nachgewiesen„, heißt es in der Zeitschrift.

Magenblutungen durch ASPIRIN
Mit Vehemenz versucht BAYER seit geraumer Zeit, ASPIRIN als herzinfarkt-vorbeugendes Mittel zu bewerben. Jetzt hat eine neue Studie aus Australien mit 20.000 Männern und Frauen über 70 Jahren zwar einen Einfluss des Wirkstoffes Acetylsalicylsäure auf das Herz-Kreislauf-System festgestellt, aber zugleich auch gravierende Nebenwirkungen. Bei 321 Frauen und 398 Männern hat ASPIRIN das Herzinfarkt-Risiko und bei 35 Frauen und 19 Männern die Schlaganfall-Gefahr gesenkt. Dafür bekamen aber 572 weibliche Versuchspersonen und 499 männliche schwere Magen/Darm-Blutungen. Zudem diagnostizieren die ForscherInnen bei 60 ProbandInnen Blutungen in der Hirnregion.

6.500 Todesfälle durch ASPIRIN & Co.
Magenbluten stellt die gefährlichste Nebenwirkung von Schmerzmitteln wie ASPIRIN dar. Nach einer Untersuchung des Mediziners Michael Wolfe von der “Boston University School of Medicine„ sterben in den USA durch die von ASPIRIN & Co. verursachten Blutungen jährlich 6.500 Menschen.

Nierenschäden durch ASPIRIN & Co.
Schmerzmittel wie ASPIRIN schaden bei regelmäßiger Einnahme den Nieren. Nach Einschätzung des Nieren-Experten Professor Wolfgang Pommer müssen sich in der Bundesrepublik jährlich 400 PatientInnen einer Dialyse-Behandlung unterziehen, weil ASPIRIN & Co. ihnen ihre lebenswichtigen Organe zerstört haben.

Blind durch LEVITRA
Bei den staatlichen Stellen häufen sich Informationen über Sehstörungen nach der Einnahme von BAYERs LEVITRA und anderen Potenzmitteln. In den USA ist ein Mann durch die Lifestyle-Pille aus Leverkusen sogar blind geworden. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat auf die Entwicklung reagiert und die Pharma-Multis verpflichtet, auf ihren Beipackzetteln vor der Gefahr des Sehverlustes zu warnen. Auch die kanadische Gesundheitspolitik hat Maßnahmen eingeleitet und VertreterInnen des Pharmariesen einbestellt. Die BAYER-Verantwortlichen zeigen sich allerdings nicht gerade schuldbewusst. “Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme von PDE-Hemmern wie LEVITRA und einer Sehnerv-Erkrankung konnte bisher nicht hergestellt werden„, so ein Unternehmenssprecher.

Kein Geld mehr für LEVITRA
Die für die Versorgung sozial Schwacher mit Medikamenten aufkommenden US-Gesundheitsprogramme “Medicaid„ und “Medicare„ übernehmen künftig nicht mehr die Kosten für LEVITRA und andere Potenzmittel. Damit drohen dem nicht nur in den Vereingten Staaten mit 193 Millionen Dollar jährlich ohnehin hinter den Umsatzerwartungen zurückbleibenden Mittel weitere Einbußen.

TRASYLOL bei Hüft-OPs?
Dem Leverkusener Multi mangelt es an neuen lukrativen Medikamenten, weshalb er nach neuen Verwendungsmöglichkeiten für die alten sucht. Das BAYER-Medikament TRASYLOL mit dem Wirkstoff Aprotinin soll aus diesem Grund künftig nicht nur bei Operationen am offenen Herzen zum Anwendung finden, sondern auch beim beim Einsetzen von künstlichen Hüftgelenken. Im Moment befindet sich das Präparat gerade in der Phase III der klinischen Tests für dieses Indikationsgebiet.

Neues KOGENATE
BAYER hat kaum neue Medikamente in der Entwicklung. Deshalb versucht der Konzern, die Pharma-Erträge durch geringfügige Veränderungen der bereits vermarkteten Arzneien zu steigern. Zu diesem Zweck hat er mit Erprobung einer länger wirksamen Spielart des Bluter-Präparates KOGENATE begonnen.

AVELOX bei Haut-Infektionen
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat die Zulassung für das BAYER-Antibiotikum AVELOX erweitert. MedizinerInnen dürfen es fortan auch bei Weichteil- und Hautinfektionen verschreiben, die Bakterien ausgelöst haben.

3. Testphase für Thrombosemittel
BAYERs momentan in der Entwicklung befindliches Thrombosemittel geht im Herbst 2005 in die dritte und letzte Phase der klinischen Erprobung.

CIPROBAY BAYERs Nr.1
Mit einem Umsatz von 837 Millionen Euro ist das Antibiotikum CIPROBAY BAYERs umsatzstärkstes Medikament. Es folgen ADALAT (670 Millionen), ASPIRIN (615 Millionen), AVELOX (318 Millionen), GLUCOBAY (278 Millionen), LEVITRA (193 Millionen) und TRASYLOL (171 Millionen).

Erweitere Zulassung für Herz-Test
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat die Zulassung für einen Herzschwäche-Test von BAYER erweitert. Diese gilt nunmehr nicht bloß für die Bestimmung einer Herzinsuffizienz, sondern auch für Prognosen über den Gesamtzustand des Organs und über die Überlebenschancen der PatientInnen. Das gentechnische Diagnose-Verfahren misst die Konzentration eines stress-anzeigenden Eiweiß-Spaltproduktes, des natriurethischen Peptides vom Typ B, und will darüber Aussagen über die Verfassung des Herzens treffen.

FDA lässt vier Hepatitis-Tests zu
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA genehmigte im Jahr 2005 vier Hepatitis-Tests von BAYER: einen auf Hepatitis A, einen auf Hepatitis-A-Antikörper, einen auf Hepatitis-B-Antikörper und einen auf Hepatitis C. BAYER ist einer der weltgrößten Hersteller von Diagnostika-Geräten, die wegen ihrer Fehler-Anfälligkeit häufig in der Kritik stehen.

Pharma-Zukäufe möglich
BAYER plant, die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten durch Akquisitionen auszubauen. So gehört der Konzern zu Kauf-Interessenten des entsprechenden Sortiments von BOOTS HEALTHCARE INTERNATIONAL.

Kooperation mit KEYNEUROTEK
Das Magdeburger Unternehmen KEYNEUROTEK hat ein Medikament für PatientInnen mit einem Schädel/Hirn-Trauma in der Entwicklung, das BAYER für profitträchtig erachtet, weshalb der Konzern mit der Firma einen Kooperationsvertrag geschlossen hat.

GENE & KLONE

Superunkraut durch Genraps
Englische ForscherInnen haben auf einem Versuchsfeld mit Genraps das Wachsen eines Superunkrauts beobachtet. Pollen des gentechnisch gegen ein Antiunkrautmittel resistent gemachten Raps' haben sich in eine Senfgras-Art eingekreuzt und die Herbizid-Resistenz “weitervererbt„, so dass gegen die Pflanze nunmehr kein Kraut mehr gewachsen ist. “Die Untersuchung hat uns die Möglichkeit des Entstehens von transgenen Superunkräutern vor Augen geführt - mit gravierenden Folgen für Landwirtschaft und Umwelt„, kommentierte Emily Diamand von FRIENDS OF THE EARTH die beunruhigende wissenschaftliche Entdeckung.

