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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

[Lev Anzeiger] Carl Duisberg

CBG Redaktion

5. März 2015; Leverkusener Anzeiger

Erster Weltkrieg

Ungehorsame Arbeiter in den Tod geschickt

Der Leverkusener Unternehmer Carl Duisberg handelte im ersten Weltkrieg sehr umstritten. Zunächst Gegner, wurde Duisberg bald zur prägenden Figur bei der Kriegsproduktion. Seine Firma regierte er nicht selten mit harter Hand. Von Frank Weiffen

Schon die Ankündigung des Vortrages machte die ewige Brisanz des Themas deutlich: Carl Duisberg (1863-1935), der frühere Generaldirektor der Farbenfabrik Elberfeld als Vorläufer der heutigen Bayer AG, sei Zeit seines Lebens eine „schillernde Leverkusener Persönlichkeit“ gewesen. Weitreichenden Einfluss habe er gehabt auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Deutschen Reich. Und allein diese drei Wörter – „Persönlichkeit“, „Einfluss“, „Politik“ – lassen in Verbindung mit der Zeit, in der Duisberg aktiv war, erahnen, dass der gebürtige Wuppertaler, der stets liebevoll von seiner „Tochter Leverkusen“ sprach, auch während des Ersten Weltkrieges seine Spuren hinterlassen haben muss. Die Historikerin Kordula Kühlem deckte diese Spuren jetzt im Forum mit ihrem Vortrag „Carl Duisberg, Bayer und der Erste Weltkrieg“ auf.

Beweise für verwerfliche Taten
Kühlem ist Expertin auf dem Gebiet: Sie gab vor drei Jahren die bereits heute als Referenzwerk zur Duisberg- und Bayer-Geschichte geltende Sammlung „Carl Duisberg – Briefe eines Industriellen“ heraus: Ein fast 800 Seiten dickes Kompendium von Dokumenten der Korrespondenz zwischen Geschäftspartnern, Politikern, Freuden auf der einen und dem Großindustriellen auf der anderen Seite. Duisberg legte einst den Grundstein für das Bayerwerk und den heutigen Chempark. Außerdem sorgte er dafür, dass die Ansammlung von Orten, die 1930 zu Leverkusen wurden, rasch einen internationalen Ruf erlangte.
Der Aufhänger für Kühlems Vortrag war zum einen eine aktuelle Ausstellung zum Thema im Opladener Geschichtsvereins. Zum anderen die immer wieder aufkeimenden Diskussionen um nach Duisberg benannte Straßen (Leverkusen) und Häuser (Marburg), die seit Jahrzehnten von Personen angefacht werden, die Duisberg verwerfliche Taten während des Ersten Weltkriegs vorwerfen. Und Kühlem führte deren Argumente mitnichten ad absurdum, sondern legte dar, dass sie – über die unzweifelhaften und bis heute gültigen Verdienste Duisbergs für eine ganze Region hinaus – ihre Berechtigung haben.
Nach ihren Recherchen zu urteilen sprach sich Duisberg zwar anfangs gegen den Krieg aus, den er von den Gegnern des Deutschen Reiches aus „purem Neid“ heraus losgetreten sah. Er arrangierte sich aber im Laufe der Zeit auch mit der Situation und wurde eine prägende Figur bei der Kriegsproduktion. In seinem Werk wurden unter anderem Sprengstoff und synthetisches Gummi für Kriegsmaschinen hergestellt. Duisberg erhielt Einlass in die wichtigen Zirkel der Kriegspolitik. Und er beteiligte sich als ein Vorreiter an der Entwicklung, Herstellung und Erprobung von chemischen Kampfmitteln.
Diese sah er als Zukunft der Kriegsführung gegenüber dem veralteten Gebrauch von Schusswaffen an. Zudem regierte Duisberg in seiner Firma nicht selten mit harter Hand: Er untersagte Demonstrationen und schickte nach Angaben Kühlems unbeugsame und ungehorsame Arbeiter in den sicheren Tod, indem er ihren Einzug zum an der Front kämpfenden Heer forcierte.

Kriegslazarett im Werk
Gleichzeitig aber war Duisbergs Selbstverständnis als Unternehmer auch geprägt von den sozialen Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber. So wurden unter seiner Führung die Lebensbedingungen der Arbeiter in seiner Firma stark verbessert. Während des Krieges bestand Duisberg zudem darauf, in seinem Werk ein Kriegslazarett einzurichten: Er war überzeugt davon, dass ein Haus mit einer Rot-Kreuz-Fahne auf dem Dach feindliche Bomber davon abhalten würde, die Stadt und das Werk anzugreifen.
Am Ende von Kühlems Vortrag stand das detailliert gezeichnete und jede Seite des Menschen Duisberg wiedergebende Bild eines Mannes, der einerseits durchaus als „schillernde Persönlichkeit“ bezeichnet werden darf und muss – der andererseits aber auch zurecht umstrittener ist, als es manch einer wahrhaben will.

ausführliche Informationen zu Carl Duisberg

[Markus Baermann] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Mitaktionäre.

Mein Name ist Markus Bärmann, ich bin 50 Jahre alt, Berufsimker und Jäger und lebe mit den Bienen und der Jagd seit ich 7 Jahre alt bin.
Ich spreche nun zum zweiten Mal hier vor Ihnen, im Namen der Bienen und allen anderen Insekten, ja sogar im Namen der gesamten Fauna und Flora. Bienen sehe ich als Wächter derer, Aktionäre als positive Nutzer jener.

Dieses Frühjahr war bei den Bienen vieles anders. Soviel anders wie ich es seit zwanzig Jahren nicht mehr erlebt habe! Endlich wieder Insekten in der Luft und am Boden.

Warum nur? Ich sage nur das eine Wort: Neonics!
Denn sie sind in Massen aus der Landschaft verschwunden!

Endlich wieder finden Spinnen, Lerchen, Rebhühner, Eidechsen und Konsorten wieder genügend Nahrung um ihre Brut groß zu ziehen. Endlich klagten die Landwirte nicht mehr über den Rapsglanzkäfer, denn er war kaum zu finden.

Warum nur?
Was war geschehen?
Hatten wir seit zwanzig Jahren endlich mal wieder „gutes Wetter“ im Frühjahr?
Ich sage schon wieder das eine Wort: Neonics!

Kennen sie den Schlag der Wachtel meine sehr verehrten Aktionäre? Vielleicht kennen Ihn wenige. Ich jedenfalls habe ihn dieses Frühjahr endlich wieder vernommen. Störche in Gegend und auf Wiesen wo er seit Jahrzehnten nicht mehr zu finden war, gesichtet. Frösche und Amphibien sind zu finden, dort wo sie schon als ausgestorben galten!

Wo kommen sie her? Ich sage zum wiederholten Male Neonics!

Meine Bienen starben nicht an Varrose, denn die Akarizide von Bayer wirken! Es muss was anderes gewesen sein was in den letzten Jahrzehnten meine Bienen den Stock nicht mehr finden ließ.
Ich sage Neonics!

Endlich wurden die Bienen im Frühjahr stärker und stärker! Wissen sie warum?! Ich kenne das eine Wort!
Neonics!

Endlich kamen die Bienen nicht mehr wirr und orientierungslos aus dem Raps nach Hause! Wissen sie warum? Ach ja. Neonics war das Wort!

Neonics…..mhhmmmm Neonics…..was war da noch? Was war denn da? Ach ja! Jetzt fällte es mir wieder ein! Sie sind verboten worden!

Herr Dekkers, bitte beantworten sie mir folgende Fragen, falls sie dazu in der Lage sind: Welche neuen Mittel stehen vor oder in der Zulassung, um das Wegbrechen des Marktes bei Beizmittel zu verhindern?
Sind diese neuen Mittel fettlöslich?
Wer untersucht oder untersuchte diese neuen Mittel.
Herr Dekkers: Mit welchen Mitteln und Zusätzen wurden der Mais und der Raps 2007 gebeizt für die Saat 2007 und 2008? Vollständige Angaben bitte!
Herr Dekkers: Mit welchen Mitteln das Getreide 2009?
Welche Mittel unserer Firma werden für die Reduzierung der Kirschessigfliege eingesetzt werden Herr Dekkers?
Welche Umsätze sind zu erwarten?

Vielen Dank meine Damen und Herren Aktionäre und Aufsichtsrat! Lassen sie uns weiter daran arbeiten dass „ unsere Firma“ die Zeichen der Zeit richtig deutet und damit unsere Aktien auch unseren Kindeskindern noch Ertrag bringen.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

[Christoph Koch] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Sind die Neonics nun doch Schuld am Bienensterben?

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch und ich spreche nun schon zum 7ten Mal zu ihnen im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes und der EU-weiten Imkervertretung dem EPBA.
Ich stehe hier wegen dem Bienenschutz mit Fragen an den Vorstand.

Es geht um BAYER Produkte wie z.B. PONCHO oder SONIDO auch Neonics genannt!
Alle meine bisherigen Fragen finden sie auch ganz leicht im Internet und es lohnt sich diese mal in Ruhe zu lesen!

Herr Dekkers, BAYER traut sich also nicht mehr die Umsätze der Neonics im Geschäftsbericht separat auszuweisen.
Warum machen Sie das nicht mehr?
Haben Sie etwas zu verbergen?
Wie viel Umsatz haben die Neonics 2014 insgesamt gemacht?
Und wie viel im ersten Quartal 15?
Ich hätte auch gerne die Umsatz-Zahlen aufgesplittet nach den Wirkstoffen wie z.B. Thiacloprid, Imidacloprid und Clothianidin jeweils separat!
Gehört Acetamiprid auch zum Sortiment des Konzernes? Wenn ja dann hätte ich auch gerne diese Umsatzzahlen und Vergleichszahlen zum Vorjahr.

Meine Damen und Herren Aktionäre,

der Vorstand hat bisher mit sehr großer Beharrlichkeit erklärt, dass die Neonic-haltigen BAYER Produkte bei sachgerechter Anwendung alle Bienensicher seien und ganz andere Dinge die wirklichen Ursachen für die großen Bienenprobleme sind.

OK

Interessant ist nun, dass Sie mit SIVANTO eine neue Insektizid Generation auf den Markt bringen und diese Produktlinie als besonders Bienensicher anpreisen!

Wie sollen wir das verstehen?

Gibt es nun doch Bienenprobleme mit den Neonics?

Klären Sie uns bitte auf mit diesem Wiederspruch.

Was denken Sie meine Damen und Herrn Aktionäre, warum hat SONIDO keine Zulassung in Deutschland bekommen?

Herr Dekkers Sie können uns ganz sicher aufklären oder etwa nicht?

Seit Dezember 2013 sind Neonics partiell im ganzen EU Raum verboten. Der Einfluss der Lobbyisten in Brüssel konnte dieses EU Verbot nicht verhindern.

Von den 2 Jahren Moratorium ist eines verstrichen und auch die Klage bei der EU Kommission zeigt heftigen Gegenwind.

„Gefahr im Verzug-Zulassungen“ greifen nicht oder nur mit Tricks, wie bei SONIDO

In Kanada formiert sich immer mehr Wiederstand

Auch in den USA!

Dieses Australien-Ablenkungs-Manöver wurde zum Bumerang

Und dann diese Abmahnung gegen den BUND

Ein Hornbeger schießen bei dem der Schuss nach hinten los ging.

Das Bienen-Killer-Image klebt wie Bärendreck

Meine Damen und Herren Aktionäre, der Bienenschutz wird zusehens ein Problem für BAYER

Herr Dekkers immer wieder brachten Sie und ihr Vorgänger das DeBiMo als den großen Gegenbeweis, dass diese PSM nichts mit den großen Bienenverlusten zu tun haben.

Und gleichzeitig bewerben Sie jetzt die neue Generation als ganz besonders Bienensicher!

Wie kommt´s?

Weil inzwischen auch aus den DeBiMo Daten bekannt ist, dass es Bienenbrotproben gibt mit über 23 verschiedenen PSM Rückständen? Darunter auch beängstigend viele Proben mit extrem hohen Thiacloprid-Werten also einem Neonic aus dem Hause BAYER. Warum diese Droblegs? Und warum erst jetzt? Droblegs sind abgehängte Spritzdüsen, dass die PSM nicht mehr in die Blüte sondern darunter gelangen.

Es ist inzwischen Unwiderlegbar, dass diese PSM Effekte auf die Sterblichkeit der Bienen haben und diese auch die Grundlage sind für das EU Verbot! Mal ganz zu schweigen von all den anderen Blütenbesuchenden Bestäuberinsekten!

Hummeln haben keine Varroa-Milben die es zu bekämpfen gilt.

Hummeln werden auch nicht durch zu blöde, unfähige oder schlampige Imker umgebracht. Und doch verschwinden Sie genau dort, wo die Neonics zur Anwendung kommen.

Also rudert doch dieser Konzern hier jetzt zurück oder wie soll man das alles anders verstehen!

Meine Redezeit ist beschränkt. Daher möchte ich Sie auch nicht weiter mit Details belästigen. Kontaktieren Sie mich, wenn Sie mehr Infos zu diesen Bienenproblemen wollen.

Ich habe letztes Jahr hier miterleben dürfen, wie jemand aus Australien versuchte hier in Englisch zu sprechen, zu einem Themenfeld bei dem es um Menschenleben geht.

Mich hat es geschockt wie das abgelaufen ist. Auch in den Jahren zuvor!

Meine Bienenfragen sind da geradezu lächerlich und belanglos!

Herr Dekkers machen Sie weiter so!

machen Sie weiter mit dem Slogan

Science for a better Live

Übrigens ist das gleichfalls Englisch!

Nur für den Fall, dass sie es noch nicht wussten,

und es steht da oben ganz dick und groß und nicht erst seit letztem Jahr!

Meine Damen und Herrn Aktionäre ich bin sprachlos und mir bleibt schlicht und einfach immer noch die Spucke im Hals stecken!

Was dieser Vorstand hier abzieht, das hat nichts mehr damit zu tun, den Aktienkurs nach oben zutreiben!

