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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

Axel Köhler-Schnura

CBG Redaktion

Meine Damen und Herren, guten Tag,

mein Name ist Axel Köhler-Schnura. Ich bin ehrenamtlich im Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Auch bin ich Gründungsmitglied des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
Vorweg die Feststellung, meine Damen und Herren, wir alle haben gemerkt, wie schwierig es geworden ist, an die Eintrittskarten zu kommen und welche umfangreichen Fragebögen in welch’ knappen Fristen dafür eingereicht werden müssen. Die augenscheinlich deutlich geringer gewordene Beteiligung von KleinaktionärInnen an dieser HV ist eindeutig darauf zurück zu führen. Meine Frage: Wird BAYER im nächsten Jahr das Eintrittskartenverfahren wieder vereinfachen und sich auf eine simple Bestellung in komfortabler Frist umstellen?

Herr Wenning,
wir haben heute schon viel über Ihren Abgang als Vorstandsvorsitzender gehört. Es haben vorhin hier in mehreren weit über 10 Minuten langen Reden – übrigens ohne jede Ermahnung des Versammlungsleiters – gehört, was sich angeblich alles Tolles mit Ihrem Namen verbindet, welche Verdienste Sie hätten usw.. Sie selbst haben sich heute morgen für das Vertrauen bedankt, das Ihnen die AktionärInnen angeblich in Ihrer Amtszeit entgegen gebracht hätten.
Nun Herr Wenning, seien Sie doch ehrlich, Sie wissen, dass Sie das Vertrauen nur mancher AktionärInnen haben. Viele AktionärInnen bringen Ihnen nur wenig bis gar kein Vertrauen entgegen. Und das Vertrauen großer Teile der Belegschaft – mal abgesehen von solchen GewerkschafterInnen wie wir heute schon eine erleben durften - und das Vertrauen großer Teile der Bevölkerung haben Sie schon gar nicht. Immerhin haben 110.000 Menschen allein im Bundesland Nordrhein-Westfalen gegen Sie unterschrieben. Mit Ihrem Namen verbindet sich nicht nur die Vernichtung von Arbeitsplätzen im großen Stil, sondern auch die Unglaublichkeit, in einem der am dichtesten besiedelten Ballungsräume Europas, in der sogenannten Rheinschiene, mit zahlreichen eng beeinander liegenden Großstädten wie Köln, Düsseldorf und Duisburg mitten durch die Wohngebiete eine 65 Kilometer lange Pipeline für tödliches Gas zu verlegen. Und mit Ihnen verbindet sich u.a. auch, dass Sie in einem Spiegel-Interview Gier zu einer Qualität unternehmerischen Handelns erhoben haben.
Herr Wenning, ich kann nur sagen, Sie mögen sich für die Profite des Konzerns einen Namen gemacht haben, aber für die Belegschaften, für die Allgemeinheit und für die Umwelt haben Sie großen Schaden angerichtet. In insofern können Sie von mir keinen herzlichen Abschied erwarten. Aber das tun Sie ja sicher auch nicht.
Meine Damen und Herren,
ich möchte natürlich auch den neuen Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dekkers, begrüßen. Auch er wurde ja heute bereits umfangreich gewürdigt.
Meine Damen und Herren,
mit Herrn Dekkers wird bei BAYER eine jahrhundertealte Tradition beendet. Es war seit Gründung des Konzerns in Wuppertal 1862 immer so, dass der Vorstandsvorsitzende aus dem „eigenen Stall“ kommt. Herr Dekkers kommt erstmals von außen.
Da fragen wir uns natürlich, warum?
Die Antwort ist klar: Mit Herrn Dekkers soll der Umbau des BAYER-Konzerns hin zu einer der großen internationalen Profit-Maschinen noch brachialer voran getrieben werden als das bisher schon der Fall ist.
Meine Damen und Herren,
in diesem Zusammenhang möchte ich in Erinnerung rufen, dass es inzwischen einige für die Öffentlichkeit anonyme Großaktionäre gibt, die an diesem Konzern fünf und zehn Prozent des Kapitals in einer Hand besitzen. Und die haben endgültig an nichts mehr Interesse außer an Profiten.
Vor diesem Hintergrund ist unser Gruß zu verstehen, der bereits vor der Halle auf den Transparenten und Flugblättern zu lesen war - niederländisch zwar nicht ganz korrekt, aber umso unmissverständlicher:
Opgepast Herr Dekkers,
Profijte sijn niet lekkers!
Herr Dekkers, Sie wissen, dass der profitorientierte Um- und Ausbau des BAYER-Konzerns – und darüber informieren wir als kritische AktionärInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren seit Jahren – verheerende Folgen für die Beschäftigten, die soziale Sicherheit der Bevölkerung, das internationale Rechtssystem, die Demokratie, die Umwelt und den Weltfrieden hat. Deshalb fordern wir Sie heute schon auf, sorgen Sie dafür, dass der BAYER-Konzern angesichts der Tatsache, dass diese unsere Welt am Rande des Kollaps steht, endlich einen wahrhaft zukunftsorientierten Kurs einschlägt. Einen Kurs, bei dem Solidarität, Umweltschutz, Menschenrechte, Frieden und soziale Gerechtigkeit Priorität vor Profit und Ausbeutung von Mensch und Umwelt haben! Andernfalls, Herr Dekkers, können Sie sich zwar im goldenen Schein der Profite sonnen, aber Sie werden den Zorn und die Wut der Beschäftigten, der Menschen und der Kinder und Enkel auf sich ziehen.
Ebenso wie ihren Vorgängern von Herrn Haberland über Herrn Grünewald, Herrn Strenger und Herrn Schneider bis hin zu Herrn Wenning werden wir Ihnen, Herr Dekkers, auf die Finger schauen und Ihnen nichts durchgehen lassen.
Meine Damen und Herren,
wenn ich die Vorstandsvorsitzenden der letzten 30, 40 Jahre gerade angesprochen habe, so gilt für Sie alle, wie für auch deren Vorgänger in den Jahrzehnten davor ein Satz, der sicher hart, aber leider doch wahr ist. Der Satz stammt aus Hollywood und lautet: Leichen pflastern ihren Weg!
Um diesen Satz zu belegen, erinnere ich daran, dass der BAYER-Vorstand Carl Duisberg wegen der BAYER-Massenvernichtungswaffen nach dem Ersten Weltkrieg auf die Liste der Kriegsverbrecher des Ersten Weltkriegs gesetzt wurde.
Ich erinnere daran, dass Fritz ter Meer und andere Vorstände mit Entwicklung und Lieferung von ZYKLON B an die Hitler-Nazis die Verantwortung für den Holocaust tragen. Dass Sie maßgeblich den Zweiten Weltkrieg vorbereiteten und deswegen als Kriegsverbrecher verurteilt wurden.
Ich erinnere daran, dass das bundesdeutsche Leitmedium „Stern“ im Zusammenhang mit dem Verbrechen, dass dieser Konzern noch bis in die 90er Jahre hinein HIV-verseuchte Bluterpräparate in vollem Wissen um ihre tödliche Wirkung vermarktet hat, von „vorsätzlichem Mord“ sprach.
Ich erinnere daran, dass dieser Konzern mit seinen sogenannten Holzschutzmitteln Tausenden und Abertausenden Menschen die Gesundheit und vielen davon auch das Leben raubte und es damit einmalig in der Nachkriegsgeschichte des Konzerns in den 80er Jahren zu staatsanwaltlichen Aktenbeschlagnahmungen in Leverkusen sowie mit vielen tausend Opfern zum größten Umweltprozess der Geschichte kam.
Ich erinnere daran, dass BAYER immer wieder im Zusammenhang mit tödlichen chemischen Waffen in die Schlagzeilen gerät.
Ich erinnere daran, dass es der BAYER-Konzern war, der die profitable aber tödliche Idee hatte, chemische Kampfstoffe in bunte Dosen zu packen, Insekten zu „Schädlingen“ zu erklären und diese chemischen Waffen bis zum heutigen Tag als Pestizide zu vermarkten. Mit der Folge in Summe aller Pestizideinsätze von jährlich tausenden Toten und hunderttausenden in ihrer Gesundheit Geschädigten in aller Welt.
In diesem Zusammenhang erinnere ich übrigens auch daran, dass Sie da oben von der Vorstandsriege, insbesondere Sie Herr Schneider, versprochen haben, die gefährlichsten Ihrer Kampfstoff-Pestizide bis zum Jahr 2000 vom Markt zu nehmen und bis heute dieses - Ihr eigenes Versprechen - Jahr für Jahr brechen.
Und um die Sprache in der langen Reihe der tödlichen Auswirkungen von BAYER-Produkten auf ein top-aktuelles Beispiel zu bringen: Meine Damen und Herren, der BAYER-Konzern vermarktet trotz seiner tödlichen und schweren gesundheitsschädigenden Wirkungen die Antibabypillen Yasmin, Yaz und Yasminelle.
Meine Damen und Herren,
erlauben Sie mir eine ganz persönliche Bemerkung. Was die Betriebsratsvorsitzende aus dem BAYER-Werk Wuppertal, Frau Kiesler, vorhin hier am Mikrofon angesichts des Leids der Opfer von Jasmin und deren Angehörigen von sich gegeben hat, und das auch noch im Wissen um die weltweiten Schlagzeilen zum BAYER-Medikament LipoBay, die vielen Todesopfer von ASPIRIN und die tödlichen BAYER-Bluter-Pharmazeutika, für das gibt es leider nur einen Kommentar: Unterste Schublade!
Ich spreche ausdrücklich allen Opfern von BAYER-Medikamenten, insbesondere den Opfern des Medikamentes Yasmin, meine Solidarität und mein Mitgefühl aus. Ich bin überzeugt, dass das viele meiner MitaktionärInnen hier im Saal ebenso tun.
Ist es bereits ein Skandal, tödliche Wirkstoffe als Medikamente zu vermarkten, so ist es geradezu - und Herr Wenning, auch wenn Sie nachher in Ihrer Antwort wieder Anstoß nehmen an dieser Vokabel - ist es geradezu menschenverachtend, die Zugangsschwellen für diese Stoffe über verharmlosende Werbung etc. herunterzusetzen.
Und noch schändlicher ist es, Herr Wenning, wenn der Konzern das Ganze noch regelmäßig toppt, indem er nach Eintritt der Schadens- und Todesfälle jede Verantwortung leugnet, die Opfer oftmals sogar verhöhnt und Entschädigungen für die Opfer und deren Angehörigen grundsätzlich verweigert.
Und bei der Gelegenheit: Herr Wenning, weshalb weigern Sie sich, die Entschädigungen für Opfer der tödlichen und gesundheitsschädigenden BAYER-Bluter-Produkte aufzustocken, nachdem der durch massivste öffentliche Proteste erzwungene erste Vermögensstock aufgezehrt ist?
Meine Damen und Herren,
damit komme ich zu meinen bzw. unseren Anträgen. Diese Anträge stellen mit mir die Coordination gegen BAYER-Gefahren und viele AktionärInnen, die mich bzw. uns beauftragt haben.
Zunächst zum Gewinnantrag:
Wir beantragen die Kürzung der Dividende von 1,30 Euro auf 10 Cent je Aktie. Die frei werdenden Milliarden sollen verwendet werden
- für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;
- für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;
- für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards.
- und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses an die Opfer bzw. deren Angehörige und Nachkommen.
Es sei wie jedes Jahr angemerkt, daß wir durchaus auch den völligen Verzicht auf jede Dividendenausschüttung im Sinne der erläuterten Sozial-, Menschenrechts- und Ökologie-Leistungen beantragen würden, doch nach der Lage der Gesetze ist das nicht möglich.
Meine Damen und Herren,
wir stellen weiterhin die Anträge, den Vorstand nicht zu entlasten und auch dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Wir begründen diese Nicht-Entlastungen damit, dass beide Gremien ihrer Verantwortung im dargelegten Sinne in keiner Weise gerecht wurden und uns zudem hier im Saal in die Irre führen.
Meine Damen und Herren Kleinaktionäre und Kleinaktionärinnen,
sollten Sie die HV vorzeitig verlassen, aber dennoch mit uns stimmen wollen, so lassen Sie Ihre Aktien nicht von BAYER unten am Ausgang vertreten, sondern von uns. Lassen Sie sich auch nicht von BAYER-Mitarbeitern bedrängen, die Ihnen die Stimmrechte abfordern, wenn Sie den Saal verlassen. Es ist Ihr gutes Recht, uns Ihre Stimmrechte zu übertragen. Sie finden uns hier vorne, von Ihnen aus gesehen links.
Stärken Sie mit ihren Aktien das wichtige Signal für soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte. Stimmen Sie bei ALLEN Tagesordnungspunkten als Ausdruck Ihres Einsatzes für Umwelt, soziale Sicherheit und Frieden mit NEIN!
Vielen Dank.

[Marlis Elsen] Rede auf der Bayer- Hauptversammlung am 30.4.2010 im Namen und im Auftrag der Familienheimsiedlung Lehmkuhler Weg e.V.

CBG Redaktion

gehalten von Marlis Elsen

Ein schlechter Plan, eine mehr als mangelhafte Durchführung, die fehlende Notwendigkeit der höchstgefährlichen Kohlenmonoxid-Pipeline und das nicht nachgewiesene Allgemeinwohl

Bei einem 54 Millimeter großen Loch wird nach Auskunft von Herrn Breuer mit bis zu fünf Tonnen Gasaustritt und einer Gaswolke in Form einer Keule von 800 Metern gerechnet.

Wer sich eine Karte des Kreises Mettmann ansieht, erkennt sehr schnell, dass man beim Bau der Leitung nur an wenigen Stellen den Abstand von 800 Metern zur Wohnbebauung einhalten konnte.

Die Leitung rahmt den Hildener Süden von zwei Seiten mit nur wenigen Metern Abstand von den ersten Häuser ein. Die Entfernung der Häuser in unserer eigenen Siedlung beträgt maximal 400 Meter. Deshalb haben wir Anwohner berechtigte Angst vor dieser Leitung, weil deren Betrieb für uns eine ständige Bedrohung bedeuten würde.

Äußerlich ist zwar bereits Gras über der Leitung gewachsen. Aber zum Glück darf diese Pipeline, in der ein extrem toxisches Gas transportiert werden soll, auf der Grundlage von gerichtlichen Beschlüssen bisher nicht betrieben werden.

Zwar verstehen wir die Sorge der Landespolitiker und Bayer-Vertreter um den Industriestandort NRW und um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Aber unser Kampf gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline ist auf gar keinen Fall ein Kampf gegen diesen Wirtschaftsstandort, sondern ein Kampf um unsere Sicherheit.

Es wurden viele Gespräche mit den Abgeordneten geführt. Diese haben sich verständlicherweise bei der Verabschiedung des Enteignungsgesetzes darauf verlassen, dass der Bayerkonzern ein notwendiges und auch verantwortbares Projekt plante.

Eine nicht geringe Zahl unserer Volksvertreter brachte sogar zum Ausdruck, man hielte zum jetzigen Zeitpunkt die Leitung für nicht sicher und würde mit dem heutigen Wissensstand nicht mehr dem umstrittenen Gesetz zustimmen. Aber man wolle die Gerichtsurteile abwarten, weil man Angst vor Regressansprüchen habe.

Damit hat zwar der Gesetzgeber sich wieder elegant aus der Verantwortung gezogen, aber diese liegt ohnehin in der Hauptsache beim Bayer-Konzern als Antragsteller und Bauherr dieser Leitung.

Warum erwarten Sie Planungssicherheit vom Gesetzgeber, wenn dieser die Gefährlichkeit der Leitung zum damaligen Zeitpunkt gar nicht realisiert hat und nicht realisieren konnte?

Warum schieben Sie selbst immer noch die Verantwortlichkeit für die zahlreichen Pannen und Peinlichkeiten lediglich auf die Bezirksregierung oder die bauausführende Firma?

Wegen der Giftigkeit und Gefährlichkeit des Gases sollte es sich von selbst verbieten, Kohlenmonoxid durch eine Pipeline nur wenige Meter von Wohnsiedlungen entfernt leiten zu wollen. Ein Weltkonzern sollte den Anstand und die Moral besitzen, tragfähige und wirtschaftliche Alternativen zu entwickeln.

Gibt es in Ihrem Hause keine internen Kontrollinstanzen bei der Planung derartiger Projekte?

Man hätte von Beginn an mögliche Ursachen für einen Rohrschaden in Betracht ziehen müssen. Selbst der Bayer-Vorstand kann doch die Augen nicht mehr davor verschließen, dass die Leitung alles andere als sicher ist. Die Ursachen für mögliche Leckagen können vielfältig und die Folgen verheerend sein. Selbst eine planmäßig gebaute Leitung wäre vor äußeren Eingriffen nicht vollständig geschützt. Dazu kommen die vielen Pannen und Abweichungen bei der Bauausführung sowie eine mittlerweile peinliche Informationspolitik.

In der Neustädter Feldmark ritzte eine Tiefspatenfräse kürzlich eine Hochdruckgasleitung, die mit 16 bar betrieben wurde, zentimeterweit auf. Über dem zum Glück unbesiedelten Gebiet bildete sich sofort eine große Gaswolke. Ein solcher Vorfall könnte auch bei der CO-Pipeline passieren.

Kein Vertreter der Bayer AG hat uns bisher den Nachweis bringen können, wie bei einer Leckage durch einen Eingriff von außen die Rettung der Menschen in der Nähe der Pipeline möglich sein soll.

Natürlich gibt es Meldewege, die Möglichkeit die Schieber zu schließen und das Gas kontrolliert abzufackeln. Aber es würde Kohlenmonoxid unkontrolliert und in einer nicht vorhersagbaren Menge ausströmen und dies möglicherweise in wenigen Metern von Schulen oder Wohnsiedlungen entfernt. Die verwendete, aber im Pipeline-Bau nicht erprobte, Geogridmatte kann man wohl nicht zu den Standards höchster Sicherheit zählen. Und ehe die übrigen Warnsysteme greifen und die Feuerwehren vor Ort sein können, sind möglicherweise die ersten Menschen tot.

Warum bestreiten Sie nach wie vor, dass eine Leckage den Tod vieler Anwohner bedeuten kann?

Und dies obwohl die Feuerwehren wiederholt darauf hingewiesen haben, dass sie der Bevölkerung im Fall eines Bruchs der Leitung nicht helfen können.

Da der Nichttransport des Gases das Risiko für die Bevölkerung auf Null minimiert, bleibt als einzige Möglichkeit die Produktion am Ort der Verwendung. Dann hat man das Risiko auf dem Betriebsgelände und die geschulten Fachleute vor Ort können die Sicherheit deutlich besser gewährleisten.

Mit welchen tragfähigen Argumenten wollen Sie der Bevölkerung zum jetzigen Zeitpunkt noch vermitteln, Sie seien in der Lage, die Leitung sicher zu betreiben?

Dabei beweist Bayer selbst durch die Planung einer neuen TDI-Anlage im Chempark Dormagen die Überflüssigkeit der Leitung.

Zur Deckung des erhöhten Bedarfs an Kohlenmonoxid ist der Bau eines neuen Reformers erforderlich.

So könnte man auch in Krefeld-Uerdingen einen neuen Reformer bauen, anstatt das Werk von Dormagen aus zu versorgen und damit könnte man auf die Pipeline vollständig verzichten.

Herr Breuer wandte in Monheim ein, man könne in Krefeld den entstehenden Wasserstoff nicht verwenden. Dies erscheint bei der vielfältigen Verwendungsmöglichkeit u.a. als Energieträger und als Rohstoff in einem Chempark nicht glaubwürdig.

Trotz aller sachlichen Argumente der Pipeline-Gegner hält man nach wie vor an der umstrittenen Leitung fest:

„Wir brauchen in jedem Fall einen Leitungsverbund, der einen Austausch zwischen den Werken sicherstellt und es unter anderem ermöglicht, Reserven einzuspielen.“ Damit gibt der Bayer-Sprecher Jörg Brückner gegenüber der Rheinischen Post eindeutig zu, dass diese Pipeline zur Vorratshaltung also als Speicher dienen soll, was man bisher immer bestritten hat.

Aus privatwirtschaftlichen Gründen legt uns ein Weltkonzern eine höchst gefährliche Leitung vor die Häuser, um eine Vernetzung der Standorte zu gewährleisten und das sehr giftige Gas zu jeder Zeit zur Verfügung zu haben.

Wann endlich begreift der Konzern, dass es nicht darum geht, ob Bayer eine Vernetzung der Standorte braucht oder Wettbewerbsnachteile hat?

Es geht darum, dass die Erhöhung der Profite durch diesen Wettbewerbsvorteil auf Kosten unserer Sicherheit erfolgt.

Wir akzeptieren die grob fahrlässige Gefährdung unserer Gesundheit und unseres Lebens aus Gründen der Gewinnmaximierung auf gar keinen Fall.

Treibt es Ihnen selbst – Herr Wenning – nicht die Schamröte ins Gesicht, dass nach Ihrem Plan Kinder in 1,40 m Entfernung auf der Leitung spielen würden und dass sich Schulgebäude nur in wenigen Metern Entfernung von der Leitung befinden?

Dieses Projekt ist richtungsweisend. Es wird sich herausstellen, ob in Zukunft das Wohl der Menschen im Mittelpunkt auch der wirtschaftlicher Betrachtungen stehen wird oder ob uns das Rückrat gebrochen wird, um Profite ohne Rücksicht auf unser Leben und unsere Gesundheit erwirtschaften zu können. Wenn jemals CO durch die Pipeline fließen darf, werden die Verbündeten in Wirtschaft und Politik ohne jegliche Rücksichtnahme alles, was sie wollen, gegen die berechtigten Interessen der Menschen durchsetzen können.

Sie lassen Ihre Mitarbeiter ständig wiederholen: „Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Bürger ernst“, „Die Sicherheit hat bei uns höchste Priorität“ Dies sind Phrasen, solange Sie nicht aus Anstand und Achtung vor unserer Menschenwürde das Projekt aufgeben und am Ort des Verbrauchs produzieren.

Es bleibt ein fader Beigeschmack, wenn die angebliche Sicherung von Arbeitsplätzen mit der grob fahrlässigen Gefährdung der Bevölkerung erkauft wird.

Ist es tatsächlich Ihr Verständnis von Recht und Gesetz und Demokratie, dass die Regierung und die Wirtschaft ein Bündnis gegen die Menschen bildet. Ist das Ihr Verständnis von Fair play?

Die Tatsache, dass Eigentum verpflichtet kann nicht heißen, dass es für die privatwirtschaftlichen Zwecke eines Konzerns zur Verfügung gestellt werden muss.

Warum sollten wir das Enteignungsgesetz als rechtmäßig empfinden?

Wir können es nicht als Recht empfinden, dass ein zwar starker, aber privatwirtschaftlicher Konzern private Grundstücksbesitzer enteignen darf.

Warum sollten die Grundstücksbesitzer durch den Wertverlust ihrer Grundstücke und Häuser das privatwirtschaftliche Risiko eines Konzerns tragen?

Im Jahre 2007 haben Sie sehr eilig mit dem Bau der Leitung begonnen, obwohl noch nicht alle Enteignungsverfahren abgeschlossen waren und Sie bereits mit gerichtlichen Verfahren rechnen mussten. Seit Dezember 2007 bauen Sie nach einem gerichtlichen Beschluss auf eigenes Risiko und trotzdem halten Sie unverändert und starr an dem Projekt fest. Dabei berücksichtigen Sie weder die 109 000 Unterschriften noch die eindeutige Haltung der verantwortlichen Kommunalpolitiker.

Und dies, obwohl die angebliche Sicherung von Arbeitsplätzen und besonders die Steigerung der Renditen für die Aktionäre durch ein hohes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung und die nicht grundgesetzkonforme Enteignung erkauft wird.

Deshalb haben wir die berechtigte Hoffnung, dass in unserem Rechtsstaat die umstrittene, weil so gefährliche Leitung nie in Betrieb gehen wird.

Das gemeinsame Festhalten an der Leitung dokumentiert in unseren Augen einen reinen Machtmissbrauch der Bayer AG und der Regierung.

In unserer Demokratie als beste aller Staatsformen sollte der Mensch und weder die Macht noch die Rendite im Mittelpunkt aller wirtschaftlichen und politischen Entscheidung stehen.

Weder die Wirtschaft noch die Politik können außerhalb unserer Gesellschaft operieren. Es ist wichtiger denn je, dass beide ihre gesellschaftliche Verantwortung endlich übernehmen.

Marlis Elsen

[Dieter Donner] Redebeitrag und Fragen von Dieter Donner auf der Bayer- Hauptversammlung am 30.04.2010

CBG Redaktion

Mein Name ist Dieter Donner und ich bin Pressekoordinator der Bürgerinitiative „Stopp Bayer- CO - Pipeline“. Einen Guten Tag, den Aktionären, dem Aufsichtsrat und dem Vorstand. Was Ihnen, Herr Wenning bald bevorsteht, einen Ausstieg aus der Verantwortung der Unternehmensführung, habe ich selbst schon erlebt; insofern kann ich Ihre Wehmut, die Sie heute morgen gezeigt haben, gut nachvollziehen. Aber es ist jetzt nicht nur Wehmut gefordert, Sie sollten auch dem Nachfolger keine Probleme hinterlassen, die Sie noch lösen können. Dazu später mehr.
Das Rederecht hier habe ich wieder von einem langjährigen, treuen Aktionär erhalten; der Grund? Die Art, wie Bayer dieses hochkritische Projekt managt, Fehler zu kaschieren versucht, sich in Widersprüche verwickelt oder Unwahrheiten herausposaunt, macht wohl nicht nur ihn, sondern immer mehr Aktionäre ärgerlich und wütend.
Die mit nun schon dreijähriger Verspätung vor der Baufertigstellung stehende Bayer CO- Pipeline hat sich für Sie, Herr Wenning, für den Aufsichtsratschef Schneider und für Bayer gesamt zu einem Menetekel entwickelt.
Hinter vorgehaltener Hand wird auch bei Bayer schon deutlich die „verflixte Pipeline“ angesprochen, mit der Sie einen großen Image-Schaden angerichtet haben. Dies schmerzt besonders, weil kaum jemand mehr Bayer etwas in dieser Frage glaubt.

1. Eine generelle Frage möchte ich an den Anfang stellen:
Wann lässt die Bayer-Konzernführung endlich wirtschaftliche und gesellschaftliche Vernunft sprechen und sich nicht mehr von den altvorderen BMS - Verantwortlichen die Gift-Pipeline als Quasi-Dogma auferlegen? Dies vor allem, weil die Inbetriebnahme in „unendliche Ferne“ gerückt ist!

2. Bayer hat schon im Dezember 2004 – zu einer Zeit, wo noch gar nicht klar sein konnte, ob und wie diese Leitung gebaut werden sollte – einen Vertrag mit der Firma Linde zur Lieferung von CO über 15 Jahre abgeschlossen.
Welche Rolle hat in diesem Deal der AR- Vorsitzende Schneider gespielt; er ist ja auch AR- Vorsitzender bei Linde und kassiert dort sogar mehr Tantieme als hier bei Bayer.
Linde hatte im Jahr 1999 noch Seite an Seite mit der Bundesregierung um Subventionen gekämpft, um keine solche Leitung selbst bauen und betreiben zu müssen.
In Leuna wurde der Reformer am Ort des Verbrauchs gebaut und bezuschusst, weil der CO – Transport wegen der Gefährlichkeit nicht möglich war!

Warum meinen Bayer und Linde jetzt in Uerdingen alles anders machen zu können und wollen partout das giftige CO-Gas von Linde 67 Kilometer durch dichtest besiedeltes Gebiet leiten?

3. Die Ungereimtheiten – man könnte es auch als Lügenmärchen bezeichnen – in dem CO-Pipeline-Projekt füllen mittlerweile bei uns, in der Presse und bei Gerichten schon haufenweise Ordner.
Lange haben Sie mehr als 150 Unterlassungen gegenüber Vorschriften der Planfeststellung zu vertuschen versucht:
- An 36 Stellen dünnere Rohre verbaut als angeliefert wurden ,
- an 10 Stellen anderer Stahl als beantragt, verwendet,
- an über 80 Stellen von der Trasse abgewichen, ohne eine Genehmigung zu haben und
- Mitte 2009 kam auch noch heraus, dass vorher keine richtige Bomben-untersuchung gemacht wurde.
Die politische Unterstützung war - bis auf die Grünen – bisher einhellig; jetzt bröckelt auch diese Front in CDU und SPD! Und im „neuen“ Landtag wird sich die Gegnerschaft zur Pipeline sogar immer mehr vergrößern.

War dies bisherige Zustimmung nur möglich, weil Bayer sich immer im Sponsoring von CDU, FDP und SPD getummelt hat und wie viel hat das gekostet?

4. Im vorigen Jahr haben Sie noch eine sündhaft teure Anwaltskanzlei bezahlt, um die vorzeitige Inbetriebnahme zu versuchen. Damit sind Sie grandios gescheitert: Nichts ist es mit der baldigen Inbetriebnahme und selbst ihren Ruf als erfolgreicher Prozesshansel haben Sie ruiniert.
Sehen Sie diese „Augen zu und durch –Strategie“, die das Unternehmen immer mehr Geld und Image kostet, mittlerweile als obsolet an, oder kommen Sie nur nicht aus Ihrer Grube heraus?

5. Ungereimtheiten zur Konzernstrategie:
- Im Jahr 2006 haben Sie in die Presse lanciert: „BMS modernisiert Makrolon® Produktion; Krefeld-Uerdingen ist damit die weltweit größte Produktionsstätte für das Polycarbonat von BMS.“
Das alles war vor der CO-Pipeline und jetzt soll der ganze Indiustriestandort ohne diese Gift-Röhre gefährdet sein?
- Zur angeblichen Begründung der CO-Pipeline wird noch immer gebets-mühlenartig auch noch heute von Ihnen im Internet heruntergeleiert:
Die CO- Überkapazität in Dormagen erfordert diese Pipeline. Vor kurzem wurde aber von dem bald nötigen Kapazitätsausbau der CO-Erzeugung in Dormagen.
für die TDI-Schiene gemeldet.
Ist das Verwirrung in Ihrem Haus oder politische Vernebelungstaktik?

6. Warum verweigert sich Bayer, mehr und konsequent auf „Green Chemistry“ statt weiter auf „Bad Chemistry“ zu setzen ?

Auf Seite 46 des Geschäftberichts für 2008 stellt BMS-Vorstand Dr. Gürtler unter dem Titel „CO2 – DER ROHSTOFF FÜR NEUE MATERIALIEN“ eine besondere Innovation vor:

„Wir wollen CO2 in Zukunft als Wertstoff für die Herstellung von Polyurethan-Komponenten nutzen“ Dazu hat Bayer gemeinsam mit der TH Aachen das
„cat Catalytic Center“ gegründet. Dort wollen die Forscher neue Katalysatoren entwickeln, die das Treibhausgas zum wertvollen Ausgangsstoff für
neue Materialien umwandeln.

Also, es geht doch und warum nutzen Sie ähnliche Innovationen nicht auch in
Uerdingen und setzen auf Produktion mit geringerem Risiko?

7. In unserem Aktionärsbrief 2009 haben wir prophezeit: Die Gefahr ist groß, dass auch die Inbetriebnahme letztlich schief geht! Genau das ist passiert

Die Folge wäre:
Die Zukunft von BMS hängt weiter in der Luft, obwohl diese doch schon Ende 2007 begonnen haben sollte.

Soll das Unternehmen – zumindest in der Kunststoffsparte - weiter
- gegen wirtschaftliche Vernunft,
- ohne genügendes Innovationstempo und
- nur dem Dogma CO-Pipeline nachhängend

und weiter Zukunfts-Chancen verpassen?

Also Herr Wenning, Sie haben noch einige Monate Zeit; kappen Sie die Pipeline, schneiden Sie ein Stück heraus und rauchen Sie darin symbolisch die Friedenspfeife mit über 110.000 Anwohnern! Wäre das nicht ein guter Abschluss und Abschied für Sie?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

[Christoph Koch] Bienensterben 2009 in Österreich – ein Zufall oder ein erneuter Skandal?

CBG Redaktion

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,

mein Name ist Christoph Koch. Ich bin Berufsimker in Baden Württemberg und spreche zu ihnen im Namen des deutschen und europäischen Berufs- und Erwerbsimkerbundes und hatte schon 2009 Gelegenheit hier Fragen zu stellen.

Im Jahr 2008 wurden am Oberrhein und im Raum Passau weit über 12500 Bienenvölker nachweislich durch das BAYER Saatgut Beizmittel Poncho bzw. Poncho Pro vergiftet, was dazu führte, dass der Wirkstoff Clothianidin als Beizmittel am Mais die Zulassung bis heute verloren hat. Eben so in Italien, wo es die gleichen Probleme gab. 2009 gab es nun erneut große Vergiftungen in Österreich und der Schweiz.

Auf der BAYER HP wird zu den Vorfällen am Oberrhein in 2008 heute vorallem schlecht gebeiztes Saatgut als einer der Gründe genannt und an anderen Stellen schon früher oft auch als einer der Gründe die Varroa als Krankheit der Bienen angeführt. So auch auf der letzten Hauptversammlung.

Das zuständige Julius-Kühn-Institut (eine Einrichtung der Bundes Republik) das maßgeblich an der Aufarbeitung beteiligt war, kommt aber zu einem ganz anderen Grund, nämlich eindeutig Vergiftung und schließt Krankheiten der Honigbienen definitiv aus!

Ihre Hauseigenen Experten sprechen zur Frage der Ursachen im Frühjahr 2008 den Imkern gegenüber immer von Nosema-Krankheit als eine der möglichen Ursache für die Schäden an den Bienen, jedoch nie von Varroa. So auch in Italien und ganz Aktuell auch in Österreich. Auch die Bienenwissenschaftler sind sich einig, dass die Varroa für Frühjahrsschäden zum Zeitpunkt der Maisaat nie in Betracht kommen kann, schließen aber Nosema-Krankheiten nicht aus.

Auf der letzten Hauptversammlung 2009 habe ich den Vorstand schon einmal gefragt, welche der beiden Krankheiten es jetzt nun wirklich ist von der BAYER meint die Bienen vor allem im Frühjahr zu schädigen? Die Varroa oder die Nosema? Diese Frage wurde mir 2009 nicht beantwortet und ich stelle sie hiermit erneut und erwarte eine klare Aussage bzw. eine klare Korrektur.

Oder kann es sein, dass man hier wie schon oft versucht die wirklichen Vergiftungsprobleme der Öffentlichkeit gegen über mit dem verweis auf Krankheiten zu legitimieren?

Und weil es zu anderen Problemen in der Imkerei eben gut passt, die Varroa hier auch herhalten muss?

Sollten Sie dies jedoch abstreiten, stelle ich die Frage, warum Sie dann auf der HP dies nicht richtig korrigieren?

Dann hab ich da noch eine weitere Frage zur Toxität dieses Clothianidin. Stimmt es, dass dieser Wirkstoff 7000-mal giftiger für die Bienen ist als das berühmte DDT?

Wenn ja, warum streiten Sie dann das Vergiftungspotential immer noch ab und nennen ihre Saatgutbeizungen Bienenungefährlich ohne jeden Warnhinweis zu den Gefahren im subletalen Bereich? Warum versuchen Sie hier die Bienenkrankheiten bei Vergiftungen immer noch ins Feld zu führen?

Wenn nicht, dann möchte ich gerne wissen um wie viel dieser Wirkstoff Clothianidin den Bienen gegenüber giftiger ist als das bekannte DDT? 1000-mal? 500-mal? Oder gar weniger? Ich bin gespannt auf die Antwort.

Ja meine Damen und Herren Aktionäre,

man sollte eigentlich meinen, dass der Konzern aus dieser Katastrophe von 2008 etwas gelernt hat. Wie ich schon erwähnte fanden bei der Maissaat 2009 gerade in Österreich erneut Bienenvergiftungen nachweislich mit Clothianidin statt. Trotz bester Saatgut-Beizung und Sägeräten mit Abluft in den Boden den sogenannten Deflektoren. Man hat auch 2009 den Imkern gegenüber dort versucht die Probleme zunächst auf die Nosema-Krankheit abzuwälzen. Wohl gemerkt nicht auf die Varroa-Krankheit. Ja man hat die Chemischen Untersuchungen so lange hinaus geschoben und nur nach diesen Krankheiten gesucht bis aus Geldmangel die Untersuchungen eingestellt werden sollten. Der wahre Grund der Verzögerung, war doch nur der, mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Zulassung aufgehoben wird, um erneut ein Jahr weiter den Absatz zu sichern, ja sogar ein Aufheben der Zulassung in Deutschland zu erwirken! Und das nach all dem was 2008 hier geschehen war!
Im Zwischenbericht zum dortigen Monitoringprogramm „Melissa“ wird eindeutig Vergiftung durch Clothianidin als Ursache für die Bienenschäden genannt und keinerlei Zusammenhang mit Krankheiten genannt. Sie schreiben auf der HP, dass bei sachgerechter Anwendung diese Beizmittel Bienensicher sein sollen. Dass es Probleme mit den Sägeräten geben kann ist dem Konzern aber nicht gänzlich neu! Seit 2002 ist dies bekannt, dass mit dieser Beiz- und Säe-Technik Gefahr für die Bienen bestehen kann. Jedoch wurden von Ihnen immer die Bienenkrankheiten als Legitimation ins Feld geführt. Nun Frage ich Sie, wie Sie sich diese Vergiftungen von 2009 in Österreich noch erklären können? und was Sie dieses mal als Ausrede parat haben?
Ja warum haben Sie nicht dafür gesorgt, dass Ihr Beizmittel richtig angewendet wird? Wo liegen da denn nun die Fehlerpotentiale, dass es zu weiteren Vergiftungen der Bienen kommen kann?
Warum wurden diese nicht nach der Katastrophe von 2008 abgestellt?

Ich habe Sie schon 2009 gefragt, warum sich dieser Konzern von den Saatgut Firmen sein Image versauen lässt? und was Sie dagegen tun?

Oder zeigt Ihre Untätigkeit in dieser Richtung, dass es doch keine 100%ige Sichere Saatgutbeizung gibt?
Vor allem wenn es sich außerhalb ihrer Labore abspielt?
Ist man hier überhaupt Praxisgerecht?
Sind ihre Versuche hinsichtlich der Bienensicherheit wirklich Praxistauglich und entsprechen der Realität draußen auf dem Feld?

Oder war man bisher immer der sicheren Meinung den Imker eventuelle Probleme mit Krankheiten zu erklären?

Warum liegen heute 2010 also 2 Jahre nach der Katastrophe am Oberrhein immer noch Mais-Saatkörner auf den Feldern offen herum? Diese Frage ist zwar an die Landwirte zustellen, aber bedenken Sie, währen diese herum liegenden Maissaatkörner mit Clothianidin gebeitzt, dann könnten diese Körner in einer Pfütze die Bienen beim Wasser holen vergiften und töten. Ein einziges mit Poncho gebeiztes Maissaat-Korn aufgelöst in 2,5 L Wasser ist für eine Biene tödlich. Das müsste ihnen eigentlich bekannt und bewusst sein oder nicht?

Mir persönlich jedenfalls zeigen diese Vorgänge ganz eindeutig, dass man den Wirkstoff nicht im Griff hat und die so viel gelobte Sicherheit den Bienen gegenüber, es in der Theorie wohl geben kann, aber in der Praxis gibt es diese nicht. Clothianidin ist in meinen Augen damit nachweislich extrem Bienengefährlich und gehört somit nach heutigem Erkenntnis Stand als gesamte Stoffgruppe schnellstens vom Markt genommen.

Meine Damen und Herrn ich bin sehr gespannt, wie der Clothianidin Großversuch dieses Jahr in Österreich ausgeht. Die Maisaat hat dort gerade begonnen.

Ich bin auch sehr gespannt, was für Antworten der Vorstand mir dieses mal auf meine Fragen geben wird und bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Wennings Antworten

Zunächst gab Wenning an dass es weltweit Bienenprobleme gibt und die Zahl der Bienenvölker stark zurückgegangen ist. Dies ist von allen Forschern mit der Varose als einen von vielen Faktoren und Hauptursache anerkannt. Er führte die großen Winterverluste von 2010 an und gab an keinen Zusammenhang zu Poncho zu sehen. Auch die Imker selber seinen in gewissem Umfang schuld an der Misere.

Warum er ausdrücklich die hohen Winterverluste in Frankreich anführte verstehe ich nicht ganz. Immer hin gibt es dort auch Einsatz von Neonicothinuiden in diversen Kulturen nur sind das zum Teil Produkte des Wettbewerbs.

Wenning erklärte weiter, dass im Abschlußbericht zu den Vorfällen in 2008 vor allem Fehlanwendungen verbunden mit besonderer Witterungssituation der Wirkstoff in die Umwelt ausgetragen wurde und so als Ursache für das Bienensterben verantwortlich war. Vor allem einzelne falsch gebeizte Saatgutpartien und eine Reihen von Verkettungen, sowie nicht richtig ausgerüstete Sähmaschinen löste diese größte je dokumentierte Katastrophe aus. Das BVL hat darauf hin am 15. Mai 2008 die Zulassung aller clothianidinhaltigen Beizmittel ausgesetzt, jedoch bald wieder und rechtzeitig aufgehoben. An Mais jedoch nicht. Wenning sieht nach wie vor die dringende Notwendigkeit den Maiswurzelbohrer mit dieser Beiztechnik zu bekämpfen, ja er haltet das sogar für unverzichtbar und führte die Milliarden Verluste dieses Schädlings weltweit an.

Anmerkung: Laut einem Bericht der Bundesregierung ist die beste und effektivste und nachhaltigste Maiswurzelbohrerbekämpfung die Fruchtfolge.

Laut Wenning wurden eine ganze Reihe an Maßnahmen getroffen um den Austrag in die Umwelt zu minimieren. BAYER hat nach seinen Angaben zahlreiche Unterlagen zur Bienensicherheit dem BVL vorgelegt die alle samt belegen, dass von Poncho keine Gefahr für Bienen aus geht und versteht absolut nicht die Blockadehaltung der Zulassungsbehörde.

Ich verstehe das BVL schon. Vertreter unseres Bundes hatten trotz großer Proteste von BAYER, es würde sich um Betriebsgeheimnisse handeln, Einsicht in die Zulassungsunterlagen bekommen. Was dort für einen Praktiker vorzufinden ist, sträubt einem die Haare zu Berge! Da sind Versuchsaufbauten drin die so nie und nimmer in der Praxis vorkommen, deren Bedeutung aber offensichtlich so enorm für eine positive Bewertung sein sollen. Andere Versuchsaufbauten, welche zu weit kritischeren Aussagen kommen werden nicht so bedeutend gesehen. Von wegen Betriebsgeheimnisse! Von daher verstehe ich die jetzige Haltung des BVL absolut.

Zu den Vergiftungen in Österreich sagte Wenning nichts.

Auch meine Frage zur Toxotät und dem Vergleich zu DDT findet er nicht angemessen und nicht so vergleichbar da es sich hier um 2 total verschiedene Dinge handelt.

Ich meldete mich daher erneut mit Fragen

Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
sehr geehrte Aktionäre,

ich habe eigentlich keine andere Antworten erwartet. Herr Wenning ich habe Sie nicht zu den Winterverlusten 2010 gefragt, sondern konkret zu den Vergiftungen 2009 in Österreich. Zu den Weltweiten Bienenproblemen kann ich ihnen nur entgegnen, dass es durchaus Länder gibt in denen es keine Bienenprobleme gibt, aber überall dort wo jedoch Neonicotinoiede verkauft werden gibt es Probleme mit den Bienen, was ich schon als eigenartig finde. Ich habe zu den Vergiftungen in Österreich keine Antwort bekommen. In dem Monitoring Programm Melissa wird eindeutig Vergiftung als Ursache für die Schäden im Frühjahr 2009 genannt und explizied keine Krankheiten. Ich frage nun erneut, wie es zu diesen Vergiftungen gekommen ist? Erneute Fehlanwendung? Herr Wenning Sie sagten zuvor Bayer verstehe sich als Partner der Saatgutindustrie und ich frage nun wie diese erneuten Vergiftungen dort in Österreich nun zu erklären sind, was ist da wirklich passiert?

Gut der Vergleich zu DDT mag in Ihren Augen Herr Wenning nicht passen daher meine Frage: In wie weit ist Clothianidin Kontaktgiftig und ab welchen Konzentrationen eben nicht mehr? und wie lange ist Clothianidin im Pollen peristent. Denn 2008 haben die Bienen ja giftigen Pollen in die Stöcke eingetragen, der ja mit einer groß angelegten Maßnahme entsorgt wurde. Ab welcher Konzentration ist nun Clothianidin nicht mehr Kontaktgiftig, so dass Bienen ihn sammeln können und in den Stock tragen können. Meine Damen und Herren Aktionäre, ich bin nun sehr gespannt auf die jetzigen Antworten und bedanke mich für ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Da die Redezeit auf ja 10 Minuten beschränkt ist hier ein paar zusätzliche Anmerkung hierzu von meiner Seite:

Seit 1997 wissen Mitarbeiter der BAYER AG um die Probleme der Saatgutbeizung und dem Austrag aus den Pneumatischen Sämaschinen in die Umwelt. Wenning offensichtlich nicht? 2002 wurde diese Problematik ganz offiziell auf der Tagung der ICPBR in Bolonia sogar besprochen, hiervon gibt es Protokolle! Danach gab es auf drängen von BAYER zahlreiche Monitoringprogramme unter der Beteiligung von BAYER in Italien zu dieser Problematik. Alle waren zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht auszuschließen ist, dass die Nosema maßgeblich an den beobachteten Schäden beteiligt ist. Erst nach der Katastrophe von 2008 und nach der Aussetzung der Zulassung an Mais, wurden nun Maßnahmen ergriffen, welche sich dieser Problematik (Abdrift von Beizstaub) annehmen. Vorher hat man erfolgreich diesen Vergiftungsweg abgestritten und Krankheiten als Erklärung für die Schäden vorgebracht. Das hat wohl schon Tradition bei BAYER andern die Schuld in die Schuhe zu schieben, nur dass die Kasse stimmt?

Deshalb auch die seiner Zeit so großzügige und möglichst rasche, betont freiwillige Hilfe von 2,25 Mio. €, verknüpft mit der Bedingung den Schadensersatz an das Land Baden-Württemberg abzutreten und ohne Schuldanerkenntnis. In USA sind jüngste Vorgänge von der General-Staatsanwaltschaft als Sittenwidrig eingestuft worden!

Aus heutiger Sicht, war diese Zahlung sehr wohl ein Schuldanerkenntnis mit dem BAYER sich das Aufheben der Zulassung erkaufen wollte, weil die geschädigten Imker damit schnell ruhig gestellt werden sollten.

Clothianidin ist extrem giftig für Bienen, selbst in kleinsten Dosierungen. Mit der Frage zur Kontaktgiftigkeit zielte ich auf Spätfolgen ab, von denen ich durch einen E-Mail Kontakt zweier Bienenwissenschaftler mitbekommen hab, dass es diese Probleme gibt.

Wennings antworten auf die zweiten Fragen:

Wenning sagte zunächst, in Österreich hätte es ja nur eine geringe Menge von Bienenvölkern getroffen! Bei den Untersuchungen hat man dann „geringe Spuren verschiedener Wirkstoffe nachgewiesen“ und: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Maisbeizen“ darunter waren. Das schob Wenning dann aber wieder auf die technischen Probleme mit dem Staub und den Sähmaschninen. Dann sagte er noch, im Nektar hätten sich keine bienenschädlichen Konzentrationen befunden.

Mein Kommentar:

Ok das war klar, dass Wenning versuchen wird die Vergiftungen in Österreich herunter zuspielen, weil ja sonst diese scheinbare Bienensicherheit bei der so genannten Sachgerechten Anwendung eine Phars wären. Die Zahl der betroffenen Bienenvölker ist keines Wegs als gering einzustufen und liegt gut bei einem ¼ dessen was 2008 vom Oberrhein gemeldet wurde. Diese technischen Probleme lassen sich wohl nie ganz vermeiden Herr Wenning! Diese technischen Probleme gibt es schon seit 1997! Und nie wurden sie gelöst! Weil sie nicht lösbar sind!

Trotz noch besserer Beiztechnik und Top Sähmaschinen mit Deflektoren sind nun auch 2010 wieder in Österreich erneute Bienenvergiftungen in Zusammenhang mit der Maissaat gemeldet worden.

„im Nektar nichts gefunden“: klar findet man nichts im Nektar, wenn die vergifteten Bienen nicht heim kommen! Den Nektar müssen die Bienen in ihrem Honigmagen transportieren, also sie müssen ihn fressen und gehen so daran zugrunde, kommen auch sehr selten zurück ans Bienenvolk und können somit dort auch nicht weiter sagen woher der Nektar ist. Das Bienenvolk sammelt also nur dort, wo das Gift nicht abgedriftet ist.
Beim Pollen ist das anders den können Bienen sammeln, wenn die Konzentrationen des Giftes nicht all zu hoch sind, weil die Bienen den Pollen nicht verspeisen beim Sammeln. Den Pollen transportieren die Bienen an ihren Hinterbeinen. Der Imker nennt das Höseln. Und im Pollen der Österreichischen Fälle 2009 wurde Clothianidin gefunden! Deshalb hat Wenning auch zu dem Teil meiner Frage nichts geantwortet und lenkt auf den Nektar ab!

Ungeheuerlich.

Da schon um 16.30 die Redeliste geschlossen wurde, war ich nicht mehr in der Lage erneut nach zufragen. Gerade die ausgebliebenen Antworten zur toxität und Pollen hätte noch sehr interessiert.

Was diese scheinbar geringe Zahl der Vergiftungen in Österreich betrifft noch einen Anmerkung: 2007 als das Bundesland Baden-Württemberg zusammen mit BAYER seine Großversuche zur Maiswurzelbohrer Bekämpfung mit Poncho im Raum Lörrach durchführte, gab es auch nur ein paar vergiftete Bienenvölker. Das JKI konnte damals nichts finden (weil es zu dem Zeitpunkt überhaupt noch nicht in der Lage war). Ein Rosenzuchtbetrieb war im Fokus, aber dort konnten keine hinweise zu möglichen Ursachen der Vergiftungen gefunden werden. Die Maisbeizungen standen absolut außen vor trotz der bekannten Probleme aus Italien von den Jahren zuvor!

Diese Vergiftungen blieben also ungeklärt. Im Laufe der Untersuchungen von 2008 hat man die Fälle von 2007 aus Lörrach nachuntersucht und siehe da, man findet Clothianidin!

Dieser Lörracher Vorfall ist so traurig für alle vergifteten Bienen von 2008, 2009 und nun auch noch 2010. Zeigt aber auch wie brutal BAYER vorgeht. Die jüngsten Vergiftungen in Österreich und der Umgang von BAYER damit sind ein klarer Beleg dafür. Wenn Wenning nun bald geht, möge er doch bitte das Clothianidin zum Wohle aller Bienen und Blütenbesuchenden Insekten gleich mitnehmen. Aber auch um so dem neuen BAYER Chef vor künftigen Konflikten und peinlichen Fragen zu bewahren, aber auch auf das das Image von BAYER nicht mehr weiter mit den vielen toten Bienen belastet wird.

Christoph Koch
Karl-Friedrichstraße 15
D 77728 OPPENAU
vorstand@berufsimker.de
www.berufsimker.de

[Kathrin Weigele] Rede von Kathrin Weigele

CBG Redaktion

Meine Damen und Herren, werte Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates,

mein Name ist Kathrin Weigele und ich möchte zu dem Thema Nebenwirkungen von Antibabypillen der 3. und 4. Generation zu Ihnen sprechen. Bei der Diskussion um die Nebenwirkungen dieser Pillen geht es vor allem um die dort verwendeten Inhaltsstoffe und deren Auswirkungen auf die Häufigkeit venöser Thromboembolien. Pillen der dritten Generation beinhalten den Wirkstoff Desogestrel und Pillen der vierten Generation den Wirkstoff Drospirenon. Beide Stoffe bringen ein höheres Thromboserisiko gegenüber Pillen der älteren, zweiten Generation mit sich. Ich selbst bin von dieser Problematik in besonderer Weise betroffen und so bin ich froh und auch dankbar, heute hier stehen und von meinem Schicksal berichten zu können. Denn auch ich wurde im Alter von 24 Jahren nach einer etwa halbjährigen Einnahme der Pille Yasmin beinahe aus dem Leben gerissen.

Mein Frauenarzt hatte mir die Pille Yasmin, ein Präparat aus Ihrem Hause, das den Wirkstoff Drospirenon enthält, als besonders verträglich, schonend und besonders niedrig dosiert empfohlen und noch weitere positive Eigenschaften wie eine Verbesserung des Hautbildes oder Gewichtsregulierung angepriesen. So ermuntert entschied ich mich dann entgegen meiner ursprünglichen und generellen Skepsis gegenüber der Verhütung mittels Pille es doch einmal mit der Yasmin zu versuchen. Die Folgen dieser Entscheidung: eine schwere beidseitige Lungenembolie durch die sich ein lebensgefährlicher Lungenhochdruck entwickelte sowie eine damit verbundene Rechtsherzbelastung mit der Gefahr akuten Herzversagens. Die Ärzte bescheinigten mir angesichts der schwere meiner Erkrankung eine Lethalitätsrate von 95%, oder mit anderen Worten eine Überlebenschance von 5% in den nächsten 5 Jahren. Aus einem jungen, gesunden und aktiven Menschen wurde mit einem Schlag eine junge Frau, die ums Überleben kämpfen musste. Da bei mir – ebenso wie bei Frau Rohrer - keinerlei persönliche Risikofaktoren für die Entstehung der Embolien vorlagen (ich bin Nichtraucher, es besteht keine genetische familiäre Vorbelastung oder Übergewicht), ist die Pille Yasmin als alleinige Ursache anzusehen. Auch heute noch leide ich unter den Folgen meiner Entscheidung für Yasmin: Herz und Lunge sind gezeichnet von den Embolien. Schmerzen in Lunge, Herz und Brust sind keine Seltenheit. Es befinden sich zudem immer noch zahlreiche Mikroembolien in beiden Lungenflügeln, was eine sog. Diffusionsstörung zur Folge hat. Das ist eine Gasaustauschstörung, was bedeutet, dass die Aufnahme von Sauerstoff ins Blut zu großen Teilen eingeschränkt ist. Ich komme daher schneller ausser Atem und muss dementsprechend häufiger um Luft ringen. Die Anstrengungen des Alltages verlangen mir heute im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Frauen mehr Kraft, Einsatz und Kampfgeist ab.

Bleibende Folgeschäden, lebenslange Einnahme von Blutgerinnungsmitteln sowie Ungewissheit und Angst, ob einer Verschlechterung meines Gesundheitszustandes werden mich so für immer schmerzlich an die Einnahme der Pille Yasmin erinnern. Aus der Pille Yasmin ist für mich eine Pille fürs Leben geworden.

Ich bin heute hier, um auch anderen Betroffenen ein Gesicht zu geben und ich bitte Sie für mich und für all diejenigen Frauen und Mädchen, die als Endverbraucher durch die Nebenwirkungen Ihrer Pille betroffen sind, meine Fragen zu beantworten.

Es ist weitgehend bekannt, dass es bei der Einnahme der Pille in seltenen Fällen zur Bildung von Thrombosen oder Embolien kommen kann. Weniger bekannt ist den Anwenderinnen bisher bedauerlicherweise jedoch, dass das Thromboserisiko drospirenonhaltiger Pillen der Produktfamilie Yasmin- zu der auch die Präparate Yaz, Yasminelle und Petibelle gehören- dasjenige der Pillen der 2. Generation um ein vielfaches übersteigt.

Im August 2009 wurden hierzu in dem renommierten British Medical Journal zwei neue Studien unabhängiger Wissenschaftler aus Dänemark und den Niederlanden veröffentlich. Der niederländischen Studie zufolge erhöht der Wirkstoff Drospirenon das Risiko der Thrombosebildung um das Fünffache. In der dänischen Studie wurde ein doppeltes Risiko festgestellt.
Die Unbedenklichkeit und angebliche Sicherheit drospirenonhaltiger Kontrazeptiva sollte im Gegensatz dazu die sog. EURAS-Studie aus dem Jahr 2007 belegen. Danach ist das Thrombose- bzw. Embolierisiko mit Pillen der sog. 2. Generation vergleichbar, die meist das Hormon Levonorgestrel enthalten. Doch wieviel Vertrauen kann man dieser Studie wirklich entgegenbringen kann, wenn man in Betracht zieht, dass die Studie von (damals noch) Schering selbst in Auftrag gegeben, finanziert und darüber hinaus von einem ehemaligen Schering-Mitarbeiter, dem Leiter des Bereichs Gynäkologie bei Schering, durchgeführt wurde?

Mir ist bekannt, dass Bayer die Studien aus Dänemark und den Niederlanden anzweifelt. Es wird unter anderem beanstandet, die dänische Studie habe nicht zwischen Erst- und Langzeitanwenderinnen differenziert, was die Daten zuungunsten der neueren Präparate verfälsche. Eine Unterscheidung ist deshalb relevant, da das Thromboserisiko im ersten Anwendungsjahr am größten ist. Doch wie kann Bayer etwas als methodische Schwäche der dänischen Studie bemängeln, was bei der eigenen Studie selbst nicht befolgt wurde? Denn auch die EURAS-Studie lässt eine solche Differenzierung vermissen.

Auch nach Untersuchung der Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic im vergangenen Jahr ist das Risiko, bei Einnahme von drospirenonhaltigen Pillen ein Blutgerinnsel zu entwickeln, höher als bisher angenommen und vor allem höher als bei Anwendung von Pillen der 2. Generation. Dem hat sich nun auch das Deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angeschlossen. Meine Damen und Herren, ist darin nicht eine Bestätigung der Studienergebnisse aus Dänemark und den Niederlanden zu sehen? Ist die EURAS-Studie mit dem Ergebnis eines vergleichbaren Thromboserisikos damit nicht ganz klar wiederlegt? Ich möchte Sie, Herr Wenning fragen: Warum werden die Hinweise und Studien unabhängiger Wissenschaftler und Behörden bei Bayer weiterhin nicht ernst genommen und einfach übergangen? Wie können Sie angesichts solcher Ergebnisse weiterhin von einem positiven Nutzen-/Risikoprofil von Yasmin ausgehen? Wie erklären Sie sich dann, dass nun auf Veranlassung europäischer Arzneimittelbehörden sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland der Beipackzettel geändert, d.h. um zusätzliche Risikohinweise ergänzt und auf die neuen Studien Bezug genommen werden muss? Ist dies nicht als Indiz dafür zu werten, dass Ihrerseits bisher unzureichend über die Risiken drospirenonhaltiger Präparate informiert und aufgeklärt wurde?

Bei Bayer hatte man noch im Jahre 2009 keinen Anlass zu einer solchen Änderung gesehen. Der Beipackzettel enthielt und enthält bisher keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risikoprofil der Pille Yasmin. Auch ich habe damals nichts davon erfahren, dass das in der Pille Yasmin enthaltene Hormon Drospirenon ein erhöhtes Thrombose- und Embolierisiko mit sich bringt.

Derartige Informationen werden von Bayer zurückgehalten. Ich möchte gerne wissen, warum Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und sogar Todesfällen vom Bayer-Konzern verschwiegen werden? Warum legen Sie nicht endlich alle Ihnen gemeldeten Nebenwirkungen und Ihnen vorliegenden Anwendungsstudien offen? Angeblich um die Kundinnen nicht zu verunsichern. Doch entsteht Verunsicherung nicht vielmehr durch unzulängliche Information, durch das Gefühl, es wird etwas Verschwiegen und nicht durch ehrliche Aufklärung? Wie lässt sich ein solches Verhalten mit Ihren eigenen Unternehmensmaximen wie Integrität, Offenheit und Ehrlichkeit vereinbaren?
Auch in den Bayer Werbekampagnen werden die Risiken mit keinem Wort erwähnt. Das Marketing zielt vielmehr auf Lifestyle-Anwendungen wie Aknebehandlung und Gewichtsreduzierung ab. Meine Damen und Herren, ist es denn wirklich erforderlich Frauen und Mädchen mit Werbeslogans wie „Verhütung ohne Gewichtszunahme“ zu ködern und sie dadurch einem erhöhten Thromboserisiko auszusetzen?

Die Pille soll verhüten. Und sonst nichts. Eben das tun auch die älteren Präparate der 2. Generation genauso wirkungsvoll. Ist die Verwendung des Wirkstoffes Drospirenon dann nicht völlig unnötig? Wie rechtfertigen Sie die Zunahme lebensgefährlicher Nebenwirkungen bei gleicher Verlässlichkeit der Verhütung, was letztlich Ziel und Aufgabe der Pille ist? Sollte durch Forschung und Fortschritt im Bereich hormoneller Verhütungsmittel, denen sich ihr Unternehmen als Weltmarktführer mit dem Leitbild „Science for a better life“ verschrieben hat, nicht vielmehr ein gegenteiliger Effekt hervorgerufen werden- nämlich eine Verbesserung neuer Präparate hin zu schonenderen und gesünderen Pillen mit immer weniger Nebenwirkungen?

Als Marktführer auf dem Gebiet der Antibabypillen tragen Sie mit die Verantwortung für etwa 100 Millionen Frauen und Mädchen, die weltweit mit der Pille verhüten. Ist Ihnen dabei bewusst, dass angesichts der großen Zahl von Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva schon eine geringfügige Erhöhung der Nebenwirkung eine große Auswirkung auf eine Vielzahl von Frauen hat? Haben Sie als Hersteller von Medizinprodukten nicht die Pflicht alles zu unternehmen, um die Sicherheit derer, die Ihnen ihr Vertrauen aussprechen, indem sie Ihre Produkte kaufen, zu gewährleisten? Ich habe mich vertrauensvoll in die Hände von BayerSchering begeben und hätte fast mit dem Leben dafür bezahlt.

Im den USA sehen Sie sich derzeit einer Vielzahl von Klagen ausgesetzt. Mich als angehende Juristin würde daher interessieren: Wieviele Schadensersatzansprüche wurden gegenüber Bayer aufgrund dieser Problematik in Deutschland aber auch weltweit bereits gestellt? Sind vielleicht sogar schon gerichtliche Verfahren anhängig oder wurden außergerichtliche Vergleiche geschlossen? In welchen Fällen wurde bereits außergerichtlicher Schadensersatz geleistet?

Ich fordere den Bayer-Vorstand dazu auf endlich aktiv zu werden, die Verantwortung für Ihr Produkt zu übernehmen und ehrlich über die deutlich erhöhte Thrombosegefahr aufzuklären, um weitere Schicksale wie das meine und das von Frau Rohrer zu verhindern. Viele Frauen und Mädchen warten auf eine ehrliche Aussage von Bayer.

Ich wünsche mir fernen, dass Sie sich nach der heutigen Hauptversammlung mit Fällen wie meinem und dem von Frau Rohrer befassen, dass Sie auf die Betroffenen zugehen und diese in ihrer Situation bei der Problembewältigung unterstützen.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Felicitas Rohrer

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Felicitas Rohrer, ich bin 25 Jahre alt und komme aus Bad Säckingen.

Zunächst möchte ich aus dem Begleitheft der Antibabypille Yasminelle, die von Bayer vertrieben wird, zitieren:
„Yasminelle – mehr als eine neue Pille. Die niedrige Dosierung soll für eine gute Verträglichkeit sorgen und das Drospirenon hat ein paar hilfreiche Zusatznutzen auf Lager:
- Smile-Effekt – und du fühlst dich rundum wohl in deiner Haut.
- Feel-Good-Faktor: Yasminelle verbessert körperliches und seelisches Befinden.
- Figur-Bonus: Yasminelle hilft, das Gewicht stabil zu halten.
Mit Yasminelle kannst du das Leben und die Liebe so richtig genießen. Mit Yasminelle kannst du zu jeder Zeit im Zyklus singen: I feel good…“

Ich bin im Juli des vergangenen Jahres fast an einer doppelten Lungenembolie gestorben. Ursache dafür war genau diese in dem Begleitheft so angepriesene Antibabypille Yasminelle. Von Ihrer Firma.

Am 11. Juli 2009 war ich zufällig mit meinem Freund in Freiburg. In der dortigen Universität wurde mir plötzlich schwindlig bevor ich ohnmächtig zusammengesackt bin. Mein Freund konnte mich gerade noch auffangen und es gelang ihm nach einiger Zeit mich aus der Ohnmacht zurückholen. Aber ich hatte furchtbare Schmerzen, ein enormes Druckgefühl auf dem Oberkörper und ich konnte kaum noch atmen. Jede Sekunde wurde es schlimmer und ich drohte zu ersticken. Den hinzugerufenen Rettungssanitätern gelang es nicht mich zu stabilisieren, da ich erneut ohnmächtig wurde. Der Notarzt ließ mich sofort in die Uniklinik einliefern.
Dort haben im Schockraum bereits etwa fünfzehn Ärzte auf mich gewartet. Mir wurden die Kleider vom Leib geschnitten. Die Schmerzen wurden so stark, dass ich nicht mehr liegen bleiben konnte. Dann weiß ich bis zum nächsten Tag nichts mehr.

Aus den Arztberichten weiß ich heute, dass mein Herz aufgehört hat zu schlagen und dass ich blau angelaufen bin. Zu diesem Zeitpunkt kannten die Ärzte die Ursache hierfür noch nicht. Sie sahen nur ein 25-jähriges Mädchen mit akutem Herzversagen vor sich liegen. Ich wurde vergeblich defibrilliert. Alle Reanimationsversuche scheiterten. Daraufhin entschlossen sich die Ärzte meinen Brustkorb zu öffnen. Durch einen 15cm langen Schnitt wurde mir das Brustbein geöffnet und zur Seite gebogen. Während ich operiert wurde, hielt ein Arzt mein Herz in seinen Händen und versuchte es auf diese Weise zu pumpen. Zwei Nierenschalen voller Blutgerinnsel befanden sich in beiden Lungenflügeln. Nachdem diese entfernt waren, wurde ich an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Weder mein Herz noch meine Lunge waren in der Lage eigenständig zu funktionieren. Ab dem Zeitpunkt, an dem mein Herz stehen blieb bis zur Eröffnung des Brustkorbes vergingen 20 min, in denen mein Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt war. 20 min, in denen mein Herz nicht schlug. Ich war 20min lang klinisch tot.
Nach der Operation lag ich einen Tag im Koma, bevor ich dann auf der Intensivstation aufgewacht bin. Ich war so erschöpft, hatte solche Schmerzen, dass selbst das stärkste Schmerzmittel, ein Morphinderivat, nicht ausreichte meine Schmerzen zu lindern. Die Sekunden, die das Schmerzmittel brauchte, um im Blut verteilt zu werden, kamen mir wie eine qualvolle Ewigkeit vor. Wissen Sie wie das ist, wenn man vor Schmerzen nur noch schreien kann? Wenn die Familie hilflos am Bett steht und alles, was sie tun können ist meine Hand zu halten, während ich schreie und weine?
Ich hatte sechzehn Infusionen und sechs schmerzende Narben am ganzen Körper. Mir fehlte die Kraft mich zu bewegen, ich konnte kaum sprechen, konnte nicht richtig essen, weil das Kauen und Schlucken zu anstrengend waren.
Währenddessen musste meine Familie hilflos mit ansehen, wie ihre 25 jährige Tochter, die kurz zuvor scheinbar kerngesund nach Freiburg fuhr, nun hier lag und um ihr Leben kämpfte. Sie wussten in den kommenden Tagen nie, ob ich diesen Kampf gewinnen würde.
Viele von Ihnen im Vorstand haben Töchter. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie vor einem Operationssaal warten müssten, stundenlang, während ihr Kind darin um ihr Leben kämpft?

Ich bin 25 Jahre alt. Ich habe fünfeinhalb Jahre Tiermedizin studiert, war gerade mit dem Studium fertig geworden und stand mitten im Leben. Mein Leben sollte endlich richtig beginnen und nun, völlig unerwartet, konnte ich mich nicht einmal mehr selbständig bewegen. Zu merken, dass mein ganzer Körper richtig kaputt war, war grausam. Als nach ein paar Tagen versucht wurde, mich in einen Stuhl zu setzen, fehlte meinem Oberkörper nach wenigen Minuten die Kraft sich aufrecht zu halten und sackte zur Seite weg. Ich konnte mich nicht selber waschen, nicht auf die Toilette gehen, mich nicht aufsetzen. Ich war auf einen Rollstuhl angewiesen und musste immer einen Apparat mit Blutverdünnern und Schmerzmitteln mit mir führen. Laufen musste ich erst wieder lernen. Es war die Hölle.

Und heute? Heute stehe ich hier vor ihnen. Ich stehe hier, weil ich das Glück hatte zu überleben. Wäre ich an dem Tag nicht in Freiburg sondern wie gewöhnlich an meinem Heimatort gewesen, wäre nicht mein Freund dabei gewesen, hätten die Ärzte nicht so schnell und vor allem richtig reagiert, wäre ich gestorben. Mit 25. Eine doppelte Lungenembolie überleben nur weniger als 20%. Patienten, die eine Operation über sich ergehen lassen müssen, wie sie bei mir durchgeführt wurde, haben eine Überlebenschance von 3%. Meine behandelnden Ärzte sprachen von einem Wunder, dass ich überlebt habe. Und es darf doch kein Wunder sein, es darf doch nicht vom Glück abhängen, ob man überlebt oder nicht!
Ich habe überlebt. Aber ich werde für den Rest meines Lebens geschädigt sein. Ich muss Marcumar nehmen, das mein Blut verdünnt. Die Nebenwirkungen sind heftig und vor allem ist es ein großer Einschnitt in mein Leben. Ich muss ständig meinen Blutgerinnungswert im Auge behalten und messen. Ich muss darauf achten, was ich esse und trinke und auf viele Dinge, die ich so gern hatte, muss ich ganz verzichten. Die Gefahr innerer Blutungen ist ständig gegeben und ich darf entgegen meinem großen Wunsch keine Kinder bekommen.
Meine Venen im linken Bein sind irreparabel zerstört und ich habe immer noch einen Thrombus in der Beckenvene, der nicht operabel ist. Aufgrund dessen kann mein Blut nicht richtig zurückfließen, weshalb ich einen Kompressionsstrumpf tragen muss, den Sie hier sehen können. Jeden Tag, mein Leben lang. Ich muss deshalb auf Sommerurlaube verzichten und muss neue Kleidung und neue Schuhe kaufen. Ich habe Lymphabflussstörungen im Bein, muss deshalb mindestens zweimal die Woche zur Lymphdrainage. Meine Herz- und Lungenfunktion ist eingeschränkt. Ich habe zahlreiche Narben, die größte von hier oben bis runter zum Bauch. Alle Narben müssen mit Ultraschall, Salben und Narbenpflastern behandelt werden. Können Sie es sich vorstellen, was es für eine junge Frau bedeutet in den Spiegel zu schauen und diese Narben zu sehen? Ich kann weder längere Zeit sitzen noch lange stehen, daher ist es fraglich, welchen Beruf ich einmal ausüben kann. Ich bin Tierärztin, aber es ist nicht daran zu denken in diesem Beruf zu arbeiten. Dazu kommt, dass ich aufgrund des instabilen Brustbeines körperlich nicht belastbar bin. Ich weiß nicht wie es mit mir weitergehen soll.

Bei mir ist es zweifelsfrei erwiesen, dass die Pille die Ursache für meine Lungenembolie war. Mein Blut wurde auf jede mögliche Gerinnungsstörung untersucht - ich habe keine. Ich habe nie geraucht, bin nicht übergewichtig und habe immer Sport gemacht. Es gibt keinen anderen Grund für die Embolie als die Pille. Die Pille, die von Ihnen so angepriesen wird, die doch so toll für den Körper sein soll und sich insbesondere an junge Erstanwenderinnen wendet wie ich es war. Sie ködern junge Mädchen mit der absurden Werbung sie würden nicht an Gewicht zunehmen, könnten ihr Hautbild verbessern und dass die Pille besonders gut verträglich sei. Dabei ist gerade Yasminelle wie die anderen Pillen der dritten und vierten Generation auch besonders gefährlich für Erstanwenderinnen unter 30 Jahre. Das Hormon Drospirenon, das die Yasminelle und andere Pillen dieser Generation beinhalten, entzieht dem Körper besonders viel Wasser. Dadurch verdickt sich das Blut und das Thromboserisiko erhöht sich enorm. Diese Thrombosen können zu solchen Embolien führen. Lungenembolie, Herzembolie, Hirnembolie.

Und ich bin bei weitem kein Einzelfall:
- Nach mir wird eine junge Frau sprechen, die ebenfalls durch die Pille dauerhaft geschädigt ist.
- In der Schweiz ist ein junges Mädchen nach der Einnahme der Pille Yaz gestorben. Yaz ist ebenfalls eine Pille der 3. Generation, die von Bayer vertrieben wird.
- Die damals 16-jährige Celine war gerade frisch verliebt und nahm deshalb Yaz. Heute, nachdem sie die Pille ganze 4 Wochen lang eingenommen hatte, ist sie spastisch behindert, an einen Rollstuhl gefesselt und wird nie wieder sprechen oder laufen können. An die Herren des Vorstandes: Gehen Sie ins Internet, geben Sie in eine Suchmaschine „Celine“ und „Pille“ ein und schauen Sie sich die Bilder an. Schauen Sie sich die Fotos an! Und dann sagen Sie noch einmal, dass Ihre Pille besonders verträglich sei, wie es Ihr Chef-Mediziner Dr. Malik sagt. Wenn Sie so überzeugt von Ihrem Produkt sind, dann besuchen Sie Celine, gehen Sie zu ihr hin und sagen Sie ihr ins Gesicht, dass sie ganz alleine Schuld an ihrem Schicksal ist. Wenn Sie so überzeugt von der Pille sind, warum haben Sie dann zwei Jahre lang die Krankenhauskosten für Celine bezahlt? Stillschweigend und unter der Hand? Das ist doch ein Schuldeingeständnis!
- In Deutschland ist im September 2009 eine junge Frau an einer Lungenembolie gestorben. Auch sie nahm die Pille ein.
- In den USA sind derzeit 50 Todesfälle bekannt, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Einnahme der Pille stehen.

Durch Berichte in den Medien auf mich aufmerksam geworden, melden sich immer mehr Mädchen bei mir, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Die Dunkelziffer ist enorm hoch. Und es wird weiter gehen.
Deshalb frage ich Sie: Wann werden Sie etwas unternehmen und die Pillen der dritten und vierten Generation vom Markt nehmen? Wie viele Todes- und Erkrankungsfälle wollen Sie noch abwarten? Sie machen mit den Pillen Yaz, Yasmin und Yasminelle einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro und riskieren nicht nur das Leben von jungen Mädchen, nein sie zerstören auch die Zukunft vieler junger Frauen und Familien wie in meinem Fall.
Herr Dr. Dekkers, Sie werden ab Oktober der neue Vorstandsvorsitzende von Bayer sein. Sie haben drei Töchter. Würden sie Ihnen die Yasminelle guten Gewissens empfehlen?
Können Sie sich in die Lage der Väter und Mütter versetzen, die stundenlang vor dem OP warten müssen und jedes Mal, wenn ein Arzt den OP verlässt, müssen sie damit rechnen, dass der Arzt sagt, dass sie den Kampf verloren hat. Oder dass er ihnen sagt, dass, sollte Ihre Tochter überhaupt überleben, sie dann aufgrund des Sauerstoffmangels dauerhafte Gehirnschäden haben wird? Können Sie sich das vorstellen? Mein Vater musste das erleben, meine Mutter, meine Geschwister und mein Freund. Alle Menschen, die ich liebe und die mich lieben mussten damit rechnen, dass ich sterben würde. Ohne nochmal die Möglichkeit gehabt zu haben sich zu verabschieden. Und viele Mädchen hatten die Möglichkeit nicht mehr.

Sie haben es zu verantworten, dass das Leben junger Frauen zerstört ist oder nicht mehr existiert. Wie können Sie morgens überhaupt in den Spiegel schauen???

Ich stand mitten im Leben und Ihre Pille hat mich da herausgerissen, mir Qualen und unerträgliche Schmerzen zugefügt und mich geschädigt hinausgespuckt in ein neues Leben, in dem ich Schwierigkeiten habe zurecht zu kommen. Schon auf der Intensivstation habe ich deshalb psychologische Betreuung erhalten und ich brauche auch heute noch eine Psychologin.
Sie haben mir meine Gesundheit genommen und dazu hatten Sie kein Recht. Sie bewerben die Pille als Produkt, nicht einmal als Medikament, sondern als Produkt, das dem ganzen Körper wohltut. Stattdessen sterben Mädchen deswegen und Sie verdienen Unmengen von Geld damit. Das ist menschenverachtend. Warum stellen Sie eine Antibabypille her, die Nebenwirkungen hat, die für die Verhütung nicht notwendig sind?
Wie erklären Sie es sich, dass meine Frauenärztin nachdem sie über die ersten Zwischenfälle der Pille in der Schweiz gelesen hat ihren Bayer-Vertreter, einen ihrer Studienkollegen, diesbezüglich befragte, dieser jedoch abgewiegelt und die Unbedenklichkeit der Pille weiterhin angepriesen hat?

Ich fordere Sie auf Verantwortung zu übernehmen. Hören Sie auf so zu tun als gäbe es uns nicht. Hören Sie auf uns zu verhöhnen, indem Sie sagen, dass alle Geschädigten Einzelfälle sind, Vorerkrankungen hatten und dass die Schäden nicht von der Pille kommen. Bedenken Sie, dass auch sie Vater oder Mutter eines solchen „tragischen Einzelfalls“ werden könnten. Reagieren Sie auf die Opfer, nehmen Sie die Pillen vom Markt und sprechen Sie mit uns. Im Moment schweigen Sie uns im wahrsten Sinnen des Wortes tot. Lassen Sie keine jungen Frauen mehr sterben. Mein Leben haben Sie schon zerstört.

Bienensterben

CBG Redaktion

Deutscher Imkerbund, 18. März 2010

Deutscher Imkerbund warnt vor Wiederzulassung von Clothianidin

Pflanzenschutzmittel werden in nahezu allen Kulturen zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und –schädlingen eingesetzt, bienenrelevant sind dabei vor allem Raps, Mais und Obst. Das Insektizid Clothianidin aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide ist in Deutschland seit 2004 in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln enthalten, die überwiegend zur Saatgutbehandlung eingesetzt werden. Seit dem dramatischen Bienensterben in Baden und Bayern im Frühjahr 2008 ruhen teilweise die Zulassungen von Saatgutbehandlungsmitteln, die Clothianidin enthalten. Es war damals eindeutig festgestellt worden, dass eine Vergiftung der Bienen durch Abrieb dieses Pflanzenschutzmittelwirkstoffs bei Maissaatgut vorlag. Der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) hat seither gegenüber allen zuständigen Behörden und der Politik mehrfach auf die Gefährlichkeit von Clothianidin und anderer Neonicotinoide hingewiesen und gefordert, dass diese klarstellen, dass eine Schädigung von Bienen und Brut durch Pflanzenschutzmittel nicht hinnehmbar ist.

Weiter muss geklärt werden, in wieweit die gute Wasserlöslichkeit der Neonicotinoide dazu führt, dass diese Wirkstoffe von Bienen beim Wasserholen ins Volk transportiert werden, z.B. bei Ausschwemmung an die Oberfläche oder durch liegengebliebenes Saatgut am Boden bei Regen. Untersuchungen der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim haben eindeutig nachgewiesen, dass Clothianidin durch Pflanzensaftausscheidungen (Guttation) von Bienen aufgenommen wird und stark toxisch wirkt.

Vor dem Hintergrund der Sondergenehmigung des BVL zum Einsatz des Pflanzenschutzmittels „Santana“ am 12. März fordert das Präsidium des D.I.B. nochmals ausdrücklich:

• keine Großflächenversuche und kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit neonicotinoiden Wirkstoffen, solange ein Schutz der Bienen nicht gewährleistet ist,
• umfassende Überprüfung der betreffenden zugelassenen Pflanzenschutzmittel hinsichtlich der Bienenvolkgefährlichkeit und Überwinterungsfähigkeit der Bienenvölker unter realen, natürlichen Bedingungen,
• umfassende Prüfung und Untersuchung der Auswirkung von neuen Pflanzenschutzmitteln vor Zulassung auf Bienen und Bienenvölker,
• umfassende Erforschung der subletalen Effekte von Neonicotinoiden auf Bienen und Brut
• sowie Erforschung der „Quellen“, wo sich Bienen überall Wasser holen.

Petra Friedrich, E-Mail: DIB.Presse@t-online.de

weitere Infos zum Bienensterben

[Gegenantrag] Gegenanträge BAYER HV

CBG Redaktion

Hauptversammlung am 30. April 2010: Gegenantrag zu Störfällen und Wasserverbrauch

Hiermit zeige ich an, dass ich zu Punkt 2 und 3 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für die folgenden Gegenanträge zu stimmen. Um Mitteilung der Gegenanträge sowie der Begründung darf ich gemäß §§ 125, 126 AktG bitten.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Im August 2008 kam es im BAYER-Werk Institute/USA zu einer schweren Explosion. Der Kongress in Washington setzte daraufhin einen Untersuchungs-Ausschuss ein, der zu alarmierenden Ergebnissen kommt: Es war demnach reiner Zufall, dass der explodierte Behälter nicht einen benachbarten Giftgas-Tank zerstörte. Wäre das Giftgas ausgetreten, „hätten die Konsequenzen das Desaster in Bhopal in den Schatten stellen können“. Auch beschreibt der Untersuchungsbericht, wie BAYER mit juristischen Manövern und der Diffamierung von Kritikern die öffentliche Meinung manipuliert hat.

Im Werk Institute kommen große Mengen der in Bhopal ausgetretenen Chemikalie Methyl Isocyanat (MIC) zum Einsatz. Noch vier Monate vor der Explosion hatten Vertreter der Coordination gegen BAYER-Gefahren in der BAYER-Hauptversammlung vor den Risiken der MIC-Tanks gewarnt und eine giftgasfreie Produktion gefordert. Die Warnungen wurden von BAYER-Chef Wenning jedoch als „unbegründet“ abqualifiziert.
Erst Wochen nach der Explosion stellte sich heraus, dass sich weniger als 20 Meter vom Explosionsort entfernt ein Behälter mit mehreren Tonnen MIC befand. Im US-Kongress wurde daraufhin ein Untersuchungsausschuss eingerichtet. Im Zuge der Ermittlungen wurden Hunderte firmeninterner Dokumente beschlagnahmt.
Der Untersuchungsbericht kommt zu alarmierenden Ergebnissen: Wegen eines Konstruktionsfehlers waren Sicherheits-Systeme in der Fabrik vorsätzlich deaktiviert worden. Dies war der Werksleitung bekannt, die Katastrophe hätte daher „leicht verhindert werden können“. Die Aussage von BAYER, wonach keine gefährlichen Stoffe in die Umgebung gelangten, sei „eindeutig falsch“. Wörtlich heißt es weiter: „Die Explosion in dem BAYER-Werk war besonders beunruhigend, weil ein mehrere Tonnen wiegender Rückstandsbehälter 15 Meter durch das Werk flog und praktisch alles auf seinem Weg zerstörte. Hätte dieses Geschoss den MIC-Tank getroffen, hätten die Konsequenzen das Desaster in Bhopal 1984 in den Schatten stellen können.“ Die Explosion in Bhopal kostete mindestens 15.000 Menschenleben.
Vertreter von BAYER hatten in der Anhörung unter Eid zugegeben, dass die Firma Anti-Terrorgesetze dazu missbrauchte, der Öffentlichkeit Informationen zu den Risiken der Anlage vorzuenthalten. Im Zuge der Ermittlungen wurde zudem ein Strategiepapier von BAYER veröffentlicht, in dem detailliert beschrieben wird, wie mit Hilfe von Spenden, Medienarbeit und Diffamierung von Kritikern die öffentliche Meinung gewonnen werden soll. Insbesondere die örtliche Tageszeitung Charleston Gazette, die seit langem über die Risiken des Werks berichtet, sowie die Bürgerinitiative People Concerned about MIC, die seit 25 Jahren für mehr Sicherheit in Institute kämpft, wollte BAYER „marginalisieren“ und „als irrelevant erscheinen lassen“.
Der US-Kongress urteilt denn auch unmissverständlich: „BAYER beteiligte sich an einer Geheimhaltungskampagne. Die Firma hat den Sicherheitskräften entscheidende Informationen vorenthalten, hat den Ermittlern der Bundesbehörden nur eingeschränkten Zugang zu Informationen gewährt, hat die Arbeit von Medien und Bürgerinitiativen unterminiert und hat die Öffentlichkeit unrichtig und irreführend informiert.“
Seit der Gründung des Konzerns ist zu beobachten, dass BAYER mit Druck und Drohungen versucht, freie Information und - noch mehr - Kritik zu unterbinden. BAYER setzt seine wirtschaftliche Macht rücksichtslos ein, um seine Profite zu schützen. Die Wahrheit und die Interessen von Mensch und Umwelt bleiben dabei auf der Strecke. Der Vorstand hat keine Schritte unternommen, solche unlauteren Praktiken zu unterbinden, und darf daher nicht entlastet werden.
Erst nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichts erklärte sich BAYER bereit, die Lagerung von MIC in Institute um 80% zu reduzieren. Die explodierte Anlage soll nicht wieder aufgebaut werden. Die Produktion des in den USA ohnehin verbotenen Pestizids Carbofuran wird eingestellt.
Das Eingeständnis des Unternehmens, dass die Sicherheitslage in Institute verbessert werden muss, ist ein Erfolg der Umweltverbände und eine gute Nachricht für die Anwohner. Allerdings bleibt Institute auch nach dem geplanten Umbau das einzige Werk in den USA mit großen MIC-Tanks, in denen bis zu 20 Tonnen Giftgas lagern sollen. Außerdem macht BAYER bislang keine Angaben zur weiteren Verwendung der ebenso gefährlichen Chemikalie Phosgen, die in Institute ebenfalls in großen Mengen produziert wird.
Eine sichere Produktion ist erst möglich, wenn BAYER in der Kunststoff- und Pestizidproduktion neue Verfahren entwickelt, die ohne Giftgase wie MIC und Phosgen auskommen.
Der Vorstand trägt die Verantwortung für die beschriebenen Missstände und soll daher nicht entlastet werden (weitere Informationen).

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Begründung: Die Fabriken von BAYER entziehen dem Boden enorme Mengen Grundwasser. Dies führt zu großen ökologischen Schäden.
Allein der Verbrauch der fünf größten BAYER-Werke in Nordrhein-Westfalen liegt jährlich bei 220 Millionen Kubikmetern Grund- und Flusswasser. Mit rund 130 Mio cbm liegt die Leverkusener Fabrik dabei an der Spitze. Das Monheimer BAYER-Werk verbraucht rund 50 Mio Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: die rund eine Million Einwohner von Köln benötigen zusammen etwa 57 Mio Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr, also nicht einmal die Hälfte des Leverkusener Werks.
BAYER besitzt für seine Werke „alte Wasserrechte", die zum Teil bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Besonders kritisch zu sehen ist der hohe Verbrauch von Grundwasser, welches in der Regel sauberer ist als Flusswasser. Während allein das Leverkusener BAYER-Werk dem Boden 85 Millionen Kubikmeter Grundwasser entnimmt, beziehen große Teile von NRW ihr Trinkwasser aus aufwändig gereinigtem Rheinuferfiltrat.
BAYER versäumt es, verantwortlicher mit den Grundwasservorräten umgehen. Es wäre dringend geboten, stärker in Produktions- und Reinigungsprozesse zu investieren, bei denen keine Abwässer entstehen. Gebrauchswasser sollte in einem Kreislauf zurückgeführt und aufbereitet werden.
Um einen Anreiz zu schaffen, den Wasserverbrauch zu senken, hatte die damalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn im Jahr 2003 ein Wasserentnahmeentgelt eingeführt – bis dahin hatte BAYER gar keine Gebühren für die gewaltige Wasserentnahme entrichtet. Die Einnahmen sind zweckgebunden. Das Land finanziert damit Maßnahmen zum Gewässerschutz. BAYER und die BAYER-Tochterfirma CURRENTA zahlten hierfür 2008 rund 4,6 Millionen Euro.
BAYER-Chef Werner Wenning hatte das ökologisch sinnvolle Wasserentnahmeentgelt schon vor seiner Einführung heftig attackiert. Auch der von der NRW-Landesregierung eingeführte „Dialog Wirtschaft und Umwelt“, in dem BAYER (nicht aber die Umweltverbände) vertreten ist, hatte stets die Abschaffung gefordert. Die schwarz-gelbe Landesregierung gab dem Druck nun nach und gab die Streichung des WasserCent bekannt.
Ein ökologisch wichtiger Anreiz, Wasserentnahmen auf das unbedingt nötige Maß zu beschränken, geht hierdurch verloren. Insbesondere für die Entnahme von Kühlwasser wäre im Gegenteil eine deutliche Anhebung der Abgaben sinnvoll, um den erheblichen Auswirkungen der Erwärmung der Gewässer Rechnung zu tragen. Die Abschaffung des Wasserentnahmeentgelts wird auch die künftige Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie erschweren – entweder werden Projekte zum Gewässerschutz gestrichen, oder die Bürger werden über den Umweg anderer Steuermittel mit den erforderlichen Kosten belastet. Deutlich gerechter gewesen wäre es, die Verursacher der Gewässerbelastungen wie BAYER weitgehender in die Pflicht zu nehmen.
Der Aufsichtsrat hat keine ausreichenden Schritte unternommen, den enormen Wasserverbrauch zu senken, weshalb ihm die Entlastung zu verweigern ist.

[Yasmin] Gegenanträge BAYER HV

CBG Redaktion

Nebenwirkungen von Antibaby-Pillen: Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 30. April 2010

Hiermit zeige ich an, dass ich zu Punkt 2 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die Einnahme von Antibaby-Pillen das Risiko von Thrombosen und Embolien erhöht. Auch die Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen steigt. Da weltweit bis zu 100 Millionen Frauen mit der Antibaby-Pille verhüten, führen selbst relativ seltene Nebenwirkungen zu zahlreichen Schädigungen.
Daher ist es nicht zu akzeptieren, dass Antibaby-Pillen der neuesten Generation ein rund doppelt so hohes Embolie-Risiko tragen wie ältere Präparate. Die empfängnisverhütende Wirkung ist die selbe. Die höheren Nebenwirkungen lassen sich deshalb nicht rechtfertigen.
BAYER machte im vergangenen Jahr mit Antibaby-Pillen einen Umsatz von 1,28 Milliarden Euro und ist dadurch zum Weltmarktführer aufgestiegen. BAYER vermarktet dabei rücksichtslos Präparate wie YASMIN, YASMINELLE und YAZ mit dem neuartigen Hormon Drospirenon, ohne auf deren erhöhtes Risikoprofil hinzuweisen. Im Mittelpunkt der Werbung stehen angebliche Vorteile für Gewicht und Hautreinheit, also reine „Lifestyle“-Faktoren. Hierdurch kommt es zu vermeidbaren Zwischenfällen und sogar Todesfällen. Allein in den USA haben mehr als Tausend geschädigte Frauen Klage gegen BAYER eingereicht. In den USA hatte BAYER zudem 20 Millionen Dollar Strafzahlungen für falsche Versprechungen in YASMIN-Werbespots zahlen müssen.
Die von BAYER stets zitierte Euras-Studie, die die angebliche Sicherheit von YASMIN belegen soll, wurde von der Firma SCHERING - heute Teil von BAYER - selbst in Auftrag gegeben und von einem SCHERING-Mitarbeiter durchgeführt. Unabhängige Wissenschaftler kommen zu ganz anderen Ergebnissen. So zeigen zwei im vergangenen Jahr veröffentlichte Studien, dass drospirenon-haltige Pillen wie YASMIN gegenüber älteren Präparaten ein um etwa 80% erhöhtes Thrombose-Risiko verursachen. Fachzeitschriften hatten das Unheil kommen sehen und schon frühzeitig vor dem Gebrauch von YASMIN gewarnt.
Immer wieder kommt es auch in Deutschland zu schwersten Schädigungen und sogar Todesfällen. Eine der Geschädigten, Felicitas Rohrer, berichtet: „Dass ich noch lebe, ist ein Wunder und auf unglaublich tolle Arbeit der Ärzte und glückliche Umstände zurückzuführen". Die 25jährige hat im Juli 2009 nach der Einnahme der Pille YASMINELLE eine schwere Lungenembolie erlitten. „Fatal an dieser Antibaby-Pille ist, dass sie sich gezielt an junge Mädchen richtet. Die erste Packung kommt in einem schicken, silberfarbenen Schächtelchen mit Schminkpinsel daher. Zusammen mit dem angeblichen Vorteil, dass man nicht an Gewicht zunimmt, erhöht das die Akzeptanz bei jungen Frauen natürlich enorm. Aber sie erfahren nichts davon, dass sie damit ein höheres Risiko für Thrombosen und Embolien haben“.
Nicht gerettet werden konnte die 21jährigen Yvonne B, die im vergangenen September an einer Lungenembolie starb. Die junge Frau hatte monatelang unter Schmerzen im Brustbereich gelitten und sich mehrfach ärztlich untersuchen lassen. Yvonne B. hatte seit Ende 2008 das Präparat YAZ eingenommen, das ebenso wie YASMIN und YASMINELLE den Wirkstoff Drospirenon enthält. Und schon vor drei Jahren hatte die damals 16-jährige Céline eine Lungenembolie erlitten und wurde zum Pflegefall. Sie hatte YASMIN genommen. Jetzt ist die ehemals kerngesunde Schweizerin schwerbehindert.
In den USA wurden allein im Zeitraum von 2004 bis 2008 mehr als fünfzig Todesfälle durch YASMIN und YAZ gezählt. BAYER verweigert jedoch genaue Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und Todesfällen - angeblich um „die Kundinnen nicht zu verunsichern“. Tatsächlich sollen die negativen Informationen in der Schublade verschwinden, um den Absatz nicht zu gefährden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert daher eine Offenlegungs-Pflicht aller gemeldeten Nebenwirkungen und aller Anwendungsstudien sowie wirksame Strafen für unlautere Pharma-Werbung.
Es ist empörend, dass neue Verhütungsmittel gefährlicher sind als alte. Antibaby-Pillen, deren Einnahme mit einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko verbunden ist, müssen verboten werden. Da der BAYER-Vorstand die Vermarktung von Präparaten mit erhöhten Nebenwirkungen nicht stoppt, ist seine Entlastung abzulehnen.
Ausführliche Informationen zum Thema finden sich auf der homepage der Coordination gegen BAYER-Gefahren unter http://www.CBGnetwork.de/3113.html.

[Rainer Roth] Referat Prof. Rainer Roth

CBG Redaktion

Rainer Roth, Vortrag auf der Jahrestagung 2009 der Coordination gegen BAYER-Gefahren, 7.11.2009 (weitere Infos unter http://www.klartext-info.de)

Finanz- und Wirtschaftskrise: Ursachen und „Lösungen“

1. Ist die Krise vorbei?
Die Industrieproduktion des ersten Halbjahres 2009 in Deutschland liegt um 21,3 % unter dem ersten Halbjahr 2008, im Euroraum um 18,5 %, in den USA um rund 14 %, in Japan um rund 20 %.
Der Auftragseingang in Deutschland liegt im ersten Halbjahr sogar um ein Drittel unter dem Vorjahreshalbjahr. Im Werkzeugmaschinenbau sind die Aufträge im dritten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal sogar um 64 % zurückgegangen. Das gibt einen Ausblick auf die Industrieproduktion der näheren Zukunft. Die Krise wird sich also verstärken.
Die Kapazitätsauslastung liegt im Euroraum und in den USA unter 70 %, in Deutschland bei 71,1%. Auf dem Tiefpunkt der letzten Krise in 2003 lag sie noch bei 82 %. Der letzte Aufschwung baute gewaltige Überkapazitäten auf und bereitete so die Krise vor. Da muss noch Einiges abgebaut werden.
Wirtschaftsminister Brüderle dagegen sieht Deutschland bereits im Aufschwung (Berliner Morgenpost 4.11.2009). Und die Financial Times Deutschland titelte:„Der Aufschwung kommt gewaltig,“ um dann festzustellen: „Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde daher 2009 nur um 4,8 % schrumpfen“ (FTD 04.09.2009). Der Aufschwung wird herbeigeredet, wenn die Industrieproduktion oder das BIP in einem Monat oder einem Quartal den Tiefpunkt des Abschwungs überschritten hat. So kann man mitten in der Krise schon einen Aufschwung melden, wenn sich der Abschwung nur ein wenig abschwächt.
Der Aufschwung hätte aber dann erst eingesetzt, wenn die Industrieproduktion eines Jahres den Höhepunkt des letzten Aufschwungjahres 2008 überschritten hätte. Dazu müsste sie 25 % höher sein als sie es bis einschließlich August 2009 war (eigene Berechnung; Monatsberichte Bundesbank, 10/2009, 62).
Die Vertreter des Kapitals wollen uns im Aufschwung weismachen, dass er robust und nachhaltig sei und auf ihn keine Krise folgen würde. In der Krise wollen sie uns einlullen, dass sie vorbei sei, auch wenn sie noch in voller Blüte steht. Die Herrschaften, die behaupten, sie verstünden etwas von Wirtschaft, wissen aber offensichtlich nicht, wie das System funktioniert, von dem sie leben bzw. betrügen uns.

Die bisherigen Wirtschaftskrisen dauerten 2 bis 3 Jahre. Ausgerechnet die tiefste Krise nach dem 2. Weltkrieg soll schon nach bloß einem Dreivierteljahr in einen neuen Aufschwung übergegangen sein? Das ist lächerlich. Wir stehen bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise erst am Anfang.

Die jetzige Krise wird vermutlich länger dauern als alle vorherigen der Nachkriegszeit. Ein Grund besteht darin, dass der letzte Aufschwung der Weltwirtschaft, die Grundlage der Konjunktur in Deutschland, weitgehend kreditfinanziert war, besser kreditgedopt. „Das Wachstumshormon ‚Schulden’ jagte die Wirtschaft auf Hochtouren“ (Benedikt Fehr, Weltwirtschaft im Umbruch, FAZ 22.04.2009). Es war eine künstliche Blüte, die in riesigen Überkapazitäten endete.
Den Banken flossen im letzten Zyklus gewaltige Kapitalmassen zu, die in der sogenannten Realwirtschaft weder profitabel investiert noch verkonsumiert werden konnten. Das Ausmaß des Kapitalüberschusses wird u.a. in den Bilanzsummen der Banken sichtbar. In den USA und im Euroraum verdoppelten sie sich im letzten Zyklus (2000 auf 2008).
Die Banken als Verwalter des arbeitslosen Kapitals waren gezwungen, die Kapitalmassen nahezu mit Gewalt als Kredit in den Wirtschaftskreislauf zu drücken. Daher explodierten im letzten Zyklus die Kredite an Konsumenten, Unternehmen und Staaten, aber auch an andere Banken. Die Gesamtverschuldung der USA z.B. verdoppelte sich von 2000 bis 2008 von 26,3 auf 52,3 Mrd. Dollar. Sie explodierte von 268 % des BIP auf 370 % des BIP im Q4 2008 (jw 30./31.05.2009, 9).
Die Gesamtverschuldung der USA, der Euro-Zone und Japans wuchs im letzten Konjunkturzyklus erheblich schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Kredite puschten Binnennachfrage und Weltproduktion hoch. Deshalb übertraf die vierjährige Wachstumsphase der Weltwirtschaft von 2004 bis 2007 mit stolzen 5 % jährlich deutlich die Raten der letzten Jahrzehnte und knüpfte an die Zeit vor der Weltwirtschaftskrise 1975 an. Die hohe Auslandsnachfrage, von der Exportweltmeister Deutschland profitierte, war „weitgehend kreditfinanziert“ (FTD 13.02.2009).
Was nicht in Kredite oder in die Hände von Betrügern a la Madoff floss, wurde in Spekulation auf Aktienkurse, Wechselkurse und in hunderttausende von Zertifikaten gesteckt, mit denen man auf alles wetten konnte, auch auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln, Öl, Kupfer usw. Die Gewinne aus den von Banken verkauften Wetten heizten die Konjunktur weiter an.
Nicht nur die Überproduktion an Waren endet in der Krise, auch die Überproduktion an Kapital.
Nicht nur Industriekonzerne und Einzelhändler sitzen auf riesigen Überkapazitäten, sondern auch die Banken.
Wenn der Umfang der Kredite die Leistungsfähigkeit der Schuldner übersteigt, können sie irgendwann Zins und Tilgung nicht mehr zahlen. Kredite werden faul. Wertpapiere, die auf Kreditforderungen gründen, werden unverkäuflich, d.h. wertlos oder verlieren an Wert. In der US- Immobilienkrise zeigt sich der Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich. Der Kapitalüberschuss wurde gewaltsam in den Bau von Immobilien gedrückt. Der kreditgedopte Boom trieb die Immobilienpreise zunächst hoch, endete aber in einer gewaltigen Überproduktion von Immobilien mit entsprechend fallenden Häuserpreisen. Mit dem Schwund ihrer Sicherheiten sank die Kreditwürdigkeit der Schuldner. Ihre Zahlungsfähigkeit verringerte sich andererseits mit den Entlassungen und Lohnsenkungen in der Wirtschaftskrise, die in den USA schon 2007 begann. Die Überproduktion an Kapital wird mit Hilfe von Abschreibungen (Wertberichtigungen) reduziert. Der IWF schätzt inzwischen, dass Banken bis Ende 2010 weltweit auf Kredite und Wertpapiere noch 1.500 Milliarden Dollar abschreiben müssen. Bis zur Jahresmitte 2009 hätten sie schon 1.300 Mrd. Dollar abgeschrieben (focus money online 30.09.2009) und durch frisches Eigenkapital vor allem von Staaten ersetzt.
Für Deutschland schätzt die US-Bank Merill Lynch den weiteren Abschreibungsbedarf allein der Großbanken auf 60 Mrd. Dollar oder auf 75 % ihres Eigenkapitals (RP-Online 19.10.2009). Nach verschiedenen Angaben sollen bisher weniger als die Hälfte der notwendigen Abschreibungen vorgenommen worden sein. Wir stehen also auch bei der Bewältigung der Finanzkrise erst am Anfang.

Die Profitraten der nicht-finanziellen Unternehmen in Deutschland waren auf dem Höhepunkt des Aufschwungs im Jahr 2007 57 % höher als im Durchschnitt der 90er Jahre. Der Glanz der hohen Profitraten des vergangenen Zyklus ist ebenfalls auf Finanzdoping zurückzuführen. „Nur durch die hohe, aber weitgehend kreditfinanzierte Auslandsnachfrage war die Margenausweitung möglich“ (FTD 13.02.2009).
Die Scheinblüte der Profitraten, die die langfristige Tendenz ihres Falls überdeckt hat, musste in sich zusammenfallen. Die gewaltige Überproduktion von Geldkapital hat die normale zyklische Überproduktion von Waren erheblich gesteigert. Deshalb ist die jetzige Krise die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Die Finanzkrise ist nicht die Ursache der Wirtschaftskrise. Sie vertieft sie.
Die als Aufschwung verkauften geringeren Produktionsrückgänge gegenüber dem Vorjahr wiederum beruhen zur Zeit ausschließlich darauf, dass Staaten verzweifelt versuchen, die Folgen der Krise mit kreditfinanzierten staatlichen Konjunkturprogrammen abzumildern. Der Absturz der Industrieproduktion wird in vielen Ländern in erster Linie durch Abwrackprämien für den Kauf von Automobilien gelindert. Unter dem Einfluss der Verschrottungsprämie sank die KfZ-Produktion in Deutschland von Mai bis August nur um 20 % gegenüber dem Vorjahr, statt um 36 % im Durchschnitt der Monate Dezember 2008 bis April 2009 (Monatsberichte Bundesbank, 10/2009, 62).

2. Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise: Gier?
Die Chefredaktion der FTD schrieb an ihre Abonnenten: „Die Folgen schwerer Krisen werden am Ende immer von der Allgemeinheit getragen, ... schon gar nicht von jenen, die diese Krisen mit ihrer Gier ausgelöst haben.“ Dass Gier oder moralphilosophisch: der Verlust von Maß und Mitte die Ursache der Misere sei, ist auch die Meinung von Merkel und Obama, sowie der christlichen Kirchen und der SPD. Steinmeier in seinem Deutschland-Plan zu den Exzessen des schnellen Geldes, die die Finanzkrise erzeugt haben sollen:“ Die Gier gehört zum Menschen, aber wir können sie zügeln“ (Die Arbeit von Morgen, Juli 2009, 64). Die IG Metall schließt sich in ihrem Frankfurter Appell an: „Die aktuelle Krise ...ist von Grund auf das Ergebnis der Ideologie einer zügellosen Marktwirtschaft. ‚Mehr Rendite, schnellere Rendite, höhere Rendite“ – .... wurde schleichend zum überwiegenden Credo des wirtschaftlichen Handelns“. „Die grenzenlose Profitgier ... darf nicht weiter die Wirtschaft bestimmen. Diese Ideologie ist gescheitert.“
Dass die Oberen den Hals nicht voll genug kriegen, ist die volkstümliche Version dieser Erklärung der Krise, die von der überwiegenden Mehrheit der Lohnabhängigen geteilt wird. Daraus folgt die inständige Ermahnung, sich doch mit weniger zufrieden zu geben, um den Ausbruch von Krisen zu verhindern.

2.1. Profit ohne Gier?
Gezügelter Profit ja, aber nicht zügelloser Profit. Profit ja, aber bitte ohne Gier. Da die Jagd nach höherer Rendite angeblich nur ein Credo ist, ein Glaubensbekenntnis bzw. eine Ideologie, müsste man doch den falschen Glauben durch den richtigen Glauben ersetzen können, bzw. die falsche Ideologie durch die richtige Ideologie, um Krisen zu verhindern. Man kann ja auch vom Katholizismus zum Protestantismus übertreten.
Die Predigten gegen menschliche Gier als Ursache von Krisen sind so alt wie die kapitalistischen Krisen selbst. Die Londoner Times schrieb1857, zu Beginn der ersten Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus: „Das Gift wird eingeflößt, indem man Banden hemmungsloser Spekulanten ... zu Musterexemplaren erfolgreichen ... Unternehmergeistes erhebt, so dass das Vertrauen in das langsame Reichwerden vermöge ehrlichen Fleißes erschüttert wird“ (zitiert nach MEW Bd. 12, 335). Würden sie doch bloß langsamer reich werden wollen, lautet die große Bitte an die Kapitalisten auch heute.
Die Krise 1873 – 1879 wird von der FAZ auf „krasse Überspekulation“ bei Gründungen von Unternehmen und Banken zurückgeführt, die zu gewaltigen Überkapazitäten geführt habe (Judith Lembke, 04.03.2008). John Kenneth Galbraith erzählt in seinem Buch über die Weltwirtschaftskrise 1929 „eine Geschichte der Gier, des Überschwangs und der Überheblichkeit. Niemand sah die Gefahren ...“ (Ulrich Schäfer, 1929 und 2008, SZ 26.09.2008). Die FAZ-Redakteure Gerald Braunberger und Benedikt Fehr fassen ihren Überblick über Finanzkrisen aus 400 Jahren mit den Worten zusammen:„Am Beginn jeder Krise steht eine durch billiges Geld und zügellose Gier ausgelöste Euphorie, die in einem bitten Zusammenbruch endet“ (Crash, Finanzkrisen gestern und heute, Frankfurt 2008) Moralpredigten aus vielen Jahrhunderten haben die Vertreter des Kapitals offensichtlich nicht beeindruckt, von ihrer Gier abzulassen. Man sollte sie also die nutzlosen Moralpredigten wie alle Vertrauensseligkeiten dahin entsorgen, wohin sie gehören, auf den Müllhaufen der Geschichte.
Wirtschaftskrisen wiederholen sich in gewissen Abständen, seit 1825 die erste kapitalistische Wirtschaftskrise ausbrach. Sie sind notwendige Folgen der sachlichen Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise und keine übergeschichtlichen Ergebnisse einer angeblich menschlichen Natur.

Nehmen wir als Beispiel die Automobilindustrie. Hier konkurrieren einige wenige Riesenkonzerne um die Aufteilung des Weltmarkts, General Motors, Ford, Daimler, VW, Toyota usw. Jeder produziert für sich auf der Basis seiner Produktionskapazitäten, die er möglichst ausnutzen will, um kein investiertes Kapital brachliegen zu lassen. Investieren und Spekulation auf zukünftige Marktanteile und Gewinne sind kaum zu unterscheiden. Jeder produziert möglichst viele Autos, weil davon die Höhe des Profits abhängt.
Aber: jeder produziert für einen Weltmarkt, dessen Aufnahmefähigkeit er nicht kennt. Daraus entsteht zwangsläufig Überproduktion. Niemand will sie, egal ob er gierig ist oder nicht, und doch produziert jeder Konzern bei, dass sie sich vermehrt. Es ist ein Zustand tiefer Unfreiheit und Ohnmacht, wenn Menschen von den Produkten ihrer eigenen Arbeit beherrscht werden. In ihrem Frankfurter Appell meint die IG Metall: „Die Krise ist ... kein Naturereignis, sie ist das Ergebnis menschlichen Willens und Handelns“. Das ist völlig konfus, denn niemand wollte doch die Krise. Obwohl niemand sie wollte ist sie dennoch Ergebnis menschlichen Handelns, das, weil es anarchisch ist, wie ein Naturereignis wirkt, wie ein Tsunami.
Die weltweite Überproduktion an Automobilien wurde schon vor Beginn der Krise auf 25 % geschätzt, jetzt könnte sie 40 bis 50 % betragen. Die Produktion ist in der Tat über’s Ziel hinausgeschossen, sie hat die Grenzen des Marktes nicht eingehalten. Allerdings als Folge der Produktionsverhältnisse insgesamt. Als Folge des Sondereigentums an Produktionsmitteln und der darauf beruhenden Konkurrenz, als Folge des Zwangs zur Kapitalverwertung, als Folge der Warenproduktion für unbekannte Märkte usw., nicht als Folge der menschlichen Gier, die eine Grenze überschritten hätte. Oberflächlichkeit der Analyse ist Trumpf, aber immerhin werden Krisen nicht mehr dem Willen Gottes zugeschrieben.
Krisen brechen auf dem Boden der Kapitalverwertung aus, selbst wenn die Piechs, Quandts, Ackermänner und Wiedekings ihre Zügellosigkeit zügeln könnten bzw. wenn sie durch staatliche Regulierungen gezügelt würden. Es ist unbestreitbar, dass Kapitalismus Gier und Spekulation produziert. In einem auf Privateigentum, auf privaten Vorteil, auf Egoismus gegründeten Wirtschaftssystem kann es nicht anders sein. Gier und Egoismus auf der Basis des Privateigentums abschaffen zu wollen, ist reine Träumerei. Gier und Spekulation sind jedoch nicht das Kernproblem von krisenhaften Erkrankungen des Wirtschaftskörpers, ebenso wenig, wie das Fieber die Ursache von Krankheiten ist. . Es ist der Zwang zur Kapitalverwertung auf der Basis von riesigen Einzelkapitalien, der die Überproduktion von Autos usw. erzeugen musste und in Zukunft wieder erzeugen wird.
Die Kritik an der Profitgier führt letztlich zur Resignation, weil sie wirkungslos ist. Sie führt zu der fatalistischen Auffassung, dass die menschliche Natur offensichtlich nichts Anderes hervorbringen kann, als eine Gesellschaft mit lauter Geiern, die eben nicht gezügelt werden können. In der Tat können sie ebenso wenig gezügelt werden, wie man Reineke Fuchs von einem Raubtier zu einem Vegetarier und frommen Pilger machen kann. Krisen sind vermeidbar, allerdings nicht auf dem Boden der Kapitalverwertung, auf dem Boden des Raubtierkapitalismus.

2.2. Wieso führt die Gier von Bankern zu sinkenden Bankrenditen?
Die Erfindung von riskanten, innovativen Finanzprodukten wird ebenfalls auf Gier zurückgeführt. „Diese Gier schlug sich in einer Risikoneigung nieder, die im Verhältnis zu Eigenkapital übertrieben war“ (FAZ 29.05.2009) Was auf der Oberfläche als Gier erscheint, war aber in Wirklichkeit der verzweifelte Versuch, dem Fall der Eigenkapitalrenditen der Banken entgegenzuwirken.

Nehmen wir als Beispiel die HRE/Depfa. Zweifellos waren beide Vorstandsvorsitzenden gierig. Funke verlangt die Weiterzahlung seines vertraglich zugesicherten Gehalt von 800.000 Euro jährlich bis 2013 und im Anschluss daran eine monatliche Pension von etwa 50.000 Euro im Monat. Bruckermanns Gehalt belief sich in seinen besten Tagen auf 7 Mio. Euro im Jahr. Beim Verkauf der Depfa an die HRE tauschte er Depfa- gegen HRE-Aktien um und verkaufte sie sofort für 100 Mio. Euro weiter. Er wusste, warum er sich so beeilte.
Aber: die Probleme der HRE/Depfa entstanden nicht durch Geier namens Funke und Bruckermann.
Die Depfa war auf die Finanzierung von Staaten spezialisiert. Da Staaten aber in der Regel (noch) gute Schuldner mit guter Bonität sind, bringen sie nur geringe Zinsen und damit nur geringe Renditen. Die Rendite kann jedoch erhöht werden, wenn man sich die Gelder, die man an Staaten verleiht, möglichst billig besorgt. Das funktioniert, wenn die Zinsen für Kredite mit kurzen Laufzeiten, z.B. drei Monate, gering sind. Man nimmt also kurzfristige Kredite zu niedrigen Zinsen auf und verwandelt sie in langfristige Kredite zu höheren Zinsen. In der Bankersprache wird das als „Fristentransformation“ bezeichnet. Da aber das Niveau von Zinsen mit dem Konjunkturverlauf schwankt (niedrige Zinsen in Krisenzeiten, höhere Zinsen im Aufschwung) musste sich die Zinsdifferenz reduzieren. Die Fristentransformation platzte im Aufschwung ab 2005 nach und nach.
Die HRE dagegen war ursprünglich auf Immobilienfinanzierung spezialisiert. Die Eigenkapitalrendite der Realkreditinstitute (zu denen Hypothekenbanken wie die HRE gehören) war aber schon ab 2005 erheblich gefallen. Sie liegt unterhalb der Renditen des Bankgewerbes insgesamt (vgl. Rainer Roth; Verstaatlichung der Hypo Real Estate: Die Verhinderung des Weltuntergangs, Frankfurt 2009, 7 – www.klartext-info.de). Die HRE hatte zwar „hochproblematische Kredite“ vergeben (Vorstandschef Endres), aber keine spekulative Fristentransformation betrieben. Ihre Eigentümer, mehrheitlich amerikanische Heuschrecken, organisierten genau deswegen die Übernahme der Depfa. Und die Gläubiger der HRE finanzierten sie. Alle erhofften sich dadurch eine Steigerung der Renditen.

Was als Gier von Bankern erscheint bzw. als Streben nach einer unrealistisch hohen Rendite,war in Wirklichkeit ein verzweifelter Kampf gegen den Fall der Bankprofitraten. Hier liegt auch im Allgemeinen die Quelle der riskanten, spekulativen Geschäfte, die in der Finanzkrise platzten.
Selbst Axel A. Weber, der Bundesbank-Chef, sprach davon, dass die Kreditwirtschaft ihre Verluste vor allem mit Wertpapiergeschäfte gemacht habe, die getätigt wurden, „um die zu geringen Margen im Kreditgeschäft im Inland zu ersetzen und durch höhere Erträge am Kapitalmarkt oder von Immobilienmärkten im Ausland auszugleichen“ (Börsen-Zeitung 12.12.2008). Die Eigenkapitalrendite der Kreditinstitute in Deutschland vor Steuern betrug von 1994 bis 1999 durchschnittlich rund 14 %. Im Jahre 2000 brach sie auf 9,32 % ein. In der Krise 2001 bis 2004 sank sie auf durchschnittlich 4 %, erreichte einen neuen Höhepunkt 2005 mit 13 %, um dann deutlich zu sinken und im Jahre 2008 auf minus 7,70 % abzurutschen (http://www.bundesbank.de/bankenstatistik/download/statistik/bankenstatistik/guv_tab6.pdf).

Wie ist zu erklären, dass die rücksichtslose Jagd nach Renditen zu einem deutlichen Fall der Renditen geführt hat, nicht zu „immer höheren Renditen“? Es ist oberflächlich nur von der Jagd nach immer höheren Renditen zu sprechen, ohne die wirkliche Entwicklung der Renditen zu studieren bzw. die wirkliche Entwicklung der Renditen chronisch auszuklammern. Wie kann die „Ideologie der grenzenlosen Profitgier“ dazu führen, dass die angeblich „phantastischen Gewinne“ im Verhältnis zum eingesetzten Kapital sinken? Diese gefährliche Frage stellen sich alle diejenigen nicht, die sich für die Schranken des kapitalistischen Systems nicht interessieren, insbesondere nicht Sozialdemokraten aller Schattierungen. Die Profitgier scheint Grenzen zu haben, die nicht der Staat oder die Moral, sondern die Kapitalverwertung selber setzt.
Das kapitalistische System strebt zwar in der Tat nach immer höheren Renditen, aber das Kapital schafft es nicht. Die durchschnittlichen Renditen innerhalb der Wirtschaftszyklen fallen auf lange Sicht in der Tendenz.
Die Entwicklung der Profitraten müsste nüchtern untersucht werden, wenn man sich nicht mit Phrasen zufrieden geben will, denn die Profitraten sind der „Stachel der kapitalistischen Produktion“ (Karl Marx, Kapital Bd. III, MEW 25, 251). Aber wer nimmt das heutzutage schon noch ernst außer den Kapitalisten selbst? Die Kapitalverwertung dagegen als Idylle von Milliardengewinnen darzustellen, ist unter LohnarbeiterInnen und in der sogenannten Linken vorherrschend.
Die Bankrenditen sind aber gerade wegen des Kapitalüberschusses, den die Realwirtschaft produziert, deutlich gefallen. Der Kapitalüberfluss führt zu tendenziell sinkenden Zinsen und zum Fall der Zinsspannen, d.h. des Verhältnisses von Zinsüberschuss zur Bilanzsumme (vgl. Roth, Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie kriegen den Karren nicht flott ... , Frankfurt 2009, 8-11; www.klartext-info.de). Zinsen aus Kreditgeschäften sind aber die Haupteinnahmequelle der Banken.
Der von Banken verwaltete Kapitalüberschuss selbst wiederum ist eine Folge der Verschlechterung der Verwertungsbedingungen des Kapitals insgesamt. Sinkende Investitionsquoten, Druck auf die Löhne, auf Steuern usw. spiegeln die Probleme der Kapitalverwertung wieder (vgl. Roth, Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie kriegen den Karren nicht flott ... , Frankfurt 2009, 47-50). Der Fall der Bankrenditen war der Motor für die inflationäre Ausbreitung von abenteuerlichen Geschäftspraktiken, mit möglichst wenig Eigenkapital Gewinne zu machen. Die Explosion der Verbriefungen von Krediten über Wertpapiere seit dem Anfang dieses Jahrhunderts, die Vergabe von Krediten zum Zweck des sofortigen Weiterverkaufs, die Kreditversicherungen, die die Kredite dem Schein nach absicherten, weil die Versicherer die notwendigen Sicherheit für den Versicherungsfall gar nicht hatten, der massive Einsatz von Krediten überhaupt und die damit verbundene Geldschöpfung – all das waren Mittel, die Bankrenditen wieder auf Trab zu bringen. Die ausufernde Spekulation, die selbst einen Hans-Werner Sinn vom „Casinokapitalismus“ sprechen lässt, ist nur ein Symptom des Kapitalüberschusses, der ebenso wie wachsende Überschüsse an Arbeitskräften wiederum notwendige Folge der Entwicklung der Produktivität unter der Regie der Kapitalverwertung ist. Die Spekulation mit Kapitalüberschüssen ist nicht die Ursache der Finanzkrisen, sondern die Kapitalüberschüsse selbst, die wiederum Probleme der Kapitalverwertung anzeigen. Deshalb können Finanzkrisen auch durch ein Verbot dieser Methoden nicht verhindert werden. Was nicht bedeutet, dass man nicht für Verbote eintreten sollte.

2.3 Krise als Folge falscher Verteilung?
„Die Wirtschaftskrise ist durch die viel zu schwache Binnennachfrage verursacht“, erklärt verdi (ver.di wipo-infos 1/2009,2). Das ist die vorherrschende Erklärung der Krise in den DGB-Gewerkschaften und in der Linkspartei („wichtigste Krisenursache (sei) die Konsumflaute“, erklärte die Bundestagsfraktion (Roth 2009, 96). Die Krise wird als Produkt der Umverteilung von unten nach oben gesehen.
In der Tat: Wenn alle genug Geld hätten, um alle Waren zu kaufen, gäbe es keine Überproduktion von Waren und Kapital. Und wenn immer die Sonne scheinen würde, gäbe es auch kein schlechtes Wetter.
Es ist reine Tautologie, dass Waren nicht verkauft werden, weil sie nicht gekauft werden können.

Aber: Ausgerechnet vor Beginn der Krisen sind die Lohnsteigerungen am höchsten. Hohe Lohnsteigerungen verhindern Krisen also nicht, sondern kündigen sie geradezu an. Das Lohnniveau ist vor Ausbruch der Krise am höchsten, weil die Nachfrage nach Arbeitskraft im Aufschwung, der jeder Krise vorausgeht, eben zunimmt und von daher höhere Lohnsteigerungen möglich sind. Jeder Aufschwung bereitet aber die nächste Krise vor, erzeugt die Überproduktion, die in der Krise wieder abgebaut werden muss. Höhere Lohnsteigerungen auf dem Höhepunkt des Aufschwungs würden den Beginn der Krise allenfalls hinauszögern, nicht verhindern.
Die Lohnentwicklung hängt allgemein vor allem von der Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskraft ab. Arbeitskräfte sind Waren, deren Preis sich auf dem Arbeitsmarkt bildet. Diese Nachfrage sinkt langfristig aufgrund höherer Produktivität, vor allem aufgrund des technischen Fortschritts und der wachsenden Konzentration des Kapitals. Folge ist ein gewaltiger Überschuss an Arbeitskräften und ein deswegen tendenziell sinkendes Lohniveau.
Andererseits eignen sich die Eigentümer der durch Akkumulation und Fusionen wachsenden Kapitalien die unbezahlte Arbeit der LohnarbeiterInnen an und werden dadurch verhältnismäßig reicher. Es sind die Eigentumsverhältnisse, die Produktionsverhältnisse, die eine wachsende Ungleichheit der Verteilung erzeugen. Wachsende Armut und gleichzeitig wachsende Profitmassen und wachsender Reichtum ist nicht die Folge von Fehlern der Kapitalisten oder des Staates. Wenn etwas falsch ist, dann nicht die Verteilung, sondern die Produktionsverhältnisse, die die die jeweilige Verteilung hervorrufen. Von daher ist es „überhaupt fehlerhaft, von der sog. Verteilung Wesens zu machen und den Hauptakzent auf sie zu legen“ (Marx, MEW 19, 22). Die Produktionsweise ist entscheidend für die Verteilung, nicht umgekehrt.
Die riesigen Kapitalüberschüsse, die die sogenannte Realwirtschaft den Banken zur Anlage überlassen hat, sind ebenfalls nicht in erster Linie das Ergebnis einer „Politik des Lohn- und Sozialdumpings“ und der „Senkung von Unternehmens-, Vermögens- und Spitzensteuersätzen“, wie Sarah Wagenknecht meint (jw 15.10.2008). Sie haben in erster Linie nicht politische, sondern ökonomische Ursachen, die in der Entwicklung der Kapitalverwertung liegen, die sich in wachsendem Maße den Boden unter den Füßen wegzieht.

3. Lösungen?
Das Kapital „löst“ die Krise auf seine Art.
Die Überkapazitäten in Produktion, Handel und Finanzwesen werden abgebaut, indem eine Reihe von Unternehmen und Banken bankrott gehen oder bestehende Unternehmen Werke oder Filialen schließen, Konzernteile verkaufen usw. Folge ist eine zunehmende Konzentration des Kapitals, vor allem sichtbar in den USA.
Überkapazitäten bedeuten nicht nur Überkapazitäten an sachlichen Produktionsbedingungen, sondern auch Überkapazitäten an nutzbarer menschlicher Arbeitskraft. Die Krise wird nicht nur mit der Stillegung von sachlichem Kapital angegangen, sondern auch mit dem Abbau von beschäftigten Arbeitskräften. In den USA z.B. hat sich die offizielle Arbeitslosenquote seit Ende 2007 auf mehr als zehn Prozent verdoppelt.
Die Vernichtung von realem Kapital wird begleitet vom Abbau des fiktiven Kapitals. Fiktives Kapital ist Kapital, das längst ausgegeben wurde, aber in Form von Ansprüchen auf Unternehmensgewinne, auf Steuern, auf die Zahlung von Zinsen usw. auch nach seinem „Tode“ noch weiterlebt. Die Ansprüche beziehen sich auf ein Kapital, das längst ausgegeben ist. Aktien, Kredite an Staaten, Unternehmen und Privatpersonen werden selbst wiederum zu Waren, die gehandelt werden. Die Kapitalüberschüsse wollen nicht beschäftigungslos herumlungern und pumpen die Preise dieser Papierchen zu sogenannten Blasen auf. Wenn die Blase in sich zusammenfällt, werden die fiktiven Werte geringer, ohne dass sich der wirkliche Reichtum der Gesellschaft vermindert. Insofern allerdings fiktives Kapital in die Bilanzen von Banken und Unternehmen eingeht, führt das Luftablassen der Vermögensblasen auch zu realen Verlusten, die die Kapitalverwertung zusätzlich erschweren.
Aber: Das Kapital wehrt sich mit Hilfe des Staates gegen die zerstörerischen Marktgesetze. Nachdem viele Kredite an Konsumenten und Unternehmen faul geworden sind, treten Staatskredite an die Stelle der Bankkredite, um die kreditsüchtige Wirtschaft weiterhin dopen zu können. Der weltweite Umfang der staatlichen Konjunkturspritzen beträgt drei Billionen Dollar. Auf die USA entfallen etwa 1 Bio. Dollar. Das entspricht etwa 7 % des BIP der USA. Chinas Konjunkturprogramme entsprechen 14 % des BIP, Japan erreicht 9 %, der Euroraum nur 1,6 % (Tomasz Konicz, Aufschwung auf Pump, jw 29./30.08.2009). Mit Staatskrediten wird der Kauf von Autos und Immobilien gefördert. Mit Staatskrediten werden Investitionen in die Infrastruktur getätigt. Mit Staatskrediten werden Banken und Unternehmen mit Kapital versorgt, die ansonsten in die Insolvenz gehen müssten, allerdings meist ohne dass der Staat daraus Eigentümeransprüche ableitet. Ein Beweis dafür, dass er der oberste Diener des Kapitals ist und nicht sein Herr werden will. Mit kreditfinanziertem Staatskapital werden Insolvenzen verhindert und Überkapazitäten am Leben gehalten, ein Sisyphusakt.
Großen Umfang haben auch die staatlichen Garantien für Bankkredite. 95 % der neu ausgegebenen Hypothekenkredite in den USA z.B. werden staatlich garantiert, in dem die verstaatlichten Fannie Mae und Freddie Mac sie von privaten Hypothekenbanken aufkaufen (FAZ 28.10.2009).
Die Zentralbanken kaufen in großem Umfang faule Wertpapiere auf, entlasten so die Bankbilanzen und versorgen die Banken mit Geld. Andererseits kaufen Zentralbanken auch Staatspapiere und zahlen mit frisch gedrucktem Geld. Der Verkauf von Staatspapieren wiederum läuft über Banken und ist eine ihrer Profitquellen.
Die Verschuldungsmaschinerie wird mit massiver staatlicher Unterstützung aufrechterhalten und verlagert sich mehr und mehr auf die Staatshaushalte. Laut Eurostat wurde die Staatsschuld im Euroraum durch die Bankenrettungsprogramme 2008 um 175 Mrd. Euro erhöht oder 1,9 % des BIP. Für 2009 rechnet man mit 1.200 Mrd. Euro oder 13 % des BIP (FAZ 23.10.2009). Das dicke Ende kommt also noch.
Es hieß, die Ursache der Finanzkrise seien die niedrigen Zinsen der US-Zentralbank gewesen, die zu einem Immobilienboom auf Pump geführt hätten. Jetzt wird die Rettung aus der Finanzkrise in noch niedrigeren Zinsen gesehen. Billigkredite und Zentralbankgelder produzieren schon wieder neue Preisblasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten und beleben die Spekulation. Wehe aber den Staatshaushalten, wenn die Zinsen der explodierenden Staatsschulden in einem zukünftigen Aufschwung wieder steigen sollten.
Die Staaten haften also mit gigantischen gesellschaftlichen Mitteln für die Folgen der privaten Profitproduktion und mildern sie ab. Den Vogel schießen die USA ab. Der US-Haushalt des Jahres 2009 wird etwa zur Hälfte mit der Aufnahme von Staatsschulden bestritten.
Je mehr sich das Kapital nur noch mit gesellschaftlichen Mitteln über Wasser halten, desto deutlicher wird, dass es entbehrlich ist.

Aber auch der Staatskapitalismus kann die unlösbaren Widersprüche der Kapitalverwertung und der Marktgesetze nicht unter Kontrolle bekommen. Je mehr er es versucht, desto stärker wird die Wucht sein, mit der er die Folgen auf die ganze Gesellschaft, vor allem auf die LohnarbeiterInnen abladen, mit der er also die Verarmung der Mehrheit vorantreiben muss. Je höher die Staatsschulden, desto mehr wird der Staat ferner dem Willen des Finanzkapitals unterworfen, das seinen Haushalt am Leben hält. Die Abhängigkeit der kapitalistischen Staaten vom Finanzkapital wird umso größer, je höher ihr Kreditbedarf ist. Um so merkwürdiger ist es, wenn Kritiker des Kapitalismus so stark für höhere Staatsschulden plädieren.

4: Die Antwort der Lohnabhängigen
„Wir zahlen nicht für Eure Krise!“ hieß das Motto der Demonstrationen, die am 28. März stattgefunden haben und heißt das Bündnis, das sie organisiert hat.

Das sollte vor allem bedeuten:
4.1 Wir müssen zuallererst für Forderungen eintreten, die die unvermeidlich steigende Arbeitslosigkeit möglichst vermindern und andererseits abmildern.
* An erster Stelle würde eine deutliche Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich stehen. Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich, die im Aufschwung praktiziert wurde, hat den Widerspruch zwischen Konsumtion und Produktion vergrößert und damit die Krise vertieft. Angesichts des massiven Produktionsrückgangs wird zur Zeit die Arbeitszeit ohne vollen Lohnausgleich verkürzt, in Form von Kurzarbeit bzw. tariflicher Arbeitszeitverkürzung. Wir brauchen eine dauerhafte, deutliche Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich, weil sich die gestiegene Produktivität seit 20 Jahren nicht mehr in Arbeitszeitverkürzung oder Lohnerhöhungen niedergeschlagen hat. Die LohnarbeiterInnen wurden lange genug ausgenommen. Die Propaganda für die 30 Stundenwoche ist aktueller denn je, zumal in der Krise Werte vernichtet werden, die in Milliarden Arbeitsstunden erzeugt worden sind. Was soll das?
* Notwendig wäre ferner eine deutliche Verlängerung des Alg I auf fünf Jahre. Da die Dauer der Arbeitslosigkeit in der Krise zunimmt, weil sie mit höherer Produktivität und gewachsener Konzentration des Kapitals „gelöst“ wird, muss auch die Dauer des Arbeitslosengelds zunehmen.
80% des Nettolohns sind erforderlich, um den Absturz in Hartz IV zu vermeiden.
* Der Eckregelsatz von Hartz IV muss auf mindestens 500 Euro erhöht werden. 359 Euro bedeuten gesellschaftliche Isolation und Mangelernährung (vgl. www.500-Euro-Eckregelsatz.de). Je besser diese Forderung begründet wird, desto mehr wirkt das wenigstens der Tendenz entgegen, dass im Laufe der Krise das Regelsatzniveau gesenkt wird. Das Regelsatzniveau, als Form des sozialen Existenzminimums, ist zugleich der wichtigste Maßstab für den zu fordernden gesetzlichen Mindestlohn.
* Um dem in der Krise wachsenden Druck auf Lohnsenkungen einen Riegel vorzuschieben, ist ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens zehn Euro zu fordern. Da das soziale Existenzminimum von Erwerbstätigen nicht besteuert werden darf, muss der gesetzliche Mindestlohn lohnsteuerfrei sein.
Die Kampagne für mindestens 500 Euro Eckregelsatz und zehn Euro Mindestlohn, lohnsteuerfrei, sollte unterstützt werden. Wie das geschehen kann, ist der website www.500-euro-eckregelsatz.de zu entnehmen.

Der DGB hat sich inzwischen für 420 Euro Eckregelsatz ausgesprochen. Bei einer Mindestlohnforderung von 7,50 Euro bedeutet das jedoch, einen Ausbau von Lohnsubventionen zu fordern, da schon ein Nettomonatslohn auf der Basis von 7,50 Euro und 359 Euro Eckregelsatz unterhalb des durchschnittlichen Hartz IV-Niveaus eines Alleinstehenden liegt. Der Kampagnenrat des Bündnisses 500-Euro-Eckregelsatz hat einen Brief an den DGB-Bundesvorstand geschrieben, dass die 420 Euro-Forderung einen gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro notwendig macht, wenn man nicht den Ausbau von Lohnsubventionen anstrebt. Die Antwort war, dass die Argumentation „nachvollziehbar“ sei, aber Schwarz-Gelb es nicht zulasse. Grundsätzlich müssen alle Forderungen aber nicht am Maßstab der „Durchsetzbarkeit“ gemessen werden, sondern daran, ob sie den Interessen der Lohnabhängigen entsprechen, d.h. in diesem Fall dem so formulierten sozialen Existenzminimum eines alleinstehenden Lohnabhängigen oder nicht. Da der DGB seine 7,50 Euro-Forderungen auf dem nächsten Gewerkschaftstag erhöhen will, ist die Zeit günstig, für die 10 Euro-Forderung zu kämpfen.

* Wir sollten all diese Forderungen jedoch nicht mit Illusionen über den gegenwärtigen Kapitalismus verbinden. Wir sollten nicht erklären, dass diese Forderungen Schritte auf dem Weg zu einer solidarischen Gesellschaft seien, wie es das Bündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ tut. Eine Wirtschaftsordnung, die auf Ausbeutung beruht, wird nie eine solidarische Gesellschaft sein können.
* Wir sollten nicht Erklärungen abgeben wie: „Die Folgen der Wirtschaftskrise dürfen nicht auf den Arbeitsmarkt übergreifen.“(IG Metall-Chef Huber in metall 11/2009, 3). Wir haben die tiefste Krise der Nachkriegszeit und sie darf, anders als alle bisherigen Krisen, nicht zu Entlassungen führen? Im Übrigen hat im November 2009 die Krise längst auf den Markt für die Ware Arbeitskraft übergriffen, gerade in der Metallindustrie, und das auch mit Zustimmung der IG Metall. Entlassungen sind in vollem Gange, werden allerdings durch den Ausbau der versteckten Arbeitslosigkeit abgemildert.
* Wir sollten Forderungen nach Mindestlohn und höheren Arbeitslosenunterstützungen auch nicht als Mittel zur Stärkung der Binnennachfrage, als soziales Konjunkturprogramm verkaufen. Es geht um Grundbedürfnisse von LohnarbeiterInnen, nicht um Umsatz- und Profitsteigerung. Wir sollten den Mindestlohn auch nicht als Verwirklichung der Menschenwürde oder der Fairness begründen, wie es Linkspartei, SPD und ver.di tun (ausführlich zu den Forderungen gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise: Roth 2009, 91-95; 114-116).
* Wir sollten radikale Forderungen zur Abmilderung der Angriffe des Kapitals auch nicht als Mittel hochjubeln, dass damit in Zukunft Krisen vermieden werden könnten. Sarah Wagenknecht erklärt z.B., dass: „ohne Frage eine radikale Umverteilung der Einkommen und Vermögen von oben nach unten ... das Nachfrageproblem von selbst erledigen“ würde (junge welt 07./08.02.2009).
* Wir sollten nicht von einem „Schutz- oder Rettungsschirm“ sprechen und das bei lächerlichen 7,50 Euro. Ein Schirm verhindert, dass man nass wird. Schutz vor Lohn- und Sozialabbau auf der Grundlage der Kapitalverwertung ist eine illusorische Vorstellung. Die Existenzunsicherheit wächst gerade in der Krise.

Das Interesse, den Kapitalismus innerhalb der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und innerhalb der sozialen Bewegung schönzureden, scheint gestiegen zu sein, obwohl oder vielleicht gerade weil sich seine Wohlstandsversprechen für alle immer mehr entblättern.
Die Verwirklichung aller genannten Forderungen und auch Schritte in diese Richtung sind Mittel, die Folgen der Krise auf diejenigen abzuladen, die sie mit ihren Privatinteressen verursacht haben. Sie senken die Profitraten des Kapitals.

4.2 Wir müssten für ferner für Forderungen eintreten, die es Finanzkonzernen erschweren, Verluste aus spekulativen Anlagen zu machen und sie auf die ganze Gesellschaft abzuladen.

* An erster Stelle steht dabei die drastische Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen. Um dem Fall der Bankrenditen entgegenzuwirken, haben die Banken ihr Eigenkapital mehr und mehr vermindert und sich auf riskante Geschäfte ohne Eigenkapitalunterlegung verlegt. Sie haben damit ihre Fähigkeit deutlich vermindert, selbst für die von ihnen verursachten Verluste aufzukommen. Sie setzen seit langem auf eine unausgesprochene Staatsgarantie, die jetzt in der Krise eingelöst wurde. Schon eine Eigenkapitalunterlegung von 10 % der Bilanzsumme würde dazu führen, dass die Mittel deutlich stiegen, mit denen Banken für ihre Verluste haften können, ohne gesellschaftliche Mittel über den Staat in Anspruch zu nehmen. Die Deutsche Bank hätte dann 2008 ihre Geschäfte mit 220 Mrd. Euro unterlegen müssen statt wie rund 30 Mrd. Euro. Das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme aller Unternehmen liegt bei 25 %. Warum soll ausgerechnet Banken durch Unterausstattung mit Eigenkapital der staatliche Teppich zum Casino ausgerollt werden?

* Der Einlagensicherungsfonds der Banken muss so ausgebaut werden, dass die Banken selbst und nicht die Allgemeinheit für Bankverluste aufkommen muss. Im Fall der HRE haben es die Großbanken durch die von ihnen betriebene Verstaatlichung der HRE geschafft, sich den Bundeshaushalt als Sicherungsfonds für ihre unbesicherten Kredite auszugestalten. Sie haben ihre privaten Verluste in voller Höhe über die Verstaatlichung sozialisiert. Soffin-Chef Hannes Rehm erklärte vollmundig: „Wir müssen den Zustand überwinden, in dem die Gewinne privatisiert werden und Verluste sozialisiert“ (FAZ 3.11.2009). In der Realität spielt das keine Rolle. In Bezug auf die HRE bedeutet die schöne Formel, dass alle Verluste, die jetzt für den Staat entstehen, über eine Sonderabgabe der Finanzkonzerne in voller Höhe getragen werden müssen. Es könnte sich letztlich um eine Summe in Höhe von 25 Mrd. Euro handeln.

* Kredite, deren Bedienung über Wertpapiere weiterverkauft wird, müssen in den Büchern der Banken bleiben. Alle außerbilanziellen Geschäfte sind zu untersagen. Kreditversicherungswertpapiere ohne Sicherheiten sind zu verbieten usw.

Wir sollten diese Forderungen oder andere Forderungen zur Regulierung der Finanzmärkte aber nicht mit der Illusion verbinden, dass dadurch die nächste Finanzkrise verhindert werden könnte. Das sollten wir den Regierungsparteien und der SPD überlassen. Die Finanzkrise ist eine Folge der Überproduktion von Kapital, eine Folge der Kapitalüberschüsse, die die „Realwirtschaft“ produziert, nicht eine Folge der Form der Verwaltung dieser Kapitalüberschüsse. Deswegen gilt nach wie vor: „Keine Art Bankengesetzgebung kann die Krise beseitigen“ (Karl Marx, Kapital Bd. III, Seite 507). Die Eigenkapitalausstattung des britischen Banksystems vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 lag z.B. bei 9 % der Bilanzsumme (der Aktiva) und vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 bei rund 7 % (FAZ 23.10.2009). Auch das konnte die Überproduktion von Kapital nicht verhindern.

Die genannten Forderungen würden natürlich die Bankprofitraten vermindern. Sie sind jedoch notwendig, damit es den Finanzkonzernen erschwert wird, die diese und die nächste Finanzkrise auf die Gesellschaft abzuladen und uns die Krise bezahlen zu lassen.

4.3 Wir müssten ferner für Forderungen eintreten, die es dem Staat erschweren, die Staatsschulden, die er im Interessen von Banken und Konzernen macht, um sie „retten“ oder sie vor Krisenfolgen zu bewahren, mit Sozial- und Lohnabbau bzw. mit einer Erhöhung der Massensteuern zu bezahlen.
Staatsschulden müssen mit Steuererhöhungen von denen bezahlt werden, die sich die größten Vorteile aus einer Wirtschaftsordnung verschafft haben, die Armut und Arbeitslosigkeit produziert.

* Der Körperschaftssteuersatz und der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer müssen wieder auf die früheren 56 % angehoben werden.
* Die Vermögenssteuer muss ebenso wiedereingeführt werden wie die Besteuerung der Veräußerungsgewinne von Unternehmen.
* Aktien- und Devisenhandel sowie alle Finanzwetten müssen mit Mehrwertsteuer belegt werden. Es ist nicht einzusehen, dass der Kauf von Brot mit Mehrwertsteuer belegt wird, nicht aber der Kauf des „Brots“ der Investmentbanken, der „Finanzprodukte“.
* Der Kapitalverkehr mit Steueroasen jeder Art ist zu untersagen.

Wir sollten jedoch diese und andere Forderungen jedoch nicht mit der Illusion verbinden, dass man Finanzkrisen durch die steuerliche Abschöpfung eines größeren Teils der Gewinne und Vermögen verhindern könne. Die Kapitalverwertung wird weiterhin arbeitsloses Kapital produzieren. Zyklische Wirtschaftskrisen, die auch die Finanzsysteme erschüttern, werden weiterhin notwendige Folge der Produktionsverhältnisse sein.

5. Mensch vor Profit?
Es ist ein weit verbreiteter Wunsch, dass das Kapital den Menschen dienen soll, nicht umgekehrt. Aber leider ist es der einzige Zweck des Kapitals, sich selbst als Selbstzweck zu vermehren und nicht dem Menschen als solchem zu dienen.
Es ist ein weitverbreiteter Wunsch, dass Menschen Vorrang vor Profit haben sollen. Nur: Solange die Profitwirtschaft herrscht, d.h. die Verwertung von Kapital im Mittelpunkt steht, kann „der Mensch“ nicht im Mittelpunkt stehen. Die Frage steht letztlich: menschliche Grundbedürfnisse oder Kapitalverwertung.
Die jetzige Krise zeigt deutlicher als vorher die Skrupellosigkeit des Kapitals und seiner Repräsentanten, die von sich selber sagen, dass ihr System auf den Zusammenbruch bzw. den Weltuntergang des Finanzsystems zugesteuert wäre. Das wird es auch in Zukunft tun.
Ähnlich steht es mit der „demokratischen Kontrolle“ der Banken, die über die Verstaatlichung der Banken erreicht werden soll. Sie drückt den Wunsch aus, dass das Volk etwas zu sagen hat. Allerdings entziehen sich Banken und Konzerne immer mehr der Kontrolle. Die Realität ist gekennzeichnet durch eine wachsende Konzentration des Bankkapitals und durch die wachsende Unterwerfung des Staates unter seine Interessen, die mit der Staatsverschuldung verbunden. Die Explosion der Staatsschulden führt faktisch zu einer Art Privatisierung des Staates insgesamt. Von demokratischem Einfluss des Volkes auf die Bankgeschäfte ist selbst bei den verstaatlichten Banken, in Deutschland der HRE, nichts zu sehen. Die Kräfte, die einen Staat im Interesse der breiten Mehrheit der Gesellschaft bilden bzw. verstaatlichte Banken im Interesse der Gesellschaft führen könnten, sind nicht in Sicht. Angesichts dessen können wir heute nicht für eine Verstaatlichung der Banken eintreten. Die heutige Verstaatlichung von Banken dient, wie das Beispiel HRE zeigt, letztlich der Stärkung der Privatbanken.

Wir brauchen nicht nur ein gut begründetes Forderungsprogramm, auf dem man sich vereinigen kann, ohne den Kapitalismus zu beschönigen, sondern auch eine schonungslose Aufdeckung der Gesetzmäßigkeiten der Kapitalverwertung, die die heutige Krise erzeugt haben. Es ist nutzlos, sich einfach einen Kapitalismus vorzustellen, der sozial ist und seine Widersprüche ablegt, statt sie auf die Spitze zu treiben. Das fördert eine ausufernde Kompromissbereitschaft und führt nicht dazu, dass man ohne Rücksicht auf die Interessen des Kapitals für Grundbedürfnisse und ihre maximale Befriedigung kämpft.

Damit die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschen im Mittelpunkt stehen und sie realen Einfluss in ihrem Interesse ausüben könnten, müssten die Produzenten des Reichtums auch die Eigentümer der Produktionsmittel sein. Dann könnten sie den von ihnen erarbeiteten Reichtum für die maximale Entfaltung ihrer eigenen Bedürfnisse verwenden statt dass er der Befriedigung der Profitbedürfnisse einer Minderheit von Kapitalanlegern und ihrem Luxuskonsum dient. Erst dann wären sie nicht nur Anhängsel der Entscheidungen von Kapitaleigentümern in irgendeiner Form.
Wenn die sachlichen Produktionsbedingungen kein Kapital mehr wären und die Arbeitskraft keine Ware mehr, würde sich auch die Produktivität nicht mehr in Kapitalüberschuss auf der einen und Arbeitskräfteüberschuss auf der anderen Seite äußern. Das wäre eine Grundlage dafür, dass die erarbeiteten Überschüsse nicht in Krisen vernichtet und in Spekulation verjubelt würden.
Erst wenn Menschen nicht mehr von den mächtigen Naturgewalten der Kapitalakkumulation beherrscht werden, ist es möglich, dass statt Abhängigkeit Freiheit und statt Demütigung Menschenwürde Einzug halten können und dass die maximale Entwicklung des Potentials aller Menschen statt des Selbstzwecks der Kapitalvermehrung der einzige Zweck menschlicher Tätigkeit werden kann.

[Giftöl Spanien] Giftöl Syndrom Spanien

CBG Redaktion

DER SPIEGEL 11/1987 vom 09.03.1987, Seite 165-175

Das Giftöl machte die Ratten nur fett

Politiker und Wissenschaftler vertuschten die Ursachen einer tödlichen Epidemie in Spanien

Maria Concepcion Navarro Hernandez, 42, starb eines „natürlichen Todes“. Der Autopsie-Bericht spricht von „schwerer doppelseitiger Lungenentzündung und wahrscheinlicher Darmblutung“. Todesursache: „akutes Lungenversagen“.
So wollte es die Regierung in Madrid, so teilte sie es auch dem Parlament auf Wunsch eines Abgeordneten mit. Seine Frage, so fand der Parlamentarier, hatte das spanische Kabinett wohl sehr in Verlegenheit gebracht.
Die Tote paßte nicht ins Bild. Maria Concepcion starb an Gift, angeblich an den tödlichen Substanzen, die in gepanschtem Öl sein sollen. Sie wurde seit langem wegen einer Krankheit behandelt, die in Spanien seit 1981 das Toxische Öl-Syndrom (TOS) heißt. Doch Frau Navarro Hernandez, Rechtsanwältin wie ihr Mann, hat nie das gepanschte Öl zu sich genommen.
Der Mann, Mitglied in einer angesehenen großen Kanzlei, wurde mehrfach auf Betreiben der Regierung, so sagt er, unter Druck gesetzt: Er sollte endlich zugeben, daß seine Frau auch das gefährliche Öl verzehrt hatte.
Jose Merino Ruiz wollte nicht. So wurde die Leiche seiner Frau - gegen seinen Willen - obduziert, und das Ergebnis brachte die These der Regierung wieder in Übereinstimmung mit der Logik: Da Maria Concepcion nun mal kein giftiges Öl gegessen haben wollte, war sie eben nicht am Toxischen Öl-Syndrom gestorben. Die Autopsie erbrachte nichts.
Der Tod der Rechtsanwältin ist so rätselhaft wie der Tod von fünfhundert oder achthundert oder tausend Spaniern, die wie Maria Concepcion gelitten haben und genauso gestorben sind. Es werden noch mehr sterben, vor vierzehn Tagen waren es ein neunzehnjähriges Mädchen und ein Junge. Etwa 25000 sind vergiftet. Heilungschancen sind nicht erkennbar - bislang ist nicht einmal sicher, was die Epidemie ausgelöst hat.
Es war das Öl, sagt der Staatsanwalt: für industrielle Nutzung importiertes, denaturiertes Rapsöl, für den Verzehr wieder aufbereitet und vermischt mit allerlei anderen Fetten. Gut drei Dutzend Panscher und Händler waren zum Teil jahrelang in Haft. Der Prozeß wegen Totschlags, Körperverletzung, Verbrechens gegen die öffentliche Gesundheit und Urkundenfälschung soll am 30. März beginnen.
Er kann nur, ganz gleich wie die Urteile ausfallen, mit einer schweren Blamage der spanischen Regierung enden: Was auch immer die Epidemie auslöste - es gibt bislang nicht einen einzigen überzeugenden Beweis, daß es gepanschtes Öl war.
Als sie noch in der Opposition waren, versprachen die Sozialisten des Felipe
Gonzalez, sie würden mit allen Mitteln zu klären versuchen, wer und was die Spanier vergiftete. Seit sie an der Macht sind, tun Gonzalez‚‘ Leute das gleiche, was ihre Vorgänger taten: Sie suchen mit allen Mitteln die Aufklärung des Falles zu verhindern.
Wer nicht an die These vom giftigen Öl glaubte und nach anderen denkbaren Ursachen der Epidemie forschte, wurde nicht ernstgenommen. Wer anderer Meinung war, verlor seinen Job. Anwälte, Ärzte, Kranke, Journalisten bekamen den Druck der Staatsräson zu spüren. Untersuchungen, die nicht der einen Wahrheit entsprachen, wurden nicht zur Kenntnis genommen oder verschwanden.
Wann die neue unerklärliche Krankheit ihre ersten Opfer fand, ist nicht genau feststellbar. Heute wird der 1. Mai 1981 als wichtiges Datum in der Geschichte dieser Epidemie genannt.
An diesem Tag starb der achtjährige Jaime Vaquero in einer Ambulanz, die ihn von der Satellitenstadt Torrejon nach Madrid bringen sollte. Am gleichen Vormittag wurden vier seiner Geschwister in das Madrider Hospital del Rey gebracht. Vorläufige Diagnose: atypische Lungenentzündung. Der Direktor der Klinik, Antonio Muro, alarmierte das Gesundheitsministerium. Er befürchtete den Ausbruch einer Epidemie.
In den nächsten Wochen füllten sich die Krankenhäuser mit Patienten aus den Vororten von Madrid und aus den angrenzenden Gebieten. Alle zeigten die gleichen Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlaflosigkeit, Haarausfall, Lungenentzündung.
Am 6. Mai bildete das Gesundheitsministerium in Madrid Arbeitsgruppen, die der Krankheit auf die Spur kommen sollten. Ärzte und Wissenschaftler suchten nach Viren oder Bakterien, die über die Atemwege in den Körper der Erkrankten gelangt waren.
Antonio Muro, der Entdecker der Epidemie, war nach seiner ersten Verblüffung sehr schnell zu einer anderen Ansicht gekommen. Am 15. Mai, vierzehn Tage nach dem Tod des achtjährigen Jaime, erklärte er während einer Lagebesprechung in der Klinik, die Krankheit sei durch ein Gift im Verdauungstrakt ausgelöst worden.
Doch da hatte die Regierung offenbar schon beschlossen, was die Wahrheit ist. Am Abend desselben Tages wurde Muro vom Dienst suspendiert - wegen physischer und psychischer Erschöpfung.
Muro - das bestätigen alle, die ihn näher kannten - war immer ein harter Arbeiter, zielstrebig, gründlich, geduldig. Als er die Klinik verlassen mußte, sagen sein Sohn und seine Frau, war er in bester Verfassung und voller Eifer, das neue Problem zu lösen.
Ein paar Wochen später, am 10. Juni, ließ Gesundheitsminister Jesus Sancho
Rof die Öffentlichkeit wissen, was die Epidemie verursacht hatte: renaturiertes Rapsöl, das in Fünf-Liter-Plastikflaschen billig durch Straßenhändler vertrieben wurde. Das Zeug war mit anderen Fetten und Zusätzen wie Chlorophyll gemischt. Es enthielt Anilide, eine Verbindung von Anilin mit Fettsäuren.
Die Spanier wurden Ende Juni aufgefordert, das im Straßenhandel erworbene angeblich giftige Fett gegen gutes Olivenöl zu tauschen. Fast eine halbe Million Liter der verschiedensten Marken und Zusammensetzungen wurden bei den Sammelstellen abgeliefert.
Die Krankheit hieß nun Toxisches Öl-Syndrom, und dabei blieb es. Alle Anstrengungen der spanischen Regierung galten nur noch dem einen Ziel: Beweise für die Öl-Hypothese zu finden. Hinweise auf andere Ursachen der Epidemie wurden unterdrückt oder beiseite gefegt, entsprechende Untersuchungen nicht gemacht.
Eine eilig gegründete Nationale Kommission (Plan Nacional) zur Aufklärung des Toxischen Öl-Syndroms sorgte für beeindruckende Propaganda, das Instituto Nacional de Toxicologia sowie das Institut für Ernährungsforschung in Majadahonda wurden eingeschaltet, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingespannt, Experten in den USA und Europa angeheuert.
Doch das Ergebnis, sechs Jahre nach dem Ausbruch der Epidemie, ist beschämend: Bis heute weiß niemand, welches Gift im Öl denn wirklich die tückische Krankheit verursacht hat.
Anilide allein, da sind sich die Experten inzwischen einig, können es nicht gewesen sein. Da andere kritische Verbindungen im gepanschten Öl trotz emsiger Suche nicht entdeckt wurden, wird inzwischen einfach behauptet, die Anilide hätten zusammen mit irgendeinem Stoff im Rapsöl die verheerende Wirkungen ausgelöst. Niemand weiß, welcher Stoff das sein soll.
Die Öl-Hypothese war von Anfang an abenteuerlich. Luis Frontela, Professor für Gerichtsmedizin an der Universität Sevilla, bezeichnet sie als „absurd und außerhalb der wissenschaftlichen Logik“. Frontela beschäftigt sich seit Jahren mit der seltsamen Epidemie. Es gebe, sagt der Mediziner, „nicht die geringste wissenschaftliche Basis“, die pathologischen Befunde dem Verzehr des gepanschten Öles zuzuschreiben.
Von Anfang an auch waren die übrigen Argumente für die Öl-These wenig überzeugend. Bei 97 Prozent aller Patienten, so heißt es, sei nachgewiesen worden, daß sie gepanschtes Öl verzehrt hätten. Nur knapp ein Prozent all derer jedoch, die solches Öl verbraucht hatten,
ist erkrankt. Im übrigen wird Öl seit Jahren, mit Wissen der Regierung, gepanscht und vertrieben.
Die Epidemie wurde nur in einem Gebiet im Nordwesten Madrids beobachtet. In weiten Gebieten Kataloniens beispielsweise wurden die gleichen, angeblich gefährlichen Ölsorten verkauft, ohne daß Vergiftungen vorkamen.
In den Epidemie-Zentren selbst - betroffen sind überwiegend Wohngegenden sozial schwacher Schichten - wirkte das Gift scheinbar willkürlich. In einigen Straßen, wo die Händler mit ihren Lkw Kunden fanden, waren nur vereinzelt Häuser betroffen. In manchen Familien wurde nur einer krank, in anderen waren es mehrere, aber nicht alle.
Rechtsanwälte haben mehrfach bei der Justiz Studien angefordert, die angeblich über die Ausbreitung der Epidemie gemacht wurden. Immer vergeblich. „Epidemiologische Untersuchungen existieren nicht“, sagt Rechtsanwalt Merino. „Oder sie sind so schlampig und rudimentär, daß niemand sie sehen darf.“
Es gab eine Studie, die auf Anraten ausländischer Experten 1983 zu klären versuchte, wie alles passiert war und warum. Das Arztehepaar Javier Martinez und Maria Jesus Clavera, beides Epidemiologen, war eigens von Barcelona nach Madrid umgezogen, um im Auftrag der Nationalen Kommission die Wege des vermeintlichen Giftöls vom Hersteller bis zum Verbraucher zu verfolgen.
Die beiden Wissenschaftler fanden heraus, daß es keinen gemeinsamen Nenner für alle verdächtigten Öle gibt. Viele Kranke, so schrieb Maria Jesus Clavera in einem Bericht, hätten Öle verzehrt, die weder Rapsöl noch Anilin enthalten hätten.
Überdies widerlegten die Epidemiologen mit handfesten Daten eine immer wieder zitierte Behauptung der Regierung: Die Zahl der neuen Krankenfälle ging keineswegs schlagartig zurück, nachdem der Gesundheitsminister das Öl als Ursache der Epidemie angeprangert hatte; bereits 14 Tage vorher hatten die Krankenhäuser bemerkenswert weniger Fälle registriert.
„Die Erkrankung am Toxischen Syndrom“, folgerten die beiden Spezialisten, „hat in Wirklichkeit nichts mit irgendeinem Bestandteil irgendeines Öles zu tun.“
Das war nicht die Art von Urteil, die von ihnen erwartet wurde. Die epidemiologische Forschungsgruppe der Nationalen Untersuchungskommission löste sich auf, Javier Martinez und seine Frau wurden arbeitslos. Daß bei einem Einbruch in ihre Wohnung nur Papiere gestohlen wurden, wunderte sie schon nicht mehr.
Trotz solcher kritischen Stimmen, die Öl kategorisch als Verursacher der Epidemie ausschlossen, hat die Nationale Kommission im Auftrag der Regierung immer nur wieder nach Belegen für ihre Hypothese gesucht und andere Möglichkeiten außer acht gelassen. So wurde reichlich verdächtiges Öl an Mäuse und Ratten verfüttert. Das Toxische Öl-Syndrom war an ihnen nicht reproduzierbar. Die Tiere gediehen prächtig, die Ratten wurden fett, und ihr Fell bekam schönen Glanz.
Auch die vielen ausländischen Experten, die bei der Lösung des Rätsels helfen sollen, haben der spanischen Regierung bislang nicht aus ihrer Beweisnot helfen können. Keine der in den untersuchten Ölen enthaltenen Substanzen, schrieb die US-Wissenschaftlerin Renate D. Kimbrough von den Centers for Disease Control in Atlanta, habe an Versuchstieren die Krankheit hervorgerufen, die in Spanien die Menschen betroffen habe. Auch die Food and Drug Administration - die US-Behörde für Nahrungsmittel und Arzneien - habe keine giftigen Substanzen entdecken können.
Deutsche Wissenschaftler kamen zu ähnlichen Ergebnissen. „Unsere Experimente mit Mäusen“, urteilte Claus Köppel von der Landesanstalt für Lebensmittel-, Arzneimittel- und gerichtliche Chemie Berlin 1982, „haben keinerlei toxische Wirkung hervorgerufen.“ Und: „Nach unserer Ansicht sind Anilide nicht die Verursacher des Toxischen Öl-Syndroms.“
Was aber hat dann seit 1981 Hunderte von Spaniern getötet und Tausende verkrüppelt?
Bei Fieber und Lungenentzündung bleibt es nicht. Viele Patienten verlieren die Zähne, andere die Haare. Oft ist die Zunge gelähmt. Die Kranken magern bis zum Skelett ab, sie haben Krämpfe und Zuckungen, Muskeln werden gelähmt und verkümmern. Viele haben verkrüppelte, krallenartige Hände und deformierte Füße.
Antonio Muro, der ehemalige Leiter des Hospital del Rey, hat als erster
intensiv danach gesucht, welches Gift solche erschreckenden Folgen haben könnte. Er gab schnell die These auf, daß es das Öl sein könnte, war aber überzeugt, daß der Verursacher auf dem typisch spanischen Salatteller zu finden sein müßte.
Nachdem Muro vom Dienst suspendiert war, sah er sich die Zutaten genauer an. Er argwöhnte eine Vergiftung mit Phosphorsäureester, einer Stoffklasse, der viele Pestizide angehören.
Phosphorsäureester sind wegen ihrer brutalen Wirkung auch die Grundlage für bio-chemische Kampfstoffe. Sie lähmen vor allem die Atemfunktion und das Nervensystem.
Nach Muros Ansicht steckte das Gift in Tomaten. Er verfolgte die Wege, auf denen die Früchte zu den Verbrauchern gelangt sein könnten. Nach seinen akribischen Aufzeichnungen sind etwa 80000 Kilo Tomaten aus Almeria im illegalen Straßenverkauf angeboten worden - überall dort, so behauptete der Epidemiologe, wo die Krankheit auftrat. Die Tomaten so Muro, seien zu früh geerntet worden, so daß noch hochgiftige Umwandlungsprodukte eines Pestizids - oder gar zweier sich gegenseitig verstärkender Stoffe - in den Früchten waren.
Die deutsche Chemiefirma Bayer wehrte sich, noch ehe ihr Name genannt wurde. Denn Muro meinte in der Tat das Bayer-Produkt Nemacur, ein giftiges Mittel gegen Bodenwürmer (Nematoden).
Bayer verwies darauf, daß Nemacur seit 1972 in Spanien zugelassen ist und heute in 38 Ländern verwendet wird. Von Unfällen mit diesem in der Tat hochgiftigen Produkt sei nie etwas bekannt geworden. Bayer bot im März 1982 Fachleuten der spanischen Regierung und der Nationalen Untersuchungskommission Daten über Nemacur an.
Mit Recht kann der Chemiekonzern behaupten, es lägen keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür vor, daß sein Produkt die Epidemie ausgelöst hätte. Aber Bayer läßt sich auf ein gefährliches Spiel ein: Wenn die Firma sich auf die Ölthese und die kühnen Argumente der spanischen Regierung stützt, muß sie damit rechnen, daß ihre eigene Position immer wieder in Zweifel gezogen wird.
Es ist eben erstens nicht erwiesen, daß gepanschtes Rapsöl - wie die Regierungsbeamten behaupten - die Krankheitsursache war. Und zweitens gibt es zwar keine Beweise, wohl aber immer wieder ernst zu nehmende Hinweise, daß doch ein Phosphorsäureester (wie Nemacur) die Epidemie ausgelöst haben könnte. Daß die Nationale Kommission die Hinweise nicht zur Kenntnis nehmen wollte und ihnen nicht nachging, ist eine ganz andere Frage.
So sind die epidemiologischen Studien Muros als unwissenschaftlich abgetan worden, noch ehe sie jemand gesehen hatte. Als der Mediziner zu einem internationalen
Expertentreffen geladen wurde, erschien er mit zwei prall gefüllten Aktentaschen voll Material. Er war nach 30 Minuten wieder draußen, ohne seine Taschen auch nur geöffnet zu haben.
Und der Staatsanwalt? Ja, er hat Muro einmal gesehen. Inzwischen ist Muro tot, er starb 1985 an Krebs. Seine Untersuchungen liegen alle noch zu Hause bei seinem Sohn, der ebenfalls Arzt ist.
Dabei war Muro keineswegs der einzige, der die Öl-Hypothese bezweifelte. Schon kurz nach Bekanntwerden der Epidemie schrieb der Kinderarzt Angel Peralta in einem offenen Brief an das Madrider Gesundheitsministerium, es könnte sich hier um eine Pestizidvergiftung handeln„. Die klinischen Symptome ließen auf Phosphorsäureester schließen. Die Antwort des Gesundheitsministers: “Wir tun alles, um die verantwortliche Bakterie zu finden.„
Auch der Gerichtsmediziner Frontela aus Sevilla vermutet eine Pestizidvergiftung. Er will - wie Muro - Tomaten und Paprika, die mit Nemacur behandelt waren, an Ratten verfüttert haben. Die Tiere wiesen angeblich die gleichen Schäden an Lungen, Nieren und Gefäßen auf wie die erkrankten Menschen.
Frontela konnte seine damaligen Tierexperimente nicht beenden. Mehrere hundert Ratten verhungerten, weil der Tierpfleger der Universität ihnen - angeblich aus Kostengründen - kein Futter mehr gab.
Bayer-Forscher bezeichnen Frontelas Methoden als laienhaft, seine Befunde seien unvollständig. Eigene Versuche mit hohen Dosen Nemacur hätten bei Ratten keine Symptome oder organische Veränderungen erzeugt.
Klare Unterstützung bekamen Muro und Frontela von einem erfahrenen epidemiologischen Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Symptome der kranken Spanier, so Francisco Martin Samos, erinnerten ihn “an andere Fälle in verschiedenen Ländern, wo es Vergiftungen durch Phosphorsäureester gab„. Die epidemiologischen Arbeiten von Muro seien außergewöhnlich. Die Nationale Kommission habe jedoch nur einen Schuldigen gesucht, nicht die wahren Ursachen der Katastrophe.
Gaston Vettorazzi, Pestizid-Experte der WHO in Genf, bat im Dezember 1984 Professor Frontela in Sevilla, er möchte doch der WHO die Ergebnisse seiner Tierexperimente mit Nemacur mitteilen. Die Weltgesundheitsorganisation mußte zusammen mit der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO möglicherweise noch einmal neu über das Pestizid entscheiden.
Doch drei Monate später wurde der WHO-Experte in Genf kaltgestellt. Keinen
Augenblick lang, schrieb WHO-Generaldirektor Halfdan Mahler an den spanischen Gesundheitsminister, habe Vettorazzi mit den Recherchen wegen der Vergiftungen etwas zu tun gehabt. Der Anlaß für den unterwürfigen Brief: Vettorazzi war im spanischen Magazin “Cambio 16„ mit der Ansicht zitiert worden, Anilide im Öl könnten auf gar keinen Fall die Vergiftungen ausgelöst haben.
Nemacur aber, so die Wissenschaftler der Firma Bayer, könnte es auch nicht gewesen sein, weil Phosphorsäureester ein völlig anderes Krankheitsbild erzeugen und im menschlichen Körper eine ganz eindeutige Reaktion auslösen würde, die sogenannte Cholinesterase-Hemmung. Dabei geht es um Nervenreize, die durch ein Enzym gestoppt werden. Ist dieses Enzym, nämlich Cholinesterase, blockiert (gehemmt), hält der Nervenreiz an, ein Muskel beispielsweise verkrampft sich dauerhaft.
Diese Hemmung, so Bayer, habe in Spanien in keinem Fall vorgelegen. Also könne es keine Vergiftung durch Phosphorsäureester (Nemacur) gewesen sein.
Das Argument ist nicht widerlegbar. Es gibt zwar einen Arzt, Enrique de la Morena vom Krankenhaus Fundacion Jimenez Diaz in Madrid, der beteuert: Er habe entsprechende Untersuchungen gemacht, und die Cholinesterase-Hemmung habe in vielen Fällen vorgelegen. Aber seine Aufzeichnungen sind nicht mehr auffindbar - Morena halte sie, seinen eigenen Worten zufolge, der Nationalen Untersuchungskommission überlassen.
Es geschehen merkwürdige Dinge in Spanien. In Fuenlabrada, einer Satellitenstadt vor den Toren Madrids, gibt es eine Interessengemeinschaft von Menschen, die von der Epidemie betroffen sind. Mehrfach wurde im winzigen Büro der Gemeinschaft bereits eingebrochen.
Beim zweiten Bruch wurden die Täter, die durch das eingeschlagene Fenster eindrangen, ertappt. Es waren zwei Ortspolizisten und zwei Beamte der Stadtregierung.
Die Kranken von Fuenlabrada sind alle gezeichnet. Viele bewegen sich mühsam, sie sehen blaß oder gelb aus, müssen sich öfter übergeben. Die meisten schlafen nicht richtig, sie essen schlecht. Viele sind verkrüppelt. Ärztliche Untersuchungen bezahlen sie selbst. Die regierungstreuen Experten und die Justiz sind nicht daran interessiert, was mit diesen Leuten passiert: Es sind die falschen Opfer - sie wollen nicht glauben, daß gepanschtes Öl sie zu Krüppeln machte.
Die Kranken eines Nachbarortes bekommen Geld vom Staat. Sie versicherten, daß sie alle das verdächtige Öl genossen haben.
“Die Öltheorie„, behauptet Antonio Muro junior, “ist falsch. Hier soll ein Chemieskandal vertuscht werden." Ein politischer Skandal der jungen spanischen Demokratie ist es mit Sicherheit. Ob es ein Skandal der Chemie-Industrie ist, wäre zu beweisen.
Professor Frontela will es versuchen. Der hartnäckige Mediziner möchte Affen mit Pestizid-verseuchtem Gemüse füttern, um seine These zu belegen.
Das Geld für diese Experimente hat ihm das spanische Justizministerium jetzt nach langem Zögern bewilligt. Selbst wenn Frontela seine Hypothese bestätigt findet - für das Verfahren gegen die Ölpanscher kommt er zu spät: Der Staatsanwalt will in sechs Monaten die Urteile sehen.

Unterschriftensammlung

CBG Redaktion

Ich fordere, dass Antibaby-Pillen mit einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko wie Yaz, Yasminelle und Yasmin vom Markt genommen werden!

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[Pharma-Marketing] Aspirin Sozialpreis

CBG Redaktion

8. September 2009

Pleon
Andrea Fischer
Theresienhöhe 12
80339 München

Sehr geehrte Frau Fischer,

wir schreiben Ihnen anlässlich der heutigen Auslobung des Aspirin Sozialpreis durch die Bayer AG. Das Konzept für den Preis stammt von der Agentur Pleon. Auch die im Vorjahr von Bayer finanzierte Kampagne zu Kinderarmut wurde von Pleon organisiert. Als Leiterin des Bereichs Health Care bei Pleon waren Sie in die Planung beider Kampagne sicherlich mit eingebunden.

Es geht uns nicht darum, das Engagement der beim Aspirin Sozialpreis teilnehmenden Organisationen in Frage zu stellen. Aber es ist wohl unstrittig, dass es dem Unternehmen Bayer bei solchen aus der Portokasse finanzierten Kampagnen nicht um soziales Engagement geht, sondern um ein verbessertes Image, also letztlich um Werbung. Dies wurde von Pleon gegenüber Studenten einer Fotografie-Klasse, die ursprünglich für die Kinderarmuts-Kampagne gewonnen werden sollten, auch ehrlich formuliert: die geplante Zusammenarbeit sei „Teil einer Social Marketing Kampagne“, die die „Öffentlichkeitsarbeit der Firma Bayer unterstützen“ solle.

Bayer unternimmt seit Jahren große Werbeanstrengungen im Bereich der freiverkäuflichen Schmerzmittel. Aspirin ist unwidersprochen ein hochwirksames Medikament, welches aber, anders als es die Werbung suggeriert, tief in den biochemischen Haushalt des Körpers eingreift und mit teilweise schweren Nebenwirkungen verbunden ist - in den USA sterben mehr Menschen an Acetylsalicylsäure-Nebenwirkungen als an HIV. Das New England Journal of Medicine spricht von einer „geräuschlosen Epidemie“, da 75 Prozent aller Patienten, die regelmäßig Aspirin einnehmen, die Gefahren des Schmerzmittelgebrauchs nicht kennen. Für die meisten Anwendungen stünden risikoärmere Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Die Werbekampagnen von Bayer verschweigen die hohen Risiken und ermuntern zu einer übermäßigen Einnahme von Aspirin. In den USA startete Bayer zum Beispiel die Kampagne Expect Wonders, zu der auch die website www.WonderDrug.com gehört. Immer wieder müssen solche Kampagnen von den Behörden gestoppt werden. So wurde im Juni Aspirin-Werbung von der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA verboten: die vom Bayer-Konzern initiierte Kampagne Um mundo com menos dor („Eine Welt mit weniger Schmerz“) verleite zu einem unsachgemäßen Umgang mit dem Medikament und verharmlose die Risiken. Im vergangenen Herbst wurde Bayer von der US-Gesundheitsbehörde FDA wegen Werbung für zwei Aspirin-Kombinationspräparaten bestraft. Beide Mittel wurden für Anwendungen beworben, für die keine Zulassung existiert. Und in Deutschland warb Bayer vor einigen Jahren nicht nur für die Behandlung von Erkältungen mit Aspirin, sondern fälschlicherweise auch für deren Prophylaxe – so auf Plakatwänden und kostenlos verteilten Postkarten, auf denen sich ein junges Paar nackt im Schnee wälzt.

Es gibt keine „WonderDrugs“! Bayer gefährdet Patienten durch solche unlauteren Werbe-Aussagen. Wir können den Versuch des Konzerns, Aspirin als Wunderpille zu vermarkten, nur verurteilen.

Und wie sieht es mit der Ankündigung für den Aspirin Sozialpreis aus? Im Konzeptpapier von Pleon heißt es blumig: „Aspirin steht als traditionsreiches Medikament wie kaum eine andere Marke für das Thema Wirksamkeit einerseits und den Ausdruck verlässlicher, mitfühlender Fürsorge andererseits“, und weiter: „Um die gesellschaftliche Relevanz des Preises zu dokumentieren und Aufmerksamkeit sicherzustellen, wird ein hochrangiger Vertreter der Politik als Schirmherr des Aspirin-Sozialpreises angeworben“. Hinweise auf Nebenwirkungen von Aspirin fehlen, wie auch auf der zugehörigen website.

Natürlich ist die Kampagne für Aspirin nur ein Beispiel von vielen unlauteren Marketing-Anstrengungen des Bayer-Konzerns. Wir verweisen aktuell auf die erhöhten Nebenwirkungen des meistverkauften hormonalen Kontrazeptivums, Yasmin. Obwohl Studien belegen, dass das Thrombose-Risiko von Yasmin gegenüber älteren Präparaten fast verdoppelt ist, hält das Unternehmen an dem auf junge Frauen ausgerichteten Marketing fest und verweigert Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und Todesfällen - angeblich um „die Kundinnen nicht zu verunsichern“. Ausführliche Informationen zu Dutzenden weiterer Beispiele finden Sie unter www.CBGnetwork.org.

Das Unternehmen Bayer ging Dutzende von Kooperationen mit Sozialverbänden, medizinischen Fachgesellschaften, Selbsthilfegruppen, etc ein. Die Firma nutzt diese Kooperationen in ihrer Außendarstellung weidlich - auf ihrer homepage, dem Geschäftsbericht, zahllosen Werbebroschüren und nicht zuletzt der heutigen Pressemitteilung. Reale Veränderungen der Geschäftspolitik von Bayer resultieren aus diesen Projekten jedoch nicht.

Patienten brauchen zuverlässige und unabhängige Gesundheitsinformationen, die alle Behandlungsoptionen - auch die der Nicht-Behandlung - einschließen. Die Pharmaindustrie kann aufgrund ihrer kommerziellen Interessen keine unabhängigen Informationen liefern. Die von Pleon für Bayer organisierten Kampagnen sind nicht dazu angetan, die Bevölkerung zu informieren, sondern sollen ein positives Umfeld für die Produkte schaffen und Probleme in anderen Bereichen überdecken.

Kurz nach Beginn Ihrer Amtszeit als Bundesgesundheitsministerin wurden wir von Ihrem damaligen Staatssekretär zu einem Gespräch nach Bonn eingeladen. Darin haben wir uns auch über unlautere Marketingpraktiken der Pharma-Industrie unterhalten. Wir können nicht nachvollziehen, dass Sie heute an eben solchen Praktiken mitwirken.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Philipp Mimkes
Hubert Ostendorf

Unterschriftensammlung

CBG Redaktion

Wir fordern den Konzern auf, die Lagerung von tödlichen Gasen wie MIC und Phosgen vollständig einzustellen

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[Elsen] Marlis Elsen

CBG Redaktion

Meine Name ist Marlis Elsen und ich kämpfe gegen die CO-Pipeline aus Verantwortung für die Generation meiner Schüler und ihre zukünftigen Kinder. Darüber hinaus natürlich für alle von der Pipeline betroffenen Menschen.

Kohlenmonoxid ist sensorisch nicht wahrnehmbar und führt in kleinsten Mengen zum Tode. Von der Pipeline geht also eine ständige tödliche Bedrohung aus, die bei einer Leckage möglicherweise die Gesundheit und das Leben vieler Menschen kosten kann.

Sehr geehrter Herr Wenning,

1. Soll es in Kürze nicht mehr heißen: Die Würde des Menschen ist unantastbar und das Leben und die Gesundheit der Menschen müssen geschützt werden, sondern:
2. Bayers Forderung nach Gewinnmaximierung ist oberstes Gesetz?

Der Konzern hat mit seinem Geld und seiner macht enorme Möglichkeiten der Einflussnahme.

Wir haben nur wenige Mittel des Kampfes. Trotzdem kämpfen auch nach zwei Jahren kämpfen die betroffenen Bürger und die Kommunalpolitiker Seite an Seite mit unveränderter Stärke. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Sie haben die Privatkläger, die Kommunen und den Kreis in einen langdauernden, mühevollen und teuren Kampf gezwungen, der durch private und öffentliche Gelder finanziert wird.

Man kann nur spekulieren, was die Landespolitiker davon abhält, ihre Fehlentscheidung zu korrigieren. Schließlich hat die Regierung geschworen, dass man die ganze Kraft dem Wohle des Volkes widmet und Schaden von ihm abwendet.

Das Festhalten an diesem Projekt hat einen enormen Vertrauensverlust gegenüber den Politikern, besonders aber gegenüber unserem Landesvater Herrn Dr. Rüttgers bewirkt.

3. Wie erklären Sie sich das Schweigen und Wegducken unserer Volksvertreter?

Trotz der laufenden Gerichtsverfahren gibt es kein Innehalten, sondern der Vertrag soll noch dieses Gesetz gegen das Wohl der Menschen in unserem Land stützen.

4. Empfinden Sie es nicht als unredlich, diese unfairen Mittel des Eilantrages und des Vertrages zu benutzen?

5. Warum besitzen Sie nicht die Fairness und den Anstand, die Hauptsacheverfahren und den Weg durch die Instanzen abzuwarten?

6. Sehen Sie Eilantrag und Vertrag nicht selbst als Machtmissbrauch Ihres mächtigen Konzerns an?

Der Kunststoffabsatz hat enorme Einbrüche erlitten. In dieser Situation können Sie es wohl niemandem vermitteln, dass Sie die Leitung ach so dringend und sofort brauchen.

Trotzdem möchte Bayer jetzt ein Gericht „benutzen“, die Pipeline doch vorzeitig in Betrieb zu nehmen.

Bayer maßt sich sogar an, gerichtliche Entscheidungen vorwegzunehmen: Die Klagen hätten keine Aussicht auf Erfolg. Es läge kein Grund mehr vor, die aufschiebende Wirkungen der Klagen aufrechtzuerhalten. Sollte aber nach dem Eilantrag das Gas durch die Leitung strömen, so hat die Wirtschaft entgültig die Diktatur in unserem Staate übernommen.

7. Warum missachten Sie nicht nur die von der Pipeline betroffenen Menschen und die dem Volke verpflichteten Politiker, sondern auch die unabhängige Gerichtsbarkeit?

8. Wie würden Sie folgenden Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel kommentieren?

„Die Feuerwehren lehnen den Bau der CO-Pipeline ab“, mit diesen klaren Worten bezog Hildens Stadtbrandmeister Lothar von Gehlen in der Sitzung des Rates klar Stellung zu dem Projekt des Chemieriesen Bayer. Das war nichts Neues, aber in seiner Eindringlichkeit ebenso aufrüttelnd wie seine Feststellung: „Ein Störfall an der Pipeline kann von den Feuerwehren nicht beherrscht werden.“

9. Wie viel Geld haben sie den Kommunen und den Feuerwehren zur Verfügung gestellt?

10. Wie viel Geld würden Sie pro Jahr an der Pipeline verdienen?

Und jetzt habe ich ein paar praktische Fragen zur Rettung der Menschen:

Beispiel Kinderspielplatz und schleichende Leckagen: In Hilden verläuft die Leitung unmittelbar unter einem Bolzplatz in direkter Nähe zu einer Siedlung für kinderreiche Familien.

Fragen:

11. Wie soll die Mutter sich verhalten, wenn sie vom Fenster aus ihr Kind leblos auf dem Boden liegen sieht?

Beispiel Schulen: In einigen Städten wird die Leitung in unmittelbarer Nähe zu Schulen und Kindergärten gebaut, teilweise bis in eine Nähe von 10 Metern.

12. Welche Katastrophenübungen werden demnächst in den Schulen durchgeführt werden?

13. Wie stellt man sich die Evakuierung dieser Schulen oder Kindergärten vor, wenn das Gas doch in wenigen Minuten tödlich sein kann?

14. Dieselbe Frage möchte ich stellen für Krankenhäuser und Altenheime, die in der Nähe der Pipeline liegen?

Beispiel Siedlung: Unsere Siedlung wird von zwei Seiten von der Pipeline umschlossen.

15. Wie sollen wir uns verhalten, wenn wir tagsüber oder besonders nachts die Sirenen hören, möglicherweise aber schon durch das Einatmen des Gases benommen sind?

16. Nach welchen Evakuierungsplänen sollen wir die Siedlung verlassen?

Fragen einer Nachbarin:

17. Zahlt die Bayer AG für jeden Haushalt an der Trasse einen CO-Warngerät?

18. Wir haben zwar den Rat, schräg zur Windrichtung zu laufen, was wir vielleicht in der Aufregung nicht so hinbekommen, aber vielleicht würde uns ja ein Atemgerät helfen. Bezahlt Bayer dieses für jeden Menschen, der im Gefahrenbereich lebt?

Beispiel Kaserne: In der Nähe der Schieberstation in der Nähe des Hildener Zentrums befindet sich die Waldkaserne, deren Soldaten z.T. in Afghanistan eingesetzt sind.

19. Wie sehen die Rettungspläne für die Soldaten aus, falls es zu einem Terroranschlag an der Schieberstation kommt?)

Die Bayer-AG hat ihr Gesicht verloren und das Vertrauen der betroffenen Bevölkerung.

Wie wollen Sie dieses Vertrauen wiedergewinnen?

Marlis Elsen
Schlehenweg 21
40723 Hilden

[NUV] Kohlekraftwerk

CBG Redaktion

Harald Jochums, Niederrheinischer Umweltverband NUV

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin und heiße Harald Jochums aus Duisburg-Rheinhausen, bin unter vielem anderen Architekt für Ökologisches Bauen und darüber hinaus noch direkter Anrainer sowohl an den Rhein, als auch an die Bayer-Werke Uerdingen, die sich heuer schon mal ein wenig zurückgezogen haben - und das Ganze nennt sich jetzt als Konglomerat von mehreren Firmen: „Chempark“.

Ich stelle meine kleine Rede unter folgendes Motto: „Wer Wind sät, wird Strom ernten“ aus dem Neuen Testament Hosea 8, Vers 7, in der allerneuesten Neufassung.

Blasphemie? Wohl kaum, geht es doch für uns Menschen seit jeher darum, die Schöpfung zu bewahren oder profan ausgedrückt: unser aller Lebensgrundlagen - und dies immer dringlicher, sind wir doch dabei, diese zu zerstören.

Was können wir Alle tun, um dieser Zerstörung entgegenzuwirken?

In diesem Zusammenhang gleich die Frage1 an Sie Herr Wenning:
„Können Sie sich die Bayer AG als 1. „Grünen“, global aufgestellten Großkonzern vorstellen?“
Anstatt des Adjektivs „Grün“ würde ich lieber „Farbig“ sagen (jedoch nicht im Sinne der IG Farben). Die zusätzlichen Kriterien, die auf so einen Konzern anzuwenden seien, gehen nämlich über die landläufigen, grünen Kriterien wie Energie und Umweltschutz hinaus. Es sind dies:

1. Die Menschen insgesamt (und nicht nur die Gruppe der Aktionäre)
2. Unsere Gesellschaft, Gemeinschaft

Ich möchte die Folgen solchen Umdenkens an Hand zweier Bayer-Projekte erläutern:

1. Co-Pipeline von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen
2. Fossiles Kohlekraftwerk im Chempark Krefeld-Uerdingen; Betreiber ist hier
allerdings die Fa. Trianel aus Aachen, einem Zusammenschluß von vielen Stadtwerken.

Beide Projekte sind nämlich undenkbar, wendet man die beiden obengenannten zusätzlichen Kriterien an:

1. Die CO-Pipeline gefährdet potentiell das Leben von vielen Menschen, die von der eigenen Landesregierung und der Bayer AG gezwungen werden, an dieser Pipeline zu leben, darunter insbesondere unsere Kinder, führt die Trasse doch bisweilen direkt an den Gartenzäunen von Kindergärten und Schulen vorbei - nicht nur für mich Ausdruck einer grenzenlosen Mißachtung von Menschenleben. -
Nicht viel besser sieht es bei Privatgrundstücken aus. Dort werden die Menschen ihr Leben lang – und ich wiederhole – ihr Leben lang mit der Angst leben müssen, Opfer eines Störfalls zu werden, wie es so verharmlosend in den zuständigen Verordnungen formuliert ist. – Und allein diese beiden Tatsachen würden das Projekt zu Fall bringen, würde man die Menschen in seine Überlegungen mit einbeziehen. – Darüber hinaus handelt es sich um eine firmeninternes Problem, dessen negativen Aspekte aber der Gemeinschaft aufgebürdet werden.

2. Bei dem Fossilen Kohlekraftwerk sieht es nicht viel anders aus. Zwar geht von diesem keine akute, tödliche Gefahr aus; es wirkt eher längerfristig (deshalb aber nicht minder scherwiegend ist), und es sogar als fataler Global Player, denken wir an die gigantischen Mengen des treibhauswirksamen Gases CO2, die dem heutigen, jährlichen Ausstoß von Krefeld von allen Emittenten mit ca. 4 Mio.t. CO2 entsprechen; und dann werden jede Menge Feinstaub ausgestoßen in einem Gebiet, in dem jetzt schon die Grenzwerte um 100% überschritten werden, zusammen mit anderen gesundheitsgefährdenden Schadstoffen wie Cadmium, Blei, Arsen, etc. Die genaue Aufstellung finden Sie unter www.nuv-online.de
Und dann ist das Fossile Kraftwerk 7,3 fach so groß wie die zwei vorhandenen Kohlekessel, die stillgelegt werden sollen und auch das nur nach zähem Ringen. Auch hier reicht schon allein diese Aufzählung, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen, bzw. die von Umweltschützern genannten Alternativen der Ertüchtigung oder des Neubaus der 2 alten Kohlekessel und äußerstenfalls ein halb so großes Gaskraftwerk zu planen, das viele negativen Aspekte des Fossilen Kohlekraftwerks abmildert oder sogar vermeidet.

Und was sagen die Landesregierung und die Bayer AG dazu?
- Die Haltung der Landesregierung ist kurz abzuhaken: Sie hat die CO-Pipeline erst ermöglicht, indem Sie die rechtliche Grundlage für den Bau geschaffen hat in Form eines Enteignungsgesetzes. Ausgerechnet CDU und FDP, seit der Steinzeit Hort des grundgesetzlich zugesicherten Eigentums, greifen zu der zu Recht verteufelten Maßnahme der Enteignung der Bürger, die sie gewählt haben! Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel; wer aber heiligt den Zweck? -
Darüberhinaus genehmigt der linientreue RP, was das Zeug hält, bzw. die Industrie für richtig hält. Beim Bau ist Wegschauen das oberste Gebot der Stunden. Eigenmächtige Änderungen der Bayer AG und ihrer Töchter sollen im Rahmen einer „Fiktion“ (O-Ton RP im Umweltausschuß) im Nachhinein genehmigt werden. - Hat hier der RP den Slogan der Bayer AG etwa abgeändert in: “Science Fiction for a better Life?“ - Man könnte es vermuten. –

Die Bayer AG setzt hingegen eher auf Bewährtes: Sie schwingt die Keule Arbeitsplätze und droht mit Abzug ihrer Streitkräfte. Die Landesregierung souffliert noch mit dem Hinweis auf den Wirtschaftsstandort NRW. – Das ist insofern unredlich, als Bayer unerwähnt läßt, daß Arbeitsplätze im Chempark Uerdingen wegfallen, wird doch die dortige CO-Produktionsanlage überflüssig, sollte die CO-Pipeline jemals in Betrieb gehen (- wovor uns Gott oder wer auch immer (mit Ausnahme der Landesregierung) bewahre; wie schon ausgeführt, kann diese Landesregierung das auch gar nicht, weil sie es nicht will. Willkommen in Rüttgers Club). Unredlich ist die Keule Arbeitsplatz auch, weil es Alternativen für die CO-Pipeline gibt, die sogar von der Bundesregierung gestützt werden, hat sie doch vor nicht allzu langer Zeit gegenüber der EU erklärt, daß solch potentiell todbringenden Stoffe nur innerhalb der eigenen Firmenzäune verarbeitet werden sollen. Die Alternative lautet: Die Anlage in Uerdingen erweitern und damit Arbeitsplätze schaffen. Das mag auf Dauer etwas teurer sein als die Pipeline, würde aber vielen, vielen Menschen entlang der geplanten Trasse ihre Todesangst nehmen; ein lohnendes Ziel, wie ich meine und angesichts von einem Gewinn vor Steuern von 4Mrd. EURO im Jahr 2007 auch gegenüber uns Aktionären vertretbar. Lieber Herr Wenning, Sie hätten in diesem Fall also nicht mit einer Anklage unsererseits zu rechnen, eher mit einem Verdienstorden wider die tierische Unvernunft.

Zum potentiellen Rückzug der Bayer AG von dem Standort Krefeld-Uerdingen: Der selbsternannte Hotelmanager des Chemparks in Krefeld-Uerdingen hat mal ziemlich beleidigt öffentlich erklärt, wenn er und die Bayer AG nicht erwünscht wären, würden sie gehen. Das Dumme daran ist das Dumme darin: Das hat kein Mensch gefordert und gesagt. Was will der Mann uns denn dann damit sagen? Scheut er die offene Erpressung: „Wenn wir das nicht genehmigt bekommen, gehen wir nach Shanghai!“oder wie oder was?

An dieser Stelle muß ich etwas für Sie einfügen, lieber Herr Wenning: Ich wage eine Voraussage, obwohl für gewöhnlich selber jeglicher Spekulation abhold: Mehr über kurz als über lang werden Sie den Standort Uerdingen schließen mit der folgenden Begründung: Die bösen, bösen Umweltschützer, die ja bekanntlich auch die Finanzkrise in Schuld sind, sind Schuld. – Ich könnte das einfach mal so stehen lassen, frage Sie aber lieber in meiner Frage 2: Haben Sie, bzw. die Bayer AG vor, das Werk Uerdingen in den nächsten 10 Jahren zu schließen?

Zu Ihren möglichen Antworten habe ich noch eine Bitte: Versuchen Sie es bitte mal zur Abwechselung mit unmöglichen (Antworten); die anderen kenne ich nämlich schon. – Sie können auch gerne einen Scherz einflechten, wenn Ihnen danach ist.

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, noch stundenlang könnte ich über die genannten Themenkomplexe berichten, z.B. über die von der Chempark-Leitung so viel beschworene „Gute Nachbarschaft“ zu der Nachbarschaft, die jedoch leider nicht existiert, kommt doch die Bayer AG noch nicht einmal der in der Störfallverordnung gesetzlich verankerten Aufforderung nach, die betroffene Anwohnerschaft unaufgefordert über Gefahren zu unterrichten und wie im Ernstfall sich verhalten und so. Dazu habe ich Sie, lieber Herr Wenning, schon das letzte Jahr befragt und keine Antwort erhalten, rechne auch in diesem Jahr nicht damit und verzichte hiermit ausdrücklich eindrücklich darauf. – Doch Halt! Meine 3. Frage lautet nämlich: „Was soll ich tun, wenn die Bayer AG noch nicht einmal gesetzlichen Bestimmungen nachkommt, wie in diesem Fall, lieber Herr Wenning?“ Soll ich die Bayer AG verklagen, also gegen eine Heerschar von Advokaten antreten und gegen die geballte Macht des Kapitals? - Guter Rat ist teuer - ich weiß. Für eine Gute Nachbarschaft sollte Ihnen jedoch nichts zu teuer sein. – Ihre begrünten Hochglanzbroschüren „bayer direkt“ bringen`s auf jeden Fall nicht; habe sie auch anfangs direkt dem Papierrecycling zugeführt, muß aber zugeben, das Heftchen mittlerweile mit vergnügtem Schmunzeln zu lesen, wie z.B. ein global aufgestellter Konzern jedes Gramm eingesparten CO2s bejubelt.
Dann könnte ich Ihre merkwürdige Marketing-Strategie erwähnen, erst potentielle Kunden wie uns mit tödlicher Sicherheit zu verprellen, um dann zu sagen: „Kauf mich doch!“ - oder die wissenschaftlich völlig unhaltbare Mär von der absonderlichen Effizienz des geplanten Fossilen Kohlekraftwerks, die Prof. Hartmut Graßl, immerhin einer der führenden Deutschen Klimaforscher eindrucksvoll beschrieben und widerlegt hat. Da ist ja dann wohl nix mehr mit „science“ und damit auch nicht mit „better Life“, was ich sehr bedauere. -
Noch ein Einschub mit Frage 4: Was versteht die Bayer AG eigentlich unter einem „better Life“ und wozu sonst soll „science“ gut sein? - Zusatzfrage: Muß das aber unbedingt materiell „better“ werden? Täte uns Allen nicht beispielsweise ein bißchen mehr Bescheidenheit gut? –

Genug der Kritik. Hat der Mann denn Vorschläge, wie „better“ machen - oder kann ER nur mosern? –

Ja, hat ER - und stellt sie auch in den Raum und damit zur Diskussion:

Wir müssen umdenken, wegkommen von den einseitigen, hohlen Phrasen von der Allmacht des Geldes. Wie hohl diese sind, zeigt schon der Spruch unserer Amerikanischen Freunde (hüstel, hüstel): „Time is money“. Einfache Konsequenz aus dieser einfachen Gleichung: Kein „Time“, kein „Money“.

Wir müssen wegkommen von dem gedankenlosen Umgang mit Fossilen Rohstoffen. Zum Verbrennen sind diese nämlich viel zu schade – auch weil mit Sonnenenergie aus Jahrmillionen entstanden - und wir schädigen und zerstören damit auch unsere Lebensgrundlagen.

Wir müssen uns darauf besinnen
1. die sogenannten Erneuerbaren Energien massiv auszubauen, die uns jeden Tag frei Haus geliefert werden in Hülle und Fülle, nämlich mehr als 10.000 mal soviel, als wir verbrauchen können, wenn wir sie auch nur zu einem Teil nutzen können.
2. die Fossilen Rohstoffe intelligent einzusetzen, wenn wir sie schon in einer Übergangsphase verbrennen müssen, beispielsweile mit der Technik der Kraft-Wärme-Kopplung.
3. Rohstoffe einzusparen.

Wir müssen wieder dezentrale Strukturen schaffen, die wesentlich effektiver sind, als die unbeholfenen, unbeweglichen Großkonzerne, die auch noch den Nachteil haben, eine ungebührliche Fülle an Macht an sich zu ziehen und damit in der Lage sind, z.B. demokratische Gefüge auszuhebeln.
Wir müssen möglichst allumfassende Kriterien an unsere Produkte legen wie weiter oben schon beschrieben. Dann wären gemeingefährliche Zwischenprodukte wie CO und Phosgen gar nicht denkbar, die nicht gerade dem Wohle der Allgemeinheit dienen, obwohl für die CO-Pipeline genau dieses „Argument“ benützt worden ist. - Oder die Chlorchemie, die in Teilen ihre Berechtigung haben mag, in ihrer großtechnischen Anwendung aber unendlich viele Schäden angerichtet hat, denke ich etwa an PCB oder PCP. Die Kosten für die Schäden wurden und werden auch hier weiter der Allgemeinheit aufgebürdet. - Und zu allen Produkten gab und gibt es Alternativen. Ich bin selber Planer und weiß um die vielen Möglichkeiten, Probleme zu lösen.

Zum hoffentlich guten Schluß: Seien Sie gewiß, lieber Herr Wenning, meine Herren vom Vorstand und Damen und Herren vom Aufsichtsrat: Wir Bürger und Bürgerinnen lassen uns kein „X“ mehr für ein „U“ vormachen lassen, schon gar nicht im XXL-Format. - Wir werden die potentiell tödliche CO-Pipeline und das völlig überdimensionierte, extrem klimaschädliche Fossile Kohlekraftwerk mit allen friedlichen, demokratischen Mitteln zu verhindern suchen und uns dafür einsetzen, die Zukunft zu denken und zu bauen - und nicht die Steinzeit zu restaurieren. -
Ich halte es dennoch oder gerade deshalb für notwendig, daß sich alle Seiten auf einer Augenhöhe zusammensetzen und an dieser verantwortungsvollen Aufgabe mitarbeiten – auch aus Verantwortung für unsere Kinder und Enkel. - Unsere Gesprächsangebote liegen seit geraumer Zeit vor, sind jedoch von Ihnen, lieber Herr Wenning, nicht wahrgenommen worden.

[Fotos]

CBG Redaktion
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