EU gegen BAYERs Genraps
Der Leverkusener Agromulti hat den EU-Genehmigungsantrag für gentechnisch verändertes Rapsöl-Saatgut zurückgezogen und ist damit einer absehbaren negativen Entscheidung der Kommission zuvorgekommen. Laut Auskunft der Sprecherin von Umweltkommissar Stavros Dimas gab es nämlich “Bedenken bei den EU-Regierungen, einige haben die Sicherheitsklausel beim Zulassungsverfahren für die Gen-Rapsölsaat gezogen„. Das mochte der Konzern in einer Stellungsnahme zu dem Rückzug natürlich nicht zugeben. “Wir sehen auf absehbare Zukunft aufgrund der politischen Lage keinen Anreiz für den Anbau und die Vermarktung von Genraps in der EU„, hieß es aus der Zentrale. Auf eine EU-Einfuhrgenehmigung für anderswo angebauten Genraps hofft der Gengigant allerdings weiterhin.

EU gegen BAYERs Genmais
Vor geraumer Zeit hatte die EU-Kommission beantragt, die herrschenden Verbote von genetisch verändertem Mais und Maissaatgut aufzuheben. Die UmweltministerInnen der Europäischen Union lehnten das jedoch ab. So müssen der T25-Mais und das Saatgut von BAYER sowie Sorten von MONSANTO und SYNGENTA vorerst in den Labors bleiben.

Gentech-Moratorium der EU
Der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hat ein Moratorium für die Zulassung von Genpflanzen verkündet, weil es bisher weder für das Nebeneinander von Gentech-Früchten und konventionell oder ökologisch angebauten Sorten noch für das Problem der Saatgut-Verunreinigungen befriedigende Lösungen gibt.

Mehr Gentech-Saatgut verkauft
Im Geschäftsjahr 2004 hat BAYER den Umsatz mit gentechnisch verändertem Saatgut um 14,8 Prozent auf 311 Millionen Euro gesteigert. Für das Ertragsplus sorgten vor allem Gen-Saaten für Canola-Raps und Baumwolle.

Lebensmittel gen-kontaminiert
Die Zeitschrift Ökotest hat 56 Lebensmittelprodukte untersucht und in einem Drittel von ihnen Gentech-Spuren gefunden, die sich zumeist in dem Bereich von 0,1 Prozent bewegten. Der Grenzwert, ab dem die Rückstände der Laborfrüchte von BAYER & Co. der Kennzeichnungspflicht unterliegen, beträgt 0,9 Prozent.

BAYER stiftet Professur
BAYER CROPSCIENCE finanziert der “Texas Tech University„ eine sich der “Molekulargenetik von Baumwolle„ widmende Stiftungsprofessur (siehe auch FORSCHUNG & LEHRE).

Biotech-Forschungen in Aprath
BAYERs Pharma-Zentrum in Aprath setzt verstärkt auf Forschungskooperationen. Allein im Bereich “Genmedizin„ gibt es zur Zeit vier solcher Projekte.

Individualisierte Gendiagnostik
Die individualisierte Medizin gilt als zukunftsträchtig. Die Pharmaunternehmen versprechen sich von der so genannten Pharmakogenetik ganz auf den/die EinzelneN abgestimmte Diagnose-, Therapie- und Präventionskonzepte - und damit auch weniger Nebenwirkungen. ExpertInnen wie Regine Kollek vom Hamburger “Institut für Technikfolgenabschätzung„ bleiben da skeptisch, weil nicht eine bestimmte Veranlagung, sondern Fehlverschreibungen und Arznei-Wechselwirkungen die unerwünschten Effekte verursachen. Von der Umsetzung der neuen Pharmakologie trennen BAYER & Co. ohnehin noch Welten, ganz real sind allerdings schon die Gefahren durch die “Zukunftstechnologie„. Immer mehr Biobanken sammeln alle verfügbaren Gesundheitsdaten der Bevölkerung und kartographieren ihr Erbgut. Bei den PatientInnen mit Erbkrankheiten steigt deshalb die Angst vor einer Ausgrenzung. Bei einer Umfrage unter Mitgliedern der “Deutschen Huntington-Hilfe„ gaben 80 Prozent der unter dieser erblichen Gesundheitsstörung leidenen an, bereits Erfahrungen mit Diskriminierungen gemacht zu haben. BAYER stört sich daran nicht. Das Unternehmen wittert einen neuen Markt und hat von den Firmen DXS und BTG Lizenzen für Gentech-Tests erworben, die es angeblich ermöglichen, die Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsausbruches vorherzusagen und eine speziell auf den/die PatientIn zugeschnittene Behandlungsart zu entwickeln.

Diagnostika-Lizenz gekauft
BAYER hat von dem Unternehmen ERAGEN BIOSCIENCES eine Lizenz für ein auf Gentechnik beruhendes Diagnoseverfahren zum Nachweis der zystischen Fibrose erworben.

Zulassungsantrag für Sorafenib
Der Leverkusener Multi hat für das gemeinsam von ihm und ONYX gentechnisch entwickelte Krebsmedikament Sorafenib eine Zulassung zur Behandlung von Nierenkrebs im fortgeschrittenen Stadium beantragt. Darüber hinaus strebt der Konzern Genehmigungen für die Therapiefelder Haut- und Leberkrebs an.

BAYER will Gentech-Kraftstoffe
Der Leverkusener Multi versucht der grünen Gentechnik einen neuen Markt zu erschließen. In Zeiten steigender Ölpreise entwirft BAYER CROPSCIENCE-Chef Friedrich Berschauer die Vision der Produktion von Biokraftstoff durch gentechnisch veränderte Pflanzen. Vorzeigbares hat der Konzern da zwar noch nicht aufzuweisen, aber darum ging es Berschauer bei seinem Auftritt vor der “Wirtschaftspublizistischen Vereinigung„ auch gar nicht. Da die grüne Gentechnik den Nachweis ihrer Nützlichkeit bis heute schuldig geblieben ist und deshalb an Akzeptanzproblemen leidet, wollte Berschauer den JournalistInnen die Risikotechnologie nur einmal zumindest virtuell als Problemlöser schmackhaft machen.

WASSER, BODEN & LUFT

Produktionsstopp wg. Rita
Mit den aus den Schornsteinen der BAYER-Werke jährlich aufsteigenden 6,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid trägt der Konzern maßgeblich zur Klimaerwärmung und damit auch zum vermehrten Auftreten von Wirbelstürmen bei. In den USA hat der Multi die Auswirkungen seines verantwortungslosen Handelns zum ersten Mal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Er musste wegen des herannahenden Hurrikans “Rita„ die Produktion des Werkes im texanischen Baytown stoppen. Zur einer Änderung seiner Klimapolitik dürfte diese Erfahrung den Multi aber wohl kaum bewegen.

Giftfracht aus Holland
Als würde der konzerneigene Giftmüll nicht schon reichen, steigt BAYER zunehmend ins Entsorgungsgeschäft ein. So kann sich die Deponie in Bürrig über 10.000 Tonnen Altlasten des niederländischen Unternehmens ATM freuen. Die Rückstände aus der Farb- und Lackproduktion sowie der Bodenaufbereitung kommen binnen der nächsten zwei Jahre zur Klärschlammverbrennung nach Leverkusen.

Pro Tonne 48 kg Sondermüll
Bei der Herstellung von BAYER-Produkten fallen pro Tonne 48 kg Schadstoff-belastete Abfälle an; 1992 waren es sogar noch 123 kg. An flüssigen Giftfrachten hat allein das Dormagener Klärwerk täglich 60.000 Kubikmeter zu bewältigen.