Daher seien Sie mutig und zeigen Sie dem Vorstand die Rote Karte

Vielen Dank

Christoph Koch
3.Vorsitzender im Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund
Landesgeschäftsführer für Baden-Württemberg

[Juristinnenbund] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Kulturwandel im DAX-Unternehmen: Bayer-Vorstand sucht richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben

Mit der Hauptversammlung der Bayer AG in Köln setzt der Deutsche Juristinnenbund e.V. (djb) heute die von ihm initiierte Aktion „European Women Shareholders Demand Gender Equality“ fort. Im Rahmen des Projektes stellt der djb durch Unternehmerin und Rechtsanwältin Uta Behrens bei Bayer kritische Fragen zum Anteil der Frauen in Führungspositionen.

Im Aufsichtsrat von Bayer sind 20 Prozent Frauen. Mit Blick auf die Aufsichtsrätinnen und das im Mai in Kraft getretene „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ besteht bei Bayer auf beiden Seiten noch Nachholbedarf.

Im Vorstand und im Executive Council von Bayer sucht man die Frauen vergeblich. Zwei der 17 Corporate-Center-Bereiche werden von Frauen geleitet. In einem der drei Executive Committees der Teilkonzerne arbeitet eine Frau. Auch in den Leitungsgremien der Servicegesellschaften fehlen Frauen weitgehend.

Bayer verzeichnet nach einem Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr aktuell 22 Prozent Frauen in Führungspositionen in Deutschland bei einem Belegschaftsanteil von 31 Prozent. Mit diesem Anstieg entwickeln sich die Zahlen bei Bayer doppelt so schnell, wie der Durchschnitt der 30 DAX-Unternehmen im Jahr. Ziel weltweit ist es, rund 30 Prozent bis Ende 2015 zu erreichen.

Der Vorstandsvorsitzende Dr. Marijn Dekkers will Bayer 2016 aus familiären Gründen verlassen. Er möchte in der Nähe seiner Töchter in den USA leben und steht auf dem Standpunkt, dass seine Verpflichtungen als Vorstandsvorsitzender von Bayer diese persönliche Flexibilität nicht erlauben würden und er nicht erfolgreich arbeiten könne, wenn er auf zwei Kontinenten lebe.

Behrens: „So offen wird das Thema, die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden, meistens nur von Frauen angesprochen. Nicht jeder Mann möchte 40 Stunden plus arbeiten und nicht jede Frau in Teilzeit auf einem niedrigen Stundenniveau. Dieses offene Bekenntnis ist ein Anstoß, Arbeitszeiten zu diskutieren. Aber entweder Karriere oder Familie ist ein altes Muster. Innovativ wäre Teilzeit auch im Vorstand und ggf. Jobsharing mit einer Frau.“

Hintergrund
Das am 6. März 2015 im Bundestag verabschiedete „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ legt u.a. eine feste Quote von 30 Prozent Frauen für die Aufsichtsräte der circa 100 größten deutschen Unternehmen fest. Der djb begrüßt die Frauenquote grundsätzlich als einen wichtigen ersten Schritt zur Verwirklichung der im Grundgesetz und auf europäischer Ebene garantierten Gleichstellung der Frauen. Die Größenordnung ist aber wenig ambitioniert. Gefordert wird daher weiterhin eine Frauenquote von mindestens 40 Prozent für Aufsichtsräte, Vorstände und alle Führungspositionen.

Dies wird auf europäischer Ebene ähnlich gesehen. Der derzeit verhandelte Entwurf der EU-Richtlinie zur „Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern unter den Mitgliedern der Unternehmensleitung börsennotierter Gesellschaften und über damit zusammenhängende Maßnahmen“ sieht die vom djb geforderte Zielquote von 40 Prozent vor. Allerdings wurde mit Art. 4b) dort kürzlich eine „Flexibilitätsklausel“ eingefügt, die es den Mitgliedstaaten erlaubt, diese Zielquote unter bestimmten Bedingungen auszusetzen. Darauf könnte Deutschland sich jetzt berufen, denn dafür soll eine verbindliche Quote von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten ausreichen.

Das vom djb initiierte Projekt „European Women Shareholders Demand Gender Equality“ erhielt 2014 von der Europäischen Kommission neben 16 weiteren europäischen Projekten den Zuschlag für eine Förderung nach dem PROGRESS-Programm. Es wird kofinanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt und der Finnischen Handelskammer. Zu den Projektpartnern gehören neben dem djb: die vier Juristinnenorganisationen European Women Lawyers Association (EWLA), EWLA Bulgarien, Association française des femmes juristes (AFFJ), der Ungarische Anwältinnenverband sowie die Finnische Handelskammer und die Universität von Westengland. Die Hochschule Magdeburg Stendal ist für Medienarbeit zuständig.

Derzeit besuchen Juristinnen und andere Fachfrauen in elf EU-Mitgliedstaaten circa 100 Hauptversammlungen großer börsennotierter Aktiengesellschaften. In den Beneluxstaaten, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien und Spanien müssen sich die im EURO STOXX 50 notierten Unternehmen den kritischen Fragen der Juristinnen stellen, in Bulgarien, Ungarn und dem Vereinigten Königreich sind es die im BUX-, SOFIX- und FTSE notierten Unternehmen.

Das Projekt schließt an das vom BMFSFJ geförderte deutsche Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ an und setzt es europaweit fort. Mitglieder des djb und andere Aktionärinnen haben von 2009 bis 2013 insgesamt 300 Hauptversammlungen börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland besucht und von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch gemacht. Die Antworten der Aufsichtsräte und Vorstände auf die Fragen nach den Frauen in Führungspositionen des Unternehmens sind ausgewertet und in vier Studien veröffentlicht worden.

[Seehaus-Arnold] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrte Aufsichtsrat,
sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Annette Seehaus-Arnold. Ich spreche als Aktionärin, Imkerin und Kreisvorsitzende der Imker Rhön-Grabfeld.

Meine Imkerkollegen mussten in diesem Winter wieder sehr hohe Verluste an Bienenvölkern hinnehmen. Viele haben sogar alle ihrer Völker verloren, obwohl sie die Empfehlungen zur Bekämpfung der Varroa-Milbe genauestens befolgt haben.

Daher die Frage: Was hat Bayer an Innovationen zum Thema Varroazide in der Produkt-Pipeline? Gibt es Forschungen des Konzerns,
Warum macht Bayer hier keine weiteren Forschungen? Schießlich ist das weltweit ein großer Markt. Oder fährt Bayer eine andere Schiene?
Oder wie erklären Sie sich die hohen Verluste an Bienenvölkern?

Neonicotinoide stehen bekanntermaßen im Verdacht Probleme bei Bienenvölkern hervorzurufen.
Durch das Festhalten an den Neonicotioiden hat sich Bayer ein Bienenkillerimage zugezogen. Das öffentliches Image von Bayer ist dadurch angezählt. Wie stehen Sie zukünftig zu den Neonicotinoiden?
Wie wird das Imagethema angegangen?
Es wurden angeblich 4,7 Mio Euro allein im Bee-Care-Center investiert.
Stimmt diese Zahl?
Was wird eigentlich mit diesem Geld gemacht?
Für was wird das Geld ausgegeben? Für Imkergeschenke?
Wie viel wird genau dafür ausgegeben? Wie sieht es aus, wenn ein Imker über seine toten Bienenvölkern mit diesen Give-Aways in der Presse abgebildet wird?
Hier werden Gelder gedankenlos ausgegeben und eine Negativ-Werbung könnte die Folge sein.
Wie steht der Vorstand dazu? Kann das Geld nicht besser in ökologisch sinnvollen und nachhaltigen Forschungen investiert werden?

Die Fa. Bayer hat vor zwei Jahren versprochen, darzulegen, wie die Ameisensäure funktioniert.
War Bayer hier erfolgreich und hat die Wirkungsweise der Ameisensäure entdeckt?
Nein? ... warum immer noch nicht?
Wird hier etwa ein Krisenherd – Varroa-Milbe – künstlich aufrecht zu erhalten, um vom wirklichen Thema den Pestiziden abzulenken?
Warum hat die Fa. Bayer bis heute immer noch kein wirksames und somit lukratives Mittel gegen die Varroa-Milbe? Trotz dieser perfekten Varroa-Mittel, die bereits seit 20 Jahren auf den Markt sind, gibt es heute keine wirksamen Mittel. In Australien sind Varroa-Probleme unbekannt – nach Aussage der Fa. Bayer. Dafür haben australische Imker trotzdem Probleme mit dem Bienensterben; vor allem in Bereichen mit intensiver Landwirtschaft. Der Flügel-Deformations-Virus. Bereits Pasteuer – der Entdecker des Penicilins hat gesagt, „es kommt nicht auf den Erreger an, sondern auf den Boden auf den er fällt“

Frage: Was würde die Firma Bayer machen, wenn alle Imker Aspirin boykottieren würden? Oder noch besser, auch noch ihre Familien und Kunden Aspirin boykottieren? Hat die Fa. Bayer für solche Fälle Vorkehrungen getroffen?

Stimmt es, das beim hessischen Freilandversuch – übrigens unser Nachbarlandkreis - der durch die Fa. Bayer in Auftrag gegeben wurde nur 5% Verluste bei den Imkern zu verzeichnen waren? Aber bei Nachfragen stellte sich heraus, dass es teilweise höheren Verlusten, zum Teil Totalverlusten gab, trotz dieser Bayerprodukte? Wir kommt die Zahl zustande? Wurden hier die höheren Verluste einfach nicht berücksichtigt? - Nach dem Motto – traue keiner Statistik die du nicht selber gefälscht hast? Wie kommen Sie auf diese 5 %?

Vielen Dank.

Bayer HV 2015, Stellungnahme von Herrn Dekkers

Umsatz der Neonicotinoide wird nicht gesondert ausgewiesen

Bayer ist weiterhin davon überzeugt, dass Neonics bienensicher sind

Neues Varroa-Mittel wird zur Zeit entwickelt. Es wird mit einer Zulassung bis Ende des Jahres gerechnet

Forschung zur Wirkungsweise der Ameisensäure läuft weiterhin. Die Ergebnisse wurden mit den Berufsimkern diskutiert.

Ursache des Bienensterbens ist die veränderte Landschaftsstruktur und nicht die Neonics

Krisenherd Varroa: auf die veränderte Landschaft und Landwirtschaft wird verwiesen. Es wird an einer Lösung zur Bekämpfung der Varroa-Milbe gearbeitet

Bee-Care-Center:

Es wurden 2,7 Mrd. US-Dollar in Amerika für ein neues Zentrum ausgegeben. Für die wissenschaftliche Forschung der Bienenarzneimittel 10 Mio. €.

Bienen in Australien: in Australien gibt es die gesündesten Bienen weltweit

Aspirin-Boykott: das Medikament wir von vielen Millionen Menschen genommen und Medikamente werden nur bei Bedarf eingenommen

Hessischer Feldversuch:
Wurde vom Bieneninstitut Oberursel durchgeführt. Ist auch veröffentlicht. Es sind nur einzelne Auswertungen in die Auswertung eingeflossen.

Anmerkungen zur Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers (Bayer AG)

Bayer kann die hohen Verluste nicht erklären. Sie können also auch nicht ausschließen, dass Pestizide die wahren Verursacher sind. Mehrfach wurde von den Firmenvertretern betont: bei richtiger Anwendung und Dosierung sind Neonics „bienensicher“ halten. Das bedeutet, dass sehr wohl bekannt ist, dass es Fehlanwendungen gibt, und nach meiner persönlichen Meinung nicht gerade unerhebliche. Ansonsten würden sie es nicht so betonen.
Eigentlich gibt es schon genügend Varroa-Mittel. Es ist keine Lösung, ein weiteres Mittel auf den Markt zu werfen. Hier wird von der „wahren“ Ursache abgelenkt. Warum sind unsere Bienen nicht mehr so widerstandsfähig? Das ist das Problem. Jeder kennt es von sich selbst: Bin ich gesundheitlich angeschlagen, z.B. durch Stress etc., bin ich anfälliger für einen grippalen Infekt.

Forschung Ameisensäure
Nachdem die Ergebnisse mit den Berufsimkern diskutiert wurden und die Forschung weiter läuft, wissen sie immer noch nicht, wie sie wirkt. Das bedeutet, wir schütten Ameisensäure in unsere Völker und kennen die Wirkungsweise nicht.

Krisenherd Varroa
Hier macht es sich Bayer recht einfach, indem sie die Schuld auf die „veränderte Landschaft“ schiebt. Doch was hat unsere Landschaft verändert?: Die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist erst durch den Einsatz von Pestiziden möglich geworden. Als Landwirt würde ich mich dagegen wehren, wenn ich den „schwarzen Peter“ so zugeschoben bekomme.

Bee-Care-Center
Die Zahl ist schon beeindruckend, was da in Amerika investiert wurde. Und 10 Mio. in die wissenschaftliche Forschung. Welche wissenschaftliche Forschung? Werden hier auch Forschungsgelder an die Bieneninstitute gezahlt? Werden dadurch eventuelle industriefreundliche „Empfehlungen“ ausgesprochen, nach dem Motto: „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe?“
Meine Frage nach den „Imkergeschenken“ wurde nicht beantwortet. Bedeutet das, dass hier eine enorme Summe für „Schweigegelder“ bezahlt wird, und viele Imker sich „kaufen“ lassen?
Genauso die Frage nach ökologisch sinnvoller und nachhaltiger Forschung – diese wurde gleichfalls ignoriert. Das bedeutet im Klartext: keine Interesse daran.
In Australien gibt es keine Varroa-Milbe, trotzdem den Flügel-Deformations-Virus. In Deutschland heißt es, er wird durch die Varroa-Milbe übertragen. Wie wird er dann in Australien übertragen – so ohne Varroa? Was ist hier die wahre Ursache? In Australien gibt es große Flächen mit intensiver Landwirtschaft und zum Glück auch Gebiete ohne landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Australier könne ausweichen – wir nicht. Nach meiner persönlichen Meinung hat der Virus eine andere Ursache, und hier besteht Forschungsbedarf. Die Varroa-Milbe kann nicht alleine daran Schuld sein. Hier gibt es wahrscheinlich eine Wechselwirkung zwischen Pestiziden und Virus.
Aspirin-Boykott: hätte schon seinen Charme. Der Verweis darauf, dass Millionen Menschen Aspirin nehmen ist etwas dünn. Und Vorkehrungen sind bestimmt keine getroffen, werden sie bestimmt jetzt machen.
Feldversuch Hessen: frei nach dem Motto, es werden nur die passenden gezählt. Liest man die Studie genauer durch, stellt man fest: „ Die Völker in der Studie waren trotz erfolgreicher Behandlung im Folgejahr ungleichmäßig mit Milben belastet.“ Hier wird wieder die „Re-Invasion“ aus dem Hut gezogen. Diese These ist bis heute noch nicht wissenschaftlich bewiesen, wie genau bzw. ob es überhaupt eine Re-Invasion gibt.

