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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Lobbycontrol] Meinungsfreiheit

CBG Redaktion

Gerhard Schröder hat den Verband LobbyControl abmahnen lassen. In einem ähnlichen Fall entschied das Bundesverfassungsgericht zugunsten der Coordination gegen BAYER-Gefahren, daher dürfte auch LobbyControl nichts zu befürchten haben. Das vollständige Urteil sowie ein Artikel des SPIEGEL finden sich hier.

04.12.2007 Indymedia

Schröder mahnt lobbycontrol ab

Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat das Internetblog lobbycontrol.de mit einer Konstennote von 1200 Euro abmahnen lassen. Dies hatte eine Studie zu den heutigen Tätigkeiten des ehemaligen rot-grünen Kabinetts veröffentlicht.

In der sog. „Drehtür-Studie“ wurde von einer Beratertätigkeit Schröders für das chinesische Außenministerium berichtet. Diese Information basiert auf einer Information des Nachrichtenmagazins Spiegel.
Da der Spiegel aber wohl nicht ganz Schröders Kragenweite ist, hat er LobbyControl in der Abmahnung mit weiteren juristischen Schritten gedroht.

LobbyControl schreibt dazu: „Das Absurde daran ist, dass wir Schröder im Vorfeld der Studie angefragt hatten, welche Berater-Tätigkeiten er ausübt. In der Anfrage war die vermeintliche Beratertätigkeit für das chinesische Außenministerium explizit erwähnt. ... Er hätte diesen Punkt also einfach im Vorfeld klären können, verweigerte jedoch jegliche Angabe – um danach mit dem Anwalt zu drohen, der dafür 1200 Euro Abmahngebühren fordert (die wir nicht zahlen wollen…).“

Das Bundesverfassungsgericht hat im Fall „Bayer-Aktionäre“ einen ähnlichen Fall bereits aufgegriffen und eindeutig zu Gunsten des Veröffentlichers entschieden. Es machte deutlich, dass „die Anforderungen an die Darlegungspflicht überspannt (werden), wenn jemand, der eine herabsetzende Behauptung über Dritte aufstellt, die nicht seinem eigenen Erfahrungsbereich entstammt und seine eigenen Überprüfungsmöglichkeiten übersteigt, sich zur Begründung seiner Behauptung nicht auf unwidersprochene Pressemitteilungen beziehen darf.“
Um so mehr ist davon auszugehen, dass Ex-Kanzler Schröder hier wohl nur den Urheber der Studie mit Repressionen belegen möchte.

[Antwerpen] Klima GAU

CBG Redaktion

Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Presse Information vom 29. November 2007

geplantes Kohlekraftwerk von E.ON in Antwerpen

„Kein Export von Klima-Killern!“

Der NRW-Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisieren die heute bekannt gegebene Absicht des Energie-Riesen E.ON, in Antwerpen ein neues Steinkohlekraftwerk zu bauen. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 1100 MW soll auf dem dortigen Werksgelände des BAYER-Konzerns gebaut werden. Das Leverkusener Chemie-Unternehmen würde auch zu den Abnehmern des erzeugten Stroms gehören.

Dirk Jansen vom BUND: „Bei der Kohleverstromung wird pro erzeugter Kilowattstunde mehr Kohlendioxid ausgestoßen als bei jedem anderen Energieträger. Wir lehnen es ab, dass nordrhein-westfälische Unternehmen wie E.ON solche unzeitgemäßen Kraftwerke nun auch noch exportieren.“ Der Wirkungsgrad des geplanten Kraftwerks läge bei nur 46 Prozent, mehr als die Hälfte der verfeuerten Kohle würde ungenutzt verpuffen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Erneut will sich der BAYER-Konzern am Bau eines Klima-Killers beteiligen. Damit konterkariert das Unternehmen sein vollmundiges Versprechen, „im Klimaschutz neue Maßstäbe“ setzen zu wollen. Wie will BAYER zum Klimaschutz beitragen, wenn das Unternehmen bei seinen Zulieferern auf Steinzeit-Technologie setzt?“ In Krefeld-Uerdingen plant BAYER gemeinsam mit der Firma TRIANEL den Bau eines umstrittenen Steinkohlekraftwerks. Das Kraftwerk, das auf dem BAYER-Werksgelände in Krefeld gebaut und von der BAYER-Tochter BIS betrieben werden soll, würde jährlich 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid und jeweils 4000 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxide emittieren. Wie auch in Antwerpen soll das Kraftwerk mit Kohle aus Übersee befeuert werden.

BUND und CBG bezeichnen die Aussage von E.ON, das neue Kraftwerk spare 25 Prozent CO2-Emissionen, als irreführend, da im Gegenzug keine alten Kraftwerke abgeschaltet würden. Tatsächlich würden etwa 6 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich emittiert, bei einer Lebensdauer des Kraftwerks von 40 – 60 Jahren bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts hinein.

BUND und CBG rufen zur Teilnahme an der Klima-Demonstration am 8. Dezember in Grevenbroich-Neurath auf.

Klima Aktionstag am 8. Dezember: www.die-klima-allianz.de

BUND-Pressesprecher: Dirk Jansen, Telefon: 0211 - 302005-22, Fax: -26, www.bund-nrw.de

Weitere Informationen zu Klima-Emissionen von BAYER

IG Farben

CBG Redaktion

26. November 2007 / junge Welt

Plumpe-Wissenschaft

Wie willige Professoren in der „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ ihre Corporate identity fanden und was sie heute zwischen zehn und achtzehn Uhr bei der Bayer AG in Leverkusen treiben
Von Otto Köhler

Man muß auch irren können. Ich jedenfalls kann. Gründlich. Ich habe über Professor Dr. Werner Plumpe vor achtzehn Tagen hier an diesem Ort (jW v. 8.11.2007) etwas geschrieben, was mit Sicherheit nicht stimmt, ja einer Verleumdung gleichkommt. Doch davon später.

Heute morgen wird er erst einmal durch die - wie denn sonst - Kaiser-Wilhelm-Allee zum Kommunikationszentrum der Bayer AG in Leverkusen kommen und dort um 11.15 Uhr den Jubiläumsvortrag halten und am Nachmittag um 16.30 die Diskussion moderieren. Das Bayer-Archiv wird 100, ach was: „100 Jahre Corporate History & Archives. Bayer - eine spannende Geschichte“. So heißt die Tagung des eingetragenen Vereins „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“, dessen Vorstandsmitglied Plumpe ist und dessen „Wissenschaftlichen Beirat“ er sogar als Vorstandsvorsitzender anführt, als CEO, wie man heute korrekt sagt.

Unternehmensgeschichte, nein „Corporate History“, wie diese Tagung es nennt, und das ist die viel plausiblere Bezeichnung, also diese Art von Wissenschaft findet seit drei Jahrzehnten in der „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ ihre Heimat. Sie wurde am 10. Juni 1976 - mit dem allerhöchsten Segen und der nachdrücklichen Forderung von Hermann Josef Abs, dem großen alten Ackermann der Deutschen Bank im Krieg und Nachkrieg - als Kampforganisation gegen politisch falsche Geschichtsdeutungen gegründet. Sie sollte der „Gegenpol“ sein zur „marxistisch orientierten Betriebsgeschichte der DDR“ und „zu ideologisch befrachteten Historikern in West-Deutschland“. Mit der Gründung der „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ wurde - das verriet zu ihrem 20jährigen Jubiläum einer ihrer umtriebigsten Funktionäre, der damalige FAZ-Mitherausgeber Jürgen Jeske - „die Unternehmensgeschichte gewissermaßen privatisiert“.

Inzwischen sind die falsch orientierten Historiker aus dem Osten längst abgewickelt und die befrachteten Historiker im Westen weitgehend vereinnahmt. Und da andererseits auch - wie man ein Jahr später auf einer Tagung nahezu fröhlich versicherte - die Unternehmer gestorben sind, die in der NS-Zeit tätig waren, und auch die von ihnen beeinflußten Nachfolger meist schon pensioniert wurden, konnte man sich endlich mit Schwung des leidigen Themas annehmen.

Vereinsziel: Weißwäscherei
Diese Tagung, Titel „Unternehmen im Nationalsozialismus“, wagte die „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ im Sommer 1997. Das Ambiente war gut gewählt. Man traf sich im Poelzig-Bau, wie die Gesellschaft schamhaft die IG-Farben-Festung an der Frankfurter Grüneburg nannte. Dort also, von wo der „Rat der Götter“ (interne Eigenbezeichnung für die IG-Farben-Spitze) seine Beihilfe leistete, um den Führer auf den rechten Weg zu bringen (jW v. 19.11.2007). Der zweite Gesamtleiter der Tagung, Professor Manfred Pohl, festangestellter Historiker der Deutschen Bank - er war, das fügte sich so, Schatzmeister der „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ -, hatte dafür gesorgt, daß das Arbeitspult des Hermann Josef Abs herbeigeschafft wurde, damit die freie Rede der eingeladenen Historiker vom richtigen Standpunkt aus erschalle.

Doch bei Henry A. Turner, dem wohlgeratenen Historiker von der Yale University, hätte es des Abs-Pultes nicht bedurft. Er wußte damals schon lange, was richtig ist, und verstand es vorzüglich, sein eigentlich entlarvendes Wissen über die Unternehmer im Dritten Reich so zu trimmen, daß irgendwie ein Widerstand gegen Hitler dabei rauskam. Oder wenigstens ein Zustand der vergewaltigten Unschuld. Nur einige seien in die Verbrechen des Regimes „verwickelt“ worden.

Turners Einführungsvortrag zur Tagung geriet zum Freispruch für das deutsche Unternehmertum. Es habe bei den Ereignissen, die Hitler zur Macht brachten, keine nennenswerte Rolle gespielt. Die Unternehmer seien allenfalls Mitläufer gewesen. Denn ihnen sei es nun einmal so gegangen wie allen anderen Berufsgruppen auch: Sie wurden - da muß man sie schon bedauern - „immer tiefer in den moralischen Sumpf des Dritten Reiches gezogen“. Aber, so erfreute Turner seine Zuhörer, auch bei ihm in den USA habe es nun einmal die ethische Maxime „My country, right or wrong“ gegeben. Und da wäre es „anachronistisch“, würde man die deutschen Unternehmer nachträglich mit „Maßstäben von heute“ richten. Nicht jeder habe nun einmal das Glück gehabt, so beendete Turner seinen Vortrag mit dem Zitat eines Industriellen, „durch vier jüdische Großeltern“ davor „geschützt“ zu sein, „in die Sünden des Nationalsozialismus“ hineinzuschliddern. Diese Juden, mußte das Unternehmerpublikum sich da sagen, haben es doch immer verstanden, sich Vorteile zu verschaffen.

Henry James von der Princeton University, der gerade als Herausgeber eines als „kritisch“ angekündigten Bandes über die „Deutsche Bank“ hervorgetreten war, hatte am Abs-Pult einen festen Stand. Zwar war an die Handakten von Hermann Josef Abs, die die Deutsche Bank nach der siegreichen Wende aus den Archiven der DDR reprivatisierte und in ihre Frankfurter Verliese schaffte, nicht heranzukommen. Doch das Abs-Pult vermittelte dem Historiker aus Princeton das richtige Feeling. Er räumte ein, daß die Banken bei der Arisierung jüdischen Vermögens „schwere moralische Schuld“ auf sich geladen hätten - die Deutsche Bank etwa sei an der Arisierung von 330 Unternehmen beteiligt gewesen. Undankbar aber dürfen die Juden trotzdem nicht sein - es war ein echter Service. Denn, so James: „Hätten die Banken nicht in Deutschland den Verkauf von Vermögenswerten vermittelt, wäre es für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung noch schwieriger gewesen, wenigstens den sehr dürftigen Anteil zu retten, den sie nach den staatlichen Bestimmungen behalten und ins Ausland transferieren durften.“

Ein Jahr später, 1998, wurde es trotzdem für die deutschen Unternehmen ungemütlich. Tagungsleiter Jeske veröffentlichte in seinem Blatt den Leitartikel „Die Unternehmen, die Schuld und das Geld“, in dem er die „Rechtsauffassung“ für durchgesetzt erklärte, daß „die Betriebe im Auftrag der Gefangenenverwaltung“ handelten. Die Nazischergen hätten sie gezwungen, Sklavenarbeiter zu beschäftigen. Der FAZ-Mann von der „Gesellschaft für Unternehmensforschung“ schrie nach „Rechtsfrieden“, nach dem „Schutz vor neuerlichen Klagen mit Hilfe der amerikanischen Regierung“. Und er beteuerte: „Die heutigen Unternehmen verdanken ihren ›Reichtum‹, auf den man so gern verweist, in erster Linie der Aufbauleistung nach dem Krieg und nicht der Zwangsarbeit.“

Jeskes Vereinskollege Manfred Pohl, der Chef des Historischen Instituts der Deutschen Bank, wußte in der FAZ von Unternehmern zu berichten, die gerade in den USA waren, daß „ihnen ein ziemlich kalter Wind entgegenbläst“, von „Anzeigenkampagnen“ der Opferanwälte, die „durchaus Wirkung gezeigt haben“. Man müsse befürchten, „daß verschiedene amerikanische Staaten, wie Kalifornien das ja teilweise schon gemacht habe, Gesetze auf den Weg bringen, die das Ganze noch verschärfen werden“.

Jetzt sollte der Jude büßen, der bekanntlich immer noch hinter allem steckt: „Es könnte natürlich in Deutschland eine neue Welle von Antisemitismus entstehen“, drohte Manfred Pohl, der für die Finanzierung der „Gesellschaft für Unternehmensforschung“ sorgte. Drei Tage später echote die Welt-Schlagzeile aus der Hauptstadt der Berliner Republik: „Die antisemitische Stimmung in Deutschland wächst.“ Konnten die Unternehmer etwas dazu, daß diese Juden unter den Zwangsarbeitern dem Mordprogramm „Vernichtung durch Arbeit“ nicht zum Opfer fielen? Daß sie immer noch leben? Und jetzt wollen sie auch noch Geld.

Es half alles nichts. Die deutsche Industrie konnte sich nicht länger aus der Affäre ziehen, ohne einen gewaltigen Einbruch ihres Exports in die USA zu riskieren. Plötzlich gab es „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, jene Stiftung, der es gelang, die Zwangsarbeiter mit einem Almosen abzuspeisen. Doch die „Gesellschaft für Unternehmensforschung“ muß sich auch heute noch ihrem Gesellschaftsziel widmen: der Weißwäscherei.

Kollegen unter sich
Es ist inzwischen 11.15 Uhr, heute, am 26. November 2007, im Bayer-Kommunikationszentrum zu Leverkusen. Professor Werner Plumpe - sein Titel ist echt, er hat einen richtige Lehrstuhl an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, und ich komme gleich zu meinem unverzeihlichen Irrtum - Professor Plumpe schreitet zum Rednerpult und spricht über „Carl Duisberg und das moderne Unternehmen“. Was er sagt, weiß ich noch nicht, wohl aber weiß ich sehr genau, was er nicht sagen wird. Und hoffe trotzdem, daß er mich darin widerlegt.

Plumpe wird nicht über Carl Duisbergs Leidenschaft für Kriegsprofite reden, die wir schon kennen (jW v. 8.11.2007) und die er als die „tiefsten Geheimnisse unserer Privatwirtschaft“ gewahrt wissen wollte. Plumpe wird nicht über den Gaskrieg im Ersten Weltkrieg sprechen, den Duisberg zusammen mit dem späteren Chemienobelpreisträger Fritz Haber initiiert hat. Aus Patriotismus und weil man mit den Chemieabfällen der Bayer-Fabriken etwas Nützliches anfangen mußte. Bei den Gas-Versuchen kam Duisberg selbst zu Schaden und hat das zum Dauerschaden seiner späteren Opfer überlebt.

Plumpe wird auch nicht über Duisbergs aggressives Expansionsprogramm sprechen, wie der Bayer-Chef 1931 „das europäische Problem von der Südostecke aus aufgerollt“ sehen wollte und dazu ein klares Programm verkündete: „Erst ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa wird Europa das wirtschaftliche Rückgrat geben, dessen es zu seiner Behauptung in der Welt bedarf.“

Zehn Jahre später war der damalige Außenminister Joachim von Ribbentrop mit Hilfe der Wehrmacht stark engagiert bei der Verwirklichung dieses Programms und freute sich - etwas zu früh -, daß „der gesamte bisher neutrale Balkan sich im Lager der Ordnung“ befinde. Tatsächlich hat erst die „rot-grüne“ Regierung mit ihrer Bundeswehr entscheidende Schritte zur Verwirklichung des Duisberg-Programms getan, worüber Professor Plumpe heute gewiß nicht sprechen wird.

Aber vielleicht tut er es doch, und ich sollte ihm nicht schon wieder Unrecht tun. Ja, hier muß ich in aller Form Professor Werner Plumpe von der Johann Wolfgang Goethe-Universität um Entschuldigung bitten. Ich habe in dieser Zeitung behauptet (jW v. 8.11.2007), daß es ihn „betrüben“ könnte, wenn man ihn verwechselte mit Gottfried Plumpe von der Universität Bayer-Leverkusen (die hat ihn jahrelang „Professor“ genannt). Für meine Unterstellung gibt es, wie mich einer seiner Aufsätze, den ich vorher nicht gelesen hatte, überzeugte, nicht den geringsten Anlaß. Werner Plumpe hält Gottfried Plumpe für seinesgleichen. Der Frankfurter Professor betrachtet den „Professor“ als einen ganz normalen Wissenschaftskollegen, der schon gar nicht „die Sorte Literatur“ verfaßt, die „Bedenken in vielen Unternehmen gegenüber einer sogenannten kritischen Öffentlichkeit bestätigen“. Er hält ihn für einen ganz normalen Unternehmenshistoriker seiner Art.
„Auf meinen Antrag und ...“

Und das kommt so. Duisbergs Nachfolger als Vorsitzender des Aufsichtsrats der IG Farben wurde Carl Krauch, der IG-Farben-Mann, der schon im Ersten Weltkrieg mit Hilfe von Zwangsarbeitern in Leuna die Großanlage für die notleidende Munitionsproduktion auf zwangsenteignetem Bauernland aus dem Boden stampfte.

Wir sind aber jetzt bei Carl Krauch im Zweiten Weltkrieg. Professor Werner Plumpe schreibt: „Wie weit etwa der Einsatz von Zwangs- und Sklavenarbeit eigeninitiativ veranlaßt wurde, ist selbst im Fall des IG-Werkes in Monowitz umstritten.“ Und verweist dazu auf Gottfried Plumpes Buch über die IG Farben.