BAYTRIL ist überall
Die in der Massentierhaltung massenhaft verwandten Antibiotika wie BAYERs BAYTRIL (siehe auch TIERE & ARZNEIEN) machen Krankheitserreger immun gegen die Mittel. Durch den Verzehr von industriell produziertem Fleisch in den menschlichen Organismus gelangt, können diese dort Krankheiten auslösen, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist. Nach einer Studie der Universität Paderborn stellen die Antibiotika aber auch eine Gefahr für die Umwelt dar. Über die als Dünger verwandte Gülle aus Schweinemastbetrieben verseuchen sie Gewässer, Böden und Pflanzen, die oft als Tierfutter dienen und BAYTRIL & Co. so wieder in die Nahrungskette einspeisen.

BAYER-Zulieferer in der Kritik
Ein mexikanisches Unternehmen, das BAYER mit Agrochemikalien beliefert, verschmutzt die Umwelt mit seinen Produktionsrückständen in so hohem Maße, dass die mexikanischen Sektionen von GREENPEACE und dem PESTIZID-AKTIONS-NETZWERK die Schließung des Werkes fordern.

Verseuchter Klärschlamm
Bei der Abwasseraufbereitung der Klärwerke fällt Schlamm an, den die Landwirtschaft teilweise weiterverwertet. Da sich in diesen Klärrückständen eine Vielzahl der von BAYER & Co. stammenden Schadstoffe wie Chemikalien und Schwermetalle tummeln, kam eine vom Land Nordrhein-Westfalen durchgeführte Untersuchung zu dem Schluss, diese Art von “Recycling„ “im Hinblick auf die Schutzgüter Boden und Grundwasser sowie die Nahrungsmittelproduktion teilweise als kritisch anzusehen„.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Pestizid-Vergiftungen in Indien
In Indien leiden zahlreiche Menschen unter Vergiftungen durch Pestizide, wie eine Studie der Universität Wageningen dokumentiert. Das Versprühen der Ackergifte auf den Feldern löst bei 39 Prozent der Kleinbauern und -bäuerinnen leichte Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Atembeschwerden und brennende Augen aus. 38 Prozent der LandwirtInnen zeigen mittelschwere Symptome wie Muskelkrämpfe oder Erbrechen. Bei 16 Prozent der untersuchten Personen stellten die WissenschaftlerInnen schwere Vergiftungserscheinungen wie Bewusstlosigkeit oder Anfälle fest. Die inkriminierten Wirkstoffe wie Endosulfan, Aldicarb, Monocrotophos und Imidacloprid finden sich vielen BAYER-Produkten, aber auch Generika-Hersteller vermarkten sie. Das in der Bundesrepublik längst verbotene Monocrotophos lässt der Leverkusener Multi in Fabriken der Region Vapi herstellen, wo es keinerlei Umwelt- und Sicherheitsauflagen gibt und sich entsprechend oft Chemie-Unfälle ereignen (siehe auch SWB 1/04).

Immer mehr Pestizide
Im Jahr 2004 stieg der Verbrauch von Pestiziden auf bundesdeutschen Äckern gegenüber 2003 um 4,6 Prozent. Auch weltweit brachten die LandwirtInnen mehr Agrochemikalien aus, was für BAYER und die anderen Agromultis eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von 13 Prozent auf 32,2 Milliarden Dollar bedeutete.

Immer mehr Pestizid-Altlasten
In Lateinamerika gibt es weit mehr ungesichert gelagerte Altpestizide als bisher angenommen. Ging die Ernährungs- und Landwirtschaftorganisation der UN, die FAO, immer von ungefähr 10.000 Tonnen aus, so schätzt sie die Zahl jetzt auf 30.000 bis 50.000 Tonnen. Die FAO-ExpertInnen fanden Agrochemikalien in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten oder von Gewässern. In Kolumbien machten sie sogar auf einem Gelände, auf dem eine Armensiedlung entstehen sollte, 5.000 Tonnen verscharrter Agrochemikalien dingfest. Zu den Altpestiziden gehörten auch Wirkstoffe von BAYER wie z. B. das von der WHO als extrem gefährlich eingestufte Parathion-Methyl, der Inhaltsstoff von ME 605 Spritzpulver. Überall auf der Welt verseuchen solche BAYER-Altlasten Mensch, Tier und Umwelt, zuletzt sorgten GREENPEACE-Funde im Nepal für einen handfesten Skandal. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) fordert den Konzern deshalb auf, sich an den Kosten für eine fachgerechte Entsorgung zu beteiligen.

Immer mehr Pestizid-Rückstände
Nach einer Untersuchung des “Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit„ nimmt die Belastung von Lebensmitteln mit Pestiziden zu. 57 Prozent aller geprüften Proben wiesen Rückstände auf - eine Steigerung von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei fanden sich im importierten Obst und Gemüse mit einer Quote von 61,4 Prozent mehr Ackergiftspuren als in bundesdeutschen Produkten (46,5 Prozent). In acht Prozent der Fälle überschritten die Rückstände der Agrochemikalien von BAYER & Co. die zulässigen Grenzwerte.

Chlorpyrifos in Erdbeeren
Das “Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart„ untersuchte Erdbeeren und wies in 96 Prozent aller Früchte aus deutschen Landen Pestizidrückstände nach. Durchschnittlich fanden sich Spuren von vier Agrochemikalien in den Proben. Importierte Ware war zu 93 Prozent belastet, einige Erdbeeren aus Italien und Spanien lagen sogar über dem zulässigen Grenzwert. In ihnen war am häufigsten der Wirkstoff Chlorpyrifos am Werk, der in mehreren BAYER-Produkten enthalten ist, unter anderem in dem Madenstreumittel RIDDER, dem Anti-Insektenmittel BLATTANEX und in dem Haushaltsschaben-Köder PROFICID.

Aus für Aldicarb?
Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA erwägt, BAYER die Zulassung für den uralten Pestizidwirkstoff Aldicarb zu entziehen. Der Konzern hat gleich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu verhindern und sogar Baumwoll-FarmerInnen für seine Ziele einspannen können.

Grünes Licht für Menschenversuche
Seit Jahren drängt BAYER die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, die Ergebnisse von Pestizid-Tests an Menschen bei den Zulassungsverfahren für Agrochemikalien zu berücksichtigen. Die Untersuchungen schätzen das Gefahrenpotenzial der Mittel nämlich deutlich niedriger ein als bisherige wissenschaftliche Arbeiten und müssten deshalb nach dem Kalkül des Leverkusener Multis zu einer Lockerung der Grenzwerte führen. Die EPA beugte sich schließlich dem Druck der Pestizid-Produzenten, obwohl eine jüngst veröffentlichte Studie bei den Menschenversuchen gravierende Verstöße gegen medizinethische Standards festgestellt hat. Anfang nächsten Jahres will die Behörde die genauen Regularien für solche Versuchsreihen bekannt geben.

Kooperation bei Reis-Pestizid
BAYER und das japanische Unternehmen SUMITOMO wollen gemeinsam ein Pestizid gegen die Reis-Bräune entwickeln, das im Jahr 2010 auf den Markt kommen soll.

Parkinson durch Pestizide
Pestizide wirken auf das Nervensystem ein. Deshalb stoßen mmer mehr Untersuchungen auf einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) und einem Kontakt mit Agrochemikalien (siehe auch Ticker 3/03). Eine neue Studie mit 767 Parkinson-PatientInnen und ca. 2.000 gesunden ProbandInnen hat bei Personen, die mit Ackergiften umgingen wie z. B. LandwirtInnen, ein um 43 Prozent erhöhtes Krankheitsrisiko festgestellt.

