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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[GenReis] GenReis stoppen

CBG Redaktion

16. Dezember 2011

Kontamination mit GenReis: BAYER zahlt 750 Mio Dollar

Der Vergleich zwischen der Firma Bayer CropScience und amerikanischen Reis-Bauern wird nun wirksam. Nachdem 85% der Betroffenen der Regelung zugestimmt haben, wird der Konzern 750 Millionen Dollar an die Landwirte zahlen.

Landwirte in den US-Staaten Arkansas, Louisiana, Mississippi, Missouri und Texas hatten gegen das Unternehmen geklagt, nachdem im Jahr 2006 große Teile ihrer Ernte mit einer von Bayer entwickelten, gentechnisch veränderten Reissorte kontaminiert worden waren. Die Landwirte machten Verluste, da u.a. die EU Beschränkungen für den Import von amerikanischem Langkornreis einführte.

Hierzu erklärt Philipp Mimkes, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Wir gratulieren den Reis-Bauern zu diesem mühsam erstrittenen Erfolg. Zudem fordern wir die EU auf, den Antrag von Bayer CropScience auf Importzulassung für herbizidresistenten Reis endgültig abzulehnen. Der Kontaminations-Skandal in den USA zeigt einmal mehr, dass die Risiken gentechnischer Pflanzen schlicht unkalkulierbar sind.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kooperierte seit Jahren mit den Anwälten der Landwirte und forderte mehrfach in der Hauptversammlung der BAYER AG einen endgültigen Verzicht auf „Liberty Link“-Reis. Die CBG erinnert auch daran, dass BAYER die Betroffenen seinerzeit verhöhnt hatte, indem die Auskreuzungen als „Act of God“ bezeichnet wurden. Erst durch kostspielige Prozesse, die die Reis-Bauern ausnahmslos gewonnen hatten, konnte der Konzern zu der nun getroffenen Entschädigungslösung gezwungen werden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren führt seit dem Jahr 2004 eine Kampagne gegen eine EU-Importzulassung der GenReis-Sorte LL62. Diese ist wie LL 601 gegen das Herbizid Glufosinat resistent. Der Antrag von BAYER erhielt bei den Abstimmungen im EU-Ministerrat mehrfach keine Zustimmung, wurde bis heute aber nicht zurückgezogen. Liberty Link-Reis soll nicht nur als Tierfutter eine Zulassung erhalten, sondern direkt auf den Tisch der Konsumenten kommen.

alle Infos zur Kampagne

[PPT Bangalore] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

BASF, Bayer, Dow, Monsanto, DuPont, Syngenta:

Menschenrechts-Tribunal verurteilt die sechs größten Pestizidhersteller

13. Dezember 2011 -- In der vergangenen Woche fand im indischen Bangalore das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) zu Vergiftungen durch Pestizide statt. Mehr als 200 Betroffene und Umweltschützer aus aller Welt präsentierten dem Tribunal Fälle von Umweltzerstörung und schwersten Gesundheitsschäden. Das PPT begann am 27. Jahrestag der Bhopal-Katastrophe, die durch eine Explosion in einer Pestizidfabrik des Konzerns Union Carbide (heute Dow Chemicals) verursacht wurde.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren war zu den 4-tägigen Anhörungen eingeladen worden, um den Fall der weltweiten Bienensterben durch sogenannte Neonicotinoide zu dokumentieren. Der BAYER-Konzern ist Weltmarktführer für diese Art von Insektiziden, die in vielen Ländern wegen Risiken für Bienen nicht mehr frei verkauft werden dürfen - so auch in Deutschland, wo im Jahr 2008 ein flächendeckendes Bienensterben durch den Einsatz des BAYER-Pestizids Clothianidin verursacht wurde.

Die Jury verurteilte in ihrer Abschlusserklärung die sechs Unternehmen, die den Weltmarkt für Pestizide und Saatgut dominieren, wegen schwerster Umwelt- und Gesundheitsschäden.

=> VDI Nachrichten: Pestizidhersteller wegen Menschenrechtsverletzungen schuldig gesprochen

=> Fotos von dem Tribunal

=> Bericht aus Bangalore von Philipp Mimkes

=> Artikel im Greenpeace Magazin und im Neuen Deutschland

=> Artikel indischer und britischer Zeitungen sowie ausführliche Hintergrundinfos

=> Bienensterben durch BAYER-Pestizide

Schmerzmittel

CBG Redaktion

12. Dezember 2011

Rund 2000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an Magenblutungen nach Einnahme von Schmerzmitteln. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert daher seit Jahren eine Rezeptpflicht und kleinere Packungsgrößen, was die Hersteller vehement ablehnen.
Hierzu erschien heute ein interessanter Beitrag im Spiegel, den wir in Auszügen dokumentieren. Weitere Infos der CBG finden Sie hier.

Verblüffende Sorglosigkeit

Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen gelten als harmlos. Doch Vergiftungen und Missbrauch sind verbreitet. Um den Patienten die Gefahr bewusst zu machen, sollen jetzt die Packungen kleiner werden.

(…) Im Umgang mit rezeptfreien Schmerzmitteln herrscht eine verblüffende Sorglosigkeit vor. Obwohl Paracetamol schon in vergleichsweise geringer Überdosierung lebertoxisch wirkt und obwohl es unter dem Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) bei mindestens jedem 10.000sten Patienten zu einer lebensbedrohlichen Magenblutung kommt, gelten diese Mittel gemeinhin als harmlos. Die Risiken von Ibuprofen oder Diclofenac - neben Magenblutungen auch Herzinfarkte - werden allen Beipackzetteln zum Trotz ebenfalls systematisch unterschätzt.

„Bei rezeptfreien Schmerzmitteln verhalten sich die Menschen irrational“
Eigentlich vernünftige Menschen schwören auf Kombi-Tabletten aus Paracetamol und ASS, auf Paracetamol-haltige Erkältungssäfte oder Tabletten in doppelter Dosierung - obwohl all diese Mittel und Verabreichungsformen nach Ansicht vieler Experten nicht nur gefährlich, sondern auch überflüssig sind.
„Bei den rezeptfreien Schmerzmitteln verhalten sich die Menschen total irrational“, klagt Kay Brune, Pharmakologe und Sachverständiger des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „Die Leute denken, wenn man das einfach so kaufen kann, dann wird es schon nicht gefährlich sein“, sagt Canbay. „Es muss in der Bevölkerung bekannt werden, dass diese Schmerzmittel nicht harmlos sind.“

Genau dies ist das Ziel einer aktuellen Initiative des BfArM: Es will die rezeptfrei verkäufliche Packungsgröße für die Schmerzmittel ASS, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Phenazon und Propyphenazon auf eine Viertagesdosis beschränken. Im neuen Jahr soll über den Vorschlag abgestimmt werden.
Paracetamol wird schon heute in kleineren Schachteln verpackt: Seit 2009 ist es verboten, mehr als 20 Tabletten à 500 Milligramm rezeptfrei zu verkaufen. Jetzt möchte der BfArM-Sachverständige Brune noch weiter gehen: Er würde den Wirkstoff am liebsten ganz der Verschreibungspflicht unterstellen.

Pharmaindustrie wehrt sich gegen die Verschreibungspflicht
Die Pharmaindustrie hingegen plädiert dafür, alles beim Alten zu lassen: „Paracetamol ist nach übereinstimmender Auffassung nahezu aller Experten ein sicherer und wirksamer Arzneistoff“, beteuert Elmar Kroth, Geschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller. „Bei bestimmungsgemäßer Anwendung ist Aspirin ein sicheres und gut verträgliches Arzneimittel“, versichert auch der Hersteller Bayer über sein Produkt.

„Für uns steht außer Frage, dass eine übermäßige Anwendung von Schmerzmitteln im Einzelfall schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann“, sagt hingegen BfArM-Leiter Walter Schwerdtfeger. Mit einer Begrenzung der Packungsgrößen wolle seine Behörde „die Patienten für die Risiken sensibilisieren und deutlich machen, dass Schmerzmittel mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können“.
(…)
Dr. Becker-Brüser will deshalb die zulässige Packungsgröße noch einmal verkleinern, am besten auf maximal acht Tabletten à 500 Milligramm. „Bei kleineren Packungsgrößen“, sagt er, „sind dann oft einfach nicht genug Tabletten da, um sich zu vergiften.“ (…)

Doch auch die anderen Schmerzmedikamente sind keineswegs ohne Risiko. Die bekannteste Nebenwirkung von ASS, Ibuprofen und Diclofenac sind Magenblutungen. Schätzungsweise 2000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr daran. Bei langfristiger Anwendung steigern Ibuprofen und Diclofenac möglicherweise auch das Herzinfarktrisiko. Zudem sind Vergiftungen gefürchtet - Ibuprofen- und ASS-Alarm ist bei deutschen Giftzentralen zusammen etwa genauso häufig wie im Fall von Paracetamol.
„Bei ASS und Ibuprofen ist die Dosis, die man nehmen muss, um sich zu vergiften, zwar deutlich höher als bei Paracetamol“, sagt Carola Seidel, stellvertretende Leiterin der Bonner Giftnotrufzentrale, „aber die Symptome sind nicht weniger schrecklich.“ Bei einer Überdosis von ASS oder Ibuprofen übersäuert der Körper, das Herz stottert, der Patient krampft oder fällt gar ins Koma. Auch massive Blutgerinnungsstörungen und Nierenschäden sind möglich - all dies Gründe, warum das BfArM jetzt die Packungsgröße begrenzen möchte. (…)
Von Veronika Hackenbroch und Laura Höflinger

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,802955,00.html

Antibabypillen

CBG Redaktion

8. Dezember 2011, Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter

Höheres Risiko bei drospirenonhaltigen Pillen bestätigt

Das Risiko, durch kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) mit dem Gestagenwirkstoff Drospirenon (z.B.Yasmin) an einer Thrombose und/oder Embolie zu erkranken, wurde von dem Hersteller Bayer AG bisher immer mit levonorgestrelhaltigen Pillen der 2. Generation verglichen. Frauen hätten demnach nur ein 3-5 fach erhöhtes Risiko an einer Thrombose oder Embolie zu erkranken im Vergleich zu Frauen, die nicht hormonell verhüten.

Verschiedene unabhängige Studien wiesen in der Vergangenheit jedoch wiederholt darauf hin, dass das nicht der Fall ist und sprachen im Gegensatz dazu immer von einem 6-8 fach erhöhten Risiko zu Frauen, die nicht hormonell verhüten.

Die Bundesarzneimittelbehörde BfArM hatte die Bayer AG bereits mehrfach dazu aufgefordert, die Fachinformation für Ärzte und den Beipackzettel der drospirenonhaltigen Pillen um diese Informationen zu ergänzen. Da der Konzern aufgrund seiner eigenfinanzierten Studien überzeugt davon war, dass auch drospirenonhaltige Pillen wie z.B. Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida etc. hinsichtlich des Thromboserisikos vergleichbar seien mit levonorgestrelhaltigen Pillen, stand bisher keine dahingehende Information für den Verbraucher im Beipackzettel.

Bisher hiess es: ,,Das VTE Risiko (Risiko für venöse Thromboembolien) ist derzeit unbekannt.‚‘

Nun wurde der Beipackzettel, sowie die Ärztefachinformation geändert und spricht eindeutig von einem DOPPELT so hohen Risiko für venöse Thromboembolien im Vergleich zu kombinierten Pillen der 2. Generation.

Zitat: ,,Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass das Risiko einer venösen Thromboembolie bei Drospirenon-haltigen OK höher ist als bei Levonorgestrel-haltigen OK (sogenannten Präparaten der zweiten Generation) und möglicherweise dem Risiko Desogestrel/Gestoden-haltiger OK (sogenannter Präparate der dritten Generation) ähnlich ist.
Epidemiologische Studien haben auch einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von KOK und einem erhöhten Risiko für arterielle Thromboembolie (Myokardinfarkt, transitorische ischämische Attacke) gezeigt.‚‘

Kombinierte Pillen der 3. Generation mit den Gestagenen Gestoden und Desogestrel weisen bereits ein doppelt so hohes Risiko auf zu Pillen der 2. Generation mit Levonorgestrel. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, steigt das Risiko um ein Vielfaches.

