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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

[Tierversuchsgegner] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Rainer Gaertner - Vorsitzender Tierversuchsgegner BRD e.V.

Ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen der Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland e.V.

Bevor ich zu den eigentlichen Themen komme, erlauben Sie mir bitte eine Vorbemerkung: In den Vorjahren ist unliebsamen Rednern schon öfter das Mikrophon abgedreht worden, wenn es um unangenehme Sachverhalte ging. Das hat nichts mit Demokratie, sondern nur etwas mit Macht zu tun. Ich hoffe, dass sich bei dieser Hauptversammlung auch kritische Aktionäre im Sinne der Meinungsfreiheit ungehindert äußern dürfen!

Im Vorwort zum Geschäftsbericht schreibt der Vorstands-vorsitzende Werner Wenning „2002 war für BAYER ein Jahr des Übergangs und des Umbruchs!“ Ich füge hinzu: Hoffentlich wird 2003 nicht das Jahr des Niedergangs und des Abbruchs! Der signifikante Kursverfall der BAYER-Aktie in den Monaten Januar bis März d.J. von über 50 % zeugt von einer miserablen Firmenpolitik. Mit dieser schlechten Performance bildet BAYER inzwischen in der charttechnischen Gesamtbewertung das Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (DAX). Verantwortlich sind die Konzernstrategen - allen voran Werner Wenning. Insbesondere durch die riskante und aggressive Vermarktung des Cholesterinsenkers LIPOBAY bzw. BAYCOL auf dem amerikanischen Markt haben Sie nicht nur das Vermögen der Aktionäre aufs Spiel gesetzt, sondern auch das Leben unzähliger Menschen gefährdet. „Patientensicherheit steht bei uns an erster Stelle!“ haben Sie noch vor kurzem auf der Bilanzpressekonferenz lauthals verkündet. Angesichts der über hundert Todesopfer in den USA aufgrund der Einnahme Ihres Lipidsenkers ist eine solche Äußerung pure Heuchelei! Aufgrund der Erhöhung der Dosierung von 0,4 auf 0,8 mg kam es unter LIPOBAY zur Rhabdomyolyse, das bedeutet Muskelfaserzerfall, der sich dramatisch entwickelt bis hin zum Exitus.

Im Vorfeld wurden tausende und abertausende Tiere, vornehmlich Hunde und Katzen, mit wahnwitzig hohen Dosen des Wirkstoffes erbärmlich zu Tode gequält... bis zum vollständigen Zerfall der gesamten Herz- und Körper-muskulatur. Doch nun werden BAYER genau diese Tierversuche, die dazu dienen sollen, die Nützlichkeit und Gefahrlosigkeit ihrer Produkte vorzutäuschen, juristisch zum Verhängnis. Denn die FDA beruft sich nun auf die Experimente, die BAYER selbst durchgeführt hat. Die Protokolle dieser Labor-Quälereien hätten gezeigt, wie gefährlich eine höhere Dosierung sein kann. Doch immer dann, wenn Tierversuche sich nicht zum Vorteil des Konzerns interpretieren lassen, werden sie einfach ignoriert.

Genauso ignoriert wird die Tatsache, dass die meisten menschlichen Krankheiten in der Tierwelt gar nicht vorkommen, daher müssen deren Symptome im Experiment künstlich hervorgerufen werden. Tiere haben von Natur keinen erhöhten Cholesterinspiegel, bekommen keinen Herzinfarkt und auch keinen Diabetes. Aufgrund der gravierenden organischen, anatomischen und physiologischen Unterschiede lassen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf die menschliche Krankheitssituation übertragen. Was Tiere vertragen, kann dem Menschen schaden und umgekehrt. Wegen der irrelevanten und irreführenden Tierversuche müssen daher immer wieder Medikamente aus dem Handel gezogen werden, die erhebliche und zum Teil tödliche Nebenwirkungen verursachen - wie z.B. das Diuretikum EDRUL von BAYER, das bei vielen Patienten Nierenversagen hervorgerufen hat. Um das zu begreifen, muss man kein Fachidiot sein, sondern braucht nur einen gesunden Menschenverstand.

Überall in der Wirtschaft und Wissenschaft finden Umdenkungsprozesse statt, nur in den Versuchslabors der Pharma-Industrie grassiert nach wie vor die Dummheit. Ich frage Sie, Herr Wenning, meinen Sie nicht, dass es Zeit ist für echte Innovationen, dass es Zeit ist, die Produktion von symptomunterdrückenden Arzneimitteln aufzugeben und damit endlich den Weg freizumachen für ursachen- und patientenbezogene Forschungs- und Behandlungsmethoden?

Doch nicht genug damit, dass sich BAYER zur Zeit 8.400 Produkt-
haftungsklagen in den USA zu stellen hat, von denen bisher lediglich 500 außergerichtlich verglichen werden konnten, wirft der Konzern schon wieder ein risikoreiches Präparat auf den Markt: Um dem Potenzmittel VIAGRA nachzueifern, entwickelte BAYER ein sog. Lifestyle-Mittel mit dem klangvollen Namen LEVITRA und verspricht „Hilfe bei erektiler Dysfunktion“. Dabei wird eine mangelnde Erektion des Mannes zur Krankheit hochstilisiert. Die Rede ist auch von Potenzstörungen bei Patienten mit neurogenen Schäden wie z.B. spinalen Läsionen, also Rückenmarksverletzungen, und sogar von Parkinson-Kranken, denen geholfen werden soll. Bewusst übersehen wird jedoch, dass es sich hierbei um Patienten handelt, die froh sind, dass sie überhaupt noch leben.

Das ist schon alles sehr makaber und dokumentiert in erschreckender Weise die Scheinheiligkeit, die hinter einer solchen Vermarktungs-
strategie steht. Mit dem Slogan „Amor trifft wieder“ wird suggeriert, Sex hänge nur von einem perfekt funktionierenden Geschlechtsorgan des Mannes ab. Anzustreben sei die grenzenlose Verfügungsgewalt über die Libido - unabhängig von Alter, Krankheit, psychischen Problemen, dem Befinden der Partnerin oder etwaigem Beziehungsstress. BAYER leugnet in seiner verschleiernden Werbung das Zusammenspiel von Seele und Körper bei sexuellen Problemen. Aber Psychotherapien will man ja schließlich auch nicht verkaufen. Organisch kranke Menschen werden als Alibi vorgeschoben, doch in Wahrheit ist der Kundenstamm für das Potenzmittel in Swinger-Clubs, Bordellen, Fitness-Studios und Diskotheken zu finden. Der Kölner Stadt-Anzeiger bezeichnete vor kurzem LEVITRA als „echte Party-Droge“. In der Werbung heißt es: „Amors Trefferquote - wirkt bei bis zu 92 % der Patienten. Bei guter Verträglichkeit!“. Verschwiegen oder bagatellisiert werden wie immer die Nebenwirkungen - wie starke Kopfschmerzen, Hautrötungen, Verdauungsstörungen, Muskelschmerzen, Anschwellen der Nasenschleimhäute... Entscheidender ist die Umsatzerwartung für 2003 von 100 bis 150 Mio. Euro!

Verheimlicht wird dabei auch, dass durch das Konkurrenzprodukt VIAGRA bisher über tausend Menschen ums Leben gekommen sind - vorwiegend Patienten, die aufgrund von Arteriosklerose Nitroglyzerin-
haltige Herzmittel einnehmen. Ein Phosphodiesterase-Hemmer wie VIAGRA oder LEVITRA führt zur Ausdehnung der Blutgefäße und vermindert dabei den Blutdruck. Hier potenziert sich der blutdruck- senkende Effekt beider Präparate, da sie denselben Wirkmechanismus besitzen. Die Gefahr der Wechselwirkung mit anderen Pharmaka, insbesondere Koronarmitteln und Antihypertensiva, bleibt unkalkulierbar!

Und wiederum waren es zig tausende Tierversuche, die zur Entwicklung und Prüfung vorher durchgeführt wurden, ohne damit auch nur im geringsten die erheblichen Gesundheitsrisiken reduzieren zu können. Diese Versuche sind genauso zweifelhaft wie das Potenzmittel selbst! Es erhebt sich natürlich auch die Frage, auf welche Weise die Versuche gemacht wurden. Herr Wenning, erklären Sie uns doch mal, wie so etwas funktioniert! Sind es die Biologisch-Technische Assistentinnen, die mit flinken Händen ihren Sexualdienst am Hundepenis verrichten... bis zur Ejakulation? Allein schon bei dieser Vorstellung müsste sich jeder einigermaßen normal veranlagte Mensch mit Abscheu abwenden. Und wie gestalten sich die Versuche bei männlichen Ratten und Mäusen, Herr Wenning? So spitz können die Fingernägel der Laborantinnen doch gar nicht sein?! Nach den Sodomie-Versuchen folgen dann allerdings die toxikologischen Experimente. Im Endeffekt überlebt kein einziges Tier die Versuchsanordnungen - getötet werden sie letztendlich alle.

Ich frage den Vorstandsvorsitzenden Wenning:

1. Wie viele tote Patienten hat BAYER bei der Verbreitung von LEVITRA einkalkuliert?

2. Ist BAYER bereit, auf die Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten mit erhöhtem Gefährdungspotential in Zukunft zu verzichten?

3. Wie viele Versuchstiere hat BAYER im vergangenen Jahr verschlissen?

4. Beabsichtigt BAYER, Tierversuche auch weiterhin im selben Stil und Umfang durchzuführen wie bisher?

Ich bitte Sie, die gestellten Fragen konkret zu beantworten, und nicht wie in den Vorjahren, durch unpräzise Gesamtantworten alles zu verwässern!

In Anbetracht der zu risikoreichen Unternehmensführung im Hinblick auf die Entwicklung und Vermarktung gesundheits-gefährdender Arzneimittel unter Missachtung von Tier- und Menschenleben möchte ich hiermit alle Aktionäre auffordern, im eigenen Interesse, den Vorstand und den Aufsichtsrat heute nicht zu entlasten!

Ich danke Ihnen!

[Rede Axel K.-Schn.] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren, guten Tag,

mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Da ich heute mehrfach persönlich angesprochen wurde nur eine kurze Antwort: Dem Herr Betriebsrat aus Wuppertal empfehle ich, aus der Gewerkschaft in den Unternehmer-
verband zu wechseln, dann würde wenigstens das Etikett stimmen. Allerdings wäre auch dann das Gesetz für BAYER geltend und die Einleitungen müssten offengelegt werden. Weder Sie noch BAYER können Gesetze brechen. Und wenn BAYER das dennoch tut, dann ist es keine Agitation und Propaganda, sondern eine wichtige Information für die AktionärInnen, die BAYER-Belegschaften und auch die allgemeine Öffentlichkeit, wenn wir dies publizieren und kritisieren.

Ich stehe hier nicht zum ersten, sondern bereits zum 20. Male. Ich betone dieses Faktum deshalb, weil ich es als wirklich schockierend empfinde, miterleben zu müssen, wie, in welcher uneinsichtigen Art und Weise hier im Saal in den letzten 20 Jahren Fachleute, WissenschaftlerInnen, Betroffene, ja selbst Geschädigte und Opfer mißachtet werden. In nicht einem einzigen Fall war in den letzten 20 Jahren die Konzernleitung bereit, irgendeine Schuld anzuerkennen, eine Entschuldigung abzugeben oder auch nur ein klein wenig Einsicht zu zeigen. Egal, ob die Vorstandsvorsitzenden Grünewald, Strenger oder Schneider hießen, stets wurde behauptet, die Fakten und Darlegungen der KritikerInnen seien „haltlos“, hätten „keinerlei Grundlage“ etc.

Und leider musste ich heute feststellen, dass auch Herr Wenning dieser Linie folgt. In seinen Gegenreden zu unseren Kritiken betonten Sie zwar ununterbrochen das angeblich so hohe Verantwortungsbewußtsein des Konzerns, wiesen aber dennoch alle vorgebrachten Fakten als „Behauptungen“, „wissenschaftlich unhaltbar“ etc. zurück. Egal ob es um die Gefährdung von Millionen Menschen durch das hochgefährliche Phosgen in Krefeld-Uerdingen oder die getöteten Kinder in Peru oder die Klagen der norwegischen Regierung geht. Im Uerdingen, so meinten Sie, bestehen „gute Kontakte zu Politikern, die die hohen Sicherheits-
standards immer wieder loben“, im Falle der getöteten Kinder ist angeblich gar kein BAYER-Stoff beteiligt und im Fall von Norwegen ist die Nachweismethode wissenschaftlich nicht haltbar. Dabei polemisierten Sie - Gesetzesbrüche bleiben Gesetzesbrüche, auch wenn Sie etwas anders sehen - und blieben konkrete Antworten auf die konkreten Fragen schuldig.

Herr Wenning, so einfach geht es nicht. BAYER ist nicht nur eine Wirtschaftseinheit, sondern ein nicht unwesentlicher Teil des sozialen und ökologischen Gefüges. Deshalb spielt das Wirken des Konzerns in Ökologie und Gesellschaft eine Rolle - ob Ihnen das passt oder nicht. Und deshalb wird die Diskussion um gesellschaftliche Schuld und Verantwortung des Konzerns, um das Verhältnisses von Konzernprofit und gesellschaftlichen Schäden nicht abreißen.

Zumal sich auch immer wieder heraus stellt, dass unsere Vorwürfe eben doch zutreffen. Um nur einige wenige Beispiele dafür herauszugreifen, frage ich jetzt einfach mal:

War unsere Kritik hinsichtlich der BAYER-Holzgifte XYLAMON/XYLADECOR, mit dem Tausende von Menschen alleine in Deutschland vergiftet und hochgradig gesundheitlich geschädigt wurden, haltlos?

War unsere Kritik im Hinblick auf die Vernichtung Zehntausender Arbeitsplätze, auf die unglaubliche Erhöhung der Ausbeutungsrate, gemeinhin Produktivität genannt, auf den rasanten Abbau der sozialen Sicherheit unbegründet?

Ist unsere Kritik unbegründet, dass die Profite des Konzerns werden auf dem Rücken der Beschäftigten gemacht, ja aus ihnen herausgepresst werden?

Entbehrten unsere Vorwürfe hinsichtlich der Aidsverseuchten Bluter-Medikamente tatsächlich jeder Grundlage? Immerhin hat der Konzern bis dato mindestens eine Milliarde Euro an Entschädigungen bezahlen müssen.

War unsere Kritik hinsichtlich der Verwicklung des Konzerns in die Produktion chemischer Kampfstoffe unbegründet? In den 80er Jahren schrammte der Konzern nur mit großem Glück an Entschädigungsleistungen für AGENT ORANGE-geschädigte US-Soldaten vorbei und derzeit wird bereits wieder erwogen, Klagen gegen den Konzern zu erheben wegen der Lieferung des berüchtigten AGENT ORANGE Kampfstoffes an das südafrikanische Apartheidsregime.

Und LIPOBAY? Alles „haltlos“, „unbegründet“, „ohne jede Grundlage“? Die Toten und Geschädigten sprechen eine andere Sprache. Da hilft es übrigens auch nichts, wenn Herr Steinharter als Schoßhund der Konzernleitung in diesem Zusammenhang die Medien als „unseriös“ und die klagenden Juristen als „Anwaltsmafia“ abzuwerten versucht.
Und noch etwas - Sie haben zu Peru bereits zweimal gesprochen. Ihr Tremelo war zwar sehr eindrucksvoll, aber in der Sache zynisch. Unabhängig vom fehlenden Wahrheitsgehalt Ihrer Aussagen, ist die Sache doch die: Weshalb nimmt BAYER nicht in seiner nach Ihren Worten grenzenlosen Verantwortung endlich die Klasse-I-Stoffe vom Markt wie das seit Jahrzehnten von WHO und zahllosen anderen gefordert wird? Ihre Unglauwürdigkeit wird daran deutlich, dass der Konzern selbst in einer schwachen Stunde versprochen hat, sich von den hochgiftigen Klasse-I-Stoffen bis Ende 2000 zu trennen. Und nun? Inzwischen will BAYER nichts mehr von diesem Versprechen wissen.

Meine Damen und Herren, unsere Kritik ist keineswegs unbegründet, sondern im Gegenteil es wird immer wieder erschreckend deutlich, dass BAYER für seine Profite Menschenrechte, ökologische Prinzipien und auch die menschliche Gesundheit bis hin zum Tod schädigt.

Besonders pikant dabei wird es, wenn die Vorstände das Argument in den Mund nehmen, sie hielten sich streng an Recht und Gesetz. Wie, so frage ich, kann es denn dann kommen, dass Staatsanwaltschaften immer wieder Haussuchungen durchführen, dass ständig Ermittlungsverfahren anhängig sind, dass der Konzern mit einer Regelmäßigkeit, nach der man die Uhr stellen kann, zu Strafen in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar und Euro verurteilt wird? Gerade in den letzten Tagen wieder in den USA. Da fällt doch dem Unbedarftesten auf, dass hier das Gerede von Recht und Gesetz, an das man sich halte, leeres Wort ist.

Doch meine Damen und Herren, zum Glück habe ich in den zurück-
liegenden Jahren auch immer wieder Aktionäre und Aktionärinnen erlebt, deren Gewissen sich regte, die unser Engagement würdigen, die uns unterstützen oder gar ihre BAYER-Aktien verkaufen. Diesen Aktionären und Aktionärinnen gebührt unser aller Dank, denn Sie sind das Gewissen des Konzerns. Ich kann jeden hier im Saal nur auffordern, es ihnen gleich zu tun. Grund gibt es angesichts der auch heute wieder vorgetragenen Fakten und Fälle mehr als genug! Falls Sie uns suchen, um Ihre Stimmrechte zu übertragen, wir sitzen hier vorne.

Bevor ich nun zu unseren Gegenanträgen komme, noch eine Nachfrage:

Herr Wenning, habe ich richtig gehört, 150.000 Tierversuche? Auf was bezieht sich diese Angabe? Sollte sich diese Zahl auf die AG beziehen, so bitte ich um die Zahl für den Konzern.

Zu unseren Gegenanträgen: Wie Sie alle - außer vielleicht Herr Kratz - gemerkt haben, werden diese nicht mehr publiziert, sie sind nur noch im Internet nachzulesen. Auch die Stellungnahme gibt es nur noch auf der Internetseite des BAYER-Konzerns. Keinesfalls ist die Internetpublikation gleichwertig mit der bisherigen Methode der Veröffentlichung. Die Gegenanträge erreichen nur noch einen Bruchteil der Aktionärinnen und Aktionäre. Damit stellt die Internetmethode eine Beschneidung der Informationsrechte der Aktionäre und Aktionärinnen dar, die durchaus Zensur genannt werden darf.

Im übrigen möchte ich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie BAYER es mit der Mündigkeit der Aktionäre und Aktionärinnen hält, wenn Sie den BesucherInnen dieser HV die Flugschriften, die sie vor dem Saal entgegengenommen haben, am Eingang wieder abgenommen haben und es erst massiven Protestes bedurfte, um diese unglaubliche Maßnahme zu stoppen?

Doch zurück zu unseren Gegenanträgen: Meine Damen und Herren, Sie haben mittlerweile von vielen Rednerinnen und Rednern Informationen bekommen, die zeigen, daß unsere Gegenanträge sehr wohl begründet sind. Zunächst zu zum Gewinn:

Ich beantrage die Kürzung der Dividende auf 0,10 Euro je Aktie. Die frei werdenden Gewinn-Milliarden sollen stattdessen verwendet werden

für die Zahlung von Wiedergutmachungen an die Opfer der Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses bzw. deren Angehörigen.

für den Erhalt und die Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;

für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch, Tier und Umwelt eingetreten sind;

für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards.
Es sei wie stets angemerkt, daß wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Entschädigungs- und Ökologie-Dividende beantragen würden, wäre dies für uns Aktionäre überhaupt möglich.

Weiterhin stellen wir den Antrag, den Vorstand nicht zu entlasten.

Ebenso stellen wir den Antrag, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten.

Wir begründen diese Nicht-Entlastungen damit, dass Vorstand und Aufsichtsrat seiner Verantwortung im dargelegten Sinne nicht gerecht wurde.

Ich stelle alle meine Anträge auch im Namen aller von uns vertretenen 143 AktionärInnen.

Meine Damen und Herren, bitte stimmen Sie mit uns bei den Abstimmungen im Interesse der Rechte der Kleinaktionäre und der Öffentlichkeit. Stimmen Sie grundsätzlich bei allen Anträgen mit „NEIN“.

Meine Damen und Herren, als Kleinaktionäre und Kleinaktionärinnen sind Sie weder Konzernprofiten noch Bankbilanzen verpflichtet. Sie sind in Ihrer Entscheidung frei. Stimmen Sie deshalb im Interesse von Aktionärsdemokratie, Ökologie und sozialen Rechten mit „Nein“. Die vielen Hunderttausend KleinaktionärInnen des Konzerns repräsentieren nur wenige Prozente des Kapitals, 90 und mehr Prozent werden von wenigen GroßaktionärInnen gehalten bzw. von Fonds und Banken vertreten. Aber stimmen Sie dennoch mit NEIN. Sie können mit Ihrem NEIN dem Vorstand zeigen, dass Sie ein Gewissen haben. Tun Sie es einfach.

Und noch eine Bitte: Sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so treten Sie mit uns in Kontakt. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links. Dort können Sie uns auch Ihre Stimmrechte übertragen, sollten Sie vorzeitig die Hauptversammlung verlassen.

Vielen Dank.

[BigBrother Award] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

BigBrotherAward für die Bayer AG auf der Aktionärshauptversammlung

Pinkelprobe für Auszubildende bringt Datenschutz-Negativpreis

Im Oktober 2002 wurde der Bayer AG der deutsche BigBrotherAward der Kategorie „Arbeitswelt“ zuerkannt für die demütigende Praxis, Auszubildende vor der Einstellung einem sogenannten „Drogenscreening“ zu unterziehen. Diese Urintests sind nicht nur fehleranfällig und unzweckmäßig, sondern auch entwürdigend und ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Mit den BigBrotherAwards werden jedes Jahr die Firmen, Organisationen und Personen „ausgezeichnet“, die in besonderer Weise die Privatsphäre von Menschen verletzen. BigBrotherAwards gibt es bereits in 14 Ländern; sie wurden ins Leben gerufen, um die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zu fördern.

Die Bayer AG hat es - anders als andere BigBrotherAward-Kandidaten -nicht für nötig gehalten, zur Preisverleihung zu erscheinen und sich der Diskussion zu stellen. Auf Einladung der Kritischen Aktionäre wird der Geschäftsleitung von Bayer der BigBrotherAward nun am Freitag, 25.4.2003 auf der diesjährigen Aktionärsversammlung in Köln überreicht.

Begründung der Jury:

Die Bayer AG zwingt Bewerberinnen und Bewerber, die im Unternehmen eine Ausbildung machen wollen, zu einem Drogentest. Dafür müssen die Betroffenen eine Urin-Probe abgeben. Formal haben sie die Wahl und könnten den Drogentest auch ablehnen - faktisch kann hier von „freiwilliger Zustimmung“ keine Rede sein. Denn allen Beteiligten ist klar: wer den Drogentest verweigert, hat schlechte Karten bei der Vergabe der Ausbildungsplätze.

Die Schweigepflicht der - wohlgemerkt - „Werks- oder Betriebsärzte“ ist zwar offiziell gewährleistet, denn die Details der Test-Ergebnisse dürfen der Firmenleitung nicht mitgeteilt werden. Stattdessen gibt es den Vermerk „Bewerber/in geeignet“ oder „nicht geeignet“. Ein Etikett mit weitreichenden Folgen auf wackeliger Grundlage.

Als Begründung für die Drogentests wird die Arbeits-Sicherheit angeführt - auch wenn es bislang noch keine Studien über die Folgen von illegalem Drogenkonsum am Arbeitsplatz gibt. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. geht jeder dritte bis vierte Arbeitsunfall auf die legale Droge „Alkohol“ zurück - Alkohol wird aber bei diesen Tests gar nicht geprüft.

Fest steht: Die Urintests dienen der Selektion der Auszubildenden im Vorfeld. Damit zeugen die Tests von einem grundsätzlichen Mißtrauen einer Unternehmensleitung gegenüber den potentiellen Mitarbeitern. Generalverdacht für alle, statt Unschuldsvermutung, wie sie in unserem Rechtsstaat eigentlich üblich ist. Und: Kontrolle statt Beratung.

Urintests sind entwürdigend. In Gegenwart eines möglichen zukünftigen Kollegen eine Pinkelprobe abgeben zu müssen, ist eine Demütigung. Mit einem solchen Drogentest muß man auch sein Privatleben und seine Freizeitgewohnheiten dem Konzern gegenüber offenlegen - und das im immer häufiger schon im Vorfeld, noch bevor man bei einem Unternehmen in Lohn und Brot steht.

„Du wirst keine Geheimnisse vor uns haben“

So haben Urintests vor allem den Effekt, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern und ihnen die Macht des Unternehmens zu demonstrieren, indem sie sprichwörtlich am eigenen Leibe erfahren, dass Menschenwürde und Privatsphäre hinter den Fabriktüren nur noch eingeschränkt Gültigkeit haben. Barbara Ehrenreich schreibt in ihrem Buch „Arbeit poor“, für das sie im Selbstversuch Erfahrungen mit Einstellungstests bei us-amerikanischen Billig-Jobs gesammelt hat: „Ich bin mir sicher, dass der eigentliche Sinn dieser Tests darin besteht, nicht etwa dem Arbeitgeber, sondern dem potentiellen Angestellten bestimmte Informationen zu übermitteln. Und die wichtigste Information lautet stets: Du wirst keine Geheimnisse vor uns haben.“

Bei all diesen „Nebenwirkungen“ sind die Urintests zudem fachlich auch noch ausgesprochen unzuverlässig. Die Fehlerquellen sind vielfältig: Genuß von Mohnkuchen z.B. kann tatsächlich zu einem positivem Opiatergebnis führen. Passivraucher oder Müsli-Esser können sich plötzlich und unerwartet mit einem positiven Cannabis-Wert konfrontiert sehen. Grenzwerte, wieviel einer Substanz im Urin gefunden werden darf, sind unklar.

Und die Nachweiszeiten der verschiedenen Substanzen sind äußerst unterschiedlich: Gefährliche Drogen wie Kokain, Extasy, Alkohol und Amphetamin sind nur 1 bis 4 Tage nachweisbar, während Marihuana, das vergleichsweise harmlos und mittlerweile gesellschaftlich weithin akzeptiert ist, mehrere Wochen lang im Urin zu finden ist. Das bedeutet: Im Urin sind die Stoffe auch dann noch nachweisbar, wenn der Rausch längst verflogen und die betreffende Person voll arbeitsfähig ist.

Die Bayer AG ist exemplarisch nominiert - Drogentests werden in den letzten Jahren bei immer mehr Unternehmen in Deutschland zur gängigen Praxis bei der Bewerberauswahl, insbesondere bei der chemischen Industrie. In den USA führen inzwischen über 80 % der umsatzstärksten Unternehmen „drogenscreenings“ durch. Entsprechend blüht in den USA der Markt mit Medikamenten zum Ausschwemmen der nachweisbaren Substanzen. Sogar Proben von garantiert drogenfreiem Fremd?Urin
(à 69 Dollar) kann man dort erwerben. Die Arbeitsicherheit ist durch diese Tests übrigens nicht nachweisbar verbessert worden. Sie dienen vielmehr der Gängelung der Arbeitnehmerinnen. Bezeichnenderweise werden Drogenscreenings vor allem bei den unteren Lohnklassen durchgeführt - Ingenieuren, Programmiererinnen und Managern wird diese Prozedur nicht zugemutet.

Bürgerrechte werden nicht beim Pförtner abgeben

Ganz nebenbei sind dem Mißbrauch der Tests im Unternehmen Tür und Tor geöffnet: Nicht zuletzt kann der für einen Drogentest abgegebene Urin
einer Bewerberin auch auf eine etwa bestehende Schwangerschaft geprüft werden. Das ist illegal. Aber wer überprüft, ob das Verbot auch eingehalten wird? Und wer weiß, wie lange das Verbot noch gilt? Es steht zu befürchten, dass auch genetische Tests für Bewerber bald hoffähig werden, wenn Urintests stillschweigend akzeptiert werden.

Weder ein Mehrheitsbeschluß des Betriebsrates noch die erzwungene Zustimmung der Betroffenen können dieses Vorgehen der Bayer AG rechtfertigen, wo Arbeitnehmer/innen Menschenwürde und Bürgerrechte an der Pförtnerloge abgeben müssen, wenn sie die Firma betreten.

| Wir fordern, dass die Bayer AG die Drogenscreenings für
| Auszubildende wieder abschafft.

Oder wir fragen ersatzweise, wann ein Test auf Alkohol und andere Drogen vor allen wichtigen Entscheidungen auch für die Geschäftsleitung der Bayer AG eingeführt wird ;-)

[20 Jahre] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

25. April 2003

20 Jahre Kritische Aktionäre auf BAYER-Hauptversammlung

Die BAYER-Hauptversammlung in Köln steht seit 20 Jahren im Zeichen massiver Kritik. Auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kommen Jahr für Jahr Menschen aus aller Welt nach Köln, um über Ausbeutung, Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen, Gesundheitsschäden und andere Vergehen und Verbrechen des Konzerns zu berichten.

Aktuelle Beispiele der Kritik sind die tödlichen Pestizid-Vergiftungen von 24 Schulkindern in Peru, die für Pharma-Profite in Kauf genommenen LIPOBAY-Todesfälle, die wiederholten Verurteilungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro wegen illegaler Preisabsprachen, die rücksichtslose Vernichtung von Arbeitsplätzen, das weltweite Sterben von Bienenvölker durch das BAYER-Pestzid GAUCHO und die rücksichtslos vorangetriebene Gentechnik.

Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der CBG, auf der Hauptver-
sammlung an den BAYER-Vorstandsvorsitzenden Wenning: „Auch im Geschäftsjahr 2002 hat der Konzern im Interesse seiner Profite erheb-
liche kriminelle Energie und Rücksichtslosigkeit bewiesen. Bestes Beispiel sind die erneuten Verurteilungen wegen illegaler Preisab- sprachen und die zynische Ablehnung von Wiedergutmachungszahlungen an die Angehörigen der 24 durch BAYER-Pestizide ums Leben gekommenen peruanischen Kinder.“

Das internationale Netzwerk der Coordination gegen BAYER-Gefahren feiert dieses Jahr seinen 20ten HV-Besuch - einmalig in der Geschichte multinationaler Konzerne. Seit 20 Jahren ist Schluss mit der auf HVs üblichen einvernehmlichen Aufteilung der Profite unter den AktionärInnen. Seit 20 Jahren werden Eigner und Manager mit der Kehrseite der Gewinnmilliarden konfrontiert. Und so stellt Philipp Mimkes, CBG- Geschäftsführer, gelassen fest: „BAYER-Vorstände kommen und gehen - die CBG bleibt.“

Eine besondere Überraschung auf der Jubiläums-HV: erstmals werden nicht nur die ca. 300 AktionärInnen, die die CBG mit mehreren Tausend Aktien unterstützen und der Dachverband der Kritischen AktionärInnen mit NEIN stimmen, sondern auch die Schutzgemeinschaft der KleinaktionärInnen wird dem Management die Gefolgschaft verweigern. Der Widerstand kommt neuerdings auch aus dem eigenen Lager.

[Rede Gomero] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

Rede von Luis Gomero Osorio auf der BAYER-Hauptversammlung am 25.04.2003 in Köln

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Luis Gomero. Ich bin Vorsitzender des internationalen Pestizid Aktions-Netzwerks PAN in den Andenstaaten. Ich komme aus Peru und habe die weite Reise nach Köln angetreten, um Sie über die verheerenden Todesfälle durch Pestizidvergiftungen im peruanischen Dorf Taucamarca zu informieren und vom BAYER-Vorstand die Entschädigung der Vergiftungsopfer zu verlangen. Ich selbst bin als Berater an der Untersuchung der Tragödie von Taucamarca beteiligt.

Im Oktober 1999 starben dort 24 Kinder, nachdem sie in der Schule verunreinigtes Milchpulver zu trinken bekamen. 18 weitere wurden schwer vergiftet. Der peruanische Kongress berief daraufhin einen Untersuchungsausschuss, der im Oktober 2002 seinen Abschlussbericht vorlegte. Demnach führten ungenügende Sicherheitsmaßnahmen zu den Vergiftungen: Das BAYER-Produkt FOLIDOL mit dem hochgiftigen Wirkstoff Parathion-methyl ist ein weißes Pulver, das Milchpulver ähnelt. Es enthielt keinen Warn-Geruch und wurde in durchsichtigen Tüten am Straßenrand verkauft. Informationen zur Gefährlichkeit der Produkte fehlten entweder ganz oder waren in Spanisch abgefasst - die Bewohner des Hochlandes sprechen jedoch überwiegend Quetchua. Statt mit Warn-Piktogrammen waren die Tüten mit Abbildungen von Gemüse bedruckt.

Der Kongress-Ausschuss fordert in seinem Bericht, dass BAYER und die peruanische Regierung die betroffenen Familien entschädigen.

Ich frage deshalb den Vorstand von BAYER:
Erfüllt das Unternehmen die Forderung des peruanischen Kongress-Ausschusses und kommt damit der Verantwortung für seine Produkte, deren Vertrieb und Anwendung auch in der Andenregion nach ? Wird BAYER den Opfern und ihren Angehörigen eine angemessene Entschädigung leisten ?

Seit langem ist die Gefährlichkeit hochgiftiger Pestizide wie die im Fall Taucamarca angeführten Wirkstoffe Parathion-ethyl und Parathion-methyl bekannt. 1995 hatte sich Bayer dazu verpflichtet, sämtliche von der WHO als „hochgiftig“ eingestuften Pestizide in einem Zeitraum von 5 Jahren vom Markt zu nehmen. Das Unternehmen hat diese Verpflichtung nicht erfüllt. Diese Produkte sind weiterhin in Gebrauch und verursachen Vergiftungen und Todesfälle wie im Fall von Taucamarca.

Ich frage den Vorstand von BAYER:
Warum ist BAYER seiner Verpflichtung nicht nachgekommen und hat die genannten Pestizide nicht früher vom Markt genommen ?

Wie ist es möglich, dass trotz Verbots seit 1998 und erneuter Ratifizierung (oder: Bestätigung) des Verbots im Jahr 2000 die genannten Wirkstoffe in Peru immer noch – nicht-legal gehandelt - auf dem Markt erhältlich sind ?

Obwohl bekannt ist, dass in den randständigen Andenregionen die Mehrheit der Bauern weder spanisch spricht noch liest, sind sämtliche Produktinformationen von BAYER, z.B. auch zu FOLIDOL, nur auf Spanisch verfügbar.

Eine qualifizierte Beratung und technische Unterweisung in der Handhabung der BAYER-Produkte erfolgt in diesen Regionen nicht. Die notwendige Aufklärung über Produktrisiken und –gefahren bleibt aus.

Ich frage den Vorstand:
Warum hat BAYER nicht die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die Bevölkerung über Risiken und Gefahren aufzuklären ?

Nachdem das Regime des Ex-Diktators Fujimori die juristische Aufklärung des Falls von Taucamarca mit allen Mitteln behindert und blockiert hat, weist nun auch BAYER die von den Familien der Todesopfer eingereichte Klage auf finanzielle Entschädigung und Verbot der betroffenen BAYER-Produkte aus fadenscheinigen Gründen zurück. Eine angebliche Verjährung sowie Unklarheiten in der Klageerhebung werden angeführt.

Ich frage:
Warum behindert BAYER die Arbeit der Justiz in einem Land, das sich erst vor kurzem von einer Diktatur befreit hat; und in einem Fall, der die Gesundheitspolitik von Peru in so grundlegender Weise berührt ?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und würde mich freuen, den betroffenen Familien und ihren Angehörigen in Peru eine positive Antwort von BAYER übermitteln zu können.

Alles was wir erwarten, ist Gerechtigkeit.

Weitere Informationen im Internet unter:

· www.rap-al.org
· www.raaa.org

[Gegenanträge] Hauptversammlung 2003

CBG Redaktion

GEGENANTRÄGE ZUR BAYER-HAUPTVERSAMMLUNG 2003

17. März 2003

BAYER AG
Gebäude Q 26 (Rechtsabteilung)
Kaiser Wilhelm Allee
51368 Leverkusen

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit zeigen wir an, dass wir zu den Punkten 2-4 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrates widersprechen und die anderen Aktionäre veranlassen werden, für die folgenden Gegenanträge zu stimmen. Um Mitteilung dieser Gegenanträge sowie der nachstehenden Begründungen gemäß §§ 125, 126 AktG dürfen wir bitten.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Begründung:
Der BAYER-Konzern war im vergangenen Geschäftsjahr für eine Vielzahl von Missständen verantwortlich. Die Entscheidungen des Vorstands haben diese verursacht oder nicht verhindert, weshalb wir eine Nicht-Entlastung fordern. Es folgt eine Auswahl aktueller Problemfälle, weitere Informationen finden sich auf der homepage der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN www.CBGnetwork.de
Unter info@cbgnetwork.org können weitere Hintergrundmaterialien angefordert werden.
* Erneut hat BAYER mit Konkurrenten illegale Preisabsprachen getroffen. Mit amerikanischen Wettbewerbern bildete die Firma ein Kartell für Kautschukchemikalien, die für die Produktion von Autoreifen verwendet werden, die EU-Kommission ließ daher die Konzernzentrale in Leverkusen durchsuchen. In der Vergangenheit wurde BAYER bereits mehrfach wegen Preisabsprachen oder manipulierter Preise verurteilt.
* Obwohl das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, will der BAYER-Vorstand bis zum Jahr 2005 mindestens 12.000 Arbeitsplätze vernichten. Gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten zwölf Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen (von 1.600 auf rund 1.000 Azubis, von denen in der Regel nur die Hälfte übernommen wird). Der Konzern wirft damit jegliche soziale Verantwortung über Bord und betreibt eine rücksichtslose Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Belegschaft.
* Die amerikanische Umweltbehörde EPA prüft gegenwärtig einen Antrag der Firma BAYER, Menschenversuche mit Pestiziden zuzulassen. Entsprechende Untersuchungen werden bislang aus ethischen Gründen nicht akzeptiert. Langfristiges Ziel solcher Experimente sind höhere Grenzwerte von Pestiziden in der Nahrung und im Wasser. BAYER hatte bereits 1998 in Schottland eine Studie durchgeführt, in deren Verlauf acht Personen Azinphos-Methyl, das von der Weltgesundheitsorganisation als „hoch gefährlich“ eingestuft wird, einnahmen (BAYER ist weltweit größter Hersteller des Wirkstoffs). Das Unternehmen BAYER scheint verdrängt zu haben, dass Menschenversuche seit den grauenvollen Experimenten im Dritten Reich geächtet sind - Auftraggeber war im übrigen schon damals die BAYER-Gruppe innerhalb der IG Farben.
* Ein Untersuchungsausschuss des peruanischen Parlaments kam im vergangenen Sommer zu dem Ergebnis, dass BAYER für die durch das Pestizid Parathion-Methyl verursachte tödliche Vergiftung von 24 Kindern in dem Andendorf Tauccamarca verantwortlich ist. Der Vorfall ereignete sich im Jahr 1999, als die Kinder in der Schule mit dem Pestizid verunreinigtes Milchpulver zu trinken bekamen. Trotz der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses weigert sich das Unternehmen, die betroffenen Familien zu entschädigen.
* BAYER ist weltweit der größte Hersteller des Kunststoffes Bisphenol A. Dieser kann das Hormonsystem schädigen und Mißbildungen hervorrufen. Trotzdem findet sich Bisphenol A noch immer in risikoreichen Anwendungen wie Konservendosen und Babyflaschen.
* Nach der bisher größten Feldstudie zur Wirksamkeit von Medikamenten bei Altersdiabetes ist das Mittel Glucobay völlig wirkungslos. Ungeachtet dessen will BAYER das Anwendungsgebiet des Präparats erweitern und es auch noch zur Diabetes-Vorbeugung anbieten.
* Die Bayer AG hat am Standort Krefeld-Uerdingen die Produktion von Polycarbonat und Methyldiisocyanat (MDI) um 100.000 bzw 24.000 Tonnen/Jahr erhöht. Hiermit einher geht eine Erhöhung der Phosgenproduktion um rund 60.000 Tonnen/Jahr. Phosgen ist einer der giftigsten industriell eingesetzten Stoffe überhaupt, für den Menschen kann er schon in geringsten Dosen tödlich sein. Die Phosgenreaktoren in Uerdingen gehören zu den risikoreichsten Anlagen in Nordrhein Westfalen. Technisch ist es möglich, Polycarbonat phosgenfrei herzustellen. Für BAYER ist es aber offenbar preisgünstiger, die bestehenden Verfahren weiter anzuwenden - bei einer Lebensdauer der Anlagen von 25-30 Jahren wird diese hochgefährliche Produktionsweise damit für Jahrzehnte festgeschrieben.
* Ein im Herbst veröffentlichter Bericht der UN stellt fest, dass die BAYER-Tochter H. C. Starck noch immer Rohstoffe aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet bezieht und hiermit Waffenkäufe ermöglicht. Nach Angabe der UN verstößt Starck hiermit gegen den Code for Conduct of Multinational Companies der OECD.
* Im vergangenen Jahr haben weltweit mehrere tausend Personen wegen schwerer Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers Lipobay Klage gegen BAYER eingereicht. Die Zeitung „New York Times“ berichtet über E-Mails und interne Notizen, die darauf hindeuten, dass BAYER-Manager lange vor August 2001 (dem Moment des Verkaufs-Stopps) von den Risiken gewusst haben. BAYER vertrieb in Japan und den USA eine Lipobay-Version mit der höchsten Wirkstoffdosis, obwohl interne Studien belegten, dass die behandelten Patienten häufiger an Muskelschwäche erkrankten als Konsumenten ähnlicher Medikamente.

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Begründung:
Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion nur ungenügend nach und soll daher nicht entlastet werden. Es folgen Beispiele einer umweltfeindlichen Konzernpolitik, die vom Aufsichtsrat mitgetragen werden:
* In Frankreich, Österreich und Deutschland sind in den letzten Jahren rund 50% der Bienenvölker abgestorben. Untersuchungen in Frankreich und Österreich haben ergeben, dass das von BAYER vertriebene Pestizid Gaucho für die Vergiftungen mitverantwortlich ist. In Frankreich wurde im Herbst ein erneutes Anwendungsverbot für Gaucho auf Sonnenblumen verhängt. BAYER weigert sich jedoch, Gaucho aus Sicherheitsgründen vom Markt zu nehmen - stattdessen übt der Konzern Druck auf Imker-Institute aus, keine kritischen Informationen über Gaucho zu verbreiten.
* Weite Teile der norwegischen Küste sind mit polychlorierten Biphenylen verseucht. Chemische Nachweisverfahren zeigen, dass der größte Teil der gefundenen Gifte aus der Produktion von BAYER stammt. Obwohl die Stadt Oslo schriftlich eine Beteiligung des Unternehmens an den Reinigungskosten gefordert hat, verweigert BAYER bislang jegliche Unterstützung.
* BAYER ist größter europäischer Anbieter von gentechnisch veränderten Pflanzen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnt, drängt das Unternehmen die verantwortlichen Politiker, einen unkontrollierten Anbau zuzulassen. Bereits jetzt unternimmt das Unternehmen großflächige Freilandversuche, mit denen die Umwelt gefährdet wird: so sammelten bei Eickendorf (südlich von Magdeburg) Bienen in einem herkömmlichen Rapsfeld Honig. Rund 300 Meter entfernt lag ein Freiland-Versuchsfeld von Bayer CropScience mit Gen-Raps. Die Pflanzen waren gentechnisch gegen ein Herbizid resistent gemacht worden und haben EU-weit keine Zulassung für kommerziellen Anbau. In dem Honig, den die Bienen produziert haben, konnte der Umweltverband Greenpeace eindeutig gentechnisch veränderte Bestandteile aus dem BAYER-Feld nachweisen.
* In Swisttal bei Bonn hat BAYER eine Aussaat von Gen-Raps in unmittelbarer Nähe eines Naturschutzgebietes beantragt, womit das Unternehmen einen Präzedenzfall für die Umgehung des europäischen Naturschutzrechts schaffen will. Die Risiken solcher Freilandversuche sind nicht absehbar - Tests haben zum Beispiel gezeigt, dass sich gentechnisch herbeigeführte Herbizidresistenz auch auf andere Pflanzen übertragen und quasi Superunkräuter entstehen lässt, die selbst mit einer Vielzahl von Pflanzenvernichtungsmitteln nicht mehr bekämpft werden können. Bei Raps kommt hinzu, dass er als heimische Pflanze in Mitteleuropa in zahlreichen Sorten angebaut wird und eine Reihe verwandter Arten hat. Das erhöht die Gefahr, dass sich gentechnische Veränderungen auskreuzen.
* In England musste das Unternehmen einräumen, drei Jahre lang gentechnisch veränderten Raps, der nicht zugelassene Antibiotika-Resistenzen enthielt, gepflanzt zu haben.
* BAYER weigert sich, in den USA das Pestizid Fenthion vom Markt zu nehmen, obwohl dessen Anwendung im Bundesstaat Florida zu dramatischen Vogelsterben führte. Mindestens 16 seltene Vogelarten werden dadurch in ihrem Bestand gefährdet.
* BAYER ist mit einer Klage gescheitert, dem VEREIN ZUM SCHUTZ DES RHEINS UND SEINER NEBENFLÜSSE (VSR) die Einsicht in Abwasser-Daten des Krefelder Werks zu untersagen. Die Richter mochten sich dem Argument des Konzerns, die Mess-Daten fielen unter das Betriebsgeheimnis, nicht anschließen. Dem VSR ist es nun möglich, einen Überblick über die Abwasser-Frachten des zweiten Werkskanalnetzes zu nehmen. Dort fließen die Schmutz-Wässer von BAYER mit denen anderer Firmen zusammen und gelangen dann ungeklärt in den Rhein. Woher die Schadstoffe genau kommen, ist dann nur noch schwer nachzuvollziehen. Nur eine Mess-Station vor dem Entstehen des großen Einheitsbreis bietet Aufschluss darüber - weshalb BAYER sie offensichtlich unter Verschluss halten wollte.
* In West Virginia/USA wurde BAYER im vergangenen Jahr wegen Asbest-Vergiftungen angeklagt. Das Unternehmen stimmte einem Vergleich zu. BAYER weigert sich jedoch, Betroffene in Deutschland in ähnlicher Weise zu entschädigen oder auch nur für eine medizinische Betreuung der Erkrankten zu sorgen. Tausende Beschäftigte der Chemie-Industrie waren mit Asbest vergiftet worden, obwohl die Risiken des Stoffes seit Jahrzehnten bekannt waren.
* Britische Umweltorganisationen protestieren vehement gegen Freilandversuche des BAYER-Konzerns mit gentechnisch verändertem Raps, der sogenannte „Terminator Gene“ enthält. Terminator Gene schaffen sterile Pflanzen, deren Samen für die Aussaat nicht weiter verwendet werden können. Der Einsatz solcher Gene wurde seitens des Saatgut-Herstellers Bayer CropScience und der Aufsichtsbehörde DEFRA geheim gehalten. Verwandte Arten wie Broccoli, Senf, Blumenkohl und wildlebende Pflanzen könnten an der Fortpflanzung gehindert werden und schlimmstenfalls aussterben.

Gegenantrag zu TOP 4: Wir schlagen vor, Axel Köhler Schnura, Diplom Kaufmann, Düsseldorf, für die restliche Amtszeit des ausscheidenden Dr. Wolfgang Reitzle, d.h. für die Zeit bis zur Beendigung der Hauptversammlung, die über die Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder für das Geschäftsjahr 2006 beschließt, als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat zu wählen.

Begründung:
Axel Köhler-Schnura kontrolliert den BAYER-Konzern seit nunmehr 25 Jahren. Er ist Gründer der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN e.V., Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf, Telefon: 0211-333 911, und hat zahlreiche Verstöße des Konzerns gegen Menschenrechte und Umweltschutzauflagen publik gemacht. Somit ist er prädestiniert für eine gründliche, von Profitinteressen unabhängige Kontrolle des Vorstands der BAYER AG.

Für den Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN e.V.

Philipp Mimkes
Axel Köhler-Schnura

[Studie Gen-Raps] Kampagne GenFood

CBG Redaktion

22. März 2005, Spiegel Online

Gen-Raps schadet Bienen und Schmetterlingen

Die grüne Gentechnik muss einen weiteren Schlag hinnehmen: Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass der Anbau von Gen-Raps die Bestände von Bienen und Schmetterlingen dezimieren könnte.

Gentechnik in der Landwirschaft hat viele Gegner. Auch Bienen und Schmetterlinge scheinen nicht gerade auf manipulierte Pflanzen zu fliegen. Ergebnisse einer britischen Studie haben ergeben, dass die Insekten von Äckern mit gentechnisch verändertem Raps lieber fern bleiben.

Wissenschaftler fanden heraus, dass der Anbau von manchen genveränderten Pflanzen das Gleichgewicht der Unkräuter durcheinander bringt, die auf den Ackerflächen gedeihen. Dies könnte Bienen und Schmetterlingen schaden. Auf von ihnen untersuchten Feldern mit genetisch verändertem Winter-Raps waren bis zu zwei Drittel weniger Schmetterlinge unterwegs und nur halb so viele Bienen. Das sind die abschließenden Ergebnisse einer dreijährigen Studie, die die britische Regierung in Auftrag gegeben hatte.

Auch Vögel könnten unter dem Gen-Raps leiden
Die Forscher kritisieren die Form der Unkrautbekämpfung auf den Versuchsfeldern. Der Ölraps war genetisch so verändert worden, dass er resistent gegen ein bestimmtes Unkrautvernichtungsmittel ist. Spritzt der Landwirt mit diesem Mittel sein Feld, bleibt nur der Gen-Raps stehen, während die Unkräuter eingehen. Das Herbizid bekämpft aber nicht alle Unkräuter gleich stark: Es tötet vor allem großblättrige Wildpflanzen ab, Gräser hingegen werden verschont.

Bienen und Schmetterlinge, die vor allem die Blüten der Blätterpflanzen anfliegen, hätten demnach unter der Unkrautbekämpfung zu leiden, schreiben die Forscher im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society“. Auch Tiere, die weiter oben in der Nahrungskette stünden, seien betroffen. Die Wissenschaftler fürchten, dass die Anzahl von Vögeln wie Spatz und Dompfaff durch einen kommerziellen Anbau von Gen-Raps dezimiert werden könnte.

Befürworter der grünen Gentechnik weisen hingegen darauf hin, dass die meisten Insektenarten nicht unter dem Unkrautvernichtungsmittel zu leiden hätten. Insgesamt sei der Einfluss des Gen-Rapses auf die Artenvielfalt minimal. „Wie bei allen Techniken zur Unkrautregulierung, werden manche Insekten davon profitieren und andere darunter leiden“, sagt Tony Combes von der Lobby-Gruppe Agricultural Biotechnology Councils gegenüber Nature News. Auf die Mehrzahl der Arten habe sie aber keinen Einfluss.

In den USA und Kanada bereits großflächig angebaut
Die Firma Bayer Crop Science mit Hauptsitz in Monheim am Rhein verkauft den gentechnisch veränderten Winterraps bereits in den USA und in Kanada. Die größten Unterschiede im Bienen- und Schmetterlingsflug seien im Juli gezählt worden, betonte Julian Little, ein Sprecher des Unternehmens gegenüber Nature News. Zu dieser Zeit seien ohnehin nicht viele Bienen und Schmetterlinge im Feld zu finden.

Dennoch können die Studienergebnisse wohl als ein weiterer Schlag gegen grüne Gentechnik bewertet werden. Bereits für Frühlingsraps und Zuckerrüben, zwei der drei Gen-Pflanzen, die ebenfalls untersucht worden waren, hatte die Studie 2003 nachgewiesen, dass sie die Artenvielfalt senken. Auch ihr Anbau reduziert die Anzahl der Wildpflanzen im Feld.

Die Ergebnisse sind Teil der größten Untersuchung, die jemals zum ökologischen Einfluss von genveränderten Agrarpflanzen durchgeführt wurde. Mehr als 150 Wissenschaftler waren an der rund 8,5 Millionen Euro teuren Untersuchung beteiligt, bei denen eine Million Unkrautpflanzen und zwei Millionen Insekten in Großbritannien gezählt wurden.

[EU] Kampagne GenFood

CBG Redaktion

24 Juni 2005

Monsanto, Bayer: Deutschland darf Genmais-Sorte weiter verbieten

Die EU-Umweltminister bestätigten am Freitag in Luxemburg nationale Genmais-Verbote Deutschlands und weiterer Staaten und fügten der EU-Kommission damit eine empfindliche Niederlage zu. Bundesumweltminister Jürgen Trittin erklärte, die in Deutschland verbotene Genmaissorte stelle möglicherweise eine Gefahr für die Umwelt dar. „Für mich war es von herausragender Bedeutung, dass ein gentechnisch veränderter Organismus mit erheblichen ökologischen Risiken in Deutschland weiterhin nicht zur Anwendung kommt.“ Die EU-Kommission ließ ihr weiteres Vorgehen zunächst offen. Umweltkommissar Stavros Dimas warnte vor einer Schwächung der Position der EU vor der Welthandelsorganisation WTO im Streit mit den USA, Kanada und Argentinien.

Erstmals seit Verhängung eines inzwischen ausgelaufenen Zulassungsstopps im Jahr 1998 fanden die EU-Staaten bei Gentechnikzulassungen zu einem Beschluss. 22 Länder stimmten nach Angaben des Luxemburger Umweltministers Lucien Lux gegen die Kommission. Lux sprach von einem deutlichen Signal. Die EU-Kommission hatte beantragt, die nationalen Verbote innerhalb von drei Wochen aufzuheben.

Deutschland, Österreich, Frankreich, Griechenland und Luxemburg hatten zwischen 1997 und 2000 bestimmte gentechnisch-veränderte Mais- und Saatsorten verboten. Die nun bestätigten Verbote betreffen in Deutschland, Österreich und Luxemburg den Mais Bt-176 des Schweizer Herstellers Syngenta, in Österreich auch die Sorte MON 810 des US-Biotech-Riesen Monsanto sowie die Sorte T25 des Bayer-Konzerns. Von Bayer stammen auch beide betroffenen Saatguttypen, die in Frankreich und in einem Fall in Griechenland verboten sind.

Vor der Welthandelsorganisation (WTO) haben die USA, Kanada und Argentinien gegen die EU geklagt. Sie werfen den Europäern vor, mit ihrer Gentechnik-Politik gegen internationale Handelsregeln zu verstoßen und ihre Verbote nicht auf wissenschaftlich gesicherte Daten zu stützen. Die drei Länder griffen besonders das von 1998 bis 2004 geltende Zulassungsmoratorium der EU an. In der Zeit hatte die Union die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen offiziell ausgesetzt.

Nicht einigen konnten sich die Minister über die Zulassung der Maissorte MON 863 von Monsanto. Damit ist bei dieser Sorte nun wieder die EU-Kommission am Zuge und könnte versuchen, den Mais eigenständig zu genehmigen. Die Bundesregierung stimmte zwar für eine Zulassung, verlangte zugleich aber weitere Untersuchungen zur Gesundheitsverträglichkeit. Trittins Ministerium warf Monsanto zudem eine „völlig inakzeptable Geheimpolitik“ vor. Das Unternehmen war erst kürzlich von einem Gericht zur Veröffentlichung einer weiteren Untersuchung gezwungen worden.

[rote Zahlen] Hauptversammlung 2004

CBG Redaktion

27.03.2004, Netzwerk Regenbogen

Gentech-Konzern Bayer in tiefroten Zahlen

Der Chemie- und Agro-Konzern ‚Bayer‘, in Europa der größte
Vertreter der Gentech-Branche, mußte dieser Tage eine
„deprimierende“ Bilanz vorlegen. Der operative Verlust
betrug 2003 rund 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz schrumpfte
um 3,6 Prozent auf 28,6 Milliarden .

Gegenüber den AktionärInnen, die bei Laune gehalten werden wollen,
erklärte Vorstands-Chef Werner Wenning das Leiden des Konzerns mit
„Konjunktureinflüssen“. Selbst der schlimme Euro mußte als Erklärung
herhalten. Und um keine Fragen nach Naturzerstörung(1) und
menschlichem Leid(2) durch ‚Bayer‘-Pestizide aufkommen zu lassen,
vermeldete ‚Bayer‘ eine Dividende von erstaunlichen 50 Cent pro Aktie
(Vorjahr: 90 Cent).

Darüber, daß das Geschäft mit der Gentechnik weltweit stagniert, weil
sich in immer mehr Ländern Widerstand rührt(3), sollten weder
AktionärInnen noch Öffentlichkeit etwas erfahren. Doch da macht die
rührige CBG (Coordination gegen Bayer-Gefahren) einen Strich durch
diese Rechnung. Während im Wirtschaftsteil der großen Zeitungen jeder
Hinweis fehlt, daß ‚Bayer‘ im Gentech-Geschäft mitmischt oder die
blutigen Geschäfte mit Coltan im Kongo(4) verschwiegen werden sollen,
zerrt CBG diese dunkle Seite des Konzerns ans Tageslicht.

So schnell dieser Konzern bei allen schmutzigen Geschäften weltweit
dabei zu sein versucht, so schnell ist er auch in Deutschland mit dem
Abbau von Arbeitsplätzen bei der Hand: 9.300 Mitarbeiter wurden
„feigesetzt“, so daß die Gesamt-Zahl der Beschäftigten Ende 2003 noch
115.400 betrug. Im Jahr 1994 arbeiteten noch 146.700 Menschen für
‚Bayer‘.
Petra Willaredt

Anmerkungen:

1 Siehe auch unseren Artikel
‚Frankreich: Bayer und BASF wegen Bienensterben angeklagt‘ v. 19.02.04
http:netzwerk-regenbogen.de/gaucho040219.html

2 Siehe auch unseren Artikel
‚Bayer vergiftet LandarbeiterInnen in Indien
- Tod durch Pestizide im Baumwollanbau‘ v. 16.03.04
http:
netzwerk-regenbogen.de/bayer040316.html

3 Siehe auch unseren Artikel
‚Wales schützt das britische Gen-Moratorium‘ v. 26.03.04
http:netzwerk-regenbogen.de/genwales040326.html

4 Siehe auch unseren Artikel
‚Was macht den Kongo plötzlich so interessant ?‘ v. 22.06.03
http:
netzwerk-regenbogen.de/kongo030622_2.html

[Rede Friedrich] Hauptversammlung 2004

CBG Redaktion

Rede Uwe Friedrich – BAYER-Hauptversammlung, 30.4. 2004

BAYER missachtet Gewerkschaftsrechte auf den Philippinen

Sehr geehrte Damen und Herren,

philippinische Gewerkschafter werfen dem BAYER-Konzern vor, Arbeitnehmer-Rechte massiv zu verletzen. Mehreren Gewerkschaftsvertretern wurde wegen gewerkschaftlichen Engagements gekündigt. Das Management von BAYER Philippines gründete eine „eigene“ Betriebsgewerkschaft, um die gewählten Arbeitnehmervertreter zu entmachten. Trotz mehrerer Gerichtsentscheide verweigert BAYER Philippines seit Jahren die Auszahlung von Gewerkschaftsbeiträgen. Die betroffene Employees Union of BAYER Philippines (EUBP) reichte daraufhin eine Beschwerde bei der OECD wegen Verstoßes gegen die OECD-Leitlinien für Multinationale Konzerne ein. Da die Philippinen nicht der OECD angehören, wurde die Beschwerde am OECD-Kontaktpunkt im deutschen Wirtschaftsministerium eingereicht.

Die EUBP ist Mitglied des Dachverbands philippinischer Gewerkschaften und beim philippinischen Arbeitsministerium seit 1990 als alleinige Vertreterin der BAYER-Belegschaft registriert. 1991 schlossen BAYER und EUBP einen 5-jährigen Tarifvertrag; der Anschlussvertrag war von 1997-2001 gültig. Dennoch verweigert BAYER seit 1998 die Auszahlung der vom Unternehmen eingesammelten Gewerkschaftsbeiträge - bis heute rund 2,7 Millionen Peso (60.000 €). Im Tarifvertrag erzielte Vereinbarungen zu Rentenzahlungen und medizinischer Versorgung wurden nicht umgesetzt, zudem wurde die Gewerkschaft bei Entlassungen nicht wie vorgeschrieben konsultiert. Höhepunkt der Auseinandersetzung war die Gründung der neuen, der Werksleitung hörigen Gewerkschaft.

In den Betriebsratswahlen bei BAYER Philippines im Sommer 2003 erhielt die EUBP 70% der Stimmen. Das philippinische Arbeitsministerium betrachtet sie weiterhin als rechtmäßige Arbeitnehmervertreterin. Gerichte verfügten eine Auszahlung der Gewerkschaftsbeiträge. Trotzdem weigert sich BAYER, die Gewerkschaftsrechte zu akzeptieren und die ausstehenden Zahlungen zu leisten.

Ich frage den Vorstand: Wird BAYER bzw. seine Tochter BAYER Philippines die rechtmäßige Arbeitnehmervertretung, die Gewerkschaft EUBF, anerkennen und rehabilitieren ?

Im Zuge der Auseinandersetzung wurden die GewerkschafterInnen Juanito Facundo und Virginia Capada entlassen. Beide erhielten von einem Tag auf den anderen ihre Kündigung und mussten das Werksgelände sofort verlassen. Offiziell begründete das Unternehmen den Schritt mit Personal-Überhang, hatte aber nichts Eiligeres zu tun, als in Annoncen gleich-qualifizierte Nachfolger für die Rausgeworfenen zu suchen. Facundo war Gewerkschaftsvorsitzender der EUBP, hatte in einem Arbeitsrechtsprozess zu Gunsten eines Beschäftigten ausgesagt, Beschuldigungen gegenüber der Direktion vorgebracht und 1997 einen Streik mitorganisiert. Eine Klage auf Wiedereinstellung scheiterte, ein Verfahren zu Abfindungsforderungen läuft noch.

Ich frage den Vorstand: Welches waren die Gründe für die - ich betone - FRISTLOSEN Kündigungen. Wird BAYER die wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements Gekündigten wiedereinstellen bzw. deren Abfindungs-forderungen nachkommen ?

Sehr geehrte Damen und Herren,
aus den genannten Gründen fordere ich Sie auf: Stimmen Sie gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

Vielen Dank.

[Artikel Aktien] Hauptversammlung 2004

CBG Redaktion

Die Seifenblase von der Aktionärsdemokratie

Macht und Machtlosigkeit bei BAYER

von Axel Köhler-Schnura

Es ist die pure Nötigung. Die Berichterstattung über Aktienkurse ist ohne jeden Bezug zu den Alltagssorgen der breiten Bevölkerung, aber keine Nachrichtensendung, in der nicht noch die kleinste Kursschwankung gewürdigt werden. Selbst die Tagesschau, Klassiker aller Fernsehnachrichten, mutiert zur Börsen-Sendung. Ungeachtet aller Gefahren durch Kriege, Wirtschaftskrisen und Börsencrash werden so immer mehr Menschen gelockt und stecken ihre mühsam ersparten Euros in Aktien. Ganze Kegelclubs wandeln sich zu (Klein-) Aktionärsvereinigungen.

BAYER profitiert vom Börsenfieber
Von dem derart losgetretenen Börsenfieber profitiert auch die BAYER AG und ist mit ihrer Aktie breit in die Haushalte von Otto Normalverbraucher vorgedrungen. Zählte die Muttergesellschaft des BAYER-Konzerns im Jahr 1993 noch 295.000 AktionärInnen, so waren es sechs Jahre später im Jahr 2001 fast doppelt so viele: 496.000 Personen, Firmen und Institutionen besitzen heute 730 Millionen BAYER-Aktien und stellen das Grundkapital des BAYER-Konzerns in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Jede der nennwertlosen BAYER-Aktien hat damit einen Wert von 2,56 Euro.

Den größten Anteil an den BAYER-AktionärInnen stellen mit ca. 93 Prozent die Privatpersonen. Sie halten jedoch lediglich 24,0 Prozent des Kapitals, also gerade einmal 0,9 Milliarden Mark des Grundkapitals. Und von diesen 465.000 privaten AnteilseignerInnen haben wiederum 92 Prozent maximal 600 Aktien im Depot. 427.000 BAYER-AktionärInnen halten also Depots mit einem Nennwert von maximal 1.536 Euro. Damit besteht die große Masse der BAYER-AktionärInnen aus Mini- und KleinstaktionärInnen.

Die Machtlosigkeit von Otto Normalaktionär
In krassem Gegensatz zu dem hohen Anteil der PrivataktionärInnen an der Gesamtzahl aller BesitzerInnen von BAYER-Aktien stehen deren Einflussmöglichkeiten. Sie gehen defacto gegen Null.

Konkret sieht es so aus, dass 465.000 PrivataktionärInnen zusammen gerade einmal 24 Prozent des Kapitals halten. Es ist jedoch noch zwischen GroßaktionärInnen und KleinaktionärInnen zu unterscheiden. Werden die Groß- und GrößtaktionärInnen aussortiert, so muss davon ausgegangen werden, dass etwa 450.000 AnteilseignerInnen gerade einmal ca. 5 Prozent des Kapitals repräsentieren, mithin also 95 Prozent des Kapitals bei ca. 10 Prozent aller AktionärInnen liegen. Hier ist übrigens auch Schluss mit der Informationsfreudigkeit des BAYER- Konzerns. Es gibt keine gesicherten Informationen, die Angaben beruhen auf Schätzungen.

Der Einfluss der Klein- und KleinstaktionärInnen wird zusätzlich noch dadurch auf die 2-bis 3-Prozent-Grenze runtergedrückt, weil sie ihre Aktien in aller Regel nicht selbst vertreten, sondern sich über die Bank vertreten lassen, bei der sie ihre Aktien im Depot halten. Damit schmälern sie ihre Macht weiter bzw. stärken die Macht der Banken.

Die Macht der GroßaktionärInnen
76 Prozent, also mehr als Dreiviertel des Kapitals, befinden sich bei 31.000 Banken, Investmentgesellschaften und anderen institutionellen Anlegern. Hinzu kommen die bereits erwähnten privaten Groß- und GrößtaktionärInnen. Insbesondere jene, die zum erlauchten Kreis der Multi-Milliardäre gehören, die die Wirtschaft der Welt regieren. Diese treten allerdings in aller Regel nicht offen in Erscheinung. Sie verstecken sich doppelt und dreifach getarnt im Bereich der institutionellen AnlegerInnen.

Aufgrund eigenen Besitzes halten 2.276 Banken und Versicherungen bei BAYER 55 Prozent aller BAYER-Aktien. Zu ihrer Macht hinzu addieren sich die 12 Prozent, die mehrere Tausend Investmentgesellschaften halten. Oftmals sind die Investmentgesellschaften direkte Töchter der Banken. Die 2,9 Prozent, die 6.853 Anleger aus Industrie und Handel halten bzw. die 5,5 Prozent, die bei 14.537 nicht näher spezifizierten „Sonstigen“ liegen, fallen da bereits kaum noch ins Gewicht.

Und hinzu kommt noch das Depotstimmrecht. Es sorgt dafür, dass alleine die DRESDNER BANK im Rahmen der Hauptversammlung 30 und mehr Prozent aller BAYER-Aktien vertritt und die DEUTSCHE BANK z.B. weitere 17 Prozent. Damit vertreten diese beiden Banken fast 50 Prozent aller Aktien, wobei die DEUTSCHE BANK die meisten inländischen Aktion hält.

Wenn es also auf den ersten Blick so aussieht, als befände sich das BAYER-Kapital von 3,6 Milliarden Mark in breitem Streubesitz, so ist das nicht der Fall. Viele Hunderttausend AktionärInnen besitzen so gut wie nichts, einige wenige GroßaktionärInnen und GrößtaktionäreInnen besitzen nahezu alles. Es kann davon ausgegangen werden, das eine Zahl von lediglich ca. 5.000 AktionärInnen 80 und mehr Prozent des Kapitals besitzen.

Immer mehr Stimmrechte an KritikerInnen
Einziges Gegengewicht zur Macht der Banken und Großaktionäre bilden die KleinaktionärInnen, die sich von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre vertreten lassen. Seit 1982 sammeln diese beiden Organisationen die kritische Kleinaktionärsopposition und bieten Banken und BAYER-Management gleichermaßen die Stirn. Vor dem Hintergrund der Mehrheitsverhältnisse bringen sie auf den Hauptversammlungen zwar lediglich verschwindende Prozente aller Stimmen auf, werden jedoch von erheblichen Teilen aller anwesenden Klein-AktionärInnen unterstützt. Bei der diesjährigen Hauptversammlung muss sogar bei ca. 3,0 Millionen Gegenstimmen und weiteren ca. 0,8 Mio. Enthaltungen davon ausgegangen werden, dass die überwältigende Mehrheit aller anwesenden AktionärInnen mit den KritikerInnen stimmte. ein klares Votum der KleinaktionärInnen für Umweltschutz, soziale Sicherung und Menschenrechte. Die CBG wird alles daran setzen, die Zahl der Gegenstimmen weiter zu erhöhen und bittet alle AktionärInnen, ihre Stimmrechte nicht den Banken zu überlassen, sondern diese an die CIOORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN zu übertragen. Dazu ist nicht viel zu erledigen. Ein Brief an die CBG reicht aus und alles Notwendige wird in die Wege geleitet.

von Dipl. Kfm. Axel Köhler-Schnura, Fon 0211 - 26 11 210, Fax 0211 - 26 11 220

Unanständig: 107 Prozent Gewinn

Dividende, Nennwert und Börsenwert

Mit einem errechneten Nennwert von 2,56 Euro haben die eigentlich nennwertlosen BAYER-Aktien einen Gesamtwert von 1,9 Milliarden Euro. Dies ist der Betrag, der in der BAYER-Bilanz als Grundkapital ausgewiesen ist. Auf ihn beziehen sich die realisierten und die ausgeschütteten Gewinne des Konzerns. Im Jahr 2004 waren dies 0,50 Cent ausgeschütteter Gewinn je Aktie, also satte ca. 20 Prozent Kapitalrendite.

BAYER-Aufsichtsratschef Dr. Manfred Schneider bekannte einmal: „Wir sind auf Profit aus, das ist unser Job!“ Zwar sind die Gewinnzahlen in 2004 mit ca. 350 Mio. Euro nicht so gigantisch wie in den Vorjahren, liegen aber immer noch bei 18,4 Prozent des Grundkapitals. Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Konzern sich diesmal vorsätzlich arm gerechnet hat. Es ging darum, das Verhältnis Grundkapital zu Bilanzsumme zu verbessern, um so den Kurswert der Aktie anzufeuern und den Konzern zugleich gegen feindliche Übernahmen zu stärken. Zusätzlicher Effekt natürlich sind erhebliche Steuergewinne aufgrund der hohen Sonderabschreibungen.

An diesen Gewinnbewertungen ändert sich auch nichts dadurch, dass der Kurswert der BAYER-Aktie bei ca. 26 Euro liegt. Vielfach wird die Dividende ins Verhältnis zum Kurswert gesetzt, und da machen sich die 0,50 Euro natürlich nicht so glänzend. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass diese sogenannte Kursrendite ein falsches Bild vermittelt und hohe Kursrenditen Ausdruck von Profitgier sind. Die Differenz zwischen Nenn- und Kurswert ergibt sich nämlich lediglich aufgrund des Handels der Aktie an der Börse und ist mithin also der Eintrittspreis in das Reich der AktienspekulantInnen. Der Kurswert ist vom Nennwert völlig losgelöst und verschafft den AktionärInnen bei Kauf und Verkauf der Aktien zusätzliche Gewinn- und auch Verlustmöglichkeiten.

Kritische BAYER-AktionärInnen
Als 1982 das erste Mal KritikerInnen auf der Aktionärsversammlung des Chemie-Giganten aus Leverkusen das Wort ergriffen, hörten ihnen gerade einmal 1.200 verblüffte AktionärInnen zu. Was ihnen da, teilweise von weither angereisten Zeugen des tatsächlichen Geschehens, zu Gehör gebracht wurde, sprengte ihr Vorstellungsvermögen. Da änderte es auch nichts, dass Vorstand und Aufsichtsrat alles in immer gleichlautender Formulierung als „ohne jede Grundlage“ von sich wiesen. Es ging um haarsträubende Fälle von Umweltverseuchung, Menschenrechtsverletzungen, Gefährdung menschlicher Gesundheit und Todesfälle aufgrund gefährlicher Produkte und Produktionen, Ausbeutung und Sozialabbau - kurzum um die hässliche Kehrseite der Gewinn- und Umsatzmilliarden. „Wenn das alles stimmt, was hier vorgetragen wird, dann sitzen da nur lauter Gangster!“ rief ein fassungsloser Aktionärsvertreter und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die BAYER-Vorstandsriege.

In den folgenden Jahren erhöhte sich die Zuhörerschaft kontinuierlich. Bis schließlich weit mehr als 25.000 AktionärInnen nach Köln anreisten, um die bis dahin noch nie dagewesene Schelte des BAYER- Managements live mitzuerleben. Ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte deutscher Aktiengesellschaften. Der TAGESSPIEGEL / Berlin brachte es so auf den Punkt: „Jahr für Jahr meldet sich auf der Hauptversammlung der Leverkusener BAYER AG die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN zu Wort. Die bestorganisierte Kritikergruppe liefert einen Alternativen Geschäftsbericht.“

BAYER reagierte. Zunächst versuchte sich der Konzern in Abschreckung. Er gründete die Initiative „Malocher gegen Schmarotzer“ und ließ in propere weiße Overalls gekleidete Werkschutzleute vor der Aktionärshauptversammlung agitieren. Das ging voll daneben, denn die anreisenden AktionärInnen erkannten nicht in den KritikerInnen die „Schmarotzer“, sondern fühlten sich selbst verunglimpft und feuerten den verkappten Malochern der BAYER-Propaganda-Abteilung die Flugblätter erbost vor die Füße. BAYER lernte, strich die „Schmarotzer“, nannte seine Abschreckungstruppe fürderhin „Die Malocher“ und stellte ihr Werkschutzleute mit selbstgebastelten DKP-Fahnen zur Seite. Auf diese Weise sollte bei den AktionärInnen Sympathie für die BAYER- freundlichen Blumen verteilenden „Malocher“ und Antipathie gegenüber den „kommunistischen“ KritikerInnen erzeugt werden. Doch auch diesmal blieben die gewünschten Effekte aus, die AktionärInnen begriffen alles nur als weitere Belebung ansonsten stinklangweiliger Hauptversammlungsroutinen.

Also griff der Chemie-Gigant zu drastischeren Mitteln. Er kürzte die Versorgung der AktionärInnen, die immerhin einen ganzen langen Tag in der stickigen Luft der Kölner Messehallen ausharren müssen, auf ein Minimum. Auf streng rationierte Marken gab es abstoßende in Plastik verpackte Papp-Sandwiches und Getränke. War es früher selbstverständlich, dass die AktionärInnen, die ja immerhin das Geld für den Betrieb gaben, mit Filmen der BAYER-Tochter AGFA und mit Kosmetika aus eigener Produktion beschert wurden, so wurden jetzt diese Aktionärspräsente ersatzlos gestrichen. Und auch die Eintrittskarten für die Hauptversammlung wurden am Rande der Legalität beschränkt. Stehen jedem Aktionär für jede seiner Aktien eine Eintrittskarte zu, so wurde jetzt nur noch eine Eintrittskarte je Depot ausgegeben.

Insgesamt gelang es dem Konzern so, die Zahl der anreisenden AktionärInnen auf ca. 6.000 herunter zu drücken, doch dabei blieb es. Seit nunmehr18 Jahren muss der Konzern es sich gefallen lassen, dass auf seiner Hauptversammlung die Hauptthemen nicht Gewinn und Dividende, sondern Umweltverbrechen, Produktionsgefahren, Menschenrechtsverletzungen und Sozialabbau sind.

BAYER befindet sich in deutscher Hand
Ist BAYER ein multinationaler Konzern, so befindet sich der Konzern doch überwiegend im Besitz deutscher AktionärInnen. Im Ausland werden lediglich 44 Prozent des Kapitals gehalten. Dabei führt Großbritannien mit 12 Prozent, gefolgt von den USA mit 9 Prozent, der Schweiz mit 8 Prozent, Luxemburg mit 4 Prozent und den Niederlanden mit 3 Prozent. Dabei sind die hohen Anteile der Schweiz und von Luxemburg sicherlich zu großen Teilen der Steuerflucht privater und institutioneller Großaktionäre aus Deutschland geschuldet, was den deutschen Anteil weiter stärkt.

Die Bosse greifen in die Kasse
Bei BAYER gibt es für Belegschaftsangehörige drei Aktienerwerbs- Programme. Da ist zunächst für die einfachen Belegschaftsangehörigen (BAYER-Deutsch: „Tarifmitarbeiter und leitende Kräfte der unteren Ebenen“) das „Aktienbeteiligungsprogramm“. Unter bestimmten Voraussetzungen können BAYER-MitarbeiterInnen zu vergünstigten Bedingungen oder im Ausgleich als Prämienleistung Aktien erwerben. Über diese Anteile können sie allerdings nicht frei verfügen, es gelten sehr restriktive Bedingungen für den Verkauf dieser Papiere.

Anders bei den „oberen Führungskräften“. Ihnen werden BAYER-Aktien im Rahmen eines „Aktien-Incentive-Programms“ gratis und zur freien Verfügung zugewiesen. „Sofern bestimmte Erfolgs- und Haltekriterien erfüllt werden“, über die sich der Leiter des BAYER-Ressorts Corporate Investor Relations, Dr. Alexander Rosar, nicht weiter äußert.

Die BAYER-Bosse schließlich (BAYER-Deutsch: „Mitarbeitergruppe der höchsten Vertragsstufe“) können sich ungehindert im Rahmen eines sogenannten „Aktien-Options-Programms“ bedienen. Hier weisen sich die Herren (Damen gibt es in der BAYER-Vorstandsriege nicht) z.B. im Rahmen von Neu-Emissionen ganze Kontingente „junger Aktien“ zum weit unter Börsenkurs liegenden Vorzugspreisen per Beschluss selbst zu. Dies kommt einem legalen Griff in die Kasse gleich.

Vor dem Hintergrund dieser Aktien-Programme für das Management wird deutlich, dass der „einfache“ Belegschaftsaktionär mit Sicherheit erheblich weniger Aktien im Depot hat, als die von BAYER gemeldeten durchschnittlich von 311 Aktien je Mitarbeiterdepot. Und der Vorstandsvorsitzende, Dr. Wenning, nennt mit Garantie ein Vielfaches dieses Durchschnitts sein Eigen.

Die BelegschaftsaktionärInnen
Zu dieser Gruppe der PrivataktionärInnen gehören auch rd. 50.000 bundesdeutsche Beschäftigte von BAYER-Werken und Tochter- Unternehmen. Diese BelegschaftsaktionärInnen halten 2,1 Prozent des Gesamtkapitals. In jedem dieser Mitarbeiterdepots, die bei COMMERZBANK, DEUTSCHE BANK und der SPARKASSE Leverkusen geführt werden, liegen durchschnittlich 311 Aktien im Wert von gerade einmal ca. 800 Euro. Damit finanzieren die Beschäftigten den Konzern zwar mit 39,9 Mio. Euro, gehören aber grundsätzlich zu den Mini-AktionärInnen. Ausländischen MitarbeiterInnen werden laut dem Chef des BAYER-Ressorts Corporate Investor Relations, Dr. Alexander Rosar, grundsätzlich keine Belegschaftsaktien angeboten.

[Aktionsbericht] Hauptversammlung 2004

CBG Redaktion

Proteste bei BAYER-Hauptversammlung

Genfood & Kapital-Klone

Von Udo Hörster

Den Weg zur BAYER-Hauptversammlung in den Kölner Messehallen mussten sich die AktionärInnen durch das Straßen-Theater der BUNDjugend bahnen, die einen pantomimischen Tanz um das Goldene Kalb „Genfood“ aufführte. Alsdann begrüßte sie die traurige Gestalt eines jungen Managers im feinen Zwirn, buchstäblich an die Kette der Gentechnik gelegt. Unmittelbar vor dem Eingang in die heiligen Hallen des Profits erwartete die Aktien-HalterInnen schließlich ein Spalier von GenforscherInnen in steril-weißer Einheitskluft. Auf Bauchläden boten sie Gen-Mais feil, beworben mit dem Slogan „Leben - made by BAYER“. Parallel dazu verteilten sie Beipack-Zettel mit den Risiken und Nebenwirkungen. Vielleicht mochte deshalb keine/r herzhaft in die Zukunftstechnologie beißen.

Im Saal selber kleideten die ProtestlerInnen ihre Kritik an der grünen Gentechnik in Worte. „Ärzte warnen vor den Gefahren“, mahnte Geert Ritsema von FRIENDS OF THE EARTH EUROPE. Ein ganzes Bündel von Risiken zählte er auf: die Bedrohung der Artenvielfalt, mehr Umweltschäden durch erhöhte Pestizid-Ausbringungen und Einkreuzungen in Wild-Pflanzen. Als besonders schwerwiegend betrachtete er die Gefährdung der Sicherheit von Reis, Asiens Lebensmittel Nr. 1, durch BAYERs Herbizid-resistente Sorte LL 62. Neun von 15 Ländern der Europäischen Union teilten laut Ritsema diese Einschätzung: Sie erhoben Bedenken gegen die vom Leverkusener Chemie-Multi bei der EU beantragte Import-Genehmigung. Zuvor hatte Belgien schon gentechnisch verändertem Raps die Zulassung verweigert und Großbritannien Gen-Mais nur unter so hohen Sicherheitsauflagen genehmigt, dass BAYER die Risiken nicht tragen mochte und auf einen Anbau verzichtete. Als Resümee zitierte Geert Ritsema die Äußerung eines - politisch völlig unverdächtigen - Sprechers der DZ-BANK: „Genfood ist ungefähr so attraktiv wie die Atombombe“. Er forderte den Unternehmensvorstand aus diesem Grund auf, sich die Frage zu stellen: „Sollen wir Genfood gegen den Willen der meisten Europäer durchsetzen?“.

Aber nicht nur in Europa, auch in Südamerika stößt die „grüne Gentechnik“ auf breite Ablehnung, berichtete Lutz Weischer von der BUNDjugend. Gerade in den armen Ländern verfängt die PR-Strategie der Multis, gentechnisch veränderte Nutz-Pflanzen als Mittel gegen den Welthunger anzupreisen, nicht, weil sie der Realitätsprüfung nicht standhält. „Hunger ist ein Verteilungsproblem“, ergibt diese Weischer zufolge nämlich. Nicht Hochtechnologie, sondern Zugang zu Land und erschwinglichem Saatgut könnte die Lage der Menschen dort verbessern. Und da wirkt die Gentechnik nach Meinung des BUND- Aktivisten kontraproduktiv. Kapital-intensiv und deshalb auf große Anbau-Flächen angewiesen, befördert sie das Bauernsterben und treibt so nur noch mehr Menschen ins Elend. „Sind Sie bereit, auf diese Behauptung zu verzichten?“, fragte Lutz Weischer deshalb BAYER-Chef Werner Wenning.

Dazu war der Angesprochene nicht bereit. Allerdings musste er in seiner Antwort auf die Gegen-Redner die Akzeptanz-Probleme der grünen Gentechnik einräumen. In bemerkenswerter Offenheit nannte der Vorstandsvorsitzende auch die Gründe dafür. „Der Vorteil liegt bei den Anbietern“, gab er zu, weil die Technologie vor allem eine „effizientere Produktion“ erlaube. Die KonsumentInnen haben also selbst nach Meinung Wennings überhaupt nichts von den Labor-Kreationen - aber er arbeitet daran. Durch qualitätssteigernde Maßnahmen wie Erhöhung des Vitamin-Gehaltes will er einen „Nutzen für den Verbraucher“ schaffen und das Genfood popularisieren. Mit dem „Vitamin-A-Reis“ vermeinten die Agro-Multis schon einmal so einen massenwirksamen Superstar gefunden zu haben, dessen Karriere allerdings im Nirvana endete. Auf die von Ritsema und Weischer geäußerten Sicherheitsbedenken ging Werner Wenning mit keinem Wort ein - sie existierten für ihn schlicht nicht. Die Zulassungsverweigerungen beruhten ihm zufolge nicht auf „wissenschaftlichen Erkenntnissen“, sondern hatten ausschließlich „politische Gründe“.

Ähnlich dürftig fielen die Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden zum Geschäftsgebahren der Konzern-Gesellschaft HC STARCK im Kongo aus. Friedhelm Meyer von der SOLIDARISCHEN KIRCHE IM RHEINLAND (SOKI) legte dar, wie die BAYER-Tochter dort durch den Aufkauf von Coltan-Erz zur Finanzierung des Bürgerkriegs beiträgt. Schon in seinen Bemerkungen zu den von der CBG eingereichten Gegen-Anträgen hatte Werner Wenning dies kategorisch bestritten: „HC STARCK hat die Rebellen zu keiner Zeit unterstützt“. Bei dem BAYER-Manager Thomas Porz, der 2003 auf dem ökomenischen Kirchentag an einer Diskussion zu dem Thema mit der Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul teilnahm, hörte sich das ganz anders an. Das Unternehmen habe Coltan bis 2001 ganz offen und ab dann „lediglich über einen Spot-Markt - also nicht direkt“ aus dem Kongo bezogen, zitierte ihn Meyer.

Der ehemalige Pfarrer, andere SOKI-MitstreiterInnen sowie CBGler haben auf dem gemeinsamen Kirchentagsstand noch ein zusätzliches Kapitel aus dem Sündenregister des Leverkusener Chemie-Multis aufgeschlagen: Die Gesundheitsgefährdungen durch Pestizide. Meyer machte auf Schätzungen der WHO aufmerksam, wonach jährlich bis zu 20.000 Menschen durch die Ackergifte sterben. Als aktuelles Beispiel nannte er die zahlreichen Vergiftungsfälle unter indischen Baumwoll- FarmerInnen durch BAYERs Monocrotophos und andere Agro- Chemikalien. Zu diesem traurigen Anlass erinnerte Friedhelm Meyer den Vorstand an ein auf der Hauptversammlung von 1995 abgegebenes Versprechen, bis zum Jahr 2000 alle Pestizide der höchsten Toxizitätsklasse durch solche geringerer Giftigkeit zu ersetzen. Davon wollte Wenning allerdings nichts mehr wissen. Seiner Ansicht nach hatte es sich dabei nur um eine unverbindliche Absichtserklärung gehandelt, zu der er sich immer noch ohne Risiko bekennen konnte: „Die Ziele bleiben bestehen“. Auch ansonsten sollten nur Worte helfen - Aufklärung und Schulungen der LandwirtInnen - konkrete Maßnahmen zur Senkung der Todesraten stellte der BAYER-Chef dagegen nicht in Aussicht.

Information und Diskussionen - das sah der Konzern-Chef auch als probates Mittel zur Abschaffung von Kinderarbeit bei den Zulieferern von BAYERs indischer Saatgut-Tochter PROAGRO an. Cornelia Heydenreich von GERMAN WATCH zeichnete der AktionärInnen- Versammlung ein plastisches Bild von den menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen 6 bis 14-Jährige - vor allem Mädchen - auf den Feldern Frondienste leisten, oft noch in Schuldknechtschaft. Eine Studie des indischen GRCS-Institutes hatte die Missstände ans Licht gebracht, die CBG veröffentlichte die deutsche Übersetzung. Dadurch geriet der BAYER-Konzern unter politischen Druck und musste handeln. PROAGRO übernahm die Verantwortung für die Kinderarbeit, was auch recht und billig ist, schließlich lassen die niedrigen Abnahme-Preise für das Saatgut den LandwirtInnen keine andere Möglichkeit als Minderjährige zu beschäftigen. Zudem trafen Konzern-ManagerInnen mit VertreterInnen der indischen Kinderrechtsinitiative MAMIDIPUDI VENKATARANGAIYA FOUNDATION (MV) zusammen und führten Gespräche mit anderen Agro-Multis. Jetzt allerdings gibt es nach Angaben von MV ein Rollback. PROAGRO wälzt die Verantwortung wieder auf die Saatbauern ab und gewährt der Initiative keinen Einblick in die angeblich Kinderarbeit ausschließenden neuen Verträge. Deshalb verlangte Heydenreich von Wenning, Klartext zu reden: „Wieviel Kinder sind bei Zulieferern von BAYER beschäftigt?“ und „Sind Sie bereit, höhere Preise zu zahlen?“

Darauf blieb der Große Vorsitzende die Antwort schuldig. Stattdessen verlegte er sich darauf, abzustreiten, dass BAYER selbst Kinder angestellt hätte - und entkräftete damit einen Vorwurf, den Cornelia Heydenreich gar nicht erhoben hatte - eine plumpe Ablenkungsstrategie.
Erwachsene Beschäftigte haben beim Pharma-Riesen auch nicht unbedingt ein besseres Los. Uwe Friedrich (CBG) lieferte dafür ein Fall-Beispiel aus den Philippinen. Der Ingenieur Juanito Facundo war Gewerkschaftsvorsitzender der EMPLOYEES UNION OF BAYER PHILIPPINES (EUBP). Er organisierte unter anderem Streiks und sagte in Arbeitsgerichtsprozessen zu Gunsten von Kollegen aus. BAYER versuchte diese Arbeit nach Kräften zu behindern. Sie unterstützte die kapital-freundlichere Konkurrenz-Gewerkschaft, hielt der EUBP Mitgliedsbeiträge vor und konsultierte sie nicht wie vorgeschrieben bei Entlassungen. Schließlich überreichte die Geschäftsführung Facundo und einer ebenso engagierten Kollegin sogar die fristlose Kündigung. Poltische Motive dafür stritt der BAYER-Vorsitzende vehement ab. „Im Rahmen einer Rationalisierung“ hätte der Gewerkschaftler gehen müssen, so Wenning. Seltsam nur, dass BAYER für den „Wegrationalisierten“ schon bald nach einem gleichwertigen Ersatz suchte ...

Auch an den bundesdeutschen Standorten gerät die Belegschaft zunehmend unter Druck. „In den Werken herrscht eine schlechte Stimmung“, schilderte Andrea Will von der DKP den ZuhörerInnen die Lage vor Ort, sogar Hochqualifizierte flüchteten vor dem immer größer werdenden Druck schon in die Frühpension. Angesichts dieser Vergeudung menschlicher Schöpfungskraft kritisierte Will den Vorstandsvorsitzenden: „BAYER ist nur so viel wert, wie die Mitarbeiter, die dort arbeiten - das ist ihnen nicht klar!“. Der Kragen platzte der Vorstandsriege, als Andrea Will für ihre Forderungen nach Sicherung der Arbeitsplätze und gerechter Entlohnung von den anwesenden ca. 6.000 AktionärInnen auch noch starken Applaus erhielt. Da brach der Widerspruch zwischen den GroßaktionärInnen, BankvertreterInnen und BAYER-Managern und der Masse der KleinaktionärInnen offen auf.

Axel Köhler-Schnura von der CBG beschäftigte sich in seiner Rede ebenfalls mit der Arbeitsplatz-Vernichtung, der erhöhten Arbeitsdichte, dem Abbau betrieblicher Sozialleistungen und den immer neuen Rationalisierungsmaßnahmen. Er warf dem Konzern vor, aufgrund seiner Macht weit über den Konzernrahmen hinaus für die gesellschaftliche Entwicklung zu sozialer Kälte und rücksichtsloser Profitorientierung verantwortlich zu sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Manfred Schneider wurde nicht umsonst erst unlängst von der Springerpresse zum „mächtigsten Mann Deutschlands“ erkoren, so das CBG- Vorstandsmitglied. Den im Aufsichtsrat sitzenden Vorsitzenden der IG BCE, Hubertus Schmoldt, forderte er auf, endlich konsequent Front zu machen gegen sozialen Kahlschlag, Arbeitsplatzvernichtung und Umweltzerstörung bei BAYER. Als „sozialen Krieg“ bezeichnete Köhler-Schnura BAYERs Unternehmenspolitik und erinnerte daran, welch hervorgehobene Rolle der Konzern beim in der Bundesrepublik tobenden Klassenkampf von oben spielt. Mit der Lancierung der „Standort-Debatte hat BAYER “die Erpressung der Öffentlichkeit bis zur Perfektion entwickelt„, so der CBGler. Und sich höchstpersönlich um die Umverteilung gekümmert: der Kopf der “Unternehmenssteuerreform„ im Hause Eichel war nämlich niemand anders als der ehemalige BAYER- Finanzchef Heribert Zitzelsberger. Sogar die seitdem vergeblich auf die Gewerbesteuer vom Konzern wartenden Bürgermeister an den Standorten hat das schon zu Demonstrationen auf die Straße getrieben, empörte sich Köhler-Schnura. “Von einer Steuervermeidungsstrategie kann nicht die Rede sein„, wies Werner Wenning in seiner Nicht-Antwort die Anschuldigungen Wills und Köhler-Schnuras zurück.

Je schamloser der Konzern seine Profit-Interessen zum Schaden der Beschäftigten und der Standorte verfolgt, desto vehementer entwirft er in der Öffentlichkeit das Bild einer verschworenen BAYER-Gemeinschaft. So ziert den Umschlag der Hauptversammlungsbroschüre ein Foto, das die versammelte Belegschaft des Werkes in Berkeley zeigt. In Einheitskluft, mit Einheitslächeln und mit einheitlich gen Himmel gereckten Armen präsentieren sie stolz die Früchte ihrer Arbeit. Hubert Ostendorf von der CBG gemahnte das an entsprechende propagandistische Kraftakte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Noch ein anderer Fall demonstrierte für den Galeristen den beispiellos unsensiblen Umgang mit der Vergangenheit: Die Beteiligung am Bau des Holocaust-Mahnmals. “Ein Konzern, der von Zwangsarbeitern profitiert hat, profitiert jetzt vom Gedenken an die Opfer„, protestierte der CBGler.

Für diese Profite geht der Chemie-Multi immer noch über Leichen, so Ostendorf. In den 80er Jahren lieferte er nicht hitze-behandelte und deshalb mit hohem AIDS-Risiko behaftete Blut-Präparate nach Fernost, obwohl es zu diesem Zeitpunkt schon entsprechende Verfahren gab. Die Folge: hunderte Bluter starben. “Eine tragische Entwicklung„, nannte das Werner Wenning und wies den Vorwurf zurück, BAYER würde PatientInnen “bewußt Risiken aussetzen„. Die Präparate hätten “dem neuesten Stand der Technik„ entsprochen und seien nach den “besten wissenschaftlichen Erkenntnissen„ hergestellt, versicherte er wenig überzeugend.

Ein Teil einer solchen nach “dem neuesten Stand der Technik„ gebauten Anlage zur Produktion von TDA-Kunststoff explodierte Anfang des Jahres im texanischen Baytown. Kilometer-weit war der Knall zu hören, gab CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes den AktionärInnen einen Eindruck vom Ausmaß des Störfalls. Über den Unfall-Hergang schweigt der Pharma-Riese sich aus - “aus Wettbewerbsgründen„. Hinter den Kulissen jedoch entfaltete er eine fieberhafte Aktivität. SicherheitsexpertInnen aus bundesdeutschen Werken reisten an und betrieben Ursachen-Forschung. Die Panik hatte einen Grund, erläuterte Mimkes: BAYER hatte am Standort Dormagen nämlich gerade Europas größte TDA-Anlage in Betrieb genommen. “Die Prozesse sind grundsätzlich unterschiedlich„, beschwichtigte Wenning und sagte das, was BAYER-Chefs in solchen Fällen immer sagen: “Es bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung„. Großzügig erklärte er sich trotzdem bereit, die “Sicherheitsstandards weiter zu verbessern„.

Wie BAYER im Gegenteil alles tut, um Sicherheitsstandards zu verwässern, legte der CBG-Geschäftsführer am Beispiel des Chemikalien-Gesetzes der EU dar. Die Kommission wollte dem Vorsorge-Prinzip Geltung verschaffen und den Chemie-Unternehmen zur Auflage machen, 70.000 niemals getestete chemische Substanzen erstmals auf ihre Gefährlichkeit hin zu untersuchen. Aber BAYER und die anderen betroffenen Konzerne gingen zum Extrem-Lobbying über, an dessen Ende vom ursprünglichen Entwurf nicht mehr viel übrig war. In den USA betrieben die Multis laut Mimkes Vorsorge gegen das Vorsorge-Prinzip, um entsprechende Regelungen schon im Vorfeld zu verhindern. Ihr Verband ACC engagierte die berühmt-berüchtigte PR-Agentur NICHOLS-DEZENHALL und gab eine Schmutz-Kampagne in Auftrag. Die “schmutzigen Hände„ dafür fand die Agentur unter anderem unter ehemaligen CIA- und FBI-AgentInnen. Und die dachten sich zahlreiche Undercover-Maßnahmen aus: Bespitzelung von Umwelt-AktivistInnen, Gründung von chemie-freundlichen Pseudo- Bürgerinitiativen und ebensolcher “unabhängiger„ Institute. “Das kann man nur als perfide bezeichnen„, kommentierte Philipp Mimkes. Für den Versammlungsleiter Manfred Schneider war das zu harter Tobak. Er forderte den CBGler auf, seine Rede abzubrechen. Der Geschäftsführer ließ sich jedoch nicht beirren und klärte das Auditorium weiter darüber auf, was bei BAYER wirklich hinter den hehren Bekenntnissen zum Umweltschutz à la “Responsible Care„ und “Sustainable Development„ steckt.

Mit seiner Intervention griff Aufsichtsratsvorsitzender Schneider zum gröbsten Mittel zur Abwehr von Kritik. Ansonsten begnügten sich er und Wenning damit, die Beiträge der kritischen AktionärInnen als “sachlich unzutreffend„, “bloße Behauptungen„, “jeder Grundlage entbehrend„, “Halbwahrheiten„ und “nicht nachvollziehbar„ abzuqualifizieren. Axel Köhler-Schnura hatte das alles schon aus den Vor-Mündern von Schneider und Wenning gehört, den Ex-Aufsichtsratschefs Hermann Josef Strenger und Herbert Grünewald . Er präsentierte dem Vorstand mit Verweis auf die wg. des LIPOBAY-Skandals nötig gewordenen Schadensersatz-Rückstellungen in Höhe von 300 Millionen Euro die Rechnung für diese Ignoranz: “Sie sehen, wie sich unsere Fakten im Laufe der Zeit wieder als millionen-schwere Verlust-Wahrheiten in die Berichte der Vorsitzenden einschleichen„.

Dazu sagten die Manager nichts. Nur wenn es um Zahlen ging, wurden Werner Wenning und Aufsichtsrat-Chef Manfred Schneider redseliger. Damit kennen sie sich aus und stellten es unter anderem dadurch unter Beweis, dass sie die Aufsichtsrats-Vergütungen im Zuge der Dividenden-Kürzung von 90 auf 50 Cent von dieser Richtgröße abkoppelten und an den Brutto-Cashflow banden - nicht umsonst sitzen schließlich Cash-Experten vom Schlage eines Josef “V„ Ackermann in dem Gremium.

Stimmen und Gegenstimmen
Mehr als 200.000 Aktien wurden der CBG und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bereits vor der Hauptversammlung übertragen. In den Abstimmungen stimmten bis zu 3 Millionen Aktien mit “Nein". Weitere ca. 1 Mio. Stimmen enthielten sich und sprachen sich so gegen den Vorstand aus. Das waren zwar nur einige wenige Prozent, also die Minderheit aller Aktien, aber klar die Mehrheit der anwesenden AktionärInnen. BAYER bleibt also auf Profitkurs, der Widerstand wurde jedoch mehr als deutlich.

[Artikel WELT] außerordentliche HV 2004

CBG Redaktion

Die Welt, 7. Oktober 2004

Bayer reizt bei Lanxess-Tochter Grenze des Zumutbaren aus

von Frank Seidlitz

Die Bürde wiegt schwer, die der Bayer-Konzern seiner Tochter Lanxess mit auf den Weg in die vermeintliche Unabhängigkeit gibt: Milliarden-Verbindlichkeiten, stark zyklisches Geschäft. Und die Margen sind auch nicht so rosig. Was aber für Lanxess einer Wachstumsbremse gleichkommt, ist für den leidgeprüften Dax-Wert einer der größten Befreiungsschläge in der Geschichte. Auf dem Rücken der Konzerntochter wollen sich die Leverkusener sanieren - und werden dies wohl auch nach drei Krisenjahren schaffen.

Von einer erfolgreichen Wachstumsstrategie bei ihrer Tochter spricht aber nun selbst Bayer nicht mehr. Die neue Wandelanleihe kann darüber nicht hinwegtäuschen. Denn die Finanzspritze von Bayer ist kein Beweis, daß der Mutter-Konzern an die erfolgreiche Zukunft von Lanxess glaubt, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, um sich ihrer zu entledigen. Ohne die Finanzspritze hätte Bayer Lanxess nicht gleichzeitig mit einem solch hohen Berg von Verbindlichkeiten ausstatten können. Die Rating-Agenturen hätten die Bonität der Chemie- und Kunststoff-Tochter extrem niedrig angesetzt - und ihr damit finanzielle Schwierigkeiten bereitet. Doch nun kann Lanxess wenigstens hoffen, ein Rating zu erhalten, das die Finanzierungskosten in Grenzen hält und damit akzeptabel ist.

Bayer ist also mit der Weitergabe von Problemfällen an Lanxess an die Grenze des Zumutbaren gegangen. Das wird sich voraussichtlich negativ auf den Aktienkurs von Lanxess auswirken. Dazu kommen weitere Negativfaktoren: Knapp 20 Prozent der Bayer-Aktionäre sind Privat-Anleger, die - so zeigt es die Erfahrung der Celanese-Abspaltung vom Hoechst-Konzern - den Spin-Off für einen Ausstieg nutzen könnten. Darüber hinaus wird den Lanxess-Kurs die Erwartung, daß auch Bayer nach der Einlösung der Wandelanleihe sich auf kurz oder lang von seinem knapp 20 Prozent-Aktienpaket trennen wird.

[Rede Axel K.-Schn.] außerordentliche HV 2004

CBG Redaktion

Rede Axel Köhler-Schnura auf der Bayer-Hauptversammlung am 17.11.2004

Meine Damen und Herren, guten Tag,

mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich bin Mitglied des Vorstands des internationalen Selbsthilfenetzwerks der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Regelmäßigen BesucherInnen von BAYER-Hauptversammlungen bin ich ja bekannt.

Meine Damen und Herren,
auch wenn wir Jahr für Jahr miterleben, wie abwertend der Vorstand mit kritischen Gegenanträgen umgeht, ist es doch eine Mißachtung der Aktionärsdemokratie, wenn der Vorstand - wie heute geschehen - auf der Hauptversammlung die AktionärInnen nicht über den vorliegenden Gegenantrag informiert und dazu keine Stellungnahme abgibt.
Herr Wenning, Sie werden sicherlich unseren Gegenantrag in gleicher Weise unsachlich und realitätswidrig abqualifizieren wie in den Vorjahren, aber ich bitte Sie doch, die Grundregeln des Umgangs mit AktionärInnen einzuhalten.
Und an dieser Stelle noch ein Wort an meinen Vorredner, Herrn Buhlmann (Name wie akustisch verstanden?): So spaßig Ihre Bemerkung zu unserem Gegenantrag war, so falsch war sie auch. Selbstverständlich haben wir Agumente, und zwar gute!, für die Ablehnung der Abspaltung und sie wurden von uns in der Begründung des Gegenantrags auch mitgeteilt und entsprechend veröffentlicht. Dass unsere Argumente aber von Ihnen nicht wahr- und ernstgenommen werden, hängt einfach damit zusammen, sie passen einfach nicht in ihr einzig am Profit ausgerichtetes Wertgefüge.

Meine Damen und Herren,
Sie alle kennen den ehemaligen Bundesminister und Generalsekretär der CDU, Dr. Heiner Geisler. Im Vorfeld dieser Hauptversammlung erreichte uns ein Beitrag von ihm. Gerade weil das Management immer versucht, meine Redebeiträge mit Hinweis auf meine Mitgliedschaft in der Coordination gegen BAYER-Gefahren vom Tisch zu wischen, ist es mir eine besondere Freude, Ihnen jetzt das Statement von Dr. Geisler zur Kenntnis bringen zu dürfen. Und ich schreibe diesen Beitrag nachdrücklich allen ins Stammbuch, die vorhin bei Vorstand und Befürwortern der Abspaltung so zustimmungsfreudig applaudiert haben: „Unter Berufung auf angebliche Gesetze des Marktes reden die ökonomischen und wissenschaftlichen Eliten einer anarchischen Wirtschaftsordnung, die über Leichen geht, das Wort.
100 Millionen von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in Europa und den USA und 3 Milliarden Arme, die zusammen ein geringeres Einkommen haben als die 400 reichsten Familien der Erde, klagen an: die Adepten einer Shareholder-Value-Ökonomie, die keine Werte kennt jenseits von Angebot und Nachfrage, Spekulanten begünstigt und langfristige Investoren behindert. ... Die Arbeiter in den Industriestaaten und ihre Gewerkschaften, die angesichts der Massenarbeitslosigkeit mit dem Rücken an der Wand stehen, fühlen sich anonymen Mächten ausgeliefert, die von Menschen beherrscht werden, deren Gier nach Geld ihre Hirne zerfrisst.
Die Menschen leben und arbeiten in einer globalisierten Ökonomie, die eine Welt der Anarchie ist - ohne Regeln, ohne Gesetze, ohne soziale Übereinkünfte,
eine Welt, in der Unternehmen, Großbanken und der ganze “private Sektor„ unreguliert agieren können.
Wo bleibt der Aufschrei gegen ein Wirtschaftssystem, in dem große Konzerne gesunde kleinere Firmen mit Inventar und Menschen aufkaufen, als wären es Sklavenschiffe aus dem 18.Jahrhundert, sie dann zum Zwecke der Marktbereinigung oder zur Steigerung der Kapitalrendite und des Börsenwertes dichtmachen und damit die wirtschaftliche Existenz von Tausenden mitsamt ihren Familien vernichten? Den Menschen zeigt sich die hässliche Fratze eines unsittlichen und auch ökonomisch falschen Kapitalismus, wenn der Börsenwert und die Managergehälter - an den Aktienkurs gekoppelt - umso höher steigen, je mehr Menschen wegrationalisiert werden. ...“
Soweit das Statement des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Dr. Geisler.

Meine Damen und Herren,
ich kann diesem Statement persönlich beim besten Willen nichts mehr hinzufügen - es trifft einfach zu.

Meine Damen und Herren,
Sie alle wissen - es war ja nun sogar schon in der BILD-Zeitung zu lesen - BAYER überträgt auf Lanxess Schulden in Milliardenhöhe. Das ist Coup, mit dem sich BAYER über die vom BAYER-Mann Heribert Zitzelsberger lancierte Steuergesetzgebung gnadenlos am Steuersäckel bereichert. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes asozial.
Zugleich bedeutet diese Schuldenlast knallharte Erpressung der Beschäftigten. Diese werden damit dauerhaft genötigt, Kosteneinsparungen durch Mehrarbeit und Lohnverzicht, aber auch durch Verlust ihres Arbeitsplatzes, zu leisten. Trotz aller schöner Worte droht Tausenden Beschäftigten der Abstieg in prekäre Arbeitsverhältnisse und in die Arbeitslosigkeit. LanXess-Vorstandsmitglied Ulrich Koemm hat bereits Schließungen von Betriebsteilen und Verkäufe ankündigt.
Und da die Arbeit in der Regel nicht wegfällt, steigt der hohe Arbeitsdruck auf die Belegschaft weiter an. Neu eingestellte MitarbeiterInnen werden tariflich schlechter gestellt. Auch die Möglichkeit der Belegschaft, auf den Kurs des Unternehmens Einfluss auszuüben, ist langfristig gefährdet: bei Aufsplitterung in immer kleinere Einheiten fällt die tarifliche Mitbestimmung weg.

Meine Damen und Herren,
in der LanXess-Belegschaft wird das, was hier läuft, so auf den Punkt gebracht: „verraten und verkauft“ - das ist der bittere Kommentar aus den Werken. Das Gerede der Konzernleitung von Standortsicherung und Beschäftigungsgarantien erweist sich als fadenscheinig und verlogen.

Meine Damen und Herren,
auch für den Umwelt- und Verbraucherschutz ist LanXess eine neue Gefahr. LanXess wird - da als Profitbringer einzig auf die harte, weltweit verfemte, die Existenz des Planeten gefährdende Chlorchemie als Produkt angewiesen - gegen jeden gesunden Menschenverstand all das weiter vermarkten, wogegen alle Welt Sturm läuft: Hormonaktive bzw. hochtoxische Produkte wie Weichmacher, Phosgen, Chlorbenzole, Isocyanate und Nitrotoluole.
Das umfangreiche Wortgeklingel im Abspaltungs- und Übernahmevertrag zu Haftungsfragen und Umweltschäden weist bereits darauf hin: Für Regierungen, Kommunen, Organisationen und Personen wird es künftig noch schwieriger, Ansprüche für entdeckte und unendeckte Altlasten und Umwelt- und Gesundheitsschäden durchzusetzen.

Meine Damen und Herren,
wir alle hier im Saal werden heute, wenn der Vorschlag des Vorstands zur Abspaltung nicht abgelehnt wird, Zeugen wie das so funktioniert, was der Stern in Millionenauflage in seiner Ausgabe v. 24.10.2004 den „Putsch von ganz oben nennt“: Bei der Abspaltung von LanXess geht es um eine groß angelegte Umverteilung von unten nach oben. Mehr als 73 Millionen Aktien sollen hier heute verschenkt werden. 95 Prozent dieser Aktien wird sich eine kleine Elite von institutionellen und anderen GroßaktionärInnen aneignen. Aber auch die Masse der Klein- und KleinstaktionärInnen werden mit je einer Neu-Aktie auf 10 Altaktien bedacht. Je nach Kurswertentwicklung geht es hier um einen Betrag von schätzungsweise immerhin ca. 300 Millionen bis ca. 1 Milliarde Euro, der ohne jede Gegenleistung der AktionärInnen deren Vermögen steigert.

Meine Damen und Herren,
dieser Umbau geht nicht nur voll zum Nachteil der Belegschaften, er geht auch auf Kosten des Sozialstaates und der arbeitenden Menschen im Land insgesamt.

Meine Damen und Herren,
Sie hier im Saal sind überwiegend Kleinaktionärinnen und Kleinaktionäre. Sie sind vielfach einfache Belegschaftsangehörige oder ehemalige Betriebsbeschäftigte. Doch den Ton hier geben die Großaktionäre und Banken mit ihrem Depotstimmrecht an. Und diese Großaktionäre und Banken bzw. Investmentgesellschaften haben im Gegensatz zu den Beschäftigten und den KleinaktionärInnen kein ethisches, kein soziales und auch kein ökologisches Gewissen.
Aber Sie, meine Damen und Herren KleinaktionärInnen, Sie, die Sie als Gewerkschaftskollegen und -kolleginnen wissen, wie es an den Arbeitsplätzen und hinsichtlich der Familienbudgets aussieht, Sie haben ein soziales und ökologische Gewissen. Sie wissen noch, wie Moral und Ethik buchstabiert werden.
Deshalb fordere ich Sie auf, zeigen Sie den Großaktionären, Vorständen und Aufsichtsräten, was Sie von ihnen halten. Auf jeder Hauptversammlung stimmen mehre Tausend KleinaktionärInnen mit uns. Trotz dieser Zahlen macht dies aufgrund der Besitzverhältnisse der Großaktionäre trotzdem rein mathematisch keinerlei Mehrheiten aus. Stimmen Sie aber bitte trotzdem - oder gerade deshalb - mit NEIN. Setzen Sie mit Ihren Aktien ein Zeichen für soziale Sicherheit, Umweltschutz und Menschenrechte. Gegen Profitgier und Menschenverachtung.
Entsprechend unser Gegenantrag: Stimmen Sie dem Abspaltungsvertrag nicht zu.

Meine Damen und Herren,
ich stehe hier beauftragt von Hunderten von Kleinaktionären und Kleinaktionärinnen mit Gewissen, die bereits im Vorfeld dieser Hauptversammlung der Coordination gegen BAYER-Gefahren und dem Dachverband der Kritischen Aktionäre und Aktionärinnen ihre Aktien übertragen haben. Tun Sie Ihre Aktien dazu, stärken Sie das Signal für Soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte.
Sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so lassen Sie sich von uns vertreten. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links.
Vielen Dank.

[Rede Rosche] Hauptversammlung 2005

CBG Redaktion

“Frauen werden giftig”- Fragen an den Bayer Vorstand von Daniela Rosche, WOMEN IN EUROPE FÜR A COMMON FUTURE (WECF)

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Daniela Rosche, ich spreche fuer Women in Europe for a Common Future. WECF ist ein europäisches Netzwerk von Frauenorganizationen, die sich für Gesundheit und Umweltschutz einsetzen. Unsere Themen ergeben sich aus dem Bedürfnis von Frauen, Gesundheits und Umweltprobleme konkret zu benennen und Schäden von uns, unseren Familien und der Gesellschaft abzuwenden. In diesem Zusammenhang beschaeftigen wir uns auch mit Chemikalienpolitik

WARUM?
Weil wir giftig werden&

  • 8722; immer giftiger! Täglich nehmen wir über unzählige Alltagsprodukte, ungewollt und unbewusst, viele Chemikalien in uns auf: Parabene in Haarschampoo, Bromierte Flammschutzmittel in Fernsehern, Weichmacher in Duschvorhängen und Auslegeware, Formaldehyd in Lufterfrischern oder Teflon in der Bratpfanne, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Substanzen befinden sich darüber hinaus auch in unserer Umwelt und verschmutzen dort Luft, Gewässer, Flüsse, Meere und die Tierwelt. Mit welchen Folgen, ist oft nicht bekannt, denn von den rund 100.000 Chemikalien, die es auf dem europäischen Markt gibt, sind bislang nur 14 Prozent auf ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt getestet worden.

Bis zu 300 verschiedene Chemikalien konnten bisher im menschlichen Körper nachgewiesen werden. Frauen und Kinder sind davon in besonderem Maße betroffen. Sie reagieren zum Beispiel empfindlicher auf die negativen Eigenschaften von Chemikalien. Eine Reihe von Stoffen zum Beispiel die breits erwaehnten Parabene, Phthalate (Weichmacher), Flammschutzmittel und Formaldehyd werden aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften von der Wissenschaft als besonders gefährlich eingestuft. Das bedeutet, dass sie sich im Koerper anreichern, langlebig sind, giftig, hormonverstörend oder gar krebserregende fortpflanzungsschädigende und erbgutschädigende Eigenschaften haben. Sie können Krankheiten wie Asthma und Allergien bis hin zu Unfruchtbarkeit und Krebs auslösen.

Alle synthetischen Chemikalien die sich im Laufe des Lebens im Koerper der Frau anhaeufen, direkt an unsere Kinder weitergegeben werden!!!!! Nicht nur waehrend des Stillens sondern bereits vor der Geburt! Denn Untersuchungen zeigten, dass einige der besonders gefährlichen Stoffe über die Plazenta oder die Blut-Gehirn-Barriere in den sich entwickelnden Embryo gelangen und dort das Nervensystem oder das Hormonsystem stören bzw. langfristig schädigen können. Kinder von Malern oder Frauen die in der Lösungsmittelherstellung beschaeftigft sind, bringen zum Beispiel schon seit Jahren Kinder mit niedrigerem IQ auf die Welt. Zu den Gesundheitsfolgen von Stoffen, mit hormonverstoerenden Eigenschafte, gehoeren auch dass sich seit mehr als 10 Jahren die Fruchtbarkeit von Maennern um mehr als 50% vermindert hat.

ALARMIERENDE VERSÄUMNISSE
So wie die meisten Menschen, haben auch wir angenommen, dass chemische Alltagsprodukte, die in Europa auf dem Markt sind, einem Mindestmass an Kontrolle unterliegen. Denn Flugzeuge koennen ja auch nicht einfach in die Luft abheben, Autos muessen erst Sicherheitstests bestehen und Lebensmittel auf ihre Qualitaet beurteilt werden, bevor sie auf den Markt kommen. Leider ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der auf dem europaeischen Markt verkauften Chemikalien die dann in Alltagsprodukten landen (und ich spreche hier nicht von Kosmetika oder Phamazeutika) KEINERLEI Kontrolle unterzogen, werden. Denn sie werden schon seit den 30gern produziert und Europäische Gesetzgebung reguliert nur die Stoffe, die seit 1981 auf dem Markt sind. Und das sind lediglich um die 3000.

Nun gibt es einen Vorschlag der EU-Kommission zur Reform der heutigen Chemikalienpolitik, REACH genannt. Dieser Vorschlag bietet unserer Meinung nach die einmalige- once in a GENERATION, Moeglichkeit die Versäumnisse der gegenwärtigen Chemikalienpolitik zu berichtigen. Denn unter dieser Verordnung muessen all Stoffe mit einem Produktionsvolumen von ueber einer Tonne in ein koherentes System integriert und systematisch auf ihre schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und fuer die Umwelt beleuchtet werden.

Der REACH Gesetzesvorschlag, der sich derzeit im Abstimmungsprozess befindet, steht für deutliche Verbesserungen am heutigen System.

REACH bietet Sicherheit und Klarheit, nicht nur für die Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch für die Industrie und die weiterverarbeitenden Unternehmen. REACH bietet der Chemieindustrie enorme Wettbewerbsvorteile: Europäische Unternehmen werden die ersten sein, die mit innovativen Substanzen gesunde und sichere Produkte herstellen können. „Made in Europe“ wird für sichere und gesunde Produkte stehen, die Verbraucherinnen und Verbraucher bereits jetzt in verstärktem Umfang nachfragen, sehen sie sich z.B. die Zuwachsraten von gesunden Kosmetikprodukten an. Zehntausende von neuen Arbeitsplätzen können geschaffen werden, der Wirtschaftsstandort Deutschland zum Vorreiter einer sicheren Chemieindustrie werden. Dieser Trend darf nicht verpasst werden. Was mit Unternehmen geschieht, die eine verfehlte Produktpolitik betreiben, kann derzeit in Rüsselsheim verfolgt werden. REACH schützt Arbeitsplätze, schafft neue. Am allerwichtigsten fuer uns ist natürlich die Tatsache, dass REACH einen wesentlichen Beitrag zum Schutz unserer Gesundheit und der unserer Kinder beiträgt!

Obwohl alle Beteiligten darin übereinstimmen, dass es mit der heutigen Chemikalienpolitik nicht weiter gehen kann, ist dieser Gesetzesvorschlag unter enormen Druck von Chemie- Produzenten wie Bayer und ihrem Sprachrohr CEFIC, abgeschwächt worden. Und wie wir aus Brüssel wissen, sind sie weiterhin eifrig damit beschäftigt ein schwaches und damit sinnloses REACH zu bewerkstelligen. Dies ist auch zu ihrem Nachteil. Ihnen nützt ein kompliziertes Regelwerk mit Ausnahmen, Sonderregelungen, welches -ginge es nach ihren Vorstellungen- aussehen wird, wie das Deutsche Steuersystem, nichts. Denn es bringt weitere nur Ineffizienz, Kosten und somit Wettbewerbsnachteile mit sich. Würde man ihren Forderungen nachgeben hätte die ganze Reform keinen Sinn mehr.

Stellvertretend fuer Frauen in Deutschland und Europa fragen wir uns ehrlich und ernsthaft:

Wie können wir für uns und unsere Kinder sichere Produkte kaufen, wenn es keine oder nur wenig Informationen darüber gibt?

Und wie können wir unsere Gesundheit und die unserer Kinder schützen, wenn sich in vielen Produkten schädliche Chemikalien befinden?

Und antworten sie hierauf bitte nicht, dass sie ja nur die Produzenten von Rohstoffchemikalien sind und es nicht in ihrer Macht liegt, wie diese in Konsumartikeln weiter verarbeitet werden!!!!

Ist ihnen die Gesundheit ihren Familie, ihrer Frauen, Kinder, Enkelkinder, Neffen, Nichten, Arbeitnehmer und nachkommender Generationen wirklich egal? Oder warum sonst setzten sie sich in Bruessel ein fuer Veraenderungen am REACH Vorschlag, die ihnen und uns allen nur Nachteile bringen werden, da sie keinerlei Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten werden?

Warum zweifeln sie an der ehrlichen Absicht der Kommission, mit diesem Gesetz die Wettbewerbsfaehigkeit des Europaeischen Chemikaliensektors zu erhoehen?

Denken, sie dass es ihrem Umsatz und ihren Aktien zu Hoehenfluegen verhilft, wenn Konsumentinnen und Downstream Users verunsichert sind und zur Konkurrenz gehen oder keine ihrer Produkte mehr einkaufen?

Sind sie sich dessen bewusst, dass Frauen die groesste Konsumentenmacht in der Welt sind?

Warum sind grosse Firmen wie sie, die eigentlich so ein tolles Vorbild fuer Made in Germany und EU und fuer wirtschaftlichen Fortschritt stehen, so absolut unwillig und unfaehig sind, von den Fehlern der Vergangenheit im Umgang mit Chemikalien und deren Risiken zu lernen?

Sind sie stolz ein Unternehmen zu vertreten, von dem die meisten Menschen nur Schlechtes denken und das sie sowieso schon lange abgeschrieben haben, als ein weiteres Bespiel von Unternehmen die ihre gesellschaftlichen Verantwortung mit Fuessen treten?

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass es oft sinnvoller und effizienter, die Hauptursachen von Umwelt- und Gesundheitsproblemen zu beseitigen. Dies spart vorallem Kosten- better safe than sorry- wie grosse Chemiekatastrophen gezeigt haben. Warum sträuben sie sich dann so vehement gegen fortschrittliche, eco effiziente, innovative Konzepte, wie die Substitution der gefaehrlichsten Chemikalien?

[HV Rede] Hauptversammlung 2005

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren, guten Tag,
mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich spreche für das internationale Selbsthilfenetzwerk der Coordination gegen BAYER-Gefahren und den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Und ich möchte auch vorweg schicken, dass ich in einem Gegenantrag als Kandidat für den Aufsichtsrat vorgeschlagen wurde.

Sehr geehrte Damen und Herren,
zunächst zum wichtigsten Ereignis des letzten Geschäftsjahres, zur sogenannten „Ausgliederung“ von LanXess. Was wurde mit der Abspaltung nicht alles versprochen? Insbesondere - so Herr Wenning beispielsweise auch in seinem letztjährigen „Brief des Vorstandsvorsitzenden“ - wurden uns Verbesserungen für alle Beteiligten versprochen. Ich betone, für alle Beteiligten.

Nun, heute wissen wir: Alles glatt gelogen. Die Abspaltung brachte keinesweges Vorteile für alle Beteiligten, sondern nur für die Aktionärsseite. Diese steckten sich mehr als eine Milliarde Euro in die Taschen, für die Belegschaften gab es Massenentlassungen, Lohnabbau, gesteigerten Arbeitsdruck. In allen Zeitungen ist es mittlerweile nachzulesen: 2.400 Arbeitsplätze wurden bei BAYER vernichtet, und bereits jetzt sind bei LanXess weitere 1.000 Entlassungen angekündigt. LanXess möchte gar die übernommene Standortsicherungsvereinbarung zum Schutz der Arbeitsplätze aushebeln, um den Weg für weitere Arbeitslatzvernichtung freizumachen. Hierzu meine Frage: Herr Wenning, weshalb erfahren wir Aktionäre die Tatsachen immer erst nach der Hauptversammlung aus der Presse? Weshalb täuschen Sie auf den Hauptversammlungen die versammelte Aktionärsschaft, die Öffentlichkeit und vor allem auch die Belegschaften? Was zu der Frage führt: Wie sieht es in diesem Geschäftsjahr aus? Wieviele Arbeitsplätze werden bei BAYER in diesem Jahr vernichtet?

Meine Damen und Herren, erinnern Sie sich noch - anstatt auf meine Fragen zu antworten, verlas Herr Wenning im vergangenen Jahr minutenlang einen Bericht seiner Spitzel bei Werks- und Verfassungsschutz. Mit seinen diffamierenden Auslassungen zu meiner DKP-Mitgliedschaft meinte er, meine Argumente entkräften zu können. Ich kann dazu nur sagen, Herr Wenning, das langweilt. Seit 25 Jahren versuchen Sie und Ihre Vorgänger es immer wieder mit dem Schüren antikommunistischer Ressentiments. Aber – und das ist der relevante Fakt - es schafft keinen einzigen vernichteten Arbeitsplatz aus der Welt.

Und obendrein, meine Damen und Herren, Herr Wenning sprach es heute morgen bereits an. Wir haben inzwischen prominenten Beistand bei unseren Bewertungen der Geschäftspolitik des Konzerns und seines Managements bekommen. Und es ist auch nicht nur Herr Müntefering von der SPD, der kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, sondern es sind auch führende Personen aus Unternehmerverbänden und CDU/CSU, die das Kind beim Namen nennen, nämlich „verantwortungs- und rücksichtslose raubtierkapitalistische Profitgier“.

Nun, Herr Wenning, im Intervie mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fühlten Sie sich von dieser Kritik nicht angesprochen. Wie der fragende Journalist aber bereits bemerkte, sollten das durchaus tun. Und Sie sollten nicht in billiger Rhetorik die Realitäten verdrehen: Herr Wenning, nicht Rotgrün ist Schuld an Profitgier und Massenentlassungen, sondern Sie und ihre anderen Konzernkollegen bekommen den Hals nicht voll und vernichten die Arbeitsplätze zu Hunderttausenden.

Herr Wenning, und so wird ein Schuh aus Ihrer Äußerung von heute morgen: Nicht Rotgrün betreibt Klassenkampf, sondern Sie im BAYER-Management sind es, die mit Rendite-Zielen von 19 Prozent Klassenkampf von oben betreiben. Längst erwirtschaften Sie Ihre Profite nicht mehr im Rahmen üblicher betriebswirtschaftlicher Prozesse, sondern auf Kosten der Belegschaften und zunehmend auch zum Schaden der gesamten Allgemeinheit unseres und anderer Länder! Ihr Verweis auf die Investoren entlastet da auch nicht, sondern ist wieder einer ihrer billigen Taschenspielertricks. Es ist doch genau so, dass BAYER für die gierige Unersättlichkeit einer kleinen Handvoll von Investoren das Wohl der Allgemeinheit ruiniert und menschliche Existenzen im großen Stil vernichtet.

Sehr geehrte Damen und Herren,
erlauben Sie mir noch einen zweiten Punkt anzusprechen. Direkt meine Frage dazu: Herr Wenning, haben Sie im vergangenen Jahr endlich die Denkmäler auf dem Gelände der verschiedenen ehemaligen Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager Ihres Konzerns errichtet? Und wenn Sie es nicht getan haben, weshalb nicht?
Selbst hier in Leverkusen wurde ein Lager mit ZwangsarbeiterInnen von BAYER betrieben, auf das jeder Hinweis fehlt. Ganz zu schweigen vom großen Vernichtungslager in Auschwitz-Monowitz, in dem Schergen von BAYER/IG FARBEN mehr als 40.000 Häftlinge zu Tode knechtete.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat sich ganz Deutschland auf den 60. Jahrestag der Befreiung von Naziterror und Krieg vorbereitet. Meine Frage: Welche Vorbereitungen hat BAYER getroffen? Und nicht dass jemand meint, das ginge diese Hauptversammlung nichts an: Es ist historische Tatsache, dieser Konzern hat entscheidend mit der Gewaltherrschaft des Hitler-Faschismus zu tun. Angefangen von der Finanzierung des Aufstiegs von Hitler und der Organisation der „Machtergreifung“ durch Hitler, über die Verflechtung das Naziapparats mit den Konzernstrukturen bis hin zur profitablen Nutzung aller Nazistrukturen und des faschistischen Weltkrieges. Wir haben ja heute bereits den erschütternden Bericht eines Opfers der BAYER-Menschenversuche in den Nazi-Konzentrationslagern gehört. Es steht also gerade diesem Konzern an, sich zum 60. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Naziherrschaft zu seiner historischen Schuld zu bekennen. Statt dies zu tun, verweigert der Konzern noch immer den Opfern die angemessene und gerechte Entschädigung. Wir wurden gerade erst Zeuge, wie Herr Wenning jede Entschädigung verweigerte. Empörend.

Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Schluss noch eine Frage zur kriminellen Seite der Geschäftstätigkeit von BAYER. Herr Wenning, wieviele Strafen musste der Konzern im vergangenen Jahr bezahlen, weil er kriminell agiert hat? Wieviel Urteilen ist BAYER durch die Zahlung außergerichtlicher Summen entgangen? Durch die Medien gingen nicht nur die 100 Millionen für illegale Preisabsprachen und verbotene Kartellabsprachen. Auch ihre Umweltverbrechen in Kanada und USA machten Schlagzeilen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
jeder von Ihnen, der diese Hauptversammlungen schon längere Zeit besucht, weiß, dass auf die Fragen von Kritikern nur ausweichend, sinnentstellend, irreführend oder überhaupt nicht geantwortet wird. Unsere Gegenanträge werden verunglimpft, diffamiert oder – sowie heute schlichtweg - totgeschwiegen. Doch ebenso haben Sie alle im Saal es auch erlebt, die Fakten und Tatsachen holen den Konzerns immer wieder ein. Die Wahrheit bricht sich immer wieder Bahn.

Meine Damen und Herren Kleinaktionäre und Kleinaktionärinnen,
seit Jahren zeigen Sie den Großaktionären, Vorständen und Aufsichtsräten, was Sie von Ihnen halten. Längst stimmen viele Hunderttausend Aktien hier im Saal mit uns. An dieser Tatsache ändert sich auch nichts, wenn die Großaktionäre mit ihren Depots und Depotvertretungen dafür sorgen, dass klare Mehrheiten für das Management zustandekommen. Sie, meine Damen und Herren Kleinaktionäre, Sie haben nichts gemein mit den Profittreibern aus den Vorständen. Und auch nicht mit Herrn Wenning, der sich soeben eine 48-prozentige Gehaltserhöhung auf 2,5 Millionen Euro genehmigt hat. Dafür müssen die meisten hier im Saal zwei Leben lang arbeiten. Aber ich möchte das nicht vertiefen, darüber hat ja einer meiner Vorredner erschöpfend gesprochen. Ich möchte diesem Aktionärskollegen, dessen Namen ich leider nicht mitbekommen habe, ausdrücklich für seine offenen Worte danken.

Meine Damen und Herren,
ich komme jetzt zu unseren schriftlich eingereichten Gegenanträgen. Zunächst zum Gewinnantrag:
Wir beantragen die Kürzung der Dividende auf 0,10 Euro je Aktie. Die frei werdenden Gewinn-Milliarden sollen stattdessen verwendet werden
- für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;
- für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;
- für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards.
- und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses bzw. deren Angehörigen.
Es sei wie stets angemerkt, daß wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Entschädigungs- und Ökologie-Leistungen beantragen würden, wäre dies für uns Aktionäre überhaupt möglich.
Weiterhin stellen wir den Antrag, den Vorstand nicht zu entlasten.
Ebenso stellen wir den Antrag, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten.
Wir begründen diese Nicht-Entlastungen damit, dass beide Gremien ihrer Verantwortung im dargelegten Sinne in keinster Weise gerecht wurden. In verschiedenen Redebeiträgen wurde dies bereits und wird dies noch mit Beispielen belegt.
Natürlich lehnen wir auch die Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge und auch die Personalvorschläge von Vorstand und Aufsichtsrat zu diesemn Gremium ab.

Meine Damen und Herren,
eine stetig wachsende Zahl von Kleinaktionären und Kleinaktionärinnen mit Gewissen übertragen Jahr für Jahr der Coordination gegen BAYER-Gefahren und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bereits im Vorfeld der Hauptversammlungen die Stimmrechte ihrer Aktien. Auch hier im Saal haben uns heute mehrere Aktionäre mit der Vertretung ihrer Aktienstimmrechte beauftragt. Tun Sie Ihre Aktien dazu, stärken Sie das wichtige Signal für Soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte. Stimmen Sie bei allen Tagesordnungspunkten mit NEIN!
Sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so lassen Sie Ihre Aktien nicht von BAYER unten am Ausgang vertreten, sondern von uns. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links.
Vielen Dank.

Reaktion auf Zwischenrufe:

Wenn Sie meinen, Sie müßten hier etwas sagen, dann tragen Sie sich doch bitte in die Rednerliste ein, so wie ich es auch getan habe.

Ihre Reaktion auf meinen Vorschlag zur Dividenkürzung wundert mich überhaupt nicht, bringt er doch nur Ihr mangelndes Solidarverhalten zum Ausdruck.

Wenn Ihre Nerven meine Ausführungen nicht vertragen, so genehmigen Sie sich doch während meiner Rede einen Kamillentee in der Cafeteria.

Argument: Bleiben Sie doch weg, wenn Ihnen etwas nicht paßt
Das kennen wir aus der unseligen Vergangenheit: Andersdenkende sollen ausgegrenzt werden. Mit Demokratie und Meinungsstreit hat dies nichts zu tun.

oder wie es ein Aktionär auf der Hauptversammlung formulierte, „daß es sehr wohl viele Aktionärinnen und Aktionäre gibt, die sich für den Erhalt des Planeten für unsere Kinder verantwortlich fühlen“

[junge Welt] Hauptversammlung 2005

CBG Redaktion

29.04.2005, junge Welt

Mehr Profit, weniger Jobs

Bayer präsentiert glänzende Geschäftszahlen. »Sparprogramm« sorgte für höhere Dividenden, Manager- und Aufsichtsratsvergütungen. Tausende Arbeitsplätze vernichtet

Die Bayer-Aktionäre dürfen auf der heute stattfindenden Hauptversammlung zufrieden mit ihrem Unternehmen sein. Der Leverkusener Multi hob seinen Umsatz um mehr als eine Milliarde auf 29,76 Milliarden Euro und erhöhte seinen Shareholdern deshalb die Dividende auf 55 Cent je Aktie. Auch sich selbst genehmigte die Chefetage einen kleinen Bonus: Die vier Vorstandsmitglieder strichen gut zwei Millionen Euro mehr ein als im Geschäftsjahr 2003. Allein Bayer-Boß Werner Wenning kam bei einem Jahresgehalt von 2,36 Millionen Euro auf eine Lohnerhöhung von 48 Prozent. Da mag auch der Aufsichtsrat nicht länger zurückstehen. Er will sich von den Aktionären eine Aufstockung der Grundvergütung um 20000 auf 60000 Euro im Jahr genehmigen lassen. Hinzu kommen erfolgsabhängige Zahlungen von etwa 30000 Euro – lukrativer war Kopfnicken selten.Generiert wurde der Geldregen durch ein Kosteneinsparungsprogramm mit einem Volumen von einer Milliarde Euro und das Abstoßen von Betriebsteilen. Die Rationalisierungsoffensive vernichtete allein an den bundesdeutschen Standorten 2400 Arbeitsplätze, dieses Jahr trifft es weitere 750 Stellen. Zusätzliche Jobs kostet die Trennung von Teilen des Kunststoff- und Chemiegeschäfts. Plaste und Elaste erschwerten das Erreichen des Profitziels von 19 Prozent allzu sehr und firmieren nunmehr selbständig unter dem Namen »Lanxess«. Seit das neue Unternehmen im Januar an die Börse ging, setzten nicht etwa seine Aktien, sondern die von Bayer zum Höhenflug an. Lanxess hingegen wartet allmonatlich mit Hiobsbotschaften auf. Im April erst kündigte die neue Firma zwei Werksschließungen und die Beseitigung von über 1000 Arbeitsplätzen an.Trotzdem brachten nicht etwa die wachsenden Erträge den Konzern dazu, aus der Portokasse zur Abwechslung auch mal wieder Gewerbesteuer zu zahlen. Eine Betriebsprüfung durch das Finanzamt deckte vielmehr ein paar nicht ganz legale Steuertricks auf und zwang Bayer zu Nachzahlungen. Aber nicht nur auf Kosten von Jobs und Staatseinnahmen versucht der Pillenproduzent sein Kapital zu mehren, auch zu Lasten der Umwelt. Nicht zuletzt die starke Arbeitsverdichtung im Konzern führt zu einer Zunahme von Störfällen. Allein im US-amerikanischen Addyston kam es binnen acht Wochen zweimal zum Austritt von krebserregendem Acrylnitril-Gas. Der Global Player schreckt nicht einmal davor zurück, sich der Kinderarbeit zu bedienen: Bei den Zulieferfirmen seiner indischen Saatgut-Tochter ProAgro leisten bis zu 1650 Kinder Frondienste. Zudem erweist sich der rechtliche Rahmen oftmals als zu eng für ein vernünftiges Wirtschaften. Dreimal stand der weltgrößte Agrochemie-Produzent wegen illegaler Preisabsprachen bei Kunststoffen und einmal wegen Kartellbildungen bei Diabetesgeräten vor Gericht. Die gezahlten Strafen summierten sich dabei auf über 100 Millionen US-Dollar. Dennoch kann sich Bayer-Chef Wenning das neuerliche Aufkommen von Kapitalismuskritik nicht erklären. »Ich verstehe gar nicht: Wen meint Herr Müntefering eigentlich«, gestand er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wenig anzufangen wußte Wenning auch mit der Frage: »Ab welcher Höhe wird Profit unanständig. Wo beginnt der Exzeß, vor dem Müntefering warnt?« »Mit diesen Schlagworten kann ich nichts anfangen«, antwortete er. Da werden die Coordination gegen Bayer-Gefahren und die von ihr eingeladenen Initiativen dem Konzernchef in ihren Gegenreden zum Geschäftsbericht auf dem Aktionärstreff gehörig auf die Sprünge helfen müssen.
Udo Hörster

[Lev Anzeiger] Hauptversammlung 2005

CBG Redaktion

Leverkusener Anzeiger, THOMAS KÄDING, 30.04.05

Wennings blühende Landschaften

Elend und Glanz lagen diesmal nur drei Tage und ein wenige Meter Luftlinie auseinander: Am Dienstag hielt Axel Heitmann in einem Hotel am Kölner Messekreisel eine Blut-, Schweiß-, und Tränen-Rede. Der Lanxess-Lenker sprach von unerwartet massiven Herausforderungen, kündigte den Abbau von bis zu 1200 Jobs an und stellte 70 Prozent des Chemiegeschäfts als unbefriedigend dar. Am Freitag verkündete Heitmanns früherer Chef Werner Wenning in der Messe freudestrahlend, wie gut es Bayer nach der Abspaltung von Lanxess geht. Über 5000 Aktionäre nahmen auf der Hauptversammlung beifällig auf, dass die neue, chemielose Bayer AG im ersten Quartal 50 Prozent mehr Gewinn gemacht hat als in den ersten drei Monaten des Jahres 2004, nämlich über 1,1 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 15,7 Prozent auf 6,7 Milliarden.
Besonders erfolgreich war das Kunststoff-Geschäft, das Bayer aufgrund der guten Perspektiven nicht Lanxess zugeordnet hat: Bayer Material Science (BMS) steigerte den Umsatz um ein Drittel und verdreifachte seinen Gewinn. Trotz des hohen Ölpreises, der nur zu rund zwei Dritteln an die Kunden weitergegeben werden konnte, wie Wenning auf Nachfrage berichtete. Die glanzvolle Zwischenbilanz von Material Science legte am Freitag den Schluss nahe, dass der Bayer-Vorstand bei der Abspaltung alles richtig gemacht hat: Die Lanxess-Führung muss sich mit ihren Produkten auf Märkten schlagen, die nur noch wenig Entwicklungschancen bieten und teils von Überkapazitäten bestimmt sind. BMS-Chef Hagen Noerenberg hingegen hat zum Beispiel die ganze weite Welt der DVD vor sich, deren Entwicklung noch lange nicht zu Ende ist.
Nicht zu Ende ist aber auch das Hin und Her bei den Bezügen der Aufsichtsräte. Die dritte Systemumstellung binnen drei Jahren erzürnte einige Aktionäre - unter anderem, weil die vom Unternehmen vorgeschlagene Neuregelung wiederum eine deutliche Erhöhung der Vergütung nach sich ziehen wird. Auch die Tatsache, dass mit Thyssen-Krupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz ein außerordentlich vielbeschäftigter Manager in Bayers Kontrollgremium gewählt werden sollte, stieß nicht überall auf Gegenliebe.
Mehrfach gefragt wurde auch nach Mandatsträgern, die auf Bayers Gehaltsliste stehen. Werner Wenning nannte nur eine Landtagsabgeordnete - es handelt sich um die Betriebsrätin Marianne Hürten - und ein Mitglied des Bundestags. Philipp Mimkes, Sprecher der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ wollte es aber genauer wissen, zumal Bayer zu den großzügigen Arbeitgebern gehört, die ihren Angestellten den Besuch von Ausschüssen auch während der Arbeitszeit ermöglicht. Die Antwort auf seine schriftliche Anfrage war Bayer schuldig geblieben.

[epd] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

epd Entwicklungspolitik, Carolin Callenius

Multis tolerieren Kinderarbeit im Saatgutanbau

Internationale Konzerne wie Bayer, Unilever, Syngenta und Monsanto profitieren von ausbeuterischer Kinderarbeit auf den Felder ihrer Saatgut- Zulieferbetriebe, behauptet am Beispiel des indischen Baumwollanbau die jüngst veröffentlichte Studie des indischen Instituts Global Research and Consultancy Services. Hochgerechnet seien 450.000 Kinder in der Herstellung des Hybrid-Saatguts beschäftigt. Wenn sich auch die genaue Zahl streiten lässt, so nicht über die Tatsache, dass das Ausmaß die bereits international bekannten Sektoren mit Kinderarbeit in Indien, wie Teppichherstellung und Diamanten-Verarbeitung bei weitem übersteigt.

Die kritisierten Unternehmen beschäftigen nicht selbst unmittelbar Kinder. Die Produktion erfolgt in Tausenden lokaler Baumwoll-Farmen, die nominell unabhängig sind. Jedoch kontrollieren sie indirekt durch Qualitätsvorgaben, die Lieferung von Saatgut, die Bereitstellung von Kapital, langfristige Lieferverträge und die Festlegung der Abnahme-
preise den gesamten Saatgut-Herstellungsprozess. Insbesondere der Abnahmepreis ist für die Anstellung von Kindern verantwortlich. Würden die Farmer statt Kinder für 18 Rupien am Tag, erwachsene Arbeiter (26 Rupien für Frauen, 40 Rupien für Männer am Tag) anstellen, schmölze ihr Gewinn restlos dahin. Deshalb sei ihre Handlungsmöglichkeit gering, resümiert der Autor der Studie Davuluri Venkateswarlu.

Erst durch die flächendeckende Einführung von Hybrid-Saatgut in den 70er Jahren entstanden die spezialisierten Saatgutbetriebe. Die selbst nichtfortpflanzungsfähigen Baumwollsamen werden aus einer Kreuzung zweier Sorten gewonnen. In einem extrem arbeitsintensiven Vorgang müssen zunächst das Deck- und Blumenblatt und der Staubbeutel jeder einzelnen Pflanze entfernt werden. Für die Bewirtschaftung eines Hektar Baumwollpflanzen zur Saatgutherstellung werden 5.500 Arbeitstage im Jahr benötigt. 90 Prozent des Arbeitsaufwands allein erfordert die komplizierte Bestäubung, für vor allem von Mädchen im Alter zwischen 6 und 14 Jahren erledigt wird. Gerechtfertigt wird die Kinderarbeit vor allem damit, dass die Pflanzen selbst sehr niedrig seien und Kinder aufgrund ihrer Fingerfertigkeit gut für die Arbeit geeignet seien. Vielfach wird vorgegeben, dass nur Kinder aus Bauernfamilien an der Produktion beteiligt werden.

Die Situation stellt sich in der Studie anders dar. Ein Teil der Kinder müsse in „Schuldknechtschaft“ leben, so Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour. Sie werden von Werbern angeworben, die den überwiegend sehr armen Eltern in Zeiten geringer Einkünfte ein Darlehen anbieten. Daraufhin müssen die Kinder die ganze Saison (7 - 8 Monate) für die Arbeitgeber schuften. Die Arbeitszeiten sind nicht festgelegt – und für Kinder, deren Familien nicht ortsansässig betragen bis 12 -13 Stunden täglich. Die Arbeit auf den Feldern birgt große Gefahr für die Gesundheit der Kinder. Bis zu den Schultern stehen sie zwischen den Pflanzen, die zuvor mit Agro- Chemikalien behandelt wurden. Langfristige Folgen sind noch nicht bekannt, aber schon jetzt klagen viele über Kopfschmerzen, Atemprobleme oder Orientierungslosigkeit.

Die wenigsten der Kinderarbeiter haben eine Schule besucht. Das wichtigste Ziel für das Aktionsnetzwerks Global March sei daher, so Kruse, „dass die Kinder wieder in die Schule zu bekommen und ihnen damit langfristig einen Weg aus der Armut zu ermöglichen“. Zu diesem Zweck würde konkret, vor Ort mit den Firmen und Behörden zusammengearbeitet.

Als erste Landesregierung hat Andra Pradesh den Beschluss gefasst, die Kinderarbeit abzuschaffen. In gemeinsamer Anstrengung mit NROs (vor allem der MV-Foundation), der Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) und Unicef konnte hier die Gesamtzahl der arbeitenden Kinder in der zurückliegenden Saison gesenkt werden.

Die fünf kritisierten Konzerne haben alle Absichtserklärungen abgegeben bezüglich ihrer sozialen Verantwortung. Drei Unternehmen sind Mitglied des „Global Compact“, einer Initiative der Vereinten Nationen und der multinationalen Konferenzen, um Menschenrechte, Sozialstandards und Umweltschutz zu befördern. Fast alle Konzerne lehnen programmatisch Kinderarbeit ab. Auf Rückfrage erklärt Bayer, dass weder bei ihnen noch bei ihrem indischen Tochterunternehmen Kinder in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, lässt Norbert Lemken Sprecher des Konzern wissen.

Schon seit ein bis zwei Jahren gebe es in den Verträgen mit Bauern die klare Bedingungen, dass ohne Kinderarbeit produziert werden müsse, so Michael Stopford zuständig bei Syngenta für die Öffentlichkeitsarbeit globaler Themen im Gespräch mit epd-Entwicklungspolitik. Zur Einhaltung dieser Klausel sei zunächst das interne Management-System verantwortlich. In diesem Jahr hat Syngenta alle sieben Stufen der Produktion und Vermarktung geschult und das interne Management verbessert. Syngenta ist sicher, dass sie schon im kommenden Jahr Kinderarbeit auf ihren Feldern der Vergangenheit angehören wird, verkündet Stapford.

Syngeta beansprucht eine „moralische Führungsrolle“ und hat im Kreise der Konzerne eine koordinierende Funktion übernommen. Gemeinsam mit den anderen Unternehmen will es vor Ort in einer Task-Force mit Behörden und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten. Von Seiten der Nichtregierungsorganisationen wächst die Ungeduld, nicht Absichtserklärungen sondern konkrete Kontroll-Schritte werden erwartet. Die Aussage von Bayer lässt hoffen: „Für den Bereich der Kindarbeit sind wir derzeit dabei, weitere Änderungen in den Verträgen mit den Zulieferfirmen aufzunehmen“, als Kontrollmechanismen stellen sie sich „zusätzliche Audits der Vertragspartner sowie klare Hinweise auf ein Verbot der Kinderarbeit in der Saatgutproduktion“ vor. Inwiefern alle Konzerne einem externen Monitoring zu Sicherstellung der Umsetzung zustimmen werden, bleibt zunächst offen. Auch Syngenta wollte gegenüber epd-Entwicklungspolitik noch keine Details dazu nennen.

Global March Against Child Labour fordert die Konzerne auf, die Abnahmepreise zu erhöhen. Der Bayer-Konzern, so ihre Pressemittei-
lung, könnte eine Vorreiterrolle bei der Befreiung der Kinder aus der Fron übernehmen, indem er Farmern angemessene Abnahmepreise zahlt, geknüpft an die Bedingung unverzüglich Erwachsene auf Mindestlohn-
basis einzustellen. Syngenta-Sprecher Stopford sieht in den Preisen nicht das Problem. Die Preise für Hybridsaatgut seien gut. Keiner der Produzenten habe gesagt, sie würden nicht mehr für Syngenta produzieren, wenn sie auf Kinderarbeit verzichten müssen – „wenn aber die Analyse stimmt, würden wir natürlich mehr bezahlen“.

Davuluri Venkateswarlu, Autor der Studie wird im Herbst diesen Jahres erneut die Situation auf den Produktionsbetrieben des Hybrid-Saatguts untersuchen. Dieses wird die dritte unabhängige Untersuchung in Reihe sein, an der auch Veränderungen ablesbar sein werden.