Gute Geschäfte in Osteuropa
Seit der EU-Erweitung betreiben die osteuropäischen Länder eine intensive Landwirtschaft. Da dies mit einem intensiven Pestizid-Verbrauch verbunden ist, laufen die Geschäfte für BAYER gut. “Wir haben im vergangenen Jahr ein sehr gute Entwicklung in Polen, Rumänien, Tschechien und auch Ungarn verzeichnen können„, freut sich der BAYER CROPSCIENCE-Chef Friedrich Berschauer. Der Umsatz in den zehn neuen EU-Mitgliedsstaaten stieg zwischen 2001 und 2004 von 50 auf 160 Millionen Euro; in Polen kommt BAYER mittlerweile schon auf einen Marktanteil von 25 Prozent.

Hohe Erwartungen in China
Der Pestizid-Verkauf in China lässt für BAYER noch zu wünschen übrig. Die dortigen LandwirtInnen setzen meistens billige Nachahmer-Produkte ein, die Patent-Bestimmungen werden oft verletzt und mit den Zulassungsverfahren haben es die Agro-Multis auch nicht so ganz einfach. “Wir sehen aber durchaus Bestrebungen seitens der chinesischen Regierung, vergleichbare Zulassungsstandards wie in den USA oder der EU auch in China zu etablieren„, freut sich BAYER CROPSCIENCE-Chef Friedrich Berschauer. Auf anderen Gebieten sieht der Konzern die Industrialisierung der Landwirtschaft ebenfalls auf einem guten Wege - und damit auch die Profit-Aussichten steigen. So hat der Gouverneur der Provinz Fujian laut BAYER Report 1/2005 ein millionen-schweres Landwirtschaftsprogramm aufgelegt, das die kleinbäuerlichen Strukturen zerschlagen und die Erträge der Äcker erhöhen will.

CHEMIE & BELASTUNG

Chemie in der Muttermilch
Eine vom BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND (BUND) in Auftrag gegebene Studie hat in der Muttermilch 300 verschiedene Schadstoffe nachgewiesen. Mit Weichmachern, Flammschutzmitteln, Duftstoffen und anderen Substanzen war fast die gesamte Produktpalette von BAYER & Co. vertreten. Die ForscherInnen spürten in der Milch sogar längst verbotene Chemikalien auf. Die Initiative wertet die Ergebnisse der Untersuchung als erneuten Beleg dafür, wie wichtig ein strenges, dem Druck von BAYER & Co. standhaltendes EU-Chemikaliengesetz zum vorbeugenden Gesundheitsschutz ist.

PLASTE & ELASTE

Ölpreis-Kosten
Bei der Kunststoff-Produktion ist Öl ein wichtiger Rohstoff. Eine Verteuerung um 10 Dollar pro Barrel verursacht für BAYER Mehrkosten in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Da der Konzern sich seit der LANXESS-Abspaltung auf die Herstellung veredelter Spezial-Kunststoffe konzentriert, kann er das nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning jedoch “durch Preiserhöhungen kompensieren„.

Mehr MAKROLON
Das Absatz des Kunststoffes MAKROLON boomt. Deshalb will BAYER die Produktion ausweiten. Bis zum Jahresende sollen die Werke bis zu eine Million Tonnen herstellen können.

Kooperation mit PTS
BAYER und die PTS PLASTIC TECHNOLOGY SERVICE GmbH haben eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von thermoplastischen Kunststoffen vereinbart.

STANDORTE & PRODUKTION

75 Jahre Leverkusen
Der BAYER-Standort Leverkusen begeht in diesem Jahr mit großem Aufwand sein 75-jähriges Jubiläum. Auf die wenig feierliche Geschichte von BAYER-Town machte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) in einer Presseerklärung aufmerksam. So hat der Chemie-Multi sich Leverkusen einst nur auserkoren, weil er dort ungehindert Schadstoffe ausstoßen konnte, was am alten Stammsitz Wuppertal massive Proteste verhindert hatten. Zudem ergaben sich für den Stadtteil Wiesdorf durch die rasche Expansion der Niederlassung zahlreiche Probleme. Die nötigen Investitionen in die Infrastruktur und kommunale Einrichtungen wie Schulen sorgten für eine immense Schuldenlast der Gemeinde. Und heutzutage treibt die “kreative Buchführung„ des Konzerns Löcher in den Haushalt, weil durch sie die Gewerbesteuergelder gar nicht mehr oder nur noch spärlich fließen.

Neuer Chef in Dormagen
Dr. Walter Leidinger folgt Walter Schulz als Leiter des Dormagener Chemie“parks„ nach.

Neuer Chef in Bitterfeld
Am 1. Oktober 2005 hat Hans-Joachim Raubach Dr. Georg Frank als Geschäftsführer der Bitterfelder BAYER-Niederlassung abgelöst.

Ausbau von Bitterfeld
BAYER plant, sein Werk in Bitterfeld auszubauen, weil sich die Arzneiproduktion nach die Übernahme der ROCHE-Sparte für rezeptfreie Medikamente ausweitet und der Konzern von den Billiglöhnen im Osten profitieren will.

Schneller Bauen in China
Um schneller Anteil am Wirtschaftsboom in China zu haben, beschleunigt BAYER den Bau einer Makrolon-Anlage in Shanghai. Statt 2009 soll er nun schon 2007 abgeschlossen sein.

Weniger Geld für Kunstverein
BAYER hat die Zuschüsse für den Dormagener “Kunstverein Galerie-Werkstatt„ um die Hälfte gekürzt. Die Initiative hat nun beträchtliche Schwierigkeiten, den Betrieb im Kloster Knechtsteden, wo MalerInnen, GrafikerInnen, FotografInnen und BildhauerInnen arbeiten, aufrecht zu erhalten. Sie sah sich zu drastischen Einsparmaßnahmen und zu einer Erhöhung der jährlichen Mitgliedsbeiträge von 118 auf 153 Euro gezwungen. Schon in der Vergangenheit hat der Leverkusener Agro-Multi seine Kulturförderung erheblich reduziert. So schloss er Werksgalerie und -bibliothek und strich die Unterstützung für Kleinkunst-Veranstaltungen.

Feuerwehr: Wer zahlt?
In Wuppertal hat BAYER die Werksfeuerwehr abgeschafft (Ticker 2/05), stattdessen rückt die kommunale Feuerwehr ein. Von den 32 Werksfeuerwehr-Männern bleiben nur 12 übrig, die künftig gemeinsam mit ihren städtischen Kollegen Dienst schieben. Der - nicht zuletzt wegen der nur spärlich fließenden Gewerbesteuer von BAYER - defizitären Wuppertaler Stadtkasse spült der Deal einiges Geld in die Kasse. Aber er könnte sie auch einiges kosten. So streiten die LokalpolitikerInnen sich momentan mit dem Konzern darüber, wer den neuen, speziell für Chemieunfälle ausgerüsteten Feuerwehrwagen kaufen muss, wenn es der alte mal nicht mehr tut.