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[PPT 2011] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

Presse Information vom 1. Dezember 2011
Coordination gegen BAYER-Gefahren

3.-6. Dezember: Permanent Peoples´ Tribunal in Bangalore / Indien

Anklage gegen BAYER wegen Bienensterben durch Pestizide

Vom 3. bis 6. Dezember findet im indischen Bangalore das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) statt, in dem die Verantwortung großer Pestizid-Hersteller für Vergiftungen und Umweltschäden untersucht wird. Am PPT nehmen rund 180 Betroffene und Umwelt-Organisationen aus aller Welt teil. Die Fälle werden von Richtern und Anwälten gehört, ihre Urteilssprüche werden der UN übermittelt. Einer der über 20 Fälle beschäftigt sich mit Insektiziden des Leverkusener BAYER-Konzerns, die für großflächige Bienensterben in mehreren Kontinenten mitverantwortlich sind.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), und ein geschädigter Imker aus Großbritannien werden den Fall in Bangalore vortragen. Die CBG weist seit den 90er Jahren darauf hin, dass Pestizide eine große Gefahr für Bienen darstellen. So war der von BAYER hergestellte Wirkstoff Clothianidin für das große Bienensterben in Süddeutschland vor drei Jahren verantwortlich. Das Vorgängerprodukt Imidacloprid wurde in Frankreich wegen hoher Bienenschädlichkeit bereits 1999 verboten.

Im Frühjahr veröffentlichte die UN-Umweltbehörde UNEP einen Bericht zu Bienensterben in aller Welt. Die BAYER-Pestizide Clothianidin und Imidacloprid werden darin als Bedrohung für zahlreiche Tierarten bezeichnet. In der diesjährigen BAYER-Hauptversammlung wurden mehr als eine Million Unterschriften für einen sofortigen Verkaufs-Stopp der Wirkstoffe übergeben.

Weitere Unternehmen, gegen die in Bangalore Klage erhoben wird, sind Monsanto, Syngenta, Dow, DuPont und BASF. Das PPT, Nachfolger des Russell-Tribunals zum Vietnamkrieg, wurde 1979 gegründet, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die institutionell nicht untersucht werden. Das Verfahren folgt den Regeln einer juristischen Verhandlung und bezieht sich auf existierendes Recht und internationale Regelungen wie die UN Deklaration für Menschenrechte.

Das diesjährige Permanent Peoples´ Tribunal beginnt am Jahrestag der Katastrophe von Bhopal. In Bhopal waren in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1984 aus einer Pestizidfabrik tödliche Chemikalien ausgetreten. Mindestens 20.000 Menschen kamen ums Leben.

weitere Informationen:
· Informationen zum PPT (engl)
· Bienensterben durch BAYER-Pestizide

[Yasmin] Antibabypillen

CBG Redaktion

Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter (SDG)
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Pressemitteilung vom 30. November 2011

US-Gesundheitsbehörde berät über gefährliche Antibaby-Pillen

Geschädigte fordern Verbot / neue Studien stellen erhöhtes Thrombose-Risiko fest / mehr als 10.000 Klagen gegen BAYER AG / mindestens 190 Tote

Für den 8. Dezember hat die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) einen Experten-Ausschuss einberufen, der über die Zukunft von Antibaby-Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon beraten wird. Aktuelle Studien der FDA zeigen, dass drospirenon-haltige Präparate wie Yasmin, Yasminelle und Yaz ein deutlich höheres Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln bergen als andere orale Kontrazeptiva. Die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern zu diesem Anlass einen Verkaufs-Stopp der Präparate.

Nach Angaben der FDA starben in den USA mindestens 190 Frauen nach der Einnahme von Yaz. Eine Ende Oktober veröffentlichte Studie zeigt, dass die Anwenderinnen von Yaz ein um 75 Prozent höheres Thrombose-Risiko haben als Frauen, die ältere Präparate benutzen; im Auftrag der FDA waren hierfür die Krankenakten von mehr als 800.000 Amerikanerinnen ausgewertet worden. Zwei jüngst im British Medical Journal publizierte Studien kamen gar zu dem Schluss, dass das Risiko einer Thromboembolie unter Drospirenon gegenüber Präparaten mit dem Hormon Levonorgestrel um den Faktor 2,3 beziehungsweise 3,3 erhöht ist.

Die Bayer AG machte im vergangenen Geschäftsjahr mit der Produktgruppe einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Yaz/Yasmin gilt damit als meistverkaufte Antibaby-Pille der Welt. Der Konzern bewirbt die Pillen mit Versprechen wie „Gewichtsabnahme“ und „wirkt gegen Akne“. Auf die erhöhten Risiken wird in der Werbung nicht eingegangen. Allein in den USA wurden bereits 10.400 Klagen gegen die Bayer AG eingereicht.

In Deutschland kam es zu mindestens 12 Todesfällen, auch hierzulande wird gegen BAYER geklagt. Betroffene Frauen gründeten im Frühjahr die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter und forderten in der Hauptversammlung der BAYER AG einen Verkaufs-Stopp. Die Yasmin-Opfer hatten zu der Versammlung, an der neben dem Vorstand auch rund 4.000 Aktionäre teilnahmen, einen Antrag zur nicht-Entlastung des Vorstands eingereicht.

Kathrin Weigele, Mitgründerin der Selbsthilfegruppe: „Wir fordern eine ehrliche Aufklärung über die Risiken drospirenon-haltiger Pillen sowie die Offenlegung aller gemeldeten Nebenwirkungen. Wir erwarten, dass sich Bayer endlich mit den zahlreichen Studien unabhängiger Wissenschaftler auseinandersetzt, die eine erhöhte Thrombose-Gefahr belegen. Um weitere Schicksale wie das meine zu verhindern, müssen drospirenon-haltige Produkte vom Markt genommen werden." Kathrin Weigele hatte nach Einnahme der Pille Yasmin eine schwere Lungenembolie erlitten.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die seit Jahren auf die Gefahren von Yasmin & Co hinweist, fordert ein Verbot aller Antibaby-Pillen mit erhöhtem Nebenwirkungs-Profil. „Antibaby-Pillen sollen verhüten. Dies tun ältere Präparate ebenso zuverlässig wie neue. Die schweren Schädigungen, die durch Yasmin und Yaz verursacht werden, sind größtenteils vermeidbar. Allein mit einer Änderung auf dem Beipackzettel ist es jetzt nicht mehr getan“, so Philipp Mimkes vom Vorstand des Vereins.

Auch der im Sommer veröffentlichte Arzneimittelreport der Barmer GEK war zu dem Ergebnis gekommen, dass neuere Antibabypillen wie Yasmin ein mehr als doppelt so hohes Risiko bergen wie ältere Mittel. Der Arzneimittelexperte Prof. Gerd Glaeske forderte die Ärzte auf, „nicht den Werbeaktionen und dem Marketinggeklingel pharmazeutischer Unternehmer zu folgen“ und stattdessen risikoärmere Präparate zu verschreiben.

weitere Informationen:
=> Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter
=> Kampagnenseite der CBG

Basler Zeitung, 09.12.2011

Antibabypille auf der Anklagebank

Die umstrittene Pille Yasmin von Bayer kann in den USA vorerst auf dem Markt bleiben. Doch der deutsche Pharmahersteller muss mit verschärften Zulassungsvorschriften rechnen.

Die US-Zulassungsstelle entschied gestern zwar, die Antibabypille von Bayer trotz erhöhter Embolierisiken auf dem Markt zu belassen, aber möglicherweise nur noch beschränkt zum Verkauf freizugeben. Es bleibt aber der Verdacht, Bayer habe gegenüber den Behörden Informationen zu den Nebenrisiken verschwiegen. Dies könnte zudem die laufenden Haftpflichtverfahren beeinflussen.
Um die Nebenwirkungen der Pille, die in der Schweiz unter dem Markennamen Yasmin mit Rezeptpflicht zugelassen ist, wird seit Jahren gestritten. Gestern beschlossen die Experten der US-Arzneimittelbehörde FDA zunächst mit 21 zu 5 Stimmen, dass Bayer die Risiken der Pille nicht ausreichend dargestellt hatte. Knapp mit 15 zu 11 Stimmen kamen sie danach zum Schluss, dass Yasmin mehr Vorteile als Risiken aufweise. Der abschliessende Entscheid steht aus, doch ist damit zu rechnen, dass die Pille auf dem Markt bleibt, aber mit verschärften Zulassungsvorschriften versehen werden muss. Dies deshalb, weil die FDA bereits zweimal eine Bayer-Pille mit der Kombination von Östrogen und Gestagen (Drospirenon) bewilligt und zudem 2008 und 2010 Generika mit den gleichen Wirkstoffen zugelassen hatte. Etwas erhöhte Thromboserisiken für diese Art der Minipille sind zudem bekannt.
Kontrovers ist und bleibt, ob bestimmte Altersgruppen einem höheren Risiko einer Blutverklumpung ausgesetzt sind, ob Bayer davon wusste und dies verschwieg und ob der Konzern die Pille für andere, unerlaubte Zwecke vermarktete. Brisant war dabei die Stellungnahme des früheren FDA-Direktors David Kessler. Er warf Bayer vor, Forschungsresultate zu den Nebenwirkungen nur selektiv vorgelegt und so die Risiken verschleiert zu haben. Wäre dies der FDA früher bekannt gewesen, so hätte dies das Nutzen-Risiko-Profil von Yasmin verändert und zusätzliche Ermittlungen erfordert. Kessler kritisierte zudem eine Marketingkampagne, mit der die Pille gegen Menstruationsbeschwerden angepriesen wurde. Dafür aber ist sie nicht zugelassen. Eingespannt für diese PR-Aktion wurde eine Gynäkologin, die ein Beratungsbuch für Frauen schrieb, Yasmin lobend erwähnte und dafür ein Honorar von 450‚000 Dollar bezog.

Anwälte suchten Yasmin-Opfer
Den Entscheid der FDA haben diese Verdachtsmomente nicht direkt beeinflusst, da Kessler sie nach der Eingabefrist vorlegte. Die Pharmaexperten der Credit Suisse rechnen dennoch mit einem erhöhten Prozessrisiko für Bayer. Der Fall sei so von einem rein wissenschaftlichen zu einem potenziell zivilrechtlichen geworden, so die CS. Sie schätzt das zusätzliche Prozessrisiko für die ersten, in den USA im Januar beginnenden Verfahren auf 500 Millionen Dollar.
Der FDA lagen Gesundheitsdaten von mehr als 800‘000 Frauen aus zehn Jahren vor. Eine Reihe von Studien wies vor allem auf das erhöhte Thromboserisiko für Frauen über 35 Jahren hin. In 16,9 Fällen (auf 10‚000 Frauen) löst Yasmin demnach ein gefährliches Blutgerinnsel aus. Dagegen beobachteten Forscher bei anderen Antibabypillen im Schnitt nur 6,3 Fälle. In der Schweiz geriet das Präparat in die Schlagzeilen, als eine 16-Jährige eine Lungenembolie und nachfolgend eine schwere Hirnschädigung erlitt, kurz nachdem sie zum ersten Mal die Yasmin-Pille eingenommen hatte. Der Fall liegt vor dem Bezirksgericht Zürich, da die Mutter auf einen Schadenersatz von 6 Millionen Franken geklagt hat.
In den USA ist Bayer mit über 10‘000 Forderungen eingedeckt worden, mehr als 2500 allein in den letzten Monaten, nachdem sich spezialisierte Anwälte gezielt an potenzielle Yasmin-Opfer gewandt hatten. Die Antibabypille von Bayer ist in der Schweiz unter dem Namen Yasmin mit Rezeptpflicht zugelassen.
Von Walter Niederberger, San Francisco.

[PPT 2011] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

Permanent People´s Tribunal (3.- 6. Dezember 2011) in Indien

„Menschenrechtsverletzungen durch Pestizid-Konzerne“

Bienensterben durch BAYER-Pestizide: Coordination gegen BAYER-Gefahren reicht Fall beim PPT ein

ausführliche Informationen zum Permanent People´s Tribunal (engl)

Am 3.- 6. Dezember 2011 wird das Permanent People´s Tribunal (PPT) Menschenrechtsfälle verhandeln, die von Bauern, Landarbeitern, Müttern, Wissenschaftlern und Verbrauchern aus verschiedensten Ländern dieser Welt vorgetragen werden. Sechs multinationale Pestizid-Konzerne werden angeklagt, gegen Menschenrechte zu verstoßen, weil sie die Abhängigkeit von Pestiziden fördern, von denen bekannt ist, dass sie das international anerkannte Recht auf ein gesundes Leben unterminieren.

Die angeklagten Pestizid-Konzerne sind Monsanto, Dow, BASF, Bayer, Syngenta und DuPont. Diese „Big6“ kontrollieren gemeinsam 71% des globalen Pestizid-Marktes und rund 58% des weltweiten kommerziellen Saatgut-Marktes, wodurch die Pestizid- und Agro-Gentechnik-Industrie einen der am stärksten konsolidierten Wirtschaftszweige der Welt darstellt.

Neben den Konzernen werden auch der Internationale Währungsfond, die Weltbank und die Welthandelsorganisation angeklagt, weil sie durch ihre Politik und durch ihre Programme die Konzentration und Macht von Konzernen begünstigen. Außerdem werden die Regierungen der Schweiz, Deutschlands und der Vereinigten Staaten von Amerika, in denen die sechs Konzerne ihren Hauptsitz haben, angeklagt, weil sie die Macht der Konzerne nicht ausreichend regulieren.

Das Permanent People´s Tribunal (PPT)
wurde 1979 gegründet, um auf massive Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die institutionell niemals aufgegriffen und verhandelt wurden. Das Verfahren folgt den strengen Regeln einer juristischen Verhandlung und bezieht sich auf existierendes Recht und internationale Regelungen wie die internationale Menschenrechtsgesetzgebung oder die UN Deklaration für Menschenrechte. Das PPT findet in diesem Jahr in Bangalore/Indien statt.

Einladung zum Pressegespräch am 12. Dezember 2011 in Bonn

Datum/Zeit: 12. Dezember 2011, 10:30 bis 11:30 Uhr
Ort: Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, 53113 Bonn

Gesprächspartner
· Sarojeni V. Rengam, Direktorin, PAN Asia and the Pacific, Penang/Malaysia: berichtet über das Permanent People´s Tribunal, über die Anklagen und den Urteilsspruch
· Francois Meienberg, Co-Geschäftsleiter, Erklärung von Bern, Bern/Schweiz: stellt ein neues Gutachten vor über die Pflicht von Pestizidkonzernen, Menschenrechte zu respektieren.
· Philipp Mimkes, Geschäftsführer, Coordination gegen BAYER-Gefahren, Deutschland: berichtet über die Befassung des Tribunals mit dem Bienensterben durch BAYER-Pestizide
· Carina Weber, Geschäftsführerin, PAN Germany, Hamburg/Deutschland: stellt Ergebnisse einer neuen PAN Germany Recherche über die aktuelle Vermarktung hochgefährlicher Pestizide durch deutsche/schweizer Konzerne vor.

Tierantibiotika

CBG Redaktion

15. November 2011

NRW-Studie: 96% der Masthühner werden mit Antibiotika behandelt

Eine heute veröffentlichte Studie des NRW-Umweltministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass 96% der Masthühner regelmäßig Medikamente erhalten. Eines der am häufigsten verwendeten Antibiotika in der Tiermast ist Baytril (Enrofloxacin) von Bayer. Die routinemäßige Verwendung von Antibiotika ist eigentlich verboten, sie führt zur Bildung gefährlicher resistenter Keime.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren führt seit langem eine Kampagne zu Baytril und anderen Tierantibiotika:

=> US-Behörden verbieten Tierantibiotikum Baytril
=> Gesundheitsrisiko Veterinär-Medizin
=> FDA bans Bayer antibiotic for poultry use

=> Die Studie des NRW-Umweltministeriums

GenSoja

CBG Redaktion

Europolitics, 15 November 2011

No decision on two GM soybean products

Two proposals to authorise genetically modified (GM) soybean products were not endorsed, on 14 November, by member states during a meeting of the Standing Committee on the Food Chain and Animal Health (SCoFCAH). They will now be examined by the appeal committee. The Commission presented to SCoFCAH one proposal for the authorisation of GM soybean A5547-127 (from Bayer Cropscience) and another one on the renewal of the authorisation of GM soybean 40-3-2 (from Monsanto). Both authorisations concern food and feed uses, not cultivation, after favourable scientific assessments from the European Food Safety Authority (EFSA). EFSA concluded in both opinions that these soybeans are as safe as their non-genetically modified counterparts, with respect to potential effects on human and animal health or the environment.

Gemeinsame Presseerklärung von NABU und Testbiotech

Große Datenlücke bei Risikobewertung von ‚Gen-Soja‘

EU-Mitgliedsstaaten beraten in Brüssel über Marktzulassung

München/ Brüssel, 14.11.2011. Die Experten der EU-Mitgliedsländer in Brüssel verhandeln heute über zwei Anträge auf Marktzulassung gentechnisch veränderter Sojabohnen der Firmen Monsanto und Bayer. Die Sojabohnen wurden gegen die Herbizide Glyphosat (bekannt als Roundup) und Glufosinat (bekannt als Liberty oder Basta) unempfindlich gemacht. Dadurch können sie mit speziellen Unkrautvernichtungsmitteln gespritzt werden, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. In der Folge finden sich Rückstände dieser Spritzmittel auch im Pflanzengewebe. Testbiotech und der Naturschutzbund (NABU) warnen vor einer EU-Marktzulassung der Sojabohnen, die für den Import und die Verarbeitung Futter- und Lebensmitteln beantragt wurde. Insbesondere fehlen Daten über die Höhe der Spritzmittelbelastung dieser Pflanzen.

„Vor allem in den Anbauländern Argentinien, Brasilien und den USA werden die Pflanzen massiv mit Glyphosat besprüht, weil immer mehr Unkrautarten Resistenzen gebildet haben. Wenn nicht bekannt ist, wie hoch die Giftbelastung tatsächlich ist, kommt eine Zulassung dieser Pflanzen zur Verwendung in Futter- und Lebensmitteln nicht in Frage“, sagt Steffi Ober vom NABU. „Rückstände dieser Herbizide finden sich inzwischen sogar im Blut von Verbrauchern.“
Die Produkte, über deren Marktzulassung debattiert wird, sind die Soja 40-3-2 von Monsanto (bekannt als Roundup-Ready-Soja) und die Soja A5547-127 der Firma Bayer (auch „Bayers Basta-Bohnen“ genannt). Letztere dürfen seit kurzem in Brasilien angebaut werden. Sie sollen jetzt zum ersten Mal in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen werden. Die schon seit einigen Jahren angebaute Roundup-Ready-Soja landet in der EU vorwiegend im Tierfutter. Ihre Marktzulassung ist abgelaufen und wird zurzeit erneut geprüft. Es ist unklar, ob die Roundup-Ready-Sojabohnen die Gesundheit schädigen, weil es bislang kein Monitoring der Auswirkungen auf die Gesundheit gab, obwohl dieses in der EU vorgeschrieben ist.
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Glyphosatmischungen zu Störungen der embryonalen Entwicklung führen können. In Deutschland sind einige diese Mischungen bereits verboten worden, damit die Gifte nicht in die Nahrungskette gelangen.
Die Verwendung von Glufosinat soll aufgrund bekannter gesundheitlicher Risiken in der EU ab dem Jahr 2017 sogar vollständig verboten werden. Es wäre paradox, wenn man jetzt Pflanzen zuließe, die regelmäßig Rückstände dieses Herbizids aufweisen.
Zudem gibt es weitere Bedenken gegenüber der Risikobewertung durch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA: „Es wurden weder die signifikanten Veränderungen in der Zusammensetzung der Pflanzen noch mögliche Auswirkungen auf das Immun- oder Fortpflanzungssystem ausreichend geprüft. Außerdem gab es keine Untersuchungen möglicher Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen gentechnisch veränderten Pflanzen, die in Lebens- und Futtermitteln gemischt werden können. Diese Produkte können deshalb nicht als sicher angesehen werden”, warnt Christoph Then.

Kontakt:
Dr. Christoph Then, Tel 015154638040, info@testbiotech.org, www.testbiotech.org
Dr. Steffi Ober, Tel. + 49 (0)30.28 49 84-1612, Steffi.Ober@nabu.de, www.NABU.de

Link zum Brief an die Experten der Mitgliedsstaaten: http://www.testbiotech.de/node/573

Xarelto

CBG Redaktion

Presse Information vom 10. November 2011
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Xarelto: Bedenken nicht ausgeräumt

Trotz interner Warnungen hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine Zulassung des Gerinnungshemmers Xarelto zur Schlaganfall-Prävention erteilt. Nach Auffassung der Coordination gegen BAYER-Gefahren wurden die Bedenken bezüglich der Sicherheit des Medikaments jedoch nicht ausgeräumt. Bei Studien mit dem BAYER-Präparat war es mehrfach zu Todesfällen gekommen.

Erst im September kamen Berater der amerikanische Food and Drug Administration (FDA) zu dem Ergebnis, dass Xarelto keine Vorteile gegenüber dem seit langem etablierten Gerinnungshemmer Warfarin (in Deutschland: Marcumar) bietet. Die von BAYER eingereichten Studien warfen ihrer Meinung nach Fragen zu Herzinfarkt- und Blutungsrisiken auf. Nach Aussage der Experten zeigte die von BAYER eingereichte Studie (Rocket-AF) nur deshalb eine vergleichbare Wirksamkeit von Warfarin und Xarelto, da die mit Warfarin behandelten Patienten nicht die optimale Dosis erhalten hatten. Außerdem waren mehrere Probanden nach dem Absetzen von Xarelto gestorben.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die zahlreichen Meldungen über Gefäß-Verschlüsse, Blutungen, Herz/Kreislaufstörungen und Leberschäden lassen die Genehmigung von Xarelto zur Schlaganfall-Prophylaxe nicht ratsam erscheinen. Wir fordern grundsätzlich, dass Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, nicht zugelassen werden. Xarelto ist hierfür ein Paradebeispiel.“

Die US-Initiative Public Citizen kritisiert überdies, dass bei den BAYER-Studien vor allem Versuchsteilnehmer in Entwicklungsländern nicht richtig mit Warfarin eingestellt wurden. So bekamen nur 36 Prozent der indischen Probanden eine angemessene Warfarin-Therapie und setzten sich so einem erhöhten Schlaganfall-Risiko aus. Darüber hinaus rügt die Gruppe die Darreichungsform. Die Proband/innen mussten die ganze Dosis auf einmal einnehmen, was mit höheren Gefahren verbunden ist als eine Verteilung über den Tag. Einzig marketing-technische Erwägungen vermutet Public Citizen hinter dieser Wahl und riet der FDA wegen solcher Verstöße gegen medizinische und ethische Standards von einer Zulassung ab.

In Indien waren mindestens vier Proband/innen bei Xarelto-Studien ums Leben gekommen. Das Präparat soll daher in den USA mit einem Warnhinweis versehen werden, wonach Patienten das Medikament nicht ohne ärztliche Rücksprache absetzen sollen, da sonst das Risiko von Schlaganfällen steigt. BAYER hatte den Hinterbliebenen der in Indien Verstorbenen jeweils bloß 5.250 Dollar Entschädigung gezahlt.

In Europa ist Xarelto bislang nur zur Thrombose-Prophylaxe nach schweren orthopädischen Operationen zugelassen. Der Zulassungsprozess gestaltete sich wegen der vielen Nebenwirkungen und der ungeklärten Langzeitwirkung von Beginn an schwierig. Um den Umsatz zu steigern, hatte Bayer zusätzlich einen Zulassungsantrag für die weitaus lukrativere Schlaganfall-Prophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern gestellt. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen, allein in Europa sind davon mehr als 6 Millionen Menschen betroffen.

Auch als allgemeines Therapeutikum gegen Venen-Thrombosen möchte BAYER das Präparat einsetzen. Gegenüber bislang verwendeten Medikamenten konnte jedoch auch für diese Anwendung kein Vorteil gezeigt werden. Die sogenannte Magellan-Studie war laut BAYER lediglich darauf ausgelegt, bei mehr als 3.400 teilnehmenden Patienten nachzuweisen, dass Xarelto der Vergleichsmedikation „nicht unterlegen ist“. Selbst nach Aussage von BAYER wies das Präparat jedoch „kein konsistent positives Nutzen-Risiko-Profil“ auf.

weitere Informationen:
=> Public Citizen: Xarelto approval for stroke prevention rejected
=> Xarelto: Todesfälle in Indien

Wirtschaftswoche, 7. September 2011

FDA zweifelt an neuem Medikament

Schwarzer Tag für Bayer

Die US-Zulassungsbehörde FDA hat Zweifel an einem neuen Bayer-Medikament. Die Aktie des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns verlor zeitweise um zwölf Prozent.

Eine Verzögerung – oder gar eine spätere Ablehnung – würde für Bayer und den neuen Konzernchef Marijn Dekkers ein ziemliches Desaster bedeuten. Entwickelt wurde Xarelto im wesentlichen am Forschungs- und Entwicklungsstandort Wuppertal. Für ihre Arbeit wurden die Forscher sogar vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Erst kürzlich besuchte Nachfolger Christian Wulff das Team in Wuppertal.
Bayer-Chef Dekkers hatte sich vor einigen Wochen im WirtschaftsWoche-Interview optimistisch über Xarelto geäußert: „Wir sind sehr zuversichtlich und rechnen unverändert mit einer Markteinführung im dritten oder vierten Quartal 2011 – schließlich haben wir das Präparat an 65 000 bis 70 000 Patienten getestet.“
Nun könnte alles anders kommen. Die FDA verlangt bessere Informationen zu Xarelto. Die Experten argwöhnen auch, dass Bayer einen Vergleichstest mit dem Standardmedikament Warfarin nicht fair und adäquat durchgeführt haben könnte, um Xarelto einen Vorteil zu verschaffen.
Das Leverkusener Unternehmen geht dagegen weiterhin von einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis von Xarelto im Vergleich zu Warfarin aus. Zudem verursache Xarelto weniger Blutungen.
„Wir freuen uns auf eine offene und produktive Diskussion mit den FDA-Beratern und vertrauen auf die Ergebnissse der Rocket-AF.Studie“, sagt Bayer-Entwicklungschef Kemal Malik. Ob ihm die Diskussion am Ende auch noch Freude macht, wird sich zeigen.
Doch auch, wenn Xarelto noch zeitig den Markt erreicht, wird das Geschäft für Bayer nicht einfach werden: Ein Konkurrenzpräparat von Boehringer Ingelheim ist bereits auf dem Markt. Und ein vielversprechendes Mittel der US-Konzerne Pfizer und Bristol Myers Squibb zur Schlaganfall-Prophylaxe befindet sich gleichfalls in der Entwicklung.
Einen solchen Rückschlag hat die Bayer-Aktie seit drei Jahren nicht mehr erlebt. Am Dienstagnachmittag war an den Börsen durchgedrungen, dass Experten der US-Zulassungsbehörde FDA Zweifel an Bayers geplantem Spitzenmedikament Xarelto hegen. Für Bayer ist Xarelto, das gegen Schlaganfälle vorbeugen soll, das wichtigste Medikament seit Jahren. Die Bayer-Manager haben jährliche Spitzenumsätze von zwei Milliarden Euro schon ziemlich fest einkalkuliert. Nach den bisherigen Planungen soll das Mittel gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen.
Am Donnerstag tagt nun bei der FDA in Silver Spring im US-Bundesstaat Maryland ein mit hochrangigen Medizinern besetztes Beratergremium. Dann fällt eine Vorentscheidung darüber, ob sich die‚ Einführung des Bayer-Medikaments verzögert. Endgültig wird die FDA Anfang November entscheiden. Die FDA ist allerdings nicht an die Empfehlungen des Beratergremiums gebunden; tatsächlich folgt sie diesen jedoch häufig. Von der europäischen Zulassungsbehörde EMEA, wo Bayer Xarelto gleichfalls zur Zulassung eingereicht hat, ist noch keine entsprechende Reaktion überliefert. von Jürgen Salz (Düsseldorf)

DIE ZEIT, 04. November 2011

Warnung mit der Roten Hand

Neue Blutverdünner waren die Hoffnung für Bayer und Boehringer. Nun könnten sie sich als großer Reinfall erweisen.

Lieselotte Bettermann (Name geändert) ist eine rüstige Rentnerin. Eine, die auch mit 84 Jahren noch gerne verreist und sich ihr Alter ebenso wenig anmerken lässt wie die beiden Schlaganfälle, die sie erlitten hat. Nun gut – ein paar Zugeständnisse macht sie inzwischen doch: Sie ist in eine Seniorenwohnanlage im Hamburger Süden gezogen, und jeden Montag kommt eine Putzfrau und hilft ihr, ihren kleinen Haushalt in Schuss zu halten. Und wegen ihrer Herzrhythmusstörungen schluckt sie Arzneien, die verhindern, dass sich in ihrem Herzen erneut Blutgerinnsel bilden und ins Gehirn wandern. Jeder weitere Schlag, das weiß sie, könnte sie zum Pflegefall machen.
Allein hierzulande gibt es laut Deutscher Schlaganfall-Gesellschaft knapp eine Million Patienten wie Lieselotte Bettermann. Insgesamt sollen in der alternden industrialisierten Welt neun Millionen Menschen unter dem sogenannten Vorhofflimmern leiden und einer Schlaganfall-Prophylaxebedürfen. Bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr, so schätzen Analysten, ließen sich auf diesem Markt verdienen, weshalb sich gleich mehrere Pharmariesen – darunter auch Bayer aus Leverkusen und Boehringer Ingelheim – auf die Suche nach neuen Pillen machten. So viel Aufbruchstimmung gab es seit der Entdeckung der Statine als Cholesterinsenker vor zwanzig Jahren nicht.
Und tatsächlich schafften es die zuletzt wenig erfolgverwöhnten deutschen Arzneihersteller, den anderen zuvorzukommen: Boehringer konnte seine Pille namens Pradaxa bereits einführen. Und das Bayer-Produkt Xarelto ist ebenfalls marktreif: Die US-Gesundheitsbehörde etwa will am kommenden Freitag über ihre Zulassung entscheiden. »Schön, dass in diesem wichtigen Therapiegebiet zwei Unternehmen aus Deutschland die Nase vorn haben«, triumphierte Boehringer-Chef Andreas Barner noch im April in der Wirtschaftswoche.
Doch seither haben sich die Aussichten deutlich eingetrübt. So kam es in Asien – wo Boehringer das Mittel schon im Frühjahr einführte – bald zu unerfreulichen Nebenwirkungen. In Japan, wo bis August 14 Todesfälle registriert wurden, schlug die Gesundheitsbehörde zuerst Alarm, Australien folgte im Oktober. In Europa verschickte Boehringer vergangenen Donnerstag auf Betreiben der Europäischen Arzneimittelagentur ebenfalls sogenannte Rote-Hand-Briefe zur Warnung an die Ärzteschaft. Der Hersteller bestätigte, dass auch in Deutschland und anderswo in Europa Todesfälle gemeldet wurden. Wie viele, wollte Boehringer-Sprecher Reinhard Malin unter Verweis auf die laufende »Einzelfallprüfung« nicht sagen. Die Zahl von 50 Todesfällen weltweit sei, so Malin, aber »vermutlich die richtige Größenordnung«.
Und bei Bayer läuft die Sache auch nicht ganz rund. So entspann sich unter den Beratern der US-Gesundheitsbehörde Anfang September eine Debatte über die Wirksamkeit von Xarelto. Die Zulassungsempfehlung gab es mit Gegenstimmen.
»Das alles mindert die Chancen von Bayer und Boehringer«, urteilt Pharmaanalyst Karl-Heinz Scheunemann von der Landesbank Baden-Württemberg. »Die Idee, dass die Deutschen den Markt unter sich aufteilen, dürfte sich als Illusion erweisen.« Auch Ulrich Huwald von der Privatbank Warburg meint: »Der Durchmarsch wird wohl nicht stattfinden.«
Das Problem: Die deutschen Hersteller sind dringend auf Erfolge angewiesen. Seit Bayer vor zehn Jahren den Cholesterinsenker Lipobay wegen Nebenwirkungen vom Markt nahm, hat der Konzern keine Bestseller hervorgebracht, und selbst die Übernahme des Wettbewerbers Schering 2006 kann die Lücke wohl nicht dauerhaft füllen. Beim Familienkonzern Boehringer, wo gerade mehrere Pillen Billigkonkurrenz bekamen, hängt die Zukunft erst recht an dem neuen Produkt.
Noch dramatischer sind die jüngsten Entwicklungen allerdings für die Patienten. In wenigen Feldern der Medizin würden Innovationen »sehnlicher erwartet« als bei den Gerinnungshemmern, sagt Joachim Röther. Er ist Chefarzt an der Asklepios Klinik im Hamburg-Altona. Die Notaufnahme unten im Erdgeschoss des Krankenhauses ist eine der am stärksten frequentierten Ambulanzen in Deutschland, auch an diesem Abend ist der Computertomograf noch in Betrieb.
Rund tausend Schlaganfälle werden hier jedes Jahr behandelt. Viele davon wären durch Vorbeugung zu vermeiden, sagt Röther, im Nebenamt Präsident der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Doch die bisher gängige Pille Marcumar, die vor vielen Jahrzehnten vom Schweizer Pharmakonzern Roche entwickelt wurde, ist bei den Patienten unbeliebt. Es hat sich herumgesprochen, dass die Substanz zunächst als Rattengift patentiert worden war und dass sie – falsch dosiert – auch Menschen töten kann. Und weil die Arznei auf bestimmte Lebensmittel mit Wirkungsschwankungen reagiert, ist es nicht leicht, sie richtig zu dosieren. Rund die Hälfte derer, die die Pille eigentlich brauchten, verzichten deshalb darauf.
Lieselotte Bettermann ist eine davon. »Mit Marcumar hätte ich mit Salat und grünem Gemüse aufpassen und mir ständig Blut abnehmen lassen müssen«, sagt sie, und dass sie als Diabetikerin schon genug Aufwand dieser Art betreibe. Sie entschied: »Ich schlucke lieber ASS.« Tatsächlich kann Acetylsalicylsäure – besser bekannt unter dem Namen Aspirin – nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Verklumpung der Blutplättchen bremsen – die Wirkung ist jedoch schwächer.
Möglicherweise lag es daran, dass Frau Bettermann im Mai dieses Jahres mit einem zweiten, glücklicherweise leichten, Schlaganfall in Röthers Notaufnahme landete. »Behandlung mit Marcumar wurde ausdrücklich nicht gewünscht« steht in ihrer Patientenakte. Auch die neue Pille Pradaxa – seit September in deutschen Apotheken zu haben – lehnt sie ab.
Möglicherweise eine weise Entscheidung: Denn die Patienten, die in Asien nach der Einnahme von Pradaxa starben, waren Menschen, deren Nieren – aufgrund hohen Alters oder einer Erkrankung wie Diabetes – nicht gut funktionierten. So sammelte sich der Gerinnungshemmer in ihrem Körper an, sie starben an inneren Blutungen.
In dem Warnbrief, den der Hersteller nun im Auftrag der Gesundheitsbehörden verschickte, werden die Ärzte deshalb aufgefordert, bei Patienten über 75 Jahren regelmäßig die Nieren zu testen – und gegebenenfalls auf eine Verordnung zu verzichten. Weil das Schlaganfallrisiko ab diesem Alter steigt, trifft das die Kernzielgruppe.
Lutz Hein, Pharmakologe von der Uni Freiburg, fordert deshalb: »Hier müssen zunächst einmal mehr Erfahrungen gesammelt werden, um die Blutungen auch zu beherrschen.« Zwar bergen alle Gerinnungshemmer ein gewisses Blutungsrisiko – und zumindest bei der leichteren Pradaxa-Dosis ist dieses sogar »um etwa 20 Prozent niedriger« als bei der gängigen Arznei, wie Boehringer-Chef Andreas Barner zur Verteidigung der Pille anführt. Doch anders als bei Marcumar gibt es für die neuen Pillen eben noch kein Gegenmittel.
Bei Boehringer schlägt man vor, die Patienten an die Dialyse zu legen, um den Blutverdünner auszuwaschen. Bei akuten Blutungen oder auch Notfall-Operationen dürfte dieses Verfahren aber zu langsam sein. Bei Bayer hingegen scheint man zumindest eine heiße Spur zu verfolgen: Das Medikament aus Leverkusen blockiert einen anderen Blutgerinnungsfaktor und lässt sich durch Gabe bestimmter menschlicher Enzyme offenbar wieder ausschalten.
Diese Nachricht dürfte auch die amerikanischen Wettbewerber Pfizer und Bristol-Myers Squibb erfreuen. Sie arbeiten nämlich gemeinsam an einem fast baugleichen Gerinnungshemmer wie Bayer. Zwar war das Projekt von so viel Rückschlägen begleitet, dass es in der Fachwelt zwischendurch fast nicht mehr ernst genommen wurde. Dann allerdings landete das Duo einen Paukenschlag: Auf einem Kongress Ende August in Paris präsentierten die Amerikaner eine Studie, die nahelegt, dass ihre Pille sowohl in der Wirksamkeit als auch bei der Sicherheit allen anderen überlegen ist. Sie soll allerdings frühestens im nächsten Jahr in die Apotheken kommen.
Auch vom anderen Ende der Welt droht Konkurrenz. Der japanische Arzneihersteller Daiichi Sankyo arbeitet ebenfalls an einem Gerinnungshemmer. Dass das Mittel den Markt noch später erreicht, scheint Europa-Geschäftsführer Reinhard Bauer wenig anzufechten. »Wir haben uns bewusst Zeit gelassen«, sagt der Deutsche, der vorher lange bei Bayer gearbeitet hat. »Am Ende kommt es auf die Qualität an«, sagt er selbstsicher.
Die Zeit, als sich Deutschland Apotheke der Welt nannte, scheint endgültig vorüber. Doch so ärgerlich die Konkurrenz für Bayer und Boehringer ist, so sehr profitieren Patienten wie Lieselotte Bettermann, wenn sie zu besseren Pillen führt.
Natürlich nur, wenn sie sie auch einnehmen. Von Jutta Hoffritz

[CNT] Nanotubes

CBG Redaktion

LifeGen, 9. November 2011

Nanopartikel als potenzielle Umweltkiller ausgemacht

Für Konzerne wie Bayer zählen sie zu den Vertretern einer neuen Materialgeneration, doch nun rücken Schweizer Forscher die sogenannten Kohlenstoff-Nanoröhrchen (CNT) in eine unliebsame Ecke: Eine aktuelle Studie der Empa zeigt, dass CNT auf Grünalgen zwar nicht toxisch wirken, deren Wachstum aber hemmen, indem sie ihnen Licht und Platz nehmen. Die Schweizer Behörden raten dazu, ungebundene Nanotubes nicht in die Umwelt freizusetzen. Auch andere Studien deuten auf massive Risiken bei CNTs hin, politisch lassen sich die Forschungsergebnisse nicht mehr ignorieren. Steht die Technologie damit vor dem Aus? von Vlad Georgescu

CNTs sind bis zu 100.000 mal dünner als ein menschliches Haar und so leicht wie Plastik. Dennoch können sie zugfester sein als Stahl, härter als Diamant und leitfähiger als Kupfer. „Diese Eigenschaften machen sie zu einem Werkstoff mit Zukunft“, schreibt die Empa, und: „Ihr Einsatz wird daher vielfältig erforscht, etwa für Solarzellen, Kunststoffe, Batterien, in der Medizin sowie zur Reinigung von Trinkwasser“.

Allerdings: Mit zunehmender industrieller Produktion in der Grössenordnung von Hunderten von Tonnen jährlich steige auch die Menge an solchen Teilchen, die in die Umwelt gelangen kann. Einige Studien legen der Empa zufolge „den Verdacht nahe, dass bestimmte CNT in der Lunge ähnliche Schäden wie Asbestfasern auslösen können“.

Wie sich CNT verhalten, wenn sie in Gewässer gelangen, hat jetzt ein interdisziplinäres Team der Forschungsinstitute Empa und Agroscope ART nun in einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Studie an Grünalgen untersucht. Dabei entwickelten die ForscherInnen ein Standardverfahren für Chemikalien weiter, um Wachstum und Photosynthese-Aktivität der Algen unter CNT-Belastung zu messen. Es zeigte sich, dass die Algen selbst bei hohen CNT-Konzentrationen ihre normale Photosynthese-Aktivität beibehielten - jedoch verlangsamte sich ihr Wachstum. Auffällig war auch, dass sich die Algensuspension durch Zugabe der CNT verdunkelte und dass die Algen mit den Nanoröhrchen verklumpten – obwohl nichts darauf hinwies, dass die Nanoröhrchen von den Algen aufgenommen werden. Die ForscherInnen vermuteten deshalb, dass die Algen langsamer wachsen, weil sie durch die CNT «zusammenkleben» und dadurch weniger Licht erhalten. Um genau das zu beweisen, entwickelten sie zwei weitere Tests, mit denen die Beschattung und das Zusammenkleben der Algen durch Nanopartikel quantitativ gemessen werden können.

Die Ergebnisse zeigen, „dass das verlangsamte Algenwachstum in der Tat hauptsächlich auf diese zwei Faktoren zurückzuführen ist“. Fazit der staatlichen Empa: „CNT wirken nicht direkt toxisch auf Grünalgen, wie frühere Studien vermuten liessen. Die Algen haben in Gegenwart von CNT lediglich nicht die optimalen Wachstumsbedingungen, weil sie wie Landpflanzen genügend Platz und Licht zum Wachsen benötigen. Allerdings tritt die beobachtete Verklumpung und Beschattung erst bei höheren CNTKonzentrationen auf (über einem Milligramm pro Liter), wie sie in der Umwelt wahrscheinlich noch nicht vorkommen“.

Bayer in der Zwickmühle
Für den Leverkusener Konzern wird die Lage ob solcher News allmählich brisant - und erste Anzeichen eines Umdenkens sind erkennbar. Péter Krüger, Leiter der Arbeitsgruppe Nanotechnologie in der Bayer MaterialScience AG und Vorsitzender hochrangiger Nano-Projektgruppen forderte beispielsweise bereits im Vorfeld der 4. NRW Nano-Konferenz Sicherheitsstandards im Umgang mit der neuen Technologie. Sein Credo: „Damit diese Welt Wirklichkeit wird, muss Nano sicher sein.“ Der Vorstoß ist bemerkenswert - aber auch mehr als reine PR?

Mit seiner Forderung stand Krüger hinter NRW-Innovationsministerin Svenja Schulze auf dem Programm der 4. NRW Nano-Konferenz am 17. und 18. Oktober 2011 im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund und stellte die Ergebnisse aus zehn Jahren Sicherheitsforschung zu Nanomaterialien vor. Dennoch sollen die von Bayer MaterialScience in einer eigenen Versuchsanlage produzierten Carbon Nanotubes (CNTs) in Lacken, beim Bau von Rotorblättern und in Sportartikeln wie Skiern oder Hockey-Schlägern eingesetzt werden. Das Gefährdungspotential der neuen Stoffe ist weitgehend unbekannt, wie die aktuelle Empa-Studie belegt. Und selbst Tierversuche zeigen, dass bestimmte CNTs die Entstehung von Krebs ähnlich wie Asbestfasern begünstigen können (1). DNA-Schäden der Aorta sind ebenso möglich wie eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion (2). Zudem können Nanotubes vom Körper sowohl über die Atemwege als auch über die Haut aufgenommen werden.

Der Konzern sieht auf seiner eigenen Seite hingegen keine Probleme für die Bevölkerung und betont das wirtschaftliche Potenzial der CNTs. Aus Sicht der Umweltverbände hingegen scheint offensichtlich, dass eine Anlage dieser Größenordnung keine „Versuchsanlage“ darstellt. Vor einer Genehmigung müsse der Betreiber darlegen, dass von der Anlage keine schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen, insbesondere welche Emissionen und Immissionen in welcher Höhe zu erwarten sind, welche Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit damit verbunden sind, wie hoch die Belastung innerhalb der Anlage ist und welche Mengen dieses speziellen Feinstaubs bei einem Störfall austreten können.

Die nun am 4.November 2011 publizierten Schweizer Ergebnisse bringen auch die Politik in NRW in Zugzwang. „Unsere Studie zeigt, wie schwierig es ist, die Wirkungen von Nanomaterialien auf Organismen detailliert zu verstehen“, betont Empa- und ART-Forscherin Fabienne Schwab. Bis umfassende Erkenntnisse auch für komplexere Organismen als Grünalgen sowie Langzeitstudien vorliegen, rät Empa-Forscher Bernd Nowack, „besonders ungebundene Nanopartikel nicht in die Umwelt freizusetzen“.

alle Infos zur Kampagne

Literaturhinweise:

Are Carbon Nanotube Effects on Green Algae Caused by Shading and Agglomeration?
F. Schwab, T.D. Bucheli, L.P. Lukhele, A. Magrez, B. Nowack, L. Sigg, K. Knauer, Environmental Science & Technology,
DOI: 10.1021/es200506b

(1) Carbon nanotubes introduced into the abdominal cavity of mice show asbestos-like pathogenicity in a pilot study, Donaldson et al, 20. Mai 2008, „Nature Nanotechnology“

(2) A review of carbon nanotube toxicity and assessment of potential occupational and environmental health risks, Crit Rev Toxicol. 2006 Mar;36(3):189-217,

Heroin

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse Info vom 8. November 2011

Heroin-Anzeigen in spanischen Zeitungen

Werbe-Motive von BAYER aus dem Jahr 1912 aufgetaucht

Im Frühjahr 1912 startete die Firma BAYER eine Heroin-Werbekampagne in spanischen Zeitungen. Mehrere der Anzeigenmotive wurden nun wiedergefunden. Das Unternehmen hatte das „gut verträgliche Hustenmittel“ im Jahr 1898 zusammen mit dem Schmerzmittel Aspirin auf den Markt gebracht.

Die wiederentdeckten Anzeigen sind aus mehreren Gründen interessant: Bereits kurz nach der Markteinführung zur Jahrhundertwende hatten Ärzte auf das Suchtpotential des neuen Präparats hingewiesen. Zum Zeitpunkt der Werbekampagne im Jahr 1912 war hierüber in Fachkreisen ausführlich diskutiert worden. Dennoch gab BAYER Anzeigen in Auftrag, in denen vornehmlich Kinder gezeigt werden und in denen die Einnahme von Heroin selbst bei wenig dramatischen Symptomen wie Reizungen (irritación) oder Husten (tos) empfohlen wird.

BAYER hatte im Jahr 1900 einen bis dahin nie dagewesenen Werbefeldzug gestartet. Auf dem ganzen Globus lobten Anzeigen das Mittel in den höchsten Tönen. Kaum eine Anwendung, bei der das neue „Zaubermittel“ nicht empfohlen wurde: Multiple Sklerose, Asthma, Magenkrebs, Epilepsie, Schizophrenie und vieles mehr. Sogar bei Darmkoliken von Säuglingen sei Heroin wirksam. Erstmals wurden auch Tausende von Gratisproben an Ärzte versandt.

Als Kritiker die Sicherheit des Tausendsassas in Frage stellten, ordnete der damalige BAYER-Prokurist Carl Duisberg rigoros an, seine Untergebenen sollten die Querulanten „mundtot schlagen“. „Wir dürfen nicht dulden, dass in der Welt behauptet wird, wir hätten unvorsichtigerweise Präparate poussiert, die nicht sorgfältig probiert sind“, so der spätere Generaldirektor weiter. Der Verkaufserfolg von Heroin und Aspirin legte den Grundstein für den Aufstieg der einstigen Farbenfabrik BAYER zu einem Weltkonzern.

Jan Pehrke vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren kommentiert: „BAYERs Heroin-Kampagne zeigt, wie weit die Tradition der Pharma-Multis zurückreicht, wider besseren Wissens und trotz eindringlicher Warnungen gefährliche Mittel in Umlauf zu bringen, nur um damit Profit zu machen.“

Informationen zum Thema Heroin:
=> Heroin: Die Geschichte eines Hustensafts
=> 150. Geburtstag von Carl Duisberg
=> Michael de Ridder: Heroin, Vom Arzneimittel zur Droge

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[Pharmatests] Pharmatests in Indien

CBG Redaktion

Presse Informationen vom 25. Oktober 2011
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Offener Brief an BAYER-Chef Marijn Dekkers

Indien: Todesfälle bei Pharma-Studien

Immer mehr Pharma-Studien werden nach Indien verlagert. Die Zahl der Geschädigten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Im Zeitraum von 2007 bis 2010 starben 1.600 Inder/innen bei klinischen Studien, allein 138 bei Tests der Firma BAYER. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert in einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden Aufklärung.

Im vergangenen Jahr starben nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums 668 Menschen bei Pharma-Tests. In den Jahren zuvor war die Zahl stark gestiegen - von 137 im Jahr 2007 auf 288 (2008) und 637 (2009). Ein Großteil der Studien wurde im Auftrag von internationalen Firmen wie Novartis, Pfizer und Merck durchgeführt. Allein bei der Durchführung klinischer Studien von BAYER kamen innerhalb von vier Jahren 138 Versuchspersonen ums Leben.

Die Todesfälle sind zum Teil auf Vorerkrankungen der Probanden zurückzuführen, z.B. Krebs. Offiziell wurden aber im vergangenen Jahr 22 Fälle tödlicher Nebenwirkungen bestätigt, darunter vier bei Studien für das Thrombosemittel Xarelto von BAYER (Wirkstoff Rivaroxaban). Da die Daten auf Angaben der Pharmafirmen basieren und keine unabhängigen Kontrollen durchgeführt werden, dürften die tatsächliche Zahlen weit höher liegen. BAYER hat den Hinterbliebenen der Xarelto-Opfer Entschädigungen von durchschnittlich 5.250 Dollar gezahlt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat heute in einem Offenen Brief an den BAYER-Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers Aufklärung verlangt. In dem Schreiben heißt es: „Wir fordern Sie auf, alle relevanten Daten zu klinischen Studien in Indien in den vergangenen fünf Jahren offen zu legen“. Die CBG fragt u.a. nach Zahl und Dauer der Studien, den untersuchten Medikamenten, den beauftragten Subunternehmen sowie nach der Häufigkeit von Nebenwirkungen und Todesfällen.

Momentan hat BAYER in Indien Studien mit der Krebs-Arznei Nexavar, dem Augen-Präparat VEGF und dem Bluter-Medikament Kogenate beauftragt. Gerade abgeschlossen hat BAYER Versuche mit dem Potenzmittel Levitra, dem Diabetikum Glucobay, der Hormon-Spirale Mirena und den Röntgen-Kontrastmitteln Gadovist und Ultravist. Aktuell sucht der Konzern neue ProbandInnen für weitere Erprobungen von Xarelto, Glucobay, Gadovist, Kogenate, Nexava und VEGF sowie von dem Antibiotikum Avelox und dem umstrittenen Bluthochdruck-Präparat Xirtam. Die Umsetzung der Tests erfolgt durch indische Firmen wie CSC Pharmaceuticals, Parexel oder Igate.

Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Wieder einmal geht BAYER über Leichen. Goldene Bilanzen stehen über Menschenleben. Für den schnellen Profit im Pharmageschäft müssen bevorzugt die Ärmsten der Armen grausame Schicksale erleiden - von schweren lebenslangen Gesundheitsschäden bis hin zum Tod." Vertreter der Coordination hatten das Thema bereits in der Hauptversammlung des Konzerns vor Tausenden von Aktionären diskutiert. Der damalige BAYER-Chef Werner Wenning verweigerte jedoch eine Beantwortung der Fragen und versicherte, keine Test-Person wäre zu Schaden gekommen. Die nun veröffentlichten Zahlen widerlegen diese Behauptung.

Aufgrund der niedrigen Kosten, der Englischkenntnisse der Bevölkerung, die große Masse an ProbandInnen und der laxen Aufsicht stieg die Zahl der Studien in Indien in den vergangenen Jahren drastisch an. Im vergangenen Jahr wurden dort fast 2.000 Tests gemeldet. Die Testpersonen sind überwiegend extrem arm und analphabetisch; in vielen Fällen werden Einverständniserklärungen von Dritten unterzeichnet. Die eigentlich für die Kontrolle zuständigen Ethik-Kommissionen bestehen oft nur auf dem Papier.

Auch in weiteren Ländern mit großen Armutspopulationen wie Kolumbien, Pakistan, Moldawien, die Philippinen, China oder Russland führt BAYER Pharma-Tests durch. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert eine nicht-Anerkennung pharmakologischer Studien, die nicht von unabhängiger Seite überprüft werden.

weitere Informationen:
=> Novartis, Pfizer, Bayer: Trial-related deaths in India
=> Artikel “BAYER globalisiert Arzneitests”
=> Rede in BAYER-Hauptversammlung

Giftmüll

CBG Redaktion

ein interessanter Artikel zur Entsorgung von Giftmüll nach Italien und Afrika in den 70er und 80er Jahren. Auch Firmen wie BASF, Bayer und Hoechst nutzten solche illegalen Deponien

25.10.2011, Donaukurier

Das schmutzige Geschäft

Ingolstadt (DK) Europäische Länder haben Jahrzehnte lang ihren Giftmüll nach Afrika gebracht oder einfach im Meer versenkt – mit Hilfe von Mafia und Geheimdiensten.

Das geht heute nicht mehr so leicht, doch immer noch landet Sondermüll oft dort, wo er nicht hingehört. Die italienische Mafia entdeckte früh, wie viel Geld sich mit Müll verdienen lässt. Europäische Unternehmen und Militärs wussten in den 60er, 70er und 80er Jahren nicht, wohin mit ihren giftigen, zum Teil radioaktiven Abfällen, und die Regierungen drückten bei der Entsorgung ein Auge zu. Hauptsache, der Problemmüll verschwand – irgendwo auf illegalen Deponien in Afrika. Dort wurde der Protest Ende der 80er Jahre aber so stark, dass das Mülltransitland Italien den Müll zurückrufen musste.

Dabei kam heraus, dass auch deutsche Unternehmen ihren Sondermüll billig über Italien entsorgt hatten: BASF, Bayer, die Dynamit Nobel AG und Hoechst zum Beispiel standen nach Medienberichten auf den Ladelisten. Die zurückgerufenen Giftmüllschiffe nahmen Kurs auf Italien. Doch dort war der Müll auch nicht erwünscht, denn es gab keinerlei Konzepte für die Lagerung. Die Mafia versenkte daraufhin offenbar viele Schiffe. Mindestens 30 liegen auf dem Grund des Mittelmeeres, schätzen Experten.

Ein italienisches Ermittlerteam machte sich daran, die Causa Giftschiffe aufzuklären. Der Hauptermittler Natale de Grazia kam allerdings 1995 unter mysteriösen Umständen ums Leben, kurz vor dem entscheidenden Durchbruch der Ermittler. Erst 2009 gingen die Giftschiffe wieder durch die Medien, nachdem ein Müllschiff in Italien ans Ufer gespült worden war. Doch wieder verlief die Suche nach den versenkten Giftschiffen im Sand, Staatsanwälte und Umweltschützer fühlten sich von den italienischen Behörden behindert.

Bis heute ist unklar, welche Rolle der italienische Staat und die europäischen Geheimdienste bei dieser Müllentsorgung spielten. Der gebürtige Heidelberger Journalist Sandro Mattioli, der mit seinem italienischen Kollegen Andrea Palladino jahrelang zur Müllmafia recherchiert hat, meint: „Es war ein weitverzweigtes Netzwerk. Ein internationales Netzwerk, bestehend aus Drecksarbeitern und Saubermännern, bis in höchste politische Ebenen vernetzt, mit Ausläufern auf dem ganzen Erdball.“

Dass Regierungen und Militärs in die illegale Müllentsorgung verwickelt waren, legt ein Chemieunfall nahe, der 1976 Schlagzeilen machte: In Seveso bei Mailand explodierte der Reaktor eines Chemiewerks der Schweizer Firma Hoffmann-La Roche, hochgiftiges Dioxin trat aus. Damals saßen verdiente Militärs in der Führungsetage des Chemieriesen. Nach dem Unglück wurde das Werk stillgelegt, die giftigen Überreste sollte später die italienische Tochter der Mannesmann AG entsorgen. Die Seveso-Giftfässer verschwanden dann aber unter dubiosen Umständen, ganz Europa fragte sich 1983 wochenlang, wo sie entsorgt worden waren. Es wird vermutet, dass die Fässer auf der ostdeutschen Deponie Schönberg landeten. Gegen Devisen nahm die ehemalige DDR so ziemlich alles an, was der Westen los werden wollte. Dass die Regierungen mitten im Kalten Krieg davon nicht wussten, ist unwahrscheinlich.

Giftmüll landete aber auch im Lieblingsurlaubsland der Deutschen. Rund 50 verseuchte Landstriche stehen auf einer Liste des Umweltministeriums in Rom. Journalist Mattioli hat ein betroffenes Dorf in Kalabrien besucht. Im idyllischen Amantea soll die Mafia Atommüll entsorgt haben, die Krebsrate ist dort nach Mattiolis Recherchen alarmierend hoch. Trotzdem wollten die meisten Einwohner den Skandal nicht wahrhaben, Umweltschützer wurden angefeindet. „Die Menschen schweigen, schweigen, schweigen, selbst wenn ihnen der Boden unter den Füßen vergiftet wird“, schreibt Mattioli in seinem Buch „Die Müllmafia“.

Seit es internationale Konventionen gibt, die den Export von Giftmüll in Nicht-OECD-Länder verbieten, hört man nur noch wenig von großen Skandalen in Afrika. „Die deutsche Entsorgungsindustrie hat gemerkt, dass sich mit der teuren Müllentsorgung in Deutschland viel mehr Geld verdienen lässt“, sagt der Giftmüllexperte Andreas von Bernstorff, der früher für Greenpeace gearbeitet hat. Dafür schickt Europa heute Elektroschrott nach Afrika und ausgediente Schiffe landen in Asien. Dort atmen Arbeiter beim Schmelzen der Stahlteile gefährliche Dämpfe ein. Europäischen Giftmüll entsorgen Kriminelle heute auch mitten im zollfreien Europa, etwa in Ostdeutschland oder Tschechien.

Von Julia Romlewski

Nanotubes

CBG Redaktion

Der Deutschlandfunk berichtet über die Risiken von Nanotubes. Größter Hersteller in Deutschland ist die Bayer AG. Wir protestieren dagegen, dass die Anlage in Leverkusen als Versuchsanlage genehmigt wurde (alle Infos zur Kampagne).

17.10.2011, Deutschlandfunk, Forschung Aktuell

Gefahrenquelle Nanoteilchen

Nach zehn Jahren Risikoforschung an Nanomaterialien ziehen Wissenschaftler Bilanz

Nanopartikel aus Silber als Abhilfe gegen miefende Socken, kleinste Körnchen aus Eisenoxid als Kontrastmittel in der Medizin: Längst haben Nanomaterialien die Labore verlassen und den Weg zum Verbraucher gefunden. Allerdings: Toxikologen sehen das kritisch.

Gerade einmal knapp 60 Seiten dick ist das gemeinsame Statuspapier von DECHEMA und VCI. Daher kann es auch nur einen groben Überblick geben über die unzähligen Forschungsprojekte, die zum Thema Nanosicherheit in Hinblick auf die Folgen für Umwelt und Gesundheit durchgeführt wurden - auf Seiten der Industrie, an Universitäten und anderen Forschungsinstituten. Eher ein Mosaik aus einzelnen Steinchen als ein geschlossenes Bild. Trotzdem konnten die Experten mindestens einen „Bösewicht“ im Zwergenreich ausmachen, sagt Harald Krug von der schweizerischen EMPA in St. Gallen und Vorsitzender des Arbeitskreises, welcher das Papier nun vorgelegt hat:

„Ein Bösewicht, ja, kann man schon sagen. Es gibt Materialien, die unter Verdacht stehen, gewisse Reaktionen hervor zu rufen. Und das, wo wir uns jetzt in der Industrie und auch in der Akademie am meisten Sorgen machen, möchte ich mal sagen, das sind die Kohlenstoff-Nanoröhrchen.“

Denn von Anfang an standen diese winzigen, faserförmigen Teilchen unter Verdacht, dass sie die Atemwege schädigen können. Das habe sich zum Teil bestätigt, sagt der Toxikologe. Vor allem können die Experten mittlerweile anhand der Beschaffenheit der Nanoröhrchen deren Effekt im Körper abschätzen.

„Und hier ist ganz besonders zu erwähnen, dass die ganz besonders langen und diejenigen, die versteift sind, das heißt mehrwandig sind, und dicke, feste Aggregate bilden, die sind besonders kritisch. Weil: Sie können die Lunge verletzen, sie können zu Entzündungsreaktionen führen und sie können bei dauerhafter Belastung eben auch zu Tumoren führen, also zu Krebs.“

Diese Nanoröhrchen ähneln in ihrer Struktur und in ihren Eigenschaften solchen Fasern wie Asbest. Bei beiden ist es die Länge, die verhindert, dass die Fremdkörper aus der Lunge ausgeschieden werden können. Denn die Fresszellen des Immunsystems sind mit solchen Dimensionen schlicht und einfach überfordert. Die Nanoröhrchen bleiben dauerhaft im Gewebe und richten Schaden an.

„Gleichzeitig haben aber die gleichen Studien auch nachgewiesen, dass wenn sie kurz sind und weniger aggregiert sind und flexibel sind, sie diese Effekte definitiv nicht haben. Also man kann schon abschätzen: Welche Materialien haben welches gesundheitliche Risiko.“

Zu Beginn der Risikoforschung an Nanomaterialien dominierten noch Studien, die sich mit der grundlegenden Wirkung der Teilchen im Körpergewebe beschäftigten. Mittlerweile sei man mehr und mehr dazu übergegangen, den kompletten Lebenszyklus eines Produkts, das Nanopartikel enthält, zu bewerten, sagt Péter Krüger von der Bayer MaterialScience AG, der an dem Papier mitgewirkt hat.

„Im Sinne Arbeitsschutz während der Herstellung, während der Verarbeitung. Dann die Frage: Inwieweit könnten solche Fragmente während einer Nutzungsphase freigesetzt werden, eventuell einen Konsumenten damit in Berührung bringen. Und dann eben die Frage: Was geschieht am Ende der Verwendung, am Ende der Nutzung, also Wiederverwertung, Recycling. Und das ist im Prinzip auch erst möglich, wenn man die Anwendung kennt.“

Doch auch nach zehn Jahren Forschung sind noch lange nicht alle Fragen beantwortet. In Zukunft werden sich die Forscher in der Nanosicherheit darauf konzentrieren, den Pfad der Substanzen in der Umwelt zu verfolgen, glaubt der EMPA-Experte Harald Krug.

„Kann man nachweisen, dass es in bestimmten Umweltkompartimenten Anreicherungen gibt, wenn denn aus Hausfassadenfarben beispielsweise Titandioxid ausgewaschen wird. Und auf dem gesundheitlichen Sektor sind es ganz wichtig Langzeitfragen. Also die Kurzzeitfragen können wir alle schon sehr gut beurteilen. Aber bei den Langzeitfolgen haben wir noch Nachholbedarf, da müssen wir noch ein wenig Gehirnschmalz als auch Geld aufwenden, um diese Fragen zu beantworten.“ Von Arndt Reuning

Berkeley

CBG Redaktion

Presse Info vom 14. Oktober 2011
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER-Werk Berkeley: Belegschaft erkämpft verbesserten Tarifvertrag

420 Beschäftigte profitieren / landesweite Unterstützung / Tarifverträge nur für 14% der US-Belegschaft

Die Belegschaft des amerikanischen BAYER-Werks in Berkeley hat nach monatelanger Auseinandersetzung einen deutlich verbesserten Tarifvertrag durchgesetzt. Neben jährlichen Gehalts-Steigerungen von 3,1% über einen Zeitraum von vier Jahren wurde eine Sicherung der Arbeitsplätze sowie eine Begrenzung der Krankenversicherungskosten auf 18% des Gehalts erreicht. Von der Regelung profitieren 420 Mitarbeiter. Ein erstes Angebot von BAYER war von der Belegschaft mit großer Mehrheit abgelehnt worden.

Donal Mahon von der Gewerkschaft International Longshore and Warehouse Union (ILWU) in einer Stellungnahme: „Bayer macht, so wie viele andere Unternehmen, Milliardenumsätze – aber damit sie den Arbeitern davon einen Teil abgeben, benötigt man gewerkschaftliche Organisation, Proteste sowie Druck von außerhalb und innerhalb der Werke.“ Mit dem Bluter-Präparat Kogenate, das ausschließlich in Berkeley hergestellt wurde, machte die Firma im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Vor der Einigung hatte es Solidaritäts-Aktionen in Werken in den ganzen USA gegeben. An der Kampagne beteiligten sich die International Association of Machinists (IAM), die International Chemical Workers Union (ICWU/UFCW), die United Steelworkers sowie der Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kooperiert seit zwei Jahren mit der ILWU.

Die Fabrik in Berkeley gehört zu den letzten amerikanischen BAYER-Werken, in denen die Gewerkschaften noch vertreten sind. Obwohl die Fabrik hochprofitabel ist und die Stadt Berkeley noch vor zwei Jahren Subventionen in Millionenhöhe gewährt hatte, drohte der Konzern kürzlich mit einer Auslagerung der Produktion. Im benachbarten Werk Emeryville hatte BAYER vor wenigen Monaten die Entlassung von 540 Arbeitern angekündigt.

Zahlreiche BAYER-Werke mit gewerkschaftlicher Organisierung sind in den letzten Jahren geschlossen worden. Nur noch 14% der US-Belegschaft von BAYER besitzen Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen – gegenüber 90% in Europa.

weitere Informationen:
=> Die Stellungnahme der ILWU
=> Berkeley: Entlassungen bei BAYER USA trotz hoher Steuergeschenke
=> Emeryville: Bayer entlässt 540 Arbeiter
=> neue website: Bayer Workers United

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[Leserbrief TDI] Einwendung TDI

CBG Redaktion

Leserbrief zum Artikel „TDI-Anlage: Bayer-Gegner fordern besseren Schutz“:

Umwelthaftung bei geplanter TDI-Anlage bleibt Geheimnis

Die gesetzliche Regelung dazu ist leider stecken geblieben

Bayer plant bekanntlich in Dormagen den Bau einer neuen TDI-Anlage. 60 Einwendungen hatte die Bezirksregierung dazu in einer öffentlichen Anhörung abzuarbeiten. Eine entscheidende Frage blieb unbeantwortet: Wenn es zu einer umfassenden Katastrophe durch Freisetzung von Phosgen, Kohlenmonxid und dem Endprodukt TDI kommt, wie ist dann konkret die Haftung für die Bevölkerung (außerhalb des Werksgeländes) geregelt?

Bayer antwortete sinngemäß, die Frage stelle sich nicht, weil die Anlagen sicher sind. Aber nicht alle Risiken lassen sich mit mathematischer Wahscheinlichkeits-Rechnung vorhersagen (siehe Katastrophe von Fukushima). Der Frage nach der Höhe und der Verantwortung für eine ausreichende Haftpflichtversicherung wichen die Konzernsprecher aus.

Dann wurde gefragt, welche Sicherheitsstandards bei der Berechnung der Haftpflicht-versicherung zugrunde gelegt worden seien. Bayer antwortete dazu auf einer anderen Ebene: Alle Anlagen der Chemischen Industrie seien im gesamten Rahmen versichert. Zu einzelnen Positionen der Versicherungshöhe wolle und könne man sich nicht äußern.

Dazu wurde auch die juristische Vertreterin der Bezirksregierung intensiv befragt. Sie bestätigte die Aussage der Bayer-Leute, dass die Haftungsfrage nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens sei. Es sei damit korrekt, dass zu diesem Punkt keine Angaben gemacht würden. Die Höhe der Haftpflicht-Versicherungssumme würde also aktuell behördlich nicht geprüft.

Aber dann kam ein Nachsatz: Zwar habe es in der Vergangenheit vom Gesetzgeber Ansätze gegeben, bei derartigen Genehmigungsverfahren, die Deckungsvorsorge für die Umwelthaftung mit ein zu beziehen, aber es wurde in der darauf folgenden Zeit dazu nie eine Rechtsverordnung erlassen.

Für die Bevölkerung bleibt also die bange Ungewissheit, ob die als „geheim“ eingestufte Deckungssumme im Falle einer Katastrophe tatsächlich ausreichend ist. Merkwürdig: Wo doch bei uns jeder Mopedfahrer eine garantierte Haftpflichtsumme nachweisen muss.

Da könnte doch vielleicht der Bürgermeister der Stadt Dormagen im Interesse der eigenen Bevölkerung einmal bei der Landesregierung nachfragen, warum gerade diese geplante Rechtsverordnung im Gesetzgebungsverfahren zugunsten der Chemischen Industrie stecken geblieben ist und was getan werden müsste, um sie rechtskräftig zu verabschieden.

Manfred Puchelt
Mitglied der Dormagener Agenda 21

alle Infos zur Kampagne

Bisphenol A

CBG Redaktion

Der BAYER-Konzern gehört zu den größten Herstellern von Bisphenol A weltweit. Die EU hat ab Frühjahr 2011 ein Verbot von BPA in Babyflaschen verhängt, weitere risikoreiche Anwendungen bleiben aber auf dem Markt. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert die Bundesregierung auf, weitergehende Verbote zu verhängen. Frankreich geht jetzt mit gutem Beispiel voran (alle Infos zur Kampagne)

Deutschlandfunk, 11. Oktober 2011

Schluss mit Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen

Frankreich übernimmt Vorreiterrolle in Europa

Frankreich will per Gesetz den Einsatz von Bisphenol A in allen Lebensmittelverpackungen untersagen. Die Chemikalie ist in Kunststoffen enthalten und soll Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Hormonsystem haben. Deutschland tut sich mit einem Verbot noch schwer.

Ab dem 1. Januar 2014 sollen in Frankreich alle Verpackungen im Lebensmittelbereich komplett frei von Bisphenol A sein, fordert das aktuelle Gesetzesprojekt. Für Kleinkindnahrung und Babygeschirr soll dies sogar schon ab 2013 gelten. Nur Dänemark verfügt bis heute über ein ähnliches Gesetz, allerdings begrenzt auf Produkte für Kinder bis drei Jahre: Lebensmittelverpackungen, Geschirr, Beißringe, Spielzeug. Das reicht nicht aus, meint die Ärztin Michèle Delaunay. Die sozialistische Parlamentarierin hat einen Bericht zum Gesetzesprojekt verfasst.

„Bisphenol A gelangt hauptsächlich über die Nahrung in den menschlichen Körper. Und am gefährdetsten ist eine bestimmte Bevölkerungsgruppe: Neugeborene, wahrscheinlich auch Ungeborene sowie Kleinkinder. All die, bei denen der Organismus noch im Aufbau ist. Um kleine Kinder zu schützen, müssen wir Maßnahmen für die gesamte Bevölkerung ergreifen. Ein Beispiel: 39 Prozent des Bisphenol A, das ein Säugling aufnimmt, stammt aus der Muttermilch. Und einige Monate nach der Geburt werden einem Säugling auch beispielsweise zerquetschte Dosenerbsen beigefüttert.“

Das Gesetzesprojekt hat politisch einigen Rückenwind. Denn zwei Tage bevor Michele Delaunay Ende September ihren Bericht präsentierte, veröffentlichte die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Ergebnisse zweier Studien. Die eine listet seitenlang all die Alltagsprodukte auf, die Bisphenol A enthalten. Bei der anderen, eine Metastudie, wurden sämtliche bisherigen Forschungsarbeiten unter die Lupe genommen. Zwar gibt es bislang keine direkten Belege für schädigende Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Doch eines der Ergebnisse der Metastudie lautet: schon in kleinsten Mengen kann Bisphenol A gefährlich sein. Soll heißen: weit unter den 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, die wiederum die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA als höchstzulässige Tagesdosis festgesetzt hat. Der Verein RES, das landesweite „Netzwerk Umwelt und Gesundheit“, macht seit Jahren Kampagnen zu den Gefahren von Bisphenol A, sagt dessen Chemieexperte Yannick Vicaire.

„Wenn man sich in den Studien anschaut, ab welch geringer Menge Bisphenol A schädlich wirken kann, muss man den aktuellen Grenzwert für eine zulässige Tagesdosis senken: unserer Rechnung nach um das Zweimillionenfache. Wenn man in der Größenordnung Pikogramm angelangt, ist es das einfachste, Bisphenol A schlicht zu verbieten, zumindest im Bereich der Lebensmittelverpackungen.“

Bis Ende Oktober 2012 muss die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit dann unschädliche Chemikalien benennen, die Bisphenol A bei der Plastikproduktion ersetzen könnten. Michèle Delaunay hätte den Beamten lieber zwei Jahre zugestanden, um die dazugehörigen Studien beispielsweise der Chemieindustrie zu prüfen. Delaunay schreibt es der Lobbyarbeit der Chemieindustrie, insbesondere dem Bayer-Konzern, zu, dass die Frist viel kürzer ausfällt - und damit mangels Ersatzstoffe das Verbot noch scheitern könnte. Kein Wunder, sagt Yannick Vicaire:

„Was die Chemieindustrie sehr stört, ist die Philosophie, dass nun festgehalten wird: Bisphenol A wird verboten, weil selbst geringste Mengen ausreichen, das Hormonsystem zu stören. Damit wird eine Tür geöffnet, der Weg geebnet zum Verbot anderer chemischer Wirkstoffe. Für die Volksgesundheit ist das ein Fortschritt, für die Chemieindustrie eine Belastung.“

Die französischen Initiativen sollten die EU zur Nachahmung anregen, hofft die Sozialistin Delaunay. Und wirbt gleichzeitig bei der einheimischen Nahrungsmittelindustrie damit, dass Bisphenol A-freie Verpackungen bald einen Wettbewerbsvorteil darstellen könnten. Von Suzanne Krause

[Müllverbrennung] STICHWORT BAYER 03/2011

CBG Redaktion

BAYERs Müllmitverbrennung

Abfallprodukt Strom

BAYER nennt es die thermische Verwertung von Abfällen - andere die schmutzigste Art der Energie-Erzeugung: die Müllmitverbrennung.

Strom muss für den Leverkusener Multi vor allem billig sein - die Risiken und Nebenwirkungen seiner Erzeugung sind ihm egal. Angesichts der Energiewende drohte der Konzern sogar schon, „seine Produktion in Länder mit niedrigeren Energiekosten zu verlagern“. Einstweilen schaut er sich allerdings noch vor der eigenen Haustüre nach preiswerteren Quellen um. Dabei ist er vor geraumer Zeit auf den Müll gestoßen. Momentan plant die 60-prozentige BAYER-Tochter CURRENTA, welche die Chemie-„parks“ betreibt, im Krefelder Industrie-Kraftwerk vermehrt Abfälle an Stelle von Steinkohle zu verfeuern. Das Unternehmen will den Anteil in den Kesseln aus Kostengründen auf 25 Prozent steigern und 16.000 Tonnen Müll als „Ersatzbrennstoff“ verwenden.

Im Jahr 2009 nutzte das Unternehmen bloß rund 10.000 Tonnen flüssige Kohlenwasserstoffe energetisch und 2003 noch nicht einmal 100 Tonnen. Im Pharma-Werk Bergkamen verbrannte der Konzern 2009 1760 Tonnen Lösemittel und andere Flüssigkeiten. Die gleichen Reste fanden auch den Weg in die Wuppertaler Abgas-Reinigungsanlage. An Standorten außerhalb Nordrhein-Westfalens dürfte BAYER ebenfalls auf den Energie-Träger „Müll“ setzen; Daten darüber veröffentlichen die zuständigen Umweltämter allerdings nicht. Dem neuesten Nachhaltigkeitsbericht zufolge bereitet der Multi 31 Prozent seiner 809.000 Tonnen Abfälle wieder auf, und der thermischen Verwertung kommt dabei neben der stofflichen eine immer größere Rolle zu. 0,8 Prozent des Gesamtbedarfs erzeugt der Global Player auf diese Weise.

Damit steht der Pharma-Riese nicht allein. Allein in Nordrhein-Westfalen verheizen derzeit rund 200 Zementwerke, Fertigungsstätten, Feuerungsanlagen, Biomasse-Betriebe und Kohlekraftwerke Reststoffe. Kapazitäten für 5,1 Millionen Tonnen stellen sie dafür insgesamt bereit und reichen damit fast schon an die 6,8 Millionen der Müllverbrennungsanlagen heran. Der große Aufschwung begann 2005; in diesem Jahr trat das Deponierungsverbot für unbehandelte Abfälle in Kraft. Das führte zu einem „Entsorgungsnotstand“, der einen Bauboom von Müllverbrennungsanlagen und Müllkraftwerken nach sich zog und die Mitverbrennung von Resten in Industrie-Anlagen förderte. Auf allen drei Feldern mischt der Global Player kräftig mit. Er plant derzeit in Brunsbüttel und Dormagen Müllkraftwerke (SWB 1/08) und will in Leverkusen zudem das Fassungsvermögen der dortigen Sondermüllverbrennungsanlage von 80.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen erhöhen.

Wirtschaftsgut Müll
Mit dem Deponierungsverbot verlängerte sich die Wertschöpfungskette des Mülls. Er mutierte zur Ware einer vermeintlich nachhaltigen Ökonomie, die gute Geschäfte verspricht. Wahlweise hieß er jetzt „Ersatzbrennstoff“, „Sekundär-Rohstoff“ oder schlicht „Nebenprodukt“ und ging in die „thermische oder stoffliche Verwertung“. Die Industrie machte sich daran, die Entsorgung zu entsorgen - „Kreislaufwirtschaft“ lautete das Gebot der Stunde. Aber eine runde Sache wurde das Ganze nicht. So überfällig der Verzicht auf die Deponierung von unbehandelten Abfällen war, so fragwürdig erscheinen die entwickelten Alternativen. Die unzähligen neuen Müllschlucker ließen die Rückstände zur Mangelware werden, die einer besonderen Pflege bedurfte. Darum drang der mit einem BAYER-Vertreter bestückte „Dialog Wirtschaft und Umwelt NRW“, der zu Zeiten von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers über einigen Einfluss verfügte, vehement darauf, auf Müllvermeidungskonzepte zu verzichten. Und auf europäischer Ebene erreichte der Lobby-Einsatz der Konzerne die Promovierung des Mülls zu einem ganz normalen Wirtschaftsobjekt, das keiner Handelsbeschränkung unterliegt. Somit konnten die Unternehmen ihn auch in fernen Ländern akquirieren, um die heimischen Öfen auszulasten.

Darüber hinaus entsprechen die neuen „Verwertungsstellen“ nicht dem Stand der Technik. Die Mitverbrennung von Klärschlamm, Holz, Papier, Altöl und anderen Resten in Industrie-Betrieben erfolgt zu deutlich schlechteren Standards als in Müllverbrennungsanlagen (MVA). Die Öfen kommen nicht auf genügend hohe Temperaturen zur Neutralisierung der Gifte und verfügen über eine oberflächlichere Rauchgas-Reinigung. Darum stoßen Industrie-Kraftwerke wie das von BAYER in Krefeld mehr Dioxine, Furane, Schwermetalle und andere Schadstoffe aus. Das bestätigt eine vom Chemie-Multi selbst um 2005 herum in Auftrag gegebene Studie. „Eine Untersuchung des unabhängigen Instituts für Energie- und Umweltforschung hat gezeigt, dass die technisch aufwendigen Reinigungssysteme in SAVs (Sonderabfall-Verbrennungsanlagen, Anm. SWB) bis zu 500-mal mehr Quecksilber und bis zu 100-mal mehr Chlorkohlenwasserstoff aus dem Rauchgas filtern als industrielle Feuerungsanlagen“, heißt es in einer CURRENTA-Broschüre. Von einem Gramm Quecksilber lässt die hauseigene SAV ganze 0,001 Gramm übrig, vermeldet die BAYER-Tochter stolz, während bei normalen MUVs durchschnittlich 0,015 Gramm zurückbleiben, bei Kraftwerken 0,3 Gramm und bei Zementwerken sogar 0,4 Gramm.

Offensichtlich verfolgte das Unternehmen damals noch die Strategie, auf die Müllwende mit einer Qualitätsoffensive zu reagieren. Heute hingegen baut es die Müllmitverbrennung zur Energie-Erzeugung aus, die eine möglichst effiziente Abfall-Behandlung gar nicht mehr zum Ziel hat. Dreck schlägt nämlich mehr Funken: Je stärker Filter dem Rauchgas zu Leibe rücken, desto mehr schwindet sein energetischer Wirkungsgrad. Abfall-Verwertung und schonender Umgang mit der Natur sind sich also nicht unbedingt grün.

Widerstand wächst
„Die von CURRENTA großmundig propagierte Linie, mit der Erhöhung der Müllverbrennung werde die Energie-Erzeugung im Unternehmen umweltfreundlicher, entbehrt bei genauem Hinsehen jeder Grundlage“, kritisieren die Krefelder Grünen das Vorhaben des Multis am Standort, künftig noch mehr Abfälle in die Öfen zu werfen. Die nordrhein-westfälische Minderheitsregierung reagiert ebenfalls. Sie strebt eine Bundesratsinitiative an, um die Vorschriften für die Abfallmitverbrennung in der 17. Bundesimmissionsschutz-Verordnung zu verändern. Die letzte Novelle vom August 2003 hat zwar die Regelungen für Müll- und Müllmitverbrennungsanlagen angeglichen, aber zahlreiche Ausnahme-Tatbestände geschaffen und die Grenzwert-Einhaltung erst ab einem Abfall-Anteil von 25, 40 oder 60 Prozent (abhängig vom Anlagen-Typ) zur Pflicht gemacht. Darum hatte der „Sachverständigenrat für Umweltfragen“ die Überarbeitung in seinem „Umweltgutachten 2004“ auch kritisiert. „Faktisch bleibt damit die novellierte 17. BImSchV in den Anforderungen an die Mitverbrennung partiell weit hinter den Vorgaben für die reine Müllverbrennung zurück. Der Umweltrat empfiehlt daher, die vollständige Harmonisierung der Anforderungsniveaus von Industrie-Anlagen und Müllverbrennungsanlagen herbeizuführen“, heißt es in dem Dokument. Genau dieser Empfehlung wollen die NRW-KoalitionärInnen jetzt folgen. Ihr Vorstoß dürfte es allerdings schwer haben, denn CDU und FDP lehnen eine Änderung ab. „Die Bundesregierung sieht diesen Regelungsansatz als ausreichend an, um eine umweltverträgliche Mitverbrennung von Abfällen zu gewährleisten“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Und BAYER wird diese Meinung sicherlich teilen. Von Jan Pehrke

Infos zur Kampagne

[Doppelkinn] STICHWORT BAYER 03/2011

CBG Redaktion

Neues Lifestyle-Präparat

BAYERs Fett-weg-Spritze

Auf der Suche nach neuen Pharma-Märkten ist der Leverkusener Multi nun auf die „ästhetische Medizin“ gestoßen und entwickelt eine Spritze zur Auflösung von Fettzellen. Damit will er einer großen Pein der Menschheit, dem Doppelkinn, zu Leibe rücken und nimmt dafür auch Risiken und Nebenwirkungen in Kauf.

Von Gerd Glaeske (Professor am „Zentrum für Sozialpolitik“ der Universität Bremen)

Die Forschungspipelines müssen schon sehr leer sein, wenn sich ein Weltunternehmen wie der Pharmahersteller BAYER auf unnötige Produkte konzentriert. Seit einigen Monaten laufen Forschungsanstrengungen von INTENDIS, einer Tochter von BAYER HEALTHCARE, in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Firma KYTHERA BIOPHARMACEUTICALS auf Hochtouren, um eine Spritze zur regionalen Fettauflösung auf den Markt zu bringen. Dabei geht es vor allem um das Fett unterhalb des Kinns – Doppelkinn wird es typischerweise genannt. Die Substanz ATX-101 soll die kosmetische Chirurgie an dieser Körperstelle überflüssig machen und das am Doppelkinn vorhandene Fett auflösen.

INTENDIS lässt verlauten, dass es sich bei ATX-101 um ein vielversprechendes Produkt handele, mit dem man in dem stärker wachsenden Markt der ästhetischen Medizin Fuß fassen wolle. Man erinnere sich: Das ist die Medizin, die – abgesehen von einer in vielen Fällen sinnvollen wiederaufbauenden Chirurgie nach Unfällen oder Operationen – vor allem Fettabsaugung, das Aufspritzen von Lippen oder Busen- und Penisvergrößerung anbietet. Es ist ein Feld, das von vielen Problemen, Zwischenfällen und sogar Todesfällen begleitet wird. Der „Fall Cora“ – die Pornodarstellerin Carolin Wosnitza starb mit 23 Jahren nach Komplikationen bei ihrer sechsten Brust-OP – hat erst kürzlich tagelang für Schlagzeilen gesorgt.

ATX-101 hat medikamentöse Vorläufer mit den Wirkstoffen Phosphatidylcholin (PC) und Deoxycholat (DC). PC ist bei uns als – nur zweifelhaft wirksames – Mittel zur Senkung zu hoher Fettspiegel im Blut bekannt, LIPOSTABIL heißt das Arzneimittel. Injiziert soll es Fett-Embolien verhindern, kommt aber auch als „Fett-weg-Spritze“ zum Einsatz.

Noch im Frühjahr 2010 hatte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA vor der „Lunch- time Lipo“, der Fettbehandlung zwischendurch in der Mittagspause, gewarnt. Das Mittel war nämlich nie zu diesem Zweck zugelassen worden. Dennoch wurde es ohne Vorbehalte bis 2009 verwendet, als MedizinerInnen in Frankreich erstmals unerwünschte Wirkungen beobachteten: Das Fettgewebe hatte sich infiziert. Die Anwendung des Mittels in dieser Indikation wurde daher allgemein verboten, erfolgt in Deutschland aber immer noch im Off-Label-Use, also ohne Zulassung für diese Anwendung.

In dem Mittel ATX-101 ist an die Stelle von PC nun DC getreten. Es soll die Fettzellen in kleinen Fettpolstern wie beim Doppelkinn zerstören. Da der Organismus nach der Pubertät (mit sehr seltenen Ausnahmen) keine neuen Fettzellen mehr bildet, können in den behandelten Zonen keine neuen Fettpolster mehr entstehen. Wo aber bleibt das aufgelöste Fett? Kommt es zu Verhärtungen durch das Zusammenklumpen von Fettzellen? Wer will sicher ausschließen, dass ein solches Mittel nicht auch in großen Fett-Arealen genutzt wird, wie zum Beispiel am Bauch? „Umherwanderndes“ Fett könnte Gefäßverschlüsse und Schlaganfälle provozieren. Es könnte auch zu langfristigen Schäden an den behandelten Haut-Arealen kommen. Nichtsdestotrotz beeilen sich die beteiligten ForscherInnen, ATX-101 als Fortschritt in der ästhetischen Medizin und als erste Injektion für die minimal-invasive Entfernung von Fettablagerungen zu loben.

Die Pharmaforschung scheint in der Krise zu sein, wenn sich eine Firma wie BAYER auf das Feld der ästhetischen Medizin begibt. Mit der „Fett-weg-Spritze“ ist sie auf jeden Fall im Kramladen der ästhetischen Bedürfnisse unserer Zeit angekommen!

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. Mabuse – Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe