Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000”
Wir fordern eine Beteiligung der Firmen MONSANTO und BAYER an den Sanierungskosten PCB-vergifteter Gebäude!
die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat heute eine Verringerung der Grenzwerte von Imidacloprid vorgeschlagen. Die CBG fordert seit den 90er Jahren ein Verbot des Wirkstoffs wegen seiner hohen Umweltrisiken.
Pressemitteilung vom 17 Dezember 2013
EFSA bewertet möglichen Zusammenhang zwischen zwei Neonikotinoiden und Entwicklungsneurotoxizität
Zwei Neonikotinoid-Insektizide – Acetamiprid und Imidacloprid – können sich unter Umständen auf das in Entwicklung begriffene menschliche Nervensystem auswirken, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Sachverständige der Behörde schlagen vor, einige der Richtwerte für eine annehmbare Exposition gegenüber den beiden Neonikotinoiden zu senken, während weitere Forschungen unternommen werden, um zuverlässigere Daten zur sogenannten Entwicklungsneurotoxizität (developmental neurotoxicity – DNT) zu gewinnen. Das Gremium der EFSA für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR-Gremium) fordert eine Festlegung von Kriterien auf EU-Ebene, um die verpflichtende Vorlage von DNT-Studien im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pestizide zu bewirken. Dies könnte die Entwicklung einer umfassenden Prüfstrategie für die Bewertung des DNT-Potentials von Substanzen, einschließlich aller Neonikotinoide, umfassen.
Die EFSA war von der Europäischen Kommission ersucht worden, ein wissenschaftliches Gutachten zu erstellen und dabei die jüngste Forschungsergebnisse von Kimura-Kuroda (1) sowie vorliegende Daten zum Potential von Acetamiprid und Imidacloprid zu berücksichtigen, das in Entwicklung begriffene menschliche Nervensystem, insbesondere das Hirn, zu schädigen.
Das PPR-Gremium befand, dass Acetamiprid und Imidacloprid unter Umständen die Entwicklung von Neuronen und Hirnstrukturen, die etwa mit der Lern- und Gedächtnisfunktion in Verbindung stehen, beeinträchtigen können. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass einige der aktuellen Richtwerte für eine annehmbare Exposition gegenüber Acetamiprid und Imidacloprid möglicherweise zu hoch sind, um im Hinblick auf Entwicklungsneurotoxizität ausreichend Schutz zu gewährleisten, und daher herabgesetzt werden sollten. Bei diesen sogenannten toxikologischen Referenzwerten handelt es sich um klare Vorgaben bezüglich der Menge einer Substanz, der Verbraucher ohne nennenswertes Gesundheitsrisiko kurz- und langfristig ausgesetzt werden können. Hierzu zählen zum Beispiel die akute Referenzdosis (ARfD), die zulässige Tagesdosis (ADI) und die annehmbare Anwenderexposition (AOEL).
Ausgehend von ihrer Auswertung der vorliegenden Informationen schlägt die EFSA Änderungen der folgenden toxikologischen Referenzwerte für Acetamiprid und Imidacloprid vor:
• Für Acetamiprid sollten der derzeitige ADI-Wert und AOEL-Wert von 0,07 mg/kg Körpergewicht pro Tag und der ARfD-Wert von 0,1 mg/kg Körpergewicht auf 0,025 mg/kg Körpergewicht (pro Tag) gesenkt werden.
• Für Imidacloprid sollten der derzeitige AOEL-Wert und ARfD-Wert von 0,08 mg/kg Körpergewicht pro Tag auf 0,06 mg/kg Körpergewicht pro Tag gesenkt werden. Der derzeitige ADI-Wert für Imidacloprid wird als angemessen erachtet, um Schutz im Hinblick auf mögliche entwicklungsneurotoxische Auswirkungen zu gewährleisten.
Die EFSA ist sich der eingeschränkten Aussagekraft der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bewusst und empfiehlt die Durchführung weiterer Forschungsarbeiten zur Gewinnung zuverlässigerer Daten. Dessen ungeachtet war das PPR-Gremium der Meinung, dass die bei der Auswertung der vorliegenden Daten aufgeworfenen Gesundheitsbedenken berechtigt seien. Die EFSA unterstützt daher die Festlegung eindeutiger und konsistenter Kriterien, um die verpflichtende Vorlage von DNT-Studien im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pestizide in der EU zu bewirken. Dies könnte die Entwicklung einer integrierten DNT-Prüfstrategie umfassen, die einem stufenweisen Ansatz folgt. Hierbei würden zunächst Labortests mit Zellen (sogenannte In-vitro-Tests) eingesetzt und, falls die ersten Ergebnisse bezüglich des DNT-Potentials einer Substanz besorgniserregend sind, in einem weiteren Schritt Tierversuche (In-vivo-Tests) mit einbezogen. Das PPR-Gremium empfiehlt, dass im Rahmen einer solchen Prüfstrategie alle Neonikotinoid-Substanzen einer Bewertung unterzogen werden.
• FAQs on developmental neurotoxicity potential of acetamiprid and imidacloprid
• Scientific Opinion on the developmental neurotoxicity potential of acetamiprid and imidacloprid
Hinweise für die Redaktion:
Wissenschaftler haben eine Reihe toxikologischer Referenzwerte entwickelt, die als Richtwerte bei der Festlegung annehmbarer Expositionsniveaus gegenüber bestimmten Substanzen in Lebensmitteln dienen. Ausgedrückt werden diese Richtwerte in Bezug auf das Körpergewicht – in der Regel in Milligramm (der Substanz) pro Kilogramm Körpergewicht – und pro Tag, im Fall wiederholter Exposition.
• Die akute Referenzdosis (ARfD) ist die geschätzte Menge einer Substanz, die kurzfristig – üblicherweise im Verlauf eines Tages – ohne nennenswertes Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann.
• Die zulässige Tagesdosis (ADI) ist die Menge einer spezifischen Substanz in Lebensmitteln oder im Trinkwasser, die ein Leben lang ohne nennenswertes Gesundheitsrisiko täglich aufgenommen werden kann.
• Die annehmbare Anwenderexposition (AOEL) ist die maximale Menge eines Wirkstoffs, der „Anwender“ über alle Expositionspfade ausgesetzt sein können, ohne dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt.
(1) Kimura-Kuroda J, Komuta Y, Kuroda Y, Hayashi Kawano H. Nicotine-like effects of the neonicotinoid insecticides acetamiprid and imidacloprid on cerebellar neurons from neonatal rats. PloS ONE 2012; 7
http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0032432
(2): e32432. doi: 10.1371/journal.pone.0032432
Alle Ausgaben von 1983 bis 1996 als pdf-Dateien. Wir danken der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt (Berlin) für die Hilfe bei der Digitalisierung.
Sonderheft 1995 zum 50. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz (nicht vorhanden)
Sonderheft 1993 zu Chromvergiftungen in Südafrika (nicht vorhanden)
Sonderheft 1992 zu Arbeitsbedingungen in Peru (nicht vorhanden)
Sonderheft 1991 zur BAYER-Hauptversammlung (nicht vorhanden)
Sonderheft 1990 zu Bayer do Brasil (nicht vorhanden)
Sonderheft 1987 zum Prozess gegen die CBG (nicht vorhanden)
Zum 30. Geburtstag von Stichwort BAYER im Dezember 2013 haben wir alle dreißig Jahrgänge des Magazins digitalisiert und online gestellt.
ARCHIV: STICHWORT BAYER 1/1997 bis 2/2004
ARCHIV: STICHWORT BAYER 1/1983 bis 4/1996
Wir danken der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt (Berlin) für die Unterstützung
Markteinführung von Xarelto
Erfahrungsbericht einer Internistin
Seit 2 Jahren wird von der kardiologischen und der neurologischen Abteilung des hiesigen Klinikums jeder (!) Patient bei Neueinstellungen mit Xarelto entlassen. Auch gut eingestellte Marcumarpatienten werden auf Xarelto umgesetzt. Den Patienten wird mitgeteilt, daß es jetzt etwas besseres als Marcumar gibt, außerdem seien keine Kontrollen mehr nötig. Mit den Entlassungspapieren stellt sich die Patienten dann in der Hausarztpraxis vor. Ich werde von 2 Chefärzten persönlich unter Druck gesetzt, Xarelto anstatt Marcumar zu verordnen. Ein Patient ist an Magenblutung in der Vergangenheit verstorben, 7 von 10 Xareltopatienten hatten Blutungskomplikationen, so dass ich das Medikament nicht mehr verwenden möchte.
Über die Patienten wird jedoch ein immenser Druck ausgeübt. Ich bin gezwungen mich von den Patienten zu trennen oder wunschgemäß zu verordnen. Hier findet eine unerträgliche Einflußnahme statt! Nur mit viel Überzeugungsarbeit und Schilderung der erlebten Blutungsfälle und dem Todesfall gelingt es mir oft die Patienten dann doch gemäß der Leitlinien wieder auf Marcumar umzustellen. Das Arneimittelbudget läßt im Übrigen auch keinen häufigen Einsatz von Xarelto zu.
Es handelt sich um ein Massenphänomen und in der Kleinstadt spricht sich schnell herum, welcher Arzt das „tolle“ neue Medikament verschreibt und wer nicht. Es kam also auch hier schon zum Arztwechsel. Eine Patientin, die schon einmal von Marcumar auf Xarelto in der Klinik umgestellt wurde und zu Hause wieder mühelos mit Marcumar behandelt wurde, wurde jetzt zum zweiten Mal ohne Grund wieder auf Xarelto eingestellt. Die Argumente entsprachen dem Herunterbeten der Zulassungsstudie für Nicht-valvuläres Vorhoffflimmern (die wohl lukrativste Diagnose, weil am häufigsten vorkommend und lebenslange Behandlung erfordernd). Die Schwächen dieser Studie wurden hinreichend vom Bundesamt und Deutschen Ärzteblatt erläutert: Manipulierte Datengewinnung, wirtschaftliche Interessen der Leitlinienautoren, im Falle von Xarelto sogar die Unterschlagung zweier verstorbener Probanden, so dass das FDA eingreifen mußte. Der Abstand zur Kriminalität ist dann letzten Falles nicht mehr erkennbar.
Die besagte Patientin gehört zu den bekannten Persönlichkeiten dieser Stadt. Das Xarelto wird hier wie der Mercedes der Antikoagulantien gehandelt. Die am eigenen Patientengut beobachteten Komplikationen sind für mich aber signifikant: sieben von zehn (!) Xareltopatienten hatten in der Beobachtungszeit von 18 Monaten eine Blutung, in einem Fall tödlich. Hingegen gab es bei 84 Marcumarpatienten in einem Zeitraum von 60 Monaten fast keine Komplikationen (1x Apoplex bei Unterdosierung mit Todesfolge und 1x Hirnblutung mit OP nach Sturz auf den Hinterkopf überlebt; beide ca. 90 Jahre alt). Dennoch heißt es, ich sei der einzige Arzt in der Stadt, der solche Blutungen beobachten würde - ein Totschlagargument. Ich bilde mir natürlich nicht ein, was ich mit eigenen Augen gesehen habe und dokumentiert habe.
Mein bisheriges Fazit: die Niereninsuffizienz läßt sich bei immobilen Geriatriepatienten nicht zuverlässig einschätzen, deshalb sind die sogenannten „fragilen“ Patienten eben im Gegensatz zur Werbung nicht geeignet für dieses Medikament. Diese Patientengruppe war auch explizit aus der Zulassungsstudie ausgeschlossen. Die Blutungen sind allesamt diffus sowohl gastrointestinal, an der Haut und in den Harnwegen ohne Nachweis von klassischen Blutungsquellen. D.h. es handelt sich durchwegs um Überdosierungen. Dieses zu beweisen steht nicht in meiner Macht, aber ich werde eine kleine Studie herstellen und veröffentlichen.
Diese Anmerkungen dürfen sie gerne publizieren, jedoch bitte anonym zum Schutz der Patienten. Ich wette, in anderen Städten läuft es ähnlich.
Welchen Gegenwind aktive Umweltschützer zu erwarten haben, kann man am Beispiel der Coordination gegen BAYER-Gefahren ermessen, deren Mitglieder seit Jahren mit aufrüttelnden Berichten und mutigen Aktionen bei Aktionärsversammlungen auf die weltweite chemische Vergiftung der Umwelt durch BAYER aufmerksam machen.
Dr. Anita Schwaier, Toxikologin
alle „Testimonials“
Pharma-Brief der BUKO Pharma-Kampagne, Nr. 6, August 2013
Blutige Geschichte
Dokumente zu HIV-Infektionen durch Cutter-Produkte
Zu Beginn der 1980er Jahre wurde AIDS erstmals beschrieben. Relativ schnell wurde klar, dass die Krankheit auch durch Blutprodukte übertragen wird. Die Bayer-Tochter Cutter versuchte zunächst, die Risiken zu verharmlosen. Trotz Kenntnis der verheerenden Folgen verkaufte sie vor allem in Entwicklungsländern den unsicheren Gerinnungsfaktor weiter. Jetzt – 30 Jahre später – sind eindeutige Belege endlich öffentlich zugänglich.
Insgesamt 58 Dokumente stellte das Drug Industry Document Archive (DIDA) der University of California ins Netz. Sie stammen aus 2008 erhobenen Sammelklagen von HIV-infizierten Bluterkranken gegen Cutter und andere Firmen in den USA. Die Kläger kamen aus Asien, Europa und den USA.
Menschen, die eine angeborene Störung der Blutgerinnung haben, sind oft lebenslang auf Arzneimittel aus Blutplasma (Faktor VIII oder IX) angewiesen.
Pharma-Kampagne warnte früh
Produkte aus menschlichem Blutplasma spielen in der Medizin eine wichtige Rolle. Kommerzielle Sammelsysteme und der internationale Handel mit Blut rückten jedoch erst angesichts des HIV-Risikos ins öffentliche Interesse. Dazu trug auch die Pharma-Kampagne bei. War doch der Blut-Handel eines der ersten Themen, mit dem sie sich intensiv auseinandersetzte. Dabei ging es auch um die unrühmliche Rolle von Cutter. Die Firma betrieb z. B. Plasma-Sammelstationen an der US-Grenze zu Mexiko und lockte so arme MexikanerInnen an. Viele Stationen in den USA befanden sich in Gebieten, wo Menschen unterhalb der Armutsgrenze lebten. Nicht nur die Ausnutzung von Notlagen kritisierte die Pharma-Kampagne, sie wies auch auf die gesundheitlichen Gefahren für die BlutplasmaspenderInnen und EmpfängerInnen von Blutprodukten hin. Gefordert wurde ein nicht-kommerzielles Sammelsystem, um die Risiken zu minimieren.(1)
Risiken waren bekannt
Das kommerzielle Sammeln von Blutplasma war nicht erst seit HIV/AIDS problematisch. Schon Jahre zuvor war deutlich geworden, dass Hepatitis B durch Blutprodukte übertragen werden kann und deshalb Spender, bei denen diese Erkrankung häufig ist, möglichst ausgeschlossen werden sollten.
Das kümmerte Cutter offensichtlich recht wenig. In den Gerichtsunterlagen findet sich ein Brief des Managers des Oakland Plasma Center, der seinem Vorgesetzten über eine Inspektion berichtete. Die Behörden beanstandeten, dass ehemalige Drogenabhängige spenden durften. Der Manager schrieb, das sei nach den Regeln von Cutter zulässig und außerdem bedeute ein Ausschluss, dass man viele SpenderInnen verlieren würde.(2)
Relativ früh war der Übertragungsweg von HIV erkannt. Es lag nahe, dass Maßnahmen, die eine Hepatitis B-Übertragung bei Gerinnungsfaktoren verhinderten, auch gegen HIV helfen würden.
Bereits im Januar 1982 schrieb J. Hjorth in einem internen Cutter-Memo: „Ein Hepatitis-sicherer Faktor IX der Behringwerke befindet sich in klinischen Studien in New York und Dr. Lou Aledort vom Mt. Sinai (Krankenhaus) stellt fest, dass es unethisch wäre, sobald dieses Produkt zugelassen ist, PatientInnen noch eine andere Therapie zu geben.“(3) Allerdings stand bei Cutter nicht die Sorge um die Sicherheit der Kranken im Vordergrund. Denn es heißt weiter: „Ich gebe diese Information weiter, weil wir offensichtlich harten Wettbewerb zu befürchten hätten, wenn Hyland und Behringwerke uns mit Faktor VIII und Faktor IX zu weit voraus wären. Ich wäre sehr an ihrer Einschätzung interessiert, wann wir frühestens Produkte haben, die mit diesen beiden Produkten konkurrieren können.“
Cutter hatte die Entwicklung verschlafen. Ein Jahr später, im Januar 1983, drängte Cutter Mitarbeiter M. Mazen mit Blick auf AIDS, sich mit der Zulassung von sicheren Gerinnungsfaktoren zu beeilen. „Auch ohne harte Daten ist es sicher logisch, dass ein hitzebehandeltes Produkt, ohne die klinische Wirksamkeit zu opfern, potenziell sicherer ist als ein unbehandeltes.“(4)
Beschwichtigen statt handeln
Im Mai 1983 veröffentlichte Cutter in den USA eine neue Ausgabe seiner PatientInnenzeitschrift Echo für Bluterkranke. Einziges Thema: AIDS. „Wir von Cutter möchten Sie wissen lassen, dass ihr Wohlergehen unsere erste Sorge ist. Wir tun alles was möglich ist, (...) Vorsichtsmaßnahmen umzusetzen, mit dem Ziel, das Risiko für Personen mit Hämophilie zu minimieren.“ (5)
Im Oktober 1983 wird bekannt, dass ein regelmäßiger Cutter-Blutspender an AIDS gestorben ist. Auch in der deutschen Bayer-Zentrale ist man beunruhigt. Der Cutter Öffentlichkeitsarbeiter versucht zu beruhigen.(6) Man habe angekündigt, alle Produkte, die Blut von dem Spender enthielten, zurückzurufen. Seines Wissens seien keine Produkte nach Deutschland geliefert worden. Außerdem werde die PR-Agentur Hill-Knowlton eingeschaltet.
Wenns ums Geld geht ...
1983 kursierte bei Cutter ein ausführliches Memo, das die Risiken von AIDS und die Sicherheit von Cutter-Produkten thematisierte und offensichtlich der Außenverteidigung dienen sollte. Allerdings steht dort auch, dass bisher alle Bluterkranken, bei denen ein „AIDS-ähnliches Syndrom“ diagnostiziert wurde, Gerinnungsfaktoren erhalten hatten.(7)
Ende 1983 hatte Cutter endlich ein hitzebehandeltes Produkt am Markt. Doch die Einführung verlief nur schleppend und das alte Produkt wurde weiter verkauft. Während in den Industrieländern – wegen des öffentlichen Drucks die Umstellung langsam voranging, sah das im Fernen Osten ganz anders aus. Cutters Marketingplan für die Region spricht da Bände. Während der Verkauf in Neuseeland wegen AIDS zusammenbrach, wurde in Asien munter das alte Produkt weiterverkauft. Begründung: „AIDS ist in Asien noch kein großes Thema. Vielleicht weil der Region so viele andere Gesundheitsgefahren größere Sorgen bereiten. Das Hepatitis-Risiko amerikanischer Konzentrate ist keine so große Sorge in einer Region, wo Hepatitis B so prävalent ist.“ „Wenn wir Bedarf für das hitzebehandelte Produkt im Fernen Osten sehen, werden wir rasch handeln. Andernfalls werden wir versuchen weiterhin die Märkte mit billigem Standard Koate und Knyne zu dominieren.“(8) Es ging nur ums Geld. Denn bereits 1984 hatte Cutter im Marketingplan festgestellt, ein Umtausch in sichere Produkte in Asien würde zwei Millionen US$ Verlust bedeuten, das mache man nicht.(9)
Komplizen der Industrie
Nicht nur die Hersteller von Blutprodukten handelten verantwortungslos. Auch die Aufsichtsbehörde FDA in den USA versagte. Das geht aus einem Cutter-Memo über ein Gespräch mit der FDA am 21. Dezember 1982 hervor. Damals war der Behörde die mangelnde Kontrolle Cutters, auf gesunde Spender zu achten, wohl doch zu viel geworden. Thema waren die Blutbanken an der mexikanischen Grenze und eine Sammelstelle mit einem hohen Anteil homosexueller Spender (die die höchste Rate von AIDS-Erkankungen aufwiesen). Dr. Donahue von der FDA verlangte von Cutter, wenigstens keine Spenden von Gefängnisinsassen mehr zu Gerinnungsfaktor zu verarbeiten. Dabei ging es ihm nach Ansicht von Cutter weniger darum, die Empfänger zu schützen als etwas gegen das in der Öffentlichkeit „gefühlte Risiko“ zu unternehmen.(10) Donahue bat um einen Brief von Cutter als „Munition“ gegen weitere verpflichtende Kontrollmaßnahmen durch die FDA. Auch solle Cutter unbedingt zu einem öffentlichen Treffen der staatlichen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) kommen, da dort „die Demographie bezahlter Spender diskutiert“ würde.
Ein Treffen der Blutgerinnungsfaktor-Industrie mit der FDA im Mai 1985 zeigt, dass die Komplizenschaft mit den Herstellern anhielt. Damals hatten schon alle Firmen Produkte auf dem Markt, die Virus-inaktiviert waren. Dennoch waren die alten Produkte noch zugelassen. Dr. Harry Meyer forderte die Hersteller auf, freiwillig auf die Vermarktung dieser Produkte zu verzichten. S.J. Ojala von Cutter fasste die Diskussion so zusammen: „(Meyer) erklärte, obwohl die FDA die Zulassungen für ungültig erklären könnte, wolle er keine Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass die FDA diesen Zustand so lange geduldet hatte. Er wolle die Sache lautlos (Unterstreichung im Original) erledigen, ohne den Kongress, die medizinische Fachwelt und die Öffentlichkeit zu alarmieren.“(11)
Auch in Deutschland hatte die Aufsicht über die Industrie kläglich versagt. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages befasste sich ausführlich mit den Schwächen im System.(12) Wie berechtigt die Forderungen der Pharma-Kampagne damals waren, zeigen die Erfahrungen aus Belgien und Norwegen. Dort wurden die Bluterkranken mit Gerinnungsfaktor versorgt, der aus freiwilligen Spenden aus dem eigenen Land stammte. Außerdem wurden nicht Tausende von Spenden zusammengekippt. So waren 1985/86 in Belgien 5,9% und in Norwegen 6,3% der Bluterkranken HIV-positiv, in Deutschland dagegen 47,4%.(13)
Autor: Jörg Schaaber
Fußnoten:
1 BUKO Pharma-Kampagne (1982) Das Blut der Armen – Medikamente für die Reichen?
2 Ichikawa D (1981) Letter to R. Barden 19 May. Cutter Laboratories. Oakland Plasma Center. http:dida.library.ucsf.edu/pdf/zeu13j10
3 Hjorth J (1982) Cutter memo to M. Sternberg 27 January http:dida.library.ucsf.edu/pdf/hgu13j10
4 Mazen M (1983) Chimp testing of hepatitis-safe Koate. Cutter memo to M M Sternberg. 4 Jan.
5 Cutter (1983) Foreword. Echo Vol 4, No. 1, May http:dida.library.ucsf.edu/pdf/lgu13j10
6 Modersbach RJ (1983) Cutter Memo an W Schmidt 31 Oct. www.baumhedlundlaw.com/hemophilia/exhibits/Exhibit-26-FNC.pdf
7 Ashworth JN (1983) Letter to B. Dyos 1 June http:dida.library.ucsf.edu/pdf/igu13j10
8 Cutter (o.J.) 1985 Far East Region. Preliminary marketing plan. http:dida.library.ucsf.edu/pdf/kfu13j10
9 Cutter (o.J.) 1984 budget Far East. http:dida.library.ucsf.edu/pdf/hfu13j10
10 Ojala (1982) Cutter memo: More AIDS and FDA. 21 Dec http:dida.library.ucsf.edu/pdf/weu13j10
11 Ojala SJ (1985) Cutter memo: Non-Heat Treat License. 30 May http:dida.library.ucsf.edu/pdf/ofu13j10
12 Deutscher Bundestag (1994) Zweite Beschlußempfehlung und Schlußbericht des 3. Untersuchungsausschusses nach Artikel 44 des Grundgesetzes. Drucksache 12/8591
13 Deutscher Bundestag (1994) aaO., S. 106
Wir fordern den BAYER-Konzern auf, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu senken und den Einsatz regenerativer Energien zu forcieren. Bei den Zulieferern von Kohle müssen ökologische und soziale Standards garantiert werden. Alle Rohstoffquellen müssen offengelegt werden.
Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,
Mein Name ist Markus Bärmann, ich bin 48 Jahre alt Berufsimker und Jäger und lebe mit den Bienen und der Jagd seit ich 7 Jahre alt bin.
In meiner Jugend und Kindheit mussten wir bei einer Fahrt durch die Rheinebene, z.B. Bienwald, mehrmals aus dem Auto steigen und die Windschutzscheibe unseres Autos putzen, um Insekten von dieser zu entfernen. Heute fahre ich die gleiche Strecke mehrmals ohne auch nur die Scheibenwischanlage betätigen zu müssen!
Warum nur? Ich sage nur Neonics.
Vor 10 Jahren noch weckten mich, früh Morgens in der Morgendämmerung bei meinen Bienen in Wald und Flur, das laute, sehr sehr laute Konzert der Singvögel, Bienen und die Fliegen summten mir ins Ohr. Nun hör ich nix mehr und keine Fliegen schubsen mich mehr an.
Warum nur? Bin ich taub geworden? Haben die Singvögel alle Insekten gefressen und sind dadurch verhungert? Ich sage schon wieder Neonics!
Vor 10 Jahren noch lebten in den Hecken um die Felder Rebhuhn und Fasan, es tummelten sich Kleiner Fuchs, Zitronenfalter und CO. Wo sind sie geblieben? Ich sage zum wiederholten male Neonics!
Wie können meine Bienen an Varrose sterben wenn ich doch brav die guten Mittel wie Bayvarol und Perizin ihrer Firma verwende? Ich sage Neonics!
Wie kann es sein wenn ich ständig Varroabefallsdiagnosen durchführe und keine Milben finden, dass meine Bienen schwächer und schwächer werden? Ich kenne das Wort! Neonics!
Wie kann es sein dass in Frankreich Schwalben fliegen und Rebhühner in stabilen Populationen vorhanden sind und in Deutschland sie auf der Roten Liste stehen? Was hat Frankreich verboten? Neonics
Wie hat der Dekkers doch so schön gesagt, Bilder wirken mehr als Worte!!
Der Sicherheitsbeamte hatte die Aktentasche gefilzt, sehr sehr gut sogar! Der fragte noch was ein Imker mit so viel elektronischem Zeug bei seinen Bienen will, dokumentieren war die Antwort! Der muss vor lauter Elektrosmog scheinbar blind gewesen sein ;-)
Was kann ein Imker dafür, dass ein Kilo tote Bienen so eine Papiertüte durchweichen und dann ganz langsam auf das polierte Parkett von Bayer träufeln und dadurch die Journalisten aufmerksam werden.
Was kann ein Imker dafür dass dann genau in diesem Moment, als der Journalist die Kamera zückt, die doofe Papiertüte platzt und alles plötzlich von Blockwarten nur so wimmelt.
Die hatten Schiss, vor den Bienen, die hielten respektvoll Abstand :-)
Toyotafan, frei Menschen lassen sich nix verbieten, gar nix, gewaltloser Widderstand (bewußt mit doppel D) lässt der Drohn sich nicht verbieten! Hast Du verstanden!
Wie sagte doch der Dekkers nach dem weltgrößten Breitwandfilm aller Zeiten:
Bilder wirken mehr als Worte! Danke Dekkers, wie wahr!!
Risiken der Hormonspirale Mirena
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist M. Th.
Diejenigen unter Ihnen, die bereits letztes Jahr hier waren, kennen mich noch. Für alle anderen sei gesagt: Herr Dr. Dekkers ist mir einige Antworten schuldig geblieben. Herr Dr. Dekkers, ich hoffe, dass Sie ein paar Minuten ihrer Zeit opfern konnten, um sich zur Mirena (IUS-20) zu informieren.
Die Mirena ist eine Hormonspirale, die sowohl verhütend wirkt als auch bei starken Regelblutungen eingesetzt wird. Und hier möchte ich Sie erneut fragen:
Warum werden in der aktuellen Werbebroschüre bestimmte starke Nebenwirkungen nicht angegeben und andere verharmlost? Warum wird der Libidoverlust dort nicht angegeben? Nach der Charta der sexuellen und reproduktiven Rechte von 1995 ist eine Aufklärung der Frauen verpflichtend! Die Frauen müssen eine aufgeklärte Entscheidung treffen können. Warum klären Sie also in Ihrer Werbebroschüre nicht umfassend auf? Bei einem sicheren Produkt muss doch nichts verschwiegen werden?
Bis Juni 2012 gingen zur Mirena 45 000 Beschwerden (Rottenstein Law Group) bei der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA ein. Sind diese Frauen ausreichend informiert worden? Glauben Sie wirklich, dass Ihre Werbebroschüre die Frauen hinsichtlich der Risiken ausreichend aufklärt?
Allein zwischen 2008 und 2012 gab es im englischsprachigen Gesundheitsportal „e-Health Me“ über 65000 Berichte über zum Teil sehr schwere Nebenwirkungen. Sind diverse Formen von Krebs wie Brustkrebs, Blutvergiftungen, ektope Schwangerschaften, Unterleibsinfektionen mit daraus resultierender Unfruchtbarkeit und sogar Todesfälle nicht erwähnenswert? Mirena stiehlt vielen Frauen wertvolle Jahre an Lebensqualität und macht unzählige davon bleibend krank.
Mütter sind die Zielgruppe der Mirena. Glauben Sie, dass die Mütter auf dieser Basis Ihre Produkte weiterempfehlen? Es gibt schon zahlreiche Erfahrungsberichte im Internet, wie die Videos zur Mirena auf Youtube!
Auf Dauer wird die Rechnung, Nebenwirkungen systematisch zu verschweigen und kleinzureden nicht aufgehen. Ein massiver finanzieller Schaden wird entstehen. Wie gedenken Sie das abzupuffern?
Im Fall der Pillen aus der Yasmingruppe stellte sich heraus, dass Sie sich verkalkuliert haben. Die Rücklagen haben bei Weitem nicht gereicht. Sogar jetzt sind noch lange nicht alle geschädigten Frauen damit abgegolten.
Für die Mirena ergibt sich 2012 ein Plus von 9,4% - aber: Das Plus kommt vor allem in den USA zustande. Also in dem Land, in dem laut Finanzvorstand Werner Baumann eine „Klageindustrie“ vorzufinden ist. Würden Sie sichere Produkte herstellen, glauben Sie nicht, dass die Amerikaner keine Angriffsfläche hätten?
Wieviel Rücklagen stellen sie also für Klagen bezüglich der Mirena zurück? Glauben Sie nicht, dass die Aktionäre davon wissen sollten, dass bereits JETZT zig Rechtsanwaltskanzleien in Amerika Klagen wegen der Mirena organisieren? Diese Frauen wenden sich den Anwaltskanzleien zu. Die Risiken der Mirena wurden verschwiegen und runtergespielt. Die FDA hat Sie diesbezüglich 2009 bereits gerügt. Sind Sie sich sicher, dass dies der richtige Weg ist?
Amerika ist ein Vorbild für europäische Gerichtsverfahren. Können Sie uns Aktionären garantieren, dass in Europa keine Klagen größeren Umfangs hereinbrechen werden?
Gut, wie es aussieht, sind Sie dabei, der Mirena ein neues Gesicht zu verpassen. Laut Dr. Flemming Ornskov hat die Skyla (IUS-12) junge Frauen zur Zielgruppe, die an einer geringeren Hormondosis interessiert sind – bei gleicher Verhütungssicherheit, mit dem gleichen Hormon. („Life PR“ (Berlin 14.12.2011))
Die Skyla kommt mit gut der halben täglichen Hormonfreisetzung als die Mirena aus. Trotzdem brechen über 21% der Skyla-Anwenderinnen die Behandlung in einer Studie wegen Nebenwirkungen ab. Skyla soll doch so eine niedrige Dosis freisetzen.
Auch in der Werbebroschüre zur Mirena wird stets betont, wie leicht dosiert diese sei. International angesehene Fachzeitschriften bestätigen hingegen den vorzeitigen Abbruch (BJOG 2005/2007, Gynecological Endokrinology 2009) der Mirena-Anwendung bei bis zu 60% der Frauen auf Grund starker Nebenwirkungen. Warum kommen Sie hier mit nur gut der halben täglichen Hormonfreisetzung aus als mit Mirena?
Warum wird gerade eine neue 5-Jahresspirale (IUS-16) mit deutlich niedrigerer täglichen Hormonfreisetzung getestet, wenn die Mirena so „light“ und so gut verträglich sein soll? Zweifeln Sie an Ihrem Produkt?
Auch bei einer „light-Zigarette“ muss ein Warnhinweis auf der Verpackung stehen. So kommen Sie doch endlich Ihrer vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Verpflichtung nach, uns Verbraucher umfangreich und wahrheitsgemäß zu informieren. Seit 2007 müssen Frauen vor dem Einlegen der Mirena einen Einverständnisbogen unterschreiben. Warum werden darin häufige und gravierende Nebenwirkungen wie Depressionen, Nervosität und Libidoverlust nicht erwähnt?
Auf zwei eng beschriebenen Seiten wäre doch wahrhaftig genügend Platz dafür! Gerade auf solche unspezifischen Symptome müsste besonders nachdrücklich hingewiesen werden, damit ein Zusammenhang zum Verhütungsmittel überhaupt erkannt werden kann! Gerade bei der neuen Zielgruppe von Skyla bzw. der neuen 5-Jahresspirale, die noch nicht die Zulassung erreicht hat. In dieser Form dient der Einverständnisbogen nicht zur Aufklärung, sondern zum Verschleiern der Nebenwirkungen.
Damit für andere Frauen nicht auch, wie für mich zur traurigen Erkenntnis wird: „Bayer - Science for a horrible life“.
Verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
Guten Tag Herr Wenning und die weiteren AR-Mitglieder und danke für die Einladung,
Guten Tag auch an Sie Herr Dr. Dekkers und weitere anwesende Vorstände,
Die Hauptversammlung ist der Tag der Berichte und der Rechenschaft gegenüber den Aktionären und deshalb hat auch dieses Jahr wieder eine Bayer langjährig verbundene, treue Aktionärsfamilie mich gebeten, hier zu Ihnen zu sprechen, was ich auch gerne tue.
Dazu muss ich zunächst mein Erstaunen darüber ausdrücken, dass Sie Herr Dekkers und Ihre Vorstandskollegen sich in ihren schriftlichen Berichten zu dem langandauernden Problemfall CO-Pipeline mit Informationen so auffällig zurückhalten. Sie sollten es aber als Ihre Pflicht Ihren Aktionären gegenüber betrachten, über Risiken für deren Kapitalanlage zu informieren, diese offenzulegen
statt zu verstecken; Und auch zu sagen, wo Sie deren Geld weiter verbuddeln wollen.
Bayer oder besser BMS hat doch im Jahr 2012 einen umfangreichen Planänderungsantrag zur CO-Pipeline nachgereicht. Die dort angekündigten „Nacharbeiten“ sollen Bayer weitere Millionen kosten und das dürfte den Aktionären gar nicht schmecken. Im letzten Jahr haben mehr als 24.000 Menschen
- weit mehr Menschen als BayerMaterialScience weltweit überhaupt beschäftigt -Einwendungen dagegen bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingereicht. Diese Einwendungen sollen im November diesen Jahres in der GRUGA-Halle diskutiert und verhandelt werden und Bayer wird das ebenso wie die Bearbeitung der Einwände zu bezahlen haben, wie die Bezirksregierung verlauten ließ.
Dazu habe ich in Ihrem Geschäftsbericht nichts entnehmen können, Seltsam!
Ihre im Frühjahr 2007 begonnene Pipeline rottet im rheinischen Boden also seit Jahren vor sich hin und Bayer steht noch in diesem Jahr ein sehr schwieriger Prozeß beim Oberverwaltungsgericht in Münster bevor. Die Richter dort haben bereits im Jahr 2007 mächtige Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens geäußert. weit mehr noch, als das Verwaltungsgericht Düsseldorf, das im Mai 2011 das Verfahren früher als geplant beendete und zu dem Urteil „rechtswidrig und nicht vollziehbar“ aber auch „nachbesserbar“ kam und zur Berufung freigab. Seltsam , dass Sie Herr Dr. Dekkers und wohl auch Ihre Kollegen zu diesen „rechtlichen Risiken“ keine Silbe für nötig halten. Machen sie das, weil sie dazu keine unternehmerische Entscheidung treffen wollen oder möchte der neue Aufsichtratsvorsitzende und ehemalige Verantwortliche für das Desaster Herr Wenning das nicht mehr hören ?
Als drittes Problem möchte ich erwähnen, dass gerade in jüngster Zeit die Bomben-Gefahr wieder virulent geworden ist. So wurde in Duisburg nur 80 Meter neben der CO-Pipeline eine weitere Bombe mit dem hochriskanten, weil unberechenbaren Säurezünder ausgemacht. Bei dem Bombenproblem hat Bayer als Auftraggeber zugesehen, wie die Baufirma Wingas massiv gegen Vorschriften verstoßen und sogar Aufsichtbehörde und Landesregierung belogen hat.
So kann niemand mit Gewissheit sagen, was dort und anderswo nahe oder sogar unter der CO-Pipeline noch an Risiken schlummert. Denn die Trasse wurde niemals ordentlich auf Bomben untersucht.
Das ist für Bayer als Pharma und Life-Science-Unternehmen ein böses Glaubwürdigkeitsloch und droht ein Imagedesaster zu werden?
Das Manager Magazin berichtete jüngst über eine Befragung von 30.000 Studenten in Deutschland. Danach haben speziell bei Absolventen der Wirtschaftswissen-schaften Arbeitgeber aus Süddeutschland einen deutlich besseren Ruf als NRW-Unternehmen. Und auch Bayer gehört leider zu den NRW-Konzernen, die bei vielen Studenten eher unbeliebt sind; Bayer liegt danach erst auf dem 48.Rang! Eine ziemliche Bürde, die Sie sich aufgeladen haben, angesichts des immer schärferen zukunftigen Wettbewerbs um „die besten Köpfe“. Da ist wohl noch Einiges aufzuarbeiten und möge Ihnen das gelingen!
Gelingen wird das aber nur, wenn Bayer es schafft, offen und ehrlich zu informieren.
Sie als Aktionäre haben Anspruch auf klare und vollständige Information. Sie sollten den Vorstand aufforden, von „Toten Pferden wie dem CO-Pipeline-Projekt“ möglichst schnell abzusteigen und dies zu beenden, um weitere Risiken und weitere Geldausgaben und größeren Imageschaden zu vermeiden!
Vor dem seit nunmehr sechs Jahren andauernden Bürgerproteste entlang der Pipelinetrasse scheinen die Verantwortlichen sich hierzu in ein Schweigegelübde flüchten zu wollen. Leider machen sie noch nicht das, was Manager eigentlich tun sollen; nämlich Probleme zu bereinigen und sich nicht von Ihnen gefangen halten lassen.
Mehr als 110 000 Bürgerinnen und Bürger haben sich mit ihrer Unterschrift gegen die Pipeline ausgesprochen. In den Trassenkommunen mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern hat sich die Lokalpolitik eindeutig gegen dieses Projekt ausgesprochen und Bayer wird sich weiter mit mehr als 40 Klagen herumschlagen müssen.
Machen Sie das den Verantwortlichen mit einem Beifall jetzt und später bei Ihrer Stimmabgabe deutlich: Änderung und Konsequenz ist Fortschritt und Festhalten an Verlorenem bedeutet Stillstand - Also schicken Sie die CO-Pipeline in die Wüste! Ich Danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und gerne von Ihnen Minheer Dekkers mit:
Tot ziens! und auf ein hoffentlich weiter erfolgreiches Unternehmen Bayer!
Rede von Dr. Gottfried Arnold
Sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstandes,
sehr geehrter Herr Dekkers, sehr geehrter Herr Wenning,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe hier 1 Schnapsglas und ein Weinglas mitgebracht als Symbol für die Gefährlichkeit von Kohlenmonoxid. Warum? Ich möchte als Kinderarzt einige Bemerkungen zur Bayer-Pipeline für hochgiftiges Kohlenmonoxid von Dormagen nach Krefeld machen. Wenn ein gesunder Mensch 30 ml, die Menge eines Schnapsglases, an reinem Kohlenmonoxid einatmet, wird er bewusstlos und damit fluchtunfähig; 130 ml töten einen Menschen. Zum Vergleich ein mittlerer Atemzug eines Erwachsenen beträgt 500 ml. Dieses Gift soll hochrein durch diese Leitung gehen: 1 ATEMZUG KANN also TÖTEN!
Danke, Herr Wenning, dass Sie schon früh die Landtagsabgeordneten darauf hingewiesen haben, dass CO giftig ist. Herzlichen Glückwunsch an Sie und an den Bayermitarbeiter Karl Kress, der sich als CDU-Abgeordneter im Landtag mit soviel positiver Energie eingesetzt hat. Dadurch ging das Pipeline-Gesetz OHNE JEDE DISKUSSION und OHNE EINE GEGENSTIMME durch den Landtag von NRW.
Alles wäre ja so schön gewesen, wenn da nicht die wachsamen Bürger und Bürgerinitiativen wären. In nur 6 Wochen haben sich im Jahr 2012 mehr als 24.000 Bürger gegen Ihr Projekt ausgesprochen und zwar mit der gleichen Einstimmigkeit: Landrat und Bürgermeister, die Feuerwehren und die lokalen Politiker – alle leisten anhaltend Widerstand gegen Ihr Pipeline-Projekt. Außerdem haben sich mehr als 450 Ärzte gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline ausgesprochen, weil sie das toxikologische Risiko als extrem hoch und die Behandlungsmöglichkeiten als extrem gering einschätzen. Ob das Ihre Aktionäre gut finden, wenn Sie die Multiplikatoren Ihrer Pharma-Produkte in eine zunehmende kritischere Position bringen? In der Pipeline-Region sind Ihre Produkte inzwischen bei vielen Menschen unerwünscht!
Dieses Projekt ist ja auch für Sie nervend, Herr Dekkers, es zieht sich in die Länge mit der vernichtenden Negativ-Reklame. Dann gab es auch noch einen Insider, einen Whistleblower, der Ihre Schandtaten publik gemacht hat. Am 24.2.10 musste Ihr Dr. Hinderer im Landtag in aller Öffentlichkeit zugeben, den Landtag belogen zu haben. Sie haben bewusst die Prüfung auf Kampfmittel im Bereich der Trasse unterlassen. Damit gefährden Sie einerseits die Menschen vom Kampfmittelräumdienst und die Pipeline-Bauarbeiter, andererseits die Bevölkerung an der Pipeline. Besonders die Duisburger Schwerindustrie wurde im 2. Weltkrieg heftig bombardiert. Allein in der Nähe der Duisburger Trasse sind bisher 5 Bomben gefunden worden, zum Teil mit tückischen Säurezündern. Dieses Verhalten steht in krassem Gegensatz zu Ihren Beteuerungen, sie täten alles für die Sicherheit der Bevölkerung.
Besser sieht es mit Ihrem Leckerkennungssystem LEOS auch nicht aus. Ich zeige hier noch mal das Schnapsglas (30ml) für die eingeatmete Kohlenmonoxid-Menge, die bewusstlos und fluchtunfähig macht und das Weinglas (130 ml) als Symbol für Tod. Ihr Leckwarnsystem schlägt günstigstenfalls Alarm, wenn mehr als 100 l CO/Std aus der Leitung verloren gehen. Wenn dieses System aber gerade beim Messen ist, dann können Sie nur ein Leck wahrnehmen, bei dem mehr als 60 m³/Std austreten. Nochmal, dann können 60.000 l Kohlenmonoxid/Std unbemerkt entweichen, wo doch 0.13 l schon töten. Finden Sie das nicht auch kriminell?
Wenn die Leckerkennung so grottenschlecht ist, macht es auch nichts mehr aus, wenn die Leitung und der Leckerkennungsschlauch teilweise in ton- und lehmhaltige Erde gelegt worden sind. Lehm und Ton ? Haben Sie das nicht auch zum Abdichten Ihrer Deponie an der Dhünn benutzt? Richtig, deshalb wird ein Leck vielleicht erst auffallen, wenn das ausgetretene Gas Tausende Opfer gefordert hat.
Folgerichtig hat auch die Bezirksregierung Ihrem AllgemeinenGefahren-AbwehrPlan (AGAP) nach all den Jahren immer noch nicht zugestimmt. Schließlich dürfen die Feuerwehren ihr Personal aus Gründen des Selbstschutzes nicht in die Hölle einer CO-Wolke unbekannter Größe schicken.
Und jetzt zum Schluß kommt der Clou. Der Grund für die CO-Pipeline ist entfallen: Sie wollten für die neue TDI-Anlage in Dormagen den CO-Reformer bauen, den die Bürgerinitiativen Ihnen schon lange empfohlen hatten. Überholt ist zwischenzeitlich auch dieser Plan, da sie jetzt die subventionierten Polycarbonat-Produktion aus CO2 betreiben wollen. Damit brauchen Sie gar kein CO mehr für die Kunststoff-Produktion. Fassen Sie sich ein Herz, Herr Dekkers, und beenden Sie dieses menschenverachtende CO-Pipeline-Projekt, bevor es die Gerichte tun.
Dieses Projekt lassen wir in NRW uns nicht gefallen!
„Zum Wohl“ !



