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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

Chemikaliensicherheit Jetzt!

CBG Redaktion

Forderung an neue Bundesregierung: REACH muss verschärft, nicht verwässert werden

Tausende von Chemikalien, die sich in Produkten des täglichen Lebens befinden, wurden nie auf ihre Gefährlichkeit hin untersucht. Selbst für großtechnisch hergestellte Stoffe liegen den Behörden in den meisten Fällen keinerlei Informationen über mögliche Umweltrisiken vor.

Flugblätter

CBG Redaktion

Flugblätter der Coordination gegen BAYER-Gefahren zum Downloaden

Anklage: Mord! Duogynon Opfer sind nicht vergessen! (2016)

BAYER-MONSANTO Fusion: Fusion stoppen! (2016)

BAYER-MONSANTO Fusion: Hochzeit des Todes stoppen! (2016)

Gefährliche Pestizide: Glyphosat stoppen! (2015)

angezeigter Text

Plastikmüll im Ozean: Mikroplastik verbieten! (2015)

„...legendär“: Die CBG im Spiegel der Medien (2015)

Keine Pestizide und Genfood durch die Hintertür: TTIP stoppen! (2014)

Blutige Kohle (2013)

Import von GenReis verhindern (2013)

Antibiotika in der Massentierhaltung (2012)

Ausbeutung von Bodenschätzen (2012)

Tödliche Pharma-Studien (2012)

Kampagne Bienensterben (update 2012)

Plünderung natürl. Ressourcen

Umweltverseuchung Thailand (2011)

Risiken von Nanotubes (2011)

Gewerkschaften bei BAYER unter Beschuss (2011)

Keine Zulassung für GenFood! (2010)

Risiken von Kontrazeptiva (2010)

Generika retten Menschenleben

Kohlekraftwerke, Müllverbrennung, Giftgasproduktion: aktuellen Probleme zu BAYER

Dormagen: Keine Erweiterung der Phosgen-Produktion!

Brunsbüttel: Umweltrisiko durch neue Anlagen

Bienensterben durch BAYER-Pestizide

Zur UN-Biodiversitätskonferenz

Gefährliches Pharmamarketing

CO-Pipeline stoppen!

Import von australischem Giftmüll stoppen!

Klima-Emissionen von Bayer

Kampagne gegen Kinderarbeit in Indien

Grundwasser Vergiftung in Südafrika

Proteste Menschenversuche mit Pestiziden (2005)

Proteste gegen die Landesgartenschau in Leverkusen (2005)

Aktiv mit Erfolg - Aktionen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (2005)

GenReis von Bayer - Gefahr für asiatische Landwirte (2004)

GenFood - Hände weg von unserer Nahrung (2004)

Bayer auf der Liste der „10 worst corporations“ (2004)

Gentech: Geheimkampagne von Metro, Bayer und Monsanto (2003)

Die Uno im Würgegriff der Konzerne

Vogelsterben durch Bayer-Pestizid (2003)

Aktiv gegen KonzernMacht (2002)

keine Steuergeschenke an Großkonzerne (2002)

Bayer am Pranger - der Lipobay-Skandal (2001)

Hauptversammlung 1998

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 24. März 1998

Millionenschweres Aktienpaket: Kritiker übergeben Erweiterung der Tagesordnung

Die Kritischen BAYER Aktionäre übergeben heute dem Vorstand des Leverkusener Chemiemultis Ergänzungen für die Tagesordnung der BAYER-Hauptversammlung am 30. April. Hierzu befähigt sie das umfangreiche Aktienpaket der Familie Nold, die ihre Stimmrechte den Kritikern zur Verfügung stellt, für eine Erweiterung der Tagesordnung werden Aktien im Nennwert von 1 Mio DM benötigt. Zu den einzelnen Punkten werden die Kritiker auf der Hauptversammlung ausführlich Stellung nehmen, auch ein Gast aus den USA wird sprechen. Die Kritiker stellen auch über 30 Gegenanträge. Im einzelnen wird gefordert, die BAYER-Satzung wie folgt zu erweitern:

1. „Die Gesellschaft leistet umfassende finanzielle Entschädigungen an alle Personen, die durch Geschäftsaktivitäten oder durch Produkte gesundheitlich geschädigt wurden. Eine rückwirkende Produkthaftung wird unbefristet übernommen. Bluter, die durch Faktor VIII-Präparate mit dem Aids-Virus infiziert wurden, werden weltweit auf der Basis des in Japan geschlossenen Vergleichs finanziell entschädigt.“

2. „Die Gesellschaft garantiert ihren Beschäftigten weltweit in allen Niederlassungen weitestgehende gewerkschaftliche Freiheit, insbesondere Organisations- und Versammlungsfreiheit, Kündigungsschutz für Belegschaftsvertreter und Mitspracherechte der Beschäftigten bei allen arbeitnehmerspezifischen Belangen. In Staaten, in denen sie diese Rechte nicht garantieren kann, unterhält sie keine Niederlassungen oder Beteiligungen.“

3. „Die Gesellschaft entwickelt und produziert keine Güter, die für militärische Zwecke verwendet werden können. Sie beliefert weder Armeen noch Rüstungskonzerne.“

4. „Die Gesellschaft verpflichtet sich dem Ziel der umfassenden Schadstoff- und Risikominimierung. Hierzu gehören der Einsatz chlorfreier Verfahren in der Polyurethan-Produktion, der sofortige Verzicht auf die Produktion von Pestiziden der WHO-Toxizitätsklassen Ia und Ib sowie der Verzicht auf gentechnische Forschung und gentechnisch hergestellte Produkte.“

5. „Die Gesellschaft anerkennt ihre Verantwortung für die IG Farben-Geschichte - insbesondere für das den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie den Opfern von Menschenversuchen zugefügte Unrecht. Sie entschädigt die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bzw. die Hinterbliebenen auf Basis des vorenthaltenen Lohns zuzüglich entgangener Zinsen.“

Hauptversammlung 1999

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 30. April ´99

auf der heutigen BAYER-Hauptversammlung:

Kritische Aktionäre attackieren Vorstand

Mit insgesamt zehn Redebeiträgen treten die KRITISCHEN BAYER-AKTIONÄRE in der heutigen Hauptversammlung des BAYER-Konzerns in Köln auf. Schwerpunkt der diesjährigen Kampagne ist die Pharmapolitik des Unternehmens, insbesondere die Kritik an dem „Jahrhundertprodukt“ ASPIRIN. Hubert Ostendorf vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „ASPIRIN JUNIOR tötet Kinder! In Lateinamerika wird ein Produkt vertrieben, das bei uns längst vom Markt ist. Das Unternehmen BAYER muß seiner Verantwortung gerecht werden und den Verkauf von ASPIRIN JUNIOR weltweit einstellen!“ Ostendorf betont, dass Azetylsalizylsäure keineswegs harmlos sei und fordert eine Rezeptpflicht für ASPIRIN, um den unsachgemäßen Gebrauch einzudämmen.

Die CBG organisiert seit 16 Jahren die Gegenaktionen auf der Aktionärsversammlung. In diesem Jahr vertritt sie über 160.000 Aktien mit einem Kurswert von über 10 Mio DM. Im Folgenden haben wir Auszüge aus den Reden zusammengefaßt. Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne die kompletten Texte zur Verfügung. Wenden Sie sich dafür bitte an die unten aufgeführte Adresse.

100 Jahre Aspirin
Die Ärztin Dr. Christine Fischer von der BUKO-Pharmakampagne konfrontiert den Vorstand mit seiner Verantwortung für die unverantwortliche Pharma-Werbung. „Aspirin“, so die Expertin, „wird wie ein Lebensmittel beworben. Die Patienten nehmen die ernsthaften und für einige Menschen sogar lebensbedrohlichen Nebenwirkungen gar nicht wahr.“ Neben den hinlänglich bekannten Nebenwirkungen, Blutungen in Magen und Darm, seien auch pseudoallergische Reaktionen festzustellen. Besonders schlimm sei das Reye-Syndrom, das bei Kindern nach der Einnahme von Aspirin beobachtet werden kann und das in 50 Prozent der Fällen tödlich verläuft. BAYER, so die Ärztin, müsse dringend deutlicher auf die Nebenwirkungen hinweisen, die Werbung verändern und ASPIRIN JUNIOR weltweit vom Markt nehmen.

Entschädigung von Zwangsarbeitern
Der Historiker Dr. David Rosenberg ist der einzige ausländische Gast auf der BAYER-Hauptversammlung. Er ist Mitglied der jüdischen Gemeinde von Pittsburgh/USA und setzt sich für ehemalige BAYER-Zwangsarbeiter ein. Diese hatten während des zweiten Weltkrieges in den verschiedenen BAYER-Werken arbeiten müssen, mindestens 30.000 waren dabei ums Leben gekommen. Andere Opfer wurden bei medizinischen Versuchen von BAYER-Ärzten auf grausamste Weise gefoltert und getötet. Von dem tausendfachen Leid will der Konzern heute nichts mehr wissen. Die Kernfrage des engagierten Fachmannes: „Existierte BAYER zwischen den Jahren 1925 und 1951?“ Die Antwort geben nach seinen Recherche die BAYER-eigenen Publikationen. „In den Meilensteinen, Ihrer im Jahre 1989 erschienenen Unternehmensgeschichte, beantworten Sie diese Frage eindeutig mit Ja“. Der Konzern müsse die Forderungen der überlebenden Zwangsarbeiter anerkennen und eine Entschuldigung aussprechen.

Pestizideinsatz in Brasilien
André Schösser stellt in seiner Rede einen aktuellen Skandal aus Brasilien in den Mittelpunkt. Dort gibt es erhebliche Probleme beim Einsatz des BAYER-Pestizids BAYSISTON. Immer wieder klagen Arbeiter nach der BAYSISTON-Anwendung über Übelkeit, Ekzeme auf der Haut, Atemprobleme und Vergiftungserscheinungen. Die Staatsamanwaltschaft ermittelt wegen zahlreicher Todesfälle. BAYER zieht sich seit Jahren auf den Standpunkt zurück, daß die Bauern die Pestizide falsch anwendeten. Atemschutzgeräte und passende Schutzanzüge seien eben unumgängliche Hilfsmittel. Doch die arme brasilianische Landbevölkerung kann sich diese teuren Schutzgeräte nicht leisten. So wird BAYSISTON zum unkalkulierbaren Risiko für die Arbeiter. „BAYER muß endlich die gefährlichen Pestizide vom Markt nehmen und die Opfer entschädigen“, fordert Schösser.

Weitere Redebeiträge:
Dr. Sigrid Müller: schwere Nebenwirkungen im Prüfverfahren des Alzheimer-Mittels Metrifonat
Heinz Stehr: Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER
Hubert Ostendorf, CBG: Zusammenarbeit von BAYER mit kriminellen Detektiven
Axel Köhler-Schnura, CBG: Prozess aids-infizierter Bluter gegen BAYER
Philipp Mimkes, CBG: Arisierung eines jüdischen Friedhofs durch BAYER 1942
Uwe Friedrich, CBG: Vorstellung einer Studie zum Pestizideinsatz in Nepal

[Diskussionsbeitrag] Christliche Globalisierungskritik

CBG Redaktion

Diskussionsbeitrag von Kai Müller-Horn (Düsseldorf), e-mail: Kai.mh@t-online.de

betr.: „Globalisierungskritik aus christlicher Sicht“

Liebe Mitstreiter,

es gibt ohne Zweifel eine Reihe hochaktueller Berührungspunkte von religiös und politisch motiviertem Engagement gegen die negativen Auswirkungen der sogenannten Globalisierung. Ich nenne nur die Hartz Gesetze im Rahmen der Agenda 2010 (hier besonders Hartz IV), die Ostermarschbewegung mit der konkreten Kritik am US Amerikanischen Krieg im Irak und die Kritik an den diesen und andere, sich in Vorbereitung befindende Kriege flankierenden Maßnahmen der Schröder/Fischer Regierung, dem antifaschistischen Kampf usw. Wichtig ist mir dabei im Zusammenhang mit dem gestellten Thema zu betonen, das dieser Widerstand seine Wirkung nur dann voll entfalten und so auch letztlich nur zum Erfolg führen kann, wenn er wirklich eine weltanschauliche Vielfalt in seinen Reihen vereinen kann. Dieses hohe Ziel aber kann selbstredend nur dann erreicht werden, wenn es gelingt eine Streitkultur zur Entfaltung zu bringen, die unvoreingenommen, gleichberechtigt und im gegenseitigem Respekt vor den weltanschaulichen Unterschieden getragen ist. Von vorne herein selbst disqualifiziert haben sich in diesem Kontext meiner Ansicht nach lediglich faschistische und religiös-fundamentalistische Ideologien.

„Der Glaube an den freien Markt ist eine fundamentalistische Religion. Argumente braucht man nicht mehr. ... Alle wirklichen Probleme des Planeten bleiben ungelöst, weil sie sich mit dem Prinzip “Gier„ eben nicht lösen lassen.“ schreibt P. Bürger.