Aber da ist nichts umstritten. In seinem Buch behauptet Gottfried Plumpe, Carl Krauch habe im Nürnberger Prozeß verneint, jemals die Zurverfügungstellung von Zwangsarbeitern für das Werk in Auschwitz beantragt zu haben. Gottfried Plumpe: Es gebe „keine gegenlautende Aussagen oder Dokumente“. Doch das Dokument für Krauchs Antrag auf Zwangsarbeiter steht in seinem eigenen Buch. Es ist der prozeßbekannte Brief, den Krauch am 4. März 1941 an seinen für Auschwitz zuständigen Vorstandskollegen, den Giftgasexperten Otto Ambros, richtete: „Auf meinen Antrag und auf Weisung des Herrn Reichsmarschalls“ habe der Reichsführer SS unter dem 26. Februar angeordnet, daß der Aufbau des Werkes in Auschwitz „durch die Gefangenen aus dem Konzentrationslager in jedem nur möglichem Umfange zu unterstützen sei“.

„Umstritten“, wie Plumpe, Werner, behauptet wird der Einsatz von KZ-Häftlingen erst, weil Plumpe, Gottfried, die ersten vier Wörter des Briefes („Auf meinen Antrag und...“) in seinem Buch streicht und so den Einsatz von Zwangarbeitern in eine Idee des Reichsmarschalls Hermann Göring umfälscht. Er unterschlägt die vier Wörter des Satzanfangs, damit er behaupten kann, es gebe kein Dokument, in dem Krauch Zwangsarbeiter beantragt. Diese ist auch Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen Peter Hayes und Gottfried Plumpe. In einer Fußnote nennt Werner Plumpe sogar die entsprechenden Artikel. Aber hat er sie gelesen? Kaum, wie sonst könnte der Frankfurter Gelehrte in eben dieser Fußnote scheinbar neutral behaupten: „eine Eigeninitiative bei der Beschäftigung von Zwangsarbeitern“ sei nicht dokumentiert.

Ich muß also Werner Plumpe um Verzeihung bitten, daß ich unterstellte, er wolle mit dem Zitat-Fälscher Gottfried Plumpe nichts zu tun haben. Das ist falsch. Der Vorsitzende des „Wissenschaftlichen Beirats“ der „Gesellschaft für Unternehmensforschung“ solidarisiert sich offensichtlich mit Gottfried Plumpes tollkühner Zitattechnik.

Lob des Privateigentums
Doch der Plumpe mit dem echten Professorentitel zeigt auch sonst Mut im Umgang mit der Geschichte. Zusammen mit dem BASF-Federhalter Werner Abelshauser (jW v. 18.9.2007) gab er 2003 einen Sammelband heraus: „Wirtschaftsordnung, Staat und Unternehmen. Neue Forschungen zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus“. Ausgerechnet eine Festschrift für den kritischen Wirtschaftshistoriker Dietmar Petzina, die der so wirklich nicht verdient hat. In seinem Beitrag legt Werner Plumpe sein Glaubensbekenntnis zum Thema „Unternehmen im Nationalsozialismus“ ab - dort steht auch die Gottfried-Plumpe-Fußnote. Sein Bekenntnis hebt an mit einer feierlichen Verdammung der „englischen Salon-Marxisten und deutschen Emigranten“ und ihrer bösen Nachrede, „imperialistische Profitgier und Revolutionsangst“ hätten die große Industrie dazu gebracht, „auf die tyrannische Diktatur Hitlers und seinen Kriegskurs zu setzen“. Schlimmer noch: „Eine eigentümliche Allianz aus Marxisten und Liberalen, aus Sozialdemokraten und Vertretern der Frankfurter Schule“ habe „in den Nürnberger Nachfolgeprozessen die folgerichtige Konsequenz des Verhaltens der großen Firmen vor 1945“ gesehen.

Plumpe anathematisiert solche Thesen voller Mut, vielleicht sogar Übermut. Er sagt: „(...) das Kriegsende und die Besetzung Deutschlands“ hätte „das Karriereaus“ für „die Masse“ belasteter Unternehmer bedeutet. Und daran änderten auch „prominente Gegenbeispiele“ nichts, die „in der gegenwärtigen ›vergangenheitspolitischen‹ Inszenierung gleichwohl prominent herausgestellt“ würden. Dafür nennt er als Beispiel den von dem Historiker Norbert Frei herausgegebenen Sammelband „Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945“.

Professor Plumpe nennt kein einziges Beispiel für dieses „Karriereaus“ der belasteten Unternehmer. Und er erwähnt auch nicht, daß die rechtmäßig verurteilten Kriegsverbrecher aus der Industrie lange vor Verbüßung ihrer Strafen aus ihren Gefängnissen freigesetzt wurden. Und schon gar nicht, daß etwa Friedrich Flick, der dort auch viel zu kurz einsaß, unter seinen Kriegsverbrecherkollegen die Karrierechancen für die bundesdeutsche Zukunft verteilte. So etwas ist für die Corporate History, wie sie in Plumpes Verein betrieben wird, ohne Belang.

Allerdings gibt Plumpe zu: „Ein eigenständiges nationalsozialistisches Wirtschaftssystem, etwa im Sinne einer Planwirtschaft, Kommandowirtschaft, Befehlswirtschaft, Zentralverwaltungswirtschaft etc. existierte nicht. Der Nationalsozialismus respektierte grundsätzlich das Privateigentum und die Entscheidungsautonomie privater Unternehmer, wohl wissend, daß eine ›Verstaatlichung‹ großer Teile der Wirtschaft unweigerlich mit Effizienzverlusten verbunden sein würde.“

Nebenbei: Da hätte sich die bekannte zweite deutsche Diktatur, die DDR, eine Scheibe von abschneiden können, dann bestünde sie heute noch weiter und hätte nach ihrem auch noch friedlichen Ende nicht die Enteignung und Zerschlagung ihrer Wirtschaft hinnehmen müssen. Aber die Kommunisten hatten nichts, aber auch gar nichts aus ihrem Verbot 1933 gelernt, nicht einmal den Respekt vor dem Privateigentum der Konzerne.

Kapital und Nazis
Die Industrie hat jedoch irgendwie dazu beigetragen, daß den Nazis die Macht im Staat übertragen wurde? Professor Plumpe weiß von nichts, vielmehr: „(...) so wissen wir, daß führende Industrielle der chemischen und der elektrotechnischen Industrie keineswegs mit dem Nationalsozialismus liebäugelten.“ Von liebäugeln kann in der Tat keine Rede sein. Sie nutzten die Nazis und mußten sich dann auch von ihnen benutzen lassen.

Beispiel Chemie: Die IG Farben setzte nicht aus Liebe auf Hitler. Sie setzte auf ihn aus existentieller Not - nur er konnte sie noch aus der großen Krise erlösen, die ihr die verlustreiche Benzinsynthese aus Kohle eingebracht hatte (jW v. 8.11.2007).

Beispiel Elektrotechnik: Bei Siemens schätzte man nicht den „plebejischen“ Charakter der NSDAP, erkannte aber sehr wohl, wie nützlich deren Führer war: „Hitler hat seine wirklichen Anhänger zu starker Disziplin erzogen, um revolutionäre Bewegungen des Kommunismus zu verhindern“, verkündete Konzernchef Carl Friedrich von Siemens schon 1931 ganz offen in einer Rede vor US-Industriellen. Und im Freundeskreis Reichsführer SS, bei Heinrich Himmler, der alles Nötige für die Vernichtung des Kommunismus veranlaßte, traf man sich. Zuallererst die Vertreter von Chemie und Elektrotechnik. Das war ein geschäftiges Do, ut des (Ich gebe, damit Du gibst), bei dem die Industrie gewiß nicht zu kurz kam.

Plumpe will nicht sagen, daß die Industriellen Parteigänger der Nazis waren. Er will aber auch nicht sagen, daß sie vor ihnen kapitulierten. Er will nur sagen, daß alles so sein mußte, wie es war und dazu greift er sich den 1920 verstorbenen Soziologen Max Weber. Wozu? Um die Industrie zu verteidigen? Oder will uns Werner Plumpe klammheimlich andeuten - ich fürchte, ich verleumde ihn schon wieder -, daß es zwischen Großunternehmern und Faschismus eine ganz natürliche Kooperation gibt?

Ich weiß es nicht. Aber ich möchte schon wissen, warum und zu welchem Ende Plumpe in seiner Abhandlung über „Unternehmer im Nationalsozialismus“ Max Weber so zitiert: „Die Versachlichung der Wirtschaft auf der Basis der Marktvergesellschaftung folgt durchweg ihren eigenen Gesetzlichkeiten, deren Nichtbeachtung die Folge des ökonomischen Mißerfolgs, auf die Dauer des ökonomischen Untergangs nach sich zieht. Rationale ökonomische Vergesellschaftung ist immer Versachlichung in diesem Sinn, und einen Kosmos sachlich rationalen Gesellschaftshandelns kann man nicht durch karitative Anforderungen an konkrete Personen beherrschen. Der versachlichte Kosmos des Kapitalismus bietet dafür gar keine Stätte. An ihm scheitern die Anforderungen der religiösem Karitas nicht nur, wie überall im einzelnen.“

Das heißt, wenn man dies - wie Plumpe - auf das Thema „Unternehmer und Nationalsozialismus“ anwendet und eine unverblümte Ausdrucksweise nicht scheut: Für die Wirtschaft gibt es nicht besseres als einen ordentlichen Faschismus ohne Moral; der von Hitler hatte sich leider letztlich als etwas unordentlich erwiesen. Auschwitz aber, wo die IG Farben ihr mächtiges Bollwerk gegen den Osten errichtet hatte, war mit seinem Vergasungsbetrieb für die nicht mehr verwertbare Arbeitskraft rational, und von irgendwelcher caritas unbefleckt. Der versachlichte Kosmos des Kapitalismus schlechthin. Doch so etwas will Professor Plumpe nicht sagen. Zumindest sollte er sich in seinem Freundeskreis nie dabei erwischen lassen.

21.11.2007 / jW

Historikergott Hippokrates

Bisher galt der antike Grieche als Bezugsperson für Ärzte - jetzt dient er den Auftragsgeschichtsschreibern von Banken und Industrie als Eidhelfer für ihre heilende Forschung
Von Otto Köhler

In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewußten Unrecht und jeder Übeltat.
Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgang mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiterreden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.
Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.

Der Bielefelder kann auch mal Recht haben: Hans-Ulrich Wehler lobt gegen seine industrieexkulpatorische Veranlagung (siehe jW v. 3.8.2007) das neue Standardwerk „Ökonomie der Zerstörung“ des britischen Historikers Adam Tooze, für den das deutsche Großunternehmertum der „willfährige Partner“ Hitlers ist. Der vielerseits angesehene Oberhistoriker zählt die Tooze-Studie zur „Spitzengruppe außergewöhnlicher Forschungs- und Interpretationsleistungen“; bisher habe die westdeutsche Zeitgeschichte so etwas nicht hervorgebracht.

Richtig. Nur Tooze muß natürlich auch auf die Forschungen anderer in Ost - insbesondere „Die Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft“ von Dietrich Eichholtz - und West aufbauen. Dabei erwiesen sich manche der Westquellen, auf die sich Tooze beruft, als unzuverlässig: wie der US-amerikanische Historiker Peter Hayes (jW v. 27.8.2007), wie der Bielefelder Kollege und BASF-Federhalter Werner Abelshauser (jW v. 18.9.2007) und wie der in Bielefeld mit einer Habilitation geadelte ehemalige Bayer-Mann „Professor“ Gottfried Plumpe (jW v. 8.11.2007).

Unabhängige Wissenschaft
Da muß der Arzt helfen. Und das kommt so: Tooze ignoriert einen wichtigen Hinweis aus dem eigenen Land, den er eigentlich zur Kenntnis hätte nehmen müssen - eine Nachricht über die angesehenen Geschichtsprofessoren, die sich für beachtliche Summen von deutschen Unternehmen anheuern lassen, damit sie deren Geschichte erforschen.

Nicht bei uns, wohl aber im Times Literary Supplement, entstand eine heftige Debatte über jene Historiker, die sich in Deutschland als Auftragswissenschaftler betätigen. Und die mit deren Bekenntnis zur Heilkunst endete. „Ist es korrekt“, so eröffnete 1999 Michael Pinto-Duschinsky, Professor an der Brunel University in West London, die Diskussion, „wenn Historiker sich von Unternehmen, Banken oder Regierungsstellen bezahlen lassen, deren frühere Aktivitäten Gegenstand ihrer Forschung sind?“

Er sah ein besonderes „ethisches Problem“ in der in Deutschland üblichen Praxis, daß die Unternehmen es selbst sind, die Kommissionen „unabhängiger“ Historiker „auswählen, bezahlen und ihnen exklusiven Zutritt in ihre Archive gewähren“. Und er fordert deshalb für die akademische Gemeinschaft einen Verhaltenskodex. Zumindest müßten die Bedingungen offengelegt werden, unter denen die Forschungskommissionen antreten, einschließlich der finanziellen Arrangements, die getroffen wurden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, nicht jedoch für die Historikerkommission der Deutschen Bank.

Drei ihrer Mitglieder - Lothar Gall, Gerald D. Feldman und Harold James - fanden in einem Leserbrief Pinto-Duschinskys Kommentar im Times Literary Supplement „unhelpfull“. Gemeinsam erklärten sie, historische Forschung sei nun einmal zeitaufwendig und kostspielig, man müsse oft eine Fülle von Material von allen möglichen Seiten zusammensuchen. Da sei es doch hochwillkommen, wenn einige Unternehmen bereit seien, solche Untersuchungen zu finanzieren. Die Universitätsprofessoren fragten, warum Historiker anders behandelt werden sollten als jeder andere Anbieter von berufsmäßigen Diensten. Ärzte etwa, darauf insistierten die Gelehrten, erstellten doch auch nicht eine rosigere Diagnose, nur weil sie für ihre Bemühungen ein Honorar bekommen. Und sie beklagten sich, daß Pinto-Duschinsky „unsere Unabhängigkeit in Anführungszeichen setzt“. Er unterstelle wohl, daß „wir, die wir auf diesem Feld arbeiten, korrumpiert seien durch das Honorar, das wir für unsere Dienste bekommen“. In Wirklichkeit gehe es doch vor allem darum, Zugang zu den Unternehmensarchiven zu erhalten.

Allerdings, als die drei besagten Mitunterzeichner dieses Briefes 1995 an der Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Deutschen Bank beteiligt waren, ging ihr Verlag - C. H. Beck in München - davon aus, daß die Autoren „Zugang zu allen Archivalien“ der Deutschen Bank hätten. „Selten hat wohl ein großes Unternehmen so angesehene Wissenschaftler für die Darstellung seiner Geschichte gewonnen, und nie zuvor dürfte den Autoren das Quellenmaterial mit solcher Großzügigkeit zur Verfügung gestellt worden sein - zum Nutzen des Lesers.“ Der Leser, und alle anderen Deutschen, wird denn auch gleich im Vorwort des damaligen Vorstandsvorsitzenden Hilmar „Peanuts“ Kopper, in Haftung genommen für alles, was diese Bank seit ihrer Schöpfung verbrochen hat: „Die Deutsche Bank ist, mit Höhen und Tiefen, den Weg gegangen, den die Deutschen gegangen sind seit 1870, der Zeit der Reichsgründung.“

Doch mit dem vom Beck-Verlag behaupteten Zugang zu „allen Archivalien“ war es nichts. Der inzwischen verstorbene Gerald D. Feldman gestand in seiner Einleitung, daß die Akten nur insoweit vorbehaltlos zur Verfügung gestellt wurden, als es keine Vorbehalte gab. Er formulierte das so: „Die wissenschaftlichen Beiträge in diesem Buch basieren auf den uneingeschränkt zur Verfügung gestellten Quellen in der Deutschen Bank (...) - soweit ihre Benutzung nicht durch die Rechte lebender Personen oder testamentarische Verfügungen eingeschränkt war.“

Privatisierung der Geschichte
Und genau dieser eingeschränkt uneingeschränkte Zugang ist das Problem. Es gab keinen Zugang zu den wichtigen Handakten von Hermann Josef Abs, der neben seiner Arisierungstätigkeit für die Deutsche Bank auch Aufsichtsratsmitglied der IG Farben und damit auch von IG Auschwitz war.

Für einen vertrauenswürdigen Mann hat sich das inzwischen geändert. Lothar Gall, der das besondere Vertrauen der Deutschen Bank genießt, erhielt für eine Abs-Biographie Einsicht in dessen Handakten. Und er hat in jener der Deutschen Bank nicht unverbundenen Zeitschrift für Unternehmensforschung einen eindrucksvollen Nachweis seines Könnens unter dem Titel „A man for all seasons? Hermann Josef Abs im Dritten Reich“ geliefert. „War er gar“, fragt Gall dort mutig, „an einer der Entscheidungen - etwa zum Einsatz von KZ-Häftlingen - konkret beteiligt?“ Wie denn! Gall vermochte in den ihm zugänglichen Akten kein Dokument zu finden, und so schrieb er: „Was er gewußt, was er geahnt haben könnte, wird nicht mehr zu ermitteln sein.“

Was Abs aber gewußt haben muß, das könnte, wenn er nur gewollt hätte, Gall längst ermittelt haben. Es steht in Akten, die schon öffentlich verhandelt wurden, als Gall noch zur Schule ging, beim Nürnberger IG-Farben-Prozeß zwischen 1947 und 1948. Auch Pinto-Duschinsky verweist darauf, daß in den dort vorgelegten Akten die Anwesenheit von Abs bei den IG-Farben-Aufsichtsratssitzungen vermerkt ist, in denen über die Beschäftigung von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen gesprochen wurde.

Drei Jahre nach seiner Einleitung zum Gemeinschaftswerk über die Deutsche Bank veröffentlichte Gerald D. Feldman ebenfalls im C.H.-Beck-Verlag ein auftragswissenschaftliches Werk über einen der brutalsten Industriemagnaten der ausgehenden Kaiserzeit und der beginnenden Weimarer Republik: „Hugo Stinnes. Biographie eines Industriellen. 1870-1924“. Im Vorwort rühmt Feldman die Enkelin und ihre Familie, die ihm „unschätzbares Quellenmaterial zur Verfügung gestellt“ habe. Er schreibt: „Der persönliche Zuspruch und die wunderbare Gastfreundschaft, die meine Frau und ich von ihnen erfuhren, und die vielen genußreichen Tage und Abende, die sie und ihr Bruder Dieter uns bereiteten, haben unsere wissenschaftlichen Mühen um eine persönliche und freudvolle Dimension bereichert und werden unvergeßlich bleiben.“

Franziska Augstein, die Feldmans persönliche Integrität nicht bezweifelt, schrieb 2001 in der Süddeutschen Zeitung nach Erscheinen seines ebenfalls auftragswissenschaftlichen Werkes über den Versicherungkonzern Allianz: „Es ist die Krux mit der von den Unternehmen selbst finanzierten Unternehmensgeschichten, daß der Leser sich stets unwillkürlich fragen muß, ob die Autoren ihre Unabhängigkeit kompromittiert haben könnten.“ Franziska Augstein fragt, „was aus der Unternehmensgeschichte werden soll, wenn es dahin kommt, daß die Firmen ihre Archive künftig nur noch jenen Forschern öffnen, die sie selbst ausgesucht haben“. Und sie fragt schon kaum noch, sie weiß: „was aus der akademischen Geschichtsforschung wird, wenn sie sich an die Privatisierung ihrer Disziplin gewöhnt“.

Ja, Privatisierung der Geschichte. Als um die Jahrtausendwende die deutschen Konzerne endlich in Rechtfertigungsnotstand geraten waren, als Wirtschaftsboykott aus den USA drohte, weil sie ihre Zwangsarbeiter immer noch nicht entschädigt hatten, da wurde Hilfe gebraucht. Es ging, so US-Anwalt Ed Urbach im weltweit ausgestrahlten Programm der BBC, um „Unternehmensgewinne im Werte von mindestens 150 Milliarden Mark“, die deutsche Firmen durch den Einsatz der Zwangsarbeiter gemacht hatten. Und so konnte Feldman - in Norbert Freis Sammelband „Geschichte vor Gericht“ - anscheinend ahnungslos wahrnehmen, daß „eine Firma nach der anderen“ den Historikern ihre Archive öffnet und „ihnen gleichzeitig sogar beachtliche Mittel und Hilfen zur Verfügung“ stellt. Er fand das toll: „Es braucht nicht eigens erwähnt zu werden, wie sehr es schmeichelt, daß zur Abwechslung einmal auch Historiker gebraucht werden, und wie willkommen uns die Honorare für unsere Dienste sind.“

Und Feldman fand es „absurd zu behaupten, daß ernsthafte Historiker für ihre Leistungen nicht ebenso wie die Angehörigen anderer Berufe bezahlt werden sollten, die als Sachverständige vor Gericht tätig sind oder ihr Fachwissen Regierungsbehörden und privaten Organisationen anbieten.“ Entscheidend sei doch nur, so Feldman, daß „wir als Geschichtswissenschaftler vorgehen, unsere Unabhängigkeit so weit wie möglich wahren“. So weit wie möglich unabhängig. Insbesondere dann, wenn sie mit Ehefrau an vielen genußreichen Tagen und Abenden die wunderbare Gastfreundschaft der Auftraggeber erfahren. Gerade bei solchen Gelegenheiten vermag ein unabhängiger und kritischer Historiker einzusehen, wo Geschichtsschreibung Sinn macht und wo nicht. Feldman: „Es ist Unsinn, die Banken deswegen für die Zwangsarbeit verantwortlich zu machen, weil sie in den Aufsichtsräten von Firmen saßen, die Zwangsarbeiter einsetzten.“ Denn nach geschichtlicher Erfahrung kann und darf nur der Aufsichtsrat sein, der nichts sieht.

3,8 Millionen Mark für Mommsen
Während die Auftragshistoriker der Deutschen Bank Pinto-Duschinskys Vorwürfe in ihrer gemeinsamen Entgegnung im Times Literary Supplement lediglich „unhelpfull“ nannten, stufte Hans Mommsen, den Pinto-Duschinsky wegen seines voluminösen Volkswagenauftragswerks ebenfalls attackiert hatte, in einem eigenen Leserbrief dessen Vorhaltungen sogar „extremly unhelpfull“ ein.

Ein unverständlicher Tadel. Tatsächlich hatte Pinto-Duschinsky niemals die Absicht geäußert, den Auftragsforschern helfen zu wollen. Mommsen klagte, nein, er beklagte in seinem Brief: Die „Unterstellung“, die von ihm geleitete Forschungsgruppe über Volkswagen im Dritten Reich sei „durch die Tatsache kompromittiert, daß sie von VW bezahlt“ werde, sei „gänzlich irreführend“ und „überhaupt nicht substantiiert“. Und zweitens sei die Behauptung, daß sein Forschungsprojekt den Zugang zu den VW-Archiven blockiert hätte und damit auch Entschädigungszahlungen an die VW-Zwangsarbeiter, nicht im geringsten bewiesen.

Von wegen. Die VW-Konzernspitze, die Mommsen 1987 beauftragte, hatte den Historiker dazu benutzt, um die Forderungen ihrer Zwangsarbeiter erst einmal abzuwenden - im September 1991 erklärte mir der VW-Pressesprecher: Mommsen müsse erst zu Ende forschen, bevor man über eine Entschädigung für die Zwangsarbeiter reden könne.

Einen Monat später, bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg, äußerte sich Mommsen schon ziemlich klar zum leidigen Problem einer Entschädigung der VW-Zwangsarbeiter: Wie soll man überhaupt feststellen, wer wirklich entschädigungsberechtigt sei? Sicher, das gestand er in diesem Zusammenhang ein, man war auch auf alte Krankenakten gestoßen, denen man Angaben über die Zwangsarbeiter hätte entnehmen können. Doch Mommsen: „Wir haben das aufgeschlossen, und wir haben das wieder zugeschlossen.“ Diese Akten zu prüfen, sei Aufgabe des Werkarchivs. Und überhaupt werde man durch „pauschale Abstandszahlungen“ an die Häftlinge der Sache nicht gerecht, da würde in der Bürokratie zuviel Geld hängenbleiben, und das führe zu einem - was immer er damit meinte - „unkontrollierten Schleppersystem“. Und zu „sekundären Korruptionserscheinungen“. Nicht im VW-Konzern, wo es so etwas nicht gibt, sondern unter dessen ehemaligen Zwangsarbeitern.

Besser sei doch, so plädierte der unabhängige Forscher Mommsen, die „überindividuelle Hilfe“, wie sie VW damals zugesagt hatte: zwölf Millionen Mark für Jugendbegegnungsstätten - die Zahlung der unterschlagenen Löhne hätte mit Zins und Zinseszins Milliarden gekostet. Mommsens eigener Forschungsetat betrug damals nach Angaben aus Wolfsburg 3,8 Millionen, fast ein Drittel der geplanten überindividuellen Entschädigung.

Als Mommsen und seine Mitarbeiter nach großen Schwierigkeiten Ende 1996 endlich zum richtigen Ende geforscht hatten und das Ergebnis „Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich“ auf einer Pressekonferenz in Bonn vorlegten, war von einer Entschädigung dieser „Arbeiter“ durch VW nicht die Rede. Ausgerechnet der SPD-Politiker Hans Koschnik durfte eine Einleitung zum Mommsen-Opus abzeichnen, die eingestandenerweise zu zwei Dritteln von Mommsen und einem VW-Direktor vorformuliert worden war. Dort heißt es: „Ohne die Vorgänge während des Krieges zu bagatellisieren, gelangt die heutige Volkswagen AG zu der Entscheidung, auf eine individuelle Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter, Häftlinge und Kriegsgefangene im allgemeinen zu verzichten.“

Zwei Jahre nach diesem großzügigen VW-Verzicht auf Zahlung der VW-Lohnschulden bei den Zwangsarbeitern, stand Mommsen düpiert da. VW entschloß sich jetzt doch, individuelle Entschädigungen zu zahlen - aus Angst vor Klagen im Exportland USA. Vergebens aber war die Investition in Mommsens zehnjährige Forschungstätigkeit für VW nicht. Einen Großteil der möglichen Empfänger von Entschädigungen hat der für VW so mildtätige Tod ereilt.

„Alle Druckmittel auspielen“
Zum vorläufigen Abschluß der Diskussion im Times Literary Supplement verlangte Pinto-Duschinsky von den Konzernen, die sich Auftragsforscher halten: „Wenn sie wirklich über ihre Aktivitäten im Krieg auspacken wollen, dann müssen diese Unternehmen zuallererst ihre Archive der Öffentlichkeit öffnen, bevor sie einzelne ausgewählte Historiker finanzieren.“ Der Wissenschaft sei nun einmal schlecht gedient, wenn einzelne Historiker von den deutschen Unternehmen gesponsert werden, die auf der Anklagebank sitzen. Doch da konterte Mommsen tief gekränkt, Pinto-Duschinsky habe „meine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit untergraben“.

Die hatte er freilich - aber das kam erst später heraus - schon zu Beginn seiner Karriere verloren, als es um den Reichstagsbrand ging. Er hatte damals in einem Aufsatz, die von Rudolf Augstein im Spiegel beschworene Legende von der Unschuld der Nazis am Reichstagsbrand zunächst bezweifelt. Dann aber hatte das Institut für Zeitgeschichte, bei dem er angestellt war, Probleme mit dem Gutachten seines externen Mitarbeiters Hans Schneider, der allzu deutlich die Hintergründe der Spiegel-Serie über den Reichstagsbrand beschrieb. Mommsen mußte seinerseits ein Gutachten schreiben, warum das Institut für Zeitgeschichte Schneiders Untersuchungen nicht veröffentlichen könne. Er kam zu dem Ergebnis, daß das Institut „formell nicht in der Lage sei, von dem mit Schneider geschlossenen Vertrag zurückzutreten“. Insbesondere könne man Schneider juristisch nicht hindern, seine Forschungsergebnisse anderswo zu veröffentlichen. „Da aber aus allgemeinpolitischen Gründen eine derartige Publikation unerwünscht scheint“, empfahl Mommsen, „rasch und energisch alle Druckmittel, die in unmittelbarer Verfügung des Instituts stehen, auch da, wo sie einer endgültigen juristischen Prüfung nicht standhalten, auszuspielen“.

Da Schneider beamteter Studienrat in Baden-Württemberg war, regte Mommsen an, „über Stuttgart zu arbeiten“, wo der Nazi Kurt Georg Kiesinger damals Ministerpräsident und Hitlers erfolgreicher Marinerichter Hans Filbinger Innenminister war. Schneider wurde zum Schweigen gebracht und Mommsen veröffentlichte in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte eine Darstellung des Reichstagsbrands, die widerrief, was er selbst vorher geschrieben hatte, und die - vielfach nachgedruckt - von Augstein als wissenschaftliche Bestätigung seiner Unschuldslegende bejubelt wurde.

Als er sehr viel später nach den „allgemeinpolitischen Gründen“ für seinen Sinneswechsel befragt wurde, wehrte Hans Mommsen ab, wie er das heute noch wissen solle. Wissenschaftliche Unabhängigkeit - ja, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Auch den konkreten Vorwürfen Pinto-Duschinskys zu seiner VW-Auftragsforschung entzog sich Mommsen - mit einem kuriosem Standortargument: er könne nicht sehen, daß das Times Literary Supplement ein geeignetes Podium sei, um „Details“ zu diskutieren.

Es ging um den vieldiskutierten Rühen-Fall. Im Werks-Lager Rühen hatte das Volkswagenwerk mit Hilfe des Werksarztes und SS-Hauptsturmführers Dr. Hans Körbel die Säuglinge seiner Zwangsarbeiterinnen durch Hungerkost letal entsorgt. Für Mommsen in seiner VW-Auftragsarbeit ein Problem eines „damals noch nicht hinreichend bekannten Hospitalismus“. Der sei auch dadurch entstanden, daß der SS-Arzt „völlig überlastet“ gewesen sei. „Eine Personalisierung dieses Problems“, versicherte Mommsen, führe „in die Irre“. Er plädierte - für etwas anderes wurde er nicht honoriert - auf „Tragödie“.

Ernst nehmen muß man diese „unabhängigen“ Historiker, die von ihren Untersuchungsgegenständen honoriert wurden und die ihr Tun mit dem eines normalerweise vom Patienten honorierten Arztes gleichsetzen - mutmaßlich sind sie privat versichert. Zumindest dem Schöngeist Lothar Gall dürfte der uralte Eid des Hippokrates nicht unbekannt sein. Der schreibt dem Arzt vor, niemals zum Nachteil des Patienten tätig zu werden. Und natürlich hat der Arzt, der sich dem hippokratischen Eid verpflichtet fühlt, gegenüber der Öffentlichkeit auch eine Schweigepflicht - insbesondere, wenn sie im Interesse des Patienten geboten ist.
Otto Köhler erhielt dieses Jahr den Kurt-Tucholsky-Preis

08.11.2007, junge Welt

... wirst du was in Bielefeld

Adam Tooze holt sich für seine Wirtschaftsgeschichte wieder einen schlechten Berater aus der deutschen Historikerszene. Gottfried Plumpe will den kriegsfördernden Einsatz von Bayer AG und IG Farben verschleiern - aber das Haus Bayer weiß keinen Dank
Von Otto Köhler

Was bisher geschah: Der britische Historiker Adam Tooze schrieb das vorzügliche Buch „Ökonomie der Zerstörung“ über die enge Kooperation der deutschen Industrie mit Hitler. Das entlockte dem Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler eine begeisterte Rezension („außergewöhnliche Forschungs- und Interpretationsleistung“), die er sich nicht erlauben durfte, weil er just zuvor im Fall des linken italienischen Altphilologen Luciano Canfora dekretiert hatte, der „Mythos“, Hitler sei mit Unterstützung durch die deutsche Großwirtschaft ins Reichskanzleramt eingezogen, sei „endgültig zerstört“.

Tooze wiederum verläßt sich - trotz seines richtigen Urteils über die deutsche Großindustrie - oft auf Unternehmenshistoriker, die wie der IG-Farben-Forscher Peter Hayes (siehe jW v. 27.8.2007) oder der Bielefelder BASF-Federhalter Werner Abelshauser (siehe jW v. 18.9.2007) groß im Erfinden von mildernden Umständen für Hitlers Wirtschaftsleute sind. Und die - wie Wehler voller Anerkennung über die Werke seines Bielefelder Kollegen Abelshauser urteilt - „zum Kernbestand einer deutschen ›New Business History‹“ gehören.

Geschichtsschreiber der Bayer AG
Der dritte Mann, den Tooze als wichtige Quelle benutzt, ist auch ein Produkt Bielefelder Geschichtswissenschaftspolitik: Gottfried Plumpe, bis vor kurzem Bayer-Vorstandsmitglied und Professor gar. Tooze hat immerhin gemerkt, daß Plumpes Wissenschaft „problematischer“ ist als die von ihm geschätzten Werke von Hayes und Abelshauser.

Aber zum Opfer gefallen ist er Plumpe gleichwohl. Etwa, wenn er ihm - mit den entsprechenden Folgerungen - abnimmt, das Treffen zwischen Hitler und der Interessengemeinschaft Farben habe erst „im Herbst 1932, unmittelbar nach dem spektakulären Erfolg der Nationalsozialisten bei den Juliwahlen“ stattgefunden. Und nicht schon im Juni. Die IG habe „mit dieser Aktion letztlich nichts anderes getan, als sich nach allen Seiten abzusichern“ (Tooze, S. 146 f.).

Doch Plumpe, mit dem Tooze diese Behauptung belegt, ist eine trübe Quelle. Ich lernte ihn auf der Frankfurter Buchmesse 1986 flüchtig beim Verlagsempfang für Bernhard Sinkels IG-Farben-Film „Väter und Söhne“ kennen. Der damals noch junge Mann - er hatte die IG-Chronologie im Anhang zu Sinkels Filmbuch verfaßt - rasselte Daten, Fakten, Zahlen aus der IG-Geschichte mit verblüffender Präzision herunter.

Offiziell war er seit 1987 in der Konzernverwaltung des IG-Nachfolgers Bayer AG tätig und beteiligte sich maßgebend an der 1988 erschienenen Bayer-Jubiläumsfestschrift „Meilensteine“. Gleichwohl konnte er sich im selben Jahr an der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld mit einer Arbeit über „Die IG-Farbenindustrie AG: Wirtschaft, Technik und Politik 1904-1945“ habilitieren, die 1990 bei der Duncker & Humblot GmbH in Westberlin als Buch erschien. Ein solcher Zusammenhang zwischen dem Werk, das der Autor schreibt, und dem Werk, in dem er verdient, mag in der Buchproduktion nicht ungewöhnlich sein. Es ist aber schwer vorstellbar, daß - zumindest damals - eine Universität, die Wert auf ihren Ruf legt, eine solche Habilitationsarbeit zuläßt. Unabhängiges wissenschaftliches Urteil ist dort nicht mehr möglich, wo es in die vom Untersuchungsgegenstand geführte eigene Personalakte eingehen kann. Doch an der Universität Bielefeld war das möglich.

Das Rendezvous mit Hitler
Das schon erwähnte Geheimtreffen von 1932 zwischen Hitler und zwei Abgesandten der IG Farben, bei dessen Schilderung und Wertung sich Tooze auf Plumpe verläßt, wäre womöglich geheim geblieben. Doch im Nürnberger IG-Farben-Prozeß in den Jahren 1947/48 (siehe jW v. 13.8.2007) tauchte der Entwurf für die 1941 geplante Festschrift „Leuna - 25 Jahre im Kampf um Deutschlands Freiheit“ auf, in der sich einer der IG-Farben-Abgesandten, Heinrich Bütefisch, des Treffens mit dem Führer rühmte. Es habe Hitler die „beruhigende Gewißheit“ vermittelt, Deutschland könne dank der IG „in der Treibstoffversorgung für die Luftwaffe und die wichtigsten Teile der übrigen Wehrmacht (...) von fremder Zufuhr unabhängig“ sein.

Das Geheimtreffen war eine wichtige Station in der Geschichte der IG Farben. Denn es ging um die Fortführung der Benzinhydrierung aus Kohle, eine IG-Erfindung in Leuna, die dem Konzern schwerste Verluste bereitete. Man hatte sich verspekuliert: Die IG rechnete in den zwanziger Jahren mit dem Versiegen der Ölquellen und wollte mit der synthetischen Produktion von Benzin aus Kohle Riesengewinne machen. Doch der Benzinpreis auf dem Weltmarkt sank und sank, zuletzt auf 5,6 Pfennige pro Liter, die IG aber konnte den Preis für ihr synthetisches Benzin aus den neu geschaffenen Hydrieranlagen in Leuna nicht unter 20 Pfennig herunterbringen. Der Konzern geriet in eine Krise, und es gab Krach in der Interessengemeinschaft. Aufsichtsratsvorsitzender Carl Duisberg plädierte für die sofortige Einstellung der Benzinproduktion; Vorstandsvorsitzender Carl Bosch und sein engster Mitarbeiter Carl Krauch wollten unbedingt weitermachen. Bosch schickte seinen Vertrauten Heinrich Gattineau zusammen mit dem Direktor des Hydrierwerkes in Leuna, Heinrich Bütefisch, zu Hitler nach München.

Hitler sah sofort ein, daß der „deutsche Treibstoff“ subventioniert werden mußte - „selbst unter Opfern“. Denn die Unabhängigkeit vom Welterdölmarkt war, das wußte er, kriegswichtig. „Die technische Durchführung muß ich Ihnen überlassen. Dafür sind Sie da“, sprach der Führer zu den IG-Vertretern und fügte hinzu: „Unser Weg aber deckt sich.“ Bütefisch: „Dieses Ergebnis der Unterredung mit dem Führer bedeutete für Leuna damals eine große Stütze. Jetzt konnte die Hydrierung bedenkenlos durchgehalten werden. (...) Die führenden Leute der IG-Farben-Industrie faßten nunmehr den entscheidenden Entschluß, den Betrieb in Leuna auch unter Opfern aufrechtzuerhalten.“

Tatsächlich beschloß die IG-Führung unmittelbar nach dem Juni-Treff mit Hitler - im Juli 1932, wie Bütefisch wiederholt bestätigt - die Benzinhydrierung weiterzuführen. Nach der Machtübergabe, im Dezember 1933, unterzeichnete Bosch zusammen mit seinem späteren Nachfolger Hermann Schmitz, den Hitler gerade in die NSDAP-Reichstagsfraktion aufgenommen hatte, den Benzinvertrag, der die IG aller Sorgen enthob. Noch 1986 - in der Chronologie zu Bernhard Sinkels Filmbuch „Väter und Söhne“ - schrieb auch Gottfried Plumpe auf Seite 435 korrekt: „Die Weiterführung der verlustreichen Hydrierarbeiten wird in der I.G. zunehmend umstritten: Nach harten Auseinandersetzungen wird im Juli 1932 die Fortführung der Arbeiten, wenn auch auf verringertem Niveau, beschlossen (...).“

Wenige Wochen nach Erscheinen der Plumpe-Chronologie legte ich mein IG-Farben-Buch vor, in dem ich anhand von Hitlers Itinerarium - ein vom Institut für Zeitgeschichte geführtes Tagebuch für Hitler - nachweisen konnte, wann der Besuch beim Führer stattgefunden haben mußte. Es gab unterschiedliche Angaben, ob das Treffen im Juni 1932 stattfand, wie Bütefisch 1941 diktierte, oder im November, wie sein Begleiter, der auch sonst bei Datierungen unzuverlässige Gattineau in Nürnberg aussagte. Auch die Historiker, soweit sie sich überhaupt für dieses historische Treffen interessierten, übernahmen mal die eine, mal die andere Angabe, ohne sie beweisen zu können. Denn keiner kam auf die Idee, die über das Treffen gemachten Angaben - im Wahlkampf, einen Tag zuvor hatte Hitler in München gesprochen - mit Hitlers Itinerarium zu vergleichen: Da bleibt als einziger Termin für die Zusammenkunft Hitler/IG Farben im Jahr 1932 der 25. Juni.

Doch da reagierte Plumpe schnell. Den Termin von Juli 1932 für die IG-Farben-Entscheidung zur Fortführung der schwer defizitären Benzinsynthese erwähnte er nicht mehr. Plötzlich schrieb er in seiner Bielefelder Habilitationsschrift - ohne eine Begründung für den Sinneswandel zu liefern: „Die entscheidende Sitzung des Zentral-Ausschusses, auf der über die Weiterführung der Mineralölsynthese beschlossen werden sollte, fand am 21. und 22. Dezember 1931 im Leunawerk statt.“

Und, doppelt hält besser: „Endgültig legte sich die I.G. dann am 18.6.1932 auf die Weiterführung der Mineralölsynthese fest.“ Also nicht nach, sondern genau eine Woche vor dem Treffen mit Hitler am 25. Juni 1932, das Plumpe nun wiederum in den November verlegte.

Auch sonst sichert Plumpe das Treffen ab. Die IG hielt den Kontakt geheim? Na bitte, der beste Beweis, wie unwichtig er war! Plumpe: „Seine politische Bedeutung ist gering, da der I.G. offensichtlich daran gelegen war, die Angelegenheit so diskret wie möglich abzuwickeln, um nicht in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, es gebe wichtige Kontakte des Unternehmens zur NSDAP.“

Den Krieg gerettet
So wie die IG Farben im Juni 1932 mit dem Benzinpakt den Weg in den Zweiten Weltkrieg bahnte, so wurde auch der Erste Weltkrieg dank der IG-Vorläufer BASF und Bayer gerettet, als er vorzeitig zu enden drohte. Deutschland hätte nämlich 1915 kapitulieren müssen, schlicht aus Munitionsmangel. Die deutschen Militärs hatten nämlich bei ihren umfangreichen Kriegsvorbereitungen und Aggressionsplänen einen entscheidenden Punkt übersehen. Zur Produktion von Munition brauchte man damals noch Salpeter aus Chile. Die Einfuhr aber wurde von der englischen Flotte blockiert. Im Frühjahr 1915 wären die letzten Vorräte zu Ende gegangen. Deutschland hätte rechtzeitig vorher den Frieden suchen müssen - nein dürfen - unter damals noch günstigen Bedingungen. Millionen von Menschen hätten überlebt.

Doch die BASF hielt den deutschen Krieg am Leben. Sie hatte, um die Menschheit vor dem Hungertod zu bewahren, das Haber-Bosch-Verfahren entwickelt, das es erlaubte, aus der Luft, aus Stickstoff, Kunstdünger zu entwickeln. Im September 1913 wurde in Oppau die erste Produktionsstätte angefahren. Ein Jahr später - im Oktober 1914 machte die BASF dem Kriegsministerium das berühmte Salpeterversprechen - wurde das Haber-Bosch-Verfahren von der Düngererzeugung auf Munitionsherstellung umgestellt, um die soeben gerettete Menschheit jetzt zu Tode zu bringen. Damit begann, so drückt es Plumpe formvollendet aus, „das Engagement der Farbstoffindustrie für die deutsche Rüstungsproduktion“. Für den Autor eine Problemlösung: „Damit war das Salpeterproblem in Deutschland gelöst, die Munitionsproduktion konnte aufrechterhalten und ausgebaut werden, der Krieg weitergehen.“ Das war eine begrüßenswerte Entwicklung. Denn, so Plumpe: „Unter den gegebenen Bedingungen der deutschen Kriegswirtschaft war der weitere Ausbau der Stickstoffgewinnung sowohl aus militärischen Gründen als auch zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung dringend geboten.“

Das alles ist wissenschaftlich haltbar. Plumpe geht nun einmal von den Bedingungen der Kriegswirtschaft aus. Über das Faktum - die Interessengemeinschaft hat den Krieg gerettet - besteht Einigkeit. Plumpe ausdrücklich: „Mit ihrem Engagement für die deutsche Kriegswirtschaft trug die deutsche Farbstoffindustrie in erheblichem Maße dazu bei, die weitere Kriegführung überhaupt zu ermöglichen.“ Dem Mann, der in seiner Einleitung bemerkenswerte „Thesen zum Verständnis unternehmerischen Handelns“ aufstellt - „Ertragsmaximierung“ ist „prinzipielles Ziel“ -, muß es auch erlaubt sein, kriegswirtschaftlich zu denken - ohne Rücksicht auf die Leichenberge, über die er dabei zu klettern hat.

Heilige Kriegsprofite
Mitglieder einer communitas scientiae - das wissen wir schon von Plumpes Kollegen Wehler - können DDR-Historiker nicht sein. Sobald Plumpe in einer Fußnote auf so einen traf, sonderte er in einer allergischen Reaktion Schnellurteile ab wie „dubios“, „spekulativ“, „unseriös“, „parteimarxistisch“; kurz: Es „erübrigt sich daher, näher auf die entsprechenden Thesen einzugehen“.

Solch ein Fall ist Hellmuth Weber, der 1966 in der inzwischen abgewickelten Deutschen Akademie der Wissenschaften eine Untersuchung über „Deutsche Kriegspolitik 1916-1918“ publizierte. Es geht um das Hindenburg-Programm von 1916 zur totalen Kriegführung und zur Verdoppelung der für die Farbenindustrie so lukrativen Munitionsproduktion. Das wurde über den Generalstabsobersten Max Bauer maßgeblich von Bayer-Chef Carl Duisberg beeinflußt - was Plumpe energisch bestreitet. Plumpe beruft sich dabei auf eine solch klare Quelle wie „Meine Kriegserinnerungen“ des Hindenburg-Vize Erich von Ludendorff. Und auf einen Brief, den Duisberg am 10. September 1916 seinem Vertrauten, dem Obersten Bauer in der Obersten Heeresleitung, geschrieben hatte. Plumpe: „Weber, der den ganzen Brief nicht kennt, stellt Spekulationen über seinen Inhalt an, die als Musterbeispiel für ideologische Deduktionen gelten können. Der Brief zeigt, daß sie falsch sind.“

Plumpe, der kein einziges wörtliches Zitat aus dem Brief bietet, verließ sich offensichtlich darauf, daß der Duisberg-Brief nur bei ihm im Bayer-Archiv liege. Sein Pech - da liegt vermutlich der Durchschlag. Denn das Original ist im Bundesarchiv allgemein zugänglich: im Nachlaß Bauer. Und kein Brief ist so geeignet wie dieser, um das zu zeigen, was Plumpe ideologische Spekulationen nennt - wüste und wilde Spekulationen sogar müßte sie Plumpe von seinem speziellen Standpunkt im Bayer-Konzern nennen.

Duisberg freut sich in diesem Brief, daß wieder, wie schon 1914, der „Munitionsmangel (...) uns zusammenführte und uns nicht nur menschlich näher brachte, sondern auch praktisch in die Speichen des Kriegsrades eingreifen ließ“. Und er ist keineswegs - wie Plumpe behauptet - überrascht über die geforderte Verdoppelung der Munitionsproduktion. Umgekehrt, er und sein Kollege Gustav Krupp wollten das Hindenburg-Programm noch übertreffen. Und so beschwert er sich bei Bauer über das Kriegsministerium: „(...) wir wurden gebremst, wenn wir uns weiter betätigen wollten, wir wurden verärgert und in die Schranken des bureaukratischen, geschäftsordnungsmäßigen Betriebes zurückgewiesen, wir wurden geschimpft und gescholten, wenn wir uns rührten und regten und aus dem gewohnten Gleise heraustraten. Anstelle dankbarer Anerkennung, wie wir sie erwarten konnten, und wie sie zeitweise auch gewährt wurde, trat die übliche, nie Lob, aber wohl Tadel zeigende Amtsmiene, trat Krittelei und Nörgelei und von der Reichstagsmehrheit gewünschte Knauserei.“

Besonders heilig waren Duisberg, aber nicht nur ihm, die Kriegsprofite. Dem in einem Schreiben des Kriegsministeriums geäußerten Begehren, die an Rüstungsaufträgen wild verdienende Industrie solle sich in die Bücher gucken lassen, begegnete er mit verständlicher Wut. Auf dieses Verlangen gebe es, schrieb Duisberg im Brief an Bauer, „keine Antwort als die von der gesamten Industrie beschlossene Ablehnung dieses Eindringens in die tiefsten Geheimnisse unserer Privatwirtschaft, um entweder die Schwachen, Ängstlichen und nicht auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit Stehenden zu falschen Mitteilungen zu veranlassen oder den Tüchtigen, Starken und Aufrichtigen aus den Einzelheiten ihrer Preisaufstellung einen Strick zu drehen“. Duisbergs Brief, dessen wahren Inhalt Plumpe kennt und unterschlägt, hatte Erfolg: Zwei Monate später wurde der von ihm angeklagte Kriegsminister Adolf Wild von Hohenborn entlassen, der Bayer-Profit am Krieg blieb unangetastet.

Gegenseitiges Einvernehmen
Das Bayer-Archiv, aus dessen ihm zugänglichen Schätzen Gottfried Plumpe auf solche Weise seine Habilitationsschrift mit viel Takt und Diskretion gebastelt hatte, feiert schon bald, am 26. November, mit einer Tagung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. in Leverkusen sein 100jähriges Jubiläum. Den Festvortrag „Carl Duisberg und das moderne Unternehmen“ hält Professor Plumpe. Professor Werner Plumpe von der J.W. Goethe-Universität Frankfurt, den es betrüben könnte, wenn man ihn verwechselte. Und nicht ein Duisberg-Spezialist wie der Bayer-Professor Gottfried Plumpe - den gibt es seit dem Frühjahr trotz einer steilen Karriere im Hause des Chemieunternehmens nicht mehr.

1987 trat er in die Konzernverwaltung ein, wurde Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, stieg, nachdem es ihm gelungen war, sich aus dem Archiv seines Arbeitgebers über seinen Arbeitgeber in Bielefeld zu habilitieren, in den Konzernstab „Unternehmenspolitik“ ein und wurde Referent des Vorstandsvorsitzenden. 1996 berief ihn laut manager magazin die - nach dem Gründer des Metro-Konzerns benannte - Otto-Beisheim-Universität in Vallendar bei Koblenz zum Honorarprofessor. 1999 wurde er Leiter der Konzernplanung und des Controlling. 2002 sollte Plumpe laut manager magazin im Bayer-Vorstand das Finanzressort von Werner Wenning, der Vorstandsvorsitzender wurde, übernehmen. Doch dann ging es bergab. 2003 wurde der Professor (der Titel stand in jeder Presseverlautbarung) als Aufsichtratsvorsitzender der Bayer Restaurant + Service GmbH eine Art Frühstücksdirektor, der neue Firmenkasinos eröffnete oder nach Brasilien reiste. Jetzt, im Frühjahr, kam das Aus. Bayer teilte mit, daß Gottfried Plumpe - diesmal ohne Professor, in Vallendar ist er auch nicht mehr tätig - das Unternehmen „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen hat. Wo er verblieben ist, wie er zum Titel „Professor“ kam, darüber weiß Andrea Knebel von der Bayer-Presseabteilung „Unternehmenspolitik“ nicht bescheid, sagt sie, und der Plumpe-Assistent, der das wissen könnte, sei mit ihm ausgeschieden. Günter Forneck, Leiter der Presseabteilung, der zunächst mutmaßt, Plumpe sei Professor in Vallendar, sagt, sein Ausscheiden habe nichts mit dem Professorentitel zu tun. Der Grund müsse „nicht unbedingt ein Fehlverhalten“ sein.

Das ist dieselbe Begründung, mit der sich soeben die Bertelsmann-Stiftung von ihrem langjährigem Vorstandsmitglied Professor Werner Weidenfeld trennte, nachdem die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdacht Hausdurchsuchungen in seinen beiden Wohnsitzen veranstaltete.

Spiegel online veranstaltet davon unabhängig zur Zeit ein Quiz über bestimmte Formulierungen - Codes - in der Zeugnissprache und fragt: „Was bedeutet: ›Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.‹“ Einzig richtige Antwort: „Dem Arbeitnehmer mußte das Ausscheiden nahegelegt werden, sonst wäre er gekündigt worden.“ Unbedenklich für den weiteren Berufsweg sei übrigens nur die Formulierung: „Herr (...) verläßt das Unternehmen auf eigenen Wunsch.“ Herr Plumpe hat nach den Bayer-Mitteilungen einen solchen Wunsch nicht geäußert.

Das ist grober Undank. Plumpe hat sich - wie das Tooze-Buch beweist - gerade auch im Bereich der Geschichtswissenschaft unbezahlbare Verdienste um Bayer (samt IG Farben) erworben. Und jetzt setzt man ihn, dem noch eine ganz große Karriere bei Bayer zu winken schien, ganz einfach vor die Tür. Obwohl er doch zuvor seine Aufgaben als Unternehmenshistoriker mit äußerster Gewißheit jederzeit zur vollsten Zufriedenheit der Bayer AG ausgeführt hat. Und nur durch die bestechende Großzügigkeit der Fakultät für Geschichtswissenschaften der Universität Bielefeld sich damit habilitieren konnte.

Die Universität Bielefeld hat damit eine große Verantwortung übernommen. Wenn schon der Konzern, für dessen Ruf sich Plumpe aufgeopfert hat, wenn schon die Beisheim-Universität, bei der er Honorarprofessor war, wenn also beide nichts mehr von ihm wissen wollen, dann gibt es - Freiheit der Wissenschaft! - nur noch eins: Die im Austeilen von Lehrbefähigungen so tolerante Geschichtswissenschaftliche Fakultät muß ihn sofort als lehrfähigen Professor einstellen - nach ihrem Motto: Und wirst du nichts auf dieser Welt, dann wirst du was in Bielefeld. Den dafür erforderlichen Hippokratischen Eid hat Plumpe mutmaßlich auch schon abgelegt. Was der mit Historikern zu tun haben könnte, darüber demnächst mehr.

Nachtrag
Otto Köhler konnte in seinem Beitrag nicht mehr rechtzeitig vor Drucklegung eine Auskunft der Otto-Beisheim-Hochschule in Vallendar übermitteln. Danach war Gottfried Plumpe lediglich Lehrbeauftragter an der Wirtschaftshochschule und nicht Honorarprofessor, wie Köhler das manager magazin (3.12.2001) zitiert. Bei der Bayer AG wiederum, die bis zu seinem Ausscheiden Plumpe in Pressemitteilungen als „Professor“ titulierte, weiß man nicht, wo sonst als in Vallendar Plumpe Professor gewesen sein könnte. (jW)

[Krefeld] Kohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

Westdeutsche Allgemeine, 26.11.2007

Das Wackersdorf der Kohle

Essen. Im saarländischen Ensdorf sprechen die Bürger gegen den Bau eines 2,2 Milliarden Euro teuren Steinkohlekraftwerks aus. RWE-Chef Großmann zeigt sich enttäuscht.

So viel Rückenwind hatten die Grünen, der Bund für Umwelt und Naturschutz und andere Umwelt-Organisationen wohl seit dem Widerstand gegen die Atomenergie nicht. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate bringt der Widerstand der Bevölkerung ein milliardenschweres Großkraftwerk auf Steinkohlebasis ins Wanken. Nach dem massiven Widerstand in Krefeld, wo der geplante Bau eine Steinkohleblocks des Aachener Unternehmens Trianel in der Schwebe hängt, hat eine Bürgerbefragung im saarländischen Ensdorf ein 2,2 Milliarden Euro teures RWE-Kraftwerk zu Fall gebracht. „Das ist das Wackersdorf der Steinkohle“, heißt es bereits in der Branche.

Industriepolitik contra Klimaschutz
In der Tat: Die anhaltende Debatte um Klimaschutz und den Klimakiller Kohlendioxid bringt das Volk in Wallung. Und macht die Stadträte unabhängig von ihrer politischen Couleur reihenweise zu Umfallern. In Krefeld etwa, wo Trianel mit einer Milliarden-Investition den Standort Bayer-Uerdingen mit Strom versorgen will, begrüßten die Fraktionen aus SPD und CDU anfangs dieses industriepolitisch doch so wichtige Projekt - bis sich Bürgerinitiativen dagegen aussprachen und Ärzte auf die hohe Lungenkrebsrate in Krefeld verwiesen. Die Trianel-Gruppe, die als Wettbewerber der großen vier Konzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW antritt, versucht nun in Diskussionsrunden die Parteien und Umweltorganisationen von dem Vorhaben zu überzeugen.
Und nun Ensdorf. „Wir bedauern außerordentlich, dass wir dieses wichtige Projekt nicht realisieren können“, sagt RWE-Chef Jürgen Großmann. „Unser Land braucht aber neue, hochmoderne und saubere Kraftwerke um die Preise zu stabilisieren und den Klimaschutz zu verstärken.“

Grüne: „Konzerne haben Glaubwürdigkeitslücke“
Der Grünen-Fraktionsvize im NRW-Landtag, Reiner Priggen, äußerte hingegen großes Verständnis für die Bürgerbewegungen. Die Konzerne hätten „eine Glaubwürdigkeitslücke, weil sie wie RWE ihre Zusagen nicht einhalten, die alten Blöcke abzuschalten.“ Zwar erkenne auch er die Logik an, dass neue, im Wirkungsrad effizientere Kraftwerke der Umwelt letztlich mehr bringen. Allerdings würden die Konzerne Strom ständig über Bedarf und für den Export produzieren.
„Mir ist es lieber, der Strom wird in Deutschland produziert, wo das Augenmerk auf den Klimaschutz und die Effizienz der Kraftwerke viel höher ist als anderswo in Europa“, sagt Manuel Frondel, Energie-Experte beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Schließlich sei der Klimaschutz ein weltweites Problem. Die Bürgervoten nannte er „eine Überreaktion in der derzeitigen Klima-Wandel-Weltuntergangsstimmung“.

RWE zieht Antrag zurück
RWE wird nun den Genehmigungsantrag in Ensdorf zurückziehen, nachdem knapp 4000 von rund 5300 Abstimmungsberechtigten der Gemeinde das Vorhaben mit 70 Prozent abgelehnt hatten.
Die Stimme des Volkes hat gesprochen. Damit droht der Steinkohle nun ein Stigma fast so wie der Atomenergie. Kanzlerin Angela Merkel, die sich mit ambitionierten Klimaschutzzielen innenpolitisch profiliert, warnt bereits vor einer Diskriminierung der Kohle. „Im Stadtrat gegen Kohlekraftwerke zu sein und zuhause die Stand-by-Schaltung anzulassen, geht nicht“, meinte sie jüngst auf dem Steinkohletag in Essen.
Thomas Wels

[Greenwashing] „Eine neue Welle des Grünfärbens“

CBG Redaktion

LobbyControl stellt Studie zu Greenwash in Zeiten des Klimawandels vor.

Studie online unter http://www.lobbycontrol.de/download/greenwash-studie.pdf

Köln, 26.November 2007. LobbyControl präsentierte heute eine Kurzstudie über „Greenwash in Zeiten des Klimawandels“. Die Studie zeigt eine neue Welle des Grünfärbens: praktisch alle großen Energieversorger und Ölkonzerne haben im Jahr 2007 umfangreiche grüne Imagewerbung betrieben. „Die ökologischen Leistungen der Unternehmen werden dabei systematisch übertrieben und positiv verzerrt dargestellt“, so Ulrich Müller von LobbyControl. „Diese Art der Imagewerbung ist eine gezielte Desinformation der Bürgerinnen und Bürger – selbst wenn nicht jedes ökologische Projekt von vornherein als Greenwash gesehen werden sollte.“

Die Studie untersucht einzelne einzelne Greenwash-Kampagnen des Jahres 2007 und wirft einen Blick in die Werkzeugkiste des Grünfärbens. Zu den PR-Instrumenten gehören auch die öffentlichskeitswirksam inszenierte Partnerschaft mit Umweltorganisationen. Der Chemiekonzern Bayer etwa kooperiert mit der Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) und will sich damit „grün“ und verantwortungsbewusst präsentieren.

Fazit der Studie Greenwash in Zeiten des Klimawandels

Seit der Ankunft der Klimadebatte im gesellschaftlichen Mainstream erleben wir eine neue Welle des Grünwaschens. Unternehmen blähen ihr Umweltengagement auf und versuchen über Greenwash-Methoden, den Druck für schärfere Klimaschutzmaßnahmen zu reduzieren oder sich Klimaschutzprojekte zumindest zu weiten Teilen von der öffentlichen Hand finanzieren zu lassen. Praktisch alle großen Energieversorger und Ölkonzerne haben dieses Jahr in Deutschland versucht, sich ein grünes Image zu verschaffen.

Bei allen Unterschieden in der konkreten Gestaltung der Greenwash-Kampagnen gibt es durchaus wiederkehrende Elemente (siehe Kasten auf der nächsten Seite). Insgesamt wird die Unternehmensrealität extrem einseitig und verzerrt dargestellt. Da werden einzelne relative Effizienzgewinne betont, selbst wenn die gesamten Treibhausgas-Emissionen ansteigen, z.B. durch mehr Flüge oder neue Kraftwerke. Einzelne Modellprojekte werden als Lösung angepriesen, selbst wenn ihre Umsetzung in ferner Zukunft liegt und fraglich ist, wie bei „CO2-freien“ Kohlekraftwerken oder Gezeitenkraftwerken. An einzelnen Punkten gibt es sicher ökologische Verbesserungen, über die man diskutieren kann: Sind das erste, aber wegweisende Schritte oder nur zögerliche, unzureichende Maßnahmen unter dem öffentlichen und politischen Druck, mit denen die Unternehmen zugleich ihr Kerngeschäft schützen wollen? Nicht jedes ökologische Projekt sollte
von vornherein als Greenwash gesehen werden.

Allerdings ist klar, dass die Imagewerbung der Unternehmen gerade nicht auf eine sachliche Debatte hin ausgerichtet ist, sondern als Beruhigungspille dient. Die Öffentlichkeit soll beruhigt werden – Bürgerinnen und Bürger sollen nicht selbst aktiv werden, sondern die betreffenden Unternehmen oder Branchen in Ruhe agieren lassen.48 Jeder in Anzeigen beworbenen Investition in neue Energiequellen steht ein Vielfaches an Investitionen in fossile Rohstoffe und entsprechende Kraftwerke gegenüber – die wohlweislich in den Anzeigen nicht erwähnt werden. Die beschriebenen Imagekampagnen der Unternehmen sind klar als Grünfärberei einzustufen und in ihrer Einseitigkeit, der selektiven Auswahl an Fakten und Verzerrung letztlich nicht anders zu bewerten als Desinformation.

Die jeweiligen Ziele der Imagepflege können sich durchaus unterscheiden. Greenwash ist ein taktisches Instrument, das in verschiedene Unternehmensstrategien eingebettet sein kann. Deshalb sollte man sich im Umgang mit grünfärberischen Kampagnen bewusst machen, welche Ziele damit konkret verbunden sind (z.B. die alten Atommeiler weiterlaufen lassen zu dürfen oder Klimaschutzvorgaben für Fluglinien zu verhindern). Denn so lassen sich die Irreführungsstrategien besser durchkreuzen.

Typische Kennzeichen von Greenwash:
* Selektive Darstellung der Realität: Fakten werden nicht in den Gesamtkontext gestellt. Eigene ökologische oder soziale Modellprojekte werden überbetont, die negativen Auswirkungen des regulären Kerngeschäft häufig ausgeblendet.
* Übernahme von ökologischer Sprache: Greenwash versucht, den erwarteten öffentlichen Ansprüchen rhetorisch gerecht zu werden, indem Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ übernommen werden. Die Begriffe werden meist abstrakt oder weitgehend sinnentleert benutzt.
* Eine „grüne“ und positive Bildsprache: Bäume, grüne Landschaften, blauer Himmel, die Sonne – all das wird gerne verwendet.
* Hervorheben der eigenen Verantwortung: Unternehmen stilisieren sich selbst zum Umweltschützer, betonen, dass sie sich kümmern, dass sie an Lösungen arbeiten und das Problem im Griff haben. Sie wollen verantwortungsbewusst erscheinen – vor allem aber wollen sie eine Einmischung von außen und verbindliche Vorgaben durch die Politik verhindern.
* Betonung technischer Lösungen: Technische Entwicklungen werden als Lösung angepriesen - selbst wo diese unsicher sind (z.B. CO2-Abscheidung bei Kraftwerken) oder bei weitem nicht ausreichen (siehe Lufthansa). Die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen und Konflikte werden ausgeblendet. Das Anpreisen technischer Lösungen soll den Druck für weitergehende, strukturelle Veränderungen mindern. Technische Lösungen kommen zudem in der Regel aus den Unternehmen selbst, damit behalten die Unternehmen die Kontrolle über die Veränderungsprozesse.
* Ausblenden der realen politischen Debatten: In den meisten Grünfärbe-Kampagnen werden die aktuellen politischen Konflikte ausgeblendet, auf die die Kampagnen zielen. Die Öffentlichkeit soll nicht anfangen darüber nachzudenken, ob der Flugverkehr in den Emissionshandel einbezogen werden soll. Sie sollen das Gefühl bekommen, dass die Luftfahrtindustrie den Klimaschutz aus eigenem Antrieb heraus in den Griff bekommt.

Umgang mit Greenwash
Die wichtigste Reaktion auf die jüngste Welle von Greenwash-Kampagnen sollte sein, sich dem trügerischen Schein nicht hinzugeben, dass Unternehmen und Wirtschaftsverbände die Umweltprobleme und insbesondere den Klimawandel aus eigenem Antrieb angehen. Sie tun dies auf öffentlichen und politischen Druck hin – und versuchen zugleich mit „grünen“ Kampagnen, den Druck abzufedern.
Genaues und kritisches Hinsehen ist deshalb der erste Baustein im Umgang mit Grünfärberei.
Greenwash-Kampagnen sollten zuerst den Impuls auslösen: Warum gibt diese Anzeigen, diese Aktivitäten gerade jetzt? Welche Konflikte gibt es um das Unternehmen, die Branche? Welche politischen Veränderungen sollen möglicherweise verhindert werden? Sie sollten ein Aufruf sein, sich selbst ergänzende, kritische Informationen zu besorgen. Manchmal reicht dazu schon ein Blick in die aktuelle Berichterstattung der Massenmedien. Ansonsten hilft oft das Internet weiter. Über Suchmaschinen lassen sich schnell kritische Berichte über viele Unternehmen oder Branchen finden. Informationsquellen können unter anderem kritische Nachhaltigkeitsberichte oder Studien sein, die von NGOs oder kritischen Aktionärsgruppen herausgebeben werden. In Deutschland können die im Netzwerk für Unternehmensverantwortung CorA zusammengeschlossenen Organisationen eine erste Anlaufstation sein (www.cora-netz.de). International gibt es einige Organisationen und Webseiten, die einen Besuch lohnen, u.a. Corpwatch (www.corpwatch.org), das Business & Human Rights Resource Center (www.business-humanrights.org) oder der Multinational Monitor
(www.multinationalmonitor.org).

Kritische Leitfragen bei Greenwash-Kampagnen
Oder: Wie erkennt man Grünfärberei?
* Aufs Ganze schauen: Die Ernsthaftigkeit der Worte/Anzeigen etc. erkennt man am tatsächlichen Handeln im Gesamtunternehmen. Zahlen und angepriesene Modellprojekte in den Gesamtkontext stellen. Gerade beim Klimawandel prüfen: werden bei Behauptungen über Emissionsreduzierungen relative oder absolute Zahlen angeben? Wie ist das Verhältnis von Investitionen in Erneuerbare Energien oder Energiesparmaßnahmen zu den gesamten Investitionen? usw.
* Welche Mitgliedschaften in Lobbyorganisationen und Verbänden liegen vor? Welche Politik verfolgen etwa die Dachverbände? Soweit bekannt oder transparent: Welche Institutionen werden von dem Unternehmen gefördert?
* Welche politischen Positionspapiere werden veröffentlicht? Decken sich deren Positionen mit dem öffentlich kommunizierten Umweltbewusstsein?
* Gibt es Leichen im Keller? Umweltunfälle etc.?
* Welche Informationen gibt das Unternehmen heraus?
* Wie wird mit Kritikern umgegangen?
* Wie agiert das Unternehmen international, wie hat es im Zeitverlauf reagiert?
Ist das Verhalten stimmig oder werden hier schöne Dinge behauptet, während in anderen Ländern umweltschädigende Praktiken weiter gehen?

Wer Greenwash-Kampagnen zum Anlass nimmt, um sich alternative Informationen zu besorgen, hat bereits den ersten wesentlichen Schritt getan, um die Strategie hinter der Grünfärberei zu durchkreuzen. Man kann aber auch weitergehen und sich aktiv gegen Greenwash-Kampagnen wehren - hier ein paar Anregungen:

1) Im Falle von irreführenden Anzeigen kann man sich beschweren. Leider sind die rechtlichen Bedingungen gegen irreführende Werbung vorzugehen in Deutschland beschränkt. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) enthält zwar einen Paragraphen gegen irreführende Werbung. Allerdings sind die Klagemöglichkeiten begrenzt: Verbraucherorganisationen können klagen, aber nicht Einzelpersonen oder Umweltorganisationen. Zudem muss die irreführende Werbung nach bislang geltender Rechtsprechung einen Produktbezug haben, was bei vielen Greenwash-Anzeigen nur indirekt gegeben ist. Einzelpersonen können nur beim Deutschen Werberat (www.werberat.de) Beschwerden einlegen, einem freiwilligen Gremium der Selbstkontrolle. Der Werberat kann eine öffentliche Rüge aussprechen, dies geschieht aber nur selten. Häufiger kommt vor, dass die betroffenen Unternehmen im Laufe des Beschwerdeverfahrens die Anzeigen selbst zurückziehen.
2006 behandelte der Werberat 229 Anzeigen, Plakate und Spots: Es wurden nur zwei öffentliche Rügen ausgesprochen, in 59 Fällen zogen Unternehmen die Werbung zurück, in zwei weiteren Fällen wurde sie inhaltlich geändert.50 Insgesamt zeigt sich, dass der Werberat als freiwilliges Gremium ein sehr schwaches Instrument ist. Er ist selbst ein Instrument der Werbewirtschaft, um sich gegen weitergehende gesellschaftliche Kritik und stärkere rechtliche Vorgaben zu wehren. Das zeigt sich auch im Jahrbuch 2007 und der dort formulierten Kritik an Vorstößen der EU für striktere Regeln für Werbung.51 Dennoch kann es sich lohnen, mit Beschwerden häufiger deutlich zu machen, dass irreführende Greenwash-Kampagnen als solche wahrgenommen werden und auf Kritik stoßen.
2) Eine zweite Gegenstrategie ist es, Greenwash öffentlich anzuprangern und Gegenöffentlichkeit zu schaffen. LobbyControl verleiht z.B. 2007 mit europäischen Partnern den Worst EU Greenwash Award, einen Negativpreis für das schlimmste Grünfärben in der EU (siehe www.worstlobby.eu). Eine andere Möglichkeit ist es Greenwash-Anzeigen zu verfremden und zu verdrehen und so gegen sich selbst zu drehen (Adbusting). Das Greenpeace-Magazin nutzt dafür beispielsweise immer die Rückseite seines Umschlags.

Weitere Informationen und Links findet man u.a. bei den kanadischen Adbusters (www.adbusters.org) oder in Literatur und Internet unter dem Stichwort „Kommunikationsguerilla“. Außerdem ist es wichtig, vor Ort Aufklärungsarbeit über Grünfärberei zu betreiben –insbesondere, wenn Unternehmen versuchen, andere gesellschaftliche Akteure in ihre PR-Kampagnen einzubinden. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit des BUND Oberrhein zu Greenwash in der Region, unter anderem der Tarnorganisation „Au fil du Rhin“.52

3) Nicht zuletzt kann man sich in die politische Auseinandersetzung einklinken – also aktiv werden für das, was die Grünfärberei verhindern soll.

4) Darüber hinaus ist es langfristig wichtig, auch die Rolle der Medien kritisch in den Blick zu nehmen und die Medien in eine Debatte über ihre Anzeigenpolitik zu verwickeln. Wie lässt es sich mit ihrem Selbstverständnis vereinbaren, dass sie über großflächige Anzeigenkampagnen oder Fernsehspots Träger von Desinformation werden? Ist jede Anzeige in Ordnung, egal wie verzerrend sie ist, wenn sie nur Geld in die Kasse spült?

Diese Kurzstudie kann nur erste Anregungen bieten. Werden Sie aktiv gegen Greenwash und retten Sie Ihren Kopf, bevor er Ihnen grün gewaschen wird!

[Demo Duisburg] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

23. November 2007, Rheinische Post

Duisburg: Schweigemarsch der Gegner

400 Menschen demonstrierten Mittwochabend gegen den Bau der CO-Pipeline. Zum Auftakt hatten die evangelische und katholische Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst eingeladen.

Ein Abend im Zeichen des Kreuzes: Zusammen mit der katholischen Kirche Herz Jesu in Serm und der evangelischen Auferstehungskirche in Ungelsheim hatte die Bürgerinitiative „COntra Pipeline“ zu einen ökumenischen Gottesdienst mit Schweigemarsch entlang der Pipeline-Trasse aufgerufen. Die Auferstehungskirche war zum Auftakt der Veranstaltung gut gefüllt. Pfarrer Thomas Herwig appellierte an die persönliche Verantwortung von Politikern und Konzernen, gestand aber zum Buß- und Bettag auch eigene Versäumnisse ein. „Wir haben das Kleingedruckte nicht aufmerksam genug gelesen und sind erst aktiv geworden, als uns die Angst gepackt hat.“
Dem folgenden halbstündigem Schweigemarsch mit Fackeln gab Pfarrer Herwig danach in seinen Gedanken zu Römer 2, 1-11, die Worte „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ mit auf dem Weg. In der katholischen Kirche Herz Jesu in Serm fand Pfarrer Bernfried Ludwig ähnlich starke Worte wie sein evangelischer Kollege. In seiner bildhaften Ansprache mahnte er zur Erhaltung der Schöpfung und erinnerte an die Verantwortung des Einzelnen. „Großindustriellen, Politikern, den Kapitalisten und Ganoven bedeutet die Schöpfung nichts, Hauptsache die Kohle stimmt.“
Der Bau einer unterirdischen Kohlenmonoxid-Pipeline (CO) durch den Bayer-Konzern sei „menschenverachtend“, schloss sich Andrea Gutsfeld von der Initiative Contra-Pipeline an. An diesen wollen auch Tochter Benbdida Petra und Mutter Renate Schedler teilnehmen. „Aufgeben? Wenn es nötig ist, gehen wir bis zum Bundesverfassungsgericht!“ Unterstützt in ihrem Anliegen werden die Betroffenen von der Stadt. Oberbürgermeister Adolf Sauerland war in Ungelsheim anwesend und Stadtdirektor Dr. Peter Greulich versprach in der Herz Jesu Kirche die Unterstützung der Stadt.
„Wir bezweifeln die Aussagen des vorliegenden Gutachtens, auf dem der Planfeststellungsbeschluss beruht.“ Das TÜV-Gutachten werde nun von einem Gutachter der Stadt Duisburg überprüft. „An der Aussage, dass die Pipeline so sicher wie Pipelines in den Niederlanden ist, müssen wir erhebliche Zweifel anbringen.“ Es sei nicht verantwortbar, die Grundstücke seitens der Stadt aus der Hand zu geben. Diese Position stütze ein Mandat der Stadt. Ein Abend im Zeichen des Kreuzes im doppelten Sinne. An der Bushaltestelle „Kirche Serm“ kann man ein Kreuz sehen, jedoch nicht das der Kirche. Über dem nahen Werkgelände strahlt das Bayer-Kreuz. Still ist es. VON STEFAN OSSENBERG

NRZ, 19.11.2007

Pipeline: Retter sind nicht gerüstet

NOTFALL. Bei einem Bruch der CO-Leitung müssen Bewohner sich selbst in Sicherheit bringen.

Bei einem Bruch der umstrittenen Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG kann die Feuerwehr nicht rechtzeitig alle gefährdeten Bewohner retten. Dies geht aus einer Antwort des Dezernenten Hans-Georg Lohe im gestrigen Ausschuss für öffentliche Einrichtungen hervor. Die Grünen hatten nach dem Katastrophenschutz gefragt. In den ersten Minuten, die über Tod oder Leben entscheiden können, sind die Menschen mehr oder weniger auf sich allein gestellt.
Die Feuerwehr weist darauf hin, dass eine „nur beschränkte Möglichkeit besteht, größere Personenzahlen zeitnah zu warnen und rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.“ Der Grund: Für einen derartigen Großeinsatz stehen im Norden, Osten und Süden innerhalb kürzester Zeit nicht genügend Feuerwehrmänner zur Verfügung. In Hubbelrath sind einige Wohnhäuser nur zehn bis 15 Meter von der geplanten CO-Leitung entfernt, in Wittlaer und Angermund 200 Meter. Im Süden verläuft die Pipeline in Monheim bis auf 150 Meter zur Stadtgrenze.
Sollte die Leitung an einer Stelle regelrecht brechen, strömt innerhalb von 15 bis 30 Minuten sämtliches Kohlenmonoxid aus dem beschädigten Rohr aus. Zwar gibt es Absperrschieber, aber nur im Zehn-Kilometer-Abstand. Eine „abschließende Aussage zu dem genauen Ausmaß der betroffenen Stadtgebiete“ kann noch nicht gemacht werden, gibt Lohe zu bedenken.
Die Feuerwehr hält es für dringend erforderlich, bei einem Störfall die in der Nähe wohnenden Menschen sofort über Sirenen und Radio-Durchsagen zu alarmieren, damit die Bürger in das nächstgelegene Haus flüchten können und Türen und Fenster geschlossen halten. In einer solchen Situation bieten Gebäude den einzigen Schutz. Kohlenmonoxid ist geruchlos und ab einer bestimmten Konzentration tödlich. Wer zuviel CO eingeatmet hat, muss in der Druckkammer behandelt werden. „Die Kapazitäten sind allerdings beschränkt“, erklärte Feuerwehr-Chef Peter Albers. MICHAEL MÜCKE

[Wenning] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

Pressemitteilung, 22. November 2007

Bürgerinitiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“
Keine Risiko-Leitung zwischen Dormagen und Uerdingen

Stand der Unterschriften am 22.11.07: 73.900

Gerechte Auszeichnung von Werner Wenning?

Pipeline-Projekt lässt keine Management-Qualitäten erkennen

Die Bürgerinitiative Bau-Stopp der Bayer-Pipeline zeigt sich erstaunt über die Auszeichnung von Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender der BAYER AG, mit dem Titel „Manager des Jahres“ des Manager-Magazins.
Das Projekt Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen den Chemieparks Dormagen und Krefeld-Uerdingen offenbart eine Reihe von Management-Fehlern.
Neben zahlreichen Bau-Pannen musste Bayer zuletzt einräumen, das Wetter bei seiner Planung nicht bedacht zu haben und nun nicht wie geplant Ende des Jahres mit dem Betrieb der Leitung starten zu können.
Auch der Kommunikationskultur des Bayer-Vorstands mangelt es an Vorbild-Charakter. Werner Wenning beantwortet Briefe mit Fragen nach seiner persönlichen Verantwortung erst gar nicht selbst.
Bedenklich ist schließlich auch die Auslagerung von Kosten und Risiken:
Während sich der Konzern von der 67 km langen Leitung größere Versorgungssicherheit und damit optimierte Betriebsabläufe sowie höhere Renditen verspricht und damit alle Vorteile einstreicht, werden die Lasten des Projekts der Allgemeinheit aufgebürdet.
Die Wertverluste an Privatimmobilien in unmittelbarer Nähe der Trasse werden vom Verband Haus und Grund auf 5 bis 10 % beziffert. Bei 28.000 betroffenen Häusern allein im Kreis Mettmann ergibt dies einen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 550 Millionen Euro.
Die gesundheitlichen Hauptrisiken tragen die fast 200.000 Anwohner der Pipeline, die im Gegensatz zu den Arbeitern in den Chemieparks über keinerlei Selbstschutz- und Frühwarneinrichtungen verfügen.
Die Hauptlast der akuten Schadensabwehr obliegt den örtlichen Feuerwehren, die über Steuergelder finanziert werden.
Dieter Donner, Pressekoordinator der Bürgerinitiativen: „Erfolgreich managen heißt auch sozial verantwortlich agieren. Was Herr Wenning mit diesem Projekt vorhat, ist leichtfertig und fahrlässig. Darüber können auch öffentlichkeits-wirksam präsentierte Umwelt- und Sozialkampagnen des Bayer-Konzerns nicht hinwegtäuschen. Auch der zu solchen Anlässen als Pate auftretende NRW-Ministerpräsident verstärkt den faden Beigeschmack nur noch mehr.“

Pestizide im Garten

CBG Redaktion

PAN Germany Presse-Information
Hamburg, 21.11.2007

Kein ausreichender Schutz der biologischen Vielfalt bei der Zulassung von Pestiziden im Haus- und Kleingarten

Die Liste der im Haus- und Kleingarten zugelassenen Pestiziden zeigt: Im Haus- und Kleingarten sind Gifte im Einsatz, die für die Umwelt gefährlich sein können.

Der Verlust an biologischer Vielfalt schreitet fort. Der Rückgang von Arten ist besorgniserregend. Dies ist jedoch bisher nicht ausreichend bei der Novellierung und Umsetzung der Pestizidgesetzgebung berücksichtigt. Dies betrifft unter anderem den Haus- und Gartenbereich.
Hier muss bei der Zulassung von Pestiziden endlich der Schutz der Biodiversität wirksamer berücksichtigt werden. Die Liste der zugelassenen Pestizide für den Haus und Kleingartenbereich zeigt deutlich: Der Schutz der biologischen Vielfalt ist bei der Zulassung von Pestiziden für Haus und Garten noch nicht angekommen. Carina Weber Programm-Geschäftsführerin von PAN: „Die Gesetzgeber auf nationaler und europäischer Ebene müssen hier endlich Verantwortung übernehmen. Mittel mit negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt, die von Laien eingesetzt werden, müssen aus der Zulassung herausgenommen werden.“

Dipl. Ing. agr. Susan Haffmans von PAN: „Im Haus- und Kleingarten werden Pestizide eingesetzt, die sowohl für Wasserlebewesen wie auch z.B. für nützliche Insekten gefährlich sind“.

So ist beispielsweise das „BAYER GARTEN Gartenspray“ gegen Insekten als bienengefährlich und schädigend für Populationen relevanter Nutzorganismen eingestuft. Darüber hinaus ist es giftig für Algen, Fische und Fischnährtiere. Der „Bahr Unkrautvernichter mit Rasendünger“ ist schädlich für Wasserorganismen und kann laut Gefahrenbezeichnung in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung haben. Zudem ist er als giftig für höhere Wasserpflanzen eingestuft. Und das „Austrieb-Spritzmittel Weißöl“ der Firma W. Neudorff wird als schädigend für Nützlinge wie die Florfliege und als schwachschädigend gegenüber Marienkäfern eingestuft. Darüber hinaus ist es sehr giftig für Wasserorganismen und auch hier wird auf mögliche längerfristige schädliche Wirkungen in Gewässern hingewiesen.

Federführend verantwortlich für die Zulassung von Pestiziden für den Einsatz im Haus und Garten in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das BVL kann jedoch nur im Rahmen der EU-Pestizidgesetzgebung handeln, deshalb müssen die Vorgaben in Brüssel verbessert werden. Die Bundesregierung muss hier ihren Einfluss stärker zum Schutz der Biodiversität geltend machen.

Weitere Informationen:
Susan Haffmans, Tel. 040-399 19 10-25,
E-Mail: susan.haffmans@pan-germany.org

Klima-Emissionen

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 19. November 2007

Zum heute vorgestellten “Bayer Climate Program”:

“Kritische Bereiche erneut ausgeklammert”

Der BAYER-Konzern hat heute sein neues Klima-Programm vorgestellt. In den Reden des Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning sowie des Vorstandsmitglieds Wolfgang Plischke wurden jedoch erneut wichtige Problembereiche ausgespart.

So plant BAYER gemeinsam mit der Firma TRIANEL den Bau eines umstrittenen Steinkohlekraftwerks. Das Kraftwerk, das auf dem BAYER-Werksgelände in Krefeld gebaut und von der BAYER-Tochter BIS betrieben werden soll, würde jährlich 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid und jeweils 4000 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxide emittieren. Da das Kraftwerk mit Kohle aus Südamerika und Australien befeuert werden soll, kämen die Emissionen beim Transport hinzu.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Eine Pressekonferenz zum Thema Klimaschutz, zu der Journalisten aus aller Welt eingeflogen werden, macht keinen Sinn, wenn das in Sachen Klimaschutz problematischste Projekt des Unternehmens mit keinem Wort erwähnt wird. Was ist das Gerede von „Klima-Check“ und „holistischem Ansatz“ wert, wenn dadurch der Einsatz einer solchen Dinosaurier-Technologie nicht verhindert wird? Das Steinkohlekraftwerk würde Klima und Umwelt mindestens bis zur Mitte des Jahrhunderts schwer belasten.“

Die CBG fordert den Konzern zudem auf, das Wirrwarr bei den Angaben zu CO2-Emissionen aufzulösen: Im vergangenen Jahr hieß es in Verlautbarungen des Konzerns „Bayer hat die Emissionen der Treibhausgase seit Beginn der 90er Jahe weltweit um über 70 Prozent reduziert“. Noch am 30. August diesen Jahres äußerte Wenning: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die direkten Treibhausgas-Emissionen bis 2010 um 50 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 zu reduzieren. 46 Prozent haben wir bereits erreicht.“ Heute hieß es in der Rede von Werner Wenning: „So haben wir zwischen 1990 und 2006 die weltweiten absoluten Treibhausgas-Emissionen des Bayer-Konzerns in der heutigen Portfolio-Struktur erheblich reduziert - um insgesamt 36 Prozent“.

Philipp Mimkes: „Erst nach einer Kampagne der Coordination gegen BAYER-Gefahren war BAYER bereit, die Emissionen der Energie-Zulieferer in seiner Klima-Bilanz zu berücksichtigen und das Ammenmärchen von der 70-Prozent-Reduktion zu begraben. Noch immer ist jedoch eine vollständige Bewertung des CO2-Ausstoßes von BAYER kaum möglich, da der Konzern ständig unterschiedliche Zahlen vorlegt. Wir fordern BAYER auf, absolute Emissions-Zahlen für alle Werke, Tochterfirmen und Energiezulieferer zu veröffentlichen - auch rückwirkend.“

Weitere Informationen zu Klima-Emissionen von BAYER

Entlassungen

CBG Redaktion

Presse Information vom 9. November 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Kunststoff-Produktion von BAYER: Rationalisierung trotz Rekordgewinn

„Rechtfertigung für gefährliche CO-Pipeline hinfällig“

Trotz eines prognostizierten Rekord-Gewinns im laufenden Jahr will der BAYER-Konzern in der Kunststoffproduktion ein Zehntel aller Arbeitsplätze wegrationalisieren. Die Tochterfirma BAYER MATERIAL SCIENCE (BMS) hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Gewinn von 843 Mio Euro erzielt, der Gesamt-Konzern erlöste sogar einen Profit von 3,5 Milliarden Euro. Dennoch sollen von den 15.000 Stellen von BMS allein in Deutschland rund 500 vernichtet werden.

Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Argumentation der BAYER AG im Zusammenhang mit dem Bau der umstrittenen Kohlenmonoxid-Leitung von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der BAYER-Konzern rechtfertigt den Bau der CO-Pipeline mit der damit angeblich verbundenen Arbeitsplatz-Sicherung in der Kunststoffproduktion. Die selbe Begründung wurde auch für das Enteignungs-Gesetz, die sogenannte „Lex Bayer“, herangezogen. Angesichts der nun angekündigten Vernichtung hunderter Arbeitsplätze entpuppen sich diese Versprechen als hohles Gerede. Damit entfällt auch die Rechtsgrundlage für das Enteignungs-Gesetz!“ Nach Auffassung der CBG liegen dem Bau der hochgefährlichen Leitung ausschließlich privatwirtschaftliche Interesse zu Grunde. Enteignungen lassen sich aber nur durch Vorteile für das Allgemeinwohl rechtfertigen.

Axel Köhler-Schnura von der CBG ergänzt: „BAYER hat mit der angekündigten Vernichtung weiterer 1.500 Arbeitsplätze endgültig die Solidarität mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgekündigt. Angesichts von Umsatzrenditen über 20% sind die von BAYER angekündigten Ausgliederungen und Entlassungen durch nichts zu rechtfertigen.“

In Krefeld-Uerdingen setzt BAYER für die Kohlenmonoxid-Produktion eine veraltete und energieintensive Technik ein. Im vergangenen November musste die Anlage nach einem Brand wochenlang stillgelegt werden. Die CBG fordert den Bau einer modernen CO-Produktionsanlage in Uerdingen - hierdurch ließe sich zum einen der Ausstoß von Treibhausgasen verringern, zum anderen könnten der Bau der Pipeline und die Gefährdung der Anwohner gänzlich verhindert werden.

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[Subventionen] Agrarsubventionen

CBG Redaktion

8.11. 2007 Lausitzer Rundschau

Hohe EU-Subventionen für Agrarkonzerne

Von Agrarsubventionen profitieren besonders häufig große Agrarkonzerne und Güter.
Zitat: „Dem Chemiegiganten Bayer zahlte die EU für den Anbau von Zuckerrüben und Getreide auf seinem Versuchsgut Laacher Hof pro Jahr bis zu knapp 100 000 Euro. Der Unilever-Konzern nahm danach über seine inzwischen verkaufte Tochter Iglo seit 2004 rund 700 000 Euro ein.“

Euparen

CBG Redaktion

Schwäbische Zeitung, 06.11.2007

Bayer-Pestizid im Trinkwasser: Arzt schlägt Alarm

RAVENSBURG Sorgen um das Trinkwasser im Schussental macht sich der Ravensburger Arzt Dr. Friedhelm Struben. Die Belastung des Wassers durch Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft sei nicht so harmlos wie zunächst angenommen. In einem offenen Brief hat er sich jetzt an Kommunalpolitiker gewandt.
Wie berichtet, war das Pflanzenschutzmittel „Euparen“ wegen des Abbauproduktes Dimethylsulfamid von der Firma Bayer im Februar 2007 nach 20 Jahren Einsatz im Obst- und Weinanbau vom Markt genommen worden. Grund: Bei der Behandlung mit Ozon entsteht das erbgutschädigende und krebserregende NDMA (Nitroso-Dimethylamin). Und Ozon wird von manchen Wasserwerken für die Trinkwasseraufbereitung verwendet.
Überall im Land ist daraufhin das Trinkwasser auf Rückstände des Pflanzenschutzmittels untersucht worden. In Ravensburg – vor allem in den südlichen und westlichen Ortschaften Taldorf, Eschach und Schmalegg, wo viel Obst angebaut wird – ist der Grenzwert von 0,0001 Milligramm pro Liter etwa um das Vierfache überschritten worden. In Weingarten blieben die Messwerte unter dem Grenzwert. Da aber die Technischen Werke Schussental ihr Wasser nicht mit Ozon behandeln, wurde die Belastung vom Kreisgesundheitsamt als ungefährlich eingestuft und eine Ausnahmegenehmigung für die weitere Abgabe von Trinkwasser bis zum 30. April 2010 erteilt.

Offener Brief an Fraktionen
Das hält Dr. Friedhelm Struben, Facharzt für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und für Psychosomatische Medizin, für „nicht zumutbar“. Die giftige krebserregende Verbindung könne seinen Informationen nach bei allen Oxidationsvorgängen an Dimethylsulfamid entstehen, nicht nur durch die Beigabe von Ozon. „Es kann also nicht mit hinreichender Sicherheit so einfach behauptet werden, dass eine gesundheitliche Gefährdung über dieses Trinkwasser nicht besteht“, schreibt Struben in einem offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien im Ravensburger Gemeinderat. Man könne nicht „einfach zur Tagesordnung übergehen“ und diese Gefährdung banalisieren und beschönigen, meint der Arzt. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ konkretisierte er seine Bedenken: „Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Ich kann doch die Grenzwerte nicht einfach am grünen Tisch ändern, weil es so am bequemsten ist.“ Nicht einmal Abkochen würde helfen, da es sich bei dem Fungizid (Pilzabtötungsmittel) im Wasser ja nicht um Keime handele. Seinen Patienten empfiehlt Struben, möglichst Mineralwasser zu verwenden.
Dr. Andreas Thiel-Böhm, Geschäftsführer der Technischen Werke Schussental (TWS), sieht hingegen keine Gefahr. Das von den TWS an vielen Brunnen im Osten von Ravensburg und Weingarten geförderte Trinkwasser sei so rein, dass überhaupt kein chemisches Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung verwendet werden müsse. Weder Ozon noch sonst etwas. Mikrobiologische Keime würden allein durch UV-Licht abgetötet. Zu einer Oxidation komme es dabei nicht, folglich könne sich auch nicht das gefährliche NDMA bilden.

UV-Licht reicht aus
„Wenn Trinkwasser ohnehin schon klar ist und keinen weiten Weg zum Verbraucher zurücklegen muss, reicht die UV-Licht-Bestrahlung“, erklärt Thiel-Böhm. Anders sehe das zum Beispiel am Bodensee aus, dessen Wasser bis in den Stuttgarter Raum gepumpt wird, bevor es jemand trinkt. Das Wasser aus den Brunnen der Region sei jedoch so gut, dass es kaum noch aufbereitet werden müsse.
Kann man die Qualität des Wassers in Ravensburg trotzdem noch steigern, um jegliches Restrisiko auszuschließen? Theoretisch schon, meint Thiel-Böhm. Wollte man die seiner Ansicht nach ungefährlichen Rückstände des Pflanzenschutzmittels herausholen, müsste man jedoch enorm kostspielige Anlagen bauen. Etwa Aktivkohlefilter. Das würde aber dann das Trinkwasser mindestens um 25 bis 50 Prozent verteuern. „Wir sprechen hier von 50 Cent pro Kubikmeter.“
Seine Sicht der Dinge teilt man beim Ravensburger Landratsamt, das als Gesundheitsbehörde die Ausnahme-Erlaubnis für die Abgabe des belasteten Wassers gegeben hat. Dort habe man sich wiederum beim Bundesamt für Risikoabschätzung rückversichert. Franz Hirth, Pressesprecher des Landratsamtes: „Wir wissen nur, dass die Belastung dort, wo Obst angebaut wurde – von der Erdbeere bis zum Apfel – höher ist. Ansonsten wissen wir noch relativ wenig über den Stoff.“ Es sei zum Beispiel noch unklar, ob die Werte sinken oder steigen würden. „In ein, zwei Jahren wissen wir mehr. Jetzt haben wir keine neuen Erkenntnisse.“

Daten & Fakten
Das Pflanzenschutzmittel „Euparen“ der Firma Bayer wurde 20 Jahre lang eingesetzt. Anwendung fand es besonders im Obst- und Weinanbau gegen Pilzbefall. Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Firma bei einer Eigenuntersuchung von „Euparen“ erstmals das Entstehen des Abbauproduktes Dimethylsulfamid festgestellt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz mitgeteilt. Seit Februar ist die Verwendung von „Euparen“ durch das Amt untersagt. Der Stoff Dimethylsulfamid soll gesundheitlich unbedenklich sein. Wenn allerdings Trinkwasser mit Ozon aufbereitet wird, entstehen krebserregende Nitrosamine, Nitroso-Dimethylamin (NDMA).
Annette Vincenz

Trasylol

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse Information vom 5. November 2007

BAYER nimmt TRASYLOL vom Markt

Risiko von Todesfällen erhöht / Gefahren seit langem bekannt / „aus Lipobay-Skandal nichts gelernt“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dem bei Herzoperationen eingesetzten Medikament TRASYLOL heute die Zulassung entzogen. Der Hersteller von TRASYLOL, der Leverkusener BAYER-Konzern, hat das Präparat daraufhin weltweit „vorläufig“ vom Markt genommen.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „BAYER hat nichts aus dem LIPOBAY-Skandal gelernt. Obwohl die Gefährlichkeit von TRASYLOL bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde, hielt der Konzern bis zum bitteren Ende an dem Medikament fest - noch Mitte September behauptete BAYER, TRASYLOL sei „sicher und wirksam“. Wie im Fall von LIPOBAY oder der HIV-verseuchten Blutpräparate geht der Konzern für Profite buchstäblich über Leichen.“ Die CBG fordert verbindliche Kontrollen aller bereits zugelassener Pharmazeutika, Industrie-unabhängige Studien bei Neuzulassungen und strafrechtliche Konsequenzen für verantwortliche Manager. Gesundheitsbehörden müssen nach Ansicht der CBG materiell und gesetzgeberisch gestärkt werden, um Nebenwirkungen von Medikamenten systematisch erfassen und risikoreiche Mittel vom Markt nehmen zu können.

Schon Anfang 2006 hatte eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie nachgewiesen, dass TRASYLOL überdurchschnittlich oft gravierende Nebenwirkungen wie Nierenschäden, Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht – häufig mit Todesfolge. Allein 10.000 Patienten könnte nach Aussage der Untersuchung pro Jahr eine Schädigung der Nieren erspart bleiben. Recherchen des WDR Fernsehens wiesen vor wenigen Wochen zudem nach, dass BAYER bereits zu Beginn der 80er Jahren eigene Studien durchgeführt hatte, die ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden ergaben. Die Studien verschwanden jedoch in der Schublade des Unternehmens.

Der Konzern suchte über Jahrzehnte fieberhaft nach neuen Indikationen für TRASYLOL. Der Pharmakologe Prof. Peter Schönhöfer zur Geschichte des Präparats: „Dieses Produkt war immer ein Arzneimittel auf der Suche nach einem Anwendungsgebiet. Und es wurde viel versucht - sinnloses wie sinnvolles, ohne dass etwas herauskam. Und dann hatte man eben mit den Blutungen bei der Bypass-Operation Glück und fand was.“

Im vergangenen Herbst war herausgekommen, dass BAYER der US-Medikamentenaufsicht FDA negative Studienergebnisse zu TRASYLOL bewusst vorenthalten hatte. Am 21. September hatte die FDA eigens ein Komitee einberufen, in dem die Risiken des Medikaments diskutiert werden sollten, hieran waren auch Vertreter von BAYER beteiligt. Obwohl der Konzern zu diesem Zeitpunkt eine Studie mit 67.000 Behandlungsfällen durchführen ließ, von der bereits Ergebnisse vorlagen, wurden die Mitglieder des FDA-Komitees hierüber nicht informiert. Erst durch den Hinweis eines der Autoren wurde die Behörde im Nachhinein auf die Untersuchung aufmerksam. BAYER verniedlichte den Vorgang im Nachhinein als „Fehlverhalten von zwei Mitarbeitern“.

Mitte der 60er Jahre testete BAYER dem Buch „Gesunde Geschäfte“ zufolge das damals nur zur Behandlung von Entzündungen der Bauchspeicheldrüse zugelassene Mittel als Therapeutikum für Schockzustände nach Unfällen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich unter TRASYLOL die Sterberate signifikant erhöhte. Der Pillenriese blies die Untersuchungen daraufhin jedoch nicht ab, sondern manipulierte die Zahlen. Indem nur Todesfälle innerhalb von 3 Wochen nach Gabe von TRASYLOL gewertet wurden, wurde ein Großteil der Pharma-Opfer statistisch wieder zum Leben erweckt.

Das Skript des WDR-Films senden wir gerne zu. Weitere Informationen unter:
BAYERs neuer Pharma-GAU
Trasylol: BAYER verheimlicht Negativ-Ergebnisse
BAYER täuscht US-Gesundheitsbehörde
Bayer verzichtet auf breitere Anwendung Trasylols

[Demo] CO-Pipeline

CBG Redaktion

„HEUTE WIR - MORGEN IHR“

Am Samstag, den 3. November 2007 startete in Düsseldorf vor dem DGB-Haus, in der Friedrich-Ebert-Straße um 11.30 Uhr eine friedliche und beeindruckende Demonstration gegen die Kohlenmonoxid-Leitung der Firma Bayer.

Angeführt wurde die Menge von einem Traktor-Gespann eines Bauern aus Monheim, der mit Anti - Pipeline - Slogans bestückt war. Zur Demonstration aufgerufen hatte die Initiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“, der sich mittlerweile alle Trassenstädte angeschlossen haben, unter dem Motto „HEUTE WIR - MORGEN IHR!“ Und so forderten die Demonstranten bei ihrem Weg über die Oststrasse, Graf-Adolf-Straße und Königsallee zum Marktplatz (Rathausvorplatz) die Passanten auf: „Liebe Leute schließt Euch an, denn sonst seid Ihr morgen dran!“
Auf diese Weise wuchs der Protestzug auf etwa 4.500 Teilnehmer an. Sie wurden auf dem Marktplatz musikalisch empfangen, wo bereits ein CO-Protestlied des Hildener Liedermachers Jörg Owsianowski gespielt wurde. Es war ein beeindruckendes Bild, als sich der Platz vor dem Düsseldorfer Rathaus zunehmend mit friedlichen Demonstranten füllte, von denen viele schwarze Luftballons in der Hand hielten.
Die Abschlusskundgebung startete mit einem Beitrag der Initiative, der von Marlis Elsen, Ulrike Schrooten, Karl Brinkmann und Rolf Portier vorgetragen wurde. Sie schilderten zunächst mit drastischen Worten die möglichen Folgen des Vollbruchs der Leitung. Dann folgten die Forderungen der Initiative an die Bezirksregierung und die Landesregierung. Beide sollen endlich die politische Verantwortung für ihre Fehler übernehmen. Herr Büssow wird aufgefordert, den Planfeststellungsbeschluss aufzuheben. Herr Rüttgers soll sein Schweigen brechen und das umstrittene Enteignungsgesetz zurücknehmen. Die von uns gewählten und bezahlten Landtagsabgeordneten haben die Pflicht, ohne Fraktionszwang und in persönlicher Verantwortung für die Aufhebung des Enteignungsgesetzes zu stimmen sowie die Überzeugungsarbeit bei ihren Landtagskollegen zu leisten, dieses ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus fordert die Initiative die Regierung auf, ein neues Gesetz zu schaffen, das in Zukunft definitiv den Transport von Kohlenmonoxid durch eine Pipeline ausschließt. Sie fordert, dass gesetzlich festgelegt wird, dass CO grundsätzlich an ein und demselben Ort produziert und verbraucht werden muss. Die vier Sprecher forderten zum Abschluss zum weiteren gemeinsamen Kampf auf: „Heute für uns und morgen für Sie!“
Den Kollegen im Landtag redete Johannes Remmel von Bündnis90/Die Grünen ins Gewissen, jetzt den im Jahr 2006 gemachten Fehler des „Lex Bayer“ wieder zu korrigieren und einem Aufhebungsgesetz zuzustimmen.
Als Landrat für den Kreis Mettmann bezog Thomas Hendele noch einmal eindeutig Position gegen die Pipeline und machte deutlich, dass der Zusammenhalt der Initiative mit der lokalen Politik weiter wächst und der Protest immer größer wird.
Danach bekam er von dem Unterschriftenverwalter der Initiative Horst Ferber die nächsten Ordner der mittlerweile 70.061 Unterschriften zur Übergabe an den Regierungspräsidenten Herrn Büssow überreicht.
Immer wieder wurden die Beiträge durch Beifall für die Forderungen der Redner und Unmutsbekundungen mit Trillerpfeifen, Sirenen und Buhrufen gegen Rüttgers, Büssow, die Mehrheit der Landtagsabgeordneten und auch Bayer begleitet. Ob sich das die im Publikum vor der Bühne befindlichen Landtagsabgeordneten endlich zu Herzen nehmen, bleibt abzuwarten.
Auf der Bühne nahmen Bürgermeister oder ihre Vertreter der Trassenstädte an der Kundgebung teil.
Die Übergänge wurden mit Pipeline-bezogenen Musikbeiträgen von dem Kabarettist und Liedermacher Okko Herlyn hergestellt.
Während zum Abschluss das Anti-Pipeline-Lied ertönte, ließen viele Kinder als ein starkes Zeichen des Protestes die schwarzen Luftballons steigen.
Wolfgang Cüppers beendete als Verantwortlicher diese friedliche und gelungene Demonstration mit dem Dank an alle Helfer und Teilnehmer.

04.11.2007, KStA (dpa)

Lautstarke Gegner der Bayer-Pipeline

Düsseldorf. Gegen die umstrittene Kohlenmonoxid-Pipeline des Bayer-Konzerns haben in Düsseldorf mehrere tausend Menschen demonstriert. Laut Bürgerinitiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“ beteiligten sich 4500 Teilnehmer an dem Protestzug.
Die Polizei zählte dagegen 2500 Menschen, die am Samstag durch die Innenstadt der Landeshauptstadt vor das Rathaus zogen. Redner verlangten einen sofortigen Baustopp der 67 Kilometer langen Trasse. Die Pipeline soll die linksrheinischen Bayer-Werke in Dormagen und Krefeld-Uerdingen verbinden. Die Trasse verläuft aber überwiegend rechtsrheinisch, muss dafür zwei Mal den Rhein unterqueren und ist 30 Kilometer länger als bei einem linksrheinischen Verlauf.
Die Gegner der Kohlenmonoxid-Pipeline kritisieren die Trassenführung durch dicht besiedelte Gebiete. Die Sicherheit sei unzureichend und das vom Landtag eigens erlassene Spezialenteignungsgesetz verfassungswidrig. Laut Bürgerinitiative haben bislang 65 000 Menschen mit ihrer Unterschrift gegen das Projekt protestiert. Kohlenmonoxid ist ein gefährliches Atemgift. Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist farblos. Für Bayer ist Kohlenmonoxid ein wichtiger Grundbestandteil für die Kunststoff-Produktion. (dpa)

Express

Pipeline-Gegner protestierten vorm Rathaus

Groß-Demo am Samstag gegen den Bau der umstrittenen Kohlenmonoxid-Pipeline in Düsseldorf. Rund 3000 Teilnehmer zogen mit Pfeifen, Plakaten und begleitet von Samba-Rhythmen vom DGB-Haus über Oststraße und Königsallee zum Marktplatz vor dem Rathaus.
Dort wurde dem CDU-Landrat Thomas Hendele eine Liste mit 70.000 Protestunterschriften überreicht.
Unter den Teilnehmern sollen nach Veranstalterangaben auch mehrere Landes- und Kommunalpolitiker gewesen sein.
Regierungspräsident Jürgen Büssow war auch dabei: auf einem großen Plakat. Unter seinem Konterfei das Zitat: „Es ist natürlich gefährlich, wenn das Gas ausströmt, und Sie stehen daneben. Dann fallen sie natürlich um und sind auch tot.“
Wolfgang Cüppers, Sprecher der Interessengemeinschaft Erkrath: „Kohlenmonoxid ist ein geruchloses, hochgefährliches Atemgift. Wir erwarten, dass sich die Landespolitiker endlich stärker des Themas annehmen und sich gegen den Bau dieser gefährlichen Trasse einsetzen.“
Mit der derzeit im Bau befindlichen Pipeline will Bayer die Firmenstandorte in Dormagen und Krefeld verbinden. An beiden Standorten wird Kohlenmonoxid für die Kunststoffproduktion benötigt. Die Pipeline soll auch über Privatgrundstücke im Kreis Mettmann verlaufen. Dagegen laufen Anwohner seit Monaten Sturm.
Dieter Donner, Koordinator der Bürgerinitiativen: „Mit dieser Giftgas-Leitung versuchen Bayer, Landespolitiker und Regierung, ein Pilotprojekt durchzudrücken. Gelingt das, soll es über Köln und Oberhausen hinaus erweitert werden.“

RP 05.11.2007

Demo contra CO-Pipeline

VON DÉSIRÉE LINDE
Mehrere tausend Menschen gingen am Samstag gegen den Bau der Leitungen der Bayer AG von Dormagen und Krefeld auf die Straße. Dabei wurde auch die Marke von 70 000 Unterschriften geknackt.

Sie reckten Holzkreuze mit dem eigenen Namen in die Höhe, trugen Schilder mit Totenköpfen und steckten in weißen Schutzanzügen oder gar Skelett-Kostümen. „No, no, no, Pipeline geht k.o.“, skandierten sie auf ihrem Weg durch die Düsseldorfer Innenstadt. 2500 Menschen demonstrierten nach Polizeiangaben - nach Zählung der Veranstalter mehr als 3500 - am Samstag gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG.
Der Chemiekonzern baut die Trasse derzeit zwischen seinen Standorten Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Die Menschen fürchten um die Sicherheit, wenn dann das farb- und geruchlose Monoxid aus einem Leck austreten sollte. Der Stoff wirkt in Verbindung mit Sauerstoff hoch explosiv. Charlotte Jaques (10) hielt entschlossen ihr Schild umklammert. „CO-Pipeline-Opfer“ stand da geschrieben, darunter war eine Gasmaske abgebildet. So sahen auch die T-Shirts der vierköpfigen Familie Jaques aus. Auf der Rückseite prangte der Schriftzug „10 m“. „So weit von unserem Garten weg wird die Pipeline gebaut“, sagte Mutter Gudrun Jaques. Die „Familien-T-Shirts“ hatte sie extra für die Demo entworfen. Gemeinsam mit einigen Nachbarn waren die Jaques von Duisburg-Ungelsheim in die Landeshauptstadt gekommen.

Eineinhalb Stunden Fußmarsch
Kurz nach elf Uhr ging's los: Friedrich-Ebert-Straße, Oststraße, Königsallee, Rathausvorplatz. Trommeln wurden im Takt der Schritte der Massen in den knapp eineinhalb Stunden Fußmarsch geschlagen, immer wieder brandeten Pfeifkonzerte aus unzähligen Trillerpfeifen und Sprechgesänge auf.
„Wir wollen vor allem Aufmerksamkeit“, sagte Demonstration-Organisator Wolfgang Cüppers von der Interessengemeinschaft Erkrath (IG Erkrath). Wie die IG haben sich entlang der 67 Kilometer langen Strecke, die die CO-Pipeline lang werden soll, zahlreiche Bürgerinitiativen gebildet. Bislang haben sie 70 061 Unterschriften gegen den Bau gesammelt.
Die Demonstration in der Landeshauptstadt war die bislang größte. Mit dabei waren auch Regierungspräsident Jürgen Büssow und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers - wenn auch nur auf anklagenden Plakaten der Demonstranten. „Schämt Euch!“ stand etwa unter den Namen auf dem Schild von Günter und Marion Breidbach aus Hilden. Auf dem Podium bei der Abschlusskundgebung hingegen fanden sich naturgemäß nur Gegner der Pipeline. Der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Remmel etwa oder der Mettmanner CDU-Landrat Thomas Hendele.
Bayer selbst verweist darauf, dass die Leitungen sicher seien. „Wir wollen ja mit Bayer reden, dass vielleicht andere Lösungen gefunden werden können“, sagte Demonstrantin Ingrid Veit aus Hilden. Der Fortgang des Streits liegt nun erst einmal bei den Gerichten. Einige Privatpersonen haben gegen den Bau der Pipeline geklagt.

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[Brasilien] Gentechnik Freilandversuche

CBG Redaktion

28. Oktober 2007, taz

Eskalation in Südbrasilien

Blutiger Streit um genmanipuliertes Saatgut

Der Konflikt um das Gentech-Areal des Schweizer Agrarmultis Syngenta in Brasilien fordert zwei Tote - darunter ein Aktivist, der gegen das genmanipulierte Saatgut kämpfte. VON GERHARD DILGER

„Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren hervorragenden Produkten weltweit zu einer besseren Ernährung beitragen können“. Diese „Vision“, mit der die Schweizer Saatgutfirma Syngenta auf ihrer Website wirbt, erscheint den Mitgliedern der brasilianischen Landlosenbewegung MST zynischer denn je. Denn ihr langjähriger Aktivist Valmir Mota de Oliveira (34) hat seinen Einsatz gegen den Gentechmulti mit dem Leben bezahlt.

Am Sonntag vor einer Woche hatte die MST zum dritten Mal in 19 Monaten das 127 Hektar große Syngenta-Versuchsgut besetzt, das im südbrasilianischen Santa Tereza do Oeste liegt, unweit der berühmten Iguaçu-Wasserfälle. Stunden später stürmten rund 25 bewaffnete Wachleute das frisch errichtete MST-Zeltlager, erschossen Mota und verwundeten weitere fünf Aktivisten. Auch ein Wachmann wurde getötet. Die Ermittlungen über den genauen Tathergang laufen noch. Sieben Angehörige der von Syngenta verpflichteten Sicherheitsfirma sitzen in Untersuchungshaft, der Chef ist wegen Mordes angeklagt. Auf einer ökumenischen Gedenkfeier forderten die Landlosenaktivisten am Samstag, Syngenta solle Brasilien verlassen.

Danach sieht es gar nicht aus: Erst im September hatte der Multi die Zulassung seines Genmaises Bt11 feiern können. Topmanager Michael Mack kündigte „viele weitere Syngenta-Lösungen für die brasilianischen Pruduzenten“ an. Den Genmais ICP4 soll die zuständige „Nationale Technische Kommission für Biosicherheit“ als nächstes freigeben. Vor 10 Tagen wurde jedoch die Zulassung für Bt11 von einem Bundesgericht wieder ausgesetzt, ebenso wie die früheren Genehmigungen des Bayer-Maises „Liberty Link“ und der Monsanto-Sorte MON810, denen Präsident Lula da Silva bereits im März den Weg geebnet hatte.

Gegen Syngenta, Bayer und Monsanto richtet sich die „Kampagne für eine gentechfreies Brasilien“ vor allem, die von einem breiten NGO-Bündnis von Umweltgruppen, Verbraucherverbänden bis hin zu Kleinbauernorganisationen vorangetrieben wird. „Diese Firmen kümmern sich weder um die nationale Umweltgesetzgebung mit dem Vorsorgeprinzip noch um mögliche Schäden für die Gesundheit oder die Umwelt“, sagt der Aktivist Gabriel Fernandes. „Außerdem beeinträchtigen sie die nachhaltige Landwirtschaft, indem sie den Kleinbauern die Autonomie entziehen, ganz zu schweigen von der Kontaminierung nicht-transgener Kulturen“.

Im brasilianischen Repräsentantenhaus bereitet die Lobby der Großagrarier Gesetze voran, durch die die Rechte von Kleinbauern und Indigenen auf ihr Saatgut zugunsten der Gentechriesen ausgehöhlt werden sollen. Von 513 Abgeordneten werden 116 der Agrolobby zugerechnet, 68 davon gehören zum Regierungslager.

Auch die Gentechgegner haben noch einigen Rückhalt in Lulas Arbeiterpartei. Ihr wichtigster Verbündeter ist jedoch der linksnationalistische Gouverneur Roberto Requião aus dem Bundesstaat Paraná, wo der Konflikt um das Syngenta-Areal seit März 2006 eskaliert. Vor einem Jahr enteignete Requião das von der MST besetzte Versuchsgut, auf dem Syngenta mit Gensoja und Genmais angebaut hatte ? stattdessen sollte dort ein Forschungszentrum für einheimisches Saatgut entstehen. Doch im Juli gab ein Gericht dem Einspruch des Multis statt. Die Landlosen schlugen ihre Zelte in den Nachbarschaft auf.

„Syngenta hat sich mit den reaktionären Großbauern zusammengetan“, sagt MST-Koordinator João Pedro Stedile. Die wiederum hätten die Wachleute dazu gedrängt, vier MST-Anführer umzubringen. Mitverantwortlich sei aber auch die Regierung Lula, die die Landreform als „Randproblem“ betrachte, meint Stedile: „Das haben die Konservativen ausgenutzt. Hätten wir eine Agrarreform, wäre es nicht zur Konfrontation gekommen“.

[Prognos] Mediation

CBG Redaktion

27. Oktober 2007, BI Saubere Luft

Ohne Wortprotokoll keine Gesprächsrunde

Bürgerinitiative steigt aus der Foren-Reihe von Prognos aus

Am Freitagabend traf sich die Bürgerinitiative Saubere Luft erneut im Gemeindehaus „Auf dem Wege“ in Bergheim. Auf der Tagesordnung stand die Information über die Klage gegen den Vorsitzenden Herbert Mommertz. Die Stadt Krefeld beschuldigt ihn des wilden Plakatierens und hatte seinen Widerspruch abgewiesen. Nun trifft man sich vor Gericht.
Der zweite Tagesordnungspunkt nahm die restliche Zeit des Abends in Anspruch. Die Diskussion war kontrovers und teilweise emotional. Die Befürworter des Forums argumentierten, man könne in den Foren wichtige neue Informationen erhalten und damit seine Position besser darstellen. Die Gegner hielten dagegen, dass Prognos einen Konsens anstrebe, den es aus Sicht der Bürgerinitiative mit einem Kohlekraftwerk nicht geben kann.
Am Ende beschloss eine deutliche Mehrheit den Ausstieg aus der Foren-Reihe. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Ablehnung des beantragten Wortprotokolls durch die Moderatorin Prognos und einige anwesende Politiker. Nur wenn ein solches Protokoll erstellt werde, aus dem klar hervorginge wie argumentiert wurde, wollte die Bürgerinitiative (BI) Saubere Luft ihren Vertreter weiterhin zu den Gesprächsrunden entsenden.

Herbert Mommertz, Vorsitzender der BI meint dazu:
„Wer weiß schon nach ein paar Wochen, was er bei einem Forum gesagt hat. Das Wortprotokoll war uns deshalb so wichtig, damit wir jederzeit hätten beweisen können, dass wir von unserer Haltung gegen das Kohlekraftwerk nicht abgewichen sind. Denn die Öffentlichkeit ist beim Forum ja ausgeschlossen. Deshalb gilt die Devise: Ohne Wortprotokoll keine Teilnahme am Forum.“
Die Bürgerinitiative will aber auf den Dialog nicht verzichten und wird nun ihrerseits den Kontakt zu den Mandatsträgern suchen, um auf direktem Wege ihre Position deutlich zu machen.

[Antwerpen] Proteste Antwerpen

CBG Redaktion

Presse Information vom 18. Oktober 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Arbeiter blockieren BAYER-Werk in Antwerpen

Drohende Entlassungen und Ausgliederungen / erste Zugeständnisse der Werksleitung

Rund 500 protestierende Arbeiter haben gestern die Chemie-Werke der Firmen BAYER und LANXESS in Antwerpen blockiert. Lastwagen wurden nicht abgefertigt. Leiharbeitern und Fremdfirmen wurde der Zugang in die Fabrik verweigert.

BAYER und LANXESS hatten Ende September angekündigt, mehr als 300 Arbeitsplätze in Antwerpen auszugliedern oder zu vernichten. BAYER will sich dabei von einem Fünftel seiner Mitarbeiter trennen. Hierdurch wären sogar sicherheitsrelevante Bereiche betroffen: ein Löschzug der Feuerwehr soll komplett abgeschafft werden, zwei weitere Löschzüge sollen mit weniger Mitarbeitern auskommen. Zudem will der Konzern die 24-stündige medizinische Notfallbetreuung im Werk schließen.

Die Firmen möchten zudem die gültigen Abmachungen mit der Belegschaft („Service Level Agreements“) aufkündigen. Außerdem wollen BAYER und LANXESS den gemeinsamen Betriebsrat im Antwerpener Werk abschaffen – im Gegensatz zu den deutschen Standorten war in Antwerpen auch nach der Ausgliederung von LANXESS der gemeinsame Betriebsrat bestehen geblieben.

Die Belegschaften wehren sich seit den Ankündigungen mit regelmäßigen Demonstrationen und Aktionstagen. Der Betriebsrat pocht auf Einhaltung der bestehenden Abmachungen und protestiert besonders gegen Einschnitte in sicherheitsrelevanten Abteilungen. Vertreter von BAYER und LANXESS kündigten nach den gestrigen Protesten an, ein neues Konzept für Werksfeuerwehr und medizinische Dienste vorzulegen.

Levi Sollie, Vertrauensmann der belgischen Gewerkschaft Algemeen Belgisch Vakverbond (ABVV) im Antwerpener Werk: „Die Fabrik in Antwerpen ist hochproduktiv. Die von BAYER und LANXESS geplanten Entlassungen und Ausgliederungen sind durch nichts zu rechtfertigen. Wir fordern eine Einhaltung der gültigen betrieblichen Vereinbarungen“. BAYER hatte ebenfalls im September angekündigt, in Antwerpen ein neues Werk für Polymerpolyole zu bauen.

Artikel der „Rheinischen Post“

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[BUND] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

17.10.2007, BUND NRW

Landtagsanhörung zur BAYER-Giftgas-Pipeline

BUND fordert Baustopp und Aufhebung des Enteignungsgesetzes

Anlässlich der heutigen Landtagsanhörung zur umstrittenen BAYER-Kohlenmonoxid-Pipeline fordert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen sofortigen Baustopp. Anstatt eine ganze Region den Gefahren und Risiken einer solchen Giftgas-Leitung auszuliefern, seien die Betreiber in der Pflicht, die existierenden alternativen Produktionsmethoden zu nutzen. Vom Landtag fordert der BUND die Aufhebung des dem Pipelinebau zugrunde liegenden Enteignungsgesetzes. Mit dem BUND treten mittlerweile mehr als 64.000 Bürgerinnen und Bürger für eine Aufhebung des Sofortvollzugs des Pipelinebaus ein. Zahlreiche Betroffene waren vor den Landtag gezogen, um gegen die umstrittene Fernleitung zu protestieren.

Paul Kröfges, BUND-Landesvorsitzender: „Das dem Bau der Giftgasleitung zugrunde liegende Enteignungsgesetz ist verfassungswidrig. Trotz ungelöster Sicherheitsfragen wird eine ganze Region tödlichen Risiken ausgesetzt. Die Pipeline dient nicht dem Allgemeinwohl, sondern allein den betriebswirtschaftlichen Interessen der BAYER AG.“

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Atemgift, das zudem hoch entzündlich ist. Daneben wirkt es korrosiv und stellt damit ein Risiko für die Dichtigkeit der Pipeline dar. Selbst rostfreier Stahl wird unter bestimmten Bedingungen von CO angegriffen. Allerdings seien vorliegende praktische und wissenschaftliche Erfahrungen zu den Pipeline-Risiken im Genehmigungsverfahren unberücksichtigt geblieben.

Durch Bau und Betrieb der Kohlenmonoxid-Rohrfernleitung zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen seien allein im Kreis Mettmann 143.000 Menschen potenziell gefährdet. Dass die Pipeline bereits im Bau ist, obwohl noch Klagen gegen die Genehmigung und gegen Enteignungen anhängig sind, hält der BUND-Chef Kröfges für „einen ausgemachten Skandal“.

Auf der Landtagsanhörung präsentierte der BUND auch mögliche Alternativen. Diplom-Chemiker und BUND-Experte Dr. Wolfgang Roth: „Als Alternative zu der Giftgas-Pipeline durch Wohngebiete regen wir alternative Produktionsmethoden der so genannten „green chemistry“ an. Durch fortschrittliche Syntheseverfahren kann nicht nur das giftige Zwischenprodukt CO sondern auch das Giftgas Phosgen vermieden werden. Diese Alternative macht nicht nur die Pipeline überflüssig, sondern würde auch die Sicherheit in den Werken verbessern.“

Die Einführung dieser Verfahren wäre ein echter Wettbewerbsvorteil für die BAYER AG und würde die Innovationskraft am Standort Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll unterstreichen.

Burma

CBG Redaktion

16. Oktober 2007

Burma Initiative Asienhaus
Coordination gegen BAYER-Gefahren
Burma Büro Germany e.V.
Burma Aktion

Offener Brief an Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender von BAYER:

Engagement in Burma beenden!

Sehr geehrter Herr Wenning,

mit großer Besorgnis verfolgen wir die gegenwärtigen Proteste und deren Niederschlagung in Burma. Hunderte der friedlich demonstrierenden Mönche und Zivilisten sind inhaftiert und verschleppt worden, von vielen ist der Aufenthalt unbekannt. Ihnen droht Folter oder sogar die heimliche Hinrichtung.

Die jüngsten Ereignisse sind trauriger Höhepunkt der Machenschaften eines Regimes, das seit Jahrzehnten für Zwangsarbeit und die Missachtung grundlegender Menschenrechte bekannt ist.

Umso bestürzter sind wir zu erfahren, dass BAYER zu den wenigen multinationalen Unternehmen gehört, die noch immer Geschäfte in Burma tätigen.

BAYER unterhält eine Niederlassung in Rangun und plant in Burma Versuche mit Hybrid-Reis. BAYER-Manager Harald Printz wird in der von Exil-Burmesen herausgegebenen Zeitung „The Irrawaddy“ wie folgt zitiert: „Ich weiß nicht, wann der Staat sich öffnen wird. Aber wir sind darauf vorbereitet. Wenn es 20 Jahre dauert, dauert es eben 20 Jahre. Wir haben eine längerfristige Perspektive. Wir glauben, wenn wir Jahr für Jahr weitermachen, haben wir später eine gute Marktposition“.

Wirtschaftliche Aktivitäten in Burma sind nicht ohne ein Kooperation mit dem Militärregime möglich. Zum einen wird hierdurch die Militärjunta legitimiert. Zum anderen werden dem Regime durch Geschäfte mit ausländischen Unternehmen Mittel bereitgestellt, die zum Kauf von Waffen verwendet werden, die auch gegen die eigenen Bevölkerung eingesetzt werden.

Wer mit dem Militärregime zusammenarbeitet, macht sich mitverantwortlich für die Gewalt gegen Burmas Bevölkerung. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat ihre Mitglieder wiederholt aufgefordert, ihre Wirtschaftsaktivitäten in Burma zu überdenken.

Wir fordern Sie daher dringend auf, sich aus Burma vollständig zurückzuziehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass BAYER in der Vergangenheit eine Vielzahl von Geschäften mit repressiven Regimen tätigte – angefangen bei der engen Verquickung mit dem Dritten Reich bis hin zu Geschäften von BAYER mit dem südafrikanischen Apartheidsregime oder Militärdiktaturen in Südamerika – ist eine Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens in Burma nicht zu rechtfertigen.
Darüber hinaus kritisieren wir die von BAYER geplante Vermarktung von Hybrid-Reis in Burma. Hybrid-Reis ist weitgehend steril und nicht zur Wiederaussaat geeignet. Der Einsatz hybrider Sorten geht mit einem erhöhtem Einsatz von Pestiziden einher und gefährdet daher die Artenvielfalt sowie die Umwelt. Landwirten, die Hybrid-Reis verwenden, droht wegen der erhöhten Kosten für Saatgut und Agrochemikalien im Falle einer Missernte die Überschuldung. In Indien begingen Tausende Landwirte, die wegen des Einsatzes hybrider Sorten in die Schuldenfall gerieten, Suizid.

In Erwartung Ihrer Antwort,

Ulrike Bey
Burma-Initiative Asienhaus

Philipp Mimkes,
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Sonny Aung Than Oo
Burma Büro Germany e.V.

Elena Jotow und Nicholas Ganz
Burma Aktion

Für Rückfragen:
Burma-Initiative Asienhaus, Bullmannaue 11, D- 45327 Essen www.asienhaus.de
Tel. 0201-8303825, Email: ulrike.bey(at)asienhaus.de

Coordination gegen BAYER-Gefahren, Postfach 1504 18, 40081 Düsseldorf
www.CBGnetwork.de

Burma Aktion, www.burmaaktion.de, kontakt@burmaaktion.de