IMPERIUM & WELTMARKT

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Griesheimer Werk verkauft
BAYER hat sein Werk im Griesheimer Industrie“park", das Pestizidwirkstoffe herstellte, an CLARIANT verkauft. Der neue Besitzer übernimmt 16 Beschäftigte, die übrigen 20 Mitarbeiter bleiben beim

[NRW] STICHWORT BAYER 03/2005

CBG Redaktion

Neue NRW-Regierung:

Schwarz-Gelb auf BAYER-Kurs

Nur eine rot-grüne Regierungskoalition hat Kriegseinsätze der Bundeswehr und drastische Sozialkürzungen beschließen können, ohne die innere Sicherheit durch Massenproteste zu gefährden. Aber jetzt haben SPD und Grüne für BAYER & Co. ihre Schuldigkeit getan. In Nordrhein-Westfalen, dem Homeland des Chemie-Multis, begann mit dem Wahlsieg von Jürgen Rüttgers der Anfang vom Ende für Rot-Grün.

Von Hubert Ostendorf

Die neue schwarz-gelbe NRW-Landesregierung hat, wie nicht anders zu
erwarten, einen industrie-freundlichen Kurs eingeschlagen. Nicht zuletzt
der BAYER-Konzern als größtes Chemie-Unternehmen im Land kann sich
darüber freuen. Mit dem Bauern Eckhard Uhlenberg haben die
Christdemokraten in der Umweltpolitik endlich wieder einen Bock zum
Gärtner gemacht. Der neue Umwelt- und Landwirtschaftsminister doziert
wie aus einem Strategiepapier der Leverkusener Zentrale: „Sinnvolle
Investitionen sollen nicht mehr von einer restriktiven Umweltpolitik
blockiert oder verhindert werden.“ Die rot-grüne Vorgänger-Regierung
habe den Umweltschutz als Wachstumsbremse in Misskredit gebracht. Ganz
im Sinne von BAYER dürfte auch sein, dass die neue Landesregierung die
Gentechnik in der Landwirtschaft weiter stärken will. Um die Chancen der
Gentechnik auf dem Acker zu verbessern, will die Landes-CDU eine
bundesweite Änderung des Haftungsrechts erwirken. Nach der bisherigen
Regelung haften LandwirtInnen für Schäden, die durch Pollenflug
gentechnisch veränderter Pflanzen entstehen. Ohne Änderung werde sich
kein deutscher Landwirt an diesen Bereich, der europaweit enorme
Zuwächse verspreche, heranwagen, so Uhlenberg. Er schlägt daher einen
Haftungsfonds vor, in den Staat und Industrie einzahlen.

Nur logisch, dass Rüttgers Club darüber hinaus plant, das ohnehin nur
schlecht verankerte Klagerecht von Verbänden einzuschränken. Die Grünen
sehen darin schon jetzt einen „Angriff auf den Naturschutz und die
Mitwirkungsrechte der Naturschützer“.

Rückwärts gerichtet sind auch die schwarz-gelben Vorstelleungen zur
Massentierhaltung: Den „Schweinehaltungserlass“, der den Tieren in den
Ställen ein Mindestmaß an Würde garantieren will, hat Uhlenberg als
„Arroganz pur“ gebrandmarkt und sofort gestoppt, weil er angeblich weit
über EU-Recht hinausgehe. Die Massentierhaltung dürfte künftig also noch
massiver werden - und die damit verbundenen Krankheiten auch, was
wiederum die Absatzchancen für BAYERs Veterinärprodukte erhöht.
Auch beim Hochwasserschutz und den erneuerbaren Energien vertritt
Uhlenberg Konzern-Interessen. Überschwemmungsgebiete für den Rhein
sollen wieder landwirtschaftlich genutzt werden. „Ein Restrisiko bleibt
immer“, so Uhlenberg dreist. Auch gegen die scheinbare „Verspargelung
der Landschaft“ durch Windkraftanlagen zieht er zu Felde und macht sich
damit eine BAYER-Position zu Eigen. Der Konzern kämpft nämlich schon
seit Jahren gegen Windräder. „So sollten wir uns fragen, ob es
tatsächlich sinnvoll ist, Windkrafträder bis 2010 mit zehn Milliarden
Euro zu subventionieren - eine erwiesenermaßen ineffiziente
Energiequelle“, mahnte BAYER-Chef Werner Wenning auf der diesjährigen
Hauptversammlung des Unternehmens Und der ehemalige Leiter des
Brunbütteler Werkes, Willy Schiwy, hat sogar schon einmal genau
ausgerechnet, dass den Chemie-Multi die Windrad-Förderung über das
„Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) 2,5 Millioen Euro im Jahr kostet.
Obwohl der neue Minister auf seiner heimischen Scholle selbst eines
stehen hat, beabsichtigt er, die Vorschriften zur Errichtung neuer
Windkraftanlagen in bevölkerungsstärksten Bundesland deutlich zu
verschärfen. Als flankierende Maßnahme will sein fürs Bauen zuständiger
Ministerkollege Oliver Wittke in Berlin gegen die „Überförderung“ der
Windenergie durch das EEG Stimmung machen. „Ganz im Sinne des
Energie-Riesen RWE, der dieses Regelungswerk schon seit vielen Jahren
vehement bekämpft. Nach einer Berechnung des Essener Konzerns, welche
die Landesregierung unverblümt übernimmt, werden nach dem EEG derzeit
rund neun Cent pro ins Netz eingespeister Kilowattstunde vergütet und
auf den Strompreis umgelegt. Dass Schwarz-Gelb die Förderung der
Windkraft nun zurückfährt, passt auch zu ihrer Ankündigung im Falle
eines Wahlsiegs im Bund die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke zu
verlängern.

Ganz im Sinne von BAYER & Co. agiert die liberal-konservative Koalition
auch in ihrer Chemiepolitik. Bei der Ablehnung der geplanten
Chemie-Richtlinie der europäischen Union (REACH), die Tausende niemals
getestete Substanzen erstmals auf ihre gesundheitlichen Risiken hin
untersuchen will, stützt sich Uhlenberg geradezu auf die Vorgaben des
Leverkusener Chemiemultis. Seit Jahren bekämpft die Chemie-Industrie,
BAYER vorneweg, diese Neuregelung im Interesse des
VerbraucherInnenschutzes. REACH müsse deutlich abgespeckt werden, sagt
NRW-Europaminister Michael Breuer (CDU) und übernimmt das demagogische
Zauberwort der Industrie: „Die Chemie-Politik REACH darf nicht zu einem
Jobkiller werden.“ Die Richtlinien, die nach den bisherigen Planungen
2007 in Kraft treten soll, wünscht sich Breuer „pragmatisch,
praxisgerecht und kosteneffizient“. Und der Europa-Minister ist
zuversichtlich, dass das EU-Parlament einen Kompromiss findet, der auch
„von den betroffenen Betrieben mitgetragen werden“ könne. Dies bedeutet
eine die Abkehr von den ursprüngliche Zielen des REACH-Projektes, das
anstrebte, Gefahrenpotenziale von Chemikalien in Bau- und Werkstoffen,
Nahrungsmitteln und Textilien zu untersuchen. BAYER ist in fast allen
dieser Bereiche tätig und wird sich freuen. Auf den Konzern und die
gesamte Unternehmerschaft trifft offensichtlich nicht zu, was
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers als Leitlinie seiner neuen Politik
herausgegeben hat: „Jeder muss Opfer bringen.“

CBG protestiert gegen Konzernmacht
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) protestiert gegen die neue
Umwelt- und Industriepolitik der schwarz-gelben Landesregierung.
CBG-Vorstandssprecher Axel Köhler-Schnura: „Die Konzerne setzen
rücksichtslos ihre Profitinteressen durch und gefährden damit die Umwelt
sowie die Interessen der ArbeitnehmerInnen. Wir fordern eine umwelt- und
arbeitnehmerfreundliche, menschengerechte Politik unter demokratischer
Kontrolle.“ Wir bitten alle LeserInnen von STICHWORT BAYER, gegen die
industriefreundliche Politik zu protestieren. Postkarte oder E-mail an
die CBG, wir leiten die Kritik an die Landesregierung weiter.

Fußball

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 30. Juni 2005

Neue Zahlen zum Fußball-Sponsoring der Bayer AG:

„Sportliche Erfolge sollen Störfälle und giftige Produkte in den Hintergrund drängen“

Der Kölner Express enthüllte Anfang der Woche den Umfang des Sponsorings der Bayer AG zugunsten des Werks-Clubs Bayer 04 Leverkusen. Demnach überwies der Konzern in den vergangenen vier Jahren rund 200 Millionen Euro und gab zudem zinsgünstige Kredite in Höhe von 75 Millionen. Mit einem jährlichen „Imagegeld“ von 25 Mio bleibt Bayer auch künftig größter Einzelsponsor der Bundesliga.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Bayer ist für eine endlose Liste von Skandalen verantwortlich. Im Schwarzbuch Markenfirmen wurde Bayer gar als „übelstes Unternehmen“ bezeichnet. Das umfangreiche Sport-Sponsoring ist ein durchsichtiger Versuch, das durch Störfälle und hochgefährliche Produkte verursachte Negativ-Bild des Konzerns zu verbessern.“ Mimkes kritisiert, dass Bayer den beliebtesten Sport der Welt zu einem bloßen Imagefaktor degradiert.

Bayer 04 Leverkusen ist neben Bayern München der Motor für die voranschreitende Kommerzialisierung des Fußballs. Der Club war der erste, der in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wurde, hierfür mussten 1998 eigens die DFB-Statuten geändert werden. Seitdem kickt die Mannschaft laut Handelsregistereintrag ”zum Zweck des Einsatzes als Werbeträger für die Bayer AG”. Gleichzeitig stellt BAYER immer weniger Geld für den Breitensport bereit. „Wenn sich das Unternehmen für das Gemeinwesen einsetzen wollte, müsste BAYER als erstes angemessene Steuern zahlen" so Philipp Mimkes weiter. Dank bilanztechnischer Tricks hat die Bayer AG in den vergangenen Jahren kaum Steuern abgeführt - trotz gleichzeitiger Milliardengewinne.

Letztlich ist den Verantwortlichen im Konzern der sportliche Aspekt gleichgültig. Selbst die bei den Fans langersehnten Meisterschaft ist zweitrangig - wichtig ist allein das Erreichen der lukrativen Champions League. Die Bundesliga ist schließlich nur eine Komponente im „Marketing-Mix“ des Konzerns, zu dem auch Sponsoring für die Olympischen Spiele sowie die Fußball Weltmeisterschaft gehören.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren tritt für eine konsequente Besteuerung von Konzerngewinnen sowie ein Verbot von Sponsoring ein. Der Verein überwacht den Konzern seit 25 Jahren.

[Lev Anzeiger] Kampagne Landesgartenschau

CBG Redaktion

24.06.05, Leverkusener Anzeiger

Landesgartenschau-Gelände musste geräumt werden

Die Senioren der St.-Johannes-Gemeinde aus dem sauerländischen Sundern formieren sich zum Zählappell. Nacheinander kommen weitere Mitglieder der Reisegruppe durch die Drehtür am Haupteingang der Landesgartenschau. Die Gesichter sind betreten. Ein Ausflugstag ist ins Wasser gefallen, man organisiert die Rückreise ins Sauerland und offen bleibt die Frage: „Wer bezahlt uns das alles?“

Die gut 30 Reisenden haben eine Evakuierung hinter sich, nachdem gegen 13.35 Uhr aus bislang ungeklärter Ursache am Rohr eines Produktionsbetriebs des Bayer Chemieparks ein Leck aufgetreten und laut Bayer-Sprecher Jörg Brückner „geringe Mengen Chlor“ ausgetreten waren. Entsprechend sei es auf dem Gartenschaugelände und in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Geruchsbelästigungen gekommen.
Daraufhin informierte man die Feuerwehr und die Geschäftsführung der Landesgartenschau und setzte ein Sicherheitskonzept in Gang, das laut Brückner vorsichtshalber „ein paar Stufen höher“ angesetzt worden sei.

Wie die sauerländische Reisegruppe berichtete, wurde man in die oberen Stockwerke eines Gebäudes gebracht, dessen Fenster abgeriegelt waren. Später sei man gebeten worden, das Gelände zu verlassen. Vorsorglich wurden auch die öffentlichen Straßen bis hin zum Kreisverkehr an der Rheinallee und sogar bis hin zur Dhünnstraße gesperrt.

An der „Wacht am Rhein“ hatte die Berufsfeuerwehr derweil ihre liebe Not, Passanten und Radfahrer aufzuhalten, die sich über die Gefahren eines möglichen Chemieunfalls offenbar nicht ganz im Klaren waren und munter weiter liefen und radelten. Laut Brückner empfahl man um 15.20 Uhr, die Sperrungen wieder aufzuheben.

Erstmals zeigte sich, dass das Gelände in der Nachbarschaft der Industrieanlagen unmittelbar betroffen war. Doch Brückner hält Ängste für unangebracht. Die Messungen hätten ergeben, dass keine gesundheitsgefährdenden Belastungen in der Luft gelegen hätten. Gut eine Stunde brauchte es, um den Schaden am Rohr zu beheben.
VON JAN STING

[National Geographic] Offener Brief

CBG Redaktion

Offener Brief an National Geographic:

Umweltverbände protestieren gegen Kooperation mit dem BAYER-Konzern

Klaus Liedtke
Chefredakteur National Geographic Deutschland
Kehrwieder 8
20457 Hamburg

23. Juni 2005

Sehr geehrter Herr Liedtke,

mit Verärgerung haben wir die Kooperation zwischen National Geographic Deutschland und der Bayer AG bei der Gründung des Global Exploration Fund „Süßwasser“ zur Kenntnis genommen. Wir sind der Meinung, dass das sinnvolle Anliegen, Forschung zum Schutz des Trinkwassers zu befördern, durch die Zusammenarbeit mit einem der größten Wasserverschmutzer Deutschlands diskreditiert wird.

Fabriken und Produkte des Bayer-Konzerns belasten Grund- und Oberflächenwässer in aller Welt. Sie sollten dem Unternehmen nicht gestatten, dies durch einen Griff in die Portokasse zu kaschieren.

Zur Problematik „Wasserverschmutzung durch den Bayer-Konzern“ einige Beispiele:
* Bayer gehört zu den 10 größten Direkteinleitern von Schadstoffen in Deutschland. Das Unternehmen emittiert über das Abwasser jährlich rund 600 Tonnen Phosphor, 3.400 to Stickstoff, 1,5 Mio to anorganischer Salze, 73 to Chlororganika und 29 to Schwermetalle (Werte für 2002 bzw. 2003). Das Grundwasser rund um Bayer-Werke ist häufig stark belastet – so wurden kürzlich in der Nachbarschaft der Bayer-Fabrik in Durban/Südafrika bis zu 4800 mg Chrom pro Liter Grundwasser gefunden.
* Bayer ist der weltweit größte Pestizid-Hersteller. Agrogifte belasten in aller Welt Böden und Grundwasser. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 30.000 to Pestizide versprüht, rund 30% des Grundwassers sind dadurch belastet. Die Wasserwerke müssen jährlich dreistellige Millionenbeträge ausgeben, um das Trinkwasser frei von Pestiziden zu halten.
* Täglich verbraucht der Bayer-Konzern rund 2,1 Millionen cbm Wasser. Allein das Werk Leverkusen erzeugt doppelt so viel Abwasser wie die benachbarte Millionenstadt Köln. Die meisten Werke des Unternehmens entnehmen dem Boden hochqualitatives Grundwasser und leisten hierfür aufgrund „alter Wasserrechte“ nicht einmal Abgaben.
* Jahrzehntelang gelangten aus der Dhünnaue, einer der weltweit größten Chemie-Deponien, hohe Mengen Schadstoffe in den Rhein. Der Bayer-Konzern hatte in der Dhünnaue mehrere hunderttausend Tonnen Chemiemüll ungesichert gelagert.
* Seit vielen Jahren fordern Umweltgruppen die Veröffentlichung der Einleiterdaten der Bayer-Werke. Das Unternehmen verweigert dies. Als der „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ die Daten für das Werk Leverkusen einsehen wollte, rief Bayer sogar die Gerichte an. Es wollte seine in die Flüsse eingeleiteten Schadstoffmengen per Urteil zum Betriebsgeheimnis erklären lassen, kam aber mit seinem Ansinnen nicht durch. „Chemie im Dialog“ sieht anders aus.
* Zahlreiche Produkte des Unternehmens belasten noch nach Jahrzehnten die Umwelt. So gehörte Bayer zu den weltweit größten PCB-Herstellern – auch dann noch, als die Risiken Polychlorierter Biphenyle durch Gesundheitsbeeinträchtigungen in den Produktionsanlagen allgemein bekannt waren. Das Hafenbecken von Oslo ist beispielsweise stark mit PCB aus Schiffsanstrichen verseucht, größtenteils durch Lacke von Bayer.

Der Konzern sucht seit Jahren Kooperationen mit glaubwürdigen Organisationen (z.B. UNEP, WHO, Umweltverbänden). Dabei wählt Bayer gezielt solche Bereiche aus, in denen das Unternehmen in der Kritik steht. Solche „best practice“-Projekte verstellen jedoch den Blick darauf, dass Chemie-Unternehmen für eine große Zahl von Umweltproblemen verantwortlich sind.

Wir fordern Sie auf, die Zusammenarbeit mit der Bayer AG einzustellen. Diese Kooperation schadet dem Umwelt- und Trinkwasserschutz.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, Mitglied der Störfallkommission
Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren
Harald Gülzow, Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse
Dirk Jansen, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland NRW
Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany)
Peter Willers, Aktionskonferenz Nordsee
Udo Buchholz, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
Henry Mathews, Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre
Nikolaus Geiler, Ak Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

Presseerklärung der Aktionskonferenz Nordsee e.V.

Schmutziges Geld für saubere Ziele?

Bremen, 22.06.2005. Die National Geographic Society Deutschland hat dieser
Tage bekannt gegeben, dass ihre renommierte und ehrwürdige Institution ggemeinsam mit dem Chemieriesen Bayer AG ein Forschungsprogramm zum Gewässerschutz zu fördern beabsichtigt. Gefördert werden sollen speziell
Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Das Programm wird mit 250.000 Euro ausgestattet.

Es steht außer Frage, dass der Mangel an Süßwasser weltweit zu einem der größten Menschheits- und Umweltprobleme geworden ist. Für die Aktionskonferenz Nordsee (AKN) allerdings stellt sich der Umstand, dass ausgerechnet die Bayer AG als einer der größten globalen Gewässerverschmutzer diese Forschung sponsert, als eine schamlose Public-Relations-Kampagne dar.

AKN und andere nationale und internationale Umweltorganisationen weisen schon seit Jahrzehnten auf die skrupellose Verschmutzungspraxis von Bayer hin. In politischen Verhandlungen ist es Bayer und den Chemieverbänden jedoch immer wieder gelungen, notwendige Neuregelungen zum Gewässerschutz zu hintertreiben.

Forschung und Forschungsförderung sind wichtig, das ist unbestritten. Wenn Bayer jedoch - wie sie betonen - am schonenden Umgang mit Wasser wirklich gelegen wäre, könnte das Unternehmen mit nachhaltiger Wirkung im eigenen Hause anfangen.

AKN hat National Geographic gebeten, seine fragwürdige Kooperation noch einmal zu überdenken. Und an die Wissenschaft, unter anderem den Bremer Meeresgeologen Professor Gerold Wefer, appelliert AKN, Forschung nicht mit schmutzigem Geld aus der Portokasse von Bayer zu finanzieren und sich nicht zu nützlichen Idioten der Chemieindustrie machen zu lassen.

lesen Sie hierzu auch einen Artikel aus „Telepolis“

Pestizidtests

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 18. Juni 2005

Bayer, Shell, Cheminova: Pestizidtests an Menschen

Bericht von US-Kongressabgeordneten: „Verletzung ethischer Standards“

Die amerikanischen Abgeordneten Harry Waxman und Barbara Boxer üben scharfe Kritik an der Praxis von Chemieunternehmen, hochgefährliche Pestizide direkt an Menschen zu testen. Die US-Administration hatte im vergangenen Jahr ein Moratorium von Präsident Clinton gekippt und solche Tests bei der Risiko-Bewertung von Agrogiften zugelassen. Die Pestizid-Produzenten erhoffen sich hierdurch eine Lockerung von Grenzwerten in Lebensmitteln und im Wasser.

Waxman und Boxer legten gestern einen Report vor, in dem sie 24 Studien von Pestizid-Herstellern analysieren. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Studien ethische Standards systematisch verletzen. Unter anderem wurden unerwünschte Ergebnisse verschwiegen, Probanden mangelhaft auf Risiken hingewiesen und Testpersonen gesundheitlich geschädigt.

Der deutsche BAYER-Konzern, größter Pestizid-Hersteller der Welt, drang jahrelang auf eine Zulassung solcher Menschenversuche und ging juristisch gegen die US-Umweltbehörde vor, die Tests an Menschen als „unnötig und unethisch“ bezeichnet hatte. Drei Studien des Unternehmens werden nun in dem Untersuchungsbericht genannt. In einer Studie schluckten acht Testpersonen über einen Monat das Organophosphat Azinphos-Methyl - die WHO stuft dieses Insektizid als „hoch gefährlich„ ein. Alle Probanden äußerten Gesundheitsbeschwerden, diese wurden in der abschließenden Bewertung jedoch verschwiegen. Die Informationen, die BAYER zuvor zu Verfügung gestellt hatte, gingen in keinster Weise auf drohende Gesundheitsrisiken ein.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Das Vorgehen von BAYER und anderen Pestizidproduzenten ist unmoralisch und scharf zu verurteilen. Die Gesundheit der Probanden wird vorsätzlich aufs Spiel gesetzt. Weitere Testreihen sind zu befürchten – entweder in Ländern der Dritten Welt oder unter Ausnutzung materiell benachteiligter Menschen.“

Erik Olson, Sprecher des amerikanischen NATURAL RESOURCES DEFENCE COUNCIL kritisiert: “Es verwundert nicht, dass bei den Testpersonen keine Spätfolgen entdeckt wurden - schließlich gab es keinerlei Langzeituntersuchungen, die solche Schäden hätten feststellen können.“

Bruce Turnbull aus Edinburgh/Schottland war Teilnehmer einer weiteren Versuchsreihe mit Azinphos-Methyl. Er dachte, er würde an einem Pharmatest teilnehmen: „Die Krankenschwestern sprachen immer von einem Medikament. Vor dem Test erhielt ich zwar Informationsmaterial, aber die Fachausdrücke darin habe ich nicht verstanden.“ Turnbull eine von 50 Testpersonen gewesen, die für einen Lohn von rund 1000 Euro eine Pille mit Azinphos-Methyl schluckten und daraufhin sieben Tage lang beobachtet wurden. „Wer vor Ablauf der Woche nach Hause ging, musste eine Strafe zahlen. Danach habe ich nie wieder von dem Forschungsinstitut gehört, weitere ärztliche Untersuchungen wurden nicht angestellt.“ Auch der Auftraggeber der Testreihe wurde den Probanden nicht mitgeteilt. Erst drei Jahre später wurde Turnbull von Journalisten auf die Hintergründe der Versuche hingewiesen.

Nach dem „Nürnberger Kodex“ von 1947 sind Tests an Menschen nur legitim, wenn „Ergebnisse für das Wohl der Gesellschaft“ zu erwarten sind – wozu die Lockerung von Grenzwerten kaum zählt. Die Testpersonen müssen Ziele und Risiken erfahren und verstehen. Die „Helsinki Deklaration" der World Medical Association fordert zudem, dass solche Tests der Bevölkerungsgruppe, aus der die Teilnehmer stammen, zugute kommen müssen.

weitere Informationen: Artikel aus Spiegel Online, Übersichtsartikel aus den USA

Der vollständige Report: www.democrats.reform.house.gov/Documents/20050616110407-47162.pdf

[HV Lanxess] Lanxess

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 16. Juni 2005

Hauptversammlung der Lanxess AG: Entlastung verweigert

„Ausgliederung geht zu Lasten von Belegschaft und Umwelt“

Anlässlich der heutigen Hauptversammlung der Lanxess AG in Düsseldorf monieren Kritiker den Sparkurs des neuen Unternehmens. Dieser gehe zu Lasten von Belegschaft und Sicherheit. Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Chemie-Produktion bei BAYER war keinesfalls defizitär - sie genügte nur nicht den Profitzielen der Kapitaleigner. Die Zeche für die Ausgliederung zahlt nun die Belegschaft“. Lanxess kündigte Anfang Juni an, knapp 1000 Arbeitsplätze zu vernichten und die Gehälter zu kürzen. Das Lanxess-Werk in Dormagen soll größtenteils geschlossen, der Bereich Kunstfasern zudem verkauft werden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert, Vorstand und Aufsichtsrat wegen der unsozialen Geschäftspolitik nicht zu entlasten.

Auch die Sicherheitslage in den teilweise hochgefährlichen Werken hat sich durch die Ausgliederung nicht erhöht - im Gegenteil. Im spanischen Murcia brannte ein Werk fast vollständig ab, die Produktion ruht seitdem. Im Leverkusener Werk gab es im Januar einen Großbrand. Unter besonderer Kritik steht auch die Lanxess-Fabrik im südafrikanischen Durban, in deren Nähe hochgefährliches Chrom im Grundwasser gefunden wurde - Lanxess musste für die Sanierung eine Rückstellung von 40 Millionen Euro bilden. Die CBG fordert, die zurückgestellten Gelder für eine gründliche Dekontamination des Geländes und eine Entschädigung aller Vergiftungsopfer zu verwenden.

Proteste gibt es zudem gegen die hohe Zahl von Störfällen im Lanxess-Werk Addyston/USA. Dort war mehrfach das krebserregende Acrylnitril ausgetreten. Ruth Breech von Ohio Citizen Action, einem Umweltverband mit 100.000 Mitgliedern: „Das Werk befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von einem Kindergarten und einer Grundschule. Allein im letzten halben Jahr gab es 16 Unfälle, neun Mal traten giftige Chemikalien aus.“ Ohio Citizen Action fordert anlässlich der Lanxess-Hauptversammlung eine Entlassung der Werksleitung von Addyston und ein sofortiges Ende der Vergiftung der Nachbarschaft des Werks.

Philipp Mimkes von der CBG ergänzt: „Die Vernachlässigung von Gesundheit und Umwelt zugunsten von Konzernprofiten hat bei BAYER und Lanxess System. Durch die angekündigten weiteren Sparmaßnahmen wird die Sicherheitslage in den Lanxess-Werken noch prekärer. Die Produktion gefährlicher Stoffe wie Acrylnitril oder Phosgen hat nichts in der Nähe von Wohngebieten zu suchen“.

[Phosgen] CDU Duisburg

CBG Redaktion

Stadt Duisburg, Bezirksvertretung Süd - 12.05.2005 - öffentlich
Tagesordnungspunkt 22 - Drucksache Nr. 05-1681

Ausweitung der Phosgenproduktion bei der Firma Bayer Uerdingen

Anfrage der CDU-Fraktion

II/97-11 Schmoock, 7134

Anfrage
Die kürzlich bekannt gewordene Ausweitung der Phosgenproduktion im benachbarten Krefeld hat bei der Bevölkerung in den angrenzenden Stadtteilen des Duisburger Südens große Angst ausgelöst.
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Mitglied der deutschen Störfall-Kommission, sagt, dass die Phosgenproduktion zu den risikoreichsten Anlagen in NRW zählt. Bayer hat die Produktion auf 60.000 t pro Jahr erhöht. Berüchtigt ist Phosgen aus dem 1. Weltkrieg, wo es als tödliches Kampfgas eingesetzt wurde. Heute wird Phosgen als Vorprodukt bei der Kunststoffproduktion verwendet.
Die Genehmigung der Anlagen datieren aus den Jahren 1963 bzw. 1984. Also aus heutiger Sicht alte Anlagen. Zur Aufrechterhaltung der Produktion dient eine Menge an Phosgen von 34 t.

Aufgrund der hohen Mortalität von Phosgen und vor dem Hintergrund, dass bei einem Störfall bei vorherrschendem Westwind im Duisburger Süden die Hauptbetroffenen leben, bitten wir den Oberbürgermeister folgende Fragen zu beantworten:

1. Welche Informationen liegen der Stadt bezüglich des
Genehmigungsverfahrens nach § 10 BimSchG vor?
2. Wurde die Stadt als Nachbargemeinde beteiligt? Wenn ja, wie?
3. Liegen dem Umweltamt Daten einer durchgeführten
Umweltverträglichkeitsprüfung vor? Wenn ja, welche?
4. Wenn nein, wurde eine solche Prüfung durchgeführt?
5. Wie wird die Sicherheit des „Hold ups“ von 34 t Phosgen gewährleistet?
6. Welche Informationen liegen über die Notwendigkeit zur Vorhaltung in
einem solchem Umfang (34 t) vor?
7. Wurden seitens der Stadt angeregt, nur kleinere Mengen vorzuhalten?
Wenn nein, warum nicht?
8. Wurde angeregt, eine phosgenfreie Produktion von Makrolon und
Isocyanaten zu wählen? Wenn nein, warum nicht?
9. Welche Maßnahmen zur Sicherung der Bürger wie z.B. die Einführung von
Sirenen (Beispiel Krefeld) sind in den betroffenen Duisburger Stadtteilen
vorgesehen?
10. Welche Maßnahmen sollen im Einzelnen Störfälle verhindern?
11. Wurde von Seiten der Stadt angeregt, die Anlage mit einem Containment
ähnlich wie bei DOW in Stade zu versehen?

Beratungsergebnis
Die Verwaltung sagte eine Beantwortung zu