Das Fazit der Studie
„Imker tragen eine große Verantwortung für die Gesundheit ihrer Honigbienen. Aber sie können die Varroa-Milbe unter Kontrolle bringen mit guter imkerlicher Praxis und einer einheitlichen Bekämpfungsstrategie“. Zur Gesundheit gehört jedoch in erster Linie, eine gesunde Ernährung, und die ist bei der momentanen Landwirtschaft und den Einsatz der Pestizide nur eingeschränkt möglich. Unsere Bienen leiden an Mangelernährung und an der Belastung durch die Pestizide. Der Pharmakologe und Toxikologe Prof. Eichholtz hat bereits 1956 den „Ausdruck „toxische Gesamtsituation“ geprägt: Er schreibt: „Chemische Stoffe, die gleichzeitig im lebendigen Körper vorkommen, können sich gegenseitig in der Wirkung verstärken; eine Steigerung auf das Vielfache ist beschrieben worden. Die Einzelwirkung der vielen chemische Stoffe, die in unsere Lebensmittel hinein fließen, vermehrt um die Drohung, die sich aus der Unzahl der möglichen Kombinationen ergeben, vermehrt um das, was wir an Giften mit der Atemluft und durch die Haut zu uns nehmen, vermehrt um die Strahleneinwirkung führt zu dem, das wir als toxische Gesamtsituation bezeichnen.“ Liegt hier nicht die Hauptursache? Leiden unsere Bienen nicht genau daran?

Mein Eindruck zur Veranstaltung
Es war für mich eine einzigartige Veranstaltung. Ich habe viele nette und gleichgesinnte Menschen kennengelernt. Nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall wieder fahren, und wieder eine Anfrage halten.

Annette Seehaus-Arnold

[Dieter Donner] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
Guten Tag Herr Wenning,
Guten Tag Herr Dekkers, und danke für die Einladung!

Mein Name ist Dieter Donner und ich bin Pressekoordinator der Stopp-Bayer-CO-Pipeline-Initiativen.

Ich stehe heute mit einem Trauerflor vor Ihnen, da einer der Kläger, Heinz-Josef Muhr, der mit früheren Bayer-Vorständen auch zur gemeinsamen Jagd gegangen ist, heute in Monheim beerdigt wird. Aber auch in seinem Sinne und Vermächtnis bin ich heute hier. Was das heißt, dazu komme ich später nochmal.

Die Hauptversammlung soll der Tag der Aktionäre sein und so hat mich wieder eine langjährig treue Aktionärsfamilie gebeten, hier zu Ihnen zu sprechen. Einigen von Ihnen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre haben wir schon mit unserem Aktionärsbrief erreichen können. Hier nun kurz die wesentlichen Inhalte.

Der Geschäftsbericht zeigt ein günstiges Bild und das sollte eigentlich Gelegenheit und Freiraum schaffen, mit den Fehlern und Mißlichkeiten der Vergangenheit aufzuräumen. Eines der Mißlichkeiten ist sicher in dem weiteren Scheitern des CO-Pipeline-Projektes zu sehen. Auch in 2014 , im Jahr 8 nach der Planfeststellung ist dieses Projekt kosten- und imagemäßig weiterhin ein Problem nicht nur für BMS sondern für den Bayer-Konzern. Die Probleme begannen bereits im Dezember 2007, als das Oberverwaltungsgericht erhebliche rechtliche Bedenken zu dem Verfahren anmeldete, den Weiterbau auf Bayers eigenes Risiko erlaubte, einen Betrieb der Pipeline aber untersagte.
Folgerichtig wurde im Jahr 2009 der Antrag von Bayer auf möglichst schnelle Inbetriebnahme abgeschmettert. Und das geschah trotz horrender Kosten durch den Einsatz sündhaft teurer Anwaltskanzleien. Und die kostenträchtige juristische Qual setzte sich auch in den Folgejahren fort, ohne dass die Bayer - Führungdie Kraft besaß, dem „Schrecken ohne Ende“ zu begegnen und das Projekt rechtzeitig zu beerdigen.

So kam es im Jahr 2011 zum weiteren Show-Down im Hauptverfahren, in dem das Projekt als rechtswidrig, aber nachzuarbeiten beurteilt wurde. Allerdings wurde mit dem durch das Gericht kassierten Änderungsbescheid zum Geogrid-Abdeck-Gitter die schon fast fertig verlegte Pipeline über mehr als 60 der 67 Kilometer zu dem, was man im Normalfall als „Schwarzbau“ bezeichnen würde!

In den Folgejahren 2012 und 2013 stand Bayer immer wieder heftig im Fokus. Zunächst mit den auf über 2000 Seiten eingereichten umfangreichen und dennoch unvollständige Planänderungen. Zu diesenhaben mehr als 24.000 Menschen fundierte Einwände erhoben. Gegenüber den etwa 14.000 Menschen also immerhin 10.000 mehr als BMS weltweit Beschäftigte hat. Zu einer der größten Anhörungen zu einem Industrie-Projekt musste die Bezirksregierung Düsseldorf in die 8.000 Menschen fassende Gruga-Halle einladen!

An drei Tagen intensiver, sachlicher Erörterung in Essen in der Gruga haben viele 150 Aktive vor Ort in umfangreichen, von hoher Sach - und Fachkenntnis geprägten Vorträgen und Präsentationen viele Fehler und weitere Abweichungen vorgeführt und der Bezirksregierung Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Die Bayer-Verantwortlichen zogen sich meist auf Nicht-Kenntnis oder die Standard-Floskel von der „Sicheren Pipeline“ zurück.

Und es wurde im Jahr 2014 noch kritischer und schwieriger um dieses ebenso unselige, wie verantwortungslose Projekt:

Schon das Anfang 2014 bekannt gewordene wissenschaftliche Gutachtens im Auftrag der Landesregierung NRW kam für Bayer zu einem niederschmetternde Ergebnis: Es gab und gibt ausgereifte technische Alternativen zur CO-Pipeline und diese Alternativen sind nach Berechnungen der Gutachter sogar wirtschaftlich erheblich ( um 60 %) kostengünstiger. BMS Verantwortliche haben daran, wie nicht anders zu erwarten nur herumgemäkelt.

Das stimmte uns mit den 110 000 Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihrer Unterschrift gegen die Pipeline ausgesprochen haben und auch die Lokalpolitiker der Trassenkommunen mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern, noch zuversichtlicher für das Verfahren im August 2014 vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster.

Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster, in dem die Richter schon das Gesetzesverfahren für verfassungswidrig brandmarken, sollte nun wirklich verständige Menschen zum Nachdenken und Einlenken veranlassen. Wenn diese neuerliche Schlappe Ihnen Herr Dekkers und Herr Wenning nicht ausreicht, dann holen Sie sich halt eine weitere „blutige Nase“ beim Bundesverfassungsgericht ab. Damit lassen sie aber auch weitere Gelder der Aktionäre den Bach runter gehen?

Und sollte es zu den Planänderungen doch noch kommen, drohen weitere, kostenspielige Klagen!!

Das sture Festhalten an der Pipeline hat nicht nur dem Image des Bayer-Konzerns - insbesondere der Kunststoffsparte BMS - erheblich geschadet. Es hat auch die Rendite des Unternehmens geschmälert.

Jetzt versuchen Sie Herr Dekkers und Herr Wenning die Fehler mit einer „neuen Strategie“ auszugliedern; sie wollen
„MaterialScience spätestens bis Mitte 2016 als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen.“
Wie soll das mit dem „Rucksack“ des CO-Pipeline-Desasters gehen?

Weil es auch in diesem Jahr wenige bis keine transparenten Informationen gibt, sagen wir den Aktionären, was Sie bisher verbraten haben und noch herauszuschmeißen gedenken.

1. Statt der ursprünglich im Antrag genannten 50 Millionen sind
mittlerweile wohl 120 bis 150 Millionen allein als Baukosten ausgegeben. Und das für etwas, was als nicht nutzbarer „Schwarzbau“ im Boden liegt!

2. Die Anwalts-, Gerichts- und Verfahrenskosten dürften eine zweistellige Millionensumme schon gut erreicht haben! Und die Verfahren werden auch nach dem Tod eines der Kläger, Herr Muhr, weitergeführt, auch weil er das über seinen Tod hinaus verfügt hat. Und es laufen und drohen noch weitere zig Klagen!

3. Haben Sie überhaupt eine Vorstellung, was bei Weiterführung der Planänderung für die Neuverlegung über mehr als 60 Kilometer noch an Kosten auf das Unternehmen zukommen würde? Weitere mindestens 50 Millionen dürften nicht zu hoch geschätzt sein!

Erwarten Sie als Aktionäre nun nicht zu viel Information und Transparenz in der Antwort des Vorstands. Gerne kommentiert solch grauselige Zahlen niemand und die Auswirkungen waren und sind in den übrigen Erfolgszahlen ja auch gut zu verstecken.

Machen Sie das den Verantwortlichen mit einem Beifall jetzt und später bei Ihrer Stimmabgabe deutlich, dass Sie keine weitere Geldvernichtung mehr wünschen.
Schicken Sie die CO-Pipeline baldigst in die Wüste!

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und ich verabschiede mich gerne von Ihnen wieder mit dem Wunsch auf ein weiter erfolgreiches aber auch umwelt- und menschenfreundliches Unternehmen Bayer!

[PETA] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Fragen zur Hauptversammlung der Bayer AG am 27.05.2015 in Köln

Dr. Christopher Faßbender, PETA Deutschland e.V.

Guten Tag, Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren,

mein Name ist Dr. Christopher Faßbender. Ich vertrete die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. und richte folgende Fragen an den Vorstand:

Bayer setzt in Experimenten zur Entwicklung von Produkten wie Floh- und Zeckenabwehrmitteln immer wieder Hunde und Katzen dem Befall von Flöhen und Zecken aus. Welche konkreten Schritte unternimmt Bayer zur Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch, zur Minimierung der Anzahl der für die Experimente genutzten Hunde und Katzen und zur Minderung des von den Tieren erfahrenen Schmerzes? Wie ist diesbezüglich die Lage insbesondere der auf die zur Kontrolle eingesetzten Hunde und Katzen und der Tiere, die mit Parasiten besetzt werden, die ernsthafte Erkrankungen auslösen können?

Zwei Veröffentlichungen von Bayer aus dem Jahr 2012 besagen, dass zur Fütterung von Flöhen und Zecken vor den Experimenten Hunde, Katzen und Kaninchen anstelle von nicht-tierischen Parafilm-Membranen eingesetzt wurden. Warum nutzt Bayer vorhandene nicht-tierische Methoden nicht wenigstens für einen Teil der Lebensdauer der Parasiten?

Bedenkt man, dass Bayer extrem lang andauernde Experimente an Hunden und Katzen durchführt, stellt sich die Frage, welche Enrichment-Maßnahmen Ihr Unternehmen bietet und unter welchen Bedingungen die Tiere untergebracht sind. Haben sie regelmäßig Zugang zum Freien und die Möglichkeit der Sozialisierung? So dauerte beispielsweise eine im Jahr 2013 abgeschlossene Studie über 400 Tage. Dabei wurde die Eignung von Halsbändern mit Imidacloprid und Flumethrin zur Verhinderung der Langzeitübertragung des Bakteriums Ehrlichia canis durch infizierte Zecken auf Hunde untersucht. Welche Art von Enrichment steht Katzen und Hunden zur Verfügung, die wiederholt über mehrere Stunden hinweg in mit Parasiten besetzte Transportboxen gesperrt werden? Das war im Rahmen der Studien „Wirksamkeit eines Imidacloprid/Flumethrin-Halsbandes gegen Flöhe und Zecken bei Katzen“ und „Wirksamkeit eines Imidacloprid/Flumethrin-Halsbandes gegen Flöhe, Zecken, Milben und Läuse bei Hunden“ aus dem Jahr 2012 der Fall. Auch wenn die von mir genannten Studien nichts in vergangene Geschäftsjahr fallen, geht die Forschung doch weiter und die Fragen stehen nach wie vor im Raum.

Und ein letzter Fragenkomplex: Werden In-vivo-Laborstudien nur dann durchgeführt, wenn sie von regulierenden Behörden vorgeschrieben sind? Und sind bestimmte Studien von den Behörden vorgeschrieben, trifft sich Bayer dann mit diesen Behörden, um die Nutzung der Möglichkeiten zu besprechen, Tierversuche durch „Waiving“, also Datenverzicht etwa durch Read-Across und Weight-of-Evidence-Analysen, zu umgehen? Bespricht Bayer mit den Behörden außerdem den Einsatz aller verfügbaren Alternativmethoden? Bemüht sich Bayer um die Nutzung von Hunden und Katzen, die Kunden gehören und einer Behandlung bedürfen, anstelle von Experimenten an Tieren im Labor? Und diskutiert Bayer schließlich mit den Behörden die Nutzung historischer Kontrollen oder aktiver Kontrollen, d.h. mit bekannten, effektiven Mitteln behandelten Kontrolltieren, anstatt Hunde und Katzen ohne Behandlung leiden zu lassen?
Vielen Dank!

[Yasmin] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Rede für die Aktionärshauptversammlung von Bayer 27.05.2015

Rund 200 tote Frauen in den USA, 28 tote Frauen in Deutschland und 14 gemeldete Todesfälle in Frankreich. Das ist die traurige und nur offizielle Bilanz der drospirenonhaltigen Antibabypillen von Bayer. Aber Sie können sicher sein, dass die tatsächlichen Zahlen weitaus höher liegen. Sie, Herr Dr. Dekkers, und auch die Damen und Herren des Aufsichtsrates wissen genau, dass es weltweit viel mehr Frauen gibt, die nach der Einnahme einer drospirenonhaltigen Pille wie Yasmin, Yasminelle oder Yaz, die fataler Weise mit einem erhöhten Thromboserisiko behaftet sind, schwere Nebenwirkungen wie Thrombosen, Lungenembolien oder einen Schlaganfall erlitten haben. Und im schlimmsten Fall für die Einnahme einer Ihrer Pillen mit dem Leben bezahlt haben. Und was haben Sie bisher unternommen, um das Sterben oder Leiden weiterer Frauen und deren Angehöriger zu verhindern? Nichts….

Mein Name ist Kathrin Weigele. Ich habe nach der Einnahme der Pille Yasmin aus Ihrem Hause eine schwere beidseitige Lungenembolie erlitten. Beide Lungenflügel waren voll von kleinen Thromben, die meine Lunge verstopften und mir das Atmen beinahe unmöglich machten. Die Pille Yasmin hätte mich im Alter von 24 Jahren so beinahe getötet. Ich hatte eine Überlebenschance von 5%. Herz und Lunge sind nach wie vor schwer gezeichnet von der Embolie. Lebenslange Folgeschäden und die lebenslange Einnahme von Blutgerinnungsmitteln, die eine Schwangerschaft unmöglich machen, sind mir geblieben. Dass es bei der Einnahme der Pille zur Bildung von Thrombosen oder Embolien kommen kann – das, denke ich, ist weitgehend bekannt. Nicht bewusst war mir zum damaligen Zeitpunkt aber, dass ich mit der Pille Yasmin entgegen der Anpreisung als besonders schonender und niedrig dosierter Pille, eine Pille eingenommen hatte, deren Thromboserisiko dasjenige der Pillen der 2. Generation um ein vielfaches übersteigt. Das konnte ich auch nicht wissen. Denn ein solcher Hinweis war damals, im Gegensatz zu heute, nicht im Beipackzettel enthalten. Und Sie können sicher sein, hätte ich von dem erhöhten Thromboserisiko gewusst, hätte ich die Pille Yasmin nie genommen!

Mein Name ist Felicitas Rohrer und auch ich erlitt eine beidseitige
Lungenembolie. Ein akuter Atem- und Herzstilstand waren die Folge, ich war klinisch tot. Nur mühsam habe ich mich erholt und wie Frau Weigele leide ich noch heute unter den Nachwirkungen. Heute begleiten uns noch weitere Betroffene, sie erlitten Thrombosen, Embolien, Schlaganfälle und ihr Leben wird nie wieder wie vorher sein. Mit dabei ist auch das Ehepaar Zwartjes, die ihre Tochter Lena im Alter von 15 Jahren verloren haben. Sie starb an einer Lungenembolie nach der Einnahme einer Ihrer Pillen.

Obwohl sich die Vorfälle häufen und immer mehr Nebenwirkungen der drospirenonhaltigen Pillen oder sogar Todesfälle verzeichnet werden, werden Betroffene und Geschädigte wie wir seitens Ihres Konzerns als bedauerliche Einzelfälle abgetan. Wir sind in diesem Jahr zum 6. Mal hier auf der Hauptversammlung und jedes Jahr mussten wir auf der Website unserer Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter leider neue Fälle von Thrombosen, Embolien, Schlaganfällen und sogar Todesfälle dokumentieren. Einzelfälle, das kann ich Ihnen sagen, sind wir längst nicht mehr, auch wenn Sie das bestimmt wieder anders darstellen werden. Herr Dr. Dekkers, wie lange wollen Sie die drospirenonhaltigen Pillen noch vermarkten und so mit dem Leben gesunder Frauen spielen? Rechtfertigen hohe Gewinne etwa den Tod weiterer Frauen und Mädchen? Das Sterben geht weiter, Herr Dr. Dekkers und Sie sollten endlich aus Ihrem Dornröschenschlaf erwachen, den Ernst der Lage anerkennen, endlich aktiv werden und die drospirenonhaltigen Pillen vom Markt nehmen. Doch jedes Jahr bekommen wir von Ihnen nur die völlig identischen und inhaltslosen Phrasen zu hören wie: „Wir bedauern ihre Schicksale sehr“… „Wir gehen weiterhin von einem positiven Nutzen-Risokoprofil unserer drospirenonhaltigen Pillen aus“… „Wir stehen hinter unseren oralen Kontrazeptiva“… „die drospirenonhaltigen Kontrazeptiva sind sicher und zuverlässig bei indikationsgemäßer Einnahme“. Wir hier und tausende andere Geschädigte sind der Gegenbeweis. Und gerade der letzte Satz ist für uns absolut nicht haltbar. Denn wir sind Juristinnen, Architektinnen, Tierärztinnen, also durchaus intelligente Frauen und wir sind sehr wohl dazu in der Lage, den Beipackzettel Ihrer Pillen zu lesen und zu verstehen und die Pille indikationsgemäß einzunehmen, Herr Dr. Dekkers. Und genau das haben wir auch getan. Und trotzdem stehen wir hier. Hinter uns liegt ein langer Leidensweg und vor uns ein Leben, das wir uns so nicht ausgesucht hatten. Ein Leben bestimmt von Medikamenten, Arztbesuchen und der ständigen Angst vor einer Verschlechterung unseres Gesundheitszustandes. Und deswegen werden wir weiter dafür kämpfen, dass auch Sie Herr Dr. Dekkers und alle anderen Verantwortlichen des Bayer-Konzerns endlich aktiv werden und die Vermarktung und den Verkauf der drospirenonhaltigen Pillen stoppen.

Denn es gibt unserer Meinung nach keinen Zweifel mehr daran, dass drospirenonhaltige Pillen häufiger Thrombosen auslösen, als Pillen der älteren 2. Generation. Dies belegen Studien unabhängiger Wissenschaftler. Außerdem musste bereits 2010 auf Veranlassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte der Beipackzettel um weitere Risikohinweise und Angaben zu Nebenwirkungen ergänzt und auf Studien aus den Niederlanden und Dänemark hingewiesen werden, die von einer erhöhten Thrombosegefahr ausgehen.

2011 kamen sowohl die Europäische Arzneimittelagentur als auch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zu dem Schluss, dass die Anwendung drospirenonhaltiger Kontrazeptiva mit einem erhöhten Risiko verbunden ist.

Heute möchte ich mich mit folgenden Fragen an Sie wenden:
Wie viele Todesfälle oder Fälle von schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit der Einnahme drospirenonhaltiger Kontrazeptiva wurden Ihnen in den vergangenen Jahren gemeldet?

Seit wann war den Verantwortlichen der Bayer AG bekannt, dass drospirenonhaltige Kontrazeptiva ein höheres Thromboserisiko beinhalten als die Kontrazeptiva der so genannten 2. Generation? Welche Studien liegen Bayer zur Beurteilung des Nutzen-Risiko-Profils von Drospirenon nunmehr vor? Sind Ihnen neue Studien bekannt oder haben Sie neue Studien diesbezüglich in Auftrag gegeben oder durchgeführt? Liegen der Bayer AG Gutachten über den Wirkstoff Drospirenon, die im Rahmen von gerichtlichen Verfahren eingeholt wurden vor? Wenn ja zu welchem Ergebnis kommen diese?

In den USA haben Sie sich bereits mit rund 8900 (bis 9. Juli 2014) Anspruchstellerinnen außergerichtlich verglichen und dabei Zahlungen von 1,9 Milliarden Dollar geleistet. Dies geschah zwar ohne Schuldeingeständnis, aber: Wo kein Anspruch, da keine Notwendigkeit zu Zahlungen! Wie rechtfertigen Sie, dass Geschädigte in den USA Entschädigungen erhalten während in Deutschland keine Regulierungen erfolgen? Wo genau sehen Sie den Unterschied zwischen einer amerikanischen Geschädigten und einer deutschen? Haben wir nicht alle mit denselben Problemen und Folgen unserer Entscheidung für ein Bayer-Produkt zu kämpfen? In welcher Höhe wurden bisher in den USA drospirenonbedingte Schadensfälle reguliert? Hat Bayer vielleicht sogar in Deutschland bereits die Regulierung von Schadensfällen vorgenommen? In welcher Höhe wurden in Deutschland drospirenonbedingte Schadensfälle reguliert? Und in welcher Höhe wurden insgesamt in Europa drospirenonbedingte Schadensfälle reguliert?

Ich möchte ferner wissen, wie viele Klagen in Deutschland gegen die Bayer AG und Ihre Tochterfirmen aufgrund der drospirenonhaltigen Kontrazeptiva derzeit anhängig sind und in welcher Höhe Sie mit Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen in Deutschland rechnen? In wie vielen Fällen wurde Bayer durch europäische Gerichte zu Schadensersatz/Schmerzensgeld wegen der drospirenonhaltigen Kontrazeptiva verurteilt? In wie vielen Fällen wurde Bayer durch US-amerikanische Gerichte zu Schadensersatz/Schmerzensgeld wegen der drospirenonhaltigen Kontrazeptiva verurteilt? In wie vielen Fällen wurden in Europa und den USA Vergleiche geschlossen?

Herr Dr. Dekkers, es reicht! Wir sind nicht hier aus Spaß an der Freude. Wir sind hier, weil wir beinahe gestorben wären und nur knapp überlebt haben. Wir sind hier, weil Sie die Verantwortung dafür tragen, was uns und anderen jungen gesunden Frauen wiederfahren ist. Wir sind verdammt nochmal wütend, weil Sie uns immer wieder als Querulantinnen abtun, die Ihnen nur die Bilanz versauen wollen. Aber wir waren gesunde junge Frauen, die Ihrem Konzern ihr Vertrauen ausgesprochen haben und Ihre Präparate gekauft haben. Wir waren gesunde junge Frauen deren Leben Sie zerstört haben, indem sie gedankenlos und – langsam scheint es fast gewissenlos Präparate weitervermarkten, die ein erhöhtes Thromboserisiko mit sich bringen. Wir waren gesunde junge Frauen, die durch eine dospirenonhaltige Pille von Bayer krank wurden. Die Pille soll verhüten. Und sonst nichts. Eben das tun auch die älteren Präparate der 2. Generation genauso wirkungsvoll. Wie rechtfertigen Sie also die Zunahme lebensgefährlicher Nebenwirkungen unter dem Wirkstoff Drospirenon? Sie haben eine Verantwortung den Frauen gegenüber, die mit einer Ihrer Pillen verhüten. Also stehen Sie endlich zu dieser Verantwortung und nehmen die Präparate vom Markt, die ein unnötig höheres Thromboserisiko mit sich bringen!

Und zum Schluss wollen wir Ihnen und Ihren Schreiberlingen gerne etwas Arbeit abnehmen: Ersparen Sie sich bei Ihrer Antwort Floskeln wie „Wir bedauern Ihr Schicksal“ oder „Wir nehmen Anteil“. Das haben Sie all die Jahre zuvor auch immer gesagt und meinen es doch nicht ernst. Nichts ist passiert. Unsere Gesprächsangebote wurden ignoriert. Dass es Ihnen doch nur um den Profit geht, zeigt ein internes Schreiben, in dem sie verkünden, dass Sie die drospirenonhaltigen Pillen so lange weiterverkaufen werden, so lange die Höhe der Einnahmen die Entschädigungszahlungen übersteigen. Eine verdammt zynische Rechnung. Und wahrscheinlich das wahre Gesicht von Bayer. Wir wollen kein Mitleid und keine unaufrichtige Anteilnahme. Wir möchten mit unserer berechtigten Kritik ernst genommen werden. Werden Sie endlich tätig! Nehmen sie die drospirenonhaltigen Pillen endlich vom Markt!

Danke im Übrigen auch dafür, dass wir immer dann unsere Rede halten dürfen, wenn der Saal schon leer ist. Haben Sie etwa Angst vor dem, was wir sagen?

[Daniel Bendix] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Profit im Windschatten eines bevölkerungspolitischen Revivals in der internationalen Entwicklungspolitik

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Daniel Bendix: Ich spreche für die entwicklungspolitikkritische NGO glokal e.V., das Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien der Universität Kassel sowie die BUKO Pharma-Kampagne. Ich forsche zu deutscher Entwicklungspolitik und zu der Frage, inwiefern das Prinzip der reproduktiven Gesundheit und Rechte immer mehr von bevölkerungspolitischen Erwägungen verdrängt wird.

Wir sind hier, um dagegen zu protestieren, dass Bayer HealthCare immer mehr mit Langzeitverhütungsmitteln in die Märkte von so genannten Entwicklungsländern vordringt. Dabei nutzt Bayer aus, dass in der Entwicklungspolitik immer mehr auf die Bekämpfung von Bevölkerungswachstum im Globalen Süden gesetzt wird. Das ist menschenrechtlich mehr als besorgniserregend.

Auch kritisieren wir, dass Bayer HealthCare dazu beiträgt, dass nicht alle Menschen in armen Ländern – unabhängig von ihrem Einkommen – gleichen Zugang zu gesundheitlich unbedenklichen Verhütungsmitteltechniken erhalten. Bei den ärmsten Bevölkerungsgruppen wird auf Langzeitverhütungsmittel gesetzt. Die wohlhabenderen Menschen sollen dazu gebracht werden, teure, gesundheitlich problematische orale Kontrazeptiva zu kaufen.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, dass Frauen und Männer überall die Möglichkeit haben sollen, Informationen und Mittel zu Schwangerschaftsverhütung zu erhalten. Das muss aber rein an den Wünschen der Nutzerinnen und Nutzer orientiert sein, und nicht an politischen und ökonomischen Interessen der reichen Länder des Nordens – oder an den Profitinteressen von Pharmaunternehmen wie Bayer.

Bei der UN-Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994 hatten Frauengesundheitsorganisationen es geschafft, das Prinzip der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte zu verankern. Dieses Prinzip stellt die Bedürfnisse und das Wohlergehen der einzelnen Nutzerinnen und Nutzer von Verhütungsmitteln in den Mittelpunkt. Dabei wurden auch Langzeitkontrazeptiva wie Norplant I, nahezu identisch zu Bayers Jadelle, kritisiert. Denn diese Verhütungsmittelimplantate nehmen den Frauen die Kontrolle über Verhütung aus der Hand und sind gesundheitlich höchst bedenklich. Heute ist im Unterschied zu 1994 wieder explizite Bevölkerungspolitik zurück auf der Agenda der internationalen Entwicklungspolitik.

Unsere Frage lautet in diesem Zusammenhang: Wie viel Geld hat Bayer für die Verbreitung von Verhütungsmitteln in den letzten zehn Jahren jährlich von deutschen, ausländischen und internationalen Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit für welche Maßnahmen erhalten?

Bevölkerungsentwicklung wird als Ursache für fast alle Problemlagen herangezogen. Die meisten afrikanischen Länder sind weiterhin dünn besiedelt im Vergleich zu Europa. Es ist absurd, Hungersnöte oder Armut in den Zusammenhang mit Geburtenraten zu stellen. Dies lenkt nur von weltweiten Ausbeutungsstrukturen, den Nachwirkungen von Kolonialismus und den Problemen von Raubbau an Ressourcen ab. Auch ist es absurd, Klimawandel mit wachsenden Bevölkerungszahlen im Globalen Süden zu verbinden, denn es ist anerkanntermaßen die imperiale Lebensweise der reichen Gesellschaften des Globalen Nordens, die zur weltweiten Zerstörung von Umwelt und Natur geführt hat und weiterhin führt.

Die aktuelle entwicklungspolitische Wetterlage bereitet für Bayer HealthCare ein extrem günstiges Klima: Sie lässt die Geldquellen sprudeln, mit denen das Unternehmen Kontrazeptivmärkte auch dort ausweiten kann, wo Märkte eigentlich bisher als unrentabel galten. Denn die Budgets der Bevölkerungsprogramme fließen sowohl in langfristige Abkaufgarantien als auch in vielfältige Strategien der Markteroberung – von Subventionierung über Marketing bis Schulungen. Ausgebaut werden diese Kooperationen im Rahmen verschiedener Modelle der öffentlich-privaten Partnerschaften, die auf einer zunehmend engeren Kooperation zwischen Privatsponsoren, NGOs, Firmen und staatlichen Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit beruhen.

Unsere zweite Frage ist: Bitte geben Sie uns Informationen zu dem Programm, das Bayer zusammen mit der KfW Entwicklungsbank und der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung derzeit in Kenia plant? Wie sieht der Maßnahmen-, Zeit- und Finanzierungsplan konkret aus?

Das bevölkerungspolitische Revival in der Entwicklungszusammenarbeit geht einher mit der Idee, die entsprechenden Ziele mit High-Tech-Methoden erreichen zu wollen, die von den Nutzerinnen wenig kontrollierbar sind. In diesem Kontext ist das von meiner Vorrednerin kritisierte Jadelle Access Program zu verstehen, das vor allem auf arme Bevölkerungsschichten abzielt.

Aber Bayer hat auch in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Entwicklungshilfeagentur USAID die „Contraceptive Security Initiative“ ins Leben gerufen, um orale Kontrazeptiva im privaten Markt mehrerer afrikanischer Länder zu etablieren. Nach Bayer geht es mit der Contraceptive Security Initiative explizit darum – ich zitiere – „Kundinnen, die für ihre reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen mehr zahlen können, dazu zu bringen, auf diese Produkte umzusteigen“.

Wir fragen drittens nochmal expliziter: Wie viel Geld stellt USAID Bayer für die Contraceptive Security Initiative pro Jahr für welche Maßnahmen zur Verfügung?

Die Contraceptive Security Initiative ist auch insgesamt ein Beispiel für Bayers Anstrengungen, sich kontrazeptive Zukunftsmärkte im Globalen Süden zu sichern. Kundinnen sollen letztendlich dazu gebracht werden, teure Produkte des Privatmarkts erwerben. Hier werden vor allem Drospirenon-haltige Pillen vermarktet, die bei gleicher Wirksamkeit profitabler für Bayer, aber gesundheitlich bedenklicher sind als die älteren Mittel der zweiten Generation. Diese werden teilweise auch feilgeboten mit Verweis auf ihre angeblich positiven Wirkungen für das Aussehen der Nutzerinnen.

Wir fordern erstens, dass Bayer nicht länger das menschenrechtlich fatale bevölkerungspolitische Revival ausnutzt, um Märkte zu erobern und Absätze zu steigern; und zweitens, dass Bayer nicht weiter teurere, aber gesundheitlich problematische Verhütungspillen im Globalen Süden verbreitet.

[Susanne Schultz] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Hormonimplantate und zweierlei Maß auf dem globalen Verhütungsmarkt

Rede von Susanne Schultz, Gen-ethisches Netzwerk e.V. Berlin, in Kooperation mit glokal e.V., BUKO Pharma-Kampagne und Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien Universität Kassel auf der Aktionärshauptversammlung von Bayer am 27.5.2015

Mein Name ist Susanne Schultz. Anlass meiner Rede und der Fragen, die ich ihnen gleich stellen werde, ist die weltweite Verbreitung des Verhütungs-Hormonimplantats Jadelle durch Bayer Health Care. Ich spreche hier für das Gen-ethische Netzwerk in Berlin. Wir arbeiten als NGO unter anderem zu Reproduktionsmedizin und Frauengesundheit. Auch spreche ich hier als Wissenschaftlerin der Goethe-Universität in Frankfurt. Dort arbeite ich zu Bevölkerungspolitik in Deutschland und international. Gemeinsam mit anderen Organisationen bin ich hier in Köln, um mehr über die aktuelle globale Vermarktung von Jadelle durch Bayer Healthcare zu erfahren und dagegen zu protestieren.

Vorweg möchte ich klarstellen, dass wir dafür eintreten, dass Frauen und Männer weltweit Zugang zu Verhütungsmitteln bekommen. Dies sollte aber Teil einer Basisgesundheitsversorgung sein, die an lokale Bedürfnisse angepasst ist. Ebenso wichtig ist: Vorrang sollten die Gesundheit und die Handlungsspielräume der NutzerInnen haben.

Wir beobachten aber gerade, dass in der Entwicklungspolitik Gesundheitsbelange zunehmend unter bevölkerungspolitische Ziele untergeordnet werden. Vorrang ist hier, weltweit Geburtenraten zu senken – und zwar ganz besonders in afrikanischen Ländern. Uns empört, dass Bayer Healthcare diese bevölkerungspolitischen Ziele für eine Offensive in der weltweiten Vermarktung des Hormonimplantats nutzt.

Bei Jadelle handelt es sich um ein extrem langfristig, nämlich 5 Jahre, wirksames Implantat, und zwar um Silikonstäbchen, die in den Oberarm eingenäht werden. Jadelle wird auch Norplant II genannt. Das fast identische Vorgängerprodukt Norplant I hat in den 1990er Jahren weltweit für Proteste und Klagewellen gesorgt. Einziger Unterschied: Heute werden nur noch zwei und nicht mehr sechs Silikonstäbchen in den Oberarm eingenäht. Damals wie heute verbreiten diese Stäbchen aber dieselbe Dosis des Hormons Levonorgestrel im Körper. Zu den häufigen Nebenwirkungen komme ich noch. In den 90er Jahren protestierten Frauenorganisationen weltweit gegen Norplant I– von Brasilien bis Bangladesh. In den USA erreichten 36.000 Klägerinnen, dass die damalige Lizenzinhaberin, nämlich Wyeth-Ayerst, etwa 50 Millionen Dollar Entschädigungen zahlte und die Vermarktung einstellte.

Unsere ersten Fragen deshalb: Auch in Deutschland ist Jadelle unseres Wissens nach derzeit nicht zugelassen. Wenn sich dies inzwischen geändert haben sollte, bitten wir um Informationen. Auch wollen wir wissen, ob Sie planen und wenn ja wann, die Zulassung von Jadelle in Deutschland zu beantragen. Eine weitere Frage: Gibt es derzeit juristische Klagen gegen Jadelle? Und wenn ja, in welchem Land und mit welchem Inhalt?

Fakt ist, dass diese Hormonimplantate nicht für die reichen Industrienationen konzipiert wurden. Jadelle wurde vom bevölkerungspolitischen Think Tank Population Council dafür entwickelt, Frauen in Ländern des Globalen Südens möglichst langfristig unfruchtbar zu machen. Das Population Council selbst gibt zu, dass Jadelle-Nutzerinnen mit vielen Nebenwirkungen zu rechnen haben: Es kommt häufig oder sehr häufig zu: ausbleibenden oder zunehmenden Blutungen, Migräne, Depressionen, Gewichtszu- oder abnahme, Haarausfall oder zu starkem Haarwuchs und vieles mehr. Auch das Herausoperieren ist trotz weniger Stäbchen weiterhin ein Problem. Es kommt zu Vernarbungen oder die Stäbchen wandern – und der operative Akt verkompliziert sich. Einen „Alptraum für die Gesundheit der Nutzerinnen“ nannte dies ein Bericht der neuseeländischen Zeitung New Zealand Herald im Jahre 2013.

Wir halten es für absurd, dass Jadelle nun gerade in den ländlichen Regionen Afrikas verbreitet wird, in denen es keine oder kaum medizinische Versorgung gibt. Das heißt, die Nutzerinnen können sich nicht angemessen über die häufigen Nebenwirkungen beraten lassen und können sich die Stäbchen auch nicht jederzeit wieder aus dem Arm herausoperieren lassen. Dies geschieht im Rahmen des so genannten „Jadelle Access Programm“. Dieses Programm wurde 2012 von Bayer Healthcare, der Melinda und Bill Gates Stiftung und verschiedenen Regierungen ins Leben gerufen. Angekündigt ist, dass bis 2018* 27 Millionen Implantate zum verbilligten Preis weltweit verbreitet werden sollen. Die Gates Stiftung hat garantiert, mögliche Ausfällkosten* zu erstatten.

Unsere Fragen: Mit welcher Summe garantiert die Bill und Melinda Gates Stiftung für Ausfallkosten, wenn nicht alle 27 Millionen Implantate bis 2018 verkauft werden?

Wie viele Jadelle-Implantate wurden schon im Rahmen des „Jadelle Access Program“ vermarktet – und in welche Länder? Und: Wie viele Jadelle-Implantate wurden außerhalb dieses Programms insgesamt seit 2012 verkauft – und in welche Länder?

Weiterhin: Haben Sie selbst klinische Studien unternommen oder haben Sie Kenntnis von Studien zu den Nebenwirkungen von Jadelle, welche die spezifischen Gesundheitslage von Frauen in ländlichen Regionen Afrikas berücksichtigen?

Abschließend habe ich noch eine Frage zu Ihrer Werbestrategie:
Wie ist folgende öffentlich von Bayer Healthcare weit verbreitete Botschaft zu verstehen? Bei vollständiger Durchführung könne die Initiative „die Säuglingssterblichkeit um rund 280.000 Fälle und die Müttersterblichkeit um fast 30.000 Fälle senken“. Uns erscheint dies etwas absurd: Logisch ist, dass Frauen, die nicht schwanger werden, auch nicht an einer Geburt sterben können – und Kinder die nicht geboren wurden, auch nicht an Säuglingssterblichkeit. Oder wie ist diese absurde Botschaft sonst zu verstehen?

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und wir warten auf Antworten!

[Lea Horak] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Lea Horak (Rettet den Regenwald e.V.)

Liebe Aktionäre, lieber Vorstand von Bayer,

ich bin heute hier, um Sie im Namen von Rettet den Regenwald und mehr als 200.000 besorgten Bürgern an Ihre Verantwortung gegenüber den Bienen zu erinnern.

Bienen sind für das Leben auf der Erde unersetzbar.
Weltweit werden zwei Drittel unserer Nahrungsmittelpflanzen von Bienen bestäubt.
Doch immer mehr Bienenvölker und viele weitere bestäubende Insekten sterben.
Alleine in Deutschland sollen im letzten Jahr rund 30 Prozent aller Bienenvölker zugrunde gegangen sein.

Nun mögen Sie sich fragen, was das mit Ihnen zu tun hat...
Es sind ihre Pestizide aus der Stoffgruppe der Neonikotinoide, die – ich zitiere die Europäische Kommission – „etliche Risiken für die Bienen“ bergen..
Aus diesem Grund hat die EU den Einsatz zweier Ihrer bienengefährdenden Pestizide verboten.

Doch Sie, Bayer, stellen ihre Profite über den Schutz der Bienen und gehen gerichtlich gegen das EU-Verbot vor.
Wieso akzeptieren Sie die EU-Entscheidung nicht?
Wieso gefährden Sie wissentlich das Überleben der Honigbienen?

Was sagen Sie zu der wissenschaftlich nachgewiesenen Giftigkeit ihrer Pestizide gegenüber anderen (bestäubenden) Insekten?

Was sagen Sie zur Anreicherung der Gifte im Boden?

Wieso gehen Sie gerichtlich gegen Organisationen vor, die die Giftigkeit Ihrer Pestizide öffentlich bekannt machen?

Sie, Bayer, tragen eine große Verantwortung am Bienensterben.
Wie kann Ihrer Meinung nach die Bestäubung der Nahrungsmittelpflanzen gesichert werden, wenn immer mehr Bienenvölker zugrunde gehen?

Bitte verzichten Sie in unser aller Interesse dauerhaft auf die Herstellung und den Vertrieb Ihrer bienengefährdenden Gifte. Ziehen Sie unverzüglich Ihre Klage gegen die EU zurück und kommen Sie der Forderung der mehr als 200.000 Unterzeichner dieser Petition nach, Ihre Profite nicht über den Schutz der Bienen zu stellen.

[testbiotech] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Bayer CropScience: Geschäfte mit Gentechnik-Pflanzen ohne Rücksicht auf die Folgen?

Meine Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstands,

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Sibylle Arians. Die folgenden Fragen zum Bereich Gentechnik sind in Zusammenarbeit mit Christoph Then vom Verein „testbiotech“ entstanden.

Bayer CropScience gehört in den USA zu den Konzernen mit den meisten Anbauzulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen. Zu den Produkten von Bayer gehören herbizidresistente Soja, Baumwolle und Raps.

Bayer ist daher mitverantwortlich für die zunehmende Ausbreitung von herbizidresistenten Unkräutern in den USA und in anderen Anbauregionen gentechnisch veränderter Pflanzen. Bayer CropScience ist Teil einer Landwirtschaft, die auf immer mehr Gifte setzt und den Verlust der biologischen Vielfalt in Kauf nimmt. – Ein Verlust, dessen verheerende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit kommender Generationen unermesslich ist.

Immer mehr Gifte, das können sich die Kleinbauern in aller Welt nicht leisten. Sie verelenden, verlieren ihr Land, und viele trinken schließlich selbst das Gift, um dem Elend ein Ende zu setzen.
Und so frage ich:

Wie beurteilt die Geschäftsführung die Tatsache, dass sich in Anbaugebieten gentechnisch veränderter Pflanzen immer mehr resistente Unkräuter ausbreiten?
Welche Schlüsse werden daraus für das eigene Geschäftsfeld gezogen?

Offensichtlich hat die Firma Bayer die Kontrolle über ihre gentechnisch veränderten Pflanzen längst verloren. Hierzu einige Belege:

• Kontaminationen mit nicht zugelassenem gentechnisch verändertem Reis und Mais haben in den letzten Jahren zu Schäden in Milliardenhöhe geführt.

• Gentechnisch veränderter Raps hat den Sprung vom Acker geschafft und breitet sich unkontrolliert entlang der Felder, Straßen und Transportwege in den USA, Kanada und Japan aus. Dabei treten Kreuzungen gentechnisch veränderter Rapspflanzen auf, die nie auf ihre Risiken getestet wurden. Importe in die EU sind regelmäßig mit Kontaminationen gentechnisch veränderter Rapspflanzen belastet, die hier schon vor über 10 Jahren ihre Zulassung verloren haben.

• Die Gene herbizidresistenter Pflanzen der Firma Bayer finden sich auch in Wildpopulationen von Baumwolle in Mexiko, in den Zentren der biologischen Vielfalt – weitab von den Feldern, auf denen die Gentechnik-Pflanzen offiziell angebaut wurden.

Niemand kann diese Pflanzen der Firma Bayer wieder unter Kontrolle bringen, sie gezielt aus der Umwelt zurückholen.
Niemand weiß, wie sich diese Pflanzen unter den Bedingungen des Klimawandels verhalten werden, ob sie unerwünschte Eigenschaften zeigen und zum Beispiel invasiv werden.
Niemand weiß, ob diese Pflanzen der Firma Bayer noch in 100 oder 1000 Jahren in der Umwelt sein werden und welche Schäden sie bis dahin verursacht haben.
Schon jetzt scheint eine gentechnikfreie Landwirtschaft in den betroffenen Regionen dauerhaft unmöglich geworden zu sein – weil die Firma Bayer mit Gentechnik kurzfristig Kasse machen wollte.

Ich frage den Vorstand: Welche Maßnahmen plant die Firma Bayer gegen die weitere unkontrollierte Ausbreitung ihrer gentechnisch veränderten Pflanzen?

Immerhin hat der Konzern im Jahr 2014 seinen Antrag auf Anbauerlaubnis für gentechnisch veränderte Baumwolle in der EU zurückgezogen.
Doch dieser Schritt wurde wohl nur gemacht, um in Ruhe die nächste Attacke vorzubereiten: In Kooperation mit der Firma Cellectis wird nämlich seit 2014 mit Hilfe sogenannter DNA-Scheren eine ganz neue Generation gentechnisch veränderter Rapspflanzen entwickelt. Diese DNA-Scheren erlauben den Einbau synthetischer DNA und eine radikale Veränderung des Genoms von Pflanzen und Tieren.
Gleichzeitig macht sich Bayer für das Freihandelsabkommen mit den USA stark. Kommt dieses Abkommen, so kann die Firma Bayer darauf hoffen, dass ihre Pflanzen ohne Kennzeichnung angebaut und vermarktet werden dürfen.

Welche Strategie verfolgt die Firma Bayer bei ihrer Zusammenarbeit mit der Firma Cellectis?
Welche Erwartungen verknüpft die Firma Bayer mit den geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

[Karl Murphy] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Mein Name ist Anabel Schnura. Ich trage die Rede von Karl Murphy aus England vor.

Werte Mitglieder des Vorstands, liebe Aktionäre.

Für alles, was ich heute sagen werde, liegen mir auch die entsprechenden Beweise vor, die meine Aussagen stützen.

Ich möchte heute über den hormonellen Schwangerschaftstest Duogynon, auch als Primodos oder Cumorit bekannt, reden. Bayer beharrt weiterhin darauf, dass das Medikament Duogynon nie dem Fötus geschadet hat, aber bis zum heutigen Tag weigert sich Bayer, eigene Dokumente über die entsprechenden Tierversuche offenzulegen.
Wenn dieses Medikament doch so zuverlässig Schwangerschaften bestätigen konnte und nie für Missbildungen verantwortlich war, warum gibt Bayer seine eigenen Studien zu Duogynon nicht frei?

Im Jahr 1969 hat Dr. Michael Briggs von Schering zugestimmt, dass Dr. Gal in Großbritannien hormonelle Schwangerschaftstests an Ratten testet. Er stimmte außerdem zu, Dr. Gal sowohl die Zusammensetzung des Schwangerschaftstests als auch die Versuchsratten zur Verfügung zu stellen. Nur hat Schering „vergessen“ Dr. Gal darüber zu informieren, dass die Ratten, die sie gestellt bekam, gar nicht schwanger waren. In einem auf Oktober 1969 datierten Brief schreibt Dr. Michael Briggs: „Diese Tiere wurden uns von unserem Zulieferer für Versuchstiere, der normalerweise absolut zuverlässig ist, als ‚garantiert tragend’ geliefert“.

Mir erscheint es vielmehr so, dass Schering einfach nicht wollte, dass Dr. Gal die Versuche durchführt, weil sie dann erkannt hätte, welche Schäden dieser hormonelle Schwangerschaftstest den Tieren zufügt. Bayer hatte nie die Absicht, Dr. Gal diese Versuche mit den eigenen hormonellen Schwangerschaftstests durchführen zu lassen.

Ich bin im Besitz von 102 Studien, darunter auch Studien aus Deutschland, die über 3500 Fälle von Missbildungen bei Babys aufzeigen, deren schwangere Mütter entweder hormonelle Schwangerschaftstests oder die Anti-Baby-Pille verordnet bekamen. Über 1000 Abtreibungen nach der Einnahme hormoneller Schwangerschaftstests oder der Anti-Baby-Pille sind aktenkundig. Trotzdem behauptet Bayer weiterhin, dass hormonelle Schwangerschaftstests den Fötus nicht schädigen würden und weigert sich, die eigenen Studien offenzulegen. Ich frage mich warum?

Im Jahr 1967 stand Schering im Kontakt mit dem Pharmahersteller Roussel, der ebenfalls einen hormonellen Schwangerschaftstest namens Amenorone Forte auf dem Markt hatte. Es gab einen regen Schriftwechsel zwischen Roussel und Schering. Mir liegen Studien von Roussel vor. Lassen Sie mich die Aktionäre über die Ergebnisse dieser Studien zu hormonellen Schwangerschaftstests informieren. In den Studien von Roussel ist von Missbildungen in 3,6% und Abtreibungen in 8,6% der Fälle die Rede.

In der Vergangenheit wurden mir weitere Studien aus den USA, Australien, Kanada, Israel, Deutschland, Schweden und Frankreich zugespielt, die ebenfalls die schädigenden Auswirkungen von hormonellen Schwangerschaftstests aufzeigen. Einige dieser Studien sind als „unveröffentlicht“ klassifiziert, und wieder einmal frage ich mich: warum wurden sie nicht veröffentlicht? Die Studien, die mir vorliegen, erklären, warum Bayer die eigenen Studienergebnisse zu Duogynon nicht veröffentlichen wird.

2010 erhielt ich von Bayer ein Schreiben, in dem konstatiert wird, dass Duogynon - in Großbritannien ist es als Primodos bekannt, weshalb ich fortan diesen Namen verwenden werde - im Jahr 1970 als Schwangerschaftstest vom Markt genommen wurde, aber als Medikament zur Behandlung ausbleibender Regelblutungen weiterhin zur Verfügung stand. Also hätten alle Ärzte, die Primodos nach 1970 noch als Schwangerschaftstest verordnet haben, dies „off label“ getan, also auf eigene Verantwortung. Was Bayer dabei vergisst allen da draußen, uns Aktionären inbegriffen, zu erzählen, ist, dass Schering die Ärzteschaft bis 1977 nicht schriftlich über diese Änderung bezüglich der Indikation von Primodos als Schwangerschaftstest informiert hat. Protokolle der Regierung des Vereinigten Königreichs bestätigen dies.

Warum haben Sie die Ärzte nicht schon 1970 über diese Änderung der Indikation von Primodos als Schwangerschaftstest informiert? Na los, Bayer, beantworten Sie diese Frage doch endlich, wo Sie sie doch sonst jedes Mal, wenn ich sie stelle, ignorieren.

Weiterhin hat Schering den Inhalt des Beipackzettels von Primodos bis zum 22. Januar 1974 nicht verändert, obwohl so eine Verwendung als Schwangerschaftstest hätte ausgeschlossen werden können. Dies beweisen interne Schreiben von Schering und auch Dr. Michael Briggs bestätigte dies der WHO. Dr. Michael Briggs von Schering bestätigt ebenfalls, dass die Beipackzettel erst im Juni 1975 dahingehend verändert wurden, eine mögliche Schwangerschaft als Kontraindikation von Primodos aufzulisten. Das war 5 Jahre nachdem dieses Medikament laut Bayer 1970 als Schwangerschaftstest vom Markt genommen wurde und zeigt deutlich die von Schering gefahrene Verzögerungstaktik auf. Dieser Konzern hat erst Jahre später die Ärzte entsprechend unterrichtet und den Beipackzettel geändert. Interne Dokumente von Schering beweisen dies.

Meine Frage an Bayer lautet: Dachten Sie, die Ärzte in Großbritannien konnten Gedanken lesen und die Änderungen, die Sie 1970 bezüglich der Verwendung von Primodos als Schwangerschaftstest vorgenommen haben, vorhersehen?

Wenn Schering bereits 1970 die Ärzte über den veränderten Kurs bezüglich der Verwendung von Primodos informiert hätte, was aber erst 1974/75 indirekt durch den Beipackzettel passierte, hätten tausende Missbildungen und Todesfälle in Großbritannien, Deutschland, und weltweit verhindert werden können.
Mir wurde schriftlich bestätigt, dass Primodos ab 1970 keine Zulassung als Schwangerschaftstest mehr hatte, es wurde also ohne Genehmigung als solcher eingesetzt. Ich komme an dieser Stelle nochmals auf die verordnenden Ärzte zurück. Da diese von Schering nicht über die Veränderungen in Kenntnis gesetzt wurden, kann man Ihnen nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Wie hätten die Ärzte den Gebrauch von Primodos auch ändern sollen, wenn Schering A) den Beipackzettel von Primodos bezüglich der Verwendung als Schwangerschaftstest erst 5 Jahre nach der Entscheidung im Jahr 1970 änderte und B) die Ärzte erst 1977 wirklich von dieser Änderung in Kenntnis gesetzt wurden?

Dies zeigt also, dass Primodos von Schering nach 1970 ohne Zulassung als Schwangerschaftstest in Umlauf gebracht wurde, was gegen den 1968 verabschiedeten „medicines act“ in Großbritannien verstößt, der besagt, dass kein Pharmahersteller Arzneimittel ohne Zulassung in Umlauf bringen darf. Die Behörden im Vereinigten Königreich wurden diesbezüglich kontaktiert und eine Stellungnahme von mir sowie einige Dokumente, die das von mir gesagte beweisen, wurden der Polizei übergeben. Die Behörden prüfen diesen Sachverhalt derzeit. Ich habe Dokumente, die ganz klar bestätigen, dass die Chemikalie Norethisteron, welche in hoher Konzentration in Primodos enthalten war, schon in den frühen 1970ern als kontraindiziert für Schwangere galt.
Warum wurde diese Chemikalie in so hoher Dosierung verwendet, wenn sie doch bekanntermaßen kontraindiziert war?
Warum wurde Primodos in Deutschland und der Dritten Welt auch nach 1970 noch als Schwangerschaftstest verwendet, wenn Schering zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass der Gebrauch kontraindiziert war und die Verwendung als Schwangerschaftstest in Großbritannien schon 1970 zumindest theoretisch gestoppt wurde?
Ein mir vorliegendes Dokument von Schering bestätigt, dass Cumorit in Dritte-Welt-Ländern noch bis 1987 verwendet wurde, obwohl Schering die verheerenden Folgen wohl bekannt waren. Dies offenbart mehr als deutlich den fehlenden Respekt vor menschlichem Leben, die Geldgier, sowie die Gedankenlosigkeit dieses Konzerns.

Bayer, als Antwort auf diese Rede erwarte ich kein Mitleid. Aber ich möchte dass alle hier wissen, auf wessen Kosten Bayer seine enormen Gewinne generiert. Ich weiß, dass Sie weiterhin leugnen werden, dass dieses Medikament für irgendwelche Missbildungen verantwortlich ist. Sie werden die Studien, die diese Zusammenhänge offenlegen würden, ja sowieso nicht veröffentlichen. Wenn Bayer nicht so verdammt feige wäre, würden Sie alle Beweise zum Thema Primodos offen auf den Tisch legen und die Ergebnisse der Versuche an Ratten, Kaninchen und anderen Tieren endlich veröffentlichen.

Vielen Dank.

[Agrar Koordination] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Julia Sievers-Langer, Agrar Koordination

Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrter Aufsichtsrat, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Julia Sievers-Langer. Ich vertrete hier die Agrar Koordination. Die Agrar Koordination setzt sich für eine Landwirtschaft ein, die die Ernährung aller Menschen weltweit sichert, ohne auf Kosten von Umwelt und Gesundheit zu gehen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit heute auf zwei Herbizide lenken, die von Bayer vermarktet werden: Glyphosat und Glufosinat. Sie haben eins gemeinsam mit vielen anderen Pestiziden: sie sind offenbar doch nicht so harmlos wie jahrelang von BAYER und anderen propagiert wurde.

Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Pestizid. Zu einem stark steigenden Glyphosateinsatz kam es v.a. durch die Ausbreitung glyphosatresistenter Pflanzen, die mithilfe der Gentechnik extra dafür geschaffen wurden, das Bespritzen mit dem ansonsten alle anderen Pflanzen tötenden Herbizid zu vertragen. Auch BAYER vermarket derartige gentechnisch veränderte Pflanzen.
Wie einige von Ihnen sicher wissen, soll noch in diesem Jahr über die weitere Zulassung von Glyphosat auf dem EU-Markt entschieden werden. Unbegreiflicherweise hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (kurz BfR), das für die humantoxische Risikobewertung von Glyphosat zuständig ist, dem Urteil der Glyphosat-produzierenden Unternehmen angeschlossen und eine Neuzulassung empfohlen. Die Behauptung, Glyphosat sei nicht humantoxisch, steht im Widerspruch zu Ergebnissen zahlreicher wissenschaftlicher Studien, die darauf hinweisen, dass Glyphosat krebserregend ist, Missbildungen verursachen, die Fruchtbarkeit schädigen und einige weitere gravierende Gesundheitsschäden verursachen kann.

Die Mitglieder der Glyphosat Task Force – ein Zusammenschluss Glyphosat-produzierender Unternehmen, die den Antrag auf Neuzulassung gestellt hat – werden sicher sehr zufrieden sein, dass das BfR ihre Angaben weitgehend kritiklos übernommen hat und dabei offenbar auch eindeutige Fehler und wissenschaftlich zweifelhafte Argumente hat durchgehen lassen.
Sehr geehrter Vorstand, Obwohl BAYER nicht Mitglied dieser Task Force ist, haben Sie sicherlich auch ein hohes Interesse daran, Glyphosat weiter verkaufen zu können. Gerne würde ich von Ihnen erfahren, wieviel Ihnen die Neuzulassung wert ist. Wieviel Umsatz macht BAYER jährlich mit glyphosathaltigen Pestiziden und glyphosatresistenten Pflanzen – in Deutschland und weltweit?

Was haben Sie für eine Neuzulassung von Glyphosat unternommen?
Möglicherweise sind ihre direkten Arbeitsbeziehungen zum BfR nützlich gewesen.

Bitte informieren Sie uns, welche Ziele Sie mit der Mitgliedschaft Ihres Mitarbeiters Dr. Frank Pierre Laporte in der BfR-Kommission für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände verfolgen. Laut einem mir vorliegenden Protokoll erwartet das BfR von dieser Kommission „fachliche Beratung, konzeptionelle Unterstützung und kritische Begleitung bei der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln und ihren Rückständen hinsichtlich Toxikologie, Rückstandsverhalten und Exposition“.

Sehr geehrter Vorstand, können Sie mir Beispiele nennen, wie Sie erfolgreich im Sinne der Geschäftsinteressen von BAYER auf Aspekte der behördlichen Risikobewertung Einfluss genommen haben?

Die behördliche Risikobewertung im Fall von Glyphosat steht derzeit zu Recht massiv in der Kritik, wie auch die Studie „Roundup & Co. – Unterschätzte Gefahren“ näher erläutert.

Es gibt genug wissenschaftliche Hinweise, die ein Verbot von Glyphosat notwendig machen. Das bestätigt auch die Einschätzung der Krebsforschungsinstitution der WHO, die Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einstuft.

Selbst wenn es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, muss das Vorsorgeprinzip beachtet werden.

Besonders gravierend sind die gesundheitlichen Auswirkungen von Glyphosat-Produkten in Südamerika. In Argentinien haben sich die Zahlen der Missbildungen und der Krebsfälle bei Kindern im Umfeld gentechnisch veränderter Sojaplantagen in den letzten Jahren verdreifacht. Ärzte und Wissenschaftler bringen das mit dem stark gestiegenen Glyphosat-Einsatz in Verbindung. Sie konnten nachweisen, dass die Gesundheitsfolgen umso häufiger und schlimmer sind, je näher die Betroffenen an Glyphosat-bespritzten Plantagen wohnen.

Es ist fahrlässig, diese statistischen Fakten zu ignorieren.
Möglicherweise ist es auch das von BAYER vermarktete Glufosinat, das für die gehäuften Missbildungen und Fehlgeburten in Südamerika mitverantwortlich ist.

Im Fall von Glufosinat wird bereits von Seiten der EU bestätigt, dass durch den Wirkstoff ein hohes Risiko ausgehe. Glufosinat kann Missbildungen bei Föten verursachen und ist als reproduktionstoxisch klassifiziert.

Es ist ein politischer Skandal, dass Glufosinat trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterhin in der EU zugelassen bleibt, nach aktuellem Stand bis Ende September 2017.

Sehr geehrter Vorstand, meiner Meinung nach ist es ein moralischer Skandal, dass Sie als Hersteller Glufosinat noch immer nicht vom Markt genommen haben, sondern im Gegenteil sich das Ziel gesetzt haben, die Produktion von Glufosinat weltweit zu verdoppeln. Und Sie schreiben auf eine Anfrage der Agrar Koordination, dass Sie überzeugt seien, „gute Argumente für eine Wiederzulassung des Wirkstoffs zu haben“.

Sagen Sie uns doch bitte, was das für Argumente sind angesichts der bestätigten massiven Gesundheitsgefahren! Welche Argumente können schwerer wiegen als die Verpflichtung, die Entstehung von Missbildungen bei Embryos als Folge des Glufosinat-Einsatzes zu verhindern? Ihre Beteuerung, dass Glufosinat bei „verantwortungsvoller und vorschriftsmäßiger Anwendung“ sicher für Mensch und Umwelt sei, ist wenig überzeugend – gerade wenn man an den Einsatz von Pestiziden unter Armutsbedingungen in Afrika, Asien und Südamerika denkt. Dort werden oft selbst minimale Schutzvorkehrungen nicht eingehalten und die Anwender werden nicht angemessen über Risiken und Anwendungsbestimmungen aufgeklärt, was auch in die Verantwortung derjenigen fällt, die die Pestizide herstellen und vertreiben. Angesichts des in einigen Ländern verbreiteten Spritzens per Flugzeug, ist die ländliche Bevölkerung den Pestiziden besonders schutzlos ausgeliefert.

Ihr Ziel ist es, die Glufosinatproduktion zu verdoppeln. Bitte berichten Sie uns davon, was bisher aus diesem Ziel geworden ist – insbesondere im Hinblick auf den Glufosinatvertrieb in Asien, Afrika und Südamerika, wo viele Menschen durch Pestizidanwendungen besonders gefährdet werden.

Bitte teilen Sie uns auch mit, inwiefern Sie Ihre Mitarbeit in Programmen der Entwicklungszusammenarbeit unserer Regierung strategisch nutzen, um dieses Ziel zu verwirklichen. Meines Wissens wird zum Beispiel in Projekten der German Food Partnership der Einsatz von Pestiziden im Rahmen von Trainings und Beratungsmaßnahmen thematisiert. Welche Rolle spielt BAYER dabei bzw. die von BAYER vermarkteten Pestizide? Nutzen Sie Ihre Mitarbeit in der German Food Partnership, um Glufosinat, Glyphosat und Ihre anderen Pestizide zu vermarkten?

Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrte Damen und Herren, zum Schluss möchte ich Ihnen eine persönliche Frage stellen: trifft es Sie, was Sie eben gehört haben?

Auch wenn Sie das Gehörte nicht betroffen macht, sind Sie bereits persönlich von den Gefahren der von BAYER vermarkteten Pestizide betroffen. Denn die Rückstände von Glyphosat und Glufosinat landen auch auf Ihren Tellern.
Es sollte also auch in Ihrem gesundheitlichen Eigeninteresse sein: Setzen Sie sich in Ihrem Einflussbereich dafür ein, dass BAYER die Produktion von Glyphosat und Glufosinat einstellt.

[Philipp Mimkes] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Philipp Mimkes, Hauptversammlung 27. Mai 2015

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Philipp Mimkes. Ich bin von Beruf Physiker und spreche für die Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Ich habe einige Fragen zur Vergangenheit von BAYER und einige zur Zukunft. Beginnen wir chronologisch:

Vor genau 100 Jahren wurden erstmals chemische Kampfstoffe eingesetzt. Der Jahrestag war vor wenigen Wochen.
Im belgischen Ypern haben deutsche Truppen damals hunderte Tonnen Chlorgas abgelassen. Allein bei diesem Angriff gab es mehr als tausend Tote.

Die geistigen Väter deutscher Chemiewaffen waren Fritz Haber sowie Carl Duisberg, der damalige Generaldirektor von BAYER.

Unter Duisbergs Leitung wurden bei BAYER damals immer giftigere Kampfstoffe entwickelt, zunächst Phosgen und später das berüchtigte Senfgas. Duisberg beteiligte sich auch persönlich an den Versuchen, ganz hier in der Nähe, auf dem Truppenübungsplatz in Köln-Wahn.

In Briefen an die Oberste Heeresleitung forderte Carl Duisberg immer wieder den Einsatz der neuen Waffen. Ich zitiere: „Die einzig richtige Stelle aber ist die Front, an der man so etwas heute probieren kann (…). Ich kann deshalb nur noch einmal dringend empfehlen, die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen“.

Herr Dekkers: Sie haben noch vor zwei Jahren hier an dieser Stelle die „historischen Verdienste“ Duisbergs gerühmt.

Herr Dekkers: Vor wenigen Monaten wurde in Dortmund die dortige Carl-Duisberg-Straße umbenannt.
Die Entscheidung beruht auf einer Untersuchung von Historikern des Dortmunder Stadtarchivs. Hieraus darf ich kurz zitieren:
„Duisberg gehörte zu den führenden deutschen Industriellen, die während des Krieges die illegale Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten. (…) Als Patriarch lehnte Duisberg bis zu seinem Tod Gewerkschaften entschieden ab.“ Auch Duisbergs Unterstützung des antisemitischen „Alldeutschen Verbands“ wird von den Historikern genannt.

Ebenfalls in diesem Jahr wurde in Lüdenscheid der dortige Duisbergweg umbenannt. Das dortige Stadtarchiv schreibt zur Begründung:
„Während des Ersten Weltkriegs wurde unter Duisbergs Vorsitz bei BAYER Giftgas für den Kriegseinsatz produziert. In Leverkusen war das u.a. Phosgen, ein Gas, das besonders grausam wirkt“.
Aktuell gibt es auch in Frankfurt Bestrebungen, die dortige Duisbergstraße umzubenennen.

Meine Frage an den Vorstand lautet:
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus diesen Straßen-Umbenennungen?
Wann will sich BAYER endlich von Kriegsverbrechern wie Carl Duisberg distanzieren?
Und wann von Fritz ter Mer? Zur Erinnerung: Fritz ter Mer wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt und wurde später Aufsichtsrats-Chef von BAYER.
Wann distanzieren Sie sich von Gerhard Schrader, dem Erfinder von Giftgasen wie SARIN und TABUN?
Und wann von Kurt Hansen, einem Nazi der ersten Stunde, der nach dem Krieg Vorstandsvorsitzender von BAYER wurde? Bis heute ist ein Wissenschafts-Preis von BAYER nach Kurt Hansen benannt.

Herr Dekkers: Sie sind erst einige Jahre hier. Und nächstes Jahr sind Sie auch schon wieder weg.
Sie sind dem Korps-Geist bei BAYER nicht verpflichtet – anders vielleicht als Herr Wenning, der sein Leben lang hier gearbeitet hat.
Herr Dekkers, was hindert Sie eigentlich daran, sich ein für alle Mal von dieser Kriegsverbrecher-Riege loszusagen?

Ganz nebenbei: die Öffentlichkeit würde diesen überfälligen Schritt sicherlich honorieren.

Ich komme zu einem anderen Thema, dem Einsatz regenerativer Energien und Rohstoffe bei BAYER.

Im Geschäftsbericht auf Seite 109 lesen wir: „Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe spielt bei Bayer noch eine untergeordnete Rolle.“

Im Geschäftsbericht vom Vorjahr hieß es: „Der Anteil erneuerbarer Energien lag konzernweit bei 0,7 %.“
Offenbar war Ihnen das selbst ein bisschen peinlich => denn in diesem Jahr fehlt eine entsprechende Angabe.

Hierzu gleich die erste Frage:
wie hoch war im Vorjahr bei der von BAYER selbst erzeugten Energie der regenerative Anteil?
Warum wurde diese Zahl im Geschäftsbericht gestrichen?

Unabhängig davon, ob es nun 0,7 oder 0,9% sind:
Offenbar werden hier bei BAYER entscheidende Weichen falsch gestellt!

Denn schon heute sind viele Rohstoffe knapp, oder können nur mit riesigem Aufwand gefördert werden.
Beispiele hierfür: Phosphor, Kupfer, Seltene Erden; natürlich auch Öl und Gas

Hier bei BAYER jedoch basiert Produktion noch immer zu >90% auf fossilen Rohstoffen
dementsprechend stagniert der CO2-Ausstoß bei mehr als 8 Mio Tonnen

Herr Dekkers:
Auch in Ihrer Amtszeit wurde eine Umstellung auf regenerative Energien verschlafen. Ebenso die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe + auf biologisch abbaubare Endprodukte.

Doch ob sie wollen oder nicht:
Parallel zur Energie-Wende wird es in absehbarer Zeit auch zu einer Chemie-Wende kommen. Ich frage mich, ob Bayer – und speziell die Kunststoff-Sparte, die Sie verkaufen wollen – hierauf vorbereitet sind.

Langfristig werden Sie diese Ressourcen-Verschleuderung sowieso nicht fortführen können. Zum einen wegen dem Klimaschutz. Zum anderen, weil schlichtweg die Rohstoffe schwinden.

Herr Dekkers: Sie setzen sich für Fracking ein.
Aber selbst durch Fracking, oder auch durch die Ausbeutung von Öl-Sanden können Sie den Wandel allenfalls ein paar Jahre verzögern.
Langfristig wird aber auch bei BAYER eine Abkehr von der Petrochemie nötig sein.

Und schon heute können ja Dämmstoffe, Polymere, Lacke, Textilfasern, Klebstoffe und vieles mehr aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Und zwar in derselben Qualität.

Daher meine Frage:
Wie sehen die Pläne bei Bayer für einen Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe und auf regenerative Energien aus - in zehn oder auch in zwanzig Jahren?

Herr Dekkers, haben Sie da irgendeine Vision?
Sie können sich ja mal bei Ihrem Sitz-Nachbarn erkundigen. Herr Wenning kann Ihnen hautnah berichten, wie es sich anfühlt, wenn eine ganze Branche ins Taumeln gerät.

Denn Herr Wenning ist ja nicht nur hier bei BAYER, sondern auch bei E.On Aufsichtsrats-Vorsitzender. Also bei der Firma, die gerade hektisch versucht, ihr Geschäft mit Atom- und Kohlestrom los zu werden und deren schiere Existenz auf dem Spiel steht.

Mitleid ist an dieser Stelle natürlich fehl an Platz: Firmen wie RWE und E.On haben den Umstieg auf regenerative Energien schließlich eine Generation lang nach Kräften blockiert
und hierfür ist Herr Wenning mitverantwortlich.

=> letztlich waren die Geschäftsmodelle der Chemie-Industrie und der Energiewirtschaft in letzten 50 Jahren sehr ähnlich.
Beide basierten auf fossilen Stoffketten, die langfristig ausgedient haben.
Insofern wird die Entwicklung auch künftig parallel verlaufen.

Was hingegen macht Bayer, insbesondere die Kunststoff-Sparte?
Sie versuchen immer noch ein „business as usual“. Sie bauen neue Anlagen, z.B. im letzten Jahr die TDI-Anlage, die über Jahrzehnte hinweg enorme Ressourcen verbrauchen und deren Produkte auf natürlichem Weg nicht abbaubar sind.

Hierzu meine Frage:
Wie viel CO2 wird bei der Produktion von einer Tonne TDI emittiert (und zwar in der gesamten Produktionskette)? Wie viel bei MDI und Polycarbonat?
Unabhängige Schätzungen ergeben bis zu sechs Tonnen CO2 pro Tonne Endprodukt.
Warum finden sich diese wichtigen Informationen eigentlich nicht in den Antragsunterlagen?

Gipfel nicht-nachhaltiger Kunststoff-Produktion:
Die Herstellung von Mikroplastik (Markenname bei BAYER: Baycusan)
winzige Kunststoff-Kügelchen, die Kosmetika, Reinigungsmitteln und Shampoos beigefügt werden
Früher wurden hierfür einfach zerkleinerte Fruchtkerne eingesetzt.
Mikroplastik hingegen kann von Kläranlagen nicht aufgefangen werden und gelangt über die Flüsse in die Ozeane und trägt zum Problem des Plastikmülls bei.

Die Bundesregierung teilt unsere Bedenken. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage hieß es kürzlich:
„Die Bundesregierung kann Umweltbelastungen, ggf. auch irreversible, durch die in Kosmetikprodukten verwendeten Mikrokunststoffpartikel nicht ausschließen. Dem Vorsorgeprinzip folgend wirkt sie daher auf einen freiwilligen Ausstieg aus der Nutzung von Mikrokunststoffpartikeln in Kosmetikprodukten hin.“

Insgesamt landen jedes Jahr rund zwanzig Millionen Tonnen Kunststoff in den Weltmeeren.
Ein großer Teil wird von Mikroorganismen aufgenommen. Über den Fischfang geraten die Stoffe schließlich auch in die menschliche Nahrung.

Für dieses ökologische Desaster trägt BAYER eine Mitverantwortung.
Denn BAYER zählt zu den weltweit größten Herstellern von Kunststoffen wie TDI, MDI und Polycarbonat, die sämtlich biologisch nicht abbaubar sind.

Daher abschließend die Fragen:
=> Wie hoch lagen die Umsatzzahlen für Mikroplastik im vergangenen Jahr?
=> Wie groß war die produzierte Menge?
=> Unterstützt Bayer das Ziel der Bundesregierung, den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika zu beenden?
=> Was tut Bayer, um den Eintrag von Kunststoffen in Flüsse und Ozeane auszuschließen?
=> Wie will Bayer den Anteil regenerativer Energien erhöhen?
=> Welche Schritte sind vor dem Verkauf von Bayer MaterialScience geplant bezüglich einer Umrüstung auf nachwachsende Rohstoffe und auf biologisch abbaubare Produkte?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

[Jan Pehrke] Hauptversammlung 2015

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte heute zum Thema „BAYERs Steuer-Zahlungen“ sprechen.

Auch in diesem Jahr hat BAYER wieder einen Umsatz-Rekord erzielt. Aktuell ist das Unternehmen der wertvollste Konzern im Dax. Die Stadt Leverkusen aber, in der BAYER seinen Stammsitz hat, darbt. Sie ist in der Haushaltssicherung, d. h., sie ist an strenge Sparauflagen des Landes gebunden und auf Unterstützung aus dem „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ angewiesen.

Sie ist in diese missliche Lage gekommen, weil die Gewerbsteuer-Einnahmen stetig sinken. Betrugen sie 1990 noch 123 Millionen Euro, so beliefen sie sich im letzten Jahr auf nur noch auf 28 Millionen Euro. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat BAYER. Das Unternehmen zahlt immer weniger Angaben. Und 2014 forderte es zu allem Übel dann auch noch Steuer-Vorauszahlungen in Höhe von 28 Millionen Euro zurück – der MERCK-Kauf machte das möglich. Das hatte BAYER seinen Aktionären gleich nach Abschluss des Deals freudig mitgeteilt. Ich zitiere aus dem Aktionärsbrief:

„BAYER rechnet ab dem ersten Jahr nach dem Vollzug mit signifikanten Steuer-Einsparungen“

Als der Leverkusener Stadtkämmerer Frank Stein das bei einem seiner regelmäßigen BAYER-Termine erfuhr, musste die Stadt ihre ganze Haushaltsplanung über den Haufen werfen und ein komplett neues Entschuldungskonzept erstellen. Und was das bedeutet, war der Kommune sofort klar.

„Der Sparkommissar winkt“,

sagte der Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn. Und Frank Stein sah nach dem Gespräch in der Konzern-Zentrale düster in die Zukunft:

Bei der Gewerbesteuer, so Stein – ich zitiere: „müssen wir in Zukunft von ganz anderen Volumina ausgehen“

Hierzu jetzt meine ersten Fragen:

1. Wie viel Gewerbesteuer hat BAYER 2014 in Leverkusen gezahlt?

2. Wie viel Gewerbesteuer hat BAYER in der Stadt in den letzten fünf Jahren gezahlt?

3. Wird BAYER je noch einmal so viel Gewerbesteuer zahlen wie in den 1980ern und 1990er Jahren?

4. Ist die Einschätzung des Leverkusener Stadtkämmerers richtig, dass sich die künftigen Gewerbesteuer-Zahlungen BAYERs auf dauerhaft niedrigem Niveau bewegen werden?

BAYER kann nicht nur die Zukäufe seine Steuerlast mindern. Dem Konzern steht dafür ein ganzes Arsenal an Möglichkeiten zur Verfügung. So nutzt er exzessiv die Steuersparmodelle, die sich in der großen weiten Welt so bieten. Er hat dafür eine eigene Abteilung, die sich mit so genannten „Global Tax Projects“ befasst. „Tax Planning“ betreibt diese nach ihren eigenen Worten.

Eine große Rolle bei diesem Tax-Planning spielen die Niederlande und Belgien. Die Länder locken nämlich mit einem günstigen „Fiskal-Klima“, wie es heißt. Deshalb haben dort BAYER-Firmen wie BAYER WORLD INVESTMENTS, BAYER GLOBAL INVESTMENTS und BAYER CAPITAL CORPORATION ihren Sitz. Sie zählen zu den BAYER-Gesellschaften mit dem höchsten Eigenkapital. Zu BAYER WORLD INVESTMENTS verschob BAYER 2012 etwa Anteile an seinen US-Gesellschaften im Wert von 1,4 Milliarden Euro, und im letzten Jahr erfolgte nochmals eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund vier Milliarden Euro. BAYER GLOBAL INVESTMENTS bekam 2012 hingegen Anteile an französischen BAYER-Unternehmen im Wert von 526 Millionen Euro übertragen.

Dazu jetzt einige Fragen:

1. Wie viel Unternehmenssteuern konnte BAYER durch die Übertragung von Anteilen US-amerikanischer und französischer Gesellschaften an holländische sparen?

2. An wie vielen BAYER-Gesellschaften sind holländische und belgische Konzern-Niederlassungen beteiligt?

3. Welchen Gewinn erwirtschafteten die holländischen und belgischen Konzern-Niederlassungen, und wie viel Steuern zahlten sie dafür?

4. Und schließlich, da ich den Eindruck habe, bei BAYER GLOBAL INVESTMENT und den anderen Unternehmen handelt es sich im reine Briefkastenfirmen: Wie viel Umsatz erwirtschaften die Gesellschaften mit wieviel Angestellten?

Holland und Belgien offerieren den Konzernen zahlreiche Steuersparmodelle. Besonders konzern-interne Geschäfte lassen sich dort steuergünstig tätigen. Dass sich Geschäfte steuermindernd auswirken, die man mit sich selber macht und noch dazu mit selber festgelegten Preisen, ist meiner Meinung nach an sich schon ein Unding, weil es sich dabei um reine Scheingeschäfte handelt, aber naja ...

Holland etwa bietet sich besonders für konzern-interne Deals mit Patent- und Markenrechten an. Der Staat berchnet für Einnahmen, die daraus erwachsen, dass einzelne Unternehmensteile für die Nutzung von Patenten und Marken-Rechten zahlen, nämlich nur unschlagbare fünf Prozent Körperschaftssteuer. BAYER hat unlängst abgestritten, in Holland die Markenrechte für ASPIRIN deponiert zu haben. Deshalb möchte ich fragen:

1. Welche Patent-, Urheber- und Markenrechte hat BAYER holländischen Gesellschaften übertragen?

Wie der holländische wirbt auch der belgische Staat ganz offiziell mit seinen Qualitäten als Steuer-Oase. So erklärt er:

„Verschiedene Steuer-Anreize im Bereich der Personen- und Unternehmenssteuer machen Belgien zu einem der attraktivsten Standorte für ein Unternehmen“

Ein solcher Anreiz besteht darin, Zinsen auf Eigenkapital zu gewähren. 2011 hat BAYER deshalb das Eigenkapital bei BAYER ANTWERPEN auf acht Milliarden Euro verdoppelt. Für den Gewinn in Höhe von 254,8 Millionen Euro, den diese Gesellschaft machte, musste BAYER nur knapp 11 Millionen Euro Steuern zahlen, das entspricht einer Steuer-Quote von 4,3 Prozent. Der Konzern selbst erklärte dazu, ich zitiere:

„BAYER nutzt wie einige andere Unternehmen das günstige makrowirtschaftliche Klima in Belgien, das durch den Abzug für Risikokapital geschaffen wurde“

Zudem vergibt BAYER ANTWERPEN im großen Stil Kredite an andere BAYER-Firmen. Diese können mit den Schulden dann ihre Steuerlast an ihren Stammsitzen mindern, während BAYER ANTWERPEN für die anfallenden Zinsen in Belgien kaum Steuern zahlen muss. Hierzu jetzt meine Frage:

1. In welchem Volumen hat BAYER ANTWERPEN anderen BAYER-Gesellschaften im Geschäftsjahr 2014 Kredite gewährt?

Ich habe hier nur einige Steuervermeidungsmodelle BAYERs aufgezählt. Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern. Mit diesem Handeln entzieht sich der Konzern systematisch seiner gesellschaftlichen Verantwortung. Die Folge davon ist, dass die abhängig Beschäftigten mit ihrer Lohnsteuer für einen Großteil des Steuer-Aufkommens sorgen müssen. Die Erträge aus der Gewerbesteuer und der Körperschaftssteuer tragen nur noch minimal zu den Finanzamt-Einnahmen bei. Rund zwei Prozent macht ihr Anteil aus. Und BAYER hält seine Steuer-Politik nicht einmal davon ab, hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des Staates zu formulieren. So fordert das Unternehmen an seinen Standorten immer wieder Investitionen in die Infrastruktur ein, wie etwa den Ausbau von Autobahnen oder den Neubau von Brücken.

Dazu jetzt meine beiden abschließenen Fragen:

1. Empfindet BAYER es nicht als Widerspruch, dem Staat immer mehr Mittel zu entziehen, gleichzeitig aber nach wie vor zahlreiche Leistungen von ihm einzufordern?

2. Ist damit zu rechnen, dass BAYER seiner gesellschaftlichen Verantwortung in nächster Zukunft wieder mehr gerecht wird?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!