Mit seiner Kritik an der Methode und ihrer Auswirkung kann ich mich uneingeschränkt einverstanden erklären. Andrerseits, das impliziert dieser Satz, wird lediglich ein anderer Glaube als der an den freien Markt und ein Appell an die Moral der Verantwortlichen nicht gierig zu sein keine wirkliche Lösung der Probleme des Planeten bringen. Diese bleibt meiner Ansicht nach einer wissenschaftlich begründeten Weltanschauung vorbehalten.
Der religiös motivierte Widerstand entwickelt keine wirklich tiefgehende Kritik sowohl an der Methode wie an den Inhalten des Neoliberalismus. Er bleibt an der Oberfläche und somit in der Wirkung äusserst beschränkt.

P. Bürger scheint das zu ahnen und versucht sich der Unterstützung durch den Marxismus, durch Karl Marx, den Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus zu vergewissern: „... Karl Marx. Er wollte sich - in bester jüdisch-christlicher Gesellschaft - nicht mit Verhältnissen abfinden, in denen der Mensch ein verachtetes und geknechtetes Wesen ist. Osswald von Nell Breuning ... meinte, nur in Gefolge dieses Mannes könne man die moderne Wirtschaft richtig bewerten.“
Karl Marx jedoch, dessen bin ich mir sicher, würde sich im Grabe umdrehen von dergleichen Vereinnahmung und Unterordnung unter beste jüdisch-christliche Gesellschaft. Der Leser möge sich ein eigenes Bild machen durch das vollständige Zitat:

„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch die materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem (am Menschen) demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache bei der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst. Der evidente Beweis für den Radikalismus der deutschen Theorie, also für ihre praktische Energie, ist ihr Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung der Religion. Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!“ (Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. In: Marx/Engels: Werke, Band 1, Seite 385)

Zugleich ist dieses Zitat auch die marxistische Antwort auf die unzähligen Verbesserungsvorschläge an der Globalisierung die alle mehr oder weniger den Eindruck erwecken als könne es die Freiheit des Kapitals ohne die Unfreiheit der Ausgebeuteten und Unterdrückten geben, als könne man also das Kapital, in irgendeiner Weise zügeln, demokratisch kontrollieren, seine gewaltigen und gewalttätigen Ströme in soziale Kanäle lenken, seine Protagonisten von der ökonomischen Unsinnigkeit oder auch der gotteslästerlichen Schlechtigkeit ihres Tuns überzeugen. Tatsächlich aber muß die Macht des internationalen Finanzkapitals gestürzt und die Transnationalen Konzerne enteignet werden um den Weg dafür frei zu machen das die durch die internationalisierte Produktion enorm gesteigerten Produktivkräfte zur Lösung der wirklichen Probleme des Planeten durch die Produzenten (die internationale Arbeiterklasse und der mit ihr Verbündeten Massen) genutzt werden können.

In den vielen gemeinsamen Anliegen, die religiös, politisch und anders motivierte Gegner der negativen Auswirkungen der Globalisierung im Tageskampf zusammenführt geht es also wie selbstverständlich auch um die Frage wie die Vorbereitungen vorangetrieben werden müssen um die „Götzen“, um im Bild von P. Bürger zu bleiben, vom Sockel zu holen.

Zur weiterführenden Literatur empfehle ich Stefan Engel: "Götterdämmerung über der >neuen Weltordnung<“, VNW - Verlag neuer Weg, e-mail: neuerweg@neuerweg.de, Tel.: 0201/25915, (auch als Taschenbuch erhältlich!)

[Böckermann] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

Rede von Pater Gregor Böckermann auf der Bayer-Hauptversammlung

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, verehrte Vorstandsmitglieder,
wenn morgen jemand sein altes Handy gegen das neueste Modell eintauscht, dann heizt er mit hoher Wahrscheinlichkeit den verheerenden Bürgerkrieg im Kongo indirekt mit an. Wenn der Kunde auch noch gleichzeitig Bayer-Aktien besitzt, dann verlängert er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Krieg sogar direkt. Denn Bayer hat mit diesem Bürgerkrieg eine Menge zu tun.

In der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire, liegt der Stoff, mit dem Handy- und Computerträume wahr werden. Colombo-Tantalum, kurz Coltan, heißt das Erz. Durch den Handy- und PC-Boom ist die weltweite Nachfrage sprunghaft angestiegen. Die Bayer-Tochter H.C. Starck mit Sitz in Goslar gehört beim Handel mit Tantalumprodukten zur Weltspitze.

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte UN-Bericht zur - Zitat - „illegalen Ausplünderung der natürlichen Ressourcen“ in der DRC kommt zu der Kernaussage - ich zitiere: „Der Konflikt dreht sich hauptsächlich um Zugang zu, Kontrolle von und Handel mit fünf mineralischen Ressourcen“, darunter auch Coltan. Der UN-Bericht nennt explizit die Bayer-Tochter H.C. Starck als Bezieherin von kongolesischem Coltan. Die Hamburger Umweltorganisation „Rettet den Regenwald“ hat den Bayer-Vorstand deswegen schriftlich aufgefordert, vorläufig auf den Einsatz von Mineralien aus dem Bürgerkriegsland zu verzichten.
Ich frage den Vorstand, ob er dieser Forderung nachkommen wird?

Der UN-Bericht bezeichnet die Konzerne, die mit kongolesischen Mineralien handeln, als - Zitat - „Motor des Konfliktes“. Laut UN-Bericht „kennen die importierenden Konzerne die tatsächliche Herkunft des Coltan.“ Bayer bereichert sich demnach vorsätzlich an der Veredlung eines Metalls, dessen Förderung den Krieg im Kongo anheizt - ja, sogar noch verlängert. Denn von den Coltanerlösen werden Waffen gekauft. Oder andersherum: Ohne den Handel mit Mineralien wie Coltan wäre der Krieg gar nicht finanzierbar.

Rund 250.000 Menschen fielen dem Bürgerkrieg bisher zum Opfer, eine Million Menschen wurde vertrieben, die Natur ist schwer geschädigt. Bayer hat bisher lediglich zugesagt, keine Mineralien aus Regenwaldgebieten in der DRC mehr zu beziehen, in denen der Coltanabbau schwere Umweltschäden hinterläßt.
Ich frage den Vorstand: Trifft es zu, dass H.C. Starck weiter Coltan aus anderen Gebieten in der DRC bezieht. Und falls ja, ist es mit den Bayer Unternehmensgrundsätzen vereinbar, dass der Konzern dadurch laut UN-Bericht direkt zur Verlängerung eines blutigen Krieges beiträgt? In den Unternehmensleitsätze heißt es, ich zitiere: „Produktverantwortung endet nicht am Werkstor. Bayer-Produkte müssen den Grundsätzen von Responsible Care (verantwortliches Handeln) und Sustainable Development (nachhaltige, zukunftsverträgliche Entwicklung) entsprechen.

Bayer hat inzwischen mitgeteilt, H.C. Starck beziehe seine Rohstoffe u.a. von etablierten Händlern, mit denen das Unternehmen bereits seit vielen Jahren zusammenarbeite. Aus der Einschränkung “unter anderem" ergibt sich, dass H.C. Starck seine Rohstoffe auch von nicht etablierten Händlern bezieht bzw. bezogen hat.

Ich frage den Vorstand: Wie können Sie sicher stellen, dass Coltan-Lieferanten von H.C. Starck, die Sie nicht zu den etablierten Händlern zählen, kein Material aus der DRC liefern?

Ich frage weiter: Sind Sie in der Lage und bereit, der Öffentlichkeit die Namen sämtlicher Händler zu nennen, von denen H.C. Starck Coltan aus der DRC direkt oder über die Nachbarländer bezieht bzw. in der Vergangenheit bezogen hat?
Wie gesagt: 250.000 Tote hat der Krieg gefordert und eine Million zu Flüchtlingen gemacht. Wer ein neues Handy kauft, beteiligt sich womöglich indirekt an dem Gemetzel. Wer eine Bayer-Aktie besitzt, ist vielleicht sogar direkt mit verantwortlich. Wer den Konzern führt, erst Recht.
Ich danke für die Aufmerksamkeit.

[Rede PAN] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

Susanne Smolka, PAN
Rede auf der BAYER Aktionärsversammlung 2001 am 27 April in Köln

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Susanne Smolka, ich spreche hier für das deutsche Pestizid Aktions-Netzwerk und möchte unter anderem Fragen an den Vorstand richten, die eine Frage betrifft den Umweltschutz, die zweite Frage die Produktsicherheit von Pestiziden.

Die BAYER AG betont des öfteren, daß sie sich ihrer Verantwortung bewußt ist, die Auswirkungen ihres Handelns auf die Umwelt zu minimieren und natürliche Ressourcen zu bewahren.

Wir halten dieses Ziel für sehr wichtig. Deshalb möchten wir auf ein Problem aufmerksam machen, das gegen diesen Anspruch verstößt. Es geht um Diuron, bekanntgeworden durch seine Anwendung durch die Deutsche Bahn AG.

BAYER AG ist Diuron-Hersteller und bringt Diuron-Präparate auf den deutschen Markt.

Diuron ist ein Totalherbizid. D. h. Diuron tötet alle wachsenden Pflanzen wahllos ab.
Problematisch an Diuron ist die Langlebigkeit. Diuron ist noch jahrelang nach Ausbringung in Böden und Gewässern vorhanden. Ein weiteres Problem ist, daß Diuron unter dem Verdacht steht, in den Hormonhaushalt von Mensch und Tier einzugreifen.

Der Anwendungsbereich von Diuron ist vergleichsweise klein. Dennoch gehört Diuron zu jenen Pestiziden, die am häufigsten in Flüssen, Küstengewässern und im Grundwasser gefunden werden.

Und nicht nur das, die festgestellten Konzentrationen sind häufig so hoch, daß Grundwässer und auch Wasserlebewesen gefährdet werden.
Diuron nimmt seit langem hier eine traurige Spitzenposition ein.

Es geht also um eine konkrete Gefährdung ökologischer Systeme. Es geht aber auch um die Wasserwirtschaft. Es ist teuer, Diuron aus dem Trinkwasser zu beseitigen. Die Reperaturkosten gehen in die Millionen, und wir alle werden dafür zur Kasse gebeten.

Ein Teil dieser Diuronrückstände im Wasser ist auf unsachgemäße und illegale Anwendungen zurückzuführen. Die bisherigen Maßnahmen diesen Mißbrauch einzudämmen, z.B. strengere behördliche Auflagen, verständlichere Gebrauchsanweisungen oder den Verzicht auf den Verkauf von Kleinpackungen, waren leider nicht erfolgreich.

Aber auch bei sachgerechter Anwendung durch Fachleute kann der Schutz der Gewässer nicht sichergestellt werden.Diese Erkenntnis führte 1997 zu einem gesetzlichen Anwendungsverbot von Diuron auf Gleisanlagen - einem Haupteinsatzort.

Der Versuch, dieses Verbot jetzt wieder aufzuheben, ist gescheitert.
Umweltverbände, die Wasserwirtschaft und Politiker aus allen Parteien bis hin zur Bundesregierung haben sich dagegen ausgesprochen. Warum?
Weil die Risiken und die derzeitigen und zukünftigen Schäden durch Diuron nicht mehr gesellschafts- und umweltpolitisch tragbar sind.

Wir appellieren daher an die eigenen Leitlinien zum Umweltschutz und an die Produktverantwortung der BAYER AG und fragen den Vorstand, welche konkreten Maßnahmen sie zur Verminderung der Umweltbelastungen durch Diuron zukünftig durchführen werden und ob sie - auch mit Blick auf die neue europäische Gewässerschutzpolitik - die Herstellung und den Vertrieb von Diuron bzw. diuronhaltiger Mittel zukünftig einstellen werden.

Ich komme nun zu meinem zweiten und letzten Punkt.

Vor einem Jahr fragten wir den Vorstand, wann das 1995 selbst gesteckte Ziel, keine extrem giftigen Pestizide mehr zu verkaufen, erreicht wird.

Das Pestizid Aktions-Netzwerk hat mit seinen Partnern WWF und Coordination gegen Bayer-Gefahren sie dazu nochmals Ende letzten Jahres in einem offenen Brief - den über 300 Organisationen und Personen aus 40 Ländern unterzeichnet haben - um eine Stellungnahme gebeten.
Ihre Antwort, das von ihnen initiierte Drei-Punkte-Programm verlaufe planmäßig und sie seien dabei, ungiftigere Produkte zu entwickeln, können wir nicht nachvollziehen.

Denn jetzt - im Jahre 1 nach Ablauf ihrer eigenen Frist sind immer noch BAYER-Pestizide im Handel, die als hoch oder extrem gefährlich eingestuft werden.
Wir möchten nochmals darauf aufmerksam machen, daß die Weltgesundheitsorganisation weltweit von jährlich mindestens 20.000 Todesopfern durch Pestizidvergiftungen ausgeht, ganz zu Schweigen von den anderen Gesundheits- und Umweltschäden.

Wir stellen daher auch dieses Jahr an den Vorstand die Frage: Werden sie das Ziel aus dem Jahr 1995, die ...Produkte der WHO-Toxizitätsklasse 1 schrittweise durch Produkte mit geringerer Giftigkeit zu ersetzen, zumindest im Jahr 2001 erreichen. Zwei Zusatzfragen dazu: In welchem Maß berücksichtigen sie hierbei neben den Pestizid-Präparaten die von ihnen produzierten und vermarkteten Wirkstoffe und werden sie ihre Erfolge bei der Umsetzung des Drei-Punkte-Programms öffentlich darlegen?

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

[Rede Santivanez] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

Rede in der Bayer Aktionaersversammlung 2001

von Tania Santivañez, Stiftung und Universitaet Nuestra Señora d ela Paz, Bolivien

Ihnen allen ein guten Tag!

Ich bedanke mich, vor diesem werten Publikum reden zu koennen. Ich komme aus Bolivien, heisse Tania Santivañez Camacho, bin Chemikerin mit dme Spezialgebiet der Toxikologie. Ich forsche und unterrichte an der Universitaet Nuestra Señora de La Paz. Ich moechte ihnen heute von Ergebnissen von Laborversuchen wie auch von meiner praktischen Arbeit in laendlichen Gemeinden Boliviens berichten. Dabei gibt es eine direkte Beziehung auch zur ihrem Land und ihrem Unternehmen.

Bolivien liegt im Herzen Amerikas und verfuegt ueber einen grossen natuerlichen Reichtum und eine grosse Artenvielfalt, vor allem auf Land. Aber paradoxerweise sind die Reichtuemer ungleich verteilt. Ausgerechnet die laendlichen Regionen Boliviens weisen Armutsziffern wie im Sahel in Afrika auf. Auf dem Land hat die Mehrzahl der Familien kein Zugang zu sauberem Wasser, Kinder sterben fruehzeitig, die Mehrzahl der Erwachsenen kann nicht lesen und schreiben. Waehrend andere in den Stadten leben wie in Europa.

Dabei versorgen vor allem die Kleinbauern die Staedte mit Nahrungsmitteln. Ihre Anbaumethoden basieren jedoch auf Erfahrungswerten. Das Wissen ihrer Vorfahren vermischt sich mit den Produkten der Moderne, wie den Agrarchemikalien. Und das fuehrt oft zu mehr Problemen, als dass es hilft. Weil es die Umwelt verschmutzt, Krankheiten verursacht und weil die Kleinbauern eine korrekte Anwendung der modernen Agrartechnologie oft einfach nicht bezahlen koennen. Ich betone dass, weil die moderne Landwirtschaft ein technologisches Paket ist, das auch die entsprechende Ausbildung voraussetzt.

Schaedlingsbekaempfungsmitteln wurden in Bolivien in den 60er Jahren eingefuehrt. Die Produktion der Kleinbauern ist seitdem nicht wesentlich gestiegen, wohl aber die Zahl der resistenten Schaedlinge. Folge ist die Verwendung von immer hoeheren Dosierungen und neuen Kombinationspraeparaten, die nicht nur Schaedlinge vernichten, sondern auch die Gesundheit und die Umwelt beeintraechtigen.

Das Fehlen von Informationen ueber die Risiken, fuehrt dazu, dass die Kleinbauern taeglich in Kuechenutensilien ihre sogenannten Cocktails mischen. Mischungen von Pestiziden wie Ditane, Metmidafos, Monocrotofos, Metalaxil und Parathion, die sich bildhaft gesprochen in chemische Bomben verwandeln. Es kommt dazu, dass die Kleinbauern, die Mischungen dann auch noch auf der Zunge zergehen lassen, um zu pruefen, ob sie auch wirken. Viele bewahren die Chemikalien in ihren Schalfzimmern oder in der Kueche auf, damit sie ihnen nicht gestohlen werden. Und siw wissen nicht, dass sie damit das Leben ihrer Kinder gefaehrden.

Die Kleinbauern spritzen die Felder oft ueber Stunden. Und zum Beispiel die Tomaten werden bis zur Ernte 20 mit Pestiziden behandelt. In der Regel geschieht das ohne Schutzmassnahmen. Oft sind es Kinder, manchmal schon achtjaehrige, oder auch schwangere Frauen.

Wir ahben seit 1988 in Bolivien 44 Bayer-Chemikalien registriert, moeglicherweise ist dies jedoch ein kleiner Anteil im Vergleich zur Gesamtzahl der Produkte, die eingefuehrt werden. Aber selbst unter diesen 44 Produkten befinden sich einige Pestizide, die in anderen Laendern wegen ihrer Gefaehrlichkeit verboten sind. So das Methyl-Parathion, Ethyl-Parathion, das Oxidemeton O-Methyl, Carbofuran und andere.

Es gibt darunter auch andere Schaedlingsbekaempfungsmittel, die chronische Folgen haben, wie Giftablagerungen in der Leber, in der Niere, Verletzungen an Hoden und am Uterus, die die Gesundheit von Ungeborene beeintraechtigen, oder das zentrale Nervensystem schaedigen.

Nach Angaben des bolivianischen Agrarministeriums wird das Methyl- und Ethyl-Parathion seit 1995 legal nicht mehr importiert. Trotzdem sind es noch heute die am meisten verbreiteten Schaedlingsbekaempfungsmittel. Sie werden sowohl in regulaeren Agrarfachgeschaeften wie auf der Strasse verkauft. Man sieht stillende Frauen, die diese Chemikalien in kleinere unspezifische Verpackungen umfuellen und dann verkaufen. Ebenso Kinder, die ueberhaupt kein Problem darin sehen, die Chemikalien neben ihre Essenration zu stellen. Aber auch wenn diese Stoffe in der Originalverpackung verkauft werden, ist zu beruecksichtigen, dass die Menschen in vielen Gemeinden nicht lesen koennen. Und so auch die Warnhinweise nicht verstehen.

Ich moechte einen konkreten Fall nennen, auf den das psychiatrische Krankenhaus San Juan de Dios in Cochabamba aufmerksam gemacht hat. In der laendlichen Gemeinde Pocona, die 13.000 Einwohner zaehlt, hatten im Jahr 1986 ueber 4 Prozent der Bevolkerung, sprich mehrere Hundert Menschen, und im Jahr 1987 immer noch mehr als 1 Prozent der Bevolkerung, mit FOLIDOL das Leben genommen. Der Ortspfarrer war verzweifelt und verbot als Abschreckungsmassnahme die Beerdigung dieser Chemie-Selbstmoerder auf dem Gemeindefriedhof. Ein besonderer Friedhof wurde fuer die Selbstmoerder eingerichtet, denen angeblich der Weg in den Himmel versperrt sei. Experten untersuchten die Faelle und fuehrten die Ursache darauf zurueck, dass der permanente Kontakt mit FOLIDOL das zentrale Nervensystem vieler Menschen in Pocona geschaedigt habe. Dies habe auch das Sozialverhalten veraendert.

Zwei andere markante Faelle sind die Gemeinden Tiquipaya nahe der Stadt Cochabamba und das Departamento Tarija im Sueden Boliviens. In Tiquipaya wurden eine erhoehte Rate von Fehlgeburten und durch genetische Veraenderungen bedingte Missbildungen registriert, In Tarija wiederum erhoehte Ziffern von Leukamie (leucemia mieloide crónica) und Anaemie (anemia aplásicas), Krankheiten, die es frueher dort nicht gegeben hatte.
In Tiquipaya beraten wir jetzt mit Unterstuetzung von terre des hommes-Deutschland Kleinbauern, Blumenexportplantagen und die Gemeindeverwaltung, wie solche Gesundheitsschaeden durch eine Veraenderung der Produktionsformen und die Einfuehrung eines staedtischen Umweltprogramms verringert werden koennen. Doch Bolivien ist doppelt so gross wie Deutschland und unsere Mittel sind begrenzt.

Es sind ja nicht nur die Krankheiten. In den Baechen finden sich grosse Mengen an Chemiemuell. Dosen von Ethyl- oder Methyl-Partahion und andere Schaedlingsbekaempfungsmittel. Das fuehrt zur Vergiftung von Wasser, Boeden, Tieren und Pflanzen.
Ich erwaehne dass, um deutlich zu machen, dass eine reineVermarktungsstrategie, in Laendern wie Bolivien, insbesondere in der kleinbaeuerlichen Bevoelkerung irreversible Schaeden nach sich zieht.

Ich bin davon ueberzeugt, dass die Chemie eine wundervolle Wissenschaft ist, die uns die Moeglichkeit gibt, die Stofflichkeiten zu veraendern und damit Menschen das Leben zu erleichtern. In diesem Sinne moechte ich einen Glueckwunsch zu den 100 Jahren Aspirin aussprechen. Das Medikament ist nicht hilfreich, sondern dazu auch fuer arme Bevolkerungsgruppen erschwinglich. Sicher gibt es noch viele Produkte mehr dieser Art, die in Bayer-Laboren entwickelt wurden…

Im Gegensatz dazu produziert Bayer jedoch auch sehr giftige und gefaehrliche Substanzen wie die Schaedlingsbekaempfungsmittel. Ich moechte jedoch glauben, dass die Chemiker bei der Entwicklung dieser Chemikalien immer die Agrarproduzenten im Kopf hatten, die damit die Ernten verbessern und die Menschen mit den noetigen Lebensmitteln versorgen…

Ich sage das, weil das die Politik von Bayer ist, so wie ich es auf der Internetseite lesen konnte: Da steht: “Gesundheit, Umwelt und Sicherheit sind die drei Begriffe, die die Etnscheidungsfindung von Bayer bestimmen.” Und “An Orten, wo die noetigen gesetzlichen Regelungen nicht existieren, implementiert Bayer erantwortliche Praktiken und gibt Unterstuetzung und Beratung, um den sicheren Eisnatz seiner Produkte zu gewaehrleisten.”
Aufgrund dessen moechte ich Ihnen die folgenden Fragen stellen?

In welcher Form ueberprueft Bayer, inwieweit diese Leitlinien in Bolivien erfuellt werden. Und was waren die Ergebnisse?

Empfindet BAYER eine Art Mitverantwortung fuer den Einsatz seiner Agrarchemikalien in Bolivien?

Hat BAYER zu einem frueheren Zeitpunkt Kenntnis bekommen von den Massneselbstmorden in Pocona durch FOLIDOL. Welche Konsequenzen hat das Unternehmen daraus gezogen? Oder welche Konsequenzen denken Sie nun zu ziehen?

Sieht sich BAYER imstande, von seinen Vertretern in Bolivien staerke Kontrollen der Vertriebswege der Produkte zu verlangen. Sieht sich BAYER imstande, die Herkunft der illegal im Lande vertriebenen BAYER-Produkt, die nicht beim Agrarministerium registriert sind zu klaeren. Oder handelt es sich gar um eine Faelschungen des Markenzeichens von Bayer?

Teilt der BAYER-Aufsichtsrat meine Einschaetzung, dass in einem Staat wie Bolivien, wo es keine ausreichend ausgestatteten Instanzen fuer eine transparten und effiziente Kontrolle des Agrarchemiemarktes gibt, von einem sicheren Einsatz nicht die Rede sein kann?

Kann man ueberhaupt von einem “sicheren” Einsatz reden, wenn Restbestaende in Erde, Wasser oder Luft verbleiben?

Ist Bayer bereit, aus einem Anteil der Gewinne einen Fond einzurichten, aus dem
a) Vergiftungsopfer entschaedigt weden koennten
b) vorbeugende Massnahmen finanziert werden koennten

Waere BAYER bereit, gemeinsam mit dem bolivianischen Agrarministerium Aktivitaeten gegen die Kommerzialisierung extrem gefaehrlicher Agrarchemikalien durchzufuehren?

Ist BAYER bereit, einen kurzfristigen Aktionsplan zur Beseitigung von Agrarchemiemuell in Bolivien zu implementieren?

Ich haette noch mehr Fragen, denke aber, im Augenblick ist es am wichtigsten, Sie nach diesem kurzen Einblick in die Problematik um Ihre Unterstuetzung zu bitten. Denken Sie daran, was in meinem und in anderen Laendern derzeit geschieht. Denken Sie an ihre eigenen Kinder und lassen Sie uns gmeinsam Wege finden, die drei Schluessworte von BAYER “Gesundheit, Umwelt, Sicherheit” umzusetzen. Und stellen Sie uns die Mittel zur Verfuegung, um auch den anderen Kernsatz in Bolivien mit Leben zu erfuellen: “Wo es keine Gesetze und Umsetzungsbesitmmungen gibt, implementiert BAYER verantwortliche Massnahmen der Unterstuetzung und Beratung, um einen sicheren Einsatz der Produkte zu gewaehrleisten.

Ich bin davon ueberzeugt, dass jeder von uns moralisch verpflichtet ist, sich fuer die Harmonie von Mensch und Natur einzusetzen. In der Frage der Oplfanzenschutzmittel speziell benoetigen Strategien, die ein Gleichgewicht zwischen den Rechten und den Verantwortlichkeiten herstellen. Denn die Erfahrung wie auch die Wissenschaft zeigt uns, dass die Umweltverschmutzung keine Grenzen respektiert und dass das Bemuehen um Gesundheit, Umweltschutz und Sicherheit im Sueden auch dem Wohlstand im Norden dient.

Vielen Dank fuer Ihre Zeit.

[Abstimmungsergebnisse] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

Abstimmungsergebnisse: Die Macht des Kapitals

Von Axel Köhler-Schnura

Der BAYER-Konzern hat ein Grundkapital von 3,7 Milliarden DM. Dieses teilt sich auf in 730 Millionen Aktien mit einem Nennwert von jeweils 5 DM. Ca. 7.300 AktionärInnen repräsentierten auf der Hauptversammlung 36 Prozent des Grundkapitals, also 1,3 Milliarden DM bzw. 262 Millionen Aktien.

Ein Blick in die Präsenzliste - das Verzeichnis der anwesenden AktionärInnen - zeigte, dass 99,5 Prozent des anwesenden Kapitals von lediglich etwas mehr als zwei Dutzend Banken, Versicherungen und Investmentfonds gehalten wurden. Herausragend dabei die DRESDNER BANK und die DEUTSCHE BANK, die zusammen fast 40 Prozent aller anwesenden Aktien stellten. Ins Auge fiel auch, dass die Investmentgesellschaften zunehmend an Gewicht gewinnen. Die vielen tausend anwesenden AktionärInnen halten also lediglich ca. 0,5 Prozent bzw. ca. 1,6 Millionen der anwesenden Aktien.

Wenn also die Abstimmungsergebnisse auf der Hauptversammlung zu 99 und mehr Prozent zugunsten der Vorstandsvorlagen ausfielen, so hängt dies wesentlich mit dieser Ballung des Aktienbesitzes in den Händen weniger GroßaktionärInnen zusammen. Es gibt noch einen zweiten Grund: Enthaltungen bleiben unberücksichtigt. Bei den Abstimmungen werden lediglich die Ja- und die Nein-Stimmen gewertet. Die in diesem Jahr bis zu 1,5 Mio. Enthaltungen fallen einfach unter den Tisch.
In Vorbereitung der Aktionen zur Hauptversammlung wurden der Coordination und dem Dachverband ca. 200.000 Aktien übertragen.
In den Abstimmungen auf der Hauptversammlung stimmten für die Anträge der KritikerInnen bis 12,4 Mio. Aktien.

Fakt ist also, dass sich im Saal zwischen 1.000 und 3.000 KleinaktionärInnen - also bis zu 50 Prozent - für unsere Vorschläge entschieden und gegen die einzig am Profit ausgerichtete Politik des Vorstands stimmten. Ein großer Erfolg der Arbeit der CBG und des Dachverbandes.

[Redebeiträge] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

HV: Alle Fragen bleiben offen

Die Schadensbilanz 2000

Von Udo Hörster

Als erste Kritische Aktionärin trat Susanne Smolka vom PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN) ans Mikrofon. Sie brachte die Risiken und Nebenwirkungen der BAYER-Ackergifte zur Sprache. Das Unkrautbe- kämpfungsmittel DIURON, führte Smolka aus, stellt nicht nur eine Belastung des Ökosystems dar, es verunreinigt das Trinkwasser auch in einem solchen Maße, dass die Wasserwirtschaft Millionen-Beträge in Reinigungsverfahren investieren muss. „Wie oft wir schon über DIURON gesprochen haben“, lamentierte Schneider daraufhin und brachte seinen Textbaustein „Es macht keinen Sinn, Detail-Diskussionen über Produkte und deren Eigenschaften zu führen“ in Anschlag. Bei der Frage, wann BAYER endlich das im Geschäftsbericht von 1995 gegebene Versprechen einlösen wolle, besonders giftige Agrochemikalien durch ungefährlichere zu ersetzen, zeigte der Vorstandsvorsitzende sich noch weniger auskunftsfreudig. BAYER würde nur geprüfte Produkte vertreiben, lautete seine Nicht-Antwort.

Einem anderen angeblich so sorgfältig geprüftem Pestizid-Produkt, FOLIDOL, widmete sich Tania Santivañez aus Bolivien. Die Chemikerin der La Pazer Universität Nuestra Señora verwies auf Langzeitstudien, nach denen FOLIDOL chronische Gesundheitsstörungen wie Nervenkrankheiten verursacht. Zudem kritisierte sie, dass sich unter den 44 in ihrem Land registrierten BAYER-Ackergiftwirkstoffen mit Methyl-Parathion, Ethyl-Parathion, Oxidemeton, O-Methyl, Carbofuran und anderen etliche befinden, die in anderen Staaten wegen ihrer extremen Giftigkeit längst nicht mehr im Handel sind.

Mit dem Antibiotikum BAYTRIL stand ein weiteres der ach so sicheren BAYER-Produkte im Mittelpunkt des Beitrages der US-Amerikanerin Dr. Corinna Horta. Seitdem der Wirkstoff Fluorochinolon in der Geflügelzucht verwendet wird, ist die Anzahl der gegen die Substanz resistenten Krankheitserreger erschreckend gestiegen, so die Aktivistin von ENVIRONMENT DEFENSE. Da die Keime über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus gelangen und dort Krankheiten auslösen können, hat das angesehene Wissenschaftsmagazin Science der US-Gesundheitsbehörde FDA geraten, den Handel zu stoppen.

Die BeamtInnen nahmen Gespräche mit den Herstellern auf. Einige stoppten daraufhin den Vertrieb. Nicht aber BAYER. Mit dem fadenscheinigen Hinweis darauf, BAYTRIL werde nur therapeutisch, nicht aber prophylaktisch verwendet, stellte Manfred Schneider in seiner Antwort auf Dr. Horta klar, dass der Chemie-Multi das auch in Zukunft nicht zu tun gedenke.

Was es wirklich bedeutet, wenn BAYER ein Produkt prüft, darüber klärte der britische Arzt Dr. Steven Karren die AktionärInnen auf. Er war an Voruntersuchungen zu einem Arzneimitteltest mit dem Antibiotikum CIPROBAY beteiligt, für das der Chemie-Multi eine Zulassungserweiterung beantragen wollte. Es sollte vor schweren Operationen nicht mehr nur intravenös, sondern auch oral verabreicht werden können. Die Tests fielen aber negativ aus. Oral eingenommen, vormochte CIPROBAY die PatientInnen nach überstandener OP nicht mehr vor Infektionen zu schützen. Unter den 800 Test-Personen kam es sogar zu Todesfällen Der Konzern hat diese Ergebnisse der zuständigen Ethik-Kommission verschwiegen und vor der „Medicine Control Agency“ falsche Angaben gemacht. Ein Skandal, zu dem Manfred Schneider nichts zu sagen hatte. Dr. Karren reichte deshalb unmittelbar nach der Hauptversammlung eine Klage gegen BAYER ein.

Den Tod hunderttausender AIDS-Kranker in Südafrika nahm der BAYER-Konzern mit seiner Patentverletzungsklage billigend in Kauf: Wegen des schwebenden Verfahrens hatten die PatientInnen nicht die Möglichkeit, billige Kopien von patent-geschützten westlichen Kombinationstherapeutika zu erwerben. Ilka Schröder, für die Grünen im Europäischen Parlament sitzend, bestritt deshalb die Legitimation des Anspruchs auf „Schutz des geistigen Eigentums“. Da Wissen ein gesellschaftlich produzierter Reichtum ist, „erwirtschaftet“ durch Erziehungsleistungen, staatlich finanzierte Bildungsinstitutionen, öffentliche Forschungsgelder, frei zugängliche Datenbanken und wissenschaftliche Errungenschaften der Vergangenheit, hat seine Privatisierung zu Profit-Zwecken nach Schröders Ansicht keine Berechtigung.

Einen anderen Aspekt der Benachteiligung von Ländern der „Dritten Welt“ - die Ausnutzung der in diesen Staaten weniger strengen Umweltauflagen als Standort-Vorteil - thematisierte Henry Mathews.
Der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen
und Aktionäre zitierte eine neue GREENPEACE- Studie, nach der das BAYER-Werk im brasilianischen Belford Roxo den Boden und den Fluss Sarapui mit Schwermetallen, Chlor-Chemikalien und Pestizid-Rückständen in immensen Konzentrationen belastet. Was seriöse ForscherInnen unter penibler Dokumentation ihrer Untersuchungsmethoden veröffentlichten, nannte der BAYER-Chef einfach „die von GREENPEACE in die Welt gesetzten Behauptungen“ und erachtete es nicht als nötig, weiter auf das Problem einzugehen.

Aber nicht nur in den so genannten Entwicklungsländern, auch in der Bundesrepublik stellen BAYER-Anlagen eine Gefährdung von Mensch und Umwelt dar. Hubert Ostendorf (CBG) kam noch einmal auf die Beinahe-Katastrophe von Wuppertal zu sprechen, wo im Juni 1999 durch die Explosion eines Kessels 2,7 Tonnen giftiger Chemikalien freigesetzt wurden und sich deshalb über 100 Menschen in ärztliche Behandlung begeben mussten. Einen unerhörten Vorgang nannte es Ostendorf, dass der anschließende Prozess mit einer Geldbuße in Höhe von 5.000 Mark für einen kleinen BAYER-Angestellten endete und alles weiter seinen gewohnt-gefährlichen Gang gehen kann.

Nach der Katastrophen-Bilanz seiner VorrednerInnen widmete Wolfgang Teuber (DKP) sich dem ganz alltäglichen Wahnsinn in den BAYER- Betrieben. Während die Vorstandsbezüge im letzten Jahr um rund 30 Prozent zunahmen, mussten die Beschäftigten in diesem Zeitraum Lohn- Einbußen, die Streichung von Sonderleistungen, Flexibilisierungsmaßnahmen und eine immer größere Arbeitshetze hinnehmen, kritisierte Teuber und erinnerte Vorstand und Aufsichtsrat an die im Grundgesetz festgeschriebene Sozialpflichtigkeit des Eigentums.

Erübrigt hätte sich in Zukunft wahrscheinlich die geballte Konzern-Kritik, wie sie dem Multi am 27. April entgegenschlug, wenn BAYER folgende Vorschläge des CBG-Geschäftsführers Philipp Mimkes zum Tagesordnungspunkt „Satzungsänderungen“ akzeptiert hätte: „BAYER vertreibt keine Güter, die für militärische Zwecke genutzt werden können“; „Ziel des Unternehmens ist der Umweltschutz“; „BAYER garantiert das Gewerkschaftsrecht“; „BAYER macht keine Geschäfte mit Ländern, die die Menschenrechte verletzen“; BAYER übernimmt Verantwortung für die Verbrechen der IG FARBEN". Zu schön, um wahr zu sein, wäre das gewesen. Deshalb verwiesen die Bosse diesen Entwurf einer wirklich verantwortlichen Unternehmenssatzung auch umgehend ins Reich der Märchen.

[Aktionsbericht] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

BAYER-HV: Konzern-KritikerInnen belasten Vorstand

Dr. Schneiders gesammeltes Schweigen

Von Udo Hörster

Ein unerwartetes Bild bot sich den AktionärInnen, die am 27. April zur BAYER-Hauptversammlung in die Kölner Messehallen strömten: Zehn „Gen-LaborantInnen“ in steril-weißer Einheitskluft trugen Bauchläden vor sich her und offerierten darin „frisch geklonte“ Organe; eine US-ameri-
kanische Umweltgruppe machte mit einer riesigen Medikamenten- Flasche aus Plastik auf die Gefahren von Antibiotika-Gaben in den Tier-Fabriken aufmerksam; eine bolivianische Aktivistin prangerte auf einem Transparent die Menschen, Tiere und Umwelt belastenden BAYER-Pestizide an und eine Tierversuchsgegnerin sowie Mitglieder der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) verteilten Flugblätter. Ein Hauch von Seattle lag so in der Luft und wehte auch in den Hauptversammlungssaal hinein.

Diesen frischen Wind hätte der BAYER-Vorstandsvorsitzende Dr. Manfred Schneider am liebsten außen vor gehalten. Nur zu gerne hätte er ausschließlich über den von rund 27 Mrd. Euro auf rund 31 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz gesprochen sowie über alles, was sich sonst noch mittels Zahlen-Kolonnen, Tabellen und Torten-Grafiken darstellen läßt. Aber das wussten die 12 Konzern-KritikerInnen mit ihren Reden zu verhindern. So erfuhren die AktionärInnen nicht nur etwas über die von Manfred Schneider in seiner Eröffnungsrede verkündete „herausragende Performance von H. C. STARCK im Tantalpulver-Geschäft“, sondern vom Pater Gregor Böckermann (AFRIKA-MISSIONÄRE - WEIßE VÄTER) auch etwas über das Blut, das an diesem so einträglichen Handel der BAYER-Tochter klebt. H. C. STARCK bezieht dieses Sondermetall nämlich unter anderem von den Kommandanten der Bürgerkriegsarmeen im Kongo, die mit den Erlösen aus dem Verkauf von Bodenschätzen den Unterhalt ihrer Truppen bestreiten. Böckermann zitierte aus einem gerade erschienenen UN-Bericht. Dieser bezeichnet Firmen wie H. C. STARCK wegen ihrer Geschäftspraktiken als „Motoren des Konfliktes“, der bislang 2,5 Mio. Todesopfer gefordert hat und ca. eine Million Menschen zu Flüchtlingen machte. Die BAYER-Tochter versucht die Vorwürfe zu dementieren, aber in einem entsprechenden Antwortschreiben an die Initiative RETTET DEN REGENWALD unterlief ihr dabei ein Lapsus. „H.C. STARCK bezieht seine Rohstoffe u.a. von etablierten Händlern“, hieß es darin, was laut Böckermann nur einen Schluss zulässt: also auch von nicht etablierten, zweifelhaften.

Wer vor solchem Kriegsgewinnlertum nicht zurückschreckt, der nimmt mit einer Klage wg. angeblicher Patentschutz-Verletzungen, die in Südafrika jahrelang die Versorgung von AIDS-PatientInnen mit erschwinglichen Kopien von patent-geschützten Medikamenten verhinderte, auch den Tod hunderttausender Menschen in Kauf. Natürlich interessierte Schneider der Ausgang der Auseinandersetzungen nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht. „Das Risiko für die Margen nimmt zu“, so sein knappes Resümee. Über den in den Verhandlungen erreichten Bestandschutz für die Patent-Regelungen zeigte sich der BAYER-Chef erfreut. So können BAYER & Co. erstmal weiterhin Wucherpreise für Medikamente nehmen. Und wer diese nicht zu zahlen vermag, für den bleiben milde Gaben: Wie Schneider stolz verkündete, hat BAYER der Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich Medikamente gegen die Schlafkrankheit gespendet. Darüber hinaus besaß er sogar noch die Unverfrorenheit, die afrikanischen PolitikerInnen zu ermahnen, sie sollten einmal „ihre Prioritäten überdenken“.

Kein Wunder also, dass dann auch die Opfer-Gruppe aus der blutigen Vergangenheit des Konzerns, die ZwangsarbeiterInnen, nicht mit Schneiders Anteilnahme rechnen konnten. Nicht einmal das Wort „Entschädigung“ nahm der Vorstandsvorsitzende in den Mund; er sprach stattdessen von „Ausgleich“. Und vergeblich appellierte Lothar Evers vom BUNDESVERBAND INFORMATION FÜR NS-VERFOLGTE an ihn, doch endlich die Auszahlung der ersten Entschädigungstranchen zu veranlassen, da täglich 500 ehemalige SklavenarbeiterInnen sterben, während die Fonds-Beiträge hohe Zinsen abwerfen. Als eine makabre Umkehrung der Rollen von Opfer und Täter bezeichnete es Evers, die Überlebenden und ihre Klagen als Rechtsunsicherheitsfaktoren hinzustellen und ihnen überdies abzuverlangen, in ermüdenden bürokratischen Prozeduren die Berechtigtheit ihrer Ansprüche nachzuweisen.

Die nicht auf Einladung der CBG sprechenden RednerInnen übten sich derweil in dem aussichtlosen Unterfangen, den BAYER-Vorsitzenden an Profit-Profitum noch zu übertreffen. Einer dieser Beflissenen sah beispielsweise durch den im Standortsicherungsvertrag zugestandenen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen den Shareholder Value in Gefahr. So herausgefordert, ließ der Große Vorsitzende sich nicht lumpen. Von 63.000 auf 40.000 habe man bei der BAYER AG die Belegschaft reduziert, noch dazu „ohne Komplikationen in der Öffent-
lichkeit“, brüstete er sich. Welche „Komplikationen“ dies innerbetrieblich nach sich zog, davon berichtete der Vertrauensmann eines BAYER- Werks, einer der wenigen nicht von der CBG gestellten kritischen Redner. Plastisch schilderte er die durch immer größere Hetze, den Wegfall von Pausen und die zu leistenden Überstunden sich verschlechternden Arbeitsbedingungen, die zudem das Risiko von Unfällen erhöhen. Wo das Geld hinfließe, das unten, in den Produktionsstätten, nicht ankomme, fragte er Schneider. Der fand die Frage deplatziert.
Mit noch größerer Ignoranz als in den vergangenen Jahren ging der BAYER-Chef über alle kritische Einwände zum Geschäftsgebaren des Multis hinweg. Durch die Einbrüche am neuen Markt und die kleinlauter werdenden Stimmen von InvestmentbankerInnen, die in der Vergangen-
heit immer wieder eine „Modernisierung“ des Konzerns gefordert hatten, vor Selbstbewusstsein fast platzend, tönte er feist: „Ich sehe Konserva-
tismus heute als Prädikat an“.

Es war an Axel Köhler-Schnura von der CBG, diese demonstrative Betriebsblindheit in ihre Schranken zu verweisen und Schneiders Rechenschieber-Horizont zu erweitern: „Wirtschaft und die Folgen gehören zusammen. Wer die Folgen nicht tragen will, der entzieht sich der Verantwortung“.

[Gentechnik] Hauptversammlung 2001

CBG Redaktion

Fetisch Fleisch

Organ-Performance schockiert BAYER-AktionärInnen

von Karl Henning

Die Künstlerin C. R. inszenierte im Vorfeld der BAYER- Hauptversammlung am 28. April vor der Köln-Deutzer Messehalle ein tiefsinniges Bild. Zehn ganz in weiß gekleidete “Organhändler” boten symbolisch frisch geklonte Nieren und andere Innereien feil - AgitPropArt als eindringlicher Protest gegen die immer beherrschender werdende Gentechnik.

“Ein Herz von BAYER” ertönt es laut. Einer von zehn mit Bauchläden aus- gestatteten Kunst-Komparsen preist die in Nierenschalen gelegten Bio- pumpen aus kürzlich geschlachteten Schweinen an. Ein anderer offeriert Nieren. Der Regen nieselt auf die Innereien, die Behältnissen füllen sich mit leicht blutigen Pfützen. “Das ist ja ekelhaft”, reagiert eine junge Frau empört. Schauspielerin Edda Fischer, u. a. bekannt aus diversen Soaps, hat sich unter die einströmenden Aktio- närInnen gemischt, verteilt Zettel mit rhetorische Aphorismen des verstor- benen Schriftstellers Max Frisch. “Was tun Sie für Geld?” - diese Frage könnte symbolisch das Motto der dividendengeilen Couponschneider sein. Oder: “Wem gehört ... die Luft?” - eine Provokation für einen Konzern, der ohne Skrupel gigantische Mengen von Dreck aus seinen Schornsteinen rauchen lässt.

Der kritische Aktionär Hubert Osten- dorf, der sich unter dem Namen Max Frisch in die RednerInnenliste einge- tragen hatte, um die 25 Fragen des Schweizer Altmeisters vorzutragen, wurde von Versammlungs- und Aufsichtsratsleiter Hermann Josef Strenger des Mikrophons verwiesen. Dürfen Kunst und Literatur nicht bemüht werden, um das Geschäfts- gebaren eines Multis anzuprangern? .

“Das ist eine gute Aktion”, findet eine von über 7.000 AktionärInnen.
“Ihr seid doch alle bekloppt”, ereifern sich dagegen ein betagter
Anteilseigner und seine Frau. Viele schenken der Performance nicht
einmal ein müdes Lächeln, eilen wie ferngesteuert dem Haupteingang
zu. Bloß keine Verunsicherung, bloß keine Konfrontation. Andere setzen
sich intensiv mit der AgitPropArt von C. R. auseinander.
Schließlich ist der Hintergrund der in Kooperation mit der COORDI-
NATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) geschaffenen “sozialen
Plastik”, wie Joseph Beuys vermutlich dieses Bild genannt hätte,
durchaus ernst und besorgniserregend. “Die Gentechnik schickt sich an,
zur Schlüsseltechnologie des neuen Jahrtausends zu werden”, belehrt
ein Flugblatt der COORDINATION. Und: “BAYER ist nach eigenen
Aussagen einer der führenden Konzerne auf diesem Gebiet.” Pharma,
Pestizide, Geschmacksstoffe ... - kaum ein Anwendungsbereich, in dem
der Leverkusener Riese keine gentechnischen Produkte mehr anbietet.
Die mit dem Konzern eng verbundene schottische Firma PPL, bekannt
durch die weltweit ersten transgenen Schafe Tracy und Dolly, will nun
Schweine derart klonen, dass ihre Organe auf Menschen übertragbar
sind. Wie sehr die neue Gentechnik einen Schlüssel zur Beherrschung
der Welt liefert, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den USA. Weil die dort
von BAYER hergestellten lebensnotwendigen “Faktor VIII-Präparate”
knapp geworden sind, behält das Unternehmen sich vor, höchstselbst
darüber zu befinden, welcher Bluter die teure Arznei erhält und welcher
nicht. Ein Spiel mit Leben und Tod unter Berücksichtigung des Geld-
beutels oder der Güte der Krankenkasse, mutmaßt der US-amerika-
nische Bluterverband.

Die neuen Herren der Gentechnik schwingen sich zu neuen Herrschern
über die Welt auf. Das Fleisch von Tieren und Menschen, der Code
einer jahrmilliardenalten Evolution mutieren zu Patenten in den
Forschungsabteilungen weniger transnationaler Giganten. Das Fleisch
visualisiert eine Welt von Tod, Profit und Ausbeutung.

Schon in anderen Inszenierungen hat C. R. dieses Material
künstlerisch eingesetzt. Als Protest gegen die Vertreibung von
Obdachlosen pferchte sie zuerst wohnungslose Menschen und dann
frisch geschlachtete Schweinköpfe mitten im schicken Düsseldorf in
einen Bauschuttcontainer. Menschen als Abfall, entsorgt wie Müll,
weggeworfen, deportiert. Menschen, die wie Schweine behandelt
werden. Eine morbide Metapher über den morbiden Zustand der
Gesellschaft. Während die Müllmenschen behördlich akzeptiert waren,
wurden die Schweineköpfe unter Einsatz von Polizeipräsenz abgeräumt.
“Es ist bezeichnend, dass lebende Menschen weniger Anstoß erregen,
als tote Schweine”, urteilte die bekannte Düsseldorfer Journalistin Gerda
Kaltwasser. Genau dies war die Lektion, die C. R. mit ihrer
Installation erteilen wollte.

Dabei ist ihre Kunst nur auf den ersten Blick aufdringlich und alles andere als belehrend. Während sich der etablierte Betrieb größtenteils immer weiter entpolitisiert und nur noch Kunst um der Kunst willen betreibt, bekennt sich R. klar zu dem gesellschaftlichen Umfeld, das ihr Schaffen stets reflektiert. Derzeit visualisiert sie aktuelle Schlagzeilen in Analogie zu den sieben Todsün- den. Und wieder kritisiert sie die Allmacht der Gentechnik, indem sie auf einem Feld mit hundert weißen Grabkreuzen symbolisch Gott in einem Sarg beerdigt. Und wieder setzt sie Fleisch in Massen ein, um Völlerei und Wollust zu veranschau- lichen. Tote Rinderhälften auf anein- andergeketteten Einkaufswagen gerieren zum Protest gegen die Massenschlachtung nach BSE.

Mit artifiziellem Blut und Milch getränkte Vaginen, aus Schweinelebern geschnitzt, symbolisieren die Wollust in einer total sexualisierten Gesellschaft, in der die Frau zur Ware degradiert worden ist und die wahre Lust auf der Stecke bleibt. Die Vagina zeigt vieldeutig und hintersinnig das Fleisch als Fetisch der Gesellschaft. Sie zeigt, wie sehr uns die technisierte Spaß- und Medienwelt von natürlichen Prozessen, wie etwa der Geburt, absondert, ein Thema, dessen C. R. sich mit viel beachteten Videoprojektionen angenommen hat. Die Stunde Null des Menschen, sein Auf-die-Welt-Kommen wird zur Performance im öffentlichen Raum, in Kirchengewölben oder an Rathausmauern. Bilder, die je nach Betrachtung tief erschüttern und gleichzeitig schockieren. Fleisch in seiner ursprünglichsten Form.

Nur konsequent, dass C. R. ihren eigenen Körper mitunter selbst in den künstlerischen Prozess mit einbezieht. Bei einer Vernissage in der Duisburger Cubus-Kunsthalle projizierte sie das Geburtsvideo auf ihre unbedeckte Haut. Bei der Performance “Das Ich hinter dem Ich” hat sie mit einem ausgeklügelten Spiegelsystem das Eigentliche hinter ihrer eigenen Nackt- und Ungeschütztheit, der äußeren Erscheinung schlichtweg gesucht - eine Betrachtung mit tiefsinnigem philosophischem Background, der, wie die meisten anderen Installierungen auch, die Basis für eindingliche Foto-Arbeiten und mitunter in Öl gemalte Bilder darstellt. Komplexe Werke, denen jenseits der vordergründigen Botschaft eine vielschichtig reflektierte Realität der Gesellschaft und des Menschen innewohnt. Vor diesem Hintergrund verdichtet sich die AgitPropAktion zur Kritik der Gentechnik anlässlich der BAYER-Hauptversammlung zur ästhetischen Kritik des Menschen samt seines Allmachtkomplexes schlechthin.

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[MoPo] Hauptversammlung 2002

CBG Redaktion

Hamburger Morgenpost

Hauptversammlung mit Handgemenge

Protest gegen Gen-Saat / Harte Zeiten für die Bayer AG

KÖLN - Eine Gruppe britischer
Demonstranten hat gestern die
Hauptversammlung der Bayer AG zu Beginn
unterbrochen. Sie protestierten gegen die
Einführung von genetisch manipuliertem
Saatgut in Großbritannien. „Nieder mit
Bayer“, schrie ein Demonstrant, der etwa
fünf Meter an einer Wand am Rande des
Podiums hochgeklettert war. Die Aktionäre
des Bayer-Konzerns dürften ebenfalls
schlechter Stimmung gewesen sein. Denn
der scheidende Vorstandschef Manfred
Schneider verkündete überwiegend negative
Nachrichten. Die Konjunkturflaute und
Umsatzausfälle durch die Rücknahme des
Medikaments Lipobay machen dem Chemie-
und Pharmakonzern auch 2002 zu schaffen.

In allen vier Geschäftsbereichen –
Gesundheit, Pflanzenschutz, Polymere und
Chemie – brach im ersten Quartal der
Gewinn ein. Der Konzernumsatz im
fortzuführenden Geschäft blieb mit sieben
Milliarden Euro um sechs Prozent unter dem
Vorjahreswert. Das operative Ergebnis vor
Sonderposten verringerte sich sogar um 46
Prozent auf 493 Millionen Euro.

Schneider, der nach zehn Jahren auf dem
Bayer-Chefsessel auf den Posten des
Aufsichtsratsvorsitzenden wechseln will,
dürfte es schwer fallen, gerade jetzt die
Zügel aus der Hand zu geben. Acht Mal
hintereinander hatte der Vorstandschef die
Aktionäre mit Rekordergebnissen verwöhnt.
Schneider holte nach fast 75 Jahren für
Bayer die Rechte am eigenen Namen in den
USA zurück. Er brachte die Bayer-Aktie an
die Wall Street und sorgte dafür, dass sich
der Unternehmenswert verdreifachte.

Doch ausgerechnet im letzten Jahr seiner
Verantwortung ging fast alles schief. Zwar
gelang Schneider gerade noch, das Ruder
rumzureißen, doch für Nachfolger Werner
Wenning bleibt noch eine Menge zu tun. Ihm
dürfte helfen, dass er den Konzern in- und
auswendig kennt: Wenning, 55 Jahre alt,
begann am 1. April 1966 als Lehrling im
Hause Bayer. (AP/dpa)

[Artikel taz] Hauptversammlung 2002

CBG Redaktion

Bei Bayer ein Gefühl wie im Hochsicherheitstrakt

Auf der Hauptversammlung des Leverkusener Konzerns schlechtere Stimmung als gewohnt. Englische Proteste auf der Vorstandsbühne

KÖLN taz Ein wahres Seuchenjahr hat die Bayer AG hinter sich. Zunächst kam der Skandal um das Cholesterin senkende Medikament Lipobay, dann der Einbruch der Aktie und jetzt die Kürzung der Dividende. Die Aktionärsversammlung der Bayer AG in der Kölner Messehalle 6 hatte am vergangenen Freitag einiges zu besprechen. Doch zunächst mussten die etwa 8.000 AktionärInnen sich durch die Jahr für Jahr wachsende Zahl der Demonstranten gegen die Geschäftspraktiken des Chemie- und Pharmakonzerns kämpfen.

In diesem Jahr wurde vor allem gegen die grausamen Tierversuche und die Senkung der Unternehmenssteuern protestiert, die der ehemalige Bayer-Angestellte Heribert Zitzelsberger als jetziger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium durchgesetzt hatte. Danach musste sich AktionärIn durch eine von zwanzig Sicherheitsschleusen quetschen, wie man sie von Flughäfen kennt. Derart strenge Kontrollen waren bisher nicht üblich. Doch die Sicherheitsvorkehrungen waren seltsam inkonsequent: Wer die Halle verließ, wurde bei der Rückkehr ohne Kontrolle durchgewunken. Samt Gepäck.

Der sonst so weltgewandte Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Dr. Manfred Schneider, wirkte wenig souverän, als er zum letzten Mal zum Geschäftsbericht ansetzte. Nach zehn Jahren Amtszeit wechselte der 63-Jährige mit Ablauf der HV in den Aufsichtsrat. Im vergangenen Jahr brach der Konzerngewinn um 47 Prozent auf 965 Millionen Euro ein. Die Dividende wird auf Vorschlag des Vorstands von 1,40 auf 0,90 Euro je Aktie gesenkt. Nur verhaltener Beifall aus den Reihen der anwesenden Bayer-Aktionäre ertönte nach Schneiders Rede. Doch er bekannte erleichtert, dass ihm das sehr gut tue. Nach dem enttäuschenden Geschäftsjahr hatte er wohl mit heftigeren Reaktionen seiner Aktionäre gerechnet. Der aus diesem Anlass verstärkte Werkschutz war aber nicht in der Lage, zu verhindern, dass englische Gegner von Genpflanzen-Freilandversuchen zur Bodyguard-geschützten Vorstandsbühne stürmten und sich einer von ihnen die Dekoration hinaufhangelte. Diesen zu entfernen, gelang erst, nachdem Aufsichtsratsvorsitzender Strenger dem Werkschutz wutentbrannt seine Hilfe angeboten hatte.

Über die Diskussion des Geschäftsberichts selbst dürfte der Vorstand wenig Freude gehabt haben. Außer den vom Dachverband der Kritischen Aktionäre und von der Coordination eingeladenen elf Konzernkritikern äußerten sich diesmal fast alle Redner kritisch; etliche beklagten natürlich den Dividendenrückgang, aber es gibt eine wachsende Zahl von Aktionären, die vom Vorstand ein an ethischen Grundsätzen orientiertes Handeln erwarten. Die Stimmung der Aktionäre drückte sich auch in einer deutlichen Abstrafung bei der Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus; statt der üblichen 99 Prozent gab es diesmal nur 90 Prozent Zustimmung.

PAUL KRANEFELD-WIED Der Autor ist Mitglied der konzernkritischen Coordination gegen Bayer-Gefahren (www.cbgnetwork.org)
taz Nr. 6737 vom 29.4.2002

[Rede Ökland] Hauptversammlung 2002

CBG Redaktion

Rede von Tom Ökland/Friends of the Earth auf der Bayer Hauptversammlung am 26. April

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Tom Erik Okland. Ich arbeite als Umweltexperte für die Norwegische Gesellschaft für Naturschutz, auch Friends of the Earth Norwegen genannt.

Eine Untersuchung der Stadt Oslo hat gezeigt, dass der Hafen von Oslo stark mit PCB verseucht ist. Mit Hilfe des sogenannten „chemischen Fingerabdrucks“ wurden PCB von insgesamt drei Herstellern nachgewiesen. Der größte Teil der untersuchten Gifte wurde von Bayer hergestellt.

Die in Oslo gefundenen PCB stammen von Schiffs-Anstrichen. Die norwegische Umweltbehörde hat nachgewiesen, dass PCB von Bayer in Schiffslacken verwendet wurden, die in Norwegen verkauft wurden. Etwa die Hälfte der gefundenen PCB gehören zu der Marke „Clophen“, die von Bayer hergestellt wurde.

Friends of the Earth Norwegen und die Stadt Oslo erwägen eine Klage gegen Bayer und andere PCB-Hersteller. Die Entgiftung des Hafens von Oslo wird etwa 26 Millionen Euro kosten. Wir fordern eine Beteiligung von Bayer an diesen Kosten!

Meine erste Frage lautet: ist Bayer bereit, einen Teil der Kosten für die Reinigung zu übernehmen?

In einem möglichen Gerichtsverfahren müsste zunächst geklärt werden, warum Bayer keine Informationen über die Giftigkeit und die Persistenz von PCB veröffentlicht hat. Denn bereits Mitte der sechziger Jahre war die Gefährdung für die Umwelt bekannt. Und die akute Giftigkeit und die Persistenz von PCB wurden noch früher entdeckt.

Trotzdem wurden PCB bis Mitte der siebziger Jahre an Hersteller von Schiffsfarben geliefert. Ohne Informationen über die Gefahren für die Umwelt und für die Gesundheit der Arbeiter!

Vor diesem Hintergrund frage ich:
Warum hat die Bayer AG nicht sofort reagiert, als die Gefahren von PCB entdeckt wurden? Warum wurden PCB nicht direkt aus dem Handel genommen?
Und warum wurden die Käufer von PCB nicht über die Risiken informiert? PCB sind völlig ungeeignet für das Anstreichen von Schiffen.

PCB wurden in Norwegen vor 20 Jahren vom Markt genommen, doch erst in den neunziger Jahren wurden alle Gefahren von PCB bekannt. Daher wird erst jetzt die Reinigung der norwegischen Häfen und Fjorde in Angriff genommen. Wenn die norwegischen Hersteller von Schiffsfarben früher Informationen über die Gefahren von PCB erhalten hätten, hätte die Kontaminierung weiter Teile der norwegischen Küste verhindert werden können!

Zusätzlich wurden durch das Sandstrahlen alter Schiffe zahlreiche Werften und Arbeiter vergiftet. Durch eine rechtzeitige Information der Kunden hätte auch diese Form von Vergiftung verhindert werden können. Dieser Verantwortung ist Bayer als Hersteller nicht gerecht geworden!

Daher frage ich:
Warum hat Bayer nach dem Produktions-Stopp keine Informationen über die Gefahren von PCB veröffentlicht?

Nach Meinung von Friends of the Earth Norwegen ist das Verursacherprinzip der beste Weg, um die Produktion und die Verbreitung von toxischen Substanzen zu stoppen oder zu vermeiden. Wir fordern, dass sich Bayer generell an das Verursacherprinzip hält. Daher muss sich Bayer auch an der Entgiftung des Hafens von Oslo beteiligen!

Meine letzte Frage lautet daher:
Wird die Bayer AG ihre Produktion an dem Verursacherprinzip orientieren? Wie verhindert Bayer künftige Vergiftungen von Mensch und Umwelt?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

[Rede SHAC] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Rede und Fragen der Tierrechtsinitiative SHAC Deutschland an Bayer

(und die Antworten des Bayer-Vorstandschefs Dr. Manfred Schneider im Kursivdruck)

BAYER gab bei Europas größtem und seit Jahren aufs schärfste kritisierten und bekämpften Tierversuchsauftrags-
labor Huntingdon Life Sciences HLS mit anderen Unternehmen eine Studie in Auftrag, bei der Tiere 2 Jahre lang mit der Chemikalie Tri-n-butyl-Phosphat TBP in Versuchen vergiftet wurden.

Der Vorstand weiß, dass beim Tierversuchsauftragslabor Huntingdon Life Sciences HLS, das Labore in England und den USA hat,

- etwa 500 Tiere täglich in Versuchen gequält und umgebracht werden,

- etwa 70.000 Tiere, unter ihnen Hunde, Katzen, Affen, Nager, Fische, Rinder, in den Laboren von HLS gefangengehalten werden,

- HLS 5x Undercover-Recherchen unterzogen wurde, bei denen Beweismittel gesammelt und, z.B. vom britischen Fernsehsender Chanel Four, veröffentlicht wurden,

Der Vorstand weiß, dass dabei bekannt wurde, dass HLS Tiere in hohem Maße und absichtlich quält, z.B. erst ein paar Monate alte Hunde, um sie zu disziplinieren, schlägt, weshalb Mitarbeiter von Huntingdon Life Sciences von britischen Gerichten bereits mehrfach wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechtskräftig verurteilt wurden: HLS-Mitarbeiter gaben darüber hinaus selbst zu, Daten ungenau zu erfassen.

Ihnen ist weiter bekannt, dass bereits seit 1999 in England eine Tierrechtskampagne – Stop Huntingdon Animal Cruelty – kurz SHAC – gestartet wurde, um die Tierquälerei bei HLS zu beenden und HLS zu schließen. Auch wissen Sie, dass die Kunden und Geschäftspartner von HLS die Folter und Ermordung von Tieren bei HLS erst ermöglichten bzw. in Auftrag gaben und aus diesem Grund ebenfalls Ziel der SHAC-Kampagne waren und sind. Bayer zählt zu diesen Geschäftspartnern, ebenso einige Kooperationsfirmen von Bayer wie Aventis.

1. Welche Geschäftsbeziehungen hatte Bayer in der Vergangenheit zu HLS aufgebaut, konkreter:

1.1 welche Tierversuche gab Bayer dort in Auftrag?

1.2 an welchen Tieren wurden Versuche von HLS durchgeführt?

1.3 an wieviel Tieren wurden diese Versuche durchgeführt?

Schneider: „Wir haben ganz normale Geschäftsbeziehungen zu dem genannten Unternehmen HLS.“

2. Aus welchen Gründen wurde HLS beauftragt, wie kam es zu diesen Geschäftsbeziehungen?

3. Wer hat HLS beauftragt, die Bayer AG als Gesamtkonzern oder die Niederlassung in England oder eine dritte Stelle?

4. Wie sehen die derzeitigen Geschäftsbeziehungen zu HLS aus?

4.1 Gab Bayer im vergangenen Geschäftsjahr Tierversuche bei HLS in Auftrag? Bei welchen weiteren Firmen werden für Bayer Tierversuche durchgeführt?

4.2 Laufen derzeit Tierversuche bei HLS für Bayer

4.3 Beabsichtigt Bayer in Zukunft Tierversuche bei Huntingdon Life Sciences durchführen zu lassen?Wer wird diese Versuche dann in Auftrag geben, meint, welche Entscheidungsstelle bei Bayer?

5. Warum wurde die Bayer-Geschäftsstelle in London geschlossen?

5.1 Der Kölner Stadtanzeiger berichtet am 16.06. vergangenen Jahres, dass TierrechtlerInnen aus England in das Bayerwerk in Wuppertal eindrangen. Warum haben diese TierrechtlerInnen diese Aktion ihrer Meinung nach durchgeführt, d.h. welches Anliegen könnten sie gehabt haben?

Schneider: „Ich kann zu der Motivation der Tierschützer nichts sagen, da müssen Sie diese schon selbst fragen.“

5.2 Wie hoch lagen die Ausgaben bei Bayer für Krisen-bzw. Risikomanagement im vergangenen Geschäftsjahr, insbesondere für das Management von Krisen, die sich für Bayer aus der Kritik sog. Anspruchsgruppen, also Protestgruppen, ergaben? Zusatzfrage: Wäre es nicht ethisch geboten, sozial verträglicher und auch den AktionärInnen gegenüber verantwortungsbewusster, nicht Risikomanager zu finanzieren, die die negativen Folgen von bewusst herbeigeführten Krisen abwenden sollen, sondern Krisen, wie das Ziel von Kampagnen besorgter und sozial engagierter Menschen zu sein, gar nicht erst entstehen zu lassen, z.B. durch ein faires und emotional intelligentes Wirtschaftshandeln?

Schneider: „Selbstverständlich sind wir in der Lage und grundsätzlich verpflichtet, unsere eigenen Anlagen zu schützen, dort entstehen keine zusätzlichen Kosten.“

5.3 Ist Ihnen bekannt, dass auch Bayer-Aktionärinnen und –Aktionäre Ziel der SHAC-Kampagne sind, also mit Protestaktionen rechnen müssen, wenn Bayer noch oder wieder Tiere bei Huntingdon Life Sciences quälen lässt?

Welche Schutzmaßnahmen wurden bzw. werden von Bayer gegen die Shac-Kampagne getroffen?

Schneider: „Leider schrecken diese Leute zum Teil auch vor Drohungen und Gewaltanwendung nicht zurück, wie wir schon an einem unserer Standorte in Deutschland erfahren mussten.“

6. Bayer hat noch immer nicht den Missbrauch von Tieren zu Versuchszwecken eingestellt, statt dessen hält Bayer an einer rücksichtslosen Unternehmenspolitik, an systematischer Gewalt gegen Tiere fest.

6.1 An welchen Standorten Bayers werden Tierversuche durchgeführt?

6.2 In welchen einzelnen Bereichen und Abteilungen von Bayer werden Tierversuche durchgeführt?

6.3 An welchen Tieren werden Versuche durchgeführt und welche Versuche?

6.4 An wieviel Tieren jährlich werden Tierversuche durchgeführt?

Schneider: „Sie haben Tierversuche angesprochen, ein Thema, über das es viele emotionale Diskussionen gegeben hat und sicherlich auch noch geben wird. Ich möchte darauf nicht weiter eingehen, um keine weitere emotionale Diskussion auszulösen. Man sollte jedoch nicht alle verurteilen, die Tierversuche durchführen und sich selbst, nur weil man gegen Tierversuche ist, heilig sprechen.“

„Bayer selbst macht nur Tierversuche, die unumgänglich sind und vom Gesetz vorgeschrieben werden.“

„Ich weiß nicht, warum die Zahl der Versuchstiere so interessant ist.
140.000 Tiere wurden im Jahre 2001 in Versuchen verwendet, 90% davon waren übrigens Ratten und Mäuse und vor zehn Jahren war die Zahl noch doppelt so hoch.“

„Die Tierversuche werden auf Bayers eigenem Werksgelände durchgeführt.“

7. Als Grund für die Durchführung von Tierversuche führt die chemische und pharmazeutischen Industrie meist an, dass diese gesetzlich vorgeschrieben und somit für sie zwingen seien.

7.1 Wenn diese Gesetzeslage nicht bestünde, würde Bayer dann an Tierversuchen festhalten?

7.2 Welche Initiativen hat Bayer gestartet, um die Gesetzeslage dahingehend zu ändern, dass Tierversuche nicht mehr vorgeschrieben sind? Zusatzfrage: Wie hat sich Bayer im Zusammenhang mit der Diskussion um die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz verhalten, über die im kommenden Mai im Bundestag abgestimmt wird und die dem Tierschutz bei ihrer Annahme die Chance einräumen würde, bei rechtlichen Abwägungen in Zukunft mit berücksichtigt zu werden?

7.3 Wie sieht das Engagement Bayers im vergangenen Geschäftsjahr bei der Entwicklung und dem Einsatz von in-vitro Methoden und von sog. Alternativmethoden im Allgemeinen aus?

Schneider: „Wir arbeiten natürlich auch an Alternativmethoden und setzen diese überall ein, wo es möglich ist.“

[Rede Rainer Kau] Hauptversammlung 2002

CBG Redaktion

Rede Rainer Kau, ver.di

Sehr geehrte Damen und Herren,

250 Millionen Euro der Dividende, die hier und
heute trotz des Lipobay-Desasters zur Verteilung
anstehen, stammen als Rückzahlung von Körper-
schaftssteuern des Landes NRW direkt aus
öffentlichen Kassen.

Sie werden als Folge der Steuerreform der rot-
grünen Bundesregierung aus den Steuergro-
schen der ArbeitnehmerInnen unseres Landes
und den von kleinen und mittleren Unternehmen,
die übrigens im Gegensatz zu Bayer Arbeits-
plätze schaffen und nicht abbauen, direkt in Ihre
Taschen umverteilt.

Dies ist ein sozialpolitischer Skandal erster Güte
und auch der Grund, warum ich als Gewerk-
schaftssekretär von ver.di im Rheinland und als
PDS-Bundestagskandidat hier die Proteste der
Kritischen Aktionäre unterstütze.

Die politische Verantwortung dafür, dass große Unternehmen immer weniger Ertragssteuern zahlen, liegt unmittelbar bei der Bundesregierung, und es ist ihr Recht, die politisch geschaffenen Steuerschlupflöcher weitestgehend auszunutzen. Zwischen dieser unsozialen Steuerpolitik und der Bayer AG gibt es jedoch eine enge Verbindung in der Person des Finanzstaatssekretärs Zitzelsberger, der vor seinem Eintritt in die Politik die Steuerabteilung von Bayer leitete. Vorstandsvorsitzender Schneider hat selbst Herrn Zitzelsberger als Bayers Beitrag zur Steuerpolitik bezeichnet, und es mag sein, dass sie meine erste Frage an den Vorstandsvorsitzenden als rhetorisch abtun werden.

Herr Schneider, ich möchte sie fragen, ob sie diesen Beitrag zur Steuerpolitik ernsthaft für vereinbar mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Sozialpflichtigkeit des Eigentums halten.

150 Millionen Ertragssteuern bei einem Gewinn von über einer Milliarde Euro hat Bayer im vergangenen Jahr noch gezahlt, fast eine Milliarde Mark weniger als im Vorjahr. Und von einer

effektiven Steuerbelastung von 15 Prozent können die
Beschäftigten, die ich tagtäglich vertretenur träumen, denn
das Lohnsteueraufkommen ist stetig gestiegen, während
die Konzerne von rot-grün restlos aus der sozialen Verant-
wortung entlassen wurden.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass diese Steuer-
entlastungen in den Unternehmen für die Schaffung neuer
Arbeitsplätze verwandt werden. Auch im Namen der
Bundestagsabgeordneten Ulla Lötzer, die sehr bedauert,
ihnen wegen der Sitzungswoche des Bundestages diese
Frage nicht selbst stellen zu können, möchte ich sie fragen, Herr Schneider, ob sie dieses wirtschaftspolitische Kalkül
der Bundesregierung für zutreffend halten, und woran es
aus ihrer Sicht liegt, dass es nicht aufgeht, wie der Anstieg
der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr zeigt. Weiter
möchte ich konkret wissen, wie viele neue Arbeitsplätze die Bayer AG mit den im Geschäftsjahr 2001 gesparten Steuern geschaffen hat,
beziehungsweise wie viele Arbeitsplätze im Konzern abgebaut wurden.

Weitere 45 Millionen Euro ihrer Dividende stammen ganz konkret aus Gewerbesteuerminderein-
nahmen im Haushalt der Stadt Leverkusen. 45 Millionen Euro, nicht einmal 5 % des Konzerngewinns, sind aus Sicht der Bayer AG vielleicht eher Peanuts, für die verschuldete Kommune ganz bestimmt nicht. Die Leverkusener Stadtkasse ist so leer, dass die Stadt, deren Infrastruktur und Dienstleistungs-
angebot nicht zuletzt auch der Bayer AG zu Gute kommt, nicht einmal mehr die für die Teilnahme an Landesprogrammen zur Verbesserung der bekannt desolaten Situation an den Schulen erforderlichen Eigenbeträge aufbringen kann.

Langfristig werden diese heute gesparten 45 Millionen jedoch auch die Bayer AG teuer zu stehen kommen, denn auch Bayer braucht gut qualifizierte Beschäftigte aus der Region. Solche Steuer-
vermeidungspolitik kommt kurzfristig ihren Bankkonten zu Gute, mittelfristig sägen sie, meine Damen und Herren, damit aber an dem Ast auf dem nicht nur sie selber sitzen. Denn ohne eine Kommune, die in Ausbildung und leistungsfähige Infrastruktur investieren kann, hat auch ihr Unternehmen keine Zukunft. Deshalb möchte ich sie abschliessend fragen, auf welche Weise sie künftig zum Erhalt und Ausbau der kommunalen Infrastruktur und des Bildungsangebotes beitragen wollen.

[Aktionsbericht] Hauptversammlung 2002

CBG Redaktion

Acht GegenrednerInnen belasten den Vorstand

BAYER nicht aus dem Schneider

Von Udo Hörster

Die BAYER-Hauptversammlung ist nach Ansicht des Konzern-Chefs Manfred Schneider nicht der Ort dafür, die Gründe für den Tod von über 100 LIPOBAY-PatientInnen zu erörtern. Sie ist für ihn aber sehr wohl der geeignete Ort, um die finanziellen Verluste des Pharma-GAUs bis zur letzten Zahl hinterm Komma zu beziffern und das Bilanz-schädigende Risiko von Schadensersatz-Klagen zu erwägen. Aber die acht auf Einladung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) sprechenden GegenrederInnen funktionierten die AktionärInnen-Versammlung kurzerhand zu einem Ort um, an dem über LIPOBAY und die anderen gesundheitlichen, ökologischen, und sozialen “Kollateralschäden” der zügellosen Profit-Jagd gesprochen werden konnte.

“Ich spreche hier im Namen von Tausenden Opfern, die durch LIPOBAY getötet oder gesundheitlich geschädigt worden sind”. So begann der US-amerikanische Rechtsanwalt Daniel Becnel seine Hauptversammlungsrede. Er bot dem Leverkusener Chemie-Multi an, die rechtlichen schwarzen Wolken zu vertreiben, die durch die 720 anhängigen Klagen den Himmel über der Konzern-Zentrale verdunkeln. “Ist BAYER bereit, unverzüglich Verhandlungen aufzunehmen?”, fragte er. Der Pharma-Riese war nicht dazu bereit. Der Vorstandsvorsitzende Schneider antwortete ihm, dass “BAYER sich den Verfahren zur Wehr setzen” wird. Noch immer lehnt es der Konzern ab, die Verantwortung für die über 100 LIPOBAY-Toten zu übernehmen. Für den BAYER-Boss ist “nach wie vor unklar, ob überhaupt ein Zusammenhang besteht” zwischen dem Cholesterin-Senker und den Todesfällen.
Die fatalen Nebenwirkungen eines anderen BAYER-Medikamentes machte Peter Noquet zum Thema. Der Leverkusener Chemie-Multi wollte für sein Antibiotikum CIPROBAY, nach Operatiionen verabreicht, eine Zulassung auch in der oralen Dareichungsform erhalten. Die Tests an 800 Personen fielen allerdings negativ aus. Weil das Mittel nicht wirkte, starben sogar einige ProbandInnen an Infektionen. BAYER verschwieg dies den Behörden. Der an den Voruntersuchungen beteiligte britische Arzt Dr. Steven Karren hat deshalb unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung eine Klage gegen BAYER eingereicht. Gegenüber der Kölner Staatsanwaltschaft mauert das Unternehmen allerdings munter weiter. Statt der Behörde Unterlagen über die Todesfälle zukommen zu lassen, stellte es ihr lediglich nichtssagende Dokumente zur Verfügung. Eine “Täuschung” nannte das Peter Noquet. Manfred Schneider stritt den Vorwurf natürlich ab - und schwieg weiter. Mit dem Hinweis auf das “schwebende Verfahren” verweigerte er alle Auskünfte.

Sowohl LIPOBAY als auch CIPROBAY wurden in den BAYER-Labors an Ratten getestet, bevor sie am Menschen ihre gesundheitsschädigende Wirkung entfalteten. Das sagt vieles über die Aussagekraft von Tierversuchen. Wissenschaftlich von zweifelhaftem Nutzen und tier-ethisch verwerflich - das veranlasste Melanie Bujok von SHAC (STOP HUNGINGDON ANIMAL CRUALITY zu bohrenden Fragen an die Adresse des Vorstandes. “Würde BAYER noch Tierversuche durchführen, wenn diese nicht länger gesetzlich vorgeschrieben wären?”, “Entwickelt BAYER Alternativ-Methoden?”, “Setzt BAYER sich für eine Verankerung des Tierschutzes in der Verfassung ein?”, wollte sie von den Konzern-Herren wissen. Schneider bekannte sich unverbindlich zu alternativen Test-Verfahren und wurde dann verbindlich beleidigt. Nicht geneigt, minimale moralische Standards im Umgang mit Lebewesen einzuhalten, wies er Bujoks Kritik als anmaßend zurück. Gegner zu Unrecht diffamieren “und sich selbst, weil man gegen Tierversuche ist, heilig (zu) sprechen”, warf der BAYER-Boss der SHAC-Aktivistin vor.

Wieviel Fische die BAYER-Chemikalie CLOPHEN vergiftet hat, interessierte den Vorstandsvorsitzenden an seinem letzten Arbeitstag in dieser Funktion deshalb auch nicht. Wie Tom Erik Ökland von NATURVERN, der norwegischen Sektion von FRIENDS OF THE EARTH, den AktionärInnen darlegte, haben die in Schiffsanstrichen verwendeten Polychlorierten Biphenyle (PCB) von BAYER das ganze Hafenbecken von Oslo verseucht. Auf 26 Mio. Euro beziffert die staatliche Umweltbehörde die Aufwendungen für die Reinigung. Konsequenterweise forderte Ökland den Konzern in seiner Rede auf, sich an den Kosten zu beteiligen und kündigte im Falle einer Verweigerung eine Klage an. Nach allen Erfahrungen dürfte nur eine entsprechende Verurteilung und die damit verbundene Anerkennung des Verursacher-Prinzips das Unternehmen dazu bringen, sich für die ökologischen Folgen seines Handelns zu interessieren.

Für die ökologischen Risiken der Gentechnik zu haften, braucht der Leverkusener Chemie-Multi vorerst nicht zu fürchten. Henry Mathews vom DACHVERBAND DER KRITISCHEN AKTIONÄRE UND AKTIONÄRINNEN entlarvte in seinen Ausführungen am Redner-Pult das BAYER-Argument, die umstrittene Risiko-Technologie würde das Problem des Welthungers lösen, als reine Propaganda-Lüge. “Der Welthunger ist kein Mengen-Problem, sondern ein Verteilungsproblem!”, betonte er. Für die AktivistInnen, die ihre Besorgnis über die Gefahren der Gentechnik am Morgen auf eine etwas unkonventionelle Weise zum Ausdruck gebracht hatten, zeigte Mathews deshalb vollstes Verständnis. Keines hatte er dagegen für das brutale Vorgehen des Sicherheitsdienstes, die einer Gentechnik-KritikerInnen einfach roh den Mund zuhielten und einen anderen Protestler brutal über den Boden aus dem Saal schleiften. “Das hat mit der von Manfred Schneider bekundeten Respektierung Andersdenkender und der Meinungsfreiheit nichts zu tun”, kritisierte der Geschäftsführer der KRITISCHEN AKTIONÄRE. Aber für die reine Herren-Riege des Vorstands ist Gewalt offenbar ein probates Mittel. Frauen haben in dieser Hack-Ordnung dagegen keine Chance, bei BAYER eine Führungsposition zu erlangen, monierte Henry Mathews. “Schauen Sie nur hinter mich aufs Podium, und Sie wissen, wovon ich rede”, forderte er die AktionärInnen auf. In seiner Antwort auf den Beitrag von Henry Mathews sicherte Dr. Schneider zu, den Fragen-Katolog der KRITISCHEN AKTIONÄRE umgehend zu beantworten - die CBG wird nachhaken! Unbeeindruckt zeigte sich der Profit-Profi dagegen von Mathews’ Gentech-Kritik. Obwohl das Thema “Gentechnik” nach Ansicht Schneiders in der Öffentlichkeit noch zu “erheblicher Diskussion mit spektakulären Maßnahmen” führen wird, kündigte er an, unbeirrt an der Risiko-Technologie festhalten zu wollen.

Geld genug für Investitionen in diesem Bereich hat der Konzern jedenfalls. Er zahlte nämlich für 2001 keinen Pfennig Gewerbesteuer und bekam sogar noch Körperschaftssteuer zurückerstattet. Rainer Kau von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wetterte gegen die ganz legalen Steuertricks des Chemie-Multis. Er rechnete vor, dass das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr 1 Mrd. Euro an Abgaben einsparte und nur noch auf eine Steuer-Quote von 15 Prozent kommt - “davon kann ein normal Beschäftigter nur träumen”, so Kau. In dramatischen Worten schilderte der Gewerkschaftler und PDS-Politiker der AktionärInnen-Versammlung die Situation am Konzern-Sitz Leverkusen. Die Stadt ist durch die ausbleibende BAYER-Gewerbesteuer zu arm geworden, um noch Zuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen anfordern zu können, weil die Kommune nicht über den dafür benötigten Eigenmittel-Anteil verfügt. “Wie wird das Unternehmen künftig zu den Kommunal-Finanzen beitragen?”, fragte er Dr. Schneider, der die Antwort wieder einmal schuldig blieb. Sein Nachfolger Werner Wenning sagte immerhin soviel, dass die neue Holding-Struktur den Stadtskassen keine noch negativeren Folgen bescheren wird, was schlechthin auch nicht möglich ist, denn weniger als nichts kann man nicht einnehmen. Trotzdem dürfte die Einschätzung von Investment-BankerInnen, die die Bundesrepublik als Paradies für Holdings betrachten, bei der Entscheidung keine geringe Rolle gespielt haben. Für die Belegschaft hat der Konzern-Umbau schon jetzt negative Folgen, wie Wolfgang Teuber von der DKP darstellte. Die Beschäftigten der neu gegründeten Service-Gesellschaften fallen nämlich aus der Betriebsvereinbarung heraus. In diesem Zusammenhang kritisierte Teuber die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE scharf, die den betreffenden Beschäftigten versichert hatte, die Betriebsvereinbarung würde für sie weiter gelten, um sich deren Zustimmung zur Umstrukturierung zu sichern.

Es war dann am CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes, den Negativ-Katalog seiner VorrednerInnen zu vervollständigen. Er erinnerte noch einmal an die unrühmliche Rolle, die der Konzern nach dem 11. September gespielt hatte, als er in “Kriegsprofitlertum” (VerbraucherInnen-Anwalt Ralph Nader) 1,80 Dollar für eine Tablette des Antibiotikums CIPROBAY herausschlagen wollte. Zudem forderte Mimkes den Konzern auf, endlich der Aufforderung von US-VerbraucherschützerInnen nachzukommen und den CIPROBAY-Wirkstoff nicht länger unter dem Namen BAYTRIL als Antibiotikum für die Massentierhaltung anzubieten, weil sich immer mehr Resistenzen ausbreiten. Für das Pestizid FENTHION, das TierschützerInnen für ein massenhaftes Vogelsterben verantwortlich machen, verlangte der CBG-Geschäftsführer ebenfalls eine Markt-Rücknahme. Als Versuch, sich solche Kritiken künftig vom Hals zu halten, wertete er das gerichtliche Vorgehen gegen die CBG wegen des Beitreiben einer dem Konzern nicht genehmen Web-Page. In Abwandlung des alten Schneider-Wortes, “Politiker kommen und gehen, BAYER bleibt”, gab Mimkes dem Ex-Verstandsvorsitzenden schließlich ein “BAYER-Chefs kommen und gehen, die COORDINATION bleibt” mit auf den Weg in den unverdienten Ruhestand.

[Junge Welt] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Junge Welt, 26.04.2003
Clemens Fobian

BigBrotherAward geht an Bayer

Reale Orwell-Welt: Konzern nötigt Bewerber zu Drogentest per Urinprobe

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre hat es möglich gemacht: Auf seine Einladung hin konnte der Bayer AG während ihrer Hauptversamm-
lung am Freitag ein Preis überreicht werden, den die Konzernspitze eigentlich nicht haben will. Kein Wunder, denn mit dem BigBrotherAward werden alljährlich Unternehmen und Institutionen geehrt, die es mit dem Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten ihrer Mitarbeiter nicht so genau nehmen. Den Preis, dessen Name George Orwells Roman „1984“ über einen fiktiven Überwachungsstaat entnommen wurde („Big Brother is watching you“), gibt es bereits in 14 Ländern. In der Bundesrepublik wird er seit dem Jahr 2000 von dem Bielefelder Verein FoeBuD verliehen. Anders als andere Preisträger war von der Bayer AG niemand zur Preisverleihung am 25. Oktober 2002 erschienen.

Der Konzern hat den Preis bekommen, weil er Bewerber, die im Unternehmen eine Ausbildung machen wollen, zu einem Drogentest zwingt. Dafür müssen die Betroffenen eine Urinprobe abgeben. Formal können sie den Test ablehnen. Aber wer das tut, hat selbstredend schlechte Karten bei der Vergabe der Ausbildungsplätze. Die Betriebs- ärzte dürfen die Testergebnisse der Firmenleitung zwar nicht mitteilen, aber sie ziehen den Vermerk „Bewerber/in geeignet“ oder „nicht geeignet“ nach sich. „Urintests haben vor allem den Effekt, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern und ihnen die Macht des Unternehmens zu demonstrieren“, sagt Rena Tangens von der Brother-Award-Jury. Bei allen „Nebenwirkungen“ seien die Urintests zudem fachlich „ausgesprochen unzuverlässig“. Nach Alkohol, auf dessen Genuß jeder dritte bis vierte Arbeitsunfall zurückgehe, werde bei Bayer nicht gefragt. Bezeichnenderweise werden Drogenscreenings vor allem bei den unteren Lohnklassen durchgeführt. Ingenieuren, Programmierern und Managern wird diese Prozedur nicht zugemutet.

Mit der Preisvergabe fordert die Jury, daß Bayer die Drogenscreenings wieder abschafft. Oder man frage ersatzweise, „wann ein Test auf Alkohol und andere Drogen vor allen wichtigen Entscheidungen auch für die Geschäftsleitung der Bayer AG eingeführt wird“.

[Artikel taz] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Die echte Gefahr lauert im Schlick

Nach dem Lipobay-Skandal droht der Bayer AG schon der nächste Rechtsstreit: Norwegens Hauptstadt fordert den Chemiekonzern zu Schadenersatz auf. Das Hormongift PCB, das den Hafenschlick schwer verseucht, stamme von Bayer

aus Oslo REINHARD WOLFF

Alte PCB-Sünden könnten demnächst auf die Bayer AG zurückschlagen. Die Stadt Oslo bereitet eine Schadenersatzklage gegen den Leverkusener Chemiekonzern sowie seine belgischen und japanischen Konkurrenten Solutia und Kanegafuchi Chemicals vor. Wie weite Teile des Oslo-Fjords und andere Küstenstriche Norwegens ist das Hafenbecken der norwegischen Hauptstadt stark mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet. PCB kann Krebs erregen, die Immunabwehr herabsetzen, das Nervensystem schädigen und die Fruchtbarkeit stören.

Das PCB im Osloer Hafenbecken ist zum Teil eine Hinterlassenschaft der eigenen Industrie, zum Teil haben Meeresströmungen PCB-haltigen Schlick abgelagert. Mit neuen Analysemethoden ist es aber gelungen, spezifische PCB-Verunreinigungen konkret auf Verursacher - und auf den Hersteller - zurückzuführen. Auf diese Weise konnte nachgewiesen werden, dass erhebliche Teile der PCB-Verseuchung von Schiffsfarben stammen, in denen von Bayer produziertes PCB verwendet worden war.

780.000 Kubikmeter gifthaltiger Schlamm liegen nach einer Schätzung der norwegischen Naturschutzbehörde im Hafengebiet von Oslo. Die meterdicke Giftmixtur enthält neben PCB Quecksilber, Kadmium und Blei. PCB gilt als besonders gefährlich, weil es von Meerestieren aufgenommen wird und über die Nahrungskette wieder im menschlichen Körper landet. In Norwegen gilt PCB als eines der vordringlichsten Umweltprobleme.

Produziert wurde PCB seit den 20er-Jahren, Ende der 60er-Jahre wurden die schädlichen Folgen immer deutlicher. 1972 verbot Schweden als erstes Land Produktion wie Import. Norwegen zog 1980 nach. PCB- haltige Schiffsfarben waren jedoch nicht verboten - zum Teil sind noch jetzt Schiffe mit diesen Anstrichen unterwegs. Deswegen lehnt der japanische Konzern Kanegafuchi Chemicals alle norwegischen Schadenersatzansprüche ab. Bayer hat immerhin eine „Prüfung“ versprochen, Solutia sich bislang nicht geäußert.

In Oslo ist man der Auffassung, dass es nicht auf einen Verstoß gegen geltendes Recht ankommt. Das norwegische Schadenersatzrecht räumt der Produzentenhaftung eine starke Stellung ein. Das will die Stadt Oslo nutzen und fordert, dass die Chemiefirmen nun die Hälfte der Schlick- sanierung übernehmen - die Eigentümer der betreffenden Schiffe dürften kaum nachträglich nachzuweisen, geschweige denn verantwortlich zu machen sein.

Wie viel Geld das tatsächlich bedeutet, ist noch unklar. Eine grund-
legende Sanierung auch nur des Osloer Fjordgebiets könnte mehrere Milliarden Euro kosten. Zurzeit wird in Etappen saniert, und vermutlich wird die Stadt den Rechtsweg anhand einer Forderung für solch eine Teilsanierung - konkret 10 bis 20 Millionen Euro - „testen“. Sollte der Versuch erfolgreich sein, könnte dies allerdings eine Lawine von Folgeprozessen lostreten. Und das vermutlich nicht nur in Norwegen.

taz Nr. 7039 vom 26.4.2003, Seite 9, 101 Zeilen (TAZ-Bericht), REINHARD WOLFF