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Beitrag veröffentlicht im Januar 2000

[Pehrke] BAYER Hauptversammlung 2008

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte zum Thema „Spheramine“ sprechen.

Spheramine ist ein Parkinson-Präparat, das BAYER gerade testet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um normale Arzneimittel-Tests, sondern um veritable Operationen. Die Teilnehmer bekommen bei der OP Zellen ins Gehirn gespritzt, die die Dopamin-Produktion anregen sollen. Dem Eingriff haben sich auch die Probanden der Placebo-Gruppe zu unterziehen - allerdings für nichts und wieder nichts: ihre Spritze enthält kein Medikament.

Selbst der zuständigen BAYER-Forscherin Dr. Elke Reissig kommt diese Sache nicht ganz geheuer vor. Auf einem Neurologen-Kongress sagte sie - Ich zitiere:

„Wenn chirurgische Interventionen nötig sind, stehen kontrollierte, günstigstenfalls Placebo-kontrollierte Studien vor der Herausforderung, eine Balance zwischen ethischen und wissenschaftlichen Erfordernissen zu finden.“

Die bundesdeutschen Aufsichtsbehörden sehen bei solchen Tests die „Balance zwischen ethischen und wissenschaftlichen Erfordernissen“ als nicht gegeben an. Sie erlauben Tests mit Schein-Operationen nicht. BAYER musste deshalb in die USA ausweichen.

In diesem Zusammenhang habe ich zwei Fragen:

1. Wie rechtfertigt BAYER die Durchführung von Tests, die nicht den ethischen Maßstäben der Bundesrepublik entsprechen?

2. Wieviele Tests mit „chirurgischen Interventionen“ führt das Unternehmen außerhalb Deutschlands durch?

Wie berechtigt die Skepsis der deutschen Behörden gegenüber solchen Tests ist, zeigen die zahlreichen Zwischenfälle. Das BAYER-Versuchsprotokoll selber listet zahlreiche Gesundheitsstörungen bei den Probanden auf:

Depressionen, Lähmungserscheinungen, motorische Störungen, Sprachausfälle, epileptische Anfälle, Hirnblutungen, Asthma und Verwirrtheitszustände.

Besonders hart hat es die Parkinson-Patientin Suzanne Davenport getroffen. Das Wall Street Journal widmete ihr einen Artikel und zitierte ihren Ehemann:

„Nach dem Eingriff war sie nicht mehr dieselbe Person. Sie konnte nicht länger aufrecht in einem Stuhl sitzen und nicht mehr gehen (...) Sie brauchte eine Windel und behielt ihren Mund ständig offen.“

Das Versuchsprotokoll verschweigt diese Verschlechterung des Allgemeinzustandes nicht, stellt allerdings in Frage, ob er auf Spheramine zurückzuführen ist. Mit den anderen Komplikationen hat BAYER offenbar von Anfang an gerechnet. Ich zitiere aus dem Report:

„Die Stärke und Häufigkeit dieser ernsthaften Nebenwirkungen entsprechen den Komplikationen, die nach dieser Art der Intervention normalerweise zu erwarten waren“.

Die Aufsichtsbehörden hatten da offenbar einen anderen Erwartungshorizont. Nach den ersten Zwischenfällen in Tampa stetzten sie die parallel laufenden Tests in Atlanta aus. Erst als eine Ethikkommission grünes Licht gab, konnten sie fortgesetzt werden. Und damit setzte sich auch das Leiden fort. Ich zitiere aus einem Parkinson-Forum:

„Dort erfuhren wir, dass es dem Operierten sehr schlecht gehe, starke Halluzinationen, depressive Stimmung. In jedem sah er einen potentiellen Mörder. Deshalb war es auch erforderlich, dass er im Bett zwangsweise fixiert werden musste.“

In einem Fall haben diese Leiden jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Suzanne Davenport hat BAYER verklagt. Dazu eine Frage:

Ist BAYER bereit, Frau Davenport eine Entschädigung zu zahlen?

Mit den Tests hat BAYER den Leidensdruck von Parkinson-Patienten schamlos ausgenutzt. Die Kranken klammern sich an jeden Strohhalm, der Linderung verspricht und sind dafür bereit, erhebliche Risiken auf sich zu nehmen. Darauf hat BAYER gebaut. Und selbst nach den Zwischenfällen sah BAYER keine Veranlassung, die Test-Praxis zu überdenken. Aktiv geworden ist vielmehr die EU. Weil es immer mehr Vorfälle bei Tests solcher Art gibt, plant sie eine Verschärfung der Richtlinien. Aber BAYER hat dieses Ansinnen nicht etwa unterstützt, sondern hintertrieben und Aufweichungen verlangt. Der Konzern hat offenbar nichts aus den Skandalen um LIPOBAY und TRASYLOL gelernt. Trotzdem möchte ich Sie hier auffordern, diesmal ein Einsehen zu haben, und die SPHERAMINE-Entwicklung zu stoppen. Ehe noch Schlimmeres passiert!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

[Dachverband] Klima-Emissionen

CBG Redaktion

Rede von Antje Kleine-Wiskott auf der Bayer-Hauptversammlung 2008

Sehr geehrter Herr Wenning, sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre!

Mein Name ist Antje Kleine-Wiskott, ich bin vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
Sie, geehrter Herr Wenning haben betont, dass Sie den Klimawandel als ökologische und als ökonomische Herausforderung sehr ernst nehmen. Wir von den Kritischen Aktionären befassen uns in diesem Jahr speziell mit dem Thema Klimaschutzmaßnahmen bei den DAX-Konzernen und freuen uns deshalb, wenn Sie sich als Vorstandsvorsitzender Ihrer Verantwortung bewusst sind und die Bedeutung von Klimaschutzmaßnahmen erkannt haben.

Müllverbrennungsanlagen
Zwei Projekte, welche Ihrem neuen Klimaschutzprogramm absolut entgegenstehen, sind die geplanten Müllverbrennungsanlagen auf dem Werksgelände von Bayer in Brunsbüttel und Dormagen, diese werden beschönigend als Ersatzbrennstoffanlagen bezeichnet. Bayer will die Anlagen nicht selbst bauen, trägt als Abnehmer des erzeugten Dampfes jedoch die Verantwortung. Pro Tonne verfeuertem Müll entstehen mehrere Tonnen Abgase, und zwar Abgase wie Dioxin, chlor-, Brom- und flourhaltige Kohlenwasserstoffe, Chloride, Furane, Kohlendioxid, Schwermetalle wie Quecksilber und Feinstaub und noch einiges mehr. Die von Ihnen geplante Schadensbegrenzung in Form einer Rauchgasreinigung mit dem so genannten SNCR-Verfahren entspricht eben NICHT – wie Sie es sagen – dem Stand der Technik. Es existieren Möglichkeiten und eben auch bereits Anlagen, die ein Katalysator-Verfahren anwenden, bei dem weit weniger der genannten Abgase entweichen als bei dem von Ihnen geplanten Kraftwerk. Ihren Aussagen zufolge könnten durch die Abfallverbrennung 180.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. Nicht berücksichtigt werden in Ihrer Rechnung jedoch der durch tägliche Mülltransporte entstehende CO2-Ausstoß, die Kohle, Öl und Gas unterlegene Energie-Ausbeute der Anlage und die bei der Abfallverbrennung zusätzlich freigesetzten Ozonschicht-Zerstörer wie Flourkohlenwasserstoff.
Dann sieht die Klima-Bilanz nämlich etwas anders aus und dürfte nicht als „Beitrag zum Klimaschutz“ bezeichnet werden. In den Antragsunterlagen für die Müllverbrennungsanlagen werden keine Emissionswerte genannt, sondern nur die Grenzwerte. Das heißt, die Anlage soll offenbar das gerade noch Erlaubte ausschöpfen. Letztendlich geht es bei diesen Projekten gar nicht um Klimaschutzmaßnahmen, sondern wie so oft um Geschäfte, mit Müll kann man nämlich Geld verdienen.

Unsere Fragen hierzu: Wie gehen Sie mit den Protesten von über 3000 Bürgern um, die sich allein in Brunsbüttel gegen Ihre sog. Ersatzbrennstoffanlage stellen?
Halten Sie trotz der äußerst negativen Einschätzung von Umweltexperten bezüglich der Klima-Bilanz an den geplanten Ersatzbrennstoff-Kraftwerken fest?

Antwort Vorstand:
- der Strom wird ins öffentliche Netz gespeist werden und wird die Energieversorgung sichern
- es wird eine erhebliche Einsparung von CO2 geben
- wir werden Arbeitsplätze erhalten
- wir nehmen Fragen und Bedenken von Bürgern ernst und sind für den Dialog stets bereit

Geplante Kohlekraftwerke in Antwerpen, Brunsbüttel und Krefeld

Der Konzern E.ON plant in Antwerpen ein Steinkohlekraftwerk auf dem dortigen Werksgelände von Bayer. Bayer selbst würde auch zu den Abnehmern des erzeugten Stroms gehören. Bei keinem anderen Energieträger wird soviel CO2 pro erzeugter Kilowattstunde ausgestoßen wie bei der Kohleverstromung. Da die entstehende Wärme größtenteils nicht genutzt werden soll, hätte das Kraftwerk einen Wirkungsgrad von nur 46%. Über die Hälfte der verfeuerten Kohle würde ungenutzt verpuffen!
Das Kraftwerk würde jährlich 6 Millionen Tonnen CO2 emittieren! Mit der Beteiligung an diesem Kraftwerk widerspricht Bayer sich selbst bezüglich seines Versprechens „im Klimaschutz neue Maßstäbe zu setzen“!
Sehr geehrter Herr Wenning, Sie werden in wenigen Tagen in den Aufsichtsrat von E.ON gewählt. Frage: Sehen Sie in Ihrer Funktion als Mitglied des Aufsichtsrats bei E.ON nicht eine Interessenverquickung?
Kohlekraftwerke sind auch in Brunsbüttel und in Krefeld geplant. Beim geplanten Kohlekraftwerk in Krefeld wäre Bayer nicht nur Abnehmer des Stroms, sondern selbst Betreiber. Hier würden jährlich 4,4 Millionen Tonnen CO2 und je 4000 Tonnen Stickoxide und Schwefeldioxid sowie große Mengen Feinstaub emittiert.

Unsere Fragen zu den geplanten Kohlekraftwerken: Wie will BAYER zum Klimaschutz beitragen, wenn das Unternehmen bei seinen Zulieferern auf Steinzeit-Technologie setzt?
Über welchen Zeitraum will Bayer Energie aus dem E.ON Kohlekraftwerk beziehen (und über welchen Zeitraum laufen die Verträge)?

Antwort Vorstand:
- zu Ihrer Anmerkung zur Steinzeittechnologie: Die Firma Trianel plant modernes Kohlekraftwerk!

Klimaschutzzahlen

Im Juli 2007 wurde endlich ein ausführlicher Nachhaltigkeitsbericht von Bayer veröffentlicht, der auch den Ausstoß von Treibhausgasen seiner Energie-Zulieferer aufzeigt.
Die bis dahin stets verwendete Aussage von einer Reduktion von rund 70% in den letzten 15 Jahren wird in diesem Bericht folgerichtig nicht mehr verwendet, da sie auf Rechentricks beruhte (durch steigenden Fremdbezug von Energie und Verkauf von CO2 intensiver Tochter).
Bayer schmückt sich gerne mit seinen vielen Klimaschutz-Initiativen (Caring for Climate, Global Roundtable on CC, Combat CC etc.). Diese freiwilligen Initiativen sind jedoch einzureihen in Absichtserklärungen, mit deren Hilfe man eine verbindliche Reduktion von Treibhausgas-Emissionen verhindern will. Es hemmt daher den wirksamen Klimaschutz anstatt ihn zu fördern.
Im November stellten Sie Ihr neues Klima-Programm vor. Doch leider werden in diesem wichtige Problembereiche ausgespart, nämlich in der Hauptsache der Bezug von Energie aus Kohleverstromung, der beim Neubau von Kraftwerken über Jahrzehnte festgeschrieben wird. Wir von den Kritischen Aktionären fragen uns, was ein solches Programm nutzt, wenn kritische Bereiche nicht mit einbezogen werden? Herr Wenning, Sie haben in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit unterschiedliche Zahlen zur Reduktion von Treibhausgasen von Bayer genannt. Erst waren es besagte 70%, dann waren es 46%, nun 36%, die Bayer angeblich zwischen 1990 und 2006 an weltweiten absoluten Treibhausgasemissionen reduziert hat.

Fragen: Welche Zahl ist denn nun richtig?
Planen Sie, die absoluten Emissions-Zahlen für ALLE Werke, Tocherfirmen und Energiezulieferern zu veröffentlichen? Werden Sie dies auch rückwirkend machen?

Antwort Vorstand:
- Wir verstehen den Klimaschutz als globale Aufgabe, wir bei Bayer möchten nicht stehen bleiben bei dem, was wir bereits erreicht haben
- Ende 2007 Climate Program vorgestellt, dieses setzt neue Maßstäbe
- Unsere Klimabilanz ist transparent; seit 2008 berichten wir über direkte und indirekt Emissionen
- Alle Zahlen, die Sie genannt haben, sind richtig, je nachdem, was einbezogen wird: Um 70% haben wir die Treibhausgase von 1990 bis 2006 weltweit gesenkt
- Seit 2007 haben wir ein Treibhausgasprotokoll, auf dessen Basis sich die Zahl von 36%, als absolute direkte und indirekte Emissionen und Fremdenergiebezug berücksichtigt
- Die bisherigen Emissionsreduktionen haben wir v.a. durch bessere Energie-Effizienz erreicht

Unsere weitere Fragen zum Thema Umweltschutz und Klimaschutzmaßnahmen:

Wieviel CO2 (in Prozent und Tonnen) wird Bayer 2008 im Vergleich zum Vorjahr einsparen (was ist geplant?) und welche konkreten Maßnahmen werden Sie dazu ergreifen oder haben Sie dazu ergriffen?
Hat Bayer eine Zertifizierung nach EMAS (European Management Audit Scheme)?
Wenn ja: Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Wenn nein: Warum nicht?
Wie garantieren Sie, dass bei Ihren Lieferanten und in Ihren ausländischen Produktionsstätten Ihre Umweltstandards eingehalten werden?
Planen Sie den An- oder Verkauf von Emissionszertifikaten?
Plant unser Unternehmen Anreize für Vorstände (z.B. in Form von Bonuszahlungen), wenn sie vorher festgelegte Ziele beim Klimaschutz erreichen?
Wie fördern/motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, zum Erreichen Ihrer unternehmensinternen Klimaschutzziele beizutragen?
Vielen Dank!

Antwort Vorstand:
- Ja, wir haben eine EMAS-Zertifizierung
- Auch haben wir eine ISO-Zertifizierung
- Die Ergebnisse sind im Internet nachzulesen
- Bayer nimmt mit elf Anlagen am Emissionshandel teil
- Zwei Perioden:
o 1. Periode 2005-2007: mit Emissionen … berechtigen, mussten keine Zertifikate hinzukaufen
o 2. Periode bis 2012: wird der Emissionshandel wichtig sein, jetzt mit Benchmarks
- Neuer Entwurf der EU: ab 2013 auch von der Industrie gekauft werden müssen

[GenReis] Rede von Ulla Krajewski

CBG Redaktion

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats, sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

ich spreche für die Coordination gegen Bayer-Gefahren

und möchte mich einem Thema widmen, das uns schon viele Jahre beschäftigt, nämlich der grünen Gentechnik. Hierbei konzentriere ich mich auf die Bayer-Reissorte L L 62, für die Bayer einen Importantrag bei der EU gestellt hat.

Auf Ihrer Website habe ich nachgelesen, und ich zitiere: „Sicherheit und Umweltverträglichkeit haben auch bei unseren gentechnischen Produkten höchste Priorität. Wir vertreiben gentechnische Produkte oder Verfahren nur, wenn ihre Sicherheit und Umweltverträglichkeit nach dem Stand des Wissens und der Technik gewährleistet sind.“

Was Bayer unter „Sicherheit und Umweltverträglichkeit“ versteht, werde ich Sie, Herr Wenning, später fragen.

L L 62 ist gegen das Bayer-Herbizid Liberty resistent. Dieses Herbizid enthält den wegen seiner auch für den Menschen hohen Giftigkeit umstrittenen Wirkstoff Glufosinat.

Im Jahre 2004 hat Bayer bei der EU einen Antrag gestellt, dem Import von LL 62 die Genehmigung zu erteilen. Angebaut werden soll dieser Reis jedoch vornehmlich in asiatischen Ländern, wo er das Hauptnahrungsmittel der Menschen ist. Fast 3 Mia. Menschen weltweit ernähren sich vorwiegend von Reis.

Über diesen Antrag ist noch nicht entschieden, und die CBG hat Anfang diesen Jahres zusammen mit anderen Organisationen, darunter Greenpeace, dem „Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland“, dem „Gen ethischen Netzwerk“ und den Anbauverbänden Demeter, Bioland und Naturland einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben.

Folgende Bedenken gegen die Importzulassung haben wir, und folgende Fragen möchte ich auch heute hier loswerden:

Im Jahre 2004 hatten bereits 9 der damals 15 EU-Mitgliedsländer Bedenken gegen eine Zulassung von LL-Reis geäußert. Daraufhin wurde eine Stellungnahme der EFSA, der europäischen Nahrungsmittelsicherheitsbehörde, angefordert.

Die EFSA kam im letzten Jahr zu dem Ergebnis, dass der Import von herbizidresistentem Reis keine Gefahr für europäische Verbraucher darstelle. Gleichwohl wurde auf das Risiko für die Anbauländer hingewiesen, nämlich dass eine ungewollte Auskreuzung sowohl in konventionelle Reiskulturen als auch in Wildkräuter, die dem Reis verwandt sind, möglich sei.

Erfahrungen mit dem Auskreuzungsrisiko von LL-Reis mussten die US-amerikanischen und europäischen Verbraucher im Sept. vorletzten Jahres machen.

Bei Kontrollen im Lebensmittelhandel sind nämlich in 30 Ländern mit LL 601 verunreinigte Produkte entdeckt worden. Pikanterweise war LL 601 jedoch in keinem Land der Welt zum Anbau zugelassen, sondern es hatte nur umgrenzte Freilandversuche in den USA gegeben. Die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucher waren also unbekannt. Zudem entstand durch Rückrufe und Importausfälle der amerikanischen Reis-Wirtschaft ein Schaden von geschätzten 1,2 Mia. US-$.

Bayer hingegen wies jegliche Entschädigungsforderung mit dem Argument zurück, dass es sich um höhere Gewalt gehandelt habe.

Nun frage ich Sie, Herr Wenning: Wie bringen Sie einerseits „Sicherheit als höchste Priorität“, wie auf Ihrer Website zu lesen ist, und andererseits den Hinweis auf „höhere Gewalt“, der ja eine gewisse Unsicherheit dieser Technologie beinhaltet, zusammen? Die Kontamination von konventionellen Nahrungsmitteln oder Saatgut mit Bayer-Gen-Produkten ist in den letzten Jahren ja nicht nur einmal vorgekommen, sondern es gab auch etliche andere Vorfälle, nämlich im Jahre 2002 eine Auskreuzung von Genraps aus einem Versuchsfeld in Dtl. in umliegende Rapsfelder, im Juni 2005 der Fund von Bayer-Gen-Raps in einer als genfrei deklarierten und für den Export bestimmten Rapssendung in Australien sowie im August 2007 der Fund von nicht zugelassenem Genraps bei einem deutschen Saatguterzeuger, wobei das kontaminierte Saatgut bereits auf Feldern in 5 dt.en Bundesländern ausgesät worden war.

Ähnliche „Unfälle“ erlitten auch die anderen Gentechnikkonzerne in den letzten Jahren, so dass sich einem die Frage aufdrängt, ob diese Gentechnologie nicht ausgesprochen unsicher ist, weil Auskreuzungen und Verunreinigungen zum Geschäft zu gehören scheinen?

Herr Wenning, können Sie uns bitte etwas genauer erklären, was Bayer mit „höherer Gewalt“ gemeint hat und was Ihrer Meinung nach der konkrete Ausbreitungsweg Ihrer Reissorte in die Nahrungskette im Jahr 2006 war?

Desweiteren möchte ich von Ihnen wissen, was Bayer nach dem Genrapsunfall 2005 auf dt.en Äckern mit dem Argument meinte, dass die Verunreinigung „unvermeidlich“ gewesen sei? Wie kann es denn zu solchen ungewollten großflächigen Ausbreitungen kommen? Die meisten Wissenschaftler vermuten, dass diese Probleme von Feldversuchen mit noch ungenehmigten Sorten herrühren. Wenn dem so sei: Was unternimmt Bayer hiergegen? Haben diese Erfahrungen zu neuen Forschungsanstrengungen geführt, was man ja annehmen könnte, wenn Bayer solch großen Wert auf die Sicherheit legt?

Zurück zum Importantrag für LL 62:

Wie wir gesehen haben, ist die Auskreuzung in die konventionelle und traditionelle Landwirtschaft nicht zu vermeiden. Aber dadurch würden die lokalen Reissorten in den Entwicklungsländern verloren gehen und der verfügbare Genpool drastisch reduziert. Damit ginge auch die Möglichkeit verloren, zukünftig widerstandsfähige oder krankheitsresistente Sorten zu züchten, was aber unbedingt notwendig ist, um auf Ernteausfälle zu reagieren. Das Hauptnahrungsmittel für die Hälfte der Menschheit geriete also in Gefahr.

Herr Wenning, halten Sie Ihre Gentechnik für sicher genug, um solch ein Experiment an der weltweit wichtigsten Nahrungspflanze vorzunehmen? Sind hier besondere Vorsichtsmaßnahmen geplant?

Weitere Unbill könnte den Reisbauern Asiens drohen: Wegen Patentschutzforderungen könnten sie sich plötzlich Zahlungsaufforderungen von Bayer gegenüber finden, falls auf ihren Äckern patentgeschützte Pflanzen gefunden werden. Dies könnte die Betroffenen in den finanziellen Ruin treiben und dazu zwingen, Haus und Hof zu verkaufen und in die Elendsgürtel der Megacities abzuwandern. Das hätte enorme soziale Folgen sowie Folgen für die Nahrungsmittelproduktion, wenn Felder nicht mehr von Einheimischen mit ihren ganz speziellen Kenntnissen der regionalen Bedingungen der Landwirtschaft bestellt würden.

Herr Wenning, was hält Bayer von solchen Patentschutzforderungen, wo nämlich unsicher ist, wie die Genpflanzen auf das Feld des Landwirtes gekommen sind? Gibt es hier schon Richtlinien, wie Bayer-Mitarbeiter mit solchen Fällen umzugehen haben? Oder beruft sich Bayer auf die Patentschutzgesetze ohne Rücksicht auf Verluste? Gibt es schon Beispiele, von denen Sie uns berichten könnten?

Und ein letztes Problem bei der beantragten Importgenehmigung möchte ich noch ansprechen:

Falls die EU-Zulassung erfolgt, würde der Druck auf die Entwicklungsländer steigen, den Anbau zuzulassen. Da in diesen Ländern die Agrar- und Umweltschutzbehörden, so sie denn existieren, viel schlechter mit Personal und Geld ausgestattet sind als unsere, richten sich die staatlichen Genehmigungen oft nach unserem europäischen Beispiel, zumal Europa dort den Ruf genießt, die Risiken moderner Technologien gut einschätzen zu können. Hinzu käme der Druck über die europäisch und nordamerikanisch dominierten internationalen Handelsorganisationen. Wer wollte da widerstehen?

Die Bevölkerung auf den Philippinen hat dennoch massiv protestiert, als dort bekannt wurde, dass Bayer einen Antrag auf Zulassung von LL-Reis gestellt hatte. Die Vorbehalte gegen Geenfood sind also bereits in den Ländern des Südens angekommen, so dass wir europäischen Verbraucher mit unserer breiten Ablehnung nicht mehr alleine da stehen.

Herr Wenning, was würden Sie der dortigen Bevölkerung sagen, um deren Sorgen zu entkräften? Vermutlich würden Sie versprechen, dass der Anbau von gv-Ackerfrüchten helfen wird, den weltweiten Hunger zu bekämpfen, aber meine Frage zielt auf konkretere Aussagen:

Gibt es schon ein Beispiel, wie eine Genpflanze gehofen hat, den Welthunger zu lindern? Immerhin gibt es den kommerziellen Anbau von Bayer-Genpflanzen im großen Maßstab schon seit 10 Jahren, und da müsste es doch das eine oder andere Beispiel zu berichten geben?

Meine Damen und Herren , ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Burma

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Ulrike Bey. Ich arbeite für die Burma-Initiative des Asienhauses, die sich für die Wahrung der Menschenrechte und Demokratisierung in Burma / Myanmar einsetzt.

Sicher erinnern Sie sich noch an die Bilder vom vergangenen September, als Tausende Mönche, gefolgt von Bürgerinnen und Bürgern in Burma auf die Straße gingen, um für ein besseres Leben und grundlegende bürgerrechtliche Freiheiten zu demonstrieren.

Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen, es gab mindestens 31 Tote, zahlreiche Verletzte. Eine Verhaftungswelle folgte und Hunderte sind noch immer auf der Flucht.

Diese Ereignisse waren der traurige Höhepunkt der Machenschaften eines Regimes, das seit Jahrzehnten die Menschenrechte mit den Füßen tritt, das bekannt ist für den Einsatz von Zwangsarbeit und Terror gegen die eigene Bevölkerung.

Wussten Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, dass Bayer über seine Tochterfirma Myanmar Aventis CropScience Ltd als eines der wenigen westlichen Unternehmen Geschäfte macht mit diesem skrupellosen Regime?

Bayer unterhält eine Niederlassung in Rangun und plant Versuche mit Hybridreis, der später dort vermarktet werden soll.

BAYER-Manager Harald Printz wird in der von Exil-Burmesen herausgegebenen Zeitung „The Irrawaddy“ wie folgt zitiert: „Ich weiß nicht, wann der Staat sich öffnen wird. Aber wir sind darauf vorbereitet. Wenn es 20 Jahre dauert, dauert es eben 20 Jahre. Wir haben eine längerfristige Perspektive. Wir glauben, wenn wir Jahr für Jahr weitermachen, haben wir später eine gute Marktposition“.

Leider gibt der Konzern keine Auskunft über seine Geschäfte in Burma – auf unsere Nachfragen haben wir keine Antwort erhalten.

Wirtschaftliche Aktivitäten sind in Burma nicht ohne eine Kooperation mit dem Militärregime möglich. Ihm werden durch die Geschäfte Mittel zur Verfügung gestellt, die zum Kauf neuer Waffen und Militärausrüstung verwendet werden, welche auch gegen die eigenen Bevölkerung gerichtet werden.

In die soziale Infrastruktur, das Bildungs- und Gesundheitswesen hingegen fließt wenig Geld aus den Staatskassen.

Es war die wirtschaftliche Verzweiflung, die die Menschen im vergangenen Herbst zunächst auf die Straßen getrieben hat.

Ich frage den Vorstand:

Wie hoch sind die Steuern und Abgaben, die Bayer jedes Jahr dem Regime zur Verfügung stellt?

Wie hoch sind Bayers Umsätze in Burma?

Wer mit dem Militärregime in Burma Geschäfte macht, macht sich mitverantwortlich für die Gewalt gegen die Bevölkerung dieses Landes.

Die internationale Arbeitsorganisation hat wiederholt ihre Mitglieder - Unternehmen, Regierungen Gewerkschaften - dazu aufgefordert, ihre Aktivitäten in Burma zu überdenken. Sowohl Weltbank als auch Asiatische Entwicklungsbank bemängeln das schlechte Investitionsklima.

Was bewegt einen Konzern wie Bayer, in Burma zu investieren?

Ich appelliere an Ihre unternehmerische Verantwortung und fordere Sie auf Ihre Geschäfte mit der Militärjunta zu beenden.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Antwort von Herrn Wenning:
BAYER verfolgt mit Sorge die politische Entwicklung in Burma. Mit seinen Reisfeldversuchen möchte BAYER langfristig den Bauern in Burma die Möglichkeit geben, ertragreichen Hybridreis anzubauen. BAYER ist der Meinung, dass ein Abbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten nicht das Regime, sondern die Menschen in Burma treffen würde. Über die Umsätze, die Höhe der Abgaben und Steuern an die Militärregierung kann keine Auskunft gegeben werden.

[Jatropha] Agrotreibstoffe

CBG Redaktion

10 Fragen an den Vorstand der Bayer AG

von Susanne Gura, Forum Umwelt und Entwicklung

Wie im Geschäftsbericht 2007 auf Seite 5 ausgeführt, haben neben dem verbesserten Marktumfeld in Lateinamerika gestiegene Preise für landwirtschaftliche Grunderzeugnisse und der verstärkte Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen zu einer Geschäftsbelebung für Bayer CropScience geführt.

Weltweit kommt es in vielen Ländern derzeit zu Unruhen aufgrund der Preisanstiege für Lebensmittel, besonders dort, wo nicht wie bei uns, durchschnittlich 12 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden, sondern dort, wo bis zu 80 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden. Agrarkraftstoffe konkurrieren mit Nahrungsmitteln um Land und Wasser.

Die Bayer AG investiert zur Zeit in eine Pflanze namens Jatropha, ein ölhaltiger Strauch mit ungenießbaren Früchten, der hauptsächlich in trockenen Regionen wächst. Die Samen bestehen zu über 30 Prozent aus Öl, wie der Bayer CropScience-Vorstandsvorsitzende Professor Berschauer auf der Jahres-Pressekonferenz vom 6. September 2007 erläuterte. Er führte aus (Zitat): „Jatropha lässt sich auf Grenzertragsböden in tropischen und subtropischen Klimata anbauen, also auf Flächen, die sich nicht für die Produktion von Nahrungsmitteln eignen“ (Zitat Ende)

Hier irrt sich Herr Prof. Berschauer. In Indien sollen durch ein großangelegtes Regierungsprogramm bis zu 11 Millionen Hektar Gemeinschaftsland durch Agrar-Kraftstoff-Plantagen ersetzt werden. Zusammen mit DaimlerChrysler will BayerCropScience hierfür die Technologie liefern Es handelt sich dabei um Flächen, die als „wastelands“ bezeichnet werden. Dies ist Gemeinschaftsland, das zwar nicht mit Reis oder Weizen bebaut werden kann, auf dem aber meist eine Vielfalt von Früchten, Nüssen, Medizinalpflanzen und Futterpflanzen für Nutztiere wachsen. Die Welternährungsorganisation FAO weist seit Jahrzehnten darauf hin, dass Weideland und andere nicht bebaute Land-Ressourcen für Ernährung und Gesundheit armer Bevölkerungsschichten sehr wichtig sind. Gerade diese Schichten haben kaum Möglichkeiten, von einer Privatisierung des Gemeinschafts-Landes zu profitieren und Jatropha-Anbau zu betreiben. Jatropha-Plantagen würden die Bevölkerung von ihrem gemeinschaftlich genutzten Land vertreiben, Armut und Hunger wären die Folge. Von diesem indischen Gemeinschaftsland sollen drei Viertel mit Jatropha bzw. Rizinus für den Agrarkraftstoffmarkt bebaut werden. Dieser befindet sich schon jetzt großenteils nicht etwa in Indien, sondern im Ausland.
1. Wie plant Bayer sicherzustellen, dass nur Land mit Jatropha kultiviert wird, das nicht von alters her von Dorfgemeinschaften als Weideland und durch Sammeln von Früchten und ähnlichem zur Ergänzung ihrer Ernährung und medizinischen Versorgung genutzt wird?

In Chhattisgarh, dem Jatropha-Vorreiter unter den indischen Bundesstaaten, wurden einigen der größten indischen Unternehmen 200.000 Hektar Land versprochen, und Aneignungen finden bereits statt. Bereits 2006 hatten 30 Kleinbauern im Kampf um ihr Land ihr Leben verloren. Die Trägerin des Alternativen Nobelpreises Right Livelihood Award Vandana Shiva kritisiert, dass Kleinbauern unter Androhung von Gefängnisstrafen ihr Reisland für den Jatropha-Anbau übergeben mussten. Auch aus der Region Patnagar wurden Verkäufe fruchtbaren Landes an Firmen für den Jatropha-Anbau berichtet.
2. Wie plant die Bayer AG zu verhindern, dass durch den Anbau von Jatropha künftig in Indien Kleinbauern vertrieben werden?
3. Wie plant die Bayer AG zu verhindern, dass fruchtbares Land von der Nahrungsmittelproduktion zur Jatropha-Produktion übergeht?

Auch die Konkurrenz um Wasser würde durch den Anbau verschärft, denn mit Bewässerung liefern die Pflanzungen weit höhere Erträge als ohne Bewässerung.
4. Wie plant die Bayer AG zu verhindern, dass Jatropha auf bewässertem Land angebaut wird?
5. Erwartet die Bayer AG, dass mit der Züchtung zu höheren Erträgen auch ein Bedarf an Wasser und Düngemitteln entsteht?

Bereits jetzt wird der Jatropha-Anbau mit festen Lieferverträgen vorgenommen, so daß Kleinbauern nicht zu anderen Abnehmern wechseln und von den steigenden Preisen profitieren können.
6. Wie plant die Bayer AG zu verhindern, dass durch feste Lieferverträge den Kleinbauern die freie Wahl der Abnehmer genommen wird?

Bereits jetzt stellen die indischen Banken großen Agrar-Spritverarbeitern Kredite zur Verfügung, mit denen ganze Bevölkerungsgruppen, wie bereits bei der so genannten Grünen Revolution der 80er Jahre, in die Verschuldung getrieben werden.
7. Wie plant die Bayer AG sicherzustellen, dass Jatropha-Bauern nach jeder Ernte die Kredite bedienen können und damit nicht in eine Schuldenfalle geraten?

BAYER arbeitet intensiv an Pflanzenschutzmitteln für Jatropha, auch wenn Jatropha als völlig genügsame Pflanze gilt, die nicht von Schädlingen oder Krankheiten befallen wird. Es soll langfristig auch gentechnische Herbizid-Resistenz in das Saatgut eingesetzt werden, denn es sollen Herbizide eingesetzt werden, die alle Pflanzen außer der gentechnisch resistent gemachten vernichten.
8. Erwartet die Bayer AG, dass mit der Züchtung der Jatropha-Pflanze hin zu höheren Erträgen die Resistenz gegenüber Schädlingen verloren geht?

Das von der Bayer AG zu Beginn des Jahres in der Presse erklärte Ziel, derartige Herbizide und entsprechende Resistenzen für Jatropha zu entwickeln, entspricht keinesfalls den Erkenntnissen und Zielen führender landwirtschaftlicher Wissenschaftler und politischen Entscheidungsträger. Erst vorige Woche hat der Weltagrar-Rat eine radikale Reform der Landwirtschaft gefordert. Weltweit seien die Böden durch Agrar-Chemikalien geschädigt und daher seit Jahren die Ernten wichtiger Grundnahrungsmittel rückläufig. Die von 400 Wissenschaftlern erarbeiteten Empfehlungen drängen darauf, biologische Methoden anzuwenden. Diese können die Welternährung sicherstellen, wenn der Konsum von Tierprodukten auf der Grundlage von Kraftfutter sich auf ein vertretbares Maß einstelle. Davon profitieren würden Gesundheit, Klima, Tierschutz und die Umwelt. BayerCropScience ist mit Pflanzenschutzmitteln am nicht nachhaltigen Anbau von Soja-Kraftfutter maßgeblich beteiligt.
9. Wie wird die Bayer AG künftig ihre Geschäftstätigkeit im Bereich BayerCropScience an diesen Empfehlungen und den zu erwartenden veränderten Regulierungsrisiken ausrichten und im Sinne der nachhaltigen Ernährung der Weltbevölkerung biologische anstelle der nicht nachhaltigen chemischen Methoden weiterentwickeln?

Der Geschäftsbericht kündigt auf S. 93 an, dass Bayer Crop-Science sich künftig in dem Segment Saatgut und Pflanzenbiotechnologie noch aktiver engagieren und den Umsatz von BioScience innerhalb der nächsten zehn Jahre auf rund 1 Milliarde € ausbauen will. Auch dies lässt im Bereich Regulierung neue Risiken erwarten, denn dieses Geschäftsziel steht nicht im Einklang mit den oben genannten Empfehlungen, die weltweit mit Erleichterung aufgenommen wurden bzw eine weltweite Diskussion ausgelöst haben. Der Weltagrar-Rat spricht erstmals und in Einigkeit mit 54 Regierungen aus, was schon lange im Raum steht: Gentechnik und Patentierung von Saatgut kann die Entwicklung der Landwirtschaft in armen Ländern behindern, da die Bauern von den Großkonzernen abhängig würden.
10. Wie wird die Bayer AG angesichts der neuen Lage die Geschäftsziele im Bereich BayerCropScience überarbeiten?

[HV] CO-Pipeline

CBG Redaktion

Bau-Stopp der Bayer-Pipeline
Keine Risiko-Leitung durch Wohngebiete in NRW

Pressemitteilung vom 27. April 2008

CO-Pipeline-Gegner auf der Bayer-Hauptversammlung - soll der NRW-Landtag Wennings Rechtstreit regeln?

Marlis Elsen, Dieter Donner und Harald Jochums von der Bürgerinitiative „Baustopp der Bayer-Pipeline“ sowie Axel Köhler-Schnura von der CBG stellten dem Vorstand zahlreiche sachlich fundierte Fragen zum Bau der CO-Pipeline.
Werner Wenning blieb uns die Beantwortung der Fragen schuldig, seine Ausfüh-rungen zur Begründung der Notwendigkeit der Pipeline beinhalteten nichts neues. Man kann sie fast wortgetreu den Bayer-Broschüren entnehmen und sie waren nahezu identisch mit den Ausführungen des Projektleiter Werner Breuer auf den früheren Informationsveranstaltungen.
Interessant auch das Demokratieverständnis von Wenning. Axel Köhler-Schnuras Fragen bezogen sich auf die demokratische Legitimation, diese Leitung zu bauen. Bei der Beantwortung kristallisierte sich ein eigentümliches Demokratie- und Rechtsverständnis des Vorstandes heraus. Herr Wenning sieht in der Entschei-dung des Landtages begründet, dass der Bau der Leitung von einer großen demokratischen Mehrheit getragen wird. Ein Jahr Protest, Demonstrationen, Reden und Gegenargumente, Mahnwachen und über 83 000 Unterschriften sieht er nicht als das richtige Mittel einer demokratischen Kultur und wollte dazu auch keinen Kommentar geben. Seiner Meinung nach wird die Frage des Allgemein-wohls der CO- Leitung im Landtag noch einmal behandelt werden und lediglich dessen Votum wird für ihn wegweisend sein. Dass die zwangsweise Inanspruch-nahme von fremdem Eigentum für private Bayer-Zwecke spätestens beim Bundes-verfassungsgericht kassiert zu werden droht und solange der Betrieb der Leitung blockiert wird, scheint ihm gleichgültig zu sein.
Ähnlich realitätsfern ist seine Aussage, dass er angeblich auf eine offene Dialogkultur setzt. Den Beweis dafür ist er bisher schuldig geblieben.
Angebote zum Dialog mit den Bürgerinitiativen waren stets damit verbunden, dass die Presse und Öffentlichkeit ausgeschlossen bleiben sollte.
Zwei interessante Begebenheiten noch:
Zum Ersten war es bemerkenswert, dass während des Redebeitrags von Marlis Elsen im Presseraum bereits nach kurzer Zeit der Strom ausfiel; wobei diese technische Störung in der ansonsten perfekt organisierten Veranstaltung an diesem Tag die einzige war. War dies Absicht oder „gewollter Zufall“? Jeder möge sich selbst dazu seine Gedanken machen.
Zum Zweiten überraschten uns mehrere Kleinaktionäre nach unseren Redebei-trägen mit der Überlassung ihrer Stimmkarten. Das konnte das Stimmenverhältnis nicht wesentlich verändern. Aber es zeigt doch, dass wir mit unseren Argumenten zumindest bei einem Teil der Aktionäre Zustimmung fanden.

Stand der Unterschriften am 25.04.08: 83.500
Dieter Donner (Pressekoordinator der Initiativen Monheim, Hilden, Langenfeld, Erkrath, Ratingen, Solingen, Düsseldorf)
Telefon (02103) 65030 dietersdonner@arcor.de

BAYER-Hauptversammlung am 25. April in Köln:

Einladung zur Protestaktion gegen die CO-Pipeline

Jetzt den neuen Protest-Aufkleber „Stop BAYER-Giftgasleitung!“ bestellen

Das Groß-Feuer im Kölner Norden hat einmal mehr gezeigt, dass Lecks an Rohrleitungen nie ganz ausgeschlossen werden können. Ein hochgiftiges Gas wie Kohlenmonoxid darf daher niemals durch dichtbesiedelte Wohngebiete geleitet werden!

Am 25. April wird der Vorstand der Bayer AG vor rund 7.000 Aktionären und zahlreichen Medienvertretern die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres präsentieren. Kritische Aktionäre haben bereits in den vergangenen Jahren dieses Forum genutzt, um gegen den Bau der CO-Pipeline zu protestieren.

Auch in diesem Jahr werden die Aktionäre vor den Kölner Messehallen mit Flugblättern und Transparenten empfangen. Alle Gegner der Pipeline sind aufgerufen, sich an diesem öffentlichkeitswirksamen Protest zu beteiligen.

Treffpunkt: Freitag, 25. April 2008, ab 9 Uhr
Köln-Deutz, Messehalle 7, Eingang Nord, Deutz-Mülheimer-Straße 111

Ein Gegenantrag von Axel Köhler-Schnura zur Hauptversammlung, in dem der Bau der Pipeline kritisiert wird, wurde auf der homepage von Bayer veröffentlicht: http://www.hv2008.bayer.de/de/Gegenantraege-2008.pdfx (ab Seite drei). Auch in der Hauptversammlung werden Kritiker das Wort ergreifen und einen Baustopp der Pipeline fordern.

Um die Pipeline zu stoppen, muss der Widerstand weiter verstärkt werden. Sie können helfen. Bestellen Sie Aufkleber und Flugblätter und verbreiten Sie diese im Freundes- und Bekanntenkreis.

Aufkleber gibt es einzeln für 1,50 Euro
ab 10 Exemplare 11,00 Euro
ab 50 Exemplare 40,00 Euro
ab 100 Exempalre 60,00 Euro
zzgl. 2,50 Porto/Verpackung
Flugblätter und Unterschriftenlisten gibt es gegen freiwillige Spende.

email an bestellung@j5a.net
Fon 0211 - 26 11 210 / Fax 0211 - 26 11 220

Weitere Informationen zur Kampagne unter http://www.cbgnetwork.de/1968.html

[Pharma] Pharma-Skandale

CBG Redaktion

25. März 2008, Die Welt

Schadenersatz-Prozess: Schering verkaufte Anti-Baby-Pille aus Mehl

Eine Tochterfirma des deutschen Pharma-Konzerns Bayer Schering muss Frauen in Brasilien Schadenersatz zahlen. Die Kundinnen hatten eine Anti-Baby-Pille des Unternehmens geschluckt – und wurden schwanger. In den Pillen befand sich statt eines Wirkstoffs zur Verhütung lediglich Mehl.
Der Oberste Gerichtshof Brasiliens hat ein Schadenersatz-Urteil gegen ein Tochter-Unternehmen des deutschen Pharmakonzerns Bayer Schering bestätigt. Wie das Gericht in Brasilia erklärte, muss die dortig Schering-Tochter Entschädigungen in Höhe von einer Millionen Real – das sind umgerechnet rund 370.000 Euro – zahlen.

Das Unternehmen hatte Einspruch gegen eine vorangegangene Entscheidung eingelegt. Die Obersten Richter wiesen diesen den Angaben zufolge allerdings einstimmig zurück. Ein Gericht in São Paulo hatte die Schering-Tochter im November 2007 verurteilt, weil lediglich zu Testzwecken angefertigte Anti-Baby-Pillen in den Verkauf gerieten.
Demnach hatte das Unternehmen 1998 die Pille Microvlar in Brasilien auf den Markt gebracht, obwohl diese statt Hormonen zur Verhütung einer Schwangerschaft nur Mehl enthielt. Zahlreiche Frauen, die sich auf das Medikament verlassen hatten, wurden ungewollt schwanger. Die Richter begründeten das Urteil so: Der Hersteller habe es an Respekt gegenüber den Verbrauchern fehlen lassen.

[Dormagen] Störfälle

CBG Redaktion

Im BAYER-„Chemiepark“ Dormagen fing am 17. März 2008 eine Ethylen-Leitung Feuer. Hierdurch entzündeten sich große Mengen der giftigen Chemikalie Acrylnitril. In der Umgebung des Werks wurden erhöhte Giftwerte gemessen. Der Werksteil gehört zur Firma INEOS, bis 2001 wurde die Anlage von der BAYER-Tochter EC Erdölchemie betrieben. Lesen Sie hierzu zwei Artikel, eine Strafanzeige des BUND, Augenzeugenberichte und Stimmen aus dem Werk. Ein Bericht des WDR, in dem CBG-Mitarbeiter Philipp Mimkes befragt wird, findet sich hier.

dpa, 18. März 2008

Erhöhte Giftwerte nach Brand in Dormagen

Köln - Nach dem Großfeuer in dem Kölner Chemiewerk Ineos sind im Stadtteil Worringen teilweise leicht erhöhte Werte des hochgiftigen Acrylnitril festgestellt worden. Deshalb bleiben einige Schutzmaßnahmen bestehen. Die Messungen seien in den frühen Morgenstunden gemacht worden, teilte Ineos am Dienstag in Köln mit. „Wir wollen für die Bevölkerung ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleisten“, sagte Ineos-Geschäftsführer Patrick Giefers.
So sollten Fenster und Türen weiter geschlossen bleiben. Die weiteren Schutzmaßnahmen müsse die Stadt Köln festlegen. Der Großbrand war am Montag durch eine 15 Meter hohe Stichflamme in einer undichten Ethylen-Gasleitung ausgelöst worden. Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sprach nach Angaben der Stadt vom größten Brandeinsatz in Köln seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das Großfeuer in dem Chemiewerk ist am Dienstagmorgen von der Feuerwehr gelöscht worden. Die letzten Flammen seien mit Hilfe eines Schaumteppichs erstickt worden, teilte die Stadt Köln mit. Ein durch den Brand stark erhitzter Tank mit hochgiftigem Acrylnitril sei die ganze Nacht über gekühlt worden. Das am Montag wegen starker Rauchentwicklung gesperrte Teilstück der Autobahn 57 sowie die S-Bahn-Strecke zwischen Neuss und Köln wurden am Morgen wieder freigegeben.
Den Großbrand ausgelöst hatte am Montag eine 15 Meter hohe Stichflamme in einer undichten Ethylen-Gasleitung. Die entsetzten Menschen in der Umgebung sahen, wie die gigantische Flamme aus einer undichten Ethylen-Gasleitung in die Luft schoss. Es habe aber keine Explosion gegeben, sagte die Feuerwehr. Das Feuer griff auf den Acrylnitril-Tank über.
Zunächst hatten die Feuerwehrleute die Flammen aus der Ethylen-Leitung nicht löschen können, weil sie sonst womöglich explodiert wäre. Das heftige Austreten des Gases verursachte nach Angaben der Feuerwehr aber einen „düsenwerk-ähnlichen Krach“. Techniker stellten deshalb die Pipeline von Antwerpen nach Marl im Kölner Raum ab und ließen die Reste an Ethylen bis zum Abend kontrolliert verbrennen. Danach erst konnten die Feuerwehrleute mit Wasser löschen und den Acrylnitril-Tank kühlen.
Gegen Mitternacht war es der Feuerwehr gelungen, das Feuer in der Ethylen-Leitung zu löschen. Zur gleichen Zeit war der Schaumteppich um den Tank gelegt worden. Hierzu waren nach Angaben der Stadt Köln mehrere Zehntausend Liter Wasser pro Minute nötig.
Insgesamt drei Menschen wurden am Montag wegen Hautreizungen ärztlich behandelt, teilte die Stadt Köln mit. Zwei Mitarbeiter eines nahe gelegenen Supermarktes wurden in einem Krankenhaus untersucht, konnten die Klinik aber wieder verlassen. Bei ihnen seien keine Schadstoffe im Urin und im Blut festgestellt worden, berichtete die Stadt Köln. Ein weiterer Betroffener sei von einem Hausarzt untersucht worden. Auch er konnte danach wieder nach Hause.
Nach Angaben von Experten wurden sowohl das freigesetzte Acrylnitril als auch das Ethylen nahezu vollständig verbrannt. Dennoch hielten sich Ärzte für etwaige Notfälle in Bereitschaft. Nach Angaben von Ineos und der Stadt Köln wurden nach dem Störfall in der Region keine gefährlichen Messwerte ermittelt. Auch vom Hubschrauber aus wurden die Luftwerte kontrolliert.
Nach neuesten Angaben der Stadt Köln waren insgesamt rund 1200 Einsatzkräfte im Einsatz. Die Produktion sei aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden, die Schadenshöhe noch unklar, hieß es bei Ineos.

Chemiewerk in Flammen

Eine 15 Meter hohe Stichflamme aus einem undichten Gasrohr hat in einem nordrhein-westfälischen Betrieb ein Großfeuer ausgelöst.
Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers griff die Flamme von einer Ethylen-Leitung auf einen Tank mit giftigem Acrylnitril über. Die Anwohner wurden aufgefordert, ihre Fenster und Türen zu schließen. Über dem Werksgelände in Köln-Worringen entstand eine riesige Rauchwolke. Die Löscharbeiten könnten sich noch über Stunden hinziehen, sagte ein Feuerwehrsprecher am Montagabend. Rund 200 Feuerwehrmänner versuchen derzeit, die zum Teil haushoch lodernden Flammen unter Kontrolle zu bekommen.

Die Feuerwehrleute konnten die Flammen aus der Ethylen-Leitung nicht löschen, weil sonst eine Explosion gedroht hätte. Daher soll das Ethylen kontrolliert verbrennen. Der Nachschub der Pipeline von Antwerpen nach Marl wurde an einem Punkt im Kölner Raum gestoppt. Zur Ursache habe die Polizei Ermittlungen aufgenommen, so der Geschäftsführer der betroffenen Firma Ineos, Patrick Giefers.

Zugverkehr gestoppt
Zwei Anwohner kamen nach Angaben der Feuerwehr wegen Haut- und Augenreizungen in ärztliche Behandlung. Es handelt sich um Mitarbeiter eines nahe gelegenen Supermarkts. Über weitere Verletzte wurde nichts bekannt. Messungen hätten bislang keine Schadstoffbelastung ergeben, sagte der Sprecher weiter. Der Gastank wurde mit Wasser gekühlt, angrenzende Gebäude evakuiert. Aus Sicherheitsgründen stoppte die Bahn den Zugverkehr auf der Strecke zwischen Köln-Worringen und Dormagen. Auch die angrenzende Autobahn A57 musste wegen starker Sichtbehinderung zwischen dem Kreuz Köln-Nord und Kreuz Neuss-Süd gesperrt werden.

Einige geschockte Mitarbeiter hätten sich in psychologische Behandlung begeben, sagte ein Ineos-Sprecher. Die Produktion sei aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden, die Schadenshöhe noch unklar. Erst vor wenigen Wochen war es im gleichen Werk zu einer Explosion mit Brand gekommen.

BUND erstattet Strafanzeige und fordert Konsequenzen

Düsseldorf, 20.03.2008 - Wegen des Störfalls auf dem Betriebsgelände der Firma Ineos in Köln-Worringen hat der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Der BUND begründet die Anzeige mit den Straftatbeständen der schweren Gefährdung durch die Freisetzung von Giften und Luftverunreinigung durch das hochgiftige Acrylnitril und weiterer Brandgase. Dazu bestehe der Verdacht eines Verstoßes gegen die Störfallverordnung. Gleichzeitig forderte der BUND das NRW-Umweltministerium auf, die „Geheimniskrämerei“ um die insgesamt etwa 450 Betriebsbereiche in NRW, die der Störfallverordnung unterliegen, zu beenden. Die Bevölkerung habe ein Anrecht auf Transparenz und Aufklärung über die Gefahren in der Nachbarschaft von potenziell gefährlichen Chemieanlagen und Pipelines.
Im Hinblick auf den Großbrand in Worringen kritisiert der BUND den offenbar viel zu gering bemessenen Abstand der 30 Jahre alten Ethylen-Pipeline zu dem Acrylnitril-Tank. Auch sei unklar, wer eigentlich Betreiber der Rohrfernleitung sei und wieso es solange dauerte, bis diese Fernleitung geschlossen wurde. Ob der Acrylnitril-Tank dem Stand der Sicherheitstechnik genügte, sei ebenfalls zweifelhaft.
Vor Wiederinbetriebnahme der Rohrfernleitung müsse geklärt werden, ob der ursächliche Defekt auch an anderen Übergabestellen der Ethylengasleitung im Bundesgebiet auftreten kann. Dazu fordert der BUND ein umfangreiches Messprogramm, insbesondere auch im Hinblick auf die mögliche Freisetzung von perfluorierten Tensiden (PFT) infolge der Löscharbeiten.
Auch die sehr kontroverse Auffassung von Risikokommunikation sei bei diesem Störfall wieder einmal bestätigt worden. Die Bevölkerung sei lange im Unklaren über die Gefährlichkeit der freigesetzten Stoffe gelassen worden. Die „reflexartig gegebene Entwarnung“ sei verfrüht und fahrlässig gewesen.
Das NRW-Umweltministerium forderte der BUND wiederholt auf, die Bevölkerung endlich über alle der Störfallverordnung unterliegenden Betriebsbereiche zu informieren. Die Herausgabe der entsprechenden Liste war dem BUND unter Verweis auf vermeintliche Terrorismusgefahren verweigert worden. Vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz hatte der BUND unlängst ein Urteil erstritten, welches die Behörden zur Freigabe der entsprechenden Angaben verpflichtet. Dieses Urteil sei auch für Nordrhein-Westfalen verpflichtend.

Augenzeugenbericht von Manfred Demmer, Leverkusen

Als ich gestern gegen 22.15 Uhr im RE 7 saß und nach der Durchsage, dass der Zug wegen des Großbrandes ausserplanmäßig in Köln enden würde, auf der Strecke zwischen Solingen und Opladen mehrfach den riesigen Feuerball aus westlicher Richtung wahrnahm, kam mir der „Dormagener Störfall von 1996“ in Erinnerung.
Vor 25 Jahren hatte der Schriftsteller Klas Ewert Everwyn dieses Buch geschrieben und sich Ärger mit dem Bayer-Konzern eingehandelt hierzu weitere Infos. Sicherlich war diese fiktive Katastrophe schlimmer als der akute „Störfall“ von Dormagen. Doch das Szenario, die akute Bedrohung der Menschen – trotz der gebetsmühlenartigen Verlautbarungen, das „keine Gefahr für die Bevölkerung“ bestanden hätte und das die technischen Einrichtungen sicher seien – ist schlimm genug. Und vor allen Dingen die Feuerwehrleute, die bei Bekämpfung der Katastrophe ihr Leben aufs Spiel setzen, müssen hier genannt und ihnen gedankt werden. Ach ja – der Betrieb gehört ja nicht zu Bayer, also was soll das also, werden jetzt manche sagen.
Nun, wenn die Darstellung stimmt, das früher der Betriebsteil zum Bayer-Konzern gehört hat, denn erhebt sich die Frage, ob es nicht sein kann, das der Konzern (der ja nebenbei immer öfter selber „Störfälle“ –wie zuletzt in Wuppertal – erlebt) die Betriebsteile veräußert, deren Anlagen veraltet sind? Und auch die Frage sei erlaubt, ob der Konzern nicht nach dem Motto handelt, sollen sich doch die Nachfolger mit den Problemen, die daraus entstehen, herumschlagen, wir haben unseren Profit im Sack. Und nicht zuletzt aus einem anderen Grunde ist der Konzern gefragt.
Wer wie er – gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung - eine CO–Pipeline durchsetzen will, muss jetzt mehr denn je gezwungen werden, auf dieses Vorhaben, was ja angeblich ebenso sicher ist, wie es auch bei der jetzt explodierte Pipeline war, zu verzichten. Andernfalls kann der fiktive „Störfall Dormagen“ irgendwann real werden.

Augenzeugenbericht einer Anwohnerin

Es ist ein beunruhigendes Gefühl, wenn man aus weiter Ferne eine Stichflamme sieht, die so groß ist, dass sie weithin sichtbar ist. Noch beunruhigender wird das Gefühl allerdings, wenn man sich seinem Zuhause nähert und merkt, dass die Stichflamme nur etwa 500 Meter von der eigenen Wohnung entfernt liegt!
So ist es uns heute ergangen.
Schon beim Einkauf tuschelten die Leute und deuteten immer wieder zum Fenster hinaus, wo eine helle Flamme weithin sichtbar war. Zuerst dachten wir, dass es sich um einen Routinevorgang vom Werk handeln würde. Schon oft bin ich nachts wach geworden, weil die halbe Wohnung von einem Feuerschein erhellt war. Doch dieses Mal wurde schnell klar, dass es sich nicht um ein kontrolliertes Abfackeln handelte. Sirenen von Feuerwehr und Polizei schrillten plötzlich durch die Straßen und wir hatten nur noch einen Gedanken: nach Hause und Türen und Fenster verriegeln.
Denn wer in der Nähe eines Chemiewerks wohnt, weiß eins: es kann immer passieren, dass giftige Gase austreten.
Mein Mann und ich packten also schnell die Einkäufe ein. Das mulmige Gefühl verdichtete sich, als wir unserem Zuhause näher kamen und damit auch der riesigen Flamme.

In der Wohnung angekommen, schlossen wir eilig alle Fenster und schalteten das Radio ein, in der Hoffnung Aufklärung über die Vorfälle bei Bayer und Co. zu bekommen. Doch es kam nichts. Niemand sagte etwas darüber, ob der rußig-schwarze Qualm, der direkt an unseren Fenstern vorbeizog, giftig war oder nicht. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Entwarnung im Radio, dass für die Anwohner zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestand.

Jetzt ist es dunkel geworden und der Feuerschein tanzt immer noch übermütig wie ein kleines Kind über die Fassaden der Häuser und spiegelt sich in den Fenstern. Nach und nach trudeln Berichte ein, was genau passiert ist und wie es zurzeit aussieht. Das Feuer brennt immer noch. Lichterloh.

Viele der Nachbarn haben Angst, dass man uns etwas verschweigt, dass der Qualm doch giftig gewesen sein könnte oder das noch eine Explosion folgt, die wohl nur in letzter Minute verhindert werden konnte.
Und viele von uns, die wir in der direkten Nähe wohnen, fragen sich, was die Zukunft bringen wird. Seit langem ist eine weitere Pipeline im Gespräch, mit giftigem Gas, von der es heißt, dass sie völlig ungefährlich und sicher ist. Doch irgendwie mag das an diesem Tag keiner so recht glauben.

Kommentare im Forum der Basisbetriebsräte

so mal aktuelle meldungen vom brand. der brand fing gegen ca 14:15uhr an. jetzt gegen 19:50uhr, also knapp 5 1/2 std. später fuhr das erste feuerwehrfahrzeug bei uns durch die straße und forderte auf die fenster und türen geschlossen zu halten und das radio einzuschalten. selbst das wurde nur halbherzig gemacht, da er aus einer querstraße kam und links abbog. aber rechtrunter wohnen auch leute.....hier im dorf wimmelt es von polizei, die die straßen absperren. allerdings ist dies ein witz, da man die absperrungen ohne probleme umfahren kann wenn man etwas ortskundig ist. alles in allem ist der umgang mit dem störfall alles andere als wie es sein sollte und wie es früher mal war, als es noch Bayer und EC war. der umgang mit den anwohnern ist hier genauso wie mit den mitarbeitern. kosten vermeiden wo es nur geht.


Das kann ich voll verstehen, die Zeiten das man ans Telefon geht, wenn das Werk anruft sind schon lange vorbei......Aber die sind selber Schuld, wer soll den noch Arbeitsmoral haben nach so vielen Einschnitten der letzten Zeit (Tarifvertrag, Schichtsysteme....usw...)

Ich habe gerade bei NEWS89.4 gehört, das 600 Einsatzkräfte Vorort sind. Aber wir bei Currenta brauchen ja nicht so viel Personal. Wie mein Chef immer sagt, Nachts und am Wochenende passiert ja eh fast nie was und wenn müssen wir halt jemanden rein rufen. Nur was wenn keiner mehr ans Telefon geht. Ich frag mich eh wie die Ablösungen in den Betrieben funktioniert. Ist ja schließlich alles gespert rund um den Chempark. Wird die Spätschicht wohl noch eine Nachtschicht einlegen müssen und wenn das morgen Früh noch nicht im griff ist halt noch eine Frühschicht. Man direkt 2 AGS an einem Tag weg......

Tja früher war das anders, da sind die Kollegen vom Werkschutz noch durch die Straßen gefahren und haben die Anwohner gewarnt. Heute sind die gut Ausgebildeten Leute einfach zu teuer. Bei mir vor der Tür steht ein Polizeiauto. Die Besatzung habe ich mal gefragt warum in Worringen noch keine Anwohner Informiert wurden. Die wußten selber nicht was da genau los ist, außer das es brennt. Tolle Information, dieser Firma. Menschen und Familien zählen heutezutage halt nichts mehr.

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Wenn noch mehr Personal abgebaut wird und auf Low-Cost-Instandhaltung gesetzt wird, werden wir uns auf solche Vorfälle für die Zukunft einstellen müsse.
Das war zu seiner Zeit bei Hoechst (erinnert sich noch jemand an diese traditionsreiche Firma?) nicht anders.
Wo kaum noch Personal ist, kann auch nicht ordentlich gearbeitet und instandgehalten werden - und bei INEOS (ehemals EC) wurde heftigst Personal abgebaut!
Wann wacht das Management endlich auf? Vielleicht wenn man sie endlich mal für solche Vorfälle zur Verantwortung zieht und auch mal einbuchtet!
Mit ihren privaten Benz fahren diese Herren ja auch zur teuren Mercedes-Vertragswerkstatt für Wartung, Inspektion usw.! Und nicht zur billigen Tankstelle (mit angeschlossener Billigwerkstatt) um die Ecke!
Nur in ihrem Berufsleben halten diese Herren es anders - da muss Instandhaltung und Wartung für gefährliche und brisante Industrieanlagen so billig wie möglich sein!

weitere Informationen:
=> Die Störfall-Bilanz von BAYER
=> Brief an Minister Gabriel: „Störfall-Informationen offen legen!“
=> Neues Deutschland: Ökoverbände gegen anonyme Verursacher

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[Aufkleber] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

Kampagne „CO-Pipeline verhindern“

Protest-Aufkleber jetzt streuen!

Um die Pipeline zu stoppen, muss der Widerstand weiter verstärkt werden. Sie können helfen. Bestellen Sie Aufkleber und Flugblätter und verbreiten Sie diese im Freundes- und Bekanntenkreis.

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ab 10 Exemplare 11,00 Euro
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ab 100 Exempalre 60,00 Euro
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[Institute] Störfallgefahren

CBG Redaktion

Störfall-Gefahren in Institute/USA: Gegenantrag zur Hauptversammlung am 25. April 2008

Hiermit zeige ich an, dass ich zu Punkt 2 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Regelmäßig treten im amerikanischen BAYER-Werk Institute/West Virginia gefährliche Chemikalien aus. Zudem werden nirgendwo in den USA größere Mengen der hochgiftigen Chemikalie MIC produziert und gelagert.

Von dem Werk gehen große Risiken aus. Hierfür trägt der Vorstand von BAYER die Verantwortung.

Der jüngste Vorfall in Institute ereignete sich am 28. Dezember 2007, als mehrere Fässer platzten, die das Pestizid Thiodicarb enthielten. Dutzende Anwohner mussten wegen Kopfschmerzen und Atemwegsproblemen behandelt werden, mindestens ein Betroffener wurde stationär behandelt. Der Präsident des zuständigen Verwaltungsbezirks Kanawha County übte scharfe Kritik: „Das Verhalten von BAYER nach dem Unfall war bodenlos, die veröffentlichten Informationen waren vollkommen unzureichend. Niemand wusste, was zu tun war“.

Noch Tage später verharmloste das Unternehmen den Vorfall und sprach von einer „ungefährlichen Geruchsbelästigung“. Tatsächlich gehört Thiodicarb aber zu den gefährlichsten Agrogiften überhaupt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet den Wirkstoff als „extrem giftig“ und als potentiell krebserregend. In der EU wurde Thiodicarb verboten. Im vergangenen Jahr forderten 154 Organisationen aus 35 Ländern den BAYER-Konzern auf, den Verkauf aller Pestizide der obersten Gefahrenklasse, darunter Thiodicarb, einzustellen.

Die Fabrik in Institute gehörte in den 80er Jahren zur Firma UNION CARBIDE und gilt als „Schwester-Werk“ der berüchtigten Fabrik im indischen Bhopal. In Bhopal waren im Dezember 1984 rund 30 Tonnen Methyl-Isocyanat (MIC) ausgetreten. Mindestens 15.000 Menschen fielen dem schwersten Chemie-Unfall der Geschichte zum Opfer. Nach der Katastrophe in Indien richteten sich die Augen der Öffentlichkeit auf die Pestizid-Fabrik in Institute, da dort ebenfalls große Mengen MIC lagerten und die selben „Sicherheits“-Bestimmungen wie in Bhopal galten. Allen Beteuerungen der Werksleitung zum Trotz, wonach von der Fabrik keine Gefahren ausgingen, ereignete sich im August 1985 auch in Institute ein Groß-Unfall: rund zwei Tonnen giftiger Chemikalien, darunter das hochgefährliche Pestizid Aldicarb, zogen in einer brennenden Wolke über die Wohnviertel in der Nähe der Fabrik. Über 300 Anwohner mussten stationär behandelt werden.

Der nächste große Störfall ereignete sich im August 1994, als eine Explosion einen Teil der Pestizid-Produktion zerstörte. Ein Arbeiter starb unmittelbar, mindestens ein weiterer Arbeiter erlag den Spätfolgen. Die Behörde für Arbeitssicherheit OSHA verhängte wegen „vorsätzlicher Verletzung von Sicherheits-Bestimmungen“ eine Strafe von 1,7 Millionen Dollar.

Im Rahmen der Übernahme von Aventis CropScience gelangte die Fabrik im Jahr 2001 in den Besitz von BAYER. Während in den deutschen BAYER-Werken nach der Bhopal-Katastrophe die Menge der gelagerten Ultragifte wie Phosgen oder MIC reduziert wurde, blieben die Tanks in Institute bestehen. Heute ist Institute das einzige Werk in den USA, in dem MIC in großen Mengen produziert und gelagert wird. Mindestens die doppelte Menge des in Bhopal ausgetretenen MIC befindet sich ständig in der Fabrik, genauere Angaben verweigert die Werksleitung. Auch zwischen fünf und fünfzig Tonnen des Giftgases Phosgen, das im 1. Weltkrieg als Kampfgas verwendet wurde, werden in dem Werk gelagert. Ein worst-case-Szenario kam 1994 zu dem Ergebnis, dass im Falle eines GAUs in einem Umkreis von mehreren Kilometern tödliche Vergiftungen auftreten können.

Auch im Normalbetrieb treten aus der Fabrik große Mengen gefährlicher Stoffe aus. Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA blies das Werk 2006 mehr als 300 Tonnen Chemikalien und Schadstoffe in die Luft, darunter 200 kg MIC, 50 kg Thiodicarb, 4 Tonnen Chlor und mehrere Kilogramm Phosgen. Die Anlage ist für 90% der gelagerten MIC-Menge und 95% der MIC-Emissionen der gesamten USA verantwortlich.

Der BAYER-Vorstand trägt die Verantwortung für die hohen Schadstoff-Emissionen, das häufige Auftreten von Störfällen sowie die anhaltenden Risiken durch die Lagerung von MIC und Phosgen. Der Vorstand soll daher nicht entlastet werden.

Ausführliche Informationen zu Störfällen bei BAYER finden sich auf der homepage der Coordination gegen BAYER-Gefahren unter www.CBGnetwork.de/476.html

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung darf ich gemäß §§ 125, 126 AktG bitten.

Christiane Schnura
Mitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren

[Pipeline] Gegenantrag CO-Pipeline

CBG Redaktion

CO-Pipeline: Gegenantrag zur Hauptversammlung am 25. April 2008

Hiermit zeige ich an, dass ich zu Punkt 2 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Die Planungen des BAYER-Konzerns, hochgiftiges Kohlenmonoxid (CO) zwischen den Werken Dormagen und Krefeld mitten durch dichtbesiedeltes Gebiet zu leiten, lösen große Befürchtungen in der Bevölkerung aus. Das Vorhaben ist ohne Beispiel. Das Regierungspräsidium Düsseldorf räumt ein, dass „zu Kohlenmonoxidfernleitungen keine umfänglichen Erfahrungsberichte existieren, da es sie weltweit kaum gibt“.
Eindeutiger ist die Gefahrenlage. Ein Gutachten der Stadt Ratingen kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 100.000 Anwohner durch einen Bruch der Pipeline gefährdet wären. „Wenn hier etwas passiert, ist halb Hilden platt“, so ein für den Katastrophenschutz zuständiger Feuerwehrmann. Drastischer noch drückt es Monheims Bürgermeister Thomas Dünchheim (CDU) aus, der von einem „Todesstreifen“ entlang der Pipeline spricht. Entlang der Strecke werden regelmäßig Mahnwachen organisiert, mehr als 80.000 Protest-Unterschriften wurden bereits gesammelt. CDU und SPD beteiligen sich vor Ort an den Protesten.
Schäden bis hin zum Vollbruch der Leitung sind in einem erdbebengefährdeten Gebiet wie der Rheinschiene nicht abwegig. Auch Beschädigungen durch Korrosion, Bauarbeiten, Flugzeugabstürze oder terroristische Anschläge sind möglich. Die Städte Monheim, Hilden, Erkrath und Langenfeld reichten daher Klage gegen das Projekt ein.
Die erhöhte Gefahr für die Anwohner und die notwendigen Enteignungen werden von BAYER und Landesregierung mit „Vorteilen für das Allgemeinwohl“ gerechtfertigt. Tatsächlich gibt es diese Vorteile aber nicht. Dem Bau der Leitung liegen ausschließlich Profit-Interessen von BAYER zu Grunde, denn die geplante Pipeline soll lediglich für eine bessere Auslastung der Anlagen in Dormagen und Krefeld sorgen. Statt Kohlenmonoxid über eine 67 km lange Pipeline zu leiten, könnte BAYER ebensogut eine moderne CO-Produktionsanlage in Krefeld bauen. Hierdurch ließe sich zum einen der Ausstoß von Treibhausgasen verringern, zum anderen könnte die Gefährdung der Anwohner der Pipeline gänzlich vermieden werden. Wegen höherer Kosten hat BAYER diese Lösung des Problems jedoch bislang ausgeschlossen.
Hinzu kommt, dass die von BAYER versprochene Sicherung von Arbeitsplätzen weder belegt noch garantiert wird. Im Gegenteil – wahrscheinlicher ist, dass nach Inbetriebnahme der Pipeline die CO-Produktionsanlage in Krefeld geschlossen wird und Arbeitsplätze wegfallen. Denn in Krefeld setzt BAYER für die Kohlenmonoxid-Produktion bislang eine veraltete, energieintensive Technik ein. Im November 2006 musste die Anlage nach einem Brand gar wochenlang stillgelegt werden.
Wie wenig dem Arbeitsplatz-Argument zu trauen ist, beweist auch die Ankündigung von BAYER MATERIAL SCIENCE, dem Auftraggeber der Pipeline, trotz eines Rekord-Gewinns im vergangenen Jahr ein Zehntel der Belegschaft wegzurationalisieren. Weltweit sollen 1.500 Arbeitsplätze vernichtet werden.
Nach Ansicht der Coordination gegen BAYER-Gefahren und anderer Initiativen existiert keine Rechtsgrundlage für das Projekt. Die Enteignungen und die Gefährdung der Bevölkerung sind durch höhere Gewinne für BAYER nicht zu rechtfertigen. Der Bau der Pipeline wäre zudem ein gefährlicher Präzedenzfall - künftig könnten sich andere Firmen auf die Genehmigung von BAYER berufen. Ich fordere daher einen sofortigen Stopp der Bauarbeiten und der Enteignungsverfahren. Die noch ausstehende Betriebsgenehmigung darf nicht erteilt werden.
Die Rechtsauffassung der Pipeline-Kritiker wurde Mitte Dezember vom Oberverwaltungsgericht Münster bestätigt. Das OVG hat einen Betrieb der Pipeline untersagt. Die OVG-Richter urteilten, in dem Enteignungsgesetz werde nicht erklärt, inwiefern die Allgemeinheit vom Privatinteresse des BAYER-Konzerns profitiere. Die Entscheidung des Gerichts kann bis zur Entscheidung in der Hauptverhandlung nicht angefochten werden, der Prozess wird sich voraussichtlich über mehrere Jahre hinziehen.
Trotz des eindeutigen Votums des OVG und trotz weitverbreiterter Sorgen in der Bevölkerung weigert sich der Konzern, den Bau der Pipeline einzustellen. Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung und soll daher nicht entlastet werden.

Um Mitteilung dieses Gegenantrags sowie der Begründung darf ich gemäß §§ 125, 126 AktG bitten.

Axel Köhler-Schnura
Vorstandsmitglied Coordination gegen BAYER-Gefahren

Brunsbüttel

CBG Redaktion

Die Dithmarscher Landeszeitung berichtet in der Ausgabe vom 17. März 2008 über den Protest gegen die im Bayer-Werk Brunsbüttel geplanten Kohle- und Müll-Kraftwerke

„Wie viel Dreck müssen wir noch ertragen?“

300 Bürger demonstrieren gegen Kohle- und Müllheizkraftwerke sowie Giftmüllverbrennung

Brunsbüttel – „Lauter, auch der Bürgermeister soll uns hören.“ Erst als Protest-Barde Martin Storm die 300 auf dem Gustav-Meyer-Platz derart anfeuert, stimmen ein paar von ihnen mit in seinen Refrain ein: „Kein Giftmüll hier – noch anderswo – denn hier stehn wir – die das nicht wollen.“
Es war ein ruhiger Protestzug, der sich am Sonnabend zur Mittagszeit durch die Schleusenstadt schlängelte. Dennoch war die Botschaft der Demonstrations-Teilnehmer, die teilweise auch von der anderen Seite der Elbe kamen, deutlich – und ihre Frage unmissverständlich: „Wie viel Dreck müssen wir noch ertragen?“
Bürgermeister Wilfried Hansen war erwartungsgemäß nicht dem Aufruf der Wählerinitiative für reelle Politik (WIR) gefolgt, die gemeinsam mit der Bürgerinitiative für Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe, dem Verein für Umweltschutz in Brunsbüttel und in der Wilstermarsch, dem BUND Schleswig-Holstein, dem NABU Steinburg sowie den Grünen zur großen Demonstration gegen Kohlekraftwerke, Müllheizkraftwerk und Giftmüllverbrennung aufgerufen hatte. Auch WIR-Vorsitzender Dr. Kai Schwonberg hatte nicht mit dem Erscheinen des Verwaltungschefs gerechnet. „Schließlich erzählt Herr Hansen potenziellen Investoren immer, sie könnten gerne hier her kommen, denn hier gebe es nur ein paar Leute, die gegen solche Kraftwerke sind“, ruft Schwonberg den 300 Demonstrierenden zu, die dies mit Pfiffen quittieren.
Dass dem eben nicht so ist und Brunsbüttel sehr wohl Front macht gegen Verbrennung von australischem Giftmüll und die diversen Ansiedlungsvorhaben, dazu sollte die Demo ein Signal nach außen senden. „Nur wenn wir weiterhin Widerstand leisten, können wir eventuell noch etwas verhindern.“ Wachsamkeit sei geboten, das Unternehmen Electrabel stehe schließlich mit dem Kraftwerksbau in den Startlöchern.
Aus Kiel kam der Grünen-Fraktionsvorsitzende Karl-Martin Hentschel in die Schleusenstadt, um gleich mit einer Reihe von „Lügen“ aufzuräumen, wie er erklärte – zum Beispiel mit der, dass regenerative Energien den Verbraucher weit teurer zu stehen kommen als Energien aus fossilen Brennstoffen. Genau das Gegenteil sei der Fall: Kohle, Öl, Gas, Atomstrom – alles werde von Jahr zu Jahr teurer. Die Kraftwerke, die jetzt gebaut werden, stünden die nächsten 50 Jahre – und lieferten entsprechend stetig teurer werdende Energie. Regenerative Energien derweil würden immer günstiger werden. Auch das Arbeitsplatz-Argument will Hentschel nicht gelten lassen. Schon jetzt seien in der Windenergie-Industrie im Land mehr Arbeitnehmer in Lohn und Brot als bei Kohle und Kernkraft.
Hentschel kündigte an, im April im Landtag einen Antrag zu stellen, aus dem Optionsvertrag für Kohlekraftwerke auszusteigen. Unterstützung erhofft er sich dabei nicht nur vom SSW, sondern auch von der SPD, bei der er entsprechende Signale bereits vernommen habe. Die Protestler ermunterte Hentschel, nicht nachzulassen. „Wir sind heute nur ein paar hundert, aber wir werden mehr.“ Immerhin sei man heute schon so weit, dass die Klimafrage weltweit diskutiert wird. „Ich glaube, wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo die Debatte kippt.“ Von Michael Behrendt

14. März 2008, Wilstersche Zeitung

„Mehrheit ist gegen Kraftwerke“

Wilster - Sie kämpfen gegen die geplanten Kohle- und Industrieheizkraftwerke im Wirtschaftsraum Brunsbüttel und sind sich in einem grundsätzlichen Aspekt einig: „Die Mehrheit der Bevölkerung in der Wilstermarsch will diese Kraftwerke nicht!“ Das unterstrichen Dr. Karsten Hinrichsen aus Brokdorf, Stephan Klose aus Wewelsfleth und Werner Zeiss aus Heiligenstedten in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Die führenden Mitglieder der Bürgerinitiative Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe rufen deshalb auch die Bevölkerung der Wilstermarsch auf, sich an einer Demonstration in Brunsbüttel zu beteiligen. Sie beginnt am morgigen Sonnabend um 12 Uhr auf dem Brunsbütteler Marktplatz.

„Mit jedem neuen Kohlekraftwerk verschlechtern wir unsere CO2-Bilanz“, warnt Stephan Klose. Der 56 Jahre alte Grafiker sieht es als problematisch an, hier eine Technik einzusetzen, für die man keine Garantie übernehmen könne. Dr. Hinrichsen dazu: „Das ist katastrophal!“ Nach Auffassung des 65 Jahre alten Meteorologen aus Brokdorf sei die Kohlendioxid-Abtrennung genauso problematisch wie ein Atom-Endlager. Die auf dem Meeresgrund abgelagerten CO2-Kavernen könnten zu lebensgefährlichen Gasblasen aufschwimmen. Wenn dann CO2 ausströme, gebe es für die Menschen kein Entrinnen. Hinrichsen: „Sie ersticken einfach.“

Kein Vertrauen haben Hinrichsen, Klose und Zeiss in die Politik. Die Zusage von Minister Austermann, sich für die besten Filter bei den Kohlekraftwerken einzusetzen, sei bisher nicht mehr als heiße Luft. Auch die Forderung von MdL Hans-Jörn Arp nach besten Filtern beim Heizkraftwerk habe nichts gebracht. Das Staatliche Umweltamt könne hier keine Auflagen festsetzen, hieß es. Und Arp soll hinzugefügt haben: „Da kann man eben nichts machen.“

Werner Zeiss kann nicht verstehen, dass Minister Austermann den Widerstand der Wilstermarsch-Bevölkerung in keiner Weise politisch wahrnehme. Der 57-Jährige, der in einer Naturheilpraxis in der Lebens- und Familienberatung tätig ist, bringt es auf den Punkt: „Wir werden zu einem Stromexporteur mit einem Profit, für den die Bürger die Last zu tragen haben.“

Im Zusammenhang mit den Kraftwerksplanungen gehen „Hinrichsen & Co.“ von einer erheblichen Verkehrs-Mehrbelastung aus. Sie werde sich zur Hälfte auf die alte B5 bis St. Margarethen und weiter über Brokdorf zur künftigen A20 und zur anderen Hälfte auf die neue B5 verteilen. Auch deren dreispuriger Ausbau werde zu Lasten der hier lebenden Menschen gehen, warnte Hinrichsen.

Als unverantwortlich bezeichnete er die Konzentration von Kraftwerken auf engem Raum. Die Abgasfahnen würden zusammentreffen, miteinander verwirbeln und teilweise in unmittelbarer Nähe niederschlagen. „Die Planung wird zum Todesstoß für die bäuerliche Struktur in der Wilstermarsch werden“, prophezeit Hinrichsen.

[Protest Pipeline] CO-Pipeline

CBG Redaktion

14.03.2008, Rheinische Post

Erkrath: Fackeln gegen CO-Leitung

Über 500 Menschen nahmen gestern abend an einer Demonstration durch die Erkrather Innenstadt teil. Sie errichteten an der Hochdahler Straße eine zweite Mahnwache mit 420 Holzkreuzen.

Der Fackelzug mit Protestlern gegen die Bayer-CO-Pipeline, der sich gestern abend vom Erkrather Rathaus durch die Fußgängerzone über die Kreuzstraße Richtung Hochdahl schob, wurde immer länger. Zwischen 500 und 600 Teilnehmer waren nach Schätzungen der Polizei mit Transparenten und Fackeln unterwegs, darunter Ratspolitiker aus allen Fraktionen. Ziel war jene Stelle oberhalb der Autobahn an der Hochdahler Straße, an der die Giftgasleitung städtischen Boden erreicht. Dort wurde eine Mahnwache mit 420 Holzkreuzen errichtet – die zweite in Erkrath.
Seit Sommer 2006 gibt es organisierte Proteste gegen den Bau der etwa 67 Kilometer langen Leitung, die der Bayer-Konzern zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen baut und durch die hochgiftiges Kohlenmonoxid geschickt werden soll. Vor dem Oberverwaltungsgericht Münster haben Privatleute und betroffene Kommunen einen Teilerfolg erzielt: die Leitung darf weiter gebaut, nicht aber in Betrieb genommen werden. Der Druck auf die Landespolitiker war bisher ohne Erfolg. Das Enteignungsgesetz, wie von den Grünen beantragt, wurde nicht zurückgenommen.

Gäste von Monheim bis Duisburg
Wolfgang Cüppers, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Erkrath und Organisator des Demonstrationszuges, war mit Ablauf und Erfolg zufrieden. Dem Aufruf waren enttäuschte und erzürnte Bürger zwischen Monheim und Duisburg-Ungelsheim gefolgt. Auf einem gelben Transparent wurde der „Baustopp der Bayer-Giftgas-Pipeline“ gefordert und auf die farblose, geruchslose und giftige Gefahr hingewiesen. Im Zug der Demonstranten lief symbolisch auch „Der Tod“ mit. Auf dem von einem Traktor gezogenen Wagen, den ein betroffener Landwirt aus Monheim zur Verfügung gestellt hatte, wurden immer wieder Passagen aus dem Anti-Pipeline-Lied eingespielt. Unterwegs skandierten die Fackelträger vorbereitete Sprüche wie „Und was machen wir 2010: Ja, dann muss der Rüttgers gehen.“
Bürgermeister Arno Werner dankte den vielen Menschen für ihren engagierten Protest und betonte, die Stadt Erkrath und der Rat seien geschlossen gegen die Pipeline, hätten schon im Planverfahren Ende 2005 Einwände vorgebracht. Er bedauerte, dass die Landespolitiker nicht dem Beispiel der Grünen gefolgt sind und meinte, „die Prozess-Schiene sei deutlich erfolgreicher als die politische.“ Siegfried S. Baecker (FDP) rief zum Boykott gegen Bayer-Produkte auf. Er äußerte Unverständnis, dass CO nicht dort produziert werde, wo es gebraucht wird. VON MONIKA SPANIER

NRZ, 13.03.2008

Feuerschlange gegen das „Monster“

DANIEL NEUKIRCHEN

DEMONSTRATION. CO-Gegner machten gestern einen Fackelzug durch Erkrath. Anti-Pipeline-Songs dröhnten durch die Straßen.
ERKRATH. Der Tod marschierte mit. Zumindest in Form eines rund drei Meter hohen Abbildes des Sensemanns. Holzkreuze, Grabkerzen, Fackeln und wütende Parolen - so zogen Pipeline-Gegner aus zahlreichen Städten entlang der Bayer-Trasse durch Erkrath. Pressekoordinator der Bau-Stopp-Initiative Dieter Donner skandierte Sätze wie: „Wir knicken nicht ein - aber die Pipline “ oder einfach „Baustopp! Rüttgers!“. Die Bürger machten mit, die Texte bekamen sie vorher ausgeteilt. Eine Frau in der Menge keuchte schon am Anfang der Aktion: „Morgen bin ich heiser.“

Zweite Dauermahnwache in Erkrath errichtet
Eine schaurige Atmosphere erzeugte der rund 500 Meter lange Lichterzug, der mit brennenden Fackeln am Rathaus startete, von dort aus durch die Fußgängerzone führte und schließlich an der Hochdahler Straße endete. Hier errichteten die Demonstranten eine zweite Dauermahnwache für Erkrath. Die erste existiert an der Max-Planck-Straße. „Wir werden in jeder der betroffenen Städte mindestens zwei solcher Stellen einrichten“, versprach Donner und kündigte damit weitere Lichterzüge an. Das Ziel sei es, gerade jetzt nach dem ersten Erfolg, (siehe Infobox) das Thema Pipeline nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Wir müssen das Bewusstsein aufrecht erhalten. Sonst gibt es später im Verfahren Tricks, die die Bürger nicht mehr mitbekommen.“
Über mangelndes Publikum konnten sich die Anti-Giftgas-Kämpfer nicht beschweren. Hartmut Boebers ist Gegner aus Duisburg und rückte mit selbstgebastelter Kollage am Kreuz an. „Die Initiativen unterstützen sich gegenseitig. Wir sind gut vernetzt“, erzählt er.
Die Grums aus Hilden machten die Pipeline-Demo zum Familienausflug. Jeder hatte ein Kreuz aufgeschultert und kam so zum Fackelzug. Auch die fünfjährige Daniella hatte fleißig mitgebastelt. Petra Grum: „Wir leben 40 Meter von der Trasse entfernt.“
Die friedliche Menge, die von zwei Polizisten und 15 Ordnern begleitet wurde, hatte auch die passende Musik parat. Jörg Owsionowski komponierte bereits vier Songs zum Thema. Der neuste heißt „Das Monster“ und sorgte für Lagerfeueratmosphäre unter den Demonstranten. Der Interpret zu den Liedern: „Die Texte schrieb die Realität.“

Störfälle

CBG Redaktion

n-TV, 12. März 2008

23 Verletzte: Ammoniak-Unfall bei Bayer

Giftiges Ammoniak ist auf dem Gelände des Chemieunternehmens Bayer in Wuppertal ausgetreten und hat 23 Menschen verletzt. Wie die Feuerwehr mitteilte, mussten die betroffenen Bayer-Beschäftigten und Stadtwerke-Mitarbeiter vorübergehend in ärztliche Behandlung, unter anderem mit Atemwegreizungen. Sie hätten den Giftstoff berührt oder eingeatmet, hieß es.
Am Morgen waren die Behörden noch von 14 Verletzten ausgegangen. Vor rund einem Jahrzehnt hatte ein Störfall bei Bayer in Wuppertal bundesweit Schlagzeilen gemacht: Durch eine Explosion und ein Feuer waren im Juni 1999 mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Undichte Leitung
Sturmtief „Kirsten“ trug dazu bei, dass sich der Giftstoff verhältnismäßig schnell verflüchtigte. „Die Wetterlage hat uns in die Hände gespielt“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Sicherheitshalber war der Verkehr der Schwebebahn kurzzeitig eingestellt worden. Nach rund vierstündigen Reparaturarbeiten hatte sich die Lage wieder völlig normalisiert. Luftmessungen hätten keine bedenklichen Ammoniakkonzentrationen mehr ergeben, teilte Bayer mit. Etwa 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz.Bei Reparaturarbeiten war das Gas aus einer undichten Leitung entwichen. Der Schieber der defekten Anlage konnte laut Feuerwehr bereits nach einer halben Stunde geschlossen werden. Die Ammoniakwolke sei dann mit Wassernebel eingedämmt worden, hieß es.

Die Feuerwehr hatte die Bevölkerung gewarnt, sich nicht im Freien aufzuhalten. Mehrere Löschzüge und Spezialfahrzeuge für Chemieunfälle waren im Einsatz. Ammoniak ist ein giftiges, stechend riechendes Gas, das Augen und Atemwege reizen kann.

=> Eine Auflistung von Störfällen bei BAYER
=> Aktueller Brief an Umweltminister Gabriel: „Störfall-Informationen offen legen!“

[CSR] Unternehmensverantwortung

CBG Redaktion

Diskussionsveranstaltung „Umweltschutz – Menschenrechte – soziale Standards: Wie sieht es aus mit der Unternehmensverantwortung?“

Datum: Dienstag, 11. März 2008, 20.00 bis 22.00 Uhr
Melanchthon Akademie, Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln

Referenten:
Dr. Hans-Peter Meurer, RWE
Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)

Moderation: Markus Dufner
Dritte Welt JournalistInnen Netz - Regionalgruppe Köln/Bonn

Das Thema:
Der Zweck von Unternehmen ist es, gute Gewinne zu machen und den Shareholder Value zu steigern. So sehen es zumindest viele Manager und Aktionäre. Oft erfolgt diese Profitmaximierung auf Kosten von Mensch und Umwelt – hierzulande aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Viele Unternehmen, darunter auch deutsche, bauen in der sog. Zweiten und Dritten Welt Rohstoffe ab, sind auf dem Energiemarkt tätig und lassen dort ihre Produkte fertigen, weil Löhne und Umweltstandards niedriger sind als bei uns und Arbeitnehmerrechte unterlaufen werden.
Die in dem 2006 gegründeten Netzwerk CorA (Corporate Accountability) zusammengeschlossenen zivilgesellschaftlichen Organisationen wollen Unternehmen, die ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt nicht nachkommen, zur Rechenschaft ziehen.
RWE als einer der weltweit größten Energieversorger nimmt nach eigener Darstellung seine Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft ernst und arbeitet in Organisationen für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit mit. Trotzdem ist RWE wegen des geplanten Baus neuer Kohlekraftwerke und der Übernahme kommunaler Wasserversorger, u.a. in China, Indien, Indonesien und Thailand, in die Kritik geraten.

Veranstalter: Dritte Welt JournalistInnen Netz (DWJN) / Melanchthon Akademie Köln

[La Capital] Lipobay

CBG Redaktion

La Capital (Argentinien), 26. Oktober 2007 (Übersetzung ohne Gewähr)

Bayer muss für Schäden aufkommen, die durch das Medikament Lipobay verursacht wurden

So lautet das Urteil, das erstmals einem Lipobay-Geschädigten Schadensersatz zuerkennt. Der Patient aus Rosario leidet an Nierenversagen und wäre beinahe an den Nebenwirkungen von Lipobay gestorben. Bayer muss ihn mit 160.000 Peso (rund 35.000 Euro) entschädigen.

In dem Präzedenzfall verurteilte das argentinische Zivil- und Handelsgericht Nr. 2 in Rosario, Bayer für die Verbreitung des cholesterinsenkenden Mittels Lipobay. Durch dieses Mittel befand sich ein Bürger aus Rosario anfangs August am Rande des Todes.

Der Gerichtsentscheid bezieht sich dabei nur auf diesen Fall. Das fragwürdige Pharmaprodukt mit dem Hauptwirkstoff Cerivastatin wurde in Argentinien zur Senkung des Cholesterinspiegels verkauft, erzeugte jedoch schwere Nebenwirkungen. Im Jahre 2000 litten Hunderte von Patienten auf der ganzen Welt an den Folgeerscheinungen durch die Einnahme von Lipobay. Bayer nahm das Medikament im August 2001 vom Markt.

Wie viele andere Patienten litt auch Carlos Potocnik aus Rosario unter Nebenwirkungen wie Rhabdomyolyse (eine Krankheit, die zum Zerfall von Muskelgewebe führt) und chronisches Nierenversagen, woran er fast gestorben wäre.

Die Anklage
Im Juni 2002 begann Carlos Potocnik den Prozess gegen Bayer und seine verantwortlichen Repräsentanten in Argentinien. Er forderte eine Entschädigung von 571.200 Pesos Schmerzensgeld für körperliche und seelische Schäden, für die durch die Krankheit bedingte Unterbrechung seiner beruflichen Laufbahn und Möglichkeiten sowie für die Behandlungskosten.

Der Pharmakonzern wies die Klage zunächst zurück und versuchte die Tatsachen durch technische Belege zu leugnen. Bayer versuchte den Zusammenhang von Lipobay und Cervivastin und dessen Wirkung bei Herzkrankheiten hervorzuheben. Außerdem wiesen sie auf die unterschiedlichen Darreichungsformen und Gegenanzeigen mit anderen Medikamenten hin. In diesem Zusammenhang gestand das Labor ein, dass Lipobay in Kombination mit Gemfibrozil oder in seiner höchsten Dosis von 0,8 Milligramm verabreicht, wie sie Potocnik verschrieben wurde, zu Rhabdomyolyse führen kann.

Bayer betonte, dass das Medikament und die Packungsbeilage, mit den Nebenwirkungen und Gegenanzeigen, von der argentinischen Gesundheitsbehörde (Anmat. – Administración Nacional de Medicamentos, Alimientos y Tecnología Médica) abgesegnet wurde. Der Konzern versuchte damit seine Verantwortung auf die genannte Institution und die verschreibenden Ärzte abzuwälzen.

Das Urteil
Nach einem Prozess, in dem Gutachten, Beweise und Zeugenaussagen einbezogen wurden, kam das Gericht unter der Richterin Sylvia Aramberri zu einem in Argentinien ungewöhnlichen Urteil.

Nach eingehender Prüfung der Beweise gelangte das Gericht zu dem Schluss, dass die Rhabdomyolyse und das Nierenversagen auf die Einnahme von Cervistatin, der Wirkstoff von Lipobay, zurückzuführen sind. Die Richterin verwies darauf, dass dem Hersteller die Nebenwirkungen bekannt waren, diese jedoch in Kauf genommen und das Medikament trotzdem auf den Markt gebracht wurde.

Ausschlaggebend waren auch die Aussagen erfahrener Ärzte, nach denen sich die Leiden des Patienten eindeutig auf das cholesterinsenkende Mittel zurückfühen lassen. Auch die behandelnden Ärzte sahen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Medikaments und den gesundheitlichen und psychischen Schäden, durch die eine Behinderung von 15 % bleibt.

Die Richterin sah das Gesundheitsrisiko für den Patienten als bestätigt an. Zudem zog sie die Anwendung der Richtlinien des Nationalgesetztes 24.240 in Erwägung, die besagt, dass Dienstleistungen und Produkte nur verbreitet werden dürfen, wenn ihre Wirkungsweise absehbar und sie keine Gefährdung für die Gesundheit oder das körperliche Wohlbefinden der Verbraucher darstellen. Und kam zu dem Entschluss, dass Bayer die Richtlinien des Gesetztes nicht erfüllt hat.

Schluss endlich verurteilte das Landesgericht den Konzern Bayer und den mit angeklagten Rubén Darío González, Verantwortlicher für Bayer Argentinien, zur Zahlung von 50 tausend Pesos Schmerzensgeld, 10 tausend Peso für Behandlungskosten und 100 tausend für den beruflichen Ausfall und Wegfall der weiteren Karrierechancen. Insgesamt muss der deutsche Konzern 160 tausend Pesos zur Wiedergutmachung der erlittenen Schäden an Potocnik